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	<title>OpenMindJournal &#187; Spirit</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Lebenspraxis und Change</description>
	<lastBuildDate>Thu, 17 May 2012 11:01:36 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Der Buddha des Bösen</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 20:27:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anthroposophie]]></category>
		<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Attentäter von Oslo und die geistige Signatur unserer Zeit Über die geistige Dimension der Morde in Norwegen und was sie mit uns und unserem Zeitalter zu tun haben. Als der Norweger Anders Behring Breivik mitten in diesem regnerischen Juli das Blut von Monica Bøsei, Johannes Buø, Gunnar Linaker, Tore Eikeland und vierundsiebzig weiteren Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Der Attentäter von Oslo und die geistige Signatur unserer Zeit</h2>
<div id="attachment_4766" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/04/539308_web_R_K_B_by_Katharina-Wieland-Müller_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4761]"><img class=" wp-image-4766 " title="Norwegen trauert" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/04/539308_web_R_K_B_by_Katharina-Wieland-Müller_pixelio.de_-300x182.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de</p></div>
<p><em>Über die geistige Dimension der Morde in Norwegen und was sie mit uns und unserem Zeitalter zu tun haben.</em></p>
<p>Als der Norweger Anders Behring Breivik mitten in diesem regnerischen Juli das Blut von Monica Bøsei, Johannes Buø, Gunnar Linaker, Tore Eikeland und vierundsiebzig weiteren Menschen vergoss, tat er dies konzentriert und seelenruhig. Als die Polizei kam, legte er zügig, aber ohne Eile die Waffe nieder und ging entspannt auf die Polizei zu. Und als er im Polizeiwagen saß, zeigte er der Welt das zurückhaltende Lächeln eines Menschen, der ganz im inneren Frieden mit sich selbst zu sein scheint. Ein neues Bild im kollektiven Gedächtnis. Vor zehn Jahren hatte er sich diesen Tag und diese Tat als Ziel gesetzt und ging seitdem darauf zu. Nach allem, was wir wissen, tat er dies diskret, willensstark und mit aufmerksamer Selbstbeobachtung. In seinem 1500 Seiten langen Manifest notierte er detailliert, wie er Jahre, Monate, Wochen und Tage auf dieses Blutvergießen hingelebt hat.</p>
<p>Für viele mag Breivik nur ein Irrer und sein Manifest bloß das schauerliche Ergebnis eines kranken Hirns sein, das keinerlei  Be– und höchstens Verachtung verdient. Ich sehe das anders und ich gebe zu, dass mich etwas fasziniert an diesem Mann – nicht an seinen Taten. Und es macht mir auch Angst. Es ist nicht das Fremde und nicht das Monströse. Es ist das Bekannte und das Normale – und damit meine ich nicht normale menschliche Gefühle wie Zorn oder Hass, und ich meine nicht bekannte dunkle Fantasien oder tierische Instinkte. Ich meine etwas, was speziell Menschen auf einem geistigen Schulungsweg bekannt und normal vorkommen kann – ja muss.</p>
<h4>DIE GOLDENE REGEL UND DAS NEUE ZEITALTER</h4>
<p>Als ich früher Rudolf Steiners Warnungen las, dass jeder geistige und so auch der anthroposophische Schulungsweg zu krassem Egoismus führen könne und voller todbringender Gefahren sei, da kamen mir diese Hinweise reichlich übertrieben, bestenfalls düster-poetisch vor. Auch Steiners andauerndes  Beharren auf der „Goldenen Regel“ hatte in meinen Augen eher etwas Romantisches: „Und diese Goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten.“</p>
<p>Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich ziehe keine einzige Parallele zwischen jemandem, der auf einem spirituellen Weg ist, und einem Massenmörder. Aber ich glaube, sowohl an Breivik als auch an der Reaktion der Norweger etwas zu entdecken, was unsere höchste Aufmerksamkeit verlangt – weil es jeden von uns betrifft. Unser ganzes Zeitalter.</p>
<p>Ähnlich wie andere Weisheitstraditionen formuliert auch die Anthroposophie bestimmte Charakteristika für bestimmte Zeitspannen. Wir leben gerade – so nennt Rudolf Steiner es  – im Zeitalter der „Bewusstseinsseele“. Ein wesentliches Merkmal dieser Epoche ist eine bestimmte seelische Grundstruktur des Menschen – teilweise angeboren, teilweise kulturell konditioniert und teilweise bewusst antrainiert. Was sich theoretisch kompliziert anhört, ist praktisch sehr einfach. Erst die komplizierte Theorie: Wir sind zunehmend in der Lage, unsere Gefühle, Empfindungen und inneren Regungen von unserem Denken und intellektuellen Reflexionen zu trennen und darüber hinaus unsere Taten, unseren Willen und auch die praktische Lebensweise von Fühlen und Denken zu separieren. Jetzt die einfache Praxis: Sehr freundliche Jugendliche, mit einem durchaus normalen geistigen Horizont, sind in der Lage, einen Obdachlosen stundenlang zu foltern und schließlich zu töten, um die Tat später glaubhaft damit zu begründen, dass es sie „einfach mal interessiert hat, wie das ist, wenn man einen Menschen umbringt“.</p>
<p>So gerne wir diesen Tätern Verwahrlosung oder Verblödung vorwerfen würden, die psychologischen Untersuchungen erlauben diesen einfachen Schluss nicht. Im Gegenteil: Das nüchterne Töten, das bewusste Vernichten, das seelenruhige Morden beschreiben Kriminologen als ein neues Phänomen, welches in diesem Maße früher unbekannt war. Normale Menschen – aus unserer Mitte – nehmen sich vor, das Böse zu tun, ohne dabei wie Tiere nur ihrem unbewussten Instinkt zu folgen. Wir glauben immer noch gerne an das Monster des Bösen: Ein durch und durch gehässiges Wesen, welches nur seinen dunklen Trieben folgt und zwanghaft um sich kratzt und beisst. Aber wir müssen spätestens seit Norwegen sehen, dass es zunehmend Menschen gibt, die sehr bewusst und mit einer – bitte erlauben Sie sich kurz diesen unfassbaren Gedanken – großen inneren Freiheit Blut vergießen. Keine Monster des Bösen. Eher Buddhas des Bösen. Und tatsächlich gehört laut Steiner die Konfrontation mit der Möglichkeit böser, abscheulicher Taten, die in so bisher nicht vorstellbarer Weise heute in allen Menschen unbewusst veranlagt sind, zum Geheimnis des Zeitalters der Bewusstseinsseele und zum Geheimnis der Freiheit.</p>
<h4>DIE TRENNUNG VON DENKEN, FÜHLEN UND HANDELN</h4>
<p>Vor dem Zeitalter der Bewusstseinsseele waren das Denken, das Fühlen und das Handeln unzertrennbar verflochten – um nicht zu sagen: total verworren. Ein Gedanke ging nahtlos und unreflektiert in ein Gefühl über – oder umgekehrt – und eine Tat folgte nahezu instinktiv. Taten ließen bestimmte Gefühle aufkommen, die wiederum bestimmte Gedankenmuster kreierten. Eher kollektiv, als individuell. Handeln, Fühlen und Denken waren ein großer Kuddelmuddel. Im Zeitalter der Bewusstseinsseele beginnt sich dieser Kuddelmuddel langsam aufzudröseln – in drei verschiedene und grundsätzlich getrennte Phänomene: Denken, Fühlen, Handeln.</p>
<p>Und das ist auch gut so. Rudolf Steiner sah darin die wichtigste Voraussetzung für inneres Wachstum,  für eine neue Kultur des Geistes und den freien Menschen. Er gab Übungen und Anleitungen, wie man bewusst etwas denken kann – ohne ein Gefühl dazu zu entwickeln. Er beschrieb, wie man ganz in das Gefühl eintauchen solle – ohne mit Gedankenurteilen dazwischenzufunken. Auch die vom Denken und von Gefühlen abgetrennte Stärkung des Willens gehört zu den Grundlagen der Anthroposophie.</p>
<p>Wir dürfen uns diese innere Freiheit und die Arbeit an dem Seeleninhalt nicht kleinlich vorstellen. Denn am Ende hat dieses Aufräumen unseres Innenraumes nichts weniger zur Folge als eine bewusste Leere. Steiner: „Man löscht ja nichts Geringeres aus als den Inhalt seines Seelenlebens selbst.“ Die so erworbene Freiheit ist der Beginn des schöpferischen Menschen – oder eben der totalen Zerstörung. Der Unterschied liegt am Ende nur in der Goldenen Regel.</p>
<h4>TU WAS DU WILLST</h4>
<p>Innere Freiheit hört sich ja zunächst nur gut an. Sie kann aber eben auch Schattenseiten haben, die ebenfalls jeder spirituelle Schüler kennen mag: Denn damit geht erst einmal auch jeglicher, kollektiv erworbener Zusammenhang zwischen einer Tat und dem gefühlten, gedachten oder tradierten Urteil über diese Tat verloren. Man weiß an einer bestimmten Stelle des Schulungsweges nicht mehr, was falsch und was richtig, was im traditionellen Sinne gut und böse ist. Man schwebt orientierungslos im luftleeren Raum und ist dennoch bei klarem und reflexivem Verstand.</p>
<p>Blutiges, praktisches Beispiel, wie es von Kriminologen immer wieder geschildert wird: Ein Mann tötet – aber seine durchaus existenten Gefühle greifen nicht dazwischen und sein Denken fällt kein Urteil. Es wird alles einfach so erlebt, wie es aus einer objektiven Zeugenposition erscheint: „Baseballschläger trifft auf Schädel, Blut spritzt, Mann fällt um, mit Gesicht auf Asphalt, der ein paar Risse hat und ein paar weiße Flecken von ausgespucktem Kaugummi.“ Es ist sogar so, dass die Täter – so wie es Breivik in seinem Tagebuch schrieb – sehr genau ihr Gefühlsleben beobachten und beschreiben können. Auch ihre Ängste und Schwächen. Ja, sie haben alle Gefühle, aber sie identifizieren sich nicht damit und trennen zwischen ihrem einen Ziel und ihren vielen Gefühlen.</p>
<p>Wir sagen dann, der Täter sei „eiskalt“ gewesen. Aber ich denke, dieses Urteil trifft nur auf einen kleineren Teil der Täter zu, einen Teil, den es immer schon gegeben hat.</p>
<p>Das neue Täterprofil sieht so aus wie das von Breivik und es ist sehr einfach: Es ist von der Freiheit und dem Willen zur Tat geprägt. Man könnte sagen, dass das Zeitalter der Bewusstseinsseele dieses Tor zur Freiheit aufgestoßen hat. Und ob jemand eine „Killermaschine“ oder ein „Krieger des Lichts“ wird, darüber entscheidet nur die ernsthafte Praxis der Goldenen Regel.</p>
<p>Michael Endes Romanfigur Bastian Balthasar Bux war nicht der Erste und nicht der Letzte, der an diesem „Tu was Du willst“ fast zerbrochen wäre. Er war vollkommen fasziniert von einer tiefen Erkenntnis: Diese Erkenntnis, dass wir nicht Gefangene unserer Gefühle und Gedanken sind, nicht Gefangene genetischer Systeme und bürgerlicher Gesetze, keine höheren Automaten, in die man oben moralische Gesetze einwirft und unten kommen dann ethische Taten hervor – nein: Das Zeitalter der Bewusstseinsseele schenkt uns diese Erkenntnis: Wir sind frei. Und ich wette, der Mörder aus Norwegen hatte diese Erkenntnis.</p>
<h4>DAS ALLUMFASSENDE GUTE</h4>
<p>Und das ist es, was mich fasziniert. Und das ist es, was mir Angst macht und schlagartig alle Warnungen und Regeln Steiners ins Gewissen ruft: „Und diese Goldene Regel ist: wenn du einen Schritt vorwärts zu machen versuchst in der Erkenntnis geheimer Wahrheiten, so mache zugleich drei vorwärts in der Vervollkommnung deines Charakters zum Guten.“ Dieses Gute ist aber nicht wieder irgendein moralisches Gutes, welches in dieser Kultur so und in jener Kultur anders verstanden und dann doch wieder automatisiert wird. Es ist DAS GUTE. Es ist <em>die</em> Gutheit. Es ist eins mit <em>dem</em> Leben, eins mit <em>dem</em> Göttlichen, eins mit <em>dem</em> Geist, eins mit Bewusstheit, eins mit Liebe. Und zu eben diesem allumfassenden Guten soll sich der Charakter desjenigen vervollkommnen, der sich auf dem Schulungsweg befindet und seinem höchsten Ziel folgt.</p>
<p>Diese Ziele selber müssen nicht in einem engen moralischen Sinne gute Ziele sein. Nicht die Ziele sind gut, sondern der Mensch, der handelt. Das macht ihn frei. Es ist ein Handeln aus seiner charakterlichen Gutheit heraus und diese Gutheit ist darum gut, weil sie aus der Einheit mit <em>allem</em> erwächst. Das ist ein faszinierender Vorgang: Wir können nun einfach das tun, was für uns im individuellen Falle zu tun ist, weil wir aus der Einheit heraus handeln. Wir sind als einzelne Menschen ganz frei und einzigartig in unseren Taten und gleichzeitig kommt unser Handeln aus dem ganzen kosmischen Zusammenhang heraus. Nicht anders hat es Steiner als Ideal in seiner Philosophie der Freiheit beschrieben.</p>
<p>So ein Mensch ist weder von flüchtigen Gefühlen, noch von hinderlichen Gedanken, weder von Unlust oder Trägheit abhängig und kann tun und lassen, was er will – als jemand, der das Gute <em>ist</em>. Das Gute in seiner Essenz. Das Gute als das Ganze. Das Gute als eine Ich-Präsenz mit goldenem Glanz. Dahin zielt die Goldene Regel – und sie könnte das Credo dieses Zeitalters werden. Damit das leere Herz des Buddhas nicht mit Bösem gefüllt werden kann.</p>
<h4>DAS SPIRITUELLE NORWEGEN</h4>
<p>Zum Schluss noch etwas Versöhnliches: Das Zeitalter der Bewusstseinsseele verlangt von uns, dass wir uns bewusst für diese spezifischen Veränderungen öffnen und sie gezielt unterstützen. Norwegen darf als ein Land gelten, welches sich wie kaum ein anderes für diese Spiritualisierung des Lebens engagiert. Die starken anthroposophischen Initiativen und die (abgesehen von Liechtenstein) meisten Waldorfschulen pro Einwohner auf der Welt sind nur einer von vielen Indikatoren dafür. Auch Ministerpräsident Jens Stoltenberg, der in diesen schweren Tagen so beeindruckend über sich selbst und das übliche Format eines Politikers hinausgewachsen ist, hat übrigens eine Waldorfschule besucht.</p>
<p>Und so scheint sicher, dass viele Menschen in Norwegen sich nicht nur unbewusst in diesem Zeitalter der Bewusstseinsseele befinden und nicht nur passiv die Verwandlung über sich ergehen lassen. Wir dürfen annehmen, dass in kaum einem anderen Land der Welt sich die Menschen so aktiv und so bewusst auf diesem inneren Schulungsweg befinden. So gesehen, hat sich das Morden in einem Land ereignet, welches vielleicht von allen Ländern innerlich am intensivsten auf diese Prüfung der Seele vorbereitet war.</p>
<p>Genau ab dem Moment, als der Norweger Anders Behring Breivik mitten in diesem regnerischen Juli das Blut von Monica Bøsei, Johannes Buø, Gunnar Linaker, Tore Eikeland und vierundsiebzig weiteren Menschen vergoss – seelenruhig und konzentriert –, da bewies das norwegische Volk, dass es keinen Automatismus mehr gibt, wo auf eine böse Tat die Rache folgen muss. Kein zwanghaftes Denken in Kategorien, die noch mehr staatliche Überwachung fordern. Keine kurzschlüssigen Verdächtigungen konservativer oder rechtsgerichteter Meinungen. Norwegen zeigt, dass die Trennung von Fühlen, Denken und Handeln zu den großen seelischen Errungenschaften unserer Zeit gehört und uns hilft, gesünder zu leben. Norwegen zeigt, dass eine bewusste Seele zu jedem Schmerz fähig ist, ohne in Hass, Rachsucht und Verhärtung zu fliehen. Norwegen zeigt, dass ein trauerndes Herz sich nicht verschließen muss und dass man auch in tiefer Trauer den Willen aufrechterhalten kann, für das zu stehen, was wir uns als geistige Kulturleistung errungen haben: Bewusste Menschlichkeit. Ein Mörder kann heute morden wie immer, vielleicht sogar noch aus einer neuen Bosheit heraus. Aber er muss damit rechnen, dass die Menschen in dieser Prüfung der Seele nicht hinter ihre Entwicklung zurückfallen, sondern über sich hinauswachsen. Einer hat versagt, aber viele haben bestanden.</p>
<p> </p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2011/september/der-buddha-des-boesen/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe September 2011</a></em></p>
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		<title>In-Forma-tion – der Urstoff des Universums</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 11:27:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anthroposophie]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[Gemäß der gegenwärtig vielversprechendsten Wissenschafts-Theorie, Gravitation betreffend, könnte sich das Phänomen der „Schwer-Kraft“ als Wirkung zunehmender In-forma-tion im Kosmos – beziehungsweise „frei-werdender“ In-forma-tion – enttarnen. Der Umkehrschluss scheint aus anthroposophischer Sicht nahezu noch spannender, als eine Aufnahme „freier In-forma-tion“ – also „Geist“ – in die Materie hinein, als Vorgang gegenteiliger – nämlich antigraver – Wirkung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4583" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/547024_web_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4546]"><img class=" wp-image-4583 " title="547024" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/547024_web_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Gerd Altmann / pixelio.de</p></div>
<p><em>Gemäß der gegenwärtig vielversprechendsten Wissenschafts-Theorie, Gravitation betreffend, könnte sich das Phänomen der „Schwer-Kraft“ als Wirkung zunehmender In-forma-tion im Kosmos – beziehungsweise „frei-werdender“ In-forma-tion – enttarnen. Der Umkehrschluss scheint aus anthroposophischer Sicht nahezu noch spannender, als eine Aufnahme „freier In-forma-tion“ – also „Geist“ – in die Materie hinein, als Vorgang gegenteiliger – nämlich antigraver – Wirkung gedeutet werden kann. Eröffnet sich von diesem Gesichtspunkt betrachtet gar ein wissenschaftlich neuer Blick auf die Entwicklung des aufrechten Gangs beim Menschen? Hat sich – solch antigraver Wirkung gehorchend – seine Gestalt im Laufe der Evolution geradezu aufrichten „müssen“, insofern sein Gehirn das vermutlich komplexeste System im Universum darstellt? Der Autor hat sich damit auseinandergesetzt.</em></p>
<p>Bereits vor mehr als fünf Jahren zeigten sich in der wissenschaftlichen Diskussion Anzeichen für eine Neuinterpretation der Schwerkraft – weg von jener über Jahrhunderte feststehenden Idee als einer der vier Naturkräfte im Universum: starke Kernkraft, schwache Kernkraft, Elektromagnetismus und eben Gravitation.</p>
<p>Erste Forscherüberlegungen neuerer Physik-Theorie – in Beziehung gesetzt zu Rudolf Steiners geisteswissenschaftlichen Äußerungen – bildeten vor Jahren die Grundlage eines Beitrags von mir in dieser Zeitschrift: „Die Schwerkraft ist ja nur eine Phrase“.<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-1" id='fnref-4546-1'>1</a></sup> Seither sind verschiedene neue Theorien zur Gravitation entstanden. Die momentan spannendste vertritt der Physiker Erik Verlinde von der Universität Amsterdam. Den Grund für diese intensive Suche bildet <em>das</em> Dilemma der Gegenwarts-Physik schlechthin: Die Gravitationskraft besitzt nämlich keine „Quanten-Manieren“: Zwar scheint sie in den Weiten des Makrokosmos das Kommando zu haben – im Mikrokosmos hingegen kommen nur die drei anderen Natur-Kräfte zum Tragen, unterhalb von 1mm ist sie weder messbar, noch gelang es, eine Quantentheorie der Gravitation zu entwickeln. Das Gros der Physiker scheiterte bislang virtuos an der Suche nach diesem Heiligen Gral moderner Physik.</p>
<p>Der niederländische Kollege Erik Verlinde schlägt nun einen höchst exotisch anmutenden Weg ein und stellt die fundamentale Frage: „Ist Gravitation überhaupt eine Naturkraft?“ Seine vorläufige Antwort lautet: „Nein – möglicherweise …“ In seiner bahnbrechend neuartigen Gravitationstheorie geht Verlinde von einem physikalisch gesehen ähnlichen Phänomen – der Wärme – aus, wenn er sagt: „Zwischen der Wärme in der Thermodynamik und der Gravitation besteht eine gewisse Analogie: Die Gravitation ist emergent – eine abgeleitete Kraft. Das bedeutet, sie existiert im mikroskopischen Bereich nicht. Also ist die Gravitation keine fundamentale Naturkraft.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-2" id='fnref-4546-2'>2</a></sup> Und das ist naturwissenschaftlich gesehen eine revolutionäre Aussage!</p>
<h4>Entropie und In–<em>FORMA</em>–tion – gegensätzliche und inhärente Aspekte jeglicher Entwicklung</h4>
<p>Vom Standpunkt der In–<em>forma</em>–tion sind alle, als Evolution bekannte Form– und Strukturbildungen – bis hin zu höherem Leben – und Entropie<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-3" id='fnref-4546-3'>3</a></sup> gegensätzliche, einander bedingende Aspekte der Entwicklung. Die Entropie (Zerfall im Universum) nimmt zu, indem In–<em>forma</em>–tion aus den Strukturen wieder frei wird.</p>
<p>In einem meiner früheren Bücher (<em>Fremdkörper Erde</em>, Info3-Verlag. Kontext Bd. 6, 2004), hatte ich mich u.a. mit der komplementären Beziehung von Entropie und Information und deren Bedeutung für die Entwicklung von Leben befasst. Bereits damals zitierte ich den Physiker und Nobelpreisträger Erwin Schrödinger aus dessen Buch <em>Was ist Leben</em> mit der Frage, wie sich „… lebende Materie dem Abfall in den energetischen Gleichgewichtszustand (Entropie) entzieht?“ Er findet für sich die Antwort: „Sie ernährt sich aus negativer Entropie (…). Der Kunstgriff, mittels dessen ein Organismus sich stationär auf einer ziemlich hohen Ordnungsstufe (d.h. einer ziemlich geringen Entropiestufe, K.P.) hält, besteht in Wirklichkeit aus einem fortwährenden Aufsaugen von Ordnung aus seiner Umwelt. (…) Wir nehmen also wahr, dass eine waltende Ordnung die Kraft besitzt, sich selbst zu erhalten und geordnete Vorgänge hervorzurufen.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-4" id='fnref-4546-4'>4</a></sup> Der Physiker Herbert Klima vom Atominstitut der Österreichischen Universitäten weist darauf hin, dass ein derartiges System „während eines Prozesses aus der Umgebung dauernd Nachricht erhält und dadurch in entsprechende Prozessstrukturen bzw. entsprechende Formen gebracht wird. Durch eine Nachricht bzw. eine Information verändert sich also die Entropie eines Systems: Sie wird vermindert. (…) Empfang von Information bedeutet Verminderung der Entropie des Systems.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-5" id='fnref-4546-5'>5</a></sup>. Durch jegliche von einem System aufgenommene In–<em>forma</em>–tion nimmt seine Entropie ab und entfernt es sich vom (energetischen) End– und Ausgleichszustand – makrokosmisch als „Wärmetod des Universums“ bezeichnet. Die Schlussfolgerung aus dem Gesagten: Jedes System weit vom energetischen Gleichgewicht (geringe Entropiestufe wie z.B. bei Formen organischen Lebens) muss im Lauf seines Evolutionsprozesses viel an In–<em>forma</em>–tion aufgenommen haben.<em></em></p>
<p>Doch zurück zu der Auseinandersetzung mit Verlindes neuer Gravitationstheorie. Auch für den als „Mr. Beam“ bekannten und international renommierten Physiker der Uni Wien, Anton Zeilinger, festigte sich bereits vor Jahren in Folge seiner quantenphysikalischen Teleportations-Experimente die wissenschaftliche Überzeugung, dass „der Information (in der Evolution) sogar ein höherer Stellenwert beizumessen wäre als dem, was ganz allgemein unter Materie selbst verstanden wird. Information ist der Urstoff des Universums“, so der Wiener Physiker.<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-6" id='fnref-4546-6'>6</a></sup> Was aber zieht jenen Strom von Ordnung auf sich, so dass Zerfall vermieden wird – ja, dass Differenzierung und Komplexität im Bereich des Lebens stets zunahmen?</p>
<p>Was „ist“ es, das hier als „waltende Ordnung die Kraft besitzt, sich selbst zu erhalten und geordnete Vorgänge hervorzurufen“?<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-7" id='fnref-4546-7'>7</a></sup> Trotz aller Theorien: Wir wissen es nicht wirklich. Und es ist außerdem zu vermuten, dass die Wissenschaft ebenfalls noch nicht weiß, welche Art von Realität sie dieser In–<em>forma</em>–tion zusprechen will, die freiwerdend Phänomene der Gravitation auszulösen imstande ist. Oder auch,<em>wo</em> solche In–<em>forma–</em>tion dann „sein“ könnte …</p>
<h4>Ein warmes Grab für die Gravitation</h4>
<p>Seit Isaac Newton stand für mehr als zweieinhalb Jahrhunderte fest, <em>was</em> die Gravitation ist: eine sogenannte „anziehende Kraft zwischen Massen“. Seit 1915 aber trat die Gravitation in Folge der Erkenntnisse Einsteins und seiner Allgemeinen Relativitätstheorie als geometrische Eigenschaft einer gekrümmten vierdimensionalen Raumzeit auf: Die Materie sagt der Raumzeit, wie sie sich zu krümmen hat – die Krümmung der Raumzeit der Materie, wie sie sich zu bewegen hat. Die Gravitation fungiert seither nicht mehr als Kraft, sondern als geometrische Eigenschaft der Raumzeit. Eric Verlinde geht heute so weit zu sagen: „Die Gravitation ist eine Illusion. (…) Natürlich haben Einstein und auch Newton Gleichungen formuliert, die die Gravitation beschreiben. Aber ich behaupte, sie haben nicht wirklich geklärt, wie Gravitation entsteht.»<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-8" id='fnref-4546-8'>8</a></sup> Verlindes Hypothese lautet: „Die Gravitation taucht erst makroskopisch auf. Sie ist physikalisch nichts Fundamentales, sondern etwas Emergentes, etwas Abgeleitetes, wie beispielweise die Wärme.»<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-9" id='fnref-4546-9'>9</a></sup> Wärme – physikalisch gesehen das Resultat von Bewegung im Bereich des Mikrokosmos – sozusagen kollektives, mikroskopisches Zittern, das wir z. B. auf unserer Haut spüren. (Interessant, wie Rudolf Steiner den frühen Entstehungsprozess und kosmischen Ursprung der Wärme beschreibt: „Reine innere Wärme begleitet das Erscheinen der ‚Geister der Bewegung‘.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-10" id='fnref-4546-10'>10</a></sup>). Temperatur und Gravitation stellen beide somit makroskopische Phänomene dar. Der Niederländer kommt auf diesem Weg zu Begriffen wie Information, Unordnung und Entropie und zum 2. Hauptsatz der Thermodynamik, der besagt, dass in einem abgeschlossenen physikalischen System Energie weder entstehen noch verschwinden kann. Nach Verlinde ist dies bei der Schwerkraft – die wir ja auch spüren – ganz analog: „Temperatur ist nur ein Maß für die durchschnittliche Energie, die jedes Molekül besitzt. Einem einzelnen Molekül kann man ja keine Temperatur zuschreiben. Die Thermodynamik ist nur eine sehr ökonomische Beschreibung (…), ohne dass man dabei jedes einzelne Molekül berücksichtigen müsste. Aber wir wissen, woher diese Gleichungen kommen, wir können sie ableiten. Und so ähnlich ist das auch bei der Gravitation: Sie ist das Ergebnis von etwas anderem, das eine ‚Kraft‘ bewirkt. Und wenn man will, kann man diesen Prozess eben auch in Gravitationsgleichungen ausdrücken.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-11" id='fnref-4546-11'>11</a></sup></p>
<p>Aus Chaos entstehen im Universum – nach heutigem Stand der Naturwissenschaft – nur dann Strukturen (Ordnung), wenn Energie aufgewendet wird. Ansonsten nimmt die Unordnung im gesamten Universum beständig zu. Um es mit dem Nobelpreisträger Boltzmann zu sagen: „Die Entropie wächst<em>.</em>“ In seiner Theorie verknüpft Verlinde die Schwerkraft mit Boltzmanns Entropiesatz und dem Begriff der Information. Da In–<em>forma–</em>tion und Entropie physikalisch-kosmologisch betrachtet gegensätzlich-inhärente Aspekte jeglicher Entwicklung darstellen, muss – bei steter Entropie-Zunahme im Universum – gleichermaßen auch der Informationsgehalt im Universum wachsen. Die Schwerkraft deutet Verlinde somit als „emergentes Phänomen der Entropie-Zunahme.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-12" id='fnref-4546-12'>12</a></sup>. Das Postulat der wachsenden Entropie zwingt gewissermaßen z. B. einen Apfel zum Fallen, zu einem Verhalten, das wir Menschen als Schwerkraft wahrnehmen. Erik Verlinde: „Wenn wir den Apfel und die Erde beschreiben, dann sagen wir: Zwischen ihnen besteht eine ‚Anziehungs-Kraft‘. In Wirklichkeit passiert aber Folgendes: Im physikalischen System ‚Apfel und Erde’ steckt ein Informations-Betrag. Dieser Betrag ändert sich, wenn der Apfel fällt. Ein Teil der Informationen verschwindet, aber er entspricht genau der Energie, die der Apfel beim Fallen erhält. Diese Änderung der Information ist der eigentliche Grund, warum der Apfel fällt<em>.</em> Alle Dinge streben danach die Information wachsen zu lassen und der Apfel tut das, indem er fällt.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-13" id='fnref-4546-13'>13</a></sup></p>
<p>Rechnerisch betrachtet besteht zwischen In–<em>forma–</em>tion und Energie Kongruenz. Was aber „ist“ In–<em>forma–</em>tion in diesem Zustand jenseits der Form – und wo geht sie hin, wenn sie wieder „reine In–<em>forma–</em>tion“ wird? Hier gilt es Anleihe bei Sheldrakes Konzept der Morphogenetischen Felder zu nehmen oder bei Steiners Idee des Bildekräfteleibes (Ätherleibes) – inhaltlich besehen: deckungsgleiche Begriffe.<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-14" id='fnref-4546-14'>14</a></sup></p>
<p>Für manche Kollegen weist Verlindes Entropiekonzept für die Gravitation einen Schönheitsfehler auf: Es kann nur dann folgerichtig sein, wenn unser Universum ein Hologramm ist. Dabei wäre die gesamte In–<em>forma–</em>tion der dreidimensionialen Welt auf einem zweidimensionalen Bild gespeichert – ähnlich den glänzenden Zeichen auf Kreditkarten. Dass dieses holographische Postulat wissenschaftlich gesehen durchaus die Realität darstellen könnte, zeigen theoretische Arbeiten zur Thermodynamik Schwarzer Löcher aus den 1980er Jahren. Erstaunliche Erkenntnis: Die Entropie eines Schwarzen Lochs oder – komplementär betrachtet – sein Informationsgehalt wächst nicht proportional zu seinem Volumen, sondern zu seiner Oberfläche.</p>
<p>Auch Rudolf Steiner hat sich bezüglich dieser Zweidimensionalität bereits vor fast 100 Jahren festgelegt: „Sobald man aus dem dreidimensionalen Raum herauskommt, kommt man nicht in einen vierdimensionalen Raum – oder man kommt meinetwillen in einen vierten dimensionalen Raum, aber der ist zweidimensional – weil die vierte Dimension die dritte vernichtet und nur zwei als reale übrigbleiben. Und alles ist, wenn wir uns von den drei Dimensionen des Physischen zum Ätherischen erheben, nach den zwei Dimensionen orientiert. Wir verstehen das Ätherische nur, wenn wir es nach zwei Dimensionen orientiert denken.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-15" id='fnref-4546-15'>15</a></sup> Das Ätherische – oder zeitgenössisch formuliert: In–<em>forma–</em>tion –, das, was aller Form voran– bzw. mit ihr einhergeht – scheint das Da-Sein somit in einer Art Zweidimensionalität zu haben.</p>
<p>Verlinde gibt sich bezüglich seiner Theorie sicher, wenn auch bescheiden – sie sei eben noch nicht gänzlich fertig. Viele namhafte Kollegen billigen der „esoterisch“ anmutenden Theorie aber bereits heute beste Chancen zu, die wissenschaftliche Kosmologie grundlegend zu revolutionieren. Franz Embacher, Physik-Professor der Universität Wien: „Die Mehrzahl geht davon aus, dass man diese Schwächen oder Lücken wird füllen können.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-16" id='fnref-4546-16'>16</a></sup> Erik Verlinde scheint das Tor zu einer völlig neuen Physik einen Spalt weit geöffnet zu haben. Wenn die Theorie fertig und das Tor durchschritten ist, könnte sich In<em>–forma–</em>tion als der fundamentale Baustoff des Universums erweisen. Während Begriffe wie Energie, Materie, Kraft – und eben auch: Gravitation nur als Oberflächenphänomene eine Rolle spielen.</p>
<h4>Konsequenzen für eine zukünftige Einheit von Wissenschaft und Spiritualität</h4>
<p>Zahlreiche Forschungsdaten zeigen eine geradezu unfassbar dynamische Änderung des Informations-Begriffs im wissenschaftlichen Verständnis der Gegenwart. Lässt sich beispielsweise jegliche In–<em>forma–</em>tions-Wirksamkeit in die Materie hinein als Vorgang antigraver<em> </em>Wirkung deuten? War es doch eine – wie auch immer geartete – Aufnahme freier In–<em>forma</em>–tion aus dem Kosmos (die Wirkung von „Etwas Großem“), die da im Anbeginn aller Zeiten eine unvorstellbar anmutende, antigrave Wirkung derart enormen Ausmaßes entfachte – welche die Physik veranlasste von Urknall zu sprechen?! Jene obskure Vorstellung, dass alle im Kosmos vorhandene Energie und Materie bereits dazumal in dieser Singularität hätte vorhanden sein müssen, wäre dann obsolet. Und weiter: Wäre dann auch der wissenschaftlich erforschte und bislang unerklärliche Beschleunigungsimpuls des Universums bezüglich seiner Ausdehnung – sowie die überraschende Koinzidenz dieses Zeitpunkts mit dem Eintritt des Menschen in die Evolution – ebenfalls einer derart „antigrav-wirkenden“ In–<em>forma</em>–tions-Aufnahme im Evolutionsverlauf zuzuschreiben?! Etwas, was übrigens auch nüchternen Physikern Stirnrunzeln bereitet, wenn sie sagen: „Ist es nicht ein seltsamer Zufall, dass das Universum just dann, als denkende Wesen sich entwickeln, in den Schnellgang schaltete? Die kosmische Beschleunigung könnte genauso gut in ferner Vergangenheit oder ferner Zukunft beginnen …“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-17" id='fnref-4546-17'>17</a></sup></p>
<p>Die Physik-Theoretiker propagierten während der letzten zehn Jahre als „wissenschaftliche Erklärung“ dieses verblüffenden Zusammenhangs mehrheitlich eine sogenannte „Quintessenz, die räumlich und zeitlich variable Energiequelle eines Quantenkraftfeldes.“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-18" id='fnref-4546-18'>18</a></sup> „Dunkle Energie“ und – natürlich, wie sollte es auch anders sein! – „gravitativ abstoßend<em>.</em>“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-19" id='fnref-4546-19'>19</a></sup></p>
<p>Ein anderes weites Fragen-Feld: Wie steht’s mit antigraven Wirkungen in den Lebensprozessen von Organischem, z. B. in Pflanzen, mit ihrem aufsteigenden Säftestrom? Oder auch bezüglich der Aufrechten des Menschen? Hatte die physiologische Entwicklung seines Gehirns, als „komplexester Strukturbildung im Kosmos“<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-20" id='fnref-4546-20'>20</a></sup> und die damit in Verbindung stehende In–<em>forma</em>–tions-Bindung in diese Physis hinein, eben solch antigrave Wirkungen freigesetzt? Die aufrechte Menschengestalt – Anti-Gravitation durch In-forma-tion?! Und, synonym dafür: Des Menschen frei getragenes, erhobenes Haupt, in welchem das Gehirn schwerelos schwebt – welches Sinnbild derartiger Zusammenhänge?! Es darf wohl ungeniert vermutet werden: Fach– und Schulbücher könnten bald umzuschreiben sein …<sup class='footnote'><a href="#fn-4546-21" id='fnref-4546-21'>21</a></sup></p>
<p>Dem Artikel liegt ein Kapitel-Ausschnitt des neuen Buches von Klaus Podirsky (Berlin 2011) <em>Quantensprung – Die Spiritualität der Wissenschaft entfaltet sich. In–</em>forma<em>–tion Resonanz Bewusst-Sein </em>zugrunde, welcher mit freundlicher Genehmigung des Berliner Wissenschafts-Verlags – vom Autor für<em>Info3</em> adaptiert – veröffentlicht werden darf.)</p>
<p>Erstmals erschienen im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2011/september/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Sept. 2011</a></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4546-1'>K. Podirsky: „Die Schwerkraft ist ja nur eine Phrase“; <em>Info3</em>, 6/2006, S. 50f <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-2'>E. Verlinde, zitiert in: „Ein warmes Grab für die Gravitation – Erwin Verlindens Abschied von einer Naturkraft“,<em>ORF </em>„<em>Dimensionen</em> <em>– Die Welt der Wissenschaft</em>“, 2010 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-3'>Unter Entropie versteht die Physik ein Maß für den Verteilungs-Ausgleich von Energie. Negative Entropie ist der gegenteilige Zustand: je mehr negative Entropie ein Organismus aufweist, desto höher entwickelt ist der Grad seines Ordnungszustands. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-3">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-4'>E. Schrödinger: <em>Was ist Leben?</em>, München 1989 (Cambridge Univ. Press 1944), S. 123, S. 126, S. 129, S. 134 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-4">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-5'>H. Klima / B. Lipp / H. Lahrmann: <em>Möglichkeit niederenergetischer Bioinformation</em>, S. 38 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-5">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-6'>A. Zeilinger: <em>Einsteins Schleier</em>, S. 213ff <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-6">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-7'>E. Schrödinger: <em>Was ist Leben?</em>, München 1989 (Cambridge Univ. Press 1944), S. 123, S. 126, S. 129, S. 134 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-7">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-8'>E. Verlinde, zitiert in: „Ein warmes Grab für die Gravitation“ <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-8">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-9'>E. Verlinde, zitiert in: „Ein warmes Grab für die Gravitation“ <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-9">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-10'>R. Steiner: „Die Geheimwissenschaft im Umriss“, GA13 (1910), Dornach 1972, TB, S. 127 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-10">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-11'>E. Verlinde, zitiert in: „Ein warmes Grab für die Gravitation“ <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-11">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-12'>E. Verlinde, zitiert in: „Ein warmes Grab für die Gravitation“ <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-12">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-13'>E. Verlinde, zitiert in: „Ein warmes Grab für die Gravitation“ <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-13">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-14'>Zu dieser gemeinsamen Auffassung kamen R. Sheldrake und A. Suchantke am Ende eines öffentlichen Symposions in Wien („Dialoge: Morphische Felder – Bildekräfte“, Wien 1993) <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-14">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-15'>R. Steiner: „Das Künstlerische in seiner Weltmission. Der Genius der Sprache. Die Welt des sich offenbarenden, strahlenden Scheins“, GA276 (1923), Dornach 2002, S. 40 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-15">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-16'>F. Embacher, zitiert in: „<em>Ein warmes Grab für die Gravitation</em>“ <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-16">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-17'>J. Ostriker: „Die Quintessenz des Universums“, in: <em>Spektrum der Wissenschaft</em> 2001/3, S. 32ff <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-17">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-18'>J. Ostriker: „Die Quintessenz des Universums“, in: <em>Spektrum der Wissenschaft</em> 2001/3, S. 32ff <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-18">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-19'>J. Ostriker: „Die Quintessenz des Universums“, in: <em>Spektrum der Wissenschaft</em> 2001/3, S. 32ff <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-19">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-20'>A. Zeilinger: ‚<em>Einsteins Schleier – Die neue Welt der Quantenphysik</em>’, München 2003, S. 213 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-20">↩</a></span></li>
<li id='fn-4546-21'>K. Podirsky / B. Würtenberger: <em>Quantensprung – Die Spiritualität der Wissenschaft entfaltet sich. In-forma-tion Resonanz Bewusst-Sein.</em> Berlin 2011 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4546-21">↩</a></span></li>
</ol>
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		<title>Wer oder was steuert da eigentlich?</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Mar 2012 09:55:54 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>
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		<description><![CDATA[Die verflixten Fragen zur Orientierung auf dem Weg Vielleicht brauchen wir bald Rating-Agenturen auch noch für die spirituellen Navi-Programme auf dem Markt, die sind ja noch riskanter als die Staatsfinanzen – und wehe, wenn mein geschätzter Yoga-Weg dann von Triple-A auf AA+ runtergestuft wird, weil die Risiken der Verrenkung oder des Missbrauchs durch den Guru dort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Die verflixten Fragen zur Orientierung auf dem Weg</h2>
<div id="attachment_4573" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/418587_web_R_B_by_Dieter-Schütz_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4559]"><img class=" wp-image-4573 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/418587_web_R_B_by_Dieter-Schütz_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Dieter Schütz / pixelio.de</p></div>
<p>Vielleicht brauchen wir bald Rating-Agenturen auch noch für die spirituellen Navi-Programme auf dem Markt, die sind ja noch riskanter als die Staatsfinanzen – und wehe, wenn mein geschätzter Yoga-Weg dann von Triple-A auf AA+ runtergestuft wird, weil die Risiken der Verrenkung oder des Missbrauchs durch den Guru dort zu hoch sind! Nein, so schlimm wird es wahrscheinlich nicht kommen. Es gibt ja auch noch gute alte Orientierung nach innen: Horche in dich hinein, was für dich stimmt.</p>
<p>Die ersten Monate liegen wir nur da. Wir trinken, schlafen und weinen ab und zu ein bisschen. Dann krabbeln wir ein paar Monate lang, der Aktionsradius ist noch sehr bescheiden. Ab ungefähr einem Jahr können wir gehen. Wohin? Bis zur Tür, dem Gartenzaun oder dem Ende des Spielplatzes, dann holt uns Mutter zurück. Ungefähr siebzig Jahre später wird das Gehen wieder schwer. Manche von uns bewegen sich dann nur noch am Stock, im Rollstuhl oder liegen im Bett, so wie früher. Und dann geht gar nichts mehr. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Mitteleuropa bei etwa achtzig Jahren. Vielleicht 70 Jahre davon können wir gehen, ungefähr fünfzig Jahre autofahren und ins Flugzeug steigen. Doch: Wohin gehen wir da?</p>
<h4>70 Jahre äußere Bewegung</h4>
<p>Zwischen dem Bett der ersten und dem der letzten Monate können wir vom Küchentisch zum Klo, von der Wohnung zum Arbeitsplatz, vom Mutterland an den Urlaubsort und wieder zurück einige Bewegungen machen. Gut so. Soweit das Äußere. Und was passiert dabei innen? Auch da bewegt sich was. Da entsteht eine Persönlichkeit, ein Wesen, das sich identifizieren kann und will und sich vielleicht für einzigartig hält. Ein Wesen, das sich je nach Umgebung ein bisschen anders verhält. Wer steuert dieses Wesen? Hat es überhaupt eine Steuerungszentrale, und wenn ja, was für eine? Kann man die programmieren? Und wenn ja, was ist für diese siebzig Jahre, in denen wir uns bewegen können, das beste Programm?</p>
<h4>… und innere Entwicklung</h4>
<p>Es gibt Menschen, die denken, sie seien auf dem spirituellen Weg. Darunter verstehen sie, dass sich für sie nicht nur äußerlich etwas bewegt, sondern auch innerlich, und dass ihnen das ein bisschen bewusst ist. Die Bewegung besteht nicht nur darin, dass da Gedanken vorüberziehen und Gefühle kommen und gehen, sondern auch, dass, wie in einem richtig guten Entwicklungsroman, die Heldin oder der Held an den Herausforderungen des Lebens wächst und sich verändert. Und nicht nur das: Wir Helden verändern uns nicht nur irgendwie, sondern in eine gute Richtung, hin zu mehr Verständnis, Liebe, Bewusstsein, Mitgefühl, zu einer Ausweitung dessen, wofür wir uns halten, einer Ausweitung unseres Ichgefühls, unseres Bewusstseins von uns selbst. Mit dann oft auch einem großen Ziel: Erleuchtung zu erlangen oder Erlösung, bedingungslos lieben zu können und das Werden-und-Vergehen des ewigen Lebensflusses zu verstehen.</p>
<h4>Gesucht: die Steuerung</h4>
<p>Sollten wir diesen Werdegang einfach so dahingehen lassen – kommt dies, kommt das, es wird schon das Richtige sein – oder brauchen wir dafür eine Steuerung, die diesen Werdegang optimiert? Wenn ja, was müsste das für eine Steuerung sein? Woran soll sich diese orientieren? Vielleicht ein Verschnitt aus den Zielen der großen Religionen und der vielen spirituellen Wege, so eine Art Vektordiagramm, der resultierende Pfeil wird dann schon in die richtige Richtung weisen? Vermutlich käme dabei keine gute Richtung raus, die Wege und Religionen der Weltkulturen sind doch zu verschieden. Also besser das machen, was schon meine Eltern gemacht haben? Aber unsere Zeit heute ist doch eine andere! Und wenn ich einfach das mache, was die meisten anderen auch machen? Nicht doch, das kann schlimm enden, das haben wir doch gesehen. Also: Woran soll ich mich dann orientieren?</p>
<h4>Die Qual der Wahl</h4>
<p>Manche derart Verunsicherte versuchen nun, das richtige Steuerungsprogramm aus ihrem Geburtshoroskop herauszulesen. Oder sie erkunden es nummerologisch. Oder nach dem Mayakalender. Oder mithilfe der Tarotkarten (– aber welche nehme ich da?). Oder auf Grund eines Psychotests (Aber welchen denn?). Besser ich mache mal einen Enneagramm-Workshop und weiß dann: Eine Drei mit einer starken Zwei als Nebenfunktion müsste mir …. Was aber, wenn sich der Enneagrammgruppenleiter geirrt hat, und ich bin gar keine Drei? Außerdem gibt es Millionen von Dreien, und die gehen alle sehr verschiedene Wege! Also doch das Geburtshoroskop zuhilfe nehmen. Hoffentlich das richtige, und der Astrologe hat sich nicht verrechnet, und das mit der Präzession der Erdachse spielt hierfür keine so große Rolle, und das chinesische und das indische, das ignorier ich jetzt mal einfach, man muss doch irgendwann zur Sache kommen.</p>
<h4>Mal dies, mal das</h4>
<p>Tatsache ist, dass wir uns mal an diesem, mal an jenem Programm orientieren und mal an diesem, mal an jenem Menschen, und dass wir uns dabei eine bestimmte Identität zuweisen lassen, ein bestimmtes Selbstverständnis, und wir damit meist auch Entwicklungsweg empfohlen bekommen. Mal orientieren wir uns an dieser, mal an jener heiligen oder profanen Schrift, und mal praktizieren wir auf diese, mal auf jene Weise. Ob wir für den Weg einen Guru brauchen oder gerade lieber alle Gurus meiden sollten, darüber ist schon viel geschrieben worden. Ebenso über den Wert des Alleinseins, den so viele Eremiten und Meditierer vor uns gegangen sind, und den der Gemeinschaft, der uns in so vielen Klöstern und Sanghas vorgelebt wurde. Und ob es eine alte Religion sein sollte und ein alter religiöser Weg, gediegen und gereift durch Jahrtausende der Erfahrung, oder ein neuer, der die Erkenntnisse der moderen Psychologie und Gehirnforschung, womöglich auch der Quantenphysik einbezieht. Auch, wie lange wir bei einem Menschen, in einer Gruppe von Weggefährten oder bei einer Methode bleiben sollten, also der Wert der Treue gegenüber dem Wert des Mutes zu einem Neubeginn, ist viel diskutiert worden, und ebenso der Wert des äußeren Reichtums oder der äußeren Armut gegenüber dem inneren Reichtum und der inneren Schlichtheit.</p>
<h4>Das Besondere am Spiri-Navi</h4>
<p>In mancher Hinsicht ist die Frage nach der spirituellen Orientierung der nach einer weltlichen Orientierung sehr ähnlich. Auch was die berufliche, partnerschaftliche, familiäre oder gesundheitliche Orientierung anbelangt, kann es ein Zuviel an Außenorientierung geben und ein Zuwenig, und man kann den falschen Ratgebern auf den Leim gehen oder aufblühen mithilfe der richtigen. Bei der Frage der spirituellen Orientierung ist die Gefahr insofern größer, als dort die Forderung nach einer nicht nur bereichsbezogenen Zuwendung, sondern einer totalen, alles umfassenden Hingabe häufiger gestellt wird. Das gibt es zwar in Familien und Partnerschaften auch, manchmal sogar in einer Arbeitsbeziehung, aber auf dem spirituellen Weg kommt es häufiger vor und wird von vielen größeren Autoritäten untermauert: Um Gott zu treffen oder Erleuchtung zu erlangen musst du <em>alles</em> geben und darfst nichts zurückhalten!</p>
<h4>Geh aufs Ganze!</h4>
<p>Sollten wir auf solche Forderungen nach Totalität hören? Kommt drauf an. Wenn ein Guru dich damit vereinnahmt, in seinen Clan zerrt und auch in Sachen Gesundheit, Beruf, Geld und Beziehung über dich bestimmen will, ist das höchst gefährlich – für dich ebenso wie für den Guru, denn auch ihm oder ihr tut solcher Größenwahn nicht gut. Wenn die Forderung aber lautet, dass alles, was du erlebst und erfährst, alle deine Gedanken und Gefühle und jeder Schritt in deinem Leben, für dich und deinen Weg und dein Wachstum eine Rolle spielen, dann ist diese Totalität richtig. Unsere Ausrichtung auf Liebe, Achtsamkeit, Bewusstsein sollte total sein, sie sollte nichts außen vor lassen. In einer solchen totalen Neuausrichtung aber kann man seine alten Beziehungen, seinen Besitz, seinen Beruf, seinen Standort durchaus beihalten. Kann man, muss man nicht, sollte man aber in vielen Fällen. Die Veränderungen in diesen Bereichen wollen allemal gut überlegt sein, und diese Überlegungen sollten nicht von einer Forderung nach »totaler Spiritualität« niedergewalzt werden.</p>
<h4>Die Ethik</h4>
<p>Und wie hältst du’s mit der Ethik? Ist es so, dass das hohe Ziel auch niedere Mittel rechtfertigt? Eher nein, würde ich sagen. Und dass die Liebe das einzige Gesetz ist? Eher nein, würde ich sagen. Und dass es egal ist, welchem ethischen Kodex du folgst, wenn es nur ein alter, seit vielen Generationen erprobter ist, und du ihn streng befolgst? Eher nein, würde ich sagen. Verletze nicht. Tu Gutes, und damit meine ich: Beschenke andere mit dem, was was sie haben wollen und nicht mit dem, was du denkst, dass sie haben sollten, auch wenn du meinst, dass sie es brauchen (– auch hier gibt es Ausnahmen). Halte die Weisheit hoch, aber dräng sie niemandem auf. Wenn du auf deinem Weg Fortschritte machst, achte darauf, das sie von der Einbildung, damit ein Fortgeschrittener zu sein, nicht wieder zunichte gemacht werden.</p>
<h4>Ratgeber und Metaratgeber</h4>
<p>Mir wurde schon oft vorgeworfen, dass ich zu viel gelesen hätte und ebenso oft, dass ich zu wenig gelesen hätte. Dass ich mich zu sehr auf mich selbst verlasse oder zu sehr auf andere höre. Dass ich zu viel rede oder zu wenig. Es gibt immer jemand, der meint, es besser zu wissen als ich. Und dann gibt es auch noch diejenigen, die mich darin coachen wollen, nur auf meine innere Stimme zu hören – für 120 Euro die Stunde.</p>
<p>Meine innere Stimme? Es sind deren ziemlich viele. Ungefähr so viele, wie ich in der Außenwelt Ratgeber gehört habe. Was natürlich nun einen Ratgeber verlangt, der mir sagt, wie ich mich all diesen Ratgebern am besten umgehe. Und dann einen, der mir hilft, von diesem Metaratgebern wieder loszukommen.</p>
<h4>Die Paradoxie der Steuerung</h4>
<p>Das Verrückte bei diesen Fragen nach der richtigen Steuerung ist ja, dass sie letztlich alle paradox sind. Wenn ich nach einem Ratgeber frage, muss ich auch nach dem (inneren oder äußeren) Ratgeber fragen, der mich dabei berät, den richtigen Ratgeber zu finden. Wenn ich mein spirituelles Navi neu programmieren will, welches Programm oder welche Person berät mich dabei? Wenn ich einer Autorität auf dem Leim gegangen bin, welche Autorität sagt denn, dass das so ist und versucht mich nun von dieser angeblich falschen Autorität loszueisen? Und auch die donnernde Stimme des »Hör auf dich selbst!« ist eben das: eine donnerne Stimme, die gehört werden will.</p>
<p>So ist es letztlich nicht ganz falsch zu sagen: Ich tue eben, was ich tue. Meine Bedürfnisse, Ziele, Wünsche und Sehnsüchte steuern mich. Und wenn ich dabei zeitweilig ein mir gut erscheinendes Fremdprogramm in mein Navi einlege, dann tu ich das, weil es mir gemäß <em>meinem</em> Programm richtig zu sein scheint, mal ein Fremdprogramm einzulegen.</p>
<h4>Qualitätsprüfungen</h4>
<p>Was, wenn du seit zwölf Jahren auf einem spirituellen Weg bist, machst täglich deine Praxis, und plötzlich kommt eine Rating-Agentur daher – nennen wir sie einfachheitshalber Standard &amp; Extremely Poor – und die stuft die Bonität deines spirituellen Weges per Info an die Medien um zwei Stufen herab. So geschehen, als nach Mutter Teresas Tod ihre Tagebücher veröffentlicht wurden und in vielen, vielen anderen Fällen. Was machst du? Wälzt du dich nun schluchzend auf dem Boden deines Meditationsraums und wählst einen von den Medien und selbsternannten Qualitätsprüfern besser beurteilten Weg? Vermutlich nicht. Du wirst nach diesen zwölf Jahren wissen, was du davon hast, diesen Weg zu gehen und weitermachen. Nicht verbissen, aber mit Hingabe. Was gelegentliche kritische Prüfungen nicht ausschließen sollte.</p>
<h4>Spirituelle Konditionierung</h4>
<p>Wer von einer weltlichen Konditionierung stark geprägt wurde und darunter leidet, wird sich eine spirituelle Konditionierung ersehnen, die ihn davon befreit. Wenn das gelungen ist – ja, manchmal gelingt das –, dann braucht es nun eine Befreiung auch von dieser spirituellen Konditionierung. Man will doch nicht, nach dieser schönen Erfahrung, den Rest des Lebens herumlaufen und ständig vor sich hinmurmeln »Auch das ist Gott!« – oder Entsprechendes, je nach dem religiösen Programm, dass man gerade absolviert hat. Wenn du den Fluss überquert hast, mach die Fähre nicht zum Hausboot. Modern gesprochen: Wenn du am Ziel angekommen bist, brauchst du das Navi nicht mehr.</p>
<h4>Vorsicht: Herz!</h4>
<p>Nach all dem, was über den Wert von Methoden und Displin, mit oder ohne Lehrer, mit oder ohne Sangha gesagt wurde, seit Jahrtausenden in den alten Traditionen und heute wieder in den neuen – es bleibt doch immer das: Geh einen Weg mit Herz! Womit wir bei dem perfekten Tarnbegriff angekommen wären, dem Joker unter allen spirituellen und Psycho-Begriffen. Denn wer sich diesen Begriff überzieht, kann sich damit einschleichen in die … ja, Herzen aller, die noch richtig richtig wissen wo es lang geht. Die es noch nicht von sich aus wissen, unbeeinflussbar von außen, und das sind die meisten von uns. Denn im Mäntelchen des Herzens wird gepredigt was das Zeug hält, gute und schlechte Disziplinen, engherzige und weite, alles. Herz hat immer der, der gerade spricht, herzlos sind die anderen.</p>
<p>Deshalb: Probier’s aus! Tu dabei keinem weh. Nimm nicht alles für bare Münze, was gesagt wird. Lasse dich belehren, aber nicht zu sehr, und geh dann weiter deinen eigenen Weg, deinen ureigenen, denn wo du gehst, das ist der Weg.</p>
<h4>Abschied</h4>
<p>So vergehen die Jahre. Mal wirst du alles richtig finden, was du tust, mal alles falsch; meistens liegt dein Urteil über dich selbst wohl irgendwo dazwischen. Selbst wenn du auf deinem langjährigen, anstrengenden Weg alles falsch gemacht haben solltest: Wenn du dann mit 70, 80 oder 90 wieder im Bett liegst und nicht mehr gehen kannst, ist es schnurzegal, ob der Weg, den zu zurückgelegt hast, ein korrekter war oder nicht. Dann heißt es Abschied nehmen – erst von der Beweglichkeit, dann auch von diesem Körper und dem Weg, den du damit hast gehen können. Hoffentlich hast du dich dabei ein bisschen innerlich entwickelt, so dass dir dieser Abschied nun leicht fällt und du nun fröhlich weiterziehen kannst, fröhlich und heiter. Denn für das, was nun kommt, gibt es kein Navi mehr.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin Connection, <a href="http://connection.de/magazintexte/spirit/connection-spirit-0312.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 3/12</a></em></p>
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		<title>Kleine Wege, grosse Wege</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Mar 2012 23:54:35 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Getrieben von Ereignissen stellst du dir nicht die Frage: Wohin des Wegs? Denn dann treiben dich die Ereignisse, nicht du sie. Du wirst hin und hergeworfen im Dämmerlicht eines gelegentlich diffus aufscheinenden Bewusstseins und hast dabei vielleicht das Gefühl, dass hier etwas geschieht, was eigentlich nicht sein sollte. Das Steuer haben andere in der Hand, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/IMG_2186.png" rel="lightbox[4557]"><img class="alignright  wp-image-4567" style="margin-left: 10px;" title="Wohin des Weges?" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/IMG_2186-300x224.png" alt="" width="200" /></a>Getrieben von Ereignissen stellst du dir nicht die Frage: Wohin des Wegs? Denn dann treiben dich die Ereignisse, nicht du sie. Du wirst hin und hergeworfen im Dämmerlicht eines gelegentlich diffus aufscheinenden Bewusstseins und hast dabei vielleicht das Gefühl, dass hier etwas geschieht, was eigentlich nicht sein sollte. Das Steuer haben andere in der Hand, und die sind vielleicht selbst Getriebene von wieder anderen – von einer Navigation irgendeines Weges kann keine Rede sein. Erst wenn ein klarer werdendes Bewusstsein einsetzt, dass du dich auch anders verhalten könntest als jetzt – dass vor dir Weggabelungen liegen, wo du entweder hierhin oder dorthin gehen kannst, und dass <em>du</em> es bist, der das entscheidet, erst dann stellt sich diese Frage: Wohin des Wegs? Und dann stellt sie sich mit Dringlichkeit. Denn ist es <em>die entscheidende Frage</em> <em>überhaupt.</em></p>
<h4>Was willst du hier eigentlich?</h4>
<p>Dass wir selbst nach diesem Aufscheinen als einigermaßen selbständige, aufgeklärte, aufgeweckte, nicht mehr völlig programmgesteuerte Wesen zunächst nicht wissen wo es lang geht, ist normal. Wer das leugnet, steckt vermutlich noch viel tiefer in Programmen, die aber unbewusst sind, und zieht es vor, besser nicht zu wissen, wo es lang geht – ein Zombie, der glaubt, wach zu sein. Also erstmal zurück auf Null und zur Frage: Was willst du hier eigentlich, auf dieser Erde, in diesem Leben, in diesem Körper? Diese Frage kann einen durchaus ein paar Wochen, Monate oder Jahre lang beschäftigen, manchmal Jahrzehnte lang. Und dann die zweite: Welcher Weg führt dorthin?</p>
<h4>Weg der Wandlung</h4>
<p>Du bist nicht der erste, den diese Fragen beschäftigen, das ist schon mal tröstlich. Manche sind ihr Leben lang bei der ersten Frage geblieben und haben doch ein heiligeres, wacheres, bewussteres Leben geführt als die meisten von uns. Andere haben eine passabel befriedigende Antwort auf die erste Frage gefunden, blieben dieser Antwort viele Jahre lang treu und trafen dann Entscheidungen, was den Weg zu diesem Ziel anbelangt und blieben dann auch diesem Weg treu, mit bewundernswerter Konsequenz und Beharrlichkeit und großen Erfolgen, was ihre persönliche und charakterliche Entwicklung anbelangt. Und wandelten sich – und ihr Weg, ihre Weggefährten, ihr Progamm alias Navi mit ihnen.</p>
<h4>Der Weg löst sich auf</h4>
<p>Denn der wirkliche spirtuelle Weg führt nicht zu einem Ziel, so wie eine Wanderung oder ein sportlicher Wettlauf zum Ziel führen. Ziele erreichen nur die »kleinen Wege«, wie zum Beispiel: »Ich will im Yoga besser werden«, oder »meine Kommunikation soll gewaltfrei werden«. Diese Wege sind sehr wertvoll, man darf sie nicht verachten und sollte sie keinesfalls vernachlässigen. Aber es gibt darüber hinaus auch noch »große Wege«. Die haben die merkwürdige Eigenschaft, dass sie, wenn man sie geht, sich selbst auflösen: Du gehst und gehst und wähnst dich auf dem Weg zu einem Ziel, und unterdessen – bei manchen geschieht das plötzlich, bei anderen allmählich – merkst du, dass du dich wie auf einem Laufband bewegst. Die Landschaft zieht vorüber, aber du bleibst immer dort, wo du bist. Das Leben zieht vorüber, nur eines ändert sich nicht: dass du hier bist, jetzt. Immer ist es jetzt. Es ist nicht mehr so, dass du gehst und dich bewegst, sondern die Welt zieht an dir vorüber, die Zeit, alles. Wenn das passiert, weißt du, dass du auf einem großen Weg angekommen bist.</p>
<h4>Der Horizont</h4>
<p>Auch dann ist es noch gut und nützlich, im Yoga besser zu werden und friedliche Kommunikation zu üben. Aber das geschieht dann auf einem anderen Hintergrund. Dein Weg ist auch dann immer noch ein Weg von hier nach dort, du bewegst dich, aber nun hast du gecheckt, dass der Horizont immer dort ist, wo er schon immer war, wie weit auch immer du gegangen sein magst. Er bleibt ein Kreis um dich herum, in der Ferne – und du bist hier.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin Connection <a href="http://connection.de/magazintexte/spirit/connection-spirit-0312.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 3/12</a></em></p>
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		<title>Die Versöhnung von Aufklärung und Spiritualität</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/02/15/die-versohnung-von-aufklarung-und-spiritualitat/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 22:57:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Integral/Evolutionär]]></category>
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		<description><![CDATA[In meiner Arbeit für Demokratie und Menschenrechte/Kinderrechte begegne ich immer wieder wunderbaren Menschen, die einen engagierten „Spirit“ verkörpern, ohne einen Begriff für die eigene Tiefe zu haben, aus der sie ihre Kraft schöpfen. Sie folgen in ihrem Denken, Fühlen und Handeln einer Menschlichkeit, die die Grenzen des eigenen Ichs transzendiert und sich der Welt als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4485" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/Martina-Taylor_pixelio.png" rel="lightbox[4483]"><img class=" wp-image-4485 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/Martina-Taylor_pixelio-300x201.png" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: Martina Taylor / pixelio.de</p></div>
<p>In meiner Arbeit für Demokratie und Menschenrechte/Kinderrechte begegne ich immer wieder wunderbaren Menschen, die einen engagierten „Spirit“ verkörpern, ohne einen Begriff für die eigene Tiefe zu haben, aus der sie ihre Kraft schöpfen. Sie folgen in ihrem Denken, Fühlen und Handeln einer Menschlichkeit, die die Grenzen des eigenen Ichs transzendiert und sich der Welt als Ganzem verantwortlich fühlt. Und sie bringen mehr Wahres, Schönes und Gutes in die Welt.</p>
<p>Selbst würden sie sich jedoch nicht als „spirituell“ bezeichnen, und der Grund dafür liegt meines Erachtens darin, dass wir gesellschaftlich keinen Begriff und keine anerkannte Praxis einer aufgeklärten und zeitgemäßen Spiritualität haben. Viele Menschen mit weltzentrischem oder menschenrechtlichen Bewusstsein, die wissenschaftlich fundiert und sozial engagiert sind, verbinden Spiritualität (oder Religion als institutionalisierte Form von Spiritualität) mit einem naiven magischen oder mythischen Kindheitsglauben, der historisch und biografisch einer Zeit vor der Aufklärung oder dem eigenen Mündigwerden entstammt. In diesem (Miss)Verständnis werden Spiritualität und Religion mit der unhinterfragten und oft dogmatischen Übernahme religiöser Überlieferungen verbunden oder gar gleichgesetzt.</p>
<p>Dazu passt auch ein Begriff von  Spiritualität als einer denkfeindlichen New Age und Esoterik Bewegung, mit der sie als aufgeklärte Geister verständlicherweise nichts zu tun haben wollen.</p>
<p>Vor allem für diese Menschen haben wir (Michael Habecker und Sonja Student) unser Buch <em><a href="http://tao-cinema.de/out/pictures/wysiwigpro/presse/PM_Wissen_Weisheit_Wirklichkeit_final.pdf" target="_blank" rel="external nofollow">„Wissen, Weisheit, Wirklichkeit. Perspektiven einer aufgeklärten Spiritualität“</a></em> geschrieben: Die Hauptthese ist, dass Aufklärung und Spiritualität keine unversöhnlichen Gegensätze sind, sondern sich sinnvoll als Wissenschaft der äußeren und inneren Welt ergänzen. Geist und Materie sind nicht aufeinander reduzierbar, sie sind die inneren und äußeren Seiten der EINEN Wirklichkeit und können durch die Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften erforscht werden. In jeder Wissenschaft gibt es geeignete Praktiken und Methoden, durch die die Realitäten in diesen Bereichen hervorgebracht und entdeckt werden können. Mystik oder Spiritualität gehören in den Bereich der Geisteswissenschaften wie z.B. auch die Phänomenologie, der Entwicklungs-Strukturalismus oder die Hermeneutik. In der Mystik oder Spiritualität gehen wir den Inhalten unseres Bewusstseins auf den Grund und erforschen das, was allen unseren Wahrnehmungen zugrunde liegt und damit von letztendlicher Bedeutung sein kann. Dieser (auch wissenschaftlichen) Fragestellung gehen Menschen schon seit den Anfängen ihrer Geschichte nach, quer durch alle Weltkulturen: Gibt es in einer äußeren und inneren Welt ständiger Veränderungen etwas, das nicht den Veränderungen von Zeit und Raum unterworfen ist?. Dazu haben sie unterschiedliche Praktiken entwickelt wie Kontemplation, Meditation und Gebet. Viele von ihnen haben die Ergebnisse ihrer Praxis auf der Basis eigener und gemeinsamer Erfahrungen ausgetauscht, und daraus sind Landkarten des Bewusstseins entstanden. Sie geben anderen SucherInnen eine Orientierung auf ihrem spirituellen Weg, der immer gleichzeitig auch ein Weg geisteswissenschaftlicher Erkenntnis ist. ForscherInnen spiritueller Zustände und Phänomene oder der spirituellen Entwicklung wie William James, Evelyn Underhill, Jack Engler oder James Fowler haben verschiedene Landkarten des spirituellen Bewusstseins verglichen und dabei sowohl Universalismen als auch Differenzen verschiedener Traditionen festgestellt.</p>
<h4>Mystik als Wissenschaft des geistlichen Lebens</h4>
<p>In diesem Sinne schreibt Evelyn Underhill in ihrem Buch über Mystik: „„Mystik ist die Wissenschaft oder Kunst des geistlichen Lebens.“ Mystik ist ein forschender Erfahrungsweg, als eine innerliche und experimentelle Untersuchung – und Erfahrung – des menschlichen Bewusstseins in dem Bemühen, den eigenen Wahrnehmungshorizont in die Unendlichkeit zu erweitern und damit eins zu werden. Erst in dieser direkten Erforschung und Erfahrung kann sich GEIST als SEIN und WERDEN enthüllen, als Zunahme von Bewusstheit, Komplexität und Liebe/Inklusion. Damit erfüllt Spiritualität oder Mystik als Wissenschaft des geistlichen Lebens die Kriterien von Wissenschaft: Injunktion (als Verfahrensvorschrift zur „Daten“gewinnung), Praxis (als konkrete experimentelle Durchführung) und Verifikation mit gemeinschaftlicher Überprüfung (Bestätigung oder Zurückweisung der gewonnenen Erkenntnisse in einem wissenschaftlichen Diskurs).</p>
<p>Mystik oder Spiritualität als innere Wissenschaft klingt vielleicht für einige zunächst fremd, weil in der öffentlichen Wahrnehmung oft die unausgesprochene Gleichung Wissenschaft = Naturwissenschaft gilt. Worum es dabei geht ist die Erforschung einer so genannten nondualen und paradoxen Wirklichkeit, die sich dem rationalen und linearen Denken entzieht und nur auf der Grundlage direkter spiritueller Erfahrung „lebendig gedacht“ werden können. Mystik als Erfahrung und Erforschung dieser Letztendlichkeit, die kein Ende hat, heißt in einem integralen Kontext immer auch: Die absolute Wirklichkeit des ewigen Jetzt im gelebten Augenblick jenseits der Zeit zu erfahren und zu bezeugen <em>und gleichzeitig</em> die relativen Wahrheiten in der manifesten Welt – unserer Innenwelt, der Mitwelt und der Außenwelt – forschend zu erkunden. In diesem Sinne sind äußere und innere Wissenschaft immer ein Prozess einer ständigen Fortschreitens der Aufklärung und der zunehmenden Bewusstheit des GEISTES über sich selbst.</p>
<h4>Aufwachen, Aufwachsen, Aufräumen, Auftreten</h4>
<p>Eine aufgeklärte Spiritualität unterscheidet zwischen dem Weg des Erwachens zur letztendlichen Wirklichkeit als dem Seinsgrund, den wir klassisch auch als Erleuchtungsweg bezeichnen, und dem Weg des Aufwachsens oder des Erwachsenen-Werdens durch die Entwicklungsstrukturen. Die innere Entwicklung des menschlichen Bewusstseins über Stufen mit Namen wie egozentrisch, ethnozentrisch, weltzentrisch und kosmozentrisch wurde von bekannten Entwicklungsforschern wie Piaget, Kohlberg, Gebser, Kegan, Graves, Loevinger oder Cook-Greuter in den verschiedenen Entwicklungslinien untersucht. Entwicklung durch diese Strukturen führt uns zu immer mehr Perspektiven, Fülle und Inklusion. Eine wesentliche Erkenntnis dieser Forschungen ist: Wir interpretieren unsere spirituellen Erfahrungen, die wir auf allen Entwicklungsebenen haben können, immer aus der Weltsicht der eigenen Entwicklungsebene. Keine spirituelle Erfahrung kommt daher aus dem Nirgendwo, und ist daher auch nicht absolut zu setzen, sondern erfährt immer auch eine Interpretation durch den Menschen, der oder die sie hat. Das erklärt, dass wir spirituell erleuchtet sein können, d.h. zum Grund des Seins erwacht, und dennoch rassistisch und ethnozentrisch denken, fühlen und handeln können, wie es z.B. viele Zen-Mönche im faschistischen Japan während des 2. Weltkrieges taten. Weiterhin  können wir trotz Aufwachen und Entwicklung unsere eigenen Schatten weiter auf andere projizieren, wenn wir unsere Psyche nicht „aufräumen“: durch psychodynamische Methodiken, die Licht in das Dunkel des Unbewussten bringen und Verdrängtes aufklären und Abgespaltenes wieder in unser Bewusstsein bringen und so erst Transformation ermöglichen. Dazu gehören auch „weiße“ Schatten, d.h. noch nicht entwickelte Potenziale, die wir auf andere projizieren, anstatt sie selbst zu leben und als einzigartige Selbste auf die Bühne der Welt zu bringen. Nur so können wir der Welt das geben, was ohne uns nicht verwirklicht werden kann. Letzteres ist mit dem „Auftreten“ gemeint. Aufwachen (spirituelles Erwachen), Aufwachsen (psychologische Entwicklung), Aufräumen (psychodynamische Arbeit) und Auftreten (in der Welt wirken) sind im Rahmen einer aufgeklärten Spiritualität ebenso unverzichtbar wie unersetzlich.</p>
<h4>Integrale Spiritualität erlöst Antagonismen</h4>
<p>Mit dem Angebot der Versöhnung von Wissen, Weisheit und Wirklichkeit (er)löst integrale Spiritualität viele Antagonismen auf: z.B. die zwischen Wissenschaft und Spiritualität, die mich selbst viele Jahre geplagt hat. Als ich meine spirituelle Suche begann, konnte ich viele Beispiele geistfeindlicher und schlicht dummer Esoterik nicht mit meinem kritischen Verstand und dem forschenden Geist verbinden. Es schien mir unerklärlich, wie Menschen, die sonst beruflich und persönlich kompetent ihr Leben meisterten, in spirituellen Kontexten auf prärationale Erklärungsmuster regredierten. Die Unterscheidung zwischen Entwicklungsstrukturen (Aufwachsen) und veränderten Bewusstseinzuständen (Aufwachen) hat mir sehr geholfen bei der Bewertung meiner eigenen Erfahrungen und der Beobachtung verschiedenster esoterischer oder spiritueller „Szenen“ oder der Auswahl von spirituellen LehrerInnen. Die Abneigung, die ich heute von vielen Fachkollegen gegen eine simplizistische Esoterik höre, kann ich aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen bedauere dennoch, wie oft dabei das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Wenn prärationale Strukturen, eine mythisch-absolutistische oder magische Spiritualität pauschal abgelehnt werden, anstatt zu differenzieren, geht jegliche auch transpersonale Spiritualität dabei mit über Bord. Damit schneiden wir uns nicht nur von unserer eigenen tiefsten Quelle ab, von dem, was wir letztendlich über unser kleines persönliches Ich sind. Wir leugnen auch unseren eigenen Entwicklungsweg, den auch unsere Nachkommen und Kinder immer wieder durch die Entwicklungsebenen gehen müssen. Mit diesem tragischen doppelten Irrtum entfremden wir uns von einem wesentlichen Teil unseres SElNS– und WERDENS-Potenzials, und verleugnen unsere eigene Geschichte und Herkunft. Ich persönlich glaube, dass gerade engagierte Menschen diese Verankerung im Seinsgrund brauchen, um sich nicht in den Aufs und Abs der relativen sich entwickelnden Welt zu erschöpfen.</p>
<h4>Die Demokratisierung der Erleuchtung</h4>
<p>Aufgeklärte Spiritualität als Erfahrungsweg und zugleich Geisteswissenschaft steht uns heute – zumindest in den westlichen modernen und postmodernen Gesellschaften – zur Verfügung. Dieser Weg kann von allen beschritten werden, die den Mut und die Demut haben, das zu finden, was von letztendlicher Bedeutung ist und es zeitgemäß zu verwirklichen, mit einer tiefen Menschlichkeit, die alle fühlenden Wesen einschließt und den ganzen Kosmos umfasst. Eine integrale Spiritualität bedeutet mehr Perspektiven, mehr Menschlichkeit und Mitgefühl, mehr Inklusion, mehr Forschergeist als auf den früheren Ebenen der Entwicklung. Diese Form der Spiritualität macht uns nicht abhängig von unhinterfragten Autoritäten, aber sie erkennt Autoritäten an, die nicht auf Macht, sondern auf Kompetenz und Entwicklung beruhen. Sie ist das Geburtsrecht eines jeden Menschen von Anfang an. Jedes Kind und jeder Erwachsene sollte entgegenkommende gesellschaftliche Verhältnisse vorfinden, damit er oder sie dieses Geburtsrecht wahrnehmen kann. Und jeder, der dieses Geburtsrecht schon erkannt und für sich verwirklicht hat, sollte dazu beitragen, dass andere das auch können – heute und in Zukunft. In diesem Sinne ist Spiritualität ein Menschenrecht, ein Recht auf Verwirklichung der eigenen Potenziale, verbunden mit der Pflicht zu Solidarität und Hilfe. Die Würde des Menschen, wie sie in unseren westlichen Verfassungen und in den universellen Menschenrechten als Errungenschaft menschlicher Zivilisation gegen Barbarei und Grausamkeit früherer Entwicklungsstufen festgeschrieben wurden, hat damit auch eine innerliche und spirituelle Dimension. Niemand muss religiös oder spirituell sein, aber alle sollten dabei unterstützt werden, diese Dimension ihres Menschseins in Freiheit und Verantwortung zu verwirklichen – zum eigenen Wohl und zum Wohl aller fühlenden Wesen.</p>
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		<title>Religion für Atheisten</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/02/08/religion-fur-atheisten/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 22:49:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Weltspiritualität]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4454" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/R_B_by_Wieland-Muller_pixelio.png" rel="lightbox[4451]"><img class=" wp-image-4454 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/R_B_by_Wieland-Muller_pixelio-300x190.png" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Katharina Wieland Müller / pixelio.de</p></div>
<p>Die wahrscheinlich langweiligste Frage die du über Religion fragen kannst ist ob die ganze Sache »wahr« ist. Unglücklicherweise fokussieren sich derzeitige öffentliche Diskussionen genau darauf, mit einer Hardcore-Gruppe von fanatischen Gläubigen wie Terry Eagleton im Kampf gegen ein ebenso kleine Schar von fanatischen Atheisten wie Christopher Hitchens. Das Resultat war ziemlich viel Gift und eine gewisse perverse Unterhaltung für die Schaulustigen. Die Situation erreichte kürzlich seinen ausserordentlichen Höhepunkt als Eagleton (ein überzeugter Katholik) geschmacklos darüber spekulierte, dass Hitchens (der im Dezember starb) nun in der Hölle ist und sicherlich seine auf Erden geschriebenen Bücher bereut.</p>
<p>Ich bevorzuge eine andere Richtung. Aus meiner Sicht gibt es natürlich nichts an einer Religion, das Gott-gegeben ist. Es scheint klar zu sein, dass es keinen Heiligen Geist, Spirit, Geist oder göttliche Ausstrahlung gibt. Das eigentliche Thema ist nicht ob es Gott gibt oder nicht, sondern woher jemand das Argument nimmt auf das jemand schliesst, dass es ihn offensichtlich nicht gibt. Ich glaube, es muss möglich sein ein überzeugter Atheist zu bleiben und dennoch Religionen sporadisch nützlich, interessant und tröstend zu finden – und neugierig auf die Möglichkeiten manche ihrer Ideen und Praktiken in die säkulare Bereiche einzubinden.</p>
<p>Man kann von den Lehren der christlichen Dreifaltigkeit und dem buddhistischen fünffachen Pfad unberührt bleiben und zur gleichen Zeit interessiert sein an der Art wie Religionen Predigen halten, die Moral fördern, einen Gemeinschaftsgeist hervorbringen, Kunst und Architektur nutzen, zu reisen inspirieren, den Verstand trainieren und zu Dankbarkeit an der Schönheit des Frühlings ermutigen. In einer Welt die von Fundamentalisten des Glaubens und säkulärer Ausprägung befallen ist, muss eine Balance zwischen Ablehnung religiösen Glaubens und einer selektiven Achtung für religiöse Rituale und Auffassungen möglich sein.</p>
<p>Wenn wir aufhören zu glauben, dass Religionen von oben oder sonstwo überliefert wurden, dass sie komplett albern sind, dann werden diese Inhalte interessant. Wir können dann erkennen, dass wir die Religionen erfunden haben um zwei zentrale Bedürfnisse zu stillen, die es heute immer noch gibt und wo die säkuläre Gesellschaft es bisher nicht geschaft sie aufzulösen: Erstens, das Bedürfnis in harmonischen Gemeinschaften zusammenzuleben, trotz unserer tief verwurzelten selbstsüchtigen und gewalttätigen Impulse. Und zweitens, das Bedürfnis mit dem erschreckenden Schmerz umzugehen, welcher aus unserer Verletzlichkeit gegenüber beruflichen Fehlern, schwierigen Beziehungen, dem Tod von Angehörigen und unserem eigenen Älterwerden und Ableben entspringt. Gott möge tot sein, aber die wichtigen Themen, die uns antrieben ihn zu erfinden, regen sich immer noch und verlangen Auflösung. Und sie verschwinden nicht wenn wir darauf gestossen werden, dass es wissenschaftliche Ungereimtheiten in der Geschichte der sieben Brote und der Fische gibt.</p>
<p>Der Fehler des modernen Atheismus war es, zu übersehen wie viele Seiten der Glaubensrichtungen relevant bleiben, auch wenn ihre zentralen Lehren abgelehnt werden. Wenn wir nicht mehr das Gefühl haben uns entweder vor ihnen niederwerfen zu müssen oder sie zu verunglimpfen, sind wir frei die Religionen als Quelle von zeitweise genialen Konzepten zu entdecken, mit denen wir versuchen können, ein paar der hartnäckigsten und unerledigten Übel des säkulären Lebens zu lindern.</p>
<p>Ich wuchs in einem überzeugt atheistischen Haushalt auf, als Sohn zweier säkularer Juden, die religiöse Überzeugungen gleichsetzten mit dem Glauben an den Weihnachtsmann. Ich erinner mich an meinen Vater, der meine Schwester zum weinen brachte, als er versuchte ihr die bescheidene Vorstellung auszutreiben, dass irgendwo im Universum ein einsiedlerischer Gott lebt. Sie war damals 8 Jahre alt. Wenn irgendjemand in ihrem sozialen Umfeld heimliche religiöse Gedanken zeigte, dann betrachteten meine Eltern diese als wäre bei ihne eine degenerative Erkrankung diagnostiziert worden und konnten von da in nicht mehr überzeugt werden sie ernst zu nehmen.</p>
<p>Obwohl mir die Einstellung meiner Eltern in die Wiege gelegt worden ist, durchlebte ich in meinen mittleren Zwanzigern eine Unglaubenskrise. Meine Zweifel hatten ihren Ursprung im Hören von Bach’s Kantaten, wurden weiterentwickelt in der Präsenz von einigen Bellini <em>Madonnas</em> und sie wurden überwältigend mit einer Einführung in Zen-Architektur. Dennoch war es erst als mein Vater schon einige Jahre tot war – und begraben unter einem hebräischen Grabstein auf einem jüdischen Friedhof in Willesden, Nord-London, denn er hatte, faszinierenderweise, unterlassen mehr säkulare Vorbereitungen zu machen –, dass ich begann die volle Skala meiner Ambivalenz zu doktrinären Prinzipien zu erkennen, die mir in meiner Kindheit eingeschärft wurden.</p>
<p>Ich schwankte nie in meiner Sicherheit, dass Gott nicht existiert. I war einfach befreit von dem Gedanken, dass es einen Weg gibt sich mit Religion zu beschäftigen ohne sich den übernatürlichen Inhalten zu verschreiben – ein Weg, um es in abstrakte Begriffe zu fassen, über Väter nachzudenken ohne die respektvolle Erinnerung an meinen eigenen Vater zu erschüttern. Ich erkannte, dass meine fortwährende Resistenz zu Theorien eines Jenseits oder Himmelsbewohnern, kein Rechtfertigung war auf die Musik, Gebäude, Gebete, Rituale, Feste, Heiligtümer, Pilgerreisen, gemeinsame Mahlzeiten und illuminierten Schriften der Glaubensrichtungen zu verzichten.</p>
<p>Die säkulare Gesellschaft wurde ungerechterweise verarmt durch den Verlust einer Reihe von Praktiken und Themen, mit denen Atheisten typischerweise unmöglich leben können, weil diese scheinbar zu nah assoziiert sind mit, um Nietzsche zu zitieren, »dem schlechten Geruch der Religion«. Wir wuchsen auf, eingeschüchtert von dem Wort <em>Moral</em>. Wir wehren uns bei dem Gedanken eine Predigt zu hören. Wir flüchten vor der Idee, dass Kunst erhebend sein oder eine ethische Mission haben sollte. Wir gehen nicht auf Pilgerreisen. Wir können keine Tempel bauen. Wir haben keinen Mechanismus um Dankbarkeit auszudrücken. Die Vorstellung ein Selbsthilfebuch zu lesen ist absurd für die Edelgesinnten. Wir widersetzen uns geistigen Übungen. Fremde singen nicht oft zusammen. Wir sind beschenkt mit einer unliebsamen Wahl zwischen eigenartigen Konzepten über immaterielle Gottheiten oder sich vollständig loszulösen von einer Unzahl an tröstlichen, subtilen oder einfach reizvollen Ritualen, wofür wir angestrengt versuchen Äquivalente in unserer säkularen Gesellschaft zu finden.</p>
<p>Militante Atheisten haben der Religion ihre exklusiven Erfahrungs– und Wirkungsbereiche erlaubt, die mit Recht der ganzen Menschheit gehören sollten – und die wir uns ungeniert für die säkularen Gebiete wieder aneignen sollten. Das frühe Christentum war selbst höchst versiert in der Aneignung guter Ideen anderer. Aggressiv wurden zahlreiche heidnische Bräuche subsumiert, die moderne Atheisten nun vermeiden, da sie irrtümlich glauben es seien unauslöschlich christliche. Der neue Glauben übernahm die Feiern zur Wintersonnenwende und verpackte sie neue als Weihnachten. Er absorbierte das epikureische Ideal des Zusammenlebens in einer philosophischen Gemeinschaft und verwandelte es in das was wir als Mönchstum kennen. Die Herausforderung für die moderne säkulare Gesellschaft ist, wie dieser Prozess der religiösen Kolonialisierung reversiert werden kann: Wie trennt man Ideen und Rituale von den religiösen Institutionen, die sie beansprucht haben, aber wahrlich nicht besitzen.</p>
<p>Meine Strategie wird, natürlich, Anhänger auf beiden Seiten der Debatte verärgern. Die Religiösen werden beleidigt sein von der schroffen, selektiven und unsystematischen Betrachtung ihrer Glaubensbekenntnisse. Religionen sind keine Buffets, sie werden protestieren, von deren Sortiment Elemente nach Lust und Laune ausgewählt werden können. Allerdings war der Niedergang Glaubensrichtungen ihre einsichtslose Beharrlichkeit, dass die Anhänger alles essen müssen was auf den Tisch kommt. Warum sollte es nicht möglich sein die Darstellung der Bescheidenheit in Giotto’s Fresken zu schätzen und dennoch die Doktrine von Mariä Verkündung zu umgehen, den buddhistischen Schwerpunkt des Mitgefühls zu bewundern und dennoch die Theorien der Wiedergeburt meiden? Für jemand ohne religiösen Glauben mag es nicht krimineller sein in eine Anzahl an Glaubensbekenntnissen zu greifen, als für einen Literaturliebhaber eine handvoll Lieblingsschriftsteller aus dem Kanon herauszusuchen. Atheisten der militanten Sorte werden auch aufgebracht sein, in ihrem Fall von dem Ansatz, der Religion behandelt als ob sie es verdient ein anhaltender Prüfstein für unsere Sehnsüchte zu sein. Sie werden auf die zornige institutionelle Intolleranz vieler Religionen verweisen, und auf die gleichwertig reichen, allerdings unlogischen und engstirnigen, Vorräte des Trosts und der Erkenntnis durch Kunst und Wissenschaft. Sie werden weiters fragen, warum jemand der selbst den Unwillen bekundet so viele Facetten der Religion zu akzeptieren – der sich unfähig fühlt im Namen der Jungfrauengeburt zu sprechen, oder den Behauptungen zuzunicken, die erfürchtig in den Jataka Geschichten über Buddha’s Identität als ein wiedergeborenes Kaninchen gemacht werden – sich selbst doch noch mit einem Thema verbindet, das durch den Glauben beeinträchtigt wurde.</p>
<p>Die Antwort darauf ist, dass die Religionen unsere Aufmerksamkeit für ihre reinen konzeptuellen Abitionen verdienen; für die Veränderung der Welt in einer Weise, wie es wenige säkulare Institutionen jemals gemacht haben. Sie haben es fertiggebracht, Ethiktheorien und Metaphysik zu kombinieren mit praktischer Beteiligung in Bildung, Mode, Politik, Reisen, Bewirtung, Initiationszeremonien, Veröffentlichungen, Kunst und Architektur – ein Spektrum von Interessen, das beschämend ist für den Umfang der Leistungen von selbst den grössten und einflussreichsten säkularen Bewegungen und Individuen in der Geschichte. Für jene, die interessiert sind in der Verbreitung und den Einfluss von Ideen, ist es hart nicht von den Beispielen der erfolgreichsten Bildungs– und Geistesbewegungen fasziniert zu sein, die der Planet je bezeugte.</p>
<p>Es gibt Seiten der Religionen, welche zeitgemäss und tröstend sind, sogar für skeptische moderne Menschen. Atheisten können lernen einiges von dem Schönen, Berührenden und Weisen, vor dem zu retten, das nicht mehr länger wahr erscheint. Die Weisheit der Glaubensrichtungen gehört der ganzen Menschheit, sogar den vernünftigsten unter uns, und verdient es von den grössten Feinden des Übernatürlichen gezielt resorbiert zu werden. Religionen sind zeitweise zu nützlich, effektiv und intelligent um alleine den Religiösen überlassen zu werden.</p>
<p><em>Übersetzung aus dem Englischen von <a href="http://www.openmindjournal.com/redaktion/?uid=1">Heinz Robert</a></em></p>
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		<title>Sein Leib sei unser Tempel</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 15:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Bayern soll, wenn es nach den Plänen des dort ansässigen Künstlers Angerer der Ältere geht, die welthöchste Christus-Statue erbaut werden. Angerer der Ältere wurde bereits durch zahlreiche Arbeiten für Film, Bühne und private Auftraggeber bekannt und ausgezeichnet. So schuf er zum Beispiel die Bildwelt für die Hollywood-Verfilmung von Michael Ende’s Die unendliche Geschichte und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4305" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/chrsitus-dom.jpg" rel="lightbox[4303]"><img class=" wp-image-4305" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/chrsitus-dom-300x168.jpg" alt="" width="200" height="112" /></a><p class="wp-caption-text">Eine Christus Statue als Christus Dom © Angerer der Ältere</p></div>
<p><em>In Bayern soll, wenn es nach den Plänen des dort ansässigen Künstlers </em>Angerer der Ältere<em> geht, die welthöchste Christus-Statue erbaut werden.</em></p>
<p>Angerer der Ältere wurde bereits durch zahlreiche Arbeiten für Film, Bühne und private Auftraggeber bekannt und ausgezeichnet. So schuf er zum Beispiel die Bildwelt für die Hollywood-Verfilmung von Michael Ende’s <em>Die unendliche Geschichte</em> und gestaltete sogar das Grabmal des deutschen Autors. Dafür ergatterte er nicht nur den Bayerischen Filmpreis, sondern begeisterte damit auch ein Millionenpublikum.</p>
<p>Die ideenreiche Handschrift des Künstlers ziert Industrieprodukte genauso wie Architektur, Einrichtungsgegenstände und sogar Brettspiele. Seine Gemälde lassen den Betrachter eintauchen in phantastische und teils surreale Welten und brachten Angerer den Älteren auf die Liste der <em>Erben Dali’s</em>.</p>
<div id="attachment_4307" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/angerer_der_aeltere.jpeg" rel="lightbox[4303]"><img class="size-thumbnail wp-image-4307 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/angerer_der_aeltere-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Angerer der Ältere</p></div>
<p>Der jetzige Papst Benedikt XVI, ließ es sich nicht nehmen eine von Angerer dem Älteren entworfene und in Eigeninitiative gebaute <em>Erlöserkapelle</em> als „endlich wieder wirkliche sakrale Kunst“ mit einem persönlichen Grußwort zu loben. Ein Kunstwerk, das sowohl italienische und deutsche Würdenträger ebenso begeistert, wie den Metropolit aus Rumänien, der ihm den Auftrag für eine Ikone erteilte; eine große Ehrzuteilung für einen katholischen Christen.</p>
<p>Nun soll ein weiteres christliches Kunstwerk von Angerer der Ältere verwirklicht werden. Das Besondere an diesem Christus Dom ist, dass tatsächlich erstmalig die Worte der Heiligen Messe »mit Ihm, durch Ihn,<strong> </strong><em>in Ihm</em>« wahrhaftig bauliche Wirklichkeit werden.</p>
<p>Aus der Presseaussendung zu dem Projekt:</p>
<h4>Die Kirche ist tot? Hoch lebe die Kirche!</h4>
<p>Würde die Kirche ein klassisches Wirtschaftsunternehmen sein, müsste sie dringend einen Marken-Relaunch starten inkl. einer millionenschweren TV Kampagne.</p>
<p>Der neue Slogan könnte lauten: <em>Von Engeln empfohlen!</em></p>
<p>Die Kirche ist aber kein Wirtschaftsunternehmen. Sie sollte sich wieder auf das Wesentliche (rück)besinnen, nämlich:</p>
<blockquote><p><em>„Wenn das Christentum in einer Zeit völliger Auflösung und Relativierung aller Werte und der zur Mode gewordenen Verhöhnung des Göttlichen keine sichtbaren Zeichen des lebendigen Glaubens setzen kann, wird es immer mehr Einfluss im geistigen Hintergrund des täglichen Lebens verlieren.“</em> (Angerer d.Ä.)</p></blockquote>
<p>Die leibhaftige Menschwerdung Christi, die Botschaft <em>„sein Leib sei unser Tempel“</em>: dieser Gedanke lässt Angerer der Ältere nicht los und so nahm die Idee, diesen Leib Christi als Kirchenraum, als Dom zu sehen, Gestalt an.</p>
<p>Ein Video auf YouTube zeigt eindrückliche Aussen– und Innenansichten des geplanten Sakralbaues:</p>
<p><iframe width="500" height="281" src="http://www.youtube.com/embed/8LJAMmMg9vs?fs=1&#038;feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Spiritualität für Ungläubige</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/12/26/spiritualitat-fur-unglaubige/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 19:15:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>
		<category><![CDATA[Weltspiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kirchen verlieren ungebremst Mitglieder. An den Rändern und ausserhalb der Religionen ereignet sich zugleich ein mystischer Aufbruch, der sich jeder Kategorisierung entzieht. Das kommt nicht alle Tage vor: In Fällanden, dem Dorf vor den Toren der Stadt Zürich, wo diese Zeitschrift zu Beginn der 90er Jahre ihren Verlagssitz hatte, wurde eine neue Kirche gebaut. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Kirchen verlieren ungebremst Mitglieder. An den Rändern und ausserhalb der Religionen ereignet sich zugleich ein mystischer Aufbruch, der sich jeder Kategorisierung entzieht.</em></p>
<div id="attachment_4192" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/Eigene_Wege_gehen.jpg" rel="lightbox[4189]"><img class=" wp-image-4192 " title="Eigene Wege gehen, Bild: Heinz Robert" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/Eigene_Wege_gehen-300x224.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">25% der Schweizer Bevölkerung geht eigene spirituelle Wege, abseits jeglicher Konfession.</p></div>
<p>Das kommt nicht alle Tage vor: In Fällanden, dem Dorf vor den Toren der Stadt Zürich, wo diese Zeitschrift zu Beginn der 90er Jahre ihren Verlagssitz hatte, wurde eine neue Kirche gebaut. Die örtliche Pfarrei der auf rund 2000 Seelen angewachsenen Katholiken konnte es sich nach Jahrhunderten der Diaspora leisten, ein eigenes Gotteshaus zu errichten. Am Rande des Dorfes entstand auf frischem Land ein moderner Sakralbau. Die älteste der christlichen Traditionen leistete sich einen Neuanfang mitten im Zwingliland: ein schmucker quadratischer Bau, darin ein runder Kirchenraum, frei von Ornamenten, hell, einladend, freundlich.</p>
<p>Gespannt betrat ich die neue Kirche. Mitten am Tag stand die Türe offen und lud zur Besichtigung ein. Ich war baff. So etwas hatte ich noch nie gesehen: Die geräumigen Sitzbänke richteten sich wie üblich nach vorne aus auf jenen heiligen Bereich, wo der Priester nach katholischem Ritus die Messe zelebriert. Doch dort gab es keine Abschrankung, keine Altarwand, keinen übermächtig sterbenden Heiland am Kreuz, keine Engel, keine Heiligen, keine Puten. Dort vorne stand ein schlichter, geradliniger Tisch, und dahinter reichte vom Boden bis unters Dach ein riesiges Fenster. Klares Fensterglas. Der Blick der Gemeinde ging unverstellt hinaus in die freie Natur, ins Riedland zwischen Dorf und Greifensee. Wiesen, Vögel, Bäume, gelegentlich ein Spaziergänger, Jogger, Hunde, und darüber spannte sich ein weit offener Himmel.</p>
<p>Diese Botschaft gefiel mir. Ich setzte mich in eine Bank und liess die Räume auf mich wirken. Der geschlossene Raum spendete Wärme und Geborgenheit, ohne die Aussenwelt, die Natur, den Betrieb des Alltags auszuschliessen. Die «Heiligung der Welt», der eigentliche, heute kaum mehr bekannte Zweck der katholischen Messe: Hier machte das Anliegen wieder Sinn und wurde nachvollziehbar. Mehr noch: «Katholisch» – bedeutet dieser Begriff seinem Wortsinn nach nicht «universell» und «allumfassend»? Selbst dieser Anspruch schien mir mit der neuen Kirche von Fällanden eingelöst. Davon liess ich mich gerne umfassen.</p>
<p>Voller Zuversicht verliess ich den Sakralbau, beflügelt vom Wunsch, für Andacht und Meditation bald wiederzukommen. Die Ernüchterung wartete im Eingangsbereich auf mich. Dort lag ein Ordner auf, der die Besucher über eine ambitionierte Spendenaktion informierte. Die Gemeinde sammelte Geld für ein Kirchenfenster. Geplant und vom Künstler im Entwurf bereits ausgeführt, war eine immense Darstellung der Heiligen Katharina von Siena. Das imposante Bild der Namenspatronin sollte just jenes Fenster einnehmen, welches jetzt noch so grosszügig den Blick in die Welt freigab. Tja.</p>
<p>Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, die damals neue, immer noch schmucke katholische Kirche von Fällanden wieder zu besuchen. Die Türe stand immer noch offen, und ich konnte mich mit eigenen Augen über den Stand der Dinge ins Bild setzen. Das neue Glasfenster ist verwirklicht worden, der Blick der Gläubigen geht nicht länger in die Welt hinaus, die Augen bleiben hängen an der Darstellung einer katholischen Heiligen.</p>
<h4>Die Unterscheidung</h4>
<p>Wo liegt das Problem? Religionen sind so. Stimmt. Aber wir sollten sie und ihren Betrieb nicht länger mit Spiritualität verwechseln. In der Öffentlichkeit ist diese Verwechslung noch gang und gäbe. Wenn es in den Medien um spirituelle Fragen geht, werden kirchliche Exponenten zitiert, allenfalls dürfen sich noch Vertreter anderer anerkannter Religionen dazu gesellen. Es wird getan, als ob die Kirche noch mitten im Dorf wäre. In ihrem eigenen, privaten Leben jedoch hat die Mehrheit der Menschen längst zu unterscheiden gelernt zwischen diesem und jenem. Die meisten haben verstanden, dass Religion ein parasitäres Gewächs ist, das von der Spiritualität zehrt, und nicht umgekehrt.</p>
<p>Diese Formulierung verdanke ich Nicholas Humphrey. In seinem kürzlich veröffentlichten Werk Soul Dust sagt der britische Psychologieprofessor und Bewusstseinsforscher überdies: «Es trifft zu, dass gewisse Evolutionspsychologen argumentieren, der religiöse Glaube des Menschen sei eine unvergleichliche biologische Anpassungsleistung. Einige behaupten gar, im menschlichen Gehirn lasse sich so etwas wie ein ‚genetischer Gottes-Bestandteil‘ finden. Doch diesen Ansichten fehlt jede Evidenz. Weder gibt es Hinweise darauf, dass der Gottesglaube in der Entwicklung des Menschen weit zurückreicht, noch gibt es Belege dafür, dass dem Individuum durch diesen Glauben in der Evolution ein Vorteil erwachsen wäre.»</p>
<h4>Eigene Wege gehen</h4>
<p>Eine 2011 veröffentlichte Studie des Schweizer Nationalfonds belegt eindrücklich die Absetzbewegung der Schweizer von den Kirchen. Vor 40 Jahren gehörten noch je 45 Prozent der Bevölkerung entweder zur katholischen oder zur protestantischen Landeskirche. 9 Prozent zählten damals als Gläubige anderer Religionen, und nur gerade 1 Prozent bekannte sich zum Status der Konfessionslosigkeit. Heute bezeichnet sich ein Viertel der Schweizer Bevölkerung als konfessionslos, und von diesen 25 Prozent heisst es ausdrücklich, dass sie dem Thema keineswegs gleichgültig gegenüberstehen, sondern eigene spirituelle Wege gehen.</p>
<p>Während die Medien unverdrossen von einem Wiedererstarken des Religiösen reden und dabei ihre Aufmerksamkeit auf marginale Gruppen wie die Evangelikalen oder islamistische Gruppierungen richten, die ihre Überzeugungen lautstark in die Öffentlichkeit tragen, hat sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung leise vom Betrieb der Kirchen verabschiedet. Ein Grossteil der Schweizer lebt heute auf Distanz zum Religionsbetrieb (64%). 10% stehen säkular abseits, und 9% sind alternativ religiös unterwegs.</p>
<p>Aber, so halten die Autoren der Nationalfonds-Studie fest, «die Distanzierten glauben nicht nichts». Es gibt bloss kein öffentlich formiertes Bekenntnis, in dem sie sich wiederfänden. Und so bezahlt manch ein Distanzierter gar noch Kirchensteuern, obwohl er sich innerlich längst von «seiner» Kirche abgewendet hat. Wenn die Kirchen seinen Beitrag dazu verwenden, soziale Arbeit zu leisten, ist ihm das recht. Erfährt er von Doppelmoral und Sexskandalen, kann es aber vorkommen, dass er sich empört abwendet und den Austritt gibt.</p>
<p>Aus dem Blickwinkel der Gläubigen ist das ein Zerfall, das finale Kapitel in dem von Oswald Spengler beschworenen «Untergang des Abendlandes». Mit dem christlichen Glauben sehen sie die ethischen Werte, die Moral und die demokratischen Tugenden unserer Gesellschaft vor die Hunde gehen. Aus dem Blickwinkel jener, die sich seit Langem auf den Anbruch eines neuen Zeitalters freuen, ist es gerade umgekehrt: Das Alte weicht und macht Platz für Neues, das sich zunächst bloss zaghaft, nun aber zunehmend deutlich abzeichnet: eine Spiritualität jenseits überkommener Formen, eine neue Gestimmtheit des Menschen aus sich selbst heraus, in wacher, offener Verbindung mit den Kräften der Welt und des Kosmos.</p>
<h4>Universelle Werte</h4>
<p>«Happy», «Safe», «Free», drei Worte, grossgeschrieben auf einzelnen Blättern, hängen in einem kalifornischen Tonstudio an der Wand. Ein gemischter Chor intoniert das Mantra: «Mögen alle Wesen glücklich sein, mögest du beschützt sein, mögen wir frei sein ……» Eine Stunde lang Segenswünsche auf unendlich. Verschiedene Solisten, darunter auch die Schweizer Mantra-Sängerin Dechen Shak-Dagsay, stossen dazu und variieren die Botschaft in ihrer Sprache, auf ihre Weise. Die kanadische Musikerin Jennifer Berezan hat diese berührende Musik komponiert und die Produktion ihrer neuen CD In These Arms auf die Beine gestellt. Sie singt: «I long to hold the whole world in these arms.»</p>
<p>Englisch ist die Universalsprache unserer Zeit. Freiheit, Glück, Geborgenheit sind universelle Begriffe, von denen wir annehmen dürfen, dass jeder Mensch auf der Welt sie begreifen kann und sie auf seine Weise zu verwirklichen sucht. Es lassen sich weitere solche Begriffe nennen: Liebe, Aufrichtigkeit, Mitgefühl, Solidarität, Fürsorge, Mut und noch einiges mehr. Alle diese Werte haben in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Ausprägungen erfahren und zu archetypischen Gestalten geführt, mit denen sie identifiziert werden. Die christliche Maria, die afroamerikanische Oshun und die buddhistische Guanyin stehen für Mitgefühl und unendliche Liebe; Lakshmi gilt Hindus als Verkörperung von Glück und Schönheit; die Römer schrieben diese Qualitäten der Göttin Fortuna zu; Wilhelm Tell heisst bei uns ein kultisch verehrter Held der Freiheit; für Schotten ist das William «Braveheart» Wallace; und für Juden ist es Moses, der sein Volk aus ägyptischer Gefangenschaft in die Freiheit führte.</p>
<p>«Der Heros in tausend Gestalten», wie es der Psychologe Joseph Campbell nannte und damit C. G. Jungs Konzept vom Archetypus ausführte. Heute ist es uns möglich, das eine mit dem anderen zu vergleichen. Wir können in den vielen Gestalten das Gemeinsame erkennen und als seelischen Kern benennen: Liebe, Glück, Freiheit. Das mögen zwar lauter abstrakte Begriffe sein, doch haben diese Begriffe den unbestreitbaren Vorteil, dass sie uns verbinden, statt uns in religiös und kulturell bedingte Formen zu verstricken, zwischen denen es in der Regel keine Vermittlung gibt.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Spuren, <a href="http://www.spuren.ch/archiv/archiv_comments/1079_0_88_0_C/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 100 </a></p>
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		<title>48 Stunden tanzen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/12/25/48-stunden-tanzen/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Dec 2011 18:27:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Schamanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[Indianer kennen den Sonnentanz, Stadtschamanen die Wave. Mit Elementen von Beidem wird in Somerset zwei Tage lang getanzt. «Ich hatte einen Traum, ich sah mich inmitten von weiss gekleideten Menschen in einem Zelt auf einem Feld irgendwo in Somerset tanzen. Dann bin ich aufgewacht und habe mich hier, in einem Zelt auf einem Feld irgendwo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4181" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/ap4ad7fa1153258_s.jpg" rel="lightbox[4179]"><img class=" wp-image-4181 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/ap4ad7fa1153258_s-300x210.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / szene 1 © walter dannehl</p></div>
<p><em>Indianer kennen den Sonnentanz, Stadtschamanen die Wave. Mit Elementen von Beidem wird in Somerset zwei Tage lang getanzt.</em></p>
<p>«Ich hatte einen Traum, ich sah mich inmitten von weiss gekleideten Menschen in einem Zelt auf einem Feld irgendwo in Somerset tanzen. Dann bin ich aufgewacht und habe mich hier, in einem Zelt auf einem Feld irgendwo in Somerset inmitten weiss gekleideter Menschen, tanzend, wiedergefunden», sagt Ya’Acov Darling Kahn, der die Zeremonie zusammen mit seiner Frau Susannah leitet. Zu diesen Worten wache ich auf.</p>
<p>Ya’Acov ruft uns nach kurzen zwei Stunden Schlaf wieder zum Tanz. Wir rollen unsere Schlafsachen zur Seite und beginnen, uns wieder zur Musik tanzend durchs Zelt zu bewegen. Erst den «Tänzer» in mir erweckend, meine ureigene, oft verschüttete Instanz, um ihr die Führung meines physischen Körpers zu übergeben. Die Herausforderung annehmen, im Tanzen ganz authentisch, ganz mich zu sein, nichts wegzulassen und auch nichts hinzuzufügen, einfach tanzen, genau das bewegen, was grad da ist. Meinem inneren Tänzer vertrauen, mich der Musik überlassen.</p>
<p>Wir sind vor 36 Stunden in einer langen Prozession weiss gekleideter Tänzer und Tänzerinnen durch die Felder und Hügel zum grossen Zelt, zum Summer Long Dance, gezogen. Ein bewusster Übergang vom Alltag zur Zeremonie, durch die schweigende Prozession und durch den bewussten Kleiderwechsel vom bunten Alltag in das feierliche Weiss.</p>
<p>Weiss steht auch als Symbol der Einheit und der Leere, aus der wir kommen und in die wir zurückkehren werden. Seitdem tanzen wir hier durch die 21 Stationen des Mandalas der «School of Movement Medicine». Ya’Acov hat dieses Mandala in einer Vision im Amazonasbecken erhalten und es ins Zentrum der School of Movement Medicine gestellt.</p>
<p>Die Stationen des Mandalas sind Anhaltspunkte, die in jedem Menschen eine andere Resonanz haben können. Sie umfassen das weibliche und männliche Prinzip, Yin und Yang, die Himmelsrichtungen und Elemente, Körper, Herz und Geist, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die Erfüllung, gegenseitige Verbindung und die Bewusstwerdung; das Selbst, die Andern, die Gemeinschaft und die Umwelt, die Vorfahren und Ahnen und die göttliche Quelle sind weitere Bereiche. Im Zentrum steht das grosse Mysterium, die Vereinigung von männlichem und weiblichem Prinzip, aus dem wir alle geboren sind.</p>
<p>Das Mandala ist wie viele andere «Systeme» eine Geschichte oder Landkarte, die Orientierung bieten kann auf dem Weg im grossen Unbekannten. Es beinhaltet alle Movement Medicine Teachings und kann sehr vielfältig ausgelegt werden. Susannah und Ya’Acov erinnern uns daran, die «Landkarten» nicht zu verwechseln mit der «Landschaft», in der wir uns bewegen.</p>
<p>In Supportgruppen von jeweils vier Tänzern und Tänzerinnen unterstützen wir uns gegenseitig. Zu gewissen Zeiten wechseln wir uns ab, einer tanzt und einer «bezeugt» des anderen Tanzes. In meinem ureigenen Tanz, meinem Gebet, gesehen und bezeugt zu werden, ist eine neue Inspiration für mich. Keine Wertung, kein Austausch darüber, nur einfach sehen, gesehen werden.</p>
<p>Im Zentrum des Zeltes steht ein junger Baum, und an den vier Seiten sind die Altäre der Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser in den Himmelsrichtungen angeordnet. Der Baum wird im Anschluss an die Zeremonie in der Nähe des Tanzes, an einem geeigneten Ort, gepflanzt werden. So hinterlässt jeder Long Dance seinen Baum. Wie bei indianischen Sonnentänzen ist auch hier ein Baum im Zentrum. Neu für mich ist dabei, dass nicht nur vorhandene Ressourcen genutzt, sondern dass neue geschaffen werden.</p>
<p>Dies ist für mich auch sinnbildlich für diese Tanzzeremonie, die Susannah und Ya’Acov auf dem Hintergrund ihrer reichen Erfahrungen zusammen kreiert haben. Die beiden hatten, bevor sie ihre eigene Schule gründeten, eine 18-jährige Lehrzeit bei Gabrielle Roth und deren Fünf Rhythmen, eine Richtung, die sie von 1996–2006 für Europa vertreten haben. Davor und daneben haben sie beim Deer Tribe und bei verschiedenen Schamanen und spirituellen Lehrern gelernt. Susannahs Hintergrund liegt in der Anthropologie und in der Gestalt-Therapie. Ihre Art zu lehren ist voller Energie, Klarheit, Sensibilität und wird getragen von ihrer ansteckenden Liebe für den Tanz. Sie widmet sich speziell auch der Musik und der Stimme, was in ihren Workshops sehr zum Tragen kommt. Ya’Acovs Hintergrund liegt in der visuellen Kommunikation und Fotografie, und ihn trägt eine lebenslange Faszination für den Schamanismus. Seine Lehre ist eine Mischung aus Warmherzigkeit und Humor, seine Spezialität ein gut geführter, fokussierter Tanz der dünnen Kante des Unbekannten entlang. Er arbeitet und lernt mit Schamanen aus Südamerika, Lappland und Asien.</p>
<p>Die beiden Tanzlehrer bieten Workshops in der Schweiz, ganz Europa, Israel, Südafrika und Australien an. Der Summer Long Dance ist eine lang gehegte Vision von Ya’Acov, die sie 2009 zum ersten Mal Wirklichkeit werden liessen. Diese Zeremonie unterscheidet sich von den Workshops schon dadurch, dass sie als Non-Profit-Anlass organisiert wird. Die Tänzer zahlen lediglich für die Kosten, welche die Durchführung der Zeremonie verursacht. Sämtliche professionell Beteiligten wie Susannah und Ya’Acov, die DJs und Musiker, das gesamte Betreuungs– und Supportteam arbeiten ehrenamtlich. Ein allfälliger Überschuss geht vollumfänglich an «Survival International», eine Institution, die sich für das Überleben indigener Völker einsetzt. Die Teilnehmer sind aufgerufen, vorab zu Hause in ihrem Umfeld Fundraising zu betreiben und Geld zu sammeln für «Survival International» oder zugunsten einer selbst gewählten Institution, sodass die Zeremonie auch da Ressourcen schafft, die über den Anlass hinausweisen.</p>
<p>Wir tanzen zu den Elementen, zu Körper, Herz und Geist, zum Selbst, zu den Anderen, zu der Gemeinschaft, für und mit den Ahnen und vor allem aus Freude am Leben, aus Liebe. Wir tanzen für uns alleine, zu zweit, in grösseren Gruppen. Nach einem Tanz lasse ich mich zurücksinken in die Supportgruppe, kehre heim, integriere die neuen Erfahrungen dieses Tanzes, um dann wieder aufzutauchen und erneut in dem Meer der Tänzer zu baden.</p>
<p>Es sind Begegnungen in Augen-Blicken, in Körpergesten, im Gleichklang oder auch im Widerstand. Begegnungen, die flüchtig oder länger sind, immer aber mit lebendigen, pulsierenden Menschen. Meine eigene Lebendigkeit wird angesprochen, in den Bewegungen tauchen immer mehr Aspekte aus meinem Unterbewussten auf, von denen ich irgendwann glaubte, sie wegsperren zu müssen. Mein «innerer Tänzer» trägt diese Elemente durch den Tanz an die Oberfläche, und durch das Bezeugen werde ich darin gesehen. Ich darf mit allem, was ich bin, tanzen und darf damit anderen begegnen. Darin erlebe ich grosse Heilung, da wird Bewegung zur Medizin.<br />
Die Regeln sind einfach: Wer tanzt, tanzt, wer ruhen will, der ruht. Jeder zu seiner Zeit. Wir sind 150 Tänzer und Tänzerinnen aus aller Welt, die Verständigung erfolgt meist ohne Worte, durch Körpersprache im Tanz, und wo nötig in geflüstertem Englisch.<br />
Ein Healingteam, das von Osteopathie über Massagen bis Geistheilung alles anbietet, unterstützt uns im Tanz, was auch rege genutzt wird, sind die meisten von uns Tanzenden ja keine zwanzig mehr. Die im Zelt spielenden Musiker und die DJs, die uns begleiten, faszinieren mich sehr durch die Fähigkeit, die Bedürfnisse der Tanzenden intuitiv aufzunehmen und umzusetzen. Die Musik gründet in den Fünf Rhythmen, wirkt jedoch befreiter. Auch Kirtan, ein hinduistischer Wechselgesang, findet Platz in der Zeremonie, wird zum Tanz, und Tanzen wird wieder zum Beten.</p>
<p>Die kollektive Absicht des Long Dances besteht darin, im gemeinsamen Tanz, in Gebet und Gesang, unsere Dankbarkeit für das Leben und all das, was wir erhalten, auszudrücken. Die tiefste Art, seine Dankbarkeit zu zeigen, liegt darin, ganz authentisch zu sein und es zu wagen, seine Träume, sein Selbst, die Beziehung zu seinen Liebsten, die Gemeinschaft des Lebens auf der Erde, die Ahnen und das grosse Mysterium zu tanzen.</p>
<p>Zu Beginn der Zeremonie haben wir unsere individuelle Absicht, unsere Ausrichtung für den Long Dance ausgesprochen. Die Ziele waren sehr vielfältig. Manchen ging es um die Heilung der Erde, um Glück und Freude für alle Wesen, bei anderen waren es mehr persönliche Themen wie Gesundheit, emotionale Heilung oder Heilung von Verwandten. Meine persönliche Absicht war es, vergessene Aspekte von mir wieder in mein Leben zu integrieren, Aspekte, die den Übergang vom Single-Dasein ins Familienleben nicht mitgemacht hatten. Im Laufe des Tanzes habe ich zu einer Lebendigkeit zurückgefunden, die mir altvertraut ist und in der ich mich wieder ausdehnen kann. Ich erlebte eine tiefe Zufriedenheit in mir und eine Verbundenheit mit allen Mittänzern. Ich freue mich darauf, dieses Gefühl nach Hause zu tragen und mit meiner Familie zu teilen.</p>
<p>Im Zelt wird es hell und wieder dunkel und wieder hell, wir tanzen, und die Zeit hat ihre Bedeutung genauso verloren wie Hunger oder Müdigkeit.</p>
<p>Hier bin ich und ich tanze. Here I am. I have a dream.</p>
<p><em>Weitere Infos: <a href="http://www.schoolofmovementmedicine.com" target="_blank" rel="external nofollow">www.schoolofmovementmedicine.com</a></em></p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magzin Spuren, <a href="http://www.spuren.ch/archiv/archiv_comments/1120_0_90_0_C/" target="_blank" rel="external nofollow">Nr. 101 Herbst 2011</a></em></p>
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		<title>Weihnachten ist Fest der Liebe</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/12/24/weihnachten-ist-fest-der-liebe/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 23:19:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[Mönch empfiehlt Rückbesinnung auf Botschaft der Feier Heiligenkreuz (pte) — Kein anderes Fest feiern so viele Menschen zugleich wie Weihnachten, darunter auch viele Nichtchristen. Denn die Menschheit braucht ein gemeinsames Fest, legt der Zisterzienserpater Karl Wallner im bei Pattloch erschienenen Buch »Das Fest der Liebe« dar. »Sogar Terroristen respektieren den Weihnachtsfrieden. Die Riten und Bräuche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Mönch empfiehlt Rückbesinnung auf Botschaft der Feier</h2>
<div id="attachment_4168" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/ap4eccd82b1aefd_s.jpg" rel="lightbox[4165]"><img class="size-medium wp-image-4168 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/ap4eccd82b1aefd_s-300x190.jpg" alt="" width="300" height="190" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / kirchenlicht im winter © Norbert Anspach</p></div>
<p>Heiligenkreuz (pte) — Kein anderes Fest feiern so viele Menschen zugleich wie Weihnachten, darunter auch viele Nichtchristen. Denn die Menschheit braucht ein gemeinsames Fest, legt der Zisterzienserpater Karl Wallner im bei Pattloch erschienenen Buch »Das Fest der Liebe« dar. »Sogar Terroristen respektieren den Weihnachtsfrieden. Die Riten und Bräuche schaffen ein kollektives Gefühl der Geborgenheit, das für ein gutes Leben in Gemeinschaft nötig ist. Um dabei auch Sinn für das eigene Leben zu erfahren, hilft es sehr zu überlegen, warum wir Weihnachten feiern«, so der Mönch aus dem <a href="http://stift-heiligenkreuz.org" target="_blank" rel="external nofollow">Stift Heiligenkreuz</a> im pressetext-Interview.</p>
<h4>Provokation Gottes</h4>
<p>Die Sehnsucht nach der Überwindung der Finsternis durch den Sieg des Lichtes ist tief im Menschen verwurzelt, betont Pater Wallner. »Sichtbar wird das daran, dass schon vor dem Christentum die Wintersonnenwende gefeiert wurde, etwa von den Römern beim Fest des ›Sol invictus‹ oder von den nordischen Völker bei den Julfesten.« Weihnachten gibt es erst seit dem vierten Jahrhundert, als das heidnische Fest durch die christliche Neudeutung »getauft« wurde.</p>
<p>Die Weihnachtsgeschichte ist zeitlos und berührt, legt der Theologe dar: »Gott kommt zum Menschen, klein und bescheiden als Flüchtlingskind im Stall von Bethlehem. Er sucht sich dafür einen Krisenmoment im Leben aus — die Situation einer Hochschwangeren, der die Türen zugeknallt werden durch menschliche Verschlossenheit, ganz nach den Slogans ›Geiz ist geil‹ oder ›Ich habe nichts zu verschenken‹.« Dass Gott sich derart armselig zeigt und sich »auf Krippenlänge verkürzt«, sei eine bleibende Provokation.</p>
<h4>Geben statt nehmen</h4>
<p>Die zentrale Botschaft von Gottes weihnachtlichem Auftreten ist das sich-Verschenken aus Liebe, so der Buchautor. Ein Kind sei der beste Vermittler dafür. »Ein Neugeborenes ist selbst Geschenk für seine Eltern, berührt die Menschen um sich und drängt mit seiner Hilflosigkeit sein Umfeld förmlich dazu, ihm Liebe zu geben.« Deshalb habe auch das Schenken als Liebeszeichen zu Weihnachten eine zentrale Bedeutung. Pater Wallner kommentiert es mit einem Ausspruch des Heiligen Paulus: »Geben ist seliger als Nehmen«.</p>
<p>Derzeit kommt dem Fest die religiöse Bedeutung abhanden, was durch den Weihnachtsmann personfiziert ist. Der katholische Priester beobachtet es mit Sorge. »Botschaft und Aufgabe von Santa Claus ist bloß, Kinder so zu manipulieren, dass Erwachsene möglichst viel für sie kaufen.« Ebenso fragwürdig sei aber auch die Darstellung des Christkindes, das nur herumfliege und Geschenke besorge. Bleibt der Inhalt ausgeklammert, bricht die Hülle aus Ritual und Kult schnell zusammen, urteilt Pater Wallner.</p>
<h4>Zeit des Zusammenrückens</h4>
<p>Weihnachtliche Sinnfindung gelingt besonders durch Rückbesinnung. »Worum es geht, ist der Geburtstag von Jesus. Deshalb spielt es für das innere Erleben des Festes keine große Rolle, ob der Christbaum groß oder klein ist. Damit es mehr ist als ein ausgedehntes Abendessen, empfiehlt es sich, auch dem religiösen Inhalt Platz zu geben und die Kirche zu besuchen. Eine Christmette kann durch ihre Botschaft und Gestaltung jeden ansprechen, obwohl der Zugang herausfordert.«</p>
<p>Angst bereitet das Weihnachtsfest vielen, die einsam leben. Religiösen Menschen helfe der Gedanke an die Gemeinschaft mit Gott, doch ist Weihnachten ohnehin die Zeit, in der man näher zusammenrückt als sonst, betont Pater Wallner. »Die Chance ist gut wie nie, dass man einander hilft, Einsamkeitsgefühle abnimmt und Aufmerksamkeit schenkt. Gemeinsames Feiern erfordert, dass man in die Gemeinschaft investiert und zur Versöhnung bereit ist.«</p>
<h4>Nicht zuviel erwarten</h4>
<p>Gut für die Psychohygiene sei es freilich, die Vorstellungen nicht zu sehr mit Romantik zu überfrachten. »Besser ist, wenn man nicht den Himmel auf Erden erwartet.« Eine Empfehlung, die auch Psychotherapeuten zum Umgang mit familiären Konflikten zu Weihnachten geben.</p>
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