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	<title>OpenMindJournal &#187; Perspektiven</title>
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	<description>Das Online-Journal für den Wandel in Bewusstsein, Kultur und Technologie</description>
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		<title>Wir gestalten Zukunft</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Apr 2013 12:22:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Integrale Landkarte]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
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		<description><![CDATA[Gemeinsamer bewusster werden, sich engagieren, etwas bewegen Die Welt ist in Aufruhr. Nicht nur in den arabischen Ländern, auch in Russland, China und Indien gehen die Menschen auf die Straße und vernetzen sich über Facebook und Twitter, um für eine bessere Welt, für mehr Demokratie zu kämpfen. Doch je lauter der Ruf nach kulturellem Wandel [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Gemeinsamer bewusster werden, sich engagieren, etwas bewegen</h2>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/IF-tagung.jpg" rel="lightbox[5685]"><img class="alignright size-medium wp-image-5688" alt="Wir gestalten Zukunft - Tagung Integrales Forum" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/IF-tagung-300x214.jpg" width="300" height="214" /></a>Die Welt ist in Aufruhr. Nicht nur in den arabischen Ländern, auch in Russland, China und Indien gehen die Menschen auf die Straße und vernetzen sich über Facebook und Twitter, um für eine bessere Welt, für mehr Demokratie zu kämpfen. Doch je lauter der Ruf nach kulturellem Wandel erschallt, desto stärker wird auch der Widerstand der traditionellen, teils archaischen Kräfte.</p>
<p>Auch beim zweiten großen Thema unserer Zeit, der Ökologie, stellt sich die Frage: Entwickelt sich das neue Bewusstsein schnell genug? Schaffen wir den Sprung in eine nachhaltige, postmoderne Gesellschaft, in ein neues, regeneratives Zeitalter, bevor wir uns unsere Lebensgrundlagen entziehen?</p>
<p>Die integrale Theorie bietet uns völlig neue Perspektiven auf die unterschiedlichen Kulturen und oft widerstreitenden Kräfte. Perspektiven von großer Spannweite und Lösungstiefe. Doch mit einer Theorie allein werden wir die Welt nicht retten. Und deshalb widmet sich die <b><span style="text-decoration: underline;">Jahrestagung des Integralen Forums, die vom 14. bis 16. Juni 2013 in Nürnberg</span></b> stattfindet, der Frage, wie wir uns <b>gemeinsam entwickeln und engagieren können, um etwas in der Welt zu bewegen</b>.</p>
<p>Führende deutschsprachige und internationale Referentinnen und Referenten werden illustrieren, welche neuen Ideen, Werte und Fähigkeiten es in Zeiten extrem beschleunigten Wandels, Krisen aller Couleur und globaler Vernetzung braucht. Sie stellen aktuelle Entwicklungen und Projekte aus <b>Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft </b>vor, werfen einen Blick in die Zukunft und zeigen auf, wie wir mit einer integralen Ausrichtung dazu beitragen können, eine neue Lösungsqualität in die Welt zu tragen.</p>
<p>Der<b> <i>integrale Philosoph Ken Wilber</i></b> wird per Skype mit <b><i>Sean Esbjörn Hargens</i></b>, Mitautor des Buches „Integral Ecology“, die neuesten integralen Erkenntnisse aus internationaler Perspektive beleuchten: Welcher <b>Geist der Zukunft</b> artikuliert sich in der Welt? Was bedeutet dies für eine <b>kulturelle Evolution zwischen Einheit und Vielfalt</b>? Welche konkreten Aufgaben stellen sich für uns, und wo sind wir (heraus)gefordert?</p>
<p>Ein weiterer prominenter Redner ist der österreichische <b><i>Gemeinwohlaktivist Christian Felber</i></b>, der in seinem Vortrag den Weg zu einer Ökonomie skizziert, in der Geld und Märkte wieder den Menschen dienen anstatt umgekehrt. Er stellt <b>Tools und Methoden</b> vor, die den Bezug wirtschaftlichen Handelns auf größere gesellschaftliche, soziale und ökologische Kontexte ermöglichen (wie zum Beispiel Gemeinwohlbilanzen), gibt einen Überblick über <b>unternehmerische Ansätze</b>, die dem Gemeinwohlgedanken bereits folgen, und vermittelt Impulse, wie sich in diesem Geiste neue Initiativen entwickeln lassen.</p>
<p>Stargast aus den USA ist <b><i>Steve McIntosh</i></b>, einer der international führenden integralen Denker und Autor der Bücher „Integrales Bewusstsein“ und „Evolution’s Purpose“. McIntosh wird in einem Impulsdialog mit Sonja Student, Vorstandsvorsitzende des Integralen Forums, über „Die Intentionalität des Werdens“ sprechen und den Fragen nachgehen, welches <b>Spannungsfeld zwischen Wissen und Werden-Wollen</b> besteht, wie Werte, Wandel und Wirken zu einer konstruktiven Synthese finden können und welche Herausforderungen dies für unser Selbstverständnis und unser Handeln mit sich bringt. Ergänzend moderiert McIntosh einen Vertiefungsworkshop zum Thema „Die Dynamik der Evolution erkennen und leben“.</p>
<p>Weitere Themen der Jahrestagung sind „Aus der Zukunft führen“, ein Beitrag (via Skype) von Barrett Brown, der schon auf der Jahrestagung 2012 stehende Ovationen erhielt, „Beyond Now“ – ein Workshop mit <b><i>Dr. Elizabeth Debold</i></b>, die den evolutionären Impuls zum Ausgangspunkt <b>ko-kreativer Prozesse</b> macht, „<b>Politische Partizipation</b> global gestalten“ mit <b><i>Dirk Weller</i></b> (SIMPOL) oder „Zwischen Entfaltung und Verbindlichkeit“ mit <b><i>Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming</i></b>.</p>
<p>Insgesamt spannt die integrale Jahrestagung einen Bogen von der persönlichen Entwicklung über kulturelle und soziale Zusammenhänge hin zu einem gemeinsamen Handeln. Dieser Dynamik trägt auch das neue Tagungsdesign Rechnung: Vortrags– und Workshop-Blöcke wechseln sich mit interaktiv-explorativen Phasen ab, es werden Open-Space und gemeinsame Erkundungsräume geschaffen, um den gemeinsamen Austausch zu fördern. Unter dem Motto „Von der Zukunft her denken, fühlen, wollen und können“ führt ein U-Prozess die Erkenntnisse der Tagung zusammen und schlägt eine Brücke zur konkreten Zukunftsgestaltung.</p>
<p>Verantwortlich für dieses interaktive Tagungsdesign zeichnen sich zwei erfahrene Großgruppenmoderatorinnen und Kennerinnen der integralen Theorie und Praxis, Regina Hunschock von 3Blüten Integral Facilitation und Susanya Manz, Expertin für Salonkultur und Art of Hosting. Die gesamte Tagung wird von einem professionellen Prozess-Team „gehostet“ und begleitet, was schon jetzt neugierig auf das veränderte Format macht.</p>
<p>Weitere Informationen zur Jahrestagung des Integralen Forums entnehmen Sie der <a href="http://integralesleben.org/if-home/if-integrales-forum/jahrestagung/2013-nuernberg/tagungsprogramm/" target="_blank" rel="external nofollow">Webseite</a>.</p>
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		<title>Denken schafft Kultur!</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Mar 2013 14:54:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Lebendiges Denken und die Kultur des Lebens Die inzwischen 7. spirituelle Herbstakademie in Frankfurt wird sich im Oktober einem Thema widmen, das Anthroposophen schon immer ganz besonders beschäftigte: das „lebendige Denken“. Was ist mit diesem Übergangs-Feld zwischen Rationalität und höherer Erfahrung gemeint? Wie gehen Anthroposophen damit um? Unsere Autorin, die als Referentin auf der Herbstakademie [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Lebendiges Denken und die Kultur des Lebens</h2>
<p><em>Die inzwischen 7. spirituelle Herbstakademie in Frankfurt wird sich im Oktober einem Thema widmen, das Anthroposophen schon immer ganz besonders beschäftigte: das „lebendige Denken“. Was ist mit diesem Übergangs-Feld zwischen Rationalität und höherer Erfahrung gemeint? Wie gehen Anthroposophen damit um? Unsere Autorin, die als Referentin auf der Herbstakademie mitwirken wird, gibt eine persönliche Antwort.</em></p>
<div id="attachment_5656" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/556936_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5653]"><img class=" wp-image-5656  " title="Denken schafft Kultur" alt="Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/556936_web_R_K_B_by_Rainer-Sturm_pixelio.de_-221x300.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Rainer Sturm / pixelio.de</p></div>
<p>Auf der diesjährigen Herbstakademie zum Thema Denken und Spiritualität zu sprechen und im Vorfeld darüber zu schreiben, ist eine Herausforderung für mich. Ich bin schon einige Male gescheitert. Es gibt zu vieles, wo ich mir nicht sicher bin, wo ich nicht auf die Rückstände früherer Denkprozesse zurückgreifen kann, sondern nur auf meine offenen Fragen. Die letztlich immer wieder auf die eine Frage zulaufen: Was ist denn überhaupt Denken?</p>
<p>Die meisten Anthroposophen würden sich der Frage wohl über die Philosophie-Geschichte nähern. Da fühle ich mich nicht wirklich kompetent, und deshalb nehme ich zum Ausgangspunkt die Konstellation der Herbstakademie: die drei beteiligten Strömungen – also die von Andrew Cohen geführte Bewegung EnlightenNext, Ken Wilbers integrale Bewegung, und Steiners Anthroposophie. Wie denken diese Strömungen? Und wo darin stehe eigentlich ich selbst?</p>
<p>Ich erinnere mich an Gesprächsgruppen und Telefonrunden, die EnlightenNext in Deutschland anbietet und an denen ich immer wieder teilnehme. Denken spielt da eine große Rolle. Denkend versuchen wir in diesen Gesprächen, eine spirituelle Erfahrung zum Ausdruck zu bringen. Ob es um Nondualität, also um Nicht-Getrenntheit und Einheit geht oder um den evolutionären Impuls: Kann ich meine Erfahrung davon so beschreiben, dass sie in meiner Beschreibung authentisch zum Ausdruck kommt? Das Setting ist zumeist so, dass die Teilnehmer eine zumindest anfängliche Erfahrung haben von dem, worum es geht. Das Denken dient dabei nicht dazu, jemanden argumentativ zu überzeugen und auch nicht dazu, eine sinnvolle Theorie aufzustellen, sondern es dient der Bewusstmachung und dem Austausch eigener spiritueller Erfahrungen. Das ist nicht irrational – wir verstehen uns ja gegenseitig. Aber so ganz normal rational ist es auch nicht. Es ist so etwas wie ein anderer Aggregatzustand des Denkens.</p>
<h4>Denkende Verständigung und Integration</h4>
<p>Dann sind da die Integralen, die sich an Ken Wilber orientieren. Sie denken multiperspektivisch und eben integral. Ihr Denken ermöglicht Verständigung zwischen verschiedenen Ansätzen, denn die Implikationen und Wertsetzungen des jeweiligen Ansatzes werden aufgedeckt. Ob ich den Menschen materialistisch anschaue oder spiritualistisch, beides ist berechtigt, weil es einfach verschiedene Perspektiven sind. Die Integralen setzen die Aufklärung fort, sie systematisieren und ordnen und vergleichen, sie geben das Denken einfach nicht auf. Es geht ihnen, vielleicht im Unterschied zur Aufklärung, weniger um das Herausfinden einer absoluten Wahrheit als um die Integration vieler Wahrheiten, und so führen sie das Denken unbeirrt durch die Postmoderne hindurch in eine spirituellere Zukunft.</p>
<p>Wenn ich bei EnlightenNext mitdenke, so ist das, worüber wir sprechen, anwesend. Das Denken ist nicht abstrakt, denn es ist eben zuallererst Ausdrucksmittel für eine Erfahrung, die außerhalb des Denkens gemacht wird, die das Denken aber einzufangen in der Lage ist. Ich bin immer wieder berührt von der existentiellen Dichte, die solche Gespräche haben, von der Tiefe, die dieses Denken erschließt; der Reiz der Gespräche liegt im Bewusstmachen der Erfahrung, nicht in der gedanklichen Brillanz und Reichweite, mit der diese Erfahrungen beschrieben oder eingeordnet werden.</p>
<p>Wenn ich Ken Wilber lese oder den Diskursen seiner Schüler folge, dann bin ich fasziniert von der Stringenz, von der inneren Logik und von der großen Reichweite, die dieses Denken abdeckt. Es gibt mir Sicherheit, so wie mir eine Landkarte eben Sicherheit gibt im unwegsamen Gelände. Ich habe Freude daran, so wie ich am Beweis der Winkelsumme im Dreieck Freude habe oder am Durchdenken des Kopernikanischen Weltsystems, das mir schließlich auch erhellt, warum zum Beispiel die Sonne sich auf der Südhalbkugel andersherum um die Erde dreht. Aber Fragen, die über das Systematisieren und Ordnen hinausgehen, die werde ich mit diesem Denken nicht beantworten können. Wie vollzogen sich in der Evolution die Sprünge vom Mineralischen zum Lebendigen, vom Lebendigen zum Beseelten, vom Beseelten zum Selbstbewussten? Wie ist der Zusammenhang zwischen Seele und Körper? Was ist der Sinn der Evolution? Es gibt Konzepte und Modelle, aber keine Anschauungen und Erfahrungen, die auch auf diesen Gebieten zu einer erlebten Evidenz führen können.</p>
<h4>Abstraktes Denken zwischen Freiheit und Beliebigkeit</h4>
<p>In den letzten Jahrhunderten, seit der Aufklärung mit ihrem Wahlspruch „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist das Denken immer abstrakter geworden. Die auf Wahrheit und innere Stimmigkeit gerichtete Erkenntnis– und Erfindungslust der Aufklärung ist einem pragmatischen und technisch orientierten Denken gewichen. Wir können ohne Begeisterung denken, ohne innerlich mit dem, worüber wir denken, verbunden zu sein. Vielleicht ist dies am deutlichsten bei der Technik zu sehen. Wer würde Atomkraftwerke oder Computer erfinden, wenn sich die Prozesse, die in diesen Technologien herrschen,  auch im Denkenden abspielen würden? Auch das moralische Empfinden wird vom Denken nicht berührt. Ein Gedanke mag noch so klar sein, aber er trägt keine moralische Anweisung mit sich. Diese Abstraktheit des Denkens bildet die Grundlage unserer Freiheit. Die Welt, auf die sich unser abstraktes Denken richtet, ist außerhalb von uns, unabhängig von uns, statisch, materiell – so jedenfalls wird die Welt weithin immer noch gedacht, auch wenn manche Wissenschaften längst etwas anderes erzählen. Abstraktes Denken, eine statische, äußere, „tote“ Welt und unsere Freiheit gehören zusammen.</p>
<p>Aber in den letzten Jahrzehnten, in der Postmoderne, beginnt dieses abstrakte Denken über die Stränge zu schlagen. Denken wir eigentlich noch selbst, folgen wir ihm noch, diesem Wahlspruch der Aufklärung? Lassen wir nicht längst andere für uns denken, nun nicht mehr die Kirche, die uns sagt, was gut und böse ist, oder die Vorfahren, die Beruf und Ehepartner bestimmten, sondern „die Wissenschaft“ oder „den Computer“ – und manchmal vielleicht auch Rudolf Steiner, Andrew Cohen oder Ken Wilber? Wie oft haben wir noch den Wunsch, etwas wirklich zu verstehen? Geben wir uns nicht sehr schnell mit isoliertem Faktenwissen zufrieden, kapseln uns, so vernetzt wir auch immer sein mögen, ein in Meinungen und Vorurteile, in die Rückstände der Denkleistungen anderer?</p>
<p>Das abstrakte Denken schlägt auch über die Stränge, indem es sich des Lebendigen bemächtigt. Gentechnik am Menschen und in der Landwirtschaft – obwohl das abstrakte Denken doch eigentlich nur das Tote am Lebendigen erfasst, nur die Stoffe und die mechanischen Prozesse, nicht aber die Rhythmen, Synchronien, Formwandlungen und Entwicklungen des Lebendigen. Abstraktes Denken isoliert, zerfällt, trennt, vereinzelt – das, worüber es nachdenkt ebenso wie den Denkenden. Dieser Zusammenhang ist frappierend. In der Art des Denkens spiegelt sich die geistige Situation der Menschheit: je abstrakter, je wirklichkeitsferner das Denken wird, desto abstrakter und wirklichkeitsferner werden die Denkenden.</p>
<h4>Leben ist Spannung zwischen Polaritäten</h4>
<p>Das Abstrakte und Vereinzelnde am Denken ist dann aber doch nur die eine Seite. Die unbelebte Materie hat von sich aus immer die Tendenz, in ihre Einzelteile zu zerfallen. Im Lebendigen aber steht eins mit dem anderen und mit allem im Zusammenhang. Und solch ein lebendiger Zusammenhang ist nicht linear, nicht logisch-eindeutig geordnet und differenziert, sondern – eben lebendig. Im Lebendigen gibt es Wachstum <em>und</em> Zerfall, Frühling <em>und</em> Herbst, Kontinuität <em>und</em> Wandel, Zufall <em>und</em>Gesetz – und all das trägt sich gegenseitig, sinnig, kraftvoll, Schönheit stiftend.</p>
<p>Und so muss auch das Denken lebendig werden, wenn es seine Tendenz zum Zerfall überwinden will. Es muss selbst lebendig werden, die Spannung zwischen den Polaritäten halten, im Prozess bleiben können. Im Lebendigen kann ich mich nicht mehr in die Rückstände des Denkens einmauern und mein Sondersein pflegen. Im Lebendigen muss ich mitmachen.</p>
<p>Steiner war der Überzeugung, dass die Welt aus Gedanken aufgebaut ist. Dass das eigentliche Wesen des Denkens noch viel mehr ist: nicht nur lebendig, sondern auch beseelt und schöpferisch, ja, ganz real schöpferisch. Das, was in mir als Gedanke auftritt, das ist der letzte Rest, der Schatten, die Fußspur einer Realität, die die Welt in all ihrer Vielgestaltigkeit geschaffen hat. Am Anfang war der Gedanke. Und der Gedanke war Gott, und der Mensch war in dem Gedanken. Und nach und nach schuf der Gedanke die Welt in all ihrer Differenziertheit und in ihr einen Menschen, der diese Welt denken kann. Was wir als Denken in uns haben, das ist gleicher Art mit dem, was die Welt geschaffen hat und sinnvoll konstituiert. Selbstverständlich ist dieses schöpferische Denken des Anfangs ganz anderer Art als unser strohernes Alltagsdenken. Letzteres verhält sich eben zu Ersterem wie eine Fußspur zu dem, der sie hinterlässt.</p>
<p>Magisches und mythisches Denken, die waren noch näher an diesem Urzustand des schöpferischen Denkens. Aber das steht uns heute nicht mehr zu Gebote. Steiner war sich über die Gefahren der Prä-Trans-Verwechslung mehr als klar. Denn er schätzte die Freiheit, die das abstrakte Denken mit sich gebracht hatte. Nur von dort aus kann das lebendige Denken gefunden werden. Es muss in dem toten Denken etwas geben wie einen Keim, einen Samen, dem man das Lebendige nicht ansieht, der aber aufgeht und sich entwickelt, wenn er die richtigen Entwicklungsbedingungen findet.</p>
<p>Aktivierung des Denkens, so beschrieb Steiner diese Entwicklungsbedingungen, und er nannte das auch Meditation.<sup class='footnote'><a href="#fn-5653-1" id='fnref-5653-1'>1</a></sup> Raus aus den Rückständen, raus aus dem isolierten Wissen. Wirklich denken, selber denken, Zusammenhänge denken. Der eine kann das besser an der Mathematik: Er wird die Winkelsumme im Dreieck solange beweisen, bis das Durchdenken des Zusammenhanges die blitzartige Einsicht freigibt. Der andere am Lebendigen: Er wird den Gestaltwandel der Blattfolge einer Wiesenpflanze immer und immer wieder nachvollziehen. – Der Dritte schließlich, indem er Steiners Werke studiert (aber nicht wieder nur totes Wissen aufnehmend oder gar Mythen darin sehend, sondern aktiv mitdenkend den Gedanken suchend, der bei Steiner immer da ist) – und der Vierte, indem er beim Meditieren seine Aufmerksamkeit als solche verstärkt. Hauptsache, wir entdecken die Kraft, die im Denken lebt und bringen diese Kraft selber auf. Stürzen nicht ab in die Vereinzelung, in die bequeme Sicherheit des Toten. Bleiben denkend wach, weil wir gelernt haben, uns im Denken zu halten, auch da, wo uns das Denken keine Sicherheit bietet, sondern ein lebendiger Prozess einfach immer weiter geht.</p>
<p>Und dann wird das Denken lebendig, bildsam, es umwächst sein Thema und nimmt es auf und bringt es zum Ausdruck.</p>
<p>Das abstrakte Denken hat unsere ganze neuzeitliche Kultur gebildet. Das lebendige Denken wird eine neue Kultur bilden, die so verschieden sein wird von der heutigen wie die Aufklärung vom Mittelalter. Es wird einen anderen Wissenschaftsbegriff geben, und Moral und Denken werden nicht mehr so weit voneinander entfernt sein, ebenso wenig wie der Denkende von dem, worüber er denkt. Wir werden uns nicht mehr raushalten können. Die Welt wird sich total verändern. Sie wird eben keine tote mehr sein, die wir mit unserem Denken systematisieren, sondern eine lebendige, an der wir als Lebendige beteiligt sind. Aber wir können uns das nicht ausdenken, wir können nicht wissen, wie das werden wird oder schon anfängt zu werden, aus Prinzip nicht, der Freiheit wegen. Wir können nur darauf zugehen, lebendig entwickelnd, zum Ausdruck bringend, wachsend. Und dabei entsteht sie, ja vielleicht ist sie das schon, diese neue Kultur, und wir staunen.</p>
<h4>Denken und Fragen</h4>
<p>Habe ich jetzt gedacht? Ich finde schön, wie Wilbers integral Bewegte und EnlightenNext und die Anthroposophie diese neue Welt und diese neue Kultur von verschiedenen Seiten ansteuern. So wird die Freiheit gewahrt, ein kultureller Übergang geschaffen, das Lebendige übend ausgebildet und die Aufgabe des Ganzen im Blick behalten und immer wieder zum Ausdruck gebracht. Liegt so vielleicht etwas vom integralen Denken in diesen Überlegungen? Habe ich das, worum es geht, zum Ausdruck gebracht, war es anwesend, wenigstens für jene verständlich, die die gleichen Erfahrungen mit dem Denken gemacht haben? Und sind diese Seiten etwas Lebendiges geworden, ein Organismus, der wächst und wieder vergeht, der differenziert ist und doch ein innerer Zusammenhang?</p>
<p>Denken beginnt mit Fragen. Und man weiß vorher nicht, wo man landet. Endet es auch mit Fragen? Vielleicht gehört das zum Lebendigen dazu.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/magazin/info3/archiv/2012/juni/denken-schafft-kultur/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Juni 2012</a></em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-5653-1'>„Er muss sein Denken aktivieren. Ich habe nach einem alten Gebrauch dieses Aktivieren des Denkens ‚Meditation’ genannt.“ Paris, 26.5.1924, in: Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie? (GA 84) <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5653-1">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Eine Theorie von allem</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2013/02/21/eine-theorie-von-allem/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2013 22:28:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ken Wilbers Genie, Größenwahn und intellektuelle Schärfe Hat seit dem Renaissance-Genie Leonardo da Vinci nochmal jemand versucht, das gesamte menschliche Wissen zusammenzufassen? Da fallen mir erstmal nur die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt ein, und dann … Ken Wilber. Und das in einer Zeit, von der man sagt, das sich das menschliche Wissen alle [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Ken Wilbers Genie, Größenwahn und intellektuelle Schärfe</h2>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/02/kenwilber.png" rel="lightbox[5600]"><img class="alignright  wp-image-5623" style="margin-left: 10px;" alt="Ken Wilber" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/02/kenwilber-300x168.png" width="200" /></a>Hat seit dem Renaissance-Genie Leonardo da Vinci nochmal jemand versucht, das gesamte menschliche Wissen zusammenzufassen? Da fallen mir erstmal nur die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt ein, und dann … Ken Wilber. Und das in einer Zeit, von der man sagt, das sich das menschliche Wissen alle zwei Jahre verdoppelt, ungefähr so schnell (und exponentiell) wie die Geschwindigkeit der Prozessoren unserer Computer. Allein für den Versuch, eine solche Zusammenfassung zu wagen und den Reichtum an Ergebnissen, die dieser Versuch bisher schon gebracht hat, darf man dem Helden dieses megalomanen Versuchs einen Tempel bauen – und kann dann viel leichter akzeptieren, dass seine »Theorie von allem« an einigen Punkten nicht hält, was sie verspricht.</p>
<p>Meine vertiefte Beschäftigung mit Ken Wilber hat leider erst im Jahr 2012 begonnen. Vorher wusste ich von seiner Theorie nicht viel mehr als die Unterscheidung zwischen prä– und trans– (-konventionell, –rational, –personal), die immerhin bereits sehr, sehr nützlich ist. Und dass alle Frauen, die sich mit ihm beschäftigt haben, das Buch »Mut und Gnade« in den höchsten Tönen lobten und die meisten von ihnen über seine ach so abstrakten, »verkopften« Werke der Jahre danach seufzten. Heute halte auch ich Ken Wilber für den größten lebenden Philosophen. Seine Größe sehe ich vor allem darin, dass er den Mut hat, eine »Theorie von allem« zu wagen und zudem genügend Intelligenz, Forschungseifer und Ausdauer, ein solch größenwahnsinniges Projekt auch so weitgehend durchzuführen. Wenn auch nur zwei Drittel seiner Thesen sich in den nächsten Jahren auch nur vorübergehend als stichhaltig erweisen sollten, dürfte er schon damit einen Platz in der Walhalla der ganz großen Systematiker des menschlichen Wissens beanspruchen.</p>
<blockquote><p>Seine Größe sehe ich vor allem darin, dass er den Mut hat, eine ›Theorie von allem‹ zu wagen</p></blockquote>
<h3>Der große Bogen</h3>
<p>Mit Wilber hat zum ersten Mal ein Philosoph auf zutiefst plausible und unübertroffen weitreichende und umfassende Weise westliche Wissenschaft (vor allem <em>science</em>) mit östlicher Weisheit und Spiritualität unter einen Hut gebracht. Viele vor ihm haben das versucht, verglichen mit Wilbers‹ Werk aber wirken diese Vorgänger (Jean Gebser, Teilhard de Chardin, Arthur Koestler und viele andere) aber nur wie Wegbereiter des großen Theoretikers der »Theorie von allem«.</p>
<p>In Ken Wilbers Büchern zu lesen (zur Zeit lese ich <em>Eros, Kosmos, Logos</em> in der englischen Originalausgabe) ist für mich ein intellektueller Genuss und eine Fundgrube tiefer Einsichten, die auch mein praktisches Leben bereichern. Wie ich mit Menschen umgehe, mit Themen, mit Zeit und Raum, mit dem Verhältnis von meditativer Versenkung und begrifflichem Verstehen, all das ist davon berührt. Neulich sagte ich zu einem Freund, der sich schon viel länger mit Wilber befasst: Hätte ich schon 1995 dieses Buch gelesen (viele nennen es sein Hauptwerk), mein Leben wäre anders verlaufen. Inwiefern denn?, fragte er. Zum Beispiel hätte ich mich mit einigen der wirklich dummen Glaubensmustern der Babyboomer-Generation (»Spirituell reife Menschen werten nicht«, »Du musst werden wie die Kinder«, »Die Welt, die du erlebst, hast du mit deinen eigenen Überzeugungen erschaffen« – ich habe einige dieser Muster in Connection ja immer mal wieder aufgezählt) nicht so lange aufgehalten, sondern hätte diejenigen, die solchen Eso-Plattitüden verfallen, viel eher einfach links liegen gelassen und mich intelligenteren Menschen zugewandt. Als Verleger und Autor gesprochen: Ich hätte mich schneller und mit mehr Mut auf die Suche nach einer neuen Zielgruppe gemacht. Denn die gibt es. Sie ist klein, aber – dem Himmel sei Dank, sie wächst an!</p>
<h3>Was für ein Mut!</h3>
<p>Wer Wilber liest, stößt früher oder später auf die Frage, ob dieser Mensch mit seiner »Theorie von allem« nicht größenwahnsinnig ist. Welcher Teufel hat ihn da nur geritten, <em>das</em> zu beanspruchen? Dabei stimme ich gerade diesem Anspruch zu, denn jeder von uns muss irgendwie Inneres und Äußeres unter einen Hut bringen, die eigene Besonderheit und die Ansprüche des Kollektivs, Liebessehnsüchte und Steuererklärungen, Zahnschmerzen, Orgasmusstörungen und den Tod. Wie schaffen wir das nur? Die meisten schlagen sich dann auf eine Seite und werden <em>entweder</em> Steuerberater <em>oder</em> Poeten,<em>entweder</em> Gläubige <em>oder</em> Skeptiker, oder wie die Parteien alle heißen, aber auch Steuerberater haben manchmal Liebeskummer, und auch inbrünstig Glaubende zweifeln – wir haben eben alles in uns, und nur einen Teil davon anzuerkennen hat viele böse Folgen, von Bauchschmerzen bis hin zu Kriegen. Ich bewundere Wilbers Mut, es überhaupt <em>zu versuchen</em>, alles, wirklich alles in eine einzige Theorie zu packen und bin entsprechend nachsichtig mit ihm an den Stellen, wo mir diese Theorie fehlerhaft zu sein scheint.</p>
<p>Außerdem stehe ich auf Intelligenz! Bei Wilber finde ich ein so hohes Maß davon, bin hingerissen, entzückt und immer wieder im »Verstehensrausch«: Ah, was hat er da nicht alles auf dieser so erstaunlich detaillierten Landkarte des Kosmos‹ unterbringen können! Ich entdecke dort Bezüge ohne Ende zwischen Dingen, Ereignissen, Personen und Einzelerkenntnissen, die mir bislang noch nichts miteinander zu tun zu haben schienen, aber doch, sieh da, es gibt einen Zusammenhang! Insofern meine ich, dass Wilber den Heldenstatus verdient, den viele seiner Fans ihm geben.</p>
<blockquote><p>Der analytische Geist und das liebende Herz müssen sich beide entwickeln, sonst kommt es zu Auf– und Abwinden mit Neigung zu Gewittern.</p></blockquote>
<h3>Herz und Intellekt</h3>
<p>Eine Gefahr sehe ich allerdings, ein bisschen bei Wilber selbst, vor allem aber bei den Menschen, die sich von der Schärfe seines Denkens und dem Umfang seines Wissens faszinieren lassen: Wenn der analytische Geist (der <em>mind</em>) sehr weit entwickelt ist und das liebende Herz, das alles Wahrgenommene einfach schon deshalb umarmt, weil »es da ist«, nicht ebenso weit entwickelt ist, dann kommt es im Menschen zu einem Ungleichgewicht. Das ist dann sowas wie starke Thermik in der Atmosphäre, wenn etwa eine Fläche sich in der Sonnenhitze sehr viel schneller aufgewärmt hat als eine andere, dann gibt es starke Auf– und Abwinde und Neigung zu Gewittern. Wenn die intellektuelle Seite zu weit voraus ist, wird die Sprache tendenziell scharf und verletzend; der Mensch wird zum Kritikaster und trotz all seines Wissens, das ja sehr wertvoll ist, immer unerträglicher. Andererseits tut den im unendlichen Ozean der alles akzeptierenden Liebe Schwelgenden ein scharfer Geist gut – er holt sie aus der Kitschzone raus, verhindert dummes Mitläufertum und gibt den starken Gefühlen Sinn, Gehalt und Tiefe. Wilber scheint mir in der Hinsicht ein bisschen zu hirnig zu sein, aber <em>bei dem Intellekt</em>, da müsste er das Herz einer Liebesgöttin haben, damit es ohne Thermik ginge.</p>
<h3>Warum ignoriert ihn die akademische Welt?</h3>
<p>Nach dem Lesen von einigen der Kritiker Ken Wilbers frage ich mich, warum dieser große Denker in der akademischen Welt bisher kaum zur Kenntnis genommen wurde. Das ist ja auch eine der Fragen, die sich Frank Visser stellt (s. unser Interview mit ihm in der <em>connection</em> 01/02/2013 auf S. 34–37). Ich hatte nun das Glück oder Pech (wie man’s nimmt), unter Akademikern und Wissenschaftlern aufzuwachsen und konnte sie so auch in ihrem Alltags– und Privatleben beobachten, deshalb erlaube ich mir hierzu folgende These: Weil Wilber eine sehr neue, »umwerfende« Theorie bietet, die so vieles fundamental in Frage stellt, trifft er bei denen, die das etablierte Wissen verwalten, auf Widerstand oder Totschweigen (»Den ignorieren wir nicht ›mal«). Zu vieles des bisher als sicher oder selbstverständlich Geltenden wirkt angesichts von Wilbers Theorie obsolet oder kleinlich. Wenn ein Heidegger immerhin einige Jahre lang einem Hitler zujubelt, was soll man dann von der von Heidegger &amp; Co vertretenen abendländischen Philosophie halten? Oder von der Philosophie überhaupt? Was gibt es da seit Sokrates für Fortschritte? Auch der Marxismus ist, gelinde gesagt, nicht gut durchdacht und konnte nur durch die Wut und Verzweiflung der vom Kapitalismus gedemütigten Massen gedeihen und durch Führerkulte (die ihn dann politisch scheitern ließen).</p>
<h3>Zweifel</h3>
<p>Obwohl ich mich, was das Verständnis von Wilbers Philosophie anbelangt, noch ganz am Anfang befinde und dabei auch weiterhin ein gutes Maß an Anfängergeist beibehalten möchte (im Sinne von Suzukis »Zen mind, beginner’s mind«) – jetzt doch auch ein bisschen Kritik an dem Helden.</p>
<p>Wilbers Verständnis von »Bewusstsein« als Tiefe in der Holarchie der immer komplexer werdenden Strukturen finde ich hochinteressant, aber noch nicht wirklich schlüssig. Bewusstsein scheint mir auch mit Abbildung zu tun zu haben. Ein Molekül oder eine Zelle, die (noch) nicht eine wahrgenommene Außenwelt abbilden, wie können die Bewusstsein haben?</p>
<p>Ethik halte ich für das vielleicht am meisten unterschätzte Thema im Feld des Wissens und der menschlichen Kultur. Wilber packt es in den Quadranten links unten und scheint es, wie viele andere auch, als Gegensatz zum »platten Darwinismus« zu sehen. Ich protestiere: Ethik ist absolut darwin-kompatibel! Überhaupt scheint Wilber ein Ding mit Darwin zu haben und wird meines Erachtens der Evolutionstheorie nicht gerecht.</p>
<p>Und dann die teleologische Strähne in Wilbers Werk, die betrachte ich mit Skepsis. Hat denn alles einen Sinn (gemäß der Perspektive der sinngebenden linken Quadranten) oder Zweck oder Ziel? Ergänzen sich die rechten Quadranten, in der Kausalität gilt, mit den linken, den Zielstrebenden und Sinnfindenden?</p>
<p>Aber das sind Zweifel – <em>meine</em> Zweifel und Fragen. Vielleicht finde ich während meiner weiteren Wilber-Lektüre darauf Antworten, pro oder contra Wilber, wie auch immer.</p>
<h3>Kritik der Geisteswissenschaftler</h3>
<p>Die Kritik an Wilber aus der Sicht der deutschen Geisteswissenschaft, wie sie etwa Johannes Heinrichs vorträgt (<em>connection</em>01/02/2013 auf den Seiten 38–42) empfinde ich hingegen schon deshalb nicht als stichhaltig, weil ich Wilbers Grundsatz für richtig halte, dass <em>genau genommen</em> das Bewusstsein sich nicht selbst betrachten kann, so wie ein Messer sich nicht selbst schneiden kann. Der so genannten Selbstreflexivität des Intellektuellen fehlt meines Erachtens die Genauigkeit in der Selbstbeobachtung. Ich halte sie aber auch in dieser Ungenauigkeit (»Oh, da habe <em>ich mich</em> wieder mal bei einem Irrtum erwischt«) für wertvoll.</p>
<p>Einige von Wilbers Gegnern halten ihn für arrogant. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber wenn ich seine Schriften lese, spüre ich seine große Begeisterung für geistige Entdeckungen, keine Arroganz, und große Bereitschaft, sich mit anderen Menschen über diese Entdeckungen auszutauschen. Wilber mag auch mal wütend und abweisend sein, warum denn nicht, und sicher fühlt er sich vielen Menschen überlegen – reale Gründe dafür hat er ja genug, er <em>ist</em> vielen überlegen. Aber er sucht Menschen, die mit ihm auf Entdeckungsreise gehen, ihn verstehen und dann weitergehen, er sucht keine Nachbeter seiner Theorien.</p>
<p>Dass Wilber auch scharf schießende Gegner hat, wundert mich überhaupt nicht. Viel Feind, viel Ehr, würde ich in diesem Falle sagen. Die meisten seiner Kritiker haben nicht annähernd seine Größe, manche nörgeln nur an ihm herum, um sich wichtig zu machen. Es scheint mir aber auch sinnvolle Kritik zu geben, wie etwa die, dass er, von dem so viele sagen, dass er ihre Thesen nicht richtig darstelle (sie misrepräsentiere) seinen ärgsten Gegnern vorwirft, von ihnen falsch dargestellt zu werden. Anscheinend eine Schattenprojektion, vermutlich auf beiden Seiten.</p>
<h3>Die Wortgläubigkeit</h3>
<p>Ich ahne, dass eine Lösung dieses Streits (und einiger anderer im Umfeld der Integralen) in einer Erkenntnis der Gefahren der Wortgläubigkeit liegen könnte – unser aller Bereitschaft, uns von Worten faszinieren zu lassen. Wilber selbst scheint mir fasziniert zu sein von seinen eigenen Entdeckungen, dabei aber nicht wirklich wortgläubig im engeren und gefährlichen Sinn. Damit ich beim Lesen möglichst nah am Atem seiner Forschung bin, lese ich Wilber übrigens lieber im Original. Wenn ich dabei stutzig werde und ihm nicht mehr glaube – was oft vorkommt – lese ich seinen Text einfach so weiter, wie ich Rilke lesen würde oder Erich Fried, Gottfried Benn, Khalil Gibran oder auch vieles von Osho – die Worte eines Dichters. Dann steht für mich nicht mehr sein scharfes Denken im Vordergrund, sondern seine große Sehnsucht nach dem Ganzen und danach, alles in einer einzigen Theorie unterzubringen. Was auch wir alle tun, jeder von uns auf seine Weise, mit vielen Flicken, Brücken und schlechten Übergängen, unser Menschsein erfordert und impliziert den Versuch, alles zu integrieren. Wir mögen das unvollständiger tun als Wilber, aber wir tun es doch auch.</p>
<h3>Wilbers Holon-Theorie</h3>
<p>Für viele Wilber-Fans ist seine Holon-Theorie ein oder sogar <em>das</em> zentrale Element seiner »Theorie von allem«. Er knüpft damit an Arthur Koestler an und stellt die steile These auf, dass alles, wirklich alles, was es gibt, ein Holon sei, das heißt aus Teilen zusammengesetzt (insofern ein Ganzes) und selbst wieder Teil von Größerem oder Komplexerem. Mich fasziniert diese These. Zum einen, weil sie so umfassend ist: Gilt das wirklich für <em>alles?</em> Zum anderen, weil ich bei der Erforschung der Frage, ob er damit recht hat, auf so vieles stoße, das sich fügt oder löst oder klärt und neue Perspektiven sichtbar werden lässt, von der Biologie über das Soziale und die Politik (dort zum Beispiel das föderale Prinzip) bis hin zur Ethik. Manchmal löst dieses holonische oder holarchische Denken bei mir ganze Kaskaden von Aha-Erlebnissen aus. Zum Beispiel auch an diesem Punkt: Alle Holone haben vier Tendenzen, sagt Wilber: Selbsterhaltung, Anpassung, Transzendenz und Auflösung. Diese Passage in Wilbers <em>Eros, Kosmos, Logos</em> zu lesen war für mich pure geistige Ekstase. Wenn Wilber sonst nichts geschaffen hätte als diese Holon-Theorie, schon dann wäre er ein Studium wert – aber es gibt ja noch so viel mehr bei ihm.</p>
<blockquote><p>Obwohl Ken Wilber als Kartograph viel Größeres geleistet hat denn als Reisender, lässt er keinen Zweifel daran, dass es ums Reisen geht.</p></blockquote>
<h3>Das Land und die Landkarte</h3>
<p>Nicht zu vergessen: Wilber ist nicht nur ein Theoretiker, er ist auch ein Mystiker. Er denkt nicht nur, er meditiert auch. Obwohl er als Kartograph viel Größeres geleistet hat denn als Reisender, lässt er keinen Zweifel daran, dass es ums Reisen geht. Wozu sonst die Landkarte? Wozu eine Theorie, wenn sie nicht hilft, sich damit in der Wirklichkeit besser zurecht zu finden und ein besseres Leben zu führen? Was für ein Glück für uns Reisende, dass Wilber ein solch scharfer Denker und grandioser Kartograph ist! Reisen müssen wir nun selbst. Meditieren und leben und lieben und weiterforschen müssen wir selbst. Eine Landkarte ist noch keine Reise, aber sie hilft ungemein dabei, sich nicht zu verirren und gesund und guter Dinge ans Ziel zu kommen.</p>
<p>Auf S. 42, am Ende des Textes von J. Heinrichs findet sich eine recht gute <strong>Literaturliste </strong>von Ken Wilber Büchern bis zum Jahr 2000. Zu den periodisch erscheinenden Medien, die sich in herausragender Weise auf Deutsch mit der Weiterentwicklung von Ken Wilbers Theorien beschäftigen, gehören die Printmedien <em>Integrale Perspektiven</em> und das Andrew Cohen nahe stehende <em>EnlightenNext</em> (S. 77). Außerdem Thomas Steiningers Sender <strong>Radio EnlightenNext</strong> (dort gibt es im Archiv viele Interviews, auch mit Connection-Autoren, darunter Katharina Ceming, Margrit Kennedy, Annette Kaiser und mir selbst). Das <strong>Integrale Forum</strong> (<a href="https://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&amp;DEST=http%3A%2F%2Fwww.integralesforum.org" target="_blank" rel="external nofollow">www.integralesforum.org</a>) mit Sitz in Berlin, der Hrsg. der <em>Integralen Perspektiven</em> organisiert außerdem Tagungen und vieles andere mehr.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin Connection Spirit, <a href="http://www.connection.de/index.php/magazintexte/spirits/1640-connection-spirit-1-2-13" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 1–2/2013</a></em></p>
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		<title>Die Wissenschaftler und die Transzendenz</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Dec 2012 19:53:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
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		<category><![CDATA[Wolf Schneider]]></category>

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		<description><![CDATA[Mystik und Wissenschaft, Ost und West tun sich auch heute noch schwer miteinander Er hätte ein guter Wissenschaftler werden können, vom Elternhaus und der Begabung her deutete alles darauf hin. Dann aber ging er nach Osten, wurde Mönch und kam als Sannyasin zurück. Ein persönlich-biografischer Blick auf die beiden Seiten, die sich so schwer tun, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Mystik und Wissenschaft, Ost und West tun sich auch heute noch schwer miteinander</h2>
<p>Er hätte ein guter Wissenschaftler werden können, vom Elternhaus und der Begabung her deutete alles darauf hin. Dann aber ging er nach Osten, wurde Mönch und kam als Sannyasin zurück. Ein persönlich-biografischer Blick auf die beiden Seiten, die sich so schwer tun, zusammenzukommen: die Weisheit des Ostens und die Wissenschaft des Westens.</p>
<div id="attachment_5559" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class=" wp-image-5559 " style="margin-left: 10px;" title="Wissenschaft und Transzendenz" alt="" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/12/597314_web_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio.de_-300x225.jpg" width="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Gerd Altmann / pixelio.de</p></div>
<p>Als 16-jähriger durfte ich ab und zu am »Leib-Seele-Kolloquium« der Max-Planck-Institute Seewiesen teilnehmen, wo Naturwissenschaftler sich zu philosophischen Themen äußerten. Konrad Lorenz, ein Kollege meines Vaters, war einer von ihnen, auch Carl Friedrich von Weizsäcker war ab und an dabei. Es waren gute Naturwissenschaftler, aber ihre Aussagen über Leib und Seele überzeugten mich nicht. Da gab es zum Beispiel die ethischen Fragen (Was ist gut? Was sollen wir tun?), die in mir brannten. Dazu konnte keiner von diesen Forschern etwas mir Einleuchtendes sagen. Auch Lorenz‹ »Das sogenannte Böse« erschien mir nur als Annäherung an einen Lösungsansatz, den aber keiner so richtig anpacken wollte. Und dann die Frage, wie überhaupt etwas etwas anderes darstellen könnte und in welchen Formen das geschehen könnte und welche davon sinnvoll sind und welche nicht, alles das blieb ungelöst, kaum dass einer überhaupt diese Fragen stellte, die ich als noch viel fundamentaler empfand als all die alten Fragen zum Verhältnis von Geist und Materie, die hier mit der zu den Naturwissenschaftlern passenden Ironie, als »Leib und Seele«-Probleme bezeichnet wurden.</p>
<p>Zwei Jahre später begann ich das Studium der Physik, gefolgt von »Wissenschaftstheorie und Logik«. Vier Jahre lang an der Uni München (LMU), die heute als deutsche Elite-Uni gilt. Das Studium präzisierte meine Fragen und schürte meine Hoffnung auf Antworten, oder wenigstens Methoden zu finden, mit denen ich hoffnungsvoll nach Antworten würde suchen können. Ich fand jedoch keine und brach deshalb 1975 zu meiner zweiten Indienreise auf, getragen von der Ahnung, dass ich dort etwas erfahren würde, das mir keine westliche Universität bieten könnte.</p>
<h4>Annäherung unter den Koryphäen</h4>
<p>Auch heute noch interessiert mich brennend, in welcher Weise Wissenschaftler sich den religiösen Fragen annähern und wie religiöse Menschen – zum Beispiel der Dalai Lama – mit wissenschaftlichen Themen umgehen. Für beide Kontrahenten in diesem alten Konflikt, für die Partei der Religiösen ebenso wie die der Wissenschaftler, ist es ja sehr leicht, auf der Seite des jeweiligen Gegners einen Dummen zu finden, ihn als typischen Vertreter dieser Weltanschauung zu bezeichnen und ihn dann genüsslich auseinander zu nehmen. So knöpfen sich spirituelle Menschen gerne einen Materialisten vor, der an nichts anderes »glaubt« als an Materie und meinen, damit Schulmedizin, Naturwissenschaft und am besten auch gleich die ganze westliche Weltanschauung als große Verirrung enttarnt zu haben. Und die Vertreter des vermeintlich aufgeklärten Westens nehmen religiöse Fundamentalisten und verirrte Esoteriker als passende Beispiele dafür her, dass Religion an sich, im weiteren Sinne alle Metaphysik, eine sichere Reise in den persönlichen Wahnsinn und den zivilisatorischen Ruin bedeute.</p>
<p>Erfolgversprechender ist es jedoch, wenn man sich einigen ausgewählten Koryphäen der beiden Seiten zuwendet und dort nach Verbindungslinien und Berührungspunkten sucht. Etwa Carl Friedrich von Weizsäcker, der 1969 am Grab des Ramana Maharshi ein mystisches Erlebnis hatte (in <em>Connection </em>11/12 2012 auf S. 31/32 wörtlich zitiert). Oder Dag Hammarskjöld, der von 1953 bis zu seinem Tod 1961 Generalsekretär der UNO war, er war ein heimlicher Mystiker, erst nach seinem Tod wurde das durch seine Tagebücher bekannt (»Das mystische Erlebnis ist jederzeit: hier und jetzt. In Freiheit, die Distanz ist, in Schweigen, das aus Stille kommt«). Oder Einstein, dieser geniale Wissenschaftler, Mystiker und Humorist, ich könnte ihn endlos zitieren: »Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind« (Wer ihn kennt, weiß, dass er damit die Mystik meinte). »Zeit ist das, was man an der Uhr abliest«. »Der gesunde Menschenverstand ist nur eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.« »Seit die Mathematiker über die Relativitätstheorie hergefallen sind, verstehe ich sie selbst nicht mehr«. »Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom«. »Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings«.</p>
<p>Und nun, ganz offiziell einer »von der religiösen Seite«, der weltweit am meisten verehrte lebende Weise, der Dalai Lama; er ließ im September 2012 über Facebook verkünden: »Mit ihrer Betonung auf Liebe, Mitgefühl, Toleranz und Verzeihen können alle großen Religionen der Welt innere Werte fördern, und sie tun es auch. In der Realität der heutigen Welt aber ist diese religiöse Begründung von Ethik nicht mehr adäquat. Deshalb bin ich immer mehr davon überzeugt, dass die Zeit gekommen ist einen Weg zu finden, wie wir über Spiritualität und Ethik ganz jenseits von Religion nachdenken können.«</p>
<h4>Der Mensch als ethisches Wesen</h4>
<p>Zunächst mal zum Thema Ethik. Viele Menschen glauben, dass die Einbettung in eine religiöse Weltanschauung nötig ist, um aus einem Menschen einen guten Menschen zu machen. Ohne eine solche Einbettung »macht er, was er will«. Mit einer solchen aber fürchtet er sich in irgendeiner Anderswelt (z.B. der christlichen Hölle) oder durch sonst eine jenseitige, von ihm nicht manipulierbare Instanz (Karma) bestraft zu werden und tut deshalb Gutes. Es ist aber mittlerweise erwiesen, dass atheistische und unreligiöse Menschen nicht weniger mitfühlend, hilfsbereit oder sonstwie im ethischen Sinne gut sind als andere. Für die Belohnung oder Bestrafung unserer Taten braucht es also keine andersweltliche Instanz. Dass die Päpste im Mittelalter Ganoven, die katholische Inquisition grausam und die missionierende Kolonisation Europas in den eroberten Gebieten kultur– und menschenverachtend war, bleibt dem unbenommen, ebenso wie die Tatsache, dass die größten Schlächter des 20. Jahrhunderts (Hitler, Stalin und Mao) Atheisten waren oder zumindest (im Falle von Hitler) keine im traditionellen Sinne religiösen Menschen.</p>
<p>Das Thema des ethisch guten Handelns bleibt jedoch noch immer mit dem zu versöhnen, wie Darwin den Menschen als ein evolutionär geformtes Lebewesen beschrieben hat. Den berühmten Darwinschen »Kampf ums Dasein« (in Darwin’s O-Ton: <em>survival of the fittest</em>) der Tiere und menschlichen »Wilden« dem angeblich besseren moralisch-ethischen Verhalten des zivilisierten Menschen gegenüber zu stellen ist eine wissenschaftlich nicht haltbare, gleichwohl massentaugliche Kitschversion der ethischen Grundfrage. Wer genauer hinsieht stellt nämlich fest, dass es auch unter Elefanten, Delphinen, Primaten und Wölfen Altruismus und soziales Handeln gibt – unter »den Wilden« (Menschen) sowieso, die sollte man allerdings auch nicht idealisieren.</p>
<h4>Alle Philosophie ist Sprachphilosophie</h4>
<p>Und dann die Sprache. Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie ist seit dem 20. Jahrhundert (Russel, Wittgenstein, Popper) hauptsächlich Sprachphilosophie im weiteren Sinne. Wobei der Sinn vielleicht noch nicht weit genug gefasst wurde: Auch jede Geste ist ein sprachliches Zeichen, und damit auch jede Form, die ein menschlicher Körper einnehmen kann, der von einem anderen wahrnehmungsfähigen Wesen gesehen wird. Womit wir nicht nur bei der Körpersprache, die meist viel zu eng verstanden wird, sondern auch bei Beuys‹ sozialer Skulptur wären. Und noch weiter: beim Schweigen, bei der Stille als Abwesenheit von sprachlicher Kommunikation. Wobei man ja »nicht nicht kommunizieren« kann, wie Watzlawick so treffend sagte, also kommuniziert auch die Stille etwas. Um mit Spiritualität und Mystik nicht gleich Engel, Reinkarnation und Erleuchtungsblitze assoziieren zu müssen, was jeden wissenschaftlich gebildeten Menschen befremdet, könnten wir diese Begriffe z.B. so definieren: Mystik (oder auch Spiritualität) ist das, was die Stille kommuniziert. Sprache wäre demnach nur dann spirituell bzw. mystisch, wenn sie die Stille umkreist und nicht, wenn sie »etwas sagt«.</p>
<p>Jedenfalls ist auch die Sprachphilosophie ein Gebiet, auf dem sich Wissenschaft und Religion widerspruchsfrei begegnen können, wenn denn die Religion erkennt, dass alle religiösen Mythen (alle Gesetze und Gebote und Heilige Schriften und Einweihungen und Heiligsprechungen usw.) sprachliche Konstruktionen sind, die tranceinduzierend wirken und als solche das Bewusstsein verändern – leider überwiegend nicht ausweitend sondern einschränkend, einen Wahrnehmungstunnel erzeugend. Und die Wissenschaft muss sich der Herausforderung der logischen Antinomien stellen, die ein sprachphilosophisches Problem sind, das Ende des 19. Jahrhunderts einigen Mathematikern dämmerte. Betrand Russell, für viele der größte Philosoph des 20. Jahrhunderts, brachte dieses Problem schier zur Verzweiflung – nach eigener Aussage widmete er ihm die besten Jahre seines Lebens (1900 bis 1913) und gab dann auf. Den Wissenschaftstheoretikern und analytischen Philosophen des 20. Jahrhunderts, die in seinen Fußstapfen wandelten (z.B. Wittgenstein) erging es nicht viel besser: Noch immer sind diese Widersprüche in den Grundlagen der Naturwissenschaften nicht befriedigend gelöst.</p>
<h4>Nano– und Mesobereich</h4>
<p>Das Problem der logischen Antinomien zu lösen impliziert einen neuen Umgang mit der Subjekt-Objekt Beziehung. Mit dem heute so beliebten Hinweis auf die Unschärferelation der Quantenphysik ist das allerdings nicht getan, denn die regiert den Nanobereich. In diesem Bereich des Allerkleinsten spielt unsere Wahrnehmung eine ganz andere Rolle als im Mesobereich, dem der mittleren Größenordnung, für den unsere Sinnesorgane gemacht sind. Genau genommen sind Begriffe und die Idee, dass es Dinge gäbe, nur mehr oder weniger nützliche Fiktionen. Dabei ist die These, dass es Protonen und Elektronen gibt, eine viel gewagtere als die, dass es Steine, Äpfel und Sonnenuntergänge gibt. Für den Mesobereich hebt die Unschärferelation den Sinn der Subjekt-Objekt Trennung so wenig auf wie die Kernphysik das Newtonsche Graviationsgesetz aufhebt. Der Apfel fällt noch immer vom Baum und die Erde umkreist die Sonne, genau so, wie Newton das in seinem Gravitationsgesetz beschrieb, obwohl im Inneren der Atome ganz andere Kräfte regieren.</p>
<p>Mit der Quantenphysik sind wir in einem Bereich angekommen, mit dem sich der Normal-Esoteriker von heute sehr gerne tummelt, weil sie seinem Weltbild irgendwie zu entsprechen scheint. Was noch Einstein nicht verstehen wollte oder konnte, scheint den Esoterikern von heute kein Problem mehr zu bereiten. Das Ergebnis ist aber nicht Wissenschaft, sondern Wissenschaftskitsch. Die Aussagen dieses Genres sind so wenig falsch wie Plüschherzen und Gartenzwerge, sie sind aber auch nicht richtig und jedenfalls nicht wissenschaftlich.</p>
<h4>Religionskitsch</h4>
<p>Und so wie man das Gerede der Esoteriker von heute über die Quantenphysik zum größten Teil als Wissenschaftskitsch abtun kann, so ist die These, das Esoterik überwiegend Religionskitsch ist, auch nicht von der Hand zu weisen. Die Thesen der Esoterik sind nicht dümmer als das meiste, was die Religionen zu bieten haben, aber sie kommen vielfach so wohlmeinend, blauäuig und individuell zusammengebastelt daher, dass es auch hier kaum Sinn macht, dazu eine Gegenmeinung zu bilden. »Es ist nicht einmal falsch« sagen Wissenschaftstheoretiker gerne mit einem Schmunzeln über das, was entweder so diffus (»Alles ist Energie«) oder tautologisch (»Es ist, was es ist«) formuliert ist, dass es nicht einmal falsifiziert werden kann. Wenn es wenigstens schön ist, kann man es poetisch nennen – dafür haben auch Hardcore-Wissenschaftler durchaus Sinn, die sind ja mehrheitlich keineswegs Materialisten, sondern Musikliebhaber von Kunst Begeisterte.</p>
<p>Wenn denn Esoterik Religionskitsch ist, warum wirken die Religionen auf uns dann nicht kitschig, obwohl ihre Mythen, wissenschaftlich betrachtet, auch nicht besser sind? Weil sie alt sind; je älter desto ehrwürdiger. So geht es uns ja auch mit den Produkten unserer Warenwelt: Das ganz Neue ist modisch aktuell, das interessiert uns. Nach ein paar Monaten oder Jahren aber ist es »von gestern« und nichts mehr wert. Erst wenn es Oldtimer– oder Antiquitäten-Status erreicht hat, ist es wieder wertvoll. Die Gemüseraspel meiner Oma bringt auf dem Flohmarkt kaum mehr einen Euro ein. Eine Gemüseraspel aus der Bronzezeit aber würde bei Sotheby’s Millionen einspielen, selbst wenn sie beschädigt ist und viel schlechter raspelt als die von meiner Oma. So ist es auch mit den Religionen. Die altindischen Veden sind, von den Upanishaden mal abgesehen, hauptsächlich ein Konvolut von Zaubersprüchen, die weniger Weisheit enthalten als ein Abreiß-Kalender von heute – aber sie sind alt.</p>
<h4>Hochbegabt, aber ausgestiegen</h4>
<p>Jetzt wieder ein bisschen biografisch, denn auch oder gerade die anspruchsvollsten Themen lassen sich biografisch oft besser vermitteln als sachlich. Zu Schulzeiten galt ich als hochbegabt. Dass ich Jahre später mein Studium abgebrochen hatte, in Thailand in ein buddhistisches Kloster eintrat und ein weiteres Jahr später bei Osho in Poona landete, war für meinen Vater kaum zu ertragen, denn er war Naturwissenschaftler, Atheist und Max-Planck-Institutsleiter, und ich war sein einziger Sohn, mit dem er sich auf wissenschaftlichem Terrain doch so gut verstanden hatte!</p>
<h4>Die Generationen</h4>
<p>Ein Generationenproblem? Einerseits ja, aber auch eines des Anstoßens an Grenzen, die eine Generation vielleicht nicht ohne weiteres überschreiten kann und dies dann der nächsten überlässt. Ein paar Jahre vor seinem Tod gestand mir mein Vater, dass er in den Jahren seiner schlimmsten Hoffnungslosigkeit mich betreffend, der ich auch nach den Jahren bei Osho nicht von der Mystik lassen wollte, einmal seinen Max-Planck-Kollegen Carl Friedrich von Weizsäcker gefragt hatte, was denn von der indischen Spiritualität zu halten sei. Der konnte ihn immerhin ein bisschen beruhigen, die Tür zur mystischen Erfahrung aber blieb meinem Vater sein Leben lang verschlossen. So reichte er dann im Alter mein Buch »Zauberkraft der Sprache« zwar mit einem gewissen Stolz an seine Wissenschaftlerkollegen weiter und verstand, was ich mit der »tranceinduzierenden Wirkung der Sprache« meinte, er selbst aber meditierte nicht. Die schönsten Momente mit ihm waren für mich, wenn ich merkte, wie radikal sein Humor war. Ein Humor, der in den besten Momenten imstande war, jede persönliche Identifizierung mit was auch immer infrage zu stellen und zu überwinden – zutiefst europäisch, geradezu anarchisch liberal und dabei wissenschaftskonform.</p>
<h4>Mystik und Wissenschaft</h4>
<p>Vor einigen Jahren fragte mich der Inhaber eines naturwissenschaftlichen Lehrstuhls an der Universität Bayreuth und Herausgeber zweier wissenschaftlicher Fachzeitschriften, ob ich mit ihm eine Zeitschrift für »Wissenschaft und Mystik« herausgeben würde. Ja, gibt es denn dafür überhaupt einen Markt, war meine Gegenfrage. Welcher Verlag würde so etwas wagen? Er fragte bei dem für ihn zuständigen Ansprechpartner bei Elsevier nach, dem niederländischen Wissenschaftsverlag, der circa 2000 wissenschaftliche Zeitschriften verlegt und heute für seine aggressive Preispolitik berüchtigt ist. Die Antwort von Elsevier war, sie seien prinzipiell dafür offen und verlangten nach einem Konzept.</p>
<p>Finanziell war das Angebot für mich uninteressant – wissenschaftlich Publizierende leben vor allem von der Ehre oder tun es für die Karriere –, doch es hätte mein Lebensthema berührt, die Naturwissenschaften (<em>science</em>) mit der Mystik zusammenzubringen. Ich überlegte eine Weile und entschied mich dann dagegen, weil der Prof aus Bayreuth mir zu esoterisch war. Die Einigung zwischen uns wäre nicht leicht geworden. Mir ist ja sogar Sheldrake schon zu unwissenschaftlich (etwa seine morphogenetischen Felder und sein gerade erschienenes Buch »Der Wissenschaftswahn«). In der Hinsicht bin ich streng: Mystik ist Mystik und Wissenschaft ist Wissenschaft. Die beiden passen wunderbar zusammen, aber eine Verwässerung der Wissenschaft bringt keine Annäherung an die Mystik, sondern ist dann einfach nur schlechte Wissenschaft. Und die Mystik darf poetisch bleiben, sie darf dichten und jubeln, wie Rilke es in so berückend schöner Weise tat, oder Tagore oder Gibran. Wenn sich aber Mystiker oder Esoteriker der Wissenschaft anbiedern, indem sie in ihrem Jargon Platitüden verbreiten, tut das niemandem gut.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Connection, <a href="http://www.connection.de/index.php/magazintexte/16-spirit/1606-connection-spirit-11-1212" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11–12/12</a></em></p>
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		<title>Wahrheit und Schönheit</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Dec 2012 19:35:10 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn ich bei meiner Bank die Kontoauszüge ausdrucke, dauert das immer eine geraume Weile, aber ich darf in der Zeit den »Fortschrittsbalken« beobachten, der mir Hoffnung macht, dass der Ausdruck bald erledigt ist. Dieser Balken hat jedoch die Eigenschaft, nach links zurückzuspringen, wenn er rechts angekommen ist. Es gibt andere Fortschrittsbalken, die werden langsamer, wenn [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich bei meiner Bank die Kontoauszüge ausdrucke, dauert das immer eine geraume Weile, aber ich darf in der Zeit den »Fortschrittsbalken« beobachten, der mir Hoffnung macht, dass der Ausdruck bald erledigt ist. Dieser Balken hat jedoch die Eigenschaft, nach links zurückzuspringen, wenn er rechts angekommen ist. Es gibt andere Fortschrittsbalken, die werden langsamer, wenn sie sich dem rechten Rand nähern, mit dem man doch hofft angekommen zu sein. Es müssen Zyniker sein, die diese Fortschrittsbalken programmieren, ich kann ihr schallendes Gelächter schier hören, wenn sie sich vorstellen, wie wir Fortschrittsgläubige da auf die Bildschirme starren und darauf warten, dass wir endlich dort ankommen, wo wir hinwollen. So wie wir Menschen seit Jahrhunderten auf das Ende der »selbstverschuldeten Unmündigkeit« hoffen – so hatte Immanuel Kant einst (1784) die Aufklärung definiert. Auch heute noch hoffen wir auf das Ende der Irrtümer, die Befreiung aus der Ignoranz, die Erleuchtung oder Erlösung, oder wenigstens auf ein bisschen mehr Glück im Diesseits.</p>
<p>Doch, wir dürfen hoffen: Es gibt eine Annäherung zwischen Religion und Wissenschaft! Das meiste, was so aussieht, ist aber keine – mehr dazu  in der November/Dezember Ausgabe der <a href="http://www.connection.de/index.php/magazintexte/16-spirit/1606-connection-spirit-11-1212" target="_blank" rel="external nofollow"><em>Connection</em></a>.</p>
<div id="attachment_5555" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class=" wp-image-5555 " style="margin-left: 10px;" alt="Foto: Anne-Bermüller / pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/12/173164_web_R_by_Anne-Bermüller_pixelio.de_-300x225.jpg" width="200" /><p class="wp-caption-text">Foto: Anne-Bermüller / pixelio.de</p></div>
<h4>Wissenschaft ist eine Methode</h4>
<p>Die Wissenschaften, speziell die Naturwissenschaften haben in den vergangenen zwei, drei Jahrhunderten so große Fortschritte gemacht, dass sie zur vorherrschenden Weltanschauung geworden sind und manchmal den Eindruck erwecken, als sei mit ihnen eine neue Glaubensrichtung verbunden, die auch wieder rechthaberisch auftritt, Anhänger sucht und Andersgläubige verurteilt, so wie die Glaubensrichtungen der vorangehenden Jahrtausende es fast alle getan haben. Die Naturwissenschaft ist aber eigentlich eher eine Methode des Wissenserwerbs als eine Weltanschauung, eine Art, wie man zu Erkenntnissen gelangt (und in der Hinsicht übrigens dem Buddhismus ähnlich, der da sagt: Probier’s aus! Meditiere! Sei dir selbst ein Licht!). Sie kann nichts beweisen, sie kann nur widerlegen. Alles, was die Naturwissenschaften behaupten, steht jederzeit sozusagen zum Abschuss bereit. Ein einziges Gegenbeispiel genügt, und die Theorie oder These ist widerlegt.</p>
<h4>Wissenschaftler sind Menschen</h4>
<p>Natürlich sind auch Naturwissenschaftler nur Menschen. Viele von ihnen sind ehrgeizig, rechthaberisch oder beneiden die Arrivierteren unter ihren Kollegen, ganz wie wir anderen Sterblichen auch. Die Methode aber ist phänomenal gut. Im Grunde ist sie einfach eine <em>trial and error</em> (Versuch und Irrtum) Methode: Stell eine These auf und warte, ob irgendjemand imstande ist, sie zu widerlegen. Und intersubjektiv muss es sein: Auch andere müssen das beobachten können – was ja die Basis ist von jeder zwischenmenschlichen Kommunikation.</p>
<h4>Zutiefst subjektiv</h4>
<p>Was bleibt dann von den Religionen noch übrig? Die Mystik. Sie ist die zutiefst subjektive Betrachtung der Welt. Niemand ist genau so wie ich, niemand außer mir selbst kann durch meine Augen auf die Welt schauen, und wenn ich dann von allem absehe, was nur spekulativ ist, was nur eine These ist und keine Erfahrung, dann lande ich bei der Mystik. Dann weiß ich nicht mehr, ob es dich und euch überhaupt gibt, Steine, Häuser, Berge, die Hände vor mir … ich höre Töne, sehe ein Flimmern oder Glitzern, fühle ein Jucken auf der Haut, habe Gedanken, die vorüberziehen und Gefühle, die kommen und gehen und weiß nicht mal, ob ich morgen noch existiere und ob das Gestern vielleicht nur in meiner Erinnerung lebt und nie wirklich war. Da bin ich im ewigen Jetzt gelandet, und nur was hier ist, ist wirklich, alles andere ist Spekulation. Religionen? Ich habe Vorstellungen von Gott oder Göttern, Engeln oder Elfen, nicht anders als von Harry Potter, Superman und Pippi Langstrumpf. Diese Mythen kann ich beobachten, ihr Kommen und Gehen und ihre soziale Wirkung, aber ich falle dann nicht mehr darauf rein, dass sie »wirklich sind«. Allerdings sind auch Steine und erst recht Atome nur »relativ wirklich«.</p>
<h4>Annäherungen</h4>
<p>Was unter uns Menschen – in den Medien, in der spirituellen Szene, in unseren täglichen Gesprächen und Selbstgesprächen über Religion, Wissenschaft, Esoterik und Spiritualität – so alles gesagt wird, das sind Versuche der Annäherung an eine schwer verständliche und noch viel schwerer kommunizierbare Wirklichkeit. Einige dieser Aussagen sind sehr schön, auch wenn sie nicht wahr sind! Dann dürfen wir dankbar sein für diese Schönheit und sollten nicht auch noch Wahrheit verlangen. Andere sind wahr, aber nicht schön – auch das ist wertvoll. Dass beides zusammenkommt, so wie in Einsteins Formel E = mc<sup>2</sup>, das ist nur sehr selten der Fall.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals als Editorial im Magazin Connection, <a href="http://www.connection.de/index.php/magazintexte/16-spirit/1638-editorial-11-12-12" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11/12–12</a></em></p>
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		<title>Sich exponieren</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Oct 2012 14:40:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Schattenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wolf Schneider]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus dem Schatten heraustreten ins Freie Mut kann vieles sein, und meist fühlt sich die mutige oder feige Tat von innen anders an als sie von außen aussieht, das weiß jeder Held auf seiner Reise. Hier erzählt der Herausgeber der Zeitschrift connection von seiner spirituellen Reise und der Konfrontation mit seinem Meister – 23 Jahren ist das [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Aus dem Schatten heraustreten ins Freie</h2>
<div id="attachment_5438" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/148884_original_R_by_Bredehorn.J_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5436]"><img class=" wp-image-5438 " title="Aus dem Schatten in das Licht" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/148884_original_R_by_Bredehorn.J_pixelio.de_-276x300.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Bredehorn.J / pixelio.de</p></div>
<p>Mut kann vieles sein, und meist fühlt sich die mutige oder feige Tat von innen anders an als sie von außen aussieht, das weiß jeder Held auf seiner Reise. Hier erzählt der Herausgeber der Zeitschrift <em>connection </em>von seiner spirituellen Reise und der Konfrontation mit seinem Meister – 23 Jahren ist das her – und dem Sturm an Leserbriefen, den das auslöste, dem größten solchen, den diese Zeitschrift je erlebt hat.</p>
<p>Bin ich mutig? Schwierige Frage. Man­ches, das andere mit einem Achselzucken abtun, ist für mich ein gro­ßes Wagnis. Andererseits gab es Situationen, in denen ich mich mit Leichtigkeit in Feldern bewegte, die für andere höchst gefährlich zu sein schienen, und danach erhielt ich Bewunderung für meinen Mut, der doch nicht wirklich einer war.</p>
<p>Früher bekam ich manchmal vor Schüchternheit kaum den Mund auf. Würde ich sprechen, dann wäre ich durchschaut als unfähig und nicht lebenswert, fürchtete ich. Andererseits gab es Situationen wie die, in der damals (1977) wohl weltweit berüchtigtsten En­countergruppe, in den unterirdischen Therapy Chambers von Poona. Die Wände dort waren gepolstert, damit, wenn mal einer an die Wand geworfen wurde, er nicht gleich verletzt würde. Alle saßen an den Rand gekauert in brütender Stille, angstvoll und bereit zu kämpfen. Ich wagte mich in die Mitte, schweigend, und bewegte mich dann immer genau dorthin, wo meine Angst am größten war – die Angst angegriffen und vernichtet zu werden, einfach deshalb, weil ich da war. Es war totenstill geworden im Raum, und meine Angst war weg.</p>
<p>Was als Mut gelten könnte und wo die Angst dann jeweils ist, das will ich hier nur am Rande theoretisch behandeln, sondern will von ein paar Schritten in meinem Leben erzäh­len, die mir rückblickend als mutig erscheinen. Von meiner Angst, meinem Mut und meinen Befürchtungen auf dem Weg meiner Selbstwerdung, dem Fassen von Selbstvertrauen.</p>
<h4>Entscheidungen</h4>
<p>Zunächst mal waren da die Schritte aus dem Elternhaus hinaus – Initiationserlebnisse, die mich erwachsen werden ließen. Trampen mit 16, mit kaum Geld in der Tasche. Draußen schlafen in Gegenden, wo es Wölfe gab oder Räuber – überfallen wurde ich nie, das Schlimmste waren die Mücken. In Länder reisen, deren Sprache ich nicht verstand. Und solche Entscheidungssituationen wie diese: Ich war in Südfrankreich auf der Schule, hatte Herbstferien, trampte nach Barcelona und stand dort auf den Felsen oberhalb des Hafens, schaute übers Meer und überlegte, wie es wäre, wenn ich einfach abhauen würde. Weg von der Schule, weg von all den Gefäng­nissen, in denen ich zu funktionieren hatte. Ich würde in Spanien oder Marokko untertauchen, kein Abi machen müssen, weg sein, frei! Ich kehrte zurück. War das feige? Unge­fähr zwei Jahre später noch mal: Nun hatte ich das Abi, war nach Kathmandu getrampt und hatte zu entscheiden, ob ich den langen Rückweg antreten sollte, über die Landstra­ßen Südwestasiens zurück nach München, wo ich einen Studienplatz für Physik hatte. Oder im Himalaya bleiben und mich dort durchschlagen? Ich kehrte zurück. Das westliche Bildungssystem verließ ich erst vier Jahre später ganz, nach acht Semestern einer Art von studium generale, im Hauptfach Philosophie und Wissenschaftstheorie.</p>
<h4>Verloren, angekommen …</h4>
<p>Wissen wollen und erkennen, was ist, das war für mich immer das Wichtigste im Leben. Von wem lerne ich am besten, und wo? Das führte mich wiederholt in riskante Situationen. Auf Borneo in den Wald gehen ohne behördliche Erlaubnis. In Thailand ins Klos­ter gehen, dabei meinen ganzen (geringen) Besitz abgeben und auf das in Deutschland unabgeschlossene Studium pfeifen, war das mutig? Es war für mich damals genau das Richtige. Wenn ich einen solchen »entscheidenden« Schritt getan hatte, wurde es ruhig in mir. Da war das Gefühl, angekommen zu sein, bei mir selbst oder »im richtigen Leben«. Das Gefühl, zuhause zu sein, obwohl ich doch weitab jeder Heimat völlig allein war und ohne Besitz – kaum dass jemand, der mich kannte, wusste, wo ich war.</p>
<h4>… und doch wieder ausgestellt</h4>
<p>Ein Jahr später traf ich auf Osho. Ich liebte es damals (auch heute noch mag ich das), unterzutauchen in einer Menge, dort niemand Besonderes zu sein und mitzuschwimmen mit den vielen anderen, die einander irgendwie gleichen, wie in einem Fischschwarm. Nur nicht auffallen! Meine Kleidung war so, dass das fast immer gelang. Dann kam Sannyas. Plötzlich war ich in grellem Orange gekleidet! Zurück in Deutschland war das noch schlimmer, oft war es ein Spießruten laufen. Mit der Mala (Halskette) und Osho-Bildchen um den Hals wurde man für blöd gehalten, für Opfer eines Kultes, abhängig, gehirngewaschen, und von mitleidigen Blicken gesteinigt. War mir das egal? Keineswegs. War ich dabei mutig oder nur verrückt? Das eigentlich Verrückte war ja, dass die Blicke derer, die da den Jünger der psychischen Abhängigkeit bezichtigen, eigentlich die abhän­gigeren waren. Doch sie waren in einer Trance, die kaum auffiel, denn es war die übliche Trance der Masse, der Mainstream.</p>
<h4>Mutig, aber peinlich</h4>
<p>Als orange gewandeter Taxifahrer in München mit dem Osho-Bild um den Hals war ich exponiert. Das war in gewisser Hinsicht mutig. Wenn ich unter Sannyasins war, galt aber wieder ganz Anderes: ego-los sein, nicht auffallen, mitschwimmen, Hingabe, niemand Besonderes sein. Dass ich dann, noch zu Oshos Lebzeiten, eine Zeitschrift begann, die in den ersten Monaten auch noch »Orange Connection« hieß, war wiederum mutig. Es gab ja auch eine »Rajneesh Times«. Das war die offizielle Presse der Bewegung. »Warum machst du da nicht mit? « Wenn ich im Schreiben oder Redigieren Talent hätte, müss­te ich dort mitmachen und nicht »mein eigenes Ding«, das war die offizielle Meinung. Mein Ego war es, das mich dieses Ding machen ließ, das war allen Beobachtern sonnenklar. Mutig? Vielleicht schon, aber in spirituellen Kreisen eher peinlich.</p>
<p>Heute würde ich sagen, mein Erwachsenwerden war damals noch nicht abgeschlossen; mein Reifen sowieso nicht, das endet ja nie. Jeder Schritt zu neuen Ufern, jedes Erringen einer neuen Lebensstufe, braucht wieder Mut, wie Hermann Hesse es in seinem berühmten Gedicht (»Stufen«) so schön sagt: »Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise / Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen / Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise / Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.«</p>
<h4>Gehorsam?</h4>
<p>Und so stellte ich mich dieser Herausforderung und machte mein eigenes Ding. Ich war aber immer noch Osho-Sannyasin, das heißt, ich hatte einen Meister. Was sagte denn der dazu, dass ich da mein eigenes Ding machte? Hat man als Schüler nicht seinem Meister zu gehorchen?</p>
<p>Ja, an der Oberfläche, da sieht es so aus, als habe der Schüler (oder Jünger, engl. devotee) seinem Meister oder der Meisterin zu gehorchen. Widerspenstige Egos, d.h. sehr eigensinnige, sture Menschen, die sich nicht verändern wollen, scheitern dort schon mal, was den Vorteil hat, dass diese Meister nicht völlig überlaufen sind und noch eine gewisse, auch individuelle »Arbeit« machen können mit ihren Schülern. Wirkliche Meister wollen keinen Gehorsam, sie verbieten ihn schließlich sogar, aber sie müssen ihre folgesüchtigen Schüler erstmal dort hinführen, wo echte Autonomie möglich ist.</p>
<h4>»Rette uns vor den Rechtschaffenen«</h4>
<p>Im Frühjahr 1989 bekam ich von Maneesha, damals Oshos Sekretärin, die Aufforderung, meine Leser vor dem abtrünnigen Osho-Schü­ler Paul Lowe (als Sannyasin hieß er Swami Ananda Teertha) zu warnen, denn der sei »raffiniert und hinterhältig« und »vom Wege abgekommen«. Ich erschrak, war erschüttert, ließ diese Botschaft erstmal sinken – und rebellierte dann. Öffentlich. Eine Verleumdung weitergeben, nur weil dort einer die Schafherde verlassen hatte und die Organisation sauer war, einen ihrer Prominenten verloren zu haben? Nicht mit mir! In unserer Juli-August Ausgabe 1989 zitierte ich Maneeshas Brief in aller Ausführlichkeit und gab ihr unter der Überschrift »Rette uns vor den Rechtschaffenen« eine emphatische Antwort. Dazu das Bild von einer Schafherde.</p>
<p>Nie wieder in den 27 Jahren, die ich diese Zeitschrift herausgebe, habe ich zu einem Thema so viele, so lange und so leidenschaftliche Leserbriefe erhalten. Und nicht nur von meinen deutschen Lesern. Der Artikel wurde in Poona ausgehängt, übersetzt ins Englische, und es antworteten mir auch die Top-Leute von dort: Maneesha selbst, Arjuna (damals Finanzchef), Oshos Leibarzt Amrito und sein Zahnarzt Devageet.</p>
<p>Woche für Woche erhielt ich neue Briefe hierzu (auf Papier! Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen). Monatelang. Es kamen immer neue, und auch die veröffentlichten Antworten wurden wieder beantwortet. Nach etwa einem halben Jahr stoppte ich die Veröffentlichungen, weil ich den Eindruck hatte, dass das von außen aussähe wie Richtungskämpfe innerhalb der San­nyas­szene, ähnlich wie Nicht-Grüne damals über den Kampf zwischen Realos und Fundis bei den deutschen Grünen nur den Kopf schüttelten. Dabei war hier ein wichtiges Thema angesprochen, das schwelte und brodelte und überwiegend ungelöst blieb: die Suche nach Autonomie, Freiheit, Selbstständig­keit und Überwindung des Egos, wie sie innerhalb der Meister-Schüler-Beziehung gelingen kann oder eben verraten wird.</p>
<h4>Der Meister schweigt</h4>
<p>Was sagte denn der Meister selbst dazu? Vermutlich war ihm mein rebellischer Text übersetzt worden, oder es war ihm gesagt worden, dass ich mich öffentlich gegen Manee­sha gestellt hatte, und dann hatte er seine Leute aufgefordert, mir zu antworten. Wie hätte es sonst sein können, dass vier der Top-Leute in Poona diesem kleinen Blättchen im fernen Deutschland so viel Aufmerksam­keit gaben, der Chef selbst musste sie darum gebeten haben. Er aber sagte nichts. Ich fragte ihn auch nicht direkt »Osho, was sagst du dazu?«, denn ich war mir der tiefen Richtigkeit meines Standpunktes so sicher, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass er, der mir so sehr geholfen hatte, dieses Ur-Inners­te zu erkennen, es freizulegen und dann dazu zu stehen, nun einfach dazu nein sa­gen würde. Aber warum veranlasste er dann seine Leute, mich mit Worten aufs Heftigste zu bekämpfen?</p>
<p>Ich hatte ihm schon ein paar Mal geschrieben und darum gebeten, etwas zu meiner Zeitschrift zu sagen, aber nie eine Antwort erhalten. Ich war stolz auf mein Projekt, und stellte mir dann vor, wie er – Er! – wie ein gütiger Vater oder Mentor dazu sagen würde: »Gut gemacht! Du hast meine Botschaft verstanden! Weiter so!« Hätte ich solch eine Antwort tatsächlich erhalten, hätte ich mich aber wohl eher meines kindlichen Bedürfnisses nach Aufmerksamkeit und Lob geschämt. Solch ein Meister-zu-Schüler-Kitsch, nein danke. Hatte er uns alle denn nicht jahrelang gepredigt, zu uns selbst zu stehen und mutig aus dem Herzen heraus zu handeln?</p>
<p>Dann, allmählich, fand ich es gut, dass er nicht geantwortet hatte. Er ließ mich allein. Er war nicht dagegen, was ich tat und auch nicht dafür, ich musste das selbst verantworten. Nun hatte er sogar seine Leute gegen mich aufgehetzt, mit hahnebüchenen Vorwürfen gegen mich anzutreten, so viel war ich ihm wert! Aber keine Antwort. Oder eigentlich: Das war die Antwort.</p>
<h4>Dann stirbt er</h4>
<p>Ein paar Monate nach diesen Ereignissen, im Januar 1990, starb Osho. Die Nachricht erreichte mich im Connection-Büro. Erstmal ungläubiges Staunen, dann Stille. Dann erfasste mich ein tiefes Seufzen und zugleich Aufatmen, ich weinte, traurig und glücklich zugleich. Nun gab es keine »Botschaften aus Poona« mehr, jedenfalls nicht von ihm. Es war vorbei. Nachfolger hatte er keinen hinterlassen, nur einen Kreis von 21, der das Praktische regeln sollte. Nun waren wir dran, wir, die ihn erlebt hatten! Eigentlich war der Unterschied für mich gar nicht so groß, denn er hatte mich ja auch vorher schon allein gelassen – respektvoll allein gelassen.</p>
<p>Nie wieder danach habe ich das Bedürfnis gehabt, mich einem spirituellen Meister oder Lehrer anzuschließen. Auch heute noch bin ich manchmal mutig und manchmal feige, aber zutiefst immunisiert gegen autoritäre Verführungen. Meine Zeit mit Osho war in der Hinsicht eine Impfung. Herumlaufen als ein Zombie, ein von anderen Instanzen als den ureigenen gesteuertes Wesen? Das geht nicht mehr, nicht mit mir.</p>
<h4>Freiheit</h4>
<p>Und was mache ich jetzt mit dieser Freiheit? Ich mache meine Zeitschrift weiter, dies nun schon mehr als 22 Jahre lang nach seinem Tod. Niemand hat mich in irgendeine spirituelle Linie eingeweiht, niemand hat mich zu irgendwas autorisiert, ich mache das aus freien Stücken. Und bin damit offenbar in guter Gesellschaft: Buddha war kein Bud­dhist, Jesus kein Christ, Osho kein Sannyasin, Ramana Maharshi ohne Lehrer und Linie, und Krishnamurti war kein Theosoph. Keiner von ihnen wurde je autorisiert, das zu tun, was sie taten. Dann brauche ich das auch nicht. Und es installierte auch keiner von ihnen einen Nachfolger. Akademische Titel? Eher würde ich eine Universität gründen wollen, als an einer bestehenden mir einen Titel zu erwerben.</p>
<p>Und was meine Beziehung zu Osho anbelangt: Unter den Sketchen, die ich seit ein paar Jahren als Kabarettist spiele, ist auch eine Guru-Nummer. Die speist sich zum Teil von Satsanglehrern, aber nicht nur, sie enthält auch viel von Osho. Die Robe, die ich dabei trage, ist den Bhagwan-Gewändern aus dem alten Poona abgeschaut, ebenso die Slipper, und auch Begrüßung und Abschied sind von ihm: Da schaue ich mit zum Namasté gefalteten Händen jeden einzelnen an, habe dabei ein karikierend überzogenes Osho-Lä­cheln im Gesicht, dieses unnachahmliche Grinsen, und durch diese Karikatur dringt wie ein herbeigerufenes Gespenst etwas vom Original mit durch. Dabei wird es meist ganz still im Raum. Außer einem Giggeln und gelegentlichem Juchzen oder Schluchzen ist nichts zu hören. Manchmal kann ich dabei die Gedanken, die durch die Köpfe gehen, geradezu sehen (als Guru bin ich ja hell­sich­tig): Verarscht er ihn nun, oder meint er das ernst? Es liegt irgendwo zwischen die­sen beiden Polen. Zwischen den Polen Witz und Ernst liegt die Freiheit, zu sein, wie ich bin.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmal im Magazin <a href="http://www.connection.de/jupgrade/index.php/magazintexte/16-spirit/1570-connection-spirit-9-1012" target="_blank" rel="external nofollow">Connection Spirit, Ausgabe 9–10/2012</a></em></p>
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		<title>Aussteigen, einsteigen</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Oct 2012 13:53:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[»Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein«. Das sagte Jiddu Krishnamurti, der selbst ein Aussteiger war – aus der Theosophischen Gesellschaft, die ihn zu ihrem Weltlehrer machen wollte. So hat dieses Aussteiger-Motto auch viele andere von uns Pionieren einer besseren Welt begleitet. Inzwischen dringen die Gedanken [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5432" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/457383_web_R_by_birgitH_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5430]"><img class=" wp-image-5432 " title="457383_web_R_by_birgitH_pixelio.de" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/457383_web_R_by_birgitH_pixelio.de_-300x204.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: birgitH / pixelio.de</p></div>
<p>»Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein«. Das sagte Jiddu Krishnamurti, der selbst ein Aussteiger war – aus der Theosophischen Gesellschaft, die ihn zu ihrem Weltlehrer machen wollte. So hat dieses Aussteiger-Motto auch viele andere von uns Pionieren einer besseren Welt begleitet. Inzwischen dringen die Gedanken der Aussteiger von damals bis in höchste Kreise vor. Dort werden sie teils noch verschämt ausgesprochen, während sie sich, meist in verkitschter und massentauglicher Form, zu den Kerngedanken des inzwischen längst nicht mehr monolithischen Mainstreams gesellen.</p>
<h4>Die Zeiten ändern sich</h4>
<p>Vor 21 Jahren bin ich mit ungefähr 14 anderen Erwachsenen und vier Kindern auf ein kleines oberbayerisches Dorf gezogen, das diese in ihren Augen »wilde« Kommune überraschend gut aufnahm, und doch blieben wir viele Jahre lang ein Fremdkörper. Wir wurden bestaunt, denn wir lebten vegetarisch, kommunal, meditierten und machten eine Zeitschrift »für eine bessere Welt«. Die Befürchtung, dass wir die konventionellen Lebensformen würden erschüttern können, überschätzte uns jedoch grandios. Die Welt, die uns damals bestaunte, ist inzwischen aufgrund ihrer eigenen inneren Widersprüche zutiefst erschüttert: Ihr Finanzsystem lässt sich nicht mehr halten. Die Naturzerstörung hält weiterhin an, keine Rio– oder Klima-Konferenz kann auch nur das Geringste daran ändern. Es werden weiterhin Kriege geführt, nationale wie Bürgerkriege. Die Atomwaffen breiten sich aus und lebenswichtige Ressourcen werden vernichtet, darunter die Artenvielfalt, die Fischbestände und Agrarflächen, meist Monokulturen, die zur Wüste werden. Viel zu langsam dringt das Wissen in die Poren dieser Gesellschaft, dass das mit dem zu tun hat, wie wir denken und fühlen, was wir essen und wie wir die Tieren behandeln, das Land und die Städte, wie wir Transportmittel nutzen und miteinander umgehen, nicht nur in der »großen Politik«, sondern auch im Privaten.</p>
<p>Inzwischen bin ich hier im Dorf nicht mehr bloß der merkwürdige Aussteiger, der keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, kein Fleisch isst, nicht verheiratet ist und kein Mitglied einer religiösen Gemeinschaft, sondern werde gefragt, wie man es schafft, so gesund zu leben und »sich selbst zu verwirklichen«. Unser Haus ist inzwischen eine Art Gemeindezentrum geworden (was es als Dorfwirtschaft früher ja einmal war), etwa, wenn sich hier der Bruno Gröning Heilkreis trifft, der von der Kirche nicht akzeptiert wird, die Jugendgruppe der bayerischen Grünen bei ihrer Programmplanung, oder Gruppen, Seminare und Feste der regionalen Bevölkerung, nicht nur »alternativer Kreise«.</p>
<h4>Gemeinschaft</h4>
<p>In den 70er Jahren war ich ein »Aussteiger«. Der Gesellschaft, die den ersten und zweiten Weltkrieg produziert hatte, den Krieg gegen die Natur, den Kolonialismus, das Patriarchat und die religiöse Arroganz der herrschenden Kirchen, dieser Gesellschaft wollte ich nicht angehören. »Gemeinschaft« bedeutete für mich damals eine Kommune, die außerhalb dieser Gesellschaft friedlicher, nachhaltiger, liebevoller lebte oder das zumindest versuchte. Heute empfinde ich auch unser Dorf in gewisser Hinsicht als Gemeinschaft (heißt es doch im Politdeutsch sogar »Kommune«), und vieles andere um mich: Deutschland, Europa, die spirituelle Szene mit ihren Subkulturen, und die vielen Menschen und Szenen, mit denen ich per Internet kommuniziere.</p>
<p>Mein Aussteigen war für mich eigentlich immer mehr ein Einsteigen in etwas, dass ich als die bessere Alternative zum Bestehenden empfand. Merkwürdiges Gefühl, dass ich damit nun offenbar irgendwo nahe der Mitte einer Gesellschaft angekommen bin, die sich selbst nicht versteht, und in der immer mehr zugeben, dass sie nicht weiter wissen.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmal im Magazin <a href="http://www.connection.de/jupgrade/index.php/magazintexte/16-spirit/1570-connection-spirit-9-1012" target="_blank" rel="external nofollow">Connection Spirit, Ausgabe 9–10/2012</a></em></p>
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		<title>Am Anfang war das Wort</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/09/27/am-anfang-war-das-wort/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Sep 2012 17:53:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die universelle Kreativität im Gesprochenen und Unaussprechlichen Mit jedem Wort kreiere ich eine neue Wirklichkeit. Jedes bewusst gesprochene Wort kann meine Welt verschönern, mich mit anderen Menschen verbinden, neue Ideen in die Welt bringen. Genauso kann jedes unbewusste Wort meine Welt innerhalb von Sekunden zerstören, indem es mich von Anderen trennt, und störende Gefühle auslöst. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Die universelle Kreativität im Gesprochenen und Unaussprechlichen</h2>
<div id="attachment_5346" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/554069_web_R_by_fritz-zühlke_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5343]"><img class=" wp-image-5346 " title="Ein wahres Wort zu rechter Zeit" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/554069_web_R_by_fritz-zühlke_pixelio.de_-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: fritz zühlke / pixelio.de</p></div>
<p>Mit jedem Wort kreiere ich eine neue Wirklichkeit. Jedes bewusst gesprochene Wort kann meine Welt verschönern, mich mit anderen Menschen verbinden, neue Ideen in die Welt bringen. Genauso kann jedes unbewusste Wort meine Welt innerhalb von Sekunden zerstören, indem es mich von Anderen trennt, und störende Gefühle auslöst. Das Wort muss dabei nicht immer ausgesprochen sein. Oft wird etwas vom Gegenüber nur gehört, weil die energetische Schwingung der Gedanken zwischen den gesprochenen Worten mitklingt.</p>
<p>»Denk nach bevor du etwas sagst«, habe ich als Kind immer wieder von Erwachsenen gehört. Doch denken woran und womit? Und wenn ich nach-denke, lebe ich dann nicht in der Vergangenheit?</p>
<p>»Gib mir dein Wort«, sagt man, wenn man von jemandem Vertrauen erwartet. Doch welches Wort soll ich geben, es gibt so viele davon. Und in welcher Sprache?</p>
<p>»Ich halte mein Wort«, sagt man, wenn eine Abmachung eingehalten wird. Wieso sollte ich jedoch ein Wort behalten. Worte sind doch zum weitergeben da und durch den Austausch von Worten entsteht Kommunikation und eine Gesprächskultur.</p>
<p>Das Wort steht am Anfang jeder Kommunikation mit meinen Mitmenschen. Dabei ist das gesprochene Wort nur eine Schwingungskomposition, zusammengesetzt aus Lauten, die aus dem Mund des Sprechenden kommen. Egal in welcher Sprache ergibt sich aus dieser Komposition für den Hörenden ein Sinn oder nicht. Manchmal verstehen sich Menschen, auch wenn sie nicht die selbe Sprache sprechen, denn das gesprochene Wort macht nur etwa 20% der Kommunikation aus. Die anderen 80% setzen sich zusammen aus der visuellen Wahrnehmung, Empfindungen auf der Haut oder im Körperinneren, über den Geruchssinn, und daneben liefert der Hörsinn weitere Informationen wie Stimmfärbung, Tonhöhe und weiteres.</p>
<h4>Die kreative Schöpfung</h4>
<p>Das Wort entsteht jedoch nicht erst mit der Bewegung der Zunge und der Lippen, es wird bereits durch den Verstand beim Denken geformt, es wird sozusagen vorgedacht. Also ganz anders als mir die Erwachsenen früher empfahlen. Mir dessen bewusst zu sein, was ich sage heisst allerdings nicht mir jedes Wort vorher zu überlegen. Authentische Kommunikation entsteht durch den Fluss der Wörter aus dem Moment heraus. Wichtig ist dabei, dass ich in diesem Moment voll präsent bin und das was gesagt werden möchte frei fliessen lasse.</p>
<p>In verschiedenen Traditionen kommt dem Wort eine äusserst wichtige Bedeutung zu und ist mehr als nur die Komposition von Lauten. Es wird oft der Schöpfung an sich gleichgesetzt.</p>
<blockquote><p>»Im Anfang war das Wort,<br />
und das Wort war bei Gott,<br />
und Gott war das Wort.»<br />
– Johannesevangelium (in der deutschen Einheitsübersetzung)</p></blockquote>
<blockquote><p>»Im Anfang war Prajapati (der Schöpfer),<br />
mit ihm war Vak (das Wort),<br />
und Vak war wahrhaftig der höchste Brahman.»<br />
– Veden</p></blockquote>
<p>Das Wort ist hier ein Ausdruck der universellen Kreativität, die überall und zu jeder Zeit präsent ist.</p>
<h4>Das logische Wort</h4>
<p>Der altgriechische Begriff <em>Logos</em>, der oft im Deutschen mit <em>Wort</em> übersetzt wird, kann verwendet werden um die tiefere Bedeutung des Wortes zu verdeutlichen. Logos oder das Wort wird oft als das von Gott Geschaffene bezeichnet, egal ob in der Memphitischen Theologie im alten Ägypten, der griechischen Philosophie, dem Judentum oder dem Christentum.</p>
<p>Auch Goethe suchte im Faust nach der richtigen Deutung des Wortes:</p>
<blockquote><p>»Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«<br />
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?<br />
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,<br />
Ich muß es anders übersetzen,<br />
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.<br />
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.<br />
Bedenke wohl die erste Zeile,<br />
Daß deine Feder sich nicht übereile!<br />
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?<br />
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!<br />
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,<br />
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.<br />
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat<br />
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!«</p></blockquote>
<h4>Bewusste Quelle der Wirklichkeit</h4>
<p>»Vom Geiste recht erleuchtet« sein heisst für mich, bewusst zu sein und auch den Logos im Sinne der Logik, den Verstand zu verwenden, wenn ich mit anderen Menschen kommuniziere. Jedoch nicht den vielen bekannten, menschlichen, vom kleinen Selbst gesteuerten, egozentrischen Verstand, der alles rational beurteilt und in Bezug setzt zu anderen Gedanken und äusseren Umständen. Nein, ich meine hier den universellen Verstand, das Wissen des Herzens, das was in jedem Moment neu kreiert wird, wenn ich mit der höchsten Weisheit verbunden bin. Und diese Anbindung schaffe ich, indem ich durch regelmässige Meditation und Innenschau immer wieder in die Quelle eintauche, wo jegliche Gedanken, Bilder und Vorstellungen aus dem Urgrund der immer-schon-bestehende Einheit entspringen.</p>
<p>Gedanke, Wort und Tat (oder Aktion) sind also eng miteinander verbunden. Mit jedem Gedanken forme ich bereits ein unausgesprochenes Wort, das im Moment der Aussprache bereits eine Tat an sich ist. So bin ich stets verantwortlich für alle meine Gedanken und wenn ich mit anderen Menschen eine gewaltfreie Kommunikation möchte, dann muss ich darauf achten, dass meine Gedanken genauso rein und gewaltfrei sind. Denn jeder Gedanke, kann in einem unbewussten Moment ganz schnell als Wort über die Lippen kommen und somit meine Welt verschönern oder zerstören.</p>
<p>Somit stimmt es in einem gewissen Sinne, wenn manche Menschen davon sprechen, dass ich mit meinen Gedanken meine Wirklichkeit kreiere. Und wie wir wissen ist diese Wirklichkeit relativ und unterscheidet sich zur absoluten Wirklichkeit, die wiederrum eins ist mit dem grundlosen Urgrund aus dem alles im Moment entsteht.</p>
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		<title>Das Ganze und seine Teile</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Sep 2012 12:34:47 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Integrale Landkarte]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir sind wie Inseln oder Schiffe im Fluss – aber aus Wasser Wer bin ich, und wo gehöre ich hin? Und alle diese Dinge, wo gehören die hin, wie sind die einzuordnen? Uns selbst und das Erfahrene einzuordnen beschäftigt uns ein Leben lang. Und dabei unvermeidlich auch das: Wovon bin ich ein Teil? Und was eigentlich [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Wir sind wie Inseln oder Schiffe im Fluss – aber aus Wasser</h2>
<div id="attachment_5237" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/36080_original_R_by_momosu_pixelio.png" rel="lightbox[5235]"><img class=" wp-image-5237 " title="Wir sind wie Inseln oder Schiffe m Fluss, nur aus Wasser" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/36080_original_R_by_momosu_pixelio-300x225.png" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: momosu / pixelio.de</p></div>
<p>Wer bin ich, und wo gehöre ich hin? Und alle diese Dinge, wo gehören die hin, wie sind die einzuordnen? Uns selbst und das Erfahrene einzuordnen beschäftigt uns ein Leben lang. Und dabei unvermeidlich auch das: Wovon bin ich ein Teil? Und was eigentlich ist das Ganze?</p>
<p>Wir sind eingebunden in ein größeres Ganzes, das stimmt. Ja, und? Der Satz ist in spirituellen Kreisen so oft zu hören, dass er zu einer Phrase geworden ist, die oft genug als Ausrede dient für weniger große, partielle Zwecke. Statt für ein größeres Ganzes handeln wir mit diesen Worten im Mund dann für ein kleine, oft mickrige Ziele. Obwohl es doch wahr ist, dass wir eingebunden sind in etwas Großes, viel Größeres als wir denken und überschauen können. Wie mit all den anderen spirituellen Weisheiten aber ist es auch hier so, dass sie häufiger irreführend verwendet oder sogar missbraucht werden als dass sie der Wahrheitsfindung dienen. Wer das Echte und Wahre sucht, nimmt deshalb oft schon Reißaus, wenn mal wieder einer dieser Sprüche geklopft wird wie: »Alles ist eins«, »Alles hängt mit allem zusammen«, »Die einzige Zeit ist jetzt« oder »Wir sind eingebunden in ein größeres Ganzes«.</p>
<h4>Das Ganze und die Ethik</h4>
<p>Deshalb möchte ich hier mal nachdrücklich auf das Gegenteil verweisen. Es ist eben <em>nicht</em> bloß alles eins, sondern wir sind auch getrennt. Die Welt der zehntausend Dinge und all der Trennungen ist eine Realität, wenn auch innerhalb der Einheit des Großen, Ganzen. Und wenn wir uns verbinden, kommt es drauf an, <em>mit wem</em> wir uns verbinden. Verbindung allein ist noch nichts Gutes. Sie kann sogar etwas sehr Schlechtes sein, nämlich dann, wenn ich mich mit Schlechtem verbinde – mit schlechten Zielen oder schlechten Menschen. Dass alles eins ist und alles mit allem zusammenhängt, erübrigt die Ethik nicht und erspart uns nicht die Beschäftigung mit den ethischen Fragen, wie der, was gut ist und was nicht.</p>
<p>Es ist zwar alles eins, aber nicht alles egal. Gerade als einheitsbewusste Menschen müssen wir zwischen dem Guten und dem Schlechten, Brauchbaren und Unbrauchbaren unterscheiden – und können das nun endlich auch viel besser. Das Bewusstsein einer höheren Einheit »jenseits von gut und böse« gibt der Ethik erst ihren richtigen Platz.</p>
<h4>Für eine bessere Welt</h4>
<p>Speziell die Generation der Babyboomer drückt sich gerne um die ethischen Fragen herum. Das liegt daran, dass wir die Moralpredigten satt haben, zumal die selbstgerechten und wirkungslosen unter ihnen, die von den frommen Predigern und Verdrängern ihres eigenen Schattens. Das 20. Jahrhundert war das der größten Schlächter aller Zeiten, und die meisten von ihnen waren Prediger einer besseren Welt. Und auch die moralische und politische Heuchelei hat nicht abgenommen, vom alten Babylon über Athen und Rom bis heute, aller »Aufklärung« unbenommen.</p>
<p>Trotz dieser Ernüchterung in Sachen Moral und Ethik unterscheiden wir Menschen immer zwischen dem, war wir bevorzugen und dem was wir ablehnen, einfach deshalb, weil wir Wünsche und Bedürfnisse haben und Lust, Glück und Schmerzen kennen. Würden wir das Werten und Beurteilen generell ablehnen, weil es so viele Heuchler unter den Predigern gibt, käme es durch die Hintertür wieder hereinspaziert, denn wir brauchen diese Fähigkeit. Wir bewerten und entscheiden sowieso, den ganzen Tag lang, das ganze Leben lang; es nützt nichts, das zu leugnen; wenn wir versuchen, diese wertvolle Fähigkeit zu »überwinden«, schaden wir damit nur uns selbst. Trotzdem wird das Werten und Beurteilen verdrängt, was das Zeug hält. Im Klima einer solchen Verdrängung heißen dann Menschen, die eine bessere Welt wollen »Die Alternativen«. Weil sie eine Alternative wollen zu dem, was ist. Wir wollen aber nicht nur etwas Anderes, Alternatives, wir wollen etwas Besseres als das, was ist.</p>
<h4>Etwas und sein Gegenteil</h4>
<p>So gehört auch die Phrase »Das sage ich jetzt mal ganz wertfrei« zum üblichen Geschwätz unserer Zeit, die so gerne grenzenlos tolerant wäre, auch gegenüber den Intoleranten. Bei dem Geschwätz über das Ganze (das seine Teile natürlich nicht bewertet, igitt) und über das Wir statt dem Ich (Umarmung ist doch besser als Isolation) vergessen wir außerdem, dass jedes größere Ganze auch wieder Teil ist von einem noch größeren Ganzen, wie das in den Holarchien (nach Arthur Koestler und Ken Wilber) sehr schlüssig dargestellt wird.</p>
<p>Wenn ich nur mit mir identifiziert bin, nennt man das »Ego«. Da will ich das Beste nur für mich, alles andere ist mir egal. Das macht einsam. Dann verliebe ich mich und will mit einem anderen Wesen verschmelzen. Dann sind wir zwei. Aber dieses Paar ist immer noch ein abgesondertes, einsames Wesen innerhalb eines noch größeren Ganzen: der Familie, dem Sportclub, der Region, Nation, Religion, Sprachgemeinschaft oder Rasse. Und auch wenn mit meinem großen Gefühl die ganze Menschheit umarme (»Seid umschlungen, Millionen«), hat das so Umschlungene noch immer ein Gegenteil: Es gibt andere Wesen, Dinge oder Phänomene, die nicht zur Menschheit gehören und sie bedrohen können. Solange das größere Ganze nicht auch sein Gegenteil enthält und damit zum allumfassenden Ganzen wird, steht es in immer Konflikt mit irgendwas oder irgendwem.</p>
<h4>Mystische Erfahrung</h4>
<p>Vor ein paar Jahren hielt ich auf einer Konferenz über »Psychologie und Spiritualität« an der Universität Salzburg einen Vortrag. Die Studenten wollten von mir nicht nur wissen, wie ich Mystik definiere, sie wollten es selbst erfahren und baten um eine Anleitung. Das machte ich kurzerhand so: Ich ließ sie erst mal die Lenkbarkeit ihrer Aufmerksamkeit ausprobieren durch Fokussierung auf ein Objekt: einen Stuhl im Raum, ihren Atem, irgendwas. Dann: Versenke dich in das, was du unter »Ich« verstehst, was dich ausmacht und zu dir gehört. Zunächst mal nur in das Materielle, deinen eigenen Körper. Dann spüre die Grenzen dieses Ich: Ist das deine Haut? Dann fokussier dich auf das, was nicht Ich ist, das »andere« – alles Materielle, was nicht dein Körper ist. Dann: <em>Sei</em> das! Auch die Aufforderung, das zu »sein« ist nichts Mysteriöses, sie erleichtert nur das Weglassen der Idee eines separaten, dies beobachtenden Subjektes. Wer seine Aufmerksamkeit auf etwas lenken kann, der kann auch mal für ein paar Sekunden vom beobachtenden Subjekt absehen und sich in das Objekt »versenken«, es »sein«. Wenn dieses Hinlenken mit einem »darin Verschwinden« (des Ich, des Subjekts) einhergeht, wenn auch erstmal nur für ein paar Sekunden, dann gibt das schon einen Geschmack von Mystik, von der Verschmelzung mit dem Ganzen. Mystik ist ja nichts Mysteriöses, sondern nur eine Art der Wahrnehmung, in der das Subjekt sich nicht als separat versteht.</p>
<h4>Das allumfassend Ganze</h4>
<p>Das Tückische und Vertrackte an der Wahrnehmung einer Welt von Dingen und Einzelwesen ist nämlich: Wenn es solche Dinge, Phänomene und Einzelwesen gibt, dann gibt es zu jedem von ihnen auch jeweils ein anderes. Wenn es dich gibt, dann gibt es auch alles das, was nicht du bist. Wenn es Bäume gibt, dann gibt es auch alles das, was kein Baum ist. Erst Baum und Nicht-Baum zusammen ergeben das Ganze, das wirklich allumfassend Ganze. Der Schritt vom Baum zur Pflanze und von dort zum Lebewesen und von dort zur organischen Materie ist zwar jedes Mal ein Schritt zu etwas Größerem, aber noch nicht zum allumfassend Ganzen.</p>
<p>So verstehe ich die »verborgene Harmonie«, von der der Mystiker und Philosoph Heraklit im vorsokratischen Griechenland sprach: Jedes Etwas hängt mit seinem Gegenteil zusammen und steht mit ihm in einer Beziehung, die für die normalen, weltlichen Augen verborgen ist, für den Mystiker oder Philosophen aber erkennbar. Alles kann in sein Gegenteil umschlagen. So sagt Heraklit in einem seiner Fragmente: »Es ist immer dasselbe, Lebendes wie Totes, Waches wie Schlafendes, Junges wie Altes. Das eine schlägt um in das andere, das andere wiederum schlägt in das eine um.«</p>
<h4>Wer ist da irrational?</h4>
<p>Die Kritiker des Religiösen und Spirituellen, der Mystik und Meditation tun diesen ganzen Bereich gerne als »irrational« ab. Dabei übersehen sie, dass schon der erste Schritt ihres rationalen oder vermeintlich rationalen Vorgehens, das die Welt mit Begriffen in Dinge und Einzelwesen unterteilt, eigentlich ein irrationaler oder jedenfalls unrealistischer Schritt ist, denn »in der Welt da draußen« gibt es keine Teile. Die Teile machen erst wir. Wir erschaffen sie aus dem Kontinuum heraus durch unsere begriffliche Wahrnehmung, die sehr eng mit unserer Sprache verbunden ist.</p>
<h4>Grenzen ziehen</h4>
<p>Jeder Begriff, den wir auf dieses Kontinuum »drauflegen« oder mit dem wir es »zerschneiden« ist eine kleine Vergewaltigung. Wobei wir den Schnitt nur in unserem Weltbild machen, in der Wirklichkeit wird nichts zerschnitten, und sie wird auch nicht vergewaltigt. Allenfalls vergewaltigen wir damit unsere eigene, sinnliche, realitätsbezogene Wahrnehmung. Zum Beispiel der Begriff »hier«, wo fängt das Hier an, und wo hört das auf im Kontinuum des Raums? Ab wie viel Meter von mir entfernt ist es nicht mehr »hier«? Oder die Vokale unserer Sprache – a, o, u, e, i – mit denen teilen wir das Lautkontinuum, das unser Mund herstellen kann, in fünf. Die Grenze, wo das A ins O übergeht, ist im Lautkontinuum nicht enthalten, sie ist nur in unserer Wahrnehmung. Ab einer gewissen Rundung des Mundes haben wir die Grenze, die es »da draußen in der Realität« gar nicht gibt, überschritten und nennen den Laut nun ein O. Wo wir diese Grenze ziehen, hängt auch von unserer Muttersprache ab und von dem Dialekt, mit dem wir aufgewachsen sind, es ist eine vom Sprachkollektiv gezogene Grenze. Andere Muttersprachler »hören« andere Laute als wir Deutschen und haben Mühe unser Ü, Ö oder Ä nachzuahmen, es fällt ihnen sogar schwer, es überhaupt zu hören. So wie es mir schwer fällt, beim Spanischlernen zwischen B und V <em>nicht</em> zu unterscheiden, wo diese beiden Laute doch so verschieden sind. <em>Sind </em>sie das wirklich? Für Spanier offenbar nicht.</p>
<h4>Hol mich hier raus!</h4>
<p>Natürlich bietet sich eine Kartoffel an, für sie ein Wort zu finden, das nicht auch noch die Erde drum rum mitbedeutet, in der sie gewachsen ist, oder den Kochtopf, in dem ich sie gerade zum Garen bringe. Manches in der Wirklichkeit bietet sich dafür an, als ein Trennbares wahrgenommen zu werden: Früchte, Tiere, Pflanzen, Autos, Legosteine. Bei anderem ist das schwieriger. Ab wann ist es draußen kalt, windig oder regnerisch? Was ist ein Sturm, wie kann ich den vom Wind unterscheiden, und wie groß ist er genau, wie viele Kubikmeter? Wo hört der Stein auf und fängt der Fels an? Bin ich jetzt noch in der Bucht oder schon auf dem Meer draußen? Ab wann bist du groß, nett, weise? Ist es »gut«, was wir hier tun, diese Analyse dessen, wie die Begriffe das Kontinuum zerschneiden? Dass in einem Fall ein physisch oder geistig gut abtrennbarer Teil des realen Kontinuums uns sozusagen zuwinkt und sagt »Benenn mich! Hol mich hier raus aus dieser primordialen Suppe des Ganzen!«, das ist noch kein hinreichender Grund vergessen zu dürfen, dass es diese Ursuppe immerhin gibt. Biografisch war sie als erste da, bevor wir eine Sprache und mit ihr das Trennen erlernten. Die Ursuppe des ungetrennten Ganzen ist die Urahnin unserer Wahrnehmung; zu ihr kehren wir in gewisser Hinsicht in der mystischen Wahrnehmung zurück – back to the roots.</p>
<h4>Füg mich wieder ein!</h4>
<p>Die mystische Wahrnehmung ist dennoch nicht dasselbe wie das, was ein gerade geborenes Kind wahrnimmt, denn sie widerfährt uns erst, nachdem wir die Welt der Dinge, Unterscheidungen und Urteile schon kennen gelernt haben. Und wir dürfen diese Weltsicht, in der wir Dinge und Personen und Optionen voneinander unterscheiden, keinesfalls wieder zu einem Einheitsbrei vermanschen, in dem alles eins ist, gut und böse, du und ich, vorher und nachher. Die Unterscheidungen haben nämlich durchaus ihren Wert. Ken Wilber spricht in seiner Landkarte der menschlichen Entwicklung von Ebenen oder Wellen, die aufeinander aufbauen. Da mag eine höhere Ebene auf Eigenschaften einer niedrigeren zurückgreifen und ist doch von dieser sehr verschieden. Die ganzheitliche, mystische, integrale Wahrnehmung ist jedenfalls keineswegs eine Regression in einen kindlichen Zustand und sollte nicht mit einem solchen verwechselt werden.</p>
<p>Wenn Jesus sagt »Werdet wie die Kinder« spricht er diese Ähnlichkeit an. Wer den Satz wörtlich nimmt, befindet sich allerdings auf einem sehr gefährlichen Weg: dem Weg zur Regression, zur Rückentwicklung in einen in der Gegenwart nicht mehr adäquaten Zustand. Regression hat mit Weisheit nichts zu tun. Leider wird diese Unterscheidung in den spirituellen Gruppen, Zirkeln und Szenen noch viel zu selten getroffen. Den ausgiebigen Gebrauch des Jesus-Spruchs »Werdet wie die Kinder« werte ich deshalb nicht als Zeichen besonders fortgeschrittener Spiritualität und Liebe zum Meister der Bergpredigt, sondern als ein Zeichen, dass hier etwas nicht verstanden wurde. Mir fallen dazu mehrere spirituelle Gruppen ein, die in süßer bis süßlicher Weise diesen Jesusspruch ständig auf den Lippen haben. In praktischen Belangen meide ich diese Gruppen lieber.</p>
<h4>Der Wert der Teile</h4>
<p>Denn in allen lebenspraktischen Bereichen ist die Fähigkeit zur Trennung (Differenzierung) sehr wertvoll. Wenn du für zwei isst, werde ich nicht davon satt, so einfach ist das. Obwohl, wenn alles eins wäre, müsste das von dir Gegessene (oder wenigstens sein Nutzen) doch irgendwie zu mir rüberfließen? Wo doch alles fließt (<em>pantha rhei</em>), wie Heraklit so schön sagt! Nein, das Gegessene von anderen möge bitte nicht zu mir rüberfließen. Ich möchte selber essen und genießen und die Welt auch weiterhin nicht als einen pürierten Einheitsbrei wahr– und zu mir nehmen, sondern als etwas, das aus sehr vielen verschiedenen Teilen zusammengesetzt ist, in denen<em>petites</em> und <em>grandes différences</em>, kleine und große Unterschiede, zum Charme des Ganzen beitragen.</p>
<p>Das Mystische, die Wahrnehmung der Einheit, ist für mich der Hintergrund von alledem. Bei einem Bild nicht zu vergessen, dass es auf eine Leinwand aufgemalt ist, bei einem Film nicht zu vergessen, dass er auf einem Monitor abgespielt wird, bei Lauten und Klängen nicht zu vergessen, dass sie aus der Stille kommen und in diese wieder hineinsinken, wenn der Ton verklungen ist, und dass es zwischen zwei Tönen immer ein Pause gibt oder ein Intervall, darauf kommt es an. Nicht zu vergessen, dass sich alles auf einem Hintergrund abspielt und in diesen wieder einsinkt, darin verendet oder verklingt, darauf kommt es an.</p>
<h4>Holarchien</h4>
<p>Und was die Holarchie anbelangt, die Hierarchie von <em>Holons</em> (das sind Ganzheiten, die selbst wieder Teile von anderen Ganzheiten sind), haben diese nach Ken Wilber vier Tendenzen. Ein Holon will sowohl seine Ganzheit bewahren, das heißt in seinen Grenzen intakt bleiben. Es will aber auch seine Teilheit bewahren, also seine Zugehörigkeit zu einem größeren Holon. Man kann das gut bei Ländern innerhalb einer Föderation sehen. Drittens haben Holons auch noch ein »vertikales Vermögen«, gemäß dem sie höhere Einheiten bilden können, sie können sich zusammentun zu einem Wir, was eine gewisse Art von Selbsttranszendenz bedeutet. Viertens können sie auch zerfallen und sich dabei in ihre Bestandteile auflösen, so wie die Sowjetunion 1991 oder die Tschechoslowakei 1992. Oder wie Vereine, die sich auflösen, Paare, die voneinander geschieden werden oder unsere Körper nach dem Tod des Individuums.</p>
<h4>Analyse und Synthese</h4>
<p>So wie wir zu den analytischen Wissenschaften auch holistische Wissenschaften – oder holistische Ausrichtungen in den Wissenschaften – brauchen, so brauchen wir auch in der Politik und im privaten Alltag ein besseres Verständnis für Teile und Ganzheiten. Nur das jeweilige Ganze gegenüber dem jeweiligen Teil hochzujubeln ist in dieser Undifferenziertheit dumm und gefährlich. Wir müssen weiterhin analysieren und differenzieren, das auseinander Genommene aber auch wieder zusammenfügen. Und das Zusammengesetzte, Höhere, Komplexe beinhaltet das Niedere, Einfache in sich. Nichts, was wir auf den spirituellen und religiösen Wegen lernen und womit uns Meditation und das mystische Erwachen beschenken, annuliert das, was wir woanders gelernt haben und aus praktischen oder ethischen Gründen beachten sollten – es sei denn, es war bereits dort ein Irrtum.</p>
<p> </p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Connection Spirit, <a href="http://www.connection.de/magazintexte/spirit/connection-spirit-07-0812.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 07–08/2012</a></p>
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		<title>Zur Lebensqualität dank einer Vision</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Aug 2012 08:46:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
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		<description><![CDATA[Den eigenen Visionen zu folgen ist nachhaltig und fördert die Lebensqualität! Zum Glück hat der Gründer der Website spirit.ch, Andreas Giger, bereits wiederlegt, dass dies zwangsläufig zum Egotrip führt: “womit übrigens auch endgültig wiederlegt war, es sei egoistisch, sich um seine eigene Lebensqualität zu kümmern: Es gibt keine eigene Lebensqualität ohne die der anderen1.” Dieses [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Den eigenen Visionen zu folgen ist nachhaltig und fördert die Lebensqualität!</h2>
<div id="attachment_5213" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/08/593208_original_R_K_by_Rita-Thielen_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5210]"><img class=" wp-image-5213 " title="Den Visionen folgen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/08/593208_original_R_K_by_Rita-Thielen_pixelio.de_-300x172.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Rita Thielen / pixelio.de</p></div>
<p>Zum Glück hat der Gründer der Website <a href="http://spirit.ch" target="_blank" rel="external nofollow">spirit.ch</a>, Andreas Giger, bereits wiederlegt, dass dies zwangsläufig zum Egotrip führt: “womit übrigens auch endgültig wiederlegt war, es sei egoistisch, sich um seine eigene Lebensqualität zu kümmern: Es gibt keine eigene Lebensqualität ohne die der anderen<sup class='footnote'><a href="#fn-5210-1" id='fnref-5210-1'>1</a></sup>.”</p>
<p>Dieses Fazit entspricht genau meinen eigenen Erfahrungen. Man hört es bisweilen die Spatzen von den Dächern zwitschern: “Du kannst die anderen nicht verändern, Du kannst nur Dich selber verändern.” Ein Grundgedanke, der — wenn man ihn konsequent anwendet und zu Ende denkt — ganz genau die Erkenntnis zu Tage fördert, welche spirit.ch verbreitet.</p>
<p>Klar ist das ein Prozess, der auch reinigend ist. Unter Umständen passen dann alte Freunde nicht mehr zu meinem neuen Bild, das ich nun verkörpere. Im ersten Moment kann das schmerzen. Doch ich muss wissen, dass ich nur weiter komme, wenn ich Ent-Scheidungen treffe — es ist kein Schreibfehler, das Wort ist bewusst so getrennt. Eine Entscheidung beinhaltet immer auch die Trennung von etwas. Entscheide ich mich für mich, muss ich mich von etwas Äusserem trennen. Entscheide ich mich für etwas Äusseres, muss ich mich möglicherweise von etwas Eigenem trennen (einer Idee, einer Chance / einem Kummer, einer Belastung). Im einfachsten Fall sind es natürlich Belastungen, die uns auf unser Gemüt drücken, die uns eine Last sind.</p>
<p>Ansonsten predige ich allen meinen Kunden, dass man sich selber immer den Vortritt lassen soll. Es gibt nichts Traurigeres als verpasste Möglichkeiten, die mir so richtig Freude bereiten würden. Und fragen Sie sich selbst einmal: Sind Sie in dieser Situation wirklich frei davon, dem Gegenüber ein klein wenig die Schuld für das Verpasste zuzuschieben? Kennen Sie das? Der kleine Anfang eines manchmal langen Streits…</p>
<p>Das muss nicht sein! Sie haben die Wahl. Sie ent-scheiden sich für Lebensqualität oder für etwas anderes. Im Grunde kann ich für meine Entscheidungen niemanden verantwortlich machen und doch passiert es tagtäglich. In den besten Familien kommt es vor: Der Sündenbock wird herumgereicht. Dabei wäre es ganz einfach: Ich entscheide mich künftig nur noch für mich. Ja, im ersten Moment werden meine Freunde, Bekannten, Mütter und Brüder etwas konsterniert sein, doch das wird sich legen und einer wahrhaftigen und qualitativ hochstehenden Beziehung Platz machen.</p>
<p>Doch woher nehme ich den Mut, diesen Schritt zu gehen? Was motiviert mich, auch durch das Tal der Ent-Scheidungen zu gehen?</p>
<p>Mir persönlich wurde vor ein paar Jahren bewusst, dass sich alles was wir tun, einer Art Ordnung unterwirft. Vieles ist wiederkehrend, manchmal in einer anderen Form. Das Entscheidende aber war: das Gefühl war dasselbe. Einige neueste wissenschaftliche Erkenntnisse haben nun auch bemerkt, wie sehr wir doch emotionale Geschöpfe sind. So sehr man uns auch beschränken will, wir alle wissen: “Roboter sind wir keine!” Wir wissen auch: “Wir alle haben ein Herz!” Und gerade in den düstersten Phasen unseres Lebens, appellieren wir an das Herz, unser eigenes und auch an das unserer Mitmenschen…</p>
<p>Das HeartMath<sup class='footnote'><a href="#fn-5210-2" id='fnref-5210-2'>2</a></sup> Institute in Kalifornien hat bereits 1993 bewiesen, dass unser Herz eine überaus entscheidende Funktion ausübt, welcher wir uns nur im äussersten Notfall bewusst sind. Dann wenn wir Hilfe nötig haben. Dann erinnern wir uns, wenn auch vage, an die Kraft des Herzens. Die heutigen Erkenntnisse machen es möglich, diese Kraft darzustellen, zu messen und demzufolge auch positiv zu nutzen.</p>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/08/vision3.jpg" rel="lightbox[5210]"><img class="alignright  wp-image-5220" style="margin-left: 10px;" title="Regelkreis nach Yves Nater" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/08/vision3-300x300.jpg" alt="" width="200" height="200" /></a>Ich war mir also über die Ordnung und über die Wichtigkeit des Gefühls im Leben eines jeden Menschen bewusst geworden. Mit der Zeit beschrieb ich diese Ordnung in Form eines Regelkreises: Vision / Leben / Bewusstsein (siehe Bild<sup class='footnote'><a href="#fn-5210-3" id='fnref-5210-3'>3</a></sup>). Dieser Regelkreis symbolisiert den dauernden Wandel in unserem Leben. Als Rad gesehen, beschreibt er auf eindrückliche Weise den Flow<sup class='footnote'><a href="#fn-5210-4" id='fnref-5210-4'>4</a></sup>, den wir alle anstreben. Zudem vermittelt dieser Regelkreis den Mut, etwas Neues anzupacken. Denn obwohl wir uns entscheiden müssen, gibt es immer wieder eine neue Chance. Neue Gegebenheiten können reflektiert und analysiert werden. Dank des Regelkreises bin ich in der Lage, meinen Standpunkt objektiv einzuschätzen: Wo stehe ich in meinem Leben? Bin ich der luftige Spinner, der sich nur um Visionen kümmert, dabei aber das Leben vergisst? Oder lebe ich so sehr, dass ich mich verstrickt habe und weder ein Ziel noch eine Erkenntnis erlange? Oder bin ich mir vieler Dinge bewusst, bin aber genügsam geworden und geh nicht mehr weiter? Alle diese Standpunkte sind möglich und auch normal, müssen aber nicht so bleiben. Es geht immer weiter…</p>
<p>Toll finde ich, wenn ich Menschen treffe, die dank des Regelkreises eine neue Art Lebensqualität erreicht haben. Die Dinge nicht mehr allzu ernst oder schwer nehmen. Sie wissen fortan: “nur ein Schritt und eine neue Phase wartet auf mich.” Einige werden auf eindrückliche Weise resilient<sup class='footnote'><a href="#fn-5210-5" id='fnref-5210-5'>5</a></sup> und beginnen das Leben mit wiedergefundener Freude zu entdecken.</p>
<h4>Mein Fazit:</h4>
<p>Lebensqualität ist, wenn ich mich frei FÜHLE und darin die Motivation finde, Dinge zu tun welche unmöglich erscheinen. Angeführt durch eine Vision (Idee, Wunsch, Ziel) lebe ich meinen Weg und bin mir dessen Qualität bewusst.</p>
<div><em> Dieser Beitrag erschien erstmals auf der Webseite von <a href="http://www.spirit.ch/lq-wissen/lq-allgemein/rund-um-lq/423-zu-sich-finden" target="_blank" rel="external nofollow">Spirit.ch</a></em></div>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-5210-1'><a href="http://www.spirit.ch/ueber-uns/vision" target="_blank" rel="external nofollow">www.spirit.ch/ueber-uns/vision</a> <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5210-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-5210-2'><a href="http://www.heartmath.org" target="_blank" rel="external nofollow">www.heartmath.org</a> / <a href="http://www.heartmath.com" target="_blank" rel="external nofollow">www.heartmath.com</a> / <a href="http://www.heartmathbenelux.com/index.php?lang=de" target="_blank" rel="external nofollow">www.heartmathbenelux.com</a> <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5210-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-5210-3'>Regelkreis von Yves Nater <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5210-3">↩</a></span></li>
<li id='fn-5210-4'>Der Zustand zwischen Über– und Unterforderung. Entdeckt von Mihaly Csikszentmihalyi <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5210-4">↩</a></span></li>
<li id='fn-5210-5'>Resilienz = Widerstandsfähigkeit — die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5210-5">↩</a></span></li>
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