<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	xmlns:series="http://unfoldingneurons.com/"
	>

<channel>
	<title>OpenMindJournal &#187; Mind</title>
	<atom:link href="http://www.openmindjournal.com/category/mind/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.openmindjournal.com</link>
	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Lebenspraxis und Change</description>
	<lastBuildDate>Thu, 17 May 2012 11:01:36 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
		<item>
		<title>Achtsamkeit und die iPhone-Generation</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/06/achtsamkeit-und-die-iphone-generation/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/05/06/achtsamkeit-und-die-iphone-generation/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 May 2012 10:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yves Patak</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Yves E. Patak]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4828</guid>
		<description><![CDATA[In meinem letzten Newsletter musste ich mir echt auf die Zunge beißen, um nicht mit den Worten „Alles neu macht der Mai“ zu beginnen – vor allem, nachdem ich mich hinterfragte, ob er wirklich alles neu macht. Klar, die Natur zeigt Tendenzen der Wiederauferstehung aus der Winterstarre, es grünt so grün, dass selbst Spanien neidisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4830" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/415170_web_R_K_by_Stefan-Ddorf_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4828]"><img class=" wp-image-4830 " title="Strandhandy" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/415170_web_R_K_by_Stefan-Ddorf_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Stefan Ddorf / pixelio.de</p></div>
<p>In meinem letzten Newsletter musste ich mir echt auf die Zunge beißen, um nicht mit den Worten „Alles neu macht der Mai“ zu beginnen – vor allem, nachdem ich mich hinterfragte, ob er wirklich alles neu macht. Klar, die Natur zeigt Tendenzen der Wiederauferstehung aus der Winterstarre, es grünt so grün, dass selbst Spanien neidisch wird — doch wie steht es mit uns selbst? Sind wir — im Vergleich zum Mai letzten Jahres — neue Menschen? Haben wir unsere Zellen regeneriert, unsere alteingesessenen Meinungen revidiert, unsere Vorurteile eliminiert — und uns insgesamt neu erfunden? Und noch eine Etage tiefer: nehmen wir uns überhaupt die Zeit, über solche Dinge nachzudenken, oder schreit gerade das nächste App danach, heruntergeladen zu werden?</p>
<p>In unserem Leben läuft vieles, oh so vieles, nach ganz bestimmten Mustern ab. Wir leben einen Grossteil unseres Menschenlebens auf Autopilot. Ich denke oft an das unvergessliche Bild von Gary Larson, wo die Amöben-Frau den Amöben-Mann ankeift: „Reiz und Reaktion, Reiz und Reaktion — <em>denkst</em> du eigentlich jemals?!“</p>
<p>Herrlich lustig — aber eine gute Frage. Denken wir überhaupt? Oder andersrum, warum schaffen es die meisten von uns nicht, mit dem Denken jemals aufzuhören, wenn wir doch diejenigen sind, die unser Gehirn — als Eigentümer! — kontrollieren sollen könnten? Ich verweise auf das geflügelte Zitat weiter unten: „Der Verstand ist ein ausgezeichneter Diener, aber ein miserabler Meister.“</p>
<p>Denken Sie einmal für 17 Sekunden darüber nach. (Hallo? Ich sagte nicht, Sie sollen darüber nachgrübeln, warum ausgerechnet 17 Sekunden, sondern darüber, ob <em>Sie</em> der Meister Ihres Lebens und Denkens sind — oder ist’s gar ihr Ego?)</p>
<p>Lassen Sie sich inspirieren und zum Nachdenken animieren – von Menschen, Büchern, dem Leben und dem Universum. Wir sitzen alle im gleichen Zug, doch wir entscheiden, wohin wir blicken und in welchem Abteil wir sitzen. Metaphysisch, aber wahr.</p>
<h4>Gib acht!</h4>
<p>„Gib acht!“ hat nicht immer mit dem zu tun, was Mutti uns als Kind unzählige Male zugerufen hat. Achtsamkeit ist — in unserer westlichen Welt fast vergessen — ein Heilmittel erster Klasse. Einst ein östliches, für viele von uns abstraktes Zen-Prinzip, schleicht sich diese unglaublich starke Lebenshaltung allmählich sogar in die westliche Psychotherapie ein. Wie das geht? Vereinfacht gesagt:</p>
<p>„Wenn ich Spaghetti esse, esse ich Spaghetti.“</p>
<p>„Wenn ich vom Badezimmer in die Stube gehe, gehe ich vom Badezimmer in die Stube.“</p>
<p>Will heißen: ich tue immer gerade das — und NUR das! — was ich gerade tue und richte meine Aufmerksamkeit darauf. Schluss mit Multi-Tasking und unseren verheerenden Ideen von „alles gleichzeitig“, um Zeit zu sparen, die wir dann blödsinnig mit Smartphone, Facebook, TV und Klatschblättern vergeuden.</p>
<p>Kürzlich sah ich ein Teenager-Mädchen an der Bushaltestelle stehen, ein echter Prototyp: Zigarette im Mundwinkel, Kopfhörer über den Ohren, Mütze tief über die Augen gezogen, iPhone in der linken, Red Bull in der rechten Hand, Zeitung unter den Arm geklemmt. <em>Das</em>, liebe Menschen der westlichen Kultur, ist das absolute Gegenteil von Achtsamkeit! Dieses Mädchen ist das (inzwischen überall wuchernde) Beispiel des Vor-sich-selbst-Davonlaufens.</p>
<p>Achtsamkeit (auf Neudeutsch auch „Mindfulness“ genannt) hat die magische Eigenschaft, unsere gesamte Wahrnehmung des Lebens — und damit das Leben schlechthin — zu verändern. Wenn Sie also die Gelegenheit ergreifen möchten, zu leben, und zwar im JETZT, von Moment zu Moment, statt zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her zu hetzen — suchen Sie sich einen Achtsamkeitslehrer, einen Guru, einen achtsamen Freund, einen Hypnosetherapeuten oder einen Meditations-Profi, und tauchen Sie ein in die wunderbare Welt der Achtsamkeit.</p>
<p>Übrigens: wenn Sie diesen Artikel in knapp 15 Sekunden überflogen haben und gleich zum nächsten hetzen, wissen Sie zumindest bereits, was Achtsamkeit <em>nicht</em> ist… :)</p>
<div></div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/05/06/achtsamkeit-und-die-iphone-generation/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mut zu umfassenderer Authentizität</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/04/mut-zu-umfassenderer-authentizitat/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/05/04/mut-zu-umfassenderer-authentizitat/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 04 May 2012 19:41:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andres Pellegrini</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Schattenarbeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4815</guid>
		<description><![CDATA[Dem eigenen Schatten in Würde begegnen »Gewisse Sichtweisen, die aus der absoluten Ebene stammen wie »nichts ist real«, »lass Deinen Geist los«, »gut und schlecht sind nur Illusion«, »lass das Ego einfach fallen und gib Dich hin« können leicht zu Instrumenten des Selbst-Betrugs und der Perversion werden und grossen Schaden anrichten, wenn sie auf falsche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Dem eigenen Schatten in Würde begegnen</h4>
<div id="attachment_4819" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/manuel_0023-e1336159966613.jpg" rel="lightbox[4815]"><img class="size-thumbnail wp-image-4819" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/manuel_0023-e1336159966613-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">© Rita Borer</p></div>
<p>»Gewisse Sichtweisen, die aus der absoluten Ebene stammen wie »nichts ist real«, »lass Deinen Geist los«, »gut und schlecht sind nur Illusion«, »lass das Ego einfach fallen und gib Dich hin« können leicht zu Instrumenten des Selbst-Betrugs und der Perversion werden und grossen Schaden anrichten, wenn sie auf falsche oder unklare Weise angewandt werden.»<sup class='footnote'><a href="#fn-4815-1" id='fnref-4815-1'>1</a></sup>Dieser Satz hat mich zu den Zeilen inspiriert, denen Sie jetzt mit Ihren Augen folgen. Beim Lesen der obigen Aussage erkannte ich blitzartig: genau dies habe ich über Jahre getan (diese Reaktion erinnert mich ein bisschen an den Moment, als ich vor Jahren zum ersten Mal etwas über Depression las und mir schlagartig bewusst wurde: genau unter dem leide ich; und es erinnert mich an die vielen Menschen, die genau die selbe Aussage machen, wenn sie plötzlich einen Schatten von sich selber klar wahrnehmen können). Jetzt konnte ich auch spüren, warum ich immer in eine tiefe Krise viel, wenn ich etwas über einen Skandal im Zusammenhang mit einem spirituellen Lehrer las: es entstand Resonanz in meinen eigenen Schatten diesbezüglich. Ich selber hatte – zum Glück! – keine spirituellen Schüler/innen um mich. Ich habe jedoch drei gescheiterte Partnerschaften hinter mir und erschreckenderweise habe ich gerade dort meinen Schatten verbreitet; und zwar umso mehr, je intimer die jeweilige Partnerschaft wurde. Ich habe Missbrauch betrieben auf emotionaler, psychischer und spiritueller Ebene. Anstatt meinen ganz persönlichen Traumata ins Gesicht zu schauen und Verantwortung dafür zu übernehmen, habe ich destruktive Verhaltensweisen vor mir selber mit Deckmänteln kaschiert und diese Verschleierung – meist nonverbal oder mit Andeutungen –  auf meine Partnerin übertragen. Anstatt beispielsweise zu meinen aggressiven Impulsen zu stehen und Verantwortung dafür zu übernehmen habe ich mich in eine leidende Rolle geflüchtet. Diese hatte früher eher eine pseudo-psychologische Färbung (»Ich selber bin nicht aggressiv. Ich verhalte mich nur so, weil ich traumatisiert bin blablabla…«) und später dann einen pseudo-spirituellen (»Ich nehme den Schmerz der ganzen Welt wahr. Ich mache aber keine Geschichte daraus, bin einfach damit blablabla…«). Mit diesem ganzen Verhalten war »das Gefühl, dass etwas nicht stimmt« verbunden, sowie eine erdrückende Hilflosigkeit, grosser Widerstand, tiefe Scham und starke Schuldgefühle. Eindrücklicherweise stehen diese jetzt, wo ich Klarheit habe, nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen fühle ich Trauer, Demut und Dankbarkeit; und noch stärker fühle ich meine Freude darüber, am Anfang einer wertvollen Reise zu stehen. Eine Reise zu einem gesunden und erfüllten Leben sowohl im spirituellen Absoluten als auch im alltäglichen Relativen. Eine radikale Bewegung hinein ins Nonduale. Eine Lebensweise, die sowohl tief im zeitlosen Sein wurzelt als auch achtsam, verantwortungsvoll, freudig und nachsichtig die zeitliche Dimension mitgestaltet. Auf dem Weg zu einem Menschen, der mutig seine Authentizität und Unterscheidungskraft zum Wohle von sich und allen anderen Lebewesen einsetzen kann. Oder wie Padmasambhava, der Vater des tibetischen Buddhismus, es ausdrückt: »Mein Geist ist so weit wie der Himmel und meine Aufmerksamkeit für jede Einzelheit so fein wie ein Sandkorn.« Mögen wir alle mit dieser Qualität immer wieder von neuem unseren Schatten begegnen!</p>
<p> </p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4815-1'>Vorwort von John Welwood zum Buch: <em>Augen auf! Der Weg der spirituellen Unterscheidungskraft. </em>Mariana Caplan. Verlag advaitamedia. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4815-1">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/05/04/mut-zu-umfassenderer-authentizitat/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gedanken können Schmerz lindern und sogar heilen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/04/gedanken-konnen-schmerz-lindern-und-sogar-heilen/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/05/04/gedanken-konnen-schmerz-lindern-und-sogar-heilen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 04 May 2012 08:39:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4797</guid>
		<description><![CDATA[Schmerztherapeut Karl Isak über Chancen zur Selbstheilung Wien (pts) — Schmerz ist eine Volkskrankheit — beinahe jeder dritte Mensch leidet an chronischen Schmerzen. Die Skala reicht von erträglich bis zur Auslösung von Selbstmordgedanken. Doch wie stark der Schmerz unser Leben beeinträchtigen darf, können wir bewusst beeinflussen. Der Schmerz entsteht im Kopf Alles, was vom Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Schmerztherapeut Karl Isak über Chancen zur Selbstheilung</h2>
<div id="attachment_4799" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/564048_web_R_B_by_Gerd-Altmann-Shapes-AllSilhouettes.com_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4797]"><img class=" wp-image-4799 " title="Schmerzen wegdenken" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/564048_web_R_B_by_Gerd-Altmann-Shapes-AllSilhouettes.com_pixelio.de_-300x212.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de</p></div>
<p>Wien (pts) — Schmerz ist eine Volkskrankheit — beinahe jeder dritte Mensch leidet an chronischen Schmerzen. Die Skala reicht von erträglich bis zur Auslösung von Selbstmordgedanken. Doch wie stark der Schmerz unser Leben beeinträchtigen darf, können wir bewusst beeinflussen.</p>
<h4>Der Schmerz entsteht im Kopf</h4>
<p>Alles, was vom Menschen geschaffen wird, wurde vorher gedacht. Unser Gehirn hat die Fähigkeit, körperliche Reaktionen herbeizuführen; je mehr wir an etwas denken, desto stärker hinterlässt es Spuren im Gehirn. Auch der Schmerz kann durch diese neuronale Bahnung in unser Gedächtnis eingebrannt werden. »Chronische Schmerzen sind ein Gedankenprodukt und können daher auch wieder zum Verschwinden gebracht werden«, ist der Schmerztherapeut DDDr. Karl Isak überzeugt. Wenn es in die eine Richtung geht, geht es auch in die andere, lautet also der Ansatz. Soeben ist sein neues Buch »Schmerzen wegdenken — Helfen Sie sich selbst. Eine psychologische Schmerztherapie« erschienen, in dem er das Wesen des Schmerzes sowie seine Therapiemethoden beschreibt und viele Geschichten seiner Patientinnen und Patienten erzählt.</p>
<h4>Chronische Schmerzen sind psychosomatisch</h4>
<p>Karl Isak war selbst chronischer Schmerzpatient. Als Jugendlicher litt er unter Migräneattacken, die seinen Alltag einige Jahre lang enorm beeinträchtigten und ihn durch zahlreiche Arztpraxen führten. »Ich war körperlich völlig gesund und dennoch waren diese Schmerzen immer wieder da — und zwar in einer Intensität, die ich nicht einmal meinen ärgsten Feinden gewünscht hätte«, schreibt er. Irgendwann hörten die Schmerzen auf. Im Rückblick erkannte der heutige Schmerztherapeut, dass seine Kopfschmerzen psychische Ursachen gehabt hatten. Viele Schmerzpatienten bringen eine Odyssee an Arztbesuchen hinter sich, weil nie die Ursachen, sondern nur die Symptome mit Medikamenten behandelt werden. So gut wie jeder Schmerzpatient wurde oder wird innerhalb seines sozialen Umfelds gekränkt — und Kränkung macht sehr oft krank, weiß Dr. Isak. Ins Unbewusste verdrängte Gefühle führen zu Kopf-, Rücken-, Brust-, Gelenks-, Unterbauch-, Knie– oder allgemeinen Schmerzen.</p>
<h4>Ursachen erkennen und Schmerzen wegdenken</h4>
<p>Mit seinen Patienten arbeitet er daher nicht nur an den Ursachen der Schmerzen, sondern auch an der Bewältigung der psychischen Verletzungen. Der chronische Schmerz ist also ein Symptom, dessen Ursachen fast immer in der Psyche liegen; erst wenn sie sich ändern, kann auch der Schmerz aufhören. In seiner Schmerztherapie kombiniert Karl Isak psychotherapeutische Methoden mit »Mentalpsychologischen Interventionen«. Das sind Autosuggestionen, mit denen das Gehirn beeinflusst und der Schmerz gelindert oder sogar besiegt wird. Dabei wird in individuellen Sitzungen durch die Kombination von Entspannung und Suggestion der Körper dazu angeleitet, den Schmerz zu »vergessen«; aber auch Interventionen über eine CD erzielen sehr gute Erfolge. Das Prinzip hinter der Methode lautet: Nur das, was ich denken kann, kann auch Wirklichkeit werden. Wenn ich ständig an Schmerz denke, produziert der Körper Schmerz — und dieser Mechanismus funktioniert in beide Richtungen. »Schmerzen wegdenken« ist somit kein mystischer Vorgang, sondern ein nachvollziehbarer Prozess, den jeder erlernen kann.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/05/04/gedanken-konnen-schmerz-lindern-und-sogar-heilen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Was wir zu uns nehmen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/30/was-wir-zu-uns-nehmen/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/03/30/was-wir-zu-uns-nehmen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 11:56:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Wolf Schneider]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4741</guid>
		<description><![CDATA[Gedanken zur körperlichen und geistigen Ernährung Körperlich wie geistig sind wir Menschen Fließgleichgewichte. Was wir in uns aufnehmen und nicht gleich wieder ausscheiden, zu dem werden wir. Deshalb ist die Beachtung der Ernährung beim sich entwickelnden, wachsenden, an Bewusstsein gewinnenden Menschen das Fundament. Und auch der geistige Input verdient Beachtung: von welchen Quellen wir uns [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Gedanken zur körperlichen und geistigen Ernährung</h2>
<div id="attachment_4744" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/561943_web_R_K_B_by_Peter-Hebgen_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4741]"><img class=" wp-image-4744 " title="Nicht alles passt durch’s Sieb" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/561943_web_R_K_B_by_Peter-Hebgen_pixelio.de_-300x201.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Peter Hebgen / pixelio.de</p></div>
<p>Körperlich wie geistig sind wir Menschen Fließgleichgewichte. Was wir in uns aufnehmen und nicht gleich wieder ausscheiden, zu dem werden wir. Deshalb ist die Beachtung der Ernährung beim sich entwickelnden, wachsenden, an Bewusstsein gewinnenden Menschen das Fundament. Und auch der geistige Input verdient Beachtung: von welchen Quellen wir uns beeinflussen oder gar bestimmen lassen, auch hier braucht es Entscheidungen, was hinein darf, und manchmal eine Entschlackung.</p>
<p>Was uns ernährt ist das Grundsätzlichste, was es in unserem Leben gibt. Alles andere baut darauf auf, fügt sich oder widersetzt sich dem, kein Aspekt unseres Lebens bleibt davon unberührt. Was wir essen und trinken, daraus bestehen wir körperlich, und das bewegt und berührt uns auch geistig, seelisch, emotional wie nichts anderes, nicht einmal Sex. Womit wir das Geld verdienen, das wir brauchen, um uns etwas zu essen zu kaufen, auch das bestimmt uns fundamental: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, sagt ein altes Sprichwort. Wenn wir andere, uns gemäßere Lieder singen wollen als die unserer Arbeits– und Auftraggeber, dann müssen wir uns ins Risiko der Selbständigkeit begeben — und dann singen wir das Lied unserer Kunden. Oder spalten uns innerlich. Und lernen mit einem gewissen Maß an solcher Gespaltenheit zu leben.</p>
<p>So beginnt unsere Stammesgeschichte als Menschen: Wir müssen essen, um zu überleben, eh wir uns Sprache, Schrift, Häuser, Computer und Mobiltelefone leisten können. Und so beginnt auch unser individuelles Leben: Sobald die Nabelschnur durchtrennt ist, müssen wir atmen und saugen, um uns zu ernähren. Das ist dann erstmal viele Monate lang unser wichtigster Lebensinhalt — und es bleibt ein sehr wichtiger Lebensinhalt, bis nach dem letzten Atemzug der Körper keine Nahrung mehr braucht.</p>
<h4>Die Ernährung ist das Fundament</h4>
<p>Wer sich auf den spirituellen Weg begibt – den Weg der Entwicklung der Persönlichkeit, des lebenskünstlerischen Lernens, der Weisheit, des Verständnisses und der Liebe – der wird sich auch mit der Ernährung beschäftigen müssen. In der Ordnung des Yoga entspricht die Ernährung dem untersten Chakra. Das unterste ist fundamental, dort beginnt die Entwicklung. Dieses Fundament dürfen die Aufbauten der vermeintlich höheren Stufen nie außer acht lassen. Wer sich geistig, seelisch, emotional entwickeln will und dabei die Ernährung außer acht lässt, wird nicht weit kommen. Wir bleiben daran gebunden. Wir können uns von dem, was wir einatmen, trinken und essen nie ganz lösen, wie sehr wir auch versuchen, uns von Licht allein, von Bewusstsein und Liebe zu ernähren.</p>
<h4>Du sollst nicht töten</h4>
<p>Deshalb beginne mit der Achtsamkeit bei dem, was du in deinen Mund hineinschiebst: Es sollte dem Körper gut tun, mit Genuss eingenommen werden, und es sollte nicht zu viel und nicht zu wenig sein. Die alten religiösen Wege hatten Vorschriften wie etwa koscher zu essen, kein Schweinefleisch und zu bestimmten Zeiten (Ramadan) dieses nicht, dafür an anderen jenes (rituelle Speisen). Das hat historische Gründe, aber meist keinen tieferen Sinn. Außer dem ethischen Gebot, anderen empfindenden Wesen keinen Schaden zuzufügen, das heißt: nicht zu töten oder töten zu lassen, nicht zu verletzen oder weh zu tun, wo das vermieden werden kann. Das Tötungsverbot beginnt bei der Tabuisierung des Kannibalismus und anderer Arten des Mordens und hört dort auf, wo wir vermuten können, dass das getötete Wesen keine Schmerzen empfindet, wie etwa bei den Wurzelpflanzen (Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln), die wir töten müssen, um sie essen zu können.</p>
<h4>Pflücken, was die Natur hergibt</h4>
<p>Die tiefe, archaische Befriedigung des Pflückens von Früchten in der Wildnis lernt jeder kennen, der sich mal für ein paar Tage auf ein Visionquest begibt oder an einem Survival Training teilnimmt. Manchmal genügen dafür ein paar Stunden einsamer Wanderung durch wildes Gelände, wenn Hunger aufkommt oder Durst, und du hast nichts dabei, was diese Bedürfnisse stillt. Du gehst durch eine Landschaft, die niemandem gehört oder von ihrem Besitzer nicht beachtet wird, und die Bäume und Büsche geben ihre Früchte her ohne nach einer Gegenleistung zu verlangen, sie schenken sie her, sie »wollen«, dass sie gegessen werden, denn das ist das Prinzip des Lebens: den eigenen Samen weiter zu geben. Die Früchte sind ja nicht zufällig so lecker, sondern weil sie den Samen der Pflanze enthalten, der durch das Gegessenwerden weitergegeben wird. So wird das Essen zu einer Art sexuellem Akt.</p>
<p>Auch der Besitzer, Besetzer oder Pächter von Boden empfindet beim Essen von dessen Früchten noch sehr archaische Gefühle: die <em>eigene </em>Tomate, Kirsche oder Nuss zu essen. Der Bauer, der zum Landwirt geworden ist und der Käufer von Lebensmitteln im Supermarkt, sie spüren davon kaum mehr etwas: Sie sind entfremdet. Ein paar Tage draußen in der wilden Natur, sich dort hinunterbeugen zu einem  Bach, um Wasser zu trinken und Essbares zu finden in der Erde, auf der Erde, über der Erde, das kann einen auch seelisch zurückbringen zum Wesentlichen.</p>
<h4>Für die Tiere, die Menschen und die Natur</h4>
<p>Meine Entscheidung, mich nur noch vegetarisch zu ernähren, liegt 35 Jahre zurück. Es ist gesünder, es schmeckt mir besser, und es ist auch ein politisches Bekenntnis, denn eine Welt ohne Fleischindustrie bräuchte keine Urwälder mehr zu roden, die Gewässer nicht mehr mit Antibiotika zu verseuchen, die Äcker nicht mehr zu überdüngen, und es wäre dann auch genug zu essen da für uns alle. Außerdem ist der Verzicht auf das Essen von Tieren für mich ein ethisches Thema: Für meine Ernährung brauchen keine Tiere getötet zu werden. Für die normalen Fleischesser werden die Tiere nicht nur unter schrecklichen Umständen getötet, sondern sie verbringen ihr Leben auch unter Umständen, die kaum ein Fleischesser auch nur anzusehen ertragen könnte ohne in Wut zu geraten oder sich zu ekeln. Inzwischen gilt das auch für die meisten Fische, für Geflügel sowieso schon längst. Die käuflichen Fische werden heute ja überwiegend nicht mehr in der Wildnis gefangen, sondern stammen aus Fischfarmen, in denen Antibiotika eingesetzt werden, damit die Fische oder Krustentiere nicht erkranken.</p>
<h4>Verdrängung</h4>
<p>Was mir seit je ein Rätsel war, ist die geistig-seelische Spaltung, die ein Fleischesser mit sich anstellt, wenn er sagt: Ich könnte das Tier nicht töten, aber ich esse es. Die Katze dieses Tierfreundes muss zum Tierarzt schon wenn sie sich die Pfote verletzt hat. Das Schwein, das er isst, aber lebt unter Bedingungen, die nicht sieht und nicht ertragen würde, sie anzusehen. Und wenn das Vieh (so nennt man die Tiere, wenn man sie zu Fleisch– oder Milchlieferanten degradiert hat,) dann zum Schlachthof transportiert wird, kommt es noch schlimmer: Viele Tiere werden bei lebendigem Leibe gehäutet und zerlegt, die Angsthormone, die dabei ausgeschüttet werden, isst der Fleischesser mit, und allmählich, unmerklich verändern sie seine Seele.</p>
<p>Wenn ich mit Fleischessern darüber spreche, erhalte ich bizarr verdrängende Antworten. Du liebst Tiere, aber du isst sie. Aha. Einem Menschen würdest du nichts zuleide tun, sagst du, schon gar nicht ihn töten, aber einen Killer zu bestellen ist für dich in Ordnung? Dann begeht der Killer den Mord, nicht du. Und der Killer sagt: »Es gibt einen Markt für Morde, ich bediene hier nur eine vorhandene Nachfrage; würde ich den Mord nicht ausführen, täte es ein anderer, kein Mensch oder Tier wäre gerettet; der Unterschied ist nur, dass ich dann als dummer, aber ethischer guter Mensch, meinen Lebensunterhalt verloren hätte.« So die Logik der Metzger, Fleischproduzenten, Viehzüchter, Fleischviehhalter, Futtermittelhersteller, dieser ganzen Industrie, die daran hängt. Inzwischen wird sie »fleischindustrieller Komplex« genannt, ähnlich dem »militärisch-industriellen« Komplex, deren Lobby in hohem Maß die Entscheidungen unserer Politiker bestimmt.</p>
<p>Vielleicht sind wir Menschen in Sachen Tiere lieben und Fleisch essen so gespalten wie in unserer Liebe zur Natur, die wir durch unser Verhalten vernichten. Die naturliebende Delphinfreundin fliegt für einen »Schwimmen mit Delphinen« Workshop nach Hawaii. Einmal auf die andere Seite das Globus, 20 Stunden Flugzeit hin, 20 Stunden Flugzeit zurück, mit unbesteuertem Flugbenzin — unbesteuert, solange nationale Regierungen das entscheiden. Für diese lieben, natürlichen Wesen, denen die Japaner mit ihren brutalen Fangmethoden so zusetzen, fliegt sie dort hin. Dann zurück an ihren Arbeitsplatz bei einer dieser Investmentbanken in Frankfurt. Eine solche Erholung in der Natur hat sie sich in ihrem harten Job redlich verdient, an dem sie, wenn es schlimm kommt, auch noch auf Mais oder Weizen setzen muss, was die Nahrungsmittelpreise weltweit explodieren lässt, so dass es zu Hungersnöten in den armen Ländern kommt. Denn Gold und Kupfer bringen nicht mehr die nötigen Renditen, von den Öl– und Autoaktien ganz zu schweigen.</p>
<h4>Entscheidungen</h4>
<p>Auch in geistiger Hinsicht gilt, dass wir zu dem werden, womit wir uns ernähren. Die Informationen, die wir in uns aufnehmen, prägen uns. Sie gestalten nicht nur unsere Sprache und all die Phrasen und Sprichwörter, die wir im Kopf und auf den Lippen haben, sie prägen auch unser Selbstverständnis, unsere Identität – das, wofür wir uns halten.</p>
<p>In Zeiten der Infoflut ist es deshalb noch unentbehrlicher und notwendiger denn je, Entscheidungen zu treffen und sehr wählerisch zu sein, auch was unseren geistigen Input anbelangt und unseren sozialen und freundschaftlichen Umgang. Es ist erst gerade erst ein paar Generationen her, da konnten unsere Vorfahren nur unter durchschnittlich hundert Menschen auswählen, mit denen sie sich befreunden oder befeinden konnten; wir können heute zwischen Millionen auswählen. Unsere Vorfahren hatten im Winter nur das Wenige zu essen, was sie gelagert hatten, vielleicht Kohl oder Rüben oder getrocknete Äpfel und Nüsse – wir können heute im Supermarkt sogar im Winter unter mehr als hundert frischen Früchten auswählen, deren Namen wir zum Teil nicht einmal kennen, und unter Tausenden haltbar gemachter Nahrungsmittel. Wir können wählen – und wir müssen es.</p>
<h4>Spirituelle Freundschaft</h4>
<p>So ähnlich geht es uns auch mit den uns möglichen Jobs, Standorten, Ausbildungsangeboten und Freunden. <em>Kalyana Mitta</em> nannten die alten Buddhisten den Freund, der einen mit ähnlichen ethischen Werten auf dem Weg begleitet. In Zeiten der sozialen Netzwerke gewinnt die spirituelle Freundschaft noch viel größere Bedeutung als je. Freunde können uns Rat geben auf dem Weg, uns liebevoll und nachhaltig auf eigene blinde Flecken hinweisen, uns trösten, wenn mal etwas nicht klappt. Sie können uns helfen bei einer guten, aber schwer einzuhaltenden Disziplin – einer Diät, der täglichen Meditation oder dem Vorsatz vom letzten Silvester, mit dem Rauchen aufzuhören. Vielleicht kann sogar eine Zeitschrift wie diese hier, ausgewählt unter tausenden anderer Möglichkeiten der Lektüre, ein solcher Freund sein, der durchs Leben begleitet.</p>
<h4>Anders essen, für eine bessere Welt</h4>
<p>Was würde sich weltweit ändern, wenn mehr Menschen weniger Fleisch äßen? Erstmal würden weniger Tiere leiden. Wir wären gesünder. Es würden weniger Menschen hungern – zur Zeit hungert ungefähr ein Siebtel der Menschheit, eine Milliarde von den sieben Milliarden Erdbewohnern, denn zur Produktion von 1 kg Fleisch werden etwa 16 kg Getreide verbraucht. Wenn weniger Fleisch gegessen würde, könnte der Markt der Fleischindustrie keinen so großen Druck mehr ausüben auf diejenigen, die aus Not und um selbst zu überleben, sich an der Rodung der Urwälder beteiligen, wie etwa in Brasilien, Indonesien und vielen anderen Ländern. Die Erderwärmung würde verlangsamt – Rinder sind für etwa ein Drittel des weltweiten Ausstoßes an Methan verantwortlich, das als Treibhausgas um ein Vielfaches wirksamer ist als Kohlendioxid. 62 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in Deutschland werden für Futtermittel verwendet — wie viel mehr hätten zu essen, wenn die Fläche nicht für Tiere verwendet würde, und der wirtschaftliche Druck auf die maximale Ausbeutung der Böden (Ertrag pro Hektar) wäre geringer.</p>
<p>Und der Fleischkonsum nimmt nicht etwa ab, sondern er nimmt noch zu, und zwar drastisch: Laut FAO stieg die weltweite Fleischindustrie von 1961 bis 2011 auf fast das Vierfache, in China hat er sich in dieser Zeit sogar versiebenundzwanzigfacht. Auch wenn der Fleischkonsum in der kleinen Szene der ›Bewusstseinsavantgarde‹ der Welt inzwischen sinkt, steigen die Gesamtzahlen noch immer drastisch an, denn immer mehr Menschen (in absoluten Zahlen vor allem Chinesen) können sich Fleisch leisten und haben ethisch, politisch und gesundheitlich nichts dagegen einzuwenden.</p>
<h4>Die geistige Nahrung</h4>
<p>Wissen die Fleischesser, dass ihnen und der Welt das Fleischessen nicht gut tut? Wenn ja, dann war immerhin ihre geistige Nahrung nicht die allerschlechteste. Denn nicht nur das, was wir durch unseren Mund zu uns nehmen macht uns zu den Menschen, die wir sind, sondern mindestens ebenso das, was wir durch unsere Augen und Ohren zu uns nehmen. Die Nachrichten, Meinungen und Weltbilder, die uns dabei vermittelt werden, prägen uns, und ebenso die Hoffnungen und Befürchtungen, Drohungen und Belohnungen, die wir durch diese Sinnestore in uns aufnehmen, und vor allem die Anerkennung oder Aberkennung von dem, was wir sind oder zu sein glauben.</p>
<p>Auch bei diesem geistigen Input müssen wir hoch selektiv sein, sonst werden wir krank, dumm, irre oder bösartig, denn auch geistige Nahrung kann einen Menschen vergiften oder gesunden lassen. Sogar lehren kann die geistige Nahrung, erhellen, vielleicht sogar erleuchten.</p>
<h4>Wählerisch, aber ohne strenge Zensur</h4>
<p>Kann sie das wirklich? Ich meine, dass wir auch bei der geistigen Nahrung zwar hoch selektiv sein sollten, dass wir dort aber nicht annähernd eine so strenge Zensur des Inputs brauchen wie bei der körperlichen Nahrung. Ein körperliches Gift ist imstande, einen Menschen sehr schnell gesundheitlich zu schädigen, bis hin zum schnellen Tod. Wenn das Gift in Darm und Leber eingetreten ist, wird auch das Auspumpen des Magens nicht mehr viel helfen.</p>
<p>Anders bei den geistigen Giften. Sie sind die Gegenpole der Wahrheiten und Weisheiten, wir brauchen uns nicht einmal wirklich vor ihnen zu schützen, es genügt sie als solche zu erkennen. Dann kann die Lüge gegenüber der Wahrheit, die Dummheit gegenüber der Weisheit den Bogen weit spannen zur Erkenntnis des Ganzen.</p>
<p>Wer seinen geistigen Input durch Zensur vor »zersetzenden« Gedanken oder sonstwie als böse stigmatisiertem Geistesgut glaubt schützen zu müssen, ist in Gefahr, sich damit eine Gehirnwäsche zu verpassen. Der Geist muss frei bleiben. Auch seinen Input muss er prinzipiell unzensiert aufnehmen dürfen, ohne Verbote, Scheuklappen oder Angst vor Beschmutzung. Auch im Geistigen müssen wir wählerisch sein, aber diese Wahl sollte eine sein, die eher Tendenzen gewichtet, als Ge– und Verbote auszusprechen.</p>
<h4>Aufnahme ohne Aneignung</h4>
<p>Ich esse kein Fleisch und meide, so gut ich kann Vergiftetes zu essen oder zu trinken, nehme aber täglich ausreichend viele Dummheiten, Lügen und Halbwahrheiten zu mir, ohne das Bedürfnis, sie ausfiltern zu müssen. Ich nehme sie auf, eigne sie mir aber nicht an. Sie beleben meine Wahrnehmung, meinen »Arbeitsspeicher«, werden aber nur dann auf der Festplatte abgespeichert, im Langzeitgedächtnis, wenn ich sie satirisch oder sonstwie polar verwenden kann.</p>
<p>Denn alles, was als wahr erscheint, trägt auch sein Gegenteil in sich, das es ergänzt. Keine Weisheit ist so weise, dass sie nicht in irgendeiner Situation, aus irgendeinem Blickwinkel betrachtet, eine Dummheit wäre. Das Geistige trägt das Polare in sich, was sich vom Körperlichen so nicht sagen lässt. Unser Immunsystem schätzt es zwar, gelegentlich durch Angriffe herausgefordert zu werden. Falls diesen Angriffe nicht lebensbedrohlich sind, gilt vielleicht sogar: je öfter desto besser (das Prinzip des Impfens). Es gibt jedoch körperliche Gifte, die zum sofortigen Tod führen, und es gibt essentielle Heil– und Nahrungsmittel, die für die Gesundheit unentbehrlich sind. Im Geistigen gibt es das nicht: Der klare Geist ruht in der Stille und kann auch die größten Lügen und Dummheiten in sich aufnehmen – er scheidet sie aus, ohne dass sie Spuren hinterlassen würden.</p>
<p>Zwischen dieser großen geistigen Klarheit und der völligen Unwissenheit aber liegt das Land, in dem wir Menschen uns die meiste Zeit aufhalten: der ganz normale Alltag. Dort sind wir nur halb bewusst, nur halb wissend und immer ein bisschen unentschieden. Dort spielt es eine große Rolle, was wir geistig in uns aufnehmen. Hier sollten wir hoch selektiv sein mit dem, was wir in uns reinlassen und ebenso wie beim Wasser, das wir trinken, darauf achten, aus welcher Quelle es kommt.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Connection Spirit, <a href="http://connection.de/magazintexte/spirit/connection-spirit-0312.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 03/12</a></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/03/30/was-wir-zu-uns-nehmen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Illusion vom vollkommenen Glück</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/29/die-illusion-vom-vollkommenen-gluck/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/03/29/die-illusion-vom-vollkommenen-gluck/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 10:15:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4709</guid>
		<description><![CDATA[Was uns alles happy macht Ob und wie anhaltendes Glück möglich ist, untersuchen die menschen unaufhörlich. Zahlreiche Rezepte versprechen uns eine Steigerung der Lebensqualität. Der Zwang zum Dauerglück kann auch zur Belastung werden. Die üblichen Angebote, welche uns «happy» machen sollten, sind konsumierbar und flüchtig wie aktuelle Börsendaten. Wir finden sie in Form von Ratgebern, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Was uns alles happy macht</h2>
<div id="attachment_4715" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/573782_web_R_by_Julien-Christ_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4709]"><img class=" wp-image-4715 " title="Das vollkommene Glück bleibt oft unerreichbar." src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/573782_web_R_by_Julien-Christ_pixelio.de_-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Julien Christ / pixelio.de</p></div>
<p>Ob und wie anhaltendes Glück möglich ist, untersuchen die menschen unaufhörlich. Zahlreiche Rezepte versprechen uns eine Steigerung der Lebensqualität. Der Zwang zum Dauerglück kann auch zur Belastung werden.</p>
<div>
<div>
<p>Die üblichen Angebote, welche uns «happy» machen sollten, sind konsumierbar und flüchtig wie aktuelle Börsendaten. Wir finden sie in Form von Ratgebern, in Last-Minute-Angeboten, im richtigen Shampoo, im Well– ness-Studio, auf der Couch, im Porno oder in der Kirche. Wer in den USA Präsident werden will, muss mit wenigen Schlagworten der Wählerschaft eine glückliche Zukunft versprechen: Ein Wirtschaftsaufschwung wird dort zum Beispiel nur als möglich prophezeit, wenn sich die Leute an traditionell-christlichen Familienbildern orientieren. Dahinter verbirgt sich das Credo, dass eine florierende Wirtschaft und ein angepasstes Verhalten alles zum Guten wenden. Natürlich ist der Umkehrschluss genauso problematisch. Schauen die Wohlhabenden auf die Hungernden, möbeln sie ihr schlechtes Gewissen gerne mit dem Bild der glücklichen Armen auf, die sich tanzend und lachend auf einem kargen Dorfplatz vergnügen. Arm sein bedeutet nicht zwingend, zufrieden zu sein, aber man kann auch erfüllt reich sein, könnte man provokativ sagen.</p>
<h4>Schweiz auf platz vier</h4>
<p>Keine Wissenschaft übergeht das Thema, das vielversprechende Bücher und Studien füllt. «Wie zufrieden sind Sie, alles in allem, zurzeit mit Ihrem Leben als Ganzes?» Diese Frage hat</p>
</div>
<div>
<p>Professor Ruut Veenhoven von der Erasmus– Universität in Rotterdam 148 Nationen gestellt. In der so erstellten «World Database of Happiness» erreicht die Schweiz Platz vier und gehört damit zu den glücklichsten Nationen. Vergleichen wir das Resultat aber mit Freitod– statistiken, dann finden wir die Schweiz eben– falls an der Spitze.</p>
<p>Statistiken zur Zufriedenheit können im– mer unterschiedlich interpretiert werden. In den meisten Studien korreliert das Mass an Wohlgefühlen mit Gesundheit, Zugang zu Bildung und Wohlstand. Der Einfluss von Sonnenschein wird ebenfalls als Moment für eine positive Lebenseinstellung diskutiert.</p>
<p>In der Philosophie hat die Untersuchung des Glücks eine lange Tradition. Eine Analyse unserer Visionen kann verdeutlichen, ob wir uns auf dem Holzweg befinden, auf den uns falsche Erwartungen geführt haben. Eine wesentliche Aufgabe von philosophischen Praxen besteht darin, solche Bilder im gemeinsamen Gespräch zu hinterfragen. Denn oft ist es eine Ansichtssache, ob eine Situation als bedrückend oder harmonisch empfunden wird. Durch die Veränderung des Blickwinkels können sich ganz neue Horizonte auftun. Dass man immer einen Grund zum Unglück findet, wenn man möchte, beschreibt Paul Watzlawick mit Witz in seiner «Anleitung zum Unglücklichsein»: «Selbst aber wenn einmal auf der ganzen Welt Glücklichkeit ausgebrochen sein wird, würde ein tugendboldiger Pessimist noch lange nicht verzagen […], indem er dem unschuldig sich freuenden Partner vorhält: ‹Wie kann es dir nur Spass machen, wo Christus für dich am Kreuze starb? Hat es Ihm etwa Spass gemacht?› Der Rest ist betretenes Schweigen.»</p>
</div>
<div>
<h4>«Unvollkommen» zufrieden</h4>
<p>Wenn wir akzeptieren würden, dass jede Situ– ation ihren Makel hat, könnte dies zu einer gewissen Entspannung im Glücksmarathon führen. Da wir jedoch ständig mit völlig übertriebenen Bildern der Vollkommenheit bombardiert werden – Reichtum, interessante Arbeit, Heirat, Geburt, die Familie, fit im Alter, ewig jung und sexy –, braucht es schon den Mut zur Eigenständigkeit, um auch «unvollkommen» zufrieden zu sein. Denn im Leben gibt es auch das Scheitern von Liebesbeziehungen, die krumme Nase, nervige Vorgesetzte, eine Zangengeburt, Arbeitslosigkeit und die vom Nachbarn vergiftete Katze. Wenn wir davon ausgehen, dass die nächste Veränderung diese Makel verschwinden lässt, leben wir im permanenten Zustand der Erwartung. Wir können nämlich sicher sein, dass bald schon wieder ein neues Mobiltelefon erworben werden sollte oder nach der Nasen-OP noch die Lippen dran wären und dass doch erst die nächste Liebesbeziehung die beste wird.</p>
<p>Dennoch plädiere ich dafür, weiterhin nach dem eigenen Glück zu fragen. Vielleicht ist es nicht spektakulär, was uns zwischendurch froh macht. «Das Glück ist kein guter Stoff […] Es ist selbstgenügsam. Es braucht keinen Kommentar. Es kann in sich zusammengerollt schlafen wie ein Igel.» (Carl Seelig, «Wanderungen mit Robert Walser», Frankfurt 1977). Wenn wir uns die Zeit nehmen, uns über den unauffälligen, zufälligen Reichtum des Lebens zu freuen, der sich in einem Gespräch mit unerwarteten Wendungen, einem guten Buch oder einem ehrlichen Kompliment verbirgt, kommen wir der Sache vielleicht auf die Spur. Dazu müssen wir aber den Mut finden, innezuhalten. Eine Tätigkeit, die etwas aus der Mode gekommen, aber jederzeit möglich ist: auch im Pornokino oder in der Kirche.</p>
</div>
</div>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin MONETA, Ausgabe <a href="http://www.abs.ch/de/zeitung-moneta/moneta-archiv/" target="_blank" rel="external nofollow">Nr. 1/2012</a>. MONETA ist das Magazin der <a href="https://www.abs.ch/" rel="external nofollow">Alternativen Bank Schweiz</a></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/03/29/die-illusion-vom-vollkommenen-gluck/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Potential für einen guten Start ins Alter</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/26/potential-fur-einen-guten-start-ins-alter/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/03/26/potential-fur-einen-guten-start-ins-alter/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 13:29:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Neurowissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4703</guid>
		<description><![CDATA[Was die Hirnforschung zum Thema Altern zu sagen weiss Die Ergebnisse der Hirnforschung aus den letzten Dekaden sind noch nicht sehr tief in unser Alltagsbewusstsein eingedrungen. Das zu ändern wäre für die individuelle wie gesellschaftliche Entwicklung wertvoll. Denn so, wie wir heute leben, werden wir morgen altern. Während Sie diesen Artikel lesen, werden Sie möglicherweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Was die Hirnforschung zum Thema Altern zu sagen weiss</h3>
<div id="attachment_4705" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/112030_web_R_K_B_by_Jerzy_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4703]"><img class=" wp-image-4705 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/112030_web_R_K_B_by_Jerzy_pixelio.de_-300x300.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Jerzy / pixelio.de</p></div>
<p>Die Ergebnisse der Hirnforschung aus den letzten Dekaden sind noch nicht sehr tief in unser Alltagsbewusstsein eingedrungen. Das zu ändern wäre für die individuelle wie gesellschaftliche Entwicklung wertvoll. Denn so, wie wir heute leben, werden wir morgen altern.</p>
<p>Während Sie diesen Artikel lesen, werden Sie möglicherweise etwas lernen. Die Schaltstellen zwischen den Synapsen in Ihrem Gehirn werden auf spezifische und individuelle Weise partiell aktiviert, partiell deaktiviert: Es verändert sich die Funktion der neuronalen Schaltkreise in Ihrem Gehirn. Vielleicht gefallen Ihnen dieser Artikel oder diese Zeitschrift so sehr, dass Sie das Heft nach der Lektüre an einen Freund verleihen. Je nachdem, wie nachhaltig Sie von den hier entfalteten Themen angesprochen sind, kann es sein, dass Ihr <em>Info3</em>–Heft Ihnen nach ein paar Tagen fehlt: Dies könnte bedeuten, dass die Inhalte sich noch nicht in Ihr Langzeitgedächtnis eingeprägt haben, Ihre Bindung an das Informationsmedium, das Sie in den Händen halten, jedoch so groß ist, dass Sie einmal gemachte Erfahrungen wiederholen wollen – für das Lernen und die Entwicklung Ihres Gehirns die besten Voraussetzungen.</p>
<h4>Unser Gehirn hat das Potenzial, unser Leben zu verändern – und umgekehrt</h4>
<p>Wirklich gelernt haben Sie etwas erst, wenn es Ihr Langzeitgedächtnis verändert: „Eine Änderung der synaptischen Koppelungen ruft somit eine Änderung der Erregungsmuster und damit der Funktion des Netzwerks hervor. Diese Änderung kann flüchtig oder lang anhaltend sein. Im ersteren Fall ist sie rein physiologisch, im letzteren Fall immer strukturell, d.h. dass bestehende Synapsen umgebaut werden, bzw. neue Synapsen entstehen und alte verschwinden.“ Das ist die neurophysiologische bzw. molekularbiologische Grundlage des Lernens und der Bildung des Gedächtnisses, deren Erforschung der amerikanische Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger Eric Kandel seine wissenschaftliche Laufbahn gewidmet hat. „Wir sind, wer wir sind, aufgrund dessen, was wir lernen und erinnern. Erinnerung ist der Kleber, der unser mentales Leben zusammenbindet und uns Kontinuität verleiht“, formuliert Kandel in dem preisgekrönten Dokumentarfilm <em>Auf der Suche nach dem Gedächtnis</em> der Filmemacherin Petra Seeger. Bei dieser Erinnerungs-Bildung, die auch Steiner schon als wesentlich für unsere Ich-Identität ansah, spielen molekularbiologische Prozesse eine entscheidende Rolle.</p>
<p>Die Ergebnisse der Forschungen Kandels sind im deutschsprachigen Raum nicht allein durch die Übersetzung seiner spannend zu lesenden Wissenschaftsbiografie, die den gleichen Titel trägt wie die Dokumentation Seegers, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden, sondern vor allem auch durch die Publikationen von Gerald Hüther und Joachim Bauer. Die Forschungsergebnisse der Hirnforschung aus den letzten Dekaden sind bahnbrechend in mehrfacher Perspektive:</p>
<p>Erstens: „Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das Gehirn auch im Erwachsenenalter noch in hohem Maß strukturell formbar ist. Zwar können sich Nervenzellen nach der Geburt nicht mehr teilen (bis auf wenige Ausnahmen), sie sind jedoch zeitlebens in der Lage, ihre komplexen Verschaltungen an neue Nutzungsbedingen anzupassen“, so Gerald Hüther in der <em>Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn</em>. Diese Erkenntnis der Neuroplastizität unseres Gehirns beinhaltet – zweitens – ein radikales Umdenken in Bezug auf unser Verständnis des Verhältnisses von (genetischer) Veranlagung und Umwelt: Gene sind keine Datenspeicher, die uns qua Geburt mitgegeben wurden und seither unser Leben – neben der Umwelt – maßgeblich prägen, sondern es sind flexibel regulierbare Systeme, deren Wirksamkeit im Zusammenspiel mit der Umwelt situativ entfaltet oder gehemmt werden. „Die meisten Gene des Körpers werden reguliert. Nur sehr wenige Gene sind auf einer bestimmten Stufe andauernd und unverändert aktiv“, so Joachim Bauer. Gene sind, wie Joachim Bauer im Rekurs auf den Genforscher Jens Reich ins Bild setzt, ein Konzertflügel, der die vielfältigsten Klangsymphonien hervorbringen kann, je nachdem, wie auf ihm gespielt wird. Dies bedeutet – drittens –, dass Erfahrung, Gedächtnis und Lernen abhängig sind von unseren sozialen Beziehungen. Forschungsergebnisse von der Entdeckung der Spiegelneuronen über die Erforschung der frühkindlichen Entwicklung sowie der erwachsenen Beziehungsstile zeigen, „dass das menschliche Erleben, auch das Lernen, persönliche Beziehungen braucht“. Verschiedene Studien haben Bauer zufolge erwiesen, „dass ein hohes Ausmaß liebevoller Zuwendung nach der Geburt […] eine nachhaltige Prägung des biologischen Stresssystems der Nachkommen zur Folge“ hat: Das Stressgen CRH werde im späteren Leben deutlich weniger stark aktiviert, wenn Kinder die Möglichkeit hatten, eine sichere Bindung zu ihrer Mutter oder einer anderen nahen Bezugsperson aufzubauen. Emotional sicher gebundene Kinder sind weniger ängstlich und bewältigen Lernaufgaben leichter. „Bindungen und soziale Unterstützung haben sich als einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegenüber extremen Ausschlägen der biologischen Stressreaktion erwiesen.“ Im Gegenzug sind Bauer zufolge die meisten großen Volkskrankheiten – wie beispielsweise Bluthochdruck – Folgen einer Fehlregulation der Genaktivität, also sozial bedingte Maladaptionen der Funktionsweisen des Gehirns: Psychosozialer Stress und angelernte Verhaltensmuster aus der Kindheit sorgen für Fehlregulierungen der Genaktivität, die dauerhaft krank machen. „Bei den meisten großen Volkskrankheiten haben wir eine Situation, wo gesundheitsschädliche, durch Lebensstile verursachte Signale so lange Gene regulieren bzw. fehlregulieren, bis eine Gesundheitsstörung eingetreten ist.“</p>
<h4>Unser Gehirn ist ein soziales Organ</h4>
<p>Die Forscher sind sich darüber einig, dass – wie Bauer formuliert – „Faktoren, die Gene steuern und Gesundheit beeinflussen können, zu einem wesentlichen Teil aus dem Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen kommen“. Bereits in den 90er Jahren spricht der amerikanische Mediziner Leon Eisenberg von der „sozialen Konstruktion des menschlichen Gehirns“. Kurz und bündig nennt Gerald Hüther das Gehirn ein „Sozialorgan“. „Wir selbst wirken durch die Gestaltung unserer zwischenmenschlichen Beziehungen entscheidend daran mit, was sich biologisch in uns abspielt“, so Bauer: „Aus dem, was wir über die biologische Bedeutung sozialer Beziehungen heute wissen, ergibt sich eine Dimension der Verantwortung.“ Mit Hüther gesprochen, stehen wir in der Verantwortung, „die gegenwärtig herrschenden Verhältnisse so zu verändern, dass sie die Ausbildung immer menschlicherer Gehirne ermöglichen“. Denn auch darin sind sich die Forscher einig: Selbst ungünstige frühe soziale Bedingungen müssen, obgleich sie nachweislich ihre Spuren hinterlassen, in neurophysiologischer Hinsicht kein lebenslanges Schicksal mehr sein. In einer bahnbrechenden Engführung von Neurophysiologie und Psychoanalyse versteht Kandel psychologische Therapieverfahren als Bereitstellung eines emotional tragenden Umfeldes, in dem neue Erfahrungen und damit Lernprozesse – begriffen als hirnphysiologische Veränderungen – möglich sind.</p>
<p>Die neueren Erkenntnisse der Neurophysiologie, die den Einfluss unseres Verhaltens und sozialer Faktoren betonen, sind gerade auch im Hinblick auf mögliche Ursachen der Demenz interessant. Hier scheint erwiesen zu sein, dass die Ablagerung von „Plaques“ nicht notwendig mit der Entstehung der Alzheimer-Demenz korreliert, es mithin nicht einfach organische Schädigungen sind, die die Entwicklung einer Demenz bedingen. Joachim Bauer legt in verschiedene Publikationen dar, wie psychosoziale Faktoren das Entstehen einer Demenz begünstigen, so dass wir heute zumindest von einem multifaktoriellen Ansatz ausgehen müssen. Machen wir uns begreiflich, dass die Strukturen unseres Gehirns, seine Flexibilität und Leistungsstärke in Bezug auf Lernen und Gedächtnisbildung einerseits und unser Erleben – und das umfasst auch unser Erleben von der Kontinuität und Kohärenz unserer selbst – wesentlich von unseren zeitlebens geführten sozialen Beziehungen geprägt werden. Dann stellt die inflationäre Verbreitung der Demenz uns allen die Frage, was soziale Gesundheit oder Gesundheit im Sozialen bedeutet, wie wir sie etablieren, pflegen und erhalten können. Das Scheitern im Zwischenmenschlichen, ob beruflich oder privat, scheint eines der größten Probleme unserer Zeit darzustellen, eine Kultur der Beziehungen mehr denn je vonnöten zu sein. Die immens gewachsene Zahl der demenziellen Erkrankungen, aber auch anderer Erkrankungen, wie Burnout und Depression – mit autoritären Erziehungsstilen, einem Mangel an Kreativität, sozialer Plastizität und persönlichen Spielräumen in einen Zusammenhang zu stellen, liegt nah.</p>
<p>Die gute Botschaft ist, dass es immer noch Neuland zu erobern gibt: Dieses große Abenteuer liegt auf dem Weg vom Ich zum Du und findet in unseren Köpfen statt. Keine leichte Einsicht, aber eine, die unser Verhältnis zueinander und zu uns selbst nachhaltig verändern könnte.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<p>Joachim Bauer: <em>Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern.</em>Piper 2004.</p>
<p>Joachim Bauer: <em>Psychobiologie der Alzheimer-Krankheit: Wirklichkeitskonstruktion und Beziehungsgestaltung. </em>In: Thure von Uexküll u.a.: <em>Integrierte Medizin. Modell und klinische Praxis.</em>Schattauer 2002.</p>
<p>Gerald Hüther: <em>Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn.</em> Vandenhoeck &amp; Ruprecht 2001.</p>
<p>Eric Kandel: <em>Auf der Suche nach dem Gedächtnis. Die Entstehung einer Wissenschaft des Geistes.</em>Pantheon 2006.</p>
<p>Eric Kandel: <em>Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes.</em> Suhrkamp 2006.</p>
<p>Petra Seeger: <em>Auf der Suche nach dem Gedächtnis – Der Hirnforscher Eric Kandel.</em> DVD, ISBN 9783898485203, 16,34 € .</p>
<p> </p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2011/oktober/potential-fuer-einen-guten-start-ins-alter/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Oktober 2011</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/03/26/potential-fur-einen-guten-start-ins-alter/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kunstinteressierte sind weniger krank</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/26/kunstinteressierte-sind-weniger-krank/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/03/26/kunstinteressierte-sind-weniger-krank/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 12:48:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Neurowissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4683</guid>
		<description><![CDATA[Gehirn verändert sich positiv — Leidensfähigkeit nimmt zu Rom/Würzburg (pte) — Menschen, die sich für Kunst und Kultur interessieren, kommen besser über einen Schlaganfall hinweg, behauptet Ercole Vellone von der School of Nursing der Universität Rom. In einer Studie, an der 192 Schlaganfall-Patienten teilgenommen haben, sieht Vellone Belege dafür, dass sich Kunstinteressierte schneller erholen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Gehirn verändert sich positiv — Leidensfähigkeit nimmt zu</h2>
<div id="attachment_4685" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/20120326001.jpeg" rel="lightbox[4683]"><img class=" wp-image-4685 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/20120326001.jpeg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Mona Lisa: Kunst hilft, Krankheiten zu überwinden (Foto: pixelio.de, Marco Görlich)</p></div>
<p>Rom/Würzburg (pte) — Menschen, die sich für Kunst und Kultur interessieren, kommen besser über einen Schlaganfall hinweg, behauptet Ercole Vellone von der School of Nursing der <a href="http://bit.ly/GLuPPK" target="_blank" rel="external nofollow">Universität Rom</a>. In einer Studie, an der 192 Schlaganfall-Patienten teilgenommen haben, sieht Vellone Belege dafür, dass sich Kunstinteressierte schneller erholen und besser fühlen als andere.</p>
<p>Kulturbanausen haben hingegen weniger Energie nach einem Schlaganfall. Die Interviewten waren im Schnitt 70 Jahre alt. Die Forscher befragten sie nach ihrem Interesse an Kunst, Musik und Theater. »Unabhängig von der Schwere des Schlaganfalls können wir den Unterschied belegen. Wir gehen davon aus, dass sich das Gehirn positiv verändert, wenn sich Menschen mit Kunst beschäftigen — so dass es sich auch strukturell besser erholt«, sagt Vellone.</p>
<h4>Ähnliche Ergebnisse in Deutschland</h4>
<p>Andrea Kübler vom Institut für Psychologie der <a href="http://psychologie.uni-wuerzburg.de" target="_blank" rel="external nofollow">Universität Würzburg</a> hat Ähnliches festgestellt. »Wir haben anhand von ALS-Patienten gesehen, dass Menschen mit einer höheren Schulbildung eine Krankheit besser bewältigen können«, sagt Kübler im pressetext-Gespräch.</p>
<p>In ihrer Studie »Depression und Lebensqualitat bei Patienten mit amyotropher Lateralsklerose« stellten Kübler und ihr Team ebenfalls fest, dass Patienten, die sich sozial unterstützt fühlen, besser zurecht kommen. Die ALS-Erkrankten waren genau wie die Schlaganfallspatienten glücklicher, weniger ängstlich oder depressiv und fühlten sich ruhiger. Zudem waren ihre Gedächnisleistungen besser und sie konnten leichter kommunizieren.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/03/26/kunstinteressierte-sind-weniger-krank/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wenn Vertrauen tiefer reicht als Beweise</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/05/wenn-vertrauen-tiefer-reicht-als-beweise/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/03/05/wenn-vertrauen-tiefer-reicht-als-beweise/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 11:50:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4588</guid>
		<description><![CDATA[Ein neues Gastmahl für Wissenschaft und Spiritualität Gerne betonen spirituell interessierte Menschen, dass neuere Ergebnisse der Naturwissenschaft ihr Weltbild bestätigen. Dabei wird übersehen, dass wir weite Teile unseres Lebens auf ganz andere Qualitäten als das Messen und Wissen bauen. Der folgende Essay plädiert für ein spielerisches Miteinander von Wissen und Ahnen. Es ist nämlich Unerzogenheit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Ein neues Gastmahl für Wissenschaft und Spiritualität</h2>
<div id="attachment_4596" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/147998_web_R_by_kaemte_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4588]"><img class=" wp-image-4596 " title="keine Ahnung…" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/147998_web_R_by_kaemte_pixelio.de_-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: kaemte / pixelio.de</p></div>
<p><em>Gerne betonen spirituell interessierte Menschen, dass neuere Ergebnisse der Naturwissenschaft ihr Weltbild bestätigen. Dabei wird übersehen, dass wir weite Teile unseres Lebens auf ganz andere Qualitäten als das Messen und Wissen bauen. Der folgende Essay plädiert für ein spielerisches Miteinander von Wissen und Ahnen.</em></p>
<p><em>Es ist nämlich Unerzogenheit, nicht einzusehen, mit Bezug worauf es nötig ist, nach Beweisen zu suchen, und in Bezug worauf dies nicht nötig ist.</em> – Aristoteles, Metaphysik <sup class='footnote'><a href="#fn-4588-1" id='fnref-4588-1'>1</a></sup></p>
<p>Viel wird heute geschrieben über den Dialog zwischen Naturwissenschaft und Spiritualität. Wenig indessen darüber, welche Kraft es ist, der bei einer vermittelnden Annäherung eine entscheidende Bedeutung zukommt. Unhinterfragt gilt weithin die Annahme, dass uns die Methoden der Naturwissenschaft die einzig „zuverlässige“ Form des Verstehens und Erklärens (durch eine möglichst objektive Beweisführung) liefern. Doch diese Voraussetzung schließt wesentliche Bereiche unseres Menschseins von vornherein aus: Wie etwa bringen wir durch dieses beschränkte Verfahren unser Gefühlsleben zum Vorschein? Wie die zarten, innerlichen Regungen unserer romantischen, leidenschaftlichen und religiös-spirituellen Empfindungen? Das Mysterium der Liebe kann weder bewiesen noch erklärt werden. Keine Rechen– oder Untersuchungsmethode lässt sich je darauf anwenden. Dennoch nehmen wir die strikte Unterscheidung zwischen der beweisbaren Welt der äußeren Tatsachen und den unergründlichen Gestimmtheiten unseres Innenlebens allzu leichtfertig hin. Dabei bleibt unausgelotet, welch weitreichende Folgen die naturwissenschaftliche Methode auch für unser persönliches Erleben, jenseits der Forschungslabore hat. Machen wir uns das an einem Beispiel klar:</p>
<h4>Liebe kann man nicht messen</h4>
<p>Den Zustand des objektiven Beobachters, wie ihn die Naturwissenschaft fordert, können wir der Liebe gegenüber nie einnehmen, da man sie ja nur dann empfindet, wenn man sie, subjektiv, in sich selbst spürt. Auch bekennende Wissenschaftler werden wohl in den allermeisten Fällen von der Gewissheit getragen sein, dass sie (um in einem Beispiel zu sprechen) Lebenspartner und Kinder lieben. Wie innig die Zuneigung in Wahrheit ist, vermag niemand objektiv zu beurteilen. Dennoch fühlen auch Naturwissenschaftler (wie andere Menschen) Gewissheiten, die auf subjektiven Gefühlsregungen beruhen. Es gibt folglich einen – und zwar sehr wesentlichen! – Bereich des Lebens, von dem wir auch dann mit Recht etwas zu wissen glauben, wenn wir von ihm überhaupt nichts im naturwissenschaftlichen Sinne „erforscht“ haben. Keiner von uns hat sich je über viele Jahre mit einem geliebten Menschen verkabeln und von einem vermeintlich objektiven Beobachter die Emotionsströme messen lassen, um so im Experiment festzustellen, wie tief und innig die Liebe wirklich ist. Im Gegenteil, gerade die subjektivste aller Empfindungen genügt oft, um uns dessen sicher zu sein. Gleichwohl können Liebesgefühle ins Wanken geraten, wenn wir nicht genug Vertrauen haben und (berechtigte oder unberechtigte) Zweifel hegen. In diesen Fällen – und sie sind durchaus häufig anzutreffen – sind wir dazu verlockt einen konkreten Beweis der Liebe zu fordern und dadurch aus dem, was der freien Hingabe unterstellt ist, einen Kontrollzwang zu machen. Wir halten dann nach einer offenkundigen Geste Ausschau oder sehnen uns danach, endlich einmal wieder die berühmten drei Worte zu hören, so, als könnte das Lippenbekenntnis eines Menschen etwas zwingend beweisen. Kein Gericht eines demokratischen Staates würde es für einen Schuldspruch als ausreichend erachten, wenn ein einziger Mensch in Worten etwas ausspricht. Es bedürfte dazu zumindest zwei sich deckender Zeugenaussagen. Immer werden zur Untermauerung eines Verdachts auch die objektiven Tatsachen untersucht. Es wird nach Beweismitteln und Fakten gefahndet. Wenn wir jedoch nach diesem Prinzip in der Beziehung zu unseren Mitmenschen verfahren, dann werden wir paranoid, ängstlich und misstrauisch. Wir geraten in große Verwirrung, sobald wir unserer inneren Stimme kein Vertrauen mehr schenken können. Wir werden zu den allerunsichersten, neurotischsten Menschen, wenn wir im Bereich der Empfindungswelten nicht von der exakten Beweisführung ablassen und stattdessen eine andere Form der Wahrnehmung und Beurteilung entfalten und gelten lassen können. Gelingt uns dieser Befreiungsakt nicht, dann wird die ausschließliche wissenschaftliche Denkungsart uns krank machen und uns immerfort in tiefe emotionale Vertrauenskrisen stürzen. So sehr uns das naturwissenschaftliche Verstehen und Erklären auf der einen Seite Sicherheit bietet und uns stärkt, so sehr kann es uns auf der anderen Seite unserer Existenz ins Chaos stürzen und ein Gefühl der Ohnmacht, Schwäche und Hilflosigkeit hinterlassen. Um als ganze Menschen im Leben bestehen zu können, bedarf es notwendigerweise auch des Glaubens und Vertrauens. Allein dadurch zeigt sich, welch unermessliche Bedeutung eine spirituelle Dimension für die menschliche Gesundheit (selbst für die von Atheisten) hat. <sup class='footnote'><a href="#fn-4588-2" id='fnref-4588-2'>2</a></sup></p>
<h4>Verkabelt auf der Wohnungssuche?</h4>
<p>Wir alle werden täglich von intuitiven Ahnungen durchströmt, die wir meist nicht klar fassen können. Ihre genaue Herkunft bleibt uns verhüllt und doch erleben wir immer wieder Momente, in denen wir vollkommen auf diese vagen, in uns auftauchenden Intuitionen vertrauen. Wenn wir etwa bei der Suche nach einem neuen Zuhause eine Wohnung besichtigen und diese rein äußerlich den gewünschten Daten entspricht (sie hat drei Zimmer, die gewünschte Größe, einen Garten, liegt in einer ruhigen Gegend etc.), so kann es doch sein, dass uns in der Wohnung eine Empfindung überkommt, die uns das Gefühl vermittelt, dass wir hier nicht würden wohnen können. Etwas fühlt sich nicht richtig an und die innere Stimme sagt: „Nein, hier will ich auf keinen Fall einziehen!“ Würden wir nur nach der äußeren Messbarkeit funktionieren, dann gäbe es keinen Grund die Wohnung auszuschlagen. Wieso wollen wir nicht in die Wohnung einziehen, obwohl sie doch faktisch alle Kriterien erfüllt? Einzig die Stimmung ist „komisch“, etwas stimmt also nicht mit unserem Innern überein. Vielleicht wird eine Wissenschaft der Zukunft einige dieser Phänomene erklären können, dennoch ist kaum vorstellbar, dass wir irgendwann mit tausend Gerätschaften verkabelt zur Wohnungssuche gehen um zu messen, wie sich der jeweilige Raum zum eigenen Organismus verhält. Zum Glück sind wir verbunden mit der inneren Stimme, die zwar trügen kann, aber uns doch oft auch als zuverlässiger Ratgeber zur Seite steht. Wir brauchen daher für viele dieser alltäglichen Entscheidungen gar keine wissenschaftlichen Methoden, die uns etwas erklären oder bestätigen. Eher brauchen wir so etwas wie einen intuitiven Seismographen, der unsere innere Stimme wahrnimmt, aufzeichnet und ggf. verstärkt, so dass wir sie überhaupt bewusst wahrnehmen können. Wichtig wäre es, diese Ahnungen zu schärfen und zu differenzieren. Dabei kann uns ein gut ausgebildeter Intellekt nur zum Teil von Nutzen sein. Er kann durchaus beim Bewusstwerdungsprozess unterstützend helfen, aber er kann nicht selbst die ahnungsvolle Intuition erzeugen, er kann sie nur beobachten und artikulieren, aber <em>er ist sie nicht selbst</em>.</p>
<h4>Durchlässige Zwischenwände</h4>
<p>Jenen Bereich, aus dem die Intuitionen und Inspirationen auftauchen, möchte ich den <em>transzendenten Bereich</em> nennen, im genauen etymologischen Wortsinne den Bereich also, der die empirische Beweisbarkeit überschreitet, da er in ein geistiges Gebiet, jenseits der äußeren Sinne, hineinragt. Wir kommen durch unsere Empfindungswelten (aber auch durch unser Denken) mit Bereichen der Transzendenz in Kontakt, die aus einem unsichtbaren Hintergrund durch durchlässige Zwischenwände in das Sichtbare hinüberleuchten. Die Sichtbarkeit ist nicht äußerlich direkt wahrnehmbar, aber doch spürbar. Es gibt gewissermaßen einen Grenzbereich, der seine Fühler nach beiden Seiten ausstreckt: in die himmlische Welt des Geistes und in die irdische Sinnenwelt. Die allereinfachsten und alltäglichsten Erfahrungen können uns dahin führen einzusehen, dass es diesen transzendenten Bereich gibt, einen Bereich also, der nicht völlig in der Erforsch– und Beweisbarkeit der Wissenschaft aufgeht. Aber – und dies ist sehr wichtig – bewiesen ist der transzendente Bereich durch unsere Überlegungen keineswegs. Wozu sollten wir ihn auch beweisen wollen, wenn es allein von unserer Offenheit abhängt, wie sensibel wir auf die Zwischentöne anschlagen?</p>
<h4>Lauschendes Spüren</h4>
<p>Es wäre eine gute Übung einmal einen Tag lang ganz bewusst darauf zu achten, wo und wie oft wir von Ahnungen durchkreuzt werden, von Stimmungen, Intuitionen. Wir wachen morgens auf. Aber mit welchem Gefühl eigentlich? Ist es nicht wundersam, dass wir an manchen Tagen voller Tatendrang erwachen, so, als könnten wir Bäume ausreißen, während wir uns an anderen Tagen depressiv verstimmt fühlen und uns am liebsten verkriechen würden? In der lauten Hektik des Alltagslebens übergehen wir solche Stimmungen meist geflissentlich, obwohl es sehr wichtig wäre ihnen etwas nachzuspüren. Vielleicht hängen Stimmungsschwankungen auch mit den Träumen zusammen. Aber wenn wir uns an keine nächtlichen Bilder erinnern? Wollen wir es dann auf das Wetter schieben, auf die Mondphasen, auf die Menstruation? Doch selbst wenn wir das alles im Blick behalten, bleibt oft nur eine dunkle Ahnung, woher die Stimmungen in Wahrheit rühren. Die Psychologie nennt als Ursprungsbereich der nebulösen Launen und Affekte das Unbewusste. Ich vermeide diesen Begriff an dieser Stelle absichtlich, da er doch zu leicht den Eindruck erwecken könnte, als handle es sich bei den menschlichen Stimmungen ausschließlich um rein körperliche, quasi medizinische Erscheinungen, die auf irgendwelche Außenreize zurückzuführen sind und mittels der Hirnforschung irgendwann erklärt werden könnten. Doch das Unbewusste wird <em>auch</em> gespeist aus einem nur schwer zu fassenden, transzendenten Bereich (Jung nennt ihn das kollektive Unbewusste). Wir leben in der Welt der Entwicklung, in der Welt der Evolution, in der Welt des Werdens – und doch werden wir genährt und am Leben erhalten von der Welt des Seins. Einer Welt, in der Vergangenes und Zukünftiges gleichzeitig im Jetzt da sein können, eine Welt also, die jenseits der physikalischen Gesetzmäßigkeiten existiert. In den unausgesprochenen Zwischentönen verbirgt sich jenes mythische Zauberreich und spricht doch gerade in den schweigsamen Zwischenräumen zu uns. Unsere Ohren sind noch nicht dafür eingestimmt, dieser Stille zu lauschen. Doch hören wir einmal auf den Moment des Aufwachens. Hören wir einmal, wieso uns plötzlich, wie aus dem Nichts, in dem einen Moment große Lust überfällt und im nächsten große Unlust.</p>
<p>Doch lauschen wir nur behutsam. Denken und bewerten wir nicht. Erklären wir nicht. Ordnen wir nicht gleich das Empfangene in ein System ein. Sehen wir es nicht mit der philosophischen, psychologischen, biologischen, medizinischen Brille, nennen wir es nicht Zwang, Komplex, Neurose, Hirngespinst, Außenreiz, sondern lassen wir den Impuls des Moments in seiner Unmittelbarkeit zu uns sprechen und fragen noch einmal: <em>Wie</em> sind wir gestimmt? Fragen wir zunächst nicht: Was <em>bedeutet</em> das Gefühl, wodurch wird es ausgelöst, welcher Grund liegt dahinter? Fragen wir möglichst neutral: <em>Wie</em>fühlen wir uns? <em>Wie</em> meint hier nicht eine Wertung im Sinne von gut oder schlecht. <em>Wie</em> meint: <em>Was</em> sagt die Stimme, <em>wie</em> spricht sie zu uns, <em>wie</em> tönt sie, <em>wie</em> ist sie beschaffen? Verzichten wir für einen Moment auf jede Stütze und fallen wir in dieses lauschende Spüren hinein, damit es uns ausfüllen kann und wir das Empfundene ganz bewusst in seinem So-Sein vernehmen. Jetzt … in diesem Moment des Lesens … Wie sind wir gestimmt? Wie sind wir gestimmt, wenn wir arbeiten und ausruhen, wenn wir diesem und jenem Menschen begegnen? Welche Gestimmtheit bringen wir mit in die Begegnung? Liegt vielleicht in unserer Gestimmtheit ein Wink zu einem Impuls, dem wir als Erkenntnis-Spiegel begegnen wollen? Was geschieht eigentlich hinter der Oberfläche, im Grenzbereich der zwei Welten? Dort ist der Bereich, wo wir uns selbst als Mensch und auch den anderen Menschen näherkommen. Es ist der Bereich, für den wir <em>uns selbst</em> brauchen und ganz ohne Beweise und Methoden auskommen. Es ist die Schatzkammer unserer Seele, die uns immerzu verstellt wird, die erschwert wird mit allerlei Ballast. Doch nur weil jene stille Stimme des transzendenten Zwischenspiels ständig überlagert wird, heißt dies nicht, dass es sie nicht gibt … dass sie sich uns nicht gibt … dass sie nicht immerfort sich geben will. Sie will sich uns zu verstehen geben in jedem Augenblick. Es liegt an uns sie zu vernehmen … die Gabe des Zwischenspiels anzunehmen. Sie spielt unentwegt. Wir müssen nur beiseite rücken und dem Ver-Rückten einen Ort einräumen.</p>
<h4>Das neue Gastmahl</h4>
<p>Als in Platons Gastmahl alle Anwesenden eine Rede über den Eros vorgetragen haben, kommt abschließend der betrunkene, schalkhafte Narr Alkibiades zur Gesellschaft hinzu. Er setzt sich mitten zwischen den Gastgeber Agathon und den großen Philosophen Sokrates. Sokrates wird bei seiner Rede über den Eros von der weisen Diotima inspiriert, er spricht aus dem transzendenten Bereich. Agathon, als Gastgeber, bietet den irdischen Rahmen. Alkibiades aber, der Dritte, der Mittlere, ist derjenige, der im Grenzbereich zwischen den Welten zuhause ist und dort spielt. Er verkörpert die Prise Ver-Rücktheit, derer es bedarf, um die Kunde des Sokrates zu vernehmen. Sokrates, der auch als der verkopfte Philosoph gilt und dem seine Träume mehrfach eingegeben haben, er solle Musik treiben (d.h. sich intensiver der Gestimmtheit seiner Gefühle zuwenden), jener Sokrates, der sich von niemandem belehren lässt, sondern selbst alle belehrt, er tritt im Gastmahl beiseite und lässt Diotima durch sich sprechen. Doch die Diotima in Sokrates, also die inspirierende Liebes-Weisheit hinter dem intellektuellen Denken, können wir nur vernehmen, wenn wir in der Mitte Platz bewahren für den unbekümmerten, unvoreingenommen Narren Alkibiades. Er bringt eine Prise dionysischen Rausch ins Spiel, indem er die Anwesenden fragt: „Wollt ihr mit mir zechen oder nicht?“ Da hatten nun alle aufgejubelt und ihn aufgefordert einzutreten, heißt es im Text. Nur der Narr in uns vermag auf die erdrückende Beweislast zu pfeifen und den Spruch des Aristoteles, der diesem Artikel vorangestellt ist, zu verstehen und zu beherzigen. So bemerkt dann auch Sokrates, dass der kunstgerechte Tragödiendichter zugleich auch Komödiendichter sein müsse. Der Narr ist (im Sinne des Aristoteles) gerade der Wohl-Erzogene, da er unverdorben ist von gelehrten Meinungen. Er kann dort lachen und Humor zeigen, wo andere mit ernster Miene meinen, um jeden Preis ein festgeschriebenes Gesetz achten zu müssen. Um einen fruchtbaren Dialog zwischen Wissenschaft und Spiritualität in Gang zu setzen, bedarf es zur Vermittlung einer heiteren Ver-Rücktheit und eines spielerischen Humors. Weder mit dem dogmatischen Ernst religiöser Gläubiger noch mit dem Ernst des Beweisen-Müssens der Wissenschaftsvertreter kann eine Annäherung stattfinden – wohl aber, wenn beide Seiten im Sinne von Platons Gastmahl miteinander zechen, spielen und disputieren.</p>
<h4>Wissen und Vertrauen</h4>
<p>Nehmen wir in der angedeuteten Weise an dem gemeinsamen Gastmahl teil, dann vermag auch jeder dem anderen das Seine zu lassen. Gerade durch die bahnbrechenden Ergebnisse der neueren Wissenschaft besteht auch für die spirituelle Seite die Gefahr, allzu sehr mit dem großartigen Beweismaterial zu liebäugeln. Wir sollten uns endlich mit dem Gedanken anfreunden, dass es für den transzendenten Bereich keinen zwingenden Beweis im herkömmlichen Sinne geben kann und auch gar nicht geben muss. Auch die neuesten Entdeckungen der Quantenphysik können jene Beweise nicht liefern. Ebenso wenig wie etwa die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, auch wenn ihr Name dies – vielleicht etwas missverständlich – suggeriert. Man kann, als ver-rückter Mensch – der sich aber gerade dadurch erst in sein wahres Menschenwesen zurecht rückt – einsehen, dass es etwas Transzendentes gibt, aber diese denkerische Einsicht spricht sich uns gerade nicht durch den Beweis zu (es wäre dies lediglich ein berechnendes Denken), sondern durch die innere Erfahrung eines Herz-Denkens. Die Hoffnung, die Wissenschaft könne in Zukunft das Menschen<em>wesen</em> immer besser erklären, beruht auf einem Denkfehler. Auch wenn etwa durch die Biologie in der DNA eine ähnliche Struktur entdeckt wurde wie im jahrtausendealten chinesischen I Ging <sup class='footnote'><a href="#fn-4588-3" id='fnref-4588-3'>3</a></sup>, beweist diese Forschung keineswegs die Wahrheit oder Gültigkeit des I Ging. Es zeigt sich eine Analogie, eine Entsprechung von Psyche und Materie, einer geistigen und körperlichen Ebene, die uns wundervoll anmutet. Und sie<em>ist</em> auch voller Wunder, aber nicht voller Beweise. Es würde in das heilloseste Chaos führen, wenn spirituelle Menschen heute ihre Bestätigung aus den neuesten Forschungen der Wissenschaft beziehen und infolgedessen stolz verkünden würden: „Und Meister Eckhart hatte doch recht, und Laotse auch und auch die Mythen und die religiösen Schriften.“ Das Denken hat eine völlig andere Qualität, wenn es durch sich selbst, aus eigener Kraft, zu der Einsicht gelangt, dass etwa im <em>Tao te king</em>und in den Mythen tiefe Wahrheiten ausgesprochen sind. Dann wurzelt das Herz-Denken in sich selbst. Nur wenn das Denken misstrauisch und wankelmütig wird, wenn es den Bezug zu den Empfindungen verliert, wenn es schwach wird und seiner eigenen Kraft nicht mehr vertraut, dann bedarf es der Stützen durch wissenschaftliche Beweise. Sie sind dann wie Krücken für den Beinbruch des Denkens.</p>
<p>Aber auch wenn das Herz-Denken der Wissenschaft nicht als Stütze bedarf, wird diese Wissenschaft nicht überflüssig oder unwichtig. Viele neueste wissenschaftliche Ergebnisse künden von dem Wunder der Analogie, von dem hermetischen Grundsatz „wie oben, so unten“. Die Naturwissenschaft beweist nicht die Wahrheit dieses Satzes, aber sie lässt uns teilhaben am Staunen über die Struktur der Welt. Wenn die Wissenschaft uns in dieser wundervollen Weise staunen lässt, dann befeuert sie uns und wird selbst zu etwas Wunderbaren. Wenn uns die Wissenschaft lediglich als Beweis für einen letzten Rest-Zweifel dient, durch den wir endlich nicht mehr glauben müssen, dann schwächt sie uns. Das Vertrauen ist ja gerade eine Kraft, die wir dann benötigen, wenn wir nicht wissen können. Würden wir alles wissen, dann würden wir in einer vertrauenslosen Welt leben, es wäre eine sehr kalte, mechanistische Welt. Doch was für ein zauberhaftes Geschenk ist es, wenn uns ein Mensch Vertrauen schenkt, wenn er an uns glaubt, gerade dann, wenn er nicht weiß, ob wir das in uns gesetzte Vertrauen auch bestätigen werden. Vertrauen-Geben ist immer eine freiwillige Herzens-Gabe des Nicht-Wissens. Vertrauen-Empfangen ist immer eine aufbauende Herzens-Gabe, die uns zu mutvollen Taten befähigt. Spielen wir also ein bisschen ver-rückt und wagen wir wie der Narr den vertrauensvollen Sprung ins Ungewisse, denn dort und nur dort finden wir Vertrauen in uns und unsere Weggefährten: in die Menschen und ihr Wesen.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmal im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2011/september/wenn-vertrauen-tiefer-reicht-als-beweise/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Sept. 2011</a></em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4588-1'><em> 4. Buch</em>, 4. Kapitel, 1006a 6f. / vgl. auch Martin Heidegger, <em>Zollikoner Seminare</em>, Frankfurt 2006, S.6 sowie <em>Der Satz vom Grund</em>, Pfullingen 1957, S.29 <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4588-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-4588-2'>Wodurch freilich noch nichts über den Sinn oder Unsinn des jeweiligen spirituellen Inhalts ausgesagt ist. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4588-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-4588-3'>Die Arithmetik des I-Ging ist verwandt mit der des genetischen Codes. Die 64 Hexagramme (Doppeltrigramme) des I-Ging  entsprechen den 64 möglichen Codons des genetischen Codes, die ebenfalls aus Tripletts aufgebaut sind.  – vgl. u.a. Marie-Louise von Franz, Psyche und Materie, Daimon Verlag &amp; Martin Schönberger, Weltformel I Ging und genetischer Code, Windpferd Verlag <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-4588-3">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/03/05/wenn-vertrauen-tiefer-reicht-als-beweise/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Innere Kälte</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/02/27/die-innere-kalte/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/02/27/die-innere-kalte/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 13:11:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yves Patak</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionen]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Yves E. Patak]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4530</guid>
		<description><![CDATA[Während die Kältewelle unbarmherzig über Europa und auch unsere Schweiz hinweg rollte, machte ich mir Gedanken zu jener ‚Kälte der anderen Art‘, die mir in meiner Praxis immer wieder begegnet. Ich spreche von der inneren Kälte, unter der so viele Menschen zu leiden scheinen. Damit ist nicht die Kälte gemeint, die den ‚eiskalten Killer‘ im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/IMG_2315.jpg" rel="lightbox[4530]"><img class="alignright  wp-image-4532" style="margin-left: 10px;" title="Die innere Kälte - (cc) Heinz Robert" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/IMG_2315-300x193.jpg" alt="" width="200" height="129" /></a>Während die Kältewelle unbarmherzig über Europa und auch unsere Schweiz hinweg rollte, machte ich mir Gedanken zu jener ‚Kälte der anderen Art‘, die mir in meiner Praxis immer wieder begegnet. Ich spreche von der <em>inneren</em> Kälte, unter der so viele Menschen zu leiden scheinen. Damit ist nicht die Kälte gemeint, die den ‚eiskalten Killer‘ im Krimi auszeichnet, sondern die Kälte, die der Betroffene empfindet, weil er nicht genug Seelenwärme bekommt. Manchmal erscheint es mir, als litte fast jeder Mensch unter einer Einsamkeit, die weder Internet-Partnerbörsen noch Facebook mildern können.</p>
<p>Wir sprechen hier vom Ur-Mangel im tiefsten Sinn: dem Gefühl der fehlenden Liebe, Zuwendung, Bewunderung, Anerkennung etc. Offenbar neigt der Mensch zu der Illusion, dass er einsam und allein auf dem Planeten Erde durch die Kälte des Universums kreist, ziellos, sinnlos, ungeliebt, unverstanden.</p>
<p>Lassen Sie uns ein wenig darüber philosophieren, wie wichtig es ist, diese schmerzliche Illusionen zu durchbrechen, um glücklich und gesund zu werden. Ich denke dabei auch an ein augenzwinkerndes ‚Spirituelles Manuskript‘, das mir vor Jahren in die Hände gelangte. Der Essay endete mit dem Satz:</p>
<p><em>„Jeder Mensch wird jederzeit begleitet, beschützt und geliebt. Alles andere ist Illusion.“</em></p>
<p>Man kann auf solche Sätze mit Skepsis reagieren oder mit Zynismus — oder sich mal überlegen, ob etwas daran sein könnte. Wissen wir es denn besser?</p>
<p>Doch lassen Sie uns eintauchen in die Thematik der Seelenkälte — bis uns allen so richtig warm ums Herz wird!</p>
<h4>Die Illusion der Einsamkeit</h4>
<p>Wenn Ärzte Krankheiten begegnen, suchen sie nach Ursachen. Logisch. Genau genommen suchen ja alle Menschen nach Ursachen, weil etwas in uns automatisch annimmt, dass die Ursache zur Lösung führen wird. Doch schon der großartige Psychiater Steve de Shazer bemerkte, dass man das Problem nicht immer kennen muss, um eine Lösung zu finden.</p>
<p>Was mich bei Krankheiten und Problemen immer wieder besonders interessiert, ist der „gemeinsame Nenner“, den man zur Gesundung eventuell nutzen könnte. Einer dieser Nenner erscheint mir besonders interessant: Fast jeder meiner Kunden empfindet sich in seiner Krankheit irgendwie allein. Abgetrennt, losgelöst, ungerecht bestraft. „Warum ich?“ fragen sie. Die Botschaft zwischen den Zeilen ist: „Ich bin allein in meinem Kummer. Ich trage dieses schreckliche Schicksal allein. Es grenzt mich von allen anderen aus. Ich bin nicht mehr dabei.“</p>
<p>Das Gefühl des Allein-Dastehens verbindet die Opfer aller möglichen Krankheiten — ob psychisch oder körperlich — wie ein unsichtbares Band. Diese Erkenntnis hat wahrscheinlich zur Idee der Selbsthilfegruppe geführt. In diesen nützt den Mitgliedern nicht nur das Wissen der anderen, sondern vor allem auch die Erkenntnis: „Ich bin nicht allein mit meinem Problem!“ Diese Erkenntnis tut gut, auch wenn sie logisch betrachtet auch nicht zur Lösung beiträgt. Aber wo ist der Mensch schon logisch?</p>
<p>Hier beginnt jedoch in meinen Augen ein wichtiger Faktor des Heilungsprozesses: Der Betroffene sollte erkennen, dass er erstens nur einer von unzähligen Betroffenen einer bestimmten Situation ist, und zweitens viele seiner Schicksalsgenossen täglich beweisen, dass es einen möglichen Ausweg gibt. Einen <em>inneren</em> oder einen <em>äußeren</em>.</p>
<p>Die meisten Menschen sehen nur den äußeren. Und hier liegt die Wurzel des ‚Sackgassen-Syndroms‘ — jenes schrecklichen Gefühls, dass ‚es einfach nicht mehr weitergeht‘. Dabei braucht man sich bloß einmal umzudrehen. Den Blickwinkel zu ändern.</p>
<p>Bereit dafür?</p>
<h4>Die Illusion des Unlösbaren</h4>
<p>Wie oben erwähnt, ist das Gefühl, einsam und hilflos in einer ausweglosen Situation zu stecken oft überwältigend. So überwältigend, dass man dabei völlig vergisst, dass es keine wirklichen Probleme gibt, sondern nur <em>Situationen</em>. Diese sind neutral. <em>Wir</em> allein geben ihnen ihren emotionalen Wert!</p>
<p>Denken wir zum Beispiel an Stephen Hawking — den genialen Astrophysiker, der seit Jahrzehnten völlig gelähmt und sprachunfähig im Rollstuhl sitzt und (theoretisch) schon längst tot sein müsste. Stephen Hawking ist allem Anschein nach – trotz seines ‚schrecklichen Schicksals’ – ein glücklicher, aktiver Mensch! Er ist das lebendige Beispiel, dass es in unserem Leben nie die <em>Situation</em> ist, die uns Leid bringt, sondern unsere <em>Einstellung</em> dazu.</p>
<p>Sobald der Mensch leidet, vergisst er meistens sehr schnell, dass es stets <em>zwei</em> Wege gibt: Die Lösung im Innen — oder die Lösung im Außen. Doch warum laufen wir wie die Halbblinden immer wieder gegen dieselbe Wand? Weil unser Ego die Lösung ‚im Innen’ als unattraktiv taxiert und unseren Blick deshalb stur auf die ‚echte Lösung’, sprich, die Lösung im Außen richtet. Und schon sitzen wir in der Falle.</p>
<p>Wenn ich einsam bin, kann ich entweder in die Welt hinaus und neue Freunde, eine Partnerin, einen Ehemann suchen — oder ich lerne, die Einsamkeit als bereichernden Zustand zu erleben. Mal ehrlich: klingt das für Sie nach einer echten Alternative? Falls nicht, dann hat soeben Ihr Ego wieder zugeschlagen!</p>
<p>Einige Leser mögen jetzt sagen: „Ja, wenn‘s mit der Lösung im Innen doch so einfach wäre!“</p>
<p>Moment mal: es hat nie jemand behauptet, das Leben wäre einfach! Es steht auch nirgends geschrieben, dass es einfach sein <em>soll!</em> Das Leben ist eine Kunst, die gelernt werden will. Manchmal geht‘s um den Kampf. Manchmal um die Akzeptanz — so wie im altbekannten Gelassenheitsgebet so treffend beschrieben:</p>
<blockquote><p><strong><em>„Herr, gib mir die </em></strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheit" rel="external nofollow"><strong><em>Gelassenheit</em></strong></a><strong><em>, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den </em></strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mut_(Tugend)" rel="external nofollow"><strong><em>Mut</em></strong></a><strong><em>, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die </em></strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit" rel="external nofollow"><strong><em>Weisheit</em></strong></a><strong><em>, das eine vom anderen zu unterscheiden!“</em></strong></p></blockquote>
<p>Der beste Moment, diese Weisheit zu beherzigen, ist wie immer — jetzt!</p>
<p>Der Winter ist nicht einfach nur eine ‚kalte Jahreszeit’. Wie schon die alten Chinesen so weise beobachteten, können wir lernen, mit der Natur in Harmonie die verschiedenen Lebensphasen zu durchleben. Im Winter zieht sich alles zurück. Viele Tiere halten Winterschlaf, die körperliche Aktivität wird gedrosselt, und in der Stille unter der Schneedecke ergibt sich Raum, um nachzudenken. Im Winter können wir uns die Zeit nehmen, zu erkennen, welche Probleme wir im Außen und welche im Innen lösen sollten — und packen sie im Frühling, wenn die Sonne uns neue Kraft schenkt, mit Mut und Tatkraft an!</p>
<h4>Blick aus dem Universum</h4>
<p>Eine kleine mentale Hilfe ist die „Reise ins Universum“. Nehmen wir an, Sie haben ein Problem, ein seelisches oder körperliches. Sie sind verzweifelt, finden keine Lösung, sind überzeugt, der ärmste, vom Schicksal am meisten gebeutelte Mensch zu sein.</p>
<p>Schließen Sie die Augen. Schweben Sie im Geist zwei Meter über sich selbst und betrachten Sie sich in Ihrem Leid. Fühlen Sie, wie es etwas weniger weh tut, wenn man (mental) Distanz gewinnt. Nun schweben Sie noch höher, 100 Meter über sich selbst und tun das Gleiche. Sieh an — Sie und Ihre Probleme sind schon ziemlich geschrumpft! Und nun geniessen Sie eine wunderbar schwerelose Reise ins Universum. Irgendwann sehen Sie unsere Erde als kleinen blauen Punkt. Sie wissen, dass es auf diesem blauen Punkt ein paar Milliarden Mikroben (Menschen) gibt, von denen Sie eine sind. Nur eine. Sie sind nicht einmal mehr sichtbar! Und Sie machen sich bewusst, dass diese Mensch-Mikroben, über die vier Milliarden Jahre Erdenzeit gesehen, nur eine knappe Hundertstelsekunde auf diesem blauen Punkt existieren.</p>
<p>Fühlen Sie bewusst, wie unbeschreiblich unwichtig und kurzlebig wir — vom Universum aus gesehen — sind. Reden Sie sich einmal ganz fest ein, dass nur Ihr Bewusstsein unendlich und ewig ist. Denn vielleicht stimmt es sogar dann, wenn Sie es nicht glauben.</p>
<p>Und nun werfen Sie nochmals einen Blick auf Ihr Problem. Fühlen Sie, wie unendlich klein und unwichtig es eigentlich ist — auch wenn Sie da unten auf der Erde das Gefühl hatten, es sei das Ende der Welt!</p>
<p>Wiederholen Sie diese Übung täglich beim Zähneputzen, und in einer Woche geht es Ihnen besser. Und ganz allmählich schmeckt Ihr Problem nach dem, was es immer schon war: nach einer Situation. Nicht mehr und nicht weniger.</p>
<p>Die innere Ruhe, die mit dieser gefühlten Erkenntnis eintritt, erlaubt uns in der Folge, uns um die konkreten Veränderungsmöglichkeiten zu kümmern – Hypnose, EFT, EMDR, Meditation, systemisches Aufstellen, um nur einige zu nennen – um auch die innerlichen ‚Rest-Probleme’ aufzulösen.</p>
<p>Das Leben ist eine Reise, die wie alle anderen Reisen Schritt für Schritt abläuft. Soeben haben Sie einen weiteren Schritt getan!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/02/27/die-innere-kalte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zeit ist Geld-Denken macht unzufrieden</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/02/09/zeit-ist-geld-denken-macht-unzufrieden/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/02/09/zeit-ist-geld-denken-macht-unzufrieden/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 22:24:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionen]]></category>
		<category><![CDATA[Mind]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4461</guid>
		<description><![CDATA[Glücksforscher: Geld behindert Beziehungen und Glücksstreben Toronto/Heidelberg (pte) — Wer Zeit vorrangig an ihrem finanziellen Wert misst, büßt dadurch an Zufriedenheit ein. Das behaupten kanadische Forscher im »Journal of Experimental Social Psychology«. »Wie wir die Zeit wahrnehmen, bestimmt in hohem Maß das persönliche Wohlbefinden. Menschen, die ständig an Geld denken, empfinden Stress und Ungeduld, sobald [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Glücksforscher: Geld behindert Beziehungen und Glücksstreben</h2>
<div id="attachment_4463" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/362984_web_R_K_B_by_Kurt-F.-Domnik_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4461]"><img class=" wp-image-4463 " title="Taschenuhr" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/02/362984_web_R_K_B_by_Kurt-F.-Domnik_pixelio.de_-300x201.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Zeit ist Geld — doch Geld nur Ersatzglück (Foto: pixelio.de/Domnik)</p></div>
<p>Toronto/Heidelberg (pte) — Wer Zeit vorrangig an ihrem finanziellen Wert misst, büßt dadurch an Zufriedenheit ein. Das behaupten kanadische Forscher im »Journal of Experimental Social Psychology«. »Wie wir die Zeit wahrnehmen, bestimmt in hohem Maß das persönliche Wohlbefinden. Menschen, die ständig an Geld denken, empfinden Stress und Ungeduld, sobald sie einmal nichts tun — auch in ihrer Freizeit. Sie können sich kaum mehr über einfache, kleine Dinge freuen«, sagt Studienleiter Sanford DeVoe von der <a href="http://rotman.utoronto.ca" target="_blank" rel="external nofollow">Rotman School of Management</a> in Toronto.</p>
<h4>Stressiges Nichtstun</h4>
<p>Einen Hinweis dafür haben die Wissenschaftler in einer Versuchsreihe erbracht. Sie baten Studenten, den künftigen Stundenlohn ihres Traumjobs zu berechnen, während anderen diese Aufgabe erspart blieb. Nur wer sich mit dem Geldwert von Zeit beschäftigt hatte, zeigte im Anschluss weniger Zufriedenheit und konnte in den Testpausen das Nichtstun nicht genießen. Entspannen konnten sich diese Versuchspersonen erst dann, als ihnen die Forscher eine kleine Summe für das Musikhören versprachen.</p>
<h4>Geiz, Gier und Verschwendung</h4>
<p>»Die Beschäftigung mit Geld kann viele negative Gefühle auslösen, die das Glücksstreben behindern — allen voran Geiz, Gier und Verschwendungssucht«, erklärt der Glücksforscher <a href="http://fritz-schubert-institut.de" target="_blank" rel="external nofollow">Ernst Fritz-Schubert</a> im pressetext-Interview. Geld belastet Beziehungen: Kommt es ins Spiel, rücken Partner messbar auseinander — für Fritz-Schubert ein Grund, warum man mit Freunden besser keine Geschäfte abschließt. »Reichtum macht nicht immer glücklich«, so der Experte.</p>
<p>Damit schwingt jedoch auch mit, dass Geld manchmal durchaus zufriedener macht. Zutreffen dürfte dies laut Studien einerseits, solange Grundbedürfnisse nicht befriedigt sind, also etwa bei Menschen unter dem Existenzminimum. Ist der Wohlstand bereits gegeben, steigt das Wohlbefinden durch Geld jedoch nicht mehr, zeigt die BIP-Entwicklung ab 1970. »Es kommt sehr darauf an, wie viel Geld man bereits auf dem Konto hat und wie sinnstiftend man es einsetzt«, betont Fritz-Schubert.</p>
<h4>Bindung statt Sportwagen</h4>
<p>Um nicht in die Zeit-ist-Geld-Falle zu tappen, rät der Experte einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. »Wir beschäftigen uns zunehmend mit dringlichen Dingen, vergessen aber auf das Wichtige und Glücksbringende. Die Technologisierung und Informationsflut etwa geht auf unseren Wunsch nach mehr Effizienz zurück. Wir sparen damit Zeit, nutzen sie aber nicht für Wichtiges, sondern vertreiben sie wieder. Mit ein wenig Überblick kann man dies jedoch durchschauen.«</p>
<p>So zeigte Fritz-Schubert in Persönlichkeitstrainings mit Jugendlichen und Erwachsenen, dass hinter dem Wunsch vieler nach einem Sportwagen andere Ziele stecken. »Fast einhellig wollen junge Burschen damit das schönste Mädchen erobern, den Respekt der Eltern und Nachbarn erkämpfen und Spaß am Fahren mit acht Gängen erleben — also Bindung, Anerkennung und Neugier. Bietet man stattdessen immerwährende Freundschaft, Gelassenheit und Humor, erkennen viele, dass sie ihre Absichten dadurch ohnehin verwirklichen würden, ohne dabei die negativen Begleiterscheinungen von Geld als Ersatzglück in Kauf nehmen zu müssen«, berichtet der Forscher.</p>
<p><em>PDF-Download der Studie unter <a href="http://www.rotman.utoronto.ca/facbios/file/DeVoe%20and%20House,%20JESP.pdf" rel="external nofollow" target="_blank">http://www.rotman.utoronto.ca/facbios/file/DeVoe%20and%20House,%20JESP.pdf</a></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/02/09/zeit-ist-geld-denken-macht-unzufrieden/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	
	<div style="display: none;" id="wikipopFrame"><iframe id="theFrame" style="border: none;" name="theFrame" width="340" height="400" src=""></iframe></div>

</channel>
</rss>

