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	<title>OpenMindJournal &#187; Ökologie</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Kultur und Change</description>
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		<title>Permakultur im Netz der Netzwerke</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Nov 2012 15:38:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Permakultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Europäische Permakulturtreffen in Deutschland hinterlässt ermutigende Fragen. Die zweijährlich stattfindende Zusammenkunft der ­europäischen Permakulturszene wurde bewusst für themenverwandte Szenen geöffnet, die sich oft vor ähnlichen Herausforderungen sehen. Wenn sich eine neue Denkweise und Praxis wie die der Permakultur etabliert, entsteht wie von selbst eine Szene. Sie ist ihr eigenes Biotop, hat ihr eigenes Vokabular, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Das Europäische Permakulturtreffen in Deutschland hinterlässt ermutigende Fragen.</h2>
<p><strong><em>Die zweijährlich stattfindende Zusammenkunft der ­europäischen Permakulturszene wurde bewusst für themenverwandte Szenen geöffnet, die sich oft vor ähnlichen Herausforderungen sehen.</em></strong></p>
<div id="attachment_5505" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/image1_hires1.jpg" rel="lightbox[5504]"><img class=" wp-image-5505  " title="11. European Permaculture Convergence (EUPC)" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/image1_hires1-300x201.jpg" alt="" width="200" height="134" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: Daniel Engstler</p></div>
<p>Wenn sich eine neue Denkweise und Praxis wie die der Permakultur etabliert, entsteht wie von selbst eine Szene. Sie ist ihr eigenes Biotop, hat ihr eigenes Vokabular, bald auch ein eigenes Lebensgefühl, was auf die einen anziehend, auf die anderen abweisend wirkt. Nach einiger Zeit der Selbstdefinition blickt die Szene dann über den Tellerrand. So geht es derzeit nicht nur der Permakultur, sondern einer Reihe weiterer Felder, in denen zukunftsweisende Ansätze, Methoden, Theorien und Praktiken erprobt werden. Ihre Gemeinsamkeit liegt vielleicht darin, dass in diesen Bewegungen nicht nur die gute Beziehung zwischen Menschen das Ziel ist, sondern auch die Beziehung zur Natur. In diesem Feld der Szenen werden zunehmend gemeinsame Unternehmungen in die Tat umgesetzt. So war es auch auf der 11. European Permaculture Convergence (EUPC), die diesen Sommer nahe Kassel stattfand.</p>
<p>Das deutsche Vorbereitungsteam dieses Treffens hatte sich entschieden, diese Convergence zu einer Begegnung des europäischen Permakultur-Netzwerks mit befreundeten »Nebenan-Netzwerken« werden zu lassen. So waren auch Vertreter der Transition-Town-Initiativen, des Global Ecovillage Network, der Gemeinwohlökonomie, der Tiefenökologie, der Wildnisschulen und des Dragon Dreaming nach Escherode nahe Kassel gekommen. Unter dem Motto »Now!« fand der Austausch darüber statt, welche konkreten Ansätze es in den einzelnen Netzwerken für eine zukunftsfähige Umgestaltung unserer Wirklichkeit gibt. Im Zentrum standen die drei ethischen Prinzipien der Permakultur: die Sorge für die Erde, die Sorge für die Menschen und das gerechte Teilen aller Ressourcen. Darin klingen die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit an: Ökologie, Soziales und Ökonomie. Dabei geht die Permakultur davon aus, dass sich die wirtschaftliche Aktivität eines Bereichs nur innerhalb der unverrückbaren Leitplanken von Menschenrechten und begrenzten ökologischen Ressourcen entfalten kann.</p>
<p>Die Gastrednerinnen aus den befreundeten Netzwerken hatten die Einladung zu diesem Treffen freudig angenommen und zum Teil ihr eigenes Jahrestreffen auf die EUPC verlagert. So blieb kein Kontinent leer, als sich am ersten Abend im Zirkuszelt alle Anwesenden auf einer imaginären Weltkarte genau dorthin stellten, wo sie herkamen. Aus fast jedem europäischen Land waren Teilnehmer gekommen – zusammen gut 240 Menschen.</p>
<p>Die Art und Weise, wie dieses Treffen von der ersten Idee Schritt für Schritt ins Leben gebracht wurde, ist selbst schon Frucht der wechselseitigen Inspiration der Netzwerke. Schließlich wurde mit den Werkzeugen des Dragon Dreamings – einer Methode, um ganz unterschiedliche Menschen für ein gemeinsames Projekt zu begeistern und wirken zu lassen – erträumt und geplant.</p>
<h4>Gestaltung des Veranstaltungsortes</h4>
<p>Die gAstwerke, eine junge Gemeinschaft, war Gast– und Platzgeber für die EUPC. Auch die Vorbereitung ihres Geländes zielte auf die harmonische Verbindung verschiedener Welten – des geschützten Privatbereichs der Gemeinschaft und des Bereichs der Teilnehmenden. Ganz im Sinn der Permakultur wurden im Vorfeld Strukturen geplant und gebaut, die nach dem Treffen entweder wieder abgebaut wurden oder die die dort lebende Gemeinschaft weiter nutzen kann und will. Die Herausforderung für das Vorbereitungsteam bestand darin, mehrere Wiesen am Waldrand in ein funktionierendes Camp zu verwandeln. Entstanden ist eine kleine Festivallandschaft mit sechs verschiedenen Veranstaltungsorten unterschiedlichen Charakters – vom großen Zirkuszelt über mittlere und kleinere Zelte bis hin zu den »Wise Woods«, einem geschützten Sitzkreis unter dem offenen Blätterdach des Waldes.</p>
<p>Dabei kamen die vor Ort vorhandenen Ressourcen zum Einsatz. So wurden gebogene Holz-Leimbinder, die einmal die Folie eines großen Polytunnel-Gewächshauses getragen hatten, zu einer Sommerküche mit muschelförmigem Dach und einer coolen Bar verbaut. In eineM der Glasgewächshäuser, die nur im Frühjahr für die Pflanzenanzucht gebraucht werden, wurden Duschen eingerichtet, die man entfernen, aber für das nächste größere Sommercamp auch wieder einbauen kann. Und natürlich sollten die mitgebrachten Ressourcen nicht als Problemmüll am Ort bleiben, sondern als Schatz für alles dort Wachsende. Daher gab es Komposttoiletten, deren Inhalt Roland Wolf in Terra Preta (Dauerhumus) verwandeln möchte. Mein persönlicher Favorit war der Lagerfeuerplatz: auf der einen Hälfte eingefasst mit einer Grassitzbank, deren Rückseite – nach Süden ausgerichtet – als Hügelbeet fungierte. Dieses war bewachsen mit allerlei Gemüse und Blumen und bot gleichzeitig den Lagerfeuergästen Schutz vor Wind.</p>
<h4>Vernetzung beflügelt</h4>
<p>Während der angebotenen Vorträge und Workshops wurde immer wieder deutlich, wie übergreifende Vernetzung alle Beteiligten beflügelt. Declan Kennedy, der zusammen mit seiner Frau Margrit vor 30 Jahren die Permakultur nach Deutschland gebracht und bekanntgemacht hatte, teilte bei seinem Vortrag über den australischen Permakultur-Pionier Bill Mollison mit dem Publikum seine Freude über die vielen kulturkreativen Bewegungen, die sich immer mehr vernetzen, um gemeinsam den notwendigen Wandel in unserer Gesellschaft voranzubringen. Dazu gehört beispielsweise der Ansatz der Sozialen Plastik, soziale Transformationsprozesse als Kunst zu begreifen und zu gestalten. Diesen von Joseph Beuys geprägten Geist transportierten in einem gemeinsamen Vortrag Shelley Sacks – Künstlerin und Beuys-Schülerin – und die Kulturwissenschaftlerin Hildegard Kurt zu der Frage, wie wir unsere Fähigkeit kultivieren können, in uns Bilder von einer anderen Zukunft zu erschaffen und diese dann auch in die Welt zu bringen. Wie die Permakultur hat auch das Dragon Dreaming seine Ursprünge in Australien. Seit 2008 lebt sein Begründer, John Croft, in Deutschland und unterrichtet viel, so dass auch daraus bereits eine Bewegung hervorgegangen ist. Auf der EUPC zeigte John Croft, wie Dragon Dreaming aus der Permakultur, der Tiefenökologie und Forschungen zu den Erfolgsbedingungen von Projekten in Westaustralien entwickelt wurde. Es wurde deutlich, wie die bei dieser Methode bewusst gestalteten Phasen des Träumens, Planens, Handelns und Wertschätzens gängige Dichotomien, wie etwa die von Kopf versus Körper, von Individuum versus Umwelt und von Ratio versus Emotion, überwinden und somit auch eine Vielfalt an Menschen mit ihren jeweiligen Stärken in einem Projekt ihren Platz finden können. Einen Bogen zur Regiogeld-Bewegung schlug Margrit Kennedy, die über die Problematik von Zins und Zinseszins in unserem Geldsystem aufklärte. Wie ließe sich Geld als ein Werkzeug gestalten, das den Bedürfnissen der Menschen dient?</p>
<p>Auch solche Fragen sind für die Permakultur relevant. Wenn sie ihrem systemischen Ansatz, der sich auf alle Lebensbereiche anwenden lässt, gerecht werden möchte, stellt sich auch die Frage nach einer permakulturellen Wirtschaft, in der sich alle gegenseitig bestärken. Deshalb war es eine Bereicherung, dass Christian Felber – auch er ein Vertreter einer wachsenden Bewegung – seinen Ansatz der Gemeinwohlökonomie vorstellte.</p>
<h4>Auf dem Weg in die Breite?</h4>
<p>Sind permakulturelle Ansätze also auf dem Weg in den Mainstream? Am vorletzten Tag des Treffens war Besuchertag. Ungefähr 100 Interessierte aus der Umgebung kamen, schlenderten an den Marktständen mit Saatgut, Kräuterprodukten und bedruckten T-Shirts vorbei und nahmen an einer Führung zu Permakultur auf dem Gelände teil. Beim Abendessen gab es Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Als mein Gesprächspartner mit dem Stichwort Dragon Dreaming die Assoziation »Trecker träumen« verband und sich fragte, ob die Pflanzen vielleicht besser wachsen, wenn die Traktoren oder ihre Fahrer geträumt haben, wurde mir mal wieder klar, wie weit vom Mainstream entfernt wir uns mit unseren kulturkreativen Szene-Vokabeln doch gesellschaftlichen bewegen. Da steht noch einiges an Übersetzungs– und Kommunikationsarbeit an, um Permakultur aus der Nische herauszuholen!</p>
<p>Einen Versuch dazu wagte die diesjährige EUPC mit dem öffentlichen »Kassel Wandeltag«, der in erster Linie eine Stimmung vermitteln sollte: dass der Wandel hin zu einer enkeltauglichen Gesellschaft eine spannende, freudige und vor allem kreative Sache sein kann. Nachdem wir uns mit den Leuten von »Essbare Stadt Kassel« getroffen hatten und mit Blumenkränzen ausgestattet wurden, ging es mit bunten Transparenten, Getrommel und einem riesigen Ball aus Lumpen in Richtung Hauptbahnhof. Dort beschenkten wir die Passanten mit unseren Gaben – Kletten, an denen Stoffbänder mit frechen Sprüchen klebten, oder Mini-Kräutertöpfe, hergestellt aus abgeschnittenen Tetrapaks. Hauptstation unseres Umzugs war das Fridericianum, Zentrum der »documenta«, wo wir die zwei berühmten Beuys-Eichen demonstrativ mit Kompost düngten. Wer uns begegnete, hat sich angesichts der Blumenkränze in unseren Haaren wahrscheinlich des Eindrucks nicht erwehren können, hier sei eine Gruppe Hippies unterwegs. In mir wurde die Frage laut, wie – auf welche Weise – wir Permakultur eigentlich in die Öffentlichkeit bringen wollen. Es scheint mir, dass es da noch ein weites Experimentierfeld gibt.</p>
<p>Eine konkrete Idee in diese Richtung wurde in Escherode geboren. Andy Goldring berichtete vom LAND-Projekt der britischen Permaculture Association. In Großbritannien werden seit 2009 dank der Förderung durch eine Lotterie-Stiftung Demonstrationszentren für permakulturelle, lokale Nahrungsproduktion und ökologisch sinnvolle Landnutzung aufgebaut. Mittlerweile zeigen schon 50 solcher Zentren im Land, wie Permakultur praktisch aussehen kann. Auf vielen kleinen, lokalen Märkten werden die vor Ort produzierten Lebensmittel und Pflanzen verkauft. So wird Permakultur ganz bodenständig bekanntgemacht. Der Funke der Begeisterung ist auf einige im deutschen Permakultur-Netzwerk übergesprungen, und ich hörte nicht nur einmal: »Lasst uns hier auch so etwas wie das LAND-Projekt auf die Beine stellen!«</p>
<p>Dies ließe sich gut mit den Transition-Town-Initiativen verbinden, geht es hier doch darum, die Versorgung einer Stadt mit Nahrung, Energie und Wasser wieder auf möglichst lokaler Ebene zu organisieren.<br />
Kosha Joubert, Vorsitzende des Global Ecovillage Networks für Europa, erzählte eindrucksvoll davon, wie selbstverständlich die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln für die Ökodörfer des globalen Südens sei – und wie wichtig es für diese sei, genau dafür Wertschätzung und Respekt von uns aus dem Norden zu erfahren.</p>
<p>Lassen sich mit so viel gutem Willen zum Vonein­ander-Lernen weitere Brücken auch zu Netzwerken außerhalb der alternativen Szene schlagen? Wie lange muss das Myzel einer kooperativen Kultur unter der Erde wachsen, bis Früchte jenseits der Nischen sichtbar werden? Die Art und Weise, wie das Orga-Team die auf dem Treffen entstandenen Themen in die bewusst geplanten Open-Space-Zeiten integrierte und das zunächst sehr offen erscheinende Programm nach und nach Gestalt annahm, zeigte mir, dass wir mittlerweile geübt darin sind, lebendige Prozesse unter der Beteiligung aller zu strukturieren und zu moderieren. Vielleicht ist das die Essenz, die sich jenseits aller Methoden und Vokabeln transportieren lässt – eine Kultur des Zuhörens, der Beteiligung und des gemeinsamen Gestaltens zu entwickeln.</p>
<p><em>Virtuell die EUPC nachholen:</em></p>
<p><em> <a href="http://www.eupc2012.de/" rel="external nofollow">www.eupc2012.de</a><br />
<a href="http://permateachers.eu/virtual-conference" rel="external nofollow">http://permateachers.eu/virtual-conference</a></em></p>
<p> </p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin OYA anders denken. anders leben, Ausgabe <a href="http://www.oya-online.de/article/issue/17-2012.html" rel="external nofollow">17/2012</a></em></p>
<p> </p>
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		<title>Weltmacht Ernährung</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Oct 2012 15:30:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie wir dem Würgegriff der Ernährungsindustrie entkommen Es betrifft jeden Menschen auf der Erde, denn essen müssen wir alle, jeden Tag. Die Befriedigung dieses Grundbedürfnisses ist zu einem weltweiten Zwangssystem geworden, das Mensch und Erde zugrunde zu richten droht. Der Wandel kann bei jedem Einzelnen beginnen. Der Wahnsinn ist so allgegenwärtig, dass wir kaum noch [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Wie wir dem Würgegriff der Ernährungsindustrie entkommen</h2>
<div id="attachment_5448" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/607488_original_R_K_B_by_Florian-Gerlach_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5445]"><img class=" wp-image-5448 " title="Überproduktion" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/607488_original_R_K_B_by_Florian-Gerlach_pixelio.de_-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Florian Gerlach / pixelio.de</p></div>
<p>Es betrifft jeden Menschen auf der Erde, denn essen müssen wir alle, jeden Tag. Die Befriedigung dieses Grundbedürfnisses ist zu einem weltweiten Zwangssystem geworden, das Mensch und Erde zugrunde zu richten droht. Der Wandel kann bei jedem Einzelnen beginnen.</p>
<p>Der Wahnsinn ist so allgegenwärtig, dass wir kaum noch davon hören können. Wir wissen um Überproduktion und um massenhaft weggeworfenes Essen. Wir wissen um Millionen von Menschen, die durch unsinnige Essgewohnheiten krank werden, sehen übergewichtige Jugendliche, denen unvernünftige Eltern schon im Kinderwagen Flaschen mit süßen Getränken in die Hand gedrückt haben und für die ein aus frischen Zutaten gekochtes Mittagessen etwas Exotisches darstellt. Essen – ein ursprüngliches Bedürfnis. Und so weit weg von den Ursprüngen wie nie.</p>
<p>In den westlichen Ländern sind Nahrungsmittel heute etwas, das fertig in den Regalen steht. Mit Dingen wie Boden, Jahreslauf und Leben verbindet niemand mehr das, was uns aus Supermarktregalen entgegenschreit. Sicher, auf den Acker wird immer noch Saatgut ausgebracht, es wird gedüngt und Unkraut beseitigt. Aber all das sind instrumentalisierbare Faktoren geworden. Wer an einem Getreidefeld im Abstand von einigen Tagen vorbeigeht, die Saat keimen sieht, den grünen Schimmer über der Fläche und das langsame Aufrichten der Halme wahrnimmt, der könnte noch immer davon berührt sein, dass das Lebendige selbst ein Mysterium bleibt. Von jeher haben Menschen dieses Mysterium für sich zu nutzen versucht, haben Zeitrechnung und Wissenschaften für den Ackerbau entwickelt. Weite Teile von Religion und Kultus waren dem Respekt vor dem Geheimnis des Wachsens gewidmet. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind wir mit hochindustrialisierten Methoden dabei, diesem Mysterium den Garaus zu machen. Die chemische Stickstoff-Düngung kurz nach 1900 ließ Landwirtschaft allmählich zu einer Rechenaufgabe werden: Saatgut plus Dünger gleich Masse, so die bis heute machtvolle Formel. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich dann mit Monokulturen, Maschinenbewirtschaftung und Hybridzüchtungen bei Pflanzen und Tieren die Industrialisierung der Ernährung im großen Stil durch. Wenige weltbeherrschende Konzerne verkaufen seither Landwirten ein abgestimmtes Set von Saatgut, Dünger und Pestiziden. Eine Hand voll Hersteller, Verarbeiter, Ketten und Discounter packt die Rohstoffe in bunte Verpackungen und diktiert Essgewohnheiten und Preise.</p>
<blockquote>
<h4>Weltagrarbericht</h4>
<p>Der 2008 im Auftrag von UN und Weltbank erstellte Zustandsbericht stellt die wohl aktuellste Informationsquelle zur weltweiten Situation der Landwirtschaft dar. Die von der GLS-Zukunftsstiftung Landwirtschaft in Berlin betreute Website zum Weltagrarbericht bietet neben dem Download der Originalberichte Informationen zu zahlreichen Schlüsselthemen wie Klimawandel, Saatgut und Patenten, Bio-Sprit und Fleischproduktion, aber auch Agrarökologie oder Geschlechterrollen.<br />
In einem Video erläutert Zukunftsstiftungs-Mitarbeiter Benedikt Haerlin, der Mitglied der Kommission war, <a href="http://www.weltagrarbericht.de/tipps-medien.html" rel="external nofollow">wesentliche Ergebnisse.</a></p></blockquote>
<h4>Mangel im Überfluss</h4>
<p>Dem krankmachenden Überfluss in den Industrieländern steht ein eklatanter Mangel in weiten Teilen der Erde entgegen: Nach wie vor hungern weltweit 925 Millionen Menschen und zwei Milliarden leiden unter Mangelernährung. 22 Länder stecken laut Angaben der Ernährungs– und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen in der dauerhaften Ernährungskrise.</p>
<p>Die Lage der Welternährung kennzeichnet aber nicht nur Ungerechtigkeit, sondern auch Selbstzerstörung. Weil im Würgegriff der kurzfristigen Effizienz der Wert des „Biokapitals“ (so der Ausdruck des Biologen und Philosophen Andreas Weber) nicht in den Bilanzen vorkommt und die kostenlos von der Natur bereitgestellten Ressourcen von Boden, Wasser und Luft hemmungslos verschlissen werden, stehen die Grundlagen unserer Ernährung in weiten Teilen der Welt kurz vor dem Kollaps. Dabei sind die Kosten der sogenannten „Externalities“, die in den Preisen nicht vorkommen, inzwischen gut erforscht. In Bezug auf Kunstdünger etwa hat eine Studie der <em>European Nitrogen Assessment</em> aus dem Jahr 2011 ermittelt, dass sich die Umweltschäden hinsichtlich Wasserqualität, Luftqualität, Klimawandel, Ökosysteme und Bodenqualität weltweit auf einen Betrag von 70 bis 320 Milliarden Euro belaufen – das ist doppelt so viel wie das, was man an Gewinnen durch den Massiv-Einsatz von Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft erwartet. Dabei ist der auf Erdölbasis gewonnene Stickstoff auch zunehmend ein Preistreiber. „Wir fressen Öl“, bringt es Benny Haerlin von der <em>Zukunftsstiftung Landwirtschaft</em> auf den Punkt, „und deshalb müssen wir davon loskommen“, sagt er in einem Video (siehe Kasten).</p>
<p>Die übermäßige Düngung durch Stickstoff in der Intensiv-Landwirtschaft schätzte übrigens schon Rudolf Steiner skeptisch ein, als Landwirte ihn seinerzeit danach fragten, weil sie den Qualitätsverlust ihrer Früchte durch den neuen Wunderdünger beobachteten. Nitrogen-Düngung hinterlässt nicht nur verdorbene Böden, sondern die von den Pflanzen nicht aufgenommenen Mengen führen zudem zur Entstehung kleiner Mengen an Lachgas, die als Treibhausgase um das 300-Fache massiver wirken als CO2. Und auch die Gewässer leiden darunter. Beispielsweise ist seit Langem bekannt, dass die Ostsee, die sich nicht durch den Zufluss von Meeresströmungen erneuern kann, vom „Umkippen“ bedroht ist. Eine Studie, an der auch bio-dynamische Forscher beteiligt waren, konnte zeigen, dass durch Umstellung auf biologischen Anbau in den Anrainerstaaten eine Regenerierung der Ostsee möglich wäre. Stattdessen setzt man inzwischen darauf, der Ostsee durch ein dichtes Netz von Pumpen lebenswichtigen Sauerstoff zuzuführen – ein weiteres Symbol dafür, den Folgen der Entfremdung von der Natur mit noch mehr technischer Ermächtigung beikommen zu wollen.</p>
<p>Wenn wir uns die Erde als zusammenhängenden Organismus vorstellen, stellt sich dieser als schwer erkrankt dar. Ausgelaugte Böden mit Pestizid-Rückständen funktionieren nur durch immer noch mehr Aufbringen von Stickstoff und Giften – ein Teufelskreis. Niemand weiß, was passiert, wenn durch klimawandelbedingt zunehmende Trockenheit – die Verknappung von Wasser ist ein weiteres globales Drama – auch in bisher gemäßigten Zonen die Ernten drastisch zurückgehen und die Getreidespeicher in den großen Kornkammern der Menschheit leer gegessen sein werden. Durch Erosion, Versalzung und Verwüstung gehen schon jetzt jährlich Millionen Hektar an landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren. Zum Beispiel in China: Dort könnte die Ausbeutung der Böden inklusive des dramatischen Absinkens des Grundwasserspiegels mittelfristig dazu führen, dass China – heute weltweit einer der größten Exporteure von Agrargütern mit stark ansteigendem Bio-Anteil – seine eigene Bevölkerung nicht mehr ausreichend ernähren kann. Wenn dann noch in den bevölkerungsstarken Pazifik-Gegenden, wo Fisch ein Grundnahrungsmittel darstellt, die hemmungslose Überfischung der Meere zum Kollaps der Bestände führt – man will es sich nicht vorstellen.</p>
<blockquote>
<h4>Die fatale Lust am Fleisch</h4>
<p><strong></strong>Die Deutschen essen sehr viel Fleisch – vor allem Schwein: 39,2 Kilogramm sind es pro Jahr und Person im Durchschnitt. Dazu kommen 11,5 kg Geflügel und 8,7 kg Rind. Davon ist nur ein Bruchteil Bio: Beim Schwein sind es 240 Gramm, beim Geflügel 60 Gramm, beim Rind 170 Gramm.<br />
90 Prozent der Mastschweine werden heute in einstreulosen Ställen auf Spaltböden gehalten. Das widerspricht dramatisch ihrem normalen Verhalten. Verhaltensstörungen sind die logische Folge. Säue können nicht mal ihre Ferkel beschnuppern. Etwa zwölf Millionen Schweine sterben in Deutschland jährlich während der Mast an den Haltungsbedingungen. Dazu kommen 400.000 Tiere, die während des Transports zum Schlachthof verenden.<br />
<em>(Quelle: Handelsblatt vom 23.5.2012)</em></p></blockquote>
<h4>Reizthema Fleisch</h4>
<p>Ein besonders heikles Ernährungs-Thema ist der sprunghaft ansteigende Fleischkonsum nicht nur in der westlichen Welt, sondern auch in Asien. Auf den längst widerlegten Aberglauben, wonach Fleisch für eine gesunde Ernährung nötig sei, muss hier nicht eingegangen werden. Die Ressourcenverbrauchs-Relation für ein Kilo Fleisch zu Getreide im Verhältnis von 1 : 4 ist angesichts der Knappheit in vielen Schwellenländern unverantwortlich und nur deshalb am Ende scheinbar noch „billig“, weil wieder einmal nicht alle Kosten eingerechnet werden – besonders die Folgen für Böden (durch Gülle-Belastung) und Klima (Methangasbildung) fehlen in den Bilanzen. So befriedigt eine hochspezialisierte Tierhaltungsindustrie im Schatten unseres kollektiven Wegschauens die Lust am billigen Schnitzel. Sie nimmt dafür nicht nur tierquälerische Bedingungen und gesundheitsgefährdende Folgen (Stichwort Antibiotika) in Kauf, sondern ruiniert auch noch die letzten Reste regionaler Ernährungssouveränität in anderen Teilen der Welt. So muss für die Tiermast in Europa immer mehr Futter importiert werden. Der Rückgriff auf billiges Übersee-Soja vernichtet in Südamerika Regenwald und intakte Grünflächen. Hinzu kommt, dass den Bauern oft unter Zwang angestammtes Land unter Preis von westlichen Investment-Firmen abgenommen wird, die von der Landverknappung profitieren. Gegen dieses „Land-Grabbing“, an dem sich in Deutschland z.B. auch die Deutsche Bank mit ihrer Investment-Tochter DWS beteiligt (das berichtet inzwischen sogar die FAZ), sind die Familien vor Ort machtlos. Von einem „Landraub mit Messer und Gabel“ spricht deshalb der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling. Droht in Deutschland eine fast schon vergleichbare Entwicklung durch Biogasanlagen, für deren Rohstoffgewinnung verlockende Pachtbedingungen geboten werden? Schon jetzt stehen Bio-Bauern vor Wachstumsgrenzen angesichts dieser unsinnigen Flächenpolitik.</p>
<p>Zudem führt die industrielle Fleischproduktion zu grotesken sozialen Verwerfungen: Bei Hühnern etwa, von denen verwöhnte Westler bevorzugt die Brust essen, werden die Reste per Kühlschiff nach Afrika exportiert, zerstören dort lokale Märkte und verbreiten obendrein noch mangels geeigneter Kühlketten gefährliche Mikroben. All das tut der Beliebtheit von ach so figurfreundlichen Filetstreifen auf unseren Salaten offenbar keinerlei Abbruch.</p>
<h4>Wandel ist möglich</h4>
<p>Ein „Schwarzbuch Ernährung“ ließe sich ohne Mühe Seite um Seite weiterschreiben. Alles Wissen ist längst zugänglich. An hochrangigen Stellen sogar. Keine geringeren Organisationen als die Vereinten Nationen und die Weltbank haben vor Kurzem ein international zusammengesetztes Team mit der Erarbeitung eines „Welt-Agrarberichts“ beauftragt. Die sich abzeichnende kritische Distanz vieler beteiligter Experten zur Agrarindustrie führte im Vorfeld des Schlussberichts zum Abzug einiger Monopolisten wie dem Vizepräsidenten von Monsanto, Robert Horsch (inzwischen ist er für die Gates-Stiftung tätig). Auf der deutschen Website zu diesem im Jahr 2008 abgeschlossenen Projekt fasst ein Satz die tausendseitige Expertise zusammen: „Landwirtschaft am Scheideweg – weiter wie bisher ist keine Option“. Unter den 400 Experten aus allen Gebieten hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der konventionelle Landbau mit Kunstdünger, Pestiziden und Gentechnik die Sättigungsversprechen einer „grünen Revolution“ nicht einlösen kann, sondern die Probleme noch weiter verschärft. „Wie der Weltagrarbericht zeigt, braucht es zur Bekämpfung des Hungers und der Armut weltweit angepasste und vielfältige Methoden, die die natürlichen Ressourcen nicht weiter schädigen, sondern im Gegenteil schützen und erneuern – Kriterien, welche die Ökologische Landwirtschaft hervorragend erfüllt“, heißt es daher in einer Stellungnahme des <em>Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft</em> in Deutschland. Dessen Präsidiumsmitglied Felix zu Löwenstein, selbst Bio-Landwirt in Südhessen, hat die Situation im Untertitel seines hoch brisanten Buches <em>Foodcrash</em> noch zugespitzt: „Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr“, so Löwenstein, der seit Jahren auf einen drohenden Zusammenbruch der Ernährungsgrundlagen in weiten Teilen der Welt hinweist. Seine eindeutige Botschaft: „Wenn es uns nicht gelingt, die Ausbreitung des westlichen Lebensstils mit seinem hohen Fleischkonsum, seiner Überernährung und seiner Lebensmittelvernichtung zu verhindern, dann gibt es keine technische Lösung, die den Zusammenbruch des Ernährungssystems verhindert“.</p>
<blockquote>
<h4>Biologisch-dynamische Landwirtschaft</h4>
<p>Die biologisch-dynamische Landwirtschaft geht auf Vorträge zurück, die Rudolf Steiner 1924 vor Landwirten auf dem Gut Koberwitz hielt. Sie gilt als die früheste ökologische Anbaumethode in Europa. Steiner skizzierte damals grundlegende Sichtweisen einer ganzheitlichen Landwirtschaft, etwa die Bedeutung des Bodens als zusammenhängendem Organ, die Wirkung des Kosmos auf das Wachstum und vor allem das Prinzip vom Hof als einer landwirtschaftlichen Individualität, bei der alle Teile organisch aufeinander abgestimmt sein sollten. Auch die bis heute im bio-dynamischen Anbau verwendeten speziellen Präparate zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit gehen auf diesen Kurs zurück. Die auf diese Weise erzeugten Produkte werden unter dem Markennamen <a href="http://www.demeter.de/" rel="external nofollow">Demeter</a> verbreitet.</p></blockquote>
<p>Die gute Nachricht dabei lautet: Die Umstellung der Welternährung auf ökologische und regionalisierte Produktion ist durchaus möglich und keine Frage von Luxus. Denn entgegen den Stimmen aus konventioneller Forschung und Industrie, die für den Fall einer Umstellung auf ökologische Landwirtschaft Hungerszenarien an die Wand malen wollen, ist Öko sogar effizient: Eine Studie der Universität Michigan wollte im Jahr 2007 ermitteln, wie viel Nahrungsmittel durch eine ökologische, mit geringem Output an Betriebsmitteln arbeitende, nachhaltige und kleinbäuerliche Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden könnten. „Das Ergebnis dieser Studie: Die Umstellung der globalen Nahrungsmittelerzeugung auf Ökologischen Landbau würde zu einer Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion um 50 Prozent auf 4381 Kilokalorien pro Person und Tag  führen!“, fasst Löwenstein in seinem Buch zusammen.</p>
<p>Löwenstein nennt auch praktische politische Hebel, um strukturell etwas in Richtung Ökologie zu ändern. Die Besteuerung von Stickstoff etwa, die man so exakt justieren könnte, dass nur die nicht von Pflanzen oder Tieren aufgenommene, direkt umweltschädliche Menge besteuert würde. Ein zweiter Hebel wäre die konsequente Umsetzung bereits existierender tierschutzrechtlicher Vorgaben – allein dadurch würde Massenhaltung (einschließlich nutzungsdienlicher Tierverstümmelung) unmöglich – hat Politik den Mut, bestehende Gesetze konsequent anzuwenden?</p>
<h4>Anders Essen als Revolution</h4>
<p>Die Verantwortung für den Wandel beim Thema Ernährung müssen wir nicht allein der Politik überlassen. Das kranke System der Welt-Ernährung hat alle im Griff – aber die anonyme Macht der Konzerne wirkt nur so lange, als Aber-Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher sich ihrer Macht nicht bewusst sind und sie nicht nutzen. Richtige Ernährung ist Abstimmung mit dem Warenkorb. Der immer noch „heiße“ Bio-Boom könnte so zum Beginn einer Revolution am Kochtopf werden. Das ist nicht nur etwas für geistige Eliten. Erfreulich die jüngste Meldung, dass gerade auch Jugendliche zunehmend Wert auf „Bio“ legen. Seit es das sogar beim Discounter nebenan und erst recht in Qualitäts-Ketten wie Alnatura und Denree gibt, kann sich auch niemand mehr mit dem fehlenden Geld rausreden.</p>
<p>Die Revolution in drei Schritten sieht so aus:</p>
<p>Schritt eins: Konsequent Öko– und, wenn möglich, Demeter-Produkte kaufen. Nicht allein aus Angst und Sorge um die eigene Gesundheit, sondern weil das besser für Böden, Tiere, Gewässer und Luft ist. Die bio-dynamische Landwirtschaft hat als Pionier im ökologischen Anbau von Beginn an dem künstlichen Stickstoff den Rücken gekehrt. Demeter ist besonders gut, nicht weil es gesünder ist, sondern weil jeder Kauf dieser Produkte die Unterstützung des wirksamsten Erdheilungs-Programms ist, das wir kennen (siehe Kasten).</p>
<p>Schritt zwei zur Befreiung aus dem kranken System: Den Fleischkonsum drastisch reduzieren. Auch das ist inzwischen schon fast eine Binsenweisheit, sogar abgesehen von tierethischen Überlegungen aufgrund der oben geschilderten ökologischen und sozialen Folgen. Hoffentlich haben manche Trendforscher recht, die dem Fleischessen ein ähnliches Schicksal wie dem Rauchen voraussagen, das immer mehr zum Zeichen mangelnder (Selbst-)Bildung und schlechten Lebensstils wird.</p>
<p>Schritt Nummer drei schließlich: saisonale und regionale Produkte bevorzugen. Der Überfluss einer üblichen Frische-Theke mit exotischen Früchten und einer jahreszeitenübergreifend kompletten Gemüsepalette ist ein klares Dekadenz-Symptom. Niemand braucht jeden Tag Mango, Kokosnüsse und Ananas, die wir, ebenso wie die Äpfel aus Übersee, weit weniger konsumieren würden, wenn ihnen die wirklichen Preise einschließlich der Klima– und Bodenschäden aufgedruckt wären. Auch der gedankenlose Griff zu Gemüsearten, die mit hohen Transport– und Umweltbelastungen verbunden ganzjährig zu uns kommen, muss überdacht werden. Zurück zu den einfachen Dingen – das wird wohl auch über das Thema Ernährung hinaus <em>das</em> Motto der kommenden Jahre sein.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2012/juli/weltmacht-ernaehrung/" target="_blank" rel="external nofollow">Info3, Ausgabe Juli2012</a></em></p>
<p><strong><em>Buchtipp:</em></strong></p>
<p><em>Felix zu Löwenstein: Foodcrash. Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr. Pattloch 2011, 320 Seiten € 19,99.</em></p>
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		<title>Fragiler Freiraum</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/09/16/fragiler-freiraum/</link>
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		<pubDate>Sun, 16 Sep 2012 14:30:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Permakultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie auf dem Flugfeld Aspern ein Zukunftslabor für künstlerische Stadtentwicklung entsteht. Wenn eine Stadt ein neues Siedlungsgelände plant, ist die Reaktion darauf entweder Gleichgültigkeit oder Protest. In Aspern bei Wien sucht ein Künstlerkollektiv im Freiraum vor Baubeginn einen dritten Weg. Wer auf dem alten Rollfeld steht, kann es kaum glauben: Hier sollen bald Wohnungen für [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Wie auf dem Flugfeld Aspern ein Zukunftslabor für künstlerische Stadtentwicklung entsteht.</h2>
<p><em><strong>Wenn eine Stadt ein neues Siedlungsgelände plant, ist die Reaktion darauf entweder Gleichgültigkeit oder Protest. In Aspern bei Wien sucht ein Künstlerkollektiv im Freiraum vor Baubeginn einen dritten Weg.</strong></em></p>
<div id="attachment_5305" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/image_wide_hires-1.jpg" rel="lightbox[5303]"><img class=" wp-image-5305 " title="Fragiler Freiraum" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/image_wide_hires-1-300x167.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: Magazin OYA, anders denken. anders leben</p></div>
<p>Wer auf dem alten Rollfeld steht, kann es kaum glauben: Hier sollen bald Wohnungen für 20 000 Menschen sowie 15 000 Arbeitsplätze in Büros, Gewerbe, Wissenschaft und Bildung entstehen. Noch brennt Besuchern des rund 240 Hektar großen alten Flugplatzes am Ostrand Wiens die Sonne aufs Haupt. Die einzigen Schattenspender sind ein Informationsturm und einige Container. Bis 2028 soll das Gelände in ein neues Wohn– und Arbeitsviertel mit dem vielversprechenden Namen »Seestadt Aspern« verwandelt werden. Immerhin den See – künstlich angelegt – sieht man schon.</p>
<p>Das riesige Bauprojekt ist eines der größten dieser Art in ganz Europa. Sowohl die Stadt Wien als auch das Entwicklungsbüro Wien 3420 Aspern Development AG bemühen sich, dieser neuen Stadt in der Stadt ein grünes Image zu geben. Die Wiener U-Bahn-Linie 2 wurde bereits bis zur Seestadt verlängert, das Verkehrskonzept verspricht viel Fahrrad, wenig Auto, viel Grün, wenig Grau. Die Anrainer überzeugt das noch nicht. Sie haben sich einst am Stadtrand Wiens niedergelassen, um die Idylle zu genießen. Nun ist hier ein urbaner Raum geplant, das heißt Verkehr, Lärm und Unruhe. In einem sogenannten Qualitätsbeirat konnten sie den Planungsprozess kommentieren, doch das Verfahren hat nicht dazu geführt, dass den Menschen das riesige Projekt sympathisch wurde. Und wer wird eigentlich in die Seestadt ziehen? Wie wird sich das Leben dort gestalten?</p>
<h4>Kunst macht eine Ödnis lebendig</h4>
<p>Damit Menschen sich an einem Ort wohlfühlen, »braucht es Identität, ein Gefühl von Heimat, die Möglichkeit, verschiedene Lebensstile gemeinsam zu leben«, ist sich Ute Burkhardt-Bodenwinkler sicher. Gemeinsam mit Daniel Aschwanden ist sie Kuratorin des Projekts PUBLIK. Seit April 2011 bemühen sich die zwei, neuerdings im Team mit Susanne Kapeller-Niederwieser, Leben auf das Baugelände zu bringen. Ihre Künstlerinitiative content.associates konzentriert sich darauf, Stadtentwicklungsprozesse künstlerisch und kulturell zu begleiten. Auch auf dem Flugfeld suchen sie Wege, die Gestaltungsmöglichkeiten des Freiraums vor der Bauphase auszukosten und »dem Geplanten durch kulturelle Praxen Identität zu geben«. Daniel begründet das Konzept von PUBLIK: »Es braucht nicht nur Schreibtischplanung, sondern dass tatsächlich Menschen und Betroffene in diese Planung einbezogen werden.«</p>
<p>Bei einem Gang über das leere Flugfeld sehe ich drei Jugend­liche. Sie eilen in Richtung See, um ein erfrischendes Bad zu nehmen und Skat zu spielen. Wenn hier Häuser stehen und das Seeufer als Flaniermeile umgestaltet ist, wird das Schwimmen nicht mehr erlaubt sein. Menschen wissen schon, was sie gerne tun, denke ich im Stillen. Ein paar Meter weiter lädt ein riesiger Holztisch zum Verweilen ein, aufgestellt von PUBLIK. Zwischen der wilden Vegetation auf der Brachfläche sind Gurken, Tomaten und Zucchini zu erkennen: Hier gärtnern die Bürger Wiens. Die Außenwände eines der zwei Baucontainer sind begrünt. Identische Container stehen in Madrid und Bottrop, im Rahmen des Forschungsprojekts PROGREENcity wird so der Einfluss von Fassadenbegrünung auf Innenraumklima und Wohlbefinden der Bewohner getestet.</p>
<p>Die Spuren der Kunstprojekte haben eine erstaunliche Wirkung auf mich. Wo ich auf den ersten Blick nur Ödnis erkennen konnte, spüre ich nun die Kraft des Lebens. Der sanfte Tomatenduft schafft ein Gefühl der Wärme und von Heimat. Der lange Holztisch erzählt von fröhlichem Essen in Gemeinschaft.</p>
<h4>Dialog mit dem Ort, Dialog mit der Stadt</h4>
<p><strong></strong>Wenige Wochen später greife ich zum Telefon, um mehr über PUBLIK zu erfahren. Die Wahl-Wiener Ute Burkhardt-Bodenwinkler und Daniel Aschwanden – sie kommt aus Stuttgart, er aus der Schweiz – erzählen mir von einem Projekt nach dem anderen, das sie auf der großen Freifläche schon verwirklichen konnten.</p>
<p>Regelmäßig bloggen drei Autorinnen und Autoren über die Geschichte, Gegenwart und geplante Entwicklungen des Flugfelds. »Stadt.schreiben« nennt sich das Projekt, das literarisch die »Stadtwerdung« des Geländes begleitet.<br />
Daniel, der als Choreograf und Performer auch selbst als Künstler aktiv ist, hat alle Filmdokumente zum alten Flugfeld aus Archiven ausgegraben und sie per Videoinstallation auf das Rollfeld projiziert. Solche Beiträge werden Teil eines »Parcours«, wie der Kurator es nennt. Hier wird das Wissen des Orts zusammengetragen, um es situativ zu verstehen und alle Akteurinnen und Akteure in den künstlerischen Prozess einzubinden.<br />
Im Rahmen eines solchen Parcours hat sich das Team von PUBLIK wochenlang vor Ort aufgehalten, um zu erfahren, zu erleben, zu testen – und schließlich zu tanzen. Damit sich nicht nur Kunstschaffende beteiligen, bindet PUBLIK bewusst Menschen vor Ort ein. Der Modellflieger-Fan, der hier des öfteren mit seinen Flugzeugen seine Runden dreht, wurde deshalb kurzerhand in eine performative Führung eingebunden. Im Juni hat der lokale Schachverein mitgemacht, kurz darauf das Jugendblasmusikorchester.</p>
<p>Auch Erkundungstouren mit Spezialisten organisiert das Team von ­PUBLIK. So hat vor kurzem der Bauleiter zusammen mit einer Philosophin eine Gruppe von Interessierten über das Gelände geführt, ein anderes Mal erklärten ein Archäologe und ein Biobauer ihre Sicht auf das Feld. In diesen »bewegten Wandersymposien« entstanden ganz neuartige, spannende Dialoge. So viel Diskurs gab es vor dem Wirken von PUBLIK nicht.<br />
Meine Frage zur Unterstützung all dieser Aktivitäten macht ein großes Fass auf. Wie so viele Kunstprojekte hat es auch PUBLIK nicht leicht. Die Kommunikation mit der Stadt Wien läuft schleppend, die Relevanz des Projekts muss immer wieder neu erörtert werden, und auf die Finanzierung ist auch kein Verlass. Bisher wurde privates Geld der Entwicklergesellschaft investiert – erst wenige Stunden vor unserem Telefonat bekamen Ute Burkhardt-Bodenwinkler und Daniel Aschwanden endlich eine Zusage vom Kulturamt der Stadt Wien. Ihre große Erleichterung zeugt davon, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.</p>
<p>»Es scheint, als sei der Stadt noch nicht vollkommen bewusst, dass viele Probleme vermeidbar wären, wenn man schon jetzt mit einer emotionalen Auseinandersetzung mit dem Ort begänne. Es gibt kaum eine Wahrnehmung dessen, was PUBLIK auf dem Gelände der zukünftigen Seestadt tut«, bedauert Daniel. Solange noch keine Menschen dort wohnten, werde die Relevanz nicht gesehen. Doch mit der Förderzusage habe die Stadt nun einen Schritt in die richtige Richtung getan. PUBLIK kann umsetzen, was schon lange geplant ist.</p>
<p>Eine neue, temporäre Holzhalle wird es ihnen ermöglichen, ganzjährig Veranstaltungen anzubieten. Zuvor hatten Wind und Wetter das Arbeiten auf dem alten Rollfeld erheblich erschwert. Einige der Errungenschaften von PUBLIK brauchen allerdings bewusst das freie Feld, wie das Gartenprojekt, das Brachflächen in produktive, blühende Stadtlandschaften verwandelt. Menschen aus ganz Wien, Anrainer und zukünftige Bewohner der Seestadt bauen hier gemeinsam Gemüse an. Daniel und Ute wollen damit eine Praxis schaffen, die in der Stadt, wenn sie dann gebaut sein wird, weiter gepflegt werden soll. Unterstützend wird dafür im Herbst erstmalig ein Permakulturdesign-kurs stattfinden. Da auch die städtische Planung Gärten vorsieht, bleibt zu hoffen, dass dieser Impuls weiter trägt.</p>
<h4>Trostpflaster oder Zukunftslabor?</h4>
<p>Nicht nur die Gartenkultur soll bleiben. »Vom Temporären zum Manifesten« – so wünschen es sich die Kuratorinnen und Kuratoren von PUBLIK. Bestimmte Räume sollen für die Kultur in der Seestadt reserviert werden. »Wir möchten den Bürgerinnen und Bürgern den öffentlichen Raum ins Gedächtnis schreiben, damit er tatsächlich von aktiven Bewohnerinnen genutzt wird und nicht nur ein Raum des Transits ist – also ein Raum, in dem man konsumiert oder von einem Punkt zum anderen geht –, sondern dass es ein Raum wird, in dem man auch stilvoll Haltung zeigen kann.« Für Ute ist einerseits die Qualität der Arbeit von essenzieller Bedeutung, andererseits aber auch, dass etwas geschieht und dass es den nötigen Raum dafür gibt.</p>
<p>Bleibt allerdings die Tatsache, dass den in der Nachbarschaft zur zukünftigen Seestadt lebenden Menschen der offene Raum eher genommen als geschenkt wird. Statt die Fläche gemeinsam zu gestalten und mit Leben zu füllen, werden, wie in der Stadtplanung üblich, Experten beauftragt, große Konzepte zu entwickeln. Die Stadt wirbt mit neuem Wohnraum nahe an Wien, nahe an Brati­slava und vor allem nahe an Flughafen und Autobahn. Solche Planung fragt nicht, wie denn zukünftige Bewohner und heutige Anwohner ihr Leben gestalten möchten. Es ist abzusehen, dass es in den kommenden Jahren große Migrationsströme, Versorgungsengpässe und immer mehr ältere Menschen geben wird. Anders als die Planer sind Ute und Daniel skeptisch, ob die bestehenden Konzepte für die ungewisse Zukunft dynamisch genug sind.</p>
<p>Immerhin kann die Künstlergruppe durch eine starke Präsenz vor Ort den Bürgerinnen und Bürgern nun ein offenes Ohr schenken und sie in ihrem emotionalen Prozess begleiten. Dass einander zugehört wird, dass Ideen aufkeimen und sich organisch etwickeln können, fehlt in vielen Planungsprozessen. »Aspern ist ein Probeort, wo experimentiert werden kann, wo selbst das Scheitern wichtig ist«, meint Ute. In dem Stadium, in dem sich Projekt und Stadt befinden, kann man noch scheitern – und daraus wird gelernt. Ute und Daniel träumen nicht nur davon, dass die Kultur endlich zum Partner auf Augenhöhe wird, statt nur als Luxusgut begriffen zu werden, sondern sie arbeiten aktiv an Modellen der Umsetzung dieses Traums. Sie glauben, dass die Komplexität unserer Gesellschaft mit den gewöhnlichen, linearen Denkstrukturen kaum zu begreifen ist. Die nonlinearen Strukturen des künstlerischen Denkens könnten jedoch helfen, die Komplexität zu übersetzen und ganz neue Perspektiven zu eröffnen.</p>
<p>Ihre positiven Erfahrungen möchten die beiden gerne weitergeben. Dafür strecken sie ihre Fühler in alle Himmelsrichtungen aus. Bislang gibt es lose Vernetzungen mit Zürich, aber auch Kontakte zu Stadtentwicklungsprozessen in China, Südafrika, Serbien und der Slowakei. Diese Zusammenarbeit fördert ein grundlegendes Nachdenken auf allen Ebenen und einen breit gefächerten Diskurs. Selbst im asiatischen Raum erleben sie nun vereinzelt Bestrebungen, sich von rein statischen Auswertungen abzuwenden und erste Versuche, den Menschen wieder als zentralen Faktor im Städtebau zu sehen.<br />
Bis nach Asien muss aber gar nicht geschaut werden, um ähnliche Projekte zu finden. Wer an stillgelegte Flugplätze denkt, kommt schnell auf das Tempelhofer Feld in Berlin. Einmal waren Ute und Daniel dort, um sich inspirieren zu lassen und Kontakte zu knüpfen. Einige Gemeinsamkeiten fielen ihnen auf: die große Fläche, die Witterungseinflüsse und die Tatsache, dass viel geplant wird. Doch Tempelhof hat bereits viel mehr vorhandene Strukturen, die umgenutzt werden können, als das Flugfeld Aspern. Tempelhof liegt in der Stadt, Aspern am Stadtrand. Tempelhof soll Freizeitfläche bleiben, Aspern wird zur Stadt. Tempelhof ist stark mit dem Rest der Stadt vernetzt, hat vielschichtige Angebote, eine starke Bürgerbeteiligung – in Aspern mussten die Kuratoren von PUBLIK ganz vorne anfangen. Inzwischen haben sie viel Bewusstsein geschaffen.</p>
<p>Ich erinnere mich an den Moment meines Besuchs, in dem mir das leere Flugfeld gar nicht mehr so leer erschien. Es ist voller Geschichten, Erlebnisse, Erfahrungen und Wünsche, die herausgekitzelt werden wollen, so wie es Daniel und Ute tagein, tagaus tun. Bald ziehen die ersten Bewohner in die Seestadt – nicht in neue Wohnhäuser, sondern in die beiden Container. Unter dem Motto »Dein Sommerabenteuer im urbanen Zukunftslabor« veröffentlichen sie ihre Erfahrungen in Texten, Fotos und Videoberichten. Die Pioniere bekommen nicht nur eine komfortable Unterkunft und ein Fahrrad gestellt, sondern werden, wie Ute und Daniel, zu Stadtgestaltern. Ich stelle mir vor, wie immer mehr Menschen das Feld besiedeln, Flächen gestalten, Räume nutzen. Statt das Feld zu bewohnen, beleben sie es. Wäre es nicht möglich, genau so einen Prozess als städtische Planung zu begreifen?</p>
<p><em>Interesse an der Kunst vor dem Bau?<br />
<a href="http://www.blog.aspern-seestadt.at/" rel="external nofollow">www.blog.aspern-seestadt.at</a>, <a href="http://www.contentassociates.cc/" rel="external nofollow">www.contentassociates.cc</a></em></p>
<p> </p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin OYA, anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/766-fragiler_freiraum.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 16/2012</a></em></p>
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		<title>Der Strom gehört uns allen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/07/11/der-strom-gehort-uns-allen/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Jul 2012 17:12:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstversorgung]]></category>

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		<description><![CDATA[Energieriesen sollten keine Stromnetze betreiben. Ende 2014 läuft in Berlin die bisherige Konzession von Vattenfall für den Betrieb des Berliner Niederspannungs-Stromverteilnetzes aus. Gleich zwei Bürgerinitiativen begreifen das als Chance für eine ökologischere und demokratischere Lösung. Als am 13. Juni in Berlin der Umweltausschuss tagt, sagt der Vorsitzende, ein CDU-Politiker: »Zum Status quo der Netze sind [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Energieriesen sollten keine Stromnetze betreiben.</h2>
<p><em>Ende 2014 läuft in Berlin die bisherige Konzession von Vattenfall für den Betrieb des Berliner Niederspannungs-Stromverteilnetzes aus. Gleich zwei Bürgerinitiativen begreifen das als Chance für eine ökologischere und demokratischere Lösung.</em></p>
<div id="attachment_5099" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/482026_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5095]"><img class=" wp-image-5099" title="Bürger Energie - Der Strom gehört uns allen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/482026_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg" alt="" width="200" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Rainer Sturm / pixelio.de</p></div>
<p>Als am 13. Juni in Berlin der Umweltausschuss tagt, sagt der Vorsitzende, ein CDU-Politiker: »Zum Status quo der Netze sind Vertreter von Vattenfall und der Berliner Gaswerke AG geladen, zur Zukunft der Netze der Berliner Energietisch und die BürgerEnergie Berlin.«</p>
<p>Der Berliner Energietisch plädiert für eine Rekommunalisierung der Netze, und die neu gegründete Genossenschaft Bürger­Energie Berlin eG möchte die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt animieren, das Netz zu kaufen. Einer der Mitbegründer der Genossenschaft ist der Dolmetscher und Übersetzer Steffen Walter. Er beteiligte sich zum ersten Mal an einem so groß angelegten Projekt. »Es war ein längerer Prozess bei mir, vom Privaten ins Öffentliche zu gehen«, erzählt Steffen. »Als ich mich 2003 nach einer Zeit der Festanstellung selbständig gemacht habe, ging es noch darum, meiner Frau und der Welt zu beweisen, dass ich es kann. Als wir 2009 eine Solaranlage auf unserem Haus installierten, fing ich an, mich intensiv mit allen Fragen zu erneuerbaren Energien zu beschäftigen, und schaute über den ›Tellerrand‹ hinaus.« Vor allem begeisterte sich Steffen 2009 für die Initiative »Energie in Bürgerhand«, die sich in Freiburg gründete, als der Stromkonzern e.on seine Tochterfirma Thüga AG, die an über 90 Stadtwerken beteiligt war, aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen musste. Nach dem Vorbild der »Schönauer Stromrebellen« entstand eine Genossenschaft, die sich für den Kauf der Thüga bewarb. »Die Nachricht, dass es diese Initiative gibt, verbreitete sich nach kurzer Zeit bundesweit über die Netzwerke von Campact. Das hat enorm schnell Fahrt aufgenommen.«</p>
<p>Steffen beflügelt die Dynamik, er fährt nach Freiburg und lernt die Initiativgruppe kennen. Leider scheitert der Plan an komplizierten Verhandlungen mit den Stadtwerken, wo es zu viele Vorbehalte gegenüber dem Bürgerprojekt gibt. Steffen beeindruckt, dass die Initiative weitermacht – nach wie vor mit dem erklärten Ziel, die Atomkonzerne aus ihren Beteiligungen an Stadtwerken herauszudrängen. Das wurde zwar bisher nicht erreicht, doch die Initiative diente gewissermaßen als »Initialzündung«.</p>
<h4>Berliner Stromrebellen</h4>
<p>Als eine solche Möglichkeit in Berlin am Horizont erscheint, kochen zwei Frauen, Luise Neumann-Cosel und Arwen Colell, ein Jahr lang die Idee aus, die schließlich zur Gründung der ­BürgerEnergie Berlin eG führte. Inzwischen hatte Steffen Walter eine Weiterbildung als Projektentwickler für Energiegenossenschaften absolviert und schließt sich der Gruppe an. Auch beim Berliner Energietisch, der einen Gesetzentwurf zur Rekommunalisierung des Stromnetzes durchsetzen will, ist er eine Weile dabei. »Eine Zeitlang hofften wir, dass sich beide Kräfte, die Idee der Genossenschaft und die Idee der Rekommunalisierung, verbinden könnten. Aber die Strategien waren bei beiden Initiativen zu unterschiedlich«, klärt Steffen über den Zusammenhang auf. Hier prallen wieder einmal die Pole aufeinander: Markt oder Staat? Die einen sorgen sich, dass es auch bei einer Bürgergenossenschaft um Rendite gehen wird und die Aktion nur etwas für gut situierte Leute sein könnte, statt dass grundsätzlich über ein »Menschenrecht auf Stromversorgung« diskutiert wird. Die anderen haben keine Lust auf einen rein politischen Weg, sie wollen schneller handlungsfähig werden. Steffen möchte beide Lösungswege zusammendenken, beide Bereiche brauchen neue Spielregeln.</p>
<p>Die Spannung zwischen Detaildiskussionen für gangbare Lösungen im Hier und Jetzt und fernen Utopien für die Zukunft auszuhalten, ist nicht leicht. »Zwischendrin kommt die Angst vor der Größe. Als Perfektionist hatte ich früher oft Angst, neue Schritte zu gehen, weil ich dachte, ich kann es nicht, bin nicht gut genug. Da war die Angst, sich mit einer größenwahnsinnigen Idee zu zeigen«, überlegt Steffen. »Aber es gibt so etwas wie gesunden Größenwahn. Mit einer weit gesteckten Vision kann ich das Potenzial dieser Stadt heute ganz anders spüren. Dieses unbefangene Urvertrauen in die Fähigkeit, sich etwas Großes vorzustellen – darum geht es.«</p>
<p>Unbefangenheit ist eine zentrale Qualität des Spielens. Und sie ist ansteckend, zieht neue Mitspieler und Ideen an. »Was können wir außer Energie und Nahrung noch regional erzeugen?«, fragt sich Steffen in letzter Zeit immer wieder. Das ist die große Frage nach dem Weg in eine Postwachstumsökonomie.</p>
<p><em>Energiewende selbermachen:<br />
<a href="http://www.berliner-energietisch.net/" rel="external nofollow">www.berliner-energietisch.net</a><br />
<a href="http://www.buerger-energie-berlin.de/" rel="external nofollow">www.buerger-energie-berlin.de</a></em></p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/725-der_strom_gehoert_uns_allen.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 15/2012</a></p>
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		<title>Große Windkraftanlagen klimafreundlicher</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/06/22/grose-windkraftanlagen-klimafreundlicher/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 Jun 2012 12:09:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Ökobilanz untermauert Trend des wachsenden Rotordurchmessers Zürich (pte) — Windkraftanlagen beeinträchtigen das Klima umso weniger, je größer sie gebaut werden. Zu diesem Schluss kommen Forscher der ETH Zürich im Fachblatt »Environmental Science &#38; Technology«. »Bisher nahm man bloß an, dass größere Windkraftanlagen umweltfreundlicheren Strom erzeugen als kleine. Wir haben dies nun quantitativ bewiesen«, erklärt Studienleiterin Marloes [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Ökobilanz untermauert Trend des wachsenden Rotordurchmessers</h2>
<div id="attachment_5063" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/20120622001.jpeg" rel="lightbox[5061]"><img class=" wp-image-5063 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/20120622001.jpeg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Windkraft: Größe für Klima vorteilhaft, sagen Forscher (Foto: Flickr/de la Paz)</p></div>
<p>Zürich (pte) — Windkraftanlagen beeinträchtigen das Klima umso weniger, je größer sie gebaut werden. Zu diesem Schluss kommen Forscher der <a href="http://www.ifu.ethz.ch" target="_blank" rel="external nofollow">ETH Zürich</a> im Fachblatt »Environmental Science &amp; Technology«. »Bisher nahm man bloß an, dass größere Windkraftanlagen umweltfreundlicheren Strom erzeugen als kleine. Wir haben dies nun quantitativ bewiesen«, erklärt Studienleiterin Marloes Caduff im pressetext-Interview.</p>
<h4>Riesen im Vormarsch</h4>
<p>Schon in den vergangenen Jahrzehnten sind Windräder nicht nur mengenmäßig, sondern auch in ihren Baudimensionen ständig gewachsen: Erreichten die Anlagen 1980 gerade einmal 15 Meter Rotordurchmesser, werden Windanlagen heute bis zu zehnmal größer dimensioniert: Aktuell hält die Offshore-Anlage »Alstom Haliade 150″ vor Frankreichs Küste mit 150 Metern Durchmesser den Rekord, noch größere Objekte sind jedoch in Planung.</p>
<p>»Gemäß der ›economy of scale‹ wird Strom aus Windkraft umso billiger, je mehr man produziert. Wir wollten überprüfen, ob dieser Positiveffekt auch für die klimarelevanten Umweltfolgen gilt«, erklärt Caduff. Analysiert wurden existierende Studien zu zwölf Windrädern von 12,5 bis 90 Metern Höhe, deren Ökobilanz — von Produktion bis Betrieb und Entsorgung — die Forscher nach einer Harmonisierung der Daten verglichen.</p>
<h4>Günstiger dank Know-how</h4>
<p>Je größer die Anlage, desto nachhaltiger der produzierte Strom, so das Ergebnis. Zwei Hauptgründe führt Caduff dafür an: »Günstig wirkt erstens der Lerneffekt über die Jahre, was etwa das Material und die Form der Rotorblätter betrifft. Dieser Fortschritt erlaubt es zweitens, mehr Wind zu nutzen, ohne dass die Masse des Turmes oder der Generatorkopf proportional größer werden«, erklärt die Forscherin.</p>
<p>Ins Gewicht fällt in der Ökobilanz vor allem der Stahl für den Turm, das Glasfaser-Plastik, der Chromstahl für den Generatorkopf sowie der Beton für das Fundament. Eine Extrapolierung der Daten für noch größere Windräder sei laut Caduff nicht zulässig, immerhin könnten jedoch Anlagenbetreiber die Berechnungen für eine erste Abschätzung der Umweltwirkung ihrer eigenen Generatoren nutzen, indem sie diese in Durchmesser und Höhe einordnen.</p>
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		<title>Plastiktüten-Aus</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/26/plastiktuten-aus-in-los-angele-eu-will-nachziehen/</link>
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		<pubDate>Sat, 26 May 2012 08:39:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Verbot durch EU-Kommission innerhalb eines Jahres erwartet Los Angeles/Berlin (pte) — In Los Angeles sind ab 2014 Plastiktüten in Geschäften verboten. Wenngleich die deutschsprachigen Länder bisher nicht erreicht haben, was der Stadtrat der zweitgrößten US-Metropole am gestrigen Mittwoch beschloss, gibt es in der EU sehr wohl Vorzeichen für ähnliche Regelungen. »Nachdem bereits 2011 eine entsprechende [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Verbot durch EU-Kommission innerhalb eines Jahres erwartet</h2>
<div id="attachment_4938" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/519109_web_R_K_B_by_Ralph-Aichinger_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4937]"><img class=" wp-image-4938  " title="Plastiksackerl" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/519109_web_R_K_B_by_Ralph-Aichinger_pixelio.de_-225x300.jpg" alt="" width="200" height="267" /></a><p class="wp-caption-text">Plastiktüte: Baldiges Ende in der EU in Reichweite, Foto: Ralph Aichinger / pixelio.de</p></div>
<p>Los Angeles/Berlin (pte) — In Los Angeles sind ab 2014 Plastiktüten in Geschäften verboten. Wenngleich die deutschsprachigen Länder bisher nicht erreicht haben, was der Stadtrat der zweitgrößten US-Metropole am gestrigen Mittwoch beschloss, gibt es in der EU sehr wohl Vorzeichen für ähnliche Regelungen. »Nachdem bereits 2011 eine entsprechende Konsultation zum Plastiktaschenverbot lief, dürfte ein Entscheid der EU-Kommission darüber schnell kommen — noch dieses Jahr oder 2013″, erwartet Rüdiger Rosenthal, Sprecher der Umweltorganisation <a href="http://bund.net" target="_blank" rel="external nofollow">BUND</a>, im pressetext-Interview.</p>
<h4>Deutschland im Hintertreffen</h4>
<p>Die Bewohner von Los Angeles müssen nach der Übergangszeit eigene Taschen zum Einkauf bringen oder zehn Cent für eine Papiertüte bezahlen, besagt die neue Regelung, von der 7.500 Geschäfte betroffen sein sollen. Pionier ist die Millionenstadt am Pazifik damit nicht: Auch andere kalifornische Städte — darunter San Francisco im Jahr 2007 — haben diesen Schritt gewagt. Auch in Frankreich, Ruanda, Tansania, in Teilen Australiens und sogar Indien gibt es Gesetze gegen Tragetaschen aus Plastik. Einschränkungen bezüglich des Materials gibt es in China seit 2008 sowie in Italien seit 2011.</p>
<p>In Deutschland kommen laut Schätzungen jedes Jahr fünf Mrd. Plastiktüten auf den Markt, wobei dabei die abreißbaren Supermarkt-Plastiktüten etwa für Obst noch gar nicht mitgezählt sein dürften. Anläufe der Grünen, ein Verbot in Hamburg und Köln umzusetzen, scheiterten bisher. Bessere Chancen hat derzeit die EU-weite Regelung. »Der europäische Binnenmarkt erschwert Vorstöße einzelner Staaten. Mögliche Instrumente einer schrittweisen Umsetzung wären das Verbot der kostenlosen Abgabe von Plastiktüten sowie eine Besteuerung der Ausgangsmaterialien wie bei der Mineralölsteuer«, schlägt BUND-Sprecher Rosenthal vor.</p>
<h4>Meere voller Plastik</h4>
<p>Das Problem der Plastiktüten: Nach minutenlanger Benutzung belasten sie oft jahrzehntelang die Umwelt. Für das Entsorgungsproblem muss man nicht den pazifischen Müllstrudel bemühen, da auch das Mittelmeer oder die Nordsee betroffen sind. In Letztere werden laut Expertenschätzungen jährlich 20.000 Tonnen Kunststoff gekippt. Die Rechnung bezahlen die Meeresbewohner und deren Nahrungskette: Laut Forschern der Uni Kiel befinden sich im Magen jedes an der Nordseeküste tot aufgefundenen Vogels im Schnitt 29 Plastikpartikel. Das deutsche Umweltbundesamt zählt 13.000 dieser Partikel pro Quadratkilometer Meeresfläche.</p>
<h4>Alternativen: Textil ja, Biokunststoff nein</h4>
<p>Ökologisch keine Alternative sind Tüten aus Bioplastik, die Rosenthal als »reine Verbrauchertäuschung« bezeichnet: »Sie erfüllen das umweltfreundliche Versprechen nicht.« In Ermangelung eigener Rücknahmesysteme landen Bioplastik-Tüten meist im Hausmüll und werden folglich verbrannt, während sie für die Biotonne gar nicht geeignet sind: Ihr Abbau ist zu langsam, was etwa Kompost-fressende Tiere gefährdet. Schwerer wiegt aber wohl der Kritikpunkt, dass Kunststoffe aus Pflanzenbasis über den gesamten Lebenszyklus betrachtet ebenso schädlich sind wie Erdöl-Plastik.</p>
<p>»Plastiktüten sind eindeutig die schlechteste Art der Verpackung. Günstiger sind Stofftaschen, die über Monate oder sogar Jahre wiederverwendet und dann dem Recycling zugeführt werden können«, betont der BUND-Sprecher. Auch Papiertüten seien eine Alternative, sofern sie nach Verwendung dem Altpapier zugeführt werden. »Am wichtigsten ist bei allen Maßnahmen das Umdenken — weg von der heute oft noch vorherrschenden Wegwerfmentalität und hin zu einem Denken in Kreisläufen. Dieser Wandel erfordert viel Kommunikation, wobei ihm Gesetze und Kosten Nachdruck verleihen.«</p>
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		<title>Novum: Gesellschaft braucht weniger Straßen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/09/novum-gesellschaft-braucht-weniger-strassen/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 14:14:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mobilität]]></category>
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		<description><![CDATA[Verkehrsplanung reagiert auf Stagnieren der Mobilität Karlsruhe (pte) — Die Zeit des ständigen Ausbaus des Straßennetzes ist vorbei, denn künftig ist eher der Rückbau bestehender Verkehrsinfrastruktur ein Thema. Die demografische Entwicklung und der Klimaschutz werden den Verkehr deutlich verändern, betonen Experten anlässlich der Jahrestagung der deutschen verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft DVWG, die unter dem Motto »Strukturwandel und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Verkehrsplanung reagiert auf Stagnieren der Mobilität</h2>
<div id="attachment_4870" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/560866_web_R_by_Andreas-Dengs-www.photofreaks.ws_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4867]"><img class=" wp-image-4870 " title="Leere Autobahn: Mobilität stark im Wandel, zeigen Experten " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/560866_web_R_by_Andreas-Dengs-www.photofreaks.ws_pixelio.de_-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Andreas Dengs, www.photofreaks.ws / pixelio.de</p></div>
<p>Karlsruhe (pte) — Die Zeit des ständigen Ausbaus des Straßennetzes ist vorbei, denn künftig ist eher der Rückbau bestehender Verkehrsinfrastruktur ein Thema. Die demografische Entwicklung und der Klimaschutz werden den Verkehr deutlich verändern, betonen Experten anlässlich der Jahrestagung der deutschen verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft <a href="http://dvwg.de" target="_blank" rel="external nofollow">DVWG</a>, die unter dem Motto »Strukturwandel und Strategien für die Mobilität 2030″ steht.</p>
<h4>Weniger Autokilometer</h4>
<p>»Die Planung von Verkehrsinfrastruktur muss um Jahrzehnte vorausdenken«, legt Peter Vortisch, Leiter des Instituts für Verkehrswesen am Karlsruher Institut für Technologie (<a href="http://www.ifv.kit.edu" target="_blank" rel="external nofollow">KIT</a>), im pressetext-Interview dar. Große Strukturmaßnahmen benötigen rund zehn Jahre für Diskussion und Planung und weitere fünf bis zehn Baujahre. »Zwar hat sich das Mobilitätsverhalten schon bisher über die Lebensabschnitte stets geändert, denn mit 20, 50 und 80 Jahren bewegt man sich jeweils deutlich anders. Während der Ausgleich von Geburten– und Sterbezahlen stets die Waage hielt, ist das nun erstmals nicht mehr der Fall.«</p>
<p>Die neue Situation stellt Annahmen zur Mobilität auf den Kopf. »Erstmals steigt die täglich zurückgelegte Strecke nicht mehr und hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland bei rund 40 Kilometern pro Kopf eingependelt. Zwar nehmen die Kfz-Anmeldungen weiter zu, doch gefahren wird weniger«, erklärt Vortisch. Am radikalsten ist der Umbruch bei den unter 30-Jährigen, wo das Auto an Stellenwert verliert. Die Grundthese, dass stets neue Straßen und Autobahnen nötig sind, gilt somit nicht mehr.</p>
<h4>Autobahn-Rückbau als Option</h4>
<p>Der Klimawandel und die begrenzte Erdöl-Verfügbarkeit erfordern zusätzlich ein Hinterfragen bisheriger Mobilitätskonzepte. Elektromobilität bietet hier eine Lösung, sofern sie mit Strom aus zusätzlichen erneuerbaren Energiequellen gespeist wird. »Mobilität und Energie werden künftig noch enger verknüpft sein, zumal Autoakkus ideale Speicher für in der Nacht erzeugten Windstrom wären«, legt der Karlsruher Verkehrsexperte dar. Deutschland droht seinen Anschluss an die Elektromobilität jedoch zu verpassen, wie aktuelle Studien zeigen.</p>
<p>Für die Infrastruktur wird der Trend jedenfalls Folgen haben, betont Vortisch »Bei manchen Teilabschnitten von Autobahnen ist ein Rückbau zu überlegen, andere geplante Projekte wie etwa die zweite Rheinbrücke in Karlsruhe sind stark in Diskussion gekommen.« Eindeutig sei weiterhin der Trend in Richtung der Stadt der kurzen Wege. »In der Autobegeisterungsphase trennte man in der Stadtplanung die Bereiche für Wohnen, Arbeit und Freizeit. Man ist davon abgekommen — nicht nur aufgrund der Stau– und Klimaproblematik: Längst herrscht auch Konsens darüber, dass eine lebenswerte Stadt nutzungsgemischt gestaltet ist«, so der Experte.</p>
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		<title>Artenvielfalt für Produktivität von Pflanzen nötig</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/04/artenvielfalt-fur-produktivitat-von-pflanzen-notig/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 08:32:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
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		<description><![CDATA[Verlust so gefährlich wie Klimawandel und Umweltverschmutzung Bellingham/Göttingen (pte) — Der Verlust von Arten wirkt sich für viele Dienstleistungen der Natur ähnlich drastisch aus wie der Klimawandel oder die Umweltverschmutzung. Das berichten Forscher aus den USA, Kanada und Schweden in der Zeitschrift »Nature«. »Manche glauben, der Wandel der Biodiversität sei im Vergleich mit anderen Umweltproblemen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Verlust so gefährlich wie Klimawandel und Umweltverschmutzung</h2>
<div id="attachment_4794" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/579780_web_R_K_B_by_Salih-Ucar_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4790]"><img class=" wp-image-4794 " title="Blatt: Pflanzen hängen empfindlich von Zahl der Arten ab" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/579780_web_R_K_B_by_Salih-Ucar_pixelio.de_-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Salih Ucar / pixelio.de</p></div>
<p>Bellingham/Göttingen (pte) — Der Verlust von Arten wirkt sich für viele Dienstleistungen der Natur ähnlich drastisch aus wie der Klimawandel oder die Umweltverschmutzung. Das berichten Forscher aus den USA, Kanada und Schweden in der Zeitschrift »Nature«. »Manche glauben, der Wandel der Biodiversität sei im Vergleich mit anderen Umweltproblemen harmlos. Tatsächlich gefährdet der Artenverlust die Pflanzenproduktion aber gleich stark wie die globale Erwärmung«, sagt Studienleiter David Hooper von der <a href="http://wwu.edu" target="_blank" rel="external nofollow">Western Washington University</a>.</p>
<h4>Zersetzer und Wachstum</h4>
<p>Die Wissenschaftler durchforsteten 192 Studien, die den Einfluss verschiedener Umweltgefahren auf das Wachstum der Pflanzen sowie auf die Zersetzung abgestorbener Biomasse durch Bakterien und Pilze untersuchten. Das Ergebnis: Verschwindet jede fünfte Art im Ökosystem, sind die Auswirkungen auf die Pflanzenwelt vernachlässigbar. Liegt die Verlustrate bei 21 bis 40 Prozent, hemmt dies allerdings das Pflanzenwachstum um fünf bis zehn Prozent, ähnlich wie die Folgen des Klimawandels oder des Verlustes der Ozonschicht. Noch höherer Artenverlust entspricht gar den Folgen einer Giftmüll-Deponie in Wäldern.</p>
<h4>Vielfalt gleich wichtig wie Vielzahl</h4>
<p>»Artenverlust wirkt sich auf zwei zentrale Mechanismen der Ökologie aus: Auf Komplementarität und Redundanz«, erklärt Teja Tscharntke, Agrarökologe an der <a href="http://www.agroecology.uni-goettingen.de" target="_blank" rel="external nofollow">Universität Göttingen</a>, im pressetext-Interview. Die meisten Aufgaben der Natur erfordern nicht nur viele Individuen, sondern auch viele Arten, da jede Spezies einen anderen Job erfüllt. »Pflanzen wurzeln etwa in unterschiedlicher Tiefe oder zeigen andere Blattbedeckung. Je unterschiedlicher die Arten, umso produktiver ist das Ökosystem, da Nährstoffe der einzelnen Bodenschichten oder das Sonnenlicht besser genutzt werden.«</p>
<p>Ebenso bevorzugen auch Zersetzer völlig unterschiedliche Laubtypen oder Bienenarten verschiedene Blumenhöhen und –arten. Welche Folgen der Verlust komplementär arbeitender Individuen hat, sieht man in der Landwirtschaft besonders deutlich, wie Tscharntke darlegt. »Schädlinge wie etwa Getreideblattläuse haben eine Vielzahl von Gegenspielern wie etwa Marienkäfer, Schwebfliegen oder Schlupfwespen, die jeweils auf andere Teile der Population reagieren. Fallen diese Räuber weg, kann man den wirtschaftlichen Schaden kalkulieren.«</p>
<h4>Doppelung als Versicherung</h4>
<p>Weit schwieriger zu erforschen, jedoch ähnlich folgenreich ist die mit dem Artenschwund abhanden kommende Redundanz. »Zur Erfüllung jeder ökologischen Funktion sind meist nur wenige Arten nötig, die anderen spielen scheinbar keine Rolle. Das täuscht jedoch — denn auch wenn Arten dasselbe tun, kommen sie minimal anders mit kleinräumigen Veränderungen der Umwelt in Raum und Zeit zurecht«, sagt der Göttinger Biodiversitätsforscher. Dass jede einzelne Pflanzenart einer Blumenwiese seine Funktion hat, konnte Tscharntke mit seinem Team unlängst nachweisen.</p>
<h4>Warnsignal an Politik</h4>
<p>Die Studienautoren deuten ihre Ergebnisse als Warnsignal an die Politik, dass der Verlust der Biodiversität dieselbe Beachtung verdient wie andere Umweltprobleme. Die soeben erfolgte Gründung des UN-Biodiversitätsrates <a href="http://ipbes.net" target="_blank" rel="external nofollow">IPBES </a>mit Sitz in Bonn soll hier zur Bewusstseinsschärfung beitragen. Der Erhalt der Biodiversität berührt letztlich auch die Ernährungsfrage, ruft Tscharntke in Erinnerung. »70 Prozent der wichtigsten Nutzpflanzen und ein Drittel der weltweiten Nahrungsproduktion werden von der natürlichen Bestäubungsleistung beeinflusst.«</p>
<p>Abstract zur Originalstudie unter <a href="http://bit.ly/IGkwPF" rel="external nofollow">http://bit.ly/IGkwPF</a></p>
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		<title>Altmodisch und erfahren</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/02/27/altmodisch-und-erfahren/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 15:37:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
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		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
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		<category><![CDATA[Selbstversorgung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie eine Lebensmittelkooperative aus den 80er Jahren bis heute floriert. Seit achtundzwanzig Jahren gibt es die Bremer Lebensmittel­kooperative »Maiskolben«. Sie bringt Stadt und Land näher zusammen und erfreut sich auch heute noch regen Zuspruchs: der Anteil junger Leute steigt, und die vegane Fraktion wächst. Tomaten setzen ist gar nicht so einfach. Sieben Mitglieder der Lebensmittelkooperative [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Wie eine Lebensmittelkooperative aus den 80er Jahren bis heute floriert.</h2>
<div id="attachment_4543" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/image1_hires.jpg" rel="lightbox[4541]"><img class=" wp-image-4543 " title="Kooperative Maiskolben in Bremen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/image1_hires-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: www.sebastian-burger.de</p></div>
<p><em>Seit achtundzwanzig Jahren gibt es die Bremer Lebensmittel­kooperative »Maiskolben«. Sie bringt Stadt und Land näher zusammen und erfreut sich auch heute noch regen Zuspruchs: der Anteil junger Leute steigt, und die vegane Fraktion wächst.</em></p>
<p>Tomaten setzen ist gar nicht so einfach. Sieben Mitglieder der Lebensmittelkooperative »Maiskolben« aus Bremen verabreden sich zu einem Pflanzeinsatz zwanzig Kilometer vor den Toren der Stadt. Für alle ist es das erste Mal. »Ich bin seit zehn Jahren im Maiskolben, hatte es aber zuvor nie in den Salatgarten zu Beate geschafft«, gibt eine von ihnen zu. Der »Salatgarten« ist der Demeter-Feingemüsebetrieb von Beate Hübener-Schröder, und der Tag in ihrem Gewächshaus wird für alle lehrreich werden.</p>
<p>Die Schwindelfreien klettern auf hohe Leitern und binden Strippen an die Metalldrähte, die unter dem Dach des Kaltgewächshauses entlangführen. Am Boden graben die anderen. Alle halbe Meter heben sie ein Pflanzloch aus, in jedes kommt eine Schaufel Mischkompost, der zum einmaligen Geschmack der Tomaten beiträgt. Bea­te ist Betriebsleiterin für biologisch-dynamischen Landbau. Sie erklärt die Arbeitsschritte, informiert über Tomatenzucht und serviert Kuchen und Suppe. Vierhundert Pflanzen haben die sieben Leute am Abend eingesetzt. Zum Abschluss wickeln sie den Haupttrieb der vorgezogenen Pflänzchen die Strippen hinauf. »Hübsch sieht es aus, dieses Geflecht«, freuen sich die Laien. Besonders genossen hat es der kleine Theo, der stundenlang über die Furchen krabbelte. Sein Mund ist mit Erde beschmiert.</p>
<p>»Ohne diese jährliche Pflanzhilfe könnte ich die gewünschte Menge an Tomaten für den Maiskolben gar nicht produzieren«, sagt Beate. Ihre Tomaten sind von Juli bis November im Laden der Verkaufsschlager. Und auch die anderen Läden, die sie beliefert, verlangen nach den Tomaten. »Meine Haferwurzeln hingegen blieben ewig liegen«, wundert sich die Gärtnerin, die jedes Jahr ein anderes »altes« Gemüse anpflanzt. »Es dauerte lange, bis die Leute im Maiskolben sie annahmen, obwohl sie besser schmecken als Schwarzwurzeln.« An die Speisemelde hat sich Dörte Fichtner, Lehrerin und Lerntrainerin und erst seit einem halben Jahr Coop-Mitglied, schon gewöhnt. Sie stapelt sie inzwischen statt Spinat in ihre Lasagne und findet den Geschmack würziger. Insgesamt liefert Beate über zwanzig Sorten Feingemüse, zwanzig Sorten Salat und fünfundzwanzig verschiedene Kräuter an den Maiskolben. »Ich habe immer im Hinterkopf, dass der Maiskolben eine gute Rundumversorgung braucht.«</p>
<p>Der Maiskolben legt seit jeher Wert auf den Kontakt mit den Produzentinnen und Produzenten auf dem Land. Früher wurde noch viel mehr hinausgefahren und geholfen. 1993 pachtete der Maiskolben sogar einmal eine Kuh. Doch die Zeiten des großen Engagements sind vorbei. Heute klappen gemeinsame Landpartien eher selten. Neben Beates Tomatenaktion im Mai findet im Oktober das Sauerkrautfest beim zweiten Direktproduzenten des Maiskolbens statt, dem Demeterhof von Antje, Volker und Axel Bielenberg. »Wir haben sechzig Welsh-Black stehen, robuste Fleischrinder, für die wir selbst Futter anbauen«, erklärt Axel Bielenberg. Außerdem wird dort Gemüse gezogen. Familie Bielenberg beliefert die Coop bereits seit elf Jahren mit Kartoffeln, Eiern, Fleisch und Grobgemüse, wie Möhren, Lauch, Sellerie, Steckrüben und verschiedenen Kohlsorten. Beim Sauerkrautfest dürfen alle, die zum Helfen gekommen sind, nebenbei auch ihr eigenes Kraut schneiden und einlegen. Ein paar Wochen darauf gelangen Tüten mit fertigem Sauerkraut in den Maiskolben. Wer fürs Selbermachen keine Zeit hatte, kann das Gesäuerte dann fertig kaufen. »Wir beliefern auch andere Läden und Marktstände. An den Maiskolben könnten wir weit mehr abgeben«, meint Bauer Axel.</p>
<p>»Sie schmecken wie Frucht und Gemüse zugleich«, schwärmt eine Kundin im Laden und steckt sich eine kugelrunde Tomate in den Mund. »Sie sind knackig und haben die ideale Größe für den schnellen Biss.« Dörte Fichtner öffnet gerade eine Kiste mit Paprika. Sie wartet auf ihre Mithelferin, denn alleine ist ein Ladendienst kaum zu schaffen. Die Ware, die vorher von den Lieferantinnen und Lieferanten im Laden abgestellt wurde, muss durchgezählt werden. Dann wird der Preis ausgerechnet, das ist der Lieferpreis plus ein kleiner Aufpreis für eventuelle Verluste. Alles wird ordnungsgemäß aufgeschrieben und aufgestellt. »Nur viermal die Woche ist unser Laden für ein paar Stunden zur Warenverteilung geöffnet. Da ist manchmal die Hölle los«, meint Lehrerin Fichtner. »Es hat Mühe gekostet, mich auf die wenigen Öffnungszeiten einzustellen. Dann folgte aber sehr schnell, dass ich gar nichts mehr im Supermarkt kaufte.« Da alles selbst gemacht wird, ist es hier billiger als in anderen Bioläden.</p>
<h4>Genuss ohne Gewinn</h4>
<p>Im Maiskolben wird die Ware bezahlt wie in normalen Geschäften, das Geld wird aber direkt weitergereicht in die Hände der Bäuerinnen und Bauern – der Maiskolben macht keinen Gewinn. Sieben Kleingruppen bilden den Kern der Coop, auf sie sind alle Mitglieder verteilt. Wer »aktiv« ist, und das sind die meisten, übernimmt regelmäßig Laden– und Putzdienste. Wer zu viel Stress hat, kann für eine Weile »passiv« werden und zahlt dafür etwas mehr. Es gibt sogar eine Art Dienstplan, eine Liste mit Öffnungszeiten und Putzterminen, die per E-Mail verschickt wird. Der Plan liegt auch vor Ort aus. »Einige haben keinen Computer, sie holen sich die Infos im Laden ab.« Dörte Fichtner hilft außerdem regelmäßig beim Auspackdienst. »Während wir die über den Großhandel bestellten Trockenprodukte auspacken, unterhalten wir uns über Koch­rezepte. Das Kommunikative ist das Beste, das macht für mich den größten Reiz des Ladens aus.«</p>
<p>Der Maiskolben zog ein Jahr nach Gründung 1983 in einen Eckladen in der Bremer Neustadt. Selbstorganisation war von Anfang an für alle das Hauptkriterium. Früher gehörten die Räume zu einer Metzgerei, die alten Fenster und hübschen Kacheln wurden nie ersetzt. Ein kunstvolles Buntglasschild mit dem Namenszug »Maiskolben« hängt im Schaufenster. Ist es der vegetarisch-veganen Fraktion unangenehm, dass es an diesem Ort früher nur Fleisch gab und heute noch ein Kühlschrank mit Fleischwaren gefüllt ist? »Hier ist alles säuberlich getrennt. Wir haben auch einen Kühlschrank für vegane Produkte und zwei für Milchprodukte«, erzählt Dörte. Aus den Fleischer­ladenzeiten stammt der kühle Tiefkeller. In den beiden oberen Verkaufsräumen stehen Regale mit Trockenprodukten, daneben vier Kühlschränke und eine Käsetheke, im mittleren Keller ein Gefrierschrank. Der Tiefkeller dient der Kühlung von Gemüse und Obst. Dörtes Dienst ist beendet, sie schleppt die Kisten hinunter. Die Kunst der Kühlpflege hat sie wie alle irgendwann gelernt. Je nach Gemüse muss unterschiedlich feucht abgedeckt werden. Wie, steht auf diversen Schildern an der Wand.<br />
<strong></strong></p>
<h4>Alles wirkt chaotisch und klappt doch</h4>
<p>Gärtnerin Beate und die Bielenbergs kommen einmal im Jahr zur Hauptversammlung oder auf eine der monatlichen Mitgliederversammlungen. Dort wird erzählt, was gut und was schlecht läuft. Zur Versammlung schicken alle Kleingruppen Delegierte. Beate Hübener-Schröder erwähnt auf einer Versammlung, dass sie den Maiskolben schon seit fünfundzwanzig Jahren beliefert. »Wie wäre es im Herbst mit einem Fest bei mir draußen zur Feier unserer Zusammenarbeit?« Beates Vorschlag wird angenommen. Eine Liste wird aufgehängt, damit sich einträgt, wer kommen möchte. Bis zum Tag vor dem Termin stehen darauf nur drei Personen. »Bis zuletzt wusste Beate nicht, wieviele sie erwarten kann und ob auch alle etwas zu Essen mitbringen«, erzählt ein Uraltmitglied. Schließlich erschienen die Mitglieder doch zahlreich. Das sei typisch für den Maiskolben: »Alles wirkt erstmal chaotisch, dann klappt es doch.«</p>
<p>»Das Fest bei Beate war wunderschön«, schwärmt Dörte Fichtner. »Erst stürzten wir uns auf das Kuchenbuffet im Gewächshaus, dann bin ich noch durch den gigantischen Tomatenwald geschlichen. Wieder roch es nach Tomaten und Dung. Später aßen wir auf der Wiese vor Beates Blumenbeet, viele hatten etwas zu essen mitgebracht. Dann erklärte sie uns, wie sie ihr Gemüse anbaut. Ich war erstaunt, dass sie für all unser Gemüse nur einen halben Hektar bewirtschaftet.« Abends zündeten die Gäste aus der Stadt ein Lagerfeuer an, und einige machten Musik. Manche hatten zum Übernachten Zelte mitgebracht.</p>
<p>Beate könnte von den achtzig Hektar des schwiegerelterlichen Hofs mehr für ihren Salatgarten nutzen, schafft es aber zeitlich nicht. »Eines Tages könnte hier auf dem Hof meines Mannes ein echter CSA-Hof entstehen.« Noch wird der Großteil konventionell bewirtschaftet, die Ställe sind verpachtet. »Aber für die Zeit, wenn mein Mann in Rente geht, habe ich schon einen Interessenten. Ich will dann noch ein paar Jahre mit ihm im CSA-System mitmachen. Wenn es klappt, bis zu meiner eigenen Rente«, sagt die 53-Jährige. Sie ließ sich in den vergangenen Jahren von vielen Gemeinschaftshöfen nach dem Modell der »Community Supported Agriculture« im In– und Ausland inspirieren. »Zwischendurch war ich mit meinem kleinen Salatgarten regelrecht verzweifelt, weil ich mich mit der Gemüsewirtschaft so allein fühlte und auf keinen grünen Zweig kam. Seit ich 2001 in die Lehrtätigkeit der freien Ausbildung für biologisch-dynamischen Landbau geraten bin, geht es mir ein wenig besser.« Eine komplette staatliche Ausbildung für biologischen Landbau gibt es in Deutschland noch nicht. Die vom Demeter-Verband durchgeführte Ausbildung mit staatlich anerkanntem Betriebsleiterinnen-Status läuft zur Zeit nur in Zusammenarbeit mit den Niederlanden. Bisher ließ sich niemand vom Maiskolben zur Biobäuerin oder zum Biobauern ausbilden. Dafür gingen im vergangenen Sommer Schulpraktikantinnen aus dem Maiskolbenumfeld für ein paar Wochen in den Salatgarten.</p>
<p>Könnte sich der Maiskolben mit CSA auf eine von Verbauchern und Produzenten gemeinschaftlich getragene Bewirtschaftung einstellen? Das wurde noch nicht diskutiert, und eine Entscheidung wird auf sich warten lassen. Denn eine Konflikt­linie im Laden läuft entlang der Entscheidungsstrukturen. Seit ein paar Jahren gilt das Konsensprinzip. Und das ist vielen zu langwierig. Warum, so steht in einem Protokoll zu lesen, wird alles rauf und runter besprochen, nur um später erneut diskutiert zu werden?</p>
<p>Dennoch werden Regionalität und Produktpalette bald wieder Thema sein. Auf der vergangenen Jahreshauptversammlung bemängelte die Person, die die Bilanzen ausrechnet, dass immer weniger Frischware aus Direktbezug im Laden umverteilt wird. Der Rest kommt vom Bio­­großhandel. ­Darin sind sechs landwirtschaftliche Betriebe aus der Umgebung Bremens organisiert, insofern ist auch diese Ware regional – ein Grundprinzip des Maiskolbens. Über den Großhandel kann allerdings auch überregionale Ware bestellt werden, wie Zitrusfrüchte oder Auberginen im Winter.<br />
<strong></strong></p>
<h4>Wie regional, wie saisonal?</h4>
<p>Vor vielen Jahren wurde ausführlich diskutiert, wieviele Produkte aus Übersee akzeptiert werden. Der Kompromiss: Pro Woche darf jedes Mitglied vier überregionale Lebensmittel ordern. Außerdem sollen wegen der Kinder und der Vitamine immer Bananen und Zitronen vorrätig sein. Zur Erleichterung der anstehenden Diskussionen brachte jemand die Technik der Handzeichen ins Spiel. Gesten statt Worte ist da das Prinzip. Zur Einführung gab es vor einer Mitgliederversammlung schon mal einen »Wedelworkshop«. Vielen sind die Handzeichen fremd, sie finden sie überflüssig.</p>
<p>Trotz aller Konflikte geht der Maiskolben nicht baden. Warum, das kann niemand so genau sagen. Von den Allerersten ist niemand mehr da, die Mitgliederzahl ist beständig im Fluss. Nur zwei, drei Leute beteiligen sich seit über zwanzig Jahren am Maiskolben. Vielleicht reizt gerade das: Wer mag, wird nett aufgenommen und kann jederzeit neue Ideen einbringen. Wer nicht mehr mag, kann sich ohne Drama verabschieden. Das Ergebnis: Viele kommen, viele gehen. Das Wissen bleibt.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin OYA — anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/598-Altmodisch_und_erfahren.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 12/2012</a></em></p>
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		<title>Agrartechniker verwandeln Pferdemist in Strom</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 13:45:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Biogas-Rohstoff reduziert CO2-Emissionen um eine Mio. Tonnen Hohenheim (pte) — Forscher der Universität Hohenheim haben einen Kniff entdeckt, wie große Mengen Pferdemist in Biogasanlagen zur Energieerzeugung genutzt werden können. »Kleine Mengen von Pferdemist werden bereits verarbeitet. Unser Ziel ist es, in Zukunft einige Biogasanlagen allein mit Pferdemist zu betreiben«, sagt Hans Oechsner von der Landesanstalt für [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Biogas-Rohstoff reduziert CO2-Emissionen um eine Mio. Tonnen</h2>
<div id="attachment_4539" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/42905_web_R_by_Uwe-Steinbrich_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4536]"><img class=" wp-image-4539 " title="42905_web_R_by_Uwe Steinbrich_pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/42905_web_R_by_Uwe-Steinbrich_pixelio.de_-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Uwe Steinbrich / pixelio.de</p></div>
<p>Hohenheim (pte) — Forscher der <a href="http://uni-hohenheim.de" target="_blank" rel="external nofollow">Universität Hohenheim</a> haben einen Kniff entdeckt, wie große Mengen Pferdemist in Biogasanlagen zur Energieerzeugung genutzt werden können. »Kleine Mengen von Pferdemist werden bereits verarbeitet. Unser Ziel ist es, in Zukunft einige Biogasanlagen allein mit Pferdemist zu betreiben«, sagt Hans Oechsner von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim gegenüber pressetext.</p>
<h4>400 Mio. Liter Heizöl sparen</h4>
<p>Deutschlands Rösser könnten 400 Mio. Liter Heizöl sparen. »Pferdemist ist in Ballungsgebieten durchaus ein Problem, er kann nicht richtig entsorgt werden«, sagt Oechsner. Als Dünger ließ er sich bislang nur eingeschränkt verwenden. Biogasanlagen verkraften ihn zurzeit nur in geringen Mengen. Die Forscher haben nun herausgefunden, dass man bei optimaler Vergärung jährlich etwa 400 Mio. Kubikmeter Methan erzeugen könnte. Damit ließen sich über 400 Mio. Liter Heizöl einsparen.</p>
<p>Vorteil für die Umwelt: Die CO2-Emissionen könnten sich um eine Mio. Tonnen reduzieren. Die Nachfrage nach Bioenergie aus Energiepflanzen steigt in der Bundesrepublik seit Jahren. Die Folge: Anbauflächen werden langsam knapp und die Landwirte bewirtschaften sie immer intensiver. Gleichzeitig leben auf Deutschlands Reiterhöfen rund 550.000 Pferde. Zusammen produzieren sie jährlich rund 4,5 Mio. Tonnen Mist. »Wenn das alles in Biogasanlagen vergärt wird, bräuchten wir 80.000 Hektar Ackerland weniger für den Anbau von Energiepflanzen.«</p>
<h4>Querstromzerspaner notwendig</h4>
<p>»Pferdemist findet bisher kaum Verwendung«, sagt Oechsner weiter. »Er eignet sich nur bedingt als Dünger und muss deshalb oft kostenpflichtig entsorgt werden.« Das Problem am Pferdemist sei die große Menge Stroh darin. »Sie bewirkt, dass der Mist in der Biogasanlage auf der übrigen Biomasse schwimmt«, erklärt der Agrartechniker. Die Vorbehandlung erledigt ein Querstromzerspaner, eine Maschine, die normalerweise bei der Abfallverwertung eingesetzt wird.</p>
<p>»Das ist im Prinzip ein großer Küchenmixer«, so Matthias Mönch-Tegeder von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie. »Nach dem Mixen haben wir mundgerechte Stückchen für die Mikroorganismen in der Biogasanlage.« Die Oberfläche des Pferdemistes vergrößert sich und verbindet sich gut mit dem übrigen Gärsubstrat im Fermenter. Eine positive Nebenwirkung: Der vergärte Pferdemist aus der Biogasanlage ist ein hervorragender Dünger.</p>
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