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	<title>OpenMindJournal &#187; Philosophie</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Kultur und Change</description>
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		<title>Denken schafft Kultur!</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Mar 2013 14:54:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
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		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Lebendiges Denken und die Kultur des Lebens Die inzwischen 7. spirituelle Herbstakademie in Frankfurt wird sich im Oktober einem Thema widmen, das Anthroposophen schon immer ganz besonders beschäftigte: das „lebendige Denken“. Was ist mit diesem Übergangs-Feld zwischen Rationalität und höherer Erfahrung gemeint? Wie gehen Anthroposophen damit um? Unsere Autorin, die als Referentin auf der Herbstakademie [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Lebendiges Denken und die Kultur des Lebens</h2>
<p><em>Die inzwischen 7. spirituelle Herbstakademie in Frankfurt wird sich im Oktober einem Thema widmen, das Anthroposophen schon immer ganz besonders beschäftigte: das „lebendige Denken“. Was ist mit diesem Übergangs-Feld zwischen Rationalität und höherer Erfahrung gemeint? Wie gehen Anthroposophen damit um? Unsere Autorin, die als Referentin auf der Herbstakademie mitwirken wird, gibt eine persönliche Antwort.</em></p>
<div id="attachment_5656" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/556936_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5653]"><img class=" wp-image-5656  " title="Denken schafft Kultur" alt="Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/556936_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_-221x300.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Rainer Sturm / pixelio.de</p></div>
<p>Auf der diesjährigen Herbstakademie zum Thema Denken und Spiritualität zu sprechen und im Vorfeld darüber zu schreiben, ist eine Herausforderung für mich. Ich bin schon einige Male gescheitert. Es gibt zu vieles, wo ich mir nicht sicher bin, wo ich nicht auf die Rückstände früherer Denkprozesse zurückgreifen kann, sondern nur auf meine offenen Fragen. Die letztlich immer wieder auf die eine Frage zulaufen: Was ist denn überhaupt Denken?</p>
<p>Die meisten Anthroposophen würden sich der Frage wohl über die Philosophie-Geschichte nähern. Da fühle ich mich nicht wirklich kompetent, und deshalb nehme ich zum Ausgangspunkt die Konstellation der Herbstakademie: die drei beteiligten Strömungen – also die von Andrew Cohen geführte Bewegung EnlightenNext, Ken Wilbers integrale Bewegung, und Steiners Anthroposophie. Wie denken diese Strömungen? Und wo darin stehe eigentlich ich selbst?</p>
<p>Ich erinnere mich an Gesprächsgruppen und Telefonrunden, die EnlightenNext in Deutschland anbietet und an denen ich immer wieder teilnehme. Denken spielt da eine große Rolle. Denkend versuchen wir in diesen Gesprächen, eine spirituelle Erfahrung zum Ausdruck zu bringen. Ob es um Nondualität, also um Nicht-Getrenntheit und Einheit geht oder um den evolutionären Impuls: Kann ich meine Erfahrung davon so beschreiben, dass sie in meiner Beschreibung authentisch zum Ausdruck kommt? Das Setting ist zumeist so, dass die Teilnehmer eine zumindest anfängliche Erfahrung haben von dem, worum es geht. Das Denken dient dabei nicht dazu, jemanden argumentativ zu überzeugen und auch nicht dazu, eine sinnvolle Theorie aufzustellen, sondern es dient der Bewusstmachung und dem Austausch eigener spiritueller Erfahrungen. Das ist nicht irrational – wir verstehen uns ja gegenseitig. Aber so ganz normal rational ist es auch nicht. Es ist so etwas wie ein anderer Aggregatzustand des Denkens.</p>
<h4>Denkende Verständigung und Integration</h4>
<p>Dann sind da die Integralen, die sich an Ken Wilber orientieren. Sie denken multiperspektivisch und eben integral. Ihr Denken ermöglicht Verständigung zwischen verschiedenen Ansätzen, denn die Implikationen und Wertsetzungen des jeweiligen Ansatzes werden aufgedeckt. Ob ich den Menschen materialistisch anschaue oder spiritualistisch, beides ist berechtigt, weil es einfach verschiedene Perspektiven sind. Die Integralen setzen die Aufklärung fort, sie systematisieren und ordnen und vergleichen, sie geben das Denken einfach nicht auf. Es geht ihnen, vielleicht im Unterschied zur Aufklärung, weniger um das Herausfinden einer absoluten Wahrheit als um die Integration vieler Wahrheiten, und so führen sie das Denken unbeirrt durch die Postmoderne hindurch in eine spirituellere Zukunft.</p>
<p>Wenn ich bei EnlightenNext mitdenke, so ist das, worüber wir sprechen, anwesend. Das Denken ist nicht abstrakt, denn es ist eben zuallererst Ausdrucksmittel für eine Erfahrung, die außerhalb des Denkens gemacht wird, die das Denken aber einzufangen in der Lage ist. Ich bin immer wieder berührt von der existentiellen Dichte, die solche Gespräche haben, von der Tiefe, die dieses Denken erschließt; der Reiz der Gespräche liegt im Bewusstmachen der Erfahrung, nicht in der gedanklichen Brillanz und Reichweite, mit der diese Erfahrungen beschrieben oder eingeordnet werden.</p>
<p>Wenn ich Ken Wilber lese oder den Diskursen seiner Schüler folge, dann bin ich fasziniert von der Stringenz, von der inneren Logik und von der großen Reichweite, die dieses Denken abdeckt. Es gibt mir Sicherheit, so wie mir eine Landkarte eben Sicherheit gibt im unwegsamen Gelände. Ich habe Freude daran, so wie ich am Beweis der Winkelsumme im Dreieck Freude habe oder am Durchdenken des Kopernikanischen Weltsystems, das mir schließlich auch erhellt, warum zum Beispiel die Sonne sich auf der Südhalbkugel andersherum um die Erde dreht. Aber Fragen, die über das Systematisieren und Ordnen hinausgehen, die werde ich mit diesem Denken nicht beantworten können. Wie vollzogen sich in der Evolution die Sprünge vom Mineralischen zum Lebendigen, vom Lebendigen zum Beseelten, vom Beseelten zum Selbstbewussten? Wie ist der Zusammenhang zwischen Seele und Körper? Was ist der Sinn der Evolution? Es gibt Konzepte und Modelle, aber keine Anschauungen und Erfahrungen, die auch auf diesen Gebieten zu einer erlebten Evidenz führen können.</p>
<h4>Abstraktes Denken zwischen Freiheit und Beliebigkeit</h4>
<p>In den letzten Jahrhunderten, seit der Aufklärung mit ihrem Wahlspruch „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist das Denken immer abstrakter geworden. Die auf Wahrheit und innere Stimmigkeit gerichtete Erkenntnis– und Erfindungslust der Aufklärung ist einem pragmatischen und technisch orientierten Denken gewichen. Wir können ohne Begeisterung denken, ohne innerlich mit dem, worüber wir denken, verbunden zu sein. Vielleicht ist dies am deutlichsten bei der Technik zu sehen. Wer würde Atomkraftwerke oder Computer erfinden, wenn sich die Prozesse, die in diesen Technologien herrschen,  auch im Denkenden abspielen würden? Auch das moralische Empfinden wird vom Denken nicht berührt. Ein Gedanke mag noch so klar sein, aber er trägt keine moralische Anweisung mit sich. Diese Abstraktheit des Denkens bildet die Grundlage unserer Freiheit. Die Welt, auf die sich unser abstraktes Denken richtet, ist außerhalb von uns, unabhängig von uns, statisch, materiell – so jedenfalls wird die Welt weithin immer noch gedacht, auch wenn manche Wissenschaften längst etwas anderes erzählen. Abstraktes Denken, eine statische, äußere, „tote“ Welt und unsere Freiheit gehören zusammen.</p>
<p>Aber in den letzten Jahrzehnten, in der Postmoderne, beginnt dieses abstrakte Denken über die Stränge zu schlagen. Denken wir eigentlich noch selbst, folgen wir ihm noch, diesem Wahlspruch der Aufklärung? Lassen wir nicht längst andere für uns denken, nun nicht mehr die Kirche, die uns sagt, was gut und böse ist, oder die Vorfahren, die Beruf und Ehepartner bestimmten, sondern „die Wissenschaft“ oder „den Computer“ – und manchmal vielleicht auch Rudolf Steiner, Andrew Cohen oder Ken Wilber? Wie oft haben wir noch den Wunsch, etwas wirklich zu verstehen? Geben wir uns nicht sehr schnell mit isoliertem Faktenwissen zufrieden, kapseln uns, so vernetzt wir auch immer sein mögen, ein in Meinungen und Vorurteile, in die Rückstände der Denkleistungen anderer?</p>
<p>Das abstrakte Denken schlägt auch über die Stränge, indem es sich des Lebendigen bemächtigt. Gentechnik am Menschen und in der Landwirtschaft – obwohl das abstrakte Denken doch eigentlich nur das Tote am Lebendigen erfasst, nur die Stoffe und die mechanischen Prozesse, nicht aber die Rhythmen, Synchronien, Formwandlungen und Entwicklungen des Lebendigen. Abstraktes Denken isoliert, zerfällt, trennt, vereinzelt – das, worüber es nachdenkt ebenso wie den Denkenden. Dieser Zusammenhang ist frappierend. In der Art des Denkens spiegelt sich die geistige Situation der Menschheit: je abstrakter, je wirklichkeitsferner das Denken wird, desto abstrakter und wirklichkeitsferner werden die Denkenden.</p>
<h4>Leben ist Spannung zwischen Polaritäten</h4>
<p>Das Abstrakte und Vereinzelnde am Denken ist dann aber doch nur die eine Seite. Die unbelebte Materie hat von sich aus immer die Tendenz, in ihre Einzelteile zu zerfallen. Im Lebendigen aber steht eins mit dem anderen und mit allem im Zusammenhang. Und solch ein lebendiger Zusammenhang ist nicht linear, nicht logisch-eindeutig geordnet und differenziert, sondern – eben lebendig. Im Lebendigen gibt es Wachstum <em>und</em> Zerfall, Frühling <em>und</em> Herbst, Kontinuität <em>und</em> Wandel, Zufall <em>und</em>Gesetz – und all das trägt sich gegenseitig, sinnig, kraftvoll, Schönheit stiftend.</p>
<p>Und so muss auch das Denken lebendig werden, wenn es seine Tendenz zum Zerfall überwinden will. Es muss selbst lebendig werden, die Spannung zwischen den Polaritäten halten, im Prozess bleiben können. Im Lebendigen kann ich mich nicht mehr in die Rückstände des Denkens einmauern und mein Sondersein pflegen. Im Lebendigen muss ich mitmachen.</p>
<p>Steiner war der Überzeugung, dass die Welt aus Gedanken aufgebaut ist. Dass das eigentliche Wesen des Denkens noch viel mehr ist: nicht nur lebendig, sondern auch beseelt und schöpferisch, ja, ganz real schöpferisch. Das, was in mir als Gedanke auftritt, das ist der letzte Rest, der Schatten, die Fußspur einer Realität, die die Welt in all ihrer Vielgestaltigkeit geschaffen hat. Am Anfang war der Gedanke. Und der Gedanke war Gott, und der Mensch war in dem Gedanken. Und nach und nach schuf der Gedanke die Welt in all ihrer Differenziertheit und in ihr einen Menschen, der diese Welt denken kann. Was wir als Denken in uns haben, das ist gleicher Art mit dem, was die Welt geschaffen hat und sinnvoll konstituiert. Selbstverständlich ist dieses schöpferische Denken des Anfangs ganz anderer Art als unser strohernes Alltagsdenken. Letzteres verhält sich eben zu Ersterem wie eine Fußspur zu dem, der sie hinterlässt.</p>
<p>Magisches und mythisches Denken, die waren noch näher an diesem Urzustand des schöpferischen Denkens. Aber das steht uns heute nicht mehr zu Gebote. Steiner war sich über die Gefahren der Prä-Trans-Verwechslung mehr als klar. Denn er schätzte die Freiheit, die das abstrakte Denken mit sich gebracht hatte. Nur von dort aus kann das lebendige Denken gefunden werden. Es muss in dem toten Denken etwas geben wie einen Keim, einen Samen, dem man das Lebendige nicht ansieht, der aber aufgeht und sich entwickelt, wenn er die richtigen Entwicklungsbedingungen findet.</p>
<p>Aktivierung des Denkens, so beschrieb Steiner diese Entwicklungsbedingungen, und er nannte das auch Meditation.<sup class='footnote'><a href="#fn-5653-1" id='fnref-5653-1'>1</a></sup> Raus aus den Rückständen, raus aus dem isolierten Wissen. Wirklich denken, selber denken, Zusammenhänge denken. Der eine kann das besser an der Mathematik: Er wird die Winkelsumme im Dreieck solange beweisen, bis das Durchdenken des Zusammenhanges die blitzartige Einsicht freigibt. Der andere am Lebendigen: Er wird den Gestaltwandel der Blattfolge einer Wiesenpflanze immer und immer wieder nachvollziehen. – Der Dritte schließlich, indem er Steiners Werke studiert (aber nicht wieder nur totes Wissen aufnehmend oder gar Mythen darin sehend, sondern aktiv mitdenkend den Gedanken suchend, der bei Steiner immer da ist) – und der Vierte, indem er beim Meditieren seine Aufmerksamkeit als solche verstärkt. Hauptsache, wir entdecken die Kraft, die im Denken lebt und bringen diese Kraft selber auf. Stürzen nicht ab in die Vereinzelung, in die bequeme Sicherheit des Toten. Bleiben denkend wach, weil wir gelernt haben, uns im Denken zu halten, auch da, wo uns das Denken keine Sicherheit bietet, sondern ein lebendiger Prozess einfach immer weiter geht.</p>
<p>Und dann wird das Denken lebendig, bildsam, es umwächst sein Thema und nimmt es auf und bringt es zum Ausdruck.</p>
<p>Das abstrakte Denken hat unsere ganze neuzeitliche Kultur gebildet. Das lebendige Denken wird eine neue Kultur bilden, die so verschieden sein wird von der heutigen wie die Aufklärung vom Mittelalter. Es wird einen anderen Wissenschaftsbegriff geben, und Moral und Denken werden nicht mehr so weit voneinander entfernt sein, ebenso wenig wie der Denkende von dem, worüber er denkt. Wir werden uns nicht mehr raushalten können. Die Welt wird sich total verändern. Sie wird eben keine tote mehr sein, die wir mit unserem Denken systematisieren, sondern eine lebendige, an der wir als Lebendige beteiligt sind. Aber wir können uns das nicht ausdenken, wir können nicht wissen, wie das werden wird oder schon anfängt zu werden, aus Prinzip nicht, der Freiheit wegen. Wir können nur darauf zugehen, lebendig entwickelnd, zum Ausdruck bringend, wachsend. Und dabei entsteht sie, ja vielleicht ist sie das schon, diese neue Kultur, und wir staunen.</p>
<h4>Denken und Fragen</h4>
<p>Habe ich jetzt gedacht? Ich finde schön, wie Wilbers integral Bewegte und EnlightenNext und die Anthroposophie diese neue Welt und diese neue Kultur von verschiedenen Seiten ansteuern. So wird die Freiheit gewahrt, ein kultureller Übergang geschaffen, das Lebendige übend ausgebildet und die Aufgabe des Ganzen im Blick behalten und immer wieder zum Ausdruck gebracht. Liegt so vielleicht etwas vom integralen Denken in diesen Überlegungen? Habe ich das, worum es geht, zum Ausdruck gebracht, war es anwesend, wenigstens für jene verständlich, die die gleichen Erfahrungen mit dem Denken gemacht haben? Und sind diese Seiten etwas Lebendiges geworden, ein Organismus, der wächst und wieder vergeht, der differenziert ist und doch ein innerer Zusammenhang?</p>
<p>Denken beginnt mit Fragen. Und man weiß vorher nicht, wo man landet. Endet es auch mit Fragen? Vielleicht gehört das zum Lebendigen dazu.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/magazin/info3/archiv/2012/juni/denken-schafft-kultur/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Juni 2012</a></em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-5653-1'>„Er muss sein Denken aktivieren. Ich habe nach einem alten Gebrauch dieses Aktivieren des Denkens ‚Meditation’ genannt.“ Paris, 26.5.1924, in: Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie? (GA 84) <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5653-1">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Die Wissenschaftler und die Transzendenz</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/12/28/die-wissenschaftler-und-die-transzendenz/</link>
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		<pubDate>Fri, 28 Dec 2012 19:53:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mystik und Wissenschaft, Ost und West tun sich auch heute noch schwer miteinander Er hätte ein guter Wissenschaftler werden können, vom Elternhaus und der Begabung her deutete alles darauf hin. Dann aber ging er nach Osten, wurde Mönch und kam als Sannyasin zurück. Ein persönlich-biografischer Blick auf die beiden Seiten, die sich so schwer tun, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Mystik und Wissenschaft, Ost und West tun sich auch heute noch schwer miteinander</h2>
<p>Er hätte ein guter Wissenschaftler werden können, vom Elternhaus und der Begabung her deutete alles darauf hin. Dann aber ging er nach Osten, wurde Mönch und kam als Sannyasin zurück. Ein persönlich-biografischer Blick auf die beiden Seiten, die sich so schwer tun, zusammenzukommen: die Weisheit des Ostens und die Wissenschaft des Westens.</p>
<div id="attachment_5559" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class=" wp-image-5559 " style="margin-left: 10px;" title="Wissenschaft und Transzendenz" alt="" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/12/597314_web_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio.de_-300x225.jpg" width="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Gerd Altmann / pixelio.de</p></div>
<p>Als 16-jähriger durfte ich ab und zu am »Leib-Seele-Kolloquium« der Max-Planck-Institute Seewiesen teilnehmen, wo Naturwissenschaftler sich zu philosophischen Themen äußerten. Konrad Lorenz, ein Kollege meines Vaters, war einer von ihnen, auch Carl Friedrich von Weizsäcker war ab und an dabei. Es waren gute Naturwissenschaftler, aber ihre Aussagen über Leib und Seele überzeugten mich nicht. Da gab es zum Beispiel die ethischen Fragen (Was ist gut? Was sollen wir tun?), die in mir brannten. Dazu konnte keiner von diesen Forschern etwas mir Einleuchtendes sagen. Auch Lorenz‹ »Das sogenannte Böse« erschien mir nur als Annäherung an einen Lösungsansatz, den aber keiner so richtig anpacken wollte. Und dann die Frage, wie überhaupt etwas etwas anderes darstellen könnte und in welchen Formen das geschehen könnte und welche davon sinnvoll sind und welche nicht, alles das blieb ungelöst, kaum dass einer überhaupt diese Fragen stellte, die ich als noch viel fundamentaler empfand als all die alten Fragen zum Verhältnis von Geist und Materie, die hier mit der zu den Naturwissenschaftlern passenden Ironie, als »Leib und Seele«-Probleme bezeichnet wurden.</p>
<p>Zwei Jahre später begann ich das Studium der Physik, gefolgt von »Wissenschaftstheorie und Logik«. Vier Jahre lang an der Uni München (LMU), die heute als deutsche Elite-Uni gilt. Das Studium präzisierte meine Fragen und schürte meine Hoffnung auf Antworten, oder wenigstens Methoden zu finden, mit denen ich hoffnungsvoll nach Antworten würde suchen können. Ich fand jedoch keine und brach deshalb 1975 zu meiner zweiten Indienreise auf, getragen von der Ahnung, dass ich dort etwas erfahren würde, das mir keine westliche Universität bieten könnte.</p>
<h4>Annäherung unter den Koryphäen</h4>
<p>Auch heute noch interessiert mich brennend, in welcher Weise Wissenschaftler sich den religiösen Fragen annähern und wie religiöse Menschen – zum Beispiel der Dalai Lama – mit wissenschaftlichen Themen umgehen. Für beide Kontrahenten in diesem alten Konflikt, für die Partei der Religiösen ebenso wie die der Wissenschaftler, ist es ja sehr leicht, auf der Seite des jeweiligen Gegners einen Dummen zu finden, ihn als typischen Vertreter dieser Weltanschauung zu bezeichnen und ihn dann genüsslich auseinander zu nehmen. So knöpfen sich spirituelle Menschen gerne einen Materialisten vor, der an nichts anderes »glaubt« als an Materie und meinen, damit Schulmedizin, Naturwissenschaft und am besten auch gleich die ganze westliche Weltanschauung als große Verirrung enttarnt zu haben. Und die Vertreter des vermeintlich aufgeklärten Westens nehmen religiöse Fundamentalisten und verirrte Esoteriker als passende Beispiele dafür her, dass Religion an sich, im weiteren Sinne alle Metaphysik, eine sichere Reise in den persönlichen Wahnsinn und den zivilisatorischen Ruin bedeute.</p>
<p>Erfolgversprechender ist es jedoch, wenn man sich einigen ausgewählten Koryphäen der beiden Seiten zuwendet und dort nach Verbindungslinien und Berührungspunkten sucht. Etwa Carl Friedrich von Weizsäcker, der 1969 am Grab des Ramana Maharshi ein mystisches Erlebnis hatte (in <em>Connection </em>11/12 2012 auf S. 31/32 wörtlich zitiert). Oder Dag Hammarskjöld, der von 1953 bis zu seinem Tod 1961 Generalsekretär der UNO war, er war ein heimlicher Mystiker, erst nach seinem Tod wurde das durch seine Tagebücher bekannt (»Das mystische Erlebnis ist jederzeit: hier und jetzt. In Freiheit, die Distanz ist, in Schweigen, das aus Stille kommt«). Oder Einstein, dieser geniale Wissenschaftler, Mystiker und Humorist, ich könnte ihn endlos zitieren: »Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind« (Wer ihn kennt, weiß, dass er damit die Mystik meinte). »Zeit ist das, was man an der Uhr abliest«. »Der gesunde Menschenverstand ist nur eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.« »Seit die Mathematiker über die Relativitätstheorie hergefallen sind, verstehe ich sie selbst nicht mehr«. »Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom«. »Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings«.</p>
<p>Und nun, ganz offiziell einer »von der religiösen Seite«, der weltweit am meisten verehrte lebende Weise, der Dalai Lama; er ließ im September 2012 über Facebook verkünden: »Mit ihrer Betonung auf Liebe, Mitgefühl, Toleranz und Verzeihen können alle großen Religionen der Welt innere Werte fördern, und sie tun es auch. In der Realität der heutigen Welt aber ist diese religiöse Begründung von Ethik nicht mehr adäquat. Deshalb bin ich immer mehr davon überzeugt, dass die Zeit gekommen ist einen Weg zu finden, wie wir über Spiritualität und Ethik ganz jenseits von Religion nachdenken können.«</p>
<h4>Der Mensch als ethisches Wesen</h4>
<p>Zunächst mal zum Thema Ethik. Viele Menschen glauben, dass die Einbettung in eine religiöse Weltanschauung nötig ist, um aus einem Menschen einen guten Menschen zu machen. Ohne eine solche Einbettung »macht er, was er will«. Mit einer solchen aber fürchtet er sich in irgendeiner Anderswelt (z.B. der christlichen Hölle) oder durch sonst eine jenseitige, von ihm nicht manipulierbare Instanz (Karma) bestraft zu werden und tut deshalb Gutes. Es ist aber mittlerweise erwiesen, dass atheistische und unreligiöse Menschen nicht weniger mitfühlend, hilfsbereit oder sonstwie im ethischen Sinne gut sind als andere. Für die Belohnung oder Bestrafung unserer Taten braucht es also keine andersweltliche Instanz. Dass die Päpste im Mittelalter Ganoven, die katholische Inquisition grausam und die missionierende Kolonisation Europas in den eroberten Gebieten kultur– und menschenverachtend war, bleibt dem unbenommen, ebenso wie die Tatsache, dass die größten Schlächter des 20. Jahrhunderts (Hitler, Stalin und Mao) Atheisten waren oder zumindest (im Falle von Hitler) keine im traditionellen Sinne religiösen Menschen.</p>
<p>Das Thema des ethisch guten Handelns bleibt jedoch noch immer mit dem zu versöhnen, wie Darwin den Menschen als ein evolutionär geformtes Lebewesen beschrieben hat. Den berühmten Darwinschen »Kampf ums Dasein« (in Darwin’s O-Ton: <em>survival of the fittest</em>) der Tiere und menschlichen »Wilden« dem angeblich besseren moralisch-ethischen Verhalten des zivilisierten Menschen gegenüber zu stellen ist eine wissenschaftlich nicht haltbare, gleichwohl massentaugliche Kitschversion der ethischen Grundfrage. Wer genauer hinsieht stellt nämlich fest, dass es auch unter Elefanten, Delphinen, Primaten und Wölfen Altruismus und soziales Handeln gibt – unter »den Wilden« (Menschen) sowieso, die sollte man allerdings auch nicht idealisieren.</p>
<h4>Alle Philosophie ist Sprachphilosophie</h4>
<p>Und dann die Sprache. Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie ist seit dem 20. Jahrhundert (Russel, Wittgenstein, Popper) hauptsächlich Sprachphilosophie im weiteren Sinne. Wobei der Sinn vielleicht noch nicht weit genug gefasst wurde: Auch jede Geste ist ein sprachliches Zeichen, und damit auch jede Form, die ein menschlicher Körper einnehmen kann, der von einem anderen wahrnehmungsfähigen Wesen gesehen wird. Womit wir nicht nur bei der Körpersprache, die meist viel zu eng verstanden wird, sondern auch bei Beuys‹ sozialer Skulptur wären. Und noch weiter: beim Schweigen, bei der Stille als Abwesenheit von sprachlicher Kommunikation. Wobei man ja »nicht nicht kommunizieren« kann, wie Watzlawick so treffend sagte, also kommuniziert auch die Stille etwas. Um mit Spiritualität und Mystik nicht gleich Engel, Reinkarnation und Erleuchtungsblitze assoziieren zu müssen, was jeden wissenschaftlich gebildeten Menschen befremdet, könnten wir diese Begriffe z.B. so definieren: Mystik (oder auch Spiritualität) ist das, was die Stille kommuniziert. Sprache wäre demnach nur dann spirituell bzw. mystisch, wenn sie die Stille umkreist und nicht, wenn sie »etwas sagt«.</p>
<p>Jedenfalls ist auch die Sprachphilosophie ein Gebiet, auf dem sich Wissenschaft und Religion widerspruchsfrei begegnen können, wenn denn die Religion erkennt, dass alle religiösen Mythen (alle Gesetze und Gebote und Heilige Schriften und Einweihungen und Heiligsprechungen usw.) sprachliche Konstruktionen sind, die tranceinduzierend wirken und als solche das Bewusstsein verändern – leider überwiegend nicht ausweitend sondern einschränkend, einen Wahrnehmungstunnel erzeugend. Und die Wissenschaft muss sich der Herausforderung der logischen Antinomien stellen, die ein sprachphilosophisches Problem sind, das Ende des 19. Jahrhunderts einigen Mathematikern dämmerte. Betrand Russell, für viele der größte Philosoph des 20. Jahrhunderts, brachte dieses Problem schier zur Verzweiflung – nach eigener Aussage widmete er ihm die besten Jahre seines Lebens (1900 bis 1913) und gab dann auf. Den Wissenschaftstheoretikern und analytischen Philosophen des 20. Jahrhunderts, die in seinen Fußstapfen wandelten (z.B. Wittgenstein) erging es nicht viel besser: Noch immer sind diese Widersprüche in den Grundlagen der Naturwissenschaften nicht befriedigend gelöst.</p>
<h4>Nano– und Mesobereich</h4>
<p>Das Problem der logischen Antinomien zu lösen impliziert einen neuen Umgang mit der Subjekt-Objekt Beziehung. Mit dem heute so beliebten Hinweis auf die Unschärferelation der Quantenphysik ist das allerdings nicht getan, denn die regiert den Nanobereich. In diesem Bereich des Allerkleinsten spielt unsere Wahrnehmung eine ganz andere Rolle als im Mesobereich, dem der mittleren Größenordnung, für den unsere Sinnesorgane gemacht sind. Genau genommen sind Begriffe und die Idee, dass es Dinge gäbe, nur mehr oder weniger nützliche Fiktionen. Dabei ist die These, dass es Protonen und Elektronen gibt, eine viel gewagtere als die, dass es Steine, Äpfel und Sonnenuntergänge gibt. Für den Mesobereich hebt die Unschärferelation den Sinn der Subjekt-Objekt Trennung so wenig auf wie die Kernphysik das Newtonsche Graviationsgesetz aufhebt. Der Apfel fällt noch immer vom Baum und die Erde umkreist die Sonne, genau so, wie Newton das in seinem Gravitationsgesetz beschrieb, obwohl im Inneren der Atome ganz andere Kräfte regieren.</p>
<p>Mit der Quantenphysik sind wir in einem Bereich angekommen, mit dem sich der Normal-Esoteriker von heute sehr gerne tummelt, weil sie seinem Weltbild irgendwie zu entsprechen scheint. Was noch Einstein nicht verstehen wollte oder konnte, scheint den Esoterikern von heute kein Problem mehr zu bereiten. Das Ergebnis ist aber nicht Wissenschaft, sondern Wissenschaftskitsch. Die Aussagen dieses Genres sind so wenig falsch wie Plüschherzen und Gartenzwerge, sie sind aber auch nicht richtig und jedenfalls nicht wissenschaftlich.</p>
<h4>Religionskitsch</h4>
<p>Und so wie man das Gerede der Esoteriker von heute über die Quantenphysik zum größten Teil als Wissenschaftskitsch abtun kann, so ist die These, das Esoterik überwiegend Religionskitsch ist, auch nicht von der Hand zu weisen. Die Thesen der Esoterik sind nicht dümmer als das meiste, was die Religionen zu bieten haben, aber sie kommen vielfach so wohlmeinend, blauäuig und individuell zusammengebastelt daher, dass es auch hier kaum Sinn macht, dazu eine Gegenmeinung zu bilden. »Es ist nicht einmal falsch« sagen Wissenschaftstheoretiker gerne mit einem Schmunzeln über das, was entweder so diffus (»Alles ist Energie«) oder tautologisch (»Es ist, was es ist«) formuliert ist, dass es nicht einmal falsifiziert werden kann. Wenn es wenigstens schön ist, kann man es poetisch nennen – dafür haben auch Hardcore-Wissenschaftler durchaus Sinn, die sind ja mehrheitlich keineswegs Materialisten, sondern Musikliebhaber von Kunst Begeisterte.</p>
<p>Wenn denn Esoterik Religionskitsch ist, warum wirken die Religionen auf uns dann nicht kitschig, obwohl ihre Mythen, wissenschaftlich betrachtet, auch nicht besser sind? Weil sie alt sind; je älter desto ehrwürdiger. So geht es uns ja auch mit den Produkten unserer Warenwelt: Das ganz Neue ist modisch aktuell, das interessiert uns. Nach ein paar Monaten oder Jahren aber ist es »von gestern« und nichts mehr wert. Erst wenn es Oldtimer– oder Antiquitäten-Status erreicht hat, ist es wieder wertvoll. Die Gemüseraspel meiner Oma bringt auf dem Flohmarkt kaum mehr einen Euro ein. Eine Gemüseraspel aus der Bronzezeit aber würde bei Sotheby’s Millionen einspielen, selbst wenn sie beschädigt ist und viel schlechter raspelt als die von meiner Oma. So ist es auch mit den Religionen. Die altindischen Veden sind, von den Upanishaden mal abgesehen, hauptsächlich ein Konvolut von Zaubersprüchen, die weniger Weisheit enthalten als ein Abreiß-Kalender von heute – aber sie sind alt.</p>
<h4>Hochbegabt, aber ausgestiegen</h4>
<p>Jetzt wieder ein bisschen biografisch, denn auch oder gerade die anspruchsvollsten Themen lassen sich biografisch oft besser vermitteln als sachlich. Zu Schulzeiten galt ich als hochbegabt. Dass ich Jahre später mein Studium abgebrochen hatte, in Thailand in ein buddhistisches Kloster eintrat und ein weiteres Jahr später bei Osho in Poona landete, war für meinen Vater kaum zu ertragen, denn er war Naturwissenschaftler, Atheist und Max-Planck-Institutsleiter, und ich war sein einziger Sohn, mit dem er sich auf wissenschaftlichem Terrain doch so gut verstanden hatte!</p>
<h4>Die Generationen</h4>
<p>Ein Generationenproblem? Einerseits ja, aber auch eines des Anstoßens an Grenzen, die eine Generation vielleicht nicht ohne weiteres überschreiten kann und dies dann der nächsten überlässt. Ein paar Jahre vor seinem Tod gestand mir mein Vater, dass er in den Jahren seiner schlimmsten Hoffnungslosigkeit mich betreffend, der ich auch nach den Jahren bei Osho nicht von der Mystik lassen wollte, einmal seinen Max-Planck-Kollegen Carl Friedrich von Weizsäcker gefragt hatte, was denn von der indischen Spiritualität zu halten sei. Der konnte ihn immerhin ein bisschen beruhigen, die Tür zur mystischen Erfahrung aber blieb meinem Vater sein Leben lang verschlossen. So reichte er dann im Alter mein Buch »Zauberkraft der Sprache« zwar mit einem gewissen Stolz an seine Wissenschaftlerkollegen weiter und verstand, was ich mit der »tranceinduzierenden Wirkung der Sprache« meinte, er selbst aber meditierte nicht. Die schönsten Momente mit ihm waren für mich, wenn ich merkte, wie radikal sein Humor war. Ein Humor, der in den besten Momenten imstande war, jede persönliche Identifizierung mit was auch immer infrage zu stellen und zu überwinden – zutiefst europäisch, geradezu anarchisch liberal und dabei wissenschaftskonform.</p>
<h4>Mystik und Wissenschaft</h4>
<p>Vor einigen Jahren fragte mich der Inhaber eines naturwissenschaftlichen Lehrstuhls an der Universität Bayreuth und Herausgeber zweier wissenschaftlicher Fachzeitschriften, ob ich mit ihm eine Zeitschrift für »Wissenschaft und Mystik« herausgeben würde. Ja, gibt es denn dafür überhaupt einen Markt, war meine Gegenfrage. Welcher Verlag würde so etwas wagen? Er fragte bei dem für ihn zuständigen Ansprechpartner bei Elsevier nach, dem niederländischen Wissenschaftsverlag, der circa 2000 wissenschaftliche Zeitschriften verlegt und heute für seine aggressive Preispolitik berüchtigt ist. Die Antwort von Elsevier war, sie seien prinzipiell dafür offen und verlangten nach einem Konzept.</p>
<p>Finanziell war das Angebot für mich uninteressant – wissenschaftlich Publizierende leben vor allem von der Ehre oder tun es für die Karriere –, doch es hätte mein Lebensthema berührt, die Naturwissenschaften (<em>science</em>) mit der Mystik zusammenzubringen. Ich überlegte eine Weile und entschied mich dann dagegen, weil der Prof aus Bayreuth mir zu esoterisch war. Die Einigung zwischen uns wäre nicht leicht geworden. Mir ist ja sogar Sheldrake schon zu unwissenschaftlich (etwa seine morphogenetischen Felder und sein gerade erschienenes Buch »Der Wissenschaftswahn«). In der Hinsicht bin ich streng: Mystik ist Mystik und Wissenschaft ist Wissenschaft. Die beiden passen wunderbar zusammen, aber eine Verwässerung der Wissenschaft bringt keine Annäherung an die Mystik, sondern ist dann einfach nur schlechte Wissenschaft. Und die Mystik darf poetisch bleiben, sie darf dichten und jubeln, wie Rilke es in so berückend schöner Weise tat, oder Tagore oder Gibran. Wenn sich aber Mystiker oder Esoteriker der Wissenschaft anbiedern, indem sie in ihrem Jargon Platitüden verbreiten, tut das niemandem gut.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Connection, <a href="http://www.connection.de/index.php/magazintexte/16-spirit/1606-connection-spirit-11-1212" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11–12/12</a></em></p>
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		<title>Die neue Vertikalität</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jul 2012 17:29:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Mind]]></category>
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		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter Sloterdijk über Rudolf Steiner Peter Sloterdijk hat Rudolf Steiner als großen Reformer und aktuellen Ideengeber für eine Zeit der Krisen gewürdigt. Die Hinweise des bekannten Philosophen könnten Signalwirkung haben. In jüngster Zeit hat das öffentliche Interesse an Rudolf Steiner deutlich zugenommen. Den Grund dieser neuen Offenheit sah Sloterdijk in einer besonderen geistesgeschichtlichen Konstellation unserer [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Peter Sloterdijk über Rudolf Steiner</h2>
<p><em>Peter Sloterdijk hat Rudolf Steiner als großen Reformer und aktuellen Ideengeber für eine Zeit der Krisen gewürdigt. Die Hinweise des bekannten Philosophen könnten Signalwirkung haben.</em></p>
<div id="attachment_5106" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/dreamstime_xs_24924158.jpg" rel="lightbox[5101]"><img class=" wp-image-5106 " title="Die neue Vertikalität" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/dreamstime_xs_24924158.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: © Pop2nix | Dreamstime.com</p></div>
<p>In jüngster Zeit hat das öffentliche Interesse an Rudolf Steiner deutlich zugenommen. Den Grund dieser neuen Offenheit sah Sloterdijk in einer besonderen geistesgeschichtlichen Konstellation unserer Zeit. Der Ansatz der Lebensreform als Gegenentwurf zur politischen Revolution erscheine wieder hoch aktuell. Denn im Rückblick auf das „verlorene 20. Jahrhundert“ (Sloterdijk) zeige sich heute, dass die „Revolutionären“ im Unrecht gewesen seien. Ansätze, die Welt durch Umwälzung der Verhältnisse ändern zu wollen, haben nur Zerstörung hinterlassen. Die Lebensreform dagegen, die eine Erneuerung von Innen anstrebte, hätte sich als der richtige Weg erwiesen. Außerdem sei der Blick der Öffentlichkeit auf Steiner, den Sloterdijk als „größten mündlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts“ bezeichnete, im Wandel begriffen: Er werde heute nicht mehr wie früher als Guru, sondern inzwischen „als ganz normales Genie“ gesehen, so der Philosoph. Zu den Phänomenen der gegenwärtigen Öffnung gehöre es auch, dass neben der allgegenwärtigen „Coolness“ wieder Botschaften zugelassen würden, die eher einem Wärmestrom angehören.</p>
<p>Besonders interessant erschien Sloterdijks medientheoretische Deutung des Phänomens Steiner: Der Gründer der Anthroposophie habe mit seinem Ansatz „die Vertikalität neu definiert“ und die Subjektivität nach oben anschlussfähig gemacht. Steiners Übermittlung von Hinweisen aus einer „Geistigen Welt“, mit denen er die Pädagogik, die Landwirtschaft, die Medizin und viele andere Gebiete erneuerte, interpretierte Sloterdijk als quasi-mediale Durchgaben eines „Imperativs zur Veränderung“. Im Blick auf die inzwischen in vielen Museen der Welt gezeigten Wandtafelzeichnungen, mit denen Steiner seine Vorträge illustriert hatte, meinte Sloterdijk, Steiner habe „die Powerpoint-Präsentation mit Kreide“ erfunden. Die eigentliche „Power“ habe er dabei allerdings nicht wie heute aus einem auf Folien abgelegten Wissen bezogen, vielmehr habe er sich darauf verlassen, dass ihm im entscheidenden Moment die Evidenz selbst zur Hilfe kam. Steiner habe sich von der Inspiration überraschen lassen. Er sehe ihn deshalb als eine Art Medium, als einen „Antennenmenschen“.</p>
<p>So wie die Menschen seit der Erfindung der Antennen und des Radios in den äußeren Äther hinaushorchten, lauschen die Menschen verstärkt auch nach Innen hinein, meinte Sloterdijk abschließend. Er bezog sich dabei auf den Satz von Martin Buber: „Wir horchen in uns hinein und wissen nicht, welches Meeres Rauschen wir hören.“ „Die Sender waren damals noch nicht genau eingestellt“, erläuterte Sloterdijk. „Gleichzeitig hat bei Steiner ein viel intensiverer Empfang begonnen. Er wirkt wie manisch unter einem Diktat und hört offenbar im Äther einen Auftrag für eine Lebensreform. Hundert Jahre später nach diesem verlorenen 20. Jahrhundert fahren die Menschen wieder ihre Antennen aus und wissen nicht genau, welches Meeres Rauschen sie hören. Aber sie hören den neuen absoluten Imperativ: ‚Du musst Dein Leben ändern’. Es geht um den Auftrag eine Lebensreform zu entwickeln, die die Koexistenz der Menschheit auf dem gefährdeten Planeten sichert. Und Steiner ist ein genialer Transmitter für diese Botschaft.“</p>
<p>Das Gespräch war Teil der Eröffnung der Ausstellung über den gestalterischen Impuls Steiners, der unter dem Motto „Die Alchemie des Alltags“ noch bis Ende April 2012 in Weil am Rhein präsentiert wird. Zuvor war die Ausstellung unter großem Medieninteresse und überwältigendem Publikumszuspruch bereits in den Kunstmuseen Wolfsburg und Stuttgart sowie im Wiener MAK gezeigt worden.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2011/november/die-neue-vertikalitaet/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe November 2011</a></em></p>
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