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	<title>OpenMindJournal &#187; Ökonomie</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Lebenspraxis und Change</description>
	<lastBuildDate>Thu, 17 May 2012 11:01:36 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Internet führt zu neuer Wertschöpfungslogik</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/15/internet-fuhrt-zu-neuer-wertschopfungslogik/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 20:18:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Assets entstehen erst mit der Nutzung, nicht mit der Creation München (pte) — Firmenwerte entstehen künftig nicht mehr durch die Produktion von Gütern, sondern erst durch deren Nutzung durch Kunden. Daher ist es wichtig, Kunden schon in den Entstehungsprozess einzubeziehen — durch sogenannte »Co-Creation«. »Ein Auto, das nicht gekauft wird, ist wertlos und hat erstmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Assets entstehen erst mit der Nutzung, nicht mit der Creation</h2>
<div id="attachment_4875" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/562478_original_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio.png" rel="lightbox[4873]"><img class=" wp-image-4875 " title="Totale Transparenz im Internet" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/562478_original_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio-300x156.png" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Gerd Altmann / pixelio.de</p></div>
<p>München (pte) — Firmenwerte entstehen künftig nicht mehr durch die Produktion von Gütern, sondern erst durch deren Nutzung durch Kunden. Daher ist es wichtig, Kunden schon in den Entstehungsprozess einzubeziehen — durch sogenannte »Co-Creation«. »Ein Auto, das nicht gekauft wird, ist wertlos und hat erstmal eine Menge Geld gekostet«, erläutert der Münchner BWL-Professor Anton Meyer gegenüber pressetext. »Ohne Kunden haben Sie keinen Umsatz, sondern nur ein teures Hobby.«</p>
<p>Beim Meet-the-Press Event von IDG am vergangenen Freitag in München sprach der Ordinarius an der Ludwig Maximilians-Universität München Klartext. Alle Forschungsergebnisse kommen zum selben Ergebnis: Die Wissensgesellschaft führt auch zu einer neuen Logik in der Wertschöpfung, zu einem fundamentalen Paradigmenwechsel. Wissen und Know-how sind das Kapital der Zukunft, und immaterielle Werte wie Marken und Vertrauen die Assets eines Unternehmens. Diese stünden aber (noch) nicht in der Bilanz.</p>
<h4>Kunden beteiligen sich an der Wertschöpfung</h4>
<p>AIDA (Anm: unternehmensgetriebene Marketingformel für Attention — Interest — Desire — Action) war gestern, künftig geht es um interaktive und kundengetriebene Kommunikation. Selbst die heute von den meisten Unternehmensberatern propagierte Markt– und Nutzenorientierung sei überholt, sagt der Professor. Kunden erwarten sich vom Anbieter »individuelle Lösungen«, sie zeigen was sie wollen, und der Anbieter muss lernen, damit umzugehen.</p>
<p>Meyer spricht in diesem Zusammenhang von einer »beziehungsorientierten Logik« und vergleicht den neuen Marketingansatz mit dem »Flipperspiel«. Die Co-Creation von Kunden bei der Entwicklung von Produkten und Lösungen sei aber eine große Chance, weil damit ja auch Werte geschaffen werden. Beispiel dafür sei etwa ein Online-Konfigurator, mit dem sich ein Kunde sein individuelles Auto, sein individuelles Outfit oder Menü zusammenstellen kann.</p>
<h4>Vertikaler Vertrauensverlust</h4>
<p>Die totale Transparenz im Internet hat laut Meyer zu einem dramatischen Vertrauensverlust gegenüber Institutionen und Unternehmen geführt. Informationen, Verhaltensweisen und Stellungnahmen können heute ja in Echtzeit auf ihre Wahrheit überprüft werden. Die Basis zur Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit ist nachhaltige Unternehmensführung und ehrliche Kommunikation, betont der Betriebswirtschafter.</p>
<p>Meyer: »Während früher noch ein ›Grundvertrauen´ vorherrschte, muss heute oft erstmal »Misstrauen‹ abgebaut werden. Nicht mehr der Kunde geht freiwillig eine »riskante Vorleistung« ein, sondern das Unternehmen muss in Vorleistung treten, und Maßnahmen zum Vertrauensaufbau leisten.« Es geht um ein Umdenken — von der Shareholderorientierung hin zur Stakeholderorientierung. Unternehmen müssen ihre Interessen offen auf den Tisch legen und gesellschaftliches Engagement zeigen, um zukunftsgerichtetes Vertrauen aufzubauen.</p>
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		<title>Nachhaltigkeit: Großanleger sind scheu</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/04/nachhaltigkeit-grosanleger-sind-scheu/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 08:59:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstes Investieren]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Trotz Vorsicht weiterhin positive Einstellung zum Thema Frankfurt am Main/Köln (pte) — Deutsche Großanleger sind gegenüber nachhaltigen Investments im Vergleich zum Vorjahr zurückhaltender geworden. Die Einstellung gegenüber Anlagen, die neben ökonomischen Faktoren auch ökologische, soziale oder ethische Aspekte berücksichtigen, ist aber weiterhin positiv. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Stimmungsindex zur nachhaltigen Kapitalanlage der Fondsgesellschaft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Trotz Vorsicht weiterhin positive Einstellung zum Thema</h2>
<div id="attachment_4808" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/546589_web_R_K_B_by_Rudolpho-Duba_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4806]"><img class=" wp-image-4808 " title="Windrad: Investoren bei Öko-Investments zurückhaltend " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/546589_web_R_K_B_by_Rudolpho-Duba_pixelio.de_-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Rudolpho Duba / pixelio.de</p></div>
<p>Frankfurt am Main/Köln (pte) — Deutsche Großanleger sind gegenüber nachhaltigen Investments im Vergleich zum Vorjahr zurückhaltender geworden. Die Einstellung gegenüber Anlagen, die neben ökonomischen Faktoren auch ökologische, soziale oder ethische Aspekte berücksichtigen, ist aber weiterhin positiv. Zu diesem Ergebnis kommt der diesjährige Stimmungsindex zur nachhaltigen Kapitalanlage der Fondsgesellschaft Union Investment in Zusammenarbeit mit Henry Schäfer, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft an der <a href="http://www.bwi.uni-stuttgart.de" target="_blank" rel="external nofollow">Universität Stuttgart</a>.</p>
<h4>Informationsdefizit</h4>
<p>Im Vergleich zum Vorjahr fiel der Index auf einer Skala von –100 bis +100 von +22 auf +4 Punkte. Zum Rückgang des Indexes haben unter anderen folgende drei Faktoren beigetragen: So gaben in der von Februar bis März durchgeführten Befragung diesmal weniger Investoren an, Nachhaltigkeitskriterien bei ihren Anlageentscheidungen zu berücksichtigen. Hatten sich im vergangenen Jahr noch 64 Prozent entsprechend geäußert, waren es jetzt noch knapp 50 Prozent.</p>
<p>Ferner sank in diesem Jahr bei den Befragten die Gewichtung nachhaltiger Strategien im Rahmen der gesamten Anlagepolitik. Während sich 2011 noch 59 Prozent der Großanleger dazu bekannt hatten, nachhaltige Strategien im Vergleich zu anderen Investmentkriterien stark oder sehr stark zu berücksichtigen, fiel dieser Anteil in der aktuellen Befragung auf 42 Prozent. Rund die Hälfte der Investoren berücksichtigt Nachhaltigkeitsaspekte in gleichem Maße wie andere Anlagekriterien. Dritter Faktor ist ein Informationsdefizit: Der Anteil derjenigen, die sich in Sachen Nachhaltigkeit gut oder sehr gut informiert fühlen, sank von 57 auf 40 Prozent.</p>
<h4>In Wirtschaft manifestiert</h4>
<p>Trotz des Indexrückganges ist das Thema Nachhaltigkeit in der Wirtschaft angekommen, wie auch Mahammad Mahammadzadeh, Nachhaltigkeitsexperte am <a href="http://iwkoeln.de" target="_blank" rel="external nofollow">Institut der deutschen Wirtschaft</a> Köln, im pressetext-Gespräch bestätigt. »Unsere aktuelle Online-Befragung im Rahmen des Umweltexpertenpanels zeigt, dass Nachhaltigkeit bereits heute ein Bestandteil der Leitbilder in vielen Unternehmen ist.«</p>
<p>Dieser Aussage stimmt eine große Mehrheit der befragten Umweltexperten aus Unternehmen zu. »Bei vielen Unternehmen wurden auch Nachhaltigkeitsziele formuliert. Nach Ansicht von drei Viertel der befragten Umweltexperten tragen Nachhaltigkeitsaspekte sogar zur Kostenreduktion bei«, unterstreicht Mahammadzadeh.</p>
<h4>Durch Schuldenkrise verunsichert</h4>
<p>Die aktuellen Ergebnisse lassen laut Union Investment darauf schließen, dass in der Beurteilung nachhaltiger Investmentstrategien eine gewisse Verunsicherung eingetreten ist. »Darüber hinaus haben sich anscheinend bei einer Reihe von Investoren im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise die Prioritäten verschoben, da in Anbetracht des schwierigen Marktumfeldes die Sicherung des benötigten Mindestertrags alles andere dominieren dürfte«, erklärt Alexander Schindler, Vorstandsmitglied bei Union Investment.</p>
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		<title>Die Schönheit des Geldes</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/30/die-schonheit-des-geldes/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 10:40:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusster Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Charles Eisensteins Vision einer Wirtschaft aus dem Geist des Gebens und die neue Verbindung von Spiritualität und sozialer Frage. Geld, so wie wir es kennen, ist die verborgene, geheime Macht unserer Welt: Geld regiert sie nicht nur, sondern sorgt der englischen Version dieses Ausspruchs zufolge sogar dafür, dass sie sich dreht. Geld gilt unhinterfragt für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Charles Eisensteins Vision einer Wirtschaft aus dem Geist des Gebens und die neue Verbindung von Spiritualität und sozialer Frage.</strong></em></p>
<div id="attachment_4732" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/564764_web_R_K_B_by_Katharina-Bregulla_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4728]"><img class=" wp-image-4732 " title="Jeder Cent zählt" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/564764_web_R_K_B_by_Katharina-Bregulla_pixelio.de_-300x198.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Katharina Bregulla / pixelio.de</p></div>
<p>Geld, so wie wir es kennen, ist die verborgene, geheime Macht unserer Welt: Geld regiert sie nicht nur, sondern sorgt der englischen Version dieses Ausspruchs zufolge sogar dafür, dass sie sich dreht. Geld gilt unhinterfragt für die meisten Menschen als letzter Antrieb alles Daseins. Nimmt man noch hinzu, dass es allein das Geld ist, das – per Kreditvergabe der Banken – buchstäblich aus dem Nichts geschöpft wird und dass es in der natürlichen Ordnung der Dinge sogar das Einzige ist, das dem Kreislauf des Werdens und Vergehens enthoben ist, weil es nicht vergeht, sondern auf wundersame Weise durch sich selbst immer mehr werden kann –  spätestens dann dürfte uns klar werden, dass wir das Geld mit Attributen ausstatten, wie sie in früheren Zeiten nur dem Göttlichen und Heiligen zuerkannt wurden.</p>
<p>Dass wir dem Geld als einem Götzen huldigen, ist sprichwörtlich. Was aber, wenn es möglich wäre, eine wirklich heilige Dimension des Geldes wiederzuentdecken und daraus eine neue, heilige Praxis des Wirtschaftens zu entwickeln? In nichts Geringerem besteht die Vision des amerikanischen Autors <a href="http://charleseisenstein.net/" rel="external nofollow">Charles Eisenstein</a>, der mit einem kürzlich erschienenen Buchtitel für eine „Heilige Wirtschaft“ wirbt. Mit Texten, Blogeinträgen und Vorträgen – einige davon hielt er während der Occupy Wall Street-Aktionen – setzt sich der charismatische junge Mann, der an einem privaten Collage als Dozent arbeitet, für seine Vision ein.</p>
<h4>Tauschmittel des Gebens</h4>
<div id="attachment_4733" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/19_Charles-Eisenstein-klein1-243x300.jpg" rel="lightbox[4728]"><img class=" wp-image-4733 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/19_Charles-Eisenstein-klein1-243x300.jpg" alt="" width="150" /></a><p class="wp-caption-text">At its core, money is a beautiful concept. Charles Eisenstein</p></div>
<p>Geld ist im Kern eine wunderschöne Sache, ist Eisenstein überzeugt – als Tauschmittel, das berufen wäre, ein Instrument gegenseitigen Gebens zu sein und das Geflecht der Weltwirtschaft zu impulsieren.  Eisenstein erinnert hier an die Rolle des Herzens, das er im Gegensatz zum herrschenden Verständnis nicht als Blut entsendende „Pumpe“ sieht, sondern als ein Organ der Empfänglichkeit. Ähnlich sollen für ihn auch Banken zu Organen werden, die auf die Bedürfnisse des Systems achten und ihnen dienen.</p>
<p>Wie zahlreiche andere Experten heute auch sieht Eisenstein das Hauptproblem der Finanzwelt in der falschen Verselbständigung des Geldes: Es ist zur Ware geworden und wird so selbst Gegenstand spekulativen Handelns. Dadurch und durch das (seit den 1930er Jahren bestehende) Recht der Privatbanken zur Geldschöpfung per Kredit lebt sich der Drang, aus Geld immer noch mehr Geld zu machen, in Form meist hoch spekulativer Finanzgeschäfte aus, die mit realer Wertschöpfung nichts mehr zu tun haben. Überzeugend zeigt Eisenstein auf, wie der Drang des Geldes nach immer neuen Anlagemöglichkeiten zu einer totalen Ökonomisierung aller Lebensbereiche geführt und insbesondere auch den Bereich der früheren Gemeingüter ausgesaugt hat.</p>
<h4>Ökonomie der Gabe</h4>
<p>Das Besondere bei Eisenstein liegt aber weder in seiner Kapitalismus-Kritik noch in einzelnen Vorschlägen zu einem alternativen Verständnis von Geld, die es andernorts auch gibt. Ungewöhnlich ist bei ihm vielmehr der Ansatz, unser Verständnis von Wirtschaft, Geld und Zinsen als Ausdruck unseres Bewusstseins zu sehen. Seine Zusammenschau von Spiritualität und sozialer Frage zeigt sich zum Beispiel bei der direkten Verknüpfung von Zinsverständnis und Menschenbild: „Das für sich stehende, getrennte Ich eines Descartes und eines Adam Smith hat sich totgelaufen“, sagt Eisenstein, „Zins täuscht über diese Einheit hinweg, weil er auf das Wachstum des getrennten Ichs abzielt“. Die heutige Wirtschaft ist eine konsequente Folge der Ansicht, dass jeder Mensch eine Insel ist. Künftige, heilige Wirtschaft soll Ausdruck der Einheit aller Menschen werden. Wer sich seines All-Seins bewusst ist, will nicht sein kleines Ego mehren, er will schenken, so Eisenstein.</p>
<p>Für ihn muss deshalb das Geld neu definiert werden, und zwar so, dass es sich einfach nicht mehr vermehren kann. Das wäre dann der Fall, wenn es mit der Zeit – ebenso wie alle Waren und Dienstleistungen auch – seinen Wert verliert. Eisenstein bezieht sich dabei unter anderem auf Silvio Gesells „Freigeld“-Theorie und die deutsche Zinskritikerin Margrit Kennedy. Auch Rudolf Steiner, auf den Eisenstein bisher wohl nicht aufmerksam wurde, vertrat bereits die Idee eines „alternden Geldes“. Die Umsetzung wäre nach Eisenstein denkbar einfach: Auf Geld, das nicht ausgegeben, sondern auf Konten geparkt wird, ergeht kein Zins, sondern im Gegenteil eine Gebühr. In der Folge würde nicht nur der Konsum ansteigen, sondern es würden auch Investitions-Kredite zu Bedingungen unterhalb des Negativ-Zinses verfügbar werden, weil für die Banken (oder auch wohlhabende Privatpersonen) zinslose oder gar leicht verlustbehaftete Darlehen immer noch wirtschaftlicher wären als die dauerhaften Gebühren für „lagerndes“ Geld. Das Ziel für Eisenstein:  „Die Wiederherstellung des Geldes in seiner wahren Funktion als ein verbindendes Element für Schenkungen und Bedürfnisse.“</p>
<p>Konsequent wäre dann für Eisenstein auch – um eine entsprechende „Flucht“ in Sachwerte zu vermeiden – die höhere Besteuerung von Grund und Boden und im weiteren Sinne aller Güter, die bereits aus dem Fundus der Allgemeingüter (commons) herausgelöst und ökonomisiert wurden.</p>
<p>In wie großen Zusammenhängen Eisenstein denkt, zeigt übrigens auch seine sehr interessante Variante der Grundeinkommens-Idee, die bei ihm als „soziale Dividende“ vorkommt und sich aus der Vorstellung ableitet, dass die gesamte Menschheit heute von der Arbeitsersparnis profitieren sollte, die vergangene Generationen durch ihre Erfindungen ermöglicht haben.</p>
<h4>Geld-Schmelze als Chance</h4>
<p>Fragt sich nur, was wir Einzelnen angesichts des drohenden Zusammenbruchs mit unserem Geld tun können. Eisensteins Antwort lautet: Wir sollen keine Vorräte anlegen, keine Festungen bauen und nicht nach Sicherheiten fragen, sondern danach: „Was ist das Schönste, das ich tun kann?“ Die Finanzkrise mit ihrer Zerstörung von Geld ist für ihn nur unter dem Gesichtspunkt grundsätzlich schlecht, dass die Erschaffung von Geld grundsätzlich gut wäre. Die Vernichtung von Geld kann uns sogar bereichern, so Eisenstein: „Sie gibt uns die Möglichkeit, Teilbereiche des verlorenen Gemeinwesens aus dem Reich des Geldes und des Eigentums zurückzuerobern“, heißt es in seinem Büchlein Keine Forderung ist groß genug, das ein deutscher Verlag kürzlich von ihm herausgegeben hat. Die Zeit sei dafür reif, „Dinge aus dem Reich der Waren und Dienstleistungen zu holen und sie in das Reich der Gaben, der Gegenseitigkeit und der Gemeinschaftlichkeit zurückzubringen“, sagt Eisenstein.</p>
<p>Seine Gedanken vermitteln an jeder Stelle etwas tief Menschliches und Schönes, ein Gefühl für eine mögliche Zukunft, die über die üblichen ideologischen Rufe nach Umverteilung ebenso hinausgeht wie technokratische Ausbesserungsvorschläge. Seine Botschaft begeistert gerade durch ihre Kompromisslosigkeit: „‚Praktikabel’ ist keine Option“, so Eisenstein, „wir müssen nach dem Einzigartigen streben“.</p>
<p> </p>
<p><em>Dieser Text erschien in der <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/1021/news-blog/?date=201203" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe März 2012</a> der Zeitschrift <a href="http://www.info3.de" target="_blank" rel="external nofollow">Info3 – Anthroposophie im Dialog</a> “Die Schönheit des Geldes”.</em></p>
<p> </p>
<p><em><strong>Buchtipp: Charles Eisenstein: Keine Forderung kann groß genug sein. Die Revolution der Liebe. Zwei Vorträge, Scorpio Verlag, € 5,-.</strong></em></p>
<p><em><strong>Charles Eisenstein: Sacred Economics. Money, Gift &amp; Society in The Age of Transition, Evolver Editions,California, $ 22,95</strong></em></p>
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		<title>Aus freien Stücken</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/18/aus-freien-stucken/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Mar 2012 00:30:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinwohl Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Schenkökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Solidarische Landwirtschaft auf dem Weg zur Schenkökonomie. Selbstbestimmung und Selbstverantwortung entstehen nicht automatisch mit dem Wegfall von kapitalistischen Strukturen, sondern setzen Bewusstseins– und Beziehungsarbeit sowie Experimentierfreude voraus. Wir waren fünf Gärtnerinnen und Gärtner auf der Suche nach neuen Formen, unsere Arbeit und die Menschen, für die wir Gemüse anbauten, zu verknüpfen. Ein halber Hektar Ackerland [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Solidarische Landwirtschaft auf dem Weg zur Schenkökonomie.</h2>
<div id="attachment_4645" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/574415_web_R_K_B_by_Petra-Bork_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4643]"><img class=" wp-image-4645 " title="574415_web_R_K_B_by_Petra Bork_pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/574415_web_R_K_B_by_Petra-Bork_pixelio.de_-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Petra Bork / pixelio.de</p></div>
<p><em>Selbstbestimmung und Selbstverantwortung entstehen nicht automatisch mit dem Wegfall von kapitalistischen Strukturen, sondern setzen Bewusstseins– und Beziehungsarbeit sowie Experimentierfreude voraus.</em></p>
<p>Wir waren fünf Gärtnerinnen und Gärtner auf der Suche nach neuen Formen, unsere Arbeit und die Menschen, für die wir Gemüse anbauten, zu verknüpfen. Ein halber Hektar Ackerland stand uns im nordhessischen Witzenhausen-Freudenthal als Experimentierfeld für solidarische Landwirtschaft zur Verfügung. Im Gespräch mit Menschen aus der Region entstand eine verbindliche Gemeinschaft: 60 »Begärtnerte«, wir als Kollektiv von Gärtnerinnen und Gärtnern und das Land, auf dem nun von April bis November Gemüse für alle Beteiligten wachsen sollte.</p>
<p>Die Gemeinschaft fand ihre Spielregeln auf der Grundlage der jeweiligen Bedürfnisse: Wann und in welchem Maß wir in diesem Projekt gärtnernd tätig sein wollten, wurde von jedem einzelnen selbstverantwortlich flexibel festgelegt. Den Teil unserer finanziellen Bedürfnisse – landläufig »Lohn« genannt – bestimmten wir weitgehend unabhängig von der Zeit, in der wir tätig waren. Zusammen mit den laufenden Betriebskosten (ohne Investitionen) ergaben sich daraus die Gesamtkosten einer Jahresproduktion, das »Budget«, das gebraucht wurde, um das Projekt zu realisieren.</p>
<p>Die Begärtnerten boten dann anonym auf den Zeitraum der Produktion einen monatlichen finanziellen Beitrag, der ihren individuellen Möglichkeiten entsprach und in der Summe das Budget deckte. Von null Euro aufwärts war alles möglich. Der von den Einzelnen zugesagte Betrag wurde auf einer Vereinbarung festgehalten, so dass Verbindlichkeit entstand. Auch weitere Spielregeln über die Entscheidungsfindung, zu Ausstiegsgründen oder Kriterien, an denen die Zusammenarbeit scheitern würde, wie auch zur gemeinsamen Übernahme von Verantwortung und Risiko waren Teil der Vereinbarung. Damit wir den Anbau planen konnten, befragten wir die Begärtnerten zu Beginn nach ihrem Bedarf an Gemüse für das kommende Jahr. Alle waren zur Mitarbeit eingeladen, besonders zu Erntezeiten und beim Einmachen. Selbstverständlich stand auch das Mithelfen jedem Einzelnen frei, war aber ausdrücklich erwünscht. Was geerntet wurde, stellten wir in dafür eingerichteten Depots allen Beteiligten frei zur Verfügung. Bemerkenswert war hierbei: Dies führte nicht dazu, dass Menschen zuviel nahmen; das Gegenteil war der Fall: Wir mussten dazu ermutigen, kräftig zuzulangen. Aus Angst, andere könnten zu wenig bekommen, hielten sich die Unterstützerinnen und Unterstützer zurück. Da erzähle mir noch einer, der Mensch sei nun mal von Natur aus gierig …</p>
<p>Durch dieses Experiment hofften wir, kapitalistische Prinzipien in unserem Verhältnis zueinander zu transformieren:<br />
→ freiwilliges Beitragen und Schenken statt Tausch, Wert, Ware;<br />
→ niemand muss, alle können nach ihren Fähigkeiten (finanziell und praktisch) beitragen;<br />
→ wir stellen keine Produkte her, für die erst noch ein Bedürfnis geweckt werden müsste;<br />
→ die Produkte haben keinen Tausch– bzw. Geldwert; damit werden Dinge nicht abstrakt mit einem Wert gleichgesetzt wie im Kapitalismus, in dessen Logik alles, was einen Euro kostet, gleich viel, und alles, was nichts kostet, nichts »wert« ist;<br />
→ Geld entfällt als primäre Wertschätzung; wir können mit neuen Formen der Wertschätzung experimentieren: durch Worte, Gesten und vor allem gegenseitige Verantwortung.</p>
<p>Wir glaubten: Tätigkeit wird zu Arbeit und Arbeit zur Last, wenn unsere Produkte auf dem Markt einen Wert erzielen müssen oder wir primär für einen Lohn arbeiten. In unserem Projekt wollten wir beides nicht: Wir liefern keine normierten Waren, und unsere finanziellen Bedürfnisse werden von vornherein abgedeckt. Wir können somit Anbauweise und Arbeitsabläufe frei bestimmen. Probleme versuchen wir durch kollektive Ansätze zu lösen.<br />
Und selbstverständlich gab es Schwierigkeiten. Knapp elf Monate nach Beginn des Projekts versuchten wir rückblickend eine Analyse der Problemfelder, die ich im Folgenden wiedergebe.</p>
<h4>Der verinnerlichte Kapitalismus</h4>
<p>Menschen und Tätigkeiten durch Geld zu vergleichen und gleichzusetzen, scheinen wir tief verinnerlicht zu haben. Wir individuell Gärtnernde vergleichen weiterhin, wieviel Zeit wir in das Projekt »investieren«. Wir bekommen ein schlechtes Gewissen, weil wir »zu wenig« tun, oder werden grummelig, weil wir »zu viel« machen. Schnell kommt es zu Situationen, in denen wir uns für unsere Bedürfnisse – die ja so sind, wie sie sind – rechtfertigen wollen oder denken, dass wir es müssten. Oft ist es aber gar nicht die Gruppe, die diesen Druck erzeugt, sondern wir, die Einzelnen selbst.</p>
<p>Eine Abhilfe für das Problem bieten scheinbar die konventionellen wirtschaftlichen Gepflogenheiten: Der Ruf nach einer Abstraktion der Zeit in greifbare »Arbeitsstunden« oder »Urlaubszeiten« wird laut. Und darauf aufbauend das Verlangen nach einem abstrakten Gerechtigkeitsbegriff. Statt zu sagen: »Es soll allen gut gehen mit dem, was und wieviel sie tun«, sagen wir schnell: »Alle sollen das gleiche Maß an Arbeit verrichten«. Doch kann sich bekanntlich eine Stunde an einem Tag anfühlen wie acht Stunden an einem anderen. Und: Wer Arbeitsstunden normieren will, ist auch schnell dabei, die ganze Tätigkeit zu normieren: Was zählt als Arbeitszeit? Welche Tätigkeit ist wichtig, welche nicht? Was, wenn eine Person schneller oder »effizienter« (was ist das?) arbeitet als die andere? Diese Fragen sowie das Erinnern an unsere Prämisse, dass es statt Gleichmacherei dar­um gehen sollte, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen, führen diese Abstraktionsversuche schnell ad absurdum.</p>
<p>In den ersten Monaten unseres Projekts ließ sich beobachten: Wenn – in einem schleichenden Prozess – Tätigkeit doch wieder zur abstrakten Arbeit wird, wird »der Rest der Zeit« schnell wieder zur »Freizeit«. Letzteres macht Spaß, das erstere »muss getan« werden. Sollte die aktuelle »Arbeits«-Situation tatsächlich unerträglich sein, könnte die Wiedereinführung der Kategorie Freizeit hilfreich sein, um zu sagen: Bis hierher und nicht weiter! Dazu braucht es aber wahrscheinlich die oben beschriebene Normierung von Zeit und Tätigkeit. Ich finde, eine Überwindung dieser Trennung von Arbeit und Freizeit sollte an unserem Hof dennoch immer das Ziel bleiben.</p>
<p>Das freie Tätigsein förderte noch andere Differenzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit zutage, zum Beispiel in Bezug auf Rollenverhalten und Emanzipation. Wenn das Gemüse ruft und wir alle Hände voll zu tun haben, stellt sich stereotypes Verhalten ein, und es bleibt wenig Zeit, unsere Privilegien zu reflektieren und uns gegenseitig Fähigkeiten beizubringen, vor deren Aneignung wir sonst Scheu hätten. Oder: Ich – ein männlich sozialisierter Gärtner – habe den ganzen Tag auf dem Acker verbracht, komme zurück in meine WG und ärgere mich darüber, dass gerade ich es bin, der um neun Uhr abends noch anfangen »muss«, zu kochen und zu spülen. – Als ob die anderen nichts zu tun gehabt hätten. Wir wollen die herkömmliche geschlechtliche Arbeitsteilung überwinden? Pustekuchen!</p>
<h4>Lustprinzip und Verantwortung</h4>
<p>Das zweite Problemfeld betrifft die Verantwortung und Verbindlichkeit, die es in jedem Wirtschaftsmodell geben muss. Wir hatten 60 Menschen zugesagt, für sie Gemüse zu produzieren. Man darf hoffen, dass eine vernetzte, nicht-kapitalistische landwirtschaftliche Produktion Lücken in der Versorgung wie Ernteausfälle durch Risikostreuung, zum Beispiel durch verschiedene Anbaustandorte, überbrücken kann. Aber das gilt vermutlich nicht, wenn alle Produzierenden immer nur tun, was sie gerade wollen. Das Lustprinzip mag eine Leitlinie sein, doch ist Landnutzung vor allem die Kunst, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, und das erzeugt Druck. Wir mussten uns zum Beispiel durch eine beispiellose Trockenheit kämpfen: Die Pflanzen warten nicht darauf, bis jemand Lust hat, sie zu gießen. Sie vertrocknen einfach.</p>
<p>Druck erzeugen wir allerdings auch durch uns selbst. Lohnenswert bleibt deshalb, darüber nachzudenken, welches Handeln wir gerade für unbedingt erforderlich halten und welches nicht. Wie weit wollen wir das Lustprinzip fallenlassen? Was passiert mit meiner Lust, wenn alles vertrocknet und es nichts mehr zu ernten gibt? Wie weit geht unsere Verantwortung für andere? Auch hier ist offensichtlich ein umfassender Lernprozess nötig.</p>
<h4>Abhängigkeit von Technik</h4>
<p>Das dritte Problemfeld betrifft eine Schnittstelle: Durch den Kauf moderner Technik greifen wir mit unserem landwirtschaftlichen Projekt auf die kapitalistische Gesellschaft und ihre Durchsetzungsmechanismen zurück. Auf der einen Seite wünsche ich mir arbeitserleichternde Landmaschinen statt Selbstausbeutung. Auf der anderen Seite wünscht sich wohl eine Bäuerin in einem chilenischen Bergbaugebiet, aus dem die für den Bau der Landmaschine benötigten Rohstoffe kommen, dass ich dem System, das ihre Lebensgrundlage zerstört, keinen Vorschub leiste, indem ich darauf basierende Waren kaufe. Solange wir die Maschinen nicht selbst produzieren können, bleibt nur, unsere landwirtschaftliche Produktion mit wenig technisierten Verfahren zu organisieren, oder diesen Widerspruch zu akzeptieren und bei der Anschaffung neuer Geräte auf Haltbarkeit, Reparabilität und Recycelbarkeit zu achten, sowie auf deren ökologische Verträglichkeit in Produktion und Nutzung. Die vermutlich entstehende Mehrarbeit in einem wenig technisierten System könnte auch, wenn gewollt, von der Konsumenten-Gemeinschaft übernommen werden.</p>
<p>Ein weiterer Schritt läge darin, das Produktionssystem unabhängiger von Geld zu machen. Größere Investitionen in ­In­fra­struktur sollten nur dann getätigt werden, wenn sie uns langfristig vor weiterem Geldbedarf bewahren, wie es zum Beispiel ausgeklügelte Handmaschinen tun, Ölpressen zur Kraftstoffgewinnung, Infrastruktur und Geräte zur eigenen Saatgutgewinnung etc. Oder aber wir integrieren andere Betriebe in das Netzwerk, die diese Möglichkeiten besitzen.</p>
<p>Es ist leider unmöglich, das technische Niveau einer nicht-kapitalistischen landwirtschaftlichen Produktion abzusehen. Dafür müssten die Rohstoffe dieser Erde als globales Gemeingut eingerichtet werden. Dann erst könnte darüber verhandelt werden, ob überhaupt, wie und für welche Technik wir sie global verwenden wollen.</p>
<h4>Das Problem der Konsumhaltung</h4>
<p>Genauso wie wir Gärtnerinnen und Gärtner noch Aspekte der »arbeits-wahnsinnigen« Gesellschaft verinnerlicht haben, so haben auch die Begärtnerten die konventionelle Konsumhaltung verinnerlicht. Gerade auch der freiwillige, monatliche finanzielle Beitrag kann diese Haltung verstärken. Während sich einige eine weitreichende Selbstorganisation als radikales Experiment wünschen, ist anderen die »alternative Gemüsebeschaffungsmaßnahme« revolutionär genug. Um Enttäuschungen durch diese Tendenz vorzubeugen, kann die Formulierung der gemeinsamen Vision wichtig sein. Auf dieser Grundlage können dann selbstbestimmte, aber verantwortliche Aufgaben durch die Begärtnerten übernommen werden. Wenn die Vision sogar eine Ausweitung der schenkökonomischen Prinzipien auf andere Lebensbereiche beinhaltet, steht eine Vernetzung mit anderen umsonst-ökonomischen Projekten an. Innerhalb des Projekts wäre es zudem denkbar, die Bedürfnisbefriedigung der Gärtner nicht durch Geld, sondern durch die Fähigkeiten der Gemeinschaft zu decken. So könnte etwa ein begärtnerter Arzt andere in der Gemeinschaft, vor allem aber die Gärtnerinnen, umsonst behandeln …</p>
<p>Der Umgang der Begärtnerten miteinander warf auch Fragen zum Zugang zu den Erzeugnissen auf: Wer nimmt wieviel? Nehmen diejenigen am meisten, die als erste da waren? Auf jeden Fall hatten wir die Ungerechtigkeit aufgelöst, dass diejenigen am meisten bekommen, die am meisten bezahlen. Oder diejenigen, die die brauchbarsten Fähigkeiten einbringen. Letztlich geht es um die Entkoppelung von Geben und Nehmen. Welche Wege auch immer ausprobiert werden: Das finanzielle Budget des Projekts muss gedeckt werden. Und alle Beteiligten sollen glücklich sein. Das bedeutet wohl einen weiteren Aushandlungsprozess.</p>
<h4>Kommende Herausforderungen</h4>
<p>Überzeugt vom Potenzial der Idee, erwarten wir, dass sich in Zukunft Fragen nach der Erweiterung des Projekts stellen. Wir könnten regional mehr Gemüse und auch andere Produkte nach diesem Modell organisieren. Hier sind Imkerinnen und Obstbauern bereits am Grübeln. Allerdings stellt sich die Frage der Organisierung neu, wenn immer mehr Menschen in einer Region Teil des Projekts werden. Wie können wir uns in Großgruppen methodisch organisieren? Ab wann müssen wir uns aufteilen? Wollen wir delegieren?<br />
Wenn die beschriebene Gegenseitigkeit weiter ausgedehnt werden soll, wird es komplizierter. Es stellen sich dann ganz neue Fragen der Organisation, der Bedarfserfassung, Logistik, Ausstattung und Finanzierung. Fragen also, die wohl am besten im Tun beantwortet werden können.</p>
<p><strong>Umsonst– und Schenkökonomie sind im Kommen:</strong></p>
<p><em>Internet<br />
</em>www.solidarische-landwirtschaft.de, www.projektwerkstatt.de/hefte/download/herrschaftsfrei_wirtschaften.pdf<em><br />
Literatur<br />
</em>Andreas Exner et al.: Die Grenzen des Kapitalismus: Wie wir am Wachstum scheitern. Ueberreuther, 2008 • Andreas Exner et al. (Hrsg.): Kämpfe um Land: Gutes Leben im post-fossilen Zeitalter. Mandelbaum Verlag, 2011<br />
Eine Langfassung des Artikels ist in der Zeitschrift Streifzüge Ausgabe 53/2011 erschienen, www.streifzuege.org</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/631-Aus_freien_Stuecken.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 13/2012</a></em></p>
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		<title>Wenn Geld die Lebensqualität mehrt und nicht den Profit</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/02/03/wenn-geld-die-lebensqualitat-mehrt-und-nicht-den-profit/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 09:27:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Komplementär Währung]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Tag zu Tag wächst das Volumen der geplanten Rettungsschirme. Gleichzeitig zeigt das Anschwellen weltweiter Proteste gegen das Finanzsystem, dass eine Rückkehr zum business as usual — anders als bei der Krise 2008 — in der Gesellschaft nicht mehr konsensfähig ist. „Da der Kollaps bei einem auf Zinsen basierenden Finanzsystem nur eine Frage der Zeit ist, sollten wir die Krise dazu nutzen, alternative Ansätze zu integrieren“, sagt die Erfinderin der Regionalwährung, Prof. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4441" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/540297_web_R_by_Günter-Havlena_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4436]"><img class=" wp-image-4441 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/540297_web_R_by_Günter-Havlena_pixelio.de_-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Günter Havlena/pixelio.de</p></div>
<p>Von Tag zu Tag wächst das Volumen der geplanten Rettungsschirme. Gleichzeitig zeigt das Anschwellen weltweiter Proteste gegen das Finanzsystem, dass eine Rückkehr zum business as usual — anders als bei der Krise 2008 — in der Gesellschaft nicht mehr konsensfähig ist. „Da der Kollaps bei einem auf Zinsen basierenden Finanzsystem nur eine Frage der Zeit ist, sollten wir die Krise dazu nutzen, alternative Ansätze zu integrieren“, sagt die Erfinderin der Regionalwährung, Prof. Dr. Margrit Kennedy, in ihrem neuen Buch <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3899015959/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;amp;tag=mann-sein-21&amp;amp;linkCode=as2&amp;amp;camp=1638&amp;amp;creative=19454&amp;amp;creativeASIN=3899015959" target="_blank" rel="external nofollow">Occupy Money</a></em>. Darin legt sie pointiert die Konstruktionsfehler unseres Finanzsystems bloß und stellt erprobte Alternativen zur gegenwärtigen Ratlosigkeit vor, die jedem Geldlaien einleuchten. Wer mit Kennedy genau hinschaut, findet bereits heutzutage viele visionäre Ansätze, die das Geld seiner eigentlichen Bestimmung zuführen: Wegbereiter zu sein für eine Zukunft, die Gerechtigkeit, Bildung und Gesundheit für jeden mit sich bringt.</p>
<p>Seit drei Jahrzehnten erforscht die renommierte Hochschulprofessorin alternative Geldsysteme, die ohne Zinsen auskommen – und die Weltengemeinschaft damit vor den immer drastischeren Schuldenbergen bewahren, die Zinsen nach sich ziehen: Allein in Deutschland wandern tagtäglich 600 Millionen Euro vom Vermögen der vielen Kreditnehmer auf die Konten der bereits wohlhabenden Kreditgeber. Eine Umverteilung in rasantem Tempo, die eine Frage aufwirft: Wie sähe eine Gesellschaft aus, in der dieses Vermögen für das Allgemeinwohl weiter im Umlauf bleibt, anstatt sich auf vereinzelten Konten irrwitzig zu vermehren?</p>
<p>„Das derzeitige System verpflichtet die Banken zu Wachstum um jeden Preis“, so Kennedy. Anders als ein natürlicher Organismus wie ein Baum oder ein Mensch, der nach Erreichen seiner idealen Größe aufhört zu wachsen, wuchert die Geldmaschinerie weiter. Angeheizt durch Zinseszins, Schulden und wilde Spekulationen bläht sich die Summe, die weltweit gehandelt wird, in immer astronomischere Größenordnungen auf – schon lange steht sie in keinerlei Verhältnis mehr zu den realen Werten, die als Rohstoffressource oder Bruttosozialprodukt wirklich vorhanden sind.</p>
<p>„In der Natur können wir dieses exponentielle Wachstumsmuster vor allem bei Krebszellen beobachten“, sagt Kennedy. Genau wie diese richtet sich das Finanzsystem in zunehmendem Maße gegen den Gesamtorganismus: „Nachhaltige, ökologische Anlagen zahlen sich in diesem System nicht aus, obwohl daran im Hinblick auf nachfolgende Generationen kein Weg vorbeiführt“, so Kennedy.</p>
<p>Geld wird nicht da angelegt, wo es Sinn macht, sondern da, wo es den maximalen Profit erwirtschaftet – auch wenn dadurch Kapital aus der heimischen Region abfließt und Völker in Entwicklungsländern plötzlich keinen Zugang mehr zum Wasser haben, weil die Quellen im Besitz global agierender Investoren sind.</p>
<p>Dass jeder Kredit der viel gepriesenen Entwicklungshilfe mit saftigen Zinsen belegt ist, weil die Banken sich ihre Unsicherheit bezahlen lassen, entpuppt sich in Kennedys Analyse als weiterer Unruheherd.</p>
<p>„Die derzeitigen Proteste lassen aber hoffen, dass diese Krise ihren Sinn hat und sich, anders als 2008, eine kritische Masse vom derzeitigen System abwendet“, so Kennedy. Mut mache ihr eine historische Gesetzmäßigkeit: „Sobald zehn Prozent der Bevölkerung den Sinn einer Innovation verstanden hatten, konnten fundamentale Umwälzungen ihren Lauf nehmen.“ An Alternativen mangelt es nicht – das zeigen die praktischen Beispiele in ihrem neuen Buch.</p>
<p>Für jeden Laien nachvollziehbar lotst die Finanzexpertin durch den Begriffsdschungel der derzeitigen Krise, bis eine kraftvolle Vision aufscheint: Geld als bewährtem Tauschmittel kann eine neue Funktion zuwachsen, wenn es einen Beitrag leistet, Bildung und Gesundheit für jeden zugänglich zu machen. Wenn Menschen mit ihrer Kaufkraft die Wurzeln ihrer eigenen Region stärken und das Geld, an reale Güter gekoppelt, im Umlauf bleibt, statt am anderen Ende der Welt in Fabriken mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen investiert zu werden. Dann wird Geld zu einem sinnstiftenden Versprechen, durch Austausch eine gerechtere Welt schaffen zu können.</p>
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		<title>Grünes Geld im Trend</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/07/07/grunes-geld-im-trend/</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Jul 2011 09:03:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alternatives Banking]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstes Investieren]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Was Frauen wollen und Männer machen GLS Bank und Green City Energy veröffentlichen Geschlechter-Studie zum Anlageverhalten bei grünen Geldanlagen (PresseBox) München, 06.07.2011, Frauen messen moralischen Gesichtspunkten einer Geldanlage genau so viel Bedeutung bei wie der Rendite. Männer hingegen verfügen über ein stärkeres Bewusstsein über grüne Investitionsmöglichkeiten. Insgesamt aber zeigen sowohl Anleger als auch Anlegerinnen ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Was Frauen wollen und Männer machen</h2>
<h4>GLS Bank und Green City Energy veröffentlichen Geschlechter-Studie zum Anlageverhalten bei grünen Geldanlagen</h4>
<div id="attachment_2166" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/07/ap4ad8717970fe3_small.jpg" rel="lightbox[2164]"><img class="size-medium wp-image-2166 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/07/ap4ad8717970fe3_small-300x225.jpg" alt="" width="200" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / Mutter und Kind © Rainer Sturm</p></div>
<p>(PresseBox) München, 06.07.2011, Frauen messen moralischen Gesichtspunkten einer Geldanlage genau so viel Bedeutung bei wie der Rendite. Männer hingegen verfügen über ein stärkeres Bewusstsein über grüne Investitionsmöglichkeiten. Insgesamt aber zeigen sowohl Anleger als auch Anlegerinnen ein großes Informationsdefizit beim Thema nachhaltiger Investments. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Forsa-Studie im Auftrag der <a href="http://www.gls.de/" target="_blank" rel="external nofollow">GLS Bank</a> und <a href="http://www.greencity-energy.de/" target="_blank" rel="external nofollow">Green City Energy</a>, die erstmals im Rahmen der Messe Grünes Geld in München vorgestellt wird.</p>
<p>Grüne Geldanlagen liegen im Trend, das zeigt die dynamische Entwicklung von nachhaltigen Geldanlagen in den vergangenen Jahren. Doch bisher fehlten Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen sozioökologischen Aspekten und den Investitionsentscheidungen von privaten Anlegern aufzeigen. Die aktuelle Forsa-Studie im Auftrag der GLS Bank und dem alternativen Energiedienstleister Green City Energy zu »sozial-ökologischen Geldanlagen« liefert dazu repräsentative Daten. Die Studie ermittelt unter anderem wichtige Aspekte bei der Entscheidung für eine Geldanlage, die Bekanntheit von sozial-ökologischen Geldanlagen und ein tatsächliches Investment in diesem Bereich. Zielgruppe der Befragung waren 1001 deutsche Finanzentscheider ab 18 Jahren mit mindestens einer Geldanlage.</p>
<h4>Frauen legen mehr Wert auf sozial-ökologische Kriterien ihrer Geldanlage</h4>
<p>Die vorliegende Erhebung zeigt, dass die wichtigsten Aspekte für Anleger neben der Sicherheit ihres Investments (93%), die flexible Laufzeit (87%), freie Verfügbarkeit (83%) und Rentabilität (74%) sind. Hierbei zeigen sich im Geschlechtervergleich keine signifikanten Unterschiede. Anders gestaltet sich die Lage hinsichtlich sozial-ökologischer Kriterien: Rund 70 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen soziale Gesichtspunkte bei der Geldanlage sehr wichtig oder wichtig sind. Frauen führen hier mit 74 Prozent gegenüber 65 Prozent der Männer und messen somit moralisch/ethischen Aspekten genau so viel Bedeutung bei wie dem Anspruch auf Rendite. Für 56 Prozent der Gesamtbefragten spielen ökologische Kriterien eine bedeutende Rolle. Auch hier haben die Frauen mit 61 Prozent vs. 52 Prozent der Männer die Nase vorn.</p>
<h4>Nachhaltige Geldanlagen sind für viele Deutsche ein Fremdwort</h4>
<p>Umso überraschender stellt sich heraus, dass bisher nur jeder dritte Finanzentscheider (33%) von sozial-ökologischen oder ethisch-sozialen Geldanlagen gehört hat. Rund 66 Prozent der Gesamtbefragten ist diese Anlageform gänzlich unbekannt. Allerdings sind Befragten mit Abitur oder Studium (51%) sowie einem monatlichen Haushaltseinkommen von mindestens 2.000 Euro (40%) sozial-ökologische Geldanlagen überdurchschnittlich bekannt. Auffällig ist, dass Männer besser informiert sind als Frauen (40% vs. 27%).</p>
<h4>Anleger vertrauen eher ihrem Bauchgefühl als professionellem Rat</h4>
<p>An erster Stelle für vertrauenswürdige Quellen bei der Entscheidung für eine neue Geldanlage steht das eigene Bauchgefühl: Sechs von zehn Befragten vertrauen bei der Wahl ihrer Geldanlage auf die eigene Erfahrung beziehungsweise ihrer »inneren Stimme«. Die Empfehlung eines Bank– oder Vermögensberaters ist für jeden Zweiten (48%) ausschlaggebend. Etwa jeder Dritte zählt auf Informationen aus Zeitung oder dem Internet (34%). Erst dahinter liegt die Empfehlung von Verwandten oder Bekannten (30%).</p>
<p>Während Männer sich bei der Entscheidung für eine Geldanlage etwas stärker von der eigenen Erfahrung leiten lassen als Frauen (63% vs. 57%) ist der Rat des Vermögensberaters und des persönlichen Umfelds für Frauen die wichtigere Entscheidungshilfe (52% vs. 44% bzw. 35% vs. 25%). »Die Zahlen spiegeln unsere praktischen Erfahrungen wieder: Männer treffen ihre Entscheidungen stärker anhand von Zahlen, Daten und Fakten, während Frauen der direkte Bezug zum Anbieter sowie die Geschichte hinter der Geldanlage überzeugt«, so Theresa Kratschmer, Mitinitiatorin der Studie und Unternehmenssprecherin von Green City Energy. »Das gravierende Wissensdefizit rund um grüne Geldanlagen zeigt aber auch, dass den Medien einen Schlüsselrolle bei der Aufklärung der Anleger zukommt. Insbesondere die Breitenpresse sowie Lifestyle– und Frauenmedien vernachlässigen dieses Themenfeld häufig.«</p>
<h4>Nur 3 Prozent der Anleger entschieden sich bisher für grüne Geldanlagen</h4>
<p>Nur jeder zehnte Kenner hat bereits in eine nachhaltige Geldanlage investiert, das entspricht etwa drei Prozent der privaten Finanzentscheider. Immerhin ziehen 34 Prozent der informierten Anleger eine sozial-ökologische Finanzanlage in Betracht, das entspricht 10 Prozent der Gesamtentscheider. »Die Studie zeigt uns, dass der grüne Geldmarkt noch viel Potential bereit hält und gleichzeitig einer großen Aufklärung bedarf. Als nachhaltiges Bankinstitut kommen wir diesem Auftrag gerne nach und freuen uns über eine wachsende Zahl von Anlegern, die in nachhaltige Anlageformen investieren wollen«, erklärt Carsten Schmitz, Mitinitiator der Studie und Filialleiter der GLS Bank in München. »Aufgrund des Informationsbedarfs planen wir gemeinsam mit Green City Energy eine Veranstaltungsreihe in München, um das Bewusstsein für nachhaltige Geldanlagen zu steigern.«</p>
<h4>Anleger zeigen Sympathie für Investitionen vor der eigenen Haustüre</h4>
<p>Als weiteres Ergebnis der Studie geht hervor, dass knapp jeder zweite Befragte in ein regionales Bürgerkraftwerk investieren würde. Insbesondere Männer zeigen sich dieser Idee aufgeschlossener als Frauen (52% vs. 41%).</p>
<p>Von diesem Trend profitiert auch der alternative Energieversorger Green City Energy: »In den vergangenen Monaten verzeichneten wir eine hohe Nachfrage bei unseren Bürgerbeteiligungsfonds und Genussrechten«, so Thomas Prudlo, Geschäftsführer der Green City Energy GmbH. »Wir sind zuversichtlich, dass auch in Zukunft immer mehr Menschen Vertrauen in nachhaltige Anlageformen fassen und somit persönlich an der Energiewende teilzuhaben.«</p>
<h4>GLS Bank</h4>
<p>Die GLS Bank steht mit ihrer sozialökologischen Ausrichtung für die Verbindung von Sinn, Gewinn und Sicherheit. Ziel unserer Tätigkeit ist eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft und unserer Lebensgrundlagen. Geld verstehen wir dabei als ein soziales Gestaltungsmittel.</p>
<p>In der ersten sozial-ökologischen Universalbank der Welt arbeiten die GLS Gemeinschaftsbank eG, die GLS Treuhand e.V. und die GLS Beteiligungs AG eng zusammen. Der Begriff Universal wirkt dabei in zwei Dimensionen. Zum einen, weil die GLS Bank den Kundinnen und Kunden ein umfassendes Angebot als Hausbank macht, und zum anderen, weil in unseren Angeboten die wesentlichen Qualitäten des Geldes, nämlich Zahlen, Leihen/Finanzieren und Stiften/Schenken abgebildet sind.</p>
<p>Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein einmaliges Angebot an nachhaltigen Zahlungsverkehrsmöglichkeiten, Geldanlagen und Beteiligungsmöglichkeiten, zukunftsweisenden Finanzierungen und guten Ideen zu Stiften und Schenken aus einer Hand.</p>
<p>Heute steht die bundesweit an 7 Standorten (Hamburg, Berlin, Bochum, Frankfurt, Freiburg, Stuttgart, München) tätige GLS Bank für ein Bankgeschäft mit Sinn. Sie ist bekannt für Transparenz, Menschlichkeit und einen bewussten Umgang mit Geld. National und international arbeitet sie an der Stärkung eines zukunftsweisenden, fortschrittlichen Bankgeschäftes, in dessen Mittelpunkt der Mensch — und nicht das Geld — steht.</p>
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		<title>Der Stoff, aus dem Heldinnen sind</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/07/06/der-stoff-aus-dem-heldinnen-sind/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Jul 2011 16:06:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstes Investieren]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine aggressive Kreditvergabe hat arme Menschen in Indien noch ärmer gemacht oder mehrere gar vor lauter Verzweiflung über ihre Schulden in den Tod getrieben. Mikrofinanzkredite sind in den letzten Monaten deshalb in Verruf gekommen. Hat diese Form der Armutsbekämpfung versagt? Es ist kein Zufall, dass die negativen Auswirkungen einer unkontrollierten Mikrokreditvergabe ausgerechnet im indischen Andhra [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/07/dreamstime_xs_18745653.jpg" target="_blank" rel="lightbox[2141]"><img class="alignright size-full wp-image-2145" style="margin-left: 10px;" title="African women © Djembe | Dreamstime.com" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/07/dreamstime_xs_18745653.jpg" alt="" width="200" /></a>Eine aggressive Kreditvergabe hat arme Menschen in Indien noch ärmer gemacht oder mehrere gar vor lauter Verzweiflung über ihre Schulden in den Tod getrieben. Mikrofinanzkredite sind in den letzten Monaten deshalb in Verruf gekommen. Hat diese Form der Armutsbekämpfung versagt?</em></p>
<p>Es ist kein Zufall, dass die negativen Auswirkungen einer unkontrollierten Mikrokreditvergabe ausgerechnet im indischen Andhra Pradesh einen traurigen Höhepunkt erreichten: Nirgendwo anders war die Dichte an Mikrofinanzinstitutionen so hoch wie dort. Neben Hilfsorganisationen und Selbsthilfegruppen drängten zunehmend profitorientierte Akteure auf den Markt. Kredite wurden wahllos vergeben, von Transparenz und Kundenschutz keine Spur. Als Meldungen von einer Selbstmordwelle die Runde machten, weil Kreditnehmerinnen die Zinsen, aber auch die Kredite selbst nicht mehr zurückzahlen konnten, gab es Aufrufe, keine Zinsen und Rückzahlungen mehr zu leisten, was die Institutionen in Schwierigkeiten bringt. Mittlerweile ist die indische Zentralbank dabei, den Mikrofinanzsektor zu regulieren, und sie will Zinssätze auf 24 Prozent begrenzen. Bereits warnen Profiteure aus der Branche vor einem Überschwappen der Kontrollen auf andere Länder. Der Wettbewerb dürfe nicht eingeschränkt werden, nur er sorge für einen «fairen» Zinssatz. Dieser Ruf kommt aus den Industrieländern, die ihre Wirtschaft lange Zeit geschützt und subventioniert oder den Kapitalverkehr kontrolliert haben und es teilweise auch heute noch tun.</p>
<h4>Gigantischer Markt</h4>
<p>Laut der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) des Bundes haben weltweit zwei Drittel aller Menschen keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Sie gelten wegen ihrer Armut als kreditunwürdig. Der Grossteil davon sind Frauen, die sich in einer informellen Wirtschaft durchschlagen, um sich und ihre Kinder zu ernähren.</p>
<p>Heute beziehen rund 100 Millionen Menschen weltweit Mikrokredite. Der Markt ist gigantisch und vollkommen unreguliert. Er wird auf 200 Milliarden Dollar weltweit geschätzt. Deshalb zieht er zunehmend grosse private Investoren an, die permanent auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten sind. Mit der Mikrofinanz schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Es winkt ihnen ein Milliardengeschäft, und das Engagement lässt sich als gute Tat verkaufen. Jeder Akteur kann sich dabei eine eigene Definition von sozialer Verantwortung zurechtschustern, denn globale messbare Standards sind in weiter Ferne. Immerhin haben sich Anfang 2011 mehr als zwanzig wichtige Mikrofinanzakteure zu Transparenz und Minimalstandards im Umgang mit den Kundinnen und Kunden verpflichtet. Diese Uno-Richtlinien (Principles for Investors in Inclusive Finance, PIIF) sind jedoch ein reiner Akt der Selbstregulierung, denn weder übt die Uno eine Kontrollfunktion aus, noch verfügt sie über Sanktionsmöglichkeiten.</p>
<h4>Geld allein reicht nicht</h4>
<p>Die Mikrofinanz-Kreditvergabe ist nicht nur für Investoren interessant, sie gilt auch als innovatives Instrument der Entwicklungshilfe. Im Hauptunterschied zu einer Spende wird das Geld ausgeliehen, und es fliesst nach erfolgreicher Hilfe zur Selbsthilfe wieder in den Kreislauf zurück und steht jemand Neuem zur Verfügung. Allerdings liegt diesem Konzept die etwas</p>
<p>kühne Annahme zugrunde, dass Millionen, ja Milliarden von Menschen das Talent zum Unternehmer und zur Unternehmerin haben. Allein schon deshalb ist es einleuchtend, dass eine Kreditvergabe mit der Vermittlung von technischem und betriebswirtschaftlichem Know-how einhergehen sollte. Auch Angebote für Spar– und Versicherungsmöglichkeiten rücken vermehrt in den Vordergrund. Denn was nützt einer indischen Bäuerin ihr hart verdientes Geld, wenn sie es nirgends geschützt aufbewahren und wenn sie sich nicht gegen Krankheit oder Ernteausfälle versichern kann? Wenn sie die Ersparnisse nicht für die Ausbildung der Kinder verwenden oder in ihr Geschäft reinvestieren kann. Nur ganzheitliche Ansätze haben bei der Armutsbekämpfung eine Chance auf Erfolg.</p>
<p>Private und institutionelle Anlegerinnen und Anleger mit einem starken ethischen Kompass sollten bei der Auswahl einer Geldanlage im Mikrofinanzbereich darauf achten, ob solche nachhaltigen Strategien vorhanden sind. Und darauf, dass die Investoren (Investmentfonds, Non-Profit-Organisationen usw.) der Tatsache Rechnung tragen, dass es vor allem Frauen sind, die Mikrokredite beziehen. Ein weiterer Hinweis für ernst gemeinte soziale Verantwortung des Investors ist dessen Präsenz vor Ort: Erfolgen die Investitionsentscheide irgendwo eingleisig in einer fernen Firmenzentrale, oder besteht eine Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen?</p>
<p>Entwicklung hat mit Nachhaltigkeit zu tun, mit dem Aufbau von Strukturen, mit Gesundheit und mit Bildung. Nachhaltigkeit entsteht durch qualitatives Wachstum, oft erst über mehrere Generationen hinweg. Armut hingegen bedeutet täglichen Kampf ums Überleben, gesundheitliche Probleme, Unsicherheit. Zu den Unsicherheiten auf der individuellen Ebene gesellen sich weitere auf regionaler und nationaler Ebene: Inflation, Korruption, politische Instabilität, Kapitalflucht usw. Alle diese Faktoren sind Risiken, die – zusammen mit «betrieblichen Aufwandfaktoren» – den Preis für einen Kredit bestimmen. So lauten die Regeln des freien Marktes.</p>
<h4>Einige haben es geschafft – sie sind die Heldinnen</h4>
<p>Dass man armen Menschen Kredite gewährt, ohne dass sie dafür die sonst üblichen Sicherheiten einbringen müssen, hat per se noch nichts mit sozialer Verantwortung zu tun. Denn wer einen Kredit bezieht, muss knallharte, «marktgerechte» Bedingungen erfüllen und bekommt sämt liche Risiken überwälzt, für die er oder sie nur teilweise verantwortlich ist. Auch nicht profitorientierte Organisationen halten sich an die marktüblichen Zinssätze in den jeweiligen Ländern, doch schaffen sie im Gegensatz zu den profitorientierten Akteuren einen nachhaltigen Mehrwert vor Ort, denn sie errichten und finanzieren die bereits erwähnten Parallelstrukturen, bauen aber auch Gesundheitszentren und Schulen. Viele – in der Mehrheit Frauen – haben es geschafft, dank eines Mikrokredites eine Existenz für sich und ihre Familien aufzubauen. Es gibt sie also, die Erfolgsstorys, die kleinen und grossen Wunder, die Stärkung von Frauen. Dies ist der Stoff, aus dem Heldinnen sind. Doch leider steckt die Erforschung der Auswirkung von Mikrokrediten auf die Armutsbekämpfung noch in den Kinderschuhen, und es gibt nur wenige Studien und wenig aussagekräftige Zahlen zum Thema.</p>
<p> </p>
<p><em>Dieser Text erschien zuerst in </em><a href="http://www.abs.ch/de/zeitung-moneta/" target="_blank" rel="external nofollow"><em>›moneta‹ 2/2011</em></a><em>. ›moneta‹, die Zeitschrift für Geld und Geist, wird von der Alternativen Bank Schweiz, <a href="http://www.abs.ch" target="_blank" rel="external nofollow">ABS</a>, unterstützt.</em></p>
<p><em>Weitere Informationen zu Mikrofinanz: </em><a href="http://www.mikrofinanzwiki.de/" rel="external nofollow"><em>www.mikrofinanzwiki.de</em></a><em><br />
</em></p>
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		<title>Bedingungen für ein bedingungsloses Grundeinkommen?</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/06/05/bedingungen-fur-ein-bedingungsloses-grundeinkommen/</link>
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		<pubDate>Sat, 04 Jun 2011 23:26:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>juergengreiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Grundeinkommen]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun, das bedingungslose Grundeinkommen soll vom Grundsatz her an keine Bedingung geknüpft sein, um als Mitglied einer Gesellschaft in den Genuss dieser monatlichen Transferzahlungen zu kommen. Wenn wir heutige staatliche Transferzahlungen und Transfersysteme betrachten, so sind diese stets an Bedingungen geknüpft. Nur wenn diese Bedingungen exakt erfüllt werden, kann der Einzelne auf gemeinschaftliche Hilfe hoffen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-1967 alignright" style="margin-left: 10px;" title="BGE-2" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/06/BGE-2.jpg" alt="" width="200" />Nun, das bedingungslose Grundeinkommen soll vom Grundsatz her an keine Bedingung geknüpft sein, um als Mitglied einer Gesellschaft in den Genuss dieser monatlichen Transferzahlungen zu kommen.</p>
<p>Wenn wir heutige staatliche Transferzahlungen und Transfersysteme betrachten, so sind diese stets an Bedingungen geknüpft. Nur wenn diese Bedingungen exakt erfüllt werden, kann der Einzelne auf gemeinschaftliche Hilfe hoffen. Ob die Bedingungen wirklichkeitsnah oder lebensfremd sind, steht auf einem anderen Blatt. Werden beim Aufsetzen und Verabschieden von Gesetzen durch Regierung oder Parlament der Bedarf und die Notwendigkeiten im Alltag und bei den Betroffenen geprüft? In der Politik wartet man gegebenenfalls ab, ob es von Seiten der Betroffenen und Beteiligten große Einsprüche gibt und ob die Maßnahmen die gesetzten fiskalischen und definierten messbaren Indikatoren erfüllen.</p>
<p>Schön konnte diese Arbeitsweise in Deutschland bei der Neuberechnung der Hartz IV-Sätze (Sozialhilfeleistungen) in 2010 und 2011 nach der Rüge des deutschen Bundesverfassungsgerichts im Februar 2010 beobachtet werden. Gab es hier Felduntersuchungen über den tatsächlichen Lebensbedarf von Erwachsenen und Kindern in verschiedenen Altersstufen und eine transparentere Berechnung, wie es vom Verfassungsgericht gefordert worden war? Nicht, dass dies in der Öffentlichkeit wahrnehmbar gewesen wäre. Vielmehr versuchte das Arbeits– und Sozialministerium die zuvor willkürlich festgelegten Prozentsätze für die Kinder etwas transparenter darzulegen und nachzurechnen, um die Vorgaben zu erfüllen und die Nachbesserungen kostenneutral für den Bundeshaushalt zu gestalten. Wer mit Berechnungen und Kalkulationen in seinem Leben schon mal zu tun hatte, weiß welche kreativen Spielräume es dabei gibt, ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen.</p>
<p>Wenn die im Wortlaut eines Gesetzes definierten Gegebenheiten jedoch nicht vorliegen, so hat der Bedürftige keinen Anspruch. Er oder sie müsste also erst die Voraussetzungen schaffen, um doch in den Genuss der Hilfe zu gelangen. Manchmal sind es nur Angelegenheiten der Auslegung oder Interpretation. Schwierig wird es, wenn spontan Hilfe benötigt wird, die Voraussetzungen aber kurzfristig nicht herbeiführbar sind. Man denke an die Situation, dass man zum Erlangen von Hilfe in einer kurzfristigen Notlage kein Vermögen besitzen darf, um einen Anspruch zu haben. Was macht man dann mit einer Wohnung oder einem Häuschen, in dem man wohnt? Die lassen sich ja so schnell gar nicht veräußern oder nur mit großen Abschlägen. Dann muss man gegebenenfalls noch mehr Schaden erleiden, der möglicherweise im Alter in der Rente noch gravierendere Folgen nach sich ziehen kann, nur um für einen schwierigen Übergang Hilfe von der Gemeinschaft zu erlangen.</p>
<p>Dies bezüglich grenzt sich das bedingungslose Grundeinkommen klar ab. Es definiert weder Voraussetzungen finanzieller noch persönlicher Art. Sowohl Arme, Normalverdiener(innen), Wohlhabende und Reiche sollen das Grundeinkommen erhalten. Es ist auch von keiner Gegenleistung abhängig. Man muss dafür im Gegenzug auch nicht arbeiten oder leisten.</p>
<p>Ist damit der Begriff „bedingungslos“ allumfassend so zu verstehen, dass es keinerlei Bedingungen gibt und geben darf?</p>
<p>Die Antwort lautet ehrlicherweise „Nein“. Es können stets einige Voraussetzungen gefunden werden, an welche die Transferzahlungen gekoppelt sind. Wenn es auch banal oder spitzfindig klingen mag, so ist die erste Bedingung die, dass man ein Mensch ist. Tiere, Pflanzen oder andere natürliche oder künstliche Lebewesen sind wohl keine Subjekte, die ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten sollen. Eine zweite Bedingung ist sicherlich das Leben oder verständlicher ausgedrückt, dass man lebt. So werden Embryonen, noch ungeborene Kinder, Spermien und Einzellen keinen Anspruch auf ein Grundeinkommen erheben können. Andererseits werden die Ansprüche auch mit dem Tod eines Menschen erlöschen. Angehörige und Hinterbliebene werden keine Transferleistungen begründen und erhalten können, die sich auf die verstorbene Person bezieht, wie es heute bei Renten – Witwen– und Waisenrente – der Fall ist.</p>
<p>Das bedingungslose Grundeinkommen wird wohl zumindest für eine längere Zeit eine Transferleistung einer Gemeinschaft an ihre Mitglieder sein. Daraus entsteht eine weitere Bedingung, nämlich die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft. Auch wenn wir die Gemeinschaft als alle Menschen auf der Erde betrachten sollten, so werden wir auf die nächsten Herausforderungen treffen, wenn der erste Außerirdische unseren Globus betreten sollte. Das ist jedoch sehr ferne Zukunft oder vielleicht sogar eine – nach unserem heutigen Verständnis – physikalische Unmöglichkeit. Also lassen Sie uns zurück in unsere heutige Welt mit ihren Nationalstaaten zurückkehren. Wenn eine Gemeinschaft für sich entscheidet, dass sie innerhalb ihrer Gemeinschaft ein bedingungsloses Grundeinkommen einführt, so kann dies stets Gültigkeit nur für die eigene Gemeinschaft haben und für sonst niemanden. Gemeinschaften sind, auch wenn man Geburten und Todesfälle außer Acht lässt, keine geschlossenen Systeme sondern offen. Es gibt Eintritte und Austritte, beispielsweise in Form von Zu– und Abwanderung. Eine Gemeinschaft hat sich stets die Frage zu stellen, nach welchen Regeln sie Mitglieder anderer Gemeinschaften aufnimmt und wie diese zu integrieren sind. In einer Gesellschaft mit bedingungslosem Grundeinkommen sind daher Festlegungen für den Bezug von Grundeinkommen für Menschen, die zu dieser Gesellschaft hinzukommen oder aus ihr heraustreten, unumgänglich, wenn man ein funktionierendes System etablieren möchte, das im Grundsatz weder ausgrenzend noch ausnutzbar, sondern offen, dynamisch und nachhaltig stabil sein möchte.</p>
<p>Natürlich kann und sollte man von einer Welt träumen, in der alle heutigen Staaten ein Grundeinkommen haben. Damit würde natürlich der Nach– und Vorteil verschwinden zu einer entsprechenden Gemeinschaft zu gehören oder außerhalb dieser zu sein, hinsichtlich des bedingungslosen Grundeinkommens. Vielleicht würden dann sogar die heutigen nationalstaatlichen Gebilde verschwinden und beispielsweise durch autonome Gemeinschaftsverwaltungen ersetzt werden, die offen und flexibel sind. Wir können und dürfen jedoch nur für unser Leben Entscheidungen treffen und nicht für andere. So auch beim Grundeinkommen. Natürlich dürfen und sollen wir anderen Menschen und Gemeinschaften behilflich sein, ähnliches zu erreichen und zu errichten. Dies kann jedoch nur ein Angebot sein. Unsere größte Hilfe für alle Menschen wäre jedoch, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen und wirklich in allen Fassetten zu leben, so dass andere Gesellschaften davon lernen und inspiriert werden, ebenfalls ihre Gemeinschaft weiterzuentwickeln und die Voraussetzungen zur Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens zu schaffen. Hierbei können wir ebenfalls unsere Unterstützung und Erfahrungen anbieten oder bereitstellen.</p>
<p>Wie wir nun sehen, kommt das bedingungslose Grundeinkommen paradoxerweise doch nicht ganz ohne Regeln und Bedingungen aus, auch wenn dies der Begriff suggeriert. Bislang habe ich noch keinen besseren Begriff vernommen, der dieser und einer weiteren Schwäche treffend begegnen könnte. Die zweite begriffliche Ungeschicklichkeit liegt darin, dass Ziele so beschrieben werden sollten, dass man weiß, was man will, anstatt nur zu wissen, was man nicht mehr haben möchte. Diesbezüglich zeigt sich das Wort „bedingungslos“ auch nicht als der Weisheit letzter Schluss. Haben Sie vielleicht eine gute Idee für eine gelungene Benennung?</p>
<p><em>Fotoquelle: Flickr | © <a href="http://www.flickr.com/photos/gnuckx/" rel="external nofollow">gnuckx</a></em></p>
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		<series:name><![CDATA[Bedingungsloses Grundeinkommen]]></series:name>
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		<title>Eine Bank fürs Gemeinwohl</title>
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		<pubDate>Mon, 16 May 2011 23:53:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alternatives Banking]]></category>
		<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinwohl Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Ausgehend von einem in Arbeitskreisen von Attac erarbeiteten Modell, bereitet eine wachsende Zahl engagierter Menschen in Österreich die Gründung einer »Demokratischen Bank« vor. Geld soll hier als öffentliches Gut neu gedacht werden, auf dass es der Wirtschaft und der Gesellschaft dienen möge. Im Kern der Fehlentwicklung, die zur Krise geführt hat, steht die schleichende Umwandlung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1733" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/05/ap4c3e05e95eb12_small.jpg" target="_blank" rel="lightbox[1728]"><img class="size-full wp-image-1733" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/05/ap4c3e05e95eb12_small.jpg" alt="" width="200" height="133" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / GA_Sortierung © virra</p></div>
<p><em>Ausgehend von einem in Arbeitskreisen von Attac erarbeiteten Modell, bereitet eine wachsende Zahl engagierter Menschen in Österreich die Gründung einer »Demokratischen Bank« vor. Geld soll hier als öffentliches Gut neu gedacht werden, auf dass es der Wirtschaft und der Gesellschaft dienen möge.</em></p>
<p>Im Kern der Fehlentwicklung, die zur Krise geführt hat, steht die schleichende Umwandlung des Finanzsystems von einem dem Gemeinwohl dienenden Sektor hin zu einem Markt mit gewinn orientierten Unternehmen. Banken haben ihre ursprüngliche Funktion – die kostengünstige Umwandlung von Spar– in Kreditgeld sowie die serviceorientierte Abwicklung des Zahlungsverkehrs – verlassen und zunehmend neue Aufgaben angenommen: Vermögensverwaltung, Investmentbanking, Devisenspekulation, Kredithandel, Derivate-Entwicklung. Die Wirtschaft wurde durch diese »Innovationen« nicht effizienter, sondern ungerechter und instabiler: Wenn Geld vom Mittel zur Ware wird, sind Arbeitsplätze, Wirtschaft und Wohlstand in Gefahr.<br />
Deshalb bedarf es einer »radikalen«, also einer »wurzeltiefen« Umkehr: Geld und Kredit zählen zur Grundinfrastruktur der Wirtschaft. Sie sollten als öffentliches Gut definiert und unter demokratische Kontrolle gebracht werden. Die »Demokratische Bank« würde folgende, in ihrer Verfassung festgeschriebene Kernaufgaben erfüllen: ein kostenloses Girokonto, sichere Sparkonten mit staatlicher Einlagengarantie, menschenfreundlichen Service in einem flächendeckenden Filialnetz, kostengünstige Kredite für Unternehmen und Haushalte und schließlich kostengünstige Kredite an den Staat.</p>
<p>Die »Demokratische Bank« ist die Ad-hoc-Antwort von Attac Österreich auf die Forderung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nach »Bad Banks« im Dezember 2008. Ackermann, der sich jahrelang für den Rückzug des Staats aus der Wirtschaft starkgemacht hatte, wollte plötzlich, dass den profitorientierten Banken der finanzielle »Giftmüll«, an dem sie sich verschluckt hatten, von den Steuerzahlenden teuer abgekauft werde. Attac Deutschland und Attac Österreich forderten postwendend stattdessen die Einrichtung von »Good Banks«. So kam ein Nachdenken darüber in Gang, wie die ideale Bank eigentlich aussehen und funktionieren sollte. Nach 18 Monaten interner Diskussion wurde im April 2010 das Positionspapier »Die Demokratische Bank« verabschiedet.</p>
<p>Die Demokratische Bank wird hier als eine im Endausbau öffentliche Bank beschrieben, bleibt jedoch im Unterschied zu traditionellen »Staatsbanken« von der Regierung unabhängig. Ihre Leitungs– und Aufsichtsgremien kommen durch direkte Wahl auf kommunaler Ebene zustande; der kontrollierende Bankenrat setzt sich aus Beschäftigten, Sparenden und Kreditnehmerinnen sowie Anwälten und Anwältinnen für Gender-, Umwelt– und Zukunftsfragen zusammen. Alle gewählten Positionen können jederzeit vom Souverän abgewählt werden. Parteien, Parlament und Regierung haben keine Mitspracherechte, denn die Bank gehört der souveränen Bevölkerung.</p>
<p>Diese Idealvorstellung hat einen Schönheitsfehler: Ihre Umsetzung ist von der Zustimmung im Parlament oder von einer Volksabstimmung abhängig. Beides ist unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Machtverhältnissen nicht sehr wahrscheinlich. Deshalb hat Attac Österreich beschlossen, diese Bank in der ersten Umsetzungsstufe selbst zu gründen – als private Genossenschaftsbank. Diese sollte bereits alle Charakteristika der idealtypischen Demokratischen Bank vorleben.</p>
<h4>Gemeinwohlmaximierung und Ausstieg aus dem Zinssystem</h4>
<p>Die Demokratische Bank betreibt nicht Gewinnmaximierung, sondern Gemeinwohlmaximierung. Das bedeutet dreierlei: Erstens: Sie beschränkt sich auf das Bankenkerngeschäft, das heißt Verwaltung der regionalen Sparvermögen, Abwicklung des Zahlungsverkehrs und Ausgabe kostengünstiger Kredite in der Region. Spekulation, Wertpapierhandel und Derivate sind tabu – die Demokratische Bank beteiligt sich nicht am globalen Finanzcasino und schmäht Steueroasen. Zweitens: Sie schüttet keine Gewinne aus – genauso wenig wie eine Volksschule, ein kommunaler Trinkwasserversorgungsbetrieb oder ein öffentliches Krankenhaus. Drittens: Sie fördert mit eventuellen Überschüssen, die nicht für Rücklagen benötigt werden, gemeinnützige Projekte.<br />
Auch lockt die Demokratische Bank nicht mit hohen Spar zinsen, sie lädt vielmehr ihre Kundinnen und Kunden ein, aus dem Zinsanspruchsdenken auszusteigen, indem sie Bewusstsein dafür schafft, dass Sparzinsen systemisch negativ wirken und der großen Mehrheit der Menschen direkt Nachteile bringen.</p>
<p>Zinsen sind langfristig gar nicht möglich. Wenn private Finanzvermögen verzinst werden, wächst das Vermögen der Privaten bald schneller als die reale Wirtschaft (= das Bruttoinlandsprodukt BIP). Verzinsung ist nur möglich, wenn das Finanzkapital in die reale Wirtschaft investiert und daraus verzinst wird. Schon heute beträgt das globale Finanzvermögen das Dreieinhalbfache des Welt-BIPs. Erreicht das Geldvermögen die zehnfache Größe der realen Wirtschaftsleistung, bräuchte dieses für eine fünfprozentige Verzinsung bereits die Hälfte der Wirtschaftsleistung (50 % des BIP). Ist das Finanzvermögen dereinst hundertmal so groß, würde ein Verzinsungsanspruch von nur einem Prozent erfordern, dass die gesamte Weltwirtschaftsleistung – das globale Einkommen eines Jahres – dafür aufgewendet werden müsste, diesen Verzinsungsanspruch zu erfüllen. Es bliebe kein Cent für Löhne, Gehälter und Steuern.</p>
<p>Darüber hinaus führen Sparzinsen zu ungerechter Verteilung, und das umso stärker, je höher sie sind, weil die große Mehrheit der Menschen weniger Sparzinsen erhält, als sie an Kreditzinsen bezahlt – über den Konsum von Produkten und Dienstleistungen, in denen die Kreditzinsen vollständig enthalten sind. Während alle konsumieren (je geringer das Einkommen, desto höher die Konsumneigung), fließen die Sparzinsen jenen zu, die das Vermögen besitzen. Berechnungen von Helmut Creutz zufolge bezahlen 80 bis 90 Prozent der Haushalte mehr – unsichtbare – Kreditzinsen über den Konsum, als sie an – sichtbaren – Sparzinsen erhalten.</p>
<p>Letztlich wirken Sparzinsen auch volkswirtschaftlich negativ, weil sie die Kredite verteuern. Systemisch vorteilhafter sind niedrige Spar– und Kreditzinsen, weil Unternehmen mehr (real) investieren, was wiederum mehr Arbeitsplätze schafft, und die Arbeitseinkommen stärker steigen lässt.</p>
<p>Beim Entfall von Sparzinsen wären Kreditzinsen nur noch in einer Höhe nötig, die es den Banken ermöglicht, ihre Betriebskosten und Kreditverluste zu decken. Bei ausreichender Größe der Bank könnte dies mit durchschnittlichen Kreditkosten von rund zwei Prozent erreicht werden.</p>
<h4>Geld als öffentliches Gut</h4>
<p>Das strukturelle Problem der Zukunft wird sein, dass aufgrund der Verzinsung ein zu großes Kapitalangebot entsteht, für das es keine Kreditnachfrage gibt. Deshalb sollten Banken mit Einlagenüberschüssen nach der Deckung des regionalen Kreditbedarfs zunächst andere Banken, die Bedarf haben, mit Spareinlagen versorgen, auch auf internationaler Ebene und anschließend, wenn auch dieser Bedarf gedeckt ist, dem Staat (Bund, Länder, Gemeinden) günstige Kredite gewähren. Das verbilligt die Staatsverschuldung im Vergleich zu teuren (und von Ratings abhängigen) Staatsanleihen und senkt dadurch die allgemeine Steuerlast: Die Verteilung wird gerechter. Um dies zu erreichen, könnte Geld als öffentliches Gut definiert werden, was bedeutet, dass die Weitergabe von Geld, das gerade nicht benötigt wird, nicht als »Leistung« angesehen wird, aus der ein Einkommensanspruch erwächst, sondern als Pflicht – damit der Geldfluss aufrechterhalten bleibt. So kämen Unternehmen und der Staat zu günstigem Geld, und der Renditedruck des Finanzkapitals auf die reale Wirtschaft würde weichen. Gleichzeitig müssten aber dem Finanzkapital sämtliche Ausweichmöglichkeiten versperrt werden: Rohstoff-, Aktien-, Immobilien– und Derivatemärkte. Geld als öffentliches Gut könnte bedeuten, dass Fonds aller Art verboten werden.</p>
<h4>Gemeinwohl fördern und Bewusstsein schaffen</h4>
<p>Bei der Kreditvergabe durch die demokratische Bank wird nicht nur die ökonomische Bonität der Kreditbewerber geprüft, sondern auch der soziale und ökologische Mehrwert der Investitionsvorhaben. Während ökologisch und sozial wenig sensible Investitionen die höchsten Kreditkosten zu berappen haben, erhalten Projekte mit dem höchsten sozialen und ökologischen Mehrwert wie Fair Trade oder eine Investition in erneuerbare Energien die günstigen Konditionen bis hin zum Null– oder sogar einem geringen Negativzinssatz. So entfaltet die Bank eine effektive Lenkungswirkung in Richtung Nachhaltigkeit.</p>
<p>Die Demokratische Bank wird auch eine Bildungsinstitution sein, die Bewusstsein zum Thema Geld schafft. Sie sagt nicht: »Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten«, was zum Wegschauen, zu Verantwortungslosigkeit und Gier führt, sondern erzieht ihre Kundinnen und Kunden hin zu Verantwortung: »Schauen Sie hin, was Ihr Geld bewegt, und bestimmen Sie mit!«</p>
<p>Die kreditvergebenden Angestellten der Demokratischen Bank sollen neben der ökonomischen auch eine humanistische Ausbildung erhalten. Eine wichtige Aufgabe der Demokratischen Bank wird ihr Einsatz für die gesetzliche Regulierung und Konversion des gesamten Bankensektors sein. Hier können die Forderungen von Attac und anderen Organisationen und den alternativen Pionierbanken zusammenwirken. Eine mögliche Regulierung wäre, dass staatliche Unterstützungsleistungen wie Garantie der Spareinlagen, Refinanzierung durch die Zentralbank, Kreditaufnahme des Staats und Bankenrettung nur noch gemeinwohlorientierten Banken gewährt werden. Wenn die gewinnorientierten Banken die Spareinlagen nicht garantieren könnten und keinen Zugang zur Zentralbank hätten, würde in Kürze die Mehrheit aller Menschen zur Demokratischen Bank und vergleichbaren Instituten wechseln.</p>
<h4>Demokratische Zentralbank</h4>
<p>Schließlich sollte auch die Zentralbank demokratisch organisiert werden. Das könnte Folgendes bedeuten:<br />
→ Die Entscheidungen in der Zentralbank fallen demokratisch in Gremien von Menschen aller Bevölkerungsschichten.<br />
→ Geld kommt nicht nur als (zinsfreier) Kredit an gemeinwohlorientierte Banken in Umlauf, sondern auch in geringem Umfang als »Schöpfungsgeschenk« an den Staat, das sich dieser nicht mehr teuer gegen Zinsen ausleihen muss. Gleichzeitig wird den Geschäftsbanken jede weitere Geldschöpfung verboten bzw. die Kreditvergabe unter den Vorzeichen Systemstabilität und Gemeinwohlorientierung reguliert.<br />
→ Die demokratischen Zentralbanken könnten die Kontrolle über den grenzüberschreitenden Kapitalverkehr – das sogenannte Clearing – übernehmen. Das wäre das Ende von Steuerflucht, Zins-Arbitrage-Geschäften oder Ansteckung mit Instabilität durch finanziellen Giftmüllexport.<br />
→ Damit Spekulation mit Devisen verhindert wird, könnten die Zentralbanken eine globale Währungskooperation mit stabilen Wechselkursen eingehen, wie es John Maynard Keynes schon 1944 in Bretton Woods vorgeschlagen hat, sich damit aber nicht durchsetzen konnte.</p>
<h4>Mitmachen</h4>
<p>Die Gründungsvorbereitungen für die Demokratische Bank Österreich haben im Mai 2010 begonnen. Innerhalb weniger Wochen wuchs der Kreis der Mitarbeitswilligen auf mehrere hundert an. Es wurden acht Arbeitskreise eingerichtet, die sich im ­Koordinierungskreis abstimmen. Ein gemeinsamer Visionsprozess wurde im Februar abgeschlossen, jetzt folgen der Strategieprozess und die Erstellung des Geschäftsplans. Die Einreichung bei der Finanzmarktaufsicht ist noch im Jahr 2011 geplant, die Genehmigung kann sechs bis zwölf Monate in Anspruch nehmen. Ziel ist, die Bank noch im Jahr 2012 zu starten.</p>
<p>Im März dieses Jahres trafen sich auf Schloss Goldegg in Salzburg 60 Personen aus allen österreichischen Bundesländern, um mit dem Aufbau der regionalen Strukturen zu beginnen. Wie schon im Visionsprozess waren in diesem Prozess wertschätzende Kommunikations– und Entscheidungsmethoden besonders wichtig, um die »neue Welt« auch im Umgang miteinander zu leben. Die Regeln gewaltfreier Kommunikation, »Dialoge« und »Councils« schulen das Sprechen von Herzen und das wertfreie Zuhören, wodurch das Gespräch entschleunigt wird und Verbindung entsteht. Konsensprozesse erleichtern das Finden von Entscheidungen, mit denen alle einverstanden sein können, selbst wenn sie noch Bedenken haben – ein Fortschritt gegenüber Mehrheitsentscheidungen.</p>
<p>Die Bank möchte von Beginn an eine Filiale in jedem Bundesland eröffnen. Von dort aus könnten Außendienstmitarbeiter in die Betriebe, Haushalte und Bauernhöfe kommen, um die Kredite vor Ort zu vergeben. Die Regionalgruppen beginnen schon jetzt mit Bildungsveranstaltungen zum Thema Geld, Zinsen und Finanzmärkte. Außerdem erheben sie die Bedürfnisse der zukünftigen Kundinnen und Kunden. Wie die Bank vor Ort aufgestellt sein wird, ob es Filia len, »Bank-PartnerInnen« wie Eine-Welt-Läden, aufgeschlossene Unternehmen, Cafés oder Kultureinrichtungen geben wird oder auch nur die »ambulante Bank« und eine Präsenz im Internet, entscheiden die Regionalgruppen bis zu einem gewissen Grad selbst.</p>
<p>Derzeit werden Menschen aus dem In– und Ausland gesucht, die sich mit 1000 Euro an der Bank beteiligen und mit einer Spende den Aufbau in den nächsten eineinhalb Jahren finanzieren.</p>
<p>Die Demokratische Bank ist ein Strukturelement der »Gemeinwohl-Ökonomie«, einem zu Kapitalismus und Kommunismus alternativen Wirtschaftsmodell. Derzeit wird es von einer wachsenden Gruppe von Unternehmerinnen und Unternehmern im deutschsprachigen Raum ausgearbeitet und bereits von rund 250 Unternehmen unterstützt. Mindestens 70 davon werden dieses Jahr die Gemeinwohl-Bilanz erstellen. Wer eine gute Gemeinwohl-Bilanz vorweisen kann, erhält bei der Demokratischen Bank einen günstigeren Kredit.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien im Original im Magazin OYA — anders denken. anders leben, Ausgabe </em><a href="http://www.oya-online.de/article/issue/08-2011.html" rel="external nofollow"><em>08/2011</em></a></p>
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		<title>Geld: Selbermachen!</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/05/04/geld-selbermachen/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 May 2011 19:01:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Komplementär Währung]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Regiogeld-Bewegung Eine wachsende Zahl von Bürgerinnen und Bürgern ist dabei, das Geld neu zu erfinden. Die wenigsten haben eine Zentralbank von innen gesehen oder Wirtschaft studiert, aber sie probieren es aus. Ob Chiemgauer, Urstromtaler oder Sterntaler — regionale Währungen zeigen, wie sich gemeinsinnstiftendes Wirtschaften fördern lässt. »Geld regiert die Welt« heißt es. Demokratiekompatibel sind [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Die Regiogeld-Bewegung</h2>
<p><img class="size-medium wp-image-1512" style="margin-left: 10px;" title="Geld selbermachen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/05/geld-selbermachen-300x169.png" alt="" width="200" />Eine wachsende Zahl von Bürgerinnen und Bürgern ist dabei, das Geld neu zu erfinden. Die wenigsten haben eine Zentralbank von innen gesehen oder Wirtschaft studiert, aber sie probieren es aus. Ob Chiemgauer, Urstromtaler oder Sterntaler — regionale Währungen zeigen, wie sich gemeinsinnstiftendes Wirtschaften fördern lässt.</p>
<p>»Geld regiert die Welt« heißt es. Demokratiekompatibel sind diese vier Wörter nicht: Der Souverän sind nicht wir, die Menschen, sondern es, das Finanzmittel. Als Mitteleuropa noch fürstlich regiert wurde, war Geld das, was der Fürst in Ausübung seines Münzrechts prägte. Mit der Gründung der Nationalstaaten wurde Geldschöpfung staatliches Monopol. Heute geht die Zeit der Nationalstaaten zuende: Die deutsche Bundesbank ist Teil des europäischen Systems der Zentralbanken. Das Metall ist dem Geld spätestens zu Zeiten des Vietnamkriegs verlorengegangen. Von dem damals noch ans Gold gebundenen Dollar brauchte die US-Regierung so große Mengen zur Kriegsführung, dass die Goldbindung ab 1971 nicht mehr beibehalten werden konnte. Heute steht auf den Banknoten nicht mehr, dass man für sie ein Pfund Silber oder Gold eintauschen kann. Heute steht dort: <em>In God we Trust</em> – wir bauen auf Gott. Modernes Geld ist heute digital, mehr ein Produkt der doppelten Buchführung als des Bergbaus.</p>
<p>Und nun kommen sie daher: Alle möglichen Leute, die dem Geld die Macht entziehen wollen. Sie wollen Geld selbermachen, das anderen Spielregeln folgt. Ihre Motivation ist unterschiedlich. Die einen sehen die Ablösung des Geldes vom Metall als Ursache für Inflation und Währungskrisen, wollen deshalb Geld wieder ans Gold binden. Die anderen haben Silvio Gesells Geldkritik (zu seinen Zeiten gab es allerdings noch den Goldstandard) verinnerlicht und wollen Geld flüssiger gestalten nach dem Motto: Wer es dem Wirtschaftskreislauf nicht durch Konsum oder Kreditvergabe zur Verfügung stellt, soll durch eine Gebühr, die den Kontostand abschmelzen lässt, daran erinnert werden. Wieder andere übertragen das Prinzip des Wettbewerbs auf das Geld und hinterfragen, ob das staatliche Geldmonopol noch zeitgemäß ist. Gemeinsam ist diesen und anderen Gruppierungen, dass ihr Vertrauen ins bestehende Geldsystem schwindet, und sie sich nach Alternativen umschauen. »In money we don’t trust« – auf Geld bauen wir nicht.</p>
<p>»Der letzte Schritt der Dezentralisation wird die Privatisierung der <em>Mutter aller Monopole</em> sein, der nationalen Währungen«, schreibt der Zukunftsforscher John Naisbitt. »Die Zukunft des Geldes ist komplementär zu betrachten, der freien Wahl und dem freien Wettbewerb unterworfen.«</p>
<p><strong>Wie funktioniert eine »eurogedeckte« Regionalwährung?<br />
</strong>Am vitalsten zeigte sich in den vergangenen Jahren die Regio geld-Bewegung. Sie ist nicht nur Experimentierfeld, in dem unterschiedliche Geldkonstruktionen ausprobiert werden, sie hantiert auch mit konkret umsetzbaren Werkzeugen und ist zugleich <em>Werkzeugmacher</em>. Der Ansatz, Geld für das regionale Umfeld zu gestalten, hat einen großen Vorteil: Er liegt im eigenen Einflussbereich. Statt sich in Appellen und Forderungen an die Politik zu erschöpfen, die weder zuhört noch handelt, konzentriert man sich auf das im wahrsten Sinn des Worts Naheliegende und knüpft an der Keimzelle dessen an, woher Politik überhaupt kommt: aus der Polis. Als Christian Gelleri 2003 den Chiemgauer mit sechs Wirtschaftsschülerinnen an der Priener Waldorfschule startete, war das ein Signal und Vorbild für eine Vielzahl anderer Initiativen. Wer mit Chiemgauern einkaufen wollte, tauschte sie bei Ausgabestellen gegen Euro ein. Wer Chiemgauer einnahm und sie nicht weitergeben konnte oder wollte, konnte den umgekehrten Weg gehen und sie gegen einen Abschlag von 5 Prozent wieder zurücktauschen. Diese Koppelung des Regiogelds an den Euro ist auch heute noch Grundlage des Chiemgauer Modells und wird als <em>Eurodeckung</em> bezeichnet. Etwa 600 Unternehmen, 3000 Privatpersonen und mehr als 200 Vereine sind Teil des Systems und bezahlen und verrechnen untereinander in Chiemgauer. Die integrierte Vereinsförderung spülte den Initiativen der Region 170 000 Regios in die Kasse, die Unternehmen machten 2010 geschätzte fünf Millionen Umsatz mit dem System. Neue Geschäftsverbindungen werden geknüpft, das Bewusstsein für Regionalität und die Besonderheiten neuer Geldformen wächst. Die Chiemgauer-Macher entwickeln ihr System ständig weiter. Inzwischen ist die Trägergenossenschaft ein zertifizierter Mikrofinanzierer und vergibt auf diesem Weg zinsfreie Regiogeld-Kredite zur Investition für lokale Unternehmen. Und die meisten Chiemgauer sind inzwischen elektronisch unterwegs, auf <em>mutierten Bankkonten </em>bei Sparkasse, Volksbank oder auch der Triodos-Nachhaltigkeitsbank. Bezahlt wird mit Karte am Terminal an der Kasse, Unternehmen überweisen per Formular oder Online-Banking – die Handhabung des Geldtransfers unterscheidet sich kaum noch von dem, was alle kennen.</p>
<p><strong>Und was ist eine »leistungsgedeckte« Währung?<br />
</strong>Im Jahr 2004 war es der Urstromtaler in Sachsen-Anhalt. Er ist nicht mit Euro hinterlegt. Ein Rücktausch der Scheine in Euro ist nicht möglich, weil es gar keinen Hintausch gibt. Wie aber kommt das Geld in die Welt? Womit ist es <em>gedeckt</em>? Der Initiator Frank Jansky hatte ein klares Bild vor Augen: Der Wert des Geldes ist das, was man dafür kaufen kann. Gold in einen Tresor zu legen, um dann Papierscheine auszugeben, die einen Anspruch auf dieses Gold dokumentieren, ergibt ja nur Sinn, wenn jemand das zugrundeliegende Metall wieder abholen will. Genau das soll beim Regiogeld aber nicht passieren, es soll ja in der Region bleiben. Fließt es zur ausgebenden Stelle zurück, statt von Wirtschaftsakteur zu Wirtschaftsakteur, ist sein Zweck unterbrochen. Der Urstromtaler begründete deshalb die <em>Leistungsdeckung</em> und bildet eine Art <em>Vertragsgeld</em>. Die Idee: Wenn eine Gruppe von Menschen sich per Vertrag gegenseitig garantieren, etwas als Zahlungsmittel für eigene Waren und Leistungen zu akzeptieren, so benötigt solch ein Geld keine explizite Deckung. Hinter dem Geld steht die Fähigkeit, etwas zu leisten.</p>
<p>Gelddeckung und Geldschöpfung hängen stark zusammen. Beim Chiemgauer kommt das Geld durch Verkauf gegen Euro in die Welt, beim leistungsgedeckten Ansatz durch Vertragsunterzeichnung und entsprechenden <em>Kontokorrentkredit</em>. Das heißt: Wer sich vertraglich zur Teilnahme an dem System bindet und das Regiogeld von anderen Teilnehmern akzeptiert, darf Regiogeld an seine Kunden ausgeben oder damit seine Lieferanten bezahlen, obwohl er es noch nicht verdient hat: Beim Einkauf geht das Konto des Käufers ins Minus und das Verkäufer-Konto ins Plus, eine klassische <em>Überweisung</em>. Was danach auf dem einen Konto als negativer Betrag den Kredit anzeigt, hebt das andere Konto spiegelbildlich ins Plus. Dieses Plus wird dann »Geld« genannt. Auf solche Weise entstandenes Geld braucht zu seiner <em>Schöpfung</em> keinen Euro. Der <em>Kreditrahmen</em>, den jedes Unternehmen bekommt, wenn es neu bei einer solchen Währung mitmacht, ist »gedeckt« durch seine Fähigkeit, dieses Geld auch wieder zu verdienen. Deshalb ist der erste Schritt des Unternehmens, das Geld seinerseits in Umlauf zu bringen, indem es seine Lieferanten bezahlt oder Gutscheine an seine Kunden verteilt, die dann im gesamten Netzwerk einlösbar sind.<br />
Ob Euro– oder Leistungsdeckung, beide Modelle verfolgen das gleiche Ziel: die Kaufkraft in der Region halten, regionale Wirtschaftskontakte herstellen und intensivieren, den regionalen Selbstversorgungsgrad erhöhen – und natürlich: neue Geldformen ausprobieren und entwickeln. Das Argument der kurzen Transportwege bekommt mit der Bedrohung durch das globale Ölfördermaximum (Peak Oil) künftig eine starke Relevanz, weshalb die Idee lokaler Währungen auch ins Transition-Town-Umfeld einzog.</p>
<p>Aber wird mit Regiogeld <em>alles gut</em>? Werden die Mechanismen wie Wachstumszwang, Arm-Reich-Spaltung und Umweltzerstörung sich damit erübrigen? Werden nun alle zu bewusst einkaufenden Verbrauchern und ökologisch produzierenden Unternehmerinnen und Unternehmern? Verhindert Regiogeld die Übernutzung lokaler Ressourcen? Ein Ja auf diese Fragen wäre eine schöne, einfache Antwort, die sich in so manchem Theoriegebäude auch gut macht. Bislang liegen zur Beurteilung der Wirkung von Regiogeld keine ausreichenden Daten vor; diese Geldsysteme brauchen noch viel mehr Mitmacherinnen und Mitmacher. Wir wissen deshalb nicht wirklich, wie hoch das Zinsniveau in solchen Systemen wäre. Wir wissen auch nicht, wie sich reife Regiogeld-Systeme hinsichtlich ihrer Wachstumsdynamiken verhalten, kein einziges Regiogeld-Projekt hat bislang jene kritische Größe erreicht, die das den Systemen innewohnende Potenzial zur Eigendynamik freisetzt. Wir betreten hier Neuland. Geld-Spiel regeln werden neu definiert, Diskussionen und das Denken werden angeregt, und regionalen Produkten wird eine ganz besondere Bühne gebaut. Nicht auszuschließen ist, dass in diesem evolutionären Prozess die Spezies <em>Regiogeld</em> auch wieder ausstirbt – sie unterliegt einem ständigen Lern– und Weiterentwicklungsprozess.</p>
<p><strong>Die Demokratisierung des Geldes<br />
</strong>Durch die Digitalisierung des Geldes ist es nur eine Frage der Zeit, bis andere auf den Zug neuer Währungssysteme aufspringen. eBay hat Paypal gekauft, Facebook denkt ebenso wie Google über ein systeminternes Verrechnungssystem nach, die Betreiber des Payback-Rabattkartensystems Loyalty Partner könnten ihre <em>Punkte</em> künftig umlauffähig machen. Dass der US-Dollar beschädigt ist, weiß jeder, der sich die Verschuldungszahlen der USA anschaut. Die Causa Griechenland zeigte uns, wie anfällig auch der Euro ist. Naisbitts Vorhersage über das Aufkommen privater Währungen lässt sich deshalb leicht bestätigen. Genau wie MP3-Dateien ist das moderne Geld digital und grenzüberschreitend, die Technik bestimmt die Verbreitungsregeln, nicht die nationale Politik. In der Gefahr, dass wieder einmal große Konzerne sich den Fortschritt unter den Nagel reißen, liegt zugleich auch Potenzial. Denn die digitale Welt, das zeigt eben das Beispiel der MP3-Tauschbörsen, steht ebenso den demokratischeren Strukturen offen. Es ist kein Wunder, dass die meisten Regiogeld-Initiativen als Vereine oder Genossenschaften organisiert sind. Der Genossenschaftsgedanke, die Mitglieder breit an Entscheidungen zu beteiligen, ist beim Geld essenziell. Denn Geld ist auch ein Machtmittel. Wer darüber entscheidet, dass jemand als kreditwürdig gilt oder nicht, hat einen entscheidenden Hebel in der Hand.</p>
<p>In der Zeit des demokratisierten Geldes bestimmen die Geldnutzer die Geldregeln. Über die Höhe einer Geldhaltegebühr, die Deckung, die Vertragsausgestaltung, die angestrebte geografische Ausdehnung, den Namen des Zahlungsmittels oder auch über Ausschlusskriterien entscheidet in einer demokratischen Geldwelt der teilnehmende Mensch. Ein Wettbewerb der Währungen, bei dem wir ausprobieren können, was funktioniert und was nicht, wäre die Folge. Wahrscheinlich wird letztlich die Praxis zeigen, welches Geld wirklich funktioniert, denn nur auf der Theorieebene durchdachte Modelle reichen nicht aus. Was 1932 in Wörgl noch galt, als der Bürgermeister der österreichischen Kleinstadt mit selbstgemachten <em>Arbeitswertscheinen</em> einen lokalen Aufschwung mitten in der Wirtschaftskrise zustandebrachte, muss im globalisierten digitalen Zeitalter längst nicht mehr gelten. Was liegt also näher, als allen zu sagen: Zeigt uns, dass euer Modell das beste ist! Es steht dann jedem frei, zu wählen, auszuprobieren und jene Gelder zu nutzen, die ihm am besten passen – als freier Mensch.</p>
<p><strong>In Zukunft anders</strong><br />
Vergleiche hinken. Dennoch: Wer das Fundament eines Gebäudes dreieckig anlegt, wird darauf kein viereckiges Haus bauen können. Das Fundament prägt die darauf aufgebaute Struktur. Geld ist das Fundament des heutigen ökonomischen Lebens, seine Regeln beeinflussen jegliche wirtschaftliche Aktivitäten. Auf der heutigen Konstruktion des Geldes gründet die Finanzwirtschaft, und sie kultiviert das aus diesem Fundament resultierende Prinzip, dass jener viel kriegt, der schon viel hat – den Sparzins –, und jener noch zahlen muss, der sich etwas borgt – den Kreditzins. Ein selbstverstärkender Ansatz, der als Dämpfung nur das Wachstum der Wirtschaft als Ganzer oder die schmerzhafte Aufrechnung von überbordenden Vermögen und Schulden per <em>Crash</em>, Währungsreform oder Schuldenschnitt kennt. Wie soll ein global verträglicher ökologischer Fußabdruck erreicht werden, wenn die monetären Spielregeln das Permanentwachstum als unverhandelbare Rahmenbedingung voraussetzen?</p>
<p>Die Häuser, die auf neuartigen Geld-Fundamenten entstehen, könnten einer ganz anderen, bislang unbekannten Architektur folgen. Regionales Geld lässt Regionalökonomien entstehen, Bildungswährungen erwecken neue Formen von Akademien zum Leben, energiegedeckte Währungen könnten den Weg ins post atomare Zeitalter ebnen.</p>
<p>All das ist nicht im Handstreich getan, sondern eine große Herausforderung. In meinem eigenen Umfeld bereitet ein engagiertes Team seit 2003 die Gründung einer komplementären Währung für den Raum Dresden vor, den <em>Elbtalber</em>. Wir wollten uns Zeit lassen, um etwas Solides zu entwickeln, etwas, das dieser Region entspricht. Inzwischen wird an einer Internet-Software namens RegionalAtlas programmiert. Dort werden zukünftige Orte, wo man mit Elbtaler bezahlen kann, auf einer Landkarte zu finden sein. Zugleich dient das System zur Kontoführung. Wir wollen regionalen Unternehmen auch eine Plattform bieten, auf der sie sich zeigen können. Eine Genossenschaft als wirtschaftlicher Träger soll helfen, die städtische Anonymität aufzulösen, mit der wir in der Großstadt durchaus zu kämpfen haben. Erst danach sollen die nächsten Schritte kommen: Regiogeld-Scheine und eine regionale Produktemarke für die Gegend von Dresden.</p>
<p>Ich bin überzeugt, dass eine größere Vielfalt an Währungen zu einer größeren Vielfalt an ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturen führt. Der Selbstzweck muss dem Geld genommen werden, es soll ein Werkzeug werden, das wir formen, dessen passgenauer Einsatz in unserer Macht liegt – und das wir dort weglassen, wo es auch ohne geht.</p>
<p><em>Lust auf regionale Geld-Bewegung?<br />
internet<br />
www.monneta.org, www.regiogeld.de<br />
Die Elbtalter-Genossenschaft sucht noch Mitmacher, Unternehmen ebenso wie Privatpersonen: www.elbtaler.de<br />
literatur<br />
Christian Eigner, Christian Krotscheck u. a.: Zukunft: Regionalwirtschaft! Ein Plädoyer. Studienverlag, 2009 • John Naisbitt: Mind Set! Wir wir die Zukunft entschlüsseln. Hanser, 2007 • Fritz Schwarz: Das Experiment von Wörgl. Ein Weg aus der Wirtschaftskrise. Synergia, 2007</em></p>
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