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	<title>OpenMindJournal &#187; Schattenarbeit</title>
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	<description>Das Online-Journal für den Wandel in Bewusstsein, Kultur und Technologie</description>
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		<title>Integrale Kommunikation</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2013 01:13:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kerstin Tuschik</dc:creator>
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		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
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		<description><![CDATA[Da ich in letzter Zeit immer wieder beobachten konnte, wie Kommunikation einerseits gelingen kann, andererseits aber auch scheitern, hier ein paar meiner Gedanken dazu: In verschiedenen Gruppen hatte ich das Vergnügen, eine besondere Art des (integralen) Dialogs kennenzulernen. Wer immer einen solchen Dialog schon erlebt hat, kennt vielleicht den Flow, den dieser in einer auf [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Da ich in letzter Zeit immer wieder beobachten konnte, wie Kommunikation einerseits gelingen kann, andererseits aber auch scheitern, hier ein paar meiner Gedanken dazu:<a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/02/Heart-shape-made-by-team-by-Ventrilock.jpg" rel="lightbox[5589]"><img class="alignright size-medium wp-image-5590" alt="" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/02/Heart-shape-made-by-team-by-Ventrilock-300x225.jpg" width="300" height="225" /></a></p>
<p>In verschiedenen Gruppen hatte ich das Vergnügen, eine besondere Art des (integralen) Dialogs kennenzulernen. Wer immer einen solchen Dialog schon erlebt hat, kennt vielleicht den Flow, den dieser in einer auf einen gemeinsamen Zweck ausgerichteten Gruppe erzeugen kann. Wenn man Glück hat und sich alle darauf einlassen und es eine wirkliche gemeinsame und von allen nicht nur gedachte, sondern gefühlte Ausrichtung gibt, kann so etwas wie ein Gruppen-Wesen zum Vorschein kommen, eine kollektive Intelligenz, ein einzigartiges Wir, das von lauter Einzigartigen Selbsten gebildet wird, diese einschließt und gleichzeitig übersteigt.</p>
<p>Dazu bedarf es neben der gemeinsamen Ausrichtung auch der Wertschätzung und Würdigung jedes Einzelnen, seiner/ihrer individuellen Gaben, Talente, Fähigkeiten und Stärken sowie manchmal auch der Berücksichtigung der individuellen Schwächen. Denn nur so kann es zu einer Verwirklichung des Potenzials eines Kollektivs kommen, das die Potenziale seiner Mitglieder einschließt und übersteigt.</p>
<p>So ist die Eine vielleicht besser in der schonungslosen Analyse der Gesamtsituation, der andere dafür in der behutsamen Kommunikation im Konfliktfall und der/die übernächste im Halten eines subtilen Raumes. Je nach Situation werden all diese Fähigkeiten benötigt, und es braucht die Bereitschaft der Einzelnen, sich einerseits zum richtigen Zeitpunkt damit zu zeigen und sich andererseits auch an den entsprechenden Punkten zurückzuhalten.</p>
<h4>Integraler Dialog macht Lust auf Mehr</h4>
<p>Nun ja, das Erleben des Flow-Zustands in der Gruppe macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Und so ist es nicht verwunderlich, dass wir nach Wegen suchen, diese Zustände zu ermöglichen, zu fördern und zu erleichtern.</p>
<p>Doch trotz bester Absichten aller Beteiligten, trotz gemeinsamer Ausrichtung auf einen gemeinsamen Zweck, trotz verhältnismäßig hohem Entwicklungsschwerpunkt aller Beteiligten gibt es in meiner Erfahrung immer wieder eine Menge Fallstricke, an denen Kommunikation scheitern kann. Und ich habe etliche davon – gerade auch in „Integralen Kreisen“ – immer wieder erlebt.</p>
<p>Dabei ist mir insbesondere ein Problem immer wieder ins Auge gestochen, und ich nenne das hier mal „Das Agieren aus verschiedenen Unterpersönlichkeiten heraus“.</p>
<p>Ich möchte hier bewusst darauf verzichten über Menschen zu sprechen, die aus taktischen Überlegungen heraus eine gute Kommunikation verhindern, die Informationen zurückhalten, Machtspiele spielen und versuchen, sich gegenüber anderen in ein gutes Licht zu setzen und die nicht davor zurückschrecken, dabei über die sprichwörtlichen Leichen zu gehen. All das gibt es natürlich, doch stellt es in meinem Umfeld die absolute Ausnahme dar.</p>
<p>Den meisten Menschen, mit denen ich es zu tun habe, ist an einer guten Kommunikation sehr gelegen. Es geht ihnen um das Beste für das Ganze. Sie sehnen sich danach, gemeinsam mit anderen einen wirklichen Beitrag zu leisten und möchten, dass es dabei fair, konstruktiv und effektiv zugeht.</p>
<h4>Warum gibt es dann doch so häufig Konflikte?</h4>
<p>Der Hauptgrund besteht für mich darin, dass – egal wie weit wir in unserer Entwicklung gekommen sein mögen – wir es immer wieder mit eigenen (und kollektiven und systemischen) Schattenanteilen zu tun haben. Und die bewirken, dass wir in einer gegebenen Situation nicht mehr aus unserem höchsten Bewusstsein agieren, sondern aus einer Teilpersönlichkeit heraus, die gewissermaßen in der Entwicklung stehengeblieben ist.</p>
<p>In meiner Erfahrung besitzen diese Teilpersönlichkeiten durchaus eine besondere Form der Intelligenz – nämlich die Gabe, beim Gegenüber genau die „Knöpfe zu drücken“, die sozusagen „heiß“ sind. Lässt sich das Gegenüber nun auf dieses „Spiel“ ein, erfolgt im nächsten Schritt meist ein gegenseitiges Triggern, bis schließlich – bildlich gesprochen – 2 oder mehr Kleinkinder im Sandkasten sitzen und mit ihren Förmchen werfen.</p>
<p>Und hey, ja, davor sind wir nicht gefeit, egal wie weit wir ansonsten schon entwickelt sein mögen.</p>
<h4>Öl ins Feuer</h4>
<p>Was dann insbesondere in „Integralen Kreisen“ mitunter noch Öl ins Feuer gießt, ist das folgende Verhalten:</p>
<ol>
<li>Ich verwechsele die Ebene, von der die Unterpersönlichkeit des anderen agiert, mit seinem Entwicklungsschwerpunkt, und werfe ihm/ihr das vor. So, nach dem Motto, jetzt zeigt sich endlich das „wahre Gesicht“ des anderen. Da kommen dann Aussagen wie „xy ist so rot, blau, grün“. Dass diese Aussagen selbst nicht gerade von einer hohen kosmischen Adresse stammen, entzieht sich aber dem eigenen Blick.</li>
<li>Ich stelle eine „Diagnose“ über den/die andere/n und werfe sie dem Gegenüber an den Kopf: Neben dem Einschätzen der Entwicklungshöhe ist hier besonders der Vorwurf beliebt, dass es sich wohl um ein Schattenthema handeln müsse. Egal wie richtig oder falsch diese Diagnose sein mag, so führt die Art und Weise, wie sie kommuniziert wird, meist nicht dazu, dass der/die andere sich öffnet und aus seinem/ihrem „Film“ befreit wird. Eher führt es zu weiteren Verstrickungen – ein wichtiges Zeichen dafür, dass dieser Vorwurf selbst möglicherweise aus einer weniger als integralen Unterpersönlichkeit stammt.</li>
<li>Ich fordere eine Integralere Kommunikation mit Verweis darauf, welch negative Auswirkungen das Kommunikationsverhalten des anderen auf einen gehabt hat. Auch dieses Einfordern geschieht natürlich aus guter Absicht. Und auch wenn man damit schnell die Klatscher auf seiner Seite hat, so habe ich bisher noch selten erlebt, dass dieses Vorgehen auf den ursprünglichen Konflikt eine segensreiche Wirkung entfaltet hat. Und ich habe das selbst oft genug ausprobiert…</li>
</ol>
<p>Was ich selbst durch oft schmerzhafte Erfahrung immer wieder lernen durfte – und immer noch lerne – ist, dass Integrale Kommunikation bei mir selbst beginnt und endet.</p>
<p>Wir alle kommunizieren so gut, wie wir eben unter den gegebenen Umständen gerade können. Und wenn wir getriggert sind, sind wir getriggert.</p>
<h4>Wir haben die Wahl – bis wir sie nicht mehr haben</h4>
<p>Und hier gilt das Paradox: Wir haben in jedem Moment die Wahl aus unserem „falschen Film“ auszusteigen. Die Integrale Landkarte hilft uns, dazu Wege zu finden – von der individuellen Schattenarbeit, der Arbeit mit einem Coach oder Mediator, dem bewussten Aussteigen aus der Unterpersönlichkeit und der Ausrichtung auf unsere Seele, unser Selbst, unsere Essenz (wie auch immer wir das nennen mögen) sowie auf den gemeinsamen Zweck der Kommunikation. Ja, wir haben diese Wahl – bis wir sie nicht mehr haben.</p>
<p>Einer meiner Lehrer (für nicht-direktive Pädagogik: Mauricio Wild) hat einmal gesagt:</p>
<h4>„Niemand verhält sich schlecht, wenn er sich gut fühlt.“</h4>
<p>Wenn also jemand gerade um sich schießt und die eigenen Schattenanteile ausagiert, so tut er oder sie das sicherlich nicht, weil er oder sie sich gut fühlt. Hätte er oder sie da eine Wahl, so würde er/sie doch wohl nutzen.</p>
<p>Und das gilt auch für uns selbst. Wie oft schon habe ich mich selbst beobachtet, wie ich hoffnungslos einen Aspekt ausagiert habe, sogar sehenden Auges, und konnte nicht aussteigen. Und wenn ich es irgendwann doch konnte, so war mir klar, dass es eben keinen Augenblick früher möglich war.</p>
<p>Eine solche Erfahrung macht bescheiden und ermöglicht Mitgefühl mit uns selbst und unserem Gegenüber.</p>
<p>Und allmählich merke ich, wie es mir immer öfter gelingt, mich nicht triggern zu lassen. Unabhängig davon, ob meine Wut eine berechtigte Reaktion als Abgrenzung gegen eine Grenzüberschreitung ist oder eine Reaktion aus einer alten Verletzung heraus, die mit der jetzigen Situation nur wenig zu tun hat – und aus meiner Sicht erkennt man den Unterschied meist daran, dass im ersteren Fall die Wut sofort verraucht, indem man innerlich die eigenen Grenzen wieder herstellt und klar agiert, während im 2. Fall die Wut immer neue Geschütze auffährt, mit denen sie das Gegenüber ins Unrecht setzen will – schaffe ich es immer öfter in meine eigene Ausrichtung zu gehen und mein Gegenüber (und mich selbst auch) als einen Menschen zu sehen, der das Beste tut, was er gerade kann.</p>
<h4>Die Verantwortung für meine eigene Reaktion</h4>
<p>Ein wichtiger Weg dahin ist es, die Verantwortung für meine eigene Reaktion zu übernehmen. Denn auch wenn es noch so einleuchtend erscheint, dass doch das schlechte Kommunikationsverhalten des anderen daran schuld ist, dass ich mich jetzt so schlecht fühle, so ist dies zumindest nur eine Teilwahrheit. Der andere Aspekt ist der, dass ich immer die Wahl habe, ob ich das, was der andere mir sagt, als persönliche Verletzung empfinde oder als Äußerung des anderen über seine Befindlichkeit, auf die ich mit Mitgefühl reagieren kann. (Und diese Wahl habe ich – wie gesagt – genau so lange, bis ich sie nicht mehr habe. Es geht also nicht darum, die Schuld jetzt vom anderen auf mich zu verlagern, sondern einen Ausweg aus der Misere zu finden. Und diese Verantwortung liegt immer bei dem-/derjenigen, der oder die am ehesten aus dem gemeinsamen „Spiel“ aussteigen kann. Und das ist paradoxerweise in jedem Moment möglich und eben auch nicht.)</p>
<p>Aus diesem Mitgefühl heraus öffnen sich dann oft Möglichkeiten der Kommunikation, die vorher gar nicht sichtbar waren. Es schafft Gemeinsamkeit und Verbindung, wodurch es dem Gegenüber möglich wird, ebenfalls aus seinem „Film“ auszusteigen und mir wieder „in Echt“ zu begegnen. Es ermöglicht eine gemeinsame Sicht auf das Thema und mitunter gar, dass wir am Ende gemeinsam über unsere jeweiligen Anteile lachen können. Und Humor (nicht Zynismus!) ist eins der besten Heilmittel für unsere gemeinsame Kommunikation sowie unsere eigenen Schattenanteile.</p>
<h4>Gelebte Liebe</h4>
<p>Zusammenfassend möchte ich sagen, dass Kommunikation für mich gelebte Liebe darstellt. Wenn sie gelingen soll, müssen wir lernen, einander zu lieben – und das heißt, ineinander das Beste zu sehen und unser Gegenüber mit dem Besten zu identifizieren, was wir in ihm oder ihr erkennen können. Ja, die anderen Aspekte sind auch da. Es wäre naiv anzunehmen, dass sie es nicht seien. Doch ist das eben nicht das Wahre Selbst des anderen. Mich auszurichten auf das Schöne, was ich eben auch immer im anderen wahrnehmen kann, erzeugt Verbindung und Liebe. Und das ist es, was letztlich Kommunikation gelingen lässt.</p>
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		<title>Sich exponieren</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Oct 2012 14:40:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Aus dem Schatten heraustreten ins Freie Mut kann vieles sein, und meist fühlt sich die mutige oder feige Tat von innen anders an als sie von außen aussieht, das weiß jeder Held auf seiner Reise. Hier erzählt der Herausgeber der Zeitschrift connection von seiner spirituellen Reise und der Konfrontation mit seinem Meister – 23 Jahren ist das [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Aus dem Schatten heraustreten ins Freie</h2>
<div id="attachment_5438" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/148884_original_R_by_Bredehorn.J_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5436]"><img class=" wp-image-5438 " title="Aus dem Schatten in das Licht" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/148884_original_R_by_Bredehorn.J_pixelio.de_-276x300.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Bredehorn.J / pixelio.de</p></div>
<p>Mut kann vieles sein, und meist fühlt sich die mutige oder feige Tat von innen anders an als sie von außen aussieht, das weiß jeder Held auf seiner Reise. Hier erzählt der Herausgeber der Zeitschrift <em>connection </em>von seiner spirituellen Reise und der Konfrontation mit seinem Meister – 23 Jahren ist das her – und dem Sturm an Leserbriefen, den das auslöste, dem größten solchen, den diese Zeitschrift je erlebt hat.</p>
<p>Bin ich mutig? Schwierige Frage. Man­ches, das andere mit einem Achselzucken abtun, ist für mich ein gro­ßes Wagnis. Andererseits gab es Situationen, in denen ich mich mit Leichtigkeit in Feldern bewegte, die für andere höchst gefährlich zu sein schienen, und danach erhielt ich Bewunderung für meinen Mut, der doch nicht wirklich einer war.</p>
<p>Früher bekam ich manchmal vor Schüchternheit kaum den Mund auf. Würde ich sprechen, dann wäre ich durchschaut als unfähig und nicht lebenswert, fürchtete ich. Andererseits gab es Situationen wie die, in der damals (1977) wohl weltweit berüchtigtsten En­countergruppe, in den unterirdischen Therapy Chambers von Poona. Die Wände dort waren gepolstert, damit, wenn mal einer an die Wand geworfen wurde, er nicht gleich verletzt würde. Alle saßen an den Rand gekauert in brütender Stille, angstvoll und bereit zu kämpfen. Ich wagte mich in die Mitte, schweigend, und bewegte mich dann immer genau dorthin, wo meine Angst am größten war – die Angst angegriffen und vernichtet zu werden, einfach deshalb, weil ich da war. Es war totenstill geworden im Raum, und meine Angst war weg.</p>
<p>Was als Mut gelten könnte und wo die Angst dann jeweils ist, das will ich hier nur am Rande theoretisch behandeln, sondern will von ein paar Schritten in meinem Leben erzäh­len, die mir rückblickend als mutig erscheinen. Von meiner Angst, meinem Mut und meinen Befürchtungen auf dem Weg meiner Selbstwerdung, dem Fassen von Selbstvertrauen.</p>
<h4>Entscheidungen</h4>
<p>Zunächst mal waren da die Schritte aus dem Elternhaus hinaus – Initiationserlebnisse, die mich erwachsen werden ließen. Trampen mit 16, mit kaum Geld in der Tasche. Draußen schlafen in Gegenden, wo es Wölfe gab oder Räuber – überfallen wurde ich nie, das Schlimmste waren die Mücken. In Länder reisen, deren Sprache ich nicht verstand. Und solche Entscheidungssituationen wie diese: Ich war in Südfrankreich auf der Schule, hatte Herbstferien, trampte nach Barcelona und stand dort auf den Felsen oberhalb des Hafens, schaute übers Meer und überlegte, wie es wäre, wenn ich einfach abhauen würde. Weg von der Schule, weg von all den Gefäng­nissen, in denen ich zu funktionieren hatte. Ich würde in Spanien oder Marokko untertauchen, kein Abi machen müssen, weg sein, frei! Ich kehrte zurück. War das feige? Unge­fähr zwei Jahre später noch mal: Nun hatte ich das Abi, war nach Kathmandu getrampt und hatte zu entscheiden, ob ich den langen Rückweg antreten sollte, über die Landstra­ßen Südwestasiens zurück nach München, wo ich einen Studienplatz für Physik hatte. Oder im Himalaya bleiben und mich dort durchschlagen? Ich kehrte zurück. Das westliche Bildungssystem verließ ich erst vier Jahre später ganz, nach acht Semestern einer Art von studium generale, im Hauptfach Philosophie und Wissenschaftstheorie.</p>
<h4>Verloren, angekommen …</h4>
<p>Wissen wollen und erkennen, was ist, das war für mich immer das Wichtigste im Leben. Von wem lerne ich am besten, und wo? Das führte mich wiederholt in riskante Situationen. Auf Borneo in den Wald gehen ohne behördliche Erlaubnis. In Thailand ins Klos­ter gehen, dabei meinen ganzen (geringen) Besitz abgeben und auf das in Deutschland unabgeschlossene Studium pfeifen, war das mutig? Es war für mich damals genau das Richtige. Wenn ich einen solchen »entscheidenden« Schritt getan hatte, wurde es ruhig in mir. Da war das Gefühl, angekommen zu sein, bei mir selbst oder »im richtigen Leben«. Das Gefühl, zuhause zu sein, obwohl ich doch weitab jeder Heimat völlig allein war und ohne Besitz – kaum dass jemand, der mich kannte, wusste, wo ich war.</p>
<h4>… und doch wieder ausgestellt</h4>
<p>Ein Jahr später traf ich auf Osho. Ich liebte es damals (auch heute noch mag ich das), unterzutauchen in einer Menge, dort niemand Besonderes zu sein und mitzuschwimmen mit den vielen anderen, die einander irgendwie gleichen, wie in einem Fischschwarm. Nur nicht auffallen! Meine Kleidung war so, dass das fast immer gelang. Dann kam Sannyas. Plötzlich war ich in grellem Orange gekleidet! Zurück in Deutschland war das noch schlimmer, oft war es ein Spießruten laufen. Mit der Mala (Halskette) und Osho-Bildchen um den Hals wurde man für blöd gehalten, für Opfer eines Kultes, abhängig, gehirngewaschen, und von mitleidigen Blicken gesteinigt. War mir das egal? Keineswegs. War ich dabei mutig oder nur verrückt? Das eigentlich Verrückte war ja, dass die Blicke derer, die da den Jünger der psychischen Abhängigkeit bezichtigen, eigentlich die abhän­gigeren waren. Doch sie waren in einer Trance, die kaum auffiel, denn es war die übliche Trance der Masse, der Mainstream.</p>
<h4>Mutig, aber peinlich</h4>
<p>Als orange gewandeter Taxifahrer in München mit dem Osho-Bild um den Hals war ich exponiert. Das war in gewisser Hinsicht mutig. Wenn ich unter Sannyasins war, galt aber wieder ganz Anderes: ego-los sein, nicht auffallen, mitschwimmen, Hingabe, niemand Besonderes sein. Dass ich dann, noch zu Oshos Lebzeiten, eine Zeitschrift begann, die in den ersten Monaten auch noch »Orange Connection« hieß, war wiederum mutig. Es gab ja auch eine »Rajneesh Times«. Das war die offizielle Presse der Bewegung. »Warum machst du da nicht mit? « Wenn ich im Schreiben oder Redigieren Talent hätte, müss­te ich dort mitmachen und nicht »mein eigenes Ding«, das war die offizielle Meinung. Mein Ego war es, das mich dieses Ding machen ließ, das war allen Beobachtern sonnenklar. Mutig? Vielleicht schon, aber in spirituellen Kreisen eher peinlich.</p>
<p>Heute würde ich sagen, mein Erwachsenwerden war damals noch nicht abgeschlossen; mein Reifen sowieso nicht, das endet ja nie. Jeder Schritt zu neuen Ufern, jedes Erringen einer neuen Lebensstufe, braucht wieder Mut, wie Hermann Hesse es in seinem berühmten Gedicht (»Stufen«) so schön sagt: »Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise / Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen / Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise / Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.«</p>
<h4>Gehorsam?</h4>
<p>Und so stellte ich mich dieser Herausforderung und machte mein eigenes Ding. Ich war aber immer noch Osho-Sannyasin, das heißt, ich hatte einen Meister. Was sagte denn der dazu, dass ich da mein eigenes Ding machte? Hat man als Schüler nicht seinem Meister zu gehorchen?</p>
<p>Ja, an der Oberfläche, da sieht es so aus, als habe der Schüler (oder Jünger, engl. devotee) seinem Meister oder der Meisterin zu gehorchen. Widerspenstige Egos, d.h. sehr eigensinnige, sture Menschen, die sich nicht verändern wollen, scheitern dort schon mal, was den Vorteil hat, dass diese Meister nicht völlig überlaufen sind und noch eine gewisse, auch individuelle »Arbeit« machen können mit ihren Schülern. Wirkliche Meister wollen keinen Gehorsam, sie verbieten ihn schließlich sogar, aber sie müssen ihre folgesüchtigen Schüler erstmal dort hinführen, wo echte Autonomie möglich ist.</p>
<h4>»Rette uns vor den Rechtschaffenen«</h4>
<p>Im Frühjahr 1989 bekam ich von Maneesha, damals Oshos Sekretärin, die Aufforderung, meine Leser vor dem abtrünnigen Osho-Schü­ler Paul Lowe (als Sannyasin hieß er Swami Ananda Teertha) zu warnen, denn der sei »raffiniert und hinterhältig« und »vom Wege abgekommen«. Ich erschrak, war erschüttert, ließ diese Botschaft erstmal sinken – und rebellierte dann. Öffentlich. Eine Verleumdung weitergeben, nur weil dort einer die Schafherde verlassen hatte und die Organisation sauer war, einen ihrer Prominenten verloren zu haben? Nicht mit mir! In unserer Juli-August Ausgabe 1989 zitierte ich Maneeshas Brief in aller Ausführlichkeit und gab ihr unter der Überschrift »Rette uns vor den Rechtschaffenen« eine emphatische Antwort. Dazu das Bild von einer Schafherde.</p>
<p>Nie wieder in den 27 Jahren, die ich diese Zeitschrift herausgebe, habe ich zu einem Thema so viele, so lange und so leidenschaftliche Leserbriefe erhalten. Und nicht nur von meinen deutschen Lesern. Der Artikel wurde in Poona ausgehängt, übersetzt ins Englische, und es antworteten mir auch die Top-Leute von dort: Maneesha selbst, Arjuna (damals Finanzchef), Oshos Leibarzt Amrito und sein Zahnarzt Devageet.</p>
<p>Woche für Woche erhielt ich neue Briefe hierzu (auf Papier! Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen). Monatelang. Es kamen immer neue, und auch die veröffentlichten Antworten wurden wieder beantwortet. Nach etwa einem halben Jahr stoppte ich die Veröffentlichungen, weil ich den Eindruck hatte, dass das von außen aussähe wie Richtungskämpfe innerhalb der San­nyas­szene, ähnlich wie Nicht-Grüne damals über den Kampf zwischen Realos und Fundis bei den deutschen Grünen nur den Kopf schüttelten. Dabei war hier ein wichtiges Thema angesprochen, das schwelte und brodelte und überwiegend ungelöst blieb: die Suche nach Autonomie, Freiheit, Selbstständig­keit und Überwindung des Egos, wie sie innerhalb der Meister-Schüler-Beziehung gelingen kann oder eben verraten wird.</p>
<h4>Der Meister schweigt</h4>
<p>Was sagte denn der Meister selbst dazu? Vermutlich war ihm mein rebellischer Text übersetzt worden, oder es war ihm gesagt worden, dass ich mich öffentlich gegen Manee­sha gestellt hatte, und dann hatte er seine Leute aufgefordert, mir zu antworten. Wie hätte es sonst sein können, dass vier der Top-Leute in Poona diesem kleinen Blättchen im fernen Deutschland so viel Aufmerksam­keit gaben, der Chef selbst musste sie darum gebeten haben. Er aber sagte nichts. Ich fragte ihn auch nicht direkt »Osho, was sagst du dazu?«, denn ich war mir der tiefen Richtigkeit meines Standpunktes so sicher, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass er, der mir so sehr geholfen hatte, dieses Ur-Inners­te zu erkennen, es freizulegen und dann dazu zu stehen, nun einfach dazu nein sa­gen würde. Aber warum veranlasste er dann seine Leute, mich mit Worten aufs Heftigste zu bekämpfen?</p>
<p>Ich hatte ihm schon ein paar Mal geschrieben und darum gebeten, etwas zu meiner Zeitschrift zu sagen, aber nie eine Antwort erhalten. Ich war stolz auf mein Projekt, und stellte mir dann vor, wie er – Er! – wie ein gütiger Vater oder Mentor dazu sagen würde: »Gut gemacht! Du hast meine Botschaft verstanden! Weiter so!« Hätte ich solch eine Antwort tatsächlich erhalten, hätte ich mich aber wohl eher meines kindlichen Bedürfnisses nach Aufmerksamkeit und Lob geschämt. Solch ein Meister-zu-Schüler-Kitsch, nein danke. Hatte er uns alle denn nicht jahrelang gepredigt, zu uns selbst zu stehen und mutig aus dem Herzen heraus zu handeln?</p>
<p>Dann, allmählich, fand ich es gut, dass er nicht geantwortet hatte. Er ließ mich allein. Er war nicht dagegen, was ich tat und auch nicht dafür, ich musste das selbst verantworten. Nun hatte er sogar seine Leute gegen mich aufgehetzt, mit hahnebüchenen Vorwürfen gegen mich anzutreten, so viel war ich ihm wert! Aber keine Antwort. Oder eigentlich: Das war die Antwort.</p>
<h4>Dann stirbt er</h4>
<p>Ein paar Monate nach diesen Ereignissen, im Januar 1990, starb Osho. Die Nachricht erreichte mich im Connection-Büro. Erstmal ungläubiges Staunen, dann Stille. Dann erfasste mich ein tiefes Seufzen und zugleich Aufatmen, ich weinte, traurig und glücklich zugleich. Nun gab es keine »Botschaften aus Poona« mehr, jedenfalls nicht von ihm. Es war vorbei. Nachfolger hatte er keinen hinterlassen, nur einen Kreis von 21, der das Praktische regeln sollte. Nun waren wir dran, wir, die ihn erlebt hatten! Eigentlich war der Unterschied für mich gar nicht so groß, denn er hatte mich ja auch vorher schon allein gelassen – respektvoll allein gelassen.</p>
<p>Nie wieder danach habe ich das Bedürfnis gehabt, mich einem spirituellen Meister oder Lehrer anzuschließen. Auch heute noch bin ich manchmal mutig und manchmal feige, aber zutiefst immunisiert gegen autoritäre Verführungen. Meine Zeit mit Osho war in der Hinsicht eine Impfung. Herumlaufen als ein Zombie, ein von anderen Instanzen als den ureigenen gesteuertes Wesen? Das geht nicht mehr, nicht mit mir.</p>
<h4>Freiheit</h4>
<p>Und was mache ich jetzt mit dieser Freiheit? Ich mache meine Zeitschrift weiter, dies nun schon mehr als 22 Jahre lang nach seinem Tod. Niemand hat mich in irgendeine spirituelle Linie eingeweiht, niemand hat mich zu irgendwas autorisiert, ich mache das aus freien Stücken. Und bin damit offenbar in guter Gesellschaft: Buddha war kein Bud­dhist, Jesus kein Christ, Osho kein Sannyasin, Ramana Maharshi ohne Lehrer und Linie, und Krishnamurti war kein Theosoph. Keiner von ihnen wurde je autorisiert, das zu tun, was sie taten. Dann brauche ich das auch nicht. Und es installierte auch keiner von ihnen einen Nachfolger. Akademische Titel? Eher würde ich eine Universität gründen wollen, als an einer bestehenden mir einen Titel zu erwerben.</p>
<p>Und was meine Beziehung zu Osho anbelangt: Unter den Sketchen, die ich seit ein paar Jahren als Kabarettist spiele, ist auch eine Guru-Nummer. Die speist sich zum Teil von Satsanglehrern, aber nicht nur, sie enthält auch viel von Osho. Die Robe, die ich dabei trage, ist den Bhagwan-Gewändern aus dem alten Poona abgeschaut, ebenso die Slipper, und auch Begrüßung und Abschied sind von ihm: Da schaue ich mit zum Namasté gefalteten Händen jeden einzelnen an, habe dabei ein karikierend überzogenes Osho-Lä­cheln im Gesicht, dieses unnachahmliche Grinsen, und durch diese Karikatur dringt wie ein herbeigerufenes Gespenst etwas vom Original mit durch. Dabei wird es meist ganz still im Raum. Außer einem Giggeln und gelegentlichem Juchzen oder Schluchzen ist nichts zu hören. Manchmal kann ich dabei die Gedanken, die durch die Köpfe gehen, geradezu sehen (als Guru bin ich ja hell­sich­tig): Verarscht er ihn nun, oder meint er das ernst? Es liegt irgendwo zwischen die­sen beiden Polen. Zwischen den Polen Witz und Ernst liegt die Freiheit, zu sein, wie ich bin.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmal im Magazin <a href="http://www.connection.de/jupgrade/index.php/magazintexte/16-spirit/1570-connection-spirit-9-1012" target="_blank" rel="external nofollow">Connection Spirit, Ausgabe 9–10/2012</a></em></p>
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		<title>Bildung der Eltern beeinflusst Psyche</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/01/30/bildung-der-eltern-beeinflusst-psyche/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 15:15:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mehr Depressionen in Familien aus niedrigem Bildungsniveau Quebec/Linz (pte) — Depressionen haben viele Faktoren — und manche davon werden erst bei näherer Betrachtung erkennbar. Der Bildungsabschluss der Eltern ist einer davon, wie kanadische Forscher nun in einer 29-jährigen Langzeitstudie herausgefunden haben. In der Zeitschrift »Social Science &#38; Medicine« berichtet das Team Amélie Quesnel-Vallée von der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Mehr Depressionen in Familien aus niedrigem Bildungsniveau</h2>
<div id="attachment_4408" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/478190_web_R_K_by_Stephan-Bachmann_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4406]"><img class="size-medium wp-image-4408 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/478190_web_R_K_by_Stephan-Bachmann_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Studieren: Gesundheitseffekt auch für die Kinder (Foto: Stephan Bachmann/pixelio.de)</p></div>
<p>Quebec/Linz (pte) — Depressionen haben viele Faktoren — und manche davon werden erst bei näherer Betrachtung erkennbar. Der Bildungsabschluss der Eltern ist einer davon, wie kanadische Forscher nun in einer 29-jährigen Langzeitstudie herausgefunden haben. In der Zeitschrift »Social Science &amp; Medicine« berichtet das Team Amélie Quesnel-Vallée von der <a href="http://mcgill.ca" target="_blank" rel="external nofollow">McGill University</a>, dass niedrige Bildung das Risiko für die Kinder erhöht, im Erwachsenenalter an psychischen Erkrankungen zu leiden.</p>
<h4>Umgang mit Gefühlen entscheidet</h4>
<p>»Vor psychischen Krankheiten ist ein Mensch dann besonders geschützt, wenn er gut mit Emotionen umgehen kann. Hier hat die Bildung der Eltern hohen Einfluss«, erklärt Eva Mückstein, Präsidentin des <a href="http://psychotherapie.at" target="_blank" rel="external nofollow">Bundesverbands für Psychotherapie</a>, im pressetext-Interview. Emotionale Bildung und Kompetenz geschieht vor allem, wenn von Klein an Gefühle angesprochen und Beziehungen reflektiert werden sowie Konflikfähigkeit vermittelt wird. »Gebildeten Eltern gelingt dies in der Regel besser«, erklärt die Psychotherapeutin.</p>
<h4>Schutzfaktor Studium</h4>
<p>Die kanadischen Forscher analysierten Daten der »National Longitudinal Survey of Youth 1979″ (NLSY79), für die über 12.000 Personen, die im Jahr 1979 zwischen 14 und 22 Jahren alt waren, drei Jahrzehnte lang jedes Jahr interviewt wurden. Das Augenmerk lag dabei besonders bei den Aspekten der eigenen Bildung und jener der Eltern, dem Haushaltseinkommen und bei depressiven Symptomen. Das Ergebnis: Die wenigsten psychischen Krankheiten traten bei den Erwachsenen auf, deren Eltern ein hohes Bildungsniveau erreicht hatten. Zugleich war auch das Gegenteil der Fall.</p>
<h4>Gleicher Zugang wichtig</h4>
<p>»Zum größten Teil dürfte dieser Effekt darauf zurückgehen, dass Eltern mit höherer Bildung auch Kinder mit besserer Bildung haben, die infolge bessere Berufe ergreifen«, so Quesnel-Vallée. Das Hochklettern an der sozialen Leiter, dessen Wurzel in der Bildung der Eltern begründet ist, hat großen Einfluss auf die mentale Gesundheit. Das müsse die Politik ernst nehmen und benachteiligte Kinder stärker fördern. »Gleicher Zugang aller zur Bildung durchbricht den Teufelskreis von schlechtem Sozialstatus und schlechter psychischer Gesundheit.«</p>
<p>Mückstein betont die Bedeutung der förderlichen Umgebung für Kinder bei sozialer Benachteiligung. »Je schlechter der Sozialstatus, desto wichtiger werden äußere Einflüsse als Schutzfaktoren. Für betroffene Kinder und Familien ist es wichtig, hilfreiche Hände vorzufinden.«</p>
<p>Originalartikel unter <a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.socscimed.2011.10.038" rel="external nofollow" target="_blank">http://dx.doi.org/10.1016/j.socscimed.2011.10.038</a></p>
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		<title>Der goldene Faden</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/01/06/der-goldene-faden/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 21:56:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
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		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Schattenarbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom Mut, sich dem Missbrauch zu widersetzen. Jede ausbeuterische, autoritäre Struktur ist menschenverachtend, und wenn sie im Mantel des »Spirituellen« daherkommt, umso mehr. Von dort einen Weg in die Freiheit zu finden, kann außerordentlich schwierig sein. Eines Morgens im Herbst erwachte ich früh, und es war, als würde mich etwas rufen. Das Licht lockte golden [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Vom Mut, sich dem Missbrauch zu widersetzen.</h2>
<p><em>Jede ausbeuterische, autoritäre Struktur ist menschenverachtend, und wenn sie im Mantel des »Spirituellen« daherkommt, umso mehr. Von dort einen Weg in die Freiheit zu finden, kann außerordentlich schwierig sein.</em></p>
<div id="attachment_4243" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/OYA-goldener_faden.jpg" rel="lightbox[4242]"><img class=" wp-image-4243 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/OYA-goldener_faden-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: OYA — anders denken. anders leben</p></div>
<p>Eines Morgens im Herbst erwachte ich früh, und es war, als würde mich etwas rufen. Das Licht lockte golden durch die Ritzen des metallenen Rollos vor dem Wohnwagenfenster. Barfuß und im Schlafanzug huschte ich, von meinen schlafenden Eltern unbemerkt, zur Tür hinaus. Draußen erwartete mich ein Wunder: Das Tal, das direkt unter uns begann, war angefüllt mit dichtem, wallendem Nebel, und darüber hinweg strahlte sanftes, frühes Morgenlicht. Mit pochendem Herzen warf ich mich hinein ins Nichts, in das Grau, lief den Abhang hinab, die Wiese hinunter, in den Nebel hinein. Lief und lief und lief, abwärts, bis um mich herum nichts mehr zu sehen und zu hören war. Alle Geräusche waren verstummt, keine Welt mehr, nur das kalte Gras unter meinen Füßen und der Nebel und ich. Ich stand lange da, staunte, lauschte in die Stille. Und auf einmal dehnte ich mich aus, verlor meinen Körper, war überall. War das Gras, die Wassertropfen in der Luft, war die Bäume, die ich in der Ferne spüren konnte, war der weite Himmel, war alles, alles, und alles war ich. Ich erfuhr eine große Liebe, die plötzlich in allem da war und mich hielt. Mein Herz wollte schier platzen angesichts dieser großen Gewissheit des All-ein(s)-Seins und dieses unbekannten Gefühls, das ich heute als Erwachsene Demut nenne. Ich war acht Jahre alt und wusste nicht, dass diese kostbare Erfahrung der Beginn meines langen Wegs in die Freiheit sein würde.</p>
<p>Aus heutiger Sicht denke ich, dass dieses Kindheitserlebnis wahrscheinlich meine erste echte spirituelle Erfahrung war. Mein Begriff von Spiritualität ist für mich sowohl universell als auch individuell, öffentlich und gleichzeitig von höchster, verletzlichster Intimität. Und sie scheint unbeschreiblich und sich letztlich nur über eigene Erfahrung zu erschließen.</p>
<p>Spiritualität hat eine dunkle Schwester, die schwer zu fassen ist. Wie alles im Dunkeln sieht man sie nur dann, wenn man sie nicht direkt anschaut, sondern den Blick auf ihre Konturen richtet: Fanatismus, Aberglaube, Fatalismus, Wahrheitsanspruch. Es können im Namen beider Schwestern Gebete gesprochen werden, sogar an dieselbe Gottheit. In beider Namen wird überall auf der Welt meditiert, es werden Rituale abgehalten, Tausende von Buchseiten mit »Wahrheiten« bedruckt, Millionen von Menschen machen tief berührende und sie für immer verändernde Erfahrungen von universeller Einheit, Liebe, Stille und Ekstase. Gibt es Wegweiser und Zeichen, die hilfreich dabei sein können, zwischen den guten und den manipulativen und schädlichen Einflüssen zu unterscheiden?</p>
<p>Es gab in meinem Leben immer mehrere spirituelle Identitäten, die sich wie Zwiebelhäute um mein Inneres legten: Ich wurde katholisch getauft und nahm am Religionsunterricht in der Schule teil, meine Familie zeigte sich an Weihnachten und Ostern in der Kirche: Das war meine spirituelle Deckidentität, die äußerste Haut. Weitaus grundlegender wurde mein Leben dadurch bestimmt, dass ich in eine totalitäre Sekte hineingeboren wurde, als älteste Tochter eines der »Führer« und mit einem vorgezeichneten Lebenslauf als »Priesterin« – das war meine Hauptidentität, mehrere dicke Zwiebelschichten von Glaubenssätzen und Überzeugungen. Und dann war da noch etwas Tieferes, ein Glaube an einen wundersamen Stoff, der alles und alle um mich herum durchwirkt, ein unerklärlicher Glaube an Reinkarnation, ein Absinken in Naturrituale, innere Reisen, Träume. Das war die innerste, manchmal mir selbst verborgene Identität, die ich in der Rückschau als die einzige wirklich meinige bezeichne.</p>
<h4>Leben und Aufwachsen in einer Sekte</h4>
<p>Das Glaubenssystem der Sekte war totalitär, durchdrungen von Geboten und Verboten. Eine Loge, ein exklusiver Club von Menschen, mit dem Heilsversprechen der absoluten psychischen Optimierung und Stärkung ihrer Mitglieder, »experimentierfreudig« in den Mitteln. Im Hintergrund ein faschistoid-sozialdarwinistisches Menschenbild, das den satanisch-magischen Anstrich im Vordergrund legitimierte: Tu was du willst, das war das erste Gebot, denn es ist naturgemäß und richtig, dass die Stärkeren die Schwächeren beherrschen. Alle Lehren bildeten einen perfekt logischen Kreislauf. Gerade die Widersprüchlichkeit mancher Sätze galt als Beweis für die Richtigkeit des Großen und Ganzen. Disziplin wurde durch Schuld– und Schamrituale und öffentliche Bestrafungen aufrechterhalten. Verrat wurde belohnt, Vertraulichkeit zu einem schweren Risiko. Verwirrende Rhetorik, stundenlange eintönige Gesänge, Reizüberflutung durch laute Musik und Drogen, Reizdeprivation durch tagelanges Eingesperrtsein und »Meditieren«, sexualmagische Rituale, dokumentierte Mutproben, welche die Mitglieder erpressbar machten. Sex, Geld und Macht für diejenigen, die dieses Spiel am besten mitspielten.</p>
<p>Ich war die stolze Erstgeborene und wuchs auf in dem Bewusstsein, etwas Besonderes zu sein. Eine besondere Inkarnation, eine geborene Führerin – eine, die besonders diszipliniert werden musste. Im Rahmen meiner »Erziehung« wurde ich schwer sexuell missbraucht und misshandelt, indoktriniert und dazu gebracht, Handlungen zu tun, die ich mit meinem Gewissen nie werde vereinbaren können.</p>
<p>Das Schmerzlichste meiner Erfahrungen waren die Manipulation und der Missbrauch meines Vertrauens, meiner Neugier und meiner kindlichen Suche nach Anerkennung. Ich war existenziell abhängig von der Liebe meiner Bezugspersonen, die ich jedoch nur durch absoluten Gehorsam sichern konnte. Tu was du willst – aber was ich zu wollen hatte, das wurde mir so lange eingetrichtert, bis ich das Gespür von dem, was ich selbst wollte, so gründlich verloren hatte, dass ich selbst dann davon überzeugt war, nach meinem Willen zu handeln, wenn ich mir oder anderen Leid zufügte. Alles im Namen der göttlichen Macht.</p>
<p>Ein kleinster, gut versteckter Teil in mir blieb jedoch heil. Die Erinnerung an die allumfassende Liebe, die ich im Nebeltal erfahren hatte, war wie ein goldener Faden in meiner Mitte, der mich leitete. Es blieb eine Sehnsucht, ich blieb auf der Suche. Mit zunehmendem Alter wuchsen die Zweifel. Ich las philosophische und religiöse Schriften und begann, mir andere Freundschaften aufzubauen. Die Erkenntnis, dass abweichende Ansichten wertvoll und diskutierbar sind, wurde immer mehr zu meiner Richtschnur. Die war jedoch kaum fassbar, weil durch die Indoktrination alle Zweifel zu massiven Schuldgefühlen und Ängsten führten. Mein Zwiespalt brachte mich ­darüber hinaus in reale Gefahr.</p>
<h4>Der Ausstieg</h4>
<p>Ich funktionierte nicht mehr. Mit 18 Jahren versuchte ich zum ersten Mal, mir das Leben zu nehmen. Mit Anfang 20 setzte ich eine Ausbildung in einer anderen Stadt durch und begann eine Psychotherapie. Die Zerrissenheit zwischen der Loyalität zu meiner Familie und ihrer Sekte und der Sehnsucht nach Freiheit und Heilung wurde unerträglich. Schließlich wagte ich den Ausstieg. Aus Angst vor Vergeltung tauchte ich unter, änderte meinen Namen und beendete so gut wie alle Kontakte meines bisherigen Lebens. Es folgten Jahre der Angst, der physischen und psychischen Verfolgung und Bedrohung, die mich immer wieder dazu zwangen, alles abzubrechen. In dieser Zeit erfuhr ich viel Hilfe durch kirchliche Einrichtungen wie Beratungsstellen und Klöster, die mich trotz meines tiefen Misstrauens gegenüber aller organisierten Spiritualität unterstützten. Es gelang mir mit viel Kraft, mich zu stabilisieren, Freundschaften aufzubauen, ein Studium zu beginnen, Sicherheit zu gewinnen. Dennoch blieb mein Leben ein Überleben, durchtränkt von einem lähmenden Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit.</p>
<p>Immer jedoch gab es Momente, die mich an die Existenz meines goldenen Fadens erinnerten. Momente in der Natur, wie ein Sonnenstrahl, der mich unvermittelt aus dunklen Wolken traf, Orte, die eine reine Kraft zu vermitteln schienen, Wasserfälle, Berge, das Meer. Diese Momente waren meine Gottesdienste, meine Gebete an die große Kraft, an das Leben. An manchen dieser Orte entstanden spontane Meditationen und Rituale, und daraus wuchs der Wunsch, mich wieder auf die Suche nach etwas zu machen, das ich »meinen Glauben« nennen könnte. Zuerst war es eine holprige, vorsichtige Praxis, ganz für mich allein, aus Meditationen und Übungen. Die Wende kam, als ich beschloss, meine aufgezwungene, aber dennoch verinnerlichte Priesterinnenschaft endgültig abzulegen. In einem selbstentwickelten Ritual trug ich meine innere Priesterin zu Grabe, verabschiedete mich von ihr und allen damit verbundenen Ansprüchen und Glaubenssätzen. Ich akzeptierte, nichts Besonderes zu sein. In dieser Kränkung lag die große Erleichterung, mich als Teil des Ganzen zu begreifen, so wie ich bin. Meine leidvolle Geschichte wurde zu etwas Relativem, das ich nun aus einer Distanz betrachten konnte. Durch die regelmäßige Praxis buddhistischer Achtsamkeitsmeditation lernte ich, dass ich meine Gefühle und Leiden erfahre, aber dass ich sie nicht bin. So konnte ich erkennen, was ich gelernt habe durch diese Kindheit – die dennoch so nicht hätte sein sollen. Ich kann die Verwirrung und Angst meiner Eltern erkennen und nicht mehr nur Angst und Wut ihnen gegenüber empfinden, sondern auch Mitgefühl und Trauer. Ob ich ihnen jemals verzeihen kann, weiß ich nicht – ich bin keine Heilige.</p>
<h4>Den Unterschied erkennen</h4>
<p><strong></strong>Oft wird Spiritualität und Glauben vorgeworfen, sie würden die Menschen unpolitisch, abhängig, unkritisch und mundtot machen. Es stimmt: Wenn Glaubende die Verantwortung für ihr Leben in die Hände einer höheren Macht legen, kann eine schicksalsergebene, ignorante Haltung entstehen, Abhängigkeits– und Ausbeutungsverhältnisse akzeptiert werden. Damit sind wir plötzlich auf der anderen Seite, bei der dunklen Schwester, die ich nicht spirituell nennen kann und will, auch wenn sie sich auf den ersten Blick sehr ähnlich anfühlen mag. Eine solche Haltung durchbricht keine inneren geistigen Gefängnismauern, sie verstärkt sie.</p>
<p>Für mich ist Spiritualität ein Prozess, ein beständiges Überprüfen der Wirklichkeit, ein Dialog mit dem Ganzen. Es sind freie Momente und Erfahrungen von großer, umfassender Liebe. Durch sie erhalte ich erst die Kraft, den wachen Blick, die Berührbarkeit und den inneren Halt, die es braucht, um Missstände in der Welt wahrzunehmen und aktiv zu verändern. Jegliche Relativierung von Leiden, Ausbeutung und Unterdrückung anderer ist mit dieser Liebe und Wachheit nicht zu vereinbaren. Meine Alarmglocken läuten heute beispielsweise, wenn ich in Gruppen Angst habe, bestimmte Fragen zu stellen, wenn Lehrende den Anspruch erheben, die alleinige Wahrheit zu kennen, wenn Andersdenkende als minderwertig angesehen werden, wenn Menschen sich an einen Führer oder eine Führerin binden, wenn sie in schwer zu durchbrechenden Hierarchien organisiert sind und wenn Menschen im Namen eines höheren Ganzen Schmerzen zugefügt werden. Das geschieht beileibe nicht nur in sogenannten spirituellen Kreisen. Jede Ideologie und jede Bewegung und Gemeinschaft kann zur Sekte werden. Dennoch üben gerade Gruppierungen wie die, in der ich aufgewachsen bin, eine Anziehung auf Menschen mit einer spirituellen Sehnsucht aus, und sie bedienen Wünsche nach einem Aufgehobensein in etwas Größerem, nach Sinn, Führung und Halt.</p>
<p>Auch ich hatte innerhalb dieser Gruppierung ekstatische Momente, die in den magischen Ritualen entstanden, die ich mit Spiritualität verwechselte. Es brauchte viele andere Erfahrungen und braucht noch immer Auseinandersetzungen mit anderen Menschen, um zu verstehen, dass diese Ekstase, entstanden aus einer Adrenalinüberflutung meines ganzen Körpers, mit Liebe nichts zu tun hatte, sondern nur mit Angst und Macht.</p>
<p>Letztlich liegt die Erkenntnis, ob ein eingeschlagener Weg in die Freiheit oder in Abhängigkeit führt, bei jeder und jedem Einzelnen von uns. Die Liebe in uns selbst zu erkennen, ist die Aufgabe, die uns auf jedem Weg erwartet. Meiner hat mich trotz allem in die Mitte einer liebevollen Gemeinschaft geführt, die meinen besonderen Weg kennt und unterstützt. Hier leben Menschen mit sehr unterschiedlichen spirituellen und politischen Ansichten, und das ist trotz der dadurch entstehenden Reibung sehr gut so. Durch die Liebe, Wertschätzung und Achtsamkeit der Menschen in meinem Leben wird mir ein Raum geschenkt, in dem ich Heilung erfahren darf. Ich werde weiter suchen – und wachsam sein.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin OYA — anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/554-Der_goldene_Faden.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11/2011</a></p>
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		<title>Pro und Contra zu Familienaufstellung</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 09:50:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pro Psychotherapie e.V. informiert über eine umstrittene Methode München (humannews) — Die eigene Familie prägt das weitere Leben. Viele Menschen hadern mit ihrer Geschichte oder stolpern immer wieder über erlernte Rollenmuster und können „nicht aus ihrer eigenen Haut“. Die Methode der Familienaufstellung ruft entweder helle Freude hervor, dass endlich die eigene Lebenskonstellation verstanden wird, oder [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Pro Psychotherapie e.V. informiert über eine umstrittene Methode</h2>
<div id="attachment_3662" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4ca8ae5a88adf_xs.jpg" rel="lightbox[3659]"><img class="size-medium wp-image-3662 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4ca8ae5a88adf_xs-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / Fußabdrücke im Sand © Bern Lin</p></div>
<p>München (humannews) — Die eigene Familie prägt das weitere Leben. Viele Menschen hadern mit ihrer Geschichte oder stolpern immer wieder über erlernte Rollenmuster und können „nicht aus ihrer eigenen Haut“. Die Methode der Familienaufstellung ruft entweder helle Freude hervor, dass endlich die eigene Lebenskonstellation verstanden wird, oder blankes Entsetzen darüber, dass andere Leute sich intuitiv in eine Familie hinein versetzen. In einem sachlichen Artikel werden Licht und Schatten von Familienaufstellungen beschrieben.</p>
<p>Lesen Sie im neuen Dossier zu „Familienaufstellung“ von Dr. Christine Amrhein auf der Informations– und Rechercheplattform <a href="http://www.therapie.de" target="_blank" rel="external nofollow">www.therapie.de</a> mehr über die Möglichkeiten und Grenzen dieser Methode aus der Systemischen Psychotherapie. Ziel ist, Beziehungen zwischen Familienmitgliedern oder Mitgliedern einer Gruppe bildhaft darzustellen und so die damit verbundenen Wahrnehmungen, Gefühle und Gedanken bewusst zu machen. Oft werden dabei auch bis dahin unbewusste Konflikte oder ungünstige Beziehungsmuster aufgedeckt. Die aktuelle Situation kann dabei genauso prägend sein wie Einflüsse aus der Vergangenheit.</p>
<p>Bekannt wurde die Methode Anfang der 1990er Jahre vor allem durch den Ansatz der „Klassischen Familienaufstellung“ von Bert Hellinger, einem katholischen Priester. Er sah darin keine Therapieform sondern eine „Lebenshilfemethode“, die auf der Annahme beruht, dass emotionale Banden zwischen Familienmitgliedern bestehen und gestörte Banden wieder in ihre natürliche Ordnung zurück finden sollten. Kritisiert wird die Methode u.a. dann, wenn sie nicht in eine Psychotherapie eingebunden oder die Person mit den ausgelösten Gefühlen und Gedanken alleine gelassen wird. Auch werden Hellinger aufgrund seiner autoritären Art Suggestion, Manipulation und Fehlinterpretationen zur Last gelegt.</p>
<p>Heute nutzen etwa 2.000 Therapeuten verbesserte, angepasste Varianten dieser Methode, die eher als Therapiebaustein betrachtet und nicht isoliert eingesetzt werden sollte. Vorab sollten Interessierte sich über die Qualifikation der Anbieter ausführlich erkundigen, um an gut ausgebildete Therapeuten zu gelangen. Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie empfiehlt eine Checkliste für wirksame Familienaufstellungen und gibt Tipps zur Auswahl geeigneter Therapeuten. Die Methode kann sowohl in Gruppenarbeit mit Personen als auch in Einzelbehandlung mit Gegenständen durchgeführt werden.</p>
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		<title>Wenn Spiritualität eine Maske wird</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 21:06:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
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		<category><![CDATA[Spiritueller Materialismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir werden geschickte Schauspieler, und während wir für die wahre Bedeutung der Lehren taubstumm spielen, finden wir es angenehm so zu tun als würden wir dem Pfad folgen. – Chögyam Trungpa Rinpoche Aufgrund der Tatsache, dass die globale Kultur sich zu materialistischen Werten hingewendet hat, in einer Weise, die in der Menschheitsgeschichte beispiellos ist, ist [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>Wir werden geschickte Schauspieler, und während wir für die wahre Bedeutung der Lehren taubstumm spielen, finden wir es angenehm so zu tun als würden wir dem Pfad folgen.</em> – Chögyam Trungpa Rinpoche</p></blockquote>
<div id="attachment_3311" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/10/ap4d5e4f2d398bc_s.jpg" rel="lightbox[3309]"><img class="size-medium wp-image-3311 " title="Wenn Spiritualität eine Maske wird" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/10/ap4d5e4f2d398bc_s-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / Bienchen © jutta rotter</p></div>
<p>Aufgrund der Tatsache, dass die globale Kultur sich zu materialistischen Werten hingewendet hat, in einer Weise, die in der Menschheitsgeschichte beispiellos ist, ist es unvermeidlich, dass diese gleiche Ethik unseren Zugang zur Spiritualität infiltrieren wird. Wir leben in einer Kultur, die Vermögensanhäufung und Konsum schätzt, und es ist naive von uns anzunehmen, nur weil wir an spirituellem Wachstum interessiert sind, wir auch unseren Materialismus aufgegeben haben – oder sogar, dass wir das sollten.</p>
<p>Es ist nichts schlimmes dran ein OM-Zeichen auf dem T-Shirt zu haben, oder ein eifrig praktizierender Meditierender zu sein während du dich an Geldmachen und guten Geschäften erfreust, doch es ist nützlich deine Integrität in der Beziehung zu deinen Entscheidungen zu erkunden und zu verstehen. Spiritueller Materialismus ist keine Frage der Dinge die wir haben, sondern von unserer Beziehung zu ihnen.</p>
<p>Wir sehen alle nicht wie wir uns selbst auf dem Pfad beschwindeln. Es ist peinlich für das Ego, doch nicht für das was wir wirklich sind, in den Spiegel zu schauen und uns selbst im spirituellen Tutu zu sehen. Dennoch erlauben wir uns zum Wohle von mehr Freiheit entblösst  und auch ausgedehnter zu werden, durch Erkennen wie wir uns selbst im Namen der Spiritualität limitieren.</p>
<p>Wir benutzen Spiritualität auch um mehr Macht zu erlangen, Prestige, Anerkennung und Respekt und weichen sogar unseren eigenen Problemen aus. Wir missbrauchen die Lehren, die Praxis, und all die spirituellen Dinge die wir tun und denken wir erweitern unser Bewusstsein um eine tiefere Intimität mit der Wahrheit die wir suchen zu vermeiden. Wir benutzen unsere Praxis, die Utensilien und Konzepte um eher das Ego als die Wahrheit zu unterstützen. Sogar ein Mönch auf einem Berggipfel kann an seine Roben oder seine Bettelschale anhaften, als ein Weg um einen falschen Sinn von spiritueller Sicherheit zu schaffen.</p>
<p>Das Ego möchte Spiritualität als etwas das es endgültig »haben« kann, und dann müssen wir nicht mehr die fortwährende Arbeit machen, uns zu zeigen und jeden Moment für den Rest unseres Lebens zu praktizieren. Das Ego schafft eine ganze Identität rund um unser spirituelles Selbst. Das ist Teil davon was wir alle auf dem spirituellen Weg machen, aber es ist hilfreich zu lernen die in uns selbst zu sehen.</p>
<h4>Es gibt viele Formen in denen sich spiritueller Materialismus manifestieren kann:</h4>
<p><em>Der spirituelle Lebenslauf </em>bezieht sich auf wichtige spirituelle Menschen die wir getroffen, bei ihnen studiert oder einen Workshop besucht haben. Zeitweise finden wir uns in der Situation wo wir unseren spirituellen Lebenslauf rezitieren um uns selbst oder andere zu beeindrucken.</p>
<p><em>Spirituelles Geschichtenerzählen</em> wird zum Vortragen von Erzählungen über unsere spirituellen Erfahrungen. Obwohl diese sicher interessant sind, verstecken wir uns oft hinter unseren Geschichten um uns selbst vor der Verletzlichkeit tieferer menschlicher Verbindungen zu schützen.</p>
<p><em>Das spirituelle High</em> manifestiert sich oft in dem wir vom Workshop zum Lehrer zu einem schönen Platz gehen um auf einem fortwährenden Hoch zu bleiben und unsere eigenen Schatten zu vermeiden, was eine andere Art von Spiritual Bypassing ist.</p>
<p><em>»Dharmatisieren«</em> bezieht sich auf die Verwendung von spirituellem Jargon um unserer Verwirrung und unseren blinden Flecken Rechnung zu tragen, und um Beziehung zu vermeiden. Wenn wir ein Dharmatisierer sind und jemand sagt uns, dass er Spannungen in unserer Umgebung spürt, dann entgegnen wir mit Binsenweisheiten wie, »Das ist nur ein vorübergehendes Phänomen. Wer spürt da überhaupt diese Spannungen?«.</p>
<p>Dem <em>spirituellen Kaufrausch</em> sind wir verfallen, wenn wir unzähligen Einweihungen, Ermächtigungen und Segnungen von Heiligen nachlaufen, in einer Weise wie andere Autos, Yachten und Zweitwohnsitze sammeln. Wir müssen spüren, dass wir immer irgendwo hinkommen – dass wir reicher und besser werden. Manche Menschen glauben unbewusst, wenn sie nur genügend spirituelle Goldsterne sammeln um erleuchtet zu werden, dann sterben sie nicht.</p>
<p><em>Das spiritualisierte Ego</em> hat konstruktives Feedback assimiliert und in seine abwehrende Struktur integriert. Wenn jemand seine Meinung über uns mitteilt, dann sagen wir »Ich weiss, es scheint so als ob ich faul und selbstsüchtig bin, doch ich praktiziere einfach »zu sein« und mich um mich selbst zu kümmern.« Ein spiritueller Lehrer mit einem kugelsicheren Ego wird verbale Angriffe oder finanzielle Erpressung von ihm oder seinen Schülern rechtfertigen, in dem er oder sie sagt, das ist nur ein Versuch den egoistischen Mechanismus abzuschneiden, oder ihnen beizubringen, dass sie lernen müssen sich und alles was sie haben dem Göttliche hinzugeben. Das Problem mit Menschen mit einem spiritualisierten oder kugelsicheren Ego ist, dass diese extrem schlüpfrig und schwer zu erwischen sind – und es ist teilweise schwierig wie dieser spirituelle Abwehrmechanismus in uns selbst funktioniert.</p>
<p>Es ist wichtig zu verstehen, dass spiritueller Materialismus ist weniger um das <em>was</em> und mehr um das <em>wie</em> in der Beziehung zu etwas – egal ob es ein Lehrer ist, ein neues Yoga-Outfit oder ein Konzept. Es ist keine Frage des Wohlstands sondern eher eine Einstellung. Ich begegnete zahlreichen Sadhus, oder heiligen Männern, in Indien, die wie Bettler lebten, doch hoben ihre Faust gegen mich, wenn ihnen die Spende, die ich ihnen gab nicht genug war, oder mancher war so stolz über seinen Pilgerstab, den sie mit sich tragen, wie viele Biker über ihre geliebte Harley-Davidson.</p>
<p>Wenn wir tiefer eintauchen in die Schichten unserer Wahrnehmung, finden wir heraus, dass der Ursprung jeglicher Form von spirituellem Materialismus in unserem Geist sitzt. Wir finden heraus, dass wir uns auf Informationen, Fakten und sogar grundlegendes Verständnis in solcher Weise Bezug nehmen können, dass es das Erscheinen tiefer Weisheit ausschliesst. Auf dieser subtilsten Ebene, wo sogar Wissen selbst ein Hindernis für Weisheit wird, kann das Schwert der Einsicht – der tiefe Wunsch uns selbst klar zu sehen und die Bereitschaft Feedback von anderen anzunehmen – unsere Verwirrung abschneiden.</p>
<p>Als ich in einer Psychologie-Vorlesung das Thema des spirituellen Materialismus mit meinen Studenten durchnahmen, hob ein junger Mann seine Hand und sagte, »ich weiss, ich bin wirklich sehr hingezogen zum spirituellen Leben, und irgendwie hindert mich diese echt coole Lederjacke daran, die ich in Italien gekauft habe. Ich denke, wenn ich mich wirklich dem spirituellen Leben hingebe, dann muss ich meine Jacke aufgeben, und ich weiss es klingt lächerlich, aber das hält mich davon ab.«</p>
<p>Diese Lederjacke meines Studenten war ein materieller Besitz, doch wir alle haben etwas – ein Grund, Besessenheit oder etwas wo wir uns selbst sagen das hält uns davon ab tiefer in uns hinein zu schauen –, das uns von dem Weg für unser ganzes Leben abhalten kann. Für viele von uns, ungeachtet unserer besten Absichten, wird unsere Spiritualität selbst eine weitere Schicht von subtiler Panzerung, hinter der wir uns selbst vor der tieferen Wahrheit schützen.</p>
<p>(Adaptiert aus dem Buch <em>Augen auf!: Der Weg der spirituellen Unterscheidungskraft</em>, Advaita Media, 2010)</p>
<p><em>Veröffentlichung dieses Artikels mit der Erlaubnis der Autorin. Übersetzung aus dem Englischen von Heinz Robert</em></p>
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		<title>Rituale nehmen Angst und Stress</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/09/25/rituale-nehmen-angst-und-stress/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Sep 2011 14:57:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mehr Sicherheit durch »unnötiges« Vor– und Nachspiel Tel Aviv/Wien/München (pte) — Eine gesunde Dosis von Ritualen verringert erfolgreich Angst und Stress. Den Nachweis dafür liefern Forscher aus Tel Aviv und Washington in der Zeitschrift »Neuroscience and Behavioral Reviews«. Die Studienautoren um David Eilam analysierten wiederholte Verhaltensweisen im Alltag und erstellten auf dieser Grundlage ein Modell [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Mehr Sicherheit durch »unnötiges« Vor– und Nachspiel</h2>
<div id="attachment_2971" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/ap4ad5d6d2ef7f3_xs.jpg" rel="lightbox[2969]"><img class="size-thumbnail wp-image-2971" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/ap4ad5d6d2ef7f3_xs-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / Waschbecken blue © Alexander Kreher</p></div>
<p>Tel Aviv/Wien/München (pte) — Eine gesunde Dosis von Ritualen verringert erfolgreich Angst und Stress. Den Nachweis dafür liefern Forscher aus <a href="http://www.tau.ac.il " target="_blank" rel="external nofollow">Tel Aviv</a> und Washington in der Zeitschrift »Neuroscience and Behavioral Reviews«. Die Studienautoren um David Eilam analysierten wiederholte Verhaltensweisen im Alltag und erstellten auf dieser Grundlage ein Modell zum besseren Verständnis krankhafter Rituale — der Zwangshandlungen.</p>
<h4>Ängste wegdribbeln</h4>
<p>»Rituale bringen in Momenten von Chaos und Unsicherheit Ordnung und Sicherheit. Deutlich sieht man das bei Kindern, die etwa durch eine Gutenachtgeschichte ihre Angst beim Einschlafen überwinden. Erst recht gilt das aber für Patienten mit Zwangsstörungen. Sie versuchen, sich etwa durch ständiges Händewaschen oder Kontrollzwang von Befürchtungen und anderen negativen Gedanken zu befreien«, erklärt Bibiana Schuch, Präsidentin der österreichischen <a href="http://www.oegvt.at" target="_blank" rel="external nofollow">Gesellschaft für Verhaltenstherapie</a>, im pressetext-Interview.</p>
<p>Jede Handlung eines Menschen als auch vieler höherer Tiere kann man in drei verschiedene Phasen untergliedern, so die These der Studienautoren. Eine dient der Vorbereitung, eine der eigentlichen Aktion und eine dem Abschluss und der Nachbereitung, wobei die erste und dritte Phase für die eigentliche Tätigkeit oft nicht nötig wäre. Ein Basketball-Spieler etwa dribbelt den Ball vor dem Freiwurf, was objektiv für den Wurf zwar unnötig ist, als Vorbereitungsritual jedoch Unsicherheit nimmt und die Konzentration bündelt.</p>
<h4>Ritual kann süchtig machen</h4>
<p>Patienten mit Zwangshandlungen überbetonen die Nachbereitung, glauben die Forscher. »Wer sich zwanghaft die Hände waschen muss, bekommt von außen keinen Hinweis, dass die Handlung vorüber und er absolut sauber ist.« Bei Zwangsstörungen dominiert jedoch schon zuvor eine Angst, gibt der Münchner Therapeut <a href="http://psycho-muenchen.de" target="_blank" rel="external nofollow">Nico Niedermeier</a> gegenüber pressetext zu bedenken. »Waschen neutralisiert zwar die Angst kurzfristig, doch funktioniert das immer weniger, je häufiger man den Mechanismus nutzt.«</p>
<p>Jeder Fünfzigste leidet an krankhaften Zwangsstörungen, die Niedermeier am Leidensdruck und an der täglich für Rituale nötigen Zeit erkennt. Um die Abhängigkeit von diesen Handlungen zu überwinden, müsse man lernen, dass Ängste auch alleine weggehen — etwa durch das gemeinsame Einüben der direkten Konfrontation mit einem Therapeuten. »Medikamente wirken bei Zwangsstörungen nur schlecht. Die kognitiv-behaviourale Verhaltenstherapie ist jedoch höchst erfolgreich: Bei 80 Prozent der Patienten gehen die Symptome zu 80 Prozent wieder weg«, so Niedermeier.</p>
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		<title>Warum Spiritualität die Psychologie braucht</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/08/29/warum-spiritualitat-die-psychologie-braucht/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 14:28:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viele Menschen werden desillusioniert auf ihrem spirituellen Pfad, und das ist nicht, weil spirituelle Praxis und Ansätze nicht effektive sind – sie sind es. Wenn wir und ernsthaft auf spirituelle Disziplinen einlassen – egal ob Meditation, Kontemplation, Yoga oder Gebet – wird unsere Praxis Früchte tragen. Wir werden mehr Erfahrungen, Einsichten, Momente der Verbindung mit [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2741" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4ad8003669bc6_small.png" rel="lightbox[2733]"><img class="size-full wp-image-2741" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4ad8003669bc6_small.png" alt="" width="200" height="113" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / tänzerin in blau © walter dannehl</p></div>
<p>Viele Menschen werden desillusioniert auf ihrem spirituellen Pfad, und das ist nicht, weil spirituelle Praxis und Ansätze nicht effektive sind – sie sind es. Wenn wir und ernsthaft auf spirituelle Disziplinen einlassen – egal ob Meditation, Kontemplation, Yoga oder Gebet – wird unsere Praxis Früchte tragen. Wir werden mehr Erfahrungen, Einsichten, Momente der Verbindung mit der Präsenz, Einheit oder Göttlichkeit haben. Das Problem sind nicht die spirituellen Technologien und die Praxis. Spirituelle Lehrer fallen nicht routinemässig in Skandale rund um Macht oder sexuellen Missbrauch weil die Praktiken die sie machen und lehren nicht funktionieren. Spirituelle Schüler werden nicht desillusioniert von ihrem spirituellen Leben weil sie nicht aufrichtig genug praktizieren. Wenn wir näher hinschauen, sehen wir, dass diese Praktiken funktionieren, und dass Teile unseres Lebens sich eigentlich verbessern.</p>
<p>Also warum macht uns das nicht endgültig glücklich? Verbessert unsere Beziehungen? Vermindert unsere Reaktionen? Depression? Ängstlichkeit? Durch die Arbeit mit hunderten von spirituellen Lehrern und Praktizierenden in der westlichen Welt, bin ich überzeugt, dass die spirituelle Arbeit allein nicht viele unserer tiefsten psychologischen Knoten und Traumen adressiert, noch bietet sie Werkzeuge um unsere Wunden aus Beziehungen zu heilen, die uns davon abhalten unsere tiefsten Sehnsüchte, Träume und spirituellen Möglichkeiten zu erfüllen.</p>
<p>Wir stecken fest, weil wir die psychologischen Wunden und Traumen nicht integriert haben, die in unseren Körpern leben und die sich immer und immer wieder wiederholen, durch unerfüllende, wenn nicht selbstzerstörerische Gewohnheiten und Dramen in unseren Leben. Wir geben uns dem Spiritual Bypassing hin, oft in der Hoffnung gegen unser Urteilsvermögen, dass unsere spirituelle Praxis unsere unangenehmen Gewohnheiten entfernt oder dabei hilft unsere Herausforderungen in der Beziehung transzendiert.</p>
<p>Oftmals fühlen spirituelle Aspiranten und Lehrer, dass sie über die psychologische Hilfe hinaus sind. Dass es heisst, es stimmt etwas nicht mit ihnen, wenn sie eine Psychotherapie machen, oder dass sie ihre spirituelle Praxis nicht gut genug machen. Es gibt Zeiten wo Menschen, die von psychopharmazeutischen Medikamenten profitieren würden, diese Hilfe nicht einnehmen, weil sie sich schämen, dass sie ihre emotionalen Hindernisse nicht mit Meditation oder Yoga überwinden können.</p>
<p>Viele Jahre in meinem Leben als spirituell Praktizierende, Schriftstellerin und Yogalehrerin, und lange nach meinem Hochschulabschluss in Counseling, kam ich zurück zu meinem Studium der Psychologie. Ich begegnete immer wieder »gefallenen Engeln« – grossartigen Lehrern und aufrichtigen Praktizierenden, die tief frustriert, unerfüllt, depressiv und ängstlich blieben, und immer noch Probleme mit Liebesbeziehungen hatten. I wollte effektive Technologien erforschen um Traumas und psychische Probleme zu bearbeiten, die weiterhin unsere Leben und Beziehungen belasten, egal wie viel spirituelle Arbeit wir geleistet haben. Ich fühlte ein leidenschaftliches Bedürfnis zu verstehen, wie wir die Traumas und psychologischen Probleme auf körperlicher Ebene durcharbeiten können. Ich wollte wissen was es wirklich heisst zu Integrieren und wie das erreicht wird.</p>
<p>Einer der grossartigen Beiträge die mein Freund, der Philosoph Ken Wilber, zu diesem Thema gemacht hat ist, zu erklären, dass menschliche Entwicklung auf einer Vielzahl von unterschiedlichsten Entwicklungsebenen geschieht. Zum Beispiel kann jemand auf der kognitiven Linie recht entwickelt sein, oder auf der spirituellen Linie, aber weniger entwickelt auf der Linie der Gefühle/Gemütsregungen, Ethik oder sexueller Entwicklung. Das Resultat ist einseitiges spirituelles Wachstum, das an sich nicht schlecht ist, doch muss als solches erkannt werden um unsere eigene integrierte Entwicklung zu optimieren, und ein Urteilsvermögen in Beziehung zu verschiedenen Therapien und spirituellen Pfaden, Lehrern und Praktiken zu kultivieren.</p>
<p>Ich glaube menschliches Wachstum und Potential hat kein Limit – es gibt keine rauf, runter oder seitwärts Expansion die wir erreichen und sagen können »Jetzt habe ich es geschafft.« Meine Erfahrung ist, je tiefer ich in mich und die Verbindung mit der Welt eintauche, desto mehr entdecke ich wie weit und endlos das alles ist. Die Schönheit daran ist, dass es wörtlich heisst, dass wo immer wir sind ist es OK, weil wir an einem Punkt auf einem Spektrum der Endlosigkeit sind.</p>
<p>Als ich 1999 in jungen Jahren das Buch <em><a href="http://astore.amazon.de/heinzrobert-21/detail/3928632957" rel="external nofollow">Auf halbem Weg zum Gipfel der Erleuchtung: Die Gefahren und Irrtümer verfrühter Ansprüche, erleuchtet zu sein</a></em> schrieb, war ich mir sicher, dass manche Menschen es nicht mögen würden. Wer würde 500 Seiten über Desillusionierung, Ego-Fallgruben, psychologischen Rätseln und gefallene Lehrer lesen? Zu meiner Überraschung wollten viele Menschen, und wollen immer noch, über dieses Thema lesen. Warum? Weil das ist wo wir leben, und lernen zu Akzeptieren wo wir sind ist irgendwie erfüllender, als ständig frustriert zu sein von einem Ideal wo wir sein sollten.</p>
<p>Ich glaube auch wir brauchen alle Hilfe und Begleitung auf dem Weg, manchmal durch professionelle Unterstützung und immer durch Freunde auf dem Weg. Einander zu bedürfen und Unterstützung auf dem Weg durchs Leben zu suchen ist ein Zeichen für Gesundheit, nicht der Unzulänglichkeit. Wir sind wahrlich kraftvoller, wenn wir uns gegenseitig unterstützen als wenn wir versuchen alleine zu stehen.</p>
<p><em>Veröffentlichung dieses Artikels mit der Erlaubnis der Autorin. Übersetzung aus dem Englischen von Heinz Robert</em></p>
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		<title>Entwicklungsstufen des Willen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/08/23/entwicklungsstufen-des-willen/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Aug 2011 15:18:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In dem Buch Der Wille1 beschäftigte ich mich mit Frage, wie das non-duale Handeln realisiert werden kann, und habe dort in Übereinstimmung mit gängigen Entwicklungsmodellen drei Entwicklungsstufen vorgeschlagen. Anstatt mich in dem Buch auf östliche oder westliche Ideologien zu beziehen, nutzte ich vor allem Konzepte aus der Systemtheorie, um diese Entwicklung zu beschreiben. Hier möchte [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2517" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4d6c1255b8b87_small.png" rel="lightbox[2505]"><img class="size-full wp-image-2517" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4d6c1255b8b87_small.png" alt="" width="200" height="113" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / ampelevolution grün © Martin Wimmer</p></div>
<p>In dem Buch <em>Der Wille</em><sup class='footnote'><a href="#fn-2505-1" id='fnref-2505-1'>1</a></sup> beschäftigte ich mich mit Frage, wie das non-duale Handeln realisiert werden kann, und habe dort in Übereinstimmung mit gängigen Entwicklungsmodellen drei Entwicklungsstufen vorgeschlagen. Anstatt mich in dem Buch auf östliche oder westliche Ideologien zu beziehen, nutzte ich vor allem Konzepte aus der Systemtheorie, um diese Entwicklung zu beschreiben. Hier möchte ich nun eine umfassendere Perspektive zum Willen vorschlagen, die zeigt, wie sich auch Handlungen vom einfachen zum komplexen hin entwickeln können, und welche Rolle dabei die Daimonotechnik spielt.</p>
<p>Mit jeder Stufe der Entwicklung von Selbst und Psyche des Individuums entwickelt sich auch der Wille des Individuums, und das heißt natürlich, dass sich seine Werte, seine Perspektiven, seine Ziele und auch, <em>worauf sich der Wille bezieht</em>, verändern, sei es zunächst Natur oder Biosphäre, sei es Kultur oder Soziosphäre oder Psyche oder Noosphäre (psychische Geistsphäre). In unserer kollektiven wie individuellen Entwicklung erobern wir schrittweise diese drei Bereiche der Existenz und entwickeln uns hier vom Einfachen zum Komplexen.</p>
<p>Insofern ist es keine große Überraschung, dass man wie bei der kognitiven Entwicklung des Selbst<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-2" id='fnref-2505-2'>2</a></sup> leicht mehrere Stufen der Willensentwicklung nachvollziehen kann, wobei man diese grob in prä-konventionelle, konventionelle und post-konventionelle Stufen unterteilen kann.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-3" id='fnref-2505-3'>3</a></sup> Ganz vereinfachend gesagt stellen die konventionellen Entwicklungsstufen jene Stufen dar, die heute unter den erwachsenen Individuen vorherrschend sind; also jene Stufen, die auch etwas mit werte– und normengeleitetem Verhalten zu tun haben wie auch mit Vernunft und Individualismus etc. Die prä-konventionellen Stufen repräsentieren die vor-modernen und archaisch-mythischen Weltsichten, wie sie von früheren Kulturen oder auch von Kindern eingenommen werden.</p>
<p>Und die post‐konventionellen Stufen sind jene, die im weitesten Sinne in der Zukunft von Individuum und Kultur liegen, bzw. auch heute schon zunehmend auftreten. Dementsprechend können wir prä-konventionelle, konventionelle und postkonventionelle Formen des Willens beobachten. Wir können beispielsweise leicht sehen, dass der prä-konventionelle Wille, den ein archaischer Jäger formt(e), um das Wild zu erlegen, von ganz anderer Natur ist als der, durch und mit dem wir langfristige Ziele und Karriere erreichen können. Während ich nun in <em>Der Wille</em> vor allem die post-konventionellen Stufen untersuchte, möchte ich hier kurz eine umfassendere Darstellung der Willensentwicklung präsentieren. So eine konkretere Darstellung kann uns einen detaillierteren Kontext und Hintergrund für die Daimonotechnik sowie die Funktion des Willens selbst bieten.</p>
<p>Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass es nicht ‚den Willen‘ gibt. ‚Wille‘ ist, wie ‚Bewusstsein‘ oder ‚Psyche‘, eine strukturelle Beschreibung für einen Prozess, und der Prozess ändert sich auf jeder Entwicklungsstufe, sei sie prä‐konventionell, konventionell oder post‐konventionell. So gibt es nicht ‚einen‘ Willen, der sich auf unterschiedliche Dinge bezieht, sondern so viele Willen, wie wir Entwicklungsstufen beobachten können. Wie die unterschiedlichen Weltsichten verändert sich auch der Wille auf jeder Entwicklungsstufe.</p>
<p>Wenn wir den Prozess des Willens beobachten, kann man sich leicht auf den Konsens einigen, dass Wollen stets Ausdruck des Lebendigen ist. Wir projizieren stets auf irgendeine Weise unsere Vorstellungen in die Zukunft und handeln dementsprechend, um letztendlich weiterzuleben, um so die günstigsten Bedingungen zu schaffen, um weiterzuwollen. Im biologischen Kontext nennt man das Streben nach Fitness oder eben Autopoiese. Oder, wie es Karl Jaspers sagte: „<em>Wille ist nicht nur nach vorwärtsdrängende Aktivität, sondern seine Freiheit liegt darin, dass er sich selbst will.“</em><sup class='footnote'><a href="#fn-2505-4" id='fnref-2505-4'>4</a></sup> Wille selbst ist immer an Leben und Überleben, ist damit immer an Weiterwollen gekoppelt.</p>
<p>Ich werde zeigen, dass Wille an sich keine andere Funktion hat, als das Weiterleben – und damit auch weiter zu wollen zu sichern. Die Frage, wie das umgesetzt wird, wird freilich auf jeder Ent‐ wicklungsstufe unterschiedlich beantwortet. <em>Leben</em>, nicht als Status quo, sondern als Prozess, kann in diesem Sinne und für uns Menschen nur schlecht von dem Willen getrennt werden. Wir können, wie wir weiter oben sahen, nicht nicht handeln, und genauso wenig können wir nicht nicht wollen. Leben und Han‐ deln, und Leben und Wollen sind damit unweigerlich mitein‐ ander verknüpft. Hinzu kommt, dass Leben wie Wollen nur unter Rückbezug auf die Autopoiese der Psyche vonstattengehen kann. Jeder Wille, auf welcher Entwicklungsstufe auch immer, muss auch immer im Kontext des Lebens und Überlebens betrachtet werden. Genau genommen orientiert er sich, wie ich zeigen werde, an der Differenz von Leben und Tod (Aufhören des Wollens). Jeder Wille besteht immer in dem Versuch, zunächst kurz‐ fristig und mit jeder Entwicklungsstufe immer langfristiger, das Überleben zu sichern – genau dass macht seine autopoietische Funktion für Psyche und Leben aus.</p>
<h4>1. Bio‐Überlebenswille</h4>
<p>Jedes Entwicklungsmodell beginnt mit einer Inbezugnahme auf den Körper und den grundsätzlichen Überlebensbedürfnissen des Körpers, das heißt den Überlebensbedürfnissen Nahrung, Wasser, Schlaf, Wärme, Luft, und wie Eric Berne pointiert betonte, mit Streicheleinheiten, damit das Rückenmark nicht verkümmert. Es ist natürlich schwierig auf dieser Stufe, wie sie etwa bei Säug‐ lingen auftritt, von einem Überlebenswillen zu sprechen – weil es eher so etwas wie ein unbewusster Drang ist; doch wie alles andere auch fängt der Wille irgendwo an, sich zu entwickeln. Er tut dies aus einfachsten Bioüberlebensbedürfnissen und dem Drang nach rezeptiver Befriedigung. Es ist hier ein sehr instink‐ tiver Wille, oder besser: <em>kaum von Instinkt zu unterscheiden</em>, ein körperbezogener Wille, aber dennoch einer, der die Grundlage aller weiteren Willensformen bildet, die im Laufe der Evolution des Geistes und der Kultur auftauchen.</p>
<p>Wir finden den Bio‐Überlebenswillen besonders prägnant beobachtbar bei Säuglingen auf der senso‐motorischen Entwicklungsstufe wie auch bei älteren Menschen, um deren biologische Bedürfnisse man sich kümmern muss. Aber auch in unserem Alltag macht er sich immer bemerkbar, wenn wir hungrig oder müde sind. Wie stark dieser ‚Wille‘ ist, zeigt sich allein darin, wenn man mal versucht, über längere Zeit zu fasten oder nicht zu schlafen. Dieser Bio‐Überlebenswille zeigt sich aber auch, wenn der Sexualität als unmittelbare Triebabfuhr stattgegeben wird, und zwar als biologisches Programm zur Arterhaltung. Die wesentliche Information und das Ziel des Willens ist <em>Leben</em>; der Zeithorizont und die Komplexität des Willens mag sich über die folgenden Stufen ändern, nicht jedoch die Intention des Willens selbst, also zu <em>überleben</em>.</p>
<p>In der Psychologie markiert dieser Bio‐Überlebenswille die erste der prä‐konventionellen Entwicklungsstufen; dieser ‚Wille‘ ist der erste der Naturstufen des Willens – im Gegensatz zu den Kultur‐ und Selbststufen des Willens. Doch sie bleibt immer Teil unserer Existenz: So weit, wie wir uns auch entwickeln, solange wir als biologische Organismen leben, so lange formen wir auch den Bio‐Überlebenswillen. Er ist in alles eingebettet, was wir tun. Jede Stufe bleibt bei der Emergenz <em>der darauf folgenden </em>Stufe ebenfalls erhalten und aktiv. Was wir auch tun, so sehr wir uns auch entwickeln, so bleiben die vorherigen Errungenschaften der Psyche stets erhalten.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-1-Der_Bio-Ueberlebenswille.png" rel="lightbox[2505]"><img title="Tab. 1: Der Bio‐Überlebenswille." src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-1-Der_Bio-Ueberlebenswille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 1: Der Bio‐Überlebenswille.</p></div>
<p>Zusammengefasst finden wir die Eigenschaften des Bio‐Überlebenswillens in Tab.1. Der Punkt ‚zu befriedigende Bedürfnisse‘ bezieht sich auf Maslow und seine Bedürfnispyramide. Ich habe zudem auch noch andere Entwicklungsmodelle zu der Beschreibung dieser Stufe assoziiert, nämlich das sozio-kulturelle Entwicklungsmodell <em>Spiral Dynamics</em>von Don Beck, die Selbstentwicklungstheorie von Susanne Cook‐Greuter, ein Entwicklungsmodell des Nervensystem von Timothy Leary sowie die Kabbala. Die ‚Funktion‘ (in der Tabelle) bezieht sich auf den Nutzen des Willens für den ganzen Menschen, während die ‚Leistung‘ der unmittelbare Ausdruck dieses Willens ist.</p>
<h4>2. Sicherheitswille</h4>
<p>Der Sicherheitswille ist der zweite prä‐konventionelle Wille. Er stellt den ersten Versuch dar, Überleben in dem als Umwelt begriffen Raum zu sichern. Wie erwähnt haben Säuglinge auf der vorhergehenden senso‐motorischen Stufe diese Unterscheidung zwischen Innen und Außen noch nicht gefällt; Kleinkinder auf dieser selbst‐schützenden Stufe (siehe Tabelle unten) versuchen nun jedoch, den Willen auf die als Außenwelt begriffene Erfahrung auszuweiten. Hier wird also aus dem passiven und rezep‐ tiven Überlebensdrang der ersten Stufe das aktive Streben nach Überleben. Hier beginnen wir unser körperliches Überleben selbst zu sichern. Wir beginnen zu arbeiten und hier entwickelt sich Aggression, wenn Aggression (lat. <em>aggressiō</em>)‚ sich nähern‘ oder ‚heranschreiten‘ bedeutet.</p>
<p>Auch der Sicherheitswille tritt wie der Bio‐Überlebenswille bei anderen Säugetieren auf. Man beobachte nur einmal zwei miteinander spielende Hunde, deren Interaktion, das Spiel, plötzlich in Kampf und Statusverhalten umschwenken kann. Auf dieser Stufe tritt der starke, physische Wille als solcher auf, unterscheidbar vom bloßen <em>survival‐craving</em>, erstmals sich selbstbewusst, aktiv und mächtig: Hier wird für das eigene Überleben gekämpft. Hier wird gespielt, auch, um das Kämpfen zu üben. Status und Statusauseinandersetzungen sind das unmittelbare Resultat zweier solcher Willen, die aufeinandertreffen, ob dies nun vor etlichen tausend Jahren in den Stammeskulturen oder heute in den Universitäten stattfindet. In diesem Sinne ist das Ziel dieses Willens immer die Selbstbehauptung in einer häufig als feindlich begriffenen Umwelt.</p>
<p>Das Leitthema des Willens auf dieser Stufe ist Sicherheit und damit der Versuch das Überleben vor einem längeren Zeithorizont in einem größeren Raum zu sichern. Sicherheit kann durch vielerlei Mittel erlangt werden, etwa durch Arbeit oder eben durch physischen Kampf. Wichtig ist, das hier – im Vergleich zu der eher empfänglichen Bioüberlebensstufe – im wahrsten Sinne des Wortes <em>physische Bewegung </em>ins Spiel kommt, der Ausdruck und die Freisetzung von Energie, von Emotion, von Aggression, in Form von Arbeit, Kampf und Spieltrieb. Andererseits hängt dieser Wille auch mit innerer Sicherheit zusammen und zeigt sich z.B. im impulsiven, emotionalen Selbstausdruck, beobachtbar etwa bei der narzisstischen Selbstdarstellung von Kindern vor einem Spiegel oder der von Rockstars auf der Bühne. Das Credo lautet natürlich: „Dies bin ich, dies ist mein Wille, dies ist meine Emotion“; „Ich will“, heißt die Devise, „und zwar ohne Rücksicht auf Verluste oder andere.“ Das Individuum findet Sicherheit im machtvollen Selbstausdruck, in der Bewegung des Selbstausdrucks.</p>
<p>Insofern bezieht sich dieser Wille auf Menschen, die die Welt einzig aus Perspektive ihrer eigenen Wünsche, Ziele und Bedürfnisse beschreiben, und die ihre Egozentrik in jedem Fall durch‐ setzen, ihr Überleben in jedem Fall gewährleisten wollen. Wie die Entwicklungspsychologin Susanne Cook‐Greuter diese Stufe, die <em>s</em><em>elbst‐schützende </em>Stufe, beschreibt:</p>
<blockquote><p>Diese Stufe ist den meisten von uns durch das Beobachten oder den Umgang mit Kleinkindern vertraut. Eine Zeit lang wird für Zweijährige alles zu einem Willenstest. Kann der eigene Wille nicht durchgesetzt werden, ist das Ergebnis ein Wutanfall (auch als eine Reaktion auf widerstrebende Bedürfnisse und Wünsche). Diese Verhaltensweisen sind auch bei Erwachsenen der Stufe ʺSelbst‐schützendʺ üblich. Sie stehen generell fremden Absichten argwöhnisch gegenüber und vermuten das Schlimmste. Für diese Menschen ist alles ein Willenskrieg und das Leben ein Nullsummenspiel.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-5" id='fnref-2505-5'>5</a></sup></p></blockquote>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-2-Der_Sicherheitswille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 2: Der Sicherheitswille." src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-2-Der_Sicherheitswille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 2: Der Sicherheitswille.</p></div>
<p>Bei uns Erwachsenen wird der Alltag von diesem Sicherheitswillen auch dann gespeist, wenn wir beginnen, den Zeithorizont der unmittelbaren Befriedigung von Bio‐Überlebensbedürfnissen auszudehnen. Er hilft uns zu arbeiten, um mit dem Gehalt 30 Tage später unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen. Wir bauen Häuser, um uns vor Dunkelheit, Kälte und Nässe zu schützen; wir unterhalten Viehherden und betreiben Landwirtschaft, um uns für die Zukunft abzusichern. Es ist in diesem Zusammenhang relativ irrelevant, ob man Landwirt ist oder Wall‐Street‐Broker, sofern man seiner Arbeit nachgeht, um im nächsten Monat seine Miete, seine Nahrung, seinen Unterhalt zu finanzieren. Wir bemerken diesen Willen in uns immer dann, wenn uns klar wird, dass wir etwas tun müssen, um körperlich zu überleben. In diesem Sinne ist auch dieser Wille ein natur‐ und körperbezogener Wille.</p>
<p>Insofern ist auch dieser Wille noch ein egozentrierter Wille; aus dem passiven Überlebenswillen wird der aktive Kampf.</p>
<h4>3. Konformistischer Wille</h4>
<p>Dies waren gewissermaßen die beiden Naturstufen des Willens, die sich auf den Körper und seine Beziehung zur Umwelt beziehen. Nun machen wir einen Sprung zu den <em>Kulturstufen </em>des Willens – man könnte sie auch die konventionellen Stufen des Willens nennen, im Gegensatz zu den prä‐konventionellen Stufen, die wir schon besprochen haben.</p>
<p>Dies ist die erste der konventionellen Stufen des Willens, die über den narzisstischen Vollzug und Ausdruck hinausgeht. Der Wille findet hier erstmals die Wir‐ und Sozial‐Dimension menschlichen Verhaltens und reicht über den eigenen Körper hinaus. <em>Hier wird der Wille des Individuums erstmals mit dem Willen des Kollektivs assoziiert</em>: Das ist richtig, was das Kollektiv konsensuell als richtig beschließt/begreift; das kann gewollt werden, was das Kollektiv als wollenswert definiert. Das Credo lautet in etwa: „Wenn alle X wollen, so will ich es auch!“.</p>
<p>Ein ganz einfaches Beispiel für diesen konformistischen Willen finden wir in den sozialen Räumen, in denen wir uns alltäglich bewegen. In Bibliotheken, Arbeitsämtern, Parks, Kinos, Restaurants usw. gibt es jeweils ganz bestimmte, meist implizite Verhaltensregeln, die eingehalten werden <em>müssen</em>, und die das Individuum meist auch gerne einhält, um an diesen Räumen partizipieren zu können. Wenn wir uns in diesen Räumen bewegen, akzeptieren wir auch meist die Regeln dieser Räume, und wir ‚dürfen‘ dann jene verurteilen, die es nicht tun. Man darf sich eben nicht an der Kasse vordrängeln, im Kino ist das Handy auszumachen und in der Bibliothek hat man zu schweigen. Allgemein aber gilt: Unsere Bewegung in den sozialen Räumen ist mehr oder minder freiwillig; wir passen unser Verhalten den vorherrschenden Regeln an und sichern so das soziale Auskommen.</p>
<p>Der Sicherheitsaspekt der vorherigen Stufe wird hier also auf die Sozio‐Sphären ausgedehnt, Regeln erleichtern das Zusammenleben. Der konformistische Wille zeigt sich genau darin, dass sich das Individuum an diese Regeln anpassen will. Verbrechen und Strafe sind die beiden Phänomene, die hier im Kontext des konformistischen Willens Sinn ergeben.</p>
<p>Auf kultureller Ebene entsteht hier aus dem narzisstischen, prä‐konventionellen Bedürfnis nach Rache, welche ein Ausdruck des Sicherheitswillens ist, das kollektive Recht<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-6" id='fnref-2505-6'>6</a></sup>, und dieser Wille sowie die damit einhergehende Entwicklungsstufe hat auch heute noch eine große Verteilung. Das Kollektiv kann die eigene Familie, die Clique, die Arbeitsgemeinschaft, die Dorfgemeinschaft oder der Staat sein<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-7" id='fnref-2505-7'>7</a></sup> – im letzten Fall überdeutlich zu beobachten im scheinbar unerklärlichen blinden Rudelverhalten Nazi‐Deutschlands. Selbst‐Identität wird über die Gruppe geschmiedet; immer dann, wenn wir auf die Straße gehen und demonstrieren, weil es alle unsere Arbeitskollegen tun, immer dann, wenn wir uns zu Konferenzen treffen, weil es sozialer Konsens und soziale Notwenigkeit ist, immer dann, wenn wir Fußball schauen, um am Montag mitreden zu können, immer dann wirkt genau diese Bewusstseins‐ und Willensstruktur. Das heißt, viel mehr als bei dem Sicherheitswillen dreht es sich hier um das soziale Überleben des Menschen.</p>
<p>Wir nutzen beispielsweise auch diesen Willen, wenn wir nicht selbstständig arbeiten, sondern wenn wir, vorgegeben durch einen sozialen Konsens – z.B. die ‚40‐Stunden Woche‘ – die Eigenverantwortung für unsere Zeitstrukturierung abgeben, und tagein, tagaus unserem Job nachgehen. Wenn wir also arbeiten, um Geld zu verdienen, aber auch, um unsere Zeit zu strukturieren – eine höchst wichtige Frage, wie jeder weiß, der einmal ausprobiert hat, über eine Woche tatsächlich nichts zu tun. Wie wir sehen werden, ist die Errungenschaft, seine Arbeit mit Pas‐ sion, Talent und Selbstverwirklichung zu verbinden, erst etwas, was mit der Postmoderne auftaucht und damit erst in den letzten einhundert Jahren langsam an Bedeutung gewinnt. Der konfor‐ mistische Wille hingegen tut etwas, weil es sich so gehört, und weil es die soziale Realität darstellt.</p>
<p>Allgemein entsteht dieser konformistische Wille immer genau dann, wenn gemeinsam (Verhaltens‐)Normen kondensiert werden, die eingehalten werden müssen: <em>onto‐memetisch</em>, wenn das Kind schon tradierte Regeln übertritt, um sie zu internalisieren, und <em>phylo‐memetisch</em>, wenn kulturell neue Normen und Regeln entwickelt werden, seien sie nun absolutistisch, mystisch, religiös oder lebensweltlich, um das Zusammenleben zu sichern. Die enge Anbindung des Individuums an das Kollektiv wird deutlich, wenn man berücksichtigt, dass das Individuum im Kontext dieser Normen nach Anerkennung von anderen strebt, wenn es sich richtig verhält, wie implizit auch Zurechtweisung, wenn das Verhalten nicht passt<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-8" id='fnref-2505-8'>8</a></sup>; andererseits will das Individuum auch andere bestärken und belohnen, wenn es das rechte Ver‐ halten zeigt, wie auch, andere dafür abstrafen, wenn dies nicht der Fall ist. Nochmals Cook‐Greuter, die diese generelle Entwick‐ lungsstufe ‚Diplomat‘ nennt:</p>
<blockquote><p>Wegen der Notwendigkeit akzeptiert zu werden ist die Sprache unpersönlich, oft übertrieben positiv und voller Plattitüden. ‚Diplomaten‘ sind im Wesentlichen Diplomaten. Sie wollen kein Anlass für Unruhe sein, möchten nicht ausgeschlossen werden und starten keine Initiativen, die nicht von der Gruppe sanktioniert sind. Es ist dem Diplomaten wichtig, mit den Nachbarn mitzuhalten und als Zeichen des eigenen Erfolgs materielles Vermögen und Statussymbole zu erwerben.</p>
<p>Um gemocht zu werden, braucht man eine gefällige soziale Persönlichkeit. Es ist wichtig freundlich, angenehm und gut aussehend zu sein. Menschen werden danach beurteilt, wie sie aussehen. Große Aufmerksamkeit wird auf Ordentlichkeit, äußere Erscheinung und Reinlichkeit gelegt.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-9" id='fnref-2505-9'>9</a></sup></p></blockquote>
<p>Vermögen und Statussymbole sind auf dieser Stufe insofern wichtig, weil sie ein Symbol oder Beweis für das rechte Verhalten und damit auch für das Nachleben sind; häufig wurden in Früh‐ kulturen, als sich diese Entwicklungsstufe langsam sozio‐kulturell durchzusetzen begann, ja Schmuck und Wertgegenstände dem Grabe beigelegt, nicht nur um den Status des Verstorbenen zu verkünden, sondern um ihn mit Mitteln im Nachleben zu versorgen. Es ist dabei wichtig zu berücksichtigen, dass viele Men‐ schen heute auf dieser Stufe nicht zwangsläufig gottesfürchtig oder religiös sind. Als diese Entwicklungsstufe vor etwa 3000 Jahren jedoch soziokulturell aufgetaucht ist und sich immer mehr durchsetzte, war sie an religiöse oder mythische Bilder gekoppelt, und diese Bilder oder Meme<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-10" id='fnref-2505-10'>10</a></sup> sind heute immer noch aktiv und eingebettet in das moderne Leben.</p>
<p>Insofern müssen wir auch hier die Tatsache berücksichtigen, dass auf dieser Stufe des Willens das grundlegende Ziel, nämlich das Überleben, besonders codiert und eingebettet wird. Das geschieht auf zweierlei Weisen. Einerseits wird auf dieser Stufe versucht, via normen‐ und werteorientiertem Verhalten das langfristige, generationsbedingte Überleben in einem Kollektiv zu gewährleisten. Das individualisierte Sicherheitsdenken der vorherigen Stufe wird z.B. hier auf die Familie und die nachkommenden Generationen ausgedehnt. Reichtum und damit Sicherheit entsteht, wenn Geld vererbt und weiter angehäuft wird. Es entsteht dementsprechend mit dem Auftauchen der entsprechenden sozio‐kulturellen Entwicklungsstufe (s.u.) realer und wirtschaftlicher Adel. Hier wird also der Überlebens‐ und Sicherheitshorizont generationsbedingt weiter ausgedehnt und nach hinten verschoben.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-3-Der_Konformistische_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 3: Der Konformistische Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-3-Der_Konformistische_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 3: Der Konformistische Wille</p></div>
<p>Viel bedeutender aber ist das Unternehmen, dass das Kollektiv Verhaltensnormen codiert und auf längere Sicht die institutionelle Religion erschafft, durch die versucht wird, durch normenbe dingte Verhaltenskontrolle und die richtige Lebensführung das Leben nach dem Tod zu sichern. Daher geht mit allen Religionen, die historisch/sozio‐kulturell aus dieser generellen Entwicklungs‐ stufe hervortreten64 auch eine irgendwie geartete Vorstellung von einem Nachleben mit einher, sei es in Form eines Paradieses, dem Nirwana, der Inkarnation etc. Die grundlegende Idee des Willens auf dieser Stufe ist es also, jetzt durch rechtes Verhalten das eigene Überleben oder das der Sippe nach dem eigenen Tod zu gewährleisten.</p>
<h4>4. Der Leistungs‐Wille</h4>
<p>Kommen wir nun zur zweiten Kulturstufe des Willens, dem Leistungswillen. Der Leistungswille entsteht, wenn das Kollektiv den Wert entwickelt und <em>pädagogisch </em>umsetzt, den Willen selbst der <em>Erziehung </em>zu unterwerfen und das Individuum diesen Wert übernimmt. ‚Selbst‐Disziplin‘ ist hier das ins Bewusstsein tretende Stichwort. Hier entsteht der individualisierte Wille zur Leistung, zur Karriere, zum Erreichen langfristiger Ziele, sei es wissenschaftlich, wirtschaftlich, politisch, athletisch o.ä., d.h. zu der langfristigen Weiterentwicklung der Kultur.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-11" id='fnref-2505-11'>11</a></sup> Dieser Leistungswille ist auch noch ein konventioneller Wille, denn das Individuum übernimmt das Leistungsdenken‐ und Streben, die damit verbundenen sozialen Rollen und Werte aus dem Kollektiv. Der konformistisch ausgerichtete Wille der vorherigen Stufe wird hier zum Ausdrucksmittel der Individualität; das Individuum beginnt hier, vor dem Hintergrund sozial‐konditionierter Werte, selbst‐ verantwortlich seine Ziele zu erreichen, und und sei es, dass diese Ziele in der selbstverantwortlichen Gestaltung des eigenen Lebens bestehen. Mit anderen Worten: Identifiziert das konformistische Individuum seinen Willen mit dem kollektiven Willen – á la: Wenn es richtig ist, am Sonntag zur Kirche zu gehen, will auch ich dies tun – so übernimmt das Leistungsindividuum nun den Wert, sein Leben durch seinen Willen selbst zu gestalten.</p>
<p>Die Zeitdimension des Leistungswillens wird – im Verhältnis zum konformistischen Willen – vergrößert. 30 oder 40 Jahre für ein Ziel zu arbeiten ist dabei keine Seltenheit und genau diese Ausdauer ist ein bemerkenswertes Kennzeichen dieses Willens.</p>
<p>Die Bedingungen für den Leistungswillen werden erschaffen, wenn der fremdreferenzielle Glaube an ein Nachleben und das Anpassen an eine entweder soziale oder religiöse höhere Ord‐ nung zugunsten eher ich‐bezogener und rationaler Konzepte abgelegt werden. Die Wahrheit kann dann durch wissenschaftliche Methoden gefunden werden.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-12" id='fnref-2505-12'>12</a></sup> Das geschah z.B. sozio‐kulturell, als die Moderne und die <em>Aufklärung </em>als solche eingeläutet wurden, als auch psychologisch, wenn das Individuum die formal‐operationale Entwicklungsstufe betritt, die, nach Susanne Cook‐Greuter die ‚Zielstufe unserer westlichen Kultur‘ ist. Glauben wird auf dieser Stufe durch Wissen, Logik, Rationalität und Technik ersetzt. Hier begreift sich das Individuum nicht mehr als Teil von Gottes Schöpfung, sondern als ein separates Rädchen im kosmischen Getriebe, das lernen kann, sich die Regeln der Welt zunutze zu machen.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-13" id='fnref-2505-13'>13</a></sup></p>
<p>Besondere Bedeutung kommt hier der institutionalisierten Wissenschaft zu, die mit der Aufklärung einen besonderen Stellenwert bekam. Denn genau genommen arbeitet die Wissenschaft an nichts anderem als der Verbesserung der Lebensbedingungen und damit der <em>Lebensverlängerung</em>. Jede Wissenschaft ist in diesem Sinne eine Wissenschaft des Überlebens. Man kann heute z.B. klar sehen, dass das Durchschnittslebensalter seit der Aufklärung und Institutionalisierung der Wissenschaften dramatisch angestiegen ist, denn Wissenschaft ermöglicht z.B. bessere Ernährung, bessere Medizin und Vorsorge. Während vor noch 400 Jahren, also kurz vor dem Auftauchen der Institutionalisierung der Wissenschaft, das durchschnittliche Sterbealter bei etwa 30 Jahren lag, liegt es heute bei etwa 75 Jahren. Die Errungenschaften aus Medizin, Physik, Biologie, Chemie usw. finden so ihre direkten Anwen‐ dungen in den Verbesserungen der lokalen und globalen Lebens‐ bedingungen. Hieran können wir erkennen, dass auch auf dieser Stufe das Ziel des Willens, nämlich <em>zu überleben</em>, eingebaut ist. Nur durch die wissenschaftliche Leistung der Einzelnen, die die Forschung vorantreiben, werden wir die Lebenserwartung stetig weiter anheben und vielleicht sogar irgendwann den biologischen Code des Alterns knacken.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-4-Der_Leistungswille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 4: Der Leistungswille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-4-Der_Leistungswille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 4: Der Leistungswille</p></div>
<p>Es entsteht darüber hinaus mit der entsprechenden sozio‐kulturellen Entwicklungsstufe auch ein neuer Techno‐, Wissens‐ und vor allem Körper/Sportkult, wie er sich in den Anstrengungen des Pädagogen Coubertins, die Olympischen Spiele wieder zum Leben zu erwecken, sowie der Gottgestalt des modernen Athleten, der für einen Moment, nämlich den des Sieges, nichts anderes erlangt als Unsterblichkeit selbst, ausdrückt.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-14" id='fnref-2505-14'>14</a></sup> Hier finden wir den binären Code von Gewinner und Verlierer, sowie von Erfolg und Misserfolg, der hier mehr als auf jeder anderen Stufe zur Geltung kommt. Man will schließlich <em>besser </em>sein als seine Konkurrenten, um seine Lebensbedingungen zu verbessern. Durch diese soziale Konditionierung in Bezug auf die Gewinner/ Verlierer‐Differenz stellt Gesellschaft sicher, dass sie als starke Nation überleben kann, spielerisch, indem beispielsweise möglichst viele Medaillen bei den Olympischen Spielen oder ähnlichen Events gewonnen werden können, oder wirtschaftspolitisch, in dem eine Nation über viel Kauf‐ und Produktionskraft verfügt.</p>
<h4>5. Der kreative Wille</h4>
<p>Wir haben bislang die Natur‐ und Kulturstufen des Willens besprochen. An dieser Stelle findet nun ein Übergang zu den Selbststufen des Willens statt, also einem Willen, der sich nicht mehr auf das Überleben des Individuums in einer physischen oder sozialen Umwelt bezieht, sondern auf das Bewusstsein selbst, dass diese Umwelten beobachtet.</p>
<p>Zunächst tritt hier der kreative Wille auf, also jener Wille, der mit dem Auftauchen der Postmoderne so gut beobachtbar ist: Der Wille zum kreativen und authentischen Selbstausdruck, sei es bei wirtschaftlichen, künstlerischen, spirituellen, ökologischen oder ähnlichen Projekten und Ambitionen. Ganz einfach gesagt überwindet der kreative Wille konventionelle Wertvorstellungen; es ist der erste post‐konventionelle Wille und der Versuch des Menschen, unabhängig von gesellschaftlichen Konzepten und Angeboten seinen eigenen Weg in der Welt zu finden. Dieser kreative Wille zeigt sich in dem Streben nach Selbstausdruck, Selbsterfüllung und Selbsterforschung. Es zeigt sich auch in dem Versuch, in einer bestimmten Lebenspraxe zu Gipfel‐ oder Flowerfahrungen zu kommen, sei es in der Kunst, der Spiritualität, beim Sport, oder gemeinsam bei Gruppenprojekten, die durch flache Hierarchien gekennzeichnet sind.</p>
<p>Der kreative Wille taucht – einfach gesagt – mit der postmodern‐konstruktivistischen Erkenntnis auf, dass es keinen objektiven Beobachterstandpunkt gibt, sondern dass uns alle unsere Subjektivität verbindet.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-15" id='fnref-2505-15'>15</a></sup> Während sich der Leistungswille in diesem Sinne noch auf die als manifest verstandene wirkliche Außenwelt bezieht und den Versuch, das Räderwerk der Weltmaschine besser als jeder andere beherrschen zu lernen, richtet das postmoderne Individuum den eigenen Willen entweder auf diese eigene Subjektivität oder die Intersubjektivität zwischen uns Menschen. Das heißt nicht, dass real existierende Probleme wie die drohende Klimakatastrophe in und mit dieser Subjektivität geleugnet werden. Sondern es heißt vielmehr, dass mit der Erkenntnis der Beobachterabhängigkeit auch das Bewusstsein dafür entsteht, dass wir uns erst mal selber und unsere Verhaltensweisen ändern müssen, um die Welt ändern zu können, und etwa das Ökobewusstsein durchaus damit anfängt, seine eigenen Nahrungsgewohnheiten zu überprüfen … anstatt etwa zu hoffen, die Politik würde etwas verändern. Wir sehen hieran, dass zusätzlich zu dem (modernen) Versuch, auf die Umwelt Einfluss zu nehmen, das (postmoderne) Moment der Subjektivität mit hinzukommt. Der Mensch muss nun nicht nur sein Leben in der Welt bewältigen; er muss auch sein Leben mit sich selbst bewältigen.</p>
<p>Das heißt, es entwickelt sich das Bewusstsein darüber, dass Außenwelterfahrung nicht gleich Außenwelt ist, und dass wir uns selbst verändern können – ein entscheidender Fortschritt im Ver‐ hältnis zu dem Leistungswillen, der noch an die strikte Unterschei‐ dung von Innen und Außen gebunden ist. Und statt nach Status, Karriere und Geld zu streben, setzt sich immer mehr der Wunsch – oder besser: der Wille – durch, sich selbst und seine eigene Subjektivität, ja die eigene Individualität zum Ausdruck zu bringen, sei es durch Musik, Kunst, Sport, Technik o.ä. Hier wird zunehmend von althergebrachten Rollenkonzepten Abstand genommen, man will sich selbst und seinen Weg im Leben finden. Überhaupt tritt hier der Wunsch nach Selbstveränderung auf, und es ist kein Zufall, dass mit dem Auftauchen der Postmoderne auch ein neues spirituelles Bewusstsein auftritt. Susanne Cook‐Greuter dazu:</p>
<blockquote><p>Da eigene alte Identitäten nicht mehr ungefragt akzeptiert werden, ist der Wunsch nach einer persönlichen Leistung unabhängig von sozial anerkannten Rollen oder Aufgaben eines der Hauptanliegen des Pluralisten. Sie ziehen sich oft zeitweise von äußeren Angelegenheiten oder dem Tagesgeschäft ihrer Unternehmen zurück. Stattdessen wenden sie sich nach innen auf ihrer Suche nach ihren außergewöhnlichen Talenten oder gehen ihren eigenen brennenden Fragen nach. So sie den Raum bekommen sie selber zu sein, können sie häufig einen kreativen Einfluss auf ihren Arbeitsplatz haben, neue Möglichkeiten entwickeln auf Probleme zu schauen oder andere mit ihrem Enthusiasmus dazu inspirieren, ihre eigenen Interessen oder Fragen zu verfolgen.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-16" id='fnref-2505-16'>16</a></sup></p></blockquote>
<p>Hier tritt, eingebettet in viele Formen des Lernens, auch die Erste Daimonotechnik auf, also das Streben danach, sich in einer besonderen Lebenspraxis weiter zu entwickeln und euphorische Gipfelerfahrungen zu erzeugen; nicht des Status oder der Anerkennung willens, sondern wegen des Bedürfnisses nach Selbstverwirklichung und Freiheit. Allgemein ist der kreative Wille der erste post‐konventionelle Wille, der sich heute nach und nach im Westen durchsetzt. Sofern und solange also die autopoietischen Prinzipien der Psyche auf eine besondere Lebenspraxis selbst angewendet werden, so sprechen wir also von einem kreativen Willen. An anderer Stelle definierte ich diesen kreativen Willen als die <em>Einheit von Ziel, Flow und Verhalten</em><sup class='footnote'><a href="#fn-2505-17" id='fnref-2505-17'>17</a></sup>, und damit ist nichts anderes ausgedrückt, als dass wir in einer Zielerreichung versuchen, mit und in <em>Flow </em>non‐dual zu handeln. Das ist natürlich eine sehr technische Beschreibung für eine relativ einfache Sache, die man erfährt, wenn man daimonisch handelt.</p>
<p>Auch hier, auf der diesem Willen entsprechenden, soziokulturellen Entwicklungsstufe (siehe Tabelle unten), lautet die grundsätzliche Frage: Wie können wir unser Überleben sichern? Wie wir sahen, wird dieses Problem auf jeder Stufe anders codiert und gelöst. Im Fall dieser postmodernen Entwicklungsstufe und dieses Willens wird dieses Problem einerseits in die globalen Finanzkrisen und die drohende Ökokatstrophe eingebettet, die, wie James Lovelock bemerkte<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-18" id='fnref-2505-18'>18</a></sup>, weniger eine Frage dessen ist, ob das Ökosystem Erde – Gaia – überlebt, sondern vielmehr, ob wir unseren eigenen Lebensraum zerstören. Hier wird die Frage des Überlebens insofern auf uns als Spezies als Ganzes ausgedehnt. In der (globalen) Klimadebatte sehen wir hier also jene Aufeinander‐zu‐Bewegung der Kulturen, auf die u.a. Ken Wilber hingewiesen hatte<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-19" id='fnref-2505-19'>19</a></sup>, und das die sozio‐kulturelle Entwicklung seit Aufkommen des Homo‐Sapiens kennzeichnet – von Sippen zu Dorfgemeinschaften, von Dorfgemeinschaften zu Städten, von Städten zu Fürstentümern und Ländern, von Nationen zu einem ‚globalen Dorf‘.</p>
<p>Zum Zweiten wird das Thema ‚Überleben‘ mit dem Import östlich-spiritueller Praxen und der Ausdifferenzierung westlich‐spiritueller Übungssysteme seit dem ausgehenden 19ten Jahrhundert zunehmend in unserer Kultur thematisiert, wo Fragen der Erneuerung, der psychischen Unsterblichkeit und der Erleuchtung ins Bewusstsein dringen; psychische Unsterblichkeit heißt hier, die Bedingungen des kognitiven Konzepts des ‚Egos‘ zu überwinden und in den Seinsgrund einzutauchen, jenem erleuchteten psychisch‐spirituellen Zustand jenseits aller Dualität, in dem man, wie es im Zen-Buddhismus heißt, ‚nicht geboren wird und auch niemals sterben kann.‘</p>
<p>Drittens tritt mit der Postmoderne neben der modernen Spiritualität auch die institutionalisierte Psychologie auf, und mit ihr auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Existenz, wie sie Victor Frankl so nachhaltig als ‚Wille zum Sinn‘ einfängt, denn ohne Sinn sind wir, wie jeder, der schon einmal eine Depression hatte weiß, nicht lebens‐ oder überlebensfähig. Welchem Sinn sollen wir also folgen, wenn wir die modernen Werte und das Leistungsstreben oder das traditionell‐bürokratische Herdendenken ablehnen? Wo können wir den Sinn finden? Die zeitgenössisch‐postmoderne, erkenntnistheoretische Antwort lautet natürlich: ‚Sinn‘ – als Einheit von Differenzen – ist ein Konstrukt des Bewusstseins; also können wir auch lernen, Sinn unabhängig von bislang sozial tradierten Konzepten selbst zu setzen; und Individuen, die diesen Sinn noch nicht in sich finden oder formen können, fühlen sich auf dieser Stufe zerrissen, gespalten und unausgefüllt; es ist gerade diese innere Zerrissenheit, die oftmals zum Lackmustest unserer postmodernen Kultur gemacht wird.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-20" id='fnref-2505-20'>20</a></sup></p>
<p>Wenn mit Postmoderne etwas Neues auftritt, so ist es damit auch der Wille, mehr Verantwortung für unsere Umwelt und das eigene Bewusstsein zu übernehmen. Der kreative Wille ist insofern der erste Wille, der sich durch die Reaktion des Bewusstseins auf sich selbst ergibt und der konstruktivistischen Erkenntnis, dass alles Erkennen beobachterabhängig ist. Das Resultat ist, dass <em>der Wille beginnt, das Bewusstsein zu formen</em>. In diesem Sinne tritt der kreative Wille als sich selbstbewusste Begeisterung auf: Für Umweltschutz, für die Kunst, für das musizieren, für die ganzheitliche Sexualität oder die Spiritualität per se. Weil dieser Wille der erste ist, durch den versucht wird, das Bewusstsein selbst zu verändern, ist dieser kreative Wille auch der erste Versuch des Menschen, Daimonotechnik zu verwenden. Er strebt mit seinem Willen erstmals bewusst Emergenz an, und zwar als Flow‐ oder Gipfelerfahrung. Für viele kreative Menschen ist es gerade Flow, diese temporäre Erfahrung der Emergenz, die das, was sie machen, so interessant macht. Hier offenbart sich dann auch die Spitze der ursprünglichen Maslowschen Bedürfnispyramide, nämlich das Bedürfnis nach kreativem Selbstausdruck. Hier finden wir den kreativen Ausdruck, und zwar in der Gipfelerfahrung, in der Transzendenz; hier finden wir das besondere Engagement, über seine traditionellen ‚Konditionierungen‘ hinauszuwachsen, oder auch eine neue ökobewusste und spiritualitätsbewusste Kultur zu erzeugen, die ebenso im Einklang mit den Kräften der Natur wie auch mit den Kräften der Psyche ist.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-5-Der_kreative_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 5: Der kreative Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-5-Der_kreative_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 5: Der kreative Wille</p></div>
<p>Das kreative Individuum wird so durch den kreativen Selbstausdruck sozial betrachtet zum Produzenten von Memen (im Sinne Susan Blackmores), von eben gedanklichen wie sozio‐kulturellen Informations‐Einheiten, und sorgt damit für die Aufrechterhaltung und Erneuerung der sozialen Autopoiese und der Realität als soziales Konstrukt. Diesen Zusammenhang zwischen dem individuellen Versuch, neue Meme zu produzieren, dem kreativen Selbstausdruck und der inneren Selbstfindung kann man nicht deutlich genug betonen. Eine besondere Rolle spielt dabei besonders das Internet, durch das die Produktion und die soziale Darstellung von Memen beobachtbar angestiegen sind.</p>
<h4>6. Der evolutionäre Wille</h4>
<p>Der evolutionäre Wille basiert zunächst auf der Erkenntnis, dass sich der Wille schrittweise entwickelt; das wir uns mit jedem Sprech– und Denkakt, mit jedem Handlungsakt entwickeln und deshalb der Drift der Evolution nicht entkommen können. Hier auf dieser Stufe wird diese Erkenntnis in alles Handeln bewusst miteinbezogen. Jede Handlung wird so zu einem Weiterentwicklungsakt. Damit stehen wir auch vor bestimmten ethischen Pro‐ blemen, die ich hier erörtern will. Zunächst aber noch ein paar Vorbemerkungen.</p>
<p>In ganz einfachen Worten taucht der evolutionäre Wille genau dann auf, wenn das grundlegende Paradigma der vorherigen Stufe auf die gesamte Erfahrung übertragen wird, das heißt, wenn der Mensch in <em>jeder</em> Lebenspraxis seinen kreativen Selbstausdruck, seine Selbstverwirklichung und seine Euphorie und Freude findet. Hier tritt ganz natürlich die Zweite Daimonotechnik in Erscheinung, und es ist kein Zufall, dass die diesem Willen korrespondierende Entwicklungsstufe häufig mit solaren Eigenschaften oder Symbolen dargestellt wird. Die grundsätzliche und teilweise jahrtausende Jahre alte Haltung des Menschen zum Leben – Existenz ist Leid, Leben ist voller Mühsal und Probleme – wird hier überkommen. Das Paradigma dieser Stufe lautet in etwa: Existenz ist reine Freude, Existenz ist Veränderung, Existenz ist Evolution. Auch mit dieser Stufe tritt ein grundsätzlicher Wandel in der Verantwortlichkeit in Bezug auf die eigenen Erfahrungen auf. Hier wird nicht nur intuitiv verstanden, wie Entwicklung und Evolution des Geistes vonstattengehen; hier können diese Prinzipien der Evolution vollends angewendet werden. Aus diesem Grunde sind der evolutionäre Wille und die Zweite Daimomotechnik deckungsgleich.</p>
<p>Auf dieser Stufe operiert der Wille auf der Ebene der Autopoiese der Psyche und Gesamterfahrung selbst. Die Prinzipien der Autopoiese – Wiederholung, Differenzierung, Emergenz und Innovation – können reflexiv und selbstbewusst in und auf allen Lebensbereichen, auf die gesamte Erfahrung angewendet werden; damit steht alles Denken, Sprechen und Handeln im Kontext der Evolution. Es muss hierbei berücksichtigt werden, dass die wenigsten Menschen derzeit tatsächlich über die Bewusstheit ver‐ fügen, tatsächlich zu denken, was sie wollen, sodass das Denken tatsächlich ziel‐ und intentionsgerichtet ist. Dies ändert sich mit dieser Stufe, in der das Individuum sehr fein auf seine eigenen psychologischen Prozesse eingestimmt ist.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-21" id='fnref-2505-21'>21</a></sup> Hier weitet sich damit die Fähigkeit des Individuums zum kreativen, schöpferischen, daimonischen Willen aus, der nun alle Lebenspraxen und jeden Lebensbereich durchdringen kann. Durch die Fähigkeit, in jeder Lebenspraxis einen kreativ‐daimonischen Willen umsetzen zu können, lebt das Individuum auch mit steten Flow‐und Gipfel‐ erfahrungen, die vorher nur einzelnen Lebensbereichen vorbe‐ halten waren. Mit anderen Worten: Während das Individuum der vorherigen kreativen Stufe beginnt, sich mit den Bedingungen der psychischen Autopoiese auf der Mikroebene des Bewusstseins vertraut zu machen – wie kann ich in einem Attraktor <em>Flow </em>und Emergenz erzeugen? – so versucht das Individuum auf dieser Stufe dieses Prinzip auf der Makroebene zu beherrschen: Wie kann man die nächste Entwicklungsstufe anstreben und die eigentlichen psychologischen Bedingungen des Wachstums anwenden? Der Wille wird hier durch die Erkenntnis der evolutionären Entwicklung der Psyche zu einem Werkzeug der Evolution. Nur durch den Willen der vorherigen Stufen konnte das Individuum diese Stufe erlangen, und kann auch nur mittels dieses evolutionären Willens zu folgenden Stufen fortschreiten. Durch die Erkenntnis, dass sich das Bewusstsein in einem kon‐ stanten evolutionären Prozess befindet, der durch den Willen umgesetzt wird, geht eine innere Autonomie‐ und Freiheits‐ Erfahrung einher. Nochmals Cook‐Greuter, die diese Stufe ‚Synthetiker‘ nennt:</p>
<blockquote><p>Synthetiker erkennen, dass sie zwar möglicherweise in sich verschiedene miteinander in Konflikt stehende Aspekte oder Gegensätzlichkeiten zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Zusammenhängen bemerken, dass sie jedoch in der Lage sind, unterschiedliche Anteile ihres Selbst anzunehmen und zu integrieren. Das ist anders als bei Pluralisten, welche oft zweifeln, ob sie je herausfinden, wer sie wirklich sind. Das autonome Selbst beinhaltet die Integration von vorher getrennten Sub‐Identitäten. Die entscheidende neue Fähigkeit der Synthetiker ist es sich gewahr zu werden, dass man selber Bedeutung schafft und immer wieder eine neue Selbstgeschichte erzählt. […] Dies ist genau deshalb möglich, da Synthetiker nun verstehen, dass Bedeutung eine Interpretation ist, die wir der Erfahrung hinzufügen. Wir alle erzählen die ganze Zeit Geschichten darüber, was passiert. Synthetiker verpflichten sich bewusst, aktiv ein bedeutungsvolles Leben für sich und an‐ dere mittels Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung in sich ständig ändernden Zusammenhängen zu führen. Sie besitzen ein relativ starkes autonomes Selbst, das sowohl differenziert als auch gut integriert ist. Dies umfasst die Fähigkeit, Paradoxien zu sehen und Widersprüchlichkeiten zu tolerieren, ja sogar zu schätzen. Synthetiker befinden sich in feiner Abstimmung mit ihrem eigenen psychologischen Wohlergehen.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-22" id='fnref-2505-22'>22</a></sup></p></blockquote>
<p>Ein besonderer Aspekt ist in diesem Zusammenhang mit dem evolutionären Willen noch hervorzuheben. Das Individuum erkennt zum einen, das jeder Horizont, jedes Ziel naturgemäß seine Probleme und Schwierigkeiten erzeugt. Während sich so jedes Individuum vorheriger Willensstufen noch an den Pro‐ blemen des Alltags reibt, kann das evolutionäre Individuum die Schatten, Probleme und Ungereimheiten des Alltags integrieren, während sie auftreten, eben weil es erkannt hat, dass es die Pro‐ bleme durch die Wahl des Horizontes und Zieles selbst erzeugt hat. Auf diese Weise werden aus Problemen Entwicklungsmög‐ lichkeiten und die Bedingung der Möglichkeit, bestimmte Ziele oder Horizonte zu erreichen. Andere Ziele, andere Lebensziele, und seinen sie nur implizit oder unbewusst, führen immer zu anderen Problemen und dem, was man gemeinhin ‚Schicksal‘ nennt.</p>
<p>Um die Komplexität des Willens auf dieser Stufe konkret abschätzen zu können, wollen wir einen kleinen Ausflug in die Ethik machen; natürlich ist Ethik immer Gegenstand der Diskussion, sobald es sich um den Willen dreht. „Was kann ich und was darf ich wollen?“ gehört zu den Fragen, die die Moralphilosophie seit Anbeginn beschäftigt hat. Wollen wir evolutionär handeln und dabei den komplexen Problemen unseres Alltags gerecht werden, stehen wir also unmittelbar vor ethischen Problemen, und sei es, dass wir unser eigenes Wohl mit dem des Kollektivs abgleichen müssen, und dass wir uns dabei ebenso ziel‐wie regel‐ orientiert verhalten.</p>
<p>Wie nun der amerikanische Moralphilosoph William Frankena in seinem berühmten Buch <em>Analytische Ethik </em>gezeigt hat<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-23" id='fnref-2505-23'>23</a></sup>, ist jede Ethik, die die menschliche Kultur bislang entwickelt hat, entweder eine teleologische oder deontologische. Teleologisch ist jede Ethik, die sich um zukünftige Errungenschaften oder Ziele dreht, während eine deontologische Ethik sich immer mit bestimmten Verhaltensweisen beschäftigt, die an sich gut oder vorteilhaft sind. Hinzu kommt, dass es stets eher individuell‐ausgerichtete Ethiken gibt, wie es auch kollektiv‐ausgerichtete Ethiken gibt. Wir können in diesem Sinne Ethik durch das fol‐ gende Quadranten‐Schema differenzieren:</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Abbildung%202-%20Ethische%20Quadranten.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Abbildung 2. Ethische Quadranten" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Abbildung%202-%20Ethische%20Quadranten.png" alt="" width="200" height="193" /></a><p class="wp-caption-text">Abbildung 2. Ethische Quadranten</p></div>
<p>Quadrant 1 steht für die Frage: Wie genau verhalte ich mich oder wie sollte ich mich in dieser Situation am besten verhalten? Es dreht sich hier um den individuell‐deontologischen Aspekt der Ethik. Moralphilosophien, die zu diesem Quadranten gehören, beschäftigen sich also damit, wie der Einzelne sich in jeder ein‐ zelnen Situation entscheiden soll, ohne dabei auf irgendwelche Regeln zurückzugreifen. Situationen sind zu komplex, als das man mit einfachen Regeln arbeiten kann, und keiner Regel sei dem situativen Urteil Vorschub zu geben. Dies wäre das Argument der Handlungsdeontologie. Andere historische Formen, die zu diesem Quadranten gehören, finden wir hier etwa im Existen‐ zialismus.</p>
<p>Quadrant 2 steht indes für die teleologische, zielgerichtete Frage: Was soll und was kann ich wollen? Typisch für diesen individuell‐teleologischen Ansatz sind etwa der ethische Egoismus (z.B. Hobbes und Nietzsche) und der Handlungsutilitarismus (z.B. Jeremy Bentham). Der Ansatz des ethischen Egoismus besteht in dem Versuch, „für sich selbst das größtmögliche Übergewicht von guten gegenüber schlechten Folgen herbeizuführen“<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-24" id='fnref-2505-24'>24</a></sup>, während der Handlungsutilitarismus in der Ansicht besteht, man sollte nach dem Prinzip der Nützlichkeit handeln und danach, herauszufinden, welche Handlungen für einen selbst und die Welt den größten Nutzen bringen. Beide Ansätze basieren auf individuell‐situativen Entscheidungen, die sich nicht auf irgendwelche konsensuellen Regeln berufen.</p>
<p>Quadrant 3 fokussiert die Sozialdimension der Erfahrung, und damit, welchen (konsensuellen) Verhaltensregeln wir folgen sollten. Eine solche Regeldeontologie, wie etwa die von Kant, besteht in der Behauptung, dass alles sittliche Verhalten aus konkreten Regeln besteht. Die 10 Gebote etwa sind solch ein regeldeontologischer Ansatz und damit diesem Quadranten zuzuordnen. Moderne ethische Formen, die zu diesem Quadranten gehören, wären der Historische Positivismus und der Relativismus.</p>
<p>Der Quadrant 4 schließlich fokussiert die Frage: Was wollen wir sozial? Solche Ansätze wie der Regelutilitarismus verlangen etwa, nur die Ziele zu wählen, die auf das größte allgemeine Wohl ausgerichtet sind.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-25" id='fnref-2505-25'>25</a></sup> Die große Frage besteht dann darin, herauszufinden, was das größte allgemeine Wohl ist. Auch der ethische Universalismus gehört zu diesem Quadranten, da er den Standpunkt vertritt, dass das Objekt des sittlichen Handelns nicht die Individuen als solche, sondern eine Gemeinschaft ist.</p>
<p>Das Problem der einzelnen Ansätze besteht nun (offensichtlich) darin, dass sie nicht die Komplexität der menschlichen Erfahrungen und Perspektiven abdecken können. Einfach gesagt: Der ethische Egoist tilgt die Frage des Gemeinwohls, der Handlungsdeontologe die Frage des persönlichen (Entwicklungs‐)Ziels. Alle historischen Ansätze liefern aber wertvolle Beiträge. Es liegt daher auf der Hand, dass eine post‐konventionelle, in diesem Sinne integrale Ethik, alle vier Quadranten mit einschließen und dementsprechend, vereinfacht gesagt, folgende vier Fragen, die für die vier Quadranten stehen, integrieren und beantworten können muss:</p>
<ol>
<li>Wie soll ich mich jetzt am besten verhalten?</li>
<li>Was will ich erreichen?</li>
<li>Auf welche Verhaltensregeln einige ich mich mit anderen?</li>
<li>Was will ich sozial und wie können wir gemeinsam zum Wohle von Allen arbeiten?</li>
</ol>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-6-Der_evolutive_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 6: Der evolutive Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-6-Der_evolutive_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 6: Der evolutive Wille</p></div>
<p>Nur dann können wir sicherstellen, dass wir den komplexen weltlichen Anforderungen entsprechend handeln und wollen können. Erst der evolutionäre Wille vermag alle Quadranten zu harmonisieren, erst er ist in der Lage, gleichermaßen die situative Komplexität (Q1), das individuelle Ziel (Q2), das sozial konsensu‐ elle Verhalten (Q3) sowie das soziale Ziel (Q4) in Übereinstimm‐ ung zu bringen und zu befriedigen. Dies ist deshalb möglich, weil der Mensch hier die deontologische wie teleologische Dimension der Evolution der Psyche und Kultur berücksichtigen kann, und weil er sie als Teil seiner eigenen Erfahrung begreift.</p>
<h4>7. Der konstrukt‐bewusste Wille</h4>
<p>Der konstrukt‐bewusste Wille taucht dann auf, wenn der Mensch eine hochgradige Tiefenschärfe und Verständnis seinen eigenen psychologischen Prozessen entgegenbringt, sodass er begreift, dass Evolution nichts anderes ist als ein kontingentes Beobachtungsschema, welches er über die phänomenale Welt legt, um sich irgendwie zu orientieren. Dieses Schema ist nicht wahrer oder unwahrer, nicht besser oder schlechter, nicht komplexer oder einfacher, nicht effektiver oder weniger effektiv als alle anderen Beobachtungsmodelle. Dasselbe gilt für Schemas und Konzepte wie ‚Autopoiese‘, ‚Ich‘ oder ‚Selbst‘. Das konstrukt‐bewusste Individuum befindet sich, sinnbildlich gesprochen, manchmal in der misslichen Lage wie der überdosierte LSD‐Konsument, der einen Stift in der Hand nicht mehr als Stift identifizieren kann, da er durch die Droge alle Beobachtungsschemas dekomponiert hat.</p>
<p>Die einfachste Art und Weise, einen Verständniszugang zu dieser Stufe zu bekommen, liegt in einer intuitiv eingängigen Analogie. Stellen wir uns ein analoges Radio vor, in dem wir die vielen Sender – die Attraktoren und Ebenen unserer Existenz – manuel einstellen können: Einen Sender für den Tiefschlaf, einen fürs Träumen, einen für unseren alltäglichen Wachzustand und die kognitive Erfahrung unserer materiellen Wirklichkeit, einen für spirituelle oder andere non‐duale Gipfelerfahrungen usw.. Konstrukt‐Bewusstsein heißt, über die Fähigkeit, die Bewusstheit und den Willen (oder kurz: die Bewusstseinstechnologie) zu verfügen, alle Sender dieses Radios bei Bedarf genau einstellen zu können. Dazu zählt auch zu wissen, wie das Radio unserer Existenz an sich aufgebaut ist und funktioniert und entscheiden zu können, welche Programme auf den verschiedenen Sendern laufen. Konstrukt‐Bewusstsein impliziert insofern einen hoch‐differenzierten Beobachter dritten Grades, der über die Kapazität verfügt, die Konstruktionsmechanismen, die zu unseren vielfältigste kognitiven Wirklichkeitserfahrungen führen, steuern zu können. Das einfachste Beispiel wäre entscheiden zu können, was man während der Traumphase träumt, oder aber der Entscheidung, das Träumen ganz lassen zu können.</p>
<p>Mehr als auf der vorherigen Stufe beginnt hier der Mensch, tatsächlich auf die Prozesse, die seine Psyche und sein Bewusstsein, aber auch seine unterschiedlichen Perspektiven und Beobachtungen – im Allgemeinen: Die Tiefenstrukturen des Denkens – gestalten, Einfluss nehmen zu können. Hier kann das gedacht werden, was gedacht werden will; das interne chatter des Geistes kann ausgerichtet und gesteuert werden, nicht nur kurzfristig, sondern langfristig. Der konstrukt‐bewusste Wille verfügt über das Know‐how, die psychologischen Wirklichkeiten zu formen, die geformt werden sollen, an sich etwas, das weit über das subjektivistische ‚Wünsch dir was beim Universum‘ der esoterischen Postmoderne hinausgeht.</p>
<p>Es ist insofern kein Zufall, dass in den östlichen wie in westlichen Weisheitstraditionen oft behauptet wird, dass mit dieser Entwicklungsstufe auch ein gewisser magischer Wille, die <em>Shiddis</em>, einhergeht.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-26" id='fnref-2505-26'>26</a></sup> Wir haben es hier jedoch explizit nicht mit von C.G. Jung beschriebenen Prinzipien der <em>kausalen Synchronizität </em>zu tun, wie sie von archaischen Bewusstseinsstufen als Magie erfahren wurden, <em>a lá: „</em>Ich töte hier dies imaginierte Wild in diesem rituellen Akt, um das reale Wild dort zu erlegen“. Wir haben es hier viel eher mit einer Vertiefung der konstruktivistischen Erkenntnis der Postmoderne zu tun und der Umsetzung korzybskischer Prinzipien: Wenn unsere inneren Schemas, unsere Konditionierungen und Filter bestimmen, wie und was wir beobachten und erfahren, so können wir auch erlernen, genau diese Schemas, unsere Konditionierungen und Filter zu navigieren, um die psychische Gesamt‐ erfahrung zu erzeugen<em>, die wir erzeugen wollen</em>. Erinnern wir uns beispielsweise an das im ersten Teil beschriebene (Beobachtungs‐) Schema ‚Mangel‘, durch das wir manchmal geneigt sind, die Unzufriedenheiten unseres Alltags zu formen, sei es nun bezüglich Anerkennung, Status oder einfach Geld. Das Individuum befähigt sich auf dieser Stufe, diese tief liegenden psychischen Schemas zu verändern, und damit seine Wahrnehmungen von der Welt und freilich auch seiner Handlungsperspektiven. Es kann beispielsweise aus dem Beobachtungsschema ‚Mangel‘ eines des ‚Überflusses‘ machen, ohne etwa in den internen Konflikt zu kommen, diese absichtliche Änderung seiner inneren Program‐ mierung als Lüge zu empfinden. Dazu ist eine hohe Indifferenz gegenüber den eigenen inneren Prozessen nötig. Also etwas, was man, wie im Buddhismus, Zeugenbewusstsein nennen kann, oder eben, wie weiter oben beschreiben, den Beobachter dritten Grades, der die Beobachter ersten und zweiten Grades steuert.</p>
<p>Wie dem aber auch sei, wir sehen daran, dass die Entwicklung des Willens auch immer etwas damit zu tun hat, in welchem Umfange wir unsere Erfahrung formen können. Wir brauchen den konformistischen Willen, um gemeinsam unsere Erfahrungswirklichkeit erschaffen zu können; wir brauchen den Leistungswillen, um die Erfahrung zu machen, dass wir, auf uns selbstgestellt, durch großen Aufwand unsere individuelle Welt gestalten können; wir brauchen den kreativen Willen, um die Erfahrung der schöpferischen Kreativität zu machen; was zwar an sich ein Pleonasmus ist, aber doch die Tatsache ausdrücken soll, wie wir über unser kreatives, daimonisches Handeln unsere Wirklichkeit erschaffen können. Mit dem evolutionäre Willen vereinheitlichen wir unsere gesamte Erfahrung unter dem Schema der Evolution; und mit dem konstrukt‐bewussten Willen tauchen wir hinab und beginnen, all jene Schemas ändern zu können, durch die unser Alltag zu dem wird, wie wir ihn eben erfahren. Wenn wir so unser Denken (wie auch unser Sprechen) verändern, verändern wir im gleichen Zuge unsere Erfahrung. Nochmals Susanne Cook‐Greuter, die diese Stufe, auf der wir den konstrukt‐bewussten Willen ausformen, die der ‚Synergisten‘ nennt:</p>
<blockquote><p>Anders als auf früheren Stufen sind sich Synergisten über die gewandten und überaufmerksamen Machenschaften zur Selbsterhaltung des ‚Ichs‘ bewusst. Dies ist der erste Moment, wo das ‚Ich‘ durchlässig für sich selber wird. Endgültiges Wissen über das Selbst oder irgendetwas anderes wird als illusorisch und unerreichbar durch Anstrengung und Denken gesehen, da jeder bewusste Gedanke, jede Erkenntnis als konstruiert erkannt wird ‐ und daher als getrennt von der darunterliegenden zusammenhängenden nicht dualen Wahrheit. In Folge einer weiteren Wendung nach Innen, fangen Synergisten an, ihre eigenen Versuche der Bedeutungsbildung zu durchschauen und werden aufmerksam auf die tiefen Spaltungen und Paradoxien, die dem rationalen Denken innewohnen. Auf verschiedene Weise entdecken sie individuell den Gedanken Korzybskis (1948) wieder, dass „die Landkarte nicht das Gebiet” ist. Der linguistische Prozess alles in polare Gegensätze zu spalten und die damit verbundenen immanenten Werturteile können nun bewusst werden. Gut und Böse, Leben und Tod, Schönheit und Hässlichkeit erscheinen nun als die beiden Seiten der einen Medaille.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-27" id='fnref-2505-27'>27</a></sup></p></blockquote>
<p>In dem Buch <em>Der Wille </em>habe ich den evolutionären und den konstrukt‐bewussten Willen aus Gründen der Darstellung als einen behandelt. Tatsächlich kann man den Letzteren als eine Ausdifferenzierung des Vorherigen betrachten. Obwohl dies natürlich bis zu einem gewissen Grad für alle Willensformen gilt, beziehen sich diese beiden Willensformen im Gegensatz zu allen anderen auf die Geist‐Sphäre der menschlichen Erfahrung und weniger auf die Bio‐ und Soziosphäre (also Natur und Kultur). Anders herum: Wir können hier klar den ‚aufsteigenden Aspekt‘ der Willensentwicklung betrachten. Der Bio‐Überlebens und der Sicherheitswille beziehen sich in der Individualentwicklung stets auf den Körper, die Natur und das Bio‐Überleben. Der konformistische Wille und der Leistungswille beziehen sich auf die Sozio‐ Sphäre, und damit auf Kultur und die konsensuelle Erschaffung und Verwendung von Werten und Symbolen. Den kreativen Willen kann man in dieser Hinsicht als den Übergang von der Sozio‐Sphäre zur Geist‐Sphäre betrachten, in der der Wille in unterschiedlich komplexem Ausmaß auf die eigene Erfahrung angewendet wird.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-7-Der_konstrukt-bewusste_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 7: Der konstrukt‐bewusste Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-7-Der_konstrukt-bewusste_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 7: Der konstrukt‐bewusste Wille</p></div>
<p>Diesem Willen können wir auch die Dritte Daimonotechnik zurechnen: Wende die Autopoiese der Psyche an, ohne Dich an die Autopoiese der Psyche zu binden! Um dieses Paradox zu lösen, ist die hier beschriebene Tiefenschärfe des Denkens nötig, ohne die sich jeder Versuch, Indifferenz seinen eigenen Handlungen gegenüber zu erzeugen, als unmöglich erweisen wird.</p>
<h4>8. Der non‐duale Wille</h4>
<p>Wie Ken Wilber und Allan Combs in Form des berühmten ‚Wilber‐Combs‘‐Rasters gezeigt haben<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-28" id='fnref-2505-28'>28</a></sup>, können ‚non‐duale’ Erfahrungen auf jeder Entwicklungsstufe auftreten, so wie auch jede Entwicklungsstufe ihren eigenen Zugang zur materiellen, zur mentalen und kausalen Ebene der Existenz hat. Einfach gesagt ist dieser Wille non‐dual deshalb, weil er es vermag, diese unterschiedlichen Ebenen – materiell, mental, kausal und non‐dual – zu vereinen.</p>
<p>Es gibt in diesem Sinne also zwei Arten von non‐dualen Erfahrungen. Es gibt einerseits non‐duale Erfahrung <em>im Gegensatz </em>zu den dualen Erfahrungen unseres Alltags. Solche ‚einfachen‘ non‐dualen Erfahrungen können wir beim Sport, in der Spiritualität oder während der Sexualität erleben. Sie sind relativ kurzfristig und heben, auf der Ebene des Denkens, Wahrnehmens oder Handelns die duale Natur unserer Erfahrung auf. Diese Arten von non‐dualen Erfahrungen beziehen sich auf das Wilber‐Combs Raster.</p>
<p>Darüber hinaus gibt es aber auch jene Non‐Dualität, die die Differenz von Dualität und Non‐Dualität überwindet<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-29" id='fnref-2505-29'>29</a></sup>. Solch ‚komplexere‘ Non‐Dualität integriert damit die vier Ebenen materiell, kausal, mental und non‐dual, bringt sie zu einer Einheit und ist damit auch nicht so kurzlebig wie die einfachen nondualen Erfahrungen. Der hier adressierte non‐duale Wille ist der Ausdruck dieser komplexen Non‐Dualität.</p>
<p>Mit jeder Entwicklungsstufe vertiefen wir unsere Erkenntnis dessen, wer wir sind, wie wir operieren, und wie wir überlebe können, hin zu dem Punkt, in jenen Bereich einzutreten, um es noch mal in der Zen‐Formel auszudrücken, wo wir <em>weder geboren</em> <em>sind, noch jemals sterben können</em>. Dieser Punkt ist die Zielstufe aller wahren Weisheitsreligionen und wurde von spirituellen Lehrern und Meistern aller Couleur deutlich hervorgehoben. Hier wird die Differenz von Leben und Tod transzendiert und vereinigt;hier findet der Wille und das Leben seine Erfüllung; hier können wir gleichzeitig handeln und nichthandeln, hier haben wir die Differenz von Selbst und Nicht‐Selbst überwunden. Ja mehr noch<em>, hier haben wir den Gordischen Knoten von Wollen und gleichzeitig nicht‐Wollen zerschlagen</em>. Die Differenz von Handelndem und Handlung verschwindet ebenso wie die zwischen Nicht‐Handlung und Handlung, in der paradoxerweise nichts getan und alles erlangt wird. All dies hängt vor allem damit zusammen, dass der Mensch hier die grundlegenden Schemas von ‚Ich‘ und ‚Selbst‘ als Handelndem, von ‚Zukunft‘, ‚Sinn‘ und ‚Handlung‘ an sich – neben vielen anderen Schemas – dekomponiert und in einer höh‐ eren Form von Ganzheit wieder zusammengefügt hat … ein gewaltiger kognitiver Akt ohne Vergleich, in und durch den die gesamte Erfahrung als ein ungebrochen non‐dualer Strom fließt. Aus dem irdischen Bewusstsein der vorherigen Stufen wird so ein kosmisches Bewusstsein, und aus dem irdischen Willen wird jener kosmische bzw. non‐duale Wille, von dem uns schon Arthur Schopenhauer berichtete:</p>
<blockquote><p>Nicht allein in denjenigen Erscheinungen, welche seiner eigenen ganz ähnlich sind, in Menschen und Tieren, wird er als ihr Innerstes Wesen jenen nämlichen Willen anerken‐ nen; sondern die fortgesetzte Reflexion wird ihn dahin leiten, auch die Kraft, welche in der Pflanze treibt und vege‐ tiert, ja, die Kraft, durch welche der Krystall anschießt, die, welche den Magnet zum Nordpol wendet, die, deren Schlag ihm aus der Berührung heterogener Metalle entge‐ genfährt, die, welche in den Wahlverwandtschaften der Stoffe als Fliehn und Suchen, Trennen und Vereinen erscheint, ja, zuletzt sogar die Schwere, welche in aller Materie so gewaltig strebt, den Stein zur Erde und die Erde zur Sonne zieht, – diese Alle nur in der Erscheinung für ver‐ schieden, ihrem Innern Wesen nach aber als das Selbe zu er‐ kennen, als jenes ihm unmittelbar so intim und besser als alles Andere Bekannte, was da, wo es am deutlichsten hervortritt, Wille heißt.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-30" id='fnref-2505-30'>30</a></sup></p></blockquote>
<p>Nun ist Erleuchtung, kosmisches oder non‐duales Bewusstsein dieser Stufe etwas, was selbst gestandene Geister wie Sloterdijk aus dem Gleichgewicht bringt. In seiner Kritik der Erleuchtung85 geht Sloterdijk etwa auf die Erleuchtung des „‘Substanz‘ bzw. Geist‐ontologischen Typus“ ein, wie sie „im hinduistischen System“ vorliegt: „Hier wird eine Gleichsetzung zwischen der All‐Seele und der Einzelseele bzw. zwischen dem unendlichen und dem endlichen Intellekt gründlich vollzogen.“ An dieser Fassung wäre an sich nichts auszusetzen, würde Sloterdijk nun nicht plötzlich eine Kehrtwendung vornehmen und ein paar Zeilen später seine Kritik damit begründen, dass der hinduistische Typ der Erleuchtung damit „der Welt mehr Intelligenz und Seele unterstellt, als ihr zukommt.“ Damit vertauscht er plötzlich den „unendlichen Intellekt“ mit „der Welt“, und begeht hiermit einen grundsätzlichen Kategorienirrtum, wo er Erleuchtung plötzlich mit einer Art Animismus gleichsetzt. Nun ist indes das non‐duale oder kosmische Bewusstsein ein psychologisch derart gut untersuchtes Phänomen, das wenig mit Animismus zu tun hat; hier kommt einem die Wilbersche Unterscheidung zwischen prä‐rational und trans‐rational<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-31" id='fnref-2505-31'>31</a></sup> in den Sinn, also der Fehlleistung, globale, undifferenzierte Ganzheitserfahrungen der frühen Entwicklungsstufen als differenzierte und komplexere Ganzheitserfahrungen misszuverstehen. Wie etwa David Loy, selbst Professor für Philosophie und anerkannter Zen‐Lehrer festhält, handelt es sich bei non‐dualem oder kosmischen Bewusstsein eher darum, die Differenzen von Subjekt und Objekt, von Subjekt und Welt im Denken, Handeln und Wahrnehmen zu überkommen, und zwar im Bewusstsein des Individuums. Wie Loy zeigt, sind genau dies die tragenden und übereinstimmenden Säulen der Erleuchtung im Buddhismus, Hinduismus und Taoismus.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-8-Der_non-duale_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 8: Der non‐duale Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-8-Der_non-duale_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 8: Der non‐duale Wille</p></div>
<p>Erwähnenswert ist abschließend noch, dass ‚non‐duales‘ oder ‚kosmisches Bewusstsein‘ strukturelle Begriffe für eine Sache sind, die eigentlich eher prozessual und nicht ohne Einfluss des Willens geschehen, der hier aber nicht mehr als unser eigener Wille in Erscheinung tritt. Kosmisches Bewusstsein ist eine Form unserer Moment‐zu‐Moment Erfahrung, an deren Konstruktion das Individuum ebenso teilhat, wie es realisiert, dass es sich selbst als ‚Individuum‘ eigentlich gar nicht gibt. Wir kommen hier natürlich an die Grenzen des mit Worten Beschreibbaren. Selbst‐ Identität und Selbst‐Identifikation enden, und damit natürlich auch ‚mein‘ Wille; was bleibt, ist, das unendliche phänomenale Spiel der Formen in der Leere zu bezeugen, nämlich als unfassbarer Punkt in einem unendlichen Kosmós.</p>
<h4>Die Spirale des Willens</h4>
<p>Soweit die Entwicklungsstufen des Willens. Ungeachtet dieser strukturell‐hierarchischen Darstellungsform muss berücksichtigt werden, dass der Wille Ausdruck des Prozessaspektes des Bewusstseins ist, der zunehmend komplexer wird und sich in der individuellen Entwicklung zunächst auf Bio‐Sphäre und dann auf die Sozio‐Sphäre bezieht, um schließlich seinen Einflussbereich und sein Wirkungsfeld auf die Psyche und das Bewusstsein selbst auszudehnen. Insofern sind die Stufen natürlich wachsende Emergenzen und keine starren Formen, jede Form geht aus der vorherigen hervor und ist nur durch die vorhergehende denkbar. Zwischenformen des Willens sind zu erwarten, wenn man das Modell höher auflöst und andere Perspektiven anwendet.</p>
<p>Obwohl eine Daimonotechnik in diesem Sinne mit den prä‐konventionellen und konventionellen Stufen vorbereitet wird – wie etwa durch das Leistungs‐Motto: „Üben‐üben‐üben!“ – kann eine Daimonotechnik, die sich immer die Autopoiese des Bewusstseins zunutze macht, erst zur Anwendung kommen mit den post‐konventionellen Stufen, wo nicht nur eine gesteigerte Transparenz interner Prozesse vorliegt, sondern auch die Gesamterkenntnis, dass diese stets in einen evolutionären Prozess eingebettet sind. Wie schon mehrfach gesagt: Der evolutionäre Rückbezug des Bewusstseins auf sich selbst hat stattgefunden. Mit den post‐konventionellen Stufen des Willens differenziert sich damit die Daimonotechnik aus, kann – generell gesagt – auf immer mehr Lebensbereiche und Lebenspraxen angewendet werden, kann der Evolution der Psyche immer mehr Momentum gegeben werden.</p>
<p>Wir können auch anhand dieser Darstellung der Entwicklung des Willens die wunderbare Spirale des Willens selbst beobachten. Der Wille entsteht als reiner Überlebensinstinkt aus einem Zustand relativer und unspezifischer Globalität des Bewusstseins und erzeugt in seinem weiteren Verlauf und Entwicklung zunehmende Differenzierung und höhere Komplexität; mit dem ersten Bio‐Überlebenswillen erzeugt der Mensch die Trennung zwischen Innen und Außen, zwischen Bedürfnis (z.B. nach Nahrung) und der Bedürfnisbefriedigung (wie etwa durch die Mutter). Mit der Unterscheidung von Innen und Außen taucht dann langsam der Sicherheitswille auf mit dem Paradigma, dass Selbst in der Welt zu sichern und ihm Ausdruck zu verleihen. Hier findet das Selbst das Kollektiv, und das Individuum identifiziert seinen Willen mit dem des Kollektivs; es werden Werte entwickelt und Rollenkonzepte. Mit und durch das Kollektiv kann dann eine erste Erziehung erfolgen und der Leistungswille entsteht mit dem Versuch, langfristig Ziele zu erreichen durch Disziplin, Ausdauer, Anstrengung. Hier erscheinen die Ziele, die zum Zeitpunkt des Aufstellens aufgestellt werden, zunächst scheinbar unerreichbar.</p>
<p>Doch einen besonderen Antrieb verleiht, der den Willen selbst auf eine neue Ebene hebt: Plötzlich wird der Wille auf die Bedingungen des Willens selbst angewendet, auf das kreative Moment, auf die Idee von Emergenz und Gipfelerfahrung. An sich ist das eine Emergenz vorher ungekannten Ausmaßes; mit diesem Rückbezug beginnt das Individuum, sich mit den Bedingungen und Prinzipien der Autopoiese selbst auseinanderzusetzen, die die vorherigen Stufen selbst erzeugt hat! Doch hier endet die Spirale des Willens nicht, sondern hier taucht dann der evolutionäre Wille auf, der das Momentum der vorherigen Stufe aufnimmt und auf das ganze Leben überträgt. Die daimonische Begeisterung und Kreativität wird zur Grundlage alltäglicher Existenz …</p>
<p>Wir leben in einer wirklich bemerkenswerten Zeit, einer Zeit, in der sich die Evolution des Geistes zum ersten Mal selbst bewusst wird und wir gemeinsam darüber zu sprechen beginnen. Wir beginnen nicht nur zu verstehen, wie die Psyche und das Bewusstsein operieren und wir Bewusstsein über Bewusstsein erlangen, sondern auch, wie wir zu dem kommen, was wir Erfahrung und Wirklichkeit nennen. Wir stehen an dem Punkt, an dem wir entscheiden können, ob wir unsere Kreativität auf unser gesamtes Leben, jede unserer Lebenspraxen, übertragen und unsere Entwicklung selbst in die Hand nehmen wollen. Während dieser Gedanke – wir erzeugen unsere Erfahrung selbst und können eine geistige Entwicklungsstufe erlangen, die wir der Einfachheit halber ‚Erleuchtung‘ nennen – noch bis vor ein paar hundert Jahren nur den Weisen, den Gurus und Heiligen vorbehalten war, die aufgrund einer spontanen Erlangung oder eines besonderen Trainings zu dieser evolutionären Selbstbewusstheit gelangten, so sind wir sozio‐kulturell an einem Punkt angelangt, an dem wir diesen evolutionären Rückbezug des Bewusstseins auf sich selbst untersuchen können. Systemtheoretiker wie Niklas Luhmann, Allan Combs, Heinz von Foerster oder George Spencer Brown, Psychologen wie Jean Piaget oder Susanne Cook‐Greuter, Philo‐ sophen wie Ken Wilber und Paul Watzlawik, Linguisten wie Alfred Korzybski und Ernst von Glasersfeld, Biologen wie Hum‐ berto Maturana und Fransisco Varela, alle arbeiten an einem immer deutlicher werdenden Bild, wie wir zu dem wurden, wer wir sind, und wie wir diese Kräfte und Mechanismen nutzen können, um aktiv an der Evolution teilzuhaben. Und um mit von Foerster zu sprechen: Hier wird aus dem ‚human being‘ ein ‚human becoming‘<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-32" id='fnref-2505-32'>32</a></sup>, ein stets sich im Werden begreifendes menschliches Wesen.</p>
<p>All diese Überlegungen beantworten natürlich nicht die überaus drückende Frage, was genau man tun soll, oder welche Methode oder Beschäftigung man wählen sollte – sei es nur im spirituellen Kontext die Frage: ob man Tai Chi, Qui Gong, Meditation, Body-Cleansing oder Pranayama wählen soll, oder aber im lebensweltlichen Kontext: Was soll man tun, welchen Sinn wählen, mit welchen Menschen verkehren, welchen Job wählen, und allgemein: wie seine Zeit strukturieren? Tatsächlich ist es so, dass es vom Standpunkt der Daimonotechniken relativ egal ist; Evolution kann in allen Lebensformen und Praxen stattfinden. Dennoch muss man herausfinden, was genau man tun will, und dies ist bekanntlich, folgt man Ortega I´Gasset, die schwierigste Aufgabe von allen. Und doch kann man hier nur anraten, seinen eigenen Genius, also diejenige okkulte wie numinose Instanz in uns, zubefragen, deren Stimme uns, in den Stunden der Ruhe, der Meditation und manchmal im Traum, unser Schicksal und unseren Willen weist. Zugang zu diesem Genius zu erhalten und Rat zu empfangen auf die Frage: Was genau soll ich tun? – auf diese Frage bieten die Traditionen ausreichend Antworten und Methoden. Und es ist nicht nur die schwierigste Frage, sondern meines Erachtens auch die wichtigste Frage. Denn letztlich geht es in unserem Leben um nichts anderes: nämlich zu wissen, warum man morgens aufsteht, und was man den Rest seines Lebens tun will.</p>
<p><em>Aus dem Buch »Entwicklung als Passion«, erschienen im <a href="http://www.phaenomen-verlag.de/" target="_blank" rel="external nofollow">Phänomen-Verlags</a>, 2011.</em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-2505-1'>Amarque, Tom; Der Wille, 2009. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-2'>Und natürlich wie bei der Entwicklung der Liebesfähigkeit und der ‚zunehmenden Umarmung‘ des emotionalen Bereiches des Selbst. Sie etwa die Arbeiten von Carol Gilligan. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-3'>Vgl. Wilber, Ken, Integrale Psychologie, 2000. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-3">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-4'>Jaspers, Karl, <em>Existenzerhellung</em>, S. 150; 1973. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-4">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-5'>Cook Greuter, Susanne, <em>9 Stufen zunehmenden Erfassens</em>, S. 8, 2007. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-5">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-6'>Vgl. Peter Sloterdijk<em>, Zorn und Zeit</em>, 2006 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-6">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-7'>Tatsächlich kann das Kollektiv aber auch das globale Dorf sein, eine Tatsache, die darauf hinzeigt, dass nur weil man in einer post‐modernen Kultur aufgewachsen ist, noch lange nicht post‐modern oder post‐konventionell sein muss, sofern man den Willen des Kollektivs als Identitätsdeterminante nimmt … eine Tatsache auf die Wilber mehrfach hingewiesen hat in der Erkenntnis, dass ein Großteil der 60er‐Jahre‐Hippies eben nicht post‐konventionell waren, sondern konformistisch‐konventionell. Vgl. Wilber, <em>Boomeritis</em>, 2009. Auch wird hieran ersichtlich, dass die sogenannte <em>Nettiquette </em>und <em>political correctness </em>keine Errungenschaft eines postmodernen‐postkonventionellen Willens ist, sondern eines konformistisch‐konventionellen! <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-7">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-8'>Man vergegenwärtige sich nur, dass sich Unmengen von Frauen im Mittelal‐ ter bei der Inquisition selbst anzeigten, weil sie von Schuldgefühlen geplagt waren, vgl. Oswald Sprenglers <em>Untergang des Abendlandes</em>, S. 912, 2007. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-8">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-9'>A.a.O.. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-9">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-10'>In der Bedeutungsverwendung von Richard Dawkins und Susan Blackmore. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-10">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-11'>Wie Susanne Cook‐Greuter hervorhebt, glauben solche Leistungsmenschen der ‚Selbst‐bewussten‘‐ Stufe, an die Vervollkommnungsfähigkeit des Menschen. S. a.a.O., S.18. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-11">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-12'>Vgl. Cook‐Greuter, Susanne, a. a. O.; S. 18. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-12">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-13'>Vgl. Amarque, Tom, Wie wir wurden, wer wir sind, 2010. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-13">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-14'>A.a.O., S. 144. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-14">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-15'>Vgl. Tom Amarque, <em>Wie wir wurden, wer wir sind</em>, S. 83, 2010. Hier stelle ich als eines der Kennzeichen der Postmoderne die Aufgabe des descartschen, objektiven Beobachterstandpunktes zugunsten einer mehr relativen und subjektiven <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-15">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-16'>A.a.O. S. 24. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-16">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-17'>A.a.O. . S. 69. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-17">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-18'>Vgl. Lovelock, James, <em>Gaia</em>, 1992. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-18">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-19'>Vgl. Wilber, Ken, <em>Halbzeit der Evolution</em>, 1996. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-19">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-20'>Die KI und der Versuch, das Bewusstsein künstlich zu erzeugen, spiegelt einen weiteren Aspekt dessen, wie die Postmoderne wissenschaftliche Forschung beein‐ flusst. Einerseits ist KI nicht denkbar ohne den postmodernen Interessenschwer‐ punkt ‚Bewusstsein‘; andererseits stellt es einen wissenschaftlichen Versuch dar, auch hier das Leben zu verlängern. Der KI‐Pionier Ray Kurzweil etwa prognostiziert, dass um 2050 die KI eine derartige Komplexität haben wird, dass wir unser Bewusstsein darin einspeisen können! Vgl. Ray Kurzweil<em>, The Singularity is near</em>, 2006. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-20">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-21'>Vgl. Cook‐Greuter, a.a.O. S. 27. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-21">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-22'>A.a.O. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-22">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-23'>Frankena, Wilhelm, Analytische Ethik, S. 32., 1994. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-23">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-24'>Frankena, William, <em>Analytische Ethik</em>, S. 37, 1994. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-24">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-25'>Vgl. William Frankena, A.a.O. S. 56. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-25">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-26'>Der Religionsforscher Mircea Eliade geht explizit auf diesen Punkt ein, Vgl. <em>Yoga</em>; S. 94, 2004. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-26">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-27'>A.a.O.; S. 31. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-27">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-28'>Vgl. z.B. Combs, Allan, <em>Die Psychologie des menschlichen Bewusstseins</em>, 2011. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-28">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-29'>Vgl. Loy, David. A.a.O. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-29">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-30'>Schopenhauer, Arthur, <em>Die Welt als Wille und Vorstellung</em>, S. 163, 1991. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-30">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-31'>Vgl Wilber, Ken, Eros Logos, Kosmos, S. 259. 1996. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-31">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-32'>Vgl. Heinz von Foerster, KybernEthik, 1993. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-32">↩</a></span></li>
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		<title>Zweiter Weltkrieg noch immer ein Trauma</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 14:23:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Generation 60 Plus: Jeder Achte kämpft mit Flashbacks und Ängsten Greifswald/Leipzig (pte) — Der Zweite Weltkrieg wirkt in den Köpfen der heute älteren Generation noch immer nach. Bei bis zu zwölf Prozent der über 60-jährigen Deutschen gibt es Anzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), haben Forscher aus Leipzig, Greifswald und Zürich festgestellt. »Besonders die Kindergeneration des [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Generation 60 Plus: Jeder Achte kämpft mit Flashbacks und Ängsten</h2>
<div id="attachment_2310" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/07/ap4c4f1efc6c278_small.png" rel="lightbox[2308]"><img class="size-full wp-image-2310 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/07/ap4c4f1efc6c278_small.png" alt="" width="200" height="113" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / the old man © Peter Smola</p></div>
<p>Greifswald/Leipzig (pte) — Der Zweite Weltkrieg wirkt in den Köpfen der heute älteren Generation noch immer nach. Bei bis zu zwölf Prozent der über 60-jährigen Deutschen gibt es Anzeichen einer <em>Posttraumatischen Belastungsstörung</em> (PTBS), haben Forscher aus Leipzig, Greifswald und Zürich festgestellt. »Besonders die Kindergeneration des Krieges ist schwer traumatisiert. Immer deutlicher zeigt die Forschung, dass jeder Krieg noch viele Jahrzehnte lang nachwirkt«, so Studienautor Philipp Kuwert im pressetext-Interview.</p>
<h4>Noch immer verfolgt</h4>
<p>Jeder zweite Senior berichtet über mindestens ein traumatisches Ereignis, das vorwiegend aus Kriegszeiten stammt und etwa Bombenangriffe, Vergewaltigung, Vertreibung, Verlust von Angehörigen oder Inhaftierung betrifft. Welche Folgen diese Erfahrungen haben, erfassten die Forscher bei 8.000 Menschen verschiedenen Alters. Bei bis zu vier Prozent der Älteren konnte eine PTBS festgestellt werden, bei bis zu 12,2 Prozent zumindest Symptome dafür. Zum Vergleich: Bei den 30– bis 59-Jährigen lag dieser Anteil bei höchstens 2,7 bzw. vier Prozent.</p>
<p>Ein Komplex von Beschwerden ist mit der Diagnose PTBS verbunden, erklärt Kuwert. »Dazu gehören Flashbacks, also zwanghafte Angst– und Schreckensbilder und Albträume. Betroffene sind schreckhafter und vielfach unfähig, Emotionen in ihrer vollen Bandbreite wahrzunehmen, was die Kontaktfähigkeit erschwert.« Häufig werden Gedanken, Orte und Aktivitäten gemieden, die mit dem Erlebten verbunden sind. Traumata erhöhen jedoch auch das Risiko für körperliche Krankheiten deutlich, weshalb die heute Älteren für den Greifswalder Forscher ohnehin »die eher Gesunden ihrer Generation« sind.</p>
<h4>Gleiches Erbe aller Kriege</h4>
<p>Die Erforschung der psychosozialen Traumafolgen des Zweiten Weltkrieges ist noch keine zehn Jahre alt. »Da der Holocaust so unvergleichlich viel Leid gebracht hat, war es lange ein Tabu, dass die Täter auch selbst zu Opfer werden konnten. Erst langsam wird die Zeit dafür reif.« Auch die Folgen der Jahre nach de Krieg haben die Forscher untersucht. Welche Wirkungen diese etwa auf Österreich hatten, stellt Kuwert in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift <em>Trauma und Gewalt</em> dar. »Die Hypothese, dass es in der ehemals russischen Besatzungszone am meisten Traumatisierung gab, hat sich bestätigt.«</p>
<p>Obwohl die Wissenschaftler vor allem alte Menschen untersuchten, sind viele Ergebnisse auch auf Betroffene heutiger Kriege übertragbar. »Aktuelle Forschungen wie etwa im Sudan zeigen ebenfalls, dass Posttraumatische Belastungsstörungen umso häufiger auftreten, je mehr extreme Traumatisierungen es gab. Bei bestimmten Schweregrad erkranken auch die, die am besten davor geschützt sind«, so Kuwert. Lernen aus der Geschichte sei jedoch durchaus möglich. »Vergewaltigungsopfer hatten lange mit einem Tabu zu kämpfen. Jetzt erkennt man, dass ihre gesellschaftliche Anerkennung als Traumaopfer protektive Wirkung hat.«</p>
<h4>Schreibtherapie hilft</h4>
<p>Trotz des großen zeitlichen Abstandes bringen Therapien auch heute noch Verbesserungen, zeigen die Erfahrungen von <a href="http://lebenstagebuch.de" target="_blank" rel="external nofollow">Lebenstagebuch</a>, einer Internet-Schreibtherapie für die Weltkriegs-Kinder. »Bei den Teilnehmenden findet der Ansatz trotz Internet viel Zuspruch. Die Belastung der PTBS sinkt, die Ängste werden weniger und die Lebensqualität steigt. Zudem erlaubt die Therapie, die eigene Biographie nochmals aufzuschreiben und auf Wunsch weiterzugeben. Denn sie enthält nicht nur Traumatisierung, sondern auch die schönen Seiten des Lebens«, so Kuwert. Bis Herbst ist die kostenlose Teilnahme an dem Online-Programm noch möglich.</p>
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