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	<title>OpenMindJournal</title>
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	<description>Das Online-Journal für den Wandel in Bewusstsein, Kultur und Technologie</description>
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		<title>So viel du brauchst</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 15:27:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[34. Deutscher Evangelischer Kirchentag im Zeichen von sozialem Zusammenhalt, Energiewende und der Grenzen des Wachstums In Hamburg beginnt heute in Hamburg der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag. Unter dem der Bibel entlehnten Motto „Soviel du brauchst“ wollen etwa 110.000 Dauerteilnehmer sowie Zehntausende Tagesgäste vom 1.–5. Mai gemeinsam diskutieren, beten und feiern. 2.500 Veranstaltungen sind geplant, darunter Vorträge, Diskussionsrunden, Bibelarbeiten, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>34. Deutscher Evangelischer Kirchentag im Zeichen von sozialem Zusammenhalt, Energiewende und der Grenzen des Wachstums</h2>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/05/Losung-michel.png" rel="lightbox[5708]"><img class="alignright size-medium wp-image-5710" alt="Losung-michel" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/05/Losung-michel-300x199.png" width="300" height="199" /></a>In Hamburg beginnt heute in Hamburg der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag. Unter dem der Bibel entlehnten Motto „Soviel du brauchst“ wollen etwa 110.000 Dauerteilnehmer sowie Zehntausende Tagesgäste vom 1.–5. Mai gemeinsam diskutieren, beten und feiern. 2.500 Veranstaltungen sind geplant, darunter Vorträge, Diskussionsrunden, Bibelarbeiten, Ausstellungen und ein breites kulturelles Programm. Die Hansestadt ist dabei bereits zum vierten Mal Gastgeber des Treffens protestantischer Laien.</p>
<p>Der Kirchentag findet alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt statt. Gegründet wurde der Kirchentag 1949 vom Juristen Reinold von Thadden-Trieglaff in Hannover. Bis zum Bau der Mauer 1961 hatten die Protestantentreffen eine wichtige Funktion als gesamtdeutsche Klammer. Danach entstand neben dem Deutschen Evangelischen Kirchentag der Evangelische Kirchentag in der DDR. 1991 vereinigten sich die Kirchentagsbewegungen wieder. Rechtsträger des Kirchentags ist ein selbstständiger Verein mit Sitz in Fulda.</p>
<p>Die Losung „Soviel du brauchst“ ist aus dem 2. Buch Mose im Alten Testament abgeleitet. Dort wird die Geschichte erzählt, dass dem hungernden Volk Israel auf seinem Zug durch die Wüste Manna vom Himmel fällt. Am Ende haben jede und jeder so viel, wie er oder sie braucht. Für die Veranstalter des Kirchentags ist die Losung „biblische Positionsbestimmung und Routenplanung in einem“, wie es Generalsekretärin Ellen Ueberschär formuliert. Sie sieht darin eine doppelte Aussage: „Gott sorgt für dich, es ist so viel da, wie du brauchst“ und „Gebrauche nur so viel, wie da ist“.</p>
<h4>Politik und Unterhaltung</h4>
<div id="attachment_5711" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/05/Rathaus_gut.jpg" rel="lightbox[5708]"><img class=" wp-image-5711 " alt="Auftaktaktion auf dem Hamburger Rathausmarkt: 200 Menschen bilden ein Jerusalemkreuz" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/05/Rathaus_gut-300x199.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Auftaktaktion auf dem Hamburger Rathausmarkt: 200 Menschen bilden ein Jerusalemkreuz</p></div>
<p>Der Kirchentag ist auch immer ein Stelldichein der Prominenz aus Politik, Kirche und Unterhaltung. So wird etwa Bundespräsident Joachim Gauck – selbst viele Jahre evangelischer Pfarrer – zur Eröffnung am Mittwoch einige Worte an die Teilnehmer richten, ehe er am Donnerstag bei einem Podium über eine „Starke Gesellschaft“ diskutiert.</p>
<p>Knapp fünf Monate vor der Bundestagswahl in Deutschland haben sich auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), ihr SPD-Herausforderer Peer Steinbrück und zahlreiche weitere Spitzenpolitiker angesagt. Publikumsmagneten dürften auch Prominente wie Liedermacher Wolf Biermann, Entertainer Corny Littmann, der seit einem Unfall bei „Wetten dass“ gelähmte Samuel Koch oder die Band Wise Guys sein.</p>
<p>Mit einem Infostand wird auch die »<a href="http://www.eineweltpartei.de" target="_blank" rel="external nofollow">Eine Welt Partei</a>« am Kirchentag vertreten sein, auf dem auch <a href="http://de.simpol.org" target="_blank" rel="external nofollow">Simpol</a> auf einem Plakat und in den Flyer erwähnt wird. Der Grundgedanke der Eine-Welt-Partei ist einfach: Wir setzen uns für das ein, was gut für die ganze Menschheit ist. Mittels globaler Demokratie und ökosozialer Markwirtschaft sollen der Frieden gesichert, wirtschaftliche Ungleichgewichte abgebaut und die natürlichen Lebensgrundlagen bewahrt werden.</p>
<h4>Welten verbindende Grossveranstaltung</h4>
<p>Mit gemeinsamen Gottesdiensten, Diskussionen und nicht zuletzt durch die Bereitstellung von zahlreichen Räumen unterstützt auch das katholische Erzbistum Hamburg den 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Erzbischof Dr. Werner Thissen: „Wir rollen den roten Teppich aus für die Gäste des Kirchentags. Wir beteiligen uns gern in ökumenischer Freundschaft an diesem Glaubensfest.“ Der Erzbischof wird unter anderem in einem ökumenischen Gottesdienst am 2. Mai auf dem Fischmarkt predigen zum Thema: „Fisch, der satt macht.“ „Wir sind sehr dankbar über die Unterstützung von Seiten des Erzbistums. Gerade dieses Miteinander trägt entscheidend zur Vielfalt des Kirchentagsprogramms bei“, so Kirchentagspräsident Prof. Dr. Gerhard Robbers.</p>
<p>Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist weder eine rein deutsche noch eine allein evangelische Veranstaltung. Er bringt regelmäßig Menschen aus aller Welt, ausunterschiedlichen Konfessionen und Religionen zusammen. Rund 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer jedes Treffens kommen aus dem Ausland, aus etwa 80 verschiedenen Nationen.</p>
<p>Wer den Kirchentag besucht, erfährt: Die christliche Weltgemeinschaft und die religiösen Landschaften auf dem Globus sind bunt; es gibt leidenschaftliches Engagement viele kreative Ideen, die Glauben und Leben der Christen hierzulande bereichern. Damit trägt der Kirchentag nicht nur zur Ökumene, sondern auch zur Völkerverständigung bei.</p>
<p>Über die Ökumene zwischen Katholiken, Protestanten und weiteren christlichen Kirchen hinaus will der Kirchentag den Dialog der Religionen fördern. Jeder, der nach dem Sinn des Lebens fragt, kann auf Kirchentagen Antworten finden, die ihn weiterführen. Hier diskutieren Christen, Juden, Muslime, Buddhisten und Hindus miteinander und lernen voneinander.</p>
<h4>Kirchentag und Klimaschutz</h4>
<p>Der Kirchentag ist eine der umweltfreundlichsten Großveranstaltungen in Deutschland. In seiner Arbeitskultur ist Klimaschutz fest verankert. Mit einzelnen Aktionen während der Veranstaltungstage und in ihrer Vorbereitung weist er darüber hinaus immer wieder auf die Bedeutung der Bewahrung der Schöpfung hin.</p>
<p>Der Schwerpunkt Ernährung wird im Rahmen des Projektes <a title="Opens internal link in current window" href="http://www.kirchentag.de/das-ist-kirchentag/das-ist-kirchentag/klimaschutz/verpflegung/klever.html" rel="external nofollow">„KleVer – Klimaeffiziente Verpflegung bei Großveranstaltungen“</a> umgesetzt. Das Projekt setzt an einer klimafreundlichen Gestaltung aller Verpflegungsbereiche des Kirchentages an und erweitert den ökofairen Ansatz. Auch stellt Hamburg Wasser für den Kirchentag zahlreiche Wasserzapfsäulen auf, an denen es umweltfreundliches Leitungswasser als Durstlöscher gibt – „Soviel du brauchst“.</p>
<p> </p>
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		<title>Gastgeber im Neuland sein</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Apr 2013 08:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Weiterbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Wandlungspionieren, Wissensnomaden, Visionauten und Sinnsuchern. Den Wunsch, Menschen zu begleiten und Projekte für den Wandel umzusetzen, teilen Bildungsorganisationen aus ganz Europa, die sich in einer Lernpartnerschaft austauschen und gegenseitig ermutigen. »Willkommen in einer alternativen Bildungslandschaft«, klingt es in mir, als ich abends das kleine Souterrainlokal in Berlin verlasse. Glücklich steige ich auf mein Fahrrad [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Von Wandlungspionieren, Wissensnomaden, Visionauten und Sinnsuchern.</h2>
<p><em>Den Wunsch, Menschen zu begleiten und Projekte für den Wandel umzusetzen, teilen Bildungsorganisationen aus ganz Europa, die sich in einer Lernpartnerschaft austauschen und gegenseitig ermutigen.</em></p>
<div id="attachment_5702" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/image1_hires.jpg" rel="lightbox[5698]"><img class=" wp-image-5702  " style="margin-left: 10px;" alt="© Foto: hostingtransformation.eu" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/image1_hires-300x224.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: hostingtransformation.eu</p></div>
<p>»Willkommen in einer alternativen Bildungslandschaft«, klingt es in mir, als ich abends das kleine Souterrainlokal in Berlin verlasse. Glücklich steige ich auf mein Fahrrad und radle durch die fremde Stadt. Ich komme vom ersten Treffen unserer Lernpartnerschaft »Hosting Transformation« und bin beflügelt von den spannenden Projekten, in denen Bildung ganz anders gelebt wird, als ich es in  Schule und Uni erlebt habe. Es ist der Beginn einer Reise, die uns quer durch Europa führen wird.</p>
<p>Jahrelang stand ich vor einer inneren Zerreißprobe: Der Wunsch, zu einer zukunftsfähigen Welt beizutragen und die Sehnsucht, ein selbsterkennender Mensch zu werden, wollten nicht zusammenfinden. Die Auflösung dieser Spannung begann vor drei Jahren. Ich war Teilnehmer beim »Lerngang« der »Pioneers of Change« und lernte in dem Jahr nicht nur Handwerkszeug für den Aufbau sozia­ler Projekte, sondern ebenso innere Klarheit und Ausrichtung für meinen persönlichen Weg. Damit war nicht mehr getrennt, was vorher zweierlei schien: Meine eigene Entfaltung und mein Beitrag für die Welt. Seitdem begleitet mich der Satz: »Wo sich meine Gaben mit den Bedürfnissen der Welt treffen, dort liegt meine Berufung.«</p>
<p>Seit dieser Zeit staunte ich umso mehr, wie wenig Stellenwert die Frage nach den eigenen Gaben und nach den Wegen, sie in die Welt zu bringen, in der Schule und in der Uni hat. So begann ich im Winter 2010 bei den Pioneers of Change mitzuarbeiten, und mein Wunsch wuchs, weitere ähnlich gelagerte Bildungsprojekte in Europa kennenzulernen. Wie es der Zufall wollte, riefen kurz darauf Boris und Jutta Goldammer von der Berliner »Akademie für Visionautik« bei uns an und luden uns ein, Teil einer EU-Lernpartnerschaft zu werden. Eine Einladung, der wir mit Freude folgten. Ein halbes Jahr später saßen wir im Zug von Wien nach Berlin. Es war das erste von sieben Treffen, an dem sich Vertreterinnen und Vertreter von sieben Bildungsprojekten beteiligten – von den Pioneers of Change aus Wien, der Akademie für Visionautik aus Berlin, vom »Youth Initiative Program« aus Schweden, dem Lernort Embercombe aus Südengland, den »Knowmads« aus Amsterdam, dem Kunstzentrum »Art Monastery« aus Italien sowie der »Society of Organisational Learning« (SOL) aus Ungarn.</p>
<h4><strong>Im geschützten Freiraum</strong></h4>
<p>Als wir gut zwei Dutzend Menschen aus den verschiedenen Organisationen uns beim ersten Treffen über unsere Projekte, ihren Arbeitsalltag und die Herausforderungen austauschen, bleibt uns regelrecht die Spucke weg angesichts der starken Parallelen, die sich überall zeigen. Wir merken, dass wir uns gerne intensiver kennenlernen möchten und dafür mehr Zeit brauchen, als von den Gastgebern geplant. Spontan ändern wir den Ablauf des Treffens. Schon darin spiegelt sich ein gemeinsamer Arbeitsstil aller Beteiligten – das »Mitgehen im Fluss«. Statt ein fixes Programm durchzuboxen, lieben wir es, zu spüren, was gerade wirklich ansteht, und dies auch umzusetzen. Wenn wir uns gegenseitig von der Methodenvielfalt in unseren Bildungsprozessen erzählen, werden weitere Gemeinsamkeiten deutlich. Da begegnen sich tiefe Gespräche mit knackigen Präsentationsformen, Arbeit in der Natur mit klarem Projektdesign, Kommunikation im Team mit dem Layout einer Homepage, Feuerlauf mit Finanzierungskonzepten und Tiefenökologie mit Theorieimpulsen. Lernräume sind offenbar so vielfältig wie die Innenräume der Menschen.</p>
<p>»Hosting Transformation« ist der englische Titel unserer Lernpartnerschaft, was soviel bedeutet wie »Gastgeber des Wandels sein«. Gemeint ist damit vor allem die Kunst, Freiräume zu schaffen, in denen das entstehen kann, was da sein will: Der Raum der Visionauten in Berlin ist sauber und schlicht, die Wände dürfen Leinwand für den gemeinschaftlichen Prozess werden und füllen sich bald mit Post-its und bunten Blättern. Wir wechseln zwischen lockeren Übungen, Gesprächen in Kleingruppen und intensiven Diskussionen im großen Kreis. So fühlen wir uns pudelwohl und geborgen. Es ist eine besondere Qualität, eine möglichst sichere und klare Atmosphäre zu schaffen, in der über wesentliche Dinge offen gesprochen werden kann – wie das gelingt, wird eines unserer gemeinsamen Themen.</p>
<p>Unseren Lernansatz bezeichnen wir im Lauf der Gespräche zunächst intuitiv als »transformatives Lernen«. Der Erziehungswissenschaftler Edmund O’Sullivan beschreibt diese Qualität als die »Erfahrung einer tiefen, strukturellen Veränderung in den grundlegenden Bereichen des Denkens, Fühlens und Handelns. Es bedeutet einen Wandel des Bewusstseins, der die Art und Weise, auf die wir uns selbst innerhalb der Welt empfinden, tiefgehend und unwiederbringlich verändert«.</p>
<p>Wie lässt sich freie Bildung finanzieren?<br />
Aber wo Licht scheint, gibt es auch Schatten. In unserem Kreis gibt es auch Gemeinsamkeiten bei schwierigen Themen: Dass wir finanziell nicht genährt sind und über unsere natürlichen Grenzen hinaus arbeiten. Dass wir selbst noch junge Pflanzen mit zarten Trieben sind, die versuchen, in diesem System zu überleben, dass auch unser Einsatz für den Wandel oftmals an und über die eigenen Kräfte geht, und dass wir unserem Anspruch, als »gute Beispiele« für die Teilnehmenden voranzugehen, leider nicht immer gerecht werden. Es tut gut, dies unter Gleichgesinnten ansprechen zu können. Wir nehmen uns das Permakulturprinzip »Das Problem ist die Lösung« zu Herzen und wählen diese Herausforderungen als Themenschwerpunkte für die nächsten beiden Treffen.</p>
<p>So steht unsere gemeinsame Arbeit in Amsterdam unter der Frage: Wie können wir unsere Bildungsangebote auf finanziell gute Beine stellen? Die einzelnen Projekte finanzieren sich sehr unterschiedlich: Während manche Beiträge erheben und andere sich rein über öffentliche Förderungen finanzieren, übernehmen die Knowmads Aufträge für Firmen, die von den Studierenden umgesetzt werden. YIP in Schweden hat mittlerweile ein weites Netzwerk von Partnerinnen und Partnern aufgebaut und kann neben den Geldbeiträgen auf Schenk– und Tauschwirtschaft zurückgreifen. Mein Möglichkeitshorizont weitet sich. Wir haben für die Pioneers of Change leider noch kein Geheimrezept für die ultimative Finanzierungsmethode entdeckt, doch dafür kehren wir mit viel Inspiration zurück.</p>
<p>Wie könnte Bildung als Gemeingut so organisiert werden, dass sie Menschen offen zugänglich ist und dass diejenigen, die den Bildungsraum halten, dabei genährt sind? Vor allem, wenn wir uns nicht in eine Uni-Struktur begeben oder von öffentlichen Förderungen abhängig machen wollen. Können sich die Teilnehmer gegenseitig unterstützen? Selbst entscheiden, was sie bezahlen – in einem gewissen Rahmen? Damit experimentieren wir gerade. Welche anderen Formen von Ausgleich gibt es noch außer Geld? Können Bildungsangebote in alternative ökonomische Strukturen wie Tauschringe verwoben werden? An dieser Stelle gibt es noch viel Entwicklungspotenzial. Bei den Pioneers of Change nähern wir uns dem Thema derzeit mit Übungen zur Schenkökonomie an.</p>
<h4><strong>Ein Lernort zum Arbeiten und Träumen</strong></h4>
<p>Die Frage nach der persönlichen Balance ist Thema des nächsten Treffens, das im Süden Englands stattfindet. Inmitten von Wald, Jurten, einem riesigen Gemüsegarten und zahlreichen Bildungsprojekten lernen wir in Embercombe von Ort und Menschen, was es heißt, Kultur und Natur sowohl zu verbinden als auch zu unterscheiden. Was in uns lassen wir wild – und was kultivieren wir?</p>
<p>Ich habe das Gefühl, nach Hause zu kommen. Wir sind eingebunden in die tägliche gemeinsame körperliche Arbeit im Garten und im Wald, wir lernen von der Erde. In Embercombe leben zehn Menschen und freiwillige Helferinnen und Helfer; wöchentlich kommen neue Gruppen, um mit und in der Natur zu lernen. Innerhalb der großen Gemeinschaft, die sich jeden Tag trifft, im Kreis sitzt, den Tag bespricht und eine klare, einfache Organisationsform hat, wirkt das Leben in Embercombe wie von selbst katalysierend für persönliche Prozesse. Ich schlafe alleine im Wald, springe in der Früh in den See, und nachmittags sitzen wir in einem umgebauten Flugzeughangar um Flipcharts. Es ist ein erdiger, aber sehr feiner Ort; hier gibt es Matsch (sehr viel Matsch), Einfachheit, liebevolle Blicke, feine Details am Wegesrand und wunderbares Essen. Jeden Morgen geht eine Person für eine Stunde als »Träumer« hinaus in den Wald und hört, spürt, fühlt, was der Ort zu sagen hat und braucht.</p>
<p>In den folgenden Monaten besuche ich das »Schumacher College« in England, entdecke viele Gemeinsamkeiten der Pioneers of Change mit dem Bildungsjahr »Project Peace«, erfahre von der »Bee School« in Leipzig, vom »Peace Lab« in Steyerberg und dem »One Year in Transition Training«. Ich treffe Menschen aus den Netzwerken des Ökodorf-Trainings »Gaia Education« und der »Kaospiloten« und lese von der »Team Academy«. Auch hier spüre ich wieder diese Kultur des Lernens, eine ähnliche Qualität des Herzens und die gleichen Intentionen. In mir wird es wohlig warm: All das sind Imagozellen wie bei der Verwandlung der Raupe in einen Schmetterling. Während sich die vollgefressene Raupe verpuppt und innerlich auflöst – nur das Herz schlägt weiter – bilden diese Zellen Strukturen, die das Bild des verwandelten Wesens schon in sich tragen. Der Bildungs-Schmetterling wächst.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmal im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/953-gastgeber_im_neuland_sein.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 19/2013</a></em></p>
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		<title>Wir gestalten Zukunft</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2013/04/03/wir-gestalten-zukunft/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 12:22:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Integrale Landkarte]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>

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		<description><![CDATA[Gemeinsamer bewusster werden, sich engagieren, etwas bewegen Die Welt ist in Aufruhr. Nicht nur in den arabischen Ländern, auch in Russland, China und Indien gehen die Menschen auf die Straße und vernetzen sich über Facebook und Twitter, um für eine bessere Welt, für mehr Demokratie zu kämpfen. Doch je lauter der Ruf nach kulturellem Wandel [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Gemeinsamer bewusster werden, sich engagieren, etwas bewegen</h2>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/IF-tagung.jpg" rel="lightbox[5685]"><img class="alignright size-medium wp-image-5688" alt="Wir gestalten Zukunft - Tagung Integrales Forum" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/IF-tagung-300x214.jpg" width="300" height="214" /></a>Die Welt ist in Aufruhr. Nicht nur in den arabischen Ländern, auch in Russland, China und Indien gehen die Menschen auf die Straße und vernetzen sich über Facebook und Twitter, um für eine bessere Welt, für mehr Demokratie zu kämpfen. Doch je lauter der Ruf nach kulturellem Wandel erschallt, desto stärker wird auch der Widerstand der traditionellen, teils archaischen Kräfte.</p>
<p>Auch beim zweiten großen Thema unserer Zeit, der Ökologie, stellt sich die Frage: Entwickelt sich das neue Bewusstsein schnell genug? Schaffen wir den Sprung in eine nachhaltige, postmoderne Gesellschaft, in ein neues, regeneratives Zeitalter, bevor wir uns unsere Lebensgrundlagen entziehen?</p>
<p>Die integrale Theorie bietet uns völlig neue Perspektiven auf die unterschiedlichen Kulturen und oft widerstreitenden Kräfte. Perspektiven von großer Spannweite und Lösungstiefe. Doch mit einer Theorie allein werden wir die Welt nicht retten. Und deshalb widmet sich die <b><span style="text-decoration: underline;">Jahrestagung des Integralen Forums, die vom 14. bis 16. Juni 2013 in Nürnberg</span></b> stattfindet, der Frage, wie wir uns <b>gemeinsam entwickeln und engagieren können, um etwas in der Welt zu bewegen</b>.</p>
<p>Führende deutschsprachige und internationale Referentinnen und Referenten werden illustrieren, welche neuen Ideen, Werte und Fähigkeiten es in Zeiten extrem beschleunigten Wandels, Krisen aller Couleur und globaler Vernetzung braucht. Sie stellen aktuelle Entwicklungen und Projekte aus <b>Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft </b>vor, werfen einen Blick in die Zukunft und zeigen auf, wie wir mit einer integralen Ausrichtung dazu beitragen können, eine neue Lösungsqualität in die Welt zu tragen.</p>
<p>Der<b> <i>integrale Philosoph Ken Wilber</i></b> wird per Skype mit <b><i>Sean Esbjörn Hargens</i></b>, Mitautor des Buches „Integral Ecology“, die neuesten integralen Erkenntnisse aus internationaler Perspektive beleuchten: Welcher <b>Geist der Zukunft</b> artikuliert sich in der Welt? Was bedeutet dies für eine <b>kulturelle Evolution zwischen Einheit und Vielfalt</b>? Welche konkreten Aufgaben stellen sich für uns, und wo sind wir (heraus)gefordert?</p>
<p>Ein weiterer prominenter Redner ist der österreichische <b><i>Gemeinwohlaktivist Christian Felber</i></b>, der in seinem Vortrag den Weg zu einer Ökonomie skizziert, in der Geld und Märkte wieder den Menschen dienen anstatt umgekehrt. Er stellt <b>Tools und Methoden</b> vor, die den Bezug wirtschaftlichen Handelns auf größere gesellschaftliche, soziale und ökologische Kontexte ermöglichen (wie zum Beispiel Gemeinwohlbilanzen), gibt einen Überblick über <b>unternehmerische Ansätze</b>, die dem Gemeinwohlgedanken bereits folgen, und vermittelt Impulse, wie sich in diesem Geiste neue Initiativen entwickeln lassen.</p>
<p>Stargast aus den USA ist <b><i>Steve McIntosh</i></b>, einer der international führenden integralen Denker und Autor der Bücher „Integrales Bewusstsein“ und „Evolution’s Purpose“. McIntosh wird in einem Impulsdialog mit Sonja Student, Vorstandsvorsitzende des Integralen Forums, über „Die Intentionalität des Werdens“ sprechen und den Fragen nachgehen, welches <b>Spannungsfeld zwischen Wissen und Werden-Wollen</b> besteht, wie Werte, Wandel und Wirken zu einer konstruktiven Synthese finden können und welche Herausforderungen dies für unser Selbstverständnis und unser Handeln mit sich bringt. Ergänzend moderiert McIntosh einen Vertiefungsworkshop zum Thema „Die Dynamik der Evolution erkennen und leben“.</p>
<p>Weitere Themen der Jahrestagung sind „Aus der Zukunft führen“, ein Beitrag (via Skype) von Barrett Brown, der schon auf der Jahrestagung 2012 stehende Ovationen erhielt, „Beyond Now“ – ein Workshop mit <b><i>Dr. Elizabeth Debold</i></b>, die den evolutionären Impuls zum Ausgangspunkt <b>ko-kreativer Prozesse</b> macht, „<b>Politische Partizipation</b> global gestalten“ mit <b><i>Dirk Weller</i></b> (SIMPOL) oder „Zwischen Entfaltung und Verbindlichkeit“ mit <b><i>Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming</i></b>.</p>
<p>Insgesamt spannt die integrale Jahrestagung einen Bogen von der persönlichen Entwicklung über kulturelle und soziale Zusammenhänge hin zu einem gemeinsamen Handeln. Dieser Dynamik trägt auch das neue Tagungsdesign Rechnung: Vortrags– und Workshop-Blöcke wechseln sich mit interaktiv-explorativen Phasen ab, es werden Open-Space und gemeinsame Erkundungsräume geschaffen, um den gemeinsamen Austausch zu fördern. Unter dem Motto „Von der Zukunft her denken, fühlen, wollen und können“ führt ein U-Prozess die Erkenntnisse der Tagung zusammen und schlägt eine Brücke zur konkreten Zukunftsgestaltung.</p>
<p>Verantwortlich für dieses interaktive Tagungsdesign zeichnen sich zwei erfahrene Großgruppenmoderatorinnen und Kennerinnen der integralen Theorie und Praxis, Regina Hunschock von 3Blüten Integral Facilitation und Susanya Manz, Expertin für Salonkultur und Art of Hosting. Die gesamte Tagung wird von einem professionellen Prozess-Team „gehostet“ und begleitet, was schon jetzt neugierig auf das veränderte Format macht.</p>
<p>Weitere Informationen zur Jahrestagung des Integralen Forums entnehmen Sie der <a href="http://integralesleben.org/if-home/if-integrales-forum/jahrestagung/2013-nuernberg/tagungsprogramm/" target="_blank" rel="external nofollow">Webseite</a>.</p>
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		<title>Auf dem Weg zum umgekehrten Willen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2013/04/02/auf-dem-weg-zum-umgekehrten-willen/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Apr 2013 07:40:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anthroposophie]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>
		<category><![CDATA[Stille Meditation]]></category>

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		<description><![CDATA[Erfahrungen während eines Meditationsseminars mit Arthur Zajonc Der US-amerikanische Naturwissenschaftler und Anthroposoph Arthur Zajonc gehört zu den Pionieren, wenn es darum geht, zeitgemäße Formen von Meditation zu entwickeln. Auf einem Intensiv-Seminar für Führungskräfte in Deutschland gab er kürzlich Einblicke in seine Arbeit. „Und dann loslassen, innere Stille, leeres Bewusstsein“ – fast zwanzigmal gehe ich während [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Erfahrungen während eines Meditationsseminars mit Arthur Zajonc</h2>
<p><em>Der US-amerikanische Naturwissenschaftler und Anthroposoph Arthur Zajonc gehört zu den Pionieren, wenn es darum geht, zeitgemäße Formen von Meditation zu entwickeln. Auf einem Intensiv-Seminar für Führungskräfte in Deutschland gab er kürzlich Einblicke in seine Arbeit.</em></p>
<div id="attachment_5677" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/625256_original_R_by_Dorothea-Jacob_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5675]"><img class=" wp-image-5677 " alt="Foto: Dorothea Jacob  / pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/625256_original_R_by_Dorothea-Jacob_pixelio.de_-300x192.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Dorothea Jacob / pixelio.de</p></div>
<p>„Und dann loslassen, innere Stille, leeres Bewusstsein“ – fast zwanzigmal gehe ich während des Seminars an diese Schwelle zusammen mit 25 Führungskräften, Mediatoren und Organisationsberatern, die der Workshop <em>Meditation als Erkenntnisweg</em> nach Unterfranken an den Benediktushof gelockt hat, ein von dem Benediktiner Willigis Jäger geprägten spirituellen Zentrum. Arthur Zajonc, emeritierter Quantenphysiker und neuer Präsident des <em>Mind &amp; Life-Institutes </em>und Rudi Ballreich von der Trigon Entwicklungsberatung führen durch drei intensive Übungstage zur Erforschung meditativer Praktiken. So unterschiedlich die Berufs-, Lebens– und Alterssituation der Teilnehmer, so unterschiedlich ihre Erfahrungen, so ähnlich die Erwartungen an die gemeinsame Arbeit: Zu mir selbst kommen, Selbstführung entwickeln, die Wege dazu in meinen Alltag integrieren.</p>
<p>Arthur Zajonc beginnt schnell mit einer ersten Grundübung: „Bringe deinen Körper zur Ruhe, atme allen Stress aus, bringe deine Gedanken zum Schweigen, schicke alle Störungen ohne Urteile weg. Einatmen, Ausatmen – die Pause dazwischen verlängern: Leere, Ruhe. Kommt ein Bild? Ein neuer Gedanke? Zurück zum Ein– und Ausatmen. Danke für das Erfahrene, schreibe es auf.“</p>
<p>Die zweite Übung im Zen-Garten des Benediktushofes: Körperlich und innerlich zur Ruhe kommen, die Augen schließen, sich im Atmen verbunden fühlen mit der Welt, die Geräusche hören. Die Augen öffnen, sich umsehen: „Die Welt ist ein Wunder! Geh’ schweigend zurück ins Haus, danke für das Erfahrene, schreibe es auf. – Was hast du erfahren?“</p>
<h4>Die Bedeutung der Pforten</h4>
<p>Im ähnlichen Rhythmus sind alle Übungen angelegt. Arthur Zajonc weist immer wieder auf die ihm so wichtigen Pforten des Eintritts und des Verlassens des meditativen Raumes hin: „Das ist der ethische Boden.“ Die Eingangspforten charakterisiert er mit den Haltungen der Demut und der Ehrfurcht; der Weg zurück soll das Erlebte in Dankbarkeit in das Alltagsbewusstsein integrieren. Meditation und Alltag ins Bild gebracht: zwei sich kreuzende Wellen, die der <em>vita activa</em> und die der <em>vita contemplativa</em> – das wäre echte Lebenskunst!</p>
<p>Vielfältig und widersprüchlich sind die Berichte nach den Übungen. Zajonc: „Stay safe! Du kommst bei diesen ersten Erfahrungen in eine Verunsicherung. Geh nur sichere Schritte. Lerne zu unterscheiden, was sind deine Projektionen, was Spekulationen, was echte und neue Erfahrungen! Alles ist wertvoll!“ So wird der Workshop zu einem Forschungsfeld, in dem viele in ihren Konzentrationsbemühungen einander unterstützen und in ihren Berichten einen gemeinsamen empirischen Grundstock aufbauen.</p>
<p>In die nächsten Schritte führen uns zwei Übungen: die Konzentration auf die Worte Rudolf Steiners „Ich trage Ruhe in mir“ und auf einen Glockenton. Und wieder: das Thema sprechen oder den Klang erinnern, loslassen. – Leere. Das Fokussierte als Resonanz neu empfangen. Äußerst vielfältig und individuell sind die Nachklänge, die inneren Bilder, Worte, Symbole, welche die Teilnehmer schildern. In diesem Austausch schärft sich der Sinn für die Bewusstseinsebene der eigenen Aufmerksamkeit, wenn Vorstellen und Denken sich in Bilder und Symbole wandeln. Es ist die Stufe der Imagination. – Irrtum eingeschlossen!</p>
<h4>Höhere Bewusstseinsebenen</h4>
<p>Der Aufstieg geht weiter, mir scheint die Luft immer dünner zu werden.</p>
<p>Du fokussierst deine Aufmerksamkeit, du lässt los und kommst in ein offenes Gewahrsein, du erhältst eine Antwort … Kannst du nun auch noch diese loslassen und deine Aufmerksamkeit halten, dann richtet sie sich auf die bildschaffende Aktivität. Du kommst in ein fühlendes, nicht denkendes Verstehen: die Stufe der Inspiration.</p>
<p>Wie weit die nächste, die dritte und letzte Stufe, die der Intuition, des Eins-Seins mit dem Wesen, zu einer klaren und aussprechbaren Erfahrung wird? Arthur Zajonc lässt das behutsam stehen. Doch er berichtet von Marguerite Porète, die Ende des 13. Jh. in ihrem „Spiegel der einfachen Seelen“ alle scholastische Vernunft und Tugend hinter sich lässt, um ihre Lebenssumme, die ihr das Todesurteil der Inquisition einbrachte, zu formulieren: „Liebe die Liebe und tue, was du willst.“ Nicht der Ego-Wille ist das, sondern jener „umgekehrte Wille“, der erst ein „schauendes Bewusstsein“ ermöglicht, das in der Lage ist „die geistige Welt erlebend zu erkennen“, wie es Steiner in seinem Buch <em>Vom Menschrätsel</em>formuliert. Wer ist hier noch der Zeuge, der Erlebnisse <em>wahr</em>–nimmt? Zajonc liest diese Zeilen von Juan Ramón Jiménez (1881–1958) vor:</p>
<p>„<em>Ich bin nicht ich.<br />
</em><em>Ich bin jener,<br />
</em><em>der an meiner Seite geht, ohne dass ich ihn erblicke,<br />
</em><em>den ich oft besuche,<br />
</em><em>und den ich oft vergesse.<br />
</em><em>Jener, der ruhig schweigt, wenn ich spreche,<br />
</em><em>der sanftmütig verzeiht, wenn ich hasse,<br />
</em><em>der umherschweift, wo ich nicht bin,<br />
</em><em>der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe.“</em></p>
<p>In abendlichen Gruppengesprächen suchen Führungskräfte und Organisationsberater nach der Brücke von solchen kontemplativen Erlebnissen zu ihrem Berufsalltag. Allzu schnell scheint mir die direkte Verwertbarkeit gefragt.</p>
<p>Rudi Ballreich baut in seinen Übungen an dieser Brücke. Dabei bringt er die Teilnehmer in Bewegung und Begegnung. Vertikale Körpergesten der Schwere und der Leichtigkeit, des körperlichen Bei-sich-Seins und der Öffnung zu den Naturreichen im Zen-Garten lassen ein Verbunden-Sein mit dem „Welt-Willen“ ahnen. Horizontale Gesten der Hinwendung zum anderen eröffnen eine Ich-Du-Begegnung, in der das „stille Selbst“ den anderen „sprechen“ lässt.</p>
<p>Mit großem Vergnügen spielen sich Gruppen in stummen Gesten Begriffe vor, die andere Gruppen identisch nachspielen und so erraten sollen. Alle können erleben, wie schwer es ist, fertige sprachliche Begriffe zurückzuhalten.</p>
<p>Nach diesen Erfahrungen schildert Ballreich an konkreten Erfahrungen aus der Beraterpraxis den Gang durch die Bewusstseinsfelder, die zur Findung neuer betrieblicher und sozialer Strukturen führen können. Er folgt dabei der großen „<em>Presencing</em>“-Kurve aus Claus Otto Scharmers „<em>Theorie U“</em>.</p>
<p>Und hier wird deutlich, dass die archetypischen Übungen des Workshops einen Erfahrungs– und Fähigkeitenboden in neu zu bauende Landschaften schufen. Bei all den Grenzen und Grenzfragen, an die wir dabei stießen, über die der Blick auch hinausgehen konnte, hier passte Ballreichs zurückhaltende wie auch auffordernde Bemerkung: „Wegkundig werden!“</p>
<p> </p>
<h3><strong>„Wir brauchen eine Phänomenologie für unsere inneren Erlebnisse“</strong></h3>
<p><em>Im Gespräch mit Arthur Zajonc</em></p>
<p> </p>
<p><em>Wann bist du zum ersten Mal in Kontakt mit kontemplativen Übungen gekommen?</em></p>
<p>Ich war 20 oder 21 Jahre alt, studierte an der Universität von Michigan, und kam in eine echte Sinnkrise mit meinem Studium und mit meinem Leben. Da traf ich Professor Ernst Katz, der gab mir das Buch von Rudolf Steiner <em>Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten</em>. Ich war tief beeindruckt von diesem Buch und begann sofort mit den Übungen; auch zusammen mit anderen Studenten. Und das begleitete mich für mein ganzes weiteres Leben. Zuerst war das eine ganz persönliche Bemühung, dann kam in mir der Wunsch auf, von jemandem Unterricht zu bekommen. Doch es war sehr schwer jemanden zu finden. Hilfen für anthroposophische Studien, das gab es. Doch damals war man noch sehr scheu, auch kontemplative Übungen zu unterrichten. Dauernd hatte ich den Wunsch, dass dieser Teil unseres Strebens gefördert werde, nicht egoistisch, sondern auf einem guten ethischen Grund. So ging das über Jahre.</p>
<p>Als ich dann 1994 Generalsekretär der <em>Anthroposophical Society in America</em> wurde, habe ich die Initiative für Workshops in Meditation ergriffen. Ich habe vier Leute eingeladen und wir haben das gemacht. Das war die erste Probe auf meine eigenen Erlebnisse; denn ich war zu lange allein gewesen … Wir sollten uns nicht scheuen anderen zu helfen, wenn wir etwas zu geben haben. Ich empfinde es wie eine Pflicht, das zu tun, in aller Demut und mit all den Mühen, die man sich da auflädt. Heute ist das nicht nur in anthroposophischen Kreisen aktuell, sondern überall, ob in Universitäten oder anderswo. In den Seminaren für das Grundstudium habe ich mit meinen Studenten meditative Übungen gemacht, zum Beispiel in einem Kurs zu „Technik und Ethik“. Da gab es für jede Woche eine Übung, zu der sie dann auch ihre Notizen machen sollten.</p>
<p><em>Kannst du ein Beispiel geben?</em></p>
<p>Ein Thema war „Aufwachen und Schweigen“. Dazu lasen wir Texte von Schriftstellern. Oder wir verdunkelten den Raum und schauten uns auf einem Bildschirm Bilder eines Zen-Gartens an, so als wären wir in einem Kloster. Dann hörten wir ein Haiku von Matsuo Bash?, etwa dieses: „Der alte Weiher: Ein Frosch springt hinein. Oh! Das Geräusch des Wassers.“ Nun das Bild der Wellen im Wasser. Augen zu, Schweigen, Stille, tiefe Stille. Die erste Aufgabe war dann dies alleine zu wiederholen, entweder im eigenen Zimmer oder draußen in der Natur, und die tiefe Stille zu finden; dann das beschreiben, ganz einfach, phänomenologisch ohne komplizierte Analysen, einfach die Erfahrung beschreiben. In dieser Weise machten wir noch weitere Übungen.</p>
<p><em>Bitte skizziere den Weg durch die Meditation, den du entwickelt hast.</em></p>
<p>In den Workshops spreche ich immer von den Pforten der <em>Demut</em> und<em> Verehrung </em>hin zur Meditation und von den Pforten der <em>Dankbarkeit</em> und <em>Widmung</em> aus der Meditation. Im westlichen Stil der Meditation sind diese oft in Vergessenheit geraten.</p>
<p>Im Beginn soll man langsam zu einem Zustand der Ruhe kommen, man kann den Atemprozess fühlen und beruhigen. Dann wendet man sich den Pforten der <em>Demut</em> und <em>Verehrung</em> zu und kommt in die entsprechende Stimmung. Ich mache gerne den Vorschlag, ein Übungsthema aus der Natur zu nehmen; jeder hat die Möglichkeit für ein Gefühl von Staunen und Verehrung gegenüber der Natur. Du kannst dir die Vorstellung eines Sonnenunterganges an einem See herholen oder es auch direkt erleben. Du kannst sitzen, innerlich staunen oder auch dort stehen und staunen.</p>
<p>Es gibt auch die Möglichkeit zu beten. Für mich ist das ein wichtiger Aspekt für den Eintritt in die meditative Arbeit. Ich bete, jeden Tag morgens und abends; das ist mein Eintrittsmoment.</p>
<p>Also, du gehst durch diese beiden Pforten der Demut und Verehrung, du kommst in diese heilige Stille, wo du dein inneres Gleichgewicht gefunden hast. Da hast du etwas erreicht. Etwas ist jetzt, ein bisschen wenigstens, in Ordnung, das vorher nicht in Ordnung war.</p>
<p>Da steigt man etwas auf und kann fühlen, etwas ist hier höher als mein normales persönliches Leben, etwas aus der Ewigkeit, und das hat jetzt mit mir zu tun. Manche nennen es das „stille Selbst“ oder das „Nicht-Ich“. Es ist ein Moment, wo eine Art Geburt geschieht. Man kommt aus dem Persönlichen in ein Überpersönliches. Die Mantren, die Naturwahrnehmungen hebst du so auf eine neue Erfahrungsebene.</p>
<p>Jetzt erst bist du im Zentrum, im echten meditativen Leben. Das Vorherige waren Übungen, mehr Vorbereitungen. Jetzt erst kommst du in den zentralen Bereich.</p>
<p><em>Und was geschieht da?</em></p>
<p>Dort haben wir diesen Archetypus von Rhythmus, ähnlich dem Atmen, aber nicht mit Luft, sondern ein „Atmen im Licht“, wie Steiner das auch nennt. Ein kognitiver Atmungsprozess ist es. Man sieht etwas oder hört etwas, einen Glockenton zum Beispiel. Als ein kognitives Element kommt die Wahrnehmung in uns, über die Ohren, die Augen … Mit der fokussierten Aufmerksamkeit haben wir sie in unserem Bewusstsein. Und wenn du vollkommen voll bist mit dieser Erfahrung, dann loslassen: „Let it go!“<em> </em>Da bist du präsent – ohne Erwartung, ohne Kenntnis. Als Kenner haben wir schon eine Erwartung, was kommen soll. Hier aber sind wir Nicht-Kenner.<em> – </em>Und jetzt: Kommen lassen!</p>
<p>Wir sind in diesem heiligen Raum, in dem Gleichgewicht unseres inneren Lebens, das höhere, das stille Selbst ist geboren, wir sind in diesem zunächst kognitiven Atmungsprozess, wo man von der fokussierten Aufmerksamkeit auf einen Ton oder ein Wort zu einem Inhalt gelangt, der aus der Umgebung, das heißt aus der geistigen Welt zu uns kommt. – Einsicht. Man bekommt etwas!</p>
<p><em>Man bekommt etwas … Man versucht es zu beschreiben, zu verstehen. Was aber ist da Projektion, was Spekulation, was Erkenntnis? Woher bekomme ich die Sicherheit das zu werten?</em></p>
<p>Bei jedem wissenschaftlichen Arbeiten kann ich den Irrtum nicht ausschließen. Wie kann ich zu einer Urteilssicherheit kommen, dass etwas eine richtige Einsicht, eine Wahrheit ist? Es gibt, so denke ich, verschiedene Hilfen. Die eine ist Selbsterkenntnis. Die ersten Erfahrungen kommen eigentlich nur von uns, aus meiner Welt, nicht aus der geistigen Welt.</p>
<p><em>Projektionen?</em></p>
<p>Projektionen, aus meinem persönlichen Erleben, meinen Erinnerungen, meinen Wünschen. Da kommen in diese Stille alle diese Sachen herein. Puh! Es sieht aus, als ob es Gegenstände sind, als ob sie von außerhalb kommen; aber es sind nur Spiegelungen in der Seele, Spiegelungen unserer unbewussten Natur.</p>
<p>Aber man hat doch eine gesunde Selbsterkenntnis. Da bekomme ich schon das Gefühl, was von mir ist, was ist eine Illusion ist. Vielerlei kann da erscheinen: Ein inneres, ein geistiges Erlebnis will entstehen, aber es schiebt sich eine Art Schleier, ein Vorhang dazwischen. Auf ihm erscheinen Wünsche, antipathische oder sympathische Gefühle – vielleicht zu einem intimen Freund, wir haben Wünsche oder empfinden Liebe zu ihm. Wenn diese Wünsche oder Liebe nicht rein sind und in unserem Unterbewusstsein leben, dann fühle ich schon richtig, da kommt etwas zwischen mich und die Wahrheit. Und dann sehe ich, o ja, ich kann es sehen, das ist nur ein Teil von mir, der mir doch bekannt ist. Und das verschleiert das neue Erlebnis, das entstehen will. Das ist ein einfaches Beispiel.</p>
<p><em>Der Schleier, eine Hilfe?</em></p>
<p>Nein – oder doch, wenn du ihn erkennst. Wenn du merkst, das ist eine Illusion und die kommt öfters. Dann kannst du ihn zum Verschwinden bringen, und er geht allmählich weg. Dann erst hast du eine Klarheit, dass da etwas verfälscht erschienen ist.</p>
<p>Man kann auch das Erlebnis haben, wenn man tief drinnen ist in der Meditation, dass es dort sehr schön ist, wie in einer Landschaft, aus der man nicht mehr weg will. Und man sagt sich: Es ist so schön hier, warum soll ich wieder fortgehen? Da muss man schon eine innere Kraft aufbringen und sich sagen, ich habe noch meine Verantwortung für gute irdische Angelegenheiten, ich habe doch dieses mein Leben gewählt! Wie schön es hier auch ist, die Essenz daraus kann ich mitbringen ins Leben. Durch die Ausgangspforte gehe ich zurück und schließe die Tür.</p>
<p>Für die Natur können wir eine Goetheanistische Phänomenologie anwenden. Eine Phänomenologie brauchen wir auch für unsere inneren Erlebnisse, einfach die Phänomene betrachten, ganz ohne Spekulation, ohne Interpretation, bis etwas sich offenbart, bis es evident erscheint. Wir begegnen einem Mysterium, die alte Denkart ist zu tot dafür, um das neue Lebendige zu erfassen, es ist zu viel für unsere alte Denkart. Ein neues inneres Wahrnehmungsfeld tut sich auf. Das soll man in seiner Reinheit zunächst liegen lassen. Mit anderen Übungen können wir unser Denken in eine neue Lebendigkeit bringen. Und nur diese neugeborene Lebendigkeit des Denkens gibt uns die Möglichkeit ein adäquates Verständnis für diese neuen Wahrnehmungen zu bekommen. Das ist die Epistemologie der <em>Philosophie der Freiheit</em>: Man hat Wahrnehmungen, braucht die entsprechenden Begriffe dazu und kommt so ins Verstehen. Für neue Wahrnehmungen braucht man neue Begriffe. Steiner spricht oft vom lebendigen Denken. Was ist das? Das ist das, was man braucht, wenn man in einen lebendigen Bereich kommt. Erlebnisse im meditativen Bereich, die sind nun wirklich lebendig, und dafür brauchen wir die entsprechende Denkart.</p>
<p><em>Das Gespräch führte Thomas Wildgruber.</em></p>
<p>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/magazin/info3/archiv/2012/juni/auf-dem-weg-zum-umgekehrten-willen/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Juni 2012</a></p>
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		<title>Die Krise als Chance?!</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Mar 2013 16:43:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Neues Bewusstsein]]></category>

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		<description><![CDATA[Der fairventure-Kongress vom 26. bis 28.04.2013 in Velbert-Langenberg, DE Weltweit wird von immer mehr Menschen erfolgreich an Lösungen für jene Probleme gearbeitet, die sich, auch durch die jüngsten Krisenereignissen katalysiert, dramatisch zuspitzen. Wie man der Ressourcenverknappung begegnen oder im Kampf um die Rechte von Natur und Menschen bestehen kann, ist mittlerweile in zahlreichen Ideen und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Der fairventure-Kongress<br />
vom 26. bis 28.04.2013 in Velbert-Langenberg, DE</h2>
<div id="attachment_5661" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/fairventure.png" rel="lightbox[5659]"><img class=" wp-image-5661 " alt="Offizielles Cover zum Film: fairventure - Vertrauen wagen. Foto: Jan Temmel" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/fairventure-300x143.png" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Offizielles Cover zum Film: fairventure — Vertrauen wagen. Foto: Jan Temmel</p></div>
<p>Weltweit wird von immer mehr Menschen erfolgreich an Lösungen für jene Probleme gearbeitet, die sich, auch durch die jüngsten Krisenereignissen katalysiert, dramatisch zuspitzen. Wie man der Ressourcenverknappung begegnen oder im Kampf um die Rechte von Natur und Menschen bestehen kann, ist mittlerweile in zahlreichen Ideen und Projekten anschaulich nachvollziehbar geworden. Worauf es nun ankommt, sind ein offener Austausch und eine undogmatische Vernetzung unter den verschieden agierenden Menschen und Menschengruppen. Der fairventure-Kongress bietet dafür einen geeigneten Rahmen.</p>
<div>
<p>Die Lage der Menschheit ist unübersehbar ernst. Das weiß und spürt jede/r. Die wirtschaftlichen und sozialen Lebenswirklichkeiten haben sich für den größten Teil der Menschheit bis zur Unerträglichkeit entwickelt und auch die natürlichen Lebensgrundlagen sind in Gefahr. Aber nicht nur die Lebensbedingungen sind es, die so bedroht sind wie nie zuvor, sondern auch das Leben selbst ist längst in den Sog der ausgreifenden spekulativen Interessen geraten, die auf der Jagd nach Profiten auch davor nicht halt machen, den Menschen selbst zur Ware zu machen. Noch nie zuvor gab es so viele versklavte Menschen auf diesem Planeten. Die Monetarisierung auch des menschlichen Lebens hat bereits ungeahnte Ausmaße angenommen.</p>
<p>Sieht man auf diesen bisher noch viel zu wenig beachteten Bereich der Entwicklungen drängt sich die Frage nach den Möglichkeiten eines jeden Menschen ebenso auf, wie die nach Systemen, die derartige Auswüchse des Raubtierkapitalismus zu verhindern geeignet sind. Die Krise könnte zur Chance werden, insofern adäquate, neue Welt– und Menschenbilder entstehen. Der Ernst der Lage zwingt zu Besinnung und Umdenken.</p>
<p>Einer der Schwerpunkte beim diesjährigen fairventure-Kongress wird deshalb auch darin bestehen, den Austausch über Möglichkeiten und Optionen darüber anzuregen, wie wir Menschen selbst zu einem neuen, tragenden Bewusstsein von unserer Aufgabe und Würde gelangen können. In diversen Referaten, Workshops und Diskussionsrunden werden Anregungen für einen Diskurs gegeben, zu dem alle eingeladen sind, denen die Zukunft der Erde und der Menschheit nicht nur am Herzen liegt, sondern die es auch zu konzertierten Taten drängt.</p>
<h4>Inklusion auch in der Ökonomie</h4>
<p>In diesem Jahr wird der <a href="http://www.fairventure.de" target="_blank" rel="external nofollow">fairventure-Kongress</a> vom 26. bis 28. April im nordrhein-westfälischen Velbert-Langenberg stattfinden. Die Organisatoren haben diesen Ort auch deshalb gewählt, weil er für beispielhafte Inklusion steht, die man allgemein aus der Pädagogik und Soziologie kennt, der aber darüber hinaus auch eine zentrale Bedeutung in der Ökonomie zukommt.</p>
<div>
<p>Gastgeberin für den Kongress ist die Windrather-Talschule, die als eine der ersten Waldorfschulen seit vielen Jahren konsequent inklusiv arbeitet. Diese Schule ist unter anderem eng verbunden mit der Gemeinschaft von fünf Bio– und Demeter-Höfen, die das Windrather Tal seit 1985 zu einem Schwerpunktgebiet des ökologischen Landbaus im Ruhrgebiet gemacht hat. Für die fairventure-Themen ein ausgezeichneter Bezugspunkt!</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.fairventure.de" rel="external nofollow"><img class="aligncenter" alt="" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/Banner/banner_fairventure13.jpg" width="468" /></a></p>
<h4>Rückblick: fairventure Kongress 2012 in Leipzig</h4>
<p>Schon der Kongress 2012 in Leipzig hatte sich mit den Chancen der Inklusion in der Ökonomie beschäftigt. Wie es gelingen kann, alle Menschen unabhängig von ihrem sozialen Status oder ihren körperlichen Möglichkeiten in einen gerechten und ökologisch sinnvollen Wirtschaftsprozess einzubeziehen, zeigen mittlerweile zahlreiche Projekte und Expertisen. An den grundsätzlichen Möglichkeiten kann darum auch kein Zweifel (mehr) bestehen.</p>
<h4>Inklusion in der Wirtschaft</h4>
<p>Beim Kongress in Langenberg wird das Thema aus verschiedenen Blickrichtungen beleuchtet werden. Ein Workshop wird als Praxisbeispiel die Sozialistische Selbsthilfe Mülheim vorstellen, die bereits seit mehr als 30 Jahren Inklusion als Konzept der Ökonomie erfolgreich umsetzt. Gerechte Wirtschafts– und Geldformen sind nötig und möglich. Beim fairventure-Kongress kann man sie kennenlernen.</p>
<h4>Die Dokumentation zum fairventure Kongress 2012 in Leipzig</h4>
<p><a title="fairventure Film - Wirtschaft, Zukunft, Geld" href="http://www.naturundfreiheit.de/transition/film-fairventure-vertrauen-wagen" rel="external nofollow">fairventure</a> steht für das Abenteuer, aus der bestehenden tiefgreifenden Wirtschaftskrise aufzubrechen und in Gedanken und Tat den Mut für eine zukünftige, nachhaltige Wirtschaft aufzubringen: Gemeinsam für eine neue, faire Wirtschaft! Ziel von fairventure ist es, das Netzwerk der lebbaren Alternativen bekannt zu machen und zu erweitern.</p>
<p>Auf der DVD finden Sie neben dem Film auch die Vorträge von Leander Bindewald, Peter Krause, Jens Martignoni, Margrit Kennedy und Johannes Heimrath in voller Länge. Außerdem als Bonusmaterial ein Vortrag von Charles Eisenstein und ein Interview mit Bernard Lietaer, bereitgestellt von <a title="Wissenspool: matrixwissen" href="http://www.matrixwissen.de/" target="_blank" rel="external nofollow">matrixwissen.de</a></p>
<h4 id="watch-headline-title">Trailer zum fairventure Dokumentarfilm</h4>
<p><iframe width="500" height="281" src="http://www.youtube.com/embed/fy7tMXKSCqs?feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
</div>
</div>
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		<title>Denken schafft Kultur!</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2013/03/20/denken-schafft-kultur/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 Mar 2013 14:54:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Lebendiges Denken und die Kultur des Lebens Die inzwischen 7. spirituelle Herbstakademie in Frankfurt wird sich im Oktober einem Thema widmen, das Anthroposophen schon immer ganz besonders beschäftigte: das „lebendige Denken“. Was ist mit diesem Übergangs-Feld zwischen Rationalität und höherer Erfahrung gemeint? Wie gehen Anthroposophen damit um? Unsere Autorin, die als Referentin auf der Herbstakademie [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Lebendiges Denken und die Kultur des Lebens</h2>
<p><em>Die inzwischen 7. spirituelle Herbstakademie in Frankfurt wird sich im Oktober einem Thema widmen, das Anthroposophen schon immer ganz besonders beschäftigte: das „lebendige Denken“. Was ist mit diesem Übergangs-Feld zwischen Rationalität und höherer Erfahrung gemeint? Wie gehen Anthroposophen damit um? Unsere Autorin, die als Referentin auf der Herbstakademie mitwirken wird, gibt eine persönliche Antwort.</em></p>
<div id="attachment_5656" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/556936_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5653]"><img class=" wp-image-5656  " title="Denken schafft Kultur" alt="Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/556936_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_-221x300.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Rainer Sturm / pixelio.de</p></div>
<p>Auf der diesjährigen Herbstakademie zum Thema Denken und Spiritualität zu sprechen und im Vorfeld darüber zu schreiben, ist eine Herausforderung für mich. Ich bin schon einige Male gescheitert. Es gibt zu vieles, wo ich mir nicht sicher bin, wo ich nicht auf die Rückstände früherer Denkprozesse zurückgreifen kann, sondern nur auf meine offenen Fragen. Die letztlich immer wieder auf die eine Frage zulaufen: Was ist denn überhaupt Denken?</p>
<p>Die meisten Anthroposophen würden sich der Frage wohl über die Philosophie-Geschichte nähern. Da fühle ich mich nicht wirklich kompetent, und deshalb nehme ich zum Ausgangspunkt die Konstellation der Herbstakademie: die drei beteiligten Strömungen – also die von Andrew Cohen geführte Bewegung EnlightenNext, Ken Wilbers integrale Bewegung, und Steiners Anthroposophie. Wie denken diese Strömungen? Und wo darin stehe eigentlich ich selbst?</p>
<p>Ich erinnere mich an Gesprächsgruppen und Telefonrunden, die EnlightenNext in Deutschland anbietet und an denen ich immer wieder teilnehme. Denken spielt da eine große Rolle. Denkend versuchen wir in diesen Gesprächen, eine spirituelle Erfahrung zum Ausdruck zu bringen. Ob es um Nondualität, also um Nicht-Getrenntheit und Einheit geht oder um den evolutionären Impuls: Kann ich meine Erfahrung davon so beschreiben, dass sie in meiner Beschreibung authentisch zum Ausdruck kommt? Das Setting ist zumeist so, dass die Teilnehmer eine zumindest anfängliche Erfahrung haben von dem, worum es geht. Das Denken dient dabei nicht dazu, jemanden argumentativ zu überzeugen und auch nicht dazu, eine sinnvolle Theorie aufzustellen, sondern es dient der Bewusstmachung und dem Austausch eigener spiritueller Erfahrungen. Das ist nicht irrational – wir verstehen uns ja gegenseitig. Aber so ganz normal rational ist es auch nicht. Es ist so etwas wie ein anderer Aggregatzustand des Denkens.</p>
<h4>Denkende Verständigung und Integration</h4>
<p>Dann sind da die Integralen, die sich an Ken Wilber orientieren. Sie denken multiperspektivisch und eben integral. Ihr Denken ermöglicht Verständigung zwischen verschiedenen Ansätzen, denn die Implikationen und Wertsetzungen des jeweiligen Ansatzes werden aufgedeckt. Ob ich den Menschen materialistisch anschaue oder spiritualistisch, beides ist berechtigt, weil es einfach verschiedene Perspektiven sind. Die Integralen setzen die Aufklärung fort, sie systematisieren und ordnen und vergleichen, sie geben das Denken einfach nicht auf. Es geht ihnen, vielleicht im Unterschied zur Aufklärung, weniger um das Herausfinden einer absoluten Wahrheit als um die Integration vieler Wahrheiten, und so führen sie das Denken unbeirrt durch die Postmoderne hindurch in eine spirituellere Zukunft.</p>
<p>Wenn ich bei EnlightenNext mitdenke, so ist das, worüber wir sprechen, anwesend. Das Denken ist nicht abstrakt, denn es ist eben zuallererst Ausdrucksmittel für eine Erfahrung, die außerhalb des Denkens gemacht wird, die das Denken aber einzufangen in der Lage ist. Ich bin immer wieder berührt von der existentiellen Dichte, die solche Gespräche haben, von der Tiefe, die dieses Denken erschließt; der Reiz der Gespräche liegt im Bewusstmachen der Erfahrung, nicht in der gedanklichen Brillanz und Reichweite, mit der diese Erfahrungen beschrieben oder eingeordnet werden.</p>
<p>Wenn ich Ken Wilber lese oder den Diskursen seiner Schüler folge, dann bin ich fasziniert von der Stringenz, von der inneren Logik und von der großen Reichweite, die dieses Denken abdeckt. Es gibt mir Sicherheit, so wie mir eine Landkarte eben Sicherheit gibt im unwegsamen Gelände. Ich habe Freude daran, so wie ich am Beweis der Winkelsumme im Dreieck Freude habe oder am Durchdenken des Kopernikanischen Weltsystems, das mir schließlich auch erhellt, warum zum Beispiel die Sonne sich auf der Südhalbkugel andersherum um die Erde dreht. Aber Fragen, die über das Systematisieren und Ordnen hinausgehen, die werde ich mit diesem Denken nicht beantworten können. Wie vollzogen sich in der Evolution die Sprünge vom Mineralischen zum Lebendigen, vom Lebendigen zum Beseelten, vom Beseelten zum Selbstbewussten? Wie ist der Zusammenhang zwischen Seele und Körper? Was ist der Sinn der Evolution? Es gibt Konzepte und Modelle, aber keine Anschauungen und Erfahrungen, die auch auf diesen Gebieten zu einer erlebten Evidenz führen können.</p>
<h4>Abstraktes Denken zwischen Freiheit und Beliebigkeit</h4>
<p>In den letzten Jahrhunderten, seit der Aufklärung mit ihrem Wahlspruch „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist das Denken immer abstrakter geworden. Die auf Wahrheit und innere Stimmigkeit gerichtete Erkenntnis– und Erfindungslust der Aufklärung ist einem pragmatischen und technisch orientierten Denken gewichen. Wir können ohne Begeisterung denken, ohne innerlich mit dem, worüber wir denken, verbunden zu sein. Vielleicht ist dies am deutlichsten bei der Technik zu sehen. Wer würde Atomkraftwerke oder Computer erfinden, wenn sich die Prozesse, die in diesen Technologien herrschen,  auch im Denkenden abspielen würden? Auch das moralische Empfinden wird vom Denken nicht berührt. Ein Gedanke mag noch so klar sein, aber er trägt keine moralische Anweisung mit sich. Diese Abstraktheit des Denkens bildet die Grundlage unserer Freiheit. Die Welt, auf die sich unser abstraktes Denken richtet, ist außerhalb von uns, unabhängig von uns, statisch, materiell – so jedenfalls wird die Welt weithin immer noch gedacht, auch wenn manche Wissenschaften längst etwas anderes erzählen. Abstraktes Denken, eine statische, äußere, „tote“ Welt und unsere Freiheit gehören zusammen.</p>
<p>Aber in den letzten Jahrzehnten, in der Postmoderne, beginnt dieses abstrakte Denken über die Stränge zu schlagen. Denken wir eigentlich noch selbst, folgen wir ihm noch, diesem Wahlspruch der Aufklärung? Lassen wir nicht längst andere für uns denken, nun nicht mehr die Kirche, die uns sagt, was gut und böse ist, oder die Vorfahren, die Beruf und Ehepartner bestimmten, sondern „die Wissenschaft“ oder „den Computer“ – und manchmal vielleicht auch Rudolf Steiner, Andrew Cohen oder Ken Wilber? Wie oft haben wir noch den Wunsch, etwas wirklich zu verstehen? Geben wir uns nicht sehr schnell mit isoliertem Faktenwissen zufrieden, kapseln uns, so vernetzt wir auch immer sein mögen, ein in Meinungen und Vorurteile, in die Rückstände der Denkleistungen anderer?</p>
<p>Das abstrakte Denken schlägt auch über die Stränge, indem es sich des Lebendigen bemächtigt. Gentechnik am Menschen und in der Landwirtschaft – obwohl das abstrakte Denken doch eigentlich nur das Tote am Lebendigen erfasst, nur die Stoffe und die mechanischen Prozesse, nicht aber die Rhythmen, Synchronien, Formwandlungen und Entwicklungen des Lebendigen. Abstraktes Denken isoliert, zerfällt, trennt, vereinzelt – das, worüber es nachdenkt ebenso wie den Denkenden. Dieser Zusammenhang ist frappierend. In der Art des Denkens spiegelt sich die geistige Situation der Menschheit: je abstrakter, je wirklichkeitsferner das Denken wird, desto abstrakter und wirklichkeitsferner werden die Denkenden.</p>
<h4>Leben ist Spannung zwischen Polaritäten</h4>
<p>Das Abstrakte und Vereinzelnde am Denken ist dann aber doch nur die eine Seite. Die unbelebte Materie hat von sich aus immer die Tendenz, in ihre Einzelteile zu zerfallen. Im Lebendigen aber steht eins mit dem anderen und mit allem im Zusammenhang. Und solch ein lebendiger Zusammenhang ist nicht linear, nicht logisch-eindeutig geordnet und differenziert, sondern – eben lebendig. Im Lebendigen gibt es Wachstum <em>und</em> Zerfall, Frühling <em>und</em> Herbst, Kontinuität <em>und</em> Wandel, Zufall <em>und</em>Gesetz – und all das trägt sich gegenseitig, sinnig, kraftvoll, Schönheit stiftend.</p>
<p>Und so muss auch das Denken lebendig werden, wenn es seine Tendenz zum Zerfall überwinden will. Es muss selbst lebendig werden, die Spannung zwischen den Polaritäten halten, im Prozess bleiben können. Im Lebendigen kann ich mich nicht mehr in die Rückstände des Denkens einmauern und mein Sondersein pflegen. Im Lebendigen muss ich mitmachen.</p>
<p>Steiner war der Überzeugung, dass die Welt aus Gedanken aufgebaut ist. Dass das eigentliche Wesen des Denkens noch viel mehr ist: nicht nur lebendig, sondern auch beseelt und schöpferisch, ja, ganz real schöpferisch. Das, was in mir als Gedanke auftritt, das ist der letzte Rest, der Schatten, die Fußspur einer Realität, die die Welt in all ihrer Vielgestaltigkeit geschaffen hat. Am Anfang war der Gedanke. Und der Gedanke war Gott, und der Mensch war in dem Gedanken. Und nach und nach schuf der Gedanke die Welt in all ihrer Differenziertheit und in ihr einen Menschen, der diese Welt denken kann. Was wir als Denken in uns haben, das ist gleicher Art mit dem, was die Welt geschaffen hat und sinnvoll konstituiert. Selbstverständlich ist dieses schöpferische Denken des Anfangs ganz anderer Art als unser strohernes Alltagsdenken. Letzteres verhält sich eben zu Ersterem wie eine Fußspur zu dem, der sie hinterlässt.</p>
<p>Magisches und mythisches Denken, die waren noch näher an diesem Urzustand des schöpferischen Denkens. Aber das steht uns heute nicht mehr zu Gebote. Steiner war sich über die Gefahren der Prä-Trans-Verwechslung mehr als klar. Denn er schätzte die Freiheit, die das abstrakte Denken mit sich gebracht hatte. Nur von dort aus kann das lebendige Denken gefunden werden. Es muss in dem toten Denken etwas geben wie einen Keim, einen Samen, dem man das Lebendige nicht ansieht, der aber aufgeht und sich entwickelt, wenn er die richtigen Entwicklungsbedingungen findet.</p>
<p>Aktivierung des Denkens, so beschrieb Steiner diese Entwicklungsbedingungen, und er nannte das auch Meditation.<sup class='footnote'><a href="#fn-5653-1" id='fnref-5653-1'>1</a></sup> Raus aus den Rückständen, raus aus dem isolierten Wissen. Wirklich denken, selber denken, Zusammenhänge denken. Der eine kann das besser an der Mathematik: Er wird die Winkelsumme im Dreieck solange beweisen, bis das Durchdenken des Zusammenhanges die blitzartige Einsicht freigibt. Der andere am Lebendigen: Er wird den Gestaltwandel der Blattfolge einer Wiesenpflanze immer und immer wieder nachvollziehen. – Der Dritte schließlich, indem er Steiners Werke studiert (aber nicht wieder nur totes Wissen aufnehmend oder gar Mythen darin sehend, sondern aktiv mitdenkend den Gedanken suchend, der bei Steiner immer da ist) – und der Vierte, indem er beim Meditieren seine Aufmerksamkeit als solche verstärkt. Hauptsache, wir entdecken die Kraft, die im Denken lebt und bringen diese Kraft selber auf. Stürzen nicht ab in die Vereinzelung, in die bequeme Sicherheit des Toten. Bleiben denkend wach, weil wir gelernt haben, uns im Denken zu halten, auch da, wo uns das Denken keine Sicherheit bietet, sondern ein lebendiger Prozess einfach immer weiter geht.</p>
<p>Und dann wird das Denken lebendig, bildsam, es umwächst sein Thema und nimmt es auf und bringt es zum Ausdruck.</p>
<p>Das abstrakte Denken hat unsere ganze neuzeitliche Kultur gebildet. Das lebendige Denken wird eine neue Kultur bilden, die so verschieden sein wird von der heutigen wie die Aufklärung vom Mittelalter. Es wird einen anderen Wissenschaftsbegriff geben, und Moral und Denken werden nicht mehr so weit voneinander entfernt sein, ebenso wenig wie der Denkende von dem, worüber er denkt. Wir werden uns nicht mehr raushalten können. Die Welt wird sich total verändern. Sie wird eben keine tote mehr sein, die wir mit unserem Denken systematisieren, sondern eine lebendige, an der wir als Lebendige beteiligt sind. Aber wir können uns das nicht ausdenken, wir können nicht wissen, wie das werden wird oder schon anfängt zu werden, aus Prinzip nicht, der Freiheit wegen. Wir können nur darauf zugehen, lebendig entwickelnd, zum Ausdruck bringend, wachsend. Und dabei entsteht sie, ja vielleicht ist sie das schon, diese neue Kultur, und wir staunen.</p>
<h4>Denken und Fragen</h4>
<p>Habe ich jetzt gedacht? Ich finde schön, wie Wilbers integral Bewegte und EnlightenNext und die Anthroposophie diese neue Welt und diese neue Kultur von verschiedenen Seiten ansteuern. So wird die Freiheit gewahrt, ein kultureller Übergang geschaffen, das Lebendige übend ausgebildet und die Aufgabe des Ganzen im Blick behalten und immer wieder zum Ausdruck gebracht. Liegt so vielleicht etwas vom integralen Denken in diesen Überlegungen? Habe ich das, worum es geht, zum Ausdruck gebracht, war es anwesend, wenigstens für jene verständlich, die die gleichen Erfahrungen mit dem Denken gemacht haben? Und sind diese Seiten etwas Lebendiges geworden, ein Organismus, der wächst und wieder vergeht, der differenziert ist und doch ein innerer Zusammenhang?</p>
<p>Denken beginnt mit Fragen. Und man weiß vorher nicht, wo man landet. Endet es auch mit Fragen? Vielleicht gehört das zum Lebendigen dazu.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/magazin/info3/archiv/2012/juni/denken-schafft-kultur/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Juni 2012</a></em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-5653-1'>„Er muss sein Denken aktivieren. Ich habe nach einem alten Gebrauch dieses Aktivieren des Denkens ‚Meditation’ genannt.“ Paris, 26.5.1924, in: Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie? (GA 84) <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5653-1">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Wie werden wir in Zukunft lernen?</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2013/03/20/wie-werden-wir-in-zukunft-lernen/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 Mar 2013 14:30:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Weiterbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Ausflug in die Bildungsmöglichkeiten der virtuellen Welt. Weltweit webt die Spinne der informativen Entgrenzung ihr Netz. Sie bahnt Wege in eine neue Bildungslandschaft, in der Wissen Gemeingut wird. Die Vision eines selbstorganisierten, freien, offenen und partizipativen Lernens – ob in oder jenseits von Universitäten – wird nicht zuletzt durch das Internet angetrieben. Das Zeugnismonopol [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Ein Ausflug in die Bildungsmöglichkeiten der virtuellen Welt.</h2>
<p><em>Weltweit webt die Spinne der informativen Entgrenzung ihr Netz. Sie bahnt Wege in eine neue Bildungslandschaft, in der Wissen Gemeingut wird.</em></p>
<div id="attachment_5649" class="wp-caption alignright" style="width: 213px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/lernen_in_der_zukunft.jpg" rel="lightbox[5647]"><img class="size-medium wp-image-5649" alt="© Foto: www.pheist.net" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/lernen_in_der_zukunft-203x300.jpg" width="203" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: www.pheist.net</p></div>
<p>Die Vision eines selbstorganisierten, freien, offenen und partizipativen Lernens – ob in oder jenseits von Universitäten – wird nicht zuletzt durch das Internet angetrieben. Das Zeugnismonopol der Universität, teure Lernmaterialien, ideologiedurchtränkte Lernstoffe, frontale Rednerkanzel, Massenabfertigung mit Konservenlehrbüchern, lineare Stoffanordnung, unmotivierte Lernende und Lehrende, fixe Zeiten, Orte und Lerngeschwindigkeiten – all das verlangt nach neuen Formen.</p>
<p>Ich selbst kam mit Online-Lernen in Berührung, als sich in der Oberstufe mein Verhältnis zu Schule und Lernen in zweierlei Hinsicht radikal änderte: Plötzlich entwickelte ich ein hohes Interesse für die Inhalte, die wir in der Schule lernten, doch gleichzeitig begann ich, unter der Herzlosigkeit und fehlenden Ganzheitlichkeit des Schulbetriebs sehr zu leiden. Ich konnte nicht verstehen, warum eine so spannende Welt in diese unmenschliche Form gepresst wurde. Immer gab es einzelne Lehrer, die eine Aura der Begeisterung umgab, in die sie unsere Geister einzufangen verstanden, um sie zugleich zu bewegen und zu besänftigen. Doch diese Ausnahmen konnten meine Entfremdung von der Schule kaum aufhalten. An ihrer statt besuchte ich nun immer häufiger Lehrende und Lerner in weiter Netzwelt: Neben dem Buch und dem persönlichen Gespräch fand ich in Video– und Audiovorlesungen und der multimedialen Internetrecherche weitere Wege, die für meine persönliche Lernreise geeignet schienen. So habe ich mich am ungastlichen Schulbesuch nicht zu sehr erkältet.<br />
Dieser Ausschnitt aus meinem persönlichen Lernweg ist einer von unendlich vielen. Jeder Mensch lernt auf seine ganz eigene Weise, aber für diese mögliche Vielfalt ist in den herkömmlichen Strukturen kein Platz. Deshalb sind neugierige Menschen herausgefordert, die sonnigen und abenteuerlichen Pfade des Selbstlernens auf eigene Faust zu erkunden. Im Internet sprießen Selbst– und Zusammenlernprojekte aus allen Ecken! Sie eint der Wille, dem Lernen jene kindliche Begeisterung wieder einzuhauchen, die in lebensfeindlicher Lernkultur verlorengegangen war.</p>
<p><strong>Wer hält den besten Vortrag zum Thema?</strong><br />
Seit vielen Jahren stellen einige Universitäten und Konferenzveranstalter in den USA, in Deutschland und anderswo Videoaufnahmen mancher Vorlesungen der Öffentlichkeit zur Verfügung. Beispiele sind die »Yale Open Courses«, der »TIMMS-Server« der Uni Tübingen und die »OpenLearnWare« der TU Darmstadt. Vor allem durch die Software »iTunes U«, mit der sich Online-Kurse selbst herstellen lassen, sind einige dieser Materialien mittlerweile weit verbreitet. Besonders inspirierend finde ich die (Konferenz-)Vorträge auf fora.tv und ted.com.</p>
<p>Unter den YouTube-Lehrern hat sich vor allem die »Khan Academy« einen Namen gemacht. Sie beruht auf dem Gedanken, das Verhältnis von Unterricht und Hausaufgaben in der Schule teilweise umzukehren. Ich erinnere mich noch gut an die Erleichterung, die oberprima.com 2010 für einige Schüler und Lehrer meines Abiturjahrgangs bedeutete. Plötzlich gab es für jeden Schüler einen zweiten Mathelehrer, den man zu Rate ziehen konnte, wenn man die Erklärungen des ersten nicht verstand. Schule ließe sich doch auch so gestalten: Die Schüler lernen zu Hause mit Büchern, ­Videos, Audios, Quizaufgaben etc. in realen und digitalen Lerngruppen, während der Unterricht dazu genutzt wird, Stoffe zu vertiefen, Fragen zu stellen und Übungsaufgaben unter der Betreuung von Lehrern zu lösen. Ihren favorisierten (Video-)Erklärer können sich die Lerner dann selbst aussuchen oder sich auch mehrere Erklärungen des gleichen Stoffs anschauen – geleitet vom eigenen Interesse. Das Video kann jederzeit angehalten oder das Lesen unterbrochen werden: Jeder arbeitet nach seinem eigenen Tempo. In wievielen Unterrichtsstunden, wievielen Vorlesungen habe ich gesessen, in denen die Schüler einer nach dem anderen abschalten mussten, weil niemand mehr mitgekommen ist? Solche Versagens­erfahrungen können Angstzustände und Lernblockaden auslösen. Wer aber nach dem eigenen Tempo lernt, kommt immer mit!</p>
<p><strong>Bildungstrampelpfade zur Emanzipation des Lernens</strong><br />
Eine große Frage des zukünftigen Lernens betrifft die veränderte Rolle der Universitäten, deren Machtmonopol wankt. Ein Meilenstein für die Emanzipation des Lernens von der Universität war die Gründung von »Udacity.« Der Stanford-Professor für Informatik Sebastian Thrun beschloss 2011, sein Kursprogramm nicht mehr nur einer Elite von wenigen Hundert, sondern interessierten Hunderttausenden nahezubringen – eine Wohltat für viele Menschen weltweit, die zwar mit Begeisterung, aber nicht mit Geld gesegnet sind. Mittlerweile sind 20 Kurse (bisher vor allem Informatik) im Internet veröffentlicht, und mehrere Hunderttausend Teilnehmer haben bereits vom Programm profitiert. Nach dem Semester gibt es ein kostenloses Teilnahmezertifikat. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, gegen eine Aufwandsgebühr eine Prüfung abzulegen. Auf manch einen Udacity-Kurs erteilen deutsche Universitäten wie Freiburg, München oder Berlin bereits Punkte. Zudem verschickt Udacity, wenn man zustimmt, von sich aus Bewerbungen an Unternehmen, die womöglich direkt mit einem Jobangebot aufwarten. Diese Entwicklungen veranschaulichen, wie in der Zukunft einerseits die Universitäten häufiger mit parauniversitären Einrichtungen zusammenarbeiten werden und wie andererseits jene Bildungstrampelpfade, die ganz um die Unis herumführen, zu vielbeschrittenen Straßen werden könnten.<br />
Ich denke, es wird noch dauern, bis sich ein dezentrales und vielfältig normiertes Netz von Zertifizierungsstellen für formelles und informelles Lernen etabliert und das Vertrauen der Arbeitgeber erspielt haben wird. Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich solche Lösungen als Alternative zum Zeugnismonopol der Unis entwickeln. Darüber hinaus sollten selbstverständlich Räume entstehen, in denen ein Lernen jenseits von Bewertungen möglich ist, ohne dass man glaubt, Motivation künstlich erzeugen und den Lern­erfolg in Zahlen und Zeugnissen ausdrücken zu müssen.</p>
<p>Eine radikale Selbstbildnerin kann sich frei nach Interesse ihren Lern– sowie womöglich bald auch ihren Zeugnisplan erstellen. Doch Autodidakt zu sein, bedeutet keinesfalls, alleine lernen zu müssen. Lerngruppen können die verschiedensten Formen annehmen. Zentral ist der Gedanke, die Trennung zwischen Lehrer und Lerner aufzuheben: Jeder lernt von und mit jedem. Das Netz kann hierbei eine enorme Hilfe für die Organisation einer Gruppe sein. Bekannt sind die Plattformen »Moodle« und »Ilias«, die als Inhaltsspeicher und Organisationssoftware dienen und vor allem von Universitäten genutzt werden. Das Berliner Startup »iversity« bietet Gruppen zudem die Möglichkeit, online gemeinsam Texte zu lesen, sie zu markieren und zu kommentieren. Iversity und ähnliche Plattformen sind für den Austausch in Lerngruppen bis hin zur Unterstützung von Online-Gruppentreffen – etwa über Video– oder Audiokonferenzen – sehr nützlich. Wieviel Zeit die Gruppe in fleischlichem Beisammensein verbringen mag, ist natürlich ihr überlassen. Dabei unterstützen Plattformen wie »knowded« oder »The Public School«. Hier finden sich Menschen mit ähnlich gelagerten Lerninteressen und koordinieren Termine, um sich dann lebendig zu treffen.</p>
<p><strong>Treffen in der analogen Welt</strong><br />
The Public School unterstützt in bisher elf großen Städten der Welt Menschen dabei, sich in Lerngruppen zusammenzufinden. Jeder kann ein Thema vorschlagen, und wenn genug Interessierte sich melden, werden ein Zusammentreffen und eine Leseliste vereinbart. In Berlin finden seit 2010 solche Kurse statt, bisher zum Beispiel unter dem Motto »The City and the Political« oder »The Problem of Berlin«.</p>
<p>Hinter der Initiative knowded steht der Gedanke, dass jeder Mensch ein guter Lehrer für bestimmte Inhalte ist – Yoga, chinesisch Kochen, Statistik, Jonglieren oder Flötespielen. So werden Lehrangebote und Lernnachfragen in Abhängigkeit vom Wohnort auf eine virtuelle Pinwand geheftet, die Kontaktaufnahme gestaltet sich unkompliziert, und – schwupps – ist eine Fähigkeit, ein Wissen weitergereicht.</p>
<p>Ähnlich wie bei Gastfreundschaftsnetzwerken trägt das Web hier dazu bei, dass Menschen in Reziprozität – in das Prinzip der Gegenseitigkeit – vertrauen. Das bedeutet, dass jedes Geben schon selbst ein Nehmen ist und dass keine direkte Gegenleistung erbracht werden muss, um einen Tausch zu vollziehen: Ich gebe dir und vertraue darauf, dass ein anderer mir geben wird. Ein Netzwerk, das so funktioniert, ist potenziell viel leistungsfähiger als unsere kapitalistische Tauschgeldwirtschaft, weil diese stets darauf warten muss, dass der Tauschpartner über Geld verfügt, das letztlich immer über eine Kreditkaskade besorgt werden muss. Die verbindende Kraft des Netzes hilft also, der Schuldenspirale eine Geschenkspirale gegenüberzustellen!<br />
Das Verhältnis aus internetbasierten und körpernahen Lernelementen wird ein spannendes bleiben. Es bietet jedenfalls genug Raum für zahlreiche und vielfältige Lernpfade – allein, in Gruppen oder für ganze Gesellschaften. •</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin OYA — anders denken. anders handeln. <a href="http://www.oya-online.de/article/read/928-wie_werden_wir_in_zukunft_lernen.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 19/2013</a></em></p>
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		<title>Das Lied von der Bildung</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Mar 2013 10:52:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Schule allg.]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaospilotin Jara von Lüpke, Oya-Chefredakteurin Lara Mallien, Lehrerin Silke Weiß, Philosoph Bertrand Stern und Theaterpädagoge Dominik Werner forschen gemeinsam über den inneren Impuls, sich zu bilden. Vor kurzem habe ich die Geschichte meines Lernwegs aufgeschrieben. Zuallererst blitzte dabei ein Moment auf, in dem ich wohl sieben Jahre alt war: Ich sitze mit meiner Mutter im [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Kaospilotin Jara von Lüpke, Oya-Chefredakteurin Lara Mallien, Lehrerin Silke Weiß, Philosoph Bertrand Stern und Theaterpädagoge Dominik Werner forschen gemeinsam über den inneren Impuls, sich zu bilden.</em></p>
<div id="attachment_5642" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/525450_original_R_K_B_by_Katharina-Wieland-Müller_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5639]"><img class=" wp-image-5642 " style="margin-left: 10px;" alt="Bücherturm - Foto: Katharina Wieland Müller  / pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/525450_original_R_K_B_by_Katharina-Wieland-Müller_pixelio.de_-300x199.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bücherturm — Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de</p></div>
<p>Vor kurzem habe ich die Geschichte meines Lernwegs aufgeschrieben. Zuallererst blitzte dabei ein Moment auf, in dem ich wohl sieben Jahre alt war: Ich sitze mit meiner Mutter im Wald an einem kleinen Bächlein, und wir spielen Blockflöte. Es ist einer der ersten warmen Föhntage im oberbayerischen Voralpenland im März. Der Seidelbast und die Märzenbecher blühen, und wir spielen für uns, für die Vögel, für den plätschernden Bach und für die ganze Welt. Dieser Moment war »vollständig«. Aus ihm kann ich mehr »Bildung« schöpfen, als ich in Worten ausdrücken kann. (L. M.)</p>
<p>Ist es nicht in höchstem Maß dramatisch, dass wir einzelne Momente einer wichtigen Erfahrung in Erinnerung behalten, wo in Wirklichkeit ein ganzes Leben von wesentlichen Momenten geprägt sein könnte, ja müsste? Jede Erfahrung wie eine Perle, kostbar an und für sich, und dennoch gereiht in eine wunderbare Kette … Frei-sich-Bilden ist ein Prozess, der den Menschen an sich kennzeichnet, hätte dieses wahnhafte zivilisatorische System nicht immer neuere, bessere »Gefängnisse« erschaffen und gebaut – jede Person könnte ihrer Natur gemäß sich unentwegt dieser dynamischen Herausforderung hingeben.<br />
Weshalb ist für viele Menschen die Erinnerung an einzelne und besondere Momente in ihren ersten Lebensjahren so wesentlich? Könnte jener Lebensabschnitt nicht nur voller Entdeckungen gewesen sein, sondern vor allem weitgehend jenseits einer wahnhaften Zielgerichtetheit und Zweckgebundenheit der Erfahrungen? Diese Unbedingtheit hätte fortgesetzt, erweitert, potenziert, optimiert werden können, wäre sie nicht jäh unterbrochen, unterbunden worden, als der »Ernst des Lebens« in Gestalt von Kindergarten, Schule, Arbeit usw. die Person ereilte. (B.  S.)</p>
<p>Als ich etwa neun Jahre alt war und die meiste Zeit mit den Tieren und meinen Freunden im Hinterhofgarten verbrachte, bemerkte ich erstmals diese Bilder in den Tier– und Umweltheften für Kinder, die ins Haus flatterten: von der allgegenwärtigen Lebenszerstörung in Meeren und Wäldern, aus Kriegsgebieten und Tschernobyl. In mir breiteten sich tiefe Verzweiflung und Wut aus. Der Zusammenhang war schnell klar: Hinter all diesen Zerstörungen standen immer Menschen! In meinem Kinderkopf entwickelte sich die Idee einer vermeintlichen Lösung. Bilder von menschenleeren Städten rauschten durch meine Fantasien. Ich dachte daran, alle Menschen umzubringen, um die Erde mit allen nicht-mensch­lichen Lebewesen zu retten. Aber konnte ich denn auch nur einen Menschen töten? War das eine echte Lösung? Es beschäftigte mich einige Wochen. Meine damalige Erkenntnis, dass die Menschen Teil dieser lebenden Welt und alle allmächtigen Rettungsvorstellungen vermessen sind, wirkt bis heute nach. Es war ein Prozess der tiefen inneren Bildung im Dialog mit der Welt. (D. W.)</p>
<p>Sich-Bilden ist doppelgesichtig: Stets geht es hierbei um das Einbetten eines persönlichen Prozesses in einen sowohl humanen, also sozialen, als auch kulturellen Kontext, in ein entweder natürliches oder gesellschaftlich gemachtes, gewordenes Umfeld. So bilden beispielsweise mein Sprechvermögen und die Sprache ein dialektisches Ganzes; während mein Sprechen stets in der Einzahl bleibt –als Merkmal meiner Identität – kann der soziokulturelle Aspekt eine Mehrzahl sein: Können Menschen nicht zwei-, drei-, kurz: mehrsprachig aufwachsen und in ihrem Leben dies unentwegt erweitern, vorausgesetzt, die Dynamik wird nicht unterbrochen, schlimmer: gebrochen?<br />
Der Prozess, frei sich zu bilden, offenbart eine Qualität, die ich gerne – Gerald Hüther zitierend – als »Begeisterung« umschreiben will. Womit ja nicht nur das Enthusiastische gemeint ist, sondern auch der Geist, von dem jedes Wesen beseelt ist und der jedem Sich-Bilden selbstverständlich innewohnt. Nur wo Frei-sich-Bilden als identitäre Kern-Erfahrung und wo Bildung als kulturelles Merkmal menschlichen Geistes schlechthin nicht mehr enteignet, entfremdet, etwa verschult werden, wird die Entfesselung der kreativen Potenzen zu völlig anderen, originellen, innovativen Horizonten führen. (B.  S.)</p>
<p>Ich stehe in einem Fluss von Wissen. Um meine Sprungsteine auf dieser Reise über Stock und Stein zu illustrieren, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, einmal im Monat eine Karte zu zeichnen. Auf einem großen Papier schreibe ich den Monat in die Mitte und rundherum alle möglichen Treffen, Gespräche mit Menschen, in denen es Bildungsmomente gab. Zwischendrin überall kleine gezeichnete Symbole: Leuchtende Glühbirnen für neue Ideen, Menschen mit klopfenden Herzen und stolz erhobenen Armen als ein Zeichen für die Herausforderungen, die ich gemeistert habe.<br />
Die Bildung jedoch, die mich und meine Persönlichkeit formt, die Erkenntnisse, die mich auf eine bestimmte Art und Weise mit anderen Menschen in Begegnung treten lassen, wie ich mich in Gruppen verhalte oder meine Sicht auf die Welt – das ist schwieriger zu beschreiben. Meine Suche nach meinem Ort in der Welt, nach meinem Beruf, beziehe ich auf diese beiden Ebenen. Ich suche einen Platz, wo ich meine Fähigkeiten einbringen kann, wo ich gebraucht werde. (J. v. L.)</p>
<p>Nachdem sie hörte, welche Vorstellungen und Ideale ich von meinem Sein als zukünftige Lehrerin hatte, geprägt von meiner langjährigen Jugendarbeit, sagte die Berufsberaterin in meiner Schule: »Sie sind für die Regelschule schon verdorben.« Dieser Satz fiel mir später oft ein, wenn ich mit dem System haderte.<br />
Es gab in meinem Leben immer wieder Menschen, die mit einem Satz, der sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt hat, Spuren hinterlassen haben. Mein erster Englischlehrer, Father John, ein knapp 70-jähriger Benediktinermönch, nannte mich immer »die Professer in die Ecke«. Ich war zu dieser Zeit noch keine besonders »gute« Schülerin und habe nicht verstanden, was er meinte. Später wurde mir klar, dass er meinen Wissensdurst hatte sehen können. Menschen, von denen ich lernen konnte, haben wohl etwas in mir gesehen, das ich so selbst nicht erkennen konnte – wie eine Art Spiegel von außen, der mein Bild so präzise zurückgibt, dass eine sehr starke Resonanz entsteht. (S. W.)</p>
<h4>Jenseits des Zweckgebundenen</h4>
<p>Wer sich heute bilden soll oder will, absolviert Programme: In der Schule und auf der Universität kauen die Menschen Lernstoff in vorgegebenen Häppchen herunter, um für die sogenannte Leistungsgesellschaft fitgemacht zu werden. Dass Bildung mit einem vorgefertigten Lehrplan und in vom »normalen« Leben abgetrennten Räumen gleichzusetzen sei, ist eine starke, kollektive gesellschaftliche Prägung, die sich selbst in Seminaren auf dem freien Markt niederschlägt. Lässt sich Bildung auch anders denken? Jenseits des Geplanten? (L. M.)</p>
<p>Nicht die Planbarkeit an sich scheint mir das Kernproblem zu sein, sondern die Frage, ob es dem Prozess, frei sich zu bilden, schadet, wenn Bildung entsprechend in Form gebracht wird.<br />
Zumeist soll »Planbarkeit« offensichtlich eine Zielgerichtetheit beschreiben, die bedingt, dass eine hypothetische, erwartete »Zukunft« erobert, bezwungen, unterworfen werden müsse, um den erwarteten Profit als Belohnung für das geleistete Selbst-Opfern abzuwerfen. Planen artikuliert eine Betonung des Werdens, welches im Widerspruch zum Sein steht, dieses Sein lähmt, erstickt, verunmöglicht. Das Kennzeichen des Seins – des Da-Seins, So-Seins, Jetzt-Seins – ist eine ihm ­innewohnende Dynamik, die ­bedingt, dass sein Potenzial sich entfalten (rückbezüglich!) will – und muss! (B.  S.)</p>
<p>Was unterscheidet eigentlich eine Lehrsituation von den Situa­tionen im »normalen« Leben? Ich mag diese Momente des tiefen Versinkens in einem Thema, das mich interessiert, mit Gleichgesinnten. Das immer tiefere Forschen nach Erkenntnis und Wahrheit – darin liegt ein Zauber. Das kann »einfach so« im alltäglichen Leben passieren, aber ich glaube, wenn gute Lernangebote die richtigen Menschen zusammenrufen, können sie sich genausogut in einer geplanten Situation ereignen bzw. erhöht sich dort sogar ihre Wahrscheinlichkeit. Vorbereitung und Raum können Bildungsprozesse sehr gut unterstützen. Warum es am Ende Scheine braucht, die mich zertifizieren, weiß ich auch nicht. Meine Erfahrung aus der Lehrerbildung zeigt, dass sich die Qualität des Austauschs und der gemeinsamen Erforschung umso mehr verschlechtert, je wertvoller eine Fortbildung aus der »Scheinperspektive« ist. (S. W.)</p>
<p>Meine Sehnsucht nach Struktur und die Einsicht in ihren Wert konnte ich erst zulassen, als ich selbst direkt mit der Nase darauf gestoßen bin. Mein Curriculum möchte ich auf jeden Fall selbst kreieren und nicht auf einem Silbertablett serviert bekommen.<br />
Wie ich mich bilde, ist für mich genauso wichtig wie die Frage nach den Inhalten meines Lernens: »Was willst du erreichen? Was ist mein Lernziel, und welches Projekt bringt mich dem näher?« Mich dies kontinuierlich zu fragen, bedeutet, mir selbst gegenüber verantwortlich zu sein und mich in meinem eigenen Prozess zu begleiten. Neben dieser Eigenverantwortung übe ich auch, Gelassenheit zu entwickeln. Ich plansche in einem Schwimmbecken von Ressourcen und lerne so viel von den Menschen um mich herum. Ich möchte in Zukunft meine Fragen noch klarer und aus einer inneren Ruhe heraus stellen können, zum Beispiel wenn ich ausdrücke, welche Unterstützung ich mir wünsche oder was ich mir unter einer Mentoren-Beziehung vorstelle. (J. v. L.)</p>
<p>Mit acht Jahren hatte ich das klare Ziel, Ballett zu lernen. Ich liebte diese strenge Disziplin. Sechs Jahre später bin ich, irritiert von der Eifersucht meiner Mitschülerinnen untereinander, bewusst aus dieser Laufbahn ausgestiegen. Seitdem erinnere ich mich nicht an Lernziele. Die für mich entscheidenden Themen kamen auf mich zu. Als ich 25 war, entschied ich mich, aus zunächst eher pragmatischen Gründen, beim Aufbau einer Fachzeitschrift für Geomantie mitzuwirken. Dass ich aus der Redaktionsarbeit ein Selbststudium in Naturphilosophie und Tiefenökologie machen würde, indem ich nun die spannendsten Denkerinnen und Denker in diesem Feld um Texte bitten konnte, hatte ich mir nicht träumen lassen. »Suche die besten Leute auf dem Gebiet, auf dem du etwas verwirklichen möchtest, und fange sofort an, mit ihnen zu arbeiten« – das war mehrfach mein spezifisches »Bildungsmuster«. Wobei dies nur die äußerlichste Ebene meiner Bildungslust beschreibt. Ihr zugrunde liegt eine seltsame Sehnsucht – vielleicht die Sehnsucht, Europa zu verstehen. (L. M.)</p>
<p>1996, als ich 17 Jahre alt war, bildete ich mir ein, an Krebs erkrankt zu sein. Einen Arztbesuch verschob ich in eine (ferne) Zukunft. Ich lebte wie in zwei Welten. Hier ein lebenslustiger junger Mann, der sich wie nebenbei durch Schule, Zivildienst, Reisen und den Studienbeginn bewegte. Und in der Stille des Schweigens waren Angst, Verzweiflung, Verdrängung und Wut über meinen und unseren krebserregenden Konsum– und Lebensstil. Denn ich konnte meine Situa­tion auch als Metapher oder Spiegelbild einer größeren, über mich weit hinausgehenden Geschichte wahrnehmen. Kurz nach einem Vipassana-Retreat eröffnete mir 2006 ein chinesischer Arzt in Nordthailand, was später ein Schulmediziner bestätigte: Ich hatte gar keinen Krebs. Eine ebenso intensive Reise zurück in mein Leben begann.</p>
<p>In dieser Zeit habe ich wohl mehr gelernt, als es in jedem Bildungsprogramm jemals möglich gewesen wäre. Wirklich aufregend und spannend wurde es, als sich innere Erfahrung und äußere Bildungsangebote gegenseitig verstärkten und miteinander verwoben. Zum Beispiel, als wir in der 11. Klasse die Club-of-Rome-Studie »Die neuen Grenzen des Wachstums« gleichzeitig im Mathematik– und Politikunterricht durchgenommen haben. Der Wahnsinn der industriellen Wachstumsgesellschaft und das Bild des vermeintlich wuchernden Krebses verknüpften sich. Später im Studium bewegte ich mich ständig im Spannungsfeld zwischen Kritik an dem universitären Programm und der kreativen Selbstgestaltung meines Studiums. Von dem interdisziplinären Studienprojekt »Bildung für nachhaltige Entwicklung« über die daraus entstandenen ersten Marburger Bildungsfeste bis hin zu selbstorganisierten und dennoch anerkannten Uni-Seminaren zum »Theater der Unterdrückten« – immer wieder hatten diejenigen Momente am meisten Bedeutung, in denen ich kein vorgegebenes Lernhäppchen zur Verfügung hatte. (D. W.)</p>
<p>Wo sich Menschen, die frei sich bilden wollen, begegnen, hängt zuvörderst von ihnen ab. Klar können sie durch die Lande ziehen und allerlei erfahren; manchmal ist aber ein fester Ort auch sinnvoll: eine Werkstatt, ein Laboratorium, ein Hörsaal, ein Konzerthaus, ein Theater, eine Bücherei, ein leeres Zimmer … Ich selbst, der ein ungewöhnlicher Student war, habe mich von der faszinierenden Autorität, die vor mehr als 500 Studierenden ihre Vorlesung abhielt, nicht unterdrückt gefühlt; was mir hierbei geschenkt wurde, wäre niemals möglich gewesen, wenn es dem Zufall, der Beliebigkeit überlassen worden wäre. (B.  S.)</p>
<p>Ich erinnere mich an meine erste Spanisch-Lerngruppe, die ein schauderhaftes Niveau hatte, als ich sie übernahm. Dort hat es Spaß gemacht, entspannt zusammenzusein, mehr oder weniger Spanisch zu lernen, Fahrten zu unternehmen – es war eine kleine Heimat an der Schule, eine Gruppe, zu der man gehörte. Wir treffen uns immer noch. Inzwischen haben fast alle ein bis zwei Semester im spanischsprachigen Ausland studiert und sprechen die Sprache besser als ich damals im Unterricht. In dieser Gruppe gab es diese Magie, weil alle so sein durften, wie sie waren, und sich so eingebracht haben. (S. W.)</p>
<p>Damit Bildung sich im Dialog und Spannungsfeld zwischen möglichen Programmen und dem »Leben« entfalten kann, müssen wir erkennen, dass Sich-Bilden in den Zwischenräumen, im Ungewissen, im Spontanen stattfindet. Leben und Lernen entsteht zwischen Chaos und Ordnung – nicht in der heute allgegenwärtigen Kontrolle. Dass sich die Lernkultur radikal wandelt, steht außer Frage. Die ®Evolution ist in vollem Gang, wir müssen ihr lediglich Platz machen und Raum geben. (D. W.)</p>
<h4>Kultur und Meisterschaft</h4>
<p>Es bereitet mir großes Vergnügen, gebildeten Menschen zu begegnen. Ob es eine inspirierte Philosophin ist oder ein erfahrener Bootsbauer, spielt keine Rolle. Wahre Meisterschaft und Würde verkörpern für mich der Fiddler James Byrne aus Glencolmcille in Nordwest-Irland. Von ihm haben wir zauberhafte Melodien gelernt, die nirgends in Noten niedergeschrieben sind. Oder Bauer Paul aus unserem Dorf. Ich brachte ihm einmal ein appetitloses Kaninchen. Er berührte beiläufig dessen Bauch und sagte: »Das hat wohl Blasen an der Gebärmutter. Wir sollten es schlachten, bevor es schlimmer wird.« Seine Diagnose war richtig. Wie hatte er sie nur durch das sekundenschnelle Berühren stellen können? James und Paul kommen aus kulturellen Traditionen, die mit ihnen sterben. Ich habe nur einen Hauch davon aufgefangen, und ich frage mich, welche Traditionen ich selbst weitergeben will und kann. Das scheint mir eine zentrale Bildungsfrage zu sein. (L. M.)</p>
<p>Die Klärung der Bildungsfrage sollte, so denke ich, mit der Beseitigung eines bedauerlichen Missverständnisses beginnen: Was heißt »Freiheit«? Für uns – Zivilisierte, die wir mehrheitlich verschult wurden – weckt die Betrachtung von Bildung zumeist Assoziationen mit festen Regeln, mit klaren Ordnungen (und Unterordnung!), mit unveränderlichen Traditionen. Demgegenüber wird oft als freie Bildung bezeichnet, dass die als Ballast empfundenen Normen bloß überwunden, abgeworfen, beseitigt werden: Eine kulturelle Beliebigkeit soll also angeblich die errungene Freiheit repräsentieren. Aus meiner Sicht ist das ein fundamentaler Irrtum und ein dramatisches, weil folgenschweres, Missverständnis!</p>
<p>Worum es hier geht, ist nichts weniger als die Beziehung von Struktur und Freiheit. Ob eine Kultur sich selbst ohne sichtbare Spuren von Generation zu Generation überträgt; oder ob sie für das Tradieren beispielsweise eine Verschriftlichung einführt und pflegt: Nie ist sie strukturlos oder unstrukturiert. Weder die singenden Troubadoure noch die Flamenco-Tänzerin, weder der seine Ragas interpretierende Sitar-Spieler noch die ihre Mandalas immer wieder neu »malenden« buddhistischen Mönche würden von sich sagen, sie fühlten sich unfrei; nein, ihre Freiheit spielt sich ab im Rahmen der jeweiligen Strukturen; und diese Strukturen ermöglichen sogar eine Steigerung von Freiheit. (B.  S.)</p>
<p>Weder Bauer Paul noch James Byrne hatten wohl ausdrücklich die Absicht, Dinge weiterzugeben. Und doch tun sie es. Warum? Weil Menschen von Können und von Authentizität angezogen werden. Wir geben weiter, was wir authentisch sind. Eine Frage, die sich mir stellt, ist, ob man von Meisterinnen und Meistern ihres Könnens über kollektive Wissensfelder lernen kann. Denn jeder, der etwas kann, bringt diese Information ja mit sich. Meisterschaft und die Verbreitung von mündlichem Wissen folgen dem, was für die Gesellschaft gerade wichtig ist, um im Leben zu bestehen, und ist gnadenlos in Bezug auf das Aussterben weniger gefragter Sparten. Wie man Smartphones bedient, hat sich rasend schnell verbreitet. Ein anderer Punkt ist die Weitergabe von Werten in der Gesellschaft. Hier brauchen wir eine breite Basis der Auseinandersetzung, was uns als Gesellschaft wichtig ist. (S. W.)</p>
<p>Welche Überlieferungen und Traditionen könnten die letzten Generationen einer Prä-Kollaps-Gesellschaft im Übergang zur Post-Kollaps-Gesellschaft weitergeben? Bisher habe ich die Geschichte über meine Vorstellung, Krebs zu haben, nur mündlich erzählt, aber jetzt ist Zeit, sie aufzuschreiben. So, wie ich nach langen Jahren das Schweigen gebrochen habe, brechen mehr und mehr Menschen gemeinsam das Schweigen über unser krebserregendes Weltbild. Jene »Kultur des Schweigens« (Paulo Freire) in eine Kultur des Dialogs zu verwandeln, ist der Kern meiner Arbeit. Meine »zauberhaften Melodien« bestehen aus Räumen, in denen Menschen sich spielerisch begegnen und wir unsere mündlichen Erzählungen über uns selbst, die anderen und die Welt lebendig werden lassen. Eine der kraftvollsten Wege, in solche Räume einzuladen, habe ich von dem exil-kolumbianischen Theateraktivisten Hector Aristizabal gelernt, der mit seinem Solostück »Nightwind« über seine Folterung durch kolumbianische Militärs um die Welt reist. In Krisengebieten arbeitet er mit seiner speziellen Anwendungsweise des »Theaters der Unterdrückten«. Seit ich Hector 2009 kennengelernt habe, keimt in mir das Bild eines entsprechenden (Solo-)Theaterstücks über meine eigene Geschichte als Spiegelbild unserer größeren Geschichte. (D. W.)</p>
<p>Wie können wir die wirklich neuen Geschichten schreiben? Was sind die Narrative unserer Gesellschaft? Wie können wir sie erzählen? Wie kommunizieren wir das Neue, dem wir dabei helfen wollen, voller in die Welt zu kommen? Ist es unsere Aufgabe, auf das zu antworten, wonach die Welt uns fragt, was so dringend benötigt wird? Auch wenn das für uns selbst nicht unbedingt neu ist, sondern eben unseren Talenten entspricht? Ich will dem Ruf der Welt antworten, hinhören auf das, was mich in der Gesellschaft wütend, froh und traurig macht. In der Mischung aus dem, was gebraucht wird, und dem, was ich ganz persönlich dazu geben kann, formt sich mein Beruf, und ich antworte meiner Berufung. (J. v. L.)</p>
<h4>Bildung ist lebendig</h4>
<p>Worum es bei der Erörterung der Bildungsfrage nicht geht: Es geht nicht um einen Gegensatz von informell tradiertem Wissen und »akademisch verankertem« Wissen; nicht um eine Unterscheidung von subjektiv-emotionaler und »rational-objektiver« Bildung; es geht auch nicht um die Trennung von »hiesigen« und »dortigen, fernen« Kulturen. Die einzige aus meiner Sicht wesentliche Unvereinbarkeit bezieht sich auf die Fragen: Dient diese Bildung der Identität der Person und ihres soziokulturellen Kontexts? Ist sie darin lebendig, dynamisch, menschlich? An welche Strukturen und Konventionen ist sie gebunden? Fördert sie die Freiheit? Oder dient diese Bildung einer akademischen Dogmatisierung?<br />
Bei der Bildungsfrage gibt es keine kompetenten oder angeblich inkompetenten Menschen: Jede Person ist, sozusagen gattungsmäßig, kompetent, um frei sich zu bilden und um zu gewährleisten, dass jeder andere Mensch dies auch vermag. (B.  S.)</p>
<p>So ist diese Lust, sich zu bilden, etwas derart Lebendiges, dass sie letztlich durch nichts völlig gebrochen werden kann. Sie sagt Nein zu Angst, Ungerechtigkeiten und Druck. Sie unterstützt auch keinen Egotrip, sie liebt die sinnhafte Beziehung zur Welt. Es gibt kaum ein mächtigeres Korrektiv für die Ungerechtigkeiten der Gegenwart, als diesem Impuls bedingungslos zu folgen. (L. M.)•</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin OYA — anders denken. anders handeln., <a href="http://www.oya-online.de/article/read/920-das_lied_von_der_bildung.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 19/2013</a></em></p>
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		<title>Eine Welt voller Farben</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Mar 2013 17:21:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Cosmic Cine Filmfestival 2013 „Eine Welt voll Möglichkeiten – A world full of colours“ lautet das Motto des Cosmic Cine Filmfestivals in 2013 — dem Kinofestival für Nachhaltigkeit, Bewusstsein und Wertewandel in der Schweiz und Deutschland. Vom 11.-17. April werden im Arena Cinemas in Zürich die besten „Open Mind Movies“ für eine lebenswertere Zukunft [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align: left;" align="center">Das Cosmic Cine Filmfestival 2013</h2>
<p style="text-align: left;"><em><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/Screen-Shot-2013-03-14-at-18.17.53.png" rel="lightbox[5629]"><img class="alignright  wp-image-5632" style="margin-left: 10px;" alt="Cosmic Cine Festival 2013" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/Screen-Shot-2013-03-14-at-18.17.53.png" width="200" /></a>„Eine Welt voll Möglichkeiten – A world full of colours“</em> lautet das Motto des Cosmic Cine Filmfestivals in 2013 — dem Kinofestival für Nachhaltigkeit, Bewusstsein und Wertewandel in der Schweiz und Deutschland. Vom 11.-17. April werden im Arena Cinemas in Zürich die besten „Open Mind Movies“ für eine lebenswertere Zukunft innerhalb einer Festivalwoche gezeigt. Eine Woche später, vom 18. bis 24. April 2013, rollen die Kinos in Deutschland mit München, Karlsruhe, Darmstadt und Bonn Bad Godesberg zeitgleich für die nominierten Dokumentar– und Spielfilme den roten Teppich aus. Alle Zuschauer dürfen sich auf ein Kino freuen, das dazu inspiriert, sein Leben eigenverantwortlich zu gestalten.</p>
<p>Gemeinsam reisen die Zuschauer von Donnerstag bis Mittwoch durch die verschiedenen Themenwelten „Pflanzenwelt, Tierwelt, Menschenwelt, Umwelt, Anderswelt, Phantasiewelt“ bis hin zur paradiesischen AWARDGALA. Zusätzlich entführen Musiker, Künstler und Referenten an jedem Standort in die bunte Welt von Cosmic Cine und gestalten das Rahmenprogramm. Eine Entdeckungsreise von der Vielfalt bis hin zur Individualität mit der Möglichkeit des Austauschs und natürlich jede Menge „Netzwerken“.</p>
<p>Zusätzlich findet in der Schweiz am Wochenende vom 12.-14. April ein Forum mit Vorträgen Podiumsdiskussionen und Lesungen statt. Gäste wie das Schweizer Medium Pascal Voggenhuber, die Sängerin Eva Novak, die Filmemacherin Elke von Linde u.v.m. entführen die Besucher in ihre Welt voll Möglichkeiten und sprechen über ihr Leben, ihre Visionen und Projekte.</p>
<p>Alle Festivalwochen gipfeln in der Cosmic Angel Award Verleihung, welche zugleich die bewegendsten Filme des Jahres auszeichnet. Der Gala-Abend findet am 26. April mit allen Städteteams gemeinsam um 20:13 Uhr in der Filmstadt München statt. Ein jeder ist herzlich wilkommen!</p>
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		<title>Eine Theorie von allem</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2013 22:28:54 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Integrale Landkarte]]></category>
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		<description><![CDATA[Ken Wilbers Genie, Größenwahn und intellektuelle Schärfe Hat seit dem Renaissance-Genie Leonardo da Vinci nochmal jemand versucht, das gesamte menschliche Wissen zusammenzufassen? Da fallen mir erstmal nur die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt ein, und dann … Ken Wilber. Und das in einer Zeit, von der man sagt, das sich das menschliche Wissen alle [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Ken Wilbers Genie, Größenwahn und intellektuelle Schärfe</h2>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/02/kenwilber.png" rel="lightbox[5600]"><img class="alignright  wp-image-5623" style="margin-left: 10px;" alt="Ken Wilber" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/02/kenwilber-300x168.png" width="200" /></a>Hat seit dem Renaissance-Genie Leonardo da Vinci nochmal jemand versucht, das gesamte menschliche Wissen zusammenzufassen? Da fallen mir erstmal nur die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt ein, und dann … Ken Wilber. Und das in einer Zeit, von der man sagt, das sich das menschliche Wissen alle zwei Jahre verdoppelt, ungefähr so schnell (und exponentiell) wie die Geschwindigkeit der Prozessoren unserer Computer. Allein für den Versuch, eine solche Zusammenfassung zu wagen und den Reichtum an Ergebnissen, die dieser Versuch bisher schon gebracht hat, darf man dem Helden dieses megalomanen Versuchs einen Tempel bauen – und kann dann viel leichter akzeptieren, dass seine »Theorie von allem« an einigen Punkten nicht hält, was sie verspricht.</p>
<p>Meine vertiefte Beschäftigung mit Ken Wilber hat leider erst im Jahr 2012 begonnen. Vorher wusste ich von seiner Theorie nicht viel mehr als die Unterscheidung zwischen prä– und trans– (-konventionell, –rational, –personal), die immerhin bereits sehr, sehr nützlich ist. Und dass alle Frauen, die sich mit ihm beschäftigt haben, das Buch »Mut und Gnade« in den höchsten Tönen lobten und die meisten von ihnen über seine ach so abstrakten, »verkopften« Werke der Jahre danach seufzten. Heute halte auch ich Ken Wilber für den größten lebenden Philosophen. Seine Größe sehe ich vor allem darin, dass er den Mut hat, eine »Theorie von allem« zu wagen und zudem genügend Intelligenz, Forschungseifer und Ausdauer, ein solch größenwahnsinniges Projekt auch so weitgehend durchzuführen. Wenn auch nur zwei Drittel seiner Thesen sich in den nächsten Jahren auch nur vorübergehend als stichhaltig erweisen sollten, dürfte er schon damit einen Platz in der Walhalla der ganz großen Systematiker des menschlichen Wissens beanspruchen.</p>
<blockquote><p>Seine Größe sehe ich vor allem darin, dass er den Mut hat, eine ›Theorie von allem‹ zu wagen</p></blockquote>
<h3>Der große Bogen</h3>
<p>Mit Wilber hat zum ersten Mal ein Philosoph auf zutiefst plausible und unübertroffen weitreichende und umfassende Weise westliche Wissenschaft (vor allem <em>science</em>) mit östlicher Weisheit und Spiritualität unter einen Hut gebracht. Viele vor ihm haben das versucht, verglichen mit Wilbers‹ Werk aber wirken diese Vorgänger (Jean Gebser, Teilhard de Chardin, Arthur Koestler und viele andere) aber nur wie Wegbereiter des großen Theoretikers der »Theorie von allem«.</p>
<p>In Ken Wilbers Büchern zu lesen (zur Zeit lese ich <em>Eros, Kosmos, Logos</em> in der englischen Originalausgabe) ist für mich ein intellektueller Genuss und eine Fundgrube tiefer Einsichten, die auch mein praktisches Leben bereichern. Wie ich mit Menschen umgehe, mit Themen, mit Zeit und Raum, mit dem Verhältnis von meditativer Versenkung und begrifflichem Verstehen, all das ist davon berührt. Neulich sagte ich zu einem Freund, der sich schon viel länger mit Wilber befasst: Hätte ich schon 1995 dieses Buch gelesen (viele nennen es sein Hauptwerk), mein Leben wäre anders verlaufen. Inwiefern denn?, fragte er. Zum Beispiel hätte ich mich mit einigen der wirklich dummen Glaubensmustern der Babyboomer-Generation (»Spirituell reife Menschen werten nicht«, »Du musst werden wie die Kinder«, »Die Welt, die du erlebst, hast du mit deinen eigenen Überzeugungen erschaffen« – ich habe einige dieser Muster in Connection ja immer mal wieder aufgezählt) nicht so lange aufgehalten, sondern hätte diejenigen, die solchen Eso-Plattitüden verfallen, viel eher einfach links liegen gelassen und mich intelligenteren Menschen zugewandt. Als Verleger und Autor gesprochen: Ich hätte mich schneller und mit mehr Mut auf die Suche nach einer neuen Zielgruppe gemacht. Denn die gibt es. Sie ist klein, aber – dem Himmel sei Dank, sie wächst an!</p>
<h3>Was für ein Mut!</h3>
<p>Wer Wilber liest, stößt früher oder später auf die Frage, ob dieser Mensch mit seiner »Theorie von allem« nicht größenwahnsinnig ist. Welcher Teufel hat ihn da nur geritten, <em>das</em> zu beanspruchen? Dabei stimme ich gerade diesem Anspruch zu, denn jeder von uns muss irgendwie Inneres und Äußeres unter einen Hut bringen, die eigene Besonderheit und die Ansprüche des Kollektivs, Liebessehnsüchte und Steuererklärungen, Zahnschmerzen, Orgasmusstörungen und den Tod. Wie schaffen wir das nur? Die meisten schlagen sich dann auf eine Seite und werden <em>entweder</em> Steuerberater <em>oder</em> Poeten,<em>entweder</em> Gläubige <em>oder</em> Skeptiker, oder wie die Parteien alle heißen, aber auch Steuerberater haben manchmal Liebeskummer, und auch inbrünstig Glaubende zweifeln – wir haben eben alles in uns, und nur einen Teil davon anzuerkennen hat viele böse Folgen, von Bauchschmerzen bis hin zu Kriegen. Ich bewundere Wilbers Mut, es überhaupt <em>zu versuchen</em>, alles, wirklich alles in eine einzige Theorie zu packen und bin entsprechend nachsichtig mit ihm an den Stellen, wo mir diese Theorie fehlerhaft zu sein scheint.</p>
<p>Außerdem stehe ich auf Intelligenz! Bei Wilber finde ich ein so hohes Maß davon, bin hingerissen, entzückt und immer wieder im »Verstehensrausch«: Ah, was hat er da nicht alles auf dieser so erstaunlich detaillierten Landkarte des Kosmos‹ unterbringen können! Ich entdecke dort Bezüge ohne Ende zwischen Dingen, Ereignissen, Personen und Einzelerkenntnissen, die mir bislang noch nichts miteinander zu tun zu haben schienen, aber doch, sieh da, es gibt einen Zusammenhang! Insofern meine ich, dass Wilber den Heldenstatus verdient, den viele seiner Fans ihm geben.</p>
<blockquote><p>Der analytische Geist und das liebende Herz müssen sich beide entwickeln, sonst kommt es zu Auf– und Abwinden mit Neigung zu Gewittern.</p></blockquote>
<h3>Herz und Intellekt</h3>
<p>Eine Gefahr sehe ich allerdings, ein bisschen bei Wilber selbst, vor allem aber bei den Menschen, die sich von der Schärfe seines Denkens und dem Umfang seines Wissens faszinieren lassen: Wenn der analytische Geist (der <em>mind</em>) sehr weit entwickelt ist und das liebende Herz, das alles Wahrgenommene einfach schon deshalb umarmt, weil »es da ist«, nicht ebenso weit entwickelt ist, dann kommt es im Menschen zu einem Ungleichgewicht. Das ist dann sowas wie starke Thermik in der Atmosphäre, wenn etwa eine Fläche sich in der Sonnenhitze sehr viel schneller aufgewärmt hat als eine andere, dann gibt es starke Auf– und Abwinde und Neigung zu Gewittern. Wenn die intellektuelle Seite zu weit voraus ist, wird die Sprache tendenziell scharf und verletzend; der Mensch wird zum Kritikaster und trotz all seines Wissens, das ja sehr wertvoll ist, immer unerträglicher. Andererseits tut den im unendlichen Ozean der alles akzeptierenden Liebe Schwelgenden ein scharfer Geist gut – er holt sie aus der Kitschzone raus, verhindert dummes Mitläufertum und gibt den starken Gefühlen Sinn, Gehalt und Tiefe. Wilber scheint mir in der Hinsicht ein bisschen zu hirnig zu sein, aber <em>bei dem Intellekt</em>, da müsste er das Herz einer Liebesgöttin haben, damit es ohne Thermik ginge.</p>
<h3>Warum ignoriert ihn die akademische Welt?</h3>
<p>Nach dem Lesen von einigen der Kritiker Ken Wilbers frage ich mich, warum dieser große Denker in der akademischen Welt bisher kaum zur Kenntnis genommen wurde. Das ist ja auch eine der Fragen, die sich Frank Visser stellt (s. unser Interview mit ihm in der <em>connection</em> 01/02/2013 auf S. 34–37). Ich hatte nun das Glück oder Pech (wie man’s nimmt), unter Akademikern und Wissenschaftlern aufzuwachsen und konnte sie so auch in ihrem Alltags– und Privatleben beobachten, deshalb erlaube ich mir hierzu folgende These: Weil Wilber eine sehr neue, »umwerfende« Theorie bietet, die so vieles fundamental in Frage stellt, trifft er bei denen, die das etablierte Wissen verwalten, auf Widerstand oder Totschweigen (»Den ignorieren wir nicht ›mal«). Zu vieles des bisher als sicher oder selbstverständlich Geltenden wirkt angesichts von Wilbers Theorie obsolet oder kleinlich. Wenn ein Heidegger immerhin einige Jahre lang einem Hitler zujubelt, was soll man dann von der von Heidegger &amp; Co vertretenen abendländischen Philosophie halten? Oder von der Philosophie überhaupt? Was gibt es da seit Sokrates für Fortschritte? Auch der Marxismus ist, gelinde gesagt, nicht gut durchdacht und konnte nur durch die Wut und Verzweiflung der vom Kapitalismus gedemütigten Massen gedeihen und durch Führerkulte (die ihn dann politisch scheitern ließen).</p>
<h3>Zweifel</h3>
<p>Obwohl ich mich, was das Verständnis von Wilbers Philosophie anbelangt, noch ganz am Anfang befinde und dabei auch weiterhin ein gutes Maß an Anfängergeist beibehalten möchte (im Sinne von Suzukis »Zen mind, beginner’s mind«) – jetzt doch auch ein bisschen Kritik an dem Helden.</p>
<p>Wilbers Verständnis von »Bewusstsein« als Tiefe in der Holarchie der immer komplexer werdenden Strukturen finde ich hochinteressant, aber noch nicht wirklich schlüssig. Bewusstsein scheint mir auch mit Abbildung zu tun zu haben. Ein Molekül oder eine Zelle, die (noch) nicht eine wahrgenommene Außenwelt abbilden, wie können die Bewusstsein haben?</p>
<p>Ethik halte ich für das vielleicht am meisten unterschätzte Thema im Feld des Wissens und der menschlichen Kultur. Wilber packt es in den Quadranten links unten und scheint es, wie viele andere auch, als Gegensatz zum »platten Darwinismus« zu sehen. Ich protestiere: Ethik ist absolut darwin-kompatibel! Überhaupt scheint Wilber ein Ding mit Darwin zu haben und wird meines Erachtens der Evolutionstheorie nicht gerecht.</p>
<p>Und dann die teleologische Strähne in Wilbers Werk, die betrachte ich mit Skepsis. Hat denn alles einen Sinn (gemäß der Perspektive der sinngebenden linken Quadranten) oder Zweck oder Ziel? Ergänzen sich die rechten Quadranten, in der Kausalität gilt, mit den linken, den Zielstrebenden und Sinnfindenden?</p>
<p>Aber das sind Zweifel – <em>meine</em> Zweifel und Fragen. Vielleicht finde ich während meiner weiteren Wilber-Lektüre darauf Antworten, pro oder contra Wilber, wie auch immer.</p>
<h3>Kritik der Geisteswissenschaftler</h3>
<p>Die Kritik an Wilber aus der Sicht der deutschen Geisteswissenschaft, wie sie etwa Johannes Heinrichs vorträgt (<em>connection</em>01/02/2013 auf den Seiten 38–42) empfinde ich hingegen schon deshalb nicht als stichhaltig, weil ich Wilbers Grundsatz für richtig halte, dass <em>genau genommen</em> das Bewusstsein sich nicht selbst betrachten kann, so wie ein Messer sich nicht selbst schneiden kann. Der so genannten Selbstreflexivität des Intellektuellen fehlt meines Erachtens die Genauigkeit in der Selbstbeobachtung. Ich halte sie aber auch in dieser Ungenauigkeit (»Oh, da habe <em>ich mich</em> wieder mal bei einem Irrtum erwischt«) für wertvoll.</p>
<p>Einige von Wilbers Gegnern halten ihn für arrogant. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber wenn ich seine Schriften lese, spüre ich seine große Begeisterung für geistige Entdeckungen, keine Arroganz, und große Bereitschaft, sich mit anderen Menschen über diese Entdeckungen auszutauschen. Wilber mag auch mal wütend und abweisend sein, warum denn nicht, und sicher fühlt er sich vielen Menschen überlegen – reale Gründe dafür hat er ja genug, er <em>ist</em> vielen überlegen. Aber er sucht Menschen, die mit ihm auf Entdeckungsreise gehen, ihn verstehen und dann weitergehen, er sucht keine Nachbeter seiner Theorien.</p>
<p>Dass Wilber auch scharf schießende Gegner hat, wundert mich überhaupt nicht. Viel Feind, viel Ehr, würde ich in diesem Falle sagen. Die meisten seiner Kritiker haben nicht annähernd seine Größe, manche nörgeln nur an ihm herum, um sich wichtig zu machen. Es scheint mir aber auch sinnvolle Kritik zu geben, wie etwa die, dass er, von dem so viele sagen, dass er ihre Thesen nicht richtig darstelle (sie misrepräsentiere) seinen ärgsten Gegnern vorwirft, von ihnen falsch dargestellt zu werden. Anscheinend eine Schattenprojektion, vermutlich auf beiden Seiten.</p>
<h3>Die Wortgläubigkeit</h3>
<p>Ich ahne, dass eine Lösung dieses Streits (und einiger anderer im Umfeld der Integralen) in einer Erkenntnis der Gefahren der Wortgläubigkeit liegen könnte – unser aller Bereitschaft, uns von Worten faszinieren zu lassen. Wilber selbst scheint mir fasziniert zu sein von seinen eigenen Entdeckungen, dabei aber nicht wirklich wortgläubig im engeren und gefährlichen Sinn. Damit ich beim Lesen möglichst nah am Atem seiner Forschung bin, lese ich Wilber übrigens lieber im Original. Wenn ich dabei stutzig werde und ihm nicht mehr glaube – was oft vorkommt – lese ich seinen Text einfach so weiter, wie ich Rilke lesen würde oder Erich Fried, Gottfried Benn, Khalil Gibran oder auch vieles von Osho – die Worte eines Dichters. Dann steht für mich nicht mehr sein scharfes Denken im Vordergrund, sondern seine große Sehnsucht nach dem Ganzen und danach, alles in einer einzigen Theorie unterzubringen. Was auch wir alle tun, jeder von uns auf seine Weise, mit vielen Flicken, Brücken und schlechten Übergängen, unser Menschsein erfordert und impliziert den Versuch, alles zu integrieren. Wir mögen das unvollständiger tun als Wilber, aber wir tun es doch auch.</p>
<h3>Wilbers Holon-Theorie</h3>
<p>Für viele Wilber-Fans ist seine Holon-Theorie ein oder sogar <em>das</em> zentrale Element seiner »Theorie von allem«. Er knüpft damit an Arthur Koestler an und stellt die steile These auf, dass alles, wirklich alles, was es gibt, ein Holon sei, das heißt aus Teilen zusammengesetzt (insofern ein Ganzes) und selbst wieder Teil von Größerem oder Komplexerem. Mich fasziniert diese These. Zum einen, weil sie so umfassend ist: Gilt das wirklich für <em>alles?</em> Zum anderen, weil ich bei der Erforschung der Frage, ob er damit recht hat, auf so vieles stoße, das sich fügt oder löst oder klärt und neue Perspektiven sichtbar werden lässt, von der Biologie über das Soziale und die Politik (dort zum Beispiel das föderale Prinzip) bis hin zur Ethik. Manchmal löst dieses holonische oder holarchische Denken bei mir ganze Kaskaden von Aha-Erlebnissen aus. Zum Beispiel auch an diesem Punkt: Alle Holone haben vier Tendenzen, sagt Wilber: Selbsterhaltung, Anpassung, Transzendenz und Auflösung. Diese Passage in Wilbers <em>Eros, Kosmos, Logos</em> zu lesen war für mich pure geistige Ekstase. Wenn Wilber sonst nichts geschaffen hätte als diese Holon-Theorie, schon dann wäre er ein Studium wert – aber es gibt ja noch so viel mehr bei ihm.</p>
<blockquote><p>Obwohl Ken Wilber als Kartograph viel Größeres geleistet hat denn als Reisender, lässt er keinen Zweifel daran, dass es ums Reisen geht.</p></blockquote>
<h3>Das Land und die Landkarte</h3>
<p>Nicht zu vergessen: Wilber ist nicht nur ein Theoretiker, er ist auch ein Mystiker. Er denkt nicht nur, er meditiert auch. Obwohl er als Kartograph viel Größeres geleistet hat denn als Reisender, lässt er keinen Zweifel daran, dass es ums Reisen geht. Wozu sonst die Landkarte? Wozu eine Theorie, wenn sie nicht hilft, sich damit in der Wirklichkeit besser zurecht zu finden und ein besseres Leben zu führen? Was für ein Glück für uns Reisende, dass Wilber ein solch scharfer Denker und grandioser Kartograph ist! Reisen müssen wir nun selbst. Meditieren und leben und lieben und weiterforschen müssen wir selbst. Eine Landkarte ist noch keine Reise, aber sie hilft ungemein dabei, sich nicht zu verirren und gesund und guter Dinge ans Ziel zu kommen.</p>
<p>Auf S. 42, am Ende des Textes von J. Heinrichs findet sich eine recht gute <strong>Literaturliste </strong>von Ken Wilber Büchern bis zum Jahr 2000. Zu den periodisch erscheinenden Medien, die sich in herausragender Weise auf Deutsch mit der Weiterentwicklung von Ken Wilbers Theorien beschäftigen, gehören die Printmedien <em>Integrale Perspektiven</em> und das Andrew Cohen nahe stehende <em>EnlightenNext</em> (S. 77). Außerdem Thomas Steiningers Sender <strong>Radio EnlightenNext</strong> (dort gibt es im Archiv viele Interviews, auch mit Connection-Autoren, darunter Katharina Ceming, Margrit Kennedy, Annette Kaiser und mir selbst). Das <strong>Integrale Forum</strong> (<a href="https://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&amp;DEST=http%3A%2F%2Fwww.integralesforum.org" target="_blank" rel="external nofollow">www.integralesforum.org</a>) mit Sitz in Berlin, der Hrsg. der <em>Integralen Perspektiven</em> organisiert außerdem Tagungen und vieles andere mehr.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin Connection Spirit, <a href="http://www.connection.de/index.php/magazintexte/spirits/1640-connection-spirit-1-2-13" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 1–2/2013</a></em></p>
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