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	<title>OpenMindJournal &#187; Selbstversorgung</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Kultur und Change</description>
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		<title>Der Strom gehört uns allen</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jul 2012 17:12:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversorgung]]></category>

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		<description><![CDATA[Energieriesen sollten keine Stromnetze betreiben. Ende 2014 läuft in Berlin die bisherige Konzession von Vattenfall für den Betrieb des Berliner Niederspannungs-Stromverteilnetzes aus. Gleich zwei Bürgerinitiativen begreifen das als Chance für eine ökologischere und demokratischere Lösung. Als am 13. Juni in Berlin der Umweltausschuss tagt, sagt der Vorsitzende, ein CDU-Politiker: »Zum Status quo der Netze sind [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Energieriesen sollten keine Stromnetze betreiben.</h2>
<p><em>Ende 2014 läuft in Berlin die bisherige Konzession von Vattenfall für den Betrieb des Berliner Niederspannungs-Stromverteilnetzes aus. Gleich zwei Bürgerinitiativen begreifen das als Chance für eine ökologischere und demokratischere Lösung.</em></p>
<div id="attachment_5099" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/482026_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5095]"><img class=" wp-image-5099" title="Bürger Energie - Der Strom gehört uns allen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/482026_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg" alt="" width="200" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Rainer Sturm / pixelio.de</p></div>
<p>Als am 13. Juni in Berlin der Umweltausschuss tagt, sagt der Vorsitzende, ein CDU-Politiker: »Zum Status quo der Netze sind Vertreter von Vattenfall und der Berliner Gaswerke AG geladen, zur Zukunft der Netze der Berliner Energietisch und die BürgerEnergie Berlin.«</p>
<p>Der Berliner Energietisch plädiert für eine Rekommunalisierung der Netze, und die neu gegründete Genossenschaft Bürger­Energie Berlin eG möchte die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt animieren, das Netz zu kaufen. Einer der Mitbegründer der Genossenschaft ist der Dolmetscher und Übersetzer Steffen Walter. Er beteiligte sich zum ersten Mal an einem so groß angelegten Projekt. »Es war ein längerer Prozess bei mir, vom Privaten ins Öffentliche zu gehen«, erzählt Steffen. »Als ich mich 2003 nach einer Zeit der Festanstellung selbständig gemacht habe, ging es noch darum, meiner Frau und der Welt zu beweisen, dass ich es kann. Als wir 2009 eine Solaranlage auf unserem Haus installierten, fing ich an, mich intensiv mit allen Fragen zu erneuerbaren Energien zu beschäftigen, und schaute über den ›Tellerrand‹ hinaus.« Vor allem begeisterte sich Steffen 2009 für die Initiative »Energie in Bürgerhand«, die sich in Freiburg gründete, als der Stromkonzern e.on seine Tochterfirma Thüga AG, die an über 90 Stadtwerken beteiligt war, aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen musste. Nach dem Vorbild der »Schönauer Stromrebellen« entstand eine Genossenschaft, die sich für den Kauf der Thüga bewarb. »Die Nachricht, dass es diese Initiative gibt, verbreitete sich nach kurzer Zeit bundesweit über die Netzwerke von Campact. Das hat enorm schnell Fahrt aufgenommen.«</p>
<p>Steffen beflügelt die Dynamik, er fährt nach Freiburg und lernt die Initiativgruppe kennen. Leider scheitert der Plan an komplizierten Verhandlungen mit den Stadtwerken, wo es zu viele Vorbehalte gegenüber dem Bürgerprojekt gibt. Steffen beeindruckt, dass die Initiative weitermacht – nach wie vor mit dem erklärten Ziel, die Atomkonzerne aus ihren Beteiligungen an Stadtwerken herauszudrängen. Das wurde zwar bisher nicht erreicht, doch die Initiative diente gewissermaßen als »Initialzündung«.</p>
<h4>Berliner Stromrebellen</h4>
<p>Als eine solche Möglichkeit in Berlin am Horizont erscheint, kochen zwei Frauen, Luise Neumann-Cosel und Arwen Colell, ein Jahr lang die Idee aus, die schließlich zur Gründung der ­BürgerEnergie Berlin eG führte. Inzwischen hatte Steffen Walter eine Weiterbildung als Projektentwickler für Energiegenossenschaften absolviert und schließt sich der Gruppe an. Auch beim Berliner Energietisch, der einen Gesetzentwurf zur Rekommunalisierung des Stromnetzes durchsetzen will, ist er eine Weile dabei. »Eine Zeitlang hofften wir, dass sich beide Kräfte, die Idee der Genossenschaft und die Idee der Rekommunalisierung, verbinden könnten. Aber die Strategien waren bei beiden Initiativen zu unterschiedlich«, klärt Steffen über den Zusammenhang auf. Hier prallen wieder einmal die Pole aufeinander: Markt oder Staat? Die einen sorgen sich, dass es auch bei einer Bürgergenossenschaft um Rendite gehen wird und die Aktion nur etwas für gut situierte Leute sein könnte, statt dass grundsätzlich über ein »Menschenrecht auf Stromversorgung« diskutiert wird. Die anderen haben keine Lust auf einen rein politischen Weg, sie wollen schneller handlungsfähig werden. Steffen möchte beide Lösungswege zusammendenken, beide Bereiche brauchen neue Spielregeln.</p>
<p>Die Spannung zwischen Detaildiskussionen für gangbare Lösungen im Hier und Jetzt und fernen Utopien für die Zukunft auszuhalten, ist nicht leicht. »Zwischendrin kommt die Angst vor der Größe. Als Perfektionist hatte ich früher oft Angst, neue Schritte zu gehen, weil ich dachte, ich kann es nicht, bin nicht gut genug. Da war die Angst, sich mit einer größenwahnsinnigen Idee zu zeigen«, überlegt Steffen. »Aber es gibt so etwas wie gesunden Größenwahn. Mit einer weit gesteckten Vision kann ich das Potenzial dieser Stadt heute ganz anders spüren. Dieses unbefangene Urvertrauen in die Fähigkeit, sich etwas Großes vorzustellen – darum geht es.«</p>
<p>Unbefangenheit ist eine zentrale Qualität des Spielens. Und sie ist ansteckend, zieht neue Mitspieler und Ideen an. »Was können wir außer Energie und Nahrung noch regional erzeugen?«, fragt sich Steffen in letzter Zeit immer wieder. Das ist die große Frage nach dem Weg in eine Postwachstumsökonomie.</p>
<p><em>Energiewende selbermachen:<br />
<a href="http://www.berliner-energietisch.net/" rel="external nofollow">www.berliner-energietisch.net</a><br />
<a href="http://www.buerger-energie-berlin.de/" rel="external nofollow">www.buerger-energie-berlin.de</a></em></p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/725-der_strom_gehoert_uns_allen.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 15/2012</a></p>
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		<title>Altmodisch und erfahren</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/02/27/altmodisch-und-erfahren/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 15:37:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Co-Kreation]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversorgung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie eine Lebensmittelkooperative aus den 80er Jahren bis heute floriert. Seit achtundzwanzig Jahren gibt es die Bremer Lebensmittel­kooperative »Maiskolben«. Sie bringt Stadt und Land näher zusammen und erfreut sich auch heute noch regen Zuspruchs: der Anteil junger Leute steigt, und die vegane Fraktion wächst. Tomaten setzen ist gar nicht so einfach. Sieben Mitglieder der Lebensmittelkooperative [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Wie eine Lebensmittelkooperative aus den 80er Jahren bis heute floriert.</h2>
<div id="attachment_4543" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/image1_hires.jpg" rel="lightbox[4541]"><img class=" wp-image-4543 " title="Kooperative Maiskolben in Bremen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/image1_hires-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: www.sebastian-burger.de</p></div>
<p><em>Seit achtundzwanzig Jahren gibt es die Bremer Lebensmittel­kooperative »Maiskolben«. Sie bringt Stadt und Land näher zusammen und erfreut sich auch heute noch regen Zuspruchs: der Anteil junger Leute steigt, und die vegane Fraktion wächst.</em></p>
<p>Tomaten setzen ist gar nicht so einfach. Sieben Mitglieder der Lebensmittelkooperative »Maiskolben« aus Bremen verabreden sich zu einem Pflanzeinsatz zwanzig Kilometer vor den Toren der Stadt. Für alle ist es das erste Mal. »Ich bin seit zehn Jahren im Maiskolben, hatte es aber zuvor nie in den Salatgarten zu Beate geschafft«, gibt eine von ihnen zu. Der »Salatgarten« ist der Demeter-Feingemüsebetrieb von Beate Hübener-Schröder, und der Tag in ihrem Gewächshaus wird für alle lehrreich werden.</p>
<p>Die Schwindelfreien klettern auf hohe Leitern und binden Strippen an die Metalldrähte, die unter dem Dach des Kaltgewächshauses entlangführen. Am Boden graben die anderen. Alle halbe Meter heben sie ein Pflanzloch aus, in jedes kommt eine Schaufel Mischkompost, der zum einmaligen Geschmack der Tomaten beiträgt. Bea­te ist Betriebsleiterin für biologisch-dynamischen Landbau. Sie erklärt die Arbeitsschritte, informiert über Tomatenzucht und serviert Kuchen und Suppe. Vierhundert Pflanzen haben die sieben Leute am Abend eingesetzt. Zum Abschluss wickeln sie den Haupttrieb der vorgezogenen Pflänzchen die Strippen hinauf. »Hübsch sieht es aus, dieses Geflecht«, freuen sich die Laien. Besonders genossen hat es der kleine Theo, der stundenlang über die Furchen krabbelte. Sein Mund ist mit Erde beschmiert.</p>
<p>»Ohne diese jährliche Pflanzhilfe könnte ich die gewünschte Menge an Tomaten für den Maiskolben gar nicht produzieren«, sagt Beate. Ihre Tomaten sind von Juli bis November im Laden der Verkaufsschlager. Und auch die anderen Läden, die sie beliefert, verlangen nach den Tomaten. »Meine Haferwurzeln hingegen blieben ewig liegen«, wundert sich die Gärtnerin, die jedes Jahr ein anderes »altes« Gemüse anpflanzt. »Es dauerte lange, bis die Leute im Maiskolben sie annahmen, obwohl sie besser schmecken als Schwarzwurzeln.« An die Speisemelde hat sich Dörte Fichtner, Lehrerin und Lerntrainerin und erst seit einem halben Jahr Coop-Mitglied, schon gewöhnt. Sie stapelt sie inzwischen statt Spinat in ihre Lasagne und findet den Geschmack würziger. Insgesamt liefert Beate über zwanzig Sorten Feingemüse, zwanzig Sorten Salat und fünfundzwanzig verschiedene Kräuter an den Maiskolben. »Ich habe immer im Hinterkopf, dass der Maiskolben eine gute Rundumversorgung braucht.«</p>
<p>Der Maiskolben legt seit jeher Wert auf den Kontakt mit den Produzentinnen und Produzenten auf dem Land. Früher wurde noch viel mehr hinausgefahren und geholfen. 1993 pachtete der Maiskolben sogar einmal eine Kuh. Doch die Zeiten des großen Engagements sind vorbei. Heute klappen gemeinsame Landpartien eher selten. Neben Beates Tomatenaktion im Mai findet im Oktober das Sauerkrautfest beim zweiten Direktproduzenten des Maiskolbens statt, dem Demeterhof von Antje, Volker und Axel Bielenberg. »Wir haben sechzig Welsh-Black stehen, robuste Fleischrinder, für die wir selbst Futter anbauen«, erklärt Axel Bielenberg. Außerdem wird dort Gemüse gezogen. Familie Bielenberg beliefert die Coop bereits seit elf Jahren mit Kartoffeln, Eiern, Fleisch und Grobgemüse, wie Möhren, Lauch, Sellerie, Steckrüben und verschiedenen Kohlsorten. Beim Sauerkrautfest dürfen alle, die zum Helfen gekommen sind, nebenbei auch ihr eigenes Kraut schneiden und einlegen. Ein paar Wochen darauf gelangen Tüten mit fertigem Sauerkraut in den Maiskolben. Wer fürs Selbermachen keine Zeit hatte, kann das Gesäuerte dann fertig kaufen. »Wir beliefern auch andere Läden und Marktstände. An den Maiskolben könnten wir weit mehr abgeben«, meint Bauer Axel.</p>
<p>»Sie schmecken wie Frucht und Gemüse zugleich«, schwärmt eine Kundin im Laden und steckt sich eine kugelrunde Tomate in den Mund. »Sie sind knackig und haben die ideale Größe für den schnellen Biss.« Dörte Fichtner öffnet gerade eine Kiste mit Paprika. Sie wartet auf ihre Mithelferin, denn alleine ist ein Ladendienst kaum zu schaffen. Die Ware, die vorher von den Lieferantinnen und Lieferanten im Laden abgestellt wurde, muss durchgezählt werden. Dann wird der Preis ausgerechnet, das ist der Lieferpreis plus ein kleiner Aufpreis für eventuelle Verluste. Alles wird ordnungsgemäß aufgeschrieben und aufgestellt. »Nur viermal die Woche ist unser Laden für ein paar Stunden zur Warenverteilung geöffnet. Da ist manchmal die Hölle los«, meint Lehrerin Fichtner. »Es hat Mühe gekostet, mich auf die wenigen Öffnungszeiten einzustellen. Dann folgte aber sehr schnell, dass ich gar nichts mehr im Supermarkt kaufte.« Da alles selbst gemacht wird, ist es hier billiger als in anderen Bioläden.</p>
<h4>Genuss ohne Gewinn</h4>
<p>Im Maiskolben wird die Ware bezahlt wie in normalen Geschäften, das Geld wird aber direkt weitergereicht in die Hände der Bäuerinnen und Bauern – der Maiskolben macht keinen Gewinn. Sieben Kleingruppen bilden den Kern der Coop, auf sie sind alle Mitglieder verteilt. Wer »aktiv« ist, und das sind die meisten, übernimmt regelmäßig Laden– und Putzdienste. Wer zu viel Stress hat, kann für eine Weile »passiv« werden und zahlt dafür etwas mehr. Es gibt sogar eine Art Dienstplan, eine Liste mit Öffnungszeiten und Putzterminen, die per E-Mail verschickt wird. Der Plan liegt auch vor Ort aus. »Einige haben keinen Computer, sie holen sich die Infos im Laden ab.« Dörte Fichtner hilft außerdem regelmäßig beim Auspackdienst. »Während wir die über den Großhandel bestellten Trockenprodukte auspacken, unterhalten wir uns über Koch­rezepte. Das Kommunikative ist das Beste, das macht für mich den größten Reiz des Ladens aus.«</p>
<p>Der Maiskolben zog ein Jahr nach Gründung 1983 in einen Eckladen in der Bremer Neustadt. Selbstorganisation war von Anfang an für alle das Hauptkriterium. Früher gehörten die Räume zu einer Metzgerei, die alten Fenster und hübschen Kacheln wurden nie ersetzt. Ein kunstvolles Buntglasschild mit dem Namenszug »Maiskolben« hängt im Schaufenster. Ist es der vegetarisch-veganen Fraktion unangenehm, dass es an diesem Ort früher nur Fleisch gab und heute noch ein Kühlschrank mit Fleischwaren gefüllt ist? »Hier ist alles säuberlich getrennt. Wir haben auch einen Kühlschrank für vegane Produkte und zwei für Milchprodukte«, erzählt Dörte. Aus den Fleischer­ladenzeiten stammt der kühle Tiefkeller. In den beiden oberen Verkaufsräumen stehen Regale mit Trockenprodukten, daneben vier Kühlschränke und eine Käsetheke, im mittleren Keller ein Gefrierschrank. Der Tiefkeller dient der Kühlung von Gemüse und Obst. Dörtes Dienst ist beendet, sie schleppt die Kisten hinunter. Die Kunst der Kühlpflege hat sie wie alle irgendwann gelernt. Je nach Gemüse muss unterschiedlich feucht abgedeckt werden. Wie, steht auf diversen Schildern an der Wand.<br />
<strong></strong></p>
<h4>Alles wirkt chaotisch und klappt doch</h4>
<p>Gärtnerin Beate und die Bielenbergs kommen einmal im Jahr zur Hauptversammlung oder auf eine der monatlichen Mitgliederversammlungen. Dort wird erzählt, was gut und was schlecht läuft. Zur Versammlung schicken alle Kleingruppen Delegierte. Beate Hübener-Schröder erwähnt auf einer Versammlung, dass sie den Maiskolben schon seit fünfundzwanzig Jahren beliefert. »Wie wäre es im Herbst mit einem Fest bei mir draußen zur Feier unserer Zusammenarbeit?« Beates Vorschlag wird angenommen. Eine Liste wird aufgehängt, damit sich einträgt, wer kommen möchte. Bis zum Tag vor dem Termin stehen darauf nur drei Personen. »Bis zuletzt wusste Beate nicht, wieviele sie erwarten kann und ob auch alle etwas zu Essen mitbringen«, erzählt ein Uraltmitglied. Schließlich erschienen die Mitglieder doch zahlreich. Das sei typisch für den Maiskolben: »Alles wirkt erstmal chaotisch, dann klappt es doch.«</p>
<p>»Das Fest bei Beate war wunderschön«, schwärmt Dörte Fichtner. »Erst stürzten wir uns auf das Kuchenbuffet im Gewächshaus, dann bin ich noch durch den gigantischen Tomatenwald geschlichen. Wieder roch es nach Tomaten und Dung. Später aßen wir auf der Wiese vor Beates Blumenbeet, viele hatten etwas zu essen mitgebracht. Dann erklärte sie uns, wie sie ihr Gemüse anbaut. Ich war erstaunt, dass sie für all unser Gemüse nur einen halben Hektar bewirtschaftet.« Abends zündeten die Gäste aus der Stadt ein Lagerfeuer an, und einige machten Musik. Manche hatten zum Übernachten Zelte mitgebracht.</p>
<p>Beate könnte von den achtzig Hektar des schwiegerelterlichen Hofs mehr für ihren Salatgarten nutzen, schafft es aber zeitlich nicht. »Eines Tages könnte hier auf dem Hof meines Mannes ein echter CSA-Hof entstehen.« Noch wird der Großteil konventionell bewirtschaftet, die Ställe sind verpachtet. »Aber für die Zeit, wenn mein Mann in Rente geht, habe ich schon einen Interessenten. Ich will dann noch ein paar Jahre mit ihm im CSA-System mitmachen. Wenn es klappt, bis zu meiner eigenen Rente«, sagt die 53-Jährige. Sie ließ sich in den vergangenen Jahren von vielen Gemeinschaftshöfen nach dem Modell der »Community Supported Agriculture« im In– und Ausland inspirieren. »Zwischendurch war ich mit meinem kleinen Salatgarten regelrecht verzweifelt, weil ich mich mit der Gemüsewirtschaft so allein fühlte und auf keinen grünen Zweig kam. Seit ich 2001 in die Lehrtätigkeit der freien Ausbildung für biologisch-dynamischen Landbau geraten bin, geht es mir ein wenig besser.« Eine komplette staatliche Ausbildung für biologischen Landbau gibt es in Deutschland noch nicht. Die vom Demeter-Verband durchgeführte Ausbildung mit staatlich anerkanntem Betriebsleiterinnen-Status läuft zur Zeit nur in Zusammenarbeit mit den Niederlanden. Bisher ließ sich niemand vom Maiskolben zur Biobäuerin oder zum Biobauern ausbilden. Dafür gingen im vergangenen Sommer Schulpraktikantinnen aus dem Maiskolbenumfeld für ein paar Wochen in den Salatgarten.</p>
<p>Könnte sich der Maiskolben mit CSA auf eine von Verbauchern und Produzenten gemeinschaftlich getragene Bewirtschaftung einstellen? Das wurde noch nicht diskutiert, und eine Entscheidung wird auf sich warten lassen. Denn eine Konflikt­linie im Laden läuft entlang der Entscheidungsstrukturen. Seit ein paar Jahren gilt das Konsensprinzip. Und das ist vielen zu langwierig. Warum, so steht in einem Protokoll zu lesen, wird alles rauf und runter besprochen, nur um später erneut diskutiert zu werden?</p>
<p>Dennoch werden Regionalität und Produktpalette bald wieder Thema sein. Auf der vergangenen Jahreshauptversammlung bemängelte die Person, die die Bilanzen ausrechnet, dass immer weniger Frischware aus Direktbezug im Laden umverteilt wird. Der Rest kommt vom Bio­­großhandel. ­Darin sind sechs landwirtschaftliche Betriebe aus der Umgebung Bremens organisiert, insofern ist auch diese Ware regional – ein Grundprinzip des Maiskolbens. Über den Großhandel kann allerdings auch überregionale Ware bestellt werden, wie Zitrusfrüchte oder Auberginen im Winter.<br />
<strong></strong></p>
<h4>Wie regional, wie saisonal?</h4>
<p>Vor vielen Jahren wurde ausführlich diskutiert, wieviele Produkte aus Übersee akzeptiert werden. Der Kompromiss: Pro Woche darf jedes Mitglied vier überregionale Lebensmittel ordern. Außerdem sollen wegen der Kinder und der Vitamine immer Bananen und Zitronen vorrätig sein. Zur Erleichterung der anstehenden Diskussionen brachte jemand die Technik der Handzeichen ins Spiel. Gesten statt Worte ist da das Prinzip. Zur Einführung gab es vor einer Mitgliederversammlung schon mal einen »Wedelworkshop«. Vielen sind die Handzeichen fremd, sie finden sie überflüssig.</p>
<p>Trotz aller Konflikte geht der Maiskolben nicht baden. Warum, das kann niemand so genau sagen. Von den Allerersten ist niemand mehr da, die Mitgliederzahl ist beständig im Fluss. Nur zwei, drei Leute beteiligen sich seit über zwanzig Jahren am Maiskolben. Vielleicht reizt gerade das: Wer mag, wird nett aufgenommen und kann jederzeit neue Ideen einbringen. Wer nicht mehr mag, kann sich ohne Drama verabschieden. Das Ergebnis: Viele kommen, viele gehen. Das Wissen bleibt.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin OYA — anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/598-Altmodisch_und_erfahren.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 12/2012</a></em></p>
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		</item>
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		<title>Über die Biomöhre hinaus denken</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/03/01/uber-die-biomohre-hinaus-denken/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 13:52:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversorgung]]></category>

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		<description><![CDATA[Selbstversorgung und Geldwirtschaft – wie passt das zusammen? von Harald Weinel erschienen in Oya – anders denken.anders leben 06/2011 Welchen Stellenwert haben Selbstversorgung und gemeinschaftliche Vernetzung beim Aufbau einer befreiten Ökonomie? ­Harald Weinel kümmert sich nicht nur um das Gemüse der Kommune Niederkaufungen, er denkt auch über eine zukunftsweisende Perspektive gemeinschaftlichen Wirtschaftens nach. Während der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://oya-online.de/article/read/274-Ueber_die_Biomoehre_hinaus_denken.html" rel="external nofollow"><img class="size-full wp-image-394 alignnone" title="oya_06-2011_Harald-Weinel" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/03/oya_06-2011_Harald-Weinel.png" alt="" width="430" height="243" /></a></p>
<h2>Selbstversorgung und Geldwirtschaft – wie passt das zusammen?</h2>
<p><em>von Harald Weinel erschienen in </em><a href="http://oya-online.de/article/read/274-Ueber_die_Biomoehre_hinaus_denken.html" target="_blank" rel="external nofollow"><em>Oya – anders denken.anders leben 06/2011</em></a></p>
<p><em>Welchen Stellenwert haben Selbstversorgung und gemeinschaftliche Vernetzung beim Aufbau einer befreiten Ökonomie? ­Harald Weinel kümmert sich nicht nur um das Gemüse der Kommune Niederkaufungen, er denkt auch über eine zukunftsweisende Perspektive gemeinschaftlichen Wirtschaftens nach.</em></p>
<p>Während der fünf Jahre, in denen ich an einer eigenen Kommune-Gründungsgruppe beteiligt war, stand für mich die Selbstversorgung in möglichst vielen Bereichen im Mittelpunkt meines Lebensentwurfs. Die Gründe dafür waren: Sicherheit vor dem erwarteten Kollaps des derzeitigen Wirtschaftssystems sowie der Wunsch, nicht länger am allgemeinen Geldkreislauf beteiligt zu sein. Der Gedanke, hundert Euro auszugeben und dabei zwischen sieben und inzwischen 19 Euro zur Finanzierung von Knästen und Bundeswehr beizutragen, war mir so unangenehm, dass der Spaß am Konsumieren völlig auf der Strecke blieb. Auch war ich nie ein Freund von Protesten gegen unsoziale Praktiken von Firmen, wenn am nächsten Tag doch wieder deren Produkte gekauft werden.</p>
<p><strong>Dem Markt entkommen (?)</strong><br />
Den ersten großen Schritt in Richtung Selbstversorgung habe ich jedoch erst im August 2009 gemacht. Seitdem lebe und arbeite ich in der Kommune Niederkaufungen. Die Arbeit im Gemüsebau bietet einen direkten Bezug zu den eigenen Produkten – was ich morgens ernte, landet meistens schon mittags auf meinem Teller. Auch in anderen Bereichen bietet die Kommune großartige Möglichkeiten, aus dem kapitalistischen Wirtschaftssystem auszuscheren. Wenn mir die kommuneeigene Schreinerei eine Bienenbeute baut, braucht sie mir keine Rechnung zu schreiben – gleiches gilt für die Schlosserei oder alle möglichen handwerklich begabten Menschen, die mir mal nebenbei helfen, unsere Maschinen zu reparieren. Auch könnte sich unser Gemüsebaukollektiv zu Marktpreisen wohl kaum die professionelle Supervision leisten, die wir von Mitkommunardinnen in Anspruch nehmen.</p>
<p>Die Marktpreise sind auch das Stichwort zu einem Punkt, der für mich in der Kommune immer noch nicht »rund« ist. Die Kommune hat mit ihren zahlreichen Firmen auch zahlreiche Buchhaltungen zu berücksichtigen, deren Zweck einzig der ist, doch innerhalb einer kapitalistischen Marktwirtschaft zu funktionieren bzw. staatliche Vorgaben zu erfüllen. So darf z. B. unser Gemüsebaubetrieb keine negative Jahresbilanz ausweisen, und die Schlosserei braucht regelmäßige Einnahmen, um Lieferanten pünktlich bezahlen zu können. Die Folge ist ein Hin und Her von Rechnungen und Transaktionen, das viel Zeit und Energie braucht (zum Glück nicht meine Zeit und Energie – wir haben ja ein Verwaltungskollektiv …).</p>
<p>Schwerer noch wiegt für mich die Angewohnheit, nach wie vor Geld als Maßstab für den Wert unserer geleisteten Arbeit zu verwenden. Die Gründe dafür sind einerseits in Gewohnheit und Sozialisation, andererseits in den ökonomischen Zwängen des Gesamtprojekts zu suchen. Das kann dann dazu führen, dass ich meine neuen Bienenbeuten bei spezialisierten Schreinereien in Bayern oder Nordrhein-Westfalen bestelle, während vor Ort eine Schrankwand für externe Kundschaft gefertigt wird. Die Rechnung mag aufgehen – inklusive Transport durch halb Deutschland und 19 Prozent für Herrn Schäuble –, aber lustig finden kann ich das nicht. Letztlich liegt die Entscheidung bei den einzelnen Kommune-Mitgliedern – wie wichtig ist das selbst hergestellte Werkstück, und wieviel davon kann sich die Kommunekasse leisten?</p>
<p>In dem Jahr, das ich jetzt hier verbracht habe, hat sich mein Blick geweitet, und ich beginne, Selbstversorgung größer zu denken. Solange wir kein eigenes Getreide, Brot, Kartoffeln, keine eigenen Ärztinnen, Anwälte, Autowerkstätten haben, ist das Ende der Vernetzung nicht erreicht. Wir leben im Raum Kassel in der komfortablen Situation, drei politische Projekte (Kommune Niederkaufungen, gASTWERKe Escherode und Villa ­Locomuna in Kassel) in einiger Nähe versammelt zu haben. Eigentlich optimale Voraussetzungen dafür, sich gegenseitig zu unterstützen und Produkte und Dienstleistungen auszutauschen, ohne sich mit der lästigen Abrechnerei aufzuhalten. Eigentlich …<br />
Wenn aber schon der innerkommunitäre Austausch von Produkten nicht losgelöst vom Marktgeschehen läuft, wie sollen dann die Sorgen ausgeräumt werden, die eigene Gruppe könnte zu kurz kommen, oder für die eigenen Konsumwünsche (Urlaube etc.) bliebe nicht mehr genug Geld?</p>
<p><strong>Ein neues Landwirtschaftsmodell</strong><br />
Insgesamt macht sich ein zunehmender Pragmatismus bei mir breit. Ein geplanter Verbund nach dem Modell »Gemeinschaftsunterstützte Landwirtschaft« (CSA, Community Supported Agriculture) zwischen den Gemüsebaubetrieben der Kommunen Niederkaufungen und Escherode wird wohl abhängig von der Zahl der Esserinnen und Esser anteilig aus beiden Kommunen finanziert werden. Also wird ganz profan in Geld aufgerechnet, was jede Gruppe beitragen muss, um eine regionale, ökologische und selbstverwaltete Gemüseproduktion zu ermöglichen.<br />
Trotzdem behalte ich das Ziel im Auge, einen bedürfnisorientierten Wirtschaftskreislauf zu etablieren. Nur solange wir noch zu klein sind, um uns in einem autarken Kreislauf bewegen zu können, ist Geld als Tauschmittel notwendig, wenn wir mit der Außenwelt in Handel treten müssen.</p>
<p>Im gleichen Maß, wie unser CSA-System mich wegen des zwischen den Kommunen verwendeten Tauschmittels Geld unzufrieden macht, begeistert mich die Tatsache, dass zunehmend Menschen aus der »Außenwelt« bereit sind, monatlich ein wenig mehr Geld auszugeben, um so eine nachhaltige, regionale Landwirtschaft zu ermöglichen. Auch diesen Menschen ermöglichen wir eine Art von Selbstversorgung, denn sie haben Einfluss auf die Art und Menge des angebauten Gemüses. Das geschieht nicht, indem, wie üblich, ein Teil der Lebensmittel im Laden liegenbleibt, sondern indem diese Leute vor dem Beginn der Saison zusammen mit den Gärtnerinnen und Gärtnern feststellen, wer welchen Bedarf hat und wie hoch die Gartenkapazitäten sind. Zudem kann jede und jeder dem eigenen Gemüse beim Wachsen zusehen und so einen völlig anderen Bezug zu den Lebensmitteln bekommen als beim Verzehr von Produkten, deren maßgebliche Mitproduzenten – die sogenannten »Saisonarbeitskräfte« – sich die geernteten Produkte selber nicht mal leisten können.</p>
<p>Der gesamtgesellschaftliche Einfluss solcher Unternehmungen wie unser CSA-Projekt ist für mich noch völlig unabsehbar. Aber im Rahmen der Verknappung von Treibstoffen und der damit verbundenen Verteuerung von Lebensmitteltransporten kreuz und quer durch Europa wird die Bedeutung der regionalen Produktion steigen. Jetzt gilt es, den Grundstein zu legen. Wir dürfen das Feld nicht wenigen großen Produzenten über­lassen, sondern müssen den anstehenden Strukturwandel nutzen, um Alternativen zu zeigen und den gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben.</p>
<blockquote><p>Harald Weinel (30), seit 15 Monaten im Arbeitsbereich Gemüsebau der Kommune Niederkaufungen tätig, imkert nebenbei und verbringt im Winter einen guten Monat damit, Brennholz für die Kommune zu spalten und zu bündeln.</p>
<p>Die Kommune Niederkaufungen im Netz:<br />
<a href="http://www.kommune-niederkaufungen.de" target="_blank" rel="external nofollow"> www.kommune-niederkaufungen.de</a></p></blockquote>
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