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	<title>OpenMindJournal &#187; Spirit</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Kultur und Change</description>
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		<title>So viel du brauchst</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 15:27:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[34. Deutscher Evangelischer Kirchentag im Zeichen von sozialem Zusammenhalt, Energiewende und der Grenzen des Wachstums In Hamburg beginnt heute in Hamburg der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag. Unter dem der Bibel entlehnten Motto „Soviel du brauchst“ wollen etwa 110.000 Dauerteilnehmer sowie Zehntausende Tagesgäste vom 1.–5. Mai gemeinsam diskutieren, beten und feiern. 2.500 Veranstaltungen sind geplant, darunter Vorträge, Diskussionsrunden, Bibelarbeiten, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>34. Deutscher Evangelischer Kirchentag im Zeichen von sozialem Zusammenhalt, Energiewende und der Grenzen des Wachstums</h2>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/05/Losung-michel.png" rel="lightbox[5708]"><img class="alignright size-medium wp-image-5710" alt="Losung-michel" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/05/Losung-michel-300x199.png" width="300" height="199" /></a>In Hamburg beginnt heute in Hamburg der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag. Unter dem der Bibel entlehnten Motto „Soviel du brauchst“ wollen etwa 110.000 Dauerteilnehmer sowie Zehntausende Tagesgäste vom 1.–5. Mai gemeinsam diskutieren, beten und feiern. 2.500 Veranstaltungen sind geplant, darunter Vorträge, Diskussionsrunden, Bibelarbeiten, Ausstellungen und ein breites kulturelles Programm. Die Hansestadt ist dabei bereits zum vierten Mal Gastgeber des Treffens protestantischer Laien.</p>
<p>Der Kirchentag findet alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt statt. Gegründet wurde der Kirchentag 1949 vom Juristen Reinold von Thadden-Trieglaff in Hannover. Bis zum Bau der Mauer 1961 hatten die Protestantentreffen eine wichtige Funktion als gesamtdeutsche Klammer. Danach entstand neben dem Deutschen Evangelischen Kirchentag der Evangelische Kirchentag in der DDR. 1991 vereinigten sich die Kirchentagsbewegungen wieder. Rechtsträger des Kirchentags ist ein selbstständiger Verein mit Sitz in Fulda.</p>
<p>Die Losung „Soviel du brauchst“ ist aus dem 2. Buch Mose im Alten Testament abgeleitet. Dort wird die Geschichte erzählt, dass dem hungernden Volk Israel auf seinem Zug durch die Wüste Manna vom Himmel fällt. Am Ende haben jede und jeder so viel, wie er oder sie braucht. Für die Veranstalter des Kirchentags ist die Losung „biblische Positionsbestimmung und Routenplanung in einem“, wie es Generalsekretärin Ellen Ueberschär formuliert. Sie sieht darin eine doppelte Aussage: „Gott sorgt für dich, es ist so viel da, wie du brauchst“ und „Gebrauche nur so viel, wie da ist“.</p>
<h4>Politik und Unterhaltung</h4>
<div id="attachment_5711" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/05/Rathaus_gut.jpg" rel="lightbox[5708]"><img class=" wp-image-5711 " alt="Auftaktaktion auf dem Hamburger Rathausmarkt: 200 Menschen bilden ein Jerusalemkreuz" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/05/Rathaus_gut-300x199.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Auftaktaktion auf dem Hamburger Rathausmarkt: 200 Menschen bilden ein Jerusalemkreuz</p></div>
<p>Der Kirchentag ist auch immer ein Stelldichein der Prominenz aus Politik, Kirche und Unterhaltung. So wird etwa Bundespräsident Joachim Gauck – selbst viele Jahre evangelischer Pfarrer – zur Eröffnung am Mittwoch einige Worte an die Teilnehmer richten, ehe er am Donnerstag bei einem Podium über eine „Starke Gesellschaft“ diskutiert.</p>
<p>Knapp fünf Monate vor der Bundestagswahl in Deutschland haben sich auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU), ihr SPD-Herausforderer Peer Steinbrück und zahlreiche weitere Spitzenpolitiker angesagt. Publikumsmagneten dürften auch Prominente wie Liedermacher Wolf Biermann, Entertainer Corny Littmann, der seit einem Unfall bei „Wetten dass“ gelähmte Samuel Koch oder die Band Wise Guys sein.</p>
<p>Mit einem Infostand wird auch die »<a href="http://www.eineweltpartei.de" target="_blank" rel="external nofollow">Eine Welt Partei</a>« am Kirchentag vertreten sein, auf dem auch <a href="http://de.simpol.org" target="_blank" rel="external nofollow">Simpol</a> auf einem Plakat und in den Flyer erwähnt wird. Der Grundgedanke der Eine-Welt-Partei ist einfach: Wir setzen uns für das ein, was gut für die ganze Menschheit ist. Mittels globaler Demokratie und ökosozialer Markwirtschaft sollen der Frieden gesichert, wirtschaftliche Ungleichgewichte abgebaut und die natürlichen Lebensgrundlagen bewahrt werden.</p>
<h4>Welten verbindende Grossveranstaltung</h4>
<p>Mit gemeinsamen Gottesdiensten, Diskussionen und nicht zuletzt durch die Bereitstellung von zahlreichen Räumen unterstützt auch das katholische Erzbistum Hamburg den 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Erzbischof Dr. Werner Thissen: „Wir rollen den roten Teppich aus für die Gäste des Kirchentags. Wir beteiligen uns gern in ökumenischer Freundschaft an diesem Glaubensfest.“ Der Erzbischof wird unter anderem in einem ökumenischen Gottesdienst am 2. Mai auf dem Fischmarkt predigen zum Thema: „Fisch, der satt macht.“ „Wir sind sehr dankbar über die Unterstützung von Seiten des Erzbistums. Gerade dieses Miteinander trägt entscheidend zur Vielfalt des Kirchentagsprogramms bei“, so Kirchentagspräsident Prof. Dr. Gerhard Robbers.</p>
<p>Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist weder eine rein deutsche noch eine allein evangelische Veranstaltung. Er bringt regelmäßig Menschen aus aller Welt, ausunterschiedlichen Konfessionen und Religionen zusammen. Rund 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer jedes Treffens kommen aus dem Ausland, aus etwa 80 verschiedenen Nationen.</p>
<p>Wer den Kirchentag besucht, erfährt: Die christliche Weltgemeinschaft und die religiösen Landschaften auf dem Globus sind bunt; es gibt leidenschaftliches Engagement viele kreative Ideen, die Glauben und Leben der Christen hierzulande bereichern. Damit trägt der Kirchentag nicht nur zur Ökumene, sondern auch zur Völkerverständigung bei.</p>
<p>Über die Ökumene zwischen Katholiken, Protestanten und weiteren christlichen Kirchen hinaus will der Kirchentag den Dialog der Religionen fördern. Jeder, der nach dem Sinn des Lebens fragt, kann auf Kirchentagen Antworten finden, die ihn weiterführen. Hier diskutieren Christen, Juden, Muslime, Buddhisten und Hindus miteinander und lernen voneinander.</p>
<h4>Kirchentag und Klimaschutz</h4>
<p>Der Kirchentag ist eine der umweltfreundlichsten Großveranstaltungen in Deutschland. In seiner Arbeitskultur ist Klimaschutz fest verankert. Mit einzelnen Aktionen während der Veranstaltungstage und in ihrer Vorbereitung weist er darüber hinaus immer wieder auf die Bedeutung der Bewahrung der Schöpfung hin.</p>
<p>Der Schwerpunkt Ernährung wird im Rahmen des Projektes <a title="Opens internal link in current window" href="http://www.kirchentag.de/das-ist-kirchentag/das-ist-kirchentag/klimaschutz/verpflegung/klever.html" rel="external nofollow">„KleVer – Klimaeffiziente Verpflegung bei Großveranstaltungen“</a> umgesetzt. Das Projekt setzt an einer klimafreundlichen Gestaltung aller Verpflegungsbereiche des Kirchentages an und erweitert den ökofairen Ansatz. Auch stellt Hamburg Wasser für den Kirchentag zahlreiche Wasserzapfsäulen auf, an denen es umweltfreundliches Leitungswasser als Durstlöscher gibt – „Soviel du brauchst“.</p>
<p> </p>
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		<title>Auf dem Weg zum umgekehrten Willen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2013/04/02/auf-dem-weg-zum-umgekehrten-willen/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Apr 2013 07:40:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anthroposophie]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>
		<category><![CDATA[Stille Meditation]]></category>

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		<description><![CDATA[Erfahrungen während eines Meditationsseminars mit Arthur Zajonc Der US-amerikanische Naturwissenschaftler und Anthroposoph Arthur Zajonc gehört zu den Pionieren, wenn es darum geht, zeitgemäße Formen von Meditation zu entwickeln. Auf einem Intensiv-Seminar für Führungskräfte in Deutschland gab er kürzlich Einblicke in seine Arbeit. „Und dann loslassen, innere Stille, leeres Bewusstsein“ – fast zwanzigmal gehe ich während [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Erfahrungen während eines Meditationsseminars mit Arthur Zajonc</h2>
<p><em>Der US-amerikanische Naturwissenschaftler und Anthroposoph Arthur Zajonc gehört zu den Pionieren, wenn es darum geht, zeitgemäße Formen von Meditation zu entwickeln. Auf einem Intensiv-Seminar für Führungskräfte in Deutschland gab er kürzlich Einblicke in seine Arbeit.</em></p>
<div id="attachment_5677" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/625256_original_R_by_Dorothea-Jacob_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5675]"><img class=" wp-image-5677 " alt="Foto: Dorothea Jacob  / pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/625256_original_R_by_Dorothea-Jacob_pixelio.de_-300x192.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Dorothea Jacob / pixelio.de</p></div>
<p>„Und dann loslassen, innere Stille, leeres Bewusstsein“ – fast zwanzigmal gehe ich während des Seminars an diese Schwelle zusammen mit 25 Führungskräften, Mediatoren und Organisationsberatern, die der Workshop <em>Meditation als Erkenntnisweg</em> nach Unterfranken an den Benediktushof gelockt hat, ein von dem Benediktiner Willigis Jäger geprägten spirituellen Zentrum. Arthur Zajonc, emeritierter Quantenphysiker und neuer Präsident des <em>Mind &amp; Life-Institutes </em>und Rudi Ballreich von der Trigon Entwicklungsberatung führen durch drei intensive Übungstage zur Erforschung meditativer Praktiken. So unterschiedlich die Berufs-, Lebens– und Alterssituation der Teilnehmer, so unterschiedlich ihre Erfahrungen, so ähnlich die Erwartungen an die gemeinsame Arbeit: Zu mir selbst kommen, Selbstführung entwickeln, die Wege dazu in meinen Alltag integrieren.</p>
<p>Arthur Zajonc beginnt schnell mit einer ersten Grundübung: „Bringe deinen Körper zur Ruhe, atme allen Stress aus, bringe deine Gedanken zum Schweigen, schicke alle Störungen ohne Urteile weg. Einatmen, Ausatmen – die Pause dazwischen verlängern: Leere, Ruhe. Kommt ein Bild? Ein neuer Gedanke? Zurück zum Ein– und Ausatmen. Danke für das Erfahrene, schreibe es auf.“</p>
<p>Die zweite Übung im Zen-Garten des Benediktushofes: Körperlich und innerlich zur Ruhe kommen, die Augen schließen, sich im Atmen verbunden fühlen mit der Welt, die Geräusche hören. Die Augen öffnen, sich umsehen: „Die Welt ist ein Wunder! Geh’ schweigend zurück ins Haus, danke für das Erfahrene, schreibe es auf. – Was hast du erfahren?“</p>
<h4>Die Bedeutung der Pforten</h4>
<p>Im ähnlichen Rhythmus sind alle Übungen angelegt. Arthur Zajonc weist immer wieder auf die ihm so wichtigen Pforten des Eintritts und des Verlassens des meditativen Raumes hin: „Das ist der ethische Boden.“ Die Eingangspforten charakterisiert er mit den Haltungen der Demut und der Ehrfurcht; der Weg zurück soll das Erlebte in Dankbarkeit in das Alltagsbewusstsein integrieren. Meditation und Alltag ins Bild gebracht: zwei sich kreuzende Wellen, die der <em>vita activa</em> und die der <em>vita contemplativa</em> – das wäre echte Lebenskunst!</p>
<p>Vielfältig und widersprüchlich sind die Berichte nach den Übungen. Zajonc: „Stay safe! Du kommst bei diesen ersten Erfahrungen in eine Verunsicherung. Geh nur sichere Schritte. Lerne zu unterscheiden, was sind deine Projektionen, was Spekulationen, was echte und neue Erfahrungen! Alles ist wertvoll!“ So wird der Workshop zu einem Forschungsfeld, in dem viele in ihren Konzentrationsbemühungen einander unterstützen und in ihren Berichten einen gemeinsamen empirischen Grundstock aufbauen.</p>
<p>In die nächsten Schritte führen uns zwei Übungen: die Konzentration auf die Worte Rudolf Steiners „Ich trage Ruhe in mir“ und auf einen Glockenton. Und wieder: das Thema sprechen oder den Klang erinnern, loslassen. – Leere. Das Fokussierte als Resonanz neu empfangen. Äußerst vielfältig und individuell sind die Nachklänge, die inneren Bilder, Worte, Symbole, welche die Teilnehmer schildern. In diesem Austausch schärft sich der Sinn für die Bewusstseinsebene der eigenen Aufmerksamkeit, wenn Vorstellen und Denken sich in Bilder und Symbole wandeln. Es ist die Stufe der Imagination. – Irrtum eingeschlossen!</p>
<h4>Höhere Bewusstseinsebenen</h4>
<p>Der Aufstieg geht weiter, mir scheint die Luft immer dünner zu werden.</p>
<p>Du fokussierst deine Aufmerksamkeit, du lässt los und kommst in ein offenes Gewahrsein, du erhältst eine Antwort … Kannst du nun auch noch diese loslassen und deine Aufmerksamkeit halten, dann richtet sie sich auf die bildschaffende Aktivität. Du kommst in ein fühlendes, nicht denkendes Verstehen: die Stufe der Inspiration.</p>
<p>Wie weit die nächste, die dritte und letzte Stufe, die der Intuition, des Eins-Seins mit dem Wesen, zu einer klaren und aussprechbaren Erfahrung wird? Arthur Zajonc lässt das behutsam stehen. Doch er berichtet von Marguerite Porète, die Ende des 13. Jh. in ihrem „Spiegel der einfachen Seelen“ alle scholastische Vernunft und Tugend hinter sich lässt, um ihre Lebenssumme, die ihr das Todesurteil der Inquisition einbrachte, zu formulieren: „Liebe die Liebe und tue, was du willst.“ Nicht der Ego-Wille ist das, sondern jener „umgekehrte Wille“, der erst ein „schauendes Bewusstsein“ ermöglicht, das in der Lage ist „die geistige Welt erlebend zu erkennen“, wie es Steiner in seinem Buch <em>Vom Menschrätsel</em>formuliert. Wer ist hier noch der Zeuge, der Erlebnisse <em>wahr</em>–nimmt? Zajonc liest diese Zeilen von Juan Ramón Jiménez (1881–1958) vor:</p>
<p>„<em>Ich bin nicht ich.<br />
</em><em>Ich bin jener,<br />
</em><em>der an meiner Seite geht, ohne dass ich ihn erblicke,<br />
</em><em>den ich oft besuche,<br />
</em><em>und den ich oft vergesse.<br />
</em><em>Jener, der ruhig schweigt, wenn ich spreche,<br />
</em><em>der sanftmütig verzeiht, wenn ich hasse,<br />
</em><em>der umherschweift, wo ich nicht bin,<br />
</em><em>der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe.“</em></p>
<p>In abendlichen Gruppengesprächen suchen Führungskräfte und Organisationsberater nach der Brücke von solchen kontemplativen Erlebnissen zu ihrem Berufsalltag. Allzu schnell scheint mir die direkte Verwertbarkeit gefragt.</p>
<p>Rudi Ballreich baut in seinen Übungen an dieser Brücke. Dabei bringt er die Teilnehmer in Bewegung und Begegnung. Vertikale Körpergesten der Schwere und der Leichtigkeit, des körperlichen Bei-sich-Seins und der Öffnung zu den Naturreichen im Zen-Garten lassen ein Verbunden-Sein mit dem „Welt-Willen“ ahnen. Horizontale Gesten der Hinwendung zum anderen eröffnen eine Ich-Du-Begegnung, in der das „stille Selbst“ den anderen „sprechen“ lässt.</p>
<p>Mit großem Vergnügen spielen sich Gruppen in stummen Gesten Begriffe vor, die andere Gruppen identisch nachspielen und so erraten sollen. Alle können erleben, wie schwer es ist, fertige sprachliche Begriffe zurückzuhalten.</p>
<p>Nach diesen Erfahrungen schildert Ballreich an konkreten Erfahrungen aus der Beraterpraxis den Gang durch die Bewusstseinsfelder, die zur Findung neuer betrieblicher und sozialer Strukturen führen können. Er folgt dabei der großen „<em>Presencing</em>“-Kurve aus Claus Otto Scharmers „<em>Theorie U“</em>.</p>
<p>Und hier wird deutlich, dass die archetypischen Übungen des Workshops einen Erfahrungs– und Fähigkeitenboden in neu zu bauende Landschaften schufen. Bei all den Grenzen und Grenzfragen, an die wir dabei stießen, über die der Blick auch hinausgehen konnte, hier passte Ballreichs zurückhaltende wie auch auffordernde Bemerkung: „Wegkundig werden!“</p>
<p> </p>
<h3><strong>„Wir brauchen eine Phänomenologie für unsere inneren Erlebnisse“</strong></h3>
<p><em>Im Gespräch mit Arthur Zajonc</em></p>
<p> </p>
<p><em>Wann bist du zum ersten Mal in Kontakt mit kontemplativen Übungen gekommen?</em></p>
<p>Ich war 20 oder 21 Jahre alt, studierte an der Universität von Michigan, und kam in eine echte Sinnkrise mit meinem Studium und mit meinem Leben. Da traf ich Professor Ernst Katz, der gab mir das Buch von Rudolf Steiner <em>Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten</em>. Ich war tief beeindruckt von diesem Buch und begann sofort mit den Übungen; auch zusammen mit anderen Studenten. Und das begleitete mich für mein ganzes weiteres Leben. Zuerst war das eine ganz persönliche Bemühung, dann kam in mir der Wunsch auf, von jemandem Unterricht zu bekommen. Doch es war sehr schwer jemanden zu finden. Hilfen für anthroposophische Studien, das gab es. Doch damals war man noch sehr scheu, auch kontemplative Übungen zu unterrichten. Dauernd hatte ich den Wunsch, dass dieser Teil unseres Strebens gefördert werde, nicht egoistisch, sondern auf einem guten ethischen Grund. So ging das über Jahre.</p>
<p>Als ich dann 1994 Generalsekretär der <em>Anthroposophical Society in America</em> wurde, habe ich die Initiative für Workshops in Meditation ergriffen. Ich habe vier Leute eingeladen und wir haben das gemacht. Das war die erste Probe auf meine eigenen Erlebnisse; denn ich war zu lange allein gewesen … Wir sollten uns nicht scheuen anderen zu helfen, wenn wir etwas zu geben haben. Ich empfinde es wie eine Pflicht, das zu tun, in aller Demut und mit all den Mühen, die man sich da auflädt. Heute ist das nicht nur in anthroposophischen Kreisen aktuell, sondern überall, ob in Universitäten oder anderswo. In den Seminaren für das Grundstudium habe ich mit meinen Studenten meditative Übungen gemacht, zum Beispiel in einem Kurs zu „Technik und Ethik“. Da gab es für jede Woche eine Übung, zu der sie dann auch ihre Notizen machen sollten.</p>
<p><em>Kannst du ein Beispiel geben?</em></p>
<p>Ein Thema war „Aufwachen und Schweigen“. Dazu lasen wir Texte von Schriftstellern. Oder wir verdunkelten den Raum und schauten uns auf einem Bildschirm Bilder eines Zen-Gartens an, so als wären wir in einem Kloster. Dann hörten wir ein Haiku von Matsuo Bash?, etwa dieses: „Der alte Weiher: Ein Frosch springt hinein. Oh! Das Geräusch des Wassers.“ Nun das Bild der Wellen im Wasser. Augen zu, Schweigen, Stille, tiefe Stille. Die erste Aufgabe war dann dies alleine zu wiederholen, entweder im eigenen Zimmer oder draußen in der Natur, und die tiefe Stille zu finden; dann das beschreiben, ganz einfach, phänomenologisch ohne komplizierte Analysen, einfach die Erfahrung beschreiben. In dieser Weise machten wir noch weitere Übungen.</p>
<p><em>Bitte skizziere den Weg durch die Meditation, den du entwickelt hast.</em></p>
<p>In den Workshops spreche ich immer von den Pforten der <em>Demut</em> und<em> Verehrung </em>hin zur Meditation und von den Pforten der <em>Dankbarkeit</em> und <em>Widmung</em> aus der Meditation. Im westlichen Stil der Meditation sind diese oft in Vergessenheit geraten.</p>
<p>Im Beginn soll man langsam zu einem Zustand der Ruhe kommen, man kann den Atemprozess fühlen und beruhigen. Dann wendet man sich den Pforten der <em>Demut</em> und <em>Verehrung</em> zu und kommt in die entsprechende Stimmung. Ich mache gerne den Vorschlag, ein Übungsthema aus der Natur zu nehmen; jeder hat die Möglichkeit für ein Gefühl von Staunen und Verehrung gegenüber der Natur. Du kannst dir die Vorstellung eines Sonnenunterganges an einem See herholen oder es auch direkt erleben. Du kannst sitzen, innerlich staunen oder auch dort stehen und staunen.</p>
<p>Es gibt auch die Möglichkeit zu beten. Für mich ist das ein wichtiger Aspekt für den Eintritt in die meditative Arbeit. Ich bete, jeden Tag morgens und abends; das ist mein Eintrittsmoment.</p>
<p>Also, du gehst durch diese beiden Pforten der Demut und Verehrung, du kommst in diese heilige Stille, wo du dein inneres Gleichgewicht gefunden hast. Da hast du etwas erreicht. Etwas ist jetzt, ein bisschen wenigstens, in Ordnung, das vorher nicht in Ordnung war.</p>
<p>Da steigt man etwas auf und kann fühlen, etwas ist hier höher als mein normales persönliches Leben, etwas aus der Ewigkeit, und das hat jetzt mit mir zu tun. Manche nennen es das „stille Selbst“ oder das „Nicht-Ich“. Es ist ein Moment, wo eine Art Geburt geschieht. Man kommt aus dem Persönlichen in ein Überpersönliches. Die Mantren, die Naturwahrnehmungen hebst du so auf eine neue Erfahrungsebene.</p>
<p>Jetzt erst bist du im Zentrum, im echten meditativen Leben. Das Vorherige waren Übungen, mehr Vorbereitungen. Jetzt erst kommst du in den zentralen Bereich.</p>
<p><em>Und was geschieht da?</em></p>
<p>Dort haben wir diesen Archetypus von Rhythmus, ähnlich dem Atmen, aber nicht mit Luft, sondern ein „Atmen im Licht“, wie Steiner das auch nennt. Ein kognitiver Atmungsprozess ist es. Man sieht etwas oder hört etwas, einen Glockenton zum Beispiel. Als ein kognitives Element kommt die Wahrnehmung in uns, über die Ohren, die Augen … Mit der fokussierten Aufmerksamkeit haben wir sie in unserem Bewusstsein. Und wenn du vollkommen voll bist mit dieser Erfahrung, dann loslassen: „Let it go!“<em> </em>Da bist du präsent – ohne Erwartung, ohne Kenntnis. Als Kenner haben wir schon eine Erwartung, was kommen soll. Hier aber sind wir Nicht-Kenner.<em> – </em>Und jetzt: Kommen lassen!</p>
<p>Wir sind in diesem heiligen Raum, in dem Gleichgewicht unseres inneren Lebens, das höhere, das stille Selbst ist geboren, wir sind in diesem zunächst kognitiven Atmungsprozess, wo man von der fokussierten Aufmerksamkeit auf einen Ton oder ein Wort zu einem Inhalt gelangt, der aus der Umgebung, das heißt aus der geistigen Welt zu uns kommt. – Einsicht. Man bekommt etwas!</p>
<p><em>Man bekommt etwas … Man versucht es zu beschreiben, zu verstehen. Was aber ist da Projektion, was Spekulation, was Erkenntnis? Woher bekomme ich die Sicherheit das zu werten?</em></p>
<p>Bei jedem wissenschaftlichen Arbeiten kann ich den Irrtum nicht ausschließen. Wie kann ich zu einer Urteilssicherheit kommen, dass etwas eine richtige Einsicht, eine Wahrheit ist? Es gibt, so denke ich, verschiedene Hilfen. Die eine ist Selbsterkenntnis. Die ersten Erfahrungen kommen eigentlich nur von uns, aus meiner Welt, nicht aus der geistigen Welt.</p>
<p><em>Projektionen?</em></p>
<p>Projektionen, aus meinem persönlichen Erleben, meinen Erinnerungen, meinen Wünschen. Da kommen in diese Stille alle diese Sachen herein. Puh! Es sieht aus, als ob es Gegenstände sind, als ob sie von außerhalb kommen; aber es sind nur Spiegelungen in der Seele, Spiegelungen unserer unbewussten Natur.</p>
<p>Aber man hat doch eine gesunde Selbsterkenntnis. Da bekomme ich schon das Gefühl, was von mir ist, was ist eine Illusion ist. Vielerlei kann da erscheinen: Ein inneres, ein geistiges Erlebnis will entstehen, aber es schiebt sich eine Art Schleier, ein Vorhang dazwischen. Auf ihm erscheinen Wünsche, antipathische oder sympathische Gefühle – vielleicht zu einem intimen Freund, wir haben Wünsche oder empfinden Liebe zu ihm. Wenn diese Wünsche oder Liebe nicht rein sind und in unserem Unterbewusstsein leben, dann fühle ich schon richtig, da kommt etwas zwischen mich und die Wahrheit. Und dann sehe ich, o ja, ich kann es sehen, das ist nur ein Teil von mir, der mir doch bekannt ist. Und das verschleiert das neue Erlebnis, das entstehen will. Das ist ein einfaches Beispiel.</p>
<p><em>Der Schleier, eine Hilfe?</em></p>
<p>Nein – oder doch, wenn du ihn erkennst. Wenn du merkst, das ist eine Illusion und die kommt öfters. Dann kannst du ihn zum Verschwinden bringen, und er geht allmählich weg. Dann erst hast du eine Klarheit, dass da etwas verfälscht erschienen ist.</p>
<p>Man kann auch das Erlebnis haben, wenn man tief drinnen ist in der Meditation, dass es dort sehr schön ist, wie in einer Landschaft, aus der man nicht mehr weg will. Und man sagt sich: Es ist so schön hier, warum soll ich wieder fortgehen? Da muss man schon eine innere Kraft aufbringen und sich sagen, ich habe noch meine Verantwortung für gute irdische Angelegenheiten, ich habe doch dieses mein Leben gewählt! Wie schön es hier auch ist, die Essenz daraus kann ich mitbringen ins Leben. Durch die Ausgangspforte gehe ich zurück und schließe die Tür.</p>
<p>Für die Natur können wir eine Goetheanistische Phänomenologie anwenden. Eine Phänomenologie brauchen wir auch für unsere inneren Erlebnisse, einfach die Phänomene betrachten, ganz ohne Spekulation, ohne Interpretation, bis etwas sich offenbart, bis es evident erscheint. Wir begegnen einem Mysterium, die alte Denkart ist zu tot dafür, um das neue Lebendige zu erfassen, es ist zu viel für unsere alte Denkart. Ein neues inneres Wahrnehmungsfeld tut sich auf. Das soll man in seiner Reinheit zunächst liegen lassen. Mit anderen Übungen können wir unser Denken in eine neue Lebendigkeit bringen. Und nur diese neugeborene Lebendigkeit des Denkens gibt uns die Möglichkeit ein adäquates Verständnis für diese neuen Wahrnehmungen zu bekommen. Das ist die Epistemologie der <em>Philosophie der Freiheit</em>: Man hat Wahrnehmungen, braucht die entsprechenden Begriffe dazu und kommt so ins Verstehen. Für neue Wahrnehmungen braucht man neue Begriffe. Steiner spricht oft vom lebendigen Denken. Was ist das? Das ist das, was man braucht, wenn man in einen lebendigen Bereich kommt. Erlebnisse im meditativen Bereich, die sind nun wirklich lebendig, und dafür brauchen wir die entsprechende Denkart.</p>
<p><em>Das Gespräch führte Thomas Wildgruber.</em></p>
<p>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/magazin/info3/archiv/2012/juni/auf-dem-weg-zum-umgekehrten-willen/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Juni 2012</a></p>
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		<title>Weltrevolution der Seele</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2013/02/03/weltrevolution-der-seele/</link>
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		<pubDate>Sun, 03 Feb 2013 12:23:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anthroposophie]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Integral/Evolutionär]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[Inter-Spirituelle Begegnung in Berlin Die Rosenkreuzer organisierten eine inter-Spirituelle Begegnung in Berlin mit Anthroposophen und Integralen Philosophen. Unter der Überschrift „Weltrevolution der Seele” fand am 2. Dezember 2012 in der Berliner Urania eine Veranstaltung statt, die einen Gesprächs-, Übungs– und Begegnungsraum für spirituell Suchende eröffnete. Organisiert wurde die Zusammenkunft von der „Stiftung Rosenkreuz zur Förderung hermetischen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/02/Mechanistische-Welt-Rom-716x694.jpg" rel="lightbox[5586]"><img class="alignright  wp-image-5587" style="margin-left: 10px;" alt="Mechanistische-Welt-Rom-716x694" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/02/Mechanistische-Welt-Rom-716x694-300x290.jpg" width="200" /></a>Inter-Spirituelle Begegnung in Berlin</h2>
<p><b>Die Rosenkreuzer organisierten eine inter-Spirituelle Begegnung in Berlin mit Anthroposophen und Integralen Philosophen.</b></p>
<p>Unter der Überschrift „Weltrevolution der Seele” fand am 2. Dezember 2012 in der Berliner Urania eine Veranstaltung statt, die einen Gesprächs-, Übungs– und Begegnungsraum für spirituell Suchende eröffnete. Organisiert wurde die Zusammenkunft von der „<a href="http://stiftung-rosenkreuz.org/veranstaltungen/alle/" rel="external nofollow">Stiftung Rosenkreuz </a>zur Förderung hermetischen und gnostischen Gedankenguts”. Es war somit kein Zufall, dass für das von den Veranstaltern gewählte Motto ein gleichnamiges Buch Peter Sloterdijks Pate stand, das sich mit gnostisch-hermetischen Denkweisen seit der Spätantike beschäftigt und das vergessene Potenzial abendländischer Esoterik ans Tageslicht rückt.</p>
<p>Die sich jeweils dem Rosenkreuzertum, der Anthroposophie und der Integralen Bewegung um Ken Wilber verbunden fühlenden Referenten Gunter Friedrich, Sebastian Gronbach und Matthias Ruff schilderten eindrucksvoll ihren inneren Entwicklungsgang, dessen Hintergrund die unterschiedlichen, aber auch viele Gemeinsamkeiten aufweisenden esoterisch-philosophischen Schulungswege bilden. Die Vorträge wurden immer wieder durch Wahrnehmungsübungen und kleinere Gesprächszusammenhänge unterbrochen, was der Veranstaltung ein unkonventionelles, ja erfrischendes Gepräge verlieh.</p>
<p>Religionswissenschaftlich Interessierte hätten sicher noch mehr über die historische Entwicklung und die ideellen Besonderheiten dieser drei spirituellen Richtungen erfahren wollen (von denen das im 17. Jahrhundert erstmals in Erscheinung getretene Rosenkreuzertum das organisations– und ideengeschichtlich am wenigsten zu fassende Phänomen darstellt) – aber dies war in der Kürze der Zeit kaum möglich. Stattdessen konnten die Teilnehmer etwas aus diesem Treffen mitnehmen, was keine noch so detaillierte Darstellung zu vermitteln imstande gewesen wäre: die Erfahrung, mit weltoffenen Menschen verschiedener Orientierungen und unterschiedlichen Alters – darunter einem türkischen Sufi-Meister, einem kurdischen Rosenkreuzer und einer erst 18-jährigen, esoterisch vollkommen unbelasteten Schülerin – in einen Dialog zu treten, der von echtem Interesse am Denken und Erfahren des Anderen gespeist war. – Eine Fortsetzung solcher „interdisziplinären” Zusammenkünfte wäre gerade für Berlin eine Bereicherung.</p>
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		<title>Die essenzielle Lehre der Weltspiritualität – Teil 1</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2012 12:17:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kerstin Tuschik</dc:creator>
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		<description><![CDATA[This entry is part 1 of 1 in the series Die essenzielle Lehre der WeltspiritualitätDas einzigartige Selbst, Weltspiritualität und der evolutionäre Wir-Raum Wake Up, Grow Up, Lighten Up, Show Up, Open Up TEIL 1 Unser Einzigartiges Selbst ist radikal einmalig, großartig und besonders in der Welt. Aber es ist noch mehr als das. Unser Einzigartiges [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div class="seriesmeta">This entry is part 1 of 1 in the series <a href="http://www.openmindjournal.com/series/die-essenzielle-lehre-der-weltspiritualitat/" class="series-235" title="Die essenzielle Lehre der Weltspiritualität">Die essenzielle Lehre der Weltspiritualität</a></div><h2>Das einzigartige Selbst, Weltspiritualität und der evolutionäre Wir-Raum</h2>
<h3>Wake Up, Grow Up, Lighten Up, Show Up, Open Up</h3>
<h4>TEIL 1</h4>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/Big-Picture.jpg" rel="lightbox[5379]"><img class="alignright  wp-image-5389" style="margin-left: 10px" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/Big-Picture-300x225.jpg" alt="" width="250" /></a>Unser Einzigartiges Selbst ist radikal einmalig, großartig und besonders in der Welt. Aber es ist noch mehr als das. Unser Einzigartiges Selbst ist ein Puzzlestück, das absolut notwendig ist, um ein viel größeres Puzzle zu vervollständigen. Die einzigartigen Konturen dieses Puzzlestücks sind es, die uns erlauben, uns mit allem-was-ist zu verbinden und unsere Gaben anzubieten. Unser Puzzlestück in die Welt zu bringen, fügt der Vollständigkeit des Kosmos eine nicht reduzierbare Dimension hinzu. Paradoxerweise ist diese Einzigartigkeit die Währung für Verbindung. Es ist das Tor zum größeren evolutionären Kontext, der unseren Dienst benötigt.</p>
<p>Aber es ist noch mehr als das. Unser Einzigartiges Selbst ist die Evolution, die als Wir aufwacht. Unser Einzigartiges Selbst wird durch seine Natur als Puzzlestück animiert. Als solches ist es ganz natürlich mit einem größeren Kontext verbunden, den es auf einzigartige Weise vervollständigt. Paradoxerweise sind es die einzigartigen Konturen unseres Einzigartigen Selbst, durch die die Entfremdung der Trennung überwunden wird. Das Einzigartige Selbst ist der Quellcode aller authentischen Beziehungen: Nur durch eine Bruder– und Schwesternschaft aus Einzigartigen Selbsten können wir anfangen, tiefe und liebende Transformation in die Welt zu bringen.</p>
<p>Als großes Verbindungsglied ist das Einzigartige Selbst die einzige Technologie, die den evolutionären Wir-Raum erschaffen kann, der notwendig ist, um die Evolution des Bewusstseins zu beeinflussen. Das Ego kann keinen evolutionären Wir-Raum erschaffen. Allerhöchstens kann das Ego in begrenzter Weise für ein größeres Gutes zusammenarbeiten. Bewusste Zusammenarbeit ist sicherlich besser als geistlose Konkurrenz, aber es fehlen der notwendige Eros und die Vorstellungskraft, um die Welt zu verändern. Das Einzigartige Selbst ist von Eros und Vorstellungskraft durchtränkt.</p>
<p>Man könnte annehmen, dass wir, um einen authentischen Wir-Raum zu fördern, einfach in unser Wahres Selbst eintauchen müssen. Das ist die Lehre der klassischen Erleuchtungstraditionen. Allerdings wissen wir, dass das Wahre Selbst keinen Wir-Raum erschaffen kann. Denn die komplette Anzahl der Wahren Selbste ist eins. Im großen unpersönlichen Reich des Wahren Selbst gibt es nur eins und nicht zwei und daher keine Beziehung und sicherlich keinen evolutionären Wir-Raum. Nur durch unser Einzigartiges Selbst können wir unser Getrenntsein transzendieren (die Trance beenden) und das größere Feld des Wir als einzigartige Emanation von Allem-Was-Ist betreten. Nur durch den tiefen und dynamischen Ausdruck unseres erleuchteten Einzigartigen Selbst können wir den evolutionären Wir-Raum erschaffen, der notwendig ist, um den Planeten zu heilen. Ein erleuchteter Wir-Raum, in dem Individuen und individuelle Systeme ein erleuchtetes Bewusstsein jenseits von Ego verwirklichen, ist die essenzielle Technologie der Transformation für morgen.</p>
<p>Es ist eine Technologie, die wir heute meistern müssen, um das erleuchtete Bewusstsein zu erreichen, das wesentlich ist, wenn wir einen Weg finden wollen, um Leiden zu heilen und unnötige Brutalität und Schmerzen zu vermeiden. Normales Bewusstsein erzeugt Leiden. Und wenn wir denken, dass dies nur ein spiritueller Aphorismus ist, dann brauchen wir nur die Hundert Millionen Menschen zu fragen, die im letzten Jahrhundert auf das Brutalste gefoltert und ermordet wurden – all das als direktes Ergebnis der verrückten Wahnvorstellungen eines habsüchtigen Egos. Das Ego des normalen Bewusstseins ist geisteskrank. Erleuchtung ist schlicht und einfach geistige Gesundheit. Im erleuchteten Raum realisieren wir, dass wir Teil des Einen sind. Wir erkennen, dass wir nicht allein sind, so dass es keinen Grund gibt, so verzweifelt zu klammern. Wir erkennen, dass wir nicht auf die Macht, Heilung oder Erfüllung begrenzt sind, die unserem getrennten Selbst zur Verfügung steht. Stattdessen wissen wir, dass all die Heilung, Güte, Macht und Tiefe von allem-was-ist in uns, als wir und durch uns lebt.</p>
<p>Dies nicht zu wissen, bedeutet nicht zu wissen, wer wir sind. Es heißt, dass wir essenziell verwirrt sind über unsere Identität. Die Verwirrung zwischen Ego und Einzigartigem Selbst ist weit substanzieller als die eines Menschen, der einfach glaubt, jemand anderes zu sein. Das ist eine unbedeutende Verwirrung der Identität und von daher eine unbedeutende Geisteskrankheit, wenn man es mit dem schieren Wahnsinn vergleicht, unser Ego anstelle von unserem Einzigartigen Selbst für unsere wesentliche Identität zu halten.</p>
<h4>Warum wird Erleuchtung von der Mainstream-Gesellschaft abgelehnt?</h4>
<p>Wie ist es, angesichts der Kraft des erleuchteten Bewusstseins, die ich gerade beschrieben habe, möglich, dass die Mainstream-Kultur sowohl im Osten wie im Westen das Erreichen von Erleuchtung als wesentliches menschliches Ziel abgelehnt hat? Müsste nicht diese Bewusstseinstransformation – die mehr für die Heilung des Planeten tun kann als irgendeine andere Kraft – das essenzielle und leidenschaftlich ersehnte Ziel sowohl jedes Einzelnen, als auch jedes Kollektivs sein? Und das ist es nicht. Erleuchtung ist einfach nicht Teil des Mainstream-Diskurses. Über Erleuchtung wird oft gespottet, und sie wird allerhöchstens als Randerscheinung und nicht als echte Option für ganz normale Menschen behandelt. Warum nicht?</p>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/Faces.jpg" rel="lightbox[5379]"><img class="alignleft  wp-image-5408" style="margin-right: 10px" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/Faces-300x225.jpg" alt="" width="250" /></a>Die Antwort ist einfach. Sie ist in die essenzielle Lehre der Erleuchtung des Einzigartigen Selbst verwoben. Und sie geht so: Die klassische Erleuchtung sagt, dass wir, um sie zu erreichen, unser Gefühl besonders zu sein überwinden und unsere wahre Identität als Teil des Einen erkennen müssen. Diese Anweisung wird von praktisch jedem abgelehnt, denn niemand möchte seine Besonderheit aufgeben. Wenn der Preis für Erleuchtung zu sein scheint, unseren innewohnenden Sinn einzigartig und besonders zu sein, aufgeben zu müssen, dann wird die Erleuchtung vom intelligenten Mainstream abgelehnt, weil sich in ihrem oder seinem Kern praktisch jede/r besonders fühlt. Die herrschende Annahme ist, dass man um besonders zu sein ein getrenntes Selbst sein muss, was die Kern-Intuition der westlichen Aufklärung ist (im Englischen <em>enlightenment</em>, was dasselbe Wort wie das für Erleuchtung ist – Anm. der Übersetzerin). Und so wird deutlich, dass die Kern-Intuition der westlichen Aufklärung – dass wir getrennt sind und damit besonders – der Kern-Intuition der östlichen Erleuchtung, die sagt, dass wir nicht getrennt und damit nicht besonders sind, widerspricht. Für den Westen ist die Bestätigung unseres besonderen getrennten Selbst der Schlüssel, um Leiden zu heilen, während für den Osten das Überwinden der falschen Empfindung des getrennten Selbst und der Besonderheit der Schlüssel zum Transzendieren des Leidens ist.</p>
<p>Wenn ein Mensch dieses quälende Gefühl der absoluten Besonderheit zu einem spirituellen Lehrer trägt, dann lautet die gewöhnliche Instruktion, dieses Gefühl besonders zu sein hinter sich zu lassen, weil dieser Wunsch nach und die Erfahrung der Besonderheit eine Funktion des unerleuchteten Egos sei. Diese Anweisung, die eine große Wahrheit enthält, ist in ihrem Kern nicht vollständig wahr. Sie ist wahr, aber nur teilweise. Denn sie versäumt es, zwei wesentliche Unterscheidungen zu treffen – und zwar die Unterscheidungen zwischen Getrenntsein und Einzigartigkeit und zwischen Einzigartigem Selbst und Ego. Auf der Ebene des Ego sind wir getrennt und nicht besonders. Das ist die richtige Kern-Intuition der östlichen Erleuchtung. Und aus diesem Grund müssen wir über unser Gefühl, ein besonderes getrenntes Selbst zu sein, hinauskommen. Aber auf der Ebene des Einzigartigen Selbst – jenseits unseres Getrenntseins – als einzigartigem Ausdruck des Einen sind wir absolut und ultimativ besonders. Dies bestätigt die besondere Würde des besonderen Individuums, was die Kern-Intuition der westlichen Aufklärung darstellt. Doch wir erkennen, dass wir nicht auf der Ebene des getrennten Selbst-Ego besonders sind, sondern auf einer viel höheren Ebene des Bewusstseins, der Ebene des Einzigartigen Selbst.</p>
<p>Wenn wir unsere Erleuchtung realisieren, geben wir die kleinen Spielchen des Egos auf, das versucht, seine Besonderheit zu bestätigen. Wir bewegen uns jenseits der Entfremdung des getrennten Selbst, um die Freude der Einzigartigkeit zu realisieren. Wir geben das Gefühl unseres kleinen Selbst, besonders zu sein, auf, während wir im weitesten Kontext anfangen, ein unendlich größeres Spiel zu spielen, das Spiel unserer Einzigartigen Perspektive, die ultimativ einzigartig und besonders ist und außerordentliche Gaben beinhaltet, die nur von unserem Einzigartigen Selbst gegeben werden können und müssen.</p>
<h4>Die Demokratisierung der Erleuchtung</h4>
<p>Diese Weiterentwicklung der Erleuchtungslehre ebnet den Weg für die Demokratisierung der Erleuchtung. Solange Erleuchtung den Verzicht auf die grundlegende Besonderheit eines jeden Menschen und eines jeden menschlichen Kollektivs zu fordern scheint, wird sie intuitiv durch die Massen abgelehnt werden. Und zwar nicht nur, weil sich die Massen an das Ego klammern, wie das Erleuchtungs-Lehrer oft behaupten, sondern weil sie eine — wenn auch unartikulierte — Intuition des Einzigartigen Selbst haben. Sobald dieser grundlegende Fehler im Dharma geheilt und weiterentwickelt wird – indem zwischen Trennung und Einzigartigkeit, Ego und Einzigartigem Selbst unterschieden wird, ist der Weg für die Demokratisierung der Erleuchtung offen. Jeder Mensch ist in der Essenz nicht vom Ganzen oder von anderen Menschen getrennt. Vielmehr ist der Mensch sowohl Teil des großen kollektiven Bewusstseins, der kreativen Kraft des evolutionären Eros, die alles, was ist, belebt und antreibt — als auch eine einzigartige Inkarnation der evolutionären Kreativität und des Eros. Jeder Mensch ist ein irreduzibler persönlicher Ausdruck des Prozesses, der unendliche Würde und Angemessenheit verkörpert, sowie ein singulärer Ausdruck von Kreativität und ein einzigartiges Geschenk. Da jeder Mensch einzigartig ist, ist jedes menschliche Wesen ein unersetzlicher und letztlich notwendiger Ausdruck des erleuchteten Bewusstseins.</p>
<p>Und nur durch Gemeinschaften, die auf diesem Wir-Raum erbaut wurden, die aus der Demokratisierung der Erleuchtung, entstanden aus der Lehre des Einzigartigen Selbst, auftauchen, können echte globale Gemeingüter gefördert werden, die den nächsten notwendigen und prächtigen Schritt in unserer Evolution darstellen. Es ist unsere Einzigartigkeit, die der Schlüssel zu unserer Gemeinschaft mit der Welt als Ganzer ist. Alles Individuelle und einzigartige Kollektive, das sich in den Religionen und großen Wissenssammlungen ausdrückt, ist ein Puzzle-Stück der aufstrebenden Ganzheit, die darauf wartet, von uns weiterentwickelt zu werden. GEIST wartet auf unser Entpacken. Dies ist der evolutionäre Impuls, der sich als GEIST-in-Aktion manifestiert.</p>
<p>Jede Tradition fungiert als eine Art von Makro-Einzigartigem Selbst, das eine bestimmte Medizin besitzt, die für die Gesundheit des Ganzen entscheidend ist. Und das ist einer der wesentlichen Gründe, dass wir, während wir berufen sind, zu unserem Einzigartigen Selbst zu werden, auch zu einer Weltspiritualität berufen sind, die mit bezwingender Überzeugungskraft zu den Hunderten von Millionen von Menschen spricht, die sich über die Religionen oder eine ausschließliche Identifikation mit einer der Traditionen hinausbewegt haben. Weltspiritualität ist nichts weniger als die großartige und dynamische Sammlung von Mikro-und Makro-Einzigartigen Selbsten, die die Welt mit ihren Einzigartigen Perspektiven beschenken, mit ihren Einzigartigen Gaben, und zwar auf eine Weise, dass das Eine und Ganze weiterentwickelt wird. Nur mit dieser Art von Gemeinschaft, in der die Gaben aller Traditionen berücksichtigt und in einer höheren integral-evolutionären Umarmung zusammengewoben werden, haben wir die Fähigkeit unsere Welt zu heilen.</p>
<h4>Das Warum der Weltspiritualität</h4>
<p>Weiter unten gibt es ein paar vorläufige Gedanken, die ich gern teilen möchte, in Bezug darauf, warum die Entwicklung einer Weltspiritualität das dringende Bedürfnis und große Abenteuer unserer Zeit ist. Dies ist keine fertige Abhandlung, sondern eher ein Satz von Rahmen-Einsichten, die aus meinem eigenen Gedanken-Prozess und aus tiefen Gesprächen mit Ken Wilber und anderen führenden Partnern zum Vorschein gekommen sind. Wir alle arbeiten eng zusammen, um eine authentische Weltspiritualität basierend auf integralen Prinzipien zu katalysieren, zu artikulieren und ihrem Auftauchen zu dienen, die das Potenzial hat, einen Kontext von Bedeutung und Sinn für Hunderte Millionen von Menschen herzustellen.</p>
<p>Ich werde mit einer kühnen und mutigen Aussage beginnen: nicht nur als persönliche Aussage, sondern im Auftrag dieser unglaublichen Gruppe von engagierten Leader aus der ganzen Welt, die zusammenkommen, um eine neue Bewegung des GEISTES zu katalysieren und zu verkörpern: die Weltspiritualität. Wir glauben, dass wir berufen sind, eine Vision von Weltspiritualität zu formulieren, die auf bezwingende Weise zu den Hunderten Millionen von Menschen spricht, die sich über die Religionen oder eine ausschließliche Identifikation mit einer einzigen Tradition hinausbewegt haben. Wir glauben, dass dies die nächste vitale Bewegung in der Evolution des Bewusstseins sein könnte.</p>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/cws11.jpg" rel="lightbox[5379]"><img class="wp-image-5403 alignright" style="margin-left: 10px" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/cws11-300x211.jpg" alt="" width="250" /></a>Wir glauben, dass Weltspiritualität den verzweifelt benötigten Integralen Rahmen im Quellcode des nächsten Jahrtausends darstellt. Bevor wir hier weitergehen, lasst uns klar und eindeutig sagen, dass Weltspiritualität ausdrücklich keine Weltreligion ist, in welchem Sinn oder welcher Form auch immer. Weltspiritualität ist eher wie eine Symphonie. In der Symphonie gibt es viele Instrumente. Jedes ist heilig. Jedes hat seine einzigartige Musik. Jedes steuert eine besondere Struktur und Klangtiefe zur Symphonie bei. Kein Instrument kann behaupten, die Musik selbst zu sein. Jedes verbeugt sich vor dem Herrn der Musik. Jedes Instrument spielt einen einzigartigen und wunderbaren Ton. Jedes hat oft eine einzigartige Medizin oder Einsicht.</p>
<p>Weltspiritualität beteiligt alle Instrumente des Wissens, einschließlich der alten Traditionen der Vormoderne, wie auch der Weisheitsströme der Moderne und Postmoderne.</p>
<p>Bei den alten Traditionen beziehe ich mich vor allem auf die großen Systeme der Religion und Philosophie. Bei den modernen Traditionen beziehe ich mich z.B. auf die Schulen der Psychologie. Bei den postmodernen Traditionen beziehe ich mich auf die Einsichten der de-konstruktivistischen Autoren, der Phänomenologie, der historischen Kritik, des Strukturalismus, der Ethnographie und weiterer. Jede große Tradition hat Einsichten in einen besonderen Bereich.</p>
<p>Jede hat eine besondere Medizin, die wir brauchen. Jede geht manchmal auch zu weit in ihren Behauptungen, dass ihre besondere Einsicht die ganze Geschichte ist. Das Teil gibt vor, das Ganze zu sein und muss berechtigterweise für dieses über das Ziel hinausschießen kritisiert werden. Weltspiritualität versucht, im Dialog mit all den großen Traditionen einen Rahmen zu formulieren, in dem alle Traditionen einen geehrten Platz am Tisch haben und von den Einsichten der anderen profitieren können, die in einer höheren integralen Umarmung verwoben werden. Die Aufgabe der Weltspiritualität ist es zu versuchen, ein stichhaltiges großes Bild zu zeichnen, in dem sich jeder Mensch in einem Kontext von Bedeutung, Sinn und Bestimmung verorten kann.</p>
<h4>Das Wer der Weltspiritualität</h4>
<p>In der gegenwärtigen Situation assimilieren viele Menschen in der Vorreiterrolle im Bereich von Kultur und Kreativität, die in die postmoderne Welt hineingeboren wurden, unbewusst deren Kritik an den großen religiösen Traditionen. Als Resultat werden Religion und manchmal der GEIST selbst niemals eine echte Option in ihrem Leben. Wenn ihnen überhaupt ein Wunsch bleibt, sich mit GEIST zu beschäftigen, irren sie oft ziellos umher und versuchen ihren Weg zu finden. Sie sind verwirrt und unfähig, sich mithilfe einer echten Weltsicht von Bedeutung zu orientieren, die überzeugt, erfreut und das alltägliche Leben mit Sinn und Richtung erfüllt.</p>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/Lost.jpg" rel="lightbox[5379]"><img class=" wp-image-5404 alignleft" style="margin-right: 10px" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/Lost.jpg" alt="" width="250" /></a>Weltspiritualität spricht genauso zu den Hunderten von Millionen von Kulturell Kreativen in der Vorreiterrolle auf der ganzen Welt, die das Gefühl haben, sich nicht in einer Tradition verorten zu können, wie auch zu denjenigen, die sich in einer Tradition eingerichtet haben, aber fühlen, dass ihre Identität und ihr Hunger nicht von dieser Tradition ausgeschöpft wird. Sie erfahren sich selbst als eine Art doppelte Staatsbürger – zutiefst in ihrer Tradition eingebunden, doch zugleich fühlen sie sich als Teil einer größeren globalen Gemeinschaft des GEISTES.</p>
<p>In der Weltspiritualität ist es eins unserer Schlüsselziele, eine Reihe von Schriften zu kreieren, die Suchenden helfen können, ein wenig Richtung und Anleitung auf dem Weg zu finden, die ihnen helfen zu identifizieren: Was sind die Themen, die adressiert werden sollten? Welche generellen Formen oder Typen von Praxis sollten geübt werden, um ein integriertes Leben auf dem spirituellen Weg des Lebens zu leben? In gewissem Sinne ist die Aufgabe des Rahmens der Weltspiritualität, den Menschen zu helfen, ein Unterscheidungsvermögen zu kultivieren, während sie ihren Weg zu finden suchen, der im GEIST auf einem echten Pfad von Verpflichtung und Freiheit gegründet ist.</p>
<h4>Neue Weltbedingungen katalysieren die Evolution einer neuen Weltspiritualität</h4>
<p>Es gibt sieben neue Bedingungen, die heute eine Weltspiritualität auf eine Weise, wie niemals zuvor in der Geschichte, sowohl möglich als auch notwendig machen:</p>
<p><strong>1) Globale Herausforderungen erfordern eine globale Antwort.</strong> Zum ersten Mal in der Geschichte sind die Kern-Herausforderungen des Überlebens, denen wir heute begegnen, nicht lokal auf eine bestimmte Religion, ein Land oder eine Region beschränkt. Es sind globale Herausforderungen, die von den realen Bedrohungen des Bodens, auf dem wir gehen und der Luft, die wir atmen, über den Welthunger, die Gefahr von nuklearen Waffen, die in die Hände eines Schurkenstaates fallen können, bis zu den dringlichen Fragen der sozialen und wirtschaftlichen Gerechtigkeit reichen. Es bleibt kein Ort in der Welt, um sich zu verstecken, und die alte spirituelle Wahrheit der essenziellen Einheit mit allem, der Interkonnektivität von allem, ist nicht mehr länger eine versteckte Lehre, sondern eine offensichtliche Wahrheit, die für alle sichtbar ist.</p>
<p><strong>2) Wann immer neue Lebensumstände eintreten, wird ein neuer evolutionärer Sprung im Bewusstsein und der Kultur benötigt, um mit ihnen umzugehen.</strong> Die globalen Herausforderungen, die UNS begegnen, benötigen die Evolution eines neuen spirituellen Bewusstseins, das einen evolutionären WIR-Raum von kollektiver Intelligenz fördert, die die notwendige erotische Vorstellungskraft besitzt, um den Pfad für den benötigten nächsten Schritt unserer Evolution aufzuzeichnen.</p>
<p>Wann immer es einen evolutionären Wandel in der Natur der Herausforderung gibt, gibt es einen entsprechenden Evolutionsschritt auf der Ebene der Antwort des GEISTES. In einer Zeit, in der die Bedrohungen Weltbedrohungen sind, muss die Spiritualität eine Weltspiritualität sein. Die Welt ist auf praktisch jeder Ebene der Realität in Aufruhr, auch wenn sie gleichzeitig von Möglichkeiten und Verheißungen schwanger ist. Vorbei ist die Ära, als es lokale Könige, Seher und Schamanen mit lokalen Themen zu tun hatten. Es gibt keine exklusiven lokalen Themen mehr. Alles beeinflusst alles andere. Alles ist wechselseitig verbunden und voneinander abhängig.</p>
<p>Natürlich war dies, von einer spirituellen Perspektive, durch die Augen des Herzens und des GEISTES gesehen, immer schon der Fall. Doch die essenzielle wechselseitige Verbundenheit der gesamten Realität war nicht offenkundig. Der König von Burma hatte kein sinnliches Gefühl oder einen Beweis dafür, dass seine Handlungen und Entscheidungen die alten indigenen Bevölkerungen beeinflussen, die die Amerikas bevölkert haben. Jetzt jedoch, wird die darunterliegende Ganzheit der gesamten Realität, die unentwirrbare gegenseitige Durchdringung all ihrer Teile, für das nackte Auge sichtbar. Man braucht sich nur einmal die umweltpolitischen und ökologischen Themen anzusehen, um die essenzielle Ganzheit, gegenseitige Verbundenheit und Unteilbarkeit zu realisieren.</p>
<p>Neue Weltbedingungen sind immer genau das, was den nächsten evolutionären Sprung katalysiert. Während wir realisieren, dass die Herausforderung, mit denen wir konfrontiert sind, Weltherausforderungen sind, realisieren wir, dass wir eine Weltspiritualität entwickeln müssen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Aber nicht nur, um diesen Herausforderungen zu begegnen.</p>
<p><strong>3) Weltspiritualität ist nicht nur eine Lösung für Probleme; sie ist auch der erfreuliche Ausdruck des sich entwickelnden Eros des Bewusstseins, der sein Potenzial verwirklicht, in der dialektischen Spannung zwischen Einheit und Vielfalt zu tanzen.</strong> Wir sind einzigartig und autonom als Menschen und Glaubenssysteme. Wir sind auch Eins in Gemeinschaft und sogar Einigkeit miteinander. Beides ist wahr. Autonomie und Kommunion, Verschiedenheit und Mehrheit, das Eine und die Vielen tanzen in einer höheren Integration zusammen, während eine Weltspiritualität aufzutauchen beginnt.</p>
<p>Paradoxerweise ist es gerade unsere Einzigartigkeit, die der Schlüssel zu unserer Kommunion ist. Die Realisierung der Weltspiritualität ist, dass Einzigartigkeit, nicht Gleichheit, die Währung für Verbindung darstellt. Alles Individuelle und einzigartige Kollektive, das sich in den Religionen und großen Wissenssammlungen ausdrückt, ist ein Puzzle-Stück der auftauchenden Ganzheit, die darauf wartet, von uns weiterentwickelt zu werden. GEIST wartet auf unser Entpacken. Dies ist der evolutionäre Impuls, der sich als GEIST-in-Aktion manifestiert. Jede Tradition, prämodern, modern und postmodern, hat eine besondere Medizin, die entscheidend für die Gesundheit des Ganzen ist.</p>
<p><strong>4) Viertens müssen wir dringend unsere Erinnerung wiederherstellen, nicht nur die Erinnerung an die Vergangenheit, sondern die Erinnerung an die Zukunft.</strong> Ohne dies gibt es wenig Hoffnung auf Heilung und Transformation, die unser individuelles und kollektives Bewusstsein so dringend benötigen. Und was ist Hoffnung anderes als eine Erinnerung an die Zukunft.</p>
<p>Was genau müssen wir erinnern? Einfach gesagt müssen wir uns an die Erzählung erinnern und sie wieder zurückgewinnen. Die Postmoderne wurde auf einer Ablehnung jeglicher großer Erzählungen aufgebaut. Metaphysik jeglicher Art wurde für den Feind gehalten. Jegliche Art von Grundsatz, Weltsicht oder großem Ganzen wurde als Verletzung der postmodernen Integrität geschmäht und abgelehnt. Paradoxerweise wurde es zur großen Erzählung der Postmoderne, dass es keine große Erzählung gibt. Jeder Kontext von Sinn oder Bedeutung, der uns in irgendeiner Weise leiten oder gar verpflichten könnte, wurde unterminiert.</p>
<p>Weltspiritualität akzeptiert diese Ablehnung der Metaphysik und der großen Erzählungen zum Teil. Sie erkennt und bestätigt die Kernintuition der Postmoderne, dass Kontext enorm wichtig ist und dass kein Wissen unabhängig von seinem Kontext existiert. Es ist darüber hinaus für uns alle klar, dass die großen Geschichten der Metaphysik, die alle behaupten, exklusive Wahrheit zu besitzen, die praktisch alle von verschiedenen Religionen sowohl spiritueller als auch säkularer Variation als Werkzeuge für Vorherrschaft missbraucht wurden, zum Wohle der Evolution der Liebe rekonstruiert werden müssen. Weltspiritualität basierend auf Integralen Prinzipien ist ein rekonstruktives Projekt.</p>
<p>Wir können den vorherrschenden großen Erzählungen nicht mehr erlauben, das Subjekt, das Persönliche und das Intime zu zerstören. Doch das heißt auch nicht, dass es keine Geschichte gibt. Alles Nicht-Wissen heißt nicht, dass wir nicht wissen. Alle metaphysische Unsicherheit heißt nicht, dass es keine post-metaphysische Sicherheit gibt.</p>
<p>Noch können wir die Dekonstruktion des GEISTES erlauben oder was Lewis Mumford die Disqualifikation des Universums und seine Reduktion zu geistlosem Flachland nennt. Auch wenn wir uns vor dem Mysterium des Nicht-Wissens verbeugen und die post-metaphysische evolvierende Natur unserer Gnosis erkennen, müssen wir unsere Geschichte und unsere Weltsicht auf einer höheren Ebene wieder zurückgewinnen. Wir müssen uns wieder mit Meta-Theorien und Denken im großen Ganzen beschäftigen. Um die Wahrheit zu sagen, gibt es eine ganze Menge, das wir in jeder Disziplin wissen. Wir haben tiefes Wissen, bei dem wir durch das vorsichtige Ausführen von Doppelblind-Studien sowohl im Bereich der physischen als auch der spirituellen Wissenschaften angekommen sind. Wir haben geteilte Tiefenstrukturen von Wissen und Bedeutung, bei denen die führenden Forscher des Geistes, des Herzens, des Körpers und des GEISTES unabhängig und praktisch unisono angekommen sind. Wir sind – das erste Mal in der Geschichte – in der Lage gewesen, die Daten zu sammeln, die die profunden geteilten Tiefenstrukturen des Wissens offenbaren, die ihnen allen gemeinsam ist. Dieses robuste Wissen formt die Basis für eine kraftvolle effektive und inspirierte menschliche Gebrauchsanweisung.</p>
<p>Und wenn wir diese beständigen Perlen des Wissens aneinanderreihen, taucht eine wahrhaft überwältigende integrale Weltsicht auf. Dies ist die Weltsicht einer Weltspiritualität. Doch in der wahnsinnigen Eile alles Wissen zu dekonstruieren, haben wir vergessen. Wir haben vergessen, dass wir wissen. Aber sogar noch mehr als das: wir haben vergessen, dass wir vergessen haben.</p>
<p>Es ist genau die vorherwissende Ahnung dieser Situation, die W. B. Yeats in seinen berühmten Zeilen bewegt hat:</p>
<blockquote><p><em>Und losgelassen nackte Anarchie,<br />
Und losgelassen blutgetrübte Flut,<br />
Das Spiel der Unschuld überall ertränkt;<br />
Die Besten sind des Zweifels voll, die Ärgsten<br />
Sind von der Kraft der Leidenschaft erfüllt.<br />
Gewiss steht jetzt bevor die Offenbarung;<br />
Gewiss steht jetzt bevor die Wiederkunft.</em></p></blockquote>
<p>Die Dekonstruktionen von Bedeutung und Sinn, ursprünglich motiviert vom Wunsch, den menschlichen Geist von den Fußfesseln der Tyrannei zu befreien, sind Amok gelaufen und haben die Wurzeln der großen Universums-Geschichte ausgerissen, die von Eros und Ethos handelt, von allem, was heilig und bedeutungsvoll ist. Also muss eine Weltspiritualität kühn, mutig und rigoros sein, während sie die tiefsten Strukturen unserer geteilten Bedeutung zusammenwebt, auf der die Geschichte basiert, die wir unseren Kindern weitergeben sollten. Es ist äußerst notwendig, das Universum wieder zu verzaubern und mit einer Geschichte zu versehen, um einen Kontext für das Leben zu schaffen, was das absolute Geburtsrecht für Milliarden von Menschen um den Globus herum ist, die von den übereifrigen Wellen der Dekonstruktion abgeschnitten wurden, die versucht haben, das Universum seiner Geschichte zu entledigen.</p>
<p><strong>5) Zum ersten Mal in der Geschichte gibt es eine kritische Masse von Menschen, die weltzentrisches Bewusstsein erreicht hat. Diese Menschen haben ihren Kreis von Sorge und Fürsorge jenseits ihrer ethnozentrischen Zugehörigkeit ausgedehnt.</strong> Sie sind in der Welt zuhause und fühlen sich für die Welt als Ganze verantwortlich und nicht nur für ihr Land oder ihre Religion. Ihnen ist mit einer ethnozentrischen Religion nicht gedient. Zum ersten Mal in der Geschichte gibt es Hunderte von Millionen gut ausgebildeter Menschen, die, obwohl sie ihr Zuhause nicht in den traditionellen Religionen finden, nach einem überzeugenden universellen Satz von spirituellen Prinzipien suchen, anhand derer sie ihr Leben leben können. Sie können nur von einer Weltspiritualität angesprochen werden.</p>
<p><strong>6) Zum ersten Mal in der Geschichte steht die Idee einer doppelten GEIST-Bürgerschaft zur Verfügung und kann ohne weiteres verstanden werden.</strong> Man kann nicht nur doppelter Staatsbürger sein, sondern auch seiner eigenen einheimischen oder gewählten Tradition verpflichtet und gleichzeitig Bürger einer Weltspiritualität.</p>
<p><strong>7) Zum ersten Mal in der Geschichte sind die profundesten Lehren genauso wie lebende Lehrer all der großen Systeme des GEISTES ohne weiteres in einer zwangsfreien und offenherzigen Form verfügbar, nicht nur für Menschen dieser besonderen Religion, sondern für alle, die zum Lernen und Praktizieren kommen wollen.</strong></p>
<h4>Das Was der Weltspiritualität</h4>
<p>An diesem Punkt ist es wesentlich, das Einzigartige Selbst im größeren globalen Kontext zu verorten, in dem wir leben. Einfach ausgedrückt ist die Erleuchtung des Einzigartigen Selbst eine der Kernprinzipien und Praktiken in der aufstrebenden Bewegung der Weltspiritualität. Also erscheint es an diesem Punkt zwingend erforderlich die Erleuchtung des Einzigartigen Selbst an den angemessenen Platz, als Magneten einer aufstrebenden Weltspiritualität, zu setzen.</p>
<p>Was sind die Hauptpraktiken einer Weltspiritualität? Weltspiritualität hat im Wesentlichen fünf Praktiken, die in der erwachten Realisation der Erleuchtung des Einzigartigen Selbst verwirklicht sind.</p>
<h4><em><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/3Faces.jpg" rel="lightbox[5379]"><img class=" wp-image-5405 alignright" style="margin-left: 10px" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/3Faces-300x229.jpg" alt="" width="250" /></a>Showing Up: Als Einzigartiges Selbst in Erscheinung treten</em></h4>
<p>Die Kernpraxis der Weltspiritualität ist das Erwachen oder die Erleuchtung des Einzigartigen Selbst eines jeden Individuums. Diese Demokratisierung der Erleuchtung fördert wiederum den evolutionären Wir-Raum der kollektiven Intelligenz und Kreativität, der für die Heilung und Transformation unserer Welt essenziell ist. Dies ist der nächste notwendige Schritt in der Evolution des Bewusstseins, die die Evolution der Liebe, die die Evolution Gottes ist.</p>
<p>Die erste Praxis wird in der Terminologie der Weltspiritualität Showing Up genannt: Als Einzigartiges Selbst aufzutauchen und unsere Einzigartigen Gaben zu geben, heißt als Evolution zu erwachen – als persönliches Gesicht des evolutionären Prozesses.</p>
<h4><em>Waking Up: Zustände des Bewusstseins und das Einzigartige Selbst</em></h4>
<p>Aufwachen bedeutet, sich vom Getrennten Selbst zum Wahren Selbst zu bewegen. Aufwachen heißt, zu unserer wahren Natur zu erwachen. Zu wissen, dass wir nicht nur ein in Haut eingehülltes Ego sind, sondern Essenz. Aufwachen ist die kontinuierliche Bewegung vom Ego zur Essenz. Im Aufwachen realisieren wir unsere wahre Identität; wir sind ein unteilbarer Faden im nahtlosen Mantel des Universums.</p>
<p>In der Welt der prämodernen klassischen Traditionen wurde angenommen, dass die nicht-duale Erfahrung des Erwachens, die eines Wahren Selbst war, von dem man annahm, dass es für alle Menschen dasselbe war. Denn in der prämodernen Welt war die Zentralität von Perspektiven noch nicht bekannt.</p>
<p>In der modernen und besonders der postmodernen Welt, in der Perspektiven im Mittelpunkt stehen, fangen wir an zu verstehen, dass Erleuchtung nicht unqualifiziert ist, wie die Alten glaubten. Stattdessen hat Erleuchtung immer eine Perspektive. Die Perspektive unseres Einzigartigen Selbst. Nicht zufällig finden wir Samen des neuen Erleuchtungsmodelles in der westlichen Erleuchtungstradition mit ihrer profunden Betonung von Gottes Stimme in den heiligen Texten, die ihre Absicht durch die einzigartige Perspektive des Lesers offenbart. Diese proto-postmoderne Sicht wird erst in der Lehre des Einzigartigen Selbst, die uns lehrt, dass das volle Erwachen nicht mit dem Wahren Selbst endet, vollkommen verständlich. In der Postmoderne realisieren wir, dass alles – einschließlich Erleuchtung – eine Perspektive hat. Während die letzten Reste des Schlafes aus unseren Augen gewischt werden, lassen wir uns tiefer fallen und realisieren, dass wir nicht nur Essenz sind, sondern das persönliche Gesicht der Essenz. Wir sind Teil des nahtlosen Mantels des Universums, der nahtlos ist, aber nicht eigenschaftslos. Kurz: wir realisieren, dass das Wahre Selbst immer durch ein einzigartiges Augenpaar schaut. Wir erwachen zu dem Wissen, dass Erleuchtung immer eine Perspektive hat. Unsere Perspektive. Aufwachen bedeutet also zur vollen Realisation unseres Einzigartigen Wahren Selbst zu erwachen.</p>
<p>Unser Einzigartiges Selbst ist der höchste Ausdruck unseres erwachten Selbst. Das Einzigartige Selbst ist nicht unsere Typologie, sondern unser vollkommen erwachter einzigartiger Ausdruck, der immer von unserer Einzigartigen Perspektive gebildet wird. Wahres Selbst + Perspektive = Einzigartiges Selbst. Aufwachen bedeutet zu unserer Wahren Natur zu erwachen. Unsere wahre Natur ist, dass wir nicht getrennt sind, sondern ein Teil von allem, was ist. Darüber hinaus sind wir ein unendlich einzigartiger Ausdruck von allem, was ist. Wir erwachen als persönliches Gesicht der Essenz, deren Herz ein einzigartiger Ausdruck der Unendlichkeit von Intimität ist, die das Herz des Kosmos ist. Diese demokratische Realisierung transzendiert alle Traditionen und schließt sie ein. Sie ist eine geteilte Praxis der Weltspiritualität.</p>
<h4><em>Growing Up: Stufen des Bewusstseins und das Einzigartige Selbst</em></h4>
<p>Aufwachsen heißt, die Ebene unseres Bewusstseins zu erhöhen. Wir wachsen zu höheren und höheren Ebenen des Bewusstseins heran. Unsere Bewusstseinsebene ist der Satz von impliziten organisierenden Prinzipien, die unsere Weltsicht erschafft. Diese aufsteigenden Ebenen oder Strukturen des Bewusstseins wurden durch extensive interkulturelle Studien ermittelt, die von führenden Ego-Entwicklungswissenschaftlern während der letzten fünfzig Jahre erstellt wurden. Zum Beispiel hat es sich gezeigt, dass sich Menschen bei einer gesunden Entwicklung von egozentrischem über ethnozentrisches und weltzentrisches zu kosmozentrischem Bewusstsein entwickeln. Jede Ebene dehnt unsere gefühlte Empfindung von Liebe und Empathie auf weitere und weitere Kreise von Fürsorge aus.</p>
<p>Zuerst sorgen und kümmern wir uns um uns selbst und unseren unmittelbaren Kreis. Auf der zweiten Ebene, ethnozentrisch, erweitert sich unsere Identität zu einer gefühlten Empfindung von Empathie und Verbindung mit einem größeren gemeinschaftlichen Kontext. Auf der dritten Ebene, weltzentrisch, wechselt unsere Identität zu einer gefühlten Empathie mit der gesamten lebenden Menschheit. Auf der vierten Ebene bewegen wir uns über die Menschheit hinaus und erfahren eine gefühlte Empfindung von Verantwortung und Empathie für alle fühlenden Wesen durch alle Zeiten hindurch, rückwärts und vorwärts. Diese letzte Evolution des Bewusstseins ist auch als Bewegung vom ersten zum zweiten Rang des Bewusstseins beschrieben worden. Eine der Schlüsselerkenntnisse der Entwicklungsforschung ist, dass, wenn wir uns zu immer höheren Stufen des Bewusstseins des Zweiten Rangs hochentwickeln, unsere Einzigartige Perspektive ohne weiteres verfügbar wird. Einfach ausgedrückt wird, den führenden Entwicklungstheoretikern zufolge, je weiter wir aufwachsen, umso mehr unser Einzigartiges Selbst zu Tage kommen. In der Tat heißt, unser Einzigartiges Selbst zu realisieren, ein Erwachsener zu sein.</p>
<h4><em>Lighten Up: Das Aufleuchten des Einzigartige Selbst </em></h4>
<p>Aufleuchten ist einfach ein Schlagwort für Schattenarbeit, die eine essenzielle Komponente jeder integralen Weltspiritualität darstellt. Die volle Erkenntnis der Notwendigkeit für formale und andauernde Schattenarbeit ist eine moderne und postmoderne Erkenntnis, die in den großen Traditionen implizit enthalten, aber nicht voll entwickelt ist. Es blieb Freud und Jung und ihren jeweiligen Schülern vorbehalten, Schattenarbeit zu einer wesentlichen Dimension der vollen menschlichen Entwicklung und Gesundheit zu machen. In der Lehre des Einzigartigen Selbst wird die Bedeutung der Schattenarbeit signifikant weiterentwickelt.</p>
<p>Schatten wird schließlich als Verzerrung des Einzigartigen Selbst erkannt. Schatten ist eine Funktion ungegebener Gaben und ungelebten Lebens. Aufleuchten heißt, unseren Einzigartigen Schatten zu identifizieren und zu unserem Einzigartigen Selbst zurückzuverfolgen, zu unserer einzigartigen Wellenlänge von Licht. Nur im Lichte dieses Verständnisses des Einzigartigen Selbst macht es Sinn unseren Schatten zu integrieren, denn wir integrieren unser eigenes verlagertes Einzigartiges Selbst. Dies ist im Wesentlichen der Weltspiritualitätsprozess des Aufleuchtens, den wir Schattenintegration nennen.</p>
<h4><em><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/Morningglory.jpg" rel="lightbox[5379]"><img class=" wp-image-5406 alignleft" style="margin-right: 10px" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/Morningglory-289x300.jpg" alt="" width="200" /></a>Opening Up: Einzigartiges Selbst und Liebe</em></h4>
<p>Aufmachen heißt, sich zu öffnen für die Liebe und die Liebe zu verkörpern. Aus der Perspektive der Lehre des Einzigartigen Selbst hat Liebe drei wesentliche Komponenten. Liebe ist im Grunde keine Emotion, sondern eine Wahrnehmung des Einzigartigen Selbst. Zu lieben heißt einander zu erkennen. Der Liebende hat Augen, um die persönliche Essenz der oder des Geliebten zu sehen und ihn oder sie mit dieser Essenz zu identifizieren.</p>
<p>Liebe ist eine Wahrnehmung des Einzigartigen Selbst. Noch prägnanter ist Liebe ein Wahrnehmungs-Identifikations-Komplex des Einzigartigen Selbst. Zu lieben heißt nicht nur die einzigartige wunderschöne Essenz der Geliebten wahrzunehmen, sondern sie mit dieser Essenz zu identifizieren.</p>
<p>Zweitens heißt Liebe durch den Schmerz hindurch offen zu bleiben. Zu lieben heißt, sich zur vollen Tiefe des Lebens zu öffnen trotz Verletzungen, die uns dazu verführen, uns zu verschließen und zusammenzuziehen. Wir können nur als unser Einzigartiges Selbst offen bleiben. Das Ego kann niemals offen bleiben, wenn es sich angegriffen fühlt.</p>
<p>Drittens heißt Liebe zu geben. Liebe heißt, uns zu verpflichten, unser Ego auszusetzen und anderen zutiefst zugunsten ihres höheren Guten zu geben, was immer das sein mag. Wieder einmal können wir nur aufhören, einen anderen zu benutzen, um unsere eigene Existenz zu fördern, und wirklich einem anderen geben, nachdem wir uns jenseits der Identifikation mit unserem Ego entwickelt und unser Einzigartiges Selbst realisiert haben.</p>
<h4><em>Showing Up: Einzigartiges Selbst und Einzigartige Gabe</em></h4>
<p>Es ist die Matrix von Aufwachen, Aufwachsen, Aufleuchten und Aufmachen, die uns erlaubt, als unser Einzigartiges Selbst aufzutauchen. Es ist unser Einzigartiges Selbst, das unsere Einzigartige Gabe zur Geburt bringt. Unsere Einzigartigen Gaben sind das, was uns ermöglicht, ein Einzigartiges Bedürfnis anzusprechen, das eine Erfüllung benötigt.</p>
<p>Die Haupterkenntnis einer Weltspiritualität ist, dass jeder Mensch sowohl Teil des Ganzen als auch zur gleichen Zeit ein Hohepriester oder eine Hohepriesterin in seiner oder ihrer Religion des Einen ist. Die Kernverpflichtung, Freude und Verantwortung unseres Einzigartigen Selbst besteht darin, unsere Einzigartigen Gaben zu geben, die ein einzigartiges Bedürfnis im Kosmos erfüllen, das von uns und nur von uns erfüllt werden kann.</p>
<p><em><strong>Fortsetzung folgt…</strong></em></p>
<p><em>Der gesamte Artikel im Original: </em><a href="http://www.ievolve.org/essential-world-spirituality-teaching/" rel="external nofollow">http://www.ievolve.org/essential-world-spirituality-teaching/</a></p>
<p><em><strong>Übersetzung durch Kerstin Tuschik</strong></em></p>
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		<series:name><![CDATA[Die essenzielle Lehre der Weltspiritualität]]></series:name>
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		<title>Hildegard die Kirchenlehrerin</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/09/14/hildegard-die-kirchenlehrerin/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Sep 2012 19:11:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[Hildegard von Bingen wird am 7. Oktober 2012 vom Vatikan zur Kirchenlehrerin ernannt Ein Interview über Hildegard von Bingen mit Wighard Strehlow Am 7. Oktober wird Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin ernannt, um ihren Einfluss auf die theologische Lehre der katholischen Kirche zu honorieren — mit Theresa von Avila, Katharina von Siena und Therese von Lisieux wurde diese Ehrung bisher erst drei Frauen zuteil. Wie bewerten Sie Hildegard von [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Hildegard von Bingen wird am 7. Oktober 2012 vom Vatikan zur Kirchenlehrerin ernannt</h2>
<p>Ein Interview über Hildegard von Bingen mit Wighard Strehlow</p>
<div id="attachment_5245" class="wp-caption alignright" style="width: 215px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/Hildegard.png" rel="lightbox[5241]"><img class="size-medium wp-image-5245" title="Hildegard von Bingen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/Hildegard-205x300.png" alt="" width="205" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: Wikipedia</p></div>
<h4>Am 7. Oktober wird Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin ernannt, um ihren Einfluss auf die theologische Lehre der katholischen Kirche zu honorieren — mit Theresa von Avila, Katharina von Siena und Therese von Lisieux wurde diese Ehrung bisher erst drei Frauen zuteil. Wie bewerten Sie Hildegard von Bingens Rolle in der katholischen Kirche?</h4>
<p>Noch nie hat die Menschheit eine Prophetin gesehen, die in ihrer Heilsbotschaft Medizin, Theologie, Kosmologie und Spiritualität miteinander verbunden hat. Keine der drei anderen Kirchenlehrerinnen hat eine so vollständige Verhaltenslehre geschrieben, mit der Transformation von 35 psychosozialen Fehlern in 35 spirituelle Heilmittel. Durch die Ernennung zur Kirchenlehrerin der Weltkirche wird die Hildegard Botschaft nun auch offiziell ihren Einfluss auf die gesamte christliche Kirche ausüben.</p>
<p>833 Jahre nach Hildegard’s Tod musste es dauern, fünf gescheiterte Heiligsprechungsverfahren und einen deutschen Papst bis die bereits zu Lebzeiten als heilig verehrte Hildegard von Bingen in einem Ausnahmeverfahren, dass sich „gleichwertige Kanonisation“ nennt, offiziell heilig und als Kirchenlehrerin „Doctor ecclesiastica“ anerkannt wurde.</p>
<h4>In Ihren Büchern heben Sie immer wieder hervor, dass Hildegard von Bingen sich der Erhaltung und Wiederherstellung einer „umfassenden Gesundheit“ verschrieben hatte. Heutzutage erfahren ganzheitliche, multidimensionale Konzepte aus Medizin, Theologie, Musik und Kosmologie großes Interesse – inwieweit legte Hildegard von Bingen hier den Grundstein?</h4>
<p>Den Grundstein legen kann nur wer die Größe und die Kräfte des Universums vor Augen hat, wie Hildegard von Bingen (1098 – 1179). Glasklar wie ein Kristall hatte sie als größte deutsche Prophetin unsere Krisenzeit als eine Zeit der „geistigen und seelischen Umnachtung“ vorausgesehen und angekündigt, dass die krisengeschüttelte Welt mit ihrer Raubtier Elite aus Geldgier, Korruption, Maßlosigkeit und Arroganz wie „faules Holz“ im Wasser versinken wird und ein neues christliches Zeitalter anbrechen wird. Für diese Zeit hat sie ihre Heilkunde geschrieben, die erst vor 60 Jahren von Dr. Gottfried Hertzka entdeckt und heute praktiziert wird. Mit ihrem medizinischen Buch über die „Ursachen und Behandlungen der Krankheiten“ legte sie das Fundament für eine ganzheitliche Heil–Kunde, als Wissenschaft, die nicht nur der Reparatur von Krankheiten, sondern dem Heilen des ganzen Menschen verpflichtet ist.</p>
<p>Sie schrieb die erste deutsche Naturheilkunde „Physica“, in der sie über 2000 natürliche Heilmittel in den Bäumen und Früchten, Gewürzen und Heilkräutern, Tieren, Vögeln, Fischen, Edelsteinen und Metallen in neun Büchern zusammenfasste.</p>
<p>Hildegard legte den Grundstein für eine gesunde Ernährung auf der Basis von Dinkel, Obst und Gemüse und bietet damit eine zeitlose Orientierung für eine durch fast food und Softdrinks fehlgeleitete Industrieernährung.</p>
<h4>Inzwischen setzt bei vielen Menschen eine Art Rückbesinnung ein, die Sehnsucht nach einem naturverbundenen Leben scheint größer denn je. Woran könnte das liegen? Und wächst damit auch das Interesse an einer traditionellen Naturheilkunde, wie Hildegard von Bingen sie überlieferte?</h4>
<p>Man muß nicht gerade Medizin studiert haben, um zu erkennen, dass die Unheilbarkeit von über 80 Prozent allen Krankheiten, wie Herzversagen, Krebs, Diabetes oder Rheuma, ein deutliches Zeichen für die Ohnmacht des heutigen Krankheitssystems darstellt. Ein System das jährlich über 300 Milliarden Euro kostet und sowenig Erfolg bietet, benötigt dringend ein neues Konzept.</p>
<p>Die Vernachlässigung der Ganzheit des Menschen ist die Ursache für viele der heutigen Probleme. Da jedoch im ganzheitlichen Gesundheitssektor die größten Produktionsreserven schlummern und die naturwissenschaftlich ausgerichtete Medizin wie auch die Psychodisziplinen diese Potentiale nur begrenzt erschließen, wird das Interesse an einer Ganzheitsmedizin wie das der Hildegard von Bingen zunehmen.</p>
<p>Sowohl ökonomische als auch medizinische Untersuchungen bestätigen, dass der Wunsch der Bevölkerung gesund zu bleiben, die Wirtschaft fundamental beeinflussen wird und ein Wirtschaftswachstum auf dem Gebiet von Gesundheit und Wohlbefinden von ungeahnten Größe auslösen wird, siehe dazu das Buch »Der sechste Kondratieff« des Ökonomen und Zukunftforschers Leo Nefiodow.</p>
<h4>Haben Sie als Leiter der Hildegard Praxis Erfahrungen gesammelt, wie sich die Heilkunde der Hildegard von Bingen mit der modernen Medizin kombinieren lässt?</h4>
<h4>Anders gefragt: Wie sieht Ihre Vision einer modernen Medizin aus, die den technischen Fortschritt der so genannten Schulmedizin mit der Weisheit der Naturheilkunde versöhnt und vereint?</h4>
<p>Die moderne Medizin als Akutmedizin mit ihren diagnostischen und operativen Leistungen hat die Lebensqualität erheblich verbessert. Im Gegensatz dazu beruht die medizinische Behandlung von ganzheitlichen Krankheiten wie Herzschwäche, Schlaganfall, Krebs, Bluthochdruck oder Rheuma mit chemischen Arzneimitteln auf veralteten Konzepten einer materialistischen Weltanschauung, vollkommen unbrauchbar im Zeitalter der Psycho-Somatik.</p>
<p>Hier hat die Hildegard Heilkunde ihren Schwerpunkt und ist mit ihren spirituellen, geistigen, psycho-sozialen und physischen Zusammenhängen eines der vollständigsten und erfolgreichsten Psycho-Somatik des dritten Jahrtausends. Keine der modernen Verhaltenstherapien erreicht auch nur annähernd Hildegard’s Ganzheitlichkeit.</p>
<h4>Wie hätte Hildegard von Bingen, würde sie heute noch leben, sich zur derzeitigen Lage der Welt geäußert?</h4>
<p>Die derzeitige Lage der Welt wird durch Krisen auf allen Gebieten unseres Lebens beherrscht: Finanzkrise, Krisen auf den Gebieten der Politik, Medizin, Erziehung, des Lebensstils, wobei die Geldgier Elite keine Lösungen, sondern munter großen Nutzen aus der allgemeinen Verwirrung zieht. Hinzu kommt eine geistige Leere und Gott– und Naturferne, wahrnehmbar als Burn Out –Volksseuche Nr.1.</p>
<p>Hildegard hat in ihren Visionen eine göttliche Welt gesehen, in der wir die Gegenwart Gottes und der Schöpfung erleben können. Weil sie das Ganze kannte und den Mensch im Mittelpunkt des Universums sieht, trifft ihre Botschaft über alle Zeiten hinweg den heutigen Menschen mitten ins Herz.</p>
<p>Zur Verfügung gestellt vom Verlag Lüchow, Teil der Verlagsgruppe <a href="http://shop.weltinnenraum.de/Verlage/J-Kamphausen/" target="_blank" rel="external nofollow">J. Kamphausen</a></p>
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		<title>Die Welt als Innenwelt</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Sep 2012 22:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>
		<category><![CDATA[Weltspiritualität]]></category>
		<category><![CDATA[admin]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich gehöre dazu. Dies ist für mich die essenzielle spirituelle Erfahrung. Ich bin hier nicht fremd, hier auf der Welt, ich bin geborgen in dem, was mich umgibt. Die ganze Welt ist Innenwelt – meine Innenwelt und ebenso auch deine und eure. Wir sind miteinander verbunden, connected, verwoben, vielfältig verflochten, interdependent. Niemand ist draußen, alles [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5232" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/563421_original_R_K_B_by_Peter-Smola_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5229]"><img class=" wp-image-5232 " title="Das Ganze im Kleinen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/563421_original_R_K_B_by_Peter-Smola_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Peter Smola / pixelio.de</p></div>
<p>Ich gehöre dazu. Dies ist für mich die essenzielle spirituelle Erfahrung. Ich bin hier nicht fremd, hier auf der Welt, ich bin geborgen in dem, was mich umgibt. Die ganze Welt ist Innenwelt – meine Innenwelt und ebenso auch deine und eure. Wir sind miteinander verbunden, connected, verwoben, vielfältig verflochten, interdependent. Niemand ist draußen, alles und jeder gehört mit dazu. Und wenn etwas endet, verwandelt es sich nur, nichts geht verloren. Seit ich das weiß, habe ich mich nie mehr einsam gefühlt, nie mehr verloren, habe Verluste ohne Angst ertragen können und gehe mit meinem Besitz – auch dem an Wissen und Erfahrung – anders um als vorher, und ebenso mit meiner Sterblichkeit, der Begrenzheit der Zeit, die mir hier gegeben ist.</p>
<h4>Bitte keine Weichzeichner</h4>
<p><strong></strong>Dieses Wissen um die Einheit und die Geborgenheit von allem und allen in diesem Ganzen verführt mich jedoch keineswegs dazu, die vorhandenen Unterschiede zu vernebeln oder zu verwässern. Die Erfahrung der Einheit und das damit verbundene Wissen um die untrennbare Zusammengehörigkeit des Ganzen als Weichzeichner für die Randschärfen der Teile innerhalb des Ganzen zu verwenden wäre eine Sünde, ein Missbrauch. Zu analysieren und zu differenzieren, genau definierte Worte zu verwenden und dabei logisch klar und kompromisslos scharf zu denken sind für mein Verständnis nicht nur hochkompatibel mit spiritueller Erfahrung und dem Wissen um die Einheit des Ganzen, sondern notwendig.</p>
<p>Zum für mich Peinlichsten gehört, wenn das eine mit dem anderen verwechselt wird. Wenn die tiefe Akzeptanz des Lebens und der Natur und der Welt wie sie ist verwechselt wird mit einer Haltung, die alles irgendwie durchgehen lässt, weil ja alles eins ist und irgendwie stimmt und auch dazu gehört und irgendwie so ganz okay ist. Wenn dann noch einer sagt, ich solle mich entspannen, weil ich etwas genau nehme, reicht’s mir schon wieder für diesen Tag. Mit dieser Art Pseudospiritualität habe ich über die Jahre genug zu tun gehabt, beruflich wie privat. Dass alles eins ist, heißt nicht, dass alles egal ist. Beliebigkeit und Wurschtigkeit sind keine spirituellen Qualitäten.</p>
<h4>Tröste-Spiritualität</h4>
<p>Noch immer ist es so, dass hierzulande und in vielen Teilen der Welt Spiritualität als etwas verstanden wird für Leute, die alles süß und kuschelig haben wollen, weil sie mit der harten Welt da draußen nicht gut umgehen können. Eine Freizeitbeschäftigung für Romantiker, für in Gefühlen schwelgende Frauen (von denen die Männer meinen, sie seien »spirituell« nur deshalb, weil sie nicht richtig logisch denken könnten) und für vom Leben an der Rand gespülte Menschen mit Schicksalsschlägen, die man irgendwie trösten muss, damit dass auch sie das Gefühl haben dazu zu gehören, und dass alles irgendwie gut ist und Sinn macht, auch das Schlimmste und Schrecklichste. Solch eine Tröste-Spiritualität finde ich genauso abstoßend wie die Weichzeichner-Variante, oder die Variante der schäfischen Duldung, dass Gott das alles so wolle oder das Karma, oder irgendeine Matrix. Fehlt bloß noch, viertens die Überspitzung des Gurukults, und ich würde am liebsten mit all dem Schmarrn nie etwas zu tun gehabt haben.</p>
<h4>Entscheidungen</h4>
<p>Dabei war jede dieser Varianten und »Anwendungen« spiritueller Prinzipien ursprünglich mal irgendwo sinnvoll und richtig, irgendwo in einem anderen Kontext, oft vor langer, langer Zeit. Weisheit bedeutet eben nicht, ein uraltes Lebenshilfe-Muster mal wieder aus dem Schrank zu holen und zu sagen: Das ist es jetzt, es hat sich seit Jahrtausenden bewährt! Sondern das Prinzip wirklich verstehen und es dann situationsgerecht anzuwenden – was meist der Intuition besser gelingt als dem linearen, logischen Denken.</p>
<p>Auch die Intuition muss allerdings reifen, um dazu fähig zu sein. Gefühlsbetonte Entscheidungen »aus dem Bauch heraus« sind oft falsch. Auch der Bauch alias das Gefühl müssen lernen. Aus dem Gefühl einer Geborgenheit in der Welt heraus sind Entscheidungen jedenfalls generell besser als die aus einer Angst oder einem Gefühl der Bedrohtheit heraus getroffenen – für den sich so Entscheidenden selbst und für seine Umgebung.</p>
<p> </p>
<p><em>Erstmalig erschienen im Magazin Connection Spirit <a href="http://www.connection.de/magazintexte/spirit/editorial-07-0812.html" target="_blank" rel="external nofollow">07–08 2012</a></em></p>
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		<title>Bodhisattvas unter uns</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/07/23/bodhisattvas-unter-uns/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Jul 2012 20:27:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
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		<category><![CDATA[Wolf Schneider]]></category>

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		<description><![CDATA[Neue ethische Paradigmen breiten sich aus Sind wir gut? Oder kommt zuerst das Fressen und dann die Moral? Ein tiefes Verständnis von uns Menschen als intelligente Tiere zeigt, dass wir mitfühlend handeln können ohne im Widerspruch zu stehen zu dem, wer wir von Natur aus sind. Es öffnet uns außerdem für neue Formen des Transfers [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Neue ethische Paradigmen breiten sich aus</h2>
<div id="attachment_5172" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/102988_web_R_by_Manfred-Schütze_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5170]"><img class=" wp-image-5172 " title="Gutes Karma" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/102988_web_R_by_Manfred-Schütze_pixelio.de_.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Manfred Schütze / pixelio.de</p></div>
<p>Sind wir gut? Oder kommt zuerst das Fressen und dann die Moral? Ein tiefes Verständnis von uns Menschen als intelligente Tiere zeigt, dass wir mitfühlend handeln können ohne im Widerspruch zu stehen zu dem, wer wir von Natur aus sind. Es öffnet uns außerdem für neue Formen des Transfers von Weisheit.</p>
<p>Mit anderen mitzufühlen ist unsere tägliche Erfahrung als Menschen. Ich kenne keinen, der nicht mit anderen Menschen – und auch Tieren – mitfühlen würde. Manchmal ist mir das allerdings zu wenig, dann wünsche ich mir, dass dieser Mensch ein bisschen mitfühlender sein sollte – oder nicht gerade mit diesen da mitfühlen sollte, sondern mit anderen. Da passen mir dann die Selektionskriterien nicht, mit wem mitgefühlt wird und mit wem nicht.</p>
<h4>Sensibelchen</h4>
<p>Oft muss ich bei einer Nachrichtensendung weinen, weil die Menschen so schrecklich sind zueinander, oder auch bei einem Text über menschliches Elend, das hätte vermieden werden können. Dann verzweifle ich oder werde wütend auf den oder diejenigen, die da verbockt haben, dass Menschen oder Tiere leiden müssen. Dann finde ich entweder gut, dass ich so sensibel bin oder es ärgert mich, dass ich so leicht von Gefühlen fortgeschwemmt werde. Oder ich untersuche den Film oder Text daraufhin, was es ist, dass mich da gerade zum Weinen gebracht oder wütend gemacht hat: die künstlerischen Mittel. Und gewinne dabei wieder meine Fassung. Und staune: Wie leicht beeinflussbar sind wir Menschen doch! Und wie selektiv und kulturell beeinflussbar ist unser Mitgefühl.</p>
<h4>»Verdientes« Mitgefühl?</h4>
<p>Mit der Beeinflussbarkeit kommt die ethische Dimension mit rein: Ist es gut mitfühlend zu sein? Auf den meisten spirituellen Wegen wird das ja gepriesen, und auch in den Religionen. Aber nur mehr oder weniger, und sehr selektiv. Einem Jesus die Füße zu salben ist gut, einen Heiden oder Ungläubigen zu erschlagen eventuell auch. Je nachdem. Es genügt jedenfalls nicht, dass da ein empfindendes Wesen ist, das Glück sucht und Unglück meidet oder Lust sucht und Schmerz meidet, um dafür nach den gängigen religiösen Kriterien Mitgefühl »zu verdienen«. Muss man sich das denn verdienen? Breivik jedenfalls, der jetzt gerade vor Gericht steht, hat’s für uns (für unser kulturelles Empfinden) verzockt: Er hat kein Mitgefühl gezeigt, er verdient also auch keins, jedenfalls keine Strafminderung.</p>
<h4>Wir sind soziale Tiere</h4>
<p>Dann gibt es auch die rein naturwissenschaftliche Betrachtung: Wir empfinden mit anderen Lebewesen mit, weil wir soziale Tiere sind. Wir haben diese Eigenschaft, weil sie sich als biologisch nützlich erwiesen hat. Dort, wo sie biologisch nichts nützt, haben wir sie nicht: wenn wir etwa »Ungeziefer« zertreten oder »Feinde« abwehren – Menschen oder Tiere, die wir als Feinde betrachten, weil wir darauf getrimmt wurden oder so veranlagt sind, das Andersartige als feindlich zu verstehen. Ist das der Punkt, wo eine Ethik der Güte einsetzen »sollte«? Sodass wir dann nicht nur Koalabären schützen wollen, sondern auch Schlangen, und nicht nur unsere eigene Ethnie vor dem Elend bewahren wollen, sondern alle Menschen?</p>
<h4>Aufruf!</h4>
<p>Deshalb rufe ich jetzt ganz emphatisch zu einer neuen Moral oder Ethik auf, zu einem nun endlich wirklich guten politisch und spirituell korrekten Verhalten! Wer diesem Aufruf nicht folgt, soll sich schämen, oder sogar bestraft werden! Nein, nicht so. Moralische Appelle führen zum Widerstand oder zur Heuchelei, nichts ist damit gewonnen. Besser, ich versuche zu überzeugen. Ich glaube nämlich, dass Achtsamkeit und Mitgefühl quasi automatisch entstehen, wenn wir verstehen wie die Welt und wir Menschen darin beschaffen sind. Normal begabte, nicht extrem geistig behinderte Menschen können verstehen, wie sehr wir mit allem in der Welt verwoben sind. Wer das versteht, wird mitfühlend. Dem Verständnis folgt das Gefühl. Die Einsicht in die Beschaffenheit der Welt und von uns Menschen darin müsste ein mitfühlendes Verhalten zur Folge haben.</p>
<h4>Ethik oder Empirie?</h4>
<p>Wenn mir das gelingt, hätte ich damit ein uraltes Problem gelöst, nämlich die Frage, ob es sich bei diesem Thema um ein ethisches handelt (die Frage wie es sein soll) oder um eines der Empirie (die Frage wie es ist).<br />
Hier gleich noch eine weitere Überzeugung von mir: Ich glaube, dass wir Menschen als biologisch beschreibbare Wesen (Tiere) immer eigennützig handeln. Eigennützig im Sinne von: unsere Bedürfnisse befriedigend, so gut wir eben können. Wobei die Frage, was unsere Bedürfnisse sind und wie wir meinen, sie befriedigen zu können, jeweils sehr verschieden beantwortet wird. Nur das können wir nicht: Wir können nicht so tun, als seien wir keine Tiere; als hätten wir keinen Körper; als müssten wir nicht atmen und essen; als würden wir keine Kälte und Wärme empfinden und keine Lustgefühle suchen.<br />
Womit die Frage ins ethische Terrain hinüberzuspazieren beginnt: Glauben wir denn, unsere ehrenwerten Bedürfnisse besser allein und gegen die anderer Wesen erfüllen zu können, oder eher mit ihnen? Genau hier wird dann Intelligenz benötigt – oder, anders gesagt: Mitgefühl, denn Mitgefühl ist eine Art emotionaler Intelligenz. Für diese – intelligente – Art der Bedürfnisbefriedigung müssen wir andere spüren können, müssen fühlen können wie es ihnen geht und imstande sein, Solidargemeinschaften zu bilden, die es ermöglichen gemeinsam besser die Bedürfnisse zu befriedigen und Glücksgefühle herbeizuzaubern.</p>
<h4>Ich und die anderen</h4>
<p>Allein glücklich zu sein, während die Welt um mich herum leidet, das würde nicht funktionieren. Da müsste ich mich abschotten und wüsste dann doch, dass ich mich abgeschottet habe, das geht nicht. Kann ich überhaupt dazu beitragen, dass es anderen Menschen gut geht? Kann ich »der Wandel sein, den ich in der Welt haben möchte«? Ich bin mir dessen nicht sicher. Als ich dieser Tage von dem Aufruhr über Günther Grass‹ Israel-Gedicht las und dann mit einem Freund und Autoren von uns darüber sprach, erwähnte dieser den israelischen Journalisten und Friedenspolitiker Uri Avnery, mit dem er sich immer wieder über die Ereignisse in der Welt austauscht. Avnery würde seiner Meinung nach den Titel des »Gerechten unter den Völkern« verdienen, wenn es den denn auch für Juden gäbe.</p>
<h4>»Gerechte unter den Völkern«</h4>
<p>Der 1923 in Deutschland geborene Avnery war 1933 mit seinen Eltern vor den Nazis nach Palästina geflohen. Dort erlebte er die Staatsgründung Israels mit, die oft brutale Durchsetzung der territorialen Ansprüche seines jungen, neuen Heimatlandes und setzte sich immer wieder für Frieden und Verständigung ein und für einen palästinensischen Staat. Womit er sich in seinem Land Feinde machte und sogar Leib und Leben riskierte. Ein »Gerechter unter den Völkern«? Ich hatte nur Halbwissen darüber, schlug in der Wikipedia nach und fand, dass Israel diesen Titel nach seiner Staatsgründung 1948 eingeführt hatte als Ehrentitel für nichtjüdische Einzelpersonen, die im zweiten Weltkrieg während der Nazi-Herrschaft ihr Leben eingesetzt hatten, um Juden vor der Ermordung zu retten.</p>
<p>Wer zu diesen »Gerechten« zählt, wird seit 1963 von einer Kommission unter der Schirmherrschaft der Gedenkstätte Yad Vashem geprüft. Zu den Kriterien für die Anerkennung gehört eine konkrete, sicher bezeugte Rettungsaktion von Juden, ein nachweislich dabei eingegangenes persönliches Risiko, und dass dafür keine Gegenleistung verlangt wurde. Wie viele solche Menschen gab es denn? Trotz systematischer Suche nach diesen »Gerechten unter den Völkern« wurden nur ungefähr 25.000 gefunden, die diesen Kriterien genügten. Unter den weit mehr als 100 Millionen Bewohnern Deutschlands und der von den Nazis besetzen Gebiete ist das auch bei Annahme von zigtausend unentdeckter Helfer weit weniger als ein Promille der Bevölkerung.<br />
Nun stelle ich mir eine Menschenmenge von tausend vor, die alle einem Führer lauschen, der von einem Podium aus spricht und mit seinen Worten die Masse fasziniert. Worte, die zwischen Freund und Feind, Menschen und Unmenschen unterteilen, und unter diesen tausend ist nur einer, der »ein erhebliches persönliches Risiko« eingehen würde, um zum Beispiel ein vor Verfolgung geflohenes Kind bei sich in der Wohnung zu verstecken. Nur einer???</p>
<h4>Gutes Karma, schlechtes Karma</h4>
<p>Wir Menschen retten zunächst mal vor allem die eigene Haut und sorgen für unser eigenes Wohlbefinden. Damit auch Bedürftige das Lebensnotwendige erhalten und nicht einfach Krepieren oder zu Aufständischen werden, dafür gibt es in den meisten Religionen die Pflicht des Almosengebens. Im Islam gilt sie (Zakat) als eine der fünf Säulen eines gottgefälligen Lebens. Auch im Judentum und Christentum ist Almosengeben eine religiöse Pflicht. Im Buddhismus ist das Dana genannte Geben die Basis des Mönchstums, das über Jahrtausende die Säule der buddhistischen Kulturen war.<br />
Wird da aus Mitgefühl gegeben? Oder eher, um einem Gott zu gefallen, der einen dafür belohnt? Oder, wie in den indischen Kulturen, um gutes Karma zu erwerben? In Sri Lanka und Thailand würden die meisten Menschen eher einem angesehenen, in Wohlstand lebenden Mönch etwas geben als den wirklich Bedürftigen, denn das eine bringt gemäß dem Glauben ihrer Kultur gutes Karma, das andere nicht.</p>
<h4>Ein Bodhisattva sein</h4>
<p>Ein paar Jahrhunderte nach dem Tod des Buddha entstand in den buddhistischen Kulturen, vielleicht aus Frust über das egoistische Denken der Mönche und der sie Bedienenden, das Konzept des Bodhichitta (Erleuchtungsgeist). Mit diesem Begriff ist die Entschlossenheit gemeint, das Ziel der Erleuchtung nicht aus Eigennutz, sondern zum Wohle aller Wesen zu erlangen.</p>
<p>Auch hier kann man nun wieder versuchen, dem Kodex einer Kultur zu genügen und zu einem solchen »guten Menschen« zu werden, einem Bodhisattva. Oder, viel besser, man versucht, dem Geist dieser Idee zu folgen: Erleuchtung, Freiheit, Erlösung und die Fähigkeit zur bedingungslosen Liebe nicht vor allem selbst zu erlangen, sondern dazu beizutragen, dass alle das erlangen. So wie in der Legende über die Erleuchtung des Buddha. Der habe erst nicht lehren wollen, heißt es, weil er fand, dass die, die bereit sind ihn zu verstehen, die würden es auch ohne ihn verstehen. Und die anderen auch nicht mit ihm. Die Devas (göttliche Wesen) hätten ihn damit rumgekriegt, heißt es, indem sie sagten, es gäbe aber ein paar, die stünden genau auf der Kippe zwischen diesen beiden Arten von Menschen. Die würden es ohne ihn nicht kapieren. Das habe ihn umgestimmt, nun doch »im Körper zu bleiben« und seine Botschaft weiterzugeben. Der Buddha lehrte danach noch vierzig Jahre lang, mit großer Wirkung: Wahrscheinlich hat keine Lehre in der Welt so viele Menschen zu tiefer Einsicht geführt, wie die des historischen Buddha.</p>
<h4>Fähren werden Hausboote</h4>
<p>Mein Eindruck ist, dass heute viele Bodhisattvas unterwegs sind. Man erkennt sie nicht gleich, sie sehen oft aus wie ganz normale Menschen. Aber sie haben Mitgefühl, auch was den Erwerb von Weisheit und die Begünstigung von persönlichem Wachstum anbelangt. Sie wollen nicht als erste frei, leicht, glücklich und weise werden, sondern eher so, wie nach dem Ehrenkodex aus der Schifffahrt: Der Kapitän verlässt als letzter das Schiff. Eh nicht alle anderen es auch kapiert haben, mache ich mich hier nicht aus dem Staub. Erleuchtung nicht mehr als Egotrip.</p>
<p>Solche eine Art der spirituellen Einstellung würde dem vorbeugen können, was Tschögyam Trungpa einst »spirituellen Materialismus« nannte: die Gefahr, dass aus Fähren Hausboote werden und aus ursprünglich mal befreienden Methoden neue Gefängnisse. So wie erst die Kommunikationstechnik des Buchdrucks einst Renaissance und Reformation ermöglichte, so wird auch die durch das Internet bewirkte Revolution der Kommunikationsmittel eine Revolution der Religiosität bewirken. Eine Revolution, die noch viel umfassender und größer sein wird als die Reformation. Die alten religiösen Hierarchien werden dabei unwichtiger, während das Individuum »mit Netzanschluss« wichtiger wird. Damit verblasst auch das bisherige spirituelle Zweiklassensystem: hier die Brahmanen, dort das einfache Volk; hier die Eingeweihten, dort die nicht Eingeweihten; hier die Erwachten, dort die noch nicht Erwachten.</p>
<h4>Identitätsbildende Versuchungen</h4>
<p>Man sieht das zum Beispiel an den Problemen, die die Erwachten mit ihrem Ego haben, das da ist und irgendwie doch nicht da ist. So wie bei uns. So haben sich dieses Jahr die Berliner Rainer Griesheimer, Manik Reuter und Romen Banerjee zusammengetan, um den »Zusammenhang zwischen persönlicher Vertiefung des aufgewachten Lehrers und seiner Tätigkeit als Lehrer« zu beleuchten, denn »auch das Leben des aufgewachten Lehrers steckt voller subtiler, identitätsbildender Versuchungen«. Dreißig in Deutschland tätige spirituelle Lehrer haben offenbar schon zugesagt, zu diesem »Forum Erleuchtung« (www.forum-erleuchtung.de), darunter einige hierzulande gut bekannte Namen. Dort geht es dann vermutlich nicht mehr so heilig zu wie sonst oft im Satsang, denn die Initiatoren haben sich zum Beispiel eine Struktur ausgedacht, die Manik mir gegenüber am Telefon »heißer Stuhl« nannte: Drei der Lehrer sitzen in der Mitte, die Konferenzteilnehmer im Kreis um sie herum, und sie können denen in der Mitte mit Fragen stellen, wie das so ist »nach der Erleuchtung«.</p>
<p>So entstehen ganz neue Arten der Inszenierung des Transfers von Weisheit. Neue Antworten auf die alten Fragen: Wie setzt man das Wissen um die Nicht-Zweigeteiltheit der Welt um, ohne dabei wieder neue Zweiteilungen zu schaffen? Wie bringt man Weisheit, Liebe, Mitgefühl in die Welt? Wie schaffen wir es, den Bodhisattva in uns zu erwecken?</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Connection, <a href="http://www.connection.de/magazintexte/spirit/connection-spirit-0512.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Mai/Juni 2012</a></em></p>
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		<title>Brief an eine junge Anthroposophin</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jul 2012 09:36:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anthroposophie]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[Erfahrungen und Ratschläge eines Freundes In einem freundschaftlich gehaltenen Text ermuntert der Autor dazu, Anthroposophie als unkonventionellen Entwicklungsweg zu erkunden. Seine eigenen biographischen Begegnungen und Erfahrungen mit Anthroposophen machen seine Hinweise auch über den persönlichen Rahmen hinaus wertvoll. Liebe Nora, Deine Frage scheint mir vertraut, wie oft habe ich sie in mir bewegt und wie [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Erfahrungen und Ratschläge eines Freundes</h2>
<div id="attachment_5163" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/570286_web_R_K_B_by_Katharina-Bregulla_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5151]"><img class=" wp-image-5163 " title="Die Post ist da" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/570286_web_R_K_B_by_Katharina-Bregulla_pixelio.de_.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Katharina Bregulla / pixelio.de</p></div>
<p><em>In einem freundschaftlich gehaltenen Text ermuntert der Autor dazu, Anthroposophie als unkonventionellen Entwicklungsweg zu erkunden. Seine eigenen biographischen Begegnungen und Erfahrungen mit Anthroposophen machen seine Hinweise auch über den persönlichen Rahmen hinaus wertvoll.</em></p>
<p>Liebe Nora,</p>
<p>Deine Frage scheint mir vertraut, wie oft habe ich sie in mir bewegt und wie schwer fällt es mir doch darauf eine Antwort zu finden: Wie werde ich Anthroposoph? Man kann es nicht <em>werden</em>, in guten Momenten wird es einem geschenkt, so geht es zumindest mir. Es ist ein Ringen mit der eigenen Seele, dem eigenen Herzen und mit Fragen wie: Kann ich ohne das, was mir aus der Anthroposophie entgegentritt, wirklich leben? Würde es einem lebendigen Tode gleichkommen, mich von ihr abzuwenden mit all dem Schönen, Reichen und auch Versteinerten und Hässlichen? Lebe ich für diese lebendige Vielfalt seelischer Kräfte und für die abstrakte Schönheit eines liebenden Denkens, wie ich es beim Lesen der <em>Philosophie der Freiheit</em> empfand? Brauche ich diese Erfahrungen wie Wasser und Brot? Erst von dort und nur von dort aus, verstehe ich Anthroposophie. Ohne diese Sehnsucht erlebe ich sie als Ideologie, ein Schreckensgespenst aus dem vorherigen Jahrhundert, etwas, das mir Schmerzen bereitet, nicht im Leben verankert scheint, sich vor diesem gar zu schützen versucht. Es sind wohl die großen, existenziellen Fragen nach Sinn und Unsinn des eigenen Lebens, die dich unweigerlich zur Anthroposophie, zur Weisheit des Menschen führen.</p>
<p>Sie wurden mir selbst zu einem Kompass, der mich den Schritt ins Unbekannte wagen lässt. Ich erinnere mich und muss mich täglich erinnern an die Kraft und die Hoffnung und an das Vertrauen, die durch diese Fragen aus dem Leben mir entgegenkamen und immer noch entgegenkommen. Es waren immer auch konkrete Menschen, denen ich begegnete, Menschen, die Ideale lebten, ohne diesen sich naiv unterzuordnen. Nicanor Perlas von den Philippinen etwa, der mich als Alternativer Nobelpreisträger durch seine umwerfende Präsenz und Fröhlichkeit tief beeindruckte. Oder Orland Bishop aus den USA, der mich durch seine bloße Anwesenheit tiefer berührte als die meisten Menschen, die ich kenne. Auch Yessiahu Ben Aharon, dessen geistige Schärfe und ungeheure Willenskraft mich nach Israel trieben. Es war die Kraft und Gelassenheit und die Tiefe, die von solchen Männern ausging, die ihre Arbeit als ihre Aufgabe und ihren Dienst an der Menschheit aus freien Stücken lebten; ihre Fähigkeit, auch unter widrigen Bedingungen und schwerer Last einen Schritt vor den anderen zu setzten. Es war und ist die Sprache, die sie sprechen, und ihr lebendiges Denken, das mich in einen Zustand der inneren Festigkeit und gleichzeitig in geistige Höhen trieb. Es waren Begegnungen, in denen sich mein Geist wie ein Falter in eisige Höhen emporschwang und die Welt aus einer weiten Perspektive wahrnehmen konnte.</p>
<p>Am Anfang standen ein Ruf, dem ich folgte, und innere Kämpfe auf der Suche nach dem Feuer, nach dem, was brennt, nach dem lodernden Willen und der Sehnsucht nach Einheit, dem Getrennt-Sein und Auf-sich-selbst-zurückgeworfen-Sein zu entkommen. Es brauchte die Erfahrung dieser Trennung und des Nichts, es ist ein gefährlicher Weg. Das Festhalten an Glaubenssätzen und alten Mythen wäre um ein Vielfaches einfacher, sicherer, ich bin jedoch davon überzeugt, es wäre kein Weg, der sich einer zeitgemäßen Anthroposophie als würdig erweist. Sie will erfahren werden durch die Begegnung mit dem Anderen, mit dem Gegenüber und den vielen (An-)Teilen unserer eigenen Seele. Nimm dir Zeit, diese zu erforschen, lerne dich kennen. Gelassenheit und Geduld sind keine Tugenden der Jugend, übe dich dennoch in ihnen, sei dir jedoch nicht böse, wenn das misslingt. Beginne immer wieder von neuem. Geh’ achtsam mit dir selbst und dem Leben um und genieße dein Alter und alles, was in jungen Jahren gelebt werden will. Dein Körper verfügt über eine eigene Intelligenz, auf die du oft mehr vertrauen kannst als auf das, was dein Hirn ausbrütet. Lerne zu tanzen, dich hinzugeben an einen liebevollen Mann, an den Rhythmus der Musik, spüre die heilsame Kraft zu führen und geführt zu werden. Der Tanz ist ein Spiel, das seit Jahrtausenden praktiziert wird und immer wieder in neuem Gewand erscheint. Lerne dich auch zu wehren, übe dich im Umgang mit einem Degen oder übe eine Kampfkunst, mir half das, meine Mitte zu spüren und zu wissen, wann und wie schnell ich diese verlasse.</p>
<p>Die Welt interessiert sich nicht für dich, solange du nicht für das einstehst und das bezeugst, was du bist und was du bereit bist zu werden. Es bedarf des Mutes, immer wieder aus der eigenen Freiheit schöpfen zu wollen und zu erleben, wie stark wir doch beschränkt und von außen bestimmt sind. Lass dir dafür Zeit, dich von den Fesseln der Familie und deiner Kultur zu befreien, manches davon ist nützlich, vieles aber unnütz und Ballast. Lerne zu erkennen und die Momente wertzuschätzen, wo du ganz aus dir selbst heraus schöpferisch tätig wirst. Übe dich in einer Kunst, es muss nicht unbedingt die Eurythmie sein, Hauptsache, du findest etwas, an dem du Freude hast. Für mich war es lange Zeit das Schreiben in Form von Gedichten. Wie ein Vogel flog ich in den weiten Räumen, die sich durch die Sprache öffneten. Denker wie Ken Wilber ließen erahnen, welche Schwierigkeiten und Nöte einer Anthroposophie im 21. Jahrhundert begegnen. Poeten wie Pablo Neruda, Hermann Hesse oder unbekannte, junge Dichter ließen mich spüren, wie das gesprochene Wort in der Welt weiterwirkt. Die alchemistisch-rosenkreuzerische Tradition ließ mich erschüttern, oft zog diese geheimnisvolle und von Geheimbünden regierte Welt mich in ihren Bann, nur um zu erkennen, dass mich dies wegführte von meinen Aufgaben im Alltäglichen. Vieles davon kannst du getrost liegen lassen, es braucht stattdessen den Mut, mit den alltäglichen Dingen unserer Zeit umzugehen, um ein guter Anthroposoph zu werden. Dennoch gaben mir manche Bilder Kraft und führten mich hinab in die Meerestiefen meiner eigenen Seele.</p>
<p>Zwei anthroposophische Lebensorte, Harduf, ein israelischer Kibbuz und Sekem in der Wüste Ägyptens, beides wurden mir Orte der Begegnung mit Menschen und der Anthroposophie. Beeile dich nicht, denn das Leben wird dich einholen. Die Weite und die Schönheit, all der Glanz, der in den Worten und Landkarten der Anthroposophie und im Höhenflug durch Poesie und Kunst erfahrbar ist – genieße ihn und gib acht, dass du dir Zeit nimmst auch für die banalen und einfachen Dinge im Leben. Diese wollen durchdrungen werden, ohne dabei den Glauben an die eigene Größe zu verlieren. Die von Steiner hinterlassenen Nebenübungen gewinnen mit zunehmendem Alter immer mehr an Bedeutung. Deine eigene Erdung und der Umgang mit Erde können dabei sehr heilsam wirken. Eine banale Arbeit kann Wunder wirken und Qualitäten wie Demut, Hingabe und Konzentration so schulen, wie es wohl das Studium der ganzen Gesamtausgabe nicht könnte. Ums Lesen und Studieren wirst du dennoch nicht herumkommen, es braucht die Auseinandersetzung mit dem Geist wie mit der Welt.</p>
<p>Vertraue auf die Kräfte, die aus der Zukunft heraus wirken. Otto Scharmer und die „Theorie U“ gaben mir und geben mir immer wieder das Vertrauen und eine Vision, dass die Welt anders aussehen könnte, trotz der Krisen und Nöte, ja vermutlich sogar dank dieser. Krisen sind Begleiter im Leben und rütteln immer wieder an zurechtgelegten Überzeugungen. Wie ein Vogel, der in Meerestiefen ertrinkt, überschwemmt uns dann das Unbewusste unserer eigenen Seele. Was zu tun bleibt, ist, die toten Konzepte und Überzeugungen ins Feuer zu werfen, um sich selbst einmal mehr neu zu erfinden. Stirb und werde in Goethes Sinne.</p>
<p>Manche Dinge müssen ausgehalten werden – ich erinnere mich gut an den Übermut, den ich noch immer spüre, und die Ruhe, die es benötigt, um einen Tag nach dem anderen bewusst zu leben. Andere Dinge benötigen Hingabe und das Sich-fallen-lassen-Können, sei es in einer tiefen und ehrlichen Beziehung zu einem geliebten Menschen, wie sie etwa der blinde Anthroposoph Jacques Lusseyran in seinem Buch <em>Bekenntnis einer Liebe</em> beschreibt, oder in fragilen Beziehungen zwischen Schüler und Lehrer, die gerade im geistigen Leben ebenso viel Wachstum und Fülle wie auch verbrannte Erde hinterlassen können.</p>
<p>Vertraue deiner Intuition und deinen Freunden, die dir ehrlich und auf fröhliche Weise widerspiegeln, wer du bist und wer du sein könntest. Vieles, von dem ich annahm, es sei Anthroposophie, verbrannte einfach, es ist kein Weg, der dich zu spirituellen Höhen führt, um von diesen abhängig zu werden. Ebenso wenig ist es die rein intellektuelle Auseinandersetzung mit geistigen Themen und den immer wiederkehrenden gleichen Phrasen, noch der blinde Aktionismus um ein „guter Mensch“ zu werden. Nach einem jeden Brand, der alte Vorstellungen vernichtet, steht die Chance für einen Neubeginn. Es ist die Asche, die übrigbleibt und die genossen, ja gegessen werden will, um aus dem produktiven Nichts unserer Zeit das Licht in dir zu schöpfen, welches das Dunkel dieser Welt überwinden kann.</p>
<p>In Liebe und Dankbarkeit für dein Vertrauen auf dem Weg der Anthroposophie<br />
Dein Adrian Wagner</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2012/1257/brief-an-eine-junge-anthroposophin/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Januar 2012</a></em></p>
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		<title>Dem Schauen auf der Spur</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jul 2012 09:30:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anthroposophie]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine Annäherung an Steiner als Geistesforscher Kaum jemand stellt noch öffentlich die Bedeutung der anthroposophischen Praxisfelder in Frage und auch Steiner selbst wird inzwischen als großer Reformer anerkannt. Die nächste Herausforderung läge darin, auch den esoterischen und spirituellen Steiner zugänglich zu machen. Das aber ist vor allem eine Forderung an die eigene Szene. Ein Versuch. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Eine Annäherung an Steiner als Geistesforscher</h2>
<div id="attachment_5160" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/345062_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5154]"><img class=" wp-image-5160 " title="Dem Schauen auf der Spur" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/345062_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Rainer Sturm / pixelio.de</p></div>
<p>Kaum jemand stellt noch öffentlich die Bedeutung der anthroposophischen Praxisfelder in Frage und auch Steiner selbst wird inzwischen als großer Reformer anerkannt. Die nächste Herausforderung läge darin, auch den esoterischen und spirituellen Steiner zugänglich zu machen. Das aber ist vor allem eine Forderung an die eigene Szene. Ein Versuch.</p>
<p>Zum 150. Geburtsjahr Rudolf Steiners erfährt die Anthroposophie im öffentlichen Diskurs eine nie dagewesene Aufmerksamkeit. Die Praxisfelder finden breite Anerkennung, die Kunst– und Architektenszene entdeckt Steiner als Impulsgeber neu und selbst Peter Sloterdijk rühmt Steiner als „größten mündlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts“. Was dabei allerdings etwas in den Hintergrund geraten könnte ist die – manchem etwas unbequeme – Tatsache, dass Steiner nicht nur Reformer, Denker und künstlerischer Anreger war, sondern eben auch jemand, der aus dem Bereich der Esoterik schöpfte – und zwar nach eigenem Verständnis nicht lediglich als Gelehrter, sondern als<em>„Geistesforscher“, der für sich einen realen Zugang in geistige Welten auf Grundlage einer aufgeklärten „Hellsichtigkeit“ beanspruchte</em>. Als dieser bringt er uns ein <em>Fünftes Evangelium</em>, bildhafte Geschichten vom sagenumwobenen Atlantis, karmische Zusammenhänge berühmter Persönlichkeiten oder auch detaillierte Berichte über höhere Erkenntnisorgane. Und er bezieht sich auf die sogenannte „Akasha-Chronik“, jenen sagenumwobenen Bereich voller Erkenntnismöglichkeiten, der in esoterischen Kreisen als eine Art geistiges Weltgedächtnis gilt, in dem alles, was war, ist und sein wird, wenn auch nicht voll entfaltet, so doch als Potenz, eingeprägt ist.</p>
<p>Was tun mit dieser nur schwer zugänglichen Dimension von Steiners Werk? Wie, selbst als ein der Anthroposophie nahestehender Mensch, sich mit ihm anfreunden? Umgekehrt gefragt: Was würde übrig bleiben von seinem Werk, wenn wir all das <em>übersinnlich Geschaute</em> ignorieren oder gar herausreißen? Für die Zukunft der Anthroposophie wird es entscheidend sein, um ein neues Verständnis der <em>geistigen Welt</em> zu ringen.</p>
<p>In den fast 90 Jahren seit Steiners Tod haben sich nur wenige an diesen steil zerklüfteten Berg voller Absturzgefahren herangewagt. Jeder über Steiner hinausgehenden Erforschung geistiger Welten scheint zudem bei Anthroposophen eher mit Skepsis begegnet zu werden. Man traut so etwas nach Steiner niemandem so richtig zu. Einen normalen, <em>allzumenschlichen</em> Geistesforscher scheint es nicht geben zu können. Das Verhängnisvollste daran ist wohl die unsägliche Geheimniskrämerei und damit zusammenhängend die Hybris des Auserwählt– und Eingeweiht-Seins, die keine Brücke zu den Menschen baut, sondern kühle Distanz der Unnahbarkeit schafft. Am einfachsten könnte man sich jener Problematik entziehen, wenn man, etwa im Sinne Kants oder Karl Jaspers’, die Erkennbarkeit des Transzendenten schlicht als unmöglich konstatieren würde. Eine andere Möglichkeit wäre, Mitteilungen über „höhere Welten“ einfach als Phantastereien abzutun. Wer hingegen wirklich begreifen statt verwerfen will, dem bleibt nur die unvoreingenommene Suche nach einem neuen Verständnis dessen, was mit der <em>Wirklichkeit einer geistigen Welt</em> gemeint sein könnte.</p>
<h4>Erfahrungen statt Worthülsen</h4>
<p>Um uns diesem Themenkomplex voraussetzungslos zu nähern, können wir uns einzig auf die eigene Erfahrung stützen und sollten von diesem neu errungenen Standpunkt aus eine zweite Annäherung an Steiner versuchen. Ich nehme Steiners Forschungen durchaus ernst. Nur halte ich es für wichtig, sie auf Grundlage der eigenen Erfahrungen zu prüfen und nachzuvollziehen, damit sie vom zwingenden Dogma und von toten Worthülsen befreit werden können. Der bloß denkende Nachvollzug dessen, was wir selbst nicht erlebt und erfahren haben, ist vielleicht die tragischste Komponente der ganzen Anthroposophie. Zu tief klafft oft die Schlucht zwischen dem intellektuell Gewussten und dem innerlich gar nicht verbundenen Gedankeninhalt. Er lebt als bloße Information neben uns her, wächst aber nicht aus tief empfundener Herzenserkenntnis. Nichts wäre in diesem Zusammenhang wichtiger als die innerlich-warmen, von der Erfahrung getragenen Erkenntnismöglichkeiten aus dem nebulösen Dunkel des „Nur-für-Eingeweihte“ für alle Menschen zugänglich zu machen.</p>
<p>Doch wie bringen wir Licht in die Verborgenheit? Wie können wir im Selbst-Erfahrenen Steiner begegnen und ihm dadurch im frei gewachsenen Verständnis entgegenkommen?</p>
<p>Wer selbst Zustände der tiefen Meditation, des lebensvollen Denkens oder auch des mystischen Empfindens kennt, der ahnt, dass uns in diesen Momenten nicht nur eine stärkende Seins– oder Einheitserfahrung eröffnet werden kann, sondern das Sein auch in einer ganz eigenen, sehr zarten und scheuen Sprache zu uns spricht. Die Sprache des Seins ist nicht eine der klaren Worte. Auch das Sprechen des Seins ist kein deutliches Aussprechen. Indem wir uns vom Sein umarmt und geborgen fühlen drückt es sich aus. Es hinterlässt in uns einen Abdruck, den wir innerlich schmecken, riechen, hören, sehen, ertasten, spüren oder empfinden können. Doch – und dies ist entscheidend – wir können das Sein zunächst nicht als ein in unserer irdischen Sprache formuliertes Wort wahrnehmen. Daher bedarf es, wenn wir das Erlebte ins klare Denken bringen wollen, neben der Übung des Meditierens und der mystischen Versenkung zugleich der sorgsamen Übersetzungsarbeit. Nur auf diesem Umweg können wir uns allmählich auch eine eigene Vorstellung davon bilden, was Steiner mit den Bildern seiner Schauungen zu uns tragen wollte.</p>
<h4>Einzementierte Vorstellungen des „Geschauten“ aufbrechen</h4>
<p>Trügerisch wäre es daher, wenn wir uns das Erlebnis des Schauens so vorstellen, wie es schließlich in der für uns vernehmbaren Sprache erscheint. Zahlreiche Verwandlungsstufen liegen zwischen der eigenen geistigen Erfahrung und dem durch viele Metamorphosen und Umschmelzungen gegangenen Wort, vermöge dessen wir schließlich anderen Menschen unser innerlich Erlebtes vermitteln. Entzündet sich in uns ein Bewusstsein für die flüchtigen Zwischenschritte, dann beginnen wir zu ahnen, was sich verdeckend vor das Schauen stellt. Wir nehmen die Berührungen des Geistes oft deshalb nicht wahr, weil sie von unserer einzementierten Vorstellung (wie das Geschaute auszusehen hat) überlagert werden. Wir sind auf dem schauenden Auge blind – nicht, weil es geschlossen ist, sondern weil wir nicht frei und unvoreingenommen blicken. Müsste nicht dieser verstellende Vorstellungs-Spiegel zuallererst zerbrechen, um uns die Nähe des Geistigen erkennbar zu machen?</p>
<p>Fühlen wir uns also ermutigt und bestärkt, um neue, eigenständige Wahrnehmungen und Übersetzungen des Unsagbaren zu wagen. Je klarer und aufmerksamer wir unsere eigene Sprache und Begrifflichkeit ausbilden, desto umfassender können wir an unser Selbst-Empfundenes (d.h. an das in uns selbst Gefundene) anknüpfen, seine Spuren aufspüren und es in die Welt tragen. Auf diesem Spuren-Gang können wir den sich formenden Gedanken begleiten. Er verdichtet sich langsam. Zunächst ist er nur Keim, als dieser aber am ursprünglichsten und noch innig verbunden mit dem Empfindungsstrom des Herzens. Der spätere Gedanke weist noch auf diesen Ursprung, lässt ihn aber nicht unmittelbar hervortreten. Um dem Urbild des Gedankens auf die Spur zu kommen, müssen wir uns im Lesen von Gedankenspuren üben.</p>
<h4>Von den Sternen auf die Erde</h4>
<p>In einem Traum sagte mir einmal eine Stimme: „Du sollst die Worte wie Sterne vom Himmel holen und sie in die Sprache fügen, damit sie auf Erden für die Menschen vernehmbar sind.“ Doch der Weg von den Sternen auf die Erde ist weit und niemand, auch Steiner nicht, spricht das Geschaute unmittelbar ohne Abwandlung aus. Wir alle können dies nachvollziehen, wenn wir uns aufmerksam an unsere Träume erinnern. Obwohl sie der bildhaft-imaginativen Sphäre entspringen und es daher meist keiner großen Übersetzungsarbeit bedarf um sie mitzuteilen, geraten wir doch des öfteren in Verwirrung, da im Traum Zeit und Raum vielfach aufgehoben sind. Die akausale Gleichzeitigkeit mannigfacher, teils irrationaler Ereignisse scheint nicht von dieser Welt zu sein. In diesen Fällen spüren wir in der Erinnerung, wie die nächtlichen Bilder kaum unterscheidbar ineinander verflochten sind. In der Sprache können wir davon nur sehr unzureichend im zeitlichen Nacheinander berichten. Das äußere Wort kann dann bestenfalls annähernd mit dem Erlebten zusammenstimmen, nie aber eine detailgetreue Widerspiegelung der inneren Sphäre vermitteln. Dieser Wink allein genügt um zu begreifen, dass der ganze Prozess des Schauens nur zu Hälfte aus dem Inhalt des Geschauten besteht. Es bedarf auch des sorgsamen Folgens der Erinnerungsspur, der Gedanken– und Bildabdrücke, die sich unserem Empfinden wie ein Siegel in weiches Wachs eingeprägt haben. Diesen Prägungen nachzuspüren, sie zu betrachten, das alles müssen wir erlernen, um den Kontakt zur Wärme des Ursprungs zu bewahren und nicht vom bloßen Inhalt des Geschauten geblendet zu werden.</p>
<p>Ein bildhaftes Beispiel finden wir in der Bibel, als Mose darum bittet die göttliche Herrlichkeit schauen zu dürfen: „Gott sprach: Ich will vor deinem Angesicht alle meine Güte vorübergehen lassen und will ausrufen des Herrn Namen vor dir. Wem ich aber gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wes ich mich erbarme, des erbarme ich mich. Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. (…) Siehe, es ist ein Raum bei mir; da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn denn nun meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in der Felskluft lassen stehen und meine Hand ob dir halten, bis ich vorübergehe. Und wenn ich meine Hand von dir tue, wirst du mir hintennach sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.“<sup class='footnote'><a href="#fn-5154-1" id='fnref-5154-1'>1</a></sup> Es ist, als würde sich die Seins-Erfahrung sogleich verflüchtigen. Gott ist DA, er behütet Mose mit seiner bergenden Hand, doch gerade dadurch gleicht das Schauen des Geistigen mehr dem Empfinden eines sanften Berührungshauches und weniger einem konkret ausgestalteten Gedankeninhalt. Zwar erfährt Mose eine unmittelbar mystische Begegnung mit Gott, die Berührung mit seiner Güte, seiner Gnade und seinem Namen. Und doch ist das göttliche Angesicht vor den Menschen verborgen. Sie können es nicht direkt in ihren reflektierenden Verstand aufnehmen, ohne zu zerspringen. Der Weg ins Erkennen muss also den Umweg des Hinterherblickens nehmen. Erkennen ist die Vermählung von Schauen und dem Nachspüren der hinterlassenen Spur des Geschauten. Zwar wird der intuitiv Erkennende eins mit dem Zu-Erkennenden, ganz so, wie Mose Gott wirklich begegnet, doch gilt auch hier: <em>K</em><em>ein Mensch wird leben, der Gott sieht</em>.</p>
<p>Um die Sterne auf die Erde zu holen, bedarf es der sorgsamen Übersetzung des nächtlichen Himmelslichtes in das taghelle Erdenbewusstsein. Erst durch diesen Transformationsprozess wird das Erkennen vollständig. Ganz Ähnliches spricht Schelling in <em>Die Weltalter</em> aus, wenn er betont, dass „der Zweck im bloßen Schauen nicht erreicht sei (…) alles Erfahren, Fühlen, Schauen ist an und für sich stumm, und bedarf eines vermittelnden Organs, um zum Aussprechen zu gelangen. Fehlt dieses dem Schauenden, oder stößt er es absichtlich von sich, um unmittelbar aus dem Schauen zu reden, so verliert er das ihm notwendige Maß (…) es muss alles erst zur wirklichen Reflexion gebracht werden, damit es zur höchsten Darstellung gelangen könne.“</p>
<h4>Ewiges und Zeitliches</h4>
<p>Betrachten wir vor diesem Hintergrund einmal Steiners Vorwort zu seiner Aufsatzsammlung <em>Aus der Akasha-Chronik</em>.<sup class='footnote'><a href="#fn-5154-2" id='fnref-5154-2'>2</a></sup> Steiner betont darin zunächst, dass es ihm in seinen Forschungen um „die ewigen Ursprünge der zeitlich vergänglichen Dinge“ geht und er diese dem Erkenntnisvermögen aufschließen möchte. Im Zentrum seiner Betrachtungen stehen folglich weniger die geschichtlich datierbaren Ereignisse in der Zeit, sondern vielmehr die wesentlichen geistigen Hintergründe. „Niemand kann sagen, ob das, was erhalten geblieben ist, auch das Wesentliche ist, wenn er bei den äußeren Zeugnissen stehenbleibt. Aber alles, was in der Zeit entsteht, hat seinen Ursprung im Ewigen. Nur ist das Ewige der sinnlichen Wahrnehmung nicht zugänglich. Aber dem Menschen sind die Wege offen zur Wahrnehmung des Ewigen. Er kann die in ihm schlummernden Kräfte so ausbilden, dass er dieses Ewige zu erkennen vermag.“ Steiner ergründet in der Akasha-Chronik die Welt des Seins und nicht die Welt des Seienden. Während sich die biologische Evolution für den Fortschritt im Raum-Zeitlichen interessiert, wendet sich Steiner der geistigen Evolution zu. Entscheidend ist, diese zwei Strömungen zunächst ganz klar zu differenzieren. Die horizontale Evolution erzählt uns von der äußeren Entwicklung der Kausalität, vom Fortschreiten der Zelle über die höheren Tiere zum Menschen. Die vertikale Evolution erzählt uns hingegen vom Akausalen, vom Grund der Dinge, von ihrem Sein und ihren geistigen Ursprungskräften, auch von einer Gleichzeitigkeit dessen, was war, ist und sein wird So verstanden ist das Gedächtnis der Akasha-Chronik keine Festplatte, auf der alles, was sich bisher auf der Erde ereignet hat, wie in einem Film oder einer Fotografie exakt abgebildet wird, sondern eher ein Tohuwabohu verschiedenster hintergründiger Strömungen, die erst entwirrt, geklärt und übersetzt werden müssen. Der Geistesforscher vermag „zu schauen<em>, </em>was an den Ereignissen <em>nicht</em> sinnlich wahrnehmbar ist, was keine Zeit von ihnen zerstören kann. (…) Unsere Sprache ist auf die Sinnenwelt berechnet. Und was man mit ihr bezeichnet, erhält sogleich den Charakter dieser Sinnenwelt. Man macht daher leicht (…) den Eindruck eines Phantasten, wenn nicht einen noch schlimmeren.“ Steiner gibt zu bedenken, dass durch die Begrifflichkeiten der Sprache das Geschaute einen sinnlichen Ausdruck bekommt, ursprünglich aber gar nicht sinnlich ist. Dies gilt es bei all seinen Forschungsergebnissen zu berücksichtigen, vor allem bei jenen, die sehr bildreich auf äußere Realitäten anspielen. „Wer sich die Fähigkeit errungen hat, in der geistigen Welt wahrzunehmen, der erkennt da die verflossenen Vorgänge in ihrem ewigen Charakter.“ Steiner erkennt also nicht die verflossenen materiellen Vorgänge an und für sich, sondern den ewigen Charakter derselben. Hätte es folglich den versunkenen Kontinent Atlantis exakt so gegeben, wie Steiner ihn bis ins materielle Detail hinein beschreibt, dann würde er ja nicht mehr den ewigen Teil des vergangenen Ereignisses charakterisieren, sondern gerade den äußerlich vergänglichen Teil.</p>
<p>Obwohl Steiner offen die Fehlbarkeit und das Täuschungsvermögen der <em>geistigen Anschauung</em>bekennt, führen seine Schilderungen doch ziemlich in die Irre. Einige Verwirrung stiftet etwa seine Bemerkung, dass der Mensch, der auf die genannte „Art sein Erkenntnisvermögen“ erweitert „behufs Erkenntnis der Vergangenheit nicht mehr auf die äußeren Zeugnisse angewiesen“ ist. Hier beginnt einiges dunkel zu werden, denn Steiner setzt auf einmal die <em>äußeren Zeugnisse</em> mit den <em>ewigen Ursprüngen</em> gleich. Er glaubt durch <em>Erkenntnis des Ewigen</em> zugleich die äußeren Entwicklungen in der Zeit überschauen zu können. Vor dem Blick des Geistesforschers spielt sich „in einer gewissen Weise ab, was geschehen ist.“ Gleichwohl lassen sich beide Weltdimensionen (die horizontale und vertikale Evolution) nicht eins zu eins aufeinander übertragen. Zwar sind sie voneinander bedingt und durchkreuzen sich, wodurch auch ein gegenseitiges Erkennen möglich wird, dennoch sollte dies nicht über die ganz unterschiedliche Erscheinungsweise beider Dimensionen hinwegtäuschen. Steiner spricht – sehr missverständlich – davon, wie diejenigen, „die in das Lesen solcher lebenden Schrift eingeweiht sind (…) die Dinge, von denen die Geschichte berichtet, in einer weit zuverlässigeren Weise schildern, als es dieser möglich ist. (…) Der Anfang soll gemacht werden mit Schilderungen derjenigen Tatsachen, die sich abspielten, als zwischen Amerika und Europa noch das sogenannte atlantische Festland war.“ Nun gerät Steiner ganz ins Sinnlich-Konkrete der Zeitlichkeit hinein – dabei soll  die Akasha-Chronik (nach Steiners eigenen Worten!) nicht das Vordergründige der realen Ereignisse eröffnen, sondern ihren wesentlichen Gehalt. Sie enthüllt Dinge, die sich hinter den zeitlichen Erscheinungen abspielen, sozusagen ihren geistigen Grund und gerade <em>nicht</em> ihre materielle Außenseite, nicht die Geschichte also, sondern das Mythische. Es ist doch der Bereich des kollektiven Unbewussten angesprochen, der Bereich der Urbilder und Urideen. Es geht beim Lesen in der Akasha-Chronik letztlich um das, was jeden Mythos im Kern ausmacht. Auch aus den Mythen spricht der Ewigkeitscharakter einer unzerstörbaren Geistigkeit. In ihnen wird uns das Wesentliche der Geistesgeschichte überliefert, was keine Geologie, keine Biologie, keine Archäologie und auch keine äußere Geschichtsforschung je entdecken kann. Nur sprechen die Mythen von der Evolution des (äußerlich nicht wahrnehmbaren) Geistes und nicht von der äußerlich erforschbaren Evolution der Materie. Um uns als Menschen in unserer Ganzheit zu erfassen, müssen wir beide Evolutionswege erforschen und vereinen. Es ist also durchaus wichtig die Berührungspunkte zu entdecken, nur dürfen wir nicht vorschnell in allzu grober Weise beide Evolutionslinien vermengen.</p>
<p>Steiner hat in vielen Schriften und Vorträgen behutsam jene Schnittpunkte gesucht und dort auch sehr feinsinnig über Geistiges gesprochen. Dennoch gibt es eben auch Stellen, die davon zeugen, wie er in unreflektierter und dadurch irreführender Weise das Ewige des Seins in das Raum-Zeitliche des Irdischen hineinträgt. Das Sehen im Ewigen kann nicht das Sehen im Irdischen ersetzen. Es bedarf beider Erkenntniswege und keiner sollte sich anmaßen, über den anderen mehr zu wissen als dieser selbst.</p>
<p>Was bleibt, ist die Frage, wieso Steiner in diesen Zwiespalt geriet? Er vermochte doch so großartig klar und umfassend zu denken, was seine philosophischen Schriften eindrucksvoll belegen. Wie konnte er da den Widerspruch seiner eigenen Worte übersehen? Vielleicht war die Verlockung der materiell-konkreten Darstellung für ihn derart groß, dass er die Geisteswelt unbedingt plastisch sichtbar machen wollte. Es lag ihm daran, der geistigen Evolution und Erkenntnismethode zur gleichen Anerkennung zu verhelfen wie der biologisch-wissenschaftlichen. Doch gerade weil er das teilweise auch durch grob-sinnliche Schilderungen zu zeigen versuchte, hat er sich in vielen Kreisen unglaubwürdig gemacht.</p>
<p>Steiner hat gleichwohl selbst einen Hinweis gegeben, wie solche Missverständnisse in Zukunft reduziert werden könnten: „Die Einzeichnungen in der Akasha-Chronik sind nur schwer in unsere Umgangssprache zu übersetzen. Leichter ist die Mitteilung in der in Geheimschulen üblichen symbolischen Zeichensprache, deren Mitteilung aber gegenwärtig noch nicht erlaubt ist. Deshalb möge der Leser manches Dunkle und Schwerverständliche hinnehmen…“<sup class='footnote'><a href="#fn-5154-3" id='fnref-5154-3'>3</a></sup> Wieso erwähnt Steiner mit mysteriösem Unterton, dass die symbolische Art der Mitteilung „noch nicht erlaubt“ sei, obwohl er sie selbst für geeigneter hält? Schwingt da nicht auch etwas Geheimniskrämerei mit? Schrecken wir zu ehrfürchtig vor solchen Äußerungen zurück? Werden sie uns zur hemmenden Barriere? Vielleicht war Steiner selbst nur noch nicht mit dieser Fähigkeit begabt? Vielleicht hätte er besser gesagt: Ich vermag es nur so auszudrücken, aber es wäre gut, wenn jemand die Übersetzungsarbeit in eine Symbolsprache leisten würde, die das Geschaute besser umschreibt. Das wäre ehrlicher gewesen, mehr die eigene Schwäche im Blick behaltend. So hätte er auch für die Nachfolger mehr Möglichkeiten  einer unvoreingenommenen Annäherung und Weiterarbeit geboten. Wäre es für uns Heutige nicht angemessener, endlich um die <em>leichteren Mitteilungen</em> in der <em>symbolischen Zeichensprache</em> bemüht zu sein? Kommen da nicht die Mythen der Völker und die Träume der Menschen ins Spiel? Auch die Alchemie und die Hermetik in ihrer reichen Symbolsprache? C.G. Jungs <em>Rotes Buch</em> in seiner Bild– und Symbolfülle? Oder auch Hölderlins, Hegels und Schellings Gedanke einer <em>N</em><em>euen Mythologie</em>?<sup class='footnote'><a href="#fn-5154-4" id='fnref-5154-4'>4</a></sup> Finden sich überall dort nicht neue, vielfältige Möglichkeiten des Verstehens von Steiners Geistesschau?</p>
<p>Wir alle sind zum Schauen begabt, nur brauchen wir neue Erfahrungswege um nach dem Einheitserlebnis die zarten Spuren des vorübergegangenen Gottes zu lesen und die Sternenlichter in eine dem Zeitgeist verständliche Sprache zu fügen.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2012/februar/dem-schauen-auf-der-spur/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Februar 2012</a></em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-5154-1'>Exodus, Kapitel 33, Vers 18 (Übersetzung: Friedrich Weinreb) <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5154-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-5154-2'>alle folgenden Zitate aus GA 11, S.21–25 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5154-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-5154-3'>GA11, S.99 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5154-3">↩</a></span></li>
<li id='fn-5154-4'>vgl. Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5154-4">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Gott als Zukunft</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jul 2012 10:21:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nils Solanki</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Integral/Evolutionär]]></category>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/Impulse003_08_Sanguin_xx-xx_G2.jpg" rel="lightbox[5116]"><img class="alignright  wp-image-5120" style="margin-left: 10px;" title="Gott als Zukunft" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/Impulse003_08_Sanguin_xx-xx_G2.jpg" alt="" width="200" /></a>Der Theologe John Haught ist der Ansicht, der beste Name für Gott – dazu ein Name, der in den biblischen Erzählungen gegründet ist – sei Die Zukunft. Die Idee, dass Gott seinen Ort in der Zukunft hat, ist schwieriger zu verstehen als die Vorstellung, dass in der Vergangenheit oder Gegenwart anwesend ist. Durch Geschichtsbücher, unsere eigene persönliche Geschichte und unser Gedächtnis können wir uns der Realität der Vergangenheit vergewissern. Sie ist das, was sich bereits ereignet hat. Auch die Gegenwart ist für uns kein Problem. Wir können sie nicht leugnen, obwohl unsere offenkundige Unfähigkeit, voll und ganz darin anwesend zu sein, sie oft verstellt, woran uns Eckhart Tolle und andere Gurus des „Jetzt“ immer wieder erinnern. Die Gegenwart ist dieser Augenblick, wir können sie erfahren, indem wir tief einatmen, unseren geschwätzigen Geist anhalten und in unserer Erfahrung gegenwärtig werden. Sie ist das, was jetzt gerade geschieht.</p>
<p>Aber dieser Augenblick überschneidet sich immer mit einer Zukunft, die beständig im Prozess des Ankommens ist. Da, gerade ist sie wieder angekommen. Aber wir tun uns schwer, der Zukunft einen vollen, existenziellen Status zuzuschreiben, denn per definitionem existiert die Zukunft noch nicht. Die Zukunft liegt immer gerade außerhalb unserer Reichweite und ist doch immer im Prozess des Ankommens.</p>
<p>Das biblische Buch der Offenbarung bezeichnet Gott als Alpha, den Anfang, und als Omega, das Ende. Wir neigen immer dazu, Gott eher als Alpha zu sehen – als Schöpfer. Aber wir denken nicht viel darüber nach, inwiefern Gott als Omega anwesend ist – als Ende. Die fundamentalistische Religion denkt wohl an Gott als Omega, aber für deren Anhänger bedeutet es, dass Gott eine vorherbestimmte Endzeit festgesetzt hat, in der „Er“ die Geschichte zu einem abrupten, gewaltsamen Ende führt. Dieses Denken reduziert Vergangenheit und Gegenwart auf wenig mehr als ein Zwischenstadium. Sie sind einfach das, was sich ereignet, während wir herumsitzen und auf die richtige Action – die apokalyptische Action – warten. Aber diese Denkweise verkleinert die Rolle der Geschichte und die Rolle, die wir bei der Gestaltung der Zukunft spielen.</p>
<h4>Die Gegenwart der Zukunft</h4>
<p>Teilhard de Chardin, katholischer Priester und Paläontologe, war ein fortschrittlicher Denker, der sowohl die Evolution als auch die Zukunft ernst nahm. Er stellte die Frage: „Wer gibt uns einen Gott für die Evolution?“ Er suchte nach einer Gottesvorstellung, die der Naturwissenschaft, insbesondere der Wissenschaft von der Evolution den gebührenden Platz einräumt. Wer der Evolution, speziell der bewussten Evolution innerhalb der menschlichen Spezies, diesen Platz gewährt, schreibt uns die Fähigkeit zu, Entscheidungen zu treffen, die wirklich etwas bewegen. Wir warten nicht darauf, dass irgendein Himmelsgott einseitig eingreift und eine vorherbestimmte Zukunft herbeiführt. Wir selbst sind in der Lage, die Zukunft auf bewusste Weise mit zu erschaffen. Gleichzeitig behaupten wir als Christen, dass die Realität, die wir „Gott“ nennen, die Freiheit hat, unsere Entscheidungen ganz ohne Zwangsausübung zu beeinflussen. Teilhard de Chardin stellte sich einen kosmischen Christus vor, der den Omega-Punkt bildet, nicht bloß das Alpha. Der Omega-Punkt ist die verheißungsvolle Gegenwart der Zukunft, auf die hin die gesamte Schöpfung zusammenfließt, und im Prozess dieses Zusammenfließens entwickelt sich die Schöpfung auch in Bezug auf Intelligenz, Liebe und Kreativität immer weiter.</p>
<p>Teilhard stellt sich Gott als ein göttliches Milieu vor, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfasst und sich darin andeutungsweise ausdrückt. Gott ist gegenwärtig in der Vergangenheit als der/das Eine, aus dem das Universum entsteht. Das ist der Gott, von dem die großen Schriften der Weltreligionen sowie die alten Stammesmythen und Legenden der Urvölker Zeugnis ablegen. Je konservativer jemand in seiner Theologie ist, desto größer ist die Tendenz, das, was wir über Gott wissen können, ausschließlich in diesen historischen Erzählungen zu lokalisieren, oder gar innerhalb der Tradition, die sich um diese Erzählungen herum organisiert. Wenn wir unser Wissen um Gott vorzugsweise aus der Vergangenheit beziehen, blicken wir, wo es um die Offenbarung der Wahrheit geht, rückw.rtsgewandt auf die Schrift, auf die Tradition und auf die historische Gründergestalt – in unserem Fall Jesus von Nazareth.</p>
<p>Wir können Gott auch in der Gegenwart finden. Das Universum taucht in einem immerwährenden Prozess jeden Augenblick aufs Neue aus dem Nichts auf. Erfolgreiche Bücher wie Jetzt. Die Kraft der Gegenwart sind bei den postmodernen Menschen sehr beliebt, die sich als „spirituell, aber nicht religiös“ bezeichnen. Was nichts anderes bedeutet, als dass sie kein besonderes Interesse daran haben, in vergangene Zeiten zurückzublicken, wenn sie das Heilige erfahren wollen. Sie suchen eher nach der Befreiung von Vergangenheit und Zukunft in der Stille des „zeitlosen“ Jetzt. Wenn wir ganz im Augenblick sind, befreien wir unseren Geist von der Tyrannei des Gedankenprozesses und unserer Sorge um die Zukunft. Die Meditation hilft uns, in diesen Bewusstseinszustand einzutreten, bei dem es einzig darum geht, in der Gegenwart anwesend zu sein. Wir entwickeln eine Wahrnehmung des Heiligen, indem wir das, was sich gerade jetzt und jetzt und jetzt ereignet, aufmerksam wahrnehmen und wertschätzen.</p>
<blockquote><p>Gott muss in der Zukunft auf eine Weise anwesend sein, die zwar Einfluss auf die Evolution des Kosmos ausübt, aber nicht direkt eingreift.</p></blockquote>
<p>Kann Gott aber auch als einer erscheinen, der in der unerprobten und unbestimmten Zukunft gegenwärtig ist? Die Bibel scheint von der Ansicht zu zeugen, dass sich Gott tatsächlich gerade da aufhält – nicht so sehr „da oben“, sondern da, „vor“ uns. Ich werde gleich die Argumente dafür anführen. Fürs Erste müssen wir bedenken, was auf dem Spiel steht. Wir behaupten, dass Gott irgendwie in einer Zukunft gegenwärtig ist, die noch nicht existiert. Darüber hinaus behaupten wir, Gott sei in dieser Zukunft auf eine Weise gegenwärtig, die den freien Willen und die evolutionäre Kreativität der Menschen würdigt – wenn man voraussetzt, dass wir in personalisierter Form den evolutionären Impuls des Universums darstellen. Mit anderen Worten: Schon aus Prinzip und aufgrund der Würde des freien Willens kann uns keine Zukunft aufgezwungen werden. Gott muss in der Zukunft auf eine Weise anwesend sein, die zwar Einfluss auf die Evolution des Kosmos ausübt, aber nicht störend eingreift.</p>
<h4>Eine Feuersäule in der Nacht und eine Wolke am Tag</h4>
<p>Zunächst möchte ich diese Gedanken mit einem neuen Verständnis der Bibel verbinden. Es gibt zahllose Geschichten, in denen Gott sein Volk durch die Verheißung einer besseren Zukunft weiterzieht – eine Zukunft, für deren Verwirklichung sein Volk wichtig ist. Die Legende von der Befreiung der Hebräer aus der ägyptischen Gefangenschaft stellt sich Gott so vor, dass er vorausgeht und führt. Gott ist die Anwesenheit der Zukunft, die Moses in einem brennenden Dornbusch erscheint. Die Zukunft besteht im Geist Gottes als eine Welt, die von Sklaverei und der Art von Leiden, das die Hebräer erfahren, frei ist. Diese Idee „kommt“ zu Moses als eine Möglichkeit, die noch nicht in seinen Gedanken erschienen ist. Als Moses dann Gott, der es mit dem Pharao aufnehmen will, nach seinem Namen fragt, kann der göttliche Name folgendermaßen übersetzt werden: „Ich bin der ich bin“ oder „Ich werde der sein der ich sein werde“ – der Eine, der sowohl Gegenwart als auch Zukunft ist.</p>
<blockquote><p>Die Zukunft ist immer jenseits von uns – so wie „Gott“ es ist – und kommt doch ständig mit dem Angebot neuen Lebens auf uns zu.</p></blockquote>
<p>Diese Gegenwart kommt in Moses Bewusstsein mit der Aufforderung, die Hebräer zu befreien. Die Idee „kam“ zu Moses. Woher kam sie? Die Geschichte sagt, dass sie von Gott kam, der im Reich der zukünftigen Möglichkeiten weilt, die bisher von den Menschen noch nicht erwogen wurden. Moses will wissen, wie um alles in der Welt er es wagen kann, sich dem Pharao von Ägypten entgegenzustellen? Gott bittet Moses einfach, in das Mögliche zu vertrauen. Und nach einer Reihe von Auseinandersetzungen mit dem Pharao und den tödlichen Plagen können die Hebräer flüchten. Die Legende dieser Flucht beschreibt, dass Gott ihnen als eine Feuersäule in der Nacht und eine Wolke am Tag vorausging, damit sie Tag und Nacht in die zukünftige Verheißung der Freiheit wandern konnten.</p>
<p>In der Bibel herrscht immer die Vorstellung von Gott als einem, der den Menschen voraus ist, der aus der Zukunft in eine Zukunft führt, die kein Mensch je für möglich gehalten hätte. Im Normalfall waren die Lebensumstände so, dass die Gegenwart sehr öde war und niemand, der seinen Verstand beieinanderhatte, tiefer in sie eindringen wollte. Die Spiritualität des Jetzt zu verabsolutieren wäre absurd gewesen. Wenn man den Stiefel der Geschichte brutal im Nacken spürt, würde ein Verweilen in der Gegenwart heißen, einen gebrochenen Hals zu riskieren. Die Hoffnung auf die Zukunft war notwendig, und Gott wird immer so dargestellt, dass er genau das tut – denen, die sich die Mühe geben, zu hören, begegnet er als Anwesenheit einer besseren Zukunft im Hier und Jetzt.</p>
<p>Die Quelle der Hoffnung ist nicht die tiefe Akzeptanz der gegenwärtigen Bedingungen. Es ist die Ahnung einer neuen Zukunft im Hier und Jetzt, die dem jüdischen Volk ermöglicht, weiterzugehen. Durch irgendein Geheimnis kommt die Idee in den Geist Moses, dass die derzeitigen Umstände der Unterdrückung nicht Gottes Wille in Bezug auf das hebräische Volk sind – und er nimmt diese Möglichkeit so tief in sich auf, dass er Verantwortung für ihre Verwirklichung übernimmt. Wenn es irgendein Wunder in der Bibel gibt, dann ist es das – diese Dynamik der Zukunft, die kommt, um dem Einzelnen mit neuen Möglichkeiten zu begegnen, und dass diese Menschen von dieser Möglichkeit so transformiert werden, dass sie aufstehen und sich dazu verpflichten, dass die Verwirklichung der Zukunft in ihnen und durch sie hervorgebracht wird. Gott kommt zum Volk Gottes aus der Zukunft und öffnet Raum, um neue Möglichkeiten durch bewusste Entscheidung zu erkennen und umzusetzen. Moses hat die Freiheit, es abzulehnen, nach dieser Ahnung einer anderen Zukunft zu handeln, und das trifft für uns alle zu.</p>
<h4>Die verborgene Ganzheit</h4>
<p>Doch wie kann Gott in der Zukunft und als die Zukunft so anwesend sein, dass er nicht unseren freien Willen überw.ltigt und diese Zukunft nicht einseitig vorherbestimmt? Kann uns die Naturwissenschaft hier helfen? Schließlich müssen sich, wenn denn die Evolution ihren eigenen Gott haben soll, Analogien im Bereich der Naturwissenschaften finden lassen. Es zeigt sich, dass wir eine gewisse Hilfestellung bei dem Phänomen finden, das die Naturwissenschaft einfach als „Information“ bezeichnet. In unserem Zusammenhang bezieht sich Information auf die Fähigkeit des Universums, aus einer niedrigeren Ordnung eine höhere Ordnung hervorzubringen. Es gibt eine Kraft neben Materie und Energie – der Physiker David Bohm spricht von einer „verborgenen Ganzheit“ –, die die Wirklichkeit durchdringt und der eine Tendenz innewohnt, aus einer relativen Unordnung Kohärenz, Integrität und Komplexität hervorzubringen. Die Naturwissenschaften würdigen dieses Mysterium mit Begriffen wie Neuheit, Selbstorganisation und Autopoiesis. Neuheit bedeutet, dass zwei Teile beim Zusammenkommen ein Ganzes ergeben, das nicht nur größer als die Summe seiner Teile ist, sondern auch auf unvorhersehbare Weise neu und komplexer. Selbstorganisation besagt, dass ein System, wenn es unter Druck gerät, in eine höhere Ordnung durchbrechen kann. Autopoiesis bezeichnet die Fähigkeit eines Organismus, sich selbst zu erneuern und zu verändern. Aber verwechseln wir nicht Beschreibung mit Erklärung. Die Naturwissenschaft hat Begriffe dafür, aber die „Information“ bleibt ein Geheimnis.</p>
<blockquote><p>Das Leben scheint einfach zu wissen, wie leben funktioniert.</p></blockquote>
<p>Das Leben scheint einfach zu wissen, wie leben funktioniert. Aus der Materie entsteht Leben, aus dem Leben entsteht Geist, aus dem Geist entstehen selbstbewusste Wahrnehmung, durch die ein ganzes Universum sich selbst erkennen kann, Entscheidung in Verantwortung sowie Anstrengung für eine ersehnte Zukunft. Hartgesottene Materialisten behaupten, diese komplexeren Ebenen hätten sich einfach aus den einfachsten Formen entwickelt. Der Lehm habe sich irgendwie selbst hochgezogen, wie sich Schnürsenkel (engl. bootstraps) am Stiefel hochziehen, und gelernt, Atomphysik zu betreiben. Diese sogenannte Bootstrapping-Theorie setzt ein ordnendes oder strukturierendes Informationsfeld voraus, das die Wirklichkeit in Richtung größerer Einheit und Unterschiedlichkeit und größeren Bewusstseins beeinflusst, indem es sie nach oben und nach vorn zieht. Diese Vorstellung beinhaltet nicht nur den Eros-Drang des evolutionären Impulses. Es gehört auch ein verheißungsvoller Sog aus der Zukunft dazu. Die Information existiert als Bereich höherer oder größerer Möglichkeit, die den evolutionären Prozess beeinflusst, aber nicht in ihn eingreift. Wir tun uns schwer, das zu begreifen, denn wir haben gelernt, nur Vergangenheit und Gegenwart als „wirklich real“ anzusehen. Wir sind von historischen Kausalitäten durchtränkt. Alles, was wir um uns her sehen, muss durch irgendein Ereignis in der Vergangenheit verursacht worden sein. Ein großer Teil unseres Lebens ist ja tatsächlich eng an die Vergangenheit gebunden. Aber ist es absolut „verursacht“ durch die Vergangenheit? Vielleicht nicht. Sehen wir uns unsere Sprache an. Wir fragen uns, was die Zukunft „bereithält“. Diese Metapher des Haltens zeigt uns die Zukunft als Behältnis unermesslicher Möglichkeiten. Sie ist nicht vorherbestimmt, sondern kommt zu uns in der Intuition, in einem flüchtigen Blick, durch unerwartete Gelegenheiten und Umstände, die sich uns „schenken“. Wenn wir dafür offen sind, entdecken wir in ihnen eine unsichtbare, unberührbare und doch machtvolle Kreativität für die Umgestaltung nicht nur unseres eigenen Lebens, sondern tatsächlich auch der Zukunft der Erde. Die Zukunft ist immer jenseits von uns – so wie „Gott“ es ist – und kommt doch ständig mit dem Angebot neuen Lebens auf uns zu.</p>
<blockquote><p>Der Omega-Punkt ist die verheißungsvolle Gegenwart der Zukunft, auf die hin die gesamte Schöpfung zusammenfließt.</p></blockquote>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin EnlightenNext Impuls, <a href="http://www.enlightennext.de/2012/03/15/enlightennext-impulse-nr-3/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Frühling 2012</a></em></p>
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