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	<title>OpenMindJournal &#187; Schattenarbeit</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Lebenspraxis und Change</description>
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		<title>Mut zu umfassenderer Authentizität</title>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 19:41:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andres Pellegrini</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Schattenarbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Dem eigenen Schatten in Würde begegnen »Gewisse Sichtweisen, die aus der absoluten Ebene stammen wie »nichts ist real«, »lass Deinen Geist los«, »gut und schlecht sind nur Illusion«, »lass das Ego einfach fallen und gib Dich hin« können leicht zu Instrumenten des Selbst-Betrugs und der Perversion werden und grossen Schaden anrichten, wenn sie auf falsche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Dem eigenen Schatten in Würde begegnen</h4>
<div id="attachment_4819" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/manuel_0023-e1336159966613.jpg" rel="lightbox[4815]"><img class="size-thumbnail wp-image-4819" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/manuel_0023-e1336159966613-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">© Rita Borer</p></div>
<p>»Gewisse Sichtweisen, die aus der absoluten Ebene stammen wie »nichts ist real«, »lass Deinen Geist los«, »gut und schlecht sind nur Illusion«, »lass das Ego einfach fallen und gib Dich hin« können leicht zu Instrumenten des Selbst-Betrugs und der Perversion werden und grossen Schaden anrichten, wenn sie auf falsche oder unklare Weise angewandt werden.»<sup class='footnote'><a href="#fn-4815-1" id='fnref-4815-1'>1</a></sup>Dieser Satz hat mich zu den Zeilen inspiriert, denen Sie jetzt mit Ihren Augen folgen. Beim Lesen der obigen Aussage erkannte ich blitzartig: genau dies habe ich über Jahre getan (diese Reaktion erinnert mich ein bisschen an den Moment, als ich vor Jahren zum ersten Mal etwas über Depression las und mir schlagartig bewusst wurde: genau unter dem leide ich; und es erinnert mich an die vielen Menschen, die genau die selbe Aussage machen, wenn sie plötzlich einen Schatten von sich selber klar wahrnehmen können). Jetzt konnte ich auch spüren, warum ich immer in eine tiefe Krise viel, wenn ich etwas über einen Skandal im Zusammenhang mit einem spirituellen Lehrer las: es entstand Resonanz in meinen eigenen Schatten diesbezüglich. Ich selber hatte – zum Glück! – keine spirituellen Schüler/innen um mich. Ich habe jedoch drei gescheiterte Partnerschaften hinter mir und erschreckenderweise habe ich gerade dort meinen Schatten verbreitet; und zwar umso mehr, je intimer die jeweilige Partnerschaft wurde. Ich habe Missbrauch betrieben auf emotionaler, psychischer und spiritueller Ebene. Anstatt meinen ganz persönlichen Traumata ins Gesicht zu schauen und Verantwortung dafür zu übernehmen, habe ich destruktive Verhaltensweisen vor mir selber mit Deckmänteln kaschiert und diese Verschleierung – meist nonverbal oder mit Andeutungen –  auf meine Partnerin übertragen. Anstatt beispielsweise zu meinen aggressiven Impulsen zu stehen und Verantwortung dafür zu übernehmen habe ich mich in eine leidende Rolle geflüchtet. Diese hatte früher eher eine pseudo-psychologische Färbung (»Ich selber bin nicht aggressiv. Ich verhalte mich nur so, weil ich traumatisiert bin blablabla…«) und später dann einen pseudo-spirituellen (»Ich nehme den Schmerz der ganzen Welt wahr. Ich mache aber keine Geschichte daraus, bin einfach damit blablabla…«). Mit diesem ganzen Verhalten war »das Gefühl, dass etwas nicht stimmt« verbunden, sowie eine erdrückende Hilflosigkeit, grosser Widerstand, tiefe Scham und starke Schuldgefühle. Eindrücklicherweise stehen diese jetzt, wo ich Klarheit habe, nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen fühle ich Trauer, Demut und Dankbarkeit; und noch stärker fühle ich meine Freude darüber, am Anfang einer wertvollen Reise zu stehen. Eine Reise zu einem gesunden und erfüllten Leben sowohl im spirituellen Absoluten als auch im alltäglichen Relativen. Eine radikale Bewegung hinein ins Nonduale. Eine Lebensweise, die sowohl tief im zeitlosen Sein wurzelt als auch achtsam, verantwortungsvoll, freudig und nachsichtig die zeitliche Dimension mitgestaltet. Auf dem Weg zu einem Menschen, der mutig seine Authentizität und Unterscheidungskraft zum Wohle von sich und allen anderen Lebewesen einsetzen kann. Oder wie Padmasambhava, der Vater des tibetischen Buddhismus, es ausdrückt: »Mein Geist ist so weit wie der Himmel und meine Aufmerksamkeit für jede Einzelheit so fein wie ein Sandkorn.« Mögen wir alle mit dieser Qualität immer wieder von neuem unseren Schatten begegnen!</p>
<p> </p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4815-1'>Vorwort von John Welwood zum Buch: <em>Augen auf! Der Weg der spirituellen Unterscheidungskraft. </em>Mariana Caplan. Verlag advaitamedia. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4815-1">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Bildung der Eltern beeinflusst Psyche</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/01/30/bildung-der-eltern-beeinflusst-psyche/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 15:15:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Mehr Depressionen in Familien aus niedrigem Bildungsniveau Quebec/Linz (pte) — Depressionen haben viele Faktoren — und manche davon werden erst bei näherer Betrachtung erkennbar. Der Bildungsabschluss der Eltern ist einer davon, wie kanadische Forscher nun in einer 29-jährigen Langzeitstudie herausgefunden haben. In der Zeitschrift »Social Science &#38; Medicine« berichtet das Team Amélie Quesnel-Vallée von der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Mehr Depressionen in Familien aus niedrigem Bildungsniveau</h2>
<div id="attachment_4408" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/478190_web_R_K_by_Stephan-Bachmann_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4406]"><img class="size-medium wp-image-4408 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/478190_web_R_K_by_Stephan-Bachmann_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Studieren: Gesundheitseffekt auch für die Kinder (Foto: Stephan Bachmann/pixelio.de)</p></div>
<p>Quebec/Linz (pte) — Depressionen haben viele Faktoren — und manche davon werden erst bei näherer Betrachtung erkennbar. Der Bildungsabschluss der Eltern ist einer davon, wie kanadische Forscher nun in einer 29-jährigen Langzeitstudie herausgefunden haben. In der Zeitschrift »Social Science &amp; Medicine« berichtet das Team Amélie Quesnel-Vallée von der <a href="http://mcgill.ca" target="_blank" rel="external nofollow">McGill University</a>, dass niedrige Bildung das Risiko für die Kinder erhöht, im Erwachsenenalter an psychischen Erkrankungen zu leiden.</p>
<h4>Umgang mit Gefühlen entscheidet</h4>
<p>»Vor psychischen Krankheiten ist ein Mensch dann besonders geschützt, wenn er gut mit Emotionen umgehen kann. Hier hat die Bildung der Eltern hohen Einfluss«, erklärt Eva Mückstein, Präsidentin des <a href="http://psychotherapie.at" target="_blank" rel="external nofollow">Bundesverbands für Psychotherapie</a>, im pressetext-Interview. Emotionale Bildung und Kompetenz geschieht vor allem, wenn von Klein an Gefühle angesprochen und Beziehungen reflektiert werden sowie Konflikfähigkeit vermittelt wird. »Gebildeten Eltern gelingt dies in der Regel besser«, erklärt die Psychotherapeutin.</p>
<h4>Schutzfaktor Studium</h4>
<p>Die kanadischen Forscher analysierten Daten der »National Longitudinal Survey of Youth 1979″ (NLSY79), für die über 12.000 Personen, die im Jahr 1979 zwischen 14 und 22 Jahren alt waren, drei Jahrzehnte lang jedes Jahr interviewt wurden. Das Augenmerk lag dabei besonders bei den Aspekten der eigenen Bildung und jener der Eltern, dem Haushaltseinkommen und bei depressiven Symptomen. Das Ergebnis: Die wenigsten psychischen Krankheiten traten bei den Erwachsenen auf, deren Eltern ein hohes Bildungsniveau erreicht hatten. Zugleich war auch das Gegenteil der Fall.</p>
<h4>Gleicher Zugang wichtig</h4>
<p>»Zum größten Teil dürfte dieser Effekt darauf zurückgehen, dass Eltern mit höherer Bildung auch Kinder mit besserer Bildung haben, die infolge bessere Berufe ergreifen«, so Quesnel-Vallée. Das Hochklettern an der sozialen Leiter, dessen Wurzel in der Bildung der Eltern begründet ist, hat großen Einfluss auf die mentale Gesundheit. Das müsse die Politik ernst nehmen und benachteiligte Kinder stärker fördern. »Gleicher Zugang aller zur Bildung durchbricht den Teufelskreis von schlechtem Sozialstatus und schlechter psychischer Gesundheit.«</p>
<p>Mückstein betont die Bedeutung der förderlichen Umgebung für Kinder bei sozialer Benachteiligung. »Je schlechter der Sozialstatus, desto wichtiger werden äußere Einflüsse als Schutzfaktoren. Für betroffene Kinder und Familien ist es wichtig, hilfreiche Hände vorzufinden.«</p>
<p>Originalartikel unter <a href="http://dx.doi.org/10.1016/j.socscimed.2011.10.038" rel="external nofollow" target="_blank">http://dx.doi.org/10.1016/j.socscimed.2011.10.038</a></p>
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		<title>Der goldene Faden</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/01/06/der-goldene-faden/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 21:56:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
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		<description><![CDATA[Vom Mut, sich dem Missbrauch zu widersetzen. Jede ausbeuterische, autoritäre Struktur ist menschenverachtend, und wenn sie im Mantel des »Spirituellen« daherkommt, umso mehr. Von dort einen Weg in die Freiheit zu finden, kann außerordentlich schwierig sein. Eines Morgens im Herbst erwachte ich früh, und es war, als würde mich etwas rufen. Das Licht lockte golden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Vom Mut, sich dem Missbrauch zu widersetzen.</h2>
<p><em>Jede ausbeuterische, autoritäre Struktur ist menschenverachtend, und wenn sie im Mantel des »Spirituellen« daherkommt, umso mehr. Von dort einen Weg in die Freiheit zu finden, kann außerordentlich schwierig sein.</em></p>
<div id="attachment_4243" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/OYA-goldener_faden.jpg" rel="lightbox[4242]"><img class=" wp-image-4243 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/OYA-goldener_faden-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: OYA — anders denken. anders leben</p></div>
<p>Eines Morgens im Herbst erwachte ich früh, und es war, als würde mich etwas rufen. Das Licht lockte golden durch die Ritzen des metallenen Rollos vor dem Wohnwagenfenster. Barfuß und im Schlafanzug huschte ich, von meinen schlafenden Eltern unbemerkt, zur Tür hinaus. Draußen erwartete mich ein Wunder: Das Tal, das direkt unter uns begann, war angefüllt mit dichtem, wallendem Nebel, und darüber hinweg strahlte sanftes, frühes Morgenlicht. Mit pochendem Herzen warf ich mich hinein ins Nichts, in das Grau, lief den Abhang hinab, die Wiese hinunter, in den Nebel hinein. Lief und lief und lief, abwärts, bis um mich herum nichts mehr zu sehen und zu hören war. Alle Geräusche waren verstummt, keine Welt mehr, nur das kalte Gras unter meinen Füßen und der Nebel und ich. Ich stand lange da, staunte, lauschte in die Stille. Und auf einmal dehnte ich mich aus, verlor meinen Körper, war überall. War das Gras, die Wassertropfen in der Luft, war die Bäume, die ich in der Ferne spüren konnte, war der weite Himmel, war alles, alles, und alles war ich. Ich erfuhr eine große Liebe, die plötzlich in allem da war und mich hielt. Mein Herz wollte schier platzen angesichts dieser großen Gewissheit des All-ein(s)-Seins und dieses unbekannten Gefühls, das ich heute als Erwachsene Demut nenne. Ich war acht Jahre alt und wusste nicht, dass diese kostbare Erfahrung der Beginn meines langen Wegs in die Freiheit sein würde.</p>
<p>Aus heutiger Sicht denke ich, dass dieses Kindheitserlebnis wahrscheinlich meine erste echte spirituelle Erfahrung war. Mein Begriff von Spiritualität ist für mich sowohl universell als auch individuell, öffentlich und gleichzeitig von höchster, verletzlichster Intimität. Und sie scheint unbeschreiblich und sich letztlich nur über eigene Erfahrung zu erschließen.</p>
<p>Spiritualität hat eine dunkle Schwester, die schwer zu fassen ist. Wie alles im Dunkeln sieht man sie nur dann, wenn man sie nicht direkt anschaut, sondern den Blick auf ihre Konturen richtet: Fanatismus, Aberglaube, Fatalismus, Wahrheitsanspruch. Es können im Namen beider Schwestern Gebete gesprochen werden, sogar an dieselbe Gottheit. In beider Namen wird überall auf der Welt meditiert, es werden Rituale abgehalten, Tausende von Buchseiten mit »Wahrheiten« bedruckt, Millionen von Menschen machen tief berührende und sie für immer verändernde Erfahrungen von universeller Einheit, Liebe, Stille und Ekstase. Gibt es Wegweiser und Zeichen, die hilfreich dabei sein können, zwischen den guten und den manipulativen und schädlichen Einflüssen zu unterscheiden?</p>
<p>Es gab in meinem Leben immer mehrere spirituelle Identitäten, die sich wie Zwiebelhäute um mein Inneres legten: Ich wurde katholisch getauft und nahm am Religionsunterricht in der Schule teil, meine Familie zeigte sich an Weihnachten und Ostern in der Kirche: Das war meine spirituelle Deckidentität, die äußerste Haut. Weitaus grundlegender wurde mein Leben dadurch bestimmt, dass ich in eine totalitäre Sekte hineingeboren wurde, als älteste Tochter eines der »Führer« und mit einem vorgezeichneten Lebenslauf als »Priesterin« – das war meine Hauptidentität, mehrere dicke Zwiebelschichten von Glaubenssätzen und Überzeugungen. Und dann war da noch etwas Tieferes, ein Glaube an einen wundersamen Stoff, der alles und alle um mich herum durchwirkt, ein unerklärlicher Glaube an Reinkarnation, ein Absinken in Naturrituale, innere Reisen, Träume. Das war die innerste, manchmal mir selbst verborgene Identität, die ich in der Rückschau als die einzige wirklich meinige bezeichne.</p>
<h4>Leben und Aufwachsen in einer Sekte</h4>
<p>Das Glaubenssystem der Sekte war totalitär, durchdrungen von Geboten und Verboten. Eine Loge, ein exklusiver Club von Menschen, mit dem Heilsversprechen der absoluten psychischen Optimierung und Stärkung ihrer Mitglieder, »experimentierfreudig« in den Mitteln. Im Hintergrund ein faschistoid-sozialdarwinistisches Menschenbild, das den satanisch-magischen Anstrich im Vordergrund legitimierte: Tu was du willst, das war das erste Gebot, denn es ist naturgemäß und richtig, dass die Stärkeren die Schwächeren beherrschen. Alle Lehren bildeten einen perfekt logischen Kreislauf. Gerade die Widersprüchlichkeit mancher Sätze galt als Beweis für die Richtigkeit des Großen und Ganzen. Disziplin wurde durch Schuld– und Schamrituale und öffentliche Bestrafungen aufrechterhalten. Verrat wurde belohnt, Vertraulichkeit zu einem schweren Risiko. Verwirrende Rhetorik, stundenlange eintönige Gesänge, Reizüberflutung durch laute Musik und Drogen, Reizdeprivation durch tagelanges Eingesperrtsein und »Meditieren«, sexualmagische Rituale, dokumentierte Mutproben, welche die Mitglieder erpressbar machten. Sex, Geld und Macht für diejenigen, die dieses Spiel am besten mitspielten.</p>
<p>Ich war die stolze Erstgeborene und wuchs auf in dem Bewusstsein, etwas Besonderes zu sein. Eine besondere Inkarnation, eine geborene Führerin – eine, die besonders diszipliniert werden musste. Im Rahmen meiner »Erziehung« wurde ich schwer sexuell missbraucht und misshandelt, indoktriniert und dazu gebracht, Handlungen zu tun, die ich mit meinem Gewissen nie werde vereinbaren können.</p>
<p>Das Schmerzlichste meiner Erfahrungen waren die Manipulation und der Missbrauch meines Vertrauens, meiner Neugier und meiner kindlichen Suche nach Anerkennung. Ich war existenziell abhängig von der Liebe meiner Bezugspersonen, die ich jedoch nur durch absoluten Gehorsam sichern konnte. Tu was du willst – aber was ich zu wollen hatte, das wurde mir so lange eingetrichtert, bis ich das Gespür von dem, was ich selbst wollte, so gründlich verloren hatte, dass ich selbst dann davon überzeugt war, nach meinem Willen zu handeln, wenn ich mir oder anderen Leid zufügte. Alles im Namen der göttlichen Macht.</p>
<p>Ein kleinster, gut versteckter Teil in mir blieb jedoch heil. Die Erinnerung an die allumfassende Liebe, die ich im Nebeltal erfahren hatte, war wie ein goldener Faden in meiner Mitte, der mich leitete. Es blieb eine Sehnsucht, ich blieb auf der Suche. Mit zunehmendem Alter wuchsen die Zweifel. Ich las philosophische und religiöse Schriften und begann, mir andere Freundschaften aufzubauen. Die Erkenntnis, dass abweichende Ansichten wertvoll und diskutierbar sind, wurde immer mehr zu meiner Richtschnur. Die war jedoch kaum fassbar, weil durch die Indoktrination alle Zweifel zu massiven Schuldgefühlen und Ängsten führten. Mein Zwiespalt brachte mich ­darüber hinaus in reale Gefahr.</p>
<h4>Der Ausstieg</h4>
<p>Ich funktionierte nicht mehr. Mit 18 Jahren versuchte ich zum ersten Mal, mir das Leben zu nehmen. Mit Anfang 20 setzte ich eine Ausbildung in einer anderen Stadt durch und begann eine Psychotherapie. Die Zerrissenheit zwischen der Loyalität zu meiner Familie und ihrer Sekte und der Sehnsucht nach Freiheit und Heilung wurde unerträglich. Schließlich wagte ich den Ausstieg. Aus Angst vor Vergeltung tauchte ich unter, änderte meinen Namen und beendete so gut wie alle Kontakte meines bisherigen Lebens. Es folgten Jahre der Angst, der physischen und psychischen Verfolgung und Bedrohung, die mich immer wieder dazu zwangen, alles abzubrechen. In dieser Zeit erfuhr ich viel Hilfe durch kirchliche Einrichtungen wie Beratungsstellen und Klöster, die mich trotz meines tiefen Misstrauens gegenüber aller organisierten Spiritualität unterstützten. Es gelang mir mit viel Kraft, mich zu stabilisieren, Freundschaften aufzubauen, ein Studium zu beginnen, Sicherheit zu gewinnen. Dennoch blieb mein Leben ein Überleben, durchtränkt von einem lähmenden Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit.</p>
<p>Immer jedoch gab es Momente, die mich an die Existenz meines goldenen Fadens erinnerten. Momente in der Natur, wie ein Sonnenstrahl, der mich unvermittelt aus dunklen Wolken traf, Orte, die eine reine Kraft zu vermitteln schienen, Wasserfälle, Berge, das Meer. Diese Momente waren meine Gottesdienste, meine Gebete an die große Kraft, an das Leben. An manchen dieser Orte entstanden spontane Meditationen und Rituale, und daraus wuchs der Wunsch, mich wieder auf die Suche nach etwas zu machen, das ich »meinen Glauben« nennen könnte. Zuerst war es eine holprige, vorsichtige Praxis, ganz für mich allein, aus Meditationen und Übungen. Die Wende kam, als ich beschloss, meine aufgezwungene, aber dennoch verinnerlichte Priesterinnenschaft endgültig abzulegen. In einem selbstentwickelten Ritual trug ich meine innere Priesterin zu Grabe, verabschiedete mich von ihr und allen damit verbundenen Ansprüchen und Glaubenssätzen. Ich akzeptierte, nichts Besonderes zu sein. In dieser Kränkung lag die große Erleichterung, mich als Teil des Ganzen zu begreifen, so wie ich bin. Meine leidvolle Geschichte wurde zu etwas Relativem, das ich nun aus einer Distanz betrachten konnte. Durch die regelmäßige Praxis buddhistischer Achtsamkeitsmeditation lernte ich, dass ich meine Gefühle und Leiden erfahre, aber dass ich sie nicht bin. So konnte ich erkennen, was ich gelernt habe durch diese Kindheit – die dennoch so nicht hätte sein sollen. Ich kann die Verwirrung und Angst meiner Eltern erkennen und nicht mehr nur Angst und Wut ihnen gegenüber empfinden, sondern auch Mitgefühl und Trauer. Ob ich ihnen jemals verzeihen kann, weiß ich nicht – ich bin keine Heilige.</p>
<h4>Den Unterschied erkennen</h4>
<p><strong></strong>Oft wird Spiritualität und Glauben vorgeworfen, sie würden die Menschen unpolitisch, abhängig, unkritisch und mundtot machen. Es stimmt: Wenn Glaubende die Verantwortung für ihr Leben in die Hände einer höheren Macht legen, kann eine schicksalsergebene, ignorante Haltung entstehen, Abhängigkeits– und Ausbeutungsverhältnisse akzeptiert werden. Damit sind wir plötzlich auf der anderen Seite, bei der dunklen Schwester, die ich nicht spirituell nennen kann und will, auch wenn sie sich auf den ersten Blick sehr ähnlich anfühlen mag. Eine solche Haltung durchbricht keine inneren geistigen Gefängnismauern, sie verstärkt sie.</p>
<p>Für mich ist Spiritualität ein Prozess, ein beständiges Überprüfen der Wirklichkeit, ein Dialog mit dem Ganzen. Es sind freie Momente und Erfahrungen von großer, umfassender Liebe. Durch sie erhalte ich erst die Kraft, den wachen Blick, die Berührbarkeit und den inneren Halt, die es braucht, um Missstände in der Welt wahrzunehmen und aktiv zu verändern. Jegliche Relativierung von Leiden, Ausbeutung und Unterdrückung anderer ist mit dieser Liebe und Wachheit nicht zu vereinbaren. Meine Alarmglocken läuten heute beispielsweise, wenn ich in Gruppen Angst habe, bestimmte Fragen zu stellen, wenn Lehrende den Anspruch erheben, die alleinige Wahrheit zu kennen, wenn Andersdenkende als minderwertig angesehen werden, wenn Menschen sich an einen Führer oder eine Führerin binden, wenn sie in schwer zu durchbrechenden Hierarchien organisiert sind und wenn Menschen im Namen eines höheren Ganzen Schmerzen zugefügt werden. Das geschieht beileibe nicht nur in sogenannten spirituellen Kreisen. Jede Ideologie und jede Bewegung und Gemeinschaft kann zur Sekte werden. Dennoch üben gerade Gruppierungen wie die, in der ich aufgewachsen bin, eine Anziehung auf Menschen mit einer spirituellen Sehnsucht aus, und sie bedienen Wünsche nach einem Aufgehobensein in etwas Größerem, nach Sinn, Führung und Halt.</p>
<p>Auch ich hatte innerhalb dieser Gruppierung ekstatische Momente, die in den magischen Ritualen entstanden, die ich mit Spiritualität verwechselte. Es brauchte viele andere Erfahrungen und braucht noch immer Auseinandersetzungen mit anderen Menschen, um zu verstehen, dass diese Ekstase, entstanden aus einer Adrenalinüberflutung meines ganzen Körpers, mit Liebe nichts zu tun hatte, sondern nur mit Angst und Macht.</p>
<p>Letztlich liegt die Erkenntnis, ob ein eingeschlagener Weg in die Freiheit oder in Abhängigkeit führt, bei jeder und jedem Einzelnen von uns. Die Liebe in uns selbst zu erkennen, ist die Aufgabe, die uns auf jedem Weg erwartet. Meiner hat mich trotz allem in die Mitte einer liebevollen Gemeinschaft geführt, die meinen besonderen Weg kennt und unterstützt. Hier leben Menschen mit sehr unterschiedlichen spirituellen und politischen Ansichten, und das ist trotz der dadurch entstehenden Reibung sehr gut so. Durch die Liebe, Wertschätzung und Achtsamkeit der Menschen in meinem Leben wird mir ein Raum geschenkt, in dem ich Heilung erfahren darf. Ich werde weiter suchen – und wachsam sein.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin OYA — anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/554-Der_goldene_Faden.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11/2011</a></p>
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		<title>Pro und Contra zu Familienaufstellung</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 09:50:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pro Psychotherapie e.V. informiert über eine umstrittene Methode München (humannews) — Die eigene Familie prägt das weitere Leben. Viele Menschen hadern mit ihrer Geschichte oder stolpern immer wieder über erlernte Rollenmuster und können „nicht aus ihrer eigenen Haut“. Die Methode der Familienaufstellung ruft entweder helle Freude hervor, dass endlich die eigene Lebenskonstellation verstanden wird, oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Pro Psychotherapie e.V. informiert über eine umstrittene Methode</h2>
<div id="attachment_3662" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4ca8ae5a88adf_xs.jpg" rel="lightbox[3659]"><img class="size-medium wp-image-3662 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4ca8ae5a88adf_xs-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / Fußabdrücke im Sand © Bern Lin</p></div>
<p>München (humannews) — Die eigene Familie prägt das weitere Leben. Viele Menschen hadern mit ihrer Geschichte oder stolpern immer wieder über erlernte Rollenmuster und können „nicht aus ihrer eigenen Haut“. Die Methode der Familienaufstellung ruft entweder helle Freude hervor, dass endlich die eigene Lebenskonstellation verstanden wird, oder blankes Entsetzen darüber, dass andere Leute sich intuitiv in eine Familie hinein versetzen. In einem sachlichen Artikel werden Licht und Schatten von Familienaufstellungen beschrieben.</p>
<p>Lesen Sie im neuen Dossier zu „Familienaufstellung“ von Dr. Christine Amrhein auf der Informations– und Rechercheplattform <a href="http://www.therapie.de" target="_blank" rel="external nofollow">www.therapie.de</a> mehr über die Möglichkeiten und Grenzen dieser Methode aus der Systemischen Psychotherapie. Ziel ist, Beziehungen zwischen Familienmitgliedern oder Mitgliedern einer Gruppe bildhaft darzustellen und so die damit verbundenen Wahrnehmungen, Gefühle und Gedanken bewusst zu machen. Oft werden dabei auch bis dahin unbewusste Konflikte oder ungünstige Beziehungsmuster aufgedeckt. Die aktuelle Situation kann dabei genauso prägend sein wie Einflüsse aus der Vergangenheit.</p>
<p>Bekannt wurde die Methode Anfang der 1990er Jahre vor allem durch den Ansatz der „Klassischen Familienaufstellung“ von Bert Hellinger, einem katholischen Priester. Er sah darin keine Therapieform sondern eine „Lebenshilfemethode“, die auf der Annahme beruht, dass emotionale Banden zwischen Familienmitgliedern bestehen und gestörte Banden wieder in ihre natürliche Ordnung zurück finden sollten. Kritisiert wird die Methode u.a. dann, wenn sie nicht in eine Psychotherapie eingebunden oder die Person mit den ausgelösten Gefühlen und Gedanken alleine gelassen wird. Auch werden Hellinger aufgrund seiner autoritären Art Suggestion, Manipulation und Fehlinterpretationen zur Last gelegt.</p>
<p>Heute nutzen etwa 2.000 Therapeuten verbesserte, angepasste Varianten dieser Methode, die eher als Therapiebaustein betrachtet und nicht isoliert eingesetzt werden sollte. Vorab sollten Interessierte sich über die Qualifikation der Anbieter ausführlich erkundigen, um an gut ausgebildete Therapeuten zu gelangen. Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie empfiehlt eine Checkliste für wirksame Familienaufstellungen und gibt Tipps zur Auswahl geeigneter Therapeuten. Die Methode kann sowohl in Gruppenarbeit mit Personen als auch in Einzelbehandlung mit Gegenständen durchgeführt werden.</p>
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		<title>Wenn Spiritualität eine Maske wird</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 21:06:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir werden geschickte Schauspieler, und während wir für die wahre Bedeutung der Lehren taubstumm spielen, finden wir es angenehm so zu tun als würden wir dem Pfad folgen. – Chögyam Trungpa Rinpoche Aufgrund der Tatsache, dass die globale Kultur sich zu materialistischen Werten hingewendet hat, in einer Weise, die in der Menschheitsgeschichte beispiellos ist, ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>Wir werden geschickte Schauspieler, und während wir für die wahre Bedeutung der Lehren taubstumm spielen, finden wir es angenehm so zu tun als würden wir dem Pfad folgen.</em> – Chögyam Trungpa Rinpoche</p></blockquote>
<div id="attachment_3311" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/10/ap4d5e4f2d398bc_s.jpg" rel="lightbox[3309]"><img class="size-medium wp-image-3311 " title="Wenn Spiritualität eine Maske wird" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/10/ap4d5e4f2d398bc_s-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / Bienchen © jutta rotter</p></div>
<p>Aufgrund der Tatsache, dass die globale Kultur sich zu materialistischen Werten hingewendet hat, in einer Weise, die in der Menschheitsgeschichte beispiellos ist, ist es unvermeidlich, dass diese gleiche Ethik unseren Zugang zur Spiritualität infiltrieren wird. Wir leben in einer Kultur, die Vermögensanhäufung und Konsum schätzt, und es ist naive von uns anzunehmen, nur weil wir an spirituellem Wachstum interessiert sind, wir auch unseren Materialismus aufgegeben haben – oder sogar, dass wir das sollten.</p>
<p>Es ist nichts schlimmes dran ein OM-Zeichen auf dem T-Shirt zu haben, oder ein eifrig praktizierender Meditierender zu sein während du dich an Geldmachen und guten Geschäften erfreust, doch es ist nützlich deine Integrität in der Beziehung zu deinen Entscheidungen zu erkunden und zu verstehen. Spiritueller Materialismus ist keine Frage der Dinge die wir haben, sondern von unserer Beziehung zu ihnen.</p>
<p>Wir sehen alle nicht wie wir uns selbst auf dem Pfad beschwindeln. Es ist peinlich für das Ego, doch nicht für das was wir wirklich sind, in den Spiegel zu schauen und uns selbst im spirituellen Tutu zu sehen. Dennoch erlauben wir uns zum Wohle von mehr Freiheit entblösst  und auch ausgedehnter zu werden, durch Erkennen wie wir uns selbst im Namen der Spiritualität limitieren.</p>
<p>Wir benutzen Spiritualität auch um mehr Macht zu erlangen, Prestige, Anerkennung und Respekt und weichen sogar unseren eigenen Problemen aus. Wir missbrauchen die Lehren, die Praxis, und all die spirituellen Dinge die wir tun und denken wir erweitern unser Bewusstsein um eine tiefere Intimität mit der Wahrheit die wir suchen zu vermeiden. Wir benutzen unsere Praxis, die Utensilien und Konzepte um eher das Ego als die Wahrheit zu unterstützen. Sogar ein Mönch auf einem Berggipfel kann an seine Roben oder seine Bettelschale anhaften, als ein Weg um einen falschen Sinn von spiritueller Sicherheit zu schaffen.</p>
<p>Das Ego möchte Spiritualität als etwas das es endgültig »haben« kann, und dann müssen wir nicht mehr die fortwährende Arbeit machen, uns zu zeigen und jeden Moment für den Rest unseres Lebens zu praktizieren. Das Ego schafft eine ganze Identität rund um unser spirituelles Selbst. Das ist Teil davon was wir alle auf dem spirituellen Weg machen, aber es ist hilfreich zu lernen die in uns selbst zu sehen.</p>
<h4>Es gibt viele Formen in denen sich spiritueller Materialismus manifestieren kann:</h4>
<p><em>Der spirituelle Lebenslauf </em>bezieht sich auf wichtige spirituelle Menschen die wir getroffen, bei ihnen studiert oder einen Workshop besucht haben. Zeitweise finden wir uns in der Situation wo wir unseren spirituellen Lebenslauf rezitieren um uns selbst oder andere zu beeindrucken.</p>
<p><em>Spirituelles Geschichtenerzählen</em> wird zum Vortragen von Erzählungen über unsere spirituellen Erfahrungen. Obwohl diese sicher interessant sind, verstecken wir uns oft hinter unseren Geschichten um uns selbst vor der Verletzlichkeit tieferer menschlicher Verbindungen zu schützen.</p>
<p><em>Das spirituelle High</em> manifestiert sich oft in dem wir vom Workshop zum Lehrer zu einem schönen Platz gehen um auf einem fortwährenden Hoch zu bleiben und unsere eigenen Schatten zu vermeiden, was eine andere Art von Spiritual Bypassing ist.</p>
<p><em>»Dharmatisieren«</em> bezieht sich auf die Verwendung von spirituellem Jargon um unserer Verwirrung und unseren blinden Flecken Rechnung zu tragen, und um Beziehung zu vermeiden. Wenn wir ein Dharmatisierer sind und jemand sagt uns, dass er Spannungen in unserer Umgebung spürt, dann entgegnen wir mit Binsenweisheiten wie, »Das ist nur ein vorübergehendes Phänomen. Wer spürt da überhaupt diese Spannungen?«.</p>
<p>Dem <em>spirituellen Kaufrausch</em> sind wir verfallen, wenn wir unzähligen Einweihungen, Ermächtigungen und Segnungen von Heiligen nachlaufen, in einer Weise wie andere Autos, Yachten und Zweitwohnsitze sammeln. Wir müssen spüren, dass wir immer irgendwo hinkommen – dass wir reicher und besser werden. Manche Menschen glauben unbewusst, wenn sie nur genügend spirituelle Goldsterne sammeln um erleuchtet zu werden, dann sterben sie nicht.</p>
<p><em>Das spiritualisierte Ego</em> hat konstruktives Feedback assimiliert und in seine abwehrende Struktur integriert. Wenn jemand seine Meinung über uns mitteilt, dann sagen wir »Ich weiss, es scheint so als ob ich faul und selbstsüchtig bin, doch ich praktiziere einfach »zu sein« und mich um mich selbst zu kümmern.« Ein spiritueller Lehrer mit einem kugelsicheren Ego wird verbale Angriffe oder finanzielle Erpressung von ihm oder seinen Schülern rechtfertigen, in dem er oder sie sagt, das ist nur ein Versuch den egoistischen Mechanismus abzuschneiden, oder ihnen beizubringen, dass sie lernen müssen sich und alles was sie haben dem Göttliche hinzugeben. Das Problem mit Menschen mit einem spiritualisierten oder kugelsicheren Ego ist, dass diese extrem schlüpfrig und schwer zu erwischen sind – und es ist teilweise schwierig wie dieser spirituelle Abwehrmechanismus in uns selbst funktioniert.</p>
<p>Es ist wichtig zu verstehen, dass spiritueller Materialismus ist weniger um das <em>was</em> und mehr um das <em>wie</em> in der Beziehung zu etwas – egal ob es ein Lehrer ist, ein neues Yoga-Outfit oder ein Konzept. Es ist keine Frage des Wohlstands sondern eher eine Einstellung. Ich begegnete zahlreichen Sadhus, oder heiligen Männern, in Indien, die wie Bettler lebten, doch hoben ihre Faust gegen mich, wenn ihnen die Spende, die ich ihnen gab nicht genug war, oder mancher war so stolz über seinen Pilgerstab, den sie mit sich tragen, wie viele Biker über ihre geliebte Harley-Davidson.</p>
<p>Wenn wir tiefer eintauchen in die Schichten unserer Wahrnehmung, finden wir heraus, dass der Ursprung jeglicher Form von spirituellem Materialismus in unserem Geist sitzt. Wir finden heraus, dass wir uns auf Informationen, Fakten und sogar grundlegendes Verständnis in solcher Weise Bezug nehmen können, dass es das Erscheinen tiefer Weisheit ausschliesst. Auf dieser subtilsten Ebene, wo sogar Wissen selbst ein Hindernis für Weisheit wird, kann das Schwert der Einsicht – der tiefe Wunsch uns selbst klar zu sehen und die Bereitschaft Feedback von anderen anzunehmen – unsere Verwirrung abschneiden.</p>
<p>Als ich in einer Psychologie-Vorlesung das Thema des spirituellen Materialismus mit meinen Studenten durchnahmen, hob ein junger Mann seine Hand und sagte, »ich weiss, ich bin wirklich sehr hingezogen zum spirituellen Leben, und irgendwie hindert mich diese echt coole Lederjacke daran, die ich in Italien gekauft habe. Ich denke, wenn ich mich wirklich dem spirituellen Leben hingebe, dann muss ich meine Jacke aufgeben, und ich weiss es klingt lächerlich, aber das hält mich davon ab.«</p>
<p>Diese Lederjacke meines Studenten war ein materieller Besitz, doch wir alle haben etwas – ein Grund, Besessenheit oder etwas wo wir uns selbst sagen das hält uns davon ab tiefer in uns hinein zu schauen –, das uns von dem Weg für unser ganzes Leben abhalten kann. Für viele von uns, ungeachtet unserer besten Absichten, wird unsere Spiritualität selbst eine weitere Schicht von subtiler Panzerung, hinter der wir uns selbst vor der tieferen Wahrheit schützen.</p>
<p>(Adaptiert aus dem Buch <em>Augen auf!: Der Weg der spirituellen Unterscheidungskraft</em>, Advaita Media, 2010)</p>
<p><em>Veröffentlichung dieses Artikels mit der Erlaubnis der Autorin. Übersetzung aus dem Englischen von Heinz Robert</em></p>
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		<title>Rituale nehmen Angst und Stress</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/09/25/rituale-nehmen-angst-und-stress/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Sep 2011 14:57:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mehr Sicherheit durch »unnötiges« Vor– und Nachspiel Tel Aviv/Wien/München (pte) — Eine gesunde Dosis von Ritualen verringert erfolgreich Angst und Stress. Den Nachweis dafür liefern Forscher aus Tel Aviv und Washington in der Zeitschrift »Neuroscience and Behavioral Reviews«. Die Studienautoren um David Eilam analysierten wiederholte Verhaltensweisen im Alltag und erstellten auf dieser Grundlage ein Modell [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Mehr Sicherheit durch »unnötiges« Vor– und Nachspiel</h2>
<div id="attachment_2971" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/ap4ad5d6d2ef7f3_xs.jpg" rel="lightbox[2969]"><img class="size-thumbnail wp-image-2971" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/ap4ad5d6d2ef7f3_xs-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / Waschbecken blue © Alexander Kreher</p></div>
<p>Tel Aviv/Wien/München (pte) — Eine gesunde Dosis von Ritualen verringert erfolgreich Angst und Stress. Den Nachweis dafür liefern Forscher aus <a href="http://www.tau.ac.il " target="_blank" rel="external nofollow">Tel Aviv</a> und Washington in der Zeitschrift »Neuroscience and Behavioral Reviews«. Die Studienautoren um David Eilam analysierten wiederholte Verhaltensweisen im Alltag und erstellten auf dieser Grundlage ein Modell zum besseren Verständnis krankhafter Rituale — der Zwangshandlungen.</p>
<h4>Ängste wegdribbeln</h4>
<p>»Rituale bringen in Momenten von Chaos und Unsicherheit Ordnung und Sicherheit. Deutlich sieht man das bei Kindern, die etwa durch eine Gutenachtgeschichte ihre Angst beim Einschlafen überwinden. Erst recht gilt das aber für Patienten mit Zwangsstörungen. Sie versuchen, sich etwa durch ständiges Händewaschen oder Kontrollzwang von Befürchtungen und anderen negativen Gedanken zu befreien«, erklärt Bibiana Schuch, Präsidentin der österreichischen <a href="http://www.oegvt.at" target="_blank" rel="external nofollow">Gesellschaft für Verhaltenstherapie</a>, im pressetext-Interview.</p>
<p>Jede Handlung eines Menschen als auch vieler höherer Tiere kann man in drei verschiedene Phasen untergliedern, so die These der Studienautoren. Eine dient der Vorbereitung, eine der eigentlichen Aktion und eine dem Abschluss und der Nachbereitung, wobei die erste und dritte Phase für die eigentliche Tätigkeit oft nicht nötig wäre. Ein Basketball-Spieler etwa dribbelt den Ball vor dem Freiwurf, was objektiv für den Wurf zwar unnötig ist, als Vorbereitungsritual jedoch Unsicherheit nimmt und die Konzentration bündelt.</p>
<h4>Ritual kann süchtig machen</h4>
<p>Patienten mit Zwangshandlungen überbetonen die Nachbereitung, glauben die Forscher. »Wer sich zwanghaft die Hände waschen muss, bekommt von außen keinen Hinweis, dass die Handlung vorüber und er absolut sauber ist.« Bei Zwangsstörungen dominiert jedoch schon zuvor eine Angst, gibt der Münchner Therapeut <a href="http://psycho-muenchen.de" target="_blank" rel="external nofollow">Nico Niedermeier</a> gegenüber pressetext zu bedenken. »Waschen neutralisiert zwar die Angst kurzfristig, doch funktioniert das immer weniger, je häufiger man den Mechanismus nutzt.«</p>
<p>Jeder Fünfzigste leidet an krankhaften Zwangsstörungen, die Niedermeier am Leidensdruck und an der täglich für Rituale nötigen Zeit erkennt. Um die Abhängigkeit von diesen Handlungen zu überwinden, müsse man lernen, dass Ängste auch alleine weggehen — etwa durch das gemeinsame Einüben der direkten Konfrontation mit einem Therapeuten. »Medikamente wirken bei Zwangsstörungen nur schlecht. Die kognitiv-behaviourale Verhaltenstherapie ist jedoch höchst erfolgreich: Bei 80 Prozent der Patienten gehen die Symptome zu 80 Prozent wieder weg«, so Niedermeier.</p>
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		<title>Depression integral wahrnehmen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/09/21/depression-integral-wahrnehmen/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 20:07:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andres Pellegrini</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionen]]></category>
		<category><![CDATA[Integrale Landkarte]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Erfahrungsbericht Einführung und Absicht Seit etwa fünfzehn Jahren begleiten mich Phasen von leichten bis mittelschweren Depressionen. Im Laufe dieser Zeit hat sich mein Verständnis dieses Phänomens fortlaufend – und teilweise radikal – gewandelt und vertieft. Aus einem anfänglich als Katastrophe wahrgenommenen Bewusstseinszustand ist eine Brücke zur Inspiration geworden. Während ich auf das depressive Zustandsbild [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/schwarz_4.jpg" rel="lightbox[2920]"><img class="size-medium wp-image-2927 alignright" style="margin-left: 10px;" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/schwarz_4-300x238.jpg" alt="" width="240" height="190" /></a>Ein Erfahrungsbericht</h2>
<h4>Einführung und Absicht</h4>
<p>Seit etwa fünfzehn Jahren begleiten mich Phasen von leichten bis mittelschweren Depressionen. Im Laufe dieser Zeit hat sich mein Verständnis dieses Phänomens fortlaufend – und teilweise radikal – gewandelt und vertieft. Aus einem anfänglich als Katastrophe wahrgenommenen Bewusstseinszustand ist eine Brücke zur Inspiration geworden. Während ich auf das depressive Zustandsbild als solches liebend gerne verzichten würde, möchte ich die tiefen Einblicke ins Leben, die ich dadurch erhalten habe, keineswegs missen. Die Absicht dieses Artikels ist nicht das Erzählen meiner „Depressions-Geschichte“, sondern die Förderung eines befreienden und integralen Verständnisses bezüglich des Phänomens an und für sich. Es geht darum Beziehung zu schaffen. Ich möchte versuchen anhand meines Beispiels gewisse Aspekte aufzuzeigen, die viele Menschen, die mit Depressionen leben, teilen.<sup class='footnote'><a href="#fn-2920-1" id='fnref-2920-1'>1</a></sup> Depression kann als schreckliches Ende wahrgenommen werden, als etwas, dass unbedingt verhindert oder wenigstens möglichst schnell beendet werden muss. Depression kann aber auch als Einstieg in die unendlichen Tiefen unseres Bewusstseins und das darin liegende Potenzial gesehen werden, als Tor zu vielfältigen Qualitäten; und genau darum wird es in den folgenden Abschnitten gehen.<sup class='footnote'><a href="#fn-2920-2" id='fnref-2920-2'>2</a></sup></p>
<h4>Depression und Spiritualität</h4>
<p>Rückblickend kann ich sagen, dass ich in zwei ganz entscheidenden Punkten grosses Glück hatte: zum einen konnte ich von Anfang an die spirituelle Dimension fühlen, die in und hinter der Depression liegt und war nicht dazu verdammt das Ganze einfach als sinnlosen Defekt wahrzunehmen, den es mit psychologischen und medizinischen Mitteln auszumerzen gilt; zum anderen konnte ich mich relativ schnell auf die Depression einlassen und musste nicht allzu lange den ermüdenden und aussichtslosen Kampf dagegen führen (auch wenn Kleinkriege diesbezüglich natürlich immer mal wieder vorkommen können…). In anderen Worten: Ich fühle mich in etwas Umfassenderes eingebettet und kann sehen, dass darin auch Depression vorkommen kann. Hier ist der Begriff Gnade durchaus angebracht, wenn das Ganze in dieser Einfachheit und Offenheit stehen gelassen und nicht mit – aus meiner Sicht zutiefst perversen – Interpretationen »vergewaltigt« wird (»Du bist depressiv geworden, weil Du dies und das falsch gemacht hast und jetzt endlich lernst, dass…«, »Du hast Dir die Depression selber ausgewählt«, »Wärst Du spiritueller, hättest Du keine Depressionen«, »Deine Depression zeigt, dass Du besonders spirituell bist«…). Viele Menschen teilen diese Erfahrung von Gnade inmitten einer Krise; und zwar nicht nur solche, die eine Depression erleben, sondern einfach Menschen, die von etwas berührt werden, das ihr bisheriges Vorstellungsvermögen übersteigt: eine Krebsdiagnose, ein Todesfall, eine Naturkatastrophe, ein Unfall, eine Trennung etc. Für mich persönlich bilden der Zugang zu erweiterten Bewusstseinsdimensionen und die Erfahrung von Gnade die heilsame Basis im Umgang mit Depression.</p>
<h4>Depression und Meditation</h4>
<p>Meditation ist ein geniales Tool, um Depression vollumfänglich wahrzunehmen. Das stille Beobachten von depressiven Gedanken-Gefühls-Körperempfindungs-Mustern und die damit einhergehende Desidentifikation stellen etwas ganz Wesentliches dar. Desidentifikation bedeutet nicht, dass die Depression einfach so verschwindet; es entsteht jedoch mehr Space und Freiheit im Umgang mit dieser. Der Eindruck »diese Depression gehört mir« wandelt sich in »Depression ist einer von unendlich vielen Aspekten, die ich wahrnehmen kann«. Depression wird plötzlich als eine von vielen Möglichkeiten gesehen. Meditation hilft mit, der Depression sowohl nüchtern als auch mitfühlend zu begegnen. Eine Transformation kann nur stattfinden, wenn zuerst nichts anderes als pure Wahrnehmung ohne Reaktion ist. »Sein-Lassen-Können« ist etwas ganz Zentrales im Umgang mit depressiven Mustern. Wenn wir das Phänomen Depression rein energetisch betrachten, können wir sagen, dass es sich um komprimierte Energie handelt. Meditation schafft natürliche Ausdehnung, was einem Fliessen der Energie gleichkommt. Es ist, als würden wir ein Eisstück an die warme Sonne legen. Früher oder später wechselt der Aggregatzustand: aus fest wird flüssig. Fahren wir fort, kommen wir zu gasförmig, d.h. wir haben Space kreiert. Es ist, als würden wir durch Meditation immer wieder ins Licht am Ende des dunklen Tunnels eintauchen und bei der Rückkehr ein bisschen von diesem Strahlen mitnehmen. Mit dem folgenden Sound-Beispiel haben Sie die Möglichkeit, sich diesem Prozess nicht über die Sprache, sondern über Schwingung anzunähern (Hinweis: computerinterne Lautsprecher »verschlucken« viele Frequenzen; nur über externe Boxen oder gute Kopfhörer wird die Vibration wirklich erfahren).</p>
<p><a href="http://andrespellegrini.files.wordpress.com/2011/09/licht-am-ende-des-tunnels.wav" rel="external nofollow">Licht am Ende des Tunnels</a></p>
<p>An diesem Beispiel wird deutlich, dass Depression nicht – wie häufig vermutet – ein energiearmer, sondern eigentlich ein sehr energiereicher Zustand ist. Die Schwierigkeit liegt also nicht in einem Verlust von Energie, sondern vielmehr in dem Zustand der Energie. Es ist nicht das Fehlen, sondern die Kompression, welche die ganze Dunkelheit verursacht.</p>
<p>Ein Stolperstein, der im Zusammenhang mit Meditation auftreten kann, ist die Dissoziation, d.h. statt einer Desidentifikation (ich kann die Depression klar sehen, bin ihr jedoch nicht mehr ausgeliefert) findet Abspaltung statt (ich meditiere, um die Depression nicht mehr wahrnehmen zu müssen). Diese Sackgasse kann umgangen werden, wenn Meditation in Kombination mit einer auf Mitgefühl und Stille basierten Gesprächstherapie angewendet wird (s. folgender Abschnitt).</p>
<h4>Depression, Psychotherapie und Beziehungen</h4>
<p>Es ist einfach zu sagen, was mein Versuch mit psychoanalytisch orientierter Therapie gebracht hat: nichts. Ich habe selten eine grössere Beziehungslosigkeit erlebt wie in diesen Sitzungen. Es war nichts anderes als ein Selbstbetrug, eine gedankliche Beruhigungspille. Ich will nicht behaupten, dass die Vergangenheit keinen Einfluss auf die Bildung einer späteren Depression hat. Ich bin jedoch überzeugt, dass das »Wissen« um vermeintliche Ursachen den Weg der Heilung eher blockiert als fördert. Einerseits frisst psychologische Ursachensuche eine Unmenge an Energie, die direkt für eine Heilung eingesetzt werden könnte, andererseits kann man sich bei den gefundenen Ursachen nie sicher sein ob sie echt sind oder bloss konstruiert. Aus meiner Sicht ist dieser ganze »Ursachen-Such-Wahn« nichts anderes als eine unfruchtbare Endlosschlaufe unseres Minds. Ein destruktives Spiel ohne Wirklichkeits– und Gefühlsbezug. Als umso hilfreicher hat sich jedoch Gesprächstherapie erwiesen, die nichts anderes tut als kontinuierlich den eben erwähnten Wirklichkeits– und Gefühlsbezug herzustellen. Dadurch wird es möglich die heilende Kraft der Trauer freizusetzen, die in Depressionen oft unter einem diffusen Mix aus Angst, Schuld– und Schamgefühlen, Ärger, Leere und Gefühlslosigkeit zu ersticken droht. Ich kenne nichts, das die Depression ehrlicher, tiefgreifender und effizienter auflösen kann als Trauer; und mit Trauer meine ich Trauer und nicht Selbstmitleid. Trauer ist Fluss ohne Geschichte, der immer in Stille und Freiheit mündet und dem Neuen den Weg bereitet. Für alle anderen – nicht therapeutischen – Beziehungen gilt schlussendlich derselbe Grundsatz. Alle Beziehungen, in denen Qualitäten wie Herzlichkeit, Wärme und Stille im Vordergrund stehen, helfen mit Depressionen aufzulösen. Beziehungen, die von fixen Vorstellungen, Leistung und Erwartungen geprägt werden, verschlimmern den Zustand. Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass das Leben an der Seite eines depressiven Menschen bisweilen schwierig bis unmögliche sein kann. Depression kann eine harte Liebesprüfung sein. Diese Perspektive möchte ich hier jedoch nicht ausleuchten, da sie für sich alleine einen Artikel füllen würde. Nicht zuletzt möchte ich erwähnen, dass nicht nur Beziehungen zu Menschen, sondern auch solche zu Tieren sehr heilsam wirken können.</p>
<h4>Depression und moderne Medizin</h4>
<p>Wir leben in einer rationalen Welt mit der entsprechenden »objektiven« Sprache. Dieser Welt entspringt auch der medizinische Begriff »Depression«, welcher ein Krankheitsbild benennt. Aus einer spirituellen Perspektive liegt es nahe zu beklagen, dass dadurch das ursprüngliche Phänomen seiner ganzen Tiefe, Qualität und Kraft beraubt wird. Der Verbindungsfaden zur spirituellen Dimension wird zerschnitten! Die Dunkle Nacht der Seele, Bardozustände, Jesus‹ Aufenthalt in der Wüste und der Tunnel vor dem Licht werden auf verzerrte Wahrnehmungen des Gehirns reduziert, welche sich wissenschaftlich erklären und beheben lassen! Was wie ein Widerspruch zwischen Medizin und Spiritualität aussieht, ist in Wirklichkeit keiner. Gut dreizehn Jahre habe ich gebraucht, um dies wirklich zu erfassen. Solange habe ich mich verbissen gegen Antidepressiva gewehrt nur um zu beweisen, dass die Medizin sich irrt. Wenn ich beschreiben müsste, was dieser jahrelange Widerstand gebracht hat, fällt mein Fazit gleich aus wie vorhin bei der psychoanalytisch orientierten Therapie: nichts. Seit ich Antidepressiva einnehme hat sich meine Lebensqualität enorm verbessert. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ein Eingriff in die Hirnphysiologie soviel bewirken kann und bin dankbar, dass unsere moderne Medizin die Möglichkeit bietet genau auf dieser Ebene anzusetzen. Ich habe jetzt weniger Angst in der dunklen Nacht, in Bardozuständen, in der Wüste oder im Tunnel. Ich leide weniger und kann die Qualitäten von spirituellen Erfahrungen intensiver wahrnehmen. Spirituelle und medizinische Perspektiven konnten in ein grösseres Bild integriert werden.</p>
<h4>Depression, Körper und Energiesystem</h4>
<p>Jegliche Art von Berührung und Bewegung, die nicht nur den Körper und das Energiesystem, sondern auch das Herz (im symbolischen Sinne) miteinschliessen, wirken unterstützend bei Depressionen. Als sehr wirksam erwiesen sich bei mir: Sound, Tanz, Tai Chi, Qi Gong und Nicht-Leistungs-Sport. Ebenso wirksam sind Körpertherapien, die mit achtsamer Berührung arbeiten. Ich selber habe keine grossen Erfahrungen mit TCM und Homöopathie; auf Grund dessen, was ich darüber lese und höre, denke ich jedoch, dass in diesen Feldern ein grosses Potential liegt. Die häufig gestellte Frage, ob aktive oder passive Ansätze sinnvoller sind, lässt sich nicht beantworten (z.B. Massage vs. Tanz). Eigentlich ist diese Fragestellung falsch. Viel mehr sollte die Frage gestellt werden bei welcher Intervention am meisten innere Berührung und Bewegung entsteht. Die Wirkung sollte in den Vordergrund rücken, anstelle von oberflächlichen Diskussionen wie »aktiv oder passiv«.</p>
<p>Ein etwas heikles Gebiet können die Bereiche der Sexualität darstellen oder präziser formuliert: die Bilder von Sexualität und dem entsprechenden Verhalten, die in unseren Köpfen herumgeistern. In depressiven Zuständen ist die Lust nicht gerade das, was im Vordergrund steht und die Angst zu versagen wartet so ziemlich an jeder Ecke. Das heisst, wenn Leistung, Aufregung und Erwartungen das Feld dominieren ist die Chance relativ gross während der sexuellen Interaktion in den untersten UG’s der Depression zu landen. Das Gegenteil ist der Fall, wenn Qualitäten wie Achtsamkeit, Vertrauen, Intimität, Verständnis und Gelassenheit Eingang in die erotische Beziehung finden können.</p>
<h4>Depression und Natur</h4>
<p>Die Natur kann bei Depressionen über verschiedene Wege unterstützen und Vertrauen schenken. So kann zum Beispiel die Kontemplation über die vier Jahreszeiten zur Einsicht führen, das Depression ein fester Bestandteil der Natur ist. Sie heisst dort einfach anders: Herbst und Winter. So wie z.B. bei einem Baum das ganze Energiesystem in den kalten Jahreszeiten heruntergefahren wird, verhält es sich auch beim depressiven Menschen; und das Sehen, dass der Winter nicht das Ende, sondern in gewissem Sinne die Vorbereitung auf den Frühling ist, kann innerlich eine tiefe Wirkungen hinterlassen. Drei Aspekte der Natur möchte ich besonders hervorheben: Sonnenlicht, Wasser und frische Luft. Sonnenlicht wirkt v.a. auf zwei Arten. Einerseits wird der Melatoninspiegel gesenkt (Schlafbedürfnis nimmt ab) und der Sereretoninspiegel erhöht (Stimmung hellt sich auf). Andererseits ist die direkte Erfahrung von Wärme – die in depressiven Episoden oft verloren zu gehen droht – schlichtweg wohltuend. Wasser hat mir persönlich immer Qualitäten wie Vertrauen und Aufgehobensein vermittelt und zwar am intensivsten in der freien Natur (Treibenlassen im Fluss, durch den Regen rennen und die nassen Kleider auf der Haut fühlen…). Frische Luft wirkt dem »Erstickungsgefühl«, welches in Depressionen oft auftaucht, entgegen und kann – wenn auch nur für kurze Momente – innere Weite entstehen lassen. Auch wenn die Natur einen eher kurzfristigen Einfluss auf Depression haben mag – gut zu wissen, dass auch sie als Möglichkeit vorhanden ist.</p>
<h4>Die Qualität der Depression</h4>
<p>Zwei grosse Qualitäten, die in der Depression entdeckt werden können sind Tiefe und Gelassenheit. Ich habe immer das Bild eines Baumes im Winter vor Augen: Der Baum steht gelassen da, in tiefem Vertrauen auf den nächsten Frühling. Depression kann zudem ein Bewusstsein der verschiedenen Daseinsebenen wecken und ein integrales Verständnis erwachen lassen. Da sich durch Depression auf allen Bewusstseinsebenen – ausser den transpersonalen – etwas ändert, entsteht ein starkes Bewusstsein dafür; wir nehmen die Existenz von Energie– / Körper– / Gefühls– / Gedanken– / Beziehungsebene intensiver wahr, als wenn alles rund läuft. Damit will ich nicht sagen, dass erst die Depression diese Möglichkeit eröffnet. Es gibt auch viele andere Wege. Aber wenn wir schon in einer Depression landen, sollten wir auch die Möglichkeiten nutzen, die darin enthalten sind. Wenn wir die vier Quadranten von Ken Wilber auf alles bisher Besprochene anwenden, können wir sehen, dass wir uns bereits mitten in der integralen Wahrnehmung befinden (s. Abb.1).<sup class='footnote'><a href="#fn-2920-3" id='fnref-2920-3'>3</a></sup> </a>Indem wir der Depression vielfältig begegnen, erfahren wir das Potential der vier verschiedenen Perspektiven, auf welche das Quadrantenmodell hinweist.</p>
<div id="attachment_776" class="wp-caption alignnone" style="width: 291px"><a href="http://andrespellegrini.files.wordpress.com/2011/09/depression-integral1.jpg" target="_blank" rel="external nofollow" rel="lightbox[2920]"><img class="size-medium wp-image-776 " src="http://andrespellegrini.files.wordpress.com/2011/09/depression-integral1.jpg?w=281" alt="" width="281" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Abb.1: Der Depression integral begegnen</p></div>
<h4>Rückfälle</h4>
<p>Rückfälle kommen – wie überall – auch im Umgang mit Depression vor und zeigen v.a. eines: schlussendlich liegt es nicht in unseren Händen, wo unser Lebensstrom durchführt. Natürlich können wir jeden Rückfall reflektieren und analysieren, wo die – geglaubten –Ursachen liegen und uns vornehmen, »es« das nächste Mal besser zu machen. Wir können aber auch der Erfahrung von Demut und Bescheidenheit Raum geben. Die ganze Bewusstseinsevolution verläuft sowohl im Kleinen wie im Grossen mit Vor– und Rückwärtsschritten. Dies ist das Wesen des Lernens; und wir Menschen bilden dabei keine Ausnahme.</p>
<h4>Zusammenfassung</h4>
<p>Ein Erfahrungsbericht kann befreiend wirken, wenn er nicht die Geschichte in den Vordergrund stellt, sondern universelle Aspekte beleuchtet und grössere Zusammenhänge herstellt. Depression kann als ein Zustand komprimierter Energie verstanden werden, der zuallererst einfach wahrgenommen werden kann. Hierzu eignet sich die Meditation. In einem zweiten Schritt geht es darum, auf verschiedenen Bewusstseinsebenen Space zu kreieren, sprich die komprimierte Energie zum Fliessen zu bringen. Dies kann z.B. über Meditation, herzliche Beziehungen, Antidepressiva, alternative Heilmittel, Sound, Berührung, Bewegung und die Natur geschehen. Spiritualität ist eine wesentliche Kraftquelle in diesem Prozess. In der Depression können wir Tiefe und Gelassenheit erfahren, sowie ein integrales Verständnis entwickeln. Das Modell der vier Quadranten erweist sich diesbezüglich als hilfreich.</p>
<p><em>Herzlichen Dank an Rita Borer für das Titelbild.</em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-2920-1'>In diesem Artikel geht es in erster Linie um Depressionen von leichtem bis mittelschwerem Ausmasse, die nicht rein organisch bedingt sind. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2920-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-2920-2'>Es handelt sich hierbei nicht um einen wissenschaftlichen Artikel, sondern um einen Erfahrungsbericht; die Eindrücke, die ich über die Jahre aus der Literatur zu diesem Thema gewonnen habe, sind Teil dieser Erfahrung. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2920-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-2920-3'>Einführung in das Modell der vier Quadranten:<a href="http://integralesforum.org/index.php?id=211&amp;L=0" target="_blank" rel="external nofollow">http://integralesforum.org/index.php?id=211&amp;L=0 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2920-3">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Das kreative Potenzial der Einsamkeit</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Sep 2011 09:52:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andres Pellegrini</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein „Schreckensgespenst“ im integralen Kontext Einführung und Absicht Wir alle kennen und vermeiden sie immer wieder auf raffinierte Art und Weise: Die Einsamkeit. Selten sprechen wir im Alltag darüber; auf Facebook und Twitter suchen wir vergeblich nach Statusmeldungen wie »bin einsam« oder „fühle mich verlassen“. Einsamkeit ist nicht chic – schon gar nicht im Zeitalter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/manuel_0021-1.jpg" rel="lightbox[2786]"><img class="size-medium wp-image-2792 alignright" style="margin-left: 10px;" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/manuel_0021-1-300x200.jpg" alt="" width="240" height="160" /></a>Ein „Schreckensgespenst“ im integralen Kontext</h2>
<h4>Einführung und Absicht</h4>
<p>Wir alle kennen und vermeiden sie immer wieder auf raffinierte Art und Weise: Die Einsamkeit. Selten sprechen wir im Alltag darüber; auf Facebook und Twitter suchen wir vergeblich nach Statusmeldungen wie »bin einsam« oder „fühle mich verlassen“. Einsamkeit ist nicht chic – schon gar nicht im Zeitalter der rasant zunehmenden weltweiten Vernetzung. Es scheint bisweilen sogar, als hätten wir die Einsamkeit endgültig überwunden. Ist dem wirklich so? Fühlen wir uns nicht manchmal trotz all der Menschen um uns herum und der vielfältigen Verbindungsmöglichkeiten via Internet einsam? Und die wahrscheinlich wichtigste Frage in diesem Zusammenhang: beruht unser Vermeidungsverhalten diesbezüglich nicht eher auf einem falschen Verständnis den auf einer wirklichen Prüfung dieses Phänomens? Höchste Zeit wieder einmal mitten ins Herz der Einsamkeit zu führen, hartnäckige Assoziationen aufzulockern und einen Blick auf das wirkliche Wesen dieses »Schreckensgespensts« zu werfen! In einem ersten Schritt möchte ich Sie dazu einladen hinter die Einsamkeit zu blicken und die dort verborgenen Qualitäten wahrzunehmen; zudem möchte ich das Verständnis für natürliche Bewusstseinsbewegungen wecken. In einem zweiten Schritt werde ich versuchen das Ganze mit Hilfe von Ken Wilbers vier Quadranten in einen grösseren Zusammenhang zu stellen. Dabei erlaube ich mir ein Grundverständnis dieses Konzepts vorauszusetzen <sup class='footnote'><a href="#fn-2786-1" id='fnref-2786-1'>1</a></sup>.</p>
<h4>Ausgangslage</h4>
<p>Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie surfen im Internet und klicken auf einen Link. Der Link wird geöffnet, doch alles, was Sie sehen, ist ein schwarzer Bildschirm. Sie gehen zurück und aktivieren erneut den Link – wieder landen Sie im Schwarzen. Sie werden ungeduldig, probieren es vielleicht nochmals – nichts. Spätestens jetzt geben Sie auf, surfen weiter und sind froh, wenn beim Klick auf einen anderen Link endlich etwas passiert. Im Alltag verhalten wir uns genau gleich: sobald wir in die Nähe von »Nichts« (schwarzer Bildschirm) kommen, sendet unser Gehirn die Meldung »Achtung Einsamkeit, nix wie weg!« (oder etwas in dieser Art). Und schon haben wir die passende Schokolade in der Hand, ein belangloses SMS verschickt oder uns – wenn es länger dauert – in irgendeinen Verein, eine Sucht, eine Affäre oder was auch immer gestürzt. Was wir ignorieren, ist die Tatsache, dass diese »Nichts-Momente« im Unterschied zum vorherigen Link-Beispiel keinen Programierfehler darstellen, den es auszumerzen gilt. Stattdessen steht dahinter eine ganz natürliche Bewegung unseres Bewusstseins. Diese Bewegung wollen wir im nächsten Abschnitt genauer untersuchen.</p>
<h4>Die natürliche Pendelbewegung unseres Bewusstseins</h4>
<p>Unser Bewusstsein pendelt ständig hin und her zwischen Anspannung und Entspannung, Konzentration und Expansion, ähnlich wie das Herz und die Lunge. Dies geschieht während vierundzwanzig Stunden mehrere Male; aber auch in längeren Zyklen ist dieses Phänomen beobachtbar. Aktive und stille Lebensphasen wechseln sich ab. Wenn sich unser Bewusstsein entspannt, entfernen wir uns aus dem sozialen Kontext und treten in erweiterte Bewusstseinsdimensionen ein. Genau hier reagiert unser Mind häufig mit Angst, da er den momentanen Rückzug ins Innere als tatsächlichen und endgültigen Beziehungsabbruch (zur Aussenwelt) fehlinterpretiert; daraus entsteht dann der Gedanke »Einsamkeit« (aus der Perspektive unseres Minds ist dieses Verhalten durchaus verständlich, da dieser sehr stark auf Überlebensnotwendigkeiten fokussiert, wozu auch das Funktionieren im sozialen Kontext zählt). Die zugrunde liegende Angst könnte auch als spirituelle Angst bezeichnet werden, symbolisch z.B. ausgedrückt durch Jesus in der Wüste oder die dunkle Nacht der Seele. Auch gewisse <em>Bardo</em>zustände (<em>Bardo</em>: »Zwischenzustand«; im tibetischen Buddhismus der Zustand nach dem Tod und vor der Wiedergeburt) weisen auf diese Erfahrung hin. Wir verlassen das Bekannte und Gewohnte und wenden uns dem Unbekannten zu. In diesem Geschehen gibt es Phasen, in denen wir nichts sehen können. Das Alte ist verschwunden und das Neue noch nicht erschienen. Diese Momente müssen jedoch nicht zwingend als Einsamkeit wahrgenommen werden, sondern können durch Training des Minds (z.B. Meditation) zunehmend als kreative Möglichkeiten erkannt und integriert werden.</p>
<h4>Einsamkeit im integralen Kontext</h4>
<p>Versuchen wir nun den Bewusstseinsmoment, in dem Einsamkeit auftreten kann, im Rahmen der vier Quadranten zu betrachten (s. Abb 1). In allen Quadranten ausser dem I-Quadranten sinkt die Aktivität. Unsere Körperfunktionen und unser Verhalten reduzieren sich, unser Interesse an Systemen wie Politik und Wirtschaft sinkt und wir ziehen uns vermehrt aus dem sozialen Gefüge zurück. Im individuellen Innern (I-Quadrant) steigt die Aktivität jedoch.</p>
<div id="attachment_549" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://andrespellegrini.files.wordpress.com/2011/09/4-q-einsamkeit.jpg" rel="external nofollow" rel="lightbox[2786]"><img class="size-medium wp-image-549  " src="http://andrespellegrini.files.wordpress.com/2011/09/4-q-einsamkeit.jpg?w=300" alt="" width="240" height="240" /></a><p class="wp-caption-text">Abb.1: Einsamkeit im integralen Kontext</p></div>
<p>Es ist wie bei einem Baum im Winter: Auf der äusseren Ebene scheint er tot zu sein, auf einer tieferen ist er sehr lebendig. Wenn wir uns hier nicht mit der Einsamkeit identifizieren, findet ein Übergang in die spirituelle Dimension statt (erweitertes Bewusstsein). Einsamkeit transformiert sich in Alleinsein und mündet im All-Eins-Sein. Wir werden zeitlos. Damit ist die Geschichte jedoch nicht zu Ende. Wir kehren nach einer gewissen Zeit zurück und beginnen alle vier Quadranten mit den Qualitäten und Energien zu füllen, die wir bei unserem Aufenthalt in der Zeitlosigkeit aufgenommen haben. Der Baum, der blüht und Früchte trägt. In diesem Sinne gilt die Aussage, die Lao Tse über das Versagen macht (»Versagen ist eine günstige Gelegenheit«) auch für die Einsamkeit: Die Einsamkeit ist eine günstige Gelegenheit; eine günstige Gelegenheit in Kontakt zu kommen mit etwas Umfassenderem, ein Hinweis, dass gerade eine Bewegung in die Weite stattfindet <sup class='footnote'><a href="#fn-2786-2" id='fnref-2786-2'>2</a></sup>. Das Ende der Ablenkung und der Beginn von Verantwortung. Hätte es nicht immer wieder Menschen gegeben, die diese unglaubliche Qualität hinter der Einsamkeit und das damit einhergehende kreative Potential wahrnehmen und weitergeben konnten, wären wir heute um viele bereichernden Einsichten, Entdeckungen und Entwicklungen ärmer.</p>
<h4>Zusammenfassung</h4>
<p>Das Phänomen »Einsamkeit« ist ein Konzept unseres Minds, welches im Übergang zur spirituellen Dimension häufig auftritt. Wenn wir unseren Mind entsprechend trainieren, wird dieses Konzept durchschaut, was ein tieferes Eintauchen in die dahinter liegenden kreativen Qualitäten ermöglicht. Diese gilt es in allen vier Quadranten zu verwirklichen und auf diese Weise allen und allem zur Verfügung zu stellen.</p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-2786-1'>Als kurze Einführung in den integralen Ansatz und die vier Quadranten empfehle ich die folgenden beiden Links: <a href="http://integralesforum.org/index.php?id=214" target="_blank" rel="external nofollow">http://integralesforum.org/index.php?id=214</a> / <a href="http://integralesforum.org/index.php?id=211&amp;L=0" target="_blank" rel="external nofollow">http://integralesforum.org/index.php?id=211&amp;L=0</a> <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2786-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-2786-2'>Tao Te King, 79 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2786-2">↩</a></span></li>
</ol>
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		<title>Warum Spiritualität die Psychologie braucht</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/08/29/warum-spiritualitat-die-psychologie-braucht/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 14:28:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viele Menschen werden desillusioniert auf ihrem spirituellen Pfad, und das ist nicht, weil spirituelle Praxis und Ansätze nicht effektive sind – sie sind es. Wenn wir und ernsthaft auf spirituelle Disziplinen einlassen – egal ob Meditation, Kontemplation, Yoga oder Gebet – wird unsere Praxis Früchte tragen. Wir werden mehr Erfahrungen, Einsichten, Momente der Verbindung mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2741" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4ad8003669bc6_small.png" rel="lightbox[2733]"><img class="size-full wp-image-2741" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4ad8003669bc6_small.png" alt="" width="200" height="113" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / tänzerin in blau © walter dannehl</p></div>
<p>Viele Menschen werden desillusioniert auf ihrem spirituellen Pfad, und das ist nicht, weil spirituelle Praxis und Ansätze nicht effektive sind – sie sind es. Wenn wir und ernsthaft auf spirituelle Disziplinen einlassen – egal ob Meditation, Kontemplation, Yoga oder Gebet – wird unsere Praxis Früchte tragen. Wir werden mehr Erfahrungen, Einsichten, Momente der Verbindung mit der Präsenz, Einheit oder Göttlichkeit haben. Das Problem sind nicht die spirituellen Technologien und die Praxis. Spirituelle Lehrer fallen nicht routinemässig in Skandale rund um Macht oder sexuellen Missbrauch weil die Praktiken die sie machen und lehren nicht funktionieren. Spirituelle Schüler werden nicht desillusioniert von ihrem spirituellen Leben weil sie nicht aufrichtig genug praktizieren. Wenn wir näher hinschauen, sehen wir, dass diese Praktiken funktionieren, und dass Teile unseres Lebens sich eigentlich verbessern.</p>
<p>Also warum macht uns das nicht endgültig glücklich? Verbessert unsere Beziehungen? Vermindert unsere Reaktionen? Depression? Ängstlichkeit? Durch die Arbeit mit hunderten von spirituellen Lehrern und Praktizierenden in der westlichen Welt, bin ich überzeugt, dass die spirituelle Arbeit allein nicht viele unserer tiefsten psychologischen Knoten und Traumen adressiert, noch bietet sie Werkzeuge um unsere Wunden aus Beziehungen zu heilen, die uns davon abhalten unsere tiefsten Sehnsüchte, Träume und spirituellen Möglichkeiten zu erfüllen.</p>
<p>Wir stecken fest, weil wir die psychologischen Wunden und Traumen nicht integriert haben, die in unseren Körpern leben und die sich immer und immer wieder wiederholen, durch unerfüllende, wenn nicht selbstzerstörerische Gewohnheiten und Dramen in unseren Leben. Wir geben uns dem Spiritual Bypassing hin, oft in der Hoffnung gegen unser Urteilsvermögen, dass unsere spirituelle Praxis unsere unangenehmen Gewohnheiten entfernt oder dabei hilft unsere Herausforderungen in der Beziehung transzendiert.</p>
<p>Oftmals fühlen spirituelle Aspiranten und Lehrer, dass sie über die psychologische Hilfe hinaus sind. Dass es heisst, es stimmt etwas nicht mit ihnen, wenn sie eine Psychotherapie machen, oder dass sie ihre spirituelle Praxis nicht gut genug machen. Es gibt Zeiten wo Menschen, die von psychopharmazeutischen Medikamenten profitieren würden, diese Hilfe nicht einnehmen, weil sie sich schämen, dass sie ihre emotionalen Hindernisse nicht mit Meditation oder Yoga überwinden können.</p>
<p>Viele Jahre in meinem Leben als spirituell Praktizierende, Schriftstellerin und Yogalehrerin, und lange nach meinem Hochschulabschluss in Counseling, kam ich zurück zu meinem Studium der Psychologie. Ich begegnete immer wieder »gefallenen Engeln« – grossartigen Lehrern und aufrichtigen Praktizierenden, die tief frustriert, unerfüllt, depressiv und ängstlich blieben, und immer noch Probleme mit Liebesbeziehungen hatten. I wollte effektive Technologien erforschen um Traumas und psychische Probleme zu bearbeiten, die weiterhin unsere Leben und Beziehungen belasten, egal wie viel spirituelle Arbeit wir geleistet haben. Ich fühlte ein leidenschaftliches Bedürfnis zu verstehen, wie wir die Traumas und psychologischen Probleme auf körperlicher Ebene durcharbeiten können. Ich wollte wissen was es wirklich heisst zu Integrieren und wie das erreicht wird.</p>
<p>Einer der grossartigen Beiträge die mein Freund, der Philosoph Ken Wilber, zu diesem Thema gemacht hat ist, zu erklären, dass menschliche Entwicklung auf einer Vielzahl von unterschiedlichsten Entwicklungsebenen geschieht. Zum Beispiel kann jemand auf der kognitiven Linie recht entwickelt sein, oder auf der spirituellen Linie, aber weniger entwickelt auf der Linie der Gefühle/Gemütsregungen, Ethik oder sexueller Entwicklung. Das Resultat ist einseitiges spirituelles Wachstum, das an sich nicht schlecht ist, doch muss als solches erkannt werden um unsere eigene integrierte Entwicklung zu optimieren, und ein Urteilsvermögen in Beziehung zu verschiedenen Therapien und spirituellen Pfaden, Lehrern und Praktiken zu kultivieren.</p>
<p>Ich glaube menschliches Wachstum und Potential hat kein Limit – es gibt keine rauf, runter oder seitwärts Expansion die wir erreichen und sagen können »Jetzt habe ich es geschafft.« Meine Erfahrung ist, je tiefer ich in mich und die Verbindung mit der Welt eintauche, desto mehr entdecke ich wie weit und endlos das alles ist. Die Schönheit daran ist, dass es wörtlich heisst, dass wo immer wir sind ist es OK, weil wir an einem Punkt auf einem Spektrum der Endlosigkeit sind.</p>
<p>Als ich 1999 in jungen Jahren das Buch <em><a href="http://astore.amazon.de/heinzrobert-21/detail/3928632957" rel="external nofollow">Auf halbem Weg zum Gipfel der Erleuchtung: Die Gefahren und Irrtümer verfrühter Ansprüche, erleuchtet zu sein</a></em> schrieb, war ich mir sicher, dass manche Menschen es nicht mögen würden. Wer würde 500 Seiten über Desillusionierung, Ego-Fallgruben, psychologischen Rätseln und gefallene Lehrer lesen? Zu meiner Überraschung wollten viele Menschen, und wollen immer noch, über dieses Thema lesen. Warum? Weil das ist wo wir leben, und lernen zu Akzeptieren wo wir sind ist irgendwie erfüllender, als ständig frustriert zu sein von einem Ideal wo wir sein sollten.</p>
<p>Ich glaube auch wir brauchen alle Hilfe und Begleitung auf dem Weg, manchmal durch professionelle Unterstützung und immer durch Freunde auf dem Weg. Einander zu bedürfen und Unterstützung auf dem Weg durchs Leben zu suchen ist ein Zeichen für Gesundheit, nicht der Unzulänglichkeit. Wir sind wahrlich kraftvoller, wenn wir uns gegenseitig unterstützen als wenn wir versuchen alleine zu stehen.</p>
<p><em>Veröffentlichung dieses Artikels mit der Erlaubnis der Autorin. Übersetzung aus dem Englischen von Heinz Robert</em></p>
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		<title>Entwicklungsstufen des Willen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/08/23/entwicklungsstufen-des-willen/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Aug 2011 15:18:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In dem Buch Der Wille1 beschäftigte ich mich mit Frage, wie das non-duale Handeln realisiert werden kann, und habe dort in Übereinstimmung mit gängigen Entwicklungsmodellen drei Entwicklungsstufen vorgeschlagen. Anstatt mich in dem Buch auf östliche oder westliche Ideologien zu beziehen, nutzte ich vor allem Konzepte aus der Systemtheorie, um diese Entwicklung zu beschreiben. Hier möchte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2517" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4d6c1255b8b87_small.png" rel="lightbox[2505]"><img class="size-full wp-image-2517" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4d6c1255b8b87_small.png" alt="" width="200" height="113" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / ampelevolution grün © Martin Wimmer</p></div>
<p>In dem Buch <em>Der Wille</em><sup class='footnote'><a href="#fn-2505-1" id='fnref-2505-1'>1</a></sup> beschäftigte ich mich mit Frage, wie das non-duale Handeln realisiert werden kann, und habe dort in Übereinstimmung mit gängigen Entwicklungsmodellen drei Entwicklungsstufen vorgeschlagen. Anstatt mich in dem Buch auf östliche oder westliche Ideologien zu beziehen, nutzte ich vor allem Konzepte aus der Systemtheorie, um diese Entwicklung zu beschreiben. Hier möchte ich nun eine umfassendere Perspektive zum Willen vorschlagen, die zeigt, wie sich auch Handlungen vom einfachen zum komplexen hin entwickeln können, und welche Rolle dabei die Daimonotechnik spielt.</p>
<p>Mit jeder Stufe der Entwicklung von Selbst und Psyche des Individuums entwickelt sich auch der Wille des Individuums, und das heißt natürlich, dass sich seine Werte, seine Perspektiven, seine Ziele und auch, <em>worauf sich der Wille bezieht</em>, verändern, sei es zunächst Natur oder Biosphäre, sei es Kultur oder Soziosphäre oder Psyche oder Noosphäre (psychische Geistsphäre). In unserer kollektiven wie individuellen Entwicklung erobern wir schrittweise diese drei Bereiche der Existenz und entwickeln uns hier vom Einfachen zum Komplexen.</p>
<p>Insofern ist es keine große Überraschung, dass man wie bei der kognitiven Entwicklung des Selbst<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-2" id='fnref-2505-2'>2</a></sup> leicht mehrere Stufen der Willensentwicklung nachvollziehen kann, wobei man diese grob in prä-konventionelle, konventionelle und post-konventionelle Stufen unterteilen kann.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-3" id='fnref-2505-3'>3</a></sup> Ganz vereinfachend gesagt stellen die konventionellen Entwicklungsstufen jene Stufen dar, die heute unter den erwachsenen Individuen vorherrschend sind; also jene Stufen, die auch etwas mit werte– und normengeleitetem Verhalten zu tun haben wie auch mit Vernunft und Individualismus etc. Die prä-konventionellen Stufen repräsentieren die vor-modernen und archaisch-mythischen Weltsichten, wie sie von früheren Kulturen oder auch von Kindern eingenommen werden.</p>
<p>Und die post‐konventionellen Stufen sind jene, die im weitesten Sinne in der Zukunft von Individuum und Kultur liegen, bzw. auch heute schon zunehmend auftreten. Dementsprechend können wir prä-konventionelle, konventionelle und postkonventionelle Formen des Willens beobachten. Wir können beispielsweise leicht sehen, dass der prä-konventionelle Wille, den ein archaischer Jäger formt(e), um das Wild zu erlegen, von ganz anderer Natur ist als der, durch und mit dem wir langfristige Ziele und Karriere erreichen können. Während ich nun in <em>Der Wille</em> vor allem die post-konventionellen Stufen untersuchte, möchte ich hier kurz eine umfassendere Darstellung der Willensentwicklung präsentieren. So eine konkretere Darstellung kann uns einen detaillierteren Kontext und Hintergrund für die Daimonotechnik sowie die Funktion des Willens selbst bieten.</p>
<p>Sehr wichtig in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass es nicht ‚den Willen‘ gibt. ‚Wille‘ ist, wie ‚Bewusstsein‘ oder ‚Psyche‘, eine strukturelle Beschreibung für einen Prozess, und der Prozess ändert sich auf jeder Entwicklungsstufe, sei sie prä‐konventionell, konventionell oder post‐konventionell. So gibt es nicht ‚einen‘ Willen, der sich auf unterschiedliche Dinge bezieht, sondern so viele Willen, wie wir Entwicklungsstufen beobachten können. Wie die unterschiedlichen Weltsichten verändert sich auch der Wille auf jeder Entwicklungsstufe.</p>
<p>Wenn wir den Prozess des Willens beobachten, kann man sich leicht auf den Konsens einigen, dass Wollen stets Ausdruck des Lebendigen ist. Wir projizieren stets auf irgendeine Weise unsere Vorstellungen in die Zukunft und handeln dementsprechend, um letztendlich weiterzuleben, um so die günstigsten Bedingungen zu schaffen, um weiterzuwollen. Im biologischen Kontext nennt man das Streben nach Fitness oder eben Autopoiese. Oder, wie es Karl Jaspers sagte: „<em>Wille ist nicht nur nach vorwärtsdrängende Aktivität, sondern seine Freiheit liegt darin, dass er sich selbst will.“</em><sup class='footnote'><a href="#fn-2505-4" id='fnref-2505-4'>4</a></sup> Wille selbst ist immer an Leben und Überleben, ist damit immer an Weiterwollen gekoppelt.</p>
<p>Ich werde zeigen, dass Wille an sich keine andere Funktion hat, als das Weiterleben – und damit auch weiter zu wollen zu sichern. Die Frage, wie das umgesetzt wird, wird freilich auf jeder Ent‐ wicklungsstufe unterschiedlich beantwortet. <em>Leben</em>, nicht als Status quo, sondern als Prozess, kann in diesem Sinne und für uns Menschen nur schlecht von dem Willen getrennt werden. Wir können, wie wir weiter oben sahen, nicht nicht handeln, und genauso wenig können wir nicht nicht wollen. Leben und Han‐ deln, und Leben und Wollen sind damit unweigerlich mitein‐ ander verknüpft. Hinzu kommt, dass Leben wie Wollen nur unter Rückbezug auf die Autopoiese der Psyche vonstattengehen kann. Jeder Wille, auf welcher Entwicklungsstufe auch immer, muss auch immer im Kontext des Lebens und Überlebens betrachtet werden. Genau genommen orientiert er sich, wie ich zeigen werde, an der Differenz von Leben und Tod (Aufhören des Wollens). Jeder Wille besteht immer in dem Versuch, zunächst kurz‐ fristig und mit jeder Entwicklungsstufe immer langfristiger, das Überleben zu sichern – genau dass macht seine autopoietische Funktion für Psyche und Leben aus.</p>
<h4>1. Bio‐Überlebenswille</h4>
<p>Jedes Entwicklungsmodell beginnt mit einer Inbezugnahme auf den Körper und den grundsätzlichen Überlebensbedürfnissen des Körpers, das heißt den Überlebensbedürfnissen Nahrung, Wasser, Schlaf, Wärme, Luft, und wie Eric Berne pointiert betonte, mit Streicheleinheiten, damit das Rückenmark nicht verkümmert. Es ist natürlich schwierig auf dieser Stufe, wie sie etwa bei Säug‐ lingen auftritt, von einem Überlebenswillen zu sprechen – weil es eher so etwas wie ein unbewusster Drang ist; doch wie alles andere auch fängt der Wille irgendwo an, sich zu entwickeln. Er tut dies aus einfachsten Bioüberlebensbedürfnissen und dem Drang nach rezeptiver Befriedigung. Es ist hier ein sehr instink‐ tiver Wille, oder besser: <em>kaum von Instinkt zu unterscheiden</em>, ein körperbezogener Wille, aber dennoch einer, der die Grundlage aller weiteren Willensformen bildet, die im Laufe der Evolution des Geistes und der Kultur auftauchen.</p>
<p>Wir finden den Bio‐Überlebenswillen besonders prägnant beobachtbar bei Säuglingen auf der senso‐motorischen Entwicklungsstufe wie auch bei älteren Menschen, um deren biologische Bedürfnisse man sich kümmern muss. Aber auch in unserem Alltag macht er sich immer bemerkbar, wenn wir hungrig oder müde sind. Wie stark dieser ‚Wille‘ ist, zeigt sich allein darin, wenn man mal versucht, über längere Zeit zu fasten oder nicht zu schlafen. Dieser Bio‐Überlebenswille zeigt sich aber auch, wenn der Sexualität als unmittelbare Triebabfuhr stattgegeben wird, und zwar als biologisches Programm zur Arterhaltung. Die wesentliche Information und das Ziel des Willens ist <em>Leben</em>; der Zeithorizont und die Komplexität des Willens mag sich über die folgenden Stufen ändern, nicht jedoch die Intention des Willens selbst, also zu <em>überleben</em>.</p>
<p>In der Psychologie markiert dieser Bio‐Überlebenswille die erste der prä‐konventionellen Entwicklungsstufen; dieser ‚Wille‘ ist der erste der Naturstufen des Willens – im Gegensatz zu den Kultur‐ und Selbststufen des Willens. Doch sie bleibt immer Teil unserer Existenz: So weit, wie wir uns auch entwickeln, solange wir als biologische Organismen leben, so lange formen wir auch den Bio‐Überlebenswillen. Er ist in alles eingebettet, was wir tun. Jede Stufe bleibt bei der Emergenz <em>der darauf folgenden </em>Stufe ebenfalls erhalten und aktiv. Was wir auch tun, so sehr wir uns auch entwickeln, so bleiben die vorherigen Errungenschaften der Psyche stets erhalten.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-1-Der_Bio-Ueberlebenswille.png" rel="lightbox[2505]"><img title="Tab. 1: Der Bio‐Überlebenswille." src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-1-Der_Bio-Ueberlebenswille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 1: Der Bio‐Überlebenswille.</p></div>
<p>Zusammengefasst finden wir die Eigenschaften des Bio‐Überlebenswillens in Tab.1. Der Punkt ‚zu befriedigende Bedürfnisse‘ bezieht sich auf Maslow und seine Bedürfnispyramide. Ich habe zudem auch noch andere Entwicklungsmodelle zu der Beschreibung dieser Stufe assoziiert, nämlich das sozio-kulturelle Entwicklungsmodell <em>Spiral Dynamics</em>von Don Beck, die Selbstentwicklungstheorie von Susanne Cook‐Greuter, ein Entwicklungsmodell des Nervensystem von Timothy Leary sowie die Kabbala. Die ‚Funktion‘ (in der Tabelle) bezieht sich auf den Nutzen des Willens für den ganzen Menschen, während die ‚Leistung‘ der unmittelbare Ausdruck dieses Willens ist.</p>
<h4>2. Sicherheitswille</h4>
<p>Der Sicherheitswille ist der zweite prä‐konventionelle Wille. Er stellt den ersten Versuch dar, Überleben in dem als Umwelt begriffen Raum zu sichern. Wie erwähnt haben Säuglinge auf der vorhergehenden senso‐motorischen Stufe diese Unterscheidung zwischen Innen und Außen noch nicht gefällt; Kleinkinder auf dieser selbst‐schützenden Stufe (siehe Tabelle unten) versuchen nun jedoch, den Willen auf die als Außenwelt begriffene Erfahrung auszuweiten. Hier wird also aus dem passiven und rezep‐ tiven Überlebensdrang der ersten Stufe das aktive Streben nach Überleben. Hier beginnen wir unser körperliches Überleben selbst zu sichern. Wir beginnen zu arbeiten und hier entwickelt sich Aggression, wenn Aggression (lat. <em>aggressiō</em>)‚ sich nähern‘ oder ‚heranschreiten‘ bedeutet.</p>
<p>Auch der Sicherheitswille tritt wie der Bio‐Überlebenswille bei anderen Säugetieren auf. Man beobachte nur einmal zwei miteinander spielende Hunde, deren Interaktion, das Spiel, plötzlich in Kampf und Statusverhalten umschwenken kann. Auf dieser Stufe tritt der starke, physische Wille als solcher auf, unterscheidbar vom bloßen <em>survival‐craving</em>, erstmals sich selbstbewusst, aktiv und mächtig: Hier wird für das eigene Überleben gekämpft. Hier wird gespielt, auch, um das Kämpfen zu üben. Status und Statusauseinandersetzungen sind das unmittelbare Resultat zweier solcher Willen, die aufeinandertreffen, ob dies nun vor etlichen tausend Jahren in den Stammeskulturen oder heute in den Universitäten stattfindet. In diesem Sinne ist das Ziel dieses Willens immer die Selbstbehauptung in einer häufig als feindlich begriffenen Umwelt.</p>
<p>Das Leitthema des Willens auf dieser Stufe ist Sicherheit und damit der Versuch das Überleben vor einem längeren Zeithorizont in einem größeren Raum zu sichern. Sicherheit kann durch vielerlei Mittel erlangt werden, etwa durch Arbeit oder eben durch physischen Kampf. Wichtig ist, das hier – im Vergleich zu der eher empfänglichen Bioüberlebensstufe – im wahrsten Sinne des Wortes <em>physische Bewegung </em>ins Spiel kommt, der Ausdruck und die Freisetzung von Energie, von Emotion, von Aggression, in Form von Arbeit, Kampf und Spieltrieb. Andererseits hängt dieser Wille auch mit innerer Sicherheit zusammen und zeigt sich z.B. im impulsiven, emotionalen Selbstausdruck, beobachtbar etwa bei der narzisstischen Selbstdarstellung von Kindern vor einem Spiegel oder der von Rockstars auf der Bühne. Das Credo lautet natürlich: „Dies bin ich, dies ist mein Wille, dies ist meine Emotion“; „Ich will“, heißt die Devise, „und zwar ohne Rücksicht auf Verluste oder andere.“ Das Individuum findet Sicherheit im machtvollen Selbstausdruck, in der Bewegung des Selbstausdrucks.</p>
<p>Insofern bezieht sich dieser Wille auf Menschen, die die Welt einzig aus Perspektive ihrer eigenen Wünsche, Ziele und Bedürfnisse beschreiben, und die ihre Egozentrik in jedem Fall durch‐ setzen, ihr Überleben in jedem Fall gewährleisten wollen. Wie die Entwicklungspsychologin Susanne Cook‐Greuter diese Stufe, die <em>s</em><em>elbst‐schützende </em>Stufe, beschreibt:</p>
<blockquote><p>Diese Stufe ist den meisten von uns durch das Beobachten oder den Umgang mit Kleinkindern vertraut. Eine Zeit lang wird für Zweijährige alles zu einem Willenstest. Kann der eigene Wille nicht durchgesetzt werden, ist das Ergebnis ein Wutanfall (auch als eine Reaktion auf widerstrebende Bedürfnisse und Wünsche). Diese Verhaltensweisen sind auch bei Erwachsenen der Stufe ʺSelbst‐schützendʺ üblich. Sie stehen generell fremden Absichten argwöhnisch gegenüber und vermuten das Schlimmste. Für diese Menschen ist alles ein Willenskrieg und das Leben ein Nullsummenspiel.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-5" id='fnref-2505-5'>5</a></sup></p></blockquote>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-2-Der_Sicherheitswille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 2: Der Sicherheitswille." src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-2-Der_Sicherheitswille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 2: Der Sicherheitswille.</p></div>
<p>Bei uns Erwachsenen wird der Alltag von diesem Sicherheitswillen auch dann gespeist, wenn wir beginnen, den Zeithorizont der unmittelbaren Befriedigung von Bio‐Überlebensbedürfnissen auszudehnen. Er hilft uns zu arbeiten, um mit dem Gehalt 30 Tage später unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen. Wir bauen Häuser, um uns vor Dunkelheit, Kälte und Nässe zu schützen; wir unterhalten Viehherden und betreiben Landwirtschaft, um uns für die Zukunft abzusichern. Es ist in diesem Zusammenhang relativ irrelevant, ob man Landwirt ist oder Wall‐Street‐Broker, sofern man seiner Arbeit nachgeht, um im nächsten Monat seine Miete, seine Nahrung, seinen Unterhalt zu finanzieren. Wir bemerken diesen Willen in uns immer dann, wenn uns klar wird, dass wir etwas tun müssen, um körperlich zu überleben. In diesem Sinne ist auch dieser Wille ein natur‐ und körperbezogener Wille.</p>
<p>Insofern ist auch dieser Wille noch ein egozentrierter Wille; aus dem passiven Überlebenswillen wird der aktive Kampf.</p>
<h4>3. Konformistischer Wille</h4>
<p>Dies waren gewissermaßen die beiden Naturstufen des Willens, die sich auf den Körper und seine Beziehung zur Umwelt beziehen. Nun machen wir einen Sprung zu den <em>Kulturstufen </em>des Willens – man könnte sie auch die konventionellen Stufen des Willens nennen, im Gegensatz zu den prä‐konventionellen Stufen, die wir schon besprochen haben.</p>
<p>Dies ist die erste der konventionellen Stufen des Willens, die über den narzisstischen Vollzug und Ausdruck hinausgeht. Der Wille findet hier erstmals die Wir‐ und Sozial‐Dimension menschlichen Verhaltens und reicht über den eigenen Körper hinaus. <em>Hier wird der Wille des Individuums erstmals mit dem Willen des Kollektivs assoziiert</em>: Das ist richtig, was das Kollektiv konsensuell als richtig beschließt/begreift; das kann gewollt werden, was das Kollektiv als wollenswert definiert. Das Credo lautet in etwa: „Wenn alle X wollen, so will ich es auch!“.</p>
<p>Ein ganz einfaches Beispiel für diesen konformistischen Willen finden wir in den sozialen Räumen, in denen wir uns alltäglich bewegen. In Bibliotheken, Arbeitsämtern, Parks, Kinos, Restaurants usw. gibt es jeweils ganz bestimmte, meist implizite Verhaltensregeln, die eingehalten werden <em>müssen</em>, und die das Individuum meist auch gerne einhält, um an diesen Räumen partizipieren zu können. Wenn wir uns in diesen Räumen bewegen, akzeptieren wir auch meist die Regeln dieser Räume, und wir ‚dürfen‘ dann jene verurteilen, die es nicht tun. Man darf sich eben nicht an der Kasse vordrängeln, im Kino ist das Handy auszumachen und in der Bibliothek hat man zu schweigen. Allgemein aber gilt: Unsere Bewegung in den sozialen Räumen ist mehr oder minder freiwillig; wir passen unser Verhalten den vorherrschenden Regeln an und sichern so das soziale Auskommen.</p>
<p>Der Sicherheitsaspekt der vorherigen Stufe wird hier also auf die Sozio‐Sphären ausgedehnt, Regeln erleichtern das Zusammenleben. Der konformistische Wille zeigt sich genau darin, dass sich das Individuum an diese Regeln anpassen will. Verbrechen und Strafe sind die beiden Phänomene, die hier im Kontext des konformistischen Willens Sinn ergeben.</p>
<p>Auf kultureller Ebene entsteht hier aus dem narzisstischen, prä‐konventionellen Bedürfnis nach Rache, welche ein Ausdruck des Sicherheitswillens ist, das kollektive Recht<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-6" id='fnref-2505-6'>6</a></sup>, und dieser Wille sowie die damit einhergehende Entwicklungsstufe hat auch heute noch eine große Verteilung. Das Kollektiv kann die eigene Familie, die Clique, die Arbeitsgemeinschaft, die Dorfgemeinschaft oder der Staat sein<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-7" id='fnref-2505-7'>7</a></sup> – im letzten Fall überdeutlich zu beobachten im scheinbar unerklärlichen blinden Rudelverhalten Nazi‐Deutschlands. Selbst‐Identität wird über die Gruppe geschmiedet; immer dann, wenn wir auf die Straße gehen und demonstrieren, weil es alle unsere Arbeitskollegen tun, immer dann, wenn wir uns zu Konferenzen treffen, weil es sozialer Konsens und soziale Notwenigkeit ist, immer dann, wenn wir Fußball schauen, um am Montag mitreden zu können, immer dann wirkt genau diese Bewusstseins‐ und Willensstruktur. Das heißt, viel mehr als bei dem Sicherheitswillen dreht es sich hier um das soziale Überleben des Menschen.</p>
<p>Wir nutzen beispielsweise auch diesen Willen, wenn wir nicht selbstständig arbeiten, sondern wenn wir, vorgegeben durch einen sozialen Konsens – z.B. die ‚40‐Stunden Woche‘ – die Eigenverantwortung für unsere Zeitstrukturierung abgeben, und tagein, tagaus unserem Job nachgehen. Wenn wir also arbeiten, um Geld zu verdienen, aber auch, um unsere Zeit zu strukturieren – eine höchst wichtige Frage, wie jeder weiß, der einmal ausprobiert hat, über eine Woche tatsächlich nichts zu tun. Wie wir sehen werden, ist die Errungenschaft, seine Arbeit mit Pas‐ sion, Talent und Selbstverwirklichung zu verbinden, erst etwas, was mit der Postmoderne auftaucht und damit erst in den letzten einhundert Jahren langsam an Bedeutung gewinnt. Der konfor‐ mistische Wille hingegen tut etwas, weil es sich so gehört, und weil es die soziale Realität darstellt.</p>
<p>Allgemein entsteht dieser konformistische Wille immer genau dann, wenn gemeinsam (Verhaltens‐)Normen kondensiert werden, die eingehalten werden müssen: <em>onto‐memetisch</em>, wenn das Kind schon tradierte Regeln übertritt, um sie zu internalisieren, und <em>phylo‐memetisch</em>, wenn kulturell neue Normen und Regeln entwickelt werden, seien sie nun absolutistisch, mystisch, religiös oder lebensweltlich, um das Zusammenleben zu sichern. Die enge Anbindung des Individuums an das Kollektiv wird deutlich, wenn man berücksichtigt, dass das Individuum im Kontext dieser Normen nach Anerkennung von anderen strebt, wenn es sich richtig verhält, wie implizit auch Zurechtweisung, wenn das Verhalten nicht passt<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-8" id='fnref-2505-8'>8</a></sup>; andererseits will das Individuum auch andere bestärken und belohnen, wenn es das rechte Ver‐ halten zeigt, wie auch, andere dafür abstrafen, wenn dies nicht der Fall ist. Nochmals Cook‐Greuter, die diese generelle Entwick‐ lungsstufe ‚Diplomat‘ nennt:</p>
<blockquote><p>Wegen der Notwendigkeit akzeptiert zu werden ist die Sprache unpersönlich, oft übertrieben positiv und voller Plattitüden. ‚Diplomaten‘ sind im Wesentlichen Diplomaten. Sie wollen kein Anlass für Unruhe sein, möchten nicht ausgeschlossen werden und starten keine Initiativen, die nicht von der Gruppe sanktioniert sind. Es ist dem Diplomaten wichtig, mit den Nachbarn mitzuhalten und als Zeichen des eigenen Erfolgs materielles Vermögen und Statussymbole zu erwerben.</p>
<p>Um gemocht zu werden, braucht man eine gefällige soziale Persönlichkeit. Es ist wichtig freundlich, angenehm und gut aussehend zu sein. Menschen werden danach beurteilt, wie sie aussehen. Große Aufmerksamkeit wird auf Ordentlichkeit, äußere Erscheinung und Reinlichkeit gelegt.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-9" id='fnref-2505-9'>9</a></sup></p></blockquote>
<p>Vermögen und Statussymbole sind auf dieser Stufe insofern wichtig, weil sie ein Symbol oder Beweis für das rechte Verhalten und damit auch für das Nachleben sind; häufig wurden in Früh‐ kulturen, als sich diese Entwicklungsstufe langsam sozio‐kulturell durchzusetzen begann, ja Schmuck und Wertgegenstände dem Grabe beigelegt, nicht nur um den Status des Verstorbenen zu verkünden, sondern um ihn mit Mitteln im Nachleben zu versorgen. Es ist dabei wichtig zu berücksichtigen, dass viele Men‐ schen heute auf dieser Stufe nicht zwangsläufig gottesfürchtig oder religiös sind. Als diese Entwicklungsstufe vor etwa 3000 Jahren jedoch soziokulturell aufgetaucht ist und sich immer mehr durchsetzte, war sie an religiöse oder mythische Bilder gekoppelt, und diese Bilder oder Meme<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-10" id='fnref-2505-10'>10</a></sup> sind heute immer noch aktiv und eingebettet in das moderne Leben.</p>
<p>Insofern müssen wir auch hier die Tatsache berücksichtigen, dass auf dieser Stufe des Willens das grundlegende Ziel, nämlich das Überleben, besonders codiert und eingebettet wird. Das geschieht auf zweierlei Weisen. Einerseits wird auf dieser Stufe versucht, via normen‐ und werteorientiertem Verhalten das langfristige, generationsbedingte Überleben in einem Kollektiv zu gewährleisten. Das individualisierte Sicherheitsdenken der vorherigen Stufe wird z.B. hier auf die Familie und die nachkommenden Generationen ausgedehnt. Reichtum und damit Sicherheit entsteht, wenn Geld vererbt und weiter angehäuft wird. Es entsteht dementsprechend mit dem Auftauchen der entsprechenden sozio‐kulturellen Entwicklungsstufe (s.u.) realer und wirtschaftlicher Adel. Hier wird also der Überlebens‐ und Sicherheitshorizont generationsbedingt weiter ausgedehnt und nach hinten verschoben.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-3-Der_Konformistische_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 3: Der Konformistische Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-3-Der_Konformistische_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 3: Der Konformistische Wille</p></div>
<p>Viel bedeutender aber ist das Unternehmen, dass das Kollektiv Verhaltensnormen codiert und auf längere Sicht die institutionelle Religion erschafft, durch die versucht wird, durch normenbe dingte Verhaltenskontrolle und die richtige Lebensführung das Leben nach dem Tod zu sichern. Daher geht mit allen Religionen, die historisch/sozio‐kulturell aus dieser generellen Entwicklungs‐ stufe hervortreten64 auch eine irgendwie geartete Vorstellung von einem Nachleben mit einher, sei es in Form eines Paradieses, dem Nirwana, der Inkarnation etc. Die grundlegende Idee des Willens auf dieser Stufe ist es also, jetzt durch rechtes Verhalten das eigene Überleben oder das der Sippe nach dem eigenen Tod zu gewährleisten.</p>
<h4>4. Der Leistungs‐Wille</h4>
<p>Kommen wir nun zur zweiten Kulturstufe des Willens, dem Leistungswillen. Der Leistungswille entsteht, wenn das Kollektiv den Wert entwickelt und <em>pädagogisch </em>umsetzt, den Willen selbst der <em>Erziehung </em>zu unterwerfen und das Individuum diesen Wert übernimmt. ‚Selbst‐Disziplin‘ ist hier das ins Bewusstsein tretende Stichwort. Hier entsteht der individualisierte Wille zur Leistung, zur Karriere, zum Erreichen langfristiger Ziele, sei es wissenschaftlich, wirtschaftlich, politisch, athletisch o.ä., d.h. zu der langfristigen Weiterentwicklung der Kultur.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-11" id='fnref-2505-11'>11</a></sup> Dieser Leistungswille ist auch noch ein konventioneller Wille, denn das Individuum übernimmt das Leistungsdenken‐ und Streben, die damit verbundenen sozialen Rollen und Werte aus dem Kollektiv. Der konformistisch ausgerichtete Wille der vorherigen Stufe wird hier zum Ausdrucksmittel der Individualität; das Individuum beginnt hier, vor dem Hintergrund sozial‐konditionierter Werte, selbst‐ verantwortlich seine Ziele zu erreichen, und und sei es, dass diese Ziele in der selbstverantwortlichen Gestaltung des eigenen Lebens bestehen. Mit anderen Worten: Identifiziert das konformistische Individuum seinen Willen mit dem kollektiven Willen – á la: Wenn es richtig ist, am Sonntag zur Kirche zu gehen, will auch ich dies tun – so übernimmt das Leistungsindividuum nun den Wert, sein Leben durch seinen Willen selbst zu gestalten.</p>
<p>Die Zeitdimension des Leistungswillens wird – im Verhältnis zum konformistischen Willen – vergrößert. 30 oder 40 Jahre für ein Ziel zu arbeiten ist dabei keine Seltenheit und genau diese Ausdauer ist ein bemerkenswertes Kennzeichen dieses Willens.</p>
<p>Die Bedingungen für den Leistungswillen werden erschaffen, wenn der fremdreferenzielle Glaube an ein Nachleben und das Anpassen an eine entweder soziale oder religiöse höhere Ord‐ nung zugunsten eher ich‐bezogener und rationaler Konzepte abgelegt werden. Die Wahrheit kann dann durch wissenschaftliche Methoden gefunden werden.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-12" id='fnref-2505-12'>12</a></sup> Das geschah z.B. sozio‐kulturell, als die Moderne und die <em>Aufklärung </em>als solche eingeläutet wurden, als auch psychologisch, wenn das Individuum die formal‐operationale Entwicklungsstufe betritt, die, nach Susanne Cook‐Greuter die ‚Zielstufe unserer westlichen Kultur‘ ist. Glauben wird auf dieser Stufe durch Wissen, Logik, Rationalität und Technik ersetzt. Hier begreift sich das Individuum nicht mehr als Teil von Gottes Schöpfung, sondern als ein separates Rädchen im kosmischen Getriebe, das lernen kann, sich die Regeln der Welt zunutze zu machen.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-13" id='fnref-2505-13'>13</a></sup></p>
<p>Besondere Bedeutung kommt hier der institutionalisierten Wissenschaft zu, die mit der Aufklärung einen besonderen Stellenwert bekam. Denn genau genommen arbeitet die Wissenschaft an nichts anderem als der Verbesserung der Lebensbedingungen und damit der <em>Lebensverlängerung</em>. Jede Wissenschaft ist in diesem Sinne eine Wissenschaft des Überlebens. Man kann heute z.B. klar sehen, dass das Durchschnittslebensalter seit der Aufklärung und Institutionalisierung der Wissenschaften dramatisch angestiegen ist, denn Wissenschaft ermöglicht z.B. bessere Ernährung, bessere Medizin und Vorsorge. Während vor noch 400 Jahren, also kurz vor dem Auftauchen der Institutionalisierung der Wissenschaft, das durchschnittliche Sterbealter bei etwa 30 Jahren lag, liegt es heute bei etwa 75 Jahren. Die Errungenschaften aus Medizin, Physik, Biologie, Chemie usw. finden so ihre direkten Anwen‐ dungen in den Verbesserungen der lokalen und globalen Lebens‐ bedingungen. Hieran können wir erkennen, dass auch auf dieser Stufe das Ziel des Willens, nämlich <em>zu überleben</em>, eingebaut ist. Nur durch die wissenschaftliche Leistung der Einzelnen, die die Forschung vorantreiben, werden wir die Lebenserwartung stetig weiter anheben und vielleicht sogar irgendwann den biologischen Code des Alterns knacken.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-4-Der_Leistungswille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 4: Der Leistungswille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-4-Der_Leistungswille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 4: Der Leistungswille</p></div>
<p>Es entsteht darüber hinaus mit der entsprechenden sozio‐kulturellen Entwicklungsstufe auch ein neuer Techno‐, Wissens‐ und vor allem Körper/Sportkult, wie er sich in den Anstrengungen des Pädagogen Coubertins, die Olympischen Spiele wieder zum Leben zu erwecken, sowie der Gottgestalt des modernen Athleten, der für einen Moment, nämlich den des Sieges, nichts anderes erlangt als Unsterblichkeit selbst, ausdrückt.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-14" id='fnref-2505-14'>14</a></sup> Hier finden wir den binären Code von Gewinner und Verlierer, sowie von Erfolg und Misserfolg, der hier mehr als auf jeder anderen Stufe zur Geltung kommt. Man will schließlich <em>besser </em>sein als seine Konkurrenten, um seine Lebensbedingungen zu verbessern. Durch diese soziale Konditionierung in Bezug auf die Gewinner/ Verlierer‐Differenz stellt Gesellschaft sicher, dass sie als starke Nation überleben kann, spielerisch, indem beispielsweise möglichst viele Medaillen bei den Olympischen Spielen oder ähnlichen Events gewonnen werden können, oder wirtschaftspolitisch, in dem eine Nation über viel Kauf‐ und Produktionskraft verfügt.</p>
<h4>5. Der kreative Wille</h4>
<p>Wir haben bislang die Natur‐ und Kulturstufen des Willens besprochen. An dieser Stelle findet nun ein Übergang zu den Selbststufen des Willens statt, also einem Willen, der sich nicht mehr auf das Überleben des Individuums in einer physischen oder sozialen Umwelt bezieht, sondern auf das Bewusstsein selbst, dass diese Umwelten beobachtet.</p>
<p>Zunächst tritt hier der kreative Wille auf, also jener Wille, der mit dem Auftauchen der Postmoderne so gut beobachtbar ist: Der Wille zum kreativen und authentischen Selbstausdruck, sei es bei wirtschaftlichen, künstlerischen, spirituellen, ökologischen oder ähnlichen Projekten und Ambitionen. Ganz einfach gesagt überwindet der kreative Wille konventionelle Wertvorstellungen; es ist der erste post‐konventionelle Wille und der Versuch des Menschen, unabhängig von gesellschaftlichen Konzepten und Angeboten seinen eigenen Weg in der Welt zu finden. Dieser kreative Wille zeigt sich in dem Streben nach Selbstausdruck, Selbsterfüllung und Selbsterforschung. Es zeigt sich auch in dem Versuch, in einer bestimmten Lebenspraxe zu Gipfel‐ oder Flowerfahrungen zu kommen, sei es in der Kunst, der Spiritualität, beim Sport, oder gemeinsam bei Gruppenprojekten, die durch flache Hierarchien gekennzeichnet sind.</p>
<p>Der kreative Wille taucht – einfach gesagt – mit der postmodern‐konstruktivistischen Erkenntnis auf, dass es keinen objektiven Beobachterstandpunkt gibt, sondern dass uns alle unsere Subjektivität verbindet.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-15" id='fnref-2505-15'>15</a></sup> Während sich der Leistungswille in diesem Sinne noch auf die als manifest verstandene wirkliche Außenwelt bezieht und den Versuch, das Räderwerk der Weltmaschine besser als jeder andere beherrschen zu lernen, richtet das postmoderne Individuum den eigenen Willen entweder auf diese eigene Subjektivität oder die Intersubjektivität zwischen uns Menschen. Das heißt nicht, dass real existierende Probleme wie die drohende Klimakatastrophe in und mit dieser Subjektivität geleugnet werden. Sondern es heißt vielmehr, dass mit der Erkenntnis der Beobachterabhängigkeit auch das Bewusstsein dafür entsteht, dass wir uns erst mal selber und unsere Verhaltensweisen ändern müssen, um die Welt ändern zu können, und etwa das Ökobewusstsein durchaus damit anfängt, seine eigenen Nahrungsgewohnheiten zu überprüfen … anstatt etwa zu hoffen, die Politik würde etwas verändern. Wir sehen hieran, dass zusätzlich zu dem (modernen) Versuch, auf die Umwelt Einfluss zu nehmen, das (postmoderne) Moment der Subjektivität mit hinzukommt. Der Mensch muss nun nicht nur sein Leben in der Welt bewältigen; er muss auch sein Leben mit sich selbst bewältigen.</p>
<p>Das heißt, es entwickelt sich das Bewusstsein darüber, dass Außenwelterfahrung nicht gleich Außenwelt ist, und dass wir uns selbst verändern können – ein entscheidender Fortschritt im Ver‐ hältnis zu dem Leistungswillen, der noch an die strikte Unterschei‐ dung von Innen und Außen gebunden ist. Und statt nach Status, Karriere und Geld zu streben, setzt sich immer mehr der Wunsch – oder besser: der Wille – durch, sich selbst und seine eigene Subjektivität, ja die eigene Individualität zum Ausdruck zu bringen, sei es durch Musik, Kunst, Sport, Technik o.ä. Hier wird zunehmend von althergebrachten Rollenkonzepten Abstand genommen, man will sich selbst und seinen Weg im Leben finden. Überhaupt tritt hier der Wunsch nach Selbstveränderung auf, und es ist kein Zufall, dass mit dem Auftauchen der Postmoderne auch ein neues spirituelles Bewusstsein auftritt. Susanne Cook‐Greuter dazu:</p>
<blockquote><p>Da eigene alte Identitäten nicht mehr ungefragt akzeptiert werden, ist der Wunsch nach einer persönlichen Leistung unabhängig von sozial anerkannten Rollen oder Aufgaben eines der Hauptanliegen des Pluralisten. Sie ziehen sich oft zeitweise von äußeren Angelegenheiten oder dem Tagesgeschäft ihrer Unternehmen zurück. Stattdessen wenden sie sich nach innen auf ihrer Suche nach ihren außergewöhnlichen Talenten oder gehen ihren eigenen brennenden Fragen nach. So sie den Raum bekommen sie selber zu sein, können sie häufig einen kreativen Einfluss auf ihren Arbeitsplatz haben, neue Möglichkeiten entwickeln auf Probleme zu schauen oder andere mit ihrem Enthusiasmus dazu inspirieren, ihre eigenen Interessen oder Fragen zu verfolgen.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-16" id='fnref-2505-16'>16</a></sup></p></blockquote>
<p>Hier tritt, eingebettet in viele Formen des Lernens, auch die Erste Daimonotechnik auf, also das Streben danach, sich in einer besonderen Lebenspraxis weiter zu entwickeln und euphorische Gipfelerfahrungen zu erzeugen; nicht des Status oder der Anerkennung willens, sondern wegen des Bedürfnisses nach Selbstverwirklichung und Freiheit. Allgemein ist der kreative Wille der erste post‐konventionelle Wille, der sich heute nach und nach im Westen durchsetzt. Sofern und solange also die autopoietischen Prinzipien der Psyche auf eine besondere Lebenspraxis selbst angewendet werden, so sprechen wir also von einem kreativen Willen. An anderer Stelle definierte ich diesen kreativen Willen als die <em>Einheit von Ziel, Flow und Verhalten</em><sup class='footnote'><a href="#fn-2505-17" id='fnref-2505-17'>17</a></sup>, und damit ist nichts anderes ausgedrückt, als dass wir in einer Zielerreichung versuchen, mit und in <em>Flow </em>non‐dual zu handeln. Das ist natürlich eine sehr technische Beschreibung für eine relativ einfache Sache, die man erfährt, wenn man daimonisch handelt.</p>
<p>Auch hier, auf der diesem Willen entsprechenden, soziokulturellen Entwicklungsstufe (siehe Tabelle unten), lautet die grundsätzliche Frage: Wie können wir unser Überleben sichern? Wie wir sahen, wird dieses Problem auf jeder Stufe anders codiert und gelöst. Im Fall dieser postmodernen Entwicklungsstufe und dieses Willens wird dieses Problem einerseits in die globalen Finanzkrisen und die drohende Ökokatstrophe eingebettet, die, wie James Lovelock bemerkte<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-18" id='fnref-2505-18'>18</a></sup>, weniger eine Frage dessen ist, ob das Ökosystem Erde – Gaia – überlebt, sondern vielmehr, ob wir unseren eigenen Lebensraum zerstören. Hier wird die Frage des Überlebens insofern auf uns als Spezies als Ganzes ausgedehnt. In der (globalen) Klimadebatte sehen wir hier also jene Aufeinander‐zu‐Bewegung der Kulturen, auf die u.a. Ken Wilber hingewiesen hatte<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-19" id='fnref-2505-19'>19</a></sup>, und das die sozio‐kulturelle Entwicklung seit Aufkommen des Homo‐Sapiens kennzeichnet – von Sippen zu Dorfgemeinschaften, von Dorfgemeinschaften zu Städten, von Städten zu Fürstentümern und Ländern, von Nationen zu einem ‚globalen Dorf‘.</p>
<p>Zum Zweiten wird das Thema ‚Überleben‘ mit dem Import östlich-spiritueller Praxen und der Ausdifferenzierung westlich‐spiritueller Übungssysteme seit dem ausgehenden 19ten Jahrhundert zunehmend in unserer Kultur thematisiert, wo Fragen der Erneuerung, der psychischen Unsterblichkeit und der Erleuchtung ins Bewusstsein dringen; psychische Unsterblichkeit heißt hier, die Bedingungen des kognitiven Konzepts des ‚Egos‘ zu überwinden und in den Seinsgrund einzutauchen, jenem erleuchteten psychisch‐spirituellen Zustand jenseits aller Dualität, in dem man, wie es im Zen-Buddhismus heißt, ‚nicht geboren wird und auch niemals sterben kann.‘</p>
<p>Drittens tritt mit der Postmoderne neben der modernen Spiritualität auch die institutionalisierte Psychologie auf, und mit ihr auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Existenz, wie sie Victor Frankl so nachhaltig als ‚Wille zum Sinn‘ einfängt, denn ohne Sinn sind wir, wie jeder, der schon einmal eine Depression hatte weiß, nicht lebens‐ oder überlebensfähig. Welchem Sinn sollen wir also folgen, wenn wir die modernen Werte und das Leistungsstreben oder das traditionell‐bürokratische Herdendenken ablehnen? Wo können wir den Sinn finden? Die zeitgenössisch‐postmoderne, erkenntnistheoretische Antwort lautet natürlich: ‚Sinn‘ – als Einheit von Differenzen – ist ein Konstrukt des Bewusstseins; also können wir auch lernen, Sinn unabhängig von bislang sozial tradierten Konzepten selbst zu setzen; und Individuen, die diesen Sinn noch nicht in sich finden oder formen können, fühlen sich auf dieser Stufe zerrissen, gespalten und unausgefüllt; es ist gerade diese innere Zerrissenheit, die oftmals zum Lackmustest unserer postmodernen Kultur gemacht wird.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-20" id='fnref-2505-20'>20</a></sup></p>
<p>Wenn mit Postmoderne etwas Neues auftritt, so ist es damit auch der Wille, mehr Verantwortung für unsere Umwelt und das eigene Bewusstsein zu übernehmen. Der kreative Wille ist insofern der erste Wille, der sich durch die Reaktion des Bewusstseins auf sich selbst ergibt und der konstruktivistischen Erkenntnis, dass alles Erkennen beobachterabhängig ist. Das Resultat ist, dass <em>der Wille beginnt, das Bewusstsein zu formen</em>. In diesem Sinne tritt der kreative Wille als sich selbstbewusste Begeisterung auf: Für Umweltschutz, für die Kunst, für das musizieren, für die ganzheitliche Sexualität oder die Spiritualität per se. Weil dieser Wille der erste ist, durch den versucht wird, das Bewusstsein selbst zu verändern, ist dieser kreative Wille auch der erste Versuch des Menschen, Daimonotechnik zu verwenden. Er strebt mit seinem Willen erstmals bewusst Emergenz an, und zwar als Flow‐ oder Gipfelerfahrung. Für viele kreative Menschen ist es gerade Flow, diese temporäre Erfahrung der Emergenz, die das, was sie machen, so interessant macht. Hier offenbart sich dann auch die Spitze der ursprünglichen Maslowschen Bedürfnispyramide, nämlich das Bedürfnis nach kreativem Selbstausdruck. Hier finden wir den kreativen Ausdruck, und zwar in der Gipfelerfahrung, in der Transzendenz; hier finden wir das besondere Engagement, über seine traditionellen ‚Konditionierungen‘ hinauszuwachsen, oder auch eine neue ökobewusste und spiritualitätsbewusste Kultur zu erzeugen, die ebenso im Einklang mit den Kräften der Natur wie auch mit den Kräften der Psyche ist.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-5-Der_kreative_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 5: Der kreative Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-5-Der_kreative_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 5: Der kreative Wille</p></div>
<p>Das kreative Individuum wird so durch den kreativen Selbstausdruck sozial betrachtet zum Produzenten von Memen (im Sinne Susan Blackmores), von eben gedanklichen wie sozio‐kulturellen Informations‐Einheiten, und sorgt damit für die Aufrechterhaltung und Erneuerung der sozialen Autopoiese und der Realität als soziales Konstrukt. Diesen Zusammenhang zwischen dem individuellen Versuch, neue Meme zu produzieren, dem kreativen Selbstausdruck und der inneren Selbstfindung kann man nicht deutlich genug betonen. Eine besondere Rolle spielt dabei besonders das Internet, durch das die Produktion und die soziale Darstellung von Memen beobachtbar angestiegen sind.</p>
<h4>6. Der evolutionäre Wille</h4>
<p>Der evolutionäre Wille basiert zunächst auf der Erkenntnis, dass sich der Wille schrittweise entwickelt; das wir uns mit jedem Sprech– und Denkakt, mit jedem Handlungsakt entwickeln und deshalb der Drift der Evolution nicht entkommen können. Hier auf dieser Stufe wird diese Erkenntnis in alles Handeln bewusst miteinbezogen. Jede Handlung wird so zu einem Weiterentwicklungsakt. Damit stehen wir auch vor bestimmten ethischen Pro‐ blemen, die ich hier erörtern will. Zunächst aber noch ein paar Vorbemerkungen.</p>
<p>In ganz einfachen Worten taucht der evolutionäre Wille genau dann auf, wenn das grundlegende Paradigma der vorherigen Stufe auf die gesamte Erfahrung übertragen wird, das heißt, wenn der Mensch in <em>jeder</em> Lebenspraxis seinen kreativen Selbstausdruck, seine Selbstverwirklichung und seine Euphorie und Freude findet. Hier tritt ganz natürlich die Zweite Daimonotechnik in Erscheinung, und es ist kein Zufall, dass die diesem Willen korrespondierende Entwicklungsstufe häufig mit solaren Eigenschaften oder Symbolen dargestellt wird. Die grundsätzliche und teilweise jahrtausende Jahre alte Haltung des Menschen zum Leben – Existenz ist Leid, Leben ist voller Mühsal und Probleme – wird hier überkommen. Das Paradigma dieser Stufe lautet in etwa: Existenz ist reine Freude, Existenz ist Veränderung, Existenz ist Evolution. Auch mit dieser Stufe tritt ein grundsätzlicher Wandel in der Verantwortlichkeit in Bezug auf die eigenen Erfahrungen auf. Hier wird nicht nur intuitiv verstanden, wie Entwicklung und Evolution des Geistes vonstattengehen; hier können diese Prinzipien der Evolution vollends angewendet werden. Aus diesem Grunde sind der evolutionäre Wille und die Zweite Daimomotechnik deckungsgleich.</p>
<p>Auf dieser Stufe operiert der Wille auf der Ebene der Autopoiese der Psyche und Gesamterfahrung selbst. Die Prinzipien der Autopoiese – Wiederholung, Differenzierung, Emergenz und Innovation – können reflexiv und selbstbewusst in und auf allen Lebensbereichen, auf die gesamte Erfahrung angewendet werden; damit steht alles Denken, Sprechen und Handeln im Kontext der Evolution. Es muss hierbei berücksichtigt werden, dass die wenigsten Menschen derzeit tatsächlich über die Bewusstheit ver‐ fügen, tatsächlich zu denken, was sie wollen, sodass das Denken tatsächlich ziel‐ und intentionsgerichtet ist. Dies ändert sich mit dieser Stufe, in der das Individuum sehr fein auf seine eigenen psychologischen Prozesse eingestimmt ist.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-21" id='fnref-2505-21'>21</a></sup> Hier weitet sich damit die Fähigkeit des Individuums zum kreativen, schöpferischen, daimonischen Willen aus, der nun alle Lebenspraxen und jeden Lebensbereich durchdringen kann. Durch die Fähigkeit, in jeder Lebenspraxis einen kreativ‐daimonischen Willen umsetzen zu können, lebt das Individuum auch mit steten Flow‐und Gipfel‐ erfahrungen, die vorher nur einzelnen Lebensbereichen vorbe‐ halten waren. Mit anderen Worten: Während das Individuum der vorherigen kreativen Stufe beginnt, sich mit den Bedingungen der psychischen Autopoiese auf der Mikroebene des Bewusstseins vertraut zu machen – wie kann ich in einem Attraktor <em>Flow </em>und Emergenz erzeugen? – so versucht das Individuum auf dieser Stufe dieses Prinzip auf der Makroebene zu beherrschen: Wie kann man die nächste Entwicklungsstufe anstreben und die eigentlichen psychologischen Bedingungen des Wachstums anwenden? Der Wille wird hier durch die Erkenntnis der evolutionären Entwicklung der Psyche zu einem Werkzeug der Evolution. Nur durch den Willen der vorherigen Stufen konnte das Individuum diese Stufe erlangen, und kann auch nur mittels dieses evolutionären Willens zu folgenden Stufen fortschreiten. Durch die Erkenntnis, dass sich das Bewusstsein in einem kon‐ stanten evolutionären Prozess befindet, der durch den Willen umgesetzt wird, geht eine innere Autonomie‐ und Freiheits‐ Erfahrung einher. Nochmals Cook‐Greuter, die diese Stufe ‚Synthetiker‘ nennt:</p>
<blockquote><p>Synthetiker erkennen, dass sie zwar möglicherweise in sich verschiedene miteinander in Konflikt stehende Aspekte oder Gegensätzlichkeiten zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Zusammenhängen bemerken, dass sie jedoch in der Lage sind, unterschiedliche Anteile ihres Selbst anzunehmen und zu integrieren. Das ist anders als bei Pluralisten, welche oft zweifeln, ob sie je herausfinden, wer sie wirklich sind. Das autonome Selbst beinhaltet die Integration von vorher getrennten Sub‐Identitäten. Die entscheidende neue Fähigkeit der Synthetiker ist es sich gewahr zu werden, dass man selber Bedeutung schafft und immer wieder eine neue Selbstgeschichte erzählt. […] Dies ist genau deshalb möglich, da Synthetiker nun verstehen, dass Bedeutung eine Interpretation ist, die wir der Erfahrung hinzufügen. Wir alle erzählen die ganze Zeit Geschichten darüber, was passiert. Synthetiker verpflichten sich bewusst, aktiv ein bedeutungsvolles Leben für sich und an‐ dere mittels Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung in sich ständig ändernden Zusammenhängen zu führen. Sie besitzen ein relativ starkes autonomes Selbst, das sowohl differenziert als auch gut integriert ist. Dies umfasst die Fähigkeit, Paradoxien zu sehen und Widersprüchlichkeiten zu tolerieren, ja sogar zu schätzen. Synthetiker befinden sich in feiner Abstimmung mit ihrem eigenen psychologischen Wohlergehen.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-22" id='fnref-2505-22'>22</a></sup></p></blockquote>
<p>Ein besonderer Aspekt ist in diesem Zusammenhang mit dem evolutionären Willen noch hervorzuheben. Das Individuum erkennt zum einen, das jeder Horizont, jedes Ziel naturgemäß seine Probleme und Schwierigkeiten erzeugt. Während sich so jedes Individuum vorheriger Willensstufen noch an den Pro‐ blemen des Alltags reibt, kann das evolutionäre Individuum die Schatten, Probleme und Ungereimheiten des Alltags integrieren, während sie auftreten, eben weil es erkannt hat, dass es die Pro‐ bleme durch die Wahl des Horizontes und Zieles selbst erzeugt hat. Auf diese Weise werden aus Problemen Entwicklungsmög‐ lichkeiten und die Bedingung der Möglichkeit, bestimmte Ziele oder Horizonte zu erreichen. Andere Ziele, andere Lebensziele, und seinen sie nur implizit oder unbewusst, führen immer zu anderen Problemen und dem, was man gemeinhin ‚Schicksal‘ nennt.</p>
<p>Um die Komplexität des Willens auf dieser Stufe konkret abschätzen zu können, wollen wir einen kleinen Ausflug in die Ethik machen; natürlich ist Ethik immer Gegenstand der Diskussion, sobald es sich um den Willen dreht. „Was kann ich und was darf ich wollen?“ gehört zu den Fragen, die die Moralphilosophie seit Anbeginn beschäftigt hat. Wollen wir evolutionär handeln und dabei den komplexen Problemen unseres Alltags gerecht werden, stehen wir also unmittelbar vor ethischen Problemen, und sei es, dass wir unser eigenes Wohl mit dem des Kollektivs abgleichen müssen, und dass wir uns dabei ebenso ziel‐wie regel‐ orientiert verhalten.</p>
<p>Wie nun der amerikanische Moralphilosoph William Frankena in seinem berühmten Buch <em>Analytische Ethik </em>gezeigt hat<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-23" id='fnref-2505-23'>23</a></sup>, ist jede Ethik, die die menschliche Kultur bislang entwickelt hat, entweder eine teleologische oder deontologische. Teleologisch ist jede Ethik, die sich um zukünftige Errungenschaften oder Ziele dreht, während eine deontologische Ethik sich immer mit bestimmten Verhaltensweisen beschäftigt, die an sich gut oder vorteilhaft sind. Hinzu kommt, dass es stets eher individuell‐ausgerichtete Ethiken gibt, wie es auch kollektiv‐ausgerichtete Ethiken gibt. Wir können in diesem Sinne Ethik durch das fol‐ gende Quadranten‐Schema differenzieren:</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Abbildung%202-%20Ethische%20Quadranten.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Abbildung 2. Ethische Quadranten" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Abbildung%202-%20Ethische%20Quadranten.png" alt="" width="200" height="193" /></a><p class="wp-caption-text">Abbildung 2. Ethische Quadranten</p></div>
<p>Quadrant 1 steht für die Frage: Wie genau verhalte ich mich oder wie sollte ich mich in dieser Situation am besten verhalten? Es dreht sich hier um den individuell‐deontologischen Aspekt der Ethik. Moralphilosophien, die zu diesem Quadranten gehören, beschäftigen sich also damit, wie der Einzelne sich in jeder ein‐ zelnen Situation entscheiden soll, ohne dabei auf irgendwelche Regeln zurückzugreifen. Situationen sind zu komplex, als das man mit einfachen Regeln arbeiten kann, und keiner Regel sei dem situativen Urteil Vorschub zu geben. Dies wäre das Argument der Handlungsdeontologie. Andere historische Formen, die zu diesem Quadranten gehören, finden wir hier etwa im Existen‐ zialismus.</p>
<p>Quadrant 2 steht indes für die teleologische, zielgerichtete Frage: Was soll und was kann ich wollen? Typisch für diesen individuell‐teleologischen Ansatz sind etwa der ethische Egoismus (z.B. Hobbes und Nietzsche) und der Handlungsutilitarismus (z.B. Jeremy Bentham). Der Ansatz des ethischen Egoismus besteht in dem Versuch, „für sich selbst das größtmögliche Übergewicht von guten gegenüber schlechten Folgen herbeizuführen“<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-24" id='fnref-2505-24'>24</a></sup>, während der Handlungsutilitarismus in der Ansicht besteht, man sollte nach dem Prinzip der Nützlichkeit handeln und danach, herauszufinden, welche Handlungen für einen selbst und die Welt den größten Nutzen bringen. Beide Ansätze basieren auf individuell‐situativen Entscheidungen, die sich nicht auf irgendwelche konsensuellen Regeln berufen.</p>
<p>Quadrant 3 fokussiert die Sozialdimension der Erfahrung, und damit, welchen (konsensuellen) Verhaltensregeln wir folgen sollten. Eine solche Regeldeontologie, wie etwa die von Kant, besteht in der Behauptung, dass alles sittliche Verhalten aus konkreten Regeln besteht. Die 10 Gebote etwa sind solch ein regeldeontologischer Ansatz und damit diesem Quadranten zuzuordnen. Moderne ethische Formen, die zu diesem Quadranten gehören, wären der Historische Positivismus und der Relativismus.</p>
<p>Der Quadrant 4 schließlich fokussiert die Frage: Was wollen wir sozial? Solche Ansätze wie der Regelutilitarismus verlangen etwa, nur die Ziele zu wählen, die auf das größte allgemeine Wohl ausgerichtet sind.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-25" id='fnref-2505-25'>25</a></sup> Die große Frage besteht dann darin, herauszufinden, was das größte allgemeine Wohl ist. Auch der ethische Universalismus gehört zu diesem Quadranten, da er den Standpunkt vertritt, dass das Objekt des sittlichen Handelns nicht die Individuen als solche, sondern eine Gemeinschaft ist.</p>
<p>Das Problem der einzelnen Ansätze besteht nun (offensichtlich) darin, dass sie nicht die Komplexität der menschlichen Erfahrungen und Perspektiven abdecken können. Einfach gesagt: Der ethische Egoist tilgt die Frage des Gemeinwohls, der Handlungsdeontologe die Frage des persönlichen (Entwicklungs‐)Ziels. Alle historischen Ansätze liefern aber wertvolle Beiträge. Es liegt daher auf der Hand, dass eine post‐konventionelle, in diesem Sinne integrale Ethik, alle vier Quadranten mit einschließen und dementsprechend, vereinfacht gesagt, folgende vier Fragen, die für die vier Quadranten stehen, integrieren und beantworten können muss:</p>
<ol>
<li>Wie soll ich mich jetzt am besten verhalten?</li>
<li>Was will ich erreichen?</li>
<li>Auf welche Verhaltensregeln einige ich mich mit anderen?</li>
<li>Was will ich sozial und wie können wir gemeinsam zum Wohle von Allen arbeiten?</li>
</ol>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-6-Der_evolutive_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 6: Der evolutive Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-6-Der_evolutive_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 6: Der evolutive Wille</p></div>
<p>Nur dann können wir sicherstellen, dass wir den komplexen weltlichen Anforderungen entsprechend handeln und wollen können. Erst der evolutionäre Wille vermag alle Quadranten zu harmonisieren, erst er ist in der Lage, gleichermaßen die situative Komplexität (Q1), das individuelle Ziel (Q2), das sozial konsensu‐ elle Verhalten (Q3) sowie das soziale Ziel (Q4) in Übereinstimm‐ ung zu bringen und zu befriedigen. Dies ist deshalb möglich, weil der Mensch hier die deontologische wie teleologische Dimension der Evolution der Psyche und Kultur berücksichtigen kann, und weil er sie als Teil seiner eigenen Erfahrung begreift.</p>
<h4>7. Der konstrukt‐bewusste Wille</h4>
<p>Der konstrukt‐bewusste Wille taucht dann auf, wenn der Mensch eine hochgradige Tiefenschärfe und Verständnis seinen eigenen psychologischen Prozessen entgegenbringt, sodass er begreift, dass Evolution nichts anderes ist als ein kontingentes Beobachtungsschema, welches er über die phänomenale Welt legt, um sich irgendwie zu orientieren. Dieses Schema ist nicht wahrer oder unwahrer, nicht besser oder schlechter, nicht komplexer oder einfacher, nicht effektiver oder weniger effektiv als alle anderen Beobachtungsmodelle. Dasselbe gilt für Schemas und Konzepte wie ‚Autopoiese‘, ‚Ich‘ oder ‚Selbst‘. Das konstrukt‐bewusste Individuum befindet sich, sinnbildlich gesprochen, manchmal in der misslichen Lage wie der überdosierte LSD‐Konsument, der einen Stift in der Hand nicht mehr als Stift identifizieren kann, da er durch die Droge alle Beobachtungsschemas dekomponiert hat.</p>
<p>Die einfachste Art und Weise, einen Verständniszugang zu dieser Stufe zu bekommen, liegt in einer intuitiv eingängigen Analogie. Stellen wir uns ein analoges Radio vor, in dem wir die vielen Sender – die Attraktoren und Ebenen unserer Existenz – manuel einstellen können: Einen Sender für den Tiefschlaf, einen fürs Träumen, einen für unseren alltäglichen Wachzustand und die kognitive Erfahrung unserer materiellen Wirklichkeit, einen für spirituelle oder andere non‐duale Gipfelerfahrungen usw.. Konstrukt‐Bewusstsein heißt, über die Fähigkeit, die Bewusstheit und den Willen (oder kurz: die Bewusstseinstechnologie) zu verfügen, alle Sender dieses Radios bei Bedarf genau einstellen zu können. Dazu zählt auch zu wissen, wie das Radio unserer Existenz an sich aufgebaut ist und funktioniert und entscheiden zu können, welche Programme auf den verschiedenen Sendern laufen. Konstrukt‐Bewusstsein impliziert insofern einen hoch‐differenzierten Beobachter dritten Grades, der über die Kapazität verfügt, die Konstruktionsmechanismen, die zu unseren vielfältigste kognitiven Wirklichkeitserfahrungen führen, steuern zu können. Das einfachste Beispiel wäre entscheiden zu können, was man während der Traumphase träumt, oder aber der Entscheidung, das Träumen ganz lassen zu können.</p>
<p>Mehr als auf der vorherigen Stufe beginnt hier der Mensch, tatsächlich auf die Prozesse, die seine Psyche und sein Bewusstsein, aber auch seine unterschiedlichen Perspektiven und Beobachtungen – im Allgemeinen: Die Tiefenstrukturen des Denkens – gestalten, Einfluss nehmen zu können. Hier kann das gedacht werden, was gedacht werden will; das interne chatter des Geistes kann ausgerichtet und gesteuert werden, nicht nur kurzfristig, sondern langfristig. Der konstrukt‐bewusste Wille verfügt über das Know‐how, die psychologischen Wirklichkeiten zu formen, die geformt werden sollen, an sich etwas, das weit über das subjektivistische ‚Wünsch dir was beim Universum‘ der esoterischen Postmoderne hinausgeht.</p>
<p>Es ist insofern kein Zufall, dass in den östlichen wie in westlichen Weisheitstraditionen oft behauptet wird, dass mit dieser Entwicklungsstufe auch ein gewisser magischer Wille, die <em>Shiddis</em>, einhergeht.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-26" id='fnref-2505-26'>26</a></sup> Wir haben es hier jedoch explizit nicht mit von C.G. Jung beschriebenen Prinzipien der <em>kausalen Synchronizität </em>zu tun, wie sie von archaischen Bewusstseinsstufen als Magie erfahren wurden, <em>a lá: „</em>Ich töte hier dies imaginierte Wild in diesem rituellen Akt, um das reale Wild dort zu erlegen“. Wir haben es hier viel eher mit einer Vertiefung der konstruktivistischen Erkenntnis der Postmoderne zu tun und der Umsetzung korzybskischer Prinzipien: Wenn unsere inneren Schemas, unsere Konditionierungen und Filter bestimmen, wie und was wir beobachten und erfahren, so können wir auch erlernen, genau diese Schemas, unsere Konditionierungen und Filter zu navigieren, um die psychische Gesamt‐ erfahrung zu erzeugen<em>, die wir erzeugen wollen</em>. Erinnern wir uns beispielsweise an das im ersten Teil beschriebene (Beobachtungs‐) Schema ‚Mangel‘, durch das wir manchmal geneigt sind, die Unzufriedenheiten unseres Alltags zu formen, sei es nun bezüglich Anerkennung, Status oder einfach Geld. Das Individuum befähigt sich auf dieser Stufe, diese tief liegenden psychischen Schemas zu verändern, und damit seine Wahrnehmungen von der Welt und freilich auch seiner Handlungsperspektiven. Es kann beispielsweise aus dem Beobachtungsschema ‚Mangel‘ eines des ‚Überflusses‘ machen, ohne etwa in den internen Konflikt zu kommen, diese absichtliche Änderung seiner inneren Program‐ mierung als Lüge zu empfinden. Dazu ist eine hohe Indifferenz gegenüber den eigenen inneren Prozessen nötig. Also etwas, was man, wie im Buddhismus, Zeugenbewusstsein nennen kann, oder eben, wie weiter oben beschreiben, den Beobachter dritten Grades, der die Beobachter ersten und zweiten Grades steuert.</p>
<p>Wie dem aber auch sei, wir sehen daran, dass die Entwicklung des Willens auch immer etwas damit zu tun hat, in welchem Umfange wir unsere Erfahrung formen können. Wir brauchen den konformistischen Willen, um gemeinsam unsere Erfahrungswirklichkeit erschaffen zu können; wir brauchen den Leistungswillen, um die Erfahrung zu machen, dass wir, auf uns selbstgestellt, durch großen Aufwand unsere individuelle Welt gestalten können; wir brauchen den kreativen Willen, um die Erfahrung der schöpferischen Kreativität zu machen; was zwar an sich ein Pleonasmus ist, aber doch die Tatsache ausdrücken soll, wie wir über unser kreatives, daimonisches Handeln unsere Wirklichkeit erschaffen können. Mit dem evolutionäre Willen vereinheitlichen wir unsere gesamte Erfahrung unter dem Schema der Evolution; und mit dem konstrukt‐bewussten Willen tauchen wir hinab und beginnen, all jene Schemas ändern zu können, durch die unser Alltag zu dem wird, wie wir ihn eben erfahren. Wenn wir so unser Denken (wie auch unser Sprechen) verändern, verändern wir im gleichen Zuge unsere Erfahrung. Nochmals Susanne Cook‐Greuter, die diese Stufe, auf der wir den konstrukt‐bewussten Willen ausformen, die der ‚Synergisten‘ nennt:</p>
<blockquote><p>Anders als auf früheren Stufen sind sich Synergisten über die gewandten und überaufmerksamen Machenschaften zur Selbsterhaltung des ‚Ichs‘ bewusst. Dies ist der erste Moment, wo das ‚Ich‘ durchlässig für sich selber wird. Endgültiges Wissen über das Selbst oder irgendetwas anderes wird als illusorisch und unerreichbar durch Anstrengung und Denken gesehen, da jeder bewusste Gedanke, jede Erkenntnis als konstruiert erkannt wird ‐ und daher als getrennt von der darunterliegenden zusammenhängenden nicht dualen Wahrheit. In Folge einer weiteren Wendung nach Innen, fangen Synergisten an, ihre eigenen Versuche der Bedeutungsbildung zu durchschauen und werden aufmerksam auf die tiefen Spaltungen und Paradoxien, die dem rationalen Denken innewohnen. Auf verschiedene Weise entdecken sie individuell den Gedanken Korzybskis (1948) wieder, dass „die Landkarte nicht das Gebiet” ist. Der linguistische Prozess alles in polare Gegensätze zu spalten und die damit verbundenen immanenten Werturteile können nun bewusst werden. Gut und Böse, Leben und Tod, Schönheit und Hässlichkeit erscheinen nun als die beiden Seiten der einen Medaille.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-27" id='fnref-2505-27'>27</a></sup></p></blockquote>
<p>In dem Buch <em>Der Wille </em>habe ich den evolutionären und den konstrukt‐bewussten Willen aus Gründen der Darstellung als einen behandelt. Tatsächlich kann man den Letzteren als eine Ausdifferenzierung des Vorherigen betrachten. Obwohl dies natürlich bis zu einem gewissen Grad für alle Willensformen gilt, beziehen sich diese beiden Willensformen im Gegensatz zu allen anderen auf die Geist‐Sphäre der menschlichen Erfahrung und weniger auf die Bio‐ und Soziosphäre (also Natur und Kultur). Anders herum: Wir können hier klar den ‚aufsteigenden Aspekt‘ der Willensentwicklung betrachten. Der Bio‐Überlebens und der Sicherheitswille beziehen sich in der Individualentwicklung stets auf den Körper, die Natur und das Bio‐Überleben. Der konformistische Wille und der Leistungswille beziehen sich auf die Sozio‐ Sphäre, und damit auf Kultur und die konsensuelle Erschaffung und Verwendung von Werten und Symbolen. Den kreativen Willen kann man in dieser Hinsicht als den Übergang von der Sozio‐Sphäre zur Geist‐Sphäre betrachten, in der der Wille in unterschiedlich komplexem Ausmaß auf die eigene Erfahrung angewendet wird.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-7-Der_konstrukt-bewusste_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 7: Der konstrukt‐bewusste Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-7-Der_konstrukt-bewusste_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 7: Der konstrukt‐bewusste Wille</p></div>
<p>Diesem Willen können wir auch die Dritte Daimonotechnik zurechnen: Wende die Autopoiese der Psyche an, ohne Dich an die Autopoiese der Psyche zu binden! Um dieses Paradox zu lösen, ist die hier beschriebene Tiefenschärfe des Denkens nötig, ohne die sich jeder Versuch, Indifferenz seinen eigenen Handlungen gegenüber zu erzeugen, als unmöglich erweisen wird.</p>
<h4>8. Der non‐duale Wille</h4>
<p>Wie Ken Wilber und Allan Combs in Form des berühmten ‚Wilber‐Combs‘‐Rasters gezeigt haben<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-28" id='fnref-2505-28'>28</a></sup>, können ‚non‐duale’ Erfahrungen auf jeder Entwicklungsstufe auftreten, so wie auch jede Entwicklungsstufe ihren eigenen Zugang zur materiellen, zur mentalen und kausalen Ebene der Existenz hat. Einfach gesagt ist dieser Wille non‐dual deshalb, weil er es vermag, diese unterschiedlichen Ebenen – materiell, mental, kausal und non‐dual – zu vereinen.</p>
<p>Es gibt in diesem Sinne also zwei Arten von non‐dualen Erfahrungen. Es gibt einerseits non‐duale Erfahrung <em>im Gegensatz </em>zu den dualen Erfahrungen unseres Alltags. Solche ‚einfachen‘ non‐dualen Erfahrungen können wir beim Sport, in der Spiritualität oder während der Sexualität erleben. Sie sind relativ kurzfristig und heben, auf der Ebene des Denkens, Wahrnehmens oder Handelns die duale Natur unserer Erfahrung auf. Diese Arten von non‐dualen Erfahrungen beziehen sich auf das Wilber‐Combs Raster.</p>
<p>Darüber hinaus gibt es aber auch jene Non‐Dualität, die die Differenz von Dualität und Non‐Dualität überwindet<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-29" id='fnref-2505-29'>29</a></sup>. Solch ‚komplexere‘ Non‐Dualität integriert damit die vier Ebenen materiell, kausal, mental und non‐dual, bringt sie zu einer Einheit und ist damit auch nicht so kurzlebig wie die einfachen nondualen Erfahrungen. Der hier adressierte non‐duale Wille ist der Ausdruck dieser komplexen Non‐Dualität.</p>
<p>Mit jeder Entwicklungsstufe vertiefen wir unsere Erkenntnis dessen, wer wir sind, wie wir operieren, und wie wir überlebe können, hin zu dem Punkt, in jenen Bereich einzutreten, um es noch mal in der Zen‐Formel auszudrücken, wo wir <em>weder geboren</em> <em>sind, noch jemals sterben können</em>. Dieser Punkt ist die Zielstufe aller wahren Weisheitsreligionen und wurde von spirituellen Lehrern und Meistern aller Couleur deutlich hervorgehoben. Hier wird die Differenz von Leben und Tod transzendiert und vereinigt;hier findet der Wille und das Leben seine Erfüllung; hier können wir gleichzeitig handeln und nichthandeln, hier haben wir die Differenz von Selbst und Nicht‐Selbst überwunden. Ja mehr noch<em>, hier haben wir den Gordischen Knoten von Wollen und gleichzeitig nicht‐Wollen zerschlagen</em>. Die Differenz von Handelndem und Handlung verschwindet ebenso wie die zwischen Nicht‐Handlung und Handlung, in der paradoxerweise nichts getan und alles erlangt wird. All dies hängt vor allem damit zusammen, dass der Mensch hier die grundlegenden Schemas von ‚Ich‘ und ‚Selbst‘ als Handelndem, von ‚Zukunft‘, ‚Sinn‘ und ‚Handlung‘ an sich – neben vielen anderen Schemas – dekomponiert und in einer höh‐ eren Form von Ganzheit wieder zusammengefügt hat … ein gewaltiger kognitiver Akt ohne Vergleich, in und durch den die gesamte Erfahrung als ein ungebrochen non‐dualer Strom fließt. Aus dem irdischen Bewusstsein der vorherigen Stufen wird so ein kosmisches Bewusstsein, und aus dem irdischen Willen wird jener kosmische bzw. non‐duale Wille, von dem uns schon Arthur Schopenhauer berichtete:</p>
<blockquote><p>Nicht allein in denjenigen Erscheinungen, welche seiner eigenen ganz ähnlich sind, in Menschen und Tieren, wird er als ihr Innerstes Wesen jenen nämlichen Willen anerken‐ nen; sondern die fortgesetzte Reflexion wird ihn dahin leiten, auch die Kraft, welche in der Pflanze treibt und vege‐ tiert, ja, die Kraft, durch welche der Krystall anschießt, die, welche den Magnet zum Nordpol wendet, die, deren Schlag ihm aus der Berührung heterogener Metalle entge‐ genfährt, die, welche in den Wahlverwandtschaften der Stoffe als Fliehn und Suchen, Trennen und Vereinen erscheint, ja, zuletzt sogar die Schwere, welche in aller Materie so gewaltig strebt, den Stein zur Erde und die Erde zur Sonne zieht, – diese Alle nur in der Erscheinung für ver‐ schieden, ihrem Innern Wesen nach aber als das Selbe zu er‐ kennen, als jenes ihm unmittelbar so intim und besser als alles Andere Bekannte, was da, wo es am deutlichsten hervortritt, Wille heißt.<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-30" id='fnref-2505-30'>30</a></sup></p></blockquote>
<p>Nun ist Erleuchtung, kosmisches oder non‐duales Bewusstsein dieser Stufe etwas, was selbst gestandene Geister wie Sloterdijk aus dem Gleichgewicht bringt. In seiner Kritik der Erleuchtung85 geht Sloterdijk etwa auf die Erleuchtung des „‘Substanz‘ bzw. Geist‐ontologischen Typus“ ein, wie sie „im hinduistischen System“ vorliegt: „Hier wird eine Gleichsetzung zwischen der All‐Seele und der Einzelseele bzw. zwischen dem unendlichen und dem endlichen Intellekt gründlich vollzogen.“ An dieser Fassung wäre an sich nichts auszusetzen, würde Sloterdijk nun nicht plötzlich eine Kehrtwendung vornehmen und ein paar Zeilen später seine Kritik damit begründen, dass der hinduistische Typ der Erleuchtung damit „der Welt mehr Intelligenz und Seele unterstellt, als ihr zukommt.“ Damit vertauscht er plötzlich den „unendlichen Intellekt“ mit „der Welt“, und begeht hiermit einen grundsätzlichen Kategorienirrtum, wo er Erleuchtung plötzlich mit einer Art Animismus gleichsetzt. Nun ist indes das non‐duale oder kosmische Bewusstsein ein psychologisch derart gut untersuchtes Phänomen, das wenig mit Animismus zu tun hat; hier kommt einem die Wilbersche Unterscheidung zwischen prä‐rational und trans‐rational<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-31" id='fnref-2505-31'>31</a></sup> in den Sinn, also der Fehlleistung, globale, undifferenzierte Ganzheitserfahrungen der frühen Entwicklungsstufen als differenzierte und komplexere Ganzheitserfahrungen misszuverstehen. Wie etwa David Loy, selbst Professor für Philosophie und anerkannter Zen‐Lehrer festhält, handelt es sich bei non‐dualem oder kosmischen Bewusstsein eher darum, die Differenzen von Subjekt und Objekt, von Subjekt und Welt im Denken, Handeln und Wahrnehmen zu überkommen, und zwar im Bewusstsein des Individuums. Wie Loy zeigt, sind genau dies die tragenden und übereinstimmenden Säulen der Erleuchtung im Buddhismus, Hinduismus und Taoismus.</p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-8-Der_non-duale_Wille.png" rel="lightbox[2505]"><img class=" " title="Tab. 8: Der non‐duale Wille" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/Tab-8-Der_non-duale_Wille.png" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Tab. 8: Der non‐duale Wille</p></div>
<p>Erwähnenswert ist abschließend noch, dass ‚non‐duales‘ oder ‚kosmisches Bewusstsein‘ strukturelle Begriffe für eine Sache sind, die eigentlich eher prozessual und nicht ohne Einfluss des Willens geschehen, der hier aber nicht mehr als unser eigener Wille in Erscheinung tritt. Kosmisches Bewusstsein ist eine Form unserer Moment‐zu‐Moment Erfahrung, an deren Konstruktion das Individuum ebenso teilhat, wie es realisiert, dass es sich selbst als ‚Individuum‘ eigentlich gar nicht gibt. Wir kommen hier natürlich an die Grenzen des mit Worten Beschreibbaren. Selbst‐ Identität und Selbst‐Identifikation enden, und damit natürlich auch ‚mein‘ Wille; was bleibt, ist, das unendliche phänomenale Spiel der Formen in der Leere zu bezeugen, nämlich als unfassbarer Punkt in einem unendlichen Kosmós.</p>
<h4>Die Spirale des Willens</h4>
<p>Soweit die Entwicklungsstufen des Willens. Ungeachtet dieser strukturell‐hierarchischen Darstellungsform muss berücksichtigt werden, dass der Wille Ausdruck des Prozessaspektes des Bewusstseins ist, der zunehmend komplexer wird und sich in der individuellen Entwicklung zunächst auf Bio‐Sphäre und dann auf die Sozio‐Sphäre bezieht, um schließlich seinen Einflussbereich und sein Wirkungsfeld auf die Psyche und das Bewusstsein selbst auszudehnen. Insofern sind die Stufen natürlich wachsende Emergenzen und keine starren Formen, jede Form geht aus der vorherigen hervor und ist nur durch die vorhergehende denkbar. Zwischenformen des Willens sind zu erwarten, wenn man das Modell höher auflöst und andere Perspektiven anwendet.</p>
<p>Obwohl eine Daimonotechnik in diesem Sinne mit den prä‐konventionellen und konventionellen Stufen vorbereitet wird – wie etwa durch das Leistungs‐Motto: „Üben‐üben‐üben!“ – kann eine Daimonotechnik, die sich immer die Autopoiese des Bewusstseins zunutze macht, erst zur Anwendung kommen mit den post‐konventionellen Stufen, wo nicht nur eine gesteigerte Transparenz interner Prozesse vorliegt, sondern auch die Gesamterkenntnis, dass diese stets in einen evolutionären Prozess eingebettet sind. Wie schon mehrfach gesagt: Der evolutionäre Rückbezug des Bewusstseins auf sich selbst hat stattgefunden. Mit den post‐konventionellen Stufen des Willens differenziert sich damit die Daimonotechnik aus, kann – generell gesagt – auf immer mehr Lebensbereiche und Lebenspraxen angewendet werden, kann der Evolution der Psyche immer mehr Momentum gegeben werden.</p>
<p>Wir können auch anhand dieser Darstellung der Entwicklung des Willens die wunderbare Spirale des Willens selbst beobachten. Der Wille entsteht als reiner Überlebensinstinkt aus einem Zustand relativer und unspezifischer Globalität des Bewusstseins und erzeugt in seinem weiteren Verlauf und Entwicklung zunehmende Differenzierung und höhere Komplexität; mit dem ersten Bio‐Überlebenswillen erzeugt der Mensch die Trennung zwischen Innen und Außen, zwischen Bedürfnis (z.B. nach Nahrung) und der Bedürfnisbefriedigung (wie etwa durch die Mutter). Mit der Unterscheidung von Innen und Außen taucht dann langsam der Sicherheitswille auf mit dem Paradigma, dass Selbst in der Welt zu sichern und ihm Ausdruck zu verleihen. Hier findet das Selbst das Kollektiv, und das Individuum identifiziert seinen Willen mit dem des Kollektivs; es werden Werte entwickelt und Rollenkonzepte. Mit und durch das Kollektiv kann dann eine erste Erziehung erfolgen und der Leistungswille entsteht mit dem Versuch, langfristig Ziele zu erreichen durch Disziplin, Ausdauer, Anstrengung. Hier erscheinen die Ziele, die zum Zeitpunkt des Aufstellens aufgestellt werden, zunächst scheinbar unerreichbar.</p>
<p>Doch einen besonderen Antrieb verleiht, der den Willen selbst auf eine neue Ebene hebt: Plötzlich wird der Wille auf die Bedingungen des Willens selbst angewendet, auf das kreative Moment, auf die Idee von Emergenz und Gipfelerfahrung. An sich ist das eine Emergenz vorher ungekannten Ausmaßes; mit diesem Rückbezug beginnt das Individuum, sich mit den Bedingungen und Prinzipien der Autopoiese selbst auseinanderzusetzen, die die vorherigen Stufen selbst erzeugt hat! Doch hier endet die Spirale des Willens nicht, sondern hier taucht dann der evolutionäre Wille auf, der das Momentum der vorherigen Stufe aufnimmt und auf das ganze Leben überträgt. Die daimonische Begeisterung und Kreativität wird zur Grundlage alltäglicher Existenz …</p>
<p>Wir leben in einer wirklich bemerkenswerten Zeit, einer Zeit, in der sich die Evolution des Geistes zum ersten Mal selbst bewusst wird und wir gemeinsam darüber zu sprechen beginnen. Wir beginnen nicht nur zu verstehen, wie die Psyche und das Bewusstsein operieren und wir Bewusstsein über Bewusstsein erlangen, sondern auch, wie wir zu dem kommen, was wir Erfahrung und Wirklichkeit nennen. Wir stehen an dem Punkt, an dem wir entscheiden können, ob wir unsere Kreativität auf unser gesamtes Leben, jede unserer Lebenspraxen, übertragen und unsere Entwicklung selbst in die Hand nehmen wollen. Während dieser Gedanke – wir erzeugen unsere Erfahrung selbst und können eine geistige Entwicklungsstufe erlangen, die wir der Einfachheit halber ‚Erleuchtung‘ nennen – noch bis vor ein paar hundert Jahren nur den Weisen, den Gurus und Heiligen vorbehalten war, die aufgrund einer spontanen Erlangung oder eines besonderen Trainings zu dieser evolutionären Selbstbewusstheit gelangten, so sind wir sozio‐kulturell an einem Punkt angelangt, an dem wir diesen evolutionären Rückbezug des Bewusstseins auf sich selbst untersuchen können. Systemtheoretiker wie Niklas Luhmann, Allan Combs, Heinz von Foerster oder George Spencer Brown, Psychologen wie Jean Piaget oder Susanne Cook‐Greuter, Philo‐ sophen wie Ken Wilber und Paul Watzlawik, Linguisten wie Alfred Korzybski und Ernst von Glasersfeld, Biologen wie Hum‐ berto Maturana und Fransisco Varela, alle arbeiten an einem immer deutlicher werdenden Bild, wie wir zu dem wurden, wer wir sind, und wie wir diese Kräfte und Mechanismen nutzen können, um aktiv an der Evolution teilzuhaben. Und um mit von Foerster zu sprechen: Hier wird aus dem ‚human being‘ ein ‚human becoming‘<sup class='footnote'><a href="#fn-2505-32" id='fnref-2505-32'>32</a></sup>, ein stets sich im Werden begreifendes menschliches Wesen.</p>
<p>All diese Überlegungen beantworten natürlich nicht die überaus drückende Frage, was genau man tun soll, oder welche Methode oder Beschäftigung man wählen sollte – sei es nur im spirituellen Kontext die Frage: ob man Tai Chi, Qui Gong, Meditation, Body-Cleansing oder Pranayama wählen soll, oder aber im lebensweltlichen Kontext: Was soll man tun, welchen Sinn wählen, mit welchen Menschen verkehren, welchen Job wählen, und allgemein: wie seine Zeit strukturieren? Tatsächlich ist es so, dass es vom Standpunkt der Daimonotechniken relativ egal ist; Evolution kann in allen Lebensformen und Praxen stattfinden. Dennoch muss man herausfinden, was genau man tun will, und dies ist bekanntlich, folgt man Ortega I´Gasset, die schwierigste Aufgabe von allen. Und doch kann man hier nur anraten, seinen eigenen Genius, also diejenige okkulte wie numinose Instanz in uns, zubefragen, deren Stimme uns, in den Stunden der Ruhe, der Meditation und manchmal im Traum, unser Schicksal und unseren Willen weist. Zugang zu diesem Genius zu erhalten und Rat zu empfangen auf die Frage: Was genau soll ich tun? – auf diese Frage bieten die Traditionen ausreichend Antworten und Methoden. Und es ist nicht nur die schwierigste Frage, sondern meines Erachtens auch die wichtigste Frage. Denn letztlich geht es in unserem Leben um nichts anderes: nämlich zu wissen, warum man morgens aufsteht, und was man den Rest seines Lebens tun will.</p>
<p><em>Aus dem Buch »Entwicklung als Passion«, erschienen im <a href="http://www.phaenomen-verlag.de/" target="_blank" rel="external nofollow">Phänomen-Verlags</a>, 2011.</em></p>
<div class='footnotes'>
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<ol>
<li id='fn-2505-1'>Amarque, Tom; Der Wille, 2009. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-2'>Und natürlich wie bei der Entwicklung der Liebesfähigkeit und der ‚zunehmenden Umarmung‘ des emotionalen Bereiches des Selbst. Sie etwa die Arbeiten von Carol Gilligan. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-3'>Vgl. Wilber, Ken, Integrale Psychologie, 2000. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-3">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-4'>Jaspers, Karl, <em>Existenzerhellung</em>, S. 150; 1973. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-4">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-5'>Cook Greuter, Susanne, <em>9 Stufen zunehmenden Erfassens</em>, S. 8, 2007. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-5">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-6'>Vgl. Peter Sloterdijk<em>, Zorn und Zeit</em>, 2006 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-6">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-7'>Tatsächlich kann das Kollektiv aber auch das globale Dorf sein, eine Tatsache, die darauf hinzeigt, dass nur weil man in einer post‐modernen Kultur aufgewachsen ist, noch lange nicht post‐modern oder post‐konventionell sein muss, sofern man den Willen des Kollektivs als Identitätsdeterminante nimmt … eine Tatsache auf die Wilber mehrfach hingewiesen hat in der Erkenntnis, dass ein Großteil der 60er‐Jahre‐Hippies eben nicht post‐konventionell waren, sondern konformistisch‐konventionell. Vgl. Wilber, <em>Boomeritis</em>, 2009. Auch wird hieran ersichtlich, dass die sogenannte <em>Nettiquette </em>und <em>political correctness </em>keine Errungenschaft eines postmodernen‐postkonventionellen Willens ist, sondern eines konformistisch‐konventionellen! <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-7">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-8'>Man vergegenwärtige sich nur, dass sich Unmengen von Frauen im Mittelal‐ ter bei der Inquisition selbst anzeigten, weil sie von Schuldgefühlen geplagt waren, vgl. Oswald Sprenglers <em>Untergang des Abendlandes</em>, S. 912, 2007. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-8">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-9'>A.a.O.. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-9">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-10'>In der Bedeutungsverwendung von Richard Dawkins und Susan Blackmore. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-10">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-11'>Wie Susanne Cook‐Greuter hervorhebt, glauben solche Leistungsmenschen der ‚Selbst‐bewussten‘‐ Stufe, an die Vervollkommnungsfähigkeit des Menschen. S. a.a.O., S.18. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-11">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-12'>Vgl. Cook‐Greuter, Susanne, a. a. O.; S. 18. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-12">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-13'>Vgl. Amarque, Tom, Wie wir wurden, wer wir sind, 2010. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-13">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-14'>A.a.O., S. 144. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-14">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-15'>Vgl. Tom Amarque, <em>Wie wir wurden, wer wir sind</em>, S. 83, 2010. Hier stelle ich als eines der Kennzeichen der Postmoderne die Aufgabe des descartschen, objektiven Beobachterstandpunktes zugunsten einer mehr relativen und subjektiven <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-15">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-16'>A.a.O. S. 24. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-16">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-17'>A.a.O. . S. 69. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-17">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-18'>Vgl. Lovelock, James, <em>Gaia</em>, 1992. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-18">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-19'>Vgl. Wilber, Ken, <em>Halbzeit der Evolution</em>, 1996. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-19">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-20'>Die KI und der Versuch, das Bewusstsein künstlich zu erzeugen, spiegelt einen weiteren Aspekt dessen, wie die Postmoderne wissenschaftliche Forschung beein‐ flusst. Einerseits ist KI nicht denkbar ohne den postmodernen Interessenschwer‐ punkt ‚Bewusstsein‘; andererseits stellt es einen wissenschaftlichen Versuch dar, auch hier das Leben zu verlängern. Der KI‐Pionier Ray Kurzweil etwa prognostiziert, dass um 2050 die KI eine derartige Komplexität haben wird, dass wir unser Bewusstsein darin einspeisen können! Vgl. Ray Kurzweil<em>, The Singularity is near</em>, 2006. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-20">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-21'>Vgl. Cook‐Greuter, a.a.O. S. 27. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-21">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-22'>A.a.O. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-22">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-23'>Frankena, Wilhelm, Analytische Ethik, S. 32., 1994. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-23">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-24'>Frankena, William, <em>Analytische Ethik</em>, S. 37, 1994. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-24">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-25'>Vgl. William Frankena, A.a.O. S. 56. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-25">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-26'>Der Religionsforscher Mircea Eliade geht explizit auf diesen Punkt ein, Vgl. <em>Yoga</em>; S. 94, 2004. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-26">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-27'>A.a.O.; S. 31. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-27">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-28'>Vgl. z.B. Combs, Allan, <em>Die Psychologie des menschlichen Bewusstseins</em>, 2011. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-28">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-29'>Vgl. Loy, David. A.a.O. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-29">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-30'>Schopenhauer, Arthur, <em>Die Welt als Wille und Vorstellung</em>, S. 163, 1991. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-30">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-31'>Vgl Wilber, Ken, Eros Logos, Kosmos, S. 259. 1996. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-31">↩</a></span></li>
<li id='fn-2505-32'>Vgl. Heinz von Foerster, KybernEthik, 1993. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2505-32">↩</a></span></li>
</ol>
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