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	<title>OpenMindJournal &#187; Perspektiven</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Lebenspraxis und Change</description>
	<lastBuildDate>Thu, 17 May 2012 11:01:36 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Achtsamkeit und die iPhone-Generation</title>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 10:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yves Patak</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
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		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Yves E. Patak]]></category>

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		<description><![CDATA[In meinem letzten Newsletter musste ich mir echt auf die Zunge beißen, um nicht mit den Worten „Alles neu macht der Mai“ zu beginnen – vor allem, nachdem ich mich hinterfragte, ob er wirklich alles neu macht. Klar, die Natur zeigt Tendenzen der Wiederauferstehung aus der Winterstarre, es grünt so grün, dass selbst Spanien neidisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4830" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/415170_web_R_K_by_Stefan-Ddorf_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4828]"><img class=" wp-image-4830 " title="Strandhandy" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/415170_web_R_K_by_Stefan-Ddorf_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Stefan Ddorf / pixelio.de</p></div>
<p>In meinem letzten Newsletter musste ich mir echt auf die Zunge beißen, um nicht mit den Worten „Alles neu macht der Mai“ zu beginnen – vor allem, nachdem ich mich hinterfragte, ob er wirklich alles neu macht. Klar, die Natur zeigt Tendenzen der Wiederauferstehung aus der Winterstarre, es grünt so grün, dass selbst Spanien neidisch wird — doch wie steht es mit uns selbst? Sind wir — im Vergleich zum Mai letzten Jahres — neue Menschen? Haben wir unsere Zellen regeneriert, unsere alteingesessenen Meinungen revidiert, unsere Vorurteile eliminiert — und uns insgesamt neu erfunden? Und noch eine Etage tiefer: nehmen wir uns überhaupt die Zeit, über solche Dinge nachzudenken, oder schreit gerade das nächste App danach, heruntergeladen zu werden?</p>
<p>In unserem Leben läuft vieles, oh so vieles, nach ganz bestimmten Mustern ab. Wir leben einen Grossteil unseres Menschenlebens auf Autopilot. Ich denke oft an das unvergessliche Bild von Gary Larson, wo die Amöben-Frau den Amöben-Mann ankeift: „Reiz und Reaktion, Reiz und Reaktion — <em>denkst</em> du eigentlich jemals?!“</p>
<p>Herrlich lustig — aber eine gute Frage. Denken wir überhaupt? Oder andersrum, warum schaffen es die meisten von uns nicht, mit dem Denken jemals aufzuhören, wenn wir doch diejenigen sind, die unser Gehirn — als Eigentümer! — kontrollieren sollen könnten? Ich verweise auf das geflügelte Zitat weiter unten: „Der Verstand ist ein ausgezeichneter Diener, aber ein miserabler Meister.“</p>
<p>Denken Sie einmal für 17 Sekunden darüber nach. (Hallo? Ich sagte nicht, Sie sollen darüber nachgrübeln, warum ausgerechnet 17 Sekunden, sondern darüber, ob <em>Sie</em> der Meister Ihres Lebens und Denkens sind — oder ist’s gar ihr Ego?)</p>
<p>Lassen Sie sich inspirieren und zum Nachdenken animieren – von Menschen, Büchern, dem Leben und dem Universum. Wir sitzen alle im gleichen Zug, doch wir entscheiden, wohin wir blicken und in welchem Abteil wir sitzen. Metaphysisch, aber wahr.</p>
<h4>Gib acht!</h4>
<p>„Gib acht!“ hat nicht immer mit dem zu tun, was Mutti uns als Kind unzählige Male zugerufen hat. Achtsamkeit ist — in unserer westlichen Welt fast vergessen — ein Heilmittel erster Klasse. Einst ein östliches, für viele von uns abstraktes Zen-Prinzip, schleicht sich diese unglaublich starke Lebenshaltung allmählich sogar in die westliche Psychotherapie ein. Wie das geht? Vereinfacht gesagt:</p>
<p>„Wenn ich Spaghetti esse, esse ich Spaghetti.“</p>
<p>„Wenn ich vom Badezimmer in die Stube gehe, gehe ich vom Badezimmer in die Stube.“</p>
<p>Will heißen: ich tue immer gerade das — und NUR das! — was ich gerade tue und richte meine Aufmerksamkeit darauf. Schluss mit Multi-Tasking und unseren verheerenden Ideen von „alles gleichzeitig“, um Zeit zu sparen, die wir dann blödsinnig mit Smartphone, Facebook, TV und Klatschblättern vergeuden.</p>
<p>Kürzlich sah ich ein Teenager-Mädchen an der Bushaltestelle stehen, ein echter Prototyp: Zigarette im Mundwinkel, Kopfhörer über den Ohren, Mütze tief über die Augen gezogen, iPhone in der linken, Red Bull in der rechten Hand, Zeitung unter den Arm geklemmt. <em>Das</em>, liebe Menschen der westlichen Kultur, ist das absolute Gegenteil von Achtsamkeit! Dieses Mädchen ist das (inzwischen überall wuchernde) Beispiel des Vor-sich-selbst-Davonlaufens.</p>
<p>Achtsamkeit (auf Neudeutsch auch „Mindfulness“ genannt) hat die magische Eigenschaft, unsere gesamte Wahrnehmung des Lebens — und damit das Leben schlechthin — zu verändern. Wenn Sie also die Gelegenheit ergreifen möchten, zu leben, und zwar im JETZT, von Moment zu Moment, statt zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her zu hetzen — suchen Sie sich einen Achtsamkeitslehrer, einen Guru, einen achtsamen Freund, einen Hypnosetherapeuten oder einen Meditations-Profi, und tauchen Sie ein in die wunderbare Welt der Achtsamkeit.</p>
<p>Übrigens: wenn Sie diesen Artikel in knapp 15 Sekunden überflogen haben und gleich zum nächsten hetzen, wissen Sie zumindest bereits, was Achtsamkeit <em>nicht</em> ist… :)</p>
<div></div>
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		<title>Was wir zu uns nehmen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/30/was-wir-zu-uns-nehmen/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 11:56:31 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
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		<category><![CDATA[Wolf Schneider]]></category>

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		<description><![CDATA[Gedanken zur körperlichen und geistigen Ernährung Körperlich wie geistig sind wir Menschen Fließgleichgewichte. Was wir in uns aufnehmen und nicht gleich wieder ausscheiden, zu dem werden wir. Deshalb ist die Beachtung der Ernährung beim sich entwickelnden, wachsenden, an Bewusstsein gewinnenden Menschen das Fundament. Und auch der geistige Input verdient Beachtung: von welchen Quellen wir uns [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Gedanken zur körperlichen und geistigen Ernährung</h2>
<div id="attachment_4744" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/561943_web_R_K_B_by_Peter-Hebgen_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4741]"><img class=" wp-image-4744 " title="Nicht alles passt durch’s Sieb" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/561943_web_R_K_B_by_Peter-Hebgen_pixelio.de_-300x201.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Peter Hebgen / pixelio.de</p></div>
<p>Körperlich wie geistig sind wir Menschen Fließgleichgewichte. Was wir in uns aufnehmen und nicht gleich wieder ausscheiden, zu dem werden wir. Deshalb ist die Beachtung der Ernährung beim sich entwickelnden, wachsenden, an Bewusstsein gewinnenden Menschen das Fundament. Und auch der geistige Input verdient Beachtung: von welchen Quellen wir uns beeinflussen oder gar bestimmen lassen, auch hier braucht es Entscheidungen, was hinein darf, und manchmal eine Entschlackung.</p>
<p>Was uns ernährt ist das Grundsätzlichste, was es in unserem Leben gibt. Alles andere baut darauf auf, fügt sich oder widersetzt sich dem, kein Aspekt unseres Lebens bleibt davon unberührt. Was wir essen und trinken, daraus bestehen wir körperlich, und das bewegt und berührt uns auch geistig, seelisch, emotional wie nichts anderes, nicht einmal Sex. Womit wir das Geld verdienen, das wir brauchen, um uns etwas zu essen zu kaufen, auch das bestimmt uns fundamental: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, sagt ein altes Sprichwort. Wenn wir andere, uns gemäßere Lieder singen wollen als die unserer Arbeits– und Auftraggeber, dann müssen wir uns ins Risiko der Selbständigkeit begeben — und dann singen wir das Lied unserer Kunden. Oder spalten uns innerlich. Und lernen mit einem gewissen Maß an solcher Gespaltenheit zu leben.</p>
<p>So beginnt unsere Stammesgeschichte als Menschen: Wir müssen essen, um zu überleben, eh wir uns Sprache, Schrift, Häuser, Computer und Mobiltelefone leisten können. Und so beginnt auch unser individuelles Leben: Sobald die Nabelschnur durchtrennt ist, müssen wir atmen und saugen, um uns zu ernähren. Das ist dann erstmal viele Monate lang unser wichtigster Lebensinhalt — und es bleibt ein sehr wichtiger Lebensinhalt, bis nach dem letzten Atemzug der Körper keine Nahrung mehr braucht.</p>
<h4>Die Ernährung ist das Fundament</h4>
<p>Wer sich auf den spirituellen Weg begibt – den Weg der Entwicklung der Persönlichkeit, des lebenskünstlerischen Lernens, der Weisheit, des Verständnisses und der Liebe – der wird sich auch mit der Ernährung beschäftigen müssen. In der Ordnung des Yoga entspricht die Ernährung dem untersten Chakra. Das unterste ist fundamental, dort beginnt die Entwicklung. Dieses Fundament dürfen die Aufbauten der vermeintlich höheren Stufen nie außer acht lassen. Wer sich geistig, seelisch, emotional entwickeln will und dabei die Ernährung außer acht lässt, wird nicht weit kommen. Wir bleiben daran gebunden. Wir können uns von dem, was wir einatmen, trinken und essen nie ganz lösen, wie sehr wir auch versuchen, uns von Licht allein, von Bewusstsein und Liebe zu ernähren.</p>
<h4>Du sollst nicht töten</h4>
<p>Deshalb beginne mit der Achtsamkeit bei dem, was du in deinen Mund hineinschiebst: Es sollte dem Körper gut tun, mit Genuss eingenommen werden, und es sollte nicht zu viel und nicht zu wenig sein. Die alten religiösen Wege hatten Vorschriften wie etwa koscher zu essen, kein Schweinefleisch und zu bestimmten Zeiten (Ramadan) dieses nicht, dafür an anderen jenes (rituelle Speisen). Das hat historische Gründe, aber meist keinen tieferen Sinn. Außer dem ethischen Gebot, anderen empfindenden Wesen keinen Schaden zuzufügen, das heißt: nicht zu töten oder töten zu lassen, nicht zu verletzen oder weh zu tun, wo das vermieden werden kann. Das Tötungsverbot beginnt bei der Tabuisierung des Kannibalismus und anderer Arten des Mordens und hört dort auf, wo wir vermuten können, dass das getötete Wesen keine Schmerzen empfindet, wie etwa bei den Wurzelpflanzen (Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln), die wir töten müssen, um sie essen zu können.</p>
<h4>Pflücken, was die Natur hergibt</h4>
<p>Die tiefe, archaische Befriedigung des Pflückens von Früchten in der Wildnis lernt jeder kennen, der sich mal für ein paar Tage auf ein Visionquest begibt oder an einem Survival Training teilnimmt. Manchmal genügen dafür ein paar Stunden einsamer Wanderung durch wildes Gelände, wenn Hunger aufkommt oder Durst, und du hast nichts dabei, was diese Bedürfnisse stillt. Du gehst durch eine Landschaft, die niemandem gehört oder von ihrem Besitzer nicht beachtet wird, und die Bäume und Büsche geben ihre Früchte her ohne nach einer Gegenleistung zu verlangen, sie schenken sie her, sie »wollen«, dass sie gegessen werden, denn das ist das Prinzip des Lebens: den eigenen Samen weiter zu geben. Die Früchte sind ja nicht zufällig so lecker, sondern weil sie den Samen der Pflanze enthalten, der durch das Gegessenwerden weitergegeben wird. So wird das Essen zu einer Art sexuellem Akt.</p>
<p>Auch der Besitzer, Besetzer oder Pächter von Boden empfindet beim Essen von dessen Früchten noch sehr archaische Gefühle: die <em>eigene </em>Tomate, Kirsche oder Nuss zu essen. Der Bauer, der zum Landwirt geworden ist und der Käufer von Lebensmitteln im Supermarkt, sie spüren davon kaum mehr etwas: Sie sind entfremdet. Ein paar Tage draußen in der wilden Natur, sich dort hinunterbeugen zu einem  Bach, um Wasser zu trinken und Essbares zu finden in der Erde, auf der Erde, über der Erde, das kann einen auch seelisch zurückbringen zum Wesentlichen.</p>
<h4>Für die Tiere, die Menschen und die Natur</h4>
<p>Meine Entscheidung, mich nur noch vegetarisch zu ernähren, liegt 35 Jahre zurück. Es ist gesünder, es schmeckt mir besser, und es ist auch ein politisches Bekenntnis, denn eine Welt ohne Fleischindustrie bräuchte keine Urwälder mehr zu roden, die Gewässer nicht mehr mit Antibiotika zu verseuchen, die Äcker nicht mehr zu überdüngen, und es wäre dann auch genug zu essen da für uns alle. Außerdem ist der Verzicht auf das Essen von Tieren für mich ein ethisches Thema: Für meine Ernährung brauchen keine Tiere getötet zu werden. Für die normalen Fleischesser werden die Tiere nicht nur unter schrecklichen Umständen getötet, sondern sie verbringen ihr Leben auch unter Umständen, die kaum ein Fleischesser auch nur anzusehen ertragen könnte ohne in Wut zu geraten oder sich zu ekeln. Inzwischen gilt das auch für die meisten Fische, für Geflügel sowieso schon längst. Die käuflichen Fische werden heute ja überwiegend nicht mehr in der Wildnis gefangen, sondern stammen aus Fischfarmen, in denen Antibiotika eingesetzt werden, damit die Fische oder Krustentiere nicht erkranken.</p>
<h4>Verdrängung</h4>
<p>Was mir seit je ein Rätsel war, ist die geistig-seelische Spaltung, die ein Fleischesser mit sich anstellt, wenn er sagt: Ich könnte das Tier nicht töten, aber ich esse es. Die Katze dieses Tierfreundes muss zum Tierarzt schon wenn sie sich die Pfote verletzt hat. Das Schwein, das er isst, aber lebt unter Bedingungen, die nicht sieht und nicht ertragen würde, sie anzusehen. Und wenn das Vieh (so nennt man die Tiere, wenn man sie zu Fleisch– oder Milchlieferanten degradiert hat,) dann zum Schlachthof transportiert wird, kommt es noch schlimmer: Viele Tiere werden bei lebendigem Leibe gehäutet und zerlegt, die Angsthormone, die dabei ausgeschüttet werden, isst der Fleischesser mit, und allmählich, unmerklich verändern sie seine Seele.</p>
<p>Wenn ich mit Fleischessern darüber spreche, erhalte ich bizarr verdrängende Antworten. Du liebst Tiere, aber du isst sie. Aha. Einem Menschen würdest du nichts zuleide tun, sagst du, schon gar nicht ihn töten, aber einen Killer zu bestellen ist für dich in Ordnung? Dann begeht der Killer den Mord, nicht du. Und der Killer sagt: »Es gibt einen Markt für Morde, ich bediene hier nur eine vorhandene Nachfrage; würde ich den Mord nicht ausführen, täte es ein anderer, kein Mensch oder Tier wäre gerettet; der Unterschied ist nur, dass ich dann als dummer, aber ethischer guter Mensch, meinen Lebensunterhalt verloren hätte.« So die Logik der Metzger, Fleischproduzenten, Viehzüchter, Fleischviehhalter, Futtermittelhersteller, dieser ganzen Industrie, die daran hängt. Inzwischen wird sie »fleischindustrieller Komplex« genannt, ähnlich dem »militärisch-industriellen« Komplex, deren Lobby in hohem Maß die Entscheidungen unserer Politiker bestimmt.</p>
<p>Vielleicht sind wir Menschen in Sachen Tiere lieben und Fleisch essen so gespalten wie in unserer Liebe zur Natur, die wir durch unser Verhalten vernichten. Die naturliebende Delphinfreundin fliegt für einen »Schwimmen mit Delphinen« Workshop nach Hawaii. Einmal auf die andere Seite das Globus, 20 Stunden Flugzeit hin, 20 Stunden Flugzeit zurück, mit unbesteuertem Flugbenzin — unbesteuert, solange nationale Regierungen das entscheiden. Für diese lieben, natürlichen Wesen, denen die Japaner mit ihren brutalen Fangmethoden so zusetzen, fliegt sie dort hin. Dann zurück an ihren Arbeitsplatz bei einer dieser Investmentbanken in Frankfurt. Eine solche Erholung in der Natur hat sie sich in ihrem harten Job redlich verdient, an dem sie, wenn es schlimm kommt, auch noch auf Mais oder Weizen setzen muss, was die Nahrungsmittelpreise weltweit explodieren lässt, so dass es zu Hungersnöten in den armen Ländern kommt. Denn Gold und Kupfer bringen nicht mehr die nötigen Renditen, von den Öl– und Autoaktien ganz zu schweigen.</p>
<h4>Entscheidungen</h4>
<p>Auch in geistiger Hinsicht gilt, dass wir zu dem werden, womit wir uns ernähren. Die Informationen, die wir in uns aufnehmen, prägen uns. Sie gestalten nicht nur unsere Sprache und all die Phrasen und Sprichwörter, die wir im Kopf und auf den Lippen haben, sie prägen auch unser Selbstverständnis, unsere Identität – das, wofür wir uns halten.</p>
<p>In Zeiten der Infoflut ist es deshalb noch unentbehrlicher und notwendiger denn je, Entscheidungen zu treffen und sehr wählerisch zu sein, auch was unseren geistigen Input anbelangt und unseren sozialen und freundschaftlichen Umgang. Es ist erst gerade erst ein paar Generationen her, da konnten unsere Vorfahren nur unter durchschnittlich hundert Menschen auswählen, mit denen sie sich befreunden oder befeinden konnten; wir können heute zwischen Millionen auswählen. Unsere Vorfahren hatten im Winter nur das Wenige zu essen, was sie gelagert hatten, vielleicht Kohl oder Rüben oder getrocknete Äpfel und Nüsse – wir können heute im Supermarkt sogar im Winter unter mehr als hundert frischen Früchten auswählen, deren Namen wir zum Teil nicht einmal kennen, und unter Tausenden haltbar gemachter Nahrungsmittel. Wir können wählen – und wir müssen es.</p>
<h4>Spirituelle Freundschaft</h4>
<p>So ähnlich geht es uns auch mit den uns möglichen Jobs, Standorten, Ausbildungsangeboten und Freunden. <em>Kalyana Mitta</em> nannten die alten Buddhisten den Freund, der einen mit ähnlichen ethischen Werten auf dem Weg begleitet. In Zeiten der sozialen Netzwerke gewinnt die spirituelle Freundschaft noch viel größere Bedeutung als je. Freunde können uns Rat geben auf dem Weg, uns liebevoll und nachhaltig auf eigene blinde Flecken hinweisen, uns trösten, wenn mal etwas nicht klappt. Sie können uns helfen bei einer guten, aber schwer einzuhaltenden Disziplin – einer Diät, der täglichen Meditation oder dem Vorsatz vom letzten Silvester, mit dem Rauchen aufzuhören. Vielleicht kann sogar eine Zeitschrift wie diese hier, ausgewählt unter tausenden anderer Möglichkeiten der Lektüre, ein solcher Freund sein, der durchs Leben begleitet.</p>
<h4>Anders essen, für eine bessere Welt</h4>
<p>Was würde sich weltweit ändern, wenn mehr Menschen weniger Fleisch äßen? Erstmal würden weniger Tiere leiden. Wir wären gesünder. Es würden weniger Menschen hungern – zur Zeit hungert ungefähr ein Siebtel der Menschheit, eine Milliarde von den sieben Milliarden Erdbewohnern, denn zur Produktion von 1 kg Fleisch werden etwa 16 kg Getreide verbraucht. Wenn weniger Fleisch gegessen würde, könnte der Markt der Fleischindustrie keinen so großen Druck mehr ausüben auf diejenigen, die aus Not und um selbst zu überleben, sich an der Rodung der Urwälder beteiligen, wie etwa in Brasilien, Indonesien und vielen anderen Ländern. Die Erderwärmung würde verlangsamt – Rinder sind für etwa ein Drittel des weltweiten Ausstoßes an Methan verantwortlich, das als Treibhausgas um ein Vielfaches wirksamer ist als Kohlendioxid. 62 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in Deutschland werden für Futtermittel verwendet — wie viel mehr hätten zu essen, wenn die Fläche nicht für Tiere verwendet würde, und der wirtschaftliche Druck auf die maximale Ausbeutung der Böden (Ertrag pro Hektar) wäre geringer.</p>
<p>Und der Fleischkonsum nimmt nicht etwa ab, sondern er nimmt noch zu, und zwar drastisch: Laut FAO stieg die weltweite Fleischindustrie von 1961 bis 2011 auf fast das Vierfache, in China hat er sich in dieser Zeit sogar versiebenundzwanzigfacht. Auch wenn der Fleischkonsum in der kleinen Szene der ›Bewusstseinsavantgarde‹ der Welt inzwischen sinkt, steigen die Gesamtzahlen noch immer drastisch an, denn immer mehr Menschen (in absoluten Zahlen vor allem Chinesen) können sich Fleisch leisten und haben ethisch, politisch und gesundheitlich nichts dagegen einzuwenden.</p>
<h4>Die geistige Nahrung</h4>
<p>Wissen die Fleischesser, dass ihnen und der Welt das Fleischessen nicht gut tut? Wenn ja, dann war immerhin ihre geistige Nahrung nicht die allerschlechteste. Denn nicht nur das, was wir durch unseren Mund zu uns nehmen macht uns zu den Menschen, die wir sind, sondern mindestens ebenso das, was wir durch unsere Augen und Ohren zu uns nehmen. Die Nachrichten, Meinungen und Weltbilder, die uns dabei vermittelt werden, prägen uns, und ebenso die Hoffnungen und Befürchtungen, Drohungen und Belohnungen, die wir durch diese Sinnestore in uns aufnehmen, und vor allem die Anerkennung oder Aberkennung von dem, was wir sind oder zu sein glauben.</p>
<p>Auch bei diesem geistigen Input müssen wir hoch selektiv sein, sonst werden wir krank, dumm, irre oder bösartig, denn auch geistige Nahrung kann einen Menschen vergiften oder gesunden lassen. Sogar lehren kann die geistige Nahrung, erhellen, vielleicht sogar erleuchten.</p>
<h4>Wählerisch, aber ohne strenge Zensur</h4>
<p>Kann sie das wirklich? Ich meine, dass wir auch bei der geistigen Nahrung zwar hoch selektiv sein sollten, dass wir dort aber nicht annähernd eine so strenge Zensur des Inputs brauchen wie bei der körperlichen Nahrung. Ein körperliches Gift ist imstande, einen Menschen sehr schnell gesundheitlich zu schädigen, bis hin zum schnellen Tod. Wenn das Gift in Darm und Leber eingetreten ist, wird auch das Auspumpen des Magens nicht mehr viel helfen.</p>
<p>Anders bei den geistigen Giften. Sie sind die Gegenpole der Wahrheiten und Weisheiten, wir brauchen uns nicht einmal wirklich vor ihnen zu schützen, es genügt sie als solche zu erkennen. Dann kann die Lüge gegenüber der Wahrheit, die Dummheit gegenüber der Weisheit den Bogen weit spannen zur Erkenntnis des Ganzen.</p>
<p>Wer seinen geistigen Input durch Zensur vor »zersetzenden« Gedanken oder sonstwie als böse stigmatisiertem Geistesgut glaubt schützen zu müssen, ist in Gefahr, sich damit eine Gehirnwäsche zu verpassen. Der Geist muss frei bleiben. Auch seinen Input muss er prinzipiell unzensiert aufnehmen dürfen, ohne Verbote, Scheuklappen oder Angst vor Beschmutzung. Auch im Geistigen müssen wir wählerisch sein, aber diese Wahl sollte eine sein, die eher Tendenzen gewichtet, als Ge– und Verbote auszusprechen.</p>
<h4>Aufnahme ohne Aneignung</h4>
<p>Ich esse kein Fleisch und meide, so gut ich kann Vergiftetes zu essen oder zu trinken, nehme aber täglich ausreichend viele Dummheiten, Lügen und Halbwahrheiten zu mir, ohne das Bedürfnis, sie ausfiltern zu müssen. Ich nehme sie auf, eigne sie mir aber nicht an. Sie beleben meine Wahrnehmung, meinen »Arbeitsspeicher«, werden aber nur dann auf der Festplatte abgespeichert, im Langzeitgedächtnis, wenn ich sie satirisch oder sonstwie polar verwenden kann.</p>
<p>Denn alles, was als wahr erscheint, trägt auch sein Gegenteil in sich, das es ergänzt. Keine Weisheit ist so weise, dass sie nicht in irgendeiner Situation, aus irgendeinem Blickwinkel betrachtet, eine Dummheit wäre. Das Geistige trägt das Polare in sich, was sich vom Körperlichen so nicht sagen lässt. Unser Immunsystem schätzt es zwar, gelegentlich durch Angriffe herausgefordert zu werden. Falls diesen Angriffe nicht lebensbedrohlich sind, gilt vielleicht sogar: je öfter desto besser (das Prinzip des Impfens). Es gibt jedoch körperliche Gifte, die zum sofortigen Tod führen, und es gibt essentielle Heil– und Nahrungsmittel, die für die Gesundheit unentbehrlich sind. Im Geistigen gibt es das nicht: Der klare Geist ruht in der Stille und kann auch die größten Lügen und Dummheiten in sich aufnehmen – er scheidet sie aus, ohne dass sie Spuren hinterlassen würden.</p>
<p>Zwischen dieser großen geistigen Klarheit und der völligen Unwissenheit aber liegt das Land, in dem wir Menschen uns die meiste Zeit aufhalten: der ganz normale Alltag. Dort sind wir nur halb bewusst, nur halb wissend und immer ein bisschen unentschieden. Dort spielt es eine große Rolle, was wir geistig in uns aufnehmen. Hier sollten wir hoch selektiv sein mit dem, was wir in uns reinlassen und ebenso wie beim Wasser, das wir trinken, darauf achten, aus welcher Quelle es kommt.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Connection Spirit, <a href="http://connection.de/magazintexte/spirit/connection-spirit-0312.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 03/12</a></em></p>
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		<title>Die Illusion vom vollkommenen Glück</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/29/die-illusion-vom-vollkommenen-gluck/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 10:15:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
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		<description><![CDATA[Was uns alles happy macht Ob und wie anhaltendes Glück möglich ist, untersuchen die menschen unaufhörlich. Zahlreiche Rezepte versprechen uns eine Steigerung der Lebensqualität. Der Zwang zum Dauerglück kann auch zur Belastung werden. Die üblichen Angebote, welche uns «happy» machen sollten, sind konsumierbar und flüchtig wie aktuelle Börsendaten. Wir finden sie in Form von Ratgebern, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Was uns alles happy macht</h2>
<div id="attachment_4715" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/573782_web_R_by_Julien-Christ_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4709]"><img class=" wp-image-4715 " title="Das vollkommene Glück bleibt oft unerreichbar." src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/573782_web_R_by_Julien-Christ_pixelio.de_-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Julien Christ / pixelio.de</p></div>
<p>Ob und wie anhaltendes Glück möglich ist, untersuchen die menschen unaufhörlich. Zahlreiche Rezepte versprechen uns eine Steigerung der Lebensqualität. Der Zwang zum Dauerglück kann auch zur Belastung werden.</p>
<div>
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<p>Die üblichen Angebote, welche uns «happy» machen sollten, sind konsumierbar und flüchtig wie aktuelle Börsendaten. Wir finden sie in Form von Ratgebern, in Last-Minute-Angeboten, im richtigen Shampoo, im Well– ness-Studio, auf der Couch, im Porno oder in der Kirche. Wer in den USA Präsident werden will, muss mit wenigen Schlagworten der Wählerschaft eine glückliche Zukunft versprechen: Ein Wirtschaftsaufschwung wird dort zum Beispiel nur als möglich prophezeit, wenn sich die Leute an traditionell-christlichen Familienbildern orientieren. Dahinter verbirgt sich das Credo, dass eine florierende Wirtschaft und ein angepasstes Verhalten alles zum Guten wenden. Natürlich ist der Umkehrschluss genauso problematisch. Schauen die Wohlhabenden auf die Hungernden, möbeln sie ihr schlechtes Gewissen gerne mit dem Bild der glücklichen Armen auf, die sich tanzend und lachend auf einem kargen Dorfplatz vergnügen. Arm sein bedeutet nicht zwingend, zufrieden zu sein, aber man kann auch erfüllt reich sein, könnte man provokativ sagen.</p>
<h4>Schweiz auf platz vier</h4>
<p>Keine Wissenschaft übergeht das Thema, das vielversprechende Bücher und Studien füllt. «Wie zufrieden sind Sie, alles in allem, zurzeit mit Ihrem Leben als Ganzes?» Diese Frage hat</p>
</div>
<div>
<p>Professor Ruut Veenhoven von der Erasmus– Universität in Rotterdam 148 Nationen gestellt. In der so erstellten «World Database of Happiness» erreicht die Schweiz Platz vier und gehört damit zu den glücklichsten Nationen. Vergleichen wir das Resultat aber mit Freitod– statistiken, dann finden wir die Schweiz eben– falls an der Spitze.</p>
<p>Statistiken zur Zufriedenheit können im– mer unterschiedlich interpretiert werden. In den meisten Studien korreliert das Mass an Wohlgefühlen mit Gesundheit, Zugang zu Bildung und Wohlstand. Der Einfluss von Sonnenschein wird ebenfalls als Moment für eine positive Lebenseinstellung diskutiert.</p>
<p>In der Philosophie hat die Untersuchung des Glücks eine lange Tradition. Eine Analyse unserer Visionen kann verdeutlichen, ob wir uns auf dem Holzweg befinden, auf den uns falsche Erwartungen geführt haben. Eine wesentliche Aufgabe von philosophischen Praxen besteht darin, solche Bilder im gemeinsamen Gespräch zu hinterfragen. Denn oft ist es eine Ansichtssache, ob eine Situation als bedrückend oder harmonisch empfunden wird. Durch die Veränderung des Blickwinkels können sich ganz neue Horizonte auftun. Dass man immer einen Grund zum Unglück findet, wenn man möchte, beschreibt Paul Watzlawick mit Witz in seiner «Anleitung zum Unglücklichsein»: «Selbst aber wenn einmal auf der ganzen Welt Glücklichkeit ausgebrochen sein wird, würde ein tugendboldiger Pessimist noch lange nicht verzagen […], indem er dem unschuldig sich freuenden Partner vorhält: ‹Wie kann es dir nur Spass machen, wo Christus für dich am Kreuze starb? Hat es Ihm etwa Spass gemacht?› Der Rest ist betretenes Schweigen.»</p>
</div>
<div>
<h4>«Unvollkommen» zufrieden</h4>
<p>Wenn wir akzeptieren würden, dass jede Situ– ation ihren Makel hat, könnte dies zu einer gewissen Entspannung im Glücksmarathon führen. Da wir jedoch ständig mit völlig übertriebenen Bildern der Vollkommenheit bombardiert werden – Reichtum, interessante Arbeit, Heirat, Geburt, die Familie, fit im Alter, ewig jung und sexy –, braucht es schon den Mut zur Eigenständigkeit, um auch «unvollkommen» zufrieden zu sein. Denn im Leben gibt es auch das Scheitern von Liebesbeziehungen, die krumme Nase, nervige Vorgesetzte, eine Zangengeburt, Arbeitslosigkeit und die vom Nachbarn vergiftete Katze. Wenn wir davon ausgehen, dass die nächste Veränderung diese Makel verschwinden lässt, leben wir im permanenten Zustand der Erwartung. Wir können nämlich sicher sein, dass bald schon wieder ein neues Mobiltelefon erworben werden sollte oder nach der Nasen-OP noch die Lippen dran wären und dass doch erst die nächste Liebesbeziehung die beste wird.</p>
<p>Dennoch plädiere ich dafür, weiterhin nach dem eigenen Glück zu fragen. Vielleicht ist es nicht spektakulär, was uns zwischendurch froh macht. «Das Glück ist kein guter Stoff […] Es ist selbstgenügsam. Es braucht keinen Kommentar. Es kann in sich zusammengerollt schlafen wie ein Igel.» (Carl Seelig, «Wanderungen mit Robert Walser», Frankfurt 1977). Wenn wir uns die Zeit nehmen, uns über den unauffälligen, zufälligen Reichtum des Lebens zu freuen, der sich in einem Gespräch mit unerwarteten Wendungen, einem guten Buch oder einem ehrlichen Kompliment verbirgt, kommen wir der Sache vielleicht auf die Spur. Dazu müssen wir aber den Mut finden, innezuhalten. Eine Tätigkeit, die etwas aus der Mode gekommen, aber jederzeit möglich ist: auch im Pornokino oder in der Kirche.</p>
</div>
</div>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin MONETA, Ausgabe <a href="http://www.abs.ch/de/zeitung-moneta/moneta-archiv/" target="_blank" rel="external nofollow">Nr. 1/2012</a>. MONETA ist das Magazin der <a href="https://www.abs.ch/" rel="external nofollow">Alternativen Bank Schweiz</a></em></p>
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		<title>Wenn Vertrauen tiefer reicht als Beweise</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 11:50:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein neues Gastmahl für Wissenschaft und Spiritualität Gerne betonen spirituell interessierte Menschen, dass neuere Ergebnisse der Naturwissenschaft ihr Weltbild bestätigen. Dabei wird übersehen, dass wir weite Teile unseres Lebens auf ganz andere Qualitäten als das Messen und Wissen bauen. Der folgende Essay plädiert für ein spielerisches Miteinander von Wissen und Ahnen. Es ist nämlich Unerzogenheit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Ein neues Gastmahl für Wissenschaft und Spiritualität</h2>
<div id="attachment_4596" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/147998_web_R_by_kaemte_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4588]"><img class=" wp-image-4596 " title="keine Ahnung…" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/147998_web_R_by_kaemte_pixelio.de_-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: kaemte / pixelio.de</p></div>
<p><em>Gerne betonen spirituell interessierte Menschen, dass neuere Ergebnisse der Naturwissenschaft ihr Weltbild bestätigen. Dabei wird übersehen, dass wir weite Teile unseres Lebens auf ganz andere Qualitäten als das Messen und Wissen bauen. Der folgende Essay plädiert für ein spielerisches Miteinander von Wissen und Ahnen.</em></p>
<p><em>Es ist nämlich Unerzogenheit, nicht einzusehen, mit Bezug worauf es nötig ist, nach Beweisen zu suchen, und in Bezug worauf dies nicht nötig ist.</em> – Aristoteles, Metaphysik <sup class='footnote'><a href="#fn-4588-1" id='fnref-4588-1'>1</a></sup></p>
<p>Viel wird heute geschrieben über den Dialog zwischen Naturwissenschaft und Spiritualität. Wenig indessen darüber, welche Kraft es ist, der bei einer vermittelnden Annäherung eine entscheidende Bedeutung zukommt. Unhinterfragt gilt weithin die Annahme, dass uns die Methoden der Naturwissenschaft die einzig „zuverlässige“ Form des Verstehens und Erklärens (durch eine möglichst objektive Beweisführung) liefern. Doch diese Voraussetzung schließt wesentliche Bereiche unseres Menschseins von vornherein aus: Wie etwa bringen wir durch dieses beschränkte Verfahren unser Gefühlsleben zum Vorschein? Wie die zarten, innerlichen Regungen unserer romantischen, leidenschaftlichen und religiös-spirituellen Empfindungen? Das Mysterium der Liebe kann weder bewiesen noch erklärt werden. Keine Rechen– oder Untersuchungsmethode lässt sich je darauf anwenden. Dennoch nehmen wir die strikte Unterscheidung zwischen der beweisbaren Welt der äußeren Tatsachen und den unergründlichen Gestimmtheiten unseres Innenlebens allzu leichtfertig hin. Dabei bleibt unausgelotet, welch weitreichende Folgen die naturwissenschaftliche Methode auch für unser persönliches Erleben, jenseits der Forschungslabore hat. Machen wir uns das an einem Beispiel klar:</p>
<h4>Liebe kann man nicht messen</h4>
<p>Den Zustand des objektiven Beobachters, wie ihn die Naturwissenschaft fordert, können wir der Liebe gegenüber nie einnehmen, da man sie ja nur dann empfindet, wenn man sie, subjektiv, in sich selbst spürt. Auch bekennende Wissenschaftler werden wohl in den allermeisten Fällen von der Gewissheit getragen sein, dass sie (um in einem Beispiel zu sprechen) Lebenspartner und Kinder lieben. Wie innig die Zuneigung in Wahrheit ist, vermag niemand objektiv zu beurteilen. Dennoch fühlen auch Naturwissenschaftler (wie andere Menschen) Gewissheiten, die auf subjektiven Gefühlsregungen beruhen. Es gibt folglich einen – und zwar sehr wesentlichen! – Bereich des Lebens, von dem wir auch dann mit Recht etwas zu wissen glauben, wenn wir von ihm überhaupt nichts im naturwissenschaftlichen Sinne „erforscht“ haben. Keiner von uns hat sich je über viele Jahre mit einem geliebten Menschen verkabeln und von einem vermeintlich objektiven Beobachter die Emotionsströme messen lassen, um so im Experiment festzustellen, wie tief und innig die Liebe wirklich ist. Im Gegenteil, gerade die subjektivste aller Empfindungen genügt oft, um uns dessen sicher zu sein. Gleichwohl können Liebesgefühle ins Wanken geraten, wenn wir nicht genug Vertrauen haben und (berechtigte oder unberechtigte) Zweifel hegen. In diesen Fällen – und sie sind durchaus häufig anzutreffen – sind wir dazu verlockt einen konkreten Beweis der Liebe zu fordern und dadurch aus dem, was der freien Hingabe unterstellt ist, einen Kontrollzwang zu machen. Wir halten dann nach einer offenkundigen Geste Ausschau oder sehnen uns danach, endlich einmal wieder die berühmten drei Worte zu hören, so, als könnte das Lippenbekenntnis eines Menschen etwas zwingend beweisen. Kein Gericht eines demokratischen Staates würde es für einen Schuldspruch als ausreichend erachten, wenn ein einziger Mensch in Worten etwas ausspricht. Es bedürfte dazu zumindest zwei sich deckender Zeugenaussagen. Immer werden zur Untermauerung eines Verdachts auch die objektiven Tatsachen untersucht. Es wird nach Beweismitteln und Fakten gefahndet. Wenn wir jedoch nach diesem Prinzip in der Beziehung zu unseren Mitmenschen verfahren, dann werden wir paranoid, ängstlich und misstrauisch. Wir geraten in große Verwirrung, sobald wir unserer inneren Stimme kein Vertrauen mehr schenken können. Wir werden zu den allerunsichersten, neurotischsten Menschen, wenn wir im Bereich der Empfindungswelten nicht von der exakten Beweisführung ablassen und stattdessen eine andere Form der Wahrnehmung und Beurteilung entfalten und gelten lassen können. Gelingt uns dieser Befreiungsakt nicht, dann wird die ausschließliche wissenschaftliche Denkungsart uns krank machen und uns immerfort in tiefe emotionale Vertrauenskrisen stürzen. So sehr uns das naturwissenschaftliche Verstehen und Erklären auf der einen Seite Sicherheit bietet und uns stärkt, so sehr kann es uns auf der anderen Seite unserer Existenz ins Chaos stürzen und ein Gefühl der Ohnmacht, Schwäche und Hilflosigkeit hinterlassen. Um als ganze Menschen im Leben bestehen zu können, bedarf es notwendigerweise auch des Glaubens und Vertrauens. Allein dadurch zeigt sich, welch unermessliche Bedeutung eine spirituelle Dimension für die menschliche Gesundheit (selbst für die von Atheisten) hat. <sup class='footnote'><a href="#fn-4588-2" id='fnref-4588-2'>2</a></sup></p>
<h4>Verkabelt auf der Wohnungssuche?</h4>
<p>Wir alle werden täglich von intuitiven Ahnungen durchströmt, die wir meist nicht klar fassen können. Ihre genaue Herkunft bleibt uns verhüllt und doch erleben wir immer wieder Momente, in denen wir vollkommen auf diese vagen, in uns auftauchenden Intuitionen vertrauen. Wenn wir etwa bei der Suche nach einem neuen Zuhause eine Wohnung besichtigen und diese rein äußerlich den gewünschten Daten entspricht (sie hat drei Zimmer, die gewünschte Größe, einen Garten, liegt in einer ruhigen Gegend etc.), so kann es doch sein, dass uns in der Wohnung eine Empfindung überkommt, die uns das Gefühl vermittelt, dass wir hier nicht würden wohnen können. Etwas fühlt sich nicht richtig an und die innere Stimme sagt: „Nein, hier will ich auf keinen Fall einziehen!“ Würden wir nur nach der äußeren Messbarkeit funktionieren, dann gäbe es keinen Grund die Wohnung auszuschlagen. Wieso wollen wir nicht in die Wohnung einziehen, obwohl sie doch faktisch alle Kriterien erfüllt? Einzig die Stimmung ist „komisch“, etwas stimmt also nicht mit unserem Innern überein. Vielleicht wird eine Wissenschaft der Zukunft einige dieser Phänomene erklären können, dennoch ist kaum vorstellbar, dass wir irgendwann mit tausend Gerätschaften verkabelt zur Wohnungssuche gehen um zu messen, wie sich der jeweilige Raum zum eigenen Organismus verhält. Zum Glück sind wir verbunden mit der inneren Stimme, die zwar trügen kann, aber uns doch oft auch als zuverlässiger Ratgeber zur Seite steht. Wir brauchen daher für viele dieser alltäglichen Entscheidungen gar keine wissenschaftlichen Methoden, die uns etwas erklären oder bestätigen. Eher brauchen wir so etwas wie einen intuitiven Seismographen, der unsere innere Stimme wahrnimmt, aufzeichnet und ggf. verstärkt, so dass wir sie überhaupt bewusst wahrnehmen können. Wichtig wäre es, diese Ahnungen zu schärfen und zu differenzieren. Dabei kann uns ein gut ausgebildeter Intellekt nur zum Teil von Nutzen sein. Er kann durchaus beim Bewusstwerdungsprozess unterstützend helfen, aber er kann nicht selbst die ahnungsvolle Intuition erzeugen, er kann sie nur beobachten und artikulieren, aber <em>er ist sie nicht selbst</em>.</p>
<h4>Durchlässige Zwischenwände</h4>
<p>Jenen Bereich, aus dem die Intuitionen und Inspirationen auftauchen, möchte ich den <em>transzendenten Bereich</em> nennen, im genauen etymologischen Wortsinne den Bereich also, der die empirische Beweisbarkeit überschreitet, da er in ein geistiges Gebiet, jenseits der äußeren Sinne, hineinragt. Wir kommen durch unsere Empfindungswelten (aber auch durch unser Denken) mit Bereichen der Transzendenz in Kontakt, die aus einem unsichtbaren Hintergrund durch durchlässige Zwischenwände in das Sichtbare hinüberleuchten. Die Sichtbarkeit ist nicht äußerlich direkt wahrnehmbar, aber doch spürbar. Es gibt gewissermaßen einen Grenzbereich, der seine Fühler nach beiden Seiten ausstreckt: in die himmlische Welt des Geistes und in die irdische Sinnenwelt. Die allereinfachsten und alltäglichsten Erfahrungen können uns dahin führen einzusehen, dass es diesen transzendenten Bereich gibt, einen Bereich also, der nicht völlig in der Erforsch– und Beweisbarkeit der Wissenschaft aufgeht. Aber – und dies ist sehr wichtig – bewiesen ist der transzendente Bereich durch unsere Überlegungen keineswegs. Wozu sollten wir ihn auch beweisen wollen, wenn es allein von unserer Offenheit abhängt, wie sensibel wir auf die Zwischentöne anschlagen?</p>
<h4>Lauschendes Spüren</h4>
<p>Es wäre eine gute Übung einmal einen Tag lang ganz bewusst darauf zu achten, wo und wie oft wir von Ahnungen durchkreuzt werden, von Stimmungen, Intuitionen. Wir wachen morgens auf. Aber mit welchem Gefühl eigentlich? Ist es nicht wundersam, dass wir an manchen Tagen voller Tatendrang erwachen, so, als könnten wir Bäume ausreißen, während wir uns an anderen Tagen depressiv verstimmt fühlen und uns am liebsten verkriechen würden? In der lauten Hektik des Alltagslebens übergehen wir solche Stimmungen meist geflissentlich, obwohl es sehr wichtig wäre ihnen etwas nachzuspüren. Vielleicht hängen Stimmungsschwankungen auch mit den Träumen zusammen. Aber wenn wir uns an keine nächtlichen Bilder erinnern? Wollen wir es dann auf das Wetter schieben, auf die Mondphasen, auf die Menstruation? Doch selbst wenn wir das alles im Blick behalten, bleibt oft nur eine dunkle Ahnung, woher die Stimmungen in Wahrheit rühren. Die Psychologie nennt als Ursprungsbereich der nebulösen Launen und Affekte das Unbewusste. Ich vermeide diesen Begriff an dieser Stelle absichtlich, da er doch zu leicht den Eindruck erwecken könnte, als handle es sich bei den menschlichen Stimmungen ausschließlich um rein körperliche, quasi medizinische Erscheinungen, die auf irgendwelche Außenreize zurückzuführen sind und mittels der Hirnforschung irgendwann erklärt werden könnten. Doch das Unbewusste wird <em>auch</em> gespeist aus einem nur schwer zu fassenden, transzendenten Bereich (Jung nennt ihn das kollektive Unbewusste). Wir leben in der Welt der Entwicklung, in der Welt der Evolution, in der Welt des Werdens – und doch werden wir genährt und am Leben erhalten von der Welt des Seins. Einer Welt, in der Vergangenes und Zukünftiges gleichzeitig im Jetzt da sein können, eine Welt also, die jenseits der physikalischen Gesetzmäßigkeiten existiert. In den unausgesprochenen Zwischentönen verbirgt sich jenes mythische Zauberreich und spricht doch gerade in den schweigsamen Zwischenräumen zu uns. Unsere Ohren sind noch nicht dafür eingestimmt, dieser Stille zu lauschen. Doch hören wir einmal auf den Moment des Aufwachens. Hören wir einmal, wieso uns plötzlich, wie aus dem Nichts, in dem einen Moment große Lust überfällt und im nächsten große Unlust.</p>
<p>Doch lauschen wir nur behutsam. Denken und bewerten wir nicht. Erklären wir nicht. Ordnen wir nicht gleich das Empfangene in ein System ein. Sehen wir es nicht mit der philosophischen, psychologischen, biologischen, medizinischen Brille, nennen wir es nicht Zwang, Komplex, Neurose, Hirngespinst, Außenreiz, sondern lassen wir den Impuls des Moments in seiner Unmittelbarkeit zu uns sprechen und fragen noch einmal: <em>Wie</em> sind wir gestimmt? Fragen wir zunächst nicht: Was <em>bedeutet</em> das Gefühl, wodurch wird es ausgelöst, welcher Grund liegt dahinter? Fragen wir möglichst neutral: <em>Wie</em>fühlen wir uns? <em>Wie</em> meint hier nicht eine Wertung im Sinne von gut oder schlecht. <em>Wie</em> meint: <em>Was</em> sagt die Stimme, <em>wie</em> spricht sie zu uns, <em>wie</em> tönt sie, <em>wie</em> ist sie beschaffen? Verzichten wir für einen Moment auf jede Stütze und fallen wir in dieses lauschende Spüren hinein, damit es uns ausfüllen kann und wir das Empfundene ganz bewusst in seinem So-Sein vernehmen. Jetzt … in diesem Moment des Lesens … Wie sind wir gestimmt? Wie sind wir gestimmt, wenn wir arbeiten und ausruhen, wenn wir diesem und jenem Menschen begegnen? Welche Gestimmtheit bringen wir mit in die Begegnung? Liegt vielleicht in unserer Gestimmtheit ein Wink zu einem Impuls, dem wir als Erkenntnis-Spiegel begegnen wollen? Was geschieht eigentlich hinter der Oberfläche, im Grenzbereich der zwei Welten? Dort ist der Bereich, wo wir uns selbst als Mensch und auch den anderen Menschen näherkommen. Es ist der Bereich, für den wir <em>uns selbst</em> brauchen und ganz ohne Beweise und Methoden auskommen. Es ist die Schatzkammer unserer Seele, die uns immerzu verstellt wird, die erschwert wird mit allerlei Ballast. Doch nur weil jene stille Stimme des transzendenten Zwischenspiels ständig überlagert wird, heißt dies nicht, dass es sie nicht gibt … dass sie sich uns nicht gibt … dass sie nicht immerfort sich geben will. Sie will sich uns zu verstehen geben in jedem Augenblick. Es liegt an uns sie zu vernehmen … die Gabe des Zwischenspiels anzunehmen. Sie spielt unentwegt. Wir müssen nur beiseite rücken und dem Ver-Rückten einen Ort einräumen.</p>
<h4>Das neue Gastmahl</h4>
<p>Als in Platons Gastmahl alle Anwesenden eine Rede über den Eros vorgetragen haben, kommt abschließend der betrunkene, schalkhafte Narr Alkibiades zur Gesellschaft hinzu. Er setzt sich mitten zwischen den Gastgeber Agathon und den großen Philosophen Sokrates. Sokrates wird bei seiner Rede über den Eros von der weisen Diotima inspiriert, er spricht aus dem transzendenten Bereich. Agathon, als Gastgeber, bietet den irdischen Rahmen. Alkibiades aber, der Dritte, der Mittlere, ist derjenige, der im Grenzbereich zwischen den Welten zuhause ist und dort spielt. Er verkörpert die Prise Ver-Rücktheit, derer es bedarf, um die Kunde des Sokrates zu vernehmen. Sokrates, der auch als der verkopfte Philosoph gilt und dem seine Träume mehrfach eingegeben haben, er solle Musik treiben (d.h. sich intensiver der Gestimmtheit seiner Gefühle zuwenden), jener Sokrates, der sich von niemandem belehren lässt, sondern selbst alle belehrt, er tritt im Gastmahl beiseite und lässt Diotima durch sich sprechen. Doch die Diotima in Sokrates, also die inspirierende Liebes-Weisheit hinter dem intellektuellen Denken, können wir nur vernehmen, wenn wir in der Mitte Platz bewahren für den unbekümmerten, unvoreingenommen Narren Alkibiades. Er bringt eine Prise dionysischen Rausch ins Spiel, indem er die Anwesenden fragt: „Wollt ihr mit mir zechen oder nicht?“ Da hatten nun alle aufgejubelt und ihn aufgefordert einzutreten, heißt es im Text. Nur der Narr in uns vermag auf die erdrückende Beweislast zu pfeifen und den Spruch des Aristoteles, der diesem Artikel vorangestellt ist, zu verstehen und zu beherzigen. So bemerkt dann auch Sokrates, dass der kunstgerechte Tragödiendichter zugleich auch Komödiendichter sein müsse. Der Narr ist (im Sinne des Aristoteles) gerade der Wohl-Erzogene, da er unverdorben ist von gelehrten Meinungen. Er kann dort lachen und Humor zeigen, wo andere mit ernster Miene meinen, um jeden Preis ein festgeschriebenes Gesetz achten zu müssen. Um einen fruchtbaren Dialog zwischen Wissenschaft und Spiritualität in Gang zu setzen, bedarf es zur Vermittlung einer heiteren Ver-Rücktheit und eines spielerischen Humors. Weder mit dem dogmatischen Ernst religiöser Gläubiger noch mit dem Ernst des Beweisen-Müssens der Wissenschaftsvertreter kann eine Annäherung stattfinden – wohl aber, wenn beide Seiten im Sinne von Platons Gastmahl miteinander zechen, spielen und disputieren.</p>
<h4>Wissen und Vertrauen</h4>
<p>Nehmen wir in der angedeuteten Weise an dem gemeinsamen Gastmahl teil, dann vermag auch jeder dem anderen das Seine zu lassen. Gerade durch die bahnbrechenden Ergebnisse der neueren Wissenschaft besteht auch für die spirituelle Seite die Gefahr, allzu sehr mit dem großartigen Beweismaterial zu liebäugeln. Wir sollten uns endlich mit dem Gedanken anfreunden, dass es für den transzendenten Bereich keinen zwingenden Beweis im herkömmlichen Sinne geben kann und auch gar nicht geben muss. Auch die neuesten Entdeckungen der Quantenphysik können jene Beweise nicht liefern. Ebenso wenig wie etwa die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, auch wenn ihr Name dies – vielleicht etwas missverständlich – suggeriert. Man kann, als ver-rückter Mensch – der sich aber gerade dadurch erst in sein wahres Menschenwesen zurecht rückt – einsehen, dass es etwas Transzendentes gibt, aber diese denkerische Einsicht spricht sich uns gerade nicht durch den Beweis zu (es wäre dies lediglich ein berechnendes Denken), sondern durch die innere Erfahrung eines Herz-Denkens. Die Hoffnung, die Wissenschaft könne in Zukunft das Menschen<em>wesen</em> immer besser erklären, beruht auf einem Denkfehler. Auch wenn etwa durch die Biologie in der DNA eine ähnliche Struktur entdeckt wurde wie im jahrtausendealten chinesischen I Ging <sup class='footnote'><a href="#fn-4588-3" id='fnref-4588-3'>3</a></sup>, beweist diese Forschung keineswegs die Wahrheit oder Gültigkeit des I Ging. Es zeigt sich eine Analogie, eine Entsprechung von Psyche und Materie, einer geistigen und körperlichen Ebene, die uns wundervoll anmutet. Und sie<em>ist</em> auch voller Wunder, aber nicht voller Beweise. Es würde in das heilloseste Chaos führen, wenn spirituelle Menschen heute ihre Bestätigung aus den neuesten Forschungen der Wissenschaft beziehen und infolgedessen stolz verkünden würden: „Und Meister Eckhart hatte doch recht, und Laotse auch und auch die Mythen und die religiösen Schriften.“ Das Denken hat eine völlig andere Qualität, wenn es durch sich selbst, aus eigener Kraft, zu der Einsicht gelangt, dass etwa im <em>Tao te king</em>und in den Mythen tiefe Wahrheiten ausgesprochen sind. Dann wurzelt das Herz-Denken in sich selbst. Nur wenn das Denken misstrauisch und wankelmütig wird, wenn es den Bezug zu den Empfindungen verliert, wenn es schwach wird und seiner eigenen Kraft nicht mehr vertraut, dann bedarf es der Stützen durch wissenschaftliche Beweise. Sie sind dann wie Krücken für den Beinbruch des Denkens.</p>
<p>Aber auch wenn das Herz-Denken der Wissenschaft nicht als Stütze bedarf, wird diese Wissenschaft nicht überflüssig oder unwichtig. Viele neueste wissenschaftliche Ergebnisse künden von dem Wunder der Analogie, von dem hermetischen Grundsatz „wie oben, so unten“. Die Naturwissenschaft beweist nicht die Wahrheit dieses Satzes, aber sie lässt uns teilhaben am Staunen über die Struktur der Welt. Wenn die Wissenschaft uns in dieser wundervollen Weise staunen lässt, dann befeuert sie uns und wird selbst zu etwas Wunderbaren. Wenn uns die Wissenschaft lediglich als Beweis für einen letzten Rest-Zweifel dient, durch den wir endlich nicht mehr glauben müssen, dann schwächt sie uns. Das Vertrauen ist ja gerade eine Kraft, die wir dann benötigen, wenn wir nicht wissen können. Würden wir alles wissen, dann würden wir in einer vertrauenslosen Welt leben, es wäre eine sehr kalte, mechanistische Welt. Doch was für ein zauberhaftes Geschenk ist es, wenn uns ein Mensch Vertrauen schenkt, wenn er an uns glaubt, gerade dann, wenn er nicht weiß, ob wir das in uns gesetzte Vertrauen auch bestätigen werden. Vertrauen-Geben ist immer eine freiwillige Herzens-Gabe des Nicht-Wissens. Vertrauen-Empfangen ist immer eine aufbauende Herzens-Gabe, die uns zu mutvollen Taten befähigt. Spielen wir also ein bisschen ver-rückt und wagen wir wie der Narr den vertrauensvollen Sprung ins Ungewisse, denn dort und nur dort finden wir Vertrauen in uns und unsere Weggefährten: in die Menschen und ihr Wesen.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmal im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2011/september/wenn-vertrauen-tiefer-reicht-als-beweise/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Sept. 2011</a></em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4588-1'><em> 4. Buch</em>, 4. Kapitel, 1006a 6f. / vgl. auch Martin Heidegger, <em>Zollikoner Seminare</em>, Frankfurt 2006, S.6 sowie <em>Der Satz vom Grund</em>, Pfullingen 1957, S.29 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4588-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-4588-2'>Wodurch freilich noch nichts über den Sinn oder Unsinn des jeweiligen spirituellen Inhalts ausgesagt ist. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4588-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-4588-3'>Die Arithmetik des I-Ging ist verwandt mit der des genetischen Codes. Die 64 Hexagramme (Doppeltrigramme) des I-Ging  entsprechen den 64 möglichen Codons des genetischen Codes, die ebenfalls aus Tripletts aufgebaut sind.  – vgl. u.a. Marie-Louise von Franz, Psyche und Materie, Daimon Verlag &amp; Martin Schönberger, Weltformel I Ging und genetischer Code, Windpferd Verlag <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4588-3">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Die Innere Kälte</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/02/27/die-innere-kalte/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 13:11:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yves Patak</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Yves E. Patak]]></category>

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		<description><![CDATA[Während die Kältewelle unbarmherzig über Europa und auch unsere Schweiz hinweg rollte, machte ich mir Gedanken zu jener ‚Kälte der anderen Art‘, die mir in meiner Praxis immer wieder begegnet. Ich spreche von der inneren Kälte, unter der so viele Menschen zu leiden scheinen. Damit ist nicht die Kälte gemeint, die den ‚eiskalten Killer‘ im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/IMG_2315.jpg" rel="lightbox[4530]"><img class="alignright  wp-image-4532" style="margin-left: 10px;" title="Die innere Kälte - (cc) Heinz Robert" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/IMG_2315-300x193.jpg" alt="" width="200" height="129" /></a>Während die Kältewelle unbarmherzig über Europa und auch unsere Schweiz hinweg rollte, machte ich mir Gedanken zu jener ‚Kälte der anderen Art‘, die mir in meiner Praxis immer wieder begegnet. Ich spreche von der <em>inneren</em> Kälte, unter der so viele Menschen zu leiden scheinen. Damit ist nicht die Kälte gemeint, die den ‚eiskalten Killer‘ im Krimi auszeichnet, sondern die Kälte, die der Betroffene empfindet, weil er nicht genug Seelenwärme bekommt. Manchmal erscheint es mir, als litte fast jeder Mensch unter einer Einsamkeit, die weder Internet-Partnerbörsen noch Facebook mildern können.</p>
<p>Wir sprechen hier vom Ur-Mangel im tiefsten Sinn: dem Gefühl der fehlenden Liebe, Zuwendung, Bewunderung, Anerkennung etc. Offenbar neigt der Mensch zu der Illusion, dass er einsam und allein auf dem Planeten Erde durch die Kälte des Universums kreist, ziellos, sinnlos, ungeliebt, unverstanden.</p>
<p>Lassen Sie uns ein wenig darüber philosophieren, wie wichtig es ist, diese schmerzliche Illusionen zu durchbrechen, um glücklich und gesund zu werden. Ich denke dabei auch an ein augenzwinkerndes ‚Spirituelles Manuskript‘, das mir vor Jahren in die Hände gelangte. Der Essay endete mit dem Satz:</p>
<p><em>„Jeder Mensch wird jederzeit begleitet, beschützt und geliebt. Alles andere ist Illusion.“</em></p>
<p>Man kann auf solche Sätze mit Skepsis reagieren oder mit Zynismus — oder sich mal überlegen, ob etwas daran sein könnte. Wissen wir es denn besser?</p>
<p>Doch lassen Sie uns eintauchen in die Thematik der Seelenkälte — bis uns allen so richtig warm ums Herz wird!</p>
<h4>Die Illusion der Einsamkeit</h4>
<p>Wenn Ärzte Krankheiten begegnen, suchen sie nach Ursachen. Logisch. Genau genommen suchen ja alle Menschen nach Ursachen, weil etwas in uns automatisch annimmt, dass die Ursache zur Lösung führen wird. Doch schon der großartige Psychiater Steve de Shazer bemerkte, dass man das Problem nicht immer kennen muss, um eine Lösung zu finden.</p>
<p>Was mich bei Krankheiten und Problemen immer wieder besonders interessiert, ist der „gemeinsame Nenner“, den man zur Gesundung eventuell nutzen könnte. Einer dieser Nenner erscheint mir besonders interessant: Fast jeder meiner Kunden empfindet sich in seiner Krankheit irgendwie allein. Abgetrennt, losgelöst, ungerecht bestraft. „Warum ich?“ fragen sie. Die Botschaft zwischen den Zeilen ist: „Ich bin allein in meinem Kummer. Ich trage dieses schreckliche Schicksal allein. Es grenzt mich von allen anderen aus. Ich bin nicht mehr dabei.“</p>
<p>Das Gefühl des Allein-Dastehens verbindet die Opfer aller möglichen Krankheiten — ob psychisch oder körperlich — wie ein unsichtbares Band. Diese Erkenntnis hat wahrscheinlich zur Idee der Selbsthilfegruppe geführt. In diesen nützt den Mitgliedern nicht nur das Wissen der anderen, sondern vor allem auch die Erkenntnis: „Ich bin nicht allein mit meinem Problem!“ Diese Erkenntnis tut gut, auch wenn sie logisch betrachtet auch nicht zur Lösung beiträgt. Aber wo ist der Mensch schon logisch?</p>
<p>Hier beginnt jedoch in meinen Augen ein wichtiger Faktor des Heilungsprozesses: Der Betroffene sollte erkennen, dass er erstens nur einer von unzähligen Betroffenen einer bestimmten Situation ist, und zweitens viele seiner Schicksalsgenossen täglich beweisen, dass es einen möglichen Ausweg gibt. Einen <em>inneren</em> oder einen <em>äußeren</em>.</p>
<p>Die meisten Menschen sehen nur den äußeren. Und hier liegt die Wurzel des ‚Sackgassen-Syndroms‘ — jenes schrecklichen Gefühls, dass ‚es einfach nicht mehr weitergeht‘. Dabei braucht man sich bloß einmal umzudrehen. Den Blickwinkel zu ändern.</p>
<p>Bereit dafür?</p>
<h4>Die Illusion des Unlösbaren</h4>
<p>Wie oben erwähnt, ist das Gefühl, einsam und hilflos in einer ausweglosen Situation zu stecken oft überwältigend. So überwältigend, dass man dabei völlig vergisst, dass es keine wirklichen Probleme gibt, sondern nur <em>Situationen</em>. Diese sind neutral. <em>Wir</em> allein geben ihnen ihren emotionalen Wert!</p>
<p>Denken wir zum Beispiel an Stephen Hawking — den genialen Astrophysiker, der seit Jahrzehnten völlig gelähmt und sprachunfähig im Rollstuhl sitzt und (theoretisch) schon längst tot sein müsste. Stephen Hawking ist allem Anschein nach – trotz seines ‚schrecklichen Schicksals’ – ein glücklicher, aktiver Mensch! Er ist das lebendige Beispiel, dass es in unserem Leben nie die <em>Situation</em> ist, die uns Leid bringt, sondern unsere <em>Einstellung</em> dazu.</p>
<p>Sobald der Mensch leidet, vergisst er meistens sehr schnell, dass es stets <em>zwei</em> Wege gibt: Die Lösung im Innen — oder die Lösung im Außen. Doch warum laufen wir wie die Halbblinden immer wieder gegen dieselbe Wand? Weil unser Ego die Lösung ‚im Innen’ als unattraktiv taxiert und unseren Blick deshalb stur auf die ‚echte Lösung’, sprich, die Lösung im Außen richtet. Und schon sitzen wir in der Falle.</p>
<p>Wenn ich einsam bin, kann ich entweder in die Welt hinaus und neue Freunde, eine Partnerin, einen Ehemann suchen — oder ich lerne, die Einsamkeit als bereichernden Zustand zu erleben. Mal ehrlich: klingt das für Sie nach einer echten Alternative? Falls nicht, dann hat soeben Ihr Ego wieder zugeschlagen!</p>
<p>Einige Leser mögen jetzt sagen: „Ja, wenn‘s mit der Lösung im Innen doch so einfach wäre!“</p>
<p>Moment mal: es hat nie jemand behauptet, das Leben wäre einfach! Es steht auch nirgends geschrieben, dass es einfach sein <em>soll!</em> Das Leben ist eine Kunst, die gelernt werden will. Manchmal geht‘s um den Kampf. Manchmal um die Akzeptanz — so wie im altbekannten Gelassenheitsgebet so treffend beschrieben:</p>
<blockquote><p><strong><em>„Herr, gib mir die </em></strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheit" rel="external nofollow"><strong><em>Gelassenheit</em></strong></a><strong><em>, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den </em></strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mut_(Tugend)" rel="external nofollow"><strong><em>Mut</em></strong></a><strong><em>, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die </em></strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit" rel="external nofollow"><strong><em>Weisheit</em></strong></a><strong><em>, das eine vom anderen zu unterscheiden!“</em></strong></p></blockquote>
<p>Der beste Moment, diese Weisheit zu beherzigen, ist wie immer — jetzt!</p>
<p>Der Winter ist nicht einfach nur eine ‚kalte Jahreszeit’. Wie schon die alten Chinesen so weise beobachteten, können wir lernen, mit der Natur in Harmonie die verschiedenen Lebensphasen zu durchleben. Im Winter zieht sich alles zurück. Viele Tiere halten Winterschlaf, die körperliche Aktivität wird gedrosselt, und in der Stille unter der Schneedecke ergibt sich Raum, um nachzudenken. Im Winter können wir uns die Zeit nehmen, zu erkennen, welche Probleme wir im Außen und welche im Innen lösen sollten — und packen sie im Frühling, wenn die Sonne uns neue Kraft schenkt, mit Mut und Tatkraft an!</p>
<h4>Blick aus dem Universum</h4>
<p>Eine kleine mentale Hilfe ist die „Reise ins Universum“. Nehmen wir an, Sie haben ein Problem, ein seelisches oder körperliches. Sie sind verzweifelt, finden keine Lösung, sind überzeugt, der ärmste, vom Schicksal am meisten gebeutelte Mensch zu sein.</p>
<p>Schließen Sie die Augen. Schweben Sie im Geist zwei Meter über sich selbst und betrachten Sie sich in Ihrem Leid. Fühlen Sie, wie es etwas weniger weh tut, wenn man (mental) Distanz gewinnt. Nun schweben Sie noch höher, 100 Meter über sich selbst und tun das Gleiche. Sieh an — Sie und Ihre Probleme sind schon ziemlich geschrumpft! Und nun geniessen Sie eine wunderbar schwerelose Reise ins Universum. Irgendwann sehen Sie unsere Erde als kleinen blauen Punkt. Sie wissen, dass es auf diesem blauen Punkt ein paar Milliarden Mikroben (Menschen) gibt, von denen Sie eine sind. Nur eine. Sie sind nicht einmal mehr sichtbar! Und Sie machen sich bewusst, dass diese Mensch-Mikroben, über die vier Milliarden Jahre Erdenzeit gesehen, nur eine knappe Hundertstelsekunde auf diesem blauen Punkt existieren.</p>
<p>Fühlen Sie bewusst, wie unbeschreiblich unwichtig und kurzlebig wir — vom Universum aus gesehen — sind. Reden Sie sich einmal ganz fest ein, dass nur Ihr Bewusstsein unendlich und ewig ist. Denn vielleicht stimmt es sogar dann, wenn Sie es nicht glauben.</p>
<p>Und nun werfen Sie nochmals einen Blick auf Ihr Problem. Fühlen Sie, wie unendlich klein und unwichtig es eigentlich ist — auch wenn Sie da unten auf der Erde das Gefühl hatten, es sei das Ende der Welt!</p>
<p>Wiederholen Sie diese Übung täglich beim Zähneputzen, und in einer Woche geht es Ihnen besser. Und ganz allmählich schmeckt Ihr Problem nach dem, was es immer schon war: nach einer Situation. Nicht mehr und nicht weniger.</p>
<p>Die innere Ruhe, die mit dieser gefühlten Erkenntnis eintritt, erlaubt uns in der Folge, uns um die konkreten Veränderungsmöglichkeiten zu kümmern – Hypnose, EFT, EMDR, Meditation, systemisches Aufstellen, um nur einige zu nennen – um auch die innerlichen ‚Rest-Probleme’ aufzulösen.</p>
<p>Das Leben ist eine Reise, die wie alle anderen Reisen Schritt für Schritt abläuft. Soeben haben Sie einen weiteren Schritt getan!</p>
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		<title>Visionen – in Bewegung kommen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/01/24/visionen-in-bewegung-kommen/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 16:53:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendein Ziel haben eigentlich alle – aber auch eine Vision? Ein Tanz zwischen Luftschloss und Berufung. Vision, das hat zunächst etwas mit dem Sehsinn zu tun, mit den Augen und den damit verbundenen Hirnarealen, in denen visuelle Reize verarbeitet werden. Dazu drängt sich ein Bild auf: Wir stehen auf einer Anhöhe und blicken in die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Irgendein Ziel haben eigentlich alle – aber auch eine Vision?</em></strong><br />
<strong><em> Ein Tanz zwischen Luftschloss und Berufung.</em></strong></p>
<div id="attachment_4366" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/ap4b0516db9e906_s.jpg" rel="lightbox[4363]"><img class=" wp-image-4366 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/ap4b0516db9e906_s-300x201.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / Wüste © DonMordor</p></div>
<p>Vision, das hat zunächst etwas mit dem Sehsinn zu tun, mit den Augen und den damit verbundenen Hirnarealen, in denen visuelle Reize verarbeitet werden. Dazu drängt sich ein Bild auf: Wir stehen auf einer Anhöhe und blicken in die Weite. Von oben betrachtet ergibt sich eine neue Orientierung. Wir verlieren uns nicht im Geflecht des täglichen Geschiebes und Getriebes dort unten, sondern überschauen die Welt, erkennen Zusammenhänge und Ziele: Dort liegt es, dort will ich hin. Wenn wir später wieder unten sind, wenn wir uns im Alltag mit Tunnelblick durchwuseln, wird es gut tun, sich an die Fernsicht von einst zu erinnern.</p>
<p>In die Ferne schauen, wird mit einem Fremdwort auch als Television bezeichnet. Das aber ist nicht, was wir meinen. Doch die flächendeckende Ausbreitung der Glotze verrät so einiges über das Dilemma, in dem wir in der Sache stecken. In der Regel blicken wir bloss wenige Meter vor uns und nehmen vorlieb mit einem flüchtigen Flimmern, das uns eher zerstreut, als dass es unsere Geisteskraft bündelt. «Wozu denn in die Ferne schweifen, wenn das Schlechte liegt so nah?», liesse sich das geflügelte Wort abwandeln.</p>
<h4>Rufer in der Wüste</h4>
<p>Und die Anhöhen, von denen wir heute blicken, sind nicht erhabene Gipfel, sondern immense Schuldenberge, die ganze Volkswirtschaften angehäuft haben und die unser Wirtschaftsleben zu ersticken drohen. Was wir von dort oben schauen, erfüllt uns nicht mit Zuversicht, sondern mit Angst. Und es mobilisiert unter denen, die sich dagegen stemmen, eine neue Form von Protest: «Occupy Wall Street!» lautet die Botschaft einer bunten basisdemokratischen Protestbewegung, die sich in aller Welt gegen das Diktat der Banken und Finanzmärkte erhebt. Was diese Leute wollen, wissen sie vielleicht nicht mal selber. Eher schon, was sie nicht wollen. Das ist zwar noch keine Vision, aber wohl der erste Schritt dazu.</p>
<p>«Ich denke, wenn es einen höheren Sinn gibt, dem Occupy Wall Street und der grosse Archetypus dahinter dienen, dann ist es eine Revolution der Liebe. Sollten die 99 Prozent der Bevölkerung die Führungsschicht von 1 Prozent besiegen, dann wird es wie im Falle der bolschewistischen Revolution darauf hinauslaufen, dass sich schliesslich eine neue Führungsschicht anstelle der alten durchsetzt. Streben wir also nicht danach, sie zu bekämpfen und zu besiegen, versuchen wir, sie in ihrem Herzen zu erreichen und sie zu uns rüberzuholen», postuliert der alternative US-Ökonom Charles Eisenstein.<br />
«Wenn Occupy Wall Street eine Botschaft hat, dann sollte sie lauten: ‹Wacht auf! Das Spiel ist so gut wie vorbei. Verlasst das sinkende Schiff, ehe es zu spät ist!› In meiner Tätigkeit lerne ich viele reiche Menschen kennen, die das bereits getan haben, Menschen, die das Geldspiel hinter sich gelassen haben und ihre Energien darauf verwenden, das, was sie angesammelt haben, so stilvoll wie möglich unter die Leute zu bringen. Und ich lerne weit mehr Menschen kennen, denen es von ihren intellektuellen und finanziellen Mitteln her durchaus möglich wäre, ein Vermögen zu machen, die das aber nicht tun, weil sie sich am Geldspiel nicht beteiligen wollen.</p>
<p>Falls das, was ich zu sagen habe, idealistisch klingt, so meine ich, wir sollten nicht vergessen, dass etliche sich bereits ein Herz gefasst haben und von Bord gegangen sind. Einige werden meine Vorschläge als wenig praktikabel empfinden – wohingegen mir der Wandel des Herzens als die einzig praktikable Form der Veränderung überhaupt erscheint. Diese Kritiker werden verlangen, dass wir konkrete Forderungen aufstellen. Dem jedoch müssen wir entgegenhalten: Keine Forderung ist gross genug, und jede Forderung, die wir aufstellen könnten, wäre auch schon wieder zu viel.»</p>
<p>Diese Revolution der Liebe führt nach Eisensteins Verständnis zu einer «Heiligung der Wirtschaft» (Sacred Economy, North Atlantic Books, Berkeley 2011), was nicht gerade ein bescheidenes Programm ist. Wie bei jeder Vision ist auch bei dieser der entscheidende Faktor die Resonanz. Der Visionär kann noch so recht haben, seine Argumente und Vorschläge können noch so stichhaltig sein, erreichen sie nicht zur rechten Zeit in der rechten Form das rechte Publikum, bleiben sie Schall und Rauch. Was wäre Moses, der mit den zehn Geboten den Berg Sinai hinabsteigt, und unten stünde nicht bangend und lauschend sein Volk? Buchstäblich: ein einsamer Rufer in der Wüste. Und der wichtigste Resonanzkörper bildet selbstverständlich der Rufer für sich selbst.</p>
<h4>Fünf Leben geschenkt</h4>
<p>Martin Bertsch war als Sozialarbeiter und Case Manager tätig, und dabei hatte er oft mit Menschen zu tun, die nach einem Unfall oder einer längeren Krankheit vor einem Scherbenhaufen standen. Statt mit ihnen in den Scherben zu wühlen und nach gangbaren Schritten zu suchen, stellte er keck die Frage: «Was würden Sie tun, wenn Ihnen sämtliche Möglichkeiten weit offen stünden?» Wer sich traute, vor diesem Ausblick für sich einen Lebensentwurf zu formulieren, so machte er die Erfahrung, dem gelang es später besser, neue Ziele in seinem Leben auch tatsächlich zu erreichen.</p>
<p>Zum einen seien Visionen nicht auf Knopfdruck abrufbar, zum andern gebe es kaum einen Menschen, der keine Visionen habe, erkannte Martin Bertsch, der in Ringgenberg/BE eine Visions-Schmiede leitet und eine Ausbildung zum Visions-Coach anbietet. Die wahre Herausforderung liege nicht darin, eine Vision zu finden, sondern darin, seine tiefste Vision zu leben. Um die zu erkennen, sei es nötig, sich aus den gewohnten Zusammenhängen zu lösen und sein Leben aus der Vogelperspektive zu betrachten. Das verschaffe die nötige Lockerheit, um sich spielerisch mit unerwarteten Möglichkeiten zu beschäftigen. Zum Beispiel mit der Frage: Was würde ich tun, wenn mir fünf Leben gleichzeitig zur Verfügung stünden? Im Dialog mit einem Begleiter auf gleicher Augenhöhe schälten sich Gemeinsamkeiten dieser verschiedenen Leben heraus, und es zeigten sich tragende Qualitäten.</p>
<p>Dieses Verfahren bezeichnet er im Unterschied etwa zu einer indianischen Visionssuche mit tagelanger Vereinzelung, mit Fasten und Trance als einen sehr schlichten Prozess. Die Wirksamkeit dieses dialogischen Prozesses liege gerade darin, dass er zu naheliegenden Zielen und nicht zu spektakulären Schauungen führe, die sich im Nachhinein vielleicht doch nur als unerreichbare Luftschlösser entpuppten. Letztlich komme es darauf an, in eine Bewegung zu geraten und die Erstarrung hinter sich zu lassen. Ob wir das Ziel je erreichen, spielt keine so grosse Rolle. Wichtig ist, dass wir uns bewegen. Darauf zu. Und das Ziel bewegt sich mit. Das heisst, wir vollführen einen Tanz.</p>
<p><em>Manifest von Charles Eisenstein:</em><br />
<em> www.scorpio-verlag.de,</em><br />
<em> Martin Bertsch: www.visionsschmiede.ch</em></p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin SPUREN, <a href="http://www.spuren.ch/comments/1192_0_2_0_C/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Nr. 102 Winter 2011/2012</a></p>
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		<title>Lust auf Heldentum?</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 14:03:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yves Patak</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Yves E. Patak]]></category>

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		<description><![CDATA[Lassen Sie uns heute über Helden reden! Um dorthin zu kommen, erlauben Sie mir einen kleinen einleitenden Umweg. Wenn ich mir die Magazine in einem größeren Kiosk betrachte, komme ich immer wieder ins Staunen. Da berichten doch sage und schreibe Hunderte von Zeitschriften tagtäglich über die gleichen Themen: Wer ist die Schönste im Land (mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4299" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/ap4b2e4a7e90c0c_s.jpg" rel="lightbox[4296]"><img class=" wp-image-4299 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/ap4b2e4a7e90c0c_s-300x176.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / Flügelwesen! © Daniel Werner</p></div>
<p>Lassen Sie uns heute über Helden reden! Um dorthin zu kommen, erlauben Sie mir einen kleinen einleitenden Umweg.</p>
<p>Wenn ich mir die Magazine in einem größeren Kiosk betrachte, komme ich immer wieder ins Staunen. Da berichten doch sage und schreibe Hunderte von Zeitschriften tagtäglich über die gleichen Themen: Wer ist die Schönste im Land (mit oder ohne Botox), wer hat mit wem eine Affäre und wem schlägt dies auf den Magen, welche Pille macht ‚natürlich und ganzheitlich‘ (und ohne jeden Aufwand) gesund, welches Auto macht den Mann noch männlicher, welche Klamotten die Frau noch unwiderstehlicher. Ergänzend informieren uns die Medien freundlicherweise darüber, wo gerade eine Katastrophe stattfindet und wie viele Menschen dabei den Tod finden.</p>
<p>Die Interessen der Menschen sind, wie es scheint, ziemlich beschränkt. Wir haben offenbar nichts dagegen, wenn uns derselbe Fraß in tausend Mikrowellengeräten neu aufgewärmt wird.</p>
<p>Da juckt es mich doch immer wieder unter den Fingernägeln, diese ‚Lieblingsthemen‘ der Menschheit mit der Fackel der Erkenntnis zu beleuchten. Was steckt <em>hinter</em> dem Wunsch nach Schönheit, Berühmtheit, Prestige, Gesundheit und dem Wissen, dass es anderen schlechter geht als uns?</p>
<p>Jetzt wird‘s spannend! Dahinter steckt nämlich immer nur die Sehnsucht nach einem ganz bestimmten <em>Gefühl</em>. Nach dem Gefühl, geliebt zu sein. In Sicherheit zu sein. Am Leben zu sein. Die Paparazzi-Fotos und Regenbogenpresse-Artikel dienen dazu, dieses Gefühl in unserer rechten Hirnhälfte auszulösen — genau wie eine Droge dies tut. Dass wir hier von einer Sucht sprechen, lässt sich an den Auflagen besagter Magazine ablesen.</p>
<p>Seien wir ehrlich: wir möchten <em>HELDEN</em> sein! Cool, stark, beliebt, begehrt, unsterblich. Das Problem scheint nur, dass wir ein ziemlich verzerrtes, klischee-beladenes Bild des Helden haben. Tatsächlich schlummert in jedem von uns ein ‚Held‘ — wir brauchen bloß aufzuhören, diesen Helden mit dem ‚ganz normalen Wahnsinn‘ des heutigen Lebens zu narkotisieren!</p>
<p>Hören wir also auf, unsere Heldenfantasien auf andere zu projizieren — und leben diese Rolle selber, Als <em>Helden des Alltags!</em></p>
<p>Lassen Sie sich in den folgenden Artikeln einmal mehr die Augen öffnen. Denn die Reise des Helden beginnt jetzt…</p>
<h4>From Zero to Hero</h4>
<p>Wenn ich nicht gerade schreibe, besteht mein Alltag daraus, Menschen zu helfen, ihren roten Faden zu finden und seelischen Müll auf den Komposthaufen zu werfen. Warum gefällt mir das? Weil diese Tätigkeit meine eigene Entwicklung widerspiegelt. „Wie oben, so unten“, sprach schon der mystische Hermes Trismegistos. Wie innen, so außen kann man ergänzen. Was ich innerlich für Quantensprünge mache ermöglicht mir, das Gelernte meinen KlientInnen weiterzugeben. Ob etwas nichts als ein Kalenderspruch oder eine tiefe Weisheit ist entscheidet sich dadurch, ob jemand die Botschaft wirklich verinnerlicht hat — und sie auch lebt.</p>
<p>Ich sehe mich heute in der privilegierten Position, dass ich genau das tue, was ich mir wünschte: Als ganzheitlicher Lebensberater und Autor verbringe ich meine Lebensstunden damit, das zu tun, was Spaß macht, was ‚fließt‘. Und genau dieses Lebensgefühl versuche ich, in jenen Menschen zu wecken, die zwischendurch die (oben erwähnten) Magazine weglegen, den Fernseher ausschalten und sich überlegen, ob sie nicht der Held ihres eigenen Lebens sein wollen, statt nur davon zu träumen. Denn hier liegt die Grenze zwischen Macht und Ohnmacht. <em>Hier</em> stellen wir die Weiche zwischen Opferrolle und Heldentum.</p>
<p>Was ist denn ein Held? Ein Superman mit übernatürlichen Kräften? Jemand, der Präsident wird? Im Krieg mehr Menschen niedermetzelt als seine Mitstreiter? Nein. Der wahre Held ist derjenige, der sich aktiv aus seiner (Opfer-)Rolle hinausentwickelt, hinaus-kämpft. Und das, liebe Leserinnen und Leser, kann jeder. Wenn er sich aktiv dazu entscheidet. <em>From Zero to Hero,</em> wie die Amerikaner so schön sagen.</p>
<p>Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist ein Teil Ihrer selbst aufmerksam und wissbegierig. Wer möchte denn schon kein Held sein? Klar: diejenigen, die schon aufgegeben haben. Falls diese Menschen sich in meine Praxis verirren, haben sie Pech: als Starthilfe gebe ich diesen Opfer-Muffeln ganz gerne einen Tritt in den Hintern, bevor wir uns um die eigentliche Entwicklung kümmern. Konsumhaltung ist out. Entwicklung ist eine <em>aktive</em> Sache! Selbst die Raupe im Kokon entwickelt sich aktiv zum Schmetterling.</p>
<p>Damit wären wir bei der wohl treffendsten Eigenschaft des Helden: er ist <em>aktiv</em>. Haben Sie jemals einen Roman gelesen, einen Film gesehen, in dem der Held passiv alles erduldet, nichts tut bis zum bitteren Ende? Sicher nicht. Selbst der Anti-Held in Komödien wächst schließlich über sich selbst hinaus, indem er etwas tut.</p>
<p>Eine allein erziehende Mutter mit drei Kindern und einem Job ist per se eine Heldin. Sie ist gezwungenermaßen aktiv. Sobald sie sich in die Passivität fallen lässt, geht ihr Schiff mit Mann und Maus (und den drei Kindern) unter.</p>
<p>Aktivität muss nicht körperlich sein. Einer meiner persönlichen Helden zum Beispiel ist Stephen Hawking. Der weltberühmte Astrophysiker, heute 69jährig, ist ein schwerst behinderter Mann. Eigentlich müsste er aufgrund seiner unheilbaren Krankheit (ALS) seit über vierzig Jahren tot sein. Seit 1968 ist er an den Rollstuhl gebunden, seit 1985 kann er nur noch über einen Sprachcomputer (den er mit der Pupille steuert) kommunizieren. Obwohl er körperlich komplett bewegungsunfähig ist, gibt es für ihn scheinbar keine Grenzen. An seinem 60. Geburtstag machte er einen Ausflug mit einem Heißluftballon, er unternahm ausgedehnte Reisen nach Israel und China und hat 2007 sogar ein paar Runden in absoluter Schwerelosigkeit im Kennedy Space Center verbracht.</p>
<p>Fazit: im Geist ist dieser Mann so aktiv, dass er dort ganze Universen aus der Wiege hebt. Und — Wunder aller Wunder — er scheint glücklich zu sein!</p>
<p>Heldentum beginnt mit einfachen Sätzen. Banalen Prinzipien.</p>
<p><em>„Der Glaube kann Berge versetzen.“</em></p>
<p><em>„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“</em></p>
<p><em>„Yes, we can!“</em></p>
<p>Die Kunst des glücklichen und erfüllten Lebens ist es, der ständig meckernden, unkenden, miesepetrigen linken Hirnhälfte mal „Stop!“ zuzurufen — und einen Blick auf diejenigen Helden zu werfen, die über sich selbst hinausgewachsen sind. Diese Helden stehen nicht einfach blöd herum, um die Geschichtsbücher zu schmücken: diese Helden wollen uns etwas sagen, uns <em>wachrütteln!</em></p>
<p>Schwer zu glauben, aber in jedem von uns steckt ein Münchhausen, der sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf herausziehen kann.</p>
<h4>Bereit für etwas Hühnerhaut?</h4>
<blockquote><p>»Vor der Diagnose meiner Krankheit hat mich das Leben ziemlich gelangweilt.  Alles schien mir sinnlos.  Doch seit der Verkündung meiner Diagnose,  die ein Todesurteil darstellte, erkannte ich plötzlich,  dass es viele lohnenswerte Dinge gab, die ich tun konnte,  wenn ich weiterleben würde«.</p>
<p>(Stephen Hawking)</p></blockquote>
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		<title>Der goldene Faden</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/01/06/der-goldene-faden/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 21:56:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Schattenarbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom Mut, sich dem Missbrauch zu widersetzen. Jede ausbeuterische, autoritäre Struktur ist menschenverachtend, und wenn sie im Mantel des »Spirituellen« daherkommt, umso mehr. Von dort einen Weg in die Freiheit zu finden, kann außerordentlich schwierig sein. Eines Morgens im Herbst erwachte ich früh, und es war, als würde mich etwas rufen. Das Licht lockte golden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Vom Mut, sich dem Missbrauch zu widersetzen.</h2>
<p><em>Jede ausbeuterische, autoritäre Struktur ist menschenverachtend, und wenn sie im Mantel des »Spirituellen« daherkommt, umso mehr. Von dort einen Weg in die Freiheit zu finden, kann außerordentlich schwierig sein.</em></p>
<div id="attachment_4243" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/OYA-goldener_faden.jpg" rel="lightbox[4242]"><img class=" wp-image-4243 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/OYA-goldener_faden-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: OYA — anders denken. anders leben</p></div>
<p>Eines Morgens im Herbst erwachte ich früh, und es war, als würde mich etwas rufen. Das Licht lockte golden durch die Ritzen des metallenen Rollos vor dem Wohnwagenfenster. Barfuß und im Schlafanzug huschte ich, von meinen schlafenden Eltern unbemerkt, zur Tür hinaus. Draußen erwartete mich ein Wunder: Das Tal, das direkt unter uns begann, war angefüllt mit dichtem, wallendem Nebel, und darüber hinweg strahlte sanftes, frühes Morgenlicht. Mit pochendem Herzen warf ich mich hinein ins Nichts, in das Grau, lief den Abhang hinab, die Wiese hinunter, in den Nebel hinein. Lief und lief und lief, abwärts, bis um mich herum nichts mehr zu sehen und zu hören war. Alle Geräusche waren verstummt, keine Welt mehr, nur das kalte Gras unter meinen Füßen und der Nebel und ich. Ich stand lange da, staunte, lauschte in die Stille. Und auf einmal dehnte ich mich aus, verlor meinen Körper, war überall. War das Gras, die Wassertropfen in der Luft, war die Bäume, die ich in der Ferne spüren konnte, war der weite Himmel, war alles, alles, und alles war ich. Ich erfuhr eine große Liebe, die plötzlich in allem da war und mich hielt. Mein Herz wollte schier platzen angesichts dieser großen Gewissheit des All-ein(s)-Seins und dieses unbekannten Gefühls, das ich heute als Erwachsene Demut nenne. Ich war acht Jahre alt und wusste nicht, dass diese kostbare Erfahrung der Beginn meines langen Wegs in die Freiheit sein würde.</p>
<p>Aus heutiger Sicht denke ich, dass dieses Kindheitserlebnis wahrscheinlich meine erste echte spirituelle Erfahrung war. Mein Begriff von Spiritualität ist für mich sowohl universell als auch individuell, öffentlich und gleichzeitig von höchster, verletzlichster Intimität. Und sie scheint unbeschreiblich und sich letztlich nur über eigene Erfahrung zu erschließen.</p>
<p>Spiritualität hat eine dunkle Schwester, die schwer zu fassen ist. Wie alles im Dunkeln sieht man sie nur dann, wenn man sie nicht direkt anschaut, sondern den Blick auf ihre Konturen richtet: Fanatismus, Aberglaube, Fatalismus, Wahrheitsanspruch. Es können im Namen beider Schwestern Gebete gesprochen werden, sogar an dieselbe Gottheit. In beider Namen wird überall auf der Welt meditiert, es werden Rituale abgehalten, Tausende von Buchseiten mit »Wahrheiten« bedruckt, Millionen von Menschen machen tief berührende und sie für immer verändernde Erfahrungen von universeller Einheit, Liebe, Stille und Ekstase. Gibt es Wegweiser und Zeichen, die hilfreich dabei sein können, zwischen den guten und den manipulativen und schädlichen Einflüssen zu unterscheiden?</p>
<p>Es gab in meinem Leben immer mehrere spirituelle Identitäten, die sich wie Zwiebelhäute um mein Inneres legten: Ich wurde katholisch getauft und nahm am Religionsunterricht in der Schule teil, meine Familie zeigte sich an Weihnachten und Ostern in der Kirche: Das war meine spirituelle Deckidentität, die äußerste Haut. Weitaus grundlegender wurde mein Leben dadurch bestimmt, dass ich in eine totalitäre Sekte hineingeboren wurde, als älteste Tochter eines der »Führer« und mit einem vorgezeichneten Lebenslauf als »Priesterin« – das war meine Hauptidentität, mehrere dicke Zwiebelschichten von Glaubenssätzen und Überzeugungen. Und dann war da noch etwas Tieferes, ein Glaube an einen wundersamen Stoff, der alles und alle um mich herum durchwirkt, ein unerklärlicher Glaube an Reinkarnation, ein Absinken in Naturrituale, innere Reisen, Träume. Das war die innerste, manchmal mir selbst verborgene Identität, die ich in der Rückschau als die einzige wirklich meinige bezeichne.</p>
<h4>Leben und Aufwachsen in einer Sekte</h4>
<p>Das Glaubenssystem der Sekte war totalitär, durchdrungen von Geboten und Verboten. Eine Loge, ein exklusiver Club von Menschen, mit dem Heilsversprechen der absoluten psychischen Optimierung und Stärkung ihrer Mitglieder, »experimentierfreudig« in den Mitteln. Im Hintergrund ein faschistoid-sozialdarwinistisches Menschenbild, das den satanisch-magischen Anstrich im Vordergrund legitimierte: Tu was du willst, das war das erste Gebot, denn es ist naturgemäß und richtig, dass die Stärkeren die Schwächeren beherrschen. Alle Lehren bildeten einen perfekt logischen Kreislauf. Gerade die Widersprüchlichkeit mancher Sätze galt als Beweis für die Richtigkeit des Großen und Ganzen. Disziplin wurde durch Schuld– und Schamrituale und öffentliche Bestrafungen aufrechterhalten. Verrat wurde belohnt, Vertraulichkeit zu einem schweren Risiko. Verwirrende Rhetorik, stundenlange eintönige Gesänge, Reizüberflutung durch laute Musik und Drogen, Reizdeprivation durch tagelanges Eingesperrtsein und »Meditieren«, sexualmagische Rituale, dokumentierte Mutproben, welche die Mitglieder erpressbar machten. Sex, Geld und Macht für diejenigen, die dieses Spiel am besten mitspielten.</p>
<p>Ich war die stolze Erstgeborene und wuchs auf in dem Bewusstsein, etwas Besonderes zu sein. Eine besondere Inkarnation, eine geborene Führerin – eine, die besonders diszipliniert werden musste. Im Rahmen meiner »Erziehung« wurde ich schwer sexuell missbraucht und misshandelt, indoktriniert und dazu gebracht, Handlungen zu tun, die ich mit meinem Gewissen nie werde vereinbaren können.</p>
<p>Das Schmerzlichste meiner Erfahrungen waren die Manipulation und der Missbrauch meines Vertrauens, meiner Neugier und meiner kindlichen Suche nach Anerkennung. Ich war existenziell abhängig von der Liebe meiner Bezugspersonen, die ich jedoch nur durch absoluten Gehorsam sichern konnte. Tu was du willst – aber was ich zu wollen hatte, das wurde mir so lange eingetrichtert, bis ich das Gespür von dem, was ich selbst wollte, so gründlich verloren hatte, dass ich selbst dann davon überzeugt war, nach meinem Willen zu handeln, wenn ich mir oder anderen Leid zufügte. Alles im Namen der göttlichen Macht.</p>
<p>Ein kleinster, gut versteckter Teil in mir blieb jedoch heil. Die Erinnerung an die allumfassende Liebe, die ich im Nebeltal erfahren hatte, war wie ein goldener Faden in meiner Mitte, der mich leitete. Es blieb eine Sehnsucht, ich blieb auf der Suche. Mit zunehmendem Alter wuchsen die Zweifel. Ich las philosophische und religiöse Schriften und begann, mir andere Freundschaften aufzubauen. Die Erkenntnis, dass abweichende Ansichten wertvoll und diskutierbar sind, wurde immer mehr zu meiner Richtschnur. Die war jedoch kaum fassbar, weil durch die Indoktrination alle Zweifel zu massiven Schuldgefühlen und Ängsten führten. Mein Zwiespalt brachte mich ­darüber hinaus in reale Gefahr.</p>
<h4>Der Ausstieg</h4>
<p>Ich funktionierte nicht mehr. Mit 18 Jahren versuchte ich zum ersten Mal, mir das Leben zu nehmen. Mit Anfang 20 setzte ich eine Ausbildung in einer anderen Stadt durch und begann eine Psychotherapie. Die Zerrissenheit zwischen der Loyalität zu meiner Familie und ihrer Sekte und der Sehnsucht nach Freiheit und Heilung wurde unerträglich. Schließlich wagte ich den Ausstieg. Aus Angst vor Vergeltung tauchte ich unter, änderte meinen Namen und beendete so gut wie alle Kontakte meines bisherigen Lebens. Es folgten Jahre der Angst, der physischen und psychischen Verfolgung und Bedrohung, die mich immer wieder dazu zwangen, alles abzubrechen. In dieser Zeit erfuhr ich viel Hilfe durch kirchliche Einrichtungen wie Beratungsstellen und Klöster, die mich trotz meines tiefen Misstrauens gegenüber aller organisierten Spiritualität unterstützten. Es gelang mir mit viel Kraft, mich zu stabilisieren, Freundschaften aufzubauen, ein Studium zu beginnen, Sicherheit zu gewinnen. Dennoch blieb mein Leben ein Überleben, durchtränkt von einem lähmenden Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit.</p>
<p>Immer jedoch gab es Momente, die mich an die Existenz meines goldenen Fadens erinnerten. Momente in der Natur, wie ein Sonnenstrahl, der mich unvermittelt aus dunklen Wolken traf, Orte, die eine reine Kraft zu vermitteln schienen, Wasserfälle, Berge, das Meer. Diese Momente waren meine Gottesdienste, meine Gebete an die große Kraft, an das Leben. An manchen dieser Orte entstanden spontane Meditationen und Rituale, und daraus wuchs der Wunsch, mich wieder auf die Suche nach etwas zu machen, das ich »meinen Glauben« nennen könnte. Zuerst war es eine holprige, vorsichtige Praxis, ganz für mich allein, aus Meditationen und Übungen. Die Wende kam, als ich beschloss, meine aufgezwungene, aber dennoch verinnerlichte Priesterinnenschaft endgültig abzulegen. In einem selbstentwickelten Ritual trug ich meine innere Priesterin zu Grabe, verabschiedete mich von ihr und allen damit verbundenen Ansprüchen und Glaubenssätzen. Ich akzeptierte, nichts Besonderes zu sein. In dieser Kränkung lag die große Erleichterung, mich als Teil des Ganzen zu begreifen, so wie ich bin. Meine leidvolle Geschichte wurde zu etwas Relativem, das ich nun aus einer Distanz betrachten konnte. Durch die regelmäßige Praxis buddhistischer Achtsamkeitsmeditation lernte ich, dass ich meine Gefühle und Leiden erfahre, aber dass ich sie nicht bin. So konnte ich erkennen, was ich gelernt habe durch diese Kindheit – die dennoch so nicht hätte sein sollen. Ich kann die Verwirrung und Angst meiner Eltern erkennen und nicht mehr nur Angst und Wut ihnen gegenüber empfinden, sondern auch Mitgefühl und Trauer. Ob ich ihnen jemals verzeihen kann, weiß ich nicht – ich bin keine Heilige.</p>
<h4>Den Unterschied erkennen</h4>
<p><strong></strong>Oft wird Spiritualität und Glauben vorgeworfen, sie würden die Menschen unpolitisch, abhängig, unkritisch und mundtot machen. Es stimmt: Wenn Glaubende die Verantwortung für ihr Leben in die Hände einer höheren Macht legen, kann eine schicksalsergebene, ignorante Haltung entstehen, Abhängigkeits– und Ausbeutungsverhältnisse akzeptiert werden. Damit sind wir plötzlich auf der anderen Seite, bei der dunklen Schwester, die ich nicht spirituell nennen kann und will, auch wenn sie sich auf den ersten Blick sehr ähnlich anfühlen mag. Eine solche Haltung durchbricht keine inneren geistigen Gefängnismauern, sie verstärkt sie.</p>
<p>Für mich ist Spiritualität ein Prozess, ein beständiges Überprüfen der Wirklichkeit, ein Dialog mit dem Ganzen. Es sind freie Momente und Erfahrungen von großer, umfassender Liebe. Durch sie erhalte ich erst die Kraft, den wachen Blick, die Berührbarkeit und den inneren Halt, die es braucht, um Missstände in der Welt wahrzunehmen und aktiv zu verändern. Jegliche Relativierung von Leiden, Ausbeutung und Unterdrückung anderer ist mit dieser Liebe und Wachheit nicht zu vereinbaren. Meine Alarmglocken läuten heute beispielsweise, wenn ich in Gruppen Angst habe, bestimmte Fragen zu stellen, wenn Lehrende den Anspruch erheben, die alleinige Wahrheit zu kennen, wenn Andersdenkende als minderwertig angesehen werden, wenn Menschen sich an einen Führer oder eine Führerin binden, wenn sie in schwer zu durchbrechenden Hierarchien organisiert sind und wenn Menschen im Namen eines höheren Ganzen Schmerzen zugefügt werden. Das geschieht beileibe nicht nur in sogenannten spirituellen Kreisen. Jede Ideologie und jede Bewegung und Gemeinschaft kann zur Sekte werden. Dennoch üben gerade Gruppierungen wie die, in der ich aufgewachsen bin, eine Anziehung auf Menschen mit einer spirituellen Sehnsucht aus, und sie bedienen Wünsche nach einem Aufgehobensein in etwas Größerem, nach Sinn, Führung und Halt.</p>
<p>Auch ich hatte innerhalb dieser Gruppierung ekstatische Momente, die in den magischen Ritualen entstanden, die ich mit Spiritualität verwechselte. Es brauchte viele andere Erfahrungen und braucht noch immer Auseinandersetzungen mit anderen Menschen, um zu verstehen, dass diese Ekstase, entstanden aus einer Adrenalinüberflutung meines ganzen Körpers, mit Liebe nichts zu tun hatte, sondern nur mit Angst und Macht.</p>
<p>Letztlich liegt die Erkenntnis, ob ein eingeschlagener Weg in die Freiheit oder in Abhängigkeit führt, bei jeder und jedem Einzelnen von uns. Die Liebe in uns selbst zu erkennen, ist die Aufgabe, die uns auf jedem Weg erwartet. Meiner hat mich trotz allem in die Mitte einer liebevollen Gemeinschaft geführt, die meinen besonderen Weg kennt und unterstützt. Hier leben Menschen mit sehr unterschiedlichen spirituellen und politischen Ansichten, und das ist trotz der dadurch entstehenden Reibung sehr gut so. Durch die Liebe, Wertschätzung und Achtsamkeit der Menschen in meinem Leben wird mir ein Raum geschenkt, in dem ich Heilung erfahren darf. Ich werde weiter suchen – und wachsam sein.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin OYA — anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/554-Der_goldene_Faden.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11/2011</a></p>
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		<title>Es gibt keine Meister mehr</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 19:14:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Etwas ändert sich in der spirituellen Szene. Ursprünglich hatte ich geplant, mein Leben als Buddha auf einem goldenen Thron zu beschliessen, ganz in edles Schweigen gehüllt. Oder als verehrter Weiser die Huldigungen von Schülern zu empfangen, um ihnen mitzuteilen: «Du bist schon das, was du suchst!» Ich hätte ihnen sogar kos­tenlos in die Augen geschaut, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4197" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/ap4ad84bc892504_s.jpg" rel="lightbox[4194]"><img class=" wp-image-4197 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/ap4ad84bc892504_s-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / Süßes © yen</p></div>
<p>Etwas ändert sich in der spirituellen Szene. Ursprünglich hatte ich geplant, mein Leben als Buddha auf einem goldenen Thron zu beschliessen, ganz in edles Schweigen gehüllt. Oder als verehrter Weiser die Huldigungen von Schülern zu empfangen, um ihnen mitzuteilen: «Du bist schon das, was du suchst!» Ich hätte ihnen sogar kos­tenlos in die Augen geschaut, um sie in Kontakt zu bringen mit dem, was sie von Anfang an gewesen wären: unendliche Weite, Stille, Bewusstsein und so. «Worte können es nicht ausdrücken», hätte ich noch erläutert.</p>
<p>Diese Pläne sind gescheitert. Es liegt nicht an mir. Ich habe alles versucht. Es liegt am Wandel der Zeiten. Daran, dass die Autoritäten bröckeln. Nicht nur in Hierarchien, Staaten, Königreichen, in den Kirchen. Auch in der spirituellen Szene. Es gibt die unanfechtbaren Weisen nicht mehr, von denen ich einer geworden wäre. Viel schlimmer: Es hat sie wohl niemals gegeben. Lediglich sehr weit weg, im Dunkel der Vergangenheit. Jesus, Buddha, Lao Tse, sicher, das waren unschuldige reine Meister! Allerdings nur deshalb, weil uns nichts Genaueres bekannt ist. Wüssten wir Details über sie wie über Osho, Krishnamurti, Sogyal Rinpoche, Sai Baba oder Maharishi Mahesh Yogi, dann würden wir nur resigniert seufzen. All die lauteren Heiligen – sie sind Produkte unserer hoffnungsvollen Fantasie. In Wirklichkeit wollen auch die Heiligen Geld verdienen und sich den Unterleib massieren lassen, sie haben Zoff mit Nachbarn und abtrünnigen Schülern, sie benötigen Zahnersatz und künstliche Hüftgelenke, erleiden Schlaganfälle, werden von Krebs zerfressen, und manche zünden sich an, wenn ihnen nichts Besseres einfällt.</p>
<p>Na gut, das würden Sie und ich möglichst nicht tun. Wir würden uns die Zähne putzen und den Blutdruck checken lassen. Aber würden wir den Gesetzen der Gewöhnlichkeit entkommen? Ich habe früh begonnen, Sprüche von Zen-Meistern auswendig zu lernen, später kamen tibetische Sutren, chassidische Weisheiten und einiges aus dem buddhistischen Kanon hinzu. Wenn es schon keine unbefleckten Meister gibt, dann bleibt wenigstens die Reinheit der Überlieferung! Oder gibt es die auch nicht? Bei Ken Wilber lesen wir: Der schnellste Weg, den Respekt vor den alten Schriften zu verlieren, sei es, diese exakt zu übersetzen. Unsere Übersetzungen seien romantisierend und gutmenschenhaft.</p>
<p>Oh, oh. Ja, ich kenne da ein schmerzhaftes Beispiel. In meiner schamanischen Zeit erlernte ich indianische Sprüche der Chippewa und der Crow, dank eines Pronunciation Guides sogar in der Ursprache. Das sollte heilsam und erleuchtend wirken, und tatsächlich verspürte ich beides! Vor zwei Monaten, in einem Seminar namens Deep Vision, betete ich einen dieser Sprüche herunter, erhielt vom leitenden Schamanen Lob für meine Aussprache und erfuhr: «Was du da sagst, heisst übrigens wörtlich: Möge Gott den Schlamm in deinem Brunnen eintrocknen, möge er die Spucke deines Weibes feucht halten und möge er die Quelle deines Verdrusses nie versiegen lassen!» Er hob ratlos die Hände und fügte hinzu: «Das ist nicht symbolisch gemeint.»</p>
<p>Vielleicht stört das alles nicht? Macht es die Thronbesteigung am Ende sogar leichter? «We are waiting for just one teacher», offenbarte mir Byron Katie vor versammeltem Publikum. «Maybe you‘re the one!» Ich schluckte. Wow! Später liess ein Work-Teacher die gesamte Luft aus meinem neuen Selbstbewusstsein. «Das sagt sie zu jedem», erklärte er. «Das meint sie ironisch!» Okay. Geschenkt. Dann war es das.</p>
<p>Äh, hat vielleicht trotzdem jemand Lust, mich zu verehren? In aller Unschuld? Hallo?</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Spuren, <a href="http://www.spuren.ch/archiv/archiv_comments/1077_0_88_0_C/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 100</a></em></p>
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		<title>Leiden schafft</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 04:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor kurzem war ich zur Weihnachtsfeier der Villa Unspunnen eingeladen und sass dort beim Dinner neben Annette Kaiser, die spirituelle Leiterin dieses Ortes der Stille und Begegnung. Sie fragte mich einiges über mein Leben und irgendwann kam die Frage, welche Leidenschaften ich denn hätte. Als ich die Frage hörte musste ich erst stutzen und dachte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/Antwort_auf_die_Frage_des_Lebens.jpg" rel="lightbox[4203]"><img class="alignright  wp-image-4205" style="margin-left: 10px;" title="Antwort auf die Frage des Lebens, Foto: Heinz Robert" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/12/Antwort_auf_die_Frage_des_Lebens-300x169.jpg" alt="" width="200" /></a>Vor kurzem war ich zur Weihnachtsfeier der Villa Unspunnen eingeladen und sass dort beim Dinner neben Annette Kaiser, die spirituelle Leiterin dieses Ortes der Stille und Begegnung. Sie fragte mich einiges über mein Leben und irgendwann kam die Frage, welche Leidenschaften ich denn hätte.</p>
<p>Als ich die Frage hörte musste ich erst stutzen und dachte in diesem Moment, was in meinem Leben mir Leiden schafft, obwohl die Frage natürlich anders gemeint war. Wieso ist solch ein Wort, das eigentlich auf etwas Freudvolles hinweist mit einem solch schmerzvollen Unterton verbunden? Und muss Leiden schmerzhaft sein?</p>
<p>Aus Leiden kann viel kreative Energie entstehen. Viele Errungenschaften und Erfindungen entstammen den Leiden der Erfinder oder ihrer Mitmenschen. Wenn ich mit etwas in meinem Leben unzufrieden bin, dann bringe ich ab einem bestimmten Level des Leidensdrucks die Energie auf, diesen Missstand zu verändern. Aus Krisen gehen wir gestärkt hervor, wenn einmal der richtige Lösungsweg gefunden wurde. Leiden schafft also Entwicklung.</p>
<h4>Aus Liebe zum Leiden</h4>
<p>Leiden ist immer und überall. Schon Buddha’s erste der Vier Edlen Wahrheiten war: Es gibt Leid. Schon die Geburt, was ja für die meisten Menschen ein freudiges Ereignis ist, bringt Leid hervor. Einerseits für die Mutter, die für einige Stunden die grossen Schmerzen aushalten muss, wie auch für das Neugeborene, das durch den engen Geburtskanal hindurch muss und und dessen Körper stark zusammengepresst wird. Wir wissen dies, und doch gehen wir diese Herausforderung ein, weil wir einerseits auf die biologische Fortpflanzung angewiesen sind und andererseits es einfach schön ist, ein neues Menschenkind beim Aufwachsen zu beobachten.</p>
<p>Wir begeben uns freiwillig in Momente des Leidens, wenn wir z.B. Sport treiben oder uns beruflichen Herausforderungen stellen. Nicht immer macht es grosse Freude einen Vortrag vor einer Ansammlung von Menschen zu halten, oder 8 Stunden im Büro zu sitzen um sich das Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen.</p>
<p>Machen wir mal etwas wirklich aus Leidenschaft, mit vollem Eifer, aus Liebe zu uns selbst oder zu anderen, spüren wir zwar nicht das Leiden in diesem Schaffen, und doch gibt es auch hier manchmal jemand der dabei oder daran keine Freude hat. Zum Beispiel schreibe ich diesen Beitrag, weil ich Freude daran habe und es mir wichtig ist, meine Gedanken in die Welt zu bringen. Gleichzeitig nimmst du als LeserIn dir die Zeit dies zu lesen und hast daran Freude, oder auch nicht. Sicher gibt es Menschen, die meine Worte als Stumpfsinn bezeichnen werden und sich danach ärgern diesen Text jemals gelesen zu haben. Ich habe ihnen ihre Zeit geraubt und Leiden geschaffen. Bitte verzeih, falls dem so wäre!</p>
<h4>Leidenschaft aus Passion</h4>
<p>In manchen Sprachen wird das deutsche Wort Leidenschaft mit <em>Passion</em> übersetzt, womit im Deutschen auch der Leidensweg Christi bezeichnet wird. Auch hier steht wieder der Bezug zu Leiden und Schmerzen. Wir können aber auch etwas aus Passion tun; leidenschaftlich gerne Gitarre spielen, aus Passion Autofahren, leidenschaftlich lieben. Hier ist wahre Freude und Glück im Spiel.</p>
<p>Was bringt mich jedoch dazu, etwa einen anderen Menschen leidenschaftlich zu lieben? Hat meine Geliebte Freude daran von mir so leidenschaftlich geliebt zu werden? Auch wenn diese Liebe und Leidenschaft beiderseitig ist, leidet vielleicht jemand anderer daran? Was passiert, wenn dieser geliebte Mensch auf einmal nicht mehr da ist? Leide ich dann?</p>
<p>Mir ist wichtig, dass ich bei allem, das ich aus Leidenschaft mache, auch die Seite sehe, wo ich eventuell Leiden schaffe. Die Sicht auch auf die andere Seite der Münze zu haben, die eigene Perspektive auf die Welt zu erweitern und sich in andere Menschen einfühlen, kann viel Leiden verhindern.</p>
<p>Das gilt für die Liebe, genauso wie für das Autofahren, wenn ich beim Schnellfahren mehr Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer nehme. Oder im Beruf, wenn ich auf meinen Erfolg fokussiert bin, dann sollte ich hier auch darauf achten, dass niemand anderer dabei zu Schaden kommt, sein ganzes Geld oder seinen Job verliert.</p>
<h4>Leid abschaffen</h4>
<p>Buddhas zweite Edle Wahrheit lautet: Leid hat eine Ursache. Klar. Die dritte Edle Wahrheit besagt, dass es ein Ende des Leids gibt. In der Vierten sagt Buddha, dass es einen Weg zum Ende des Leids gibt.</p>
<p>Wenn ich also Leid erkenne, dann sehe ich im besten Fall auch die Ursache und dadurch vielleicht schon den Weg, um das Leid zu beenden. Ich muss jedoch eine Leidenschaft dafür aufbringen, Leiden und die Ursachen dahinter sehen zu wollen und zu können, um dann über das Ende und den Weg zum Ende kontemplieren zu können. Und das Ende des Leids bedeutet nicht gleichweg die Auflösung der Ursache für das Leid.</p>
<p>Wichtig ist also Freude am Leid zu entwickeln um Leid aufzuspüren und zu beenden, und mir jeweils bewusst sein, ob ich bei Lösungsfindung nicht auch wieder Leid verursache. Klingt kompliziert, muss es aber nicht sein, wenn ich mir der vielen Leidens– und Lösungswege ständig bewusst bin.</p>
<h4>Kreativer Funke aus der Leidenschaft</h4>
<p>Diese Bewusstheit schaffe ich durch die Leidenschaft zur Entwicklung. Das passionierte Schaffen einer neuen Realität, die sich in jedem Moment neu bildet. Nichts ist gegeben, alles erfindet sich in jedem Augenblick neu. So wie diese Sätze sich in dem Moment bilden in denen sie geschrieben werden.</p>
<p>Bin ich ganz bei mir, voll bewusst, dann nehme ich diesen Augenblick in seiner vollen Schönheit und Fülle wahr. Gebe ich mich dieser Fülle hin und lasse mich von der Liebe durchfluten, die aus und in diesem Gewahrsein entsteht, dann entsteht in mir die Leidenschaft, für das was ich in diesem Moment mache, sei es das Schreiben eines Textes, das Berühren meiner Geliebten oder das Bügeln meiner Hemden.</p>
<p>Wenn mich wieder jemand fragen sollte, was meine Leidenschaften sind, dann kann ich getrost darauf antworten, dass das Leiden meine Leidenschaft ist, wie auch Entwicklung und Bewusstheit. Hätte ich nie in meinem Leben gelitten, hätte ich mich nie zu dem entwickelt, was ich jetzt bin. Ich wäre mir meiner Entwicklung wohl nie bewusst geworden. Leiden schafft Leidenschaft.</p>
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