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	<title>OpenMindJournal &#187; Tantra</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Lebenspraxis und Change</description>
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		<title>Durch Beziehung zur Erleuchtung</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 12:48:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Plädoyer für die Wiedergewinnung der Spiritualität des Weiblichen Miranda Shaw erforschte in ihrem rund 300 Seiten umfassenden Werk Erleuchtung durch Ekstase detailliert die geschichtlichen Traditionen der Frau. Sie plädiert dabei für eine bewusste Integration der wohl grundlegendsten spirituellen Urformen des Weiblichen in das moderne Leben. Ihre Arbeit ist aus dem tibetischen Buddhismus abgeleitet. Wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Ein Plädoyer für die Wiedergewinnung der Spiritualität des Weiblichen</h2>
<p><em>Miranda Shaw erforschte in ihrem rund 300 Seiten umfassenden Werk Erleuchtung durch Ekstase detailliert die geschichtlichen Traditionen der Frau. Sie plädiert dabei für eine bewusste Integration der wohl grundlegendsten spirituellen Urformen des Weiblichen in das moderne Leben. Ihre Arbeit ist aus dem tibetischen Buddhismus abgeleitet. Wir beschreiben ihre wichtigsten Thesen.</em></p>
<div id="attachment_3732" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4c75881e99fb9_s.jpg" rel="lightbox[3728]"><img class="size-medium wp-image-3732 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4c75881e99fb9_s-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / love © Petra Bork</p></div>
<p>Als Professorin für Buddhistische Studien unterrichtet Shaw am Department für Religion der Universität von Richmond/Virginia. Sie steht für eine integrative und organische Umwandlung des westlich geprägten Frauenbildes – durch Hilfe von spirituellen Urbildern, welche sie als Wissenschaftlerin intensiv erforschte. Grundlegend für die Arbeit von Shaw ist die dem tibetischen Tantrismus innewohnende Synthese von Spiritualität und Sexualität. Shaw beschreibt sie aus weiblicher Sicht. Dabei stellt sie die Frau in überraschender Weise in eine neue Verantwortlichkeit, indem sie ihr die Rolle der geistigen Hüterin und Verwandlerin einer maskulinen und triebgeführten Sexualität zuweist. Shaw verleiht der Frau eine erstaunliche Autorität: „Die Identifikation mit göttlichen weiblichen Rollenmodellen gab Frauen ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, den ‚göttlichen Stolz‘, der durch das Erwecken der eigenen, ursprünglichen Göttlichkeit entsteht. Das Vorhandensein göttlicher Vorbilder, die sich ihrer Weiblichkeit furchtlos und frei von Hemmungen erfreuten, scheint Frauen zu körperlicher und geistiger Abenteuerlust inspiriert zu haben. Sie sprachen furchtlos die Wahrheit, und wenn ihnen der Sinn danach stand, waren sie streitbar und forsch. In den tantrischen Biographien weisen Frauen einen Mann offen und ohne Entschuldigung zurecht, um ihn an die direkte Sicht der Realität zu erinnern. Dazu fordern sie seine Vorurteile heraus, zerstören lieb gewordene Illusionen oder lassen ein aufgeblasenes Selbstbild zerplatzen.“</p>
<h4>Gemeinsame Hingabe an religiösen Ziele und Ideale</h4>
<p>In Feldstudien und Recherchen zu ursprünglichen Lehrtexten des tibetischen Buddhismus zeigt sie kritisch auf, wie gerade die Quelle der weiblichen Autorität durch die männliche Machtposition auch in veränderten Auslegungen der tantrischen Lehre vertuscht wurde. Dort nämlich und ebenso in vielen verkürzten Auslegungen der modernen westlichen Welt, geht es oft nur um die Frau (und die Sexualität als solche) in einer reduzierten physisch-sinnlichen Form, ohne den Freiheitsaspekt der geistigen Entwicklung der Frau zu berücksichtigen.</p>
<p>„Dieser Furchtlosigkeit, die frei war von Unterwürfigkeit, entsprachen auch die tantrischen Partnerschaften. Die Frauen mussten keine Beziehungen zu Männern eingehen, um sich selbst zu bestätigen, ihr soziales Ansehen oder die moralische Ordnung aufrechtzuhalten. Dies gab der Frau die Freiheit, Beziehungen nur zum Zweck ihrer eigenen Erleuchtung einzugehen. Die Basis der tantrischen Beziehungen war die leidenschaftliche Hingabe an dieselben religiösen Ziele und Ideale.“</p>
<p>Der tiefe und genaue Einweihungsweg der weiblichen Daikini (einer weiblichen Lehrerin im tantrisch-tibetischen Sinne) umfasste jedoch ursprünglich weitaus komplexere Aufgabenstellungen: „Die Übung, Frauen als weibliche Buddhas zu sehen, gab den Männern die Möglichkeit, unerleuchtete Gedankenmuster abzubauen, vor allem männliche Überlegenheitsgefühle und Vorurteile. Die Ehrerbietung des Mannes gegenüber der Frau zeigt, dass er eine Beziehung einzugehen bereit ist, in der nicht sein Ego oder seine Bedürfnisse im Vordergrund stehen, sondern die Erleuchtung beider Partner.“</p>
<p>Es wird uns im anthroposophischen Zusammenhang nicht erstaunen, dass es dabei gerade durch die Verwandlung der triebhaft gesteuerten Sexualität zu einer Vereinigung im Geiste kommen soll. Miranda Shaw plädiert dabei nicht für eine Rückkehr zu prämodernen magisch-mythisch anmutenden Ritualen, sondern fordert unmissverständlich die Rückkehr der weiblichen Würde: Durch eine klare und schöpferische Kontaktaufnahme der Frau zu ihren inneren Wesensquellen. Gleichzeitig fordert sie vom Mann die unabdingbare Bereitschaft, der weiblichen Kraft zu dienen und durch sie die reiche und schöpfende kosmozentrische wie auch persönliche Göttin wieder in das Zentrum der Erde zu stellen. Dabei verbindet sie eloquent eine bewusste weibliche Spiritualität mit tiefem Respekt und Demut vor dem geistigen Entwicklungsweg innerhalb einer verbindlichen und treuen Partnerschaft.</p>
<p><em>Zum Weiterlesen:<br />
</em>Miranda Shaw: <em>Erleuchtung durch Ekstase</em>. Frauen im tantrischen Buddhismus. Krüger in Fischerverlage, Frankfurt.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2011/juli/durch-beziehung-zur-erleuchtung/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Juli 2011</a></p>
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		<title>Reife und Eros</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/09/30/reife-und-eros/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 07:56:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kirzhner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[… oder warum sich der tantrischer Weg am besten für Frauen ab 45 eignet. Weibliche Sexualität im reifen Alter Zu diesem Text wurde ich inspiriert, als ich am 18.09.2011 im Freud-Museum in Wien meditiert habe. Am Tag davor habe ich einer wunderbaren reifen Frau eine lange Tantramassage gegeben, die auch mich sehr bald in eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>… <strong>oder warum sich der tantrischer Weg am besten für Frauen ab 45 eignet.</strong></h2>
<h4>Weibliche Sexualität im reifen Alter</h4>
<p><em><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/statue-reifer-eros-psyche.jpg" rel="lightbox[3034]"><img class="size-medium wp-image-3036 alignright" style="margin-left: 10px;" title="Statue reifer Eros und Psyche" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/statue-reifer-eros-psyche-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a>Zu diesem Text wurde ich inspiriert, als ich am 18.09.2011 im Freud-Museum in Wien meditiert habe. Am Tag davor habe ich einer wunderbaren reifen Frau eine lange Tantramassage gegeben, die auch mich sehr bald in eine tiefe Ekstase geführt hat. Nun saß ich am Boden in Freuds Behandlungszimmer, und verschiedenste Bilder gingen mir durch den Kopf: ich sah meine Mutter und mich als Kind, Hysterikerinnen auf der Couch, tanzende Musen, fliegenden Eros und die Aphrodite am Meer. Ich habe wahrgenommen, wie die heilende Energie dieses Raumes meinen Körper durchdringt, und dass auch ich in der Lage bin meinen kleinen Beitrag zur sexuellen Heilung zu leisten.</em></p>
<p>Mit ca. 45 Jahren beginnt die weibliche Sexualität zum zweiten Mal zu blühen. Dies ist mit der Wiedererweckung der Lust und mit einer Renaissance der göttlichen erotischen Leidenschaft verbunden. In der Sexual– und gendertheoretischen Forschung ist es weitläufig bekannt, dass die Geschlechtsunterschiede mit den Jahren nachlassen, dass Frauen im Alter immer männlicher werden und Männer weiblicher. Das bedeutet, dass der weibliche Körper nicht nur mehr Oxytozin, sondern auch mehr Testosteron produziert, und dass die Lust dadurch viel kraftvoller und zielgerichteter wird: es ist nicht mehr nur eine gebende Lust, sondern auch eine nehmende. Die Frau weiß nun genau, was sie will, und fühlt sich ganz bereit, die starke männliche Lust zu empfangen (da sie sie jetzt selbst auch verspürt!).</p>
<p>Zugleich werden reife Frauen immer besser mit ihrem Körper vertraut, entwickeln ein stärkeres Leibgefühl, können ihre Emotionen bewusst beherrschen und steuern, und insgesamt sind sie viel offener für körperliche Liebe.</p>
<p>Leider steht diese natürliche, biologische Entwicklung der Frau nicht immer im Einklang mit der sexuell-kulturellen und sozialen Entwicklung der Gesellschaft. In unserer Kultur werden vor allem junge Frauen sexuell gefördert und gefordert. Es hängt hauptsächlich mit dem weit verbreiteten Wunsch der Männer nach einem frischen, jungen und schönen Körper zusammen, der durchaus biologisch (die Zeugung eines gesunden Nachkommens) bedingt ist. Nur hat die Liebe und das Vergnügen am Sexuellen bei der Frau in dieser Altersstufe nicht mehr so viel mit der Zeugung zu tun.</p>
<p>Die reifen Frauen sind aber genauso liebens– und begehrenswert wie die jungen, oder sogar noch viel mehr! Denn sie bringen viel mehr Lebens-, Gefühls– und Körpererfahrung ins Spiel und tauchen in die sexuelle Welt viel tiefer ein, mit einem stärkeren erotischen Gespür, mit viel Herzenergie, manchmal ein wenig ruhiger als die junge Frauen, doch gleichzeitig mit einer großen Leidenschaft und Hingabe. Ja, vor allem diese wachsende <em>Fähigkeit zur Hingabe</em> ist die Eigenschaft, die Frau erst mit den Jahren entwickelt. Unglücklicherweise ist oft kein Mann da, der diese Fähigkeit schätzen und die sich hingebende Frau liebevoll (an)nehmen kann. Der junge Mann sieht sie aufgrund seiner streng-konventionellen Erziehung und seines an traditionellen Archetypen angelehnten Weltbildes kaum als potenzielle Liebespartnerin, und der alte Mann ist in diesen Jahren oft nicht mehr potent genug, um mit so einer lustvollen und leidenschaftlichen Frau zusammen zu sein. Dies scheint für die reife europäische Frau trotz aller stattgefundenen sexuellen Revolutionen eine traurige Entwicklung (oder eher Enttäuschung?) zu sein, die eng mit der Tabuisierung und der komplexen Geschichte der Sexualität in unserer Kultur zusammenhängt.</p>
<p>Es erklärt aber zugleich ganz genau, warum Frauen erst in diesen Jahren die Welt des Tantra für sich entdecken. Tatsächlich: alles, was vorher gesagt wurde, schafft für die reife Frau ideale Voraussetzungen, um mit ca. 45 Jahren mit der tantrischen Praxis zu beginnen. Darum sind in der tantrischen Szene junge Frauen kaum zu finden. Diese Szene bietet aber vor allem den älteren Frauen den idealen Raum, um sich mit ihrem Körper und mit ihrer Sexualität auseinanderzusetzen, um ihre Lust nicht nur zu studieren, sondern <em>in einem achtsamen, bewussten und verantwortungsvollen Rahmen wahr-zu-nehmen und zu er-leben</em>.</p>
<h4>Versuch einer integralen Sicht</h4>
<p>Aus der Sicht des AQAL bedeutet dies zusammengefasst für 4 Quadranten Folgendes:</p>
<p>Im Innerlich-Individuellen verspüren viele Frauen in diesem Alter viel erotische Lust, die im weiten Rahmen der reifen Körperwahrnehmung, der Herz-Energie, des Mitgefühls, der Mutter-Erfahrung und des spirituellen Geistes entsteht. Sie können sich aber nicht wirklich sexuell verwirklichen, bzw. kann sich ihre Lust nicht nach außen in der Fülle entfalten. Diese durchaus krisenähnliche Situation kann sich durch Mangel-, Einsamkeits– oder Kompensationsgefühle und Gefühle des Zukurzgekommenseins verstärken. Wir haben aber gesehen, dass das, was sich als inneres persönliches Problem zeigt, vielmehr eine transpersonale und kulturelle Fehlentwicklung darstellt.</p>
<p>Von der außen-individuellen Perspektive werden diese Frauen daher oft als bedürftig, manisch oder süchtig wahrgenommen. Die erhöhten Oxytozin-Werte werden klischeehaft als Ausdruck der mütterlichen Gefühle interpretiert, die Testosteron-Werte entweder als altersbedingt und »normal« oder sogar als aggressive, gestörte oder homosexuelle Tendenzen.</p>
<p>Im Kollektiv-Inneren findet reife Lust daher keine Anerkennung, denn die immer noch patriarchal-betonte Gesellschaft tut ihr Bestes, um sie zu unterschätzen bzw. zu verdrängen. Mit anderen Worten, es ist die unterdrückte Angst der Männer, sich impotent zu zeigen, die aus dem Schatten in Form einer negativen Bewertung der reifen weiblichen Lust wirkt. Es handelt sich für diese Männer um den Kali-Aspekt der Parvati, vor dem sich viele Herren unserer Zeit, die ihr männliches Schiva-Prinzip wegen einer distanzierten/gestörten Beziehung zur Mutter nicht verwirklichen konnten, fürchten. An dieser Stelle geht die postmoderne psychoanalytische Sicht Hand in Hand mit dem hinduistischen Mythos.</p>
<p>Im kollektiv-äußeren Quadranten kann es uns gelingen, dieses Phänomen als Kultur-Krankheit zu sehen und zu interpretieren, um mögliche Therapiemethoden zu finden. Eine solche Art von Therapie kann die Praxis des sexuellen Tantra darstellen, durch die Männer zu ihrem himmlischen Sein/Erkennen und Frauen zu ihrer irdischen Lust Zugang finden. Dann wird der Mann in der Frau die lustvolle, begehrenswerte und liebenswerte Göttin wiedererkennen. Die Frau kann dann in ihrer reifen Lust nicht nur selbstbewusst ruhen, sondern sie wird auch gesehen, begehrt, angenommen und geliebt.</p>
<h4>Ganzheitliche Tantramassage für Frauen ab 45 als sexuelle Heilungspraxis.</h4>
<p><em>Ganzheitliche Tantramassage für die Frau ab 45</em><strong> </strong>stellt eine perfekte Möglichkeit dar, in die Welt des Tantra einzutauchen und sich darin zu vertiefen. Authentische, zärtliche und feine Tantramassage stiftet <em>Mitgefühl und Angenommensein</em>, reife Frauen fühlen sich darin zutiefst <em>respektiert, gesehen, berührt und ausbalanciert</em>. Integrale Tantramassage hilft auch Kraft und die Quelle des Lebens in der eigenen Lust zu finden und daraus zu schöpfen. Dabei spielt äußere Erscheinung keine Rolle. Vielmehr sind es <em>innere Qualitäten</em>, die ein Tantrika schätzen und zum Vorschein bringen wird: innere Reife, Körper– und Gefühlserfahrung, Vollkommenheit des Geistes und das Herz, die dank Tantramassage zur <em>Bereicherung, Entwicklung, Ekstase und Fülle in der Liebe</em> beitragen.</p>
<p>Die Praxis der liebevollen ganzheitlichen Tantramassage für die Frau ab 45 schafft es in ihren Fülle, gegen den Mainstream zum Licht zu schwimmen um die wunderbare Qualitäten der reifen Frauen zu fördern und die Ganzheit ihrer Erfahrungen vollkommen und bewusst zum Ausdruck zu bringen.</p>
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		<title>Die Heiligung der Sexualität</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/09/25/die-heiligung-der-sexualitat/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Sep 2011 12:00:10 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ist Tantra rituelle Sexualität? Ist Sex, dieses Wilde, Animalische, nun endlich eingefangen und gezähmt in einer spirituellen Disziplin, die zur Erleuchtung führt? Mich erinnert die Frage an den Gegensatz zwischen dem Dionysischen und dem Apollinischen, wie Nietzsche ihn 1872 in »Die Geburt der Tragödie« beschrieb. Dionysos, der griechische Gott der Ekstase und der rauschenden Feste, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist Tantra rituelle Sexualität? Ist Sex, dieses Wilde, Animalische, nun endlich eingefangen und gezähmt in einer spirituellen Disziplin, die zur Erleuchtung führt?</p>
<div id="attachment_2957" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/Gustave-Klimt_Altar-des-Dionysos_Burgtheater_Wien.png" rel="lightbox[2949]"><img class="size-full wp-image-2957" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/09/Gustave-Klimt_Altar-des-Dionysos_Burgtheater_Wien.png" alt="" width="200" height="125" /></a><p class="wp-caption-text">Gustav Klimt — Altar des Dionysos im Burgtheater Wien</p></div>
<p>Mich erinnert die Frage an den Gegensatz zwischen dem Dionysischen und dem Apollinischen, wie Nietzsche ihn 1872 in »Die Geburt der Tragödie« beschrieb. Dionysos, der griechische Gott der Ekstase und der rauschenden Feste, verkörpert das Wilde, Chaotische. Apollo, Gott der Künste und der Vernunft, verkörpert die Ordnung. Im Ritual gewinnt die Ordnung über das Chaos, Apollo dominiert Dionysos. Das zutiefst Wilde, Grenzen Sprengende der Sexualität wird in der Ordnung eines tantrischen Rituals eingefangen. Wirklich? Oder gibt sich nicht auch der Tantriker im Ritual einer berauschenden Erfahrung hin?</p>
<h4>Apollo und Dionysos</h4>
<p>Nietzsche sah in dem von ihm popularisierten Gegensatzpaar die Quelle aller großen Kunstwerke, im erweiterten Sinn die Quelle der Balance, die jeder Mensch in seinem Leben zu finden hat. Auch der tantrische Weg sucht diese Balance. Tantra schlägt sich nicht auf nur eine Seite, die von Apollo oder die von Dionysos. Einige der Tantralehrer in diesem Heft über Rituale betonen, wie wichtig es ist, die Vorschriften der Rituale einzuhalten – das sei der Weg der Transzendenz des Ego. Andere betonen die Übernahme von Selbstverantwortung für das, was jeder tut, sie wollen diese nicht an die Struktur des Rituals abgegeben wissen. Ich meine, dass die Anforderung, zwischen beidem eine Balance zu finden, für alle Lebensbereiche gilt, nicht nur für unser Sexualleben.</p>
<p>Tantra ist zwar ein spiritueller Weg, der die Sexualität einfangen und disziplinieren kann, vielleicht so, wie man ein Wildpferd einfängt und zähmt, aber auf die Wildheit, die unserem Leben Spannung und Energie gibt, sollten wir damit nicht verzichten. Das Tierische ist ja ein Teil von uns und bleibt ein Teil von uns, auch bei den Zivilisiertesten.</p>
<p>Rituale sind wichtig, aber sie sind nicht alles, und auch Rituale haben, wie jede Praxis, eine Oberfläche und eine Tiefendimension. Man kann ein Ritual ausführen und dabei alles korrekt machen und macht damit doch nur Dienst nach Vorschrift. Man eine katholische Messe seelenlos praktizieren, ein Tantraritual, ebenso jedes andere religiöse Ritual. Andererseits kann man auch die Bewegungen im Alltag so vollziehen, als seien sie etwas Heiliges, so wie es etwa die Praxis der japanischen Teezeremonie beabsichtigt und die des meditativen Gehens.</p>
<h4>Profanisierung</h4>
<p>Die Verwendung sexueller Motive in den Medien und in der Werbung hat zu einer Profanisierung der Sexualität geführt. Die meisten großen Religionen haben diese Urkraft wegen ihrer Wildheit und Unbezähmbarkeit gefürchtet, haben sie jahrhundertelang in die unteren Regionen des Menschseins verbannt – nicht nur im Christentum, auch im Kleinbürgertum der anderen Religionen. Aus dem Bewusstsein und den anständigen Bereichen der feinen Gesellschaft in die Sumpfgebiete verdrängt, trieb sie dort umso wildere Blüten – Sumpfblüten eben. Heute kommt kaum ein Roman oder Spielfilm ohne Sex aus; das Thema ist in unserem öffentlichen Leben so präsent wie nie zuvor in der Geschichte. So ist es einerseits leichter, darüber zu reden, auch für die Jugendlichen. Andererseits scheint dem Mysterium des Sexuellen und der Liebe sein Geheimnis genommen zu sein.</p>
<h4>Sex gehört auf den Altar</h4>
<p>Tantra ist avantgardistisch und postmodern genannt worden. Ja, gut, stimmt irgendwie. In gewisser Hinsicht ist es aber auch ein bisschen retro – die »Landlust« der sexuellen Revolution. Wir wollen es wieder so haben wie früher, so poetisch und geheimnisvoll. Wir wollen Liebe und Sex wieder als etwas Heiliges betrachten. Aber nun ohne den Sumpf und die Sünde, ohne die Diffamierung und Entwürdigung, die mit der Verteufelung des Tierischen einher ging. Die sexuelle Begegnung darf wieder ein sakraler Akt sein, sowas wie die Heilige Messe oder die Einweihung eines Tempels. Die Partner »weihen« einander als Gott und Göttin. Sex ist nichts Schmutziges, das aus der Kirche verbannt gehört, sondern im Gegenteil: Der Altar wäre eigentlich der richtige Ort dafür.</p>
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		<title>11 Regeln für eine gute Tantra-Massage</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/06/08/11-regeln-fur-eine-gute-tantra-massage/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Jun 2011 21:28:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kirzhner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Tantra]]></category>

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		<description><![CDATA[Es soll klar sein, dass Herzensliebe oder zumindest die Verliebtheit die wichtigste und zugrunde liegende Regel ist. Was ist aber sonst noch wichtig bei der Tantramassage? Und wie kann man die Lust, die Energie des Tantra verstärken, verlängern und nützlich machen? Denn schliesslich geht es in der Tantramassage um die Evolution des Bewusstseins, also Transformation [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-2010 alignright" style="margin-left: 10px;" title="Tantra Massage" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/06/shapeimage_1-300x170.png" alt="" width="200" height="113" />Es soll klar sein, dass Herzensliebe oder zumindest die Verliebtheit die wichtigste und zugrunde liegende Regel ist. Was ist aber sonst noch wichtig bei der Tantramassage? Und wie kann man die Lust, die Energie des Tantra verstärken, verlängern und nützlich machen? Denn schliesslich geht es in der Tantramassage um die Evolution des Bewusstseins, also Transformation und Sublimierung der Lust.</p>
<h4>1. Die Sinnlichkeit.</h4>
<p>Pass auf die Sinne auf, schau immer wieder, was Du fühlst! Dies kann bei Tantrikern nicht oft genug wiederholt werden, denn die Sinne und die Gefühle sind Grundsteine einer ehrlichen und einfühlsamen Tantramassage. Die beste, herrlichste, interessanteste und professionellste Technik wird sofort zur toten mechanischen Bewegung, wenn sie nicht mit ganzen Körper gespürt wird. Darum gilt die Sinnlichkeit als Mass nicht nur für die Qualität einer Tantramassage, sondern im Sexualleben überhaupt.</p>
<h4>2. Das Bewusstsein.</h4>
<p>Sei sehr aufmerksam zu dem, was Du machst, sei voll und ganz dabei! Nehme wahr, was gerade, hier und jetzt passiert. Tantramassage ist Meditation, genauso wie jede andere bewusste Handlung. Bewusst sein bedeutet aber nicht unentschieden sein oder in Gedanken versunken sein; im Gegenteil: es ist spontanes körperliches Da-sein. Spontanität und Bewusst-Sein gehen Hand im Hand. Du kannst Dich einfach konzentrieren und das Maximum an Aufmerksamkeit in die Berührung investieren, die Du gerade machst. Das einzige Wahre passiert HIER und JETZT, also im Körper und im Geist, die sich verschmelzen, nicht bloss in Gedanken. Darum wieder: weniger denken und mehr fühlen!</p>
<h4>3. Das Unerwartete und Ungewöhnliche.</h4>
<p>Standardpraktiken führen Tantramassage in die Hölle. Den Sex übrigens auch. Auch wenn es bestimmte etablierte Techniken gibt, die die Lust erwecken und die Erregung steigern, bedeutet das noch lange nicht die Qualität der Sache, und schon gar nicht die Spiritualität. Der Eros lebt in ständiger Erneuerung und besitzt grenzenlose Phantasie, nicht umsonst ist er der Gott der Liebe. Und die Liebe kann weder Standard noch eintönig sein, sie wird immer neu geboren und kreiert. Daher: hab kein Bedenken seltsam oder komisch zu wirken, sondern mach die verrückteste Sachen, die Dir gerade einfallen. Es ist genau richtig so!</p>
<h4>4. Zärtlichkeit und Sensibilität.</h4>
<p>Diese Beide bilden noch ein Barometer für die Qualität der körperlich-sexuellen Nähe. Subtilität und Zärtlichkeit, präzise Liebe zu den kleinsten Details — das ist der tantrische Luxus pur, Deine teure exklusive Marke. Je zärtlicher ist Deine Berührung, desto höher ist Deine Meisterschaft. Es ist wie grober billiger Schmuck im Vergleich zu Kristallen von Svarowsky, wie Glas und Brillianten, H&amp;M und Versace. Der häufigste Irrtum von manchen Anhängern der sexuellen Dominanz, die den Tantra-Begriff immer wieder missbrauchen, ist dass die Grobheit im Bett erregt. Es ist nicht so, vor allem im tantrischen Bereich nicht! Und auch wenn es in der Tantramassage um die Macht geht, sind Zärtlichkeit und Sensibilität absolut notwendig. Nicht umsonst bedeutet die Etymologie des Wortes Zärtlichkeit in der indogermanischen Sprachen Schmerzen.</p>
<h4>5. Langsam sein!</h4>
<p>Langsame Berührung stimuliert Sinnlichkeit, Bewusst-Sein und Zärtlichkeit. Ohne langsam zu sein sind sie nicht möglich. Je erfahrener der Tantra-Masseur oder die Masseurin ist, desto langsamer massieren sie. Und desto präziser ist ihre persönliche Sexualität. Du brauchst Dich ja nicht beeilen, wenn Dir als Tantriker/in so oder so die Ewigkeit gehört. Aber auch im schlimmsten Fall, wenn Du die Massage zynisch angehst und mehr für das Geld massierst als für die Liebe, musst Du Dich nicht beeilen, denn Deine Zeit ist schon bezahlt. Versuch lieber mit dem Mensch ganz da zu sein, der gerade da ist. Es wird ihm und Dir jedenfalls mehr geben als Dein volles Programm, das Du schnell durchläufst.</p>
<h4>6. Das Spiel ist ein sehr wichtiger Aspekt.</h4>
<p>Gehe spielerisch heran! Das Spiel kann als Wette verstanden werden, in der Gewinner und Verlierer gibt (agon (gr.)), aber auch als eine Praxis, die jenseits der Realität sich entfaltet (z. B. Theater, Rollenspiel). Umkleiden, Maske, Annahme einer Rolle bedeutet nicht nicht mehr sich selbst zu sein. Die Sexualität wird aufgrund der Wechsel der Identität lebendig, ganz abgesehen von Tantra-Ritualen, die mit der Verlust der Identität operieren und damit ein Spiel par excellence sind.</p>
<h4>7. Die Verführung.</h4>
<p>Die Courage ist eine ziemlich komplexe, aber notwendige Komponente einer professionellen Tantramassage. Vor allem den männlichen Masseuren fällt die Verführung oft schwer. Nutze Dein Intellekt, Stil, Eleganz, Schminke, Mimik, lies Deinem Gast F. Sagan, Jean Baudrillard oder Anais Nin (wenn Dir nichts besseres einfällt). Spiele ein Musikinstrument oder eine Klangschale. Du muss aber erotisches Interesse Deines Gegenübers nicht nur erwecken sondern auch während der ganzen Massage ständig aufrecht erhalten.</p>
<h4>8. Grenzerweiterung, Tabubruch.</h4>
<p>Schäme Dich nicht vorsichtig über die Grenzen zu gehen. Alle wissen, dass die verbotene Früchte am besten schmecken. Daher machst Du es eben dann richtig, wenn Du trotz der Angst gerade das machst, was nicht »erlaubt« ist. Die Erlaubnis ist bei der Tantramassage nichts mehr als Deine gedankliche Konvention. Wenn etwas nicht angenehm ist, wird der Gast es sagen.<br />
Vorsicht ist aber geboten. Zu schnelle und zu scharfe Aktionen können ins Gegenteil schlagen. Und, wiederum: weder wird ein Mädchen gegen leichtes Hinternklatschen protestieren noch wird ein Mann anale Liebkosungen zurückweisen, wenn Du sie aufmerksam, zärtlich, langsam und elegant angehst. (s. Punkte 1–7)</p>
<h4>9. Emotionen ausdrucken!</h4>
<p>Scheue es nicht Töne und Geräusche zu machen, zu stöhnen oder laut zu atmen. Du kannst sogar schreien, weinen oder singen. Sag ein Kompliment oder ein Schimpfwort, aber druck Dich aus, folge den Impulsen. Lass auch andere Sinne mitspielen, z. B. Riechen und Geschmacksinn. Der Tastsinn und die Augen sind sehr wichtig, aber die Musik, die Gerüche und der Geschmack bilden beim Tantra-Ritual die Pointe, machen es exklusiv, zum etwas ganz Besonderen. Sinnlich-emotionell zu sein ist der Schlüssel zur tantrischen Offenheit.</p>
<h4>10. Auswahl des Partners.</h4>
<p>Wenn Tantramassage Deine Berufung und Dein Brot ist, sollst Du Dich fast jedem körperlich und geistig öffnen, der zu Dir kommt. Schliesslich geht es um das Göttliche in jedem Mensch. Wenn Tantramassage aber zu Deinem Lebensstil gehört oder nur dein Hobby ist, dann springe nicht auf die Matratze mit jedem und jeder, der/die Dich begegnet, auch wenn Du gerade auf der erotischen Wellenlänge bist. Auch im profanen Sex– oder Liebesleben lohnt sich eher auf Deine Prinzessin zu warten anstatt mit jeder Dirne zusammen zu kommen; genauso oder noch präziser ist es im spirituellen Bereich. Sei wählerisch. Investiere alle Energien um Interesse des Menschen zu gewinnen, zu dem Dein Herz ein sicheres »ja« sagt und den Du am meisten begehrst. Deine Anstrengungen werden sich spätestens mit der besten Massage Deines Lebens ganz bestimmt löhnen.</p>
<h4>11. Qualität vor Quantität!</h4>
<p>Daran muss man sich immer halten. Ganz wichtig: Tantra ist der Weg der Verzicht. Aber auch eine intensive Quickie ist viel spannender als langweilige dreistündige WOSNJA. Eine geliebte Frau ist schöner als Tausend ungeliebte, an kurze und starke Gefühle erinnert man sich länger als an lange und KISELNIE. Hab keine Angst in der Quantität zu verlieren, strenge sich an um die Qualität zu erreichen.</p>
<p><em>Literatur<br />
Johann Huizinga »Homo Ludens»<br />
Jean Baudrillard »Von der Verführung»<br />
Margo Anand »Tantra Reigen der vollkommenen Lust<br />
August E. Hohler »Zärtlichkeit und Treue»<br />
Michel Foucault »Die Geschichte der Sexualität I-III»<br />
Nik Douglas »Das grosse Buch des Tantra»<br />
Andreas Rothe (Andro) »Tantra — ein Leben»<br />
Samuel Widmer »Im Irrgarten der Lust. Abschied von der Abhängigkeit»<br />
Ken Wilber »Eros, Kosmos, Logos«</em></p>
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		<title>Was ist sexuelles Neo-Tantra?</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/05/09/was-ist-sexuelles-neo-tantra/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 May 2011 14:57:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kirzhner</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Tantra]]></category>

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		<description><![CDATA[Neo-Tantra ist ein spiritueller Weg – ein Weg der Bewusstseinserweiterung und der Lebenskunst. Der Unterschied zu den anderen Wegen besteht darin, dass ein Tantriker ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf die Lust als Gefühl richtet und auch auf Prozesse und Sinne, die die Lust im Bewusstsein hervorruft. Durch Aufmerksamsein findet die spirituelle Entwicklung statt. Der Unterschied [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1443" style="margin-left: 10px;" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/04/dreamstime_8184068-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" />Neo-Tantra ist ein spiritueller Weg – ein Weg der Bewusstseinserweiterung und der Lebenskunst.</strong></p>
<p>Der Unterschied zu den anderen Wegen besteht darin, dass ein Tantriker ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf die Lust als Gefühl richtet und auch auf Prozesse und Sinne, die die Lust im Bewusstsein hervorruft. Durch Aufmerksamsein findet die spirituelle Entwicklung statt. Der Unterschied zum Hedonismus (eine philosophische Strömung, die Lust als höchstes Gut und Bedingung für ein gutes Leben ansieht) besteht darin, dass ein Tantriker seinem Wunsch die Lust zu empfinden nicht blind nachgeht, sondern zuerst diesen Wunsch in sich selbst beobachtet, damit er in der Lage wird alle Folgen, die die Befriedigung der Lust mit sich bringen wird, tief einzusehen und zu verstehen. Auf die Lust, die nicht vom Herzen kommt und durch die Liebe und Zärtlichkeit nicht getragen wird, wird zuerst verzichtet.</p>
<p>Eine der stärksten Energien in unserem Leib und in unserem Geist ist die sexuelle Energie, die Sexualität. Sexualität dient nicht nur der Erhaltung des Lebens auf der Erde (Fortpflanzung), sondern sie ist auch die Quelle eines sehr starken Vergnügens. Man darf auch behaupten, dass Sex sogar das stärkste Vergnügen ist. Ausserdem ist alles im Kosmos sexuell bedingt, alles geschieht auf der Grundlage des Zusammenwirkens vom Männlichen und Weiblichen. Darum nutzt man im Neo-Tantra vor allem die sexuelle Energie um die Lust zu studieren, zu verstehen und bewusst zu steuern. Ein Tantriker zu werden bedeutet deshalb klar und deutlich diese Energie zu sehen und zu fühlen, sie zu beherrschen, ihren subtilsten Fluss und ihre Form zu erkennen, um selbst ganz bewusst die eigene Sexualität zu nutzen und mit ihrer Hilfe die Kunst zu erlernen sich selbst und andere Menschen zu vervollkommnen.</p>
<p>Leider setzte sich die Entwicklung unserer Sexualität im Verlauf der Evolution und der menschlicher Geschichte nicht immer korrekt und konsequent durch. Als Hindernis für eine gesunde Entwicklung diente vor allem der weit verbreitete Wunsch und das Streben die Sexualität irgendwelchen immer ganz unterschiedlichen, aber immer auch ganz festen Normen und Gesetzen zu unterwerfen: Moralischen, sozialen, politischen. Dies gilt sowohl für die einzelnen Individuen als auch für die Gesellschaft allgemein. Das Ergebnis einer solchen Entwicklung sind oft verschiedenste Ängste, Störungen, Blockaden, falsche innere Einstellungen, irrationale Stereotypen, sture Überzeugungen und kontraproduktive psychologische Muster, mit denen Sexualität heute unmittelbar verbunden ist. Ausserdem beeinflussten die Sexualität sehr stark andere Wissensbereiche: Ethik, Kultur, Geschichte, Religion, Ästhetik, Technik, Kunst, Wirtschaft, moderne Medien und Technologien und viele andere Gebiete und Wissenschaften. Dieser Einfluss war nicht immer negativ betont, doch sein Produkt ist eine sehr komplexe Sexualität geworden, die historisch, kulturell, religiös und ästhetisch so stark konditioniert ist, dass der einzelne Mensch heutzutage kaum in der Lage ist seine eigene Sexualität und die Erscheinungsformen der sexuellen Energie anderer Menschen adäquat wahrzunehmen, zu interpretieren und zu beurteilen.</p>
<p>Sexualtherapie und Sexualberatung, aber auch Neo-Tantra als spiritueller Weg der Suche und der Akzeptanz der eigenen sexuellen Natur setzen sich das Ziel die Sexualität von allen überflüssigen und nutzlosen festen Schichten der Konditionierung zu befreien, um darunter das Wesentliche, den Kern zu enthüllen, der die Liebe ist. Mit Hilfe vom Neo-Tantra ist es möglich destruktive Muster, Programme, Störungen und Überzeugungen aufzudecken, zu studieren und zu überwinden. Dabei kann der Mensch diejenigen z.B. kulturell bedingten sexuellen Muster beibehalten, die sich ihm als nutzvolle, attraktive oder einfach schöne erwiesen haben. Mit anderen Worten gesagt, ist Neo-Tantra, genau wie Sexualtherapie, der Weg der Befreiung der Sexualität von der schweren Last ihrer Geschichte und von allen damit verbundenen Irrtümern, wobei sie gleichzeitig der Weg der bewussten Entwicklung, Integration und Akzeptanz von wirklich wahren, schönen und guten Formen der Sexualität und der Lust ist.</p>
<p>In Fall einer erfolgreichen neo-tantrischen Praxis entwickelt der Mensch eine tiefe und bewusste, ganzheitliche und dynamische Sexualität, die ihm nicht nur Freiheit und Selbständigkeit in der Partnerschaft und in der Beziehung mit seinen Mitmenschen gestattet, sondern auch negative Energien und Emotionen transformiert, die unmittelbar mit der Sexualität verbunden sind. Dadurch wird persönliches und geistiges Wachstum in Aussicht gebracht, z. B. in solchen Bereichen wie Kreativität, Studium, Arbeit, Sport, Kindererziehung oder Verbesserung der beruflichen Situation.</p>
<p>Ein integraler Tantriker ist ein Freigeist, Freidenker und Lebenskünstler, der bewusste, freie und kreative Schöpfer seines eigenen Seins ist. Also ein OpenMind par excellence.</p>
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		<title>Denn alle Lust will Ewigkeit</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/03/08/denn-alle-lust-will-ewigkeit/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2011 16:08:43 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Tantra]]></category>

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		<description><![CDATA[Foto: aboutpixel.de / ohne Titel 11 © Konstantin Gastmann Wir Menschen sind Lust suchende Wesen, so wie alle anderen Tiere auch, zumindest die höher entwickelten. Wenn Tantriker dies zum spirituellen Weg erklären, zum »Weg der Lust«, dann ecken sie damit an, denn die meisten religiösen Wege sind Wege der Vermeidung der Gefahrenzonen, wenn nicht gar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="alignright bildhinweis" style="width: 300px;"><img class="alignnone size-medium wp-image-530"  title="aboutpixel.de / ohne Titel 11 © Konstantin Gastmann" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/03/ap4ad73e0e05cfa_small-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /><br />Foto: <a href="http://www.aboutpixel.de" rel="nofollow external">aboutpixel.de</a> / ohne Titel 11 © Konstantin Gastmann</p>
<p>Wir Menschen sind Lust suchende Wesen, so wie alle anderen Tiere auch, zumindest die höher entwickelten. Wenn Tantriker dies zum spirituellen Weg erklären, zum »Weg der Lust«, dann ecken sie damit an, denn die meisten religiösen Wege sind Wege der Vermeidung der Gefahrenzonen, wenn nicht gar Wege der Verbitterung oder des Trostes. Sex ist eine dieser Gefahrenzonen, aus denen schon viele Verbitterte hervorgegangen sind. Auch bei den anderen Lüsten läuft der Mensch Gefahr süchtig zu werden und sich zu versklaven. Ganz besonders aber beim Sex und bei der Sehnsucht nach der Lust geliebt zu werden</p>
<blockquote><p>Wir müssen als Menschen akzeptieren, dass wir Tiere sind, sonst ist all unsere Kultur auf einer Lüge aufgebaut, wird glücklos bleiben und ohne Dauer<br />
Warum hat sich die »sexuelle Revolution« nicht durchgesetzt? Obwohl doch alle Menschen im Grunde Sex, Glück und Liebe suchen<br />
»Unsichtbar macht sich die Dummheit, indem sie sehr große Ausmaße annimmt«<br />
– Bertold Brecht</p></blockquote>
<p>Die Suche nach der Lust ist viel älter als unser Menschsein, sie ist tierisch. Sie ist das Lockmittel der biologischen Steuerung aller empfindenden und sich bewegenden Lebewesen. Empfinden auch Pflanzen Lust? Jedenfalls empfinden Tiere Lust, und sie meiden Schmerz. So sind wir als Lebewesen konstruiert. So sind wir geworden im Lauf von Jahrmillionen. Was für ein Witz, sich als Asket mit ein paar Jahren oder Jahrzehnten der Übung gegen diese Jahrmillionen stemmen zu wollen! Wir werden für immer Lustwesen bleiben, auch als sich um Kultur mühende Menschen. Wir können unsere Herkunft nicht verraten. Warum auch? Lust ist doch etwas so tierisch Menschliches, so menschlich Tierisches, so freudevoll, lustvoll, manchmal auch lustig – und jedenfalls ist sie unausweichlich unsere Natur.</p>
<p><strong>Sklave oder Herr der Lust?</strong><br />
Dennoch gibt es seit prähistorischen Zeiten Menschen, die sich dagegen gewehrt haben, Sklaven der Lust zu sein. Sie wollten nicht sein wie ein Hund, der beim Anblick oder Geruch eines Stücks Fleisch anfängt zu sabbern, und wenn er geil ist mangels läufiger Hündin jedes sich bietende Menschenbein fickt – und bei beidem eher gequält aussieht. Wir wollen Herren der Lust sein, nicht ihre Sklaven. Wir wollen uns über das Tierische erheben zu den Gipfeln menschlicher Freiheit und dort die Lust feiern – oder die Unabhängigkeit davon. Nicht hecheln, sondern genießen, so still und frei und souverän, dass wir auch jederzeit wieder davon lassen können.</p>
<p><strong>Wir sind Tiere</strong><br />
Und natürlich wollen wir, wie Nietzsche das in seinem berühmten Satz so genial und einfach zusammenfasste, dass die Lust fortdauert. Sie ist »tiefer noch als Herzeleid«, schreibt er in »Also sprach Zarathustra« (meist gilt dies als sein Hauptwerk): »Weh spricht: Vergeh! Doch alle Lust will Ewigkeit – will tiefe, tiefe Ewigkeit« (an anderer Stelle »Denn … alle Lust will Ewigkeit«).<br />
Der Schmerz möge bitte gehen (und auch das bitte in alle Ewigkeit), und die Lust soll bleiben. Sie ist das Urigste, Tiefste, was wir wollen. Keine Kultur kann die Macht dieses Wunsches verneinen, keine kann es sich leisten, sie zu ignorieren, und kein Ausmaß an Unterdrückung, Verdrängung, Verleugnung oder Sublimation dieses Wunsches nach Lust wird ihn besiegen. Wir müssen als Menschen akzeptieren, dass wir Tiere sind, sonst ist all unsere Kultur auf einer Lüge aufgebaut, wird glücklos bleiben und ohne Dauer.</p>
<p><strong>Das eine haben wollen ohne das andere</strong><br />
Die Gewalt dieses Strebens nach Lust und Vermeidens von Schmerz kennen wir alle – und gehen sehr verschieden damit um. Wir suchen die Lust und hoffen, dass der Schmerz (und sei es der des Aufhörens der Lust) schon nicht eintreten wird – jedenfalls nicht in dem Ausmaß, in dem wir die Lust erfahren haben. Oder wir meiden den Schmerz und nehmen dafür in Kauf, dass wir damit auch der Lust keine so großen Chancen geben. Das eine führt mehr zum Leben des Abenteurers, das andere zum Sicherheitsdenken des Bürgers.<br />
Aber wie ist unsere Natur denn nun wirklich? Können wir das eine haben ohne das andere? Im Alter von 16 bis 18 schien mir diese Frage die zentrale Frage des Menschseins überhaupt zu sein. Ist die Lust-Schmerz Bilanz vielleicht am Ende immer dieselbe? An Glück und Lust gewöhnt man sich, dann nimmt der Reiz ab, er verflacht. Ebenso der Schmerz. »Ah, du strahlst! Geht es dir gut heute?« – »Ja, es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt.«</p>
<p><strong>Die Sicht des Buddha</strong><br />
Wenn die Bilanz am Ende doch mehr oder weniger dieselbe ist, dann kann ich mir das ganze Streben nach mehr Lust und Glück einerseits, weniger Schmerz und Unglück andererseits ja sparen. So sieht es auch der Buddha und nennt dies die »drei Geistesgifte«: das Erwünschte dahaben zu wollen, das Unerwünschte weghaben zu wollen und die Ignoranz, die übersieht, dass das Wünschen und Begehren (etwas dahaben oder weghaben zu wollen) die Ursache des Leidens ist. Ursache und Wirkung sind miteinander verbunden im Bhavacakra, dem Rad der Wiederkehr, dem Teufelskreis. Im Falle der Sucht ist es nicht einmal ein Kreis, sondern schlimmer: eine Spirale, die ins Negative eskaliert.</p>
<p><strong>Negativ– und Positivkreisläufe</strong><br />
Wie können wir solchen Negativkreisläufen und –spiralen entkommen? Gibt es vielleicht auch positve Kreisläufe oder sogar positive Spiralen, in denen Glück und Lust eskalieren? »Erfolg ist die beste Voraussetzung für Erfolg«, sagt man, und »Wer hat, dem wird gegeben«, aber Erfolg und Besitz können von der Angst vor dem Absturz begleitet sein. Dann ist das keine Positivspirale, sondern eine Relativierung oder gar Aushöhlung des Ergebnisses. Im Buddhismus wird dem Bhavacakra, dem Rad des Werdens&amp;Vergehens, unter dem wir leiden, ein Dharmacakra gegenübergestellt, das den Weg der Läuterung und Weisheit darstellt, und das eigentlich eine Spirale sein müsste, denn je weiter es sich dreht, umso geringer wird das Leiden, umso größer das Glück. Und auch die anderen spirituellen Wege zeichnen solche Möglichkeiten von Positivspiralen auf.</p>
<p><strong>Tantra ist gefährlich</strong><br />
Dazu gehören insbesondere die tantrischen Wege. Deren Charakteristikum ist, dass sie das gefährliche Terrain, in dem Süchte und Abhängkeiten (Kreisläufe und Negativspiralen) entstehen können nicht umgehen und vermeiden, sondern mitten hindurchspazieren. Das allerdings verlangt eine sehr starke Verankerung im Zeugenbewusstsein, ein starkes Ruhen in sich selbst, sonst wird man im Fegefeuer der Läuterung umkommen. »Fokussiere darauf, wie Feuer durch deine ganze Gestalt aufsteigt, von den Zehen aufwärts, bis der Körper zu Asche verbrennt – nur du nicht«, sagt eine der 112 Meditationstechniken des »Vigyan Bhairav Tantra« aus dem kashmirischen Shivaismus, diesem ekstatischen Dialog zwischen Shiva und Shakti, diesem »Hohelied« unter den religiösen Schriften der Welt.<br />
Das Feuer der Lust und der Begierde kann einen verbrennen, aber wenn man mit wachem Bewusstsein dort hineingeht, verbrennt man nicht selbst, sondern nur das Vergängliche verbrennt. In dieser Visualisationstechnik: der Körper. Anders gesagt: das Ego. Das kleine Gefängnis des Ich, das sich weigert mit dem großen Ganzen zu verschmelzen, das verbrennt – nicht ich, nicht du.</p>
<p><strong>Die Abkürzung</strong><br />
Tantra – vor allem das linkshändige, tabubrechende Tantra – ist eine »Abkürzung zur Erleuchtung« genannt worden. Dieses Tantra hält sich nicht an gesellschaftliche Regeln, was erlaubt ist und was nicht, sondern vertraut, dass ein starkes, gereiftes, in sich ruhendes Bewusstsein auch auf dem gefährlichen Terrain der Lüste und Begierden wach bleiben kann. Solch ein Bewusstsein zu besitzen, darin haben sich schon viele getäuscht. Die kriechen dann nach ihren »gemachten Erfahrungen« reumütig zurück zum Weg der spirituellen und gesellschaftlichen Korrektheit.<br />
Aber es stimmt, dass es diese »Abkürzung« gibt, und nicht alle scheitern dort, man sollte diesen Weg deshalb nicht pauschal verdammen. Außerdem gibt es zwei Arten der Tabubrüche: das Brechen von Konventionen, die niemandem mehr nützen, oft schaden sie sogar, und man hält sie nur aus Angst vor dem Urteil anderer ein und aus Mangel an Zivilcourage – und das Brechen von Tabus, die empfindende Wesen schützen, wie etwa das Gewalttabu.</p>
<p><strong>Die »sexuelle Revolution«</strong><br />
Die 68er mit ihrem Versuch einer »sexuellen Revolution« gelten vielfach als gescheitert, wie vor ihnen auch schon der Freud-Schüler Wilhelm Reich, der als erster dazu aufgerufen hatte (1936 mit seinem Werk »Die Sexualität im Kulturkampf«; 1966 wurde es neu aufgelegt mit dem Titel »Die sexuelle Revolution«). Warum hat sich das nicht durchgesetzt? Obwohl doch alle Menschen »im Grunde« Sex, Glück und Liebe zu verwirklichen suchen! Der Grund ist, dass sie nicht mit ausreichend klarem, wachem Bewusstsein sich auf dieses gefährliche Terrain begeben. Das bezeugen die Legionen der Verletzten und Verwundeten aus vergangenen Liebes– und Sexerfahrungen – kaum jemand kann sich auf eine neue Beziehung einlassen, ohne dabei, heimlich oder offen, seine alten Wunden lecken zu müssen.<br />
Die Tantriker lassen sich trotzdem nicht entmutigen und versuchen die Abkürzung. Sie gehen den Weg zu einem glücklichen Leben nicht durch Vermeidung von Sex und anderen Genüssen und vermeiden auch nicht, sich auf Beziehungen einzulassen und dabei ihr verletzliches Herz zu öffnen, sondern sie gehen mitten hinein – und hoffentlich hindurch.</p>
<p><strong>Der Weg der Vermeidung</strong><br />
Ich selbst habe zwar nie grundsätzlich den Weg der Vermeidung von Gefahrenzonen für den besseren spirituellen Weg gehalten, bin aber doch Zeiten der sexuellen Abstinenz und des »sinnlichen Fastens« zuweilen freiwillig eingegangen. Als Theravada-Mönch (1976 für ein halbes Jahr) habe ich die Ruhe sehr geschätzt, die durch das asexuelle und besitzlose Dasein damals in mein Leben eingekehrt ist. Die Lust am Schauen, Atmen, Spüren ist dadurch nicht vermindert worden, im Gegenteil – es war für mich eine Zeit der Sensibilisierung, der Verfeinerung meiner Empfindung. Später habe ich Zeiten des Verzichts auf Lesen, Schreiben, Sprechen, Essen, Sex, Musik eingehalten, manchmal ganz entschieden (»So will ich das jetzt!«), manchmal weil es sich so ergab. Eine besondere Zeit dabei war auch die des Verzichts auf politische Informationen (»Nachrichten«), die auch lustvoll, manchmal begierig konsumiert werden – auch von mir. Das habe ich ein paar Jahre lang eingehalten; nicht völlig, aber so wie ein leichtes Fasten, das mir als Infojunkie gut getan hat. Es hat mich aus der Massentrance der so gleichartig Gefütterten Nachrichtenkonsumenten der Welt hinausgeworfen, was ich heute noch spüre – es hat Vor– und Nachteile.</p>
<p><strong>Die Uhr meiner Großmutter</strong><br />
Obwohl ich Musik sehr mag, habe ich in den vergangenen zwei Jahrzehnten nur selten versucht, »meine akustische Umgebung zu verbessern«, und das auch eher durch das Vermeiden hässlicher Geräusche (Rasenmäher, Autoverkehr) als durch das Aufsuchen oder Herstellen angenehmer (Musik). Mit dem Ziel, meine Sensibilität für die akustische Umgebung zu erhöhen und um die dort in natürlicher, unmanipulierter Weise vorhandene Schönheit besser heraushören zu können. Die mit Walkman oder iphone zugestöpselten Mitmenschen verachte ich deshalb nicht – sie schaffen sich mit diesen Methoden eine bevorzugte akustische Umgebung, sind aber dann davon abhängig, dass das Gerät funktioniert, dass sie ihr Lieblingsstück dabei haben, dass die Akkus aufgeladen sind und die Aufnahme des Songs oder Konzertes gut ist. Ich hingegen versuche eher, aus Kleinigkeiten die »Sphärenmusik« herauszuhören, so wie schon damals als Kind im Haus meiner Großmutter: Wenn ich dort stundenlang allein war und mich langweilte, hörte ich in das stetige Schlagen ihrer großen Pendeluhr im Wohnzimmer einen Rhythmus hinein – nein, herausgehört habe ich ihn! Diesen leichten Swing darin, dieses winzige Zögern vor dem nächsten »tak«; was das Zuhören dann sehr spannend – oder wenigstens erträglich – machte.<br />
Dabei kann man die Schönheit der sinnlichen Welt, den Swing, den sie bietet, auch erleben, ohne in ihn hineinzufantasieren. Man braucht der Natur die lustvollen Erfahrungen nicht abzuringen, sie schenkt sie uns, wir brauchen nur sensibel genug dafür zu sein.</p>
<p><strong>Sensibilisierung</strong><br />
Ohne diese Sensibilität allerdings geht es nicht. Dafür haben Coaches den Begriff der »Komfortzone« gefunden. Das ist der Bereich, in dem wir uns wohlfühlen, ohne uns anstrengen zu müssen. Sportcoaches versuchen einen da rauszulocken, weil diese Zone zu bequem ist, sie lullt ein. Wer darin verweilt, erreicht keine Höchstleistungen, das gilt auch für den geistigen Bereich. Wenn die Komfortzone eine ist, aus der man sich nicht herauswagt aus Angst vor dem Abenteuer des Lebens, kann ich das nur unterstützen. Meist ist der Komfortbereich ein tröstender, aber man fühlt sich darin nicht wirklich glücklich.<br />
Allerdings kann man sich auch innerhalb eines äußerlich eingehaltenen Komforts sensibilisieren – innerlich. Eine Abenteuerreise und ein sich äußerlichen Gefahren Aussetzen ist dazu nicht nötig. Die Gefährdung des Inneren aber ist dazu nötig: das Infragestellen der eigenen Überzeugungen und der eigenen Identität — für wen halte ich mich denn heute wieder?</p>
<p><strong>Nach innen horchen</strong><br />
Die Sensibilisierung für die eigene Ernährung – horchen, was einem von innen her summt statt von außen her winkt. Für das eigene Bewegungsbedürfnis – nicht zu viel sitzen, vor allem nicht in immer derselben Haltung; Extremsport aber ist nicht nötig. Lustvoll taktile Berührungen erkunden – dazu kann das Tanzen gehören; einige Arten des Tanzes (etwa die fünf Rhythmen, Shinui, Latihan), achten in besonders einfühlsamer Weise auf ein tiefes Gefühl der Lust. Oder auch die Körperarbeit des Tragering, deren zentrale Frage ist: Wie geht es – diese Bewegung, diese Körperhaltung – noch leichter? In ähnlicher Weise tut das auch die Feldenkrais-Methode und führt so zu einem schmerzfreieren, lustvolleren Dasein.</p>
<p><strong>Atem und Bewusstsein</strong><br />
Genau diese Vertiefung der Lust erstrebt auch Tantra. In der populären Vorstellung von Tantra, vermittelt durch die Boulevard-Medien, geht es meist um längere, tiefere oder häufigere Orgasmen, um noch geileren Sex, um ein enthemmtes Liebesleben und – ja auch das – das Glück in der Paarbeziehung, Sex bis ins hohe Alter, Freude haben aneinander, auch wenn Kinder da sind, und so weiter. Das sind aber nur die möglichen Ergebnisse, die manchmal gar nicht eintreten, jedenfalls nicht so schnell, und für die »echten Tantriker« stehen sie auch meist nicht im Vordergrund. Die schon genannten 112 Meditationstechniken des Vigyan Bhairav Tantra, des weitaus berühmtesten aller Tantra-Texte, beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Atem und der Lenkung des Bewusstseins. Obwohl es sich um ein Gespräch zwischen Verliebten handelt, die auch noch gerne als »in Vereinigung« dargestellt werden, kommt Sex dort kaum vor.</p>
<p><strong>Ahhh — die Erkenntnis!</strong><br />
Dies sind ersten drei dieser 112 Methoden. Dort sagt Shiva zu Shakti:<br />
• »Strahlende, diese Erfahrung mag dir zwischen zwei Atemzügen dämmern. Nachdem der Atem hereingekommen ist, und kurz bevor er wieder nach oben steigt – die Wohltat.«<br />
• »Wenn sich der Atem von unten nach oben kehrt, und dann wiederum, wenn er sich von oben nach unten kehrt – durch diese beiden Wendungen – erkenne!«<br />
• »Oder, wann immer der einströmende Atem mit dem ausströmenden zusammenfließt, in diesem Augenblick berühre das energielose, energieerfüllte Zentrum.«<br />
Ahhh! Ja, das sind Wohltaten und Lüste, verbunden mit tiefen Erkenntnissen. Das ist ein Weg der Lust und der Lüste, der nicht zum Kater danach führt, zur Verletzung und Verwundung, mit der resultierenden Überzeugung: Sex ist doch »bloß Lust«, niedrig, eines spirituellen Menschen unwürdig. Oder dazu: »Ich werde mein Herz nicht mehr öffnen, ich werde ja doch nur verletzt«. Mit dem Ergebnis, dass sie so Verwundeten nun verbittert sind. Sie wenden sich ab von Sex und Liebe, halten Lust nun für einen Weg, den sie »überwunden haben« – und machen anderen, die sich und einander genießen, das Leben schwer.<br />
Besser, man wendet sich selbst der Lust zu! Aber auf eine intelligente Weise, so wie es hier in diesen 112 Methoden empfohlen wird.</p>
<p><strong>Das Buch:</strong><br />
Osho, Das Buch der Geheimnisse – 112 Meditationstechniken zur Entdeckung der inneren Wahrheit, 1300 S., HC, Goldmann Arkana 2009, 29.95 €</p>
<p>Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift <a href="http://www.connection.de" target="_blank" rel="external nofollow">connection</a>, <a href="http://www.connection.de/magazine/connection-special/" target="_blank" rel="external nofollow">Sonderheft Tantra</a></p>
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