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	<title>OpenMindJournal &#187; Christentum</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Lebenspraxis und Change</description>
	<lastBuildDate>Thu, 17 May 2012 11:01:36 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Sein Leib sei unser Tempel</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 15:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>

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		<description><![CDATA[In Bayern soll, wenn es nach den Plänen des dort ansässigen Künstlers Angerer der Ältere geht, die welthöchste Christus-Statue erbaut werden. Angerer der Ältere wurde bereits durch zahlreiche Arbeiten für Film, Bühne und private Auftraggeber bekannt und ausgezeichnet. So schuf er zum Beispiel die Bildwelt für die Hollywood-Verfilmung von Michael Ende’s Die unendliche Geschichte und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4305" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/chrsitus-dom.jpg" rel="lightbox[4303]"><img class=" wp-image-4305" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/chrsitus-dom-300x168.jpg" alt="" width="200" height="112" /></a><p class="wp-caption-text">Eine Christus Statue als Christus Dom © Angerer der Ältere</p></div>
<p><em>In Bayern soll, wenn es nach den Plänen des dort ansässigen Künstlers </em>Angerer der Ältere<em> geht, die welthöchste Christus-Statue erbaut werden.</em></p>
<p>Angerer der Ältere wurde bereits durch zahlreiche Arbeiten für Film, Bühne und private Auftraggeber bekannt und ausgezeichnet. So schuf er zum Beispiel die Bildwelt für die Hollywood-Verfilmung von Michael Ende’s <em>Die unendliche Geschichte</em> und gestaltete sogar das Grabmal des deutschen Autors. Dafür ergatterte er nicht nur den Bayerischen Filmpreis, sondern begeisterte damit auch ein Millionenpublikum.</p>
<p>Die ideenreiche Handschrift des Künstlers ziert Industrieprodukte genauso wie Architektur, Einrichtungsgegenstände und sogar Brettspiele. Seine Gemälde lassen den Betrachter eintauchen in phantastische und teils surreale Welten und brachten Angerer den Älteren auf die Liste der <em>Erben Dali’s</em>.</p>
<div id="attachment_4307" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/angerer_der_aeltere.jpeg" rel="lightbox[4303]"><img class="size-thumbnail wp-image-4307 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/angerer_der_aeltere-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Angerer der Ältere</p></div>
<p>Der jetzige Papst Benedikt XVI, ließ es sich nicht nehmen eine von Angerer dem Älteren entworfene und in Eigeninitiative gebaute <em>Erlöserkapelle</em> als „endlich wieder wirkliche sakrale Kunst“ mit einem persönlichen Grußwort zu loben. Ein Kunstwerk, das sowohl italienische und deutsche Würdenträger ebenso begeistert, wie den Metropolit aus Rumänien, der ihm den Auftrag für eine Ikone erteilte; eine große Ehrzuteilung für einen katholischen Christen.</p>
<p>Nun soll ein weiteres christliches Kunstwerk von Angerer der Ältere verwirklicht werden. Das Besondere an diesem Christus Dom ist, dass tatsächlich erstmalig die Worte der Heiligen Messe »mit Ihm, durch Ihn,<strong> </strong><em>in Ihm</em>« wahrhaftig bauliche Wirklichkeit werden.</p>
<p>Aus der Presseaussendung zu dem Projekt:</p>
<h4>Die Kirche ist tot? Hoch lebe die Kirche!</h4>
<p>Würde die Kirche ein klassisches Wirtschaftsunternehmen sein, müsste sie dringend einen Marken-Relaunch starten inkl. einer millionenschweren TV Kampagne.</p>
<p>Der neue Slogan könnte lauten: <em>Von Engeln empfohlen!</em></p>
<p>Die Kirche ist aber kein Wirtschaftsunternehmen. Sie sollte sich wieder auf das Wesentliche (rück)besinnen, nämlich:</p>
<blockquote><p><em>„Wenn das Christentum in einer Zeit völliger Auflösung und Relativierung aller Werte und der zur Mode gewordenen Verhöhnung des Göttlichen keine sichtbaren Zeichen des lebendigen Glaubens setzen kann, wird es immer mehr Einfluss im geistigen Hintergrund des täglichen Lebens verlieren.“</em> (Angerer d.Ä.)</p></blockquote>
<p>Die leibhaftige Menschwerdung Christi, die Botschaft <em>„sein Leib sei unser Tempel“</em>: dieser Gedanke lässt Angerer der Ältere nicht los und so nahm die Idee, diesen Leib Christi als Kirchenraum, als Dom zu sehen, Gestalt an.</p>
<p>Ein Video auf YouTube zeigt eindrückliche Aussen– und Innenansichten des geplanten Sakralbaues:</p>
<p><iframe width="500" height="281" src="http://www.youtube.com/embed/8LJAMmMg9vs?fs=1&#038;feature=oembed" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Spiritualität für Ungläubige</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 19:15:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Spirit]]></category>
		<category><![CDATA[Weltspiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kirchen verlieren ungebremst Mitglieder. An den Rändern und ausserhalb der Religionen ereignet sich zugleich ein mystischer Aufbruch, der sich jeder Kategorisierung entzieht. Das kommt nicht alle Tage vor: In Fällanden, dem Dorf vor den Toren der Stadt Zürich, wo diese Zeitschrift zu Beginn der 90er Jahre ihren Verlagssitz hatte, wurde eine neue Kirche gebaut. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Kirchen verlieren ungebremst Mitglieder. An den Rändern und ausserhalb der Religionen ereignet sich zugleich ein mystischer Aufbruch, der sich jeder Kategorisierung entzieht.</em></p>
<div id="attachment_4192" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/Eigene_Wege_gehen.jpg" rel="lightbox[4189]"><img class=" wp-image-4192 " title="Eigene Wege gehen, Bild: Heinz Robert" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/Eigene_Wege_gehen-300x224.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">25% der Schweizer Bevölkerung geht eigene spirituelle Wege, abseits jeglicher Konfession.</p></div>
<p>Das kommt nicht alle Tage vor: In Fällanden, dem Dorf vor den Toren der Stadt Zürich, wo diese Zeitschrift zu Beginn der 90er Jahre ihren Verlagssitz hatte, wurde eine neue Kirche gebaut. Die örtliche Pfarrei der auf rund 2000 Seelen angewachsenen Katholiken konnte es sich nach Jahrhunderten der Diaspora leisten, ein eigenes Gotteshaus zu errichten. Am Rande des Dorfes entstand auf frischem Land ein moderner Sakralbau. Die älteste der christlichen Traditionen leistete sich einen Neuanfang mitten im Zwingliland: ein schmucker quadratischer Bau, darin ein runder Kirchenraum, frei von Ornamenten, hell, einladend, freundlich.</p>
<p>Gespannt betrat ich die neue Kirche. Mitten am Tag stand die Türe offen und lud zur Besichtigung ein. Ich war baff. So etwas hatte ich noch nie gesehen: Die geräumigen Sitzbänke richteten sich wie üblich nach vorne aus auf jenen heiligen Bereich, wo der Priester nach katholischem Ritus die Messe zelebriert. Doch dort gab es keine Abschrankung, keine Altarwand, keinen übermächtig sterbenden Heiland am Kreuz, keine Engel, keine Heiligen, keine Puten. Dort vorne stand ein schlichter, geradliniger Tisch, und dahinter reichte vom Boden bis unters Dach ein riesiges Fenster. Klares Fensterglas. Der Blick der Gemeinde ging unverstellt hinaus in die freie Natur, ins Riedland zwischen Dorf und Greifensee. Wiesen, Vögel, Bäume, gelegentlich ein Spaziergänger, Jogger, Hunde, und darüber spannte sich ein weit offener Himmel.</p>
<p>Diese Botschaft gefiel mir. Ich setzte mich in eine Bank und liess die Räume auf mich wirken. Der geschlossene Raum spendete Wärme und Geborgenheit, ohne die Aussenwelt, die Natur, den Betrieb des Alltags auszuschliessen. Die «Heiligung der Welt», der eigentliche, heute kaum mehr bekannte Zweck der katholischen Messe: Hier machte das Anliegen wieder Sinn und wurde nachvollziehbar. Mehr noch: «Katholisch» – bedeutet dieser Begriff seinem Wortsinn nach nicht «universell» und «allumfassend»? Selbst dieser Anspruch schien mir mit der neuen Kirche von Fällanden eingelöst. Davon liess ich mich gerne umfassen.</p>
<p>Voller Zuversicht verliess ich den Sakralbau, beflügelt vom Wunsch, für Andacht und Meditation bald wiederzukommen. Die Ernüchterung wartete im Eingangsbereich auf mich. Dort lag ein Ordner auf, der die Besucher über eine ambitionierte Spendenaktion informierte. Die Gemeinde sammelte Geld für ein Kirchenfenster. Geplant und vom Künstler im Entwurf bereits ausgeführt, war eine immense Darstellung der Heiligen Katharina von Siena. Das imposante Bild der Namenspatronin sollte just jenes Fenster einnehmen, welches jetzt noch so grosszügig den Blick in die Welt freigab. Tja.</p>
<p>Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, die damals neue, immer noch schmucke katholische Kirche von Fällanden wieder zu besuchen. Die Türe stand immer noch offen, und ich konnte mich mit eigenen Augen über den Stand der Dinge ins Bild setzen. Das neue Glasfenster ist verwirklicht worden, der Blick der Gläubigen geht nicht länger in die Welt hinaus, die Augen bleiben hängen an der Darstellung einer katholischen Heiligen.</p>
<h4>Die Unterscheidung</h4>
<p>Wo liegt das Problem? Religionen sind so. Stimmt. Aber wir sollten sie und ihren Betrieb nicht länger mit Spiritualität verwechseln. In der Öffentlichkeit ist diese Verwechslung noch gang und gäbe. Wenn es in den Medien um spirituelle Fragen geht, werden kirchliche Exponenten zitiert, allenfalls dürfen sich noch Vertreter anderer anerkannter Religionen dazu gesellen. Es wird getan, als ob die Kirche noch mitten im Dorf wäre. In ihrem eigenen, privaten Leben jedoch hat die Mehrheit der Menschen längst zu unterscheiden gelernt zwischen diesem und jenem. Die meisten haben verstanden, dass Religion ein parasitäres Gewächs ist, das von der Spiritualität zehrt, und nicht umgekehrt.</p>
<p>Diese Formulierung verdanke ich Nicholas Humphrey. In seinem kürzlich veröffentlichten Werk Soul Dust sagt der britische Psychologieprofessor und Bewusstseinsforscher überdies: «Es trifft zu, dass gewisse Evolutionspsychologen argumentieren, der religiöse Glaube des Menschen sei eine unvergleichliche biologische Anpassungsleistung. Einige behaupten gar, im menschlichen Gehirn lasse sich so etwas wie ein ‚genetischer Gottes-Bestandteil‘ finden. Doch diesen Ansichten fehlt jede Evidenz. Weder gibt es Hinweise darauf, dass der Gottesglaube in der Entwicklung des Menschen weit zurückreicht, noch gibt es Belege dafür, dass dem Individuum durch diesen Glauben in der Evolution ein Vorteil erwachsen wäre.»</p>
<h4>Eigene Wege gehen</h4>
<p>Eine 2011 veröffentlichte Studie des Schweizer Nationalfonds belegt eindrücklich die Absetzbewegung der Schweizer von den Kirchen. Vor 40 Jahren gehörten noch je 45 Prozent der Bevölkerung entweder zur katholischen oder zur protestantischen Landeskirche. 9 Prozent zählten damals als Gläubige anderer Religionen, und nur gerade 1 Prozent bekannte sich zum Status der Konfessionslosigkeit. Heute bezeichnet sich ein Viertel der Schweizer Bevölkerung als konfessionslos, und von diesen 25 Prozent heisst es ausdrücklich, dass sie dem Thema keineswegs gleichgültig gegenüberstehen, sondern eigene spirituelle Wege gehen.</p>
<p>Während die Medien unverdrossen von einem Wiedererstarken des Religiösen reden und dabei ihre Aufmerksamkeit auf marginale Gruppen wie die Evangelikalen oder islamistische Gruppierungen richten, die ihre Überzeugungen lautstark in die Öffentlichkeit tragen, hat sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung leise vom Betrieb der Kirchen verabschiedet. Ein Grossteil der Schweizer lebt heute auf Distanz zum Religionsbetrieb (64%). 10% stehen säkular abseits, und 9% sind alternativ religiös unterwegs.</p>
<p>Aber, so halten die Autoren der Nationalfonds-Studie fest, «die Distanzierten glauben nicht nichts». Es gibt bloss kein öffentlich formiertes Bekenntnis, in dem sie sich wiederfänden. Und so bezahlt manch ein Distanzierter gar noch Kirchensteuern, obwohl er sich innerlich längst von «seiner» Kirche abgewendet hat. Wenn die Kirchen seinen Beitrag dazu verwenden, soziale Arbeit zu leisten, ist ihm das recht. Erfährt er von Doppelmoral und Sexskandalen, kann es aber vorkommen, dass er sich empört abwendet und den Austritt gibt.</p>
<p>Aus dem Blickwinkel der Gläubigen ist das ein Zerfall, das finale Kapitel in dem von Oswald Spengler beschworenen «Untergang des Abendlandes». Mit dem christlichen Glauben sehen sie die ethischen Werte, die Moral und die demokratischen Tugenden unserer Gesellschaft vor die Hunde gehen. Aus dem Blickwinkel jener, die sich seit Langem auf den Anbruch eines neuen Zeitalters freuen, ist es gerade umgekehrt: Das Alte weicht und macht Platz für Neues, das sich zunächst bloss zaghaft, nun aber zunehmend deutlich abzeichnet: eine Spiritualität jenseits überkommener Formen, eine neue Gestimmtheit des Menschen aus sich selbst heraus, in wacher, offener Verbindung mit den Kräften der Welt und des Kosmos.</p>
<h4>Universelle Werte</h4>
<p>«Happy», «Safe», «Free», drei Worte, grossgeschrieben auf einzelnen Blättern, hängen in einem kalifornischen Tonstudio an der Wand. Ein gemischter Chor intoniert das Mantra: «Mögen alle Wesen glücklich sein, mögest du beschützt sein, mögen wir frei sein ……» Eine Stunde lang Segenswünsche auf unendlich. Verschiedene Solisten, darunter auch die Schweizer Mantra-Sängerin Dechen Shak-Dagsay, stossen dazu und variieren die Botschaft in ihrer Sprache, auf ihre Weise. Die kanadische Musikerin Jennifer Berezan hat diese berührende Musik komponiert und die Produktion ihrer neuen CD In These Arms auf die Beine gestellt. Sie singt: «I long to hold the whole world in these arms.»</p>
<p>Englisch ist die Universalsprache unserer Zeit. Freiheit, Glück, Geborgenheit sind universelle Begriffe, von denen wir annehmen dürfen, dass jeder Mensch auf der Welt sie begreifen kann und sie auf seine Weise zu verwirklichen sucht. Es lassen sich weitere solche Begriffe nennen: Liebe, Aufrichtigkeit, Mitgefühl, Solidarität, Fürsorge, Mut und noch einiges mehr. Alle diese Werte haben in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Ausprägungen erfahren und zu archetypischen Gestalten geführt, mit denen sie identifiziert werden. Die christliche Maria, die afroamerikanische Oshun und die buddhistische Guanyin stehen für Mitgefühl und unendliche Liebe; Lakshmi gilt Hindus als Verkörperung von Glück und Schönheit; die Römer schrieben diese Qualitäten der Göttin Fortuna zu; Wilhelm Tell heisst bei uns ein kultisch verehrter Held der Freiheit; für Schotten ist das William «Braveheart» Wallace; und für Juden ist es Moses, der sein Volk aus ägyptischer Gefangenschaft in die Freiheit führte.</p>
<p>«Der Heros in tausend Gestalten», wie es der Psychologe Joseph Campbell nannte und damit C. G. Jungs Konzept vom Archetypus ausführte. Heute ist es uns möglich, das eine mit dem anderen zu vergleichen. Wir können in den vielen Gestalten das Gemeinsame erkennen und als seelischen Kern benennen: Liebe, Glück, Freiheit. Das mögen zwar lauter abstrakte Begriffe sein, doch haben diese Begriffe den unbestreitbaren Vorteil, dass sie uns verbinden, statt uns in religiös und kulturell bedingte Formen zu verstricken, zwischen denen es in der Regel keine Vermittlung gibt.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Spuren, <a href="http://www.spuren.ch/archiv/archiv_comments/1079_0_88_0_C/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 100 </a></p>
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		<title>Weihnachten ist Fest der Liebe</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/12/24/weihnachten-ist-fest-der-liebe/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 23:19:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
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		<description><![CDATA[Mönch empfiehlt Rückbesinnung auf Botschaft der Feier Heiligenkreuz (pte) — Kein anderes Fest feiern so viele Menschen zugleich wie Weihnachten, darunter auch viele Nichtchristen. Denn die Menschheit braucht ein gemeinsames Fest, legt der Zisterzienserpater Karl Wallner im bei Pattloch erschienenen Buch »Das Fest der Liebe« dar. »Sogar Terroristen respektieren den Weihnachtsfrieden. Die Riten und Bräuche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Mönch empfiehlt Rückbesinnung auf Botschaft der Feier</h2>
<div id="attachment_4168" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/ap4eccd82b1aefd_s.jpg" rel="lightbox[4165]"><img class="size-medium wp-image-4168 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/ap4eccd82b1aefd_s-300x190.jpg" alt="" width="300" height="190" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / kirchenlicht im winter © Norbert Anspach</p></div>
<p>Heiligenkreuz (pte) — Kein anderes Fest feiern so viele Menschen zugleich wie Weihnachten, darunter auch viele Nichtchristen. Denn die Menschheit braucht ein gemeinsames Fest, legt der Zisterzienserpater Karl Wallner im bei Pattloch erschienenen Buch »Das Fest der Liebe« dar. »Sogar Terroristen respektieren den Weihnachtsfrieden. Die Riten und Bräuche schaffen ein kollektives Gefühl der Geborgenheit, das für ein gutes Leben in Gemeinschaft nötig ist. Um dabei auch Sinn für das eigene Leben zu erfahren, hilft es sehr zu überlegen, warum wir Weihnachten feiern«, so der Mönch aus dem <a href="http://stift-heiligenkreuz.org" target="_blank" rel="external nofollow">Stift Heiligenkreuz</a> im pressetext-Interview.</p>
<h4>Provokation Gottes</h4>
<p>Die Sehnsucht nach der Überwindung der Finsternis durch den Sieg des Lichtes ist tief im Menschen verwurzelt, betont Pater Wallner. »Sichtbar wird das daran, dass schon vor dem Christentum die Wintersonnenwende gefeiert wurde, etwa von den Römern beim Fest des ›Sol invictus‹ oder von den nordischen Völker bei den Julfesten.« Weihnachten gibt es erst seit dem vierten Jahrhundert, als das heidnische Fest durch die christliche Neudeutung »getauft« wurde.</p>
<p>Die Weihnachtsgeschichte ist zeitlos und berührt, legt der Theologe dar: »Gott kommt zum Menschen, klein und bescheiden als Flüchtlingskind im Stall von Bethlehem. Er sucht sich dafür einen Krisenmoment im Leben aus — die Situation einer Hochschwangeren, der die Türen zugeknallt werden durch menschliche Verschlossenheit, ganz nach den Slogans ›Geiz ist geil‹ oder ›Ich habe nichts zu verschenken‹.« Dass Gott sich derart armselig zeigt und sich »auf Krippenlänge verkürzt«, sei eine bleibende Provokation.</p>
<h4>Geben statt nehmen</h4>
<p>Die zentrale Botschaft von Gottes weihnachtlichem Auftreten ist das sich-Verschenken aus Liebe, so der Buchautor. Ein Kind sei der beste Vermittler dafür. »Ein Neugeborenes ist selbst Geschenk für seine Eltern, berührt die Menschen um sich und drängt mit seiner Hilflosigkeit sein Umfeld förmlich dazu, ihm Liebe zu geben.« Deshalb habe auch das Schenken als Liebeszeichen zu Weihnachten eine zentrale Bedeutung. Pater Wallner kommentiert es mit einem Ausspruch des Heiligen Paulus: »Geben ist seliger als Nehmen«.</p>
<p>Derzeit kommt dem Fest die religiöse Bedeutung abhanden, was durch den Weihnachtsmann personfiziert ist. Der katholische Priester beobachtet es mit Sorge. »Botschaft und Aufgabe von Santa Claus ist bloß, Kinder so zu manipulieren, dass Erwachsene möglichst viel für sie kaufen.« Ebenso fragwürdig sei aber auch die Darstellung des Christkindes, das nur herumfliege und Geschenke besorge. Bleibt der Inhalt ausgeklammert, bricht die Hülle aus Ritual und Kult schnell zusammen, urteilt Pater Wallner.</p>
<h4>Zeit des Zusammenrückens</h4>
<p>Weihnachtliche Sinnfindung gelingt besonders durch Rückbesinnung. »Worum es geht, ist der Geburtstag von Jesus. Deshalb spielt es für das innere Erleben des Festes keine große Rolle, ob der Christbaum groß oder klein ist. Damit es mehr ist als ein ausgedehntes Abendessen, empfiehlt es sich, auch dem religiösen Inhalt Platz zu geben und die Kirche zu besuchen. Eine Christmette kann durch ihre Botschaft und Gestaltung jeden ansprechen, obwohl der Zugang herausfordert.«</p>
<p>Angst bereitet das Weihnachtsfest vielen, die einsam leben. Religiösen Menschen helfe der Gedanke an die Gemeinschaft mit Gott, doch ist Weihnachten ohnehin die Zeit, in der man näher zusammenrückt als sonst, betont Pater Wallner. »Die Chance ist gut wie nie, dass man einander hilft, Einsamkeitsgefühle abnimmt und Aufmerksamkeit schenkt. Gemeinsames Feiern erfordert, dass man in die Gemeinschaft investiert und zur Versöhnung bereit ist.«</p>
<h4>Nicht zuviel erwarten</h4>
<p>Gut für die Psychohygiene sei es freilich, die Vorstellungen nicht zu sehr mit Romantik zu überfrachten. »Besser ist, wenn man nicht den Himmel auf Erden erwartet.« Eine Empfehlung, die auch Psychotherapeuten zum Umgang mit familiären Konflikten zu Weihnachten geben.</p>
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		<title>Luthers Reformation als Weg in das freiheitliche Denken</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/10/25/luthers-reformation-als-weg-in-das-freiheitliche-denken/</link>
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		<pubDate>Tue, 25 Oct 2011 13:39:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Mündigkeit der Deutschen zwischen Reformationstag und Halloween Bad Nauheim (pts) — Der 31. Oktober wird in Deutschland als Reformationstag gefeiert, in Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther. Doch Luthers Kritik am damaligen Reliquienwahn und Ablasshandel der Kirche führte nicht nur zur Gründung der evangelischen Kirche, der heute rund 600 Millionen Protestanten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Die Mündigkeit der Deutschen zwischen Reformationstag und Halloween</h2>
<div id="attachment_3379" class="wp-caption alignright" style="width: 188px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/10/Heidelberger-Katechismus.jpeg" rel="lightbox[3377]"><img class="size-medium wp-image-3379" title="Heidelberger Katechismus" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/10/Heidelberger-Katechismus-178x300.jpg" alt="" width="178" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Der Heidelberger Katechismus von 1562, von Kurfürst Friedrich III. in Auftrag gegeben, war eine Auswirkung von Luthers Heidelberger Disputation, da die Disputation die Reformation in der Kurpfalz stark beeinflusste und beschleunigte. Copyright: Knut Gattner</p></div>
<p>Bad Nauheim (pts) — Der 31. Oktober wird in Deutschland als Reformationstag gefeiert, in Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther. Doch Luthers Kritik am damaligen Reliquienwahn und Ablasshandel der Kirche führte nicht nur zur Gründung der evangelischen Kirche, der heute rund 600 Millionen Protestanten weltweit angehören. Der Beginn der Reformation war auch das Ende uneingeschränkter Macht der Autoritäten, denn die Menschen entdeckten ihre eigene Persönlichkeit und wurden mündiger gegenüber Staat und Kirche.</p>
<p>Mit seiner Übersetzung der Bibel legte Luther zudem den Grundstein für die Entstehung einer einheitlichen deutschen Sprache. »Martin Luther gilt in protestantisch geprägten Teilen des Landes als ein Volksheld, auch wenn im heutigen Wandel der Zeit viele Menschen den 31. Oktober eher mit Halloween als mit der Reformation in Verbindung bringen. Er trug zu den Entwicklungen unserer Gesellschaft ab dem 16. Jahrhundert einen erheblichen Teil bei«, sagt Björn Rudek, Geschäftsführer des Vereins Historic Highlights of Germany e.V. (HHoG). Zu den 13 Mitgliedsstädten, die allesamt über ein bedeutendes historisches Erbe verfügen, zählen wichtige Stationen im Leben und Wirken Martin Luthers. Der Verein hat daher eine »Themenroute« auf den Spuren des Reformators durch Deutschland zusammengestellt.</p>
<h4>Leben und Wirken in Erfurt</h4>
<p>Geistige Heimat des jungen Luther war Erfurt, wo er 1505 die Magisterwürde an der Philosophischen Fakultät erlangte und anschließend als Mönch ins Augustinerkloster eintrat. Die um 1300 erbaute Klosteranlage beherbergt heute die informative Dauerausstellung BIBEL — KLOSTER — LUTHER, in deren Rahmen auch Luthers damalige Zelle besichtigt werden kann. Die klostereigene historische Bibliothek der Reformation verfügt über mehr als 60 000 Bücher. »Das Augustinerkloster zu Erfurt ist ein einmaliges Baudenkmal mittelalterlicher Ordensbaukunst und weltweit bekannt als bedeutende Lutherstätte«, erläutert Ulrike Uth von der Erfurt Tourismus &amp; Marketing GmbH. Und in diesem seit 2004 offiziell anerkannten »nationalen Kulturdenkmal von besonderer kultureller Bedeutung« können sogar Gäste übernachten: »Die ruhige und friedliche Atmosphäre in den einfach und hell möblierten Zimmern — weder mit TV, Radio noch Telefon ausgestattet — bietet Raum zum Abschalten«, so Uth.</p>
<p>Im Erfurter Dom wurde Luther 1507 zum Priester geweiht. »Auch als er Erfurt 1511 verlassen hatte, kam er immer wieder in die Stadt und predigte hier vor einer begeisterten Menge, zum Beispiel in der Michaeliskirche«, berichtet Uth. Das Lutherdenkmal, eine überlebensgroße, mit Informationen versehene Statue, befindet sich bereits seit 1889 am Anger neben der Kaufmannskirche im Zentrum Erfurts. Alljährlich am 10. November zum »Martinsfest« auf dem Domplatz feiert Erfurt Luthers Geburtstag und gedenkt gleichzeitig des Heiligen Martin.</p>
<h4>Luther als Wegweiser</h4>
<div id="attachment_3380" class="wp-caption alignright" style="width: 214px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/10/Martin-Luther.jpeg" rel="lightbox[3377]"><img class="size-medium wp-image-3380" title="Martin Luther" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/10/Martin-Luther-204x300.jpg" alt="" width="204" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Martin Luther. Porträt von Lucas Cranach d. Ä. in der St. Annakirche, Augsburg. Copyright: Regio Augsburg Tourismus GmbH</p></div>
<p>Im Jahr 1518 kam Luther nach Heidelberg, wo er auf einer vom Papst veranlassten Disputation seine im Vorjahr veröffentlichten 95 Thesen sowie seine reformierte christliche Theologie vorstellte. Unter den Zuhörern befanden sich viele angehende Theologen, die später zu Reformatoren im südwestdeutschen Raum wurden. »Der Heidelberger Katechismus, geschrieben vom Heidelberger Universitätsprofessor Zacharias Ursinus, ist die am weitesten verbreitete Bekenntnisschrift der reformierten Kirche«, erläutert Steffen Schmid von der Heidelberg Marketing GmbH.</p>
<p>Bis zur endgültigen Veröffentlichung des Heidelberger Katechismus war es jedoch ein weiter Weg von der Einführung der Reformation in der Kurpfalz unter Friedrich II (1545/46), hin zur baldigen Unterdrückung dieser Initiative durch den Kaiser und schließlich dem Augsburger Religionsfrieden, welcher Friedrichs Nachfolger Ottheinrich 1556 erneut die Chance bot, die Reformation im Heidelberger Raum einzuführen. »An den Initiator der Reformation erinnert die Luthertafel auf dem Heidelberger Universitätsplatz, auf dem einst das Augustinerkloster stand. Die Luthereiche an der Peterskirche wurde 1883 zum 400. Geburtstag des Reformators gepflanzt«, berichtet Rudek und zeigt Stätten der Reformation in Heidelberg auf.</p>
<h4>Verhör in Augsburg</h4>
<p>Die Schlüsselereignisse der Reformation spielten sich in Augsburg ab: 1518 wurde Luther in den noch heute zu besichtigenden Fuggerhäusern im Auftrag des Papstes verhört und aufgefordert, seine Thesen zu widerrufen. Er weigerte sich und musste fliehen. Seine Lehre verbreitete sich unaufhaltsam, und bereits 1524 wurde in der Augsburger Barfüßerkirche die erste evangelische Predigt gehalten. 1530 wurde im Fronhof das »Augsburger Bekenntnis« (Confessio Augustana) verlesen, Gründungsurkunde der Lutherischen Kirche und Basis des Glaubensbekenntnisses der Protestanten. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 schließlich vereinbarte die Gleichstellung der Konfessionen und legte damit den Grundstein für die heutige Religionsfreiheit. Im theologisch-historischen Museum »Lutherstiege« in der Augsburger St. Anna-Kirche ist neben Originalen der Lutherschriften auch das berühmte Porträt des Reformators zu besichtigen, das Lucas Cranach d. Ä. malte.</p>
<p>Wer auf den Spuren des Reformators Martin Luther durch Deutschlands historische Städte tourt, sollte auch einen Abstecher nach Mainz unternehmen: Ohne den Buchdruck, den Johannes Gutenberg bereits Mitte des 15. Jahrhunderts in Mainz erfunden hat, hätten die Schriften der Reformation kaum eine solch schnelle Verbreitung erfahren. Im Mainzer Gutenberg-Museum kann daher auch die Lutherbibel besichtigt werden.</p>
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		<title>Was bleibt</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 08:56:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„The Tree of Life“ konfrontiert die Postmoderne mit einer kosmischen Sicht des Menschen. Ein Zitat aus dem Buch Hiob, strömende Lichtphänomene und flüsternde Stimmen, die etwas von Natur und Gnade erzählen – so beginnt einer der ungewöhnlichsten Filme der letzten Zeit. Nahaufnahmen von Gesichtern, rasche Schwenks auf vom Wind bewegtes Gras, Hunde die aus Pfützen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>„The Tree of Life“ konfrontiert die Postmoderne mit einer kosmischen Sicht des Menschen.</h2>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-2195" title="Evolution © Heinz Robert" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/07/evolution_heinz_robert.png" alt="" width="470" /></p>
<p>Ein Zitat aus dem Buch Hiob, strömende Lichtphänomene und flüsternde Stimmen, die etwas von Natur und Gnade erzählen – so beginnt einer der ungewöhnlichsten Filme der letzten Zeit. Nahaufnahmen von Gesichtern, rasche Schwenks auf vom Wind bewegtes Gras, Hunde die aus Pfützen trinken; Baumstämme und Äste, spielende Kinder, kaum Dialoge. Irgendwann dazwischen eine lange Sequenz mit Sternengalaxien, brodelnder Lava und Lebewesen im Meer. Ein Saurier, an den Strand gespült. Ein Meteorit trifft die Erde. Dann wieder spiegelnde Hochhausfassaden und Menschen in Büros. Eine Frau, die im Wasser eines Rasensprengers tanzt.</p>
<p>Es fällt schwer, von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=WXRYA1dxP_0" rel="external nofollow">diesem Film </a> zu erzählen, der selbst keine gewöhnliche Geschichte erzählt. Da ist zum einen ein geradezu biblisches Epos mit überbordender Lichtmetaphorik, metaphysischer Stimmung und durchgehend sakraler Musik. Da ist zum anderen eine durchschnittliche Familie im Süden der USA in den 50er Jahren. Eine sanfte, fürsorgliche Mutter, die ihr Glück zwischen drei Söhnen und einer übermächtigen Ehemann-Vater-Figur zu halten sucht. Aber nicht ein persönliches Drama, sondern das Grundmotiv des liebend-gewalttätigen Vaters bildet hier das Motiv. Zu Beginn des Films der einzige äußere Spannungspunkt: Einer der inzwischen erwachsenen Söhne ist gestorben, wir wissen nicht wie und werden es auch nicht erfahren. Der Film entwickelt sich als Rückblende aus Sicht eines der Brüder, den am Jahrestag des Unglücks noch immer die Frage nach dem „Warum“ umtreibt. Aber nicht um eine besondere Geschichte, nicht um individuelle Charaktere wird es hier gehen, sondern um die Frage nach dem Warum von Unglück und Leid schlechthin in der besten aller möglichen Welten. Die Figuren sind durchgehend exemplarisch gezeichnet und es sind keine persönlichen, sondern repräsentative Erfahrungen, die sie machen: Bei den Kindern das unbekümmerte Spiel, die Begegnung mit Leid und der Verlust der Unschuld, der Zweifel an der Welt der Erwachsenen; bei den Erwachsenen ist es vor allem das Scheitern am eigenen Unvermögen.</p>
<p>Selten hat mich ein Film so von Schönheit betört und verwirrt hinterlassen wie <em>The Tree of life</em> von Terence Malik. Er unternimmt etwas Übermächtiges: Er will den Kosmos des Menschen mit all seinen Dramen von Zuneigung, Hoffnung, Schwäche und Schuld in die Geschichte des Kosmos fügen, will Grenzen des Hier und Dort durchlässig machen, denn die menschliche Innenwelt mit ihren Gedanken und Gefühlen gehört genauso zum Ganzen der Welt wie Tiere, Pflanzen und Gestirne. Es gibt nur einen Baum des Lebens. Aber welche Frucht können wir dazu beitragen?</p>
<p>Die in jeder Szene ungewöhnliche Kameraführung zeigt uns die Menschen nicht aus der Perspektive alltäglicher Handlungsketten, sondern wie aus der Sicht eines überpersönlichen Zeugen heraus. Zustände, die kommen und gehen. In dieser nicht-linearen Perspektive, eingebettet in die grandiosen Sequenzen zur Entwicklung von Kosmos und Erde, verschwindet die Dimension des Menschen an den Rand der Bedeutungslosigkeit. Und gerade da, wo das Ego so lächerlich unbedeutend und hilflos wirkt, erscheint das ganze Gewicht des Menschen: Wir können uns entweder für den auf Vorteil bedachten „Weg der Natur“ oder für den liebenden „Weg der Gnade“ entscheiden, wie es ganz am Anfang des Films hieß.</p>
<p>Das grandiose Finale deutet auf eine Form der Erlösung durch Ergebenheit. Gerade mit diesem Schluss strapaziert Regisseur Terence Malik unsere noch vielfach von Zynismus und Beliebigkeit geprägte Kulturwelt bis zur Schmerzgrenze. Sein mutiger und auf nicht-konfessionelle Weise tief religiöser Film wird wohl kein großer Publikumserfolg werden, könnte aber im Rückblick doch einmal zu dem zählen, was wichtig war in einem Jahrhundert.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmalig im <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/1021/info3-blog/?category=3" target="_blank" rel="external nofollow">Redaktionsblog</a> des Magazins <a href="http://www.info3.de" target="_blank" rel="external nofollow">Info3</a>.</em></p>
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		<title>Hat das Christentum eine Zukunft?</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Apr 2011 08:38:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
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		<description><![CDATA[„Ich bin spirituell, aber nicht religiös“ – diesen Unterschied machen viele. Sie bezeichnen sich als spirituell und meinen damit vielleicht, dass sie eine mehr oder weniger intensive Praxis haben, also etwa Yoga, Vipassana, Zen üben. Oder das Tarot legen. Vielleicht meinen sie auch, dass die Existenz von etwas Höherem für sie selbstverständlich ist. Aber mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/dreamstime_3442166.png" target="_blank" rel="lightbox[1230]"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1232" style="margin-left: 10px;" title="© Igor Peretyatko | Dreamstime.com" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/dreamstime_3442166-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>„Ich bin spirituell, aber nicht religiös“ – diesen Unterschied machen viele. Sie bezeichnen sich als spirituell und meinen damit vielleicht, dass sie eine mehr oder weniger intensive Praxis haben, also etwa Yoga, Vipassana, Zen üben. Oder das Tarot legen. Vielleicht meinen sie auch, dass die Existenz von etwas Höherem für sie selbstverständlich ist. Aber mit dem Gott, von dem die Religionen sprechen, hat dieses Höhere nichts zu tun. Denn die etablierten Religionen – das heißt in unseren Breiten vor allem das Christentum, aber auch Islam und Judentum – haben das Vertrauen verspielt, das ihnen jahrhundertelang wie selbstverständlich entgegengebracht wurde. Das hat natürlich seine Gründe. Einer der wichtigsten ist wohl, dass die Kirchen in ihrer Geschichte oft eine sehr unrühmliche Rolle gespielt haben. Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Verfolgung von <em>Ketzern</em> und Andersdenkenden, Religionskriege, die <em>Eroberung</em> Mittel– und Südamerikas mit Feuer und Schwert… die Liste ist schier endlos, so endlos wie die Ströme von Blut und Tränen, die die Kirchen im Lauf der Jahrhunderte verursacht haben. Und die Liste setzt sich fort bin in unsere Tage – die Missbrauchsskandale schreien zum Himmel.</p>
<p>Zum anderen erleben viele Menschen die Kirche als langweilig und irrelevant. Wer sich nach spiritueller Erfahrung sehnt, sucht an allen möglichen Orten – aber ziemlich sicher nicht in der Kirche. Ja, es scheint, als habe sich die ganze spirituelle Entwicklung der letzten dreißig, vierzig Jahre komplett abseits von Kirchen und Christentum abgespielt.</p>
<p>Ich selbst habe lange  in verschiedenen evangelischen Kirchengemeinden gearbeitet und den Exodus der Jugendlichen und der mittleren Generation aus Gottesdienst und traditionellen Gemeindeveranstaltungen miterlebt. Sie fanden in der Kirche nicht, was sie suchten. Die, die blieben, dachten und glaubten sehr traditionell. Sie teilten das mythische Gottesbild: Gott, der „über“ allem thront, der auf Gebete reagiert, in den Lauf der Welt eingreift – oder auch nicht, je nachdem. Wunder, das heißt Durchbrechung der Naturgesetze, wurden als möglich angesehen. Man konnte sich zwar nicht so recht vorstellen, wie das zugehen sollte, aber bei Gott ist nichts unmöglich, hieß es dann. Das musste man halt glauben.</p>
<p>Von der modernen Theologie, die ich an der Uni gelernt hatte, war in den Gemeinden bis dato noch kein Hauch angekommen. Diejenigen, die mit dem tradierten, mythischen Gottesbild nichts anfangen konnten, verließen die Gemeinde und glaubten entweder an gar nichts mehr oder suchten anderswo. Ich erinnere mich an einen Yogalehrer, den ich einmal kennen lernte. Er  war „gut evangelisch“ aufgewachsen, fand dann aber seinen Weg bei Guru Bhajan. Aus irgendeinem Grund war er noch Mitglied der Evangelischen Akademikerschaft, doch daraus wollte er sich verabschieden. „Wieso soll ich da drin bleiben?“, fragte er mich. „Und wieso soll ich in der Kirche bleiben? Was hat die Kirche mir denn zu bieten?“ Ich war damals nicht gewitzt genug – und nicht selbstbewusst genug –, um zurückzufragen: „Was hast du – und was haben Menschen wie du – denn der Kirche zu bieten?“</p>
<p>Das wäre nicht nur eine billige Retourkutsche gewesen. Es ist ja wirklich eine offene Frage: Haben Menschen, die in anderen religiösen oder spirituellen Gegenden tiefe Erfahrungen gesammelt haben, eine Botschaft für die Kirche?  Haben sie ihr etwas zu geben? Könnten sie helfen, ihre festgefahrene Lehre weiter zu entwickeln? Es wäre doch sehr eigenartig, wenn die großen westlichen spirituellen Traditionen auf ein mittelalterliches Welt– und Gottesbild festgelegt wären. Wenn es keine Entwicklung gäbe hin zu einem modernen, postmodernen, integralen und holistischen Verständnis. Wenn das Wesen von Judentum, Christentum und Islam der intolerante, auf Mythen fixierte Monotheismus wäre. Viele haben so ein Bild von den westlichen Religionen. Unfähig, sich zu öffnen. Im Kern fundamentalistisch, verknöchert, leblos. Autoritär und heuchlerisch.</p>
<p>Ich fände es ausgesprochen fatal, wenn das wirklich so wäre. Wenn der christliche Glaube keine Möglichkeit hätte, sich über die traditionell-mythische Stufe hinaus weiterzuentwickeln, eine moderne, postmoderne oder integrale  Gestalt anzunehmen. Das würde ja bedeuten, dass die genuin westliche Spiritualität im Grunde vor der Aufklärung abgeschlossen wäre; wer Christ sein wollte, müsste sich auf ein mittelalterliches oder gar antikes Weltbild einlassen, seinen kritischen Verstand an der Kirchentür abgeben und sich auf Denkfiguren einlassen, die rein gar nichts mit seinem sonstigen Leben als moderner oder postmoderner Mensch zu tun hätten. Hätten die großen westlichen Religionen keine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, wäre dieser ganze Zweig der menschlichen Bewusstseinsentwicklung letztlich ein Fehlschlag.</p>
<p>Ich habe 2004 die Gedankenwelt von <a href="#wikipopFrame" class="wikipopLink" onclick="setFrameSrc('Ken Wilber', 'de');">Ken Wilber</a> kennen gelernt, und zwar über sein Buch <em>Mut und Gnade</em>. Ich war sofort Feuer und Flamme und fragte mich: Wieso habe ich davon in meiner Kirche noch nie etwas gehört? Kein Mensch schien diese aufregenden integralen Ideen zu kennen. Doch das gleiche galt auch umgekehrt: Auch die integrale Bewegung hatte mit den etablierten westlichen Religionen lange Zeit nichts am Hut. Ken Wilber bezieht sich in seinen früheren Büchern ausschließlich auf Buddhismus und Hinduismus, das Christentum kommt bei ihm lange Zeit als ernstzunehmende spirituelle Größe überhaupt nicht vor. Doch inzwischen hat sich das geändert. Christliche und jüdische Meister wie Thomas Keating, Marc Gafni, David Steindl-Rast oder Richard Rohr lehren am Integral Institute und Ken Wilber selbst hat mit Thomas Keating, einem Trappistenmönch, eine DVD mit dem Titel <em>The Future of Christianity </em>herausgebracht. Und vor wenigen Tagen begann ein Online-Kurs von <a href="http://integrallife.com/node/98082" target="_blank" rel="external nofollow">IntegralLife</a> mit dem Titel <em>Coming Home</em>, in dem ein integral informiertes Christentum vorgestellt wird.</p>
<p>Und auch unter den Christen rumort es. Viele sind auf der Suche nach einer moderneren Gestalt ihres Glaubens. Ein Ausdruck dieser Suche und ein Versuch, die Entwicklungslinie der abendländischen spirituellen Tradition in den integralen Bereich hinauszuziehen, ist das Buch <em>Gott 9.0 – Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird</em>. Es ist eine Einführung in das evolutionäre spirituelle Denken, die auf den Erkenntnissen von Ken Wilber und auf dem System von <em><a href="#wikipopFrame" class="wikipopLink" onclick="setFrameSrc('Spiral Dynamics', 'de');">Spiral Dynamics</a></em> aufbaut. Oder, anders gesagt, die Anwendung des integralen Ansatzes auf das Christentum. Die Reaktionen auf dieses Buch sind erstaunlich und erfreulich: Viele Theologinnen und Theologen, viele in der Kirche (immer noch) engagierte Menschen schreiben dem Autorenteam und sind entzückt oder entflammt. Man kann sicher noch lange nicht von einer Bewegung sprechen. Aber man merkt: Es gibt in den Kirchen ein großes Potenzial an Menschen, die bereit sind, endlich die traditionell-mythische Wagenburg des Christentums zu verlassen und sich auf den Weg zu machen, neue Wege zu gehen und neue Felder zu bestellen.</p>
<p>Denn natürlich kann sich auch das Gottesbild der Christen entwickeln. Bereits die Bibel dokumentiert ja eine Entwicklung im Gottesbild von dem archaischen, herrschsüchtigen Gott in manchen Erzählungen des Ersten Testaments hin zu dem liebenden Vater, von dem Jesus spricht. In den Kategorien von Spiral Dynamics – ein System, das die Evolution des Individuums ebenso wie die der Menschheit in bestimmten beschreibbaren Stufen darstellt, die mit Farben gekennzeichnet werden – lässt sich diese Entwicklung so beschreiben:</p>
<p><strong>Beige</strong><br />
<img class="alignleft" style="margin-right: 10px;" title="Spiral Dynamics - Beige" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/sdi-beige.png" alt="" width="30" height="50" />Die Entwicklungsstufe des ersten Homo sapiens, der sich gerade von den Affen losgelöst hat, oder die Stufe des Neugeborenen. Es geht ums pure Überleben. Gottesbild: Gott ist Quelle und Ursprung des Lebens, nährende Mutterbrust, noch keine Differenzierung von der <em>Allmutter</em> Natur. Jesusbild: Das neugeborene Baby, nackt und gefährdet.</p>
<p><strong>Purpur</strong><br />
<img class="alignleft" style="margin-right: 10px;" title="Spiral Dynamics - Purpur" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/sdi-purpur.png" alt="" width="30" height="50" />Archaisch-magische Entwicklungsstufe. Alles ist belebt bzw. beseelt (Animismus), es gibt gute und böse Geister, auf die mit den passenden magischen Ritualen Einfluss genommen werden kann. Lebenswichtig ist der Zusammenhalt im Clan. Gottesbild: der Stammesgott, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Jesusbild: der Wundertäter, der Kranke heilt, übers Wasser geht und Brot vermehrt.</p>
<p><strong>Rot</strong><br />
<img class="alignleft" style="margin-right: 10px;" title="Spiral Dynamics - Rot" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/sdi-rot.png" alt="" width="30" height="50" />Bewusstseinsstufe der Heldensagen: Nibelungen, Ilias und Odyssee. Es geht um Macht, Eroberung, Kriegszüge. Gottesbild: der Kriegsgott, der Israel hilft, das Land zu erobern und befiehlt, die Gegner mit Mann und Maus auszurotten. Jesusbild: der Exorzist, der mit dem Satan kämpft, aber auch der, der Familienbande zerreißt um eines höheren Ziels willen.</p>
<p><strong>Blau</strong><br />
<img class="alignleft" style="margin-right: 10px;" title="Spiral Dynamics - Blau" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/sdi-blau.png" alt="" width="30" height="50" />Bewusstseinsstufe der großen Weltreiche und Weltreligionen. Gesetz, höhere Ordnung, Moral, Gewissen, Sünde und Erlösung, hierarchische Organisation sind wesentliche Elemente. Gottesbild: Gott ist der <em>Einzige</em> und Allmächtige, der höchste König und Gesetzgeber, der strenge Richter. Jesusbild: der Rabbi, der das Gesetz nicht abschafft, sondern erfüllt, der Erlöser von Sünde und Tod.<br />
Bis hierhin ist alles vertraut. So kennen wir den christlichen Gott. Und für viele bleibt es dabei stehen. Aber natürlich geht die Entwicklung weiter.</p>
<p><strong>Orange</strong><br />
<img class="alignleft" style="margin-right: 10px;" title="Spiral Dynamics - Orange" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/sdi-orange.png" alt="" width="30" height="50" />Rationale Bewusstseinsstufe, Zeitalter der Moderne. Vorgegebene Autoritäten werden kritisch hinterfragt. Persönlicher Erfolg, Leistung und Freiheit spielen eine zentrale Rolle. Wissenschaft und Technik blühen auf. Gottesbild: Alles <em>Übernatürliche</em> wird kritisch hinterfragt, bis hin zu der Aussage: „Gott ist tot.“ Wer Gott nicht aufgeben kann oder will, sucht nicht mehr außen, sondern im Inneren. Erste Hinwendung zu Meditation und Mystik. Jesusbild: Jesus wird als guter Mensch gesehen, als Revolutionär oder Morallehrer, oder als der herrliche Sieger, zu dem man ein persönliches Verhältnis von Verehrung und Nachfolge aufbaut.</p>
<p><strong>Grün</strong><br />
<img class="alignleft" style="margin-right: 10px;" title="Spiral Dynamics - Grün" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/sdi-grun.png" alt="" width="30" height="50" />Pluralistische Bewusstseinsstufe, Postmoderne. Nun zählt Konsens statt Konkurrenz, die Ausgegrenzten und Benachteiligten werden einbezogen, Gleichberechtigung wird zum wichtigen Thema. Umweltbewusstsein entsteht, die Dominanz von Wissenschaft und Technik wird infrage gestellt. Psychologie und Psychotherapie erleben einen Boom. Gottesbild: der menschenfreundliche, mütterliche Gott/Göttin, alle Religionen verehren denselben Gott, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Jesusbild: der Freund der Frauen und Kinder, der <em>sanfte</em> Jesus, der auch interreligiös vermittelbare Friedensstifter.</p>
<p><strong>Gelb</strong><br />
<img class="alignleft" style="margin-right: 10px;" title="Spiral Dynamics - Gelb" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/sdi-gelb.png" alt="" width="30" height="50" />Das integrale Bewusstsein. Komplexe Zusammenschau unterschiedlicher Bewusstseinsinhalte. Paradoxien werden nicht nur ausgehalten, sondern geliebt. Gelb entwickelt als erste von allen Bewusstseinsstufen ein Verständnis für die Besonderheit und den unersetzlichen Wert aller vorangegangenen Stufen. Gottesbild: Neues Verständnis für die paradoxen Gottesaussagen wie die Trinität (Gott ist drei in eins). Jesusbild: In Jesus, dem Christus vereinigen sich auf paradoxe Weise das göttliche Wesen (der kosmische Christus) und der Mensch an sich.</p>
<p><strong>Türkis</strong><br />
<img class="alignleft" style="margin-right: 10px;" title="Spiral Dynamics - Türkis" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/sdi-turkis.png" alt="" width="30" height="50" />Das holistische Bewusstsein. Alles hängt untrennbar mit allem zusammen, jeder Teil beinhaltet das Ganze. Multiperspektivisch, fraktal. Weltethos, interkontinental vernetzte, virtuelle Gemeinschaften. Gottesbild: Gott als pulsierender Prozess, der die Evolution von der Zukunft her anzieht, Gott als Poet der Welt. Jesusbild: der kosmische Christus, Christus in jedem Menschen, Jesus als Modell für die Gott-Menschlichkeit jedes Menschen.</p>
<p><strong>Koralle</strong><br />
<img class="alignleft" style="margin-right: 10px;" title="Spiral Dynamics - Koralle" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/sdi-koralle.png" alt="" width="30" height="50" />Noch unbekannte neue Stufe: Gott ist unser Werdenkönnen.</p>
<p> </p>
<p> </p>
<p>So gesehen, hat das Christentum durchaus eine Zukunft. Wenn die Christen es schaffen, aus dem Gehäuse ihres <em>blauen</em> Gottesbildes auszubrechen und sich für die Entwicklung ihres Bildes von Gott und Welt zu öffnen, können sie sogar ihre Rolle als Motor des Bewusstseinswandels einnehmen, als <em>Förderband</em> dienen, auf dem die Gesellschaft zu höheren Bewusstseinsstufen getragen wird (so die Hoffnung von Ken Wilber).<br />
Das ist keineswegs undenkbar. Denn auch wenn es vielen so scheint:  In den Kirchen herrscht nicht uneingeschränkt nur das <em>blaue</em> Gottesbild. Die Mystiker haben es schon im Mittelalter vorgemacht. <a href="#wikipopFrame" class="wikipopLink" onclick="setFrameSrc('Meister Eckhart', 'de');">Meister Eckhart</a> etwa, <a href="#wikipopFrame" class="wikipopLink" onclick="setFrameSrc('Nikolaus von Kues', 'de');">Nikolaus von Kues</a>, <a href="#wikipopFrame" class="wikipopLink" onclick="setFrameSrc('Teresa von Avila', 'de');">Teresa von Avila</a> oder <a href="#wikipopFrame" class="wikipopLink" onclick="setFrameSrc('Johannes vom Kreuz', 'de');">Johannes vom Kreuz</a> beschreiben Erfahrungen, die uns heute immer noch unmittelbar ansprechen können und die denen der östlichen Weisen und Mystiker durchaus ähneln. Doch auch die wissenschaftliche Theologie hat schon seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts den Mythos verabschiedet. Die Bibel gilt nicht mehr (<em>blau</em>) als unhinterfragbare Autorität, sondern (<em>orange</em>) als Glaubens– und Erfahrungszeugnis von Menschen, das behandelt werden kann (und muss) wie jedes andere literarische Dokument. Für moderne Theologinnen und Theologen thront Gott nicht <em>über</em> der Welt, sondern er ist die Tiefe der Wirklichkeit. Die Schöpfung fand nicht in sieben Tagen <em>am Anfang</em> statt, sondern sie vollzieht sich täglich und in jeder Millisekunde, denn Gott ist die lebendige Kraft der Evolution, er wirkt als das kosmische Prinzip des Eros – und ist doch immer auch noch mehr. Er ist nicht (nur) in den Weiten des Kosmos zu finden, sondern auch in der Tiefe der menschlichen Seele. Und das Christentum ist nicht mehr der eine und einzige Weg zum Heil, sondern ein Weg neben anderen Wegen, die letztlich zum selben Ziel führen: der Vereinigung von Gott und Mensch (<em>gelb</em>).</p>
<p>Es ist ungeheuer wichtig, dass die etablierten Religionen diese Entwicklungen in ihrer Mitte wahrnehmen. Nicht nur, weil sie sonst wahrscheinlich wirklich bald aussterben wie einst die Dinosaurier. Sondern weil es immer mehr Menschen gibt, die nach neuen Bildern von Gott hungern. Und wer, wenn nicht die Kirchen, hätte in unseren Breiten den Auftrag, diesen Hunger zu stillen? Und zwar mit nahrhafter und gut verdaulicher Speise, nicht mit den alten harten Brotkanten der herkömmlichen Glaubenssysteme. Der Mythos ist wichtig als Grundlage; jeder Mensch wird, wie Ken Wilber immer wieder betont, in Beige geboren, und die biblischen Mythen sind in einer bestimmten Phase der Entwicklung gut und angebracht. Doch die meisten Menschen in unserem Kulturkreis entwickeln sich heute weit über <em>Blau</em> hinaus nach <em>Orange</em>, <em>Grün</em> und <em>Gelb</em>. Da muss die Religion mithalten können. Und sie kann es. Wenn sie sich auf den Wandel einlässt.</p>
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