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	<title>OpenMindJournal &#187; Gemeinsam</title>
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	<description>Das Online-Journal für den Wandel in Bewusstsein, Kultur und Technologie</description>
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		<title>Frauen für den Frieden</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Nov 2012 14:29:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Change]]></category>
		<category><![CDATA[Frau-Sein]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Weltgeschehen]]></category>

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		<description><![CDATA[Im ehemaligen Jugoslawien verbinden sich Frauen in starken Netzwerken. Seit dem Ende der Jugoslawienkriege wirken Frauen in den ­betroffenen Ländern als Kondensationskerne für friedlichen Wandel. »Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Frauen ihre Männer nicht lieben! Wie soll ich es mir anders erklären, dass ich erlebt habe, wie die Frauen stolz waren und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Im ehemaligen Jugoslawien verbinden sich Frauen in starken Netzwerken.</h2>
<p><em>Seit dem Ende der Jugoslawienkriege wirken Frauen in den ­betroffenen Ländern als Kondensationskerne für friedlichen Wandel.</em></p>
<div id="attachment_5493" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/image1_hires.jpg" rel="lightbox[5491]"><img class=" wp-image-5493 " title="Frauen für den Frieden" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/image1_hires-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: www.zeneucrnom.org</p></div>
<p>»Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Frauen ihre Männer nicht lieben! Wie soll ich es mir anders erklären, dass ich erlebt habe, wie die Frauen stolz waren und ihre Männer in den Krieg ziehen ließen. Damals war ich schockiert, wie dieselben Frauen von sich sagten, sie liebten ihre Söhne und Ehemänner. Doch ich fragte mich, wenn sie sie lieben würden, dann könnten sie doch nicht zulassen, dass sie gingen, um andere Menschen zu töten und selbst ihr Leben gefährden. Was für eine Liebe ist das?! – Ich glaube, wir Frauen hätten damals die Macht gehabt, den Krieg zu verhindern.« Diese Fragen treiben Ljupka Kovačević (60), Begründerin und Koordinatorin des Zentrums für Frauen– und Friedensstudien »Anima« in Montenegro 17 Jahre nach den letzten Kriegen auf dem Balkan noch immer um, »weil alles noch viel schlimmer geworden ist«, sagt sie.</p>
<p>Hier in dem alten Steinhaus, dem »Haus der freien Gedanken«, verborgen in den Bergen nahe der Bucht von Kotor, wird über Regional– und Europapolitik diskutiert, Versöhnung, Freundschaft und Gemeinschaft praktiziert und friedliches Einschreiten und Mitgestalten geplant. Den Weg in diese Oase finden Frauen aus der ganzen Region: Aktivistinnen, mutige Rentnerinnen, junge Mütter, wache Arbeiterinnen, politische Künstlerinnen. Ljupka hat das Haus ihrer Großeltern der Frauenorganisation geschenkt. »Nein, Besitz interessiert mich nicht.« So machen sich viele Frauen das Haus zu eigen und beleben es, während sie selbst immer wieder nach Energie und Hoffnung sucht.</p>
<p>Während wir kochen und gemeinsam essen, diskutieren wir über die aktuelle Politik und vergangene Ereignisse, die in die Zeit gehören, als Jugoslawien zerbrach. Es wird deutlich, dass der Zerfall nicht nur ein geografischer, sondern auch ein innerlicher war, der Angst, Gewalt und auch Trauer, Wut und Protest hinterließ. Der Schock des Kriegs, die Gefühle der Ohnmacht sind noch heute spürbar, ebenso wie der unermüdliche Drang, diese in konstruktive Handlungen zu wandeln.</p>
<p>Die Frauen im Haus der freien Gedanken identifizieren sich mit unnachgiebigen, autonomen Menschenrechtsbewegungen, die einer von Machtinteressen geprägten Politik nicht die Neugestaltung ihres Landes überlassen wollen. Doch die Politik ist unterwegs in Richtung EU und will von kleinen Organisationen nicht aufgehalten werden. Diese suchen unabhängige Finanzierungsformen, weil sie nicht als Schmuckstücke der heimischen Partei– und Regierungspolitik für EU-Projekte herhalten wollen. Ein steiniger Weg für die Aktivistinnen in Ländern ohne finanzielle Sicherheit – ein Leben im Hier und Jetzt.</p>
<h4>Fürsorge kennt kein »Mein«</h4>
<p>Die Frauenorganisation Anima gründete sich 1996, inspiriert von der »Gewaltfreien Kommunikation« nach ­Marshall Rosenberg, mit dem Ziel, Frieden, Gewaltfreiheit, Selbstermächtigung und persönliches Wachstum zu kultivieren. Die Erfahrungen der Kriege in den 1990er Jahren riefen Ljupka Kovačević und andere Frauen auf die Straße. Ihr Vorbild war die pazifistisch-feministische Bewegung »Frauen in Schwarz« aus Belgrad, die dadurch bekannt wurde, dass jeden Mittwoch schwarzgekleidete Frauen auf dem Platz der Republik unter dem Motto »Nicht in meinem Namen!« schweigend eine Mahnwache gegen Krieg und jegliche Form von Diskriminierung hielten.</p>
<p>»Solche Art des kreativen Ausdrucks ist für uns sehr bedeutungsvoll, er ist eine Art politischen Handelns, um sichtbar zu werden und die verschreckten Frauen durch unsere Präsenz im öffentlichen Raum zu erreichen – damit schaffen wir bis heute zumindest kleine Kreise der Freiheit in Montenegro«, erzählt Ljupka, und mein Blick fällt auf die Plakate, die im Haus verteilt sind und entschlossene, mutige Frauen mit Transparenten oder eine Performance abbilden. Noch immer versammeln sie sich auf öffentlichen Plätzen, beziehen Position, sprechen sich gegen blinden Gehorsam aus, fordern zu verantwortungsvollem Handeln für den Frieden auf und dazu, in eigenem Namen zu sprechen, statt andere für seine oder ihre Belange entscheiden zu lassen.<br />
Dieses Jahr konnte Anima erstmalig das Büro in der Stadt nicht mehr finanzieren, und so zogen die Frauen mit ihrer täglichen Arbeit in Ljupkas altes Steinhaus.</p>
<p>»Die Menschen denken nur an ihren Besitz, sie denken, das ist mein Kind, mein Partner, meine Nation, und für diese wollen sie sorgen«, höre ich Ljupka aufgebracht reden. »Fürsorge kennt kein ›Mein‹. Wieviel Kraft hätte ich, mich für die Gesellschaft zu engagieren – nicht später, nicht erst, wenn meine Kinder groß sind, sondern jetzt? Dieses ›Mein‹ verstellt uns den Blick für das, was getan werden muss, für die Nachbarin, die vielleicht Unterstützung braucht. Mein Sohn, meine Tochter – sie dürfen mir doch nicht wichtiger sein als die Unversehrtheit der Erde, der Städte, als andere Menschen. Wie würden wir handeln, wenn wir alle Kinder, Männer, Städte als ›Unser‹ begreifen würden?« Ja, wie wäre das, schwingen die Worte in mir nach, suche ich ja gerade selbst nach einem Leben in Gemeinschaft.</p>
<h4>Versöhnung auf neuen Wegen</h4>
<p>Ich staune über die gute Vernetzung der Frauen und Aktivistinnen hier und in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Beispielsweise treffen sie sich regelmäßig innerhalb des Frauen-Friedens-Netzwerks, das die Frauen in Schwarz aus Belgrad initiierten. Über ihr Programm zur Friedensbildung organisieren sie zahlreiche Seminare und Trainings, in denen sie sich unter anderem mit Feminismus, Pazifismus, Gewaltfreiheit und einer alternativen Globalisierung beschäftigen.</p>
<p>In mir entsteht das Bild einer bunten, lebendigen Gemeinschaft, die scheinbar unsichtbar in Montenegro ein Netz von friedlichem Aktivismus spinnt. Die Frauen besuchen sich gegenseitig oder fahren zu Veranstaltungen des Netzwerks, die sie über Ländergrenzen hinweg zu Frauen und Männern in kleine und große Orte führen. Mit dem Anliegen, nicht nur als Konsumentinnen der Shoppingwelt aus den westlichen Ländern zu agieren, bilden diese Frauen einen starken Kontrast zur allgemeinen Entwicklung. Das erlebe ich hautnah, wenn ich durch die Straßen gehe, sei es wie diesen Sommer in Kotor oder zu einer anderen Zeit in Belgrad, Zagreb, Sarajevo oder in einer ländlichen Region. Während die junge Frau an der Kasse im Supermarkt ausdruckslos und mechanisch die Waren in die Plastiktüte, die es zu Jugoslawienzeiten nicht gab, packt, frage ich mich, wie wohl ihre Arbeitsbedingungen aussehen. Der Zusammenbruch Jugoslawiens verhalf einigen zu neuem Reichtum und brachte viele in Arbeitslosigkeit und Armut.</p>
<p>»Mit Staša Zajović, der Initiatorin und Koordinatorin der Frauen in Schwarz in Belgrad, diskutieren wir über eine neue Ethik der Verantwortung und Fürsorge, die wir verbreiten möchten«, erzählt Ljupka. Daraus könnte sich, so die Frauen, eine aktive Politik der Solidarität, des Vertrauens und des Friedens entwickeln. Diese Vision ist Teil des ehrgeizigen Projekts, ein Frauengericht für das ehemalige Jugoslawien aufzubauen.</p>
<p>Mitten zwischen den vielen Stimmen komme ich kaum zu Wort. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier die Gespräche parallel zu laufen scheinen. Fragen, Antworten, Kritik wirbeln gleichzeitig im Raum. Aufregung liegt in der Luft, Wut, Enttäuschung und dann, wie aus dem Nichts, Ljupkas Fragen und Perspektiven, die mich tief bewegen, beeindrucken und auch anstacheln, meinen eigenen Horizont zu erweitern. Nein, sie erzählt nicht nur von Montenegro, sie erzählt von uns allen, von Frauen, Männern und dem Traum, sich zu engagieren, um eine Welt zu hinterlassen, die menschlicher ist als die, die uns unsere Eltern vererbt haben.</p>
<p>Die Idee, ein Frauengericht zu etablieren, besteht schon seit über zehn Jahren. Es soll den Stimmen der Frauen Gehör schenken, ihrer alltäglichen Erfahrung von Unrecht während und nach dem Krieg sowie von häuslicher und öffentlicher Gewalt. In ehrenamtlicher Zusammenarbeit zwischen Frauenorganisationen aus Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Kosovo fand im Oktober 2010 ein vorbereitender Workshop mit Gästen aus Mexiko, Südafrika, dem Irak und aus Kambodscha statt. Die Frauen sprachen über ihre Erfahrungen mit bereits bestehenden Frauengerichten, die einer anderen Gerechtigkeit folgen als das offizielle Rechtssystem auf nationalem oder internationalem Niveau. Sie möchten Verantwortung, Fürsorge und Sicherheit fördern, um einen gerechten Frieden im ehemaligen Jugoslawien aufzubauen. Erst wenn die Frauen in ihrem Schmerz gehört und angenommen wurden, kann Versöhnung beginnen. Hier scheinen mir noch viele Augen und Ohren notwenig, bevor sich nicht nur die Menschen der verschiedenen Regionen, sondern auch Männer und Frauen wieder in Vertrauen und Liebe einander zuwenden können.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin OYA anders denken. anders leben, Ausgabe <a href="http://www.oya-online.de/article/issue/17-2012.html" rel="external nofollow">17/2012</a></em></p>
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		<title>Umgang mit der Sexualität als Lebenskunst</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Nov 2012 13:14:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ELias</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum braucht es eine Sexualberatung »[…]Das Kalkül beim bewussten Gebrauch der Lüste zielt darauf ab, sie im Maß zu halten und nicht auf einmal aufzuzehren. Die vorsätzliche Begrenzung der Lüste hält die Sehnsucht nach ihrem Genuss wach, denn Sehnsucht gilt nur einem Gut, das nicht beliebig verfügbar ist. Das richtige Maß ist dabei nicht von [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Warum braucht es eine Sexualberatung</h2>
<p><img class=" wp-image-5479 alignright" style="margin-left: 10px;" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/photodune-1132054-beautiful-men-metal-hands-with-long-fingers-s-300x200.jpg" alt="" width="200" />»[…]<em>Das Kalkül beim bewussten Gebrauch der Lüste zielt darauf ab, sie im Maß zu halten und nicht auf einmal aufzuzehren. Die vorsätzliche Begrenzung der Lüste hält die Sehnsucht nach ihrem Genuss wach, denn Sehnsucht gilt nur einem Gut, das nicht beliebig verfügbar ist. Das richtige Maß ist dabei nicht von vornherein festgelegt, es kann gelegentlich auch der Exzess damit gemeint sein, etwa um sich allzu starr gewordener Gewohnheiten wieder zu entledigen; der Genuss gibt dem Leben neuen Antrieb. Vieles liegt an der wählerischen Haltung im Umgang mit den Lüsten, um selbst darüber zu befinden, welche Lust wann, wie lange, mit wem, in welcher Situation, in welchem Maße und bis zu welchem Punkt zu gebrauchen ist. Die Lebenskunst kann auch in einer Vervielfältigung der Lüste bestehen, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. </em>[…]“</p>
<p>(Wilhelm Schmid: aus der „Philosophie der Lebenskunst“ <a href="http://www.kultur-punkt.ch/" rel="external nofollow">www.kultur-punkt.ch</a>)</p>
<p>Je mehr Jahre ich auf dieser Erde verbringe und je genauer, gewissenhafter und tiefgründiger ich die Sexualität erforsche, desto mehr entfaltet sich für mich die Tatsache, dass (fast) alle Probleme, die ein Mensch als Person und soziales Wesen haben kann, direkt oder indirekt damit zusammenhängen, dass dieser Mensch keinen adäquaten, rationalen und zugleich glücklichen Umgang mit der Sexualität bis dato gefunden hat. Daraus ergibt sich für mich unmittelbar die große Wichtigkeit des Themas Sexualität im persönlichen und sozialen Leben. Aus dieser Sicht erscheint es ganz erstaunlich, dass so wenige Menschen sich mit den Themengebieten Sexualität, Lust und Begehren lebenslang, wissenschaftlich und ganzheitlich, auch vielleicht interdisziplinär beschäftigt haben, obwohl das Problem eigentlich offensichtlich ist. Denn: überall in der Welt beobachten wir, welche allgemeinen Sorgen oder globalen Fragen aus dem falschen Umgang mit der Lust resultieren. Wir beobachten, wie wir Menschen immer wieder versuchen, die Sexualität zu normieren oder sie einer bestimmten Religion, Philosophie, Tendenz oder Tradition unterzuordnen. Anderseits führt ein beharrlicher Versuch oder das Streben, die Lust um jeden Preis von einer Ideologie, Politik oder einfach von einem Konzept zu „befreien“, in der Regel zu noch viel „schlimmeren“ Ergebnissen. Vielleicht liegt es daran, dass die Freiheit als allgemein anerkannter Wert, ein s.g. intrinsischer (innerer) Wert durch keinen Willensakt, auch nicht durch den äußeren Kampf gegen herrschende Prinzipien als extrinsischer (äußerer) Wert verwirklicht werden kann. Die von vielen bewussten Individuen, Kulturen und Gesellschaften angestrebte (sexuelle) Freiheit kann natürlich auch nicht einfach aus sich selbst heraus, ich meine damit, aus der puren Lust heraus erlangt werden.</p>
<p>Wie dem auch sei, die Überbevölkerung der Erde und daraus sich ergebenen Probleme, wie Hunger, Not, Elend, Krankheiten sind in vielen Ländern der Welt wenn nicht ein direktes, dann mehr oder weniger indirektes Ergebnis einer ziemlich unbewussten, unkontrollierten Lust. Und das zu Zeiten, in denen Kontrazeptiva eigentlich problemlos für alle Menschen zugänglich gemacht werden könnten, wenn die wirtschaftlich privilegierten und religiös manipulierten Personen und Schichten es wirklich wollten. In den s.g. Industrieländern dagegen werden den meisten Menschen von außen Arbeit und Wohlstand suggeriert als asketischer Weg der Sublimierung oder der Transformation der Lust. Oft führt dies zu einem Automatismus in Lebensentfaltung und Lebensgestaltung, indem das „Mensch Sein“ auf „ Funktionieren“ reduziert wird. Radikal darf man aus dieser Sicht manche „prä-industrielle“ Gesellschaften und Kulturen als –„Roboter-Gesellschaften“ bezeichnen. Und, tatsächlich, eine konsequente Vermeidung der Lust führt zu einer sehr starken Konditionierung, zum Mangel an Bewusstsein, zu einem Roboter-Dasein, in dem der ganze Lebensentwurf und anspruchsvolle, sakrale Kunst, die Lebenskunst, auf Erfüllung kurz– und langfristigen materiellen Zielen ausgerichtet wird. Darum ist auch die Gier, ob nach Geld, nach Reichtum oder nach politischer Macht, auch ein indirekt sexuelles Problem, denn auch sie resultiert aus der Vermeidung und Unterdrückung der Lust, meistens durch Religion, Moral und teilweise durch Kultur, die auch Religion und Moral in sich trägt. Aus dieser (vielleicht etwas freudschen) Sicht erscheinen Arbeit und Beruf als Werkzeuge, mit denen man einen Wohlstand erreichen kann, bloß als negativ gefärbte Kompensationen der Lust. Anderseits führt ein permanenter Kampf gegen die sexuelle Unterdrückung im Sinn von sexuellem Hedonismus und erotischer Ausschweifung konsequent zur sexuellen Abhängigkeit, wie wir sie heute aus der Welt der neuen Medien (Internet-Pornografie, Boom des Prostitutionsgeschäfts, des Cyber-Sex und Ähnliches) kennen. Einige konkrete Statistik-Zahlen kann man inzwischen vorweisen:</p>
<blockquote><p>30 Millionen Menschen haben in Deutschland Internetzugang, die Zahl der Süchtigen wird auf 1 Million geschätzt. 40 Prozent aller Internetangebote enthalten pornografische Inhalte. 74 Prozent aller Einnahmen im Internet werden mit Sex-Angeboten gemacht. Der Umsatz wird auf über eine Milliarde Dollar pro Jahr geschätzt.</p>
<p>Im Mai 2004 veröffentlichte Businessweek die Ergebnisse einer ComScore Netzwerkuntersuchung, worin 44 % der Beschäftigen von US-Firmen mit Internetzugang zugaben, im Monat März 2004 während der Arbeit auf Websites mit Sexinhalt zugegriffen zu haben, im Vergleich dazu taten das Heimbenutzer zu 40 % und 59 % an Universitäten. <sup class='footnote'><a href="#fn-5478-1" id='fnref-5478-1'>1</a></sup></p>
<p>»Sex«, so die Marktforscher von Alexa Research, wird bei Google häufiger eingetippt als die Begriffe Games, Reise, Musik, Auto, Wetter, Gesundheit und Jobs zusammen. Zählt man die erotische Offline-Welt mit Pay-TV, Hotlines, Nacht-Clubs, Zeitschriften– und DVD-Verkäufen hinzu, setzte die Sex-Branche 2006 weltweit knapp 100 Milliarden US-Dollar um. Das ist mehr als die Technologie– und Internet-Konzerne Microsoft, Google, Yahoo, Apple, Ebay und Amazon zusammen.<sup class='footnote'><a href="#fn-5478-2" id='fnref-5478-2'>2</a></sup></p>
<p>Eine Untersuchung fand heraus, dass 80 % der Besucher von Sexwebsites so viel Zeit mit dem Herunterladen von Erotika verwendeten, dass sie die Beziehungen des realen Lebens und ihre Jobs gefährdeten. »Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie Cybersex entdeckten, hatten die meisten dieser Leute keine Probleme mit Sexabhängigkeit«, gab der Autor der Untersuchung, Al Cooper an, ein Sexualtherapeut der San José Eheberatung und am Zentrum für Sexualtherapie in San José, Kalifornien, tätig.<sup class='footnote'><a href="#fn-5478-3" id='fnref-5478-3'>3</a></sup></p>
<p>9 von 10 Kindern im Alter von 8 bis 16 Jahren haben online bereits Pornofilme gesehen — meist aus Versehen während sie ihre Hausaufgaben machten.<sup class='footnote'><a href="#fn-5478-4" id='fnref-5478-4'>4</a></sup><sup class='footnote'><a href="#fn-5478-5" id='fnref-5478-5'>5</a></sup></p></blockquote>
<p>Auch solche Erscheinungen wie psychische Krankheiten, Depression, Alkoholismus, Drogenkonsum, Suizid etc. sind indirekte Folgen eines unerfüllten Liebes– und Sexuallebens. Persönliche Beziehungsprobleme von Singles und Paaren basieren in der Regel auf unerfüllter, nicht, zu stark oder einfach falsch gelebter Sexualität. So sehen wir, dass wir Menschen nicht nur im Kollektiven, sondern auch im persönlichen Sein bis heute keinen adäquaten, für uns selbst stimmigen Umgang mit der Lust gefunden haben. Eine völlig freie, spontane, natürliche, unbewusste und unkontrollierte Sexualität führt uns zurück zur Natur, zu den Tieren und zur Überbevölkerung bzw. zum Darwinismus (nur der Stärkste überlebt), — das Modell, das wir aus den s.g. Dritten-Welt-Ländern kennen. Eine zu stark kontrollierte, normierte, konditionierte, „programmierte“ Sexualität dagegen, wie wir sie aus der christlichen Religion kennen (monogame Ehe als strenger Rahmen fürs Sexualleben) führt dagegen zur Verdrängung und zur Unterdrückung der Lust; es ist ja lange kein Geheimnis mehr, dass die Sexualität in so einer monogamen Ehe ziemlich bald ausstirbt und dass dieser Rahmen für beide Partner eine zu große, kaum zu schaffende Herausforderung darstellt. Wenn man aber gegen diese Unterdrückung sofort zu kämpfen versucht, indem man einfach aus Protest heraus sehr offen lebt und unzählige Sexualpartner hat, dann endet man vielleicht in Wollust, Libertinage, Ausschweifung, vielleicht auch in Arbeitsvermeidung, Krankheit, Abhängigkeit, Untergang, Tod. Dies waren die weit verbreiteten Ängste von Menschen, die Sexual– und Arbeitsmoral erfunden haben.</p>
<p>Viele reife, erwachsene Menschen meinen heute, für sich einen Kompromiss zu finden, indem sie ihrer Lust insgeheim mit anderen Personen oder im käuflichen Sex nachgehen, jedoch nach außen um jeden Preis den heiligen „monogamen“ Schein zu behalten versuchen. Es ist natürlich keine ehrliche und transparente Strategie, sondern eine ziemlich „schmutzige“, gemeine und betrügerische Haltung, die zu Scheinheiligkeit, Heuchelei und Doppelmoral führt. Und zwar in ihrer schlimmsten Existenz, wie wir Scheinheiligkeit, Heuchelei und Doppelmoral in den eigentlich „fortschrittlichen“ Ländern der Welt kennen. Auf Dauer führt diese Strategie zu Niedergang und Zerstörung, da sie nicht nur einfach unfair ist, sondern auch auf dem Missbrauch von denen basiert, die ihre Lust, ob asketisch oder hedonistisch, aber dennoch ehrlich, offen und transparent leben. Diese Strategie der Entwicklung eines „Doppelgesichts“ erweist sich als ungerecht, und schon deshalb ausweglos, nicht nachhaltig, dem unvermeidlichen Untergang geweiht. Und das nicht nur privat innerhalb einer Beziehung oder Partnerschaft, sondern auch kollektiv, z.B. in der Wirtschaftswelt, in der der ganze „erotischer Sektor“ immer noch wie in der „Halbwelt“ existiert. Dies hat zur Folge, dass durch versteckte, am besten geheim gehaltene Geschäfte, riesige Summen an Bar– und Steuergelder überall hinterzogen werden und spurlos verschwinden. Auf Dauer erscheint es nicht standhaft, das „Geschwür“ wird platzen.</p>
<p>Die fortgeschrittenen, „am meisten bewussten“ Individuen schweigen deshalb am besten völlig über ihr Sexualleben, denn ein offenes Bekenntnis zum Nichtfunktionieren der christlichen Monogamie wird sie vielleicht outen, sie zu Sündenböcken und „Ressentiments“ machen. Die Schattenseite davon ist , dass man so tut, als ob bei ihm, oder bei ihr, oder bei ihnen, mit der Sexualität alles in der besten Ordnung wäre. Und das entspricht ja auch nicht der eigentlichen Wahrheit. Auch stilles Schweigen kann nicht die richtige Haltung sein.</p>
<p>Was kann dann die Lösung sein? Es gibt offenbar keinen Weg zurück zur Natur, die Gesellschaft hat sich eben weiterentwickelt. Es macht auch keinen Sinn, dass wir alle wieder zu Tieren werden. Jedoch ist die Situation so wie sie eben ist (durch die christliche Religion immer noch stark dominierte und konditionierte Sexualität) auch nicht akzeptabel: man kann die Lust weder normieren, noch verdrängen oder unterdrücken, noch sie ständig geheim leben, noch sie vollständig positiv in Arbeit (sprich Geld) sublimieren oder transformieren. Alle diese Strategien erweisen sich auf Dauer als ungeeignet. Auch ein ideologischer, politischer Kampf oder ein überzeugter Protest gegen sexuelle Normen hilft nicht, denn in diesem Fall endet man im Kampf, der inzwischen dem Kampf von Don Quijotes gegen Windmühlen gleicht. Man kämpft dann als Einzelkämpfer oder als kleine Gruppe gegen ein schon lange etabliertes Normen-System; man kämpft dagegen, aber man weiß eigentlich selbst nicht wirklich gegen wen und wofür.</p>
<h4>Was kann dann die Lösung sein?</h4>
<p>Erstens, glaube ich, dass es nutzlos ist in unserer heute sehr stark individualisierten Gesellschaft nach kollektiven für alle gültige Ansätzen zu suchen. So ein Versuch wäre nicht nur zu anspruchsvoll, sondern auch zu schwerwiegend, zu pathetisch, zu politisch, in jedem Fall zu ideologisch betont. Jeder muss zuerst selbst den für ihn oder für sie richtigen persönlichen Umgang mit der Sexualität finden, in dem er oder sie diese Kraft glücklich auslebt und sich als Persönlichkeit dadurch entfalten und verwirklichen kann. Diese Entfaltung und Selbstverwirklichung in der Sexualität kann innerhalb einer Partnerschaft, einer monogamen Ehe, einer offenen Beziehung, einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten etc. gelebt werden. Sie kann heterosexuell, homosexuell oder bisexuell gefärbt sein: in Bezug auf sexuelle Orientierung und bezüglich von „Modellen“ oder „Konzepten“ betreffend Sexualität muss sich jeder Mensch völlig frei fühlen und „Modelle“ und „Konzepte“ von anderen Menschen respektieren und tolerieren, auch was das Geschäft mit der Lust angeht. Die Sexualität kann für den einen oder anderen auch die Arbeit, der Beruf oder sogar die Berufung darstellen; es lässt sich damit Geld verdienen und Geld ausgeben, wenn es sich wirklich um eine Berufung handelt. Wichtig ist dann, dass die Ausübung der Sexualität als Beruf in einem ethischen Rahmen bleibt und inneren, menschlichen Regeln folgt (Im Unterschied zu den äußeren, religiösen, moralischen Regeln), damit meine ich Ehrlichkeit und Transparenz des Geschäfts.</p>
<p>Die Sexualität kann auch ein geistiger Weg sein oder „Spiritualität“ bedeuten, wie es z.B. die neo-tantrische Philosophie zu behaupten versucht. Jedoch muss auch in diesem Fall die Normierung und die Konditionierung der Lust möglichst vermieden werden, was im Fall der Neo-Tantra-Szene natürlich noch lange nicht der Fall ist. Und, übrigens, auch in diesem Fall muss die Beziehung zwischen finanziellen und spirituellen Gesichtspunkten klar und transparent sein. Denn es ist immer zu beachten: jeder Weg ist hier nur ein persönlicher und bloß ein Erforschungsweg, eine Suche.</p>
<p>Als Nächstes glaube ich, dass es wichtig ist über Sexualität zu sprechen, — ein Vorgang, der in der christlichen Kultur leider nie etabliert war und trotz zahlreicher sexueller Revolutionen leider immer noch nicht ist. Der Mensch ist aber auch ein soziales Wesen, und vor allem das Thema Lust sollte in einer Beziehung zum Anderen angesprochen und behandelt werden. Eine Lösung der anspruchsvollen Aufgabe „Sexualität“, die jede und jeder in diesem Leben jeweils für sich selbst lösen muss, kann nur in einer offenen, ehrlichen und transparenten Kommunikation gefunden werden. Vielmehr noch: die Offenheit, die Ehrlichkeit und die Transparenz, — Werte, an denen es im heutigen Sexualleben, ob privat oder im Erotik-Geschäft, sehr stark mangelt, — können nur in der zwischenmenschlichen Kommunikation sich entfalten bzw. sich erst herausbilden. Deshalb halte ich die integrale, ganzheitliche Sexualberatung, ob im Rahmen einer Sexualtherapie, eines Sexualcoachings oder auch einer Unternehmungsberatung für Sex-Worker und Menschen, die im Erotik-Geschäft tätig sind oder sein wollen, für besonders wichtig, nützlich und fördernd.</p>
<p>Eine glückliche Sexualität an sich, genauso wie Entfaltung und Selbstverwirklichung der Person oder des Paars im Sexualleben werden erst möglich, wenn sie durch erfahrene Sexualberater geführt und begleitet werden. Es gilt dann nur zu unterscheiden zwischen wirklich neutralen, professionellen, seriösen und unabhängigen Beratern und Therapeuten auf der einen Seite und allesamt Scharlatanen, Kompensatoren, Frömmlern und Heuchlern auf der anderen Seite, von denen es in der breiten Erotik-Landschaft mehr als genug gibt.</p>
<p><em>Weitere Infos:</em></p>
<p><em><a href="http://sexualberatung-zuerich.com" target="_blank" rel="external nofollow">www.sexualberatung-zuerich.com</a></em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-5478-1'>Aus einer Studie von ComScore Networks on U.S. internet habits, zitiert aus Businessweek, 17.052004, gefunden im Disciple Journal, Ausgabe September / Oktober 2004 <a href="http://www.navpress.com/EPubs/DisplayArticle/1/1.143.14.html" rel="external nofollow">http://www.navpress.com/EPubs/DisplayArticle/1/1.143.14.html</a> <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-5478-2'>Computermagazin CHIP, Andreas Hentschel, Oktober 2007 <a href="http://www.focus.de/digital/computer/chip-exklusiv/tid-7342/neue-technologien_aid_131830.html" target="_blank" rel="external nofollow">http://www.focus.de/digital/computer/chip-exklusiv/tid-7342/neue-technologien_aid_131830.html</a> <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-5478-3'>www.msnbc.com, Linda Carroll, 27.07.2002 <a href="www.msnbc.msn.com/id/3078769/" target="_blank">www.msnbc.msn.com/id/3078769/</a> <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-3">↩</a></span></li>
<li id='fn-5478-4'>UK News Telegraph, NOP Research Group, 01.07.02 www.pureonline.com <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-4">↩</a></span></li>
<li id='fn-5478-5'>Wer sich für ausführliche Statistik zur Pornographie interessiert, kann sie hier nachlesen: http://www.nacktetatsachen.at/home/statistiken.html <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-5">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<item>
		<title>Konfliktbereitschaft fördert Beziehung</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/11/02/konfliktbereitschaft-fordert-beziehung/</link>
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		<pubDate>Fri, 02 Nov 2012 14:26:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>

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		<description><![CDATA[Expertin rät: Keine Angst vor Veränderungen Wien (pte) — Konfliktbereitschaft ist in einer zwischenmenschlichen Beziehung durchaus förderlich. Zu diesem Schluss kommt die Paartherapeutin Sabine Fischer im pressetext-Interview. »Gerade in Beziehungen, die bereits länger bestehen, ist es sehr wichtig, seine eigenen Vorstellungen zu äußern und sich auf keine faulen Kompromisse einzulassen«, so die Psychotherapeutin. Respektvoller Umgang bedeute [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Expertin rät: Keine Angst vor Veränderungen</h2>
<div id="attachment_5466" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/323085_web_R_by_Helmut-J.-Salzer_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5464]"><img class=" wp-image-5466 " title="Streiten: will wie anderes auch gelernt sein" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/323085_web_R_by_Helmut-J.-Salzer_pixelio.de_-243x300.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Helmut J. Salzer / pixelio.de</p></div>
<p>Wien (pte) — Konfliktbereitschaft ist in einer zwischenmenschlichen Beziehung durchaus förderlich. Zu diesem Schluss kommt die Paartherapeutin <a href="http://www.fischer-psychotherapie.at" target="_blank" rel="external nofollow">Sabine Fischer</a> im pressetext-Interview. »Gerade in Beziehungen, die bereits länger bestehen, ist es sehr wichtig, seine eigenen Vorstellungen zu äußern und sich auf keine faulen Kompromisse einzulassen«, so die Psychotherapeutin. Respektvoller Umgang bedeute nämlich auch Respekt vor den eigenen Wünschen und Vorstellungen.</p>
<p>»Doch richtig Streiten erfordert eine hohe Streitkultur«, warnt Fischer. Jegliche Form der physischen, aber auch psychischen Gewalt, ist dabei absolut tabu. »Auch Killeragumente, die dem Gegenüber keinen Platz geben, sich zu artikulieren, sondern lediglich dazu dienen, den Anderen herunterzumachen, sind ein absolutes No-Go.«</p>
<h4>Wer verändern will, muss sich äußern</h4>
<p>»Der Irrglaube, dass die Zeit alles heilt, ist immer noch weit verbreitet«, weiß die Expertin. »Wer nicht bereit ist, aktiv zu verändern, wird verändert.« Vielfach haben Partner Angst davor, ihre Bedürfnisse zu äußern, weil sie einen Bruch in der Beziehung fürchten. »Diese Angst ist nicht unberechtigt, doch stellt sich dabei die Frage, ob man seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse nur aus Bequemlichkeit vernachlässigt.«</p>
<p>»Eine Beziehung erfolgreich zu führen, erfordert Mut und den Willen auf Veränderungen so zu reagieren, dass die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht komplett verloren gehen«, so Fischer. Rettungsversuche von Beziehungen, in denen der Alltag eine Lieblosigkeit und Ignoranz zutage gefördert hat, sind jedenfalls eine ernstzunehmende Option.</p>
<p>Ein gutes Beispiel dafür ist der Film »Wie beim ersten Mal« mit Meryl Streep und Tommy Lee Jones. Das seit 30 Jahren verheiratete Paar lebt mehr oder weniger »zufrieden« nebeneinander her — bis die Ehefrau einen Schritt unternimmt, um der Beziehung neues Leben zu verleihen. Ihr Gatte folgt ihr anfangs mit großer Skepsis und Argwohn zum Therapeuten. »Dabei zeigt sich die Angst des Mannes wohl ganz offensichtlich«, bemerkt Fischer.</p>
<h4>Problemlösen schweißt oft zusammen</h4>
<p>»Paare, deren Liebe auch schwere Zeiten überstanden hat, wachsen an den gemeinsam gemeisterten Krisen«, weiß Fischer. »Große Liebe und tiefe Vertrautheit sind ein guter Start einer neuen Beziehung. Doch die verklärte Sicht der Frischverliebten weicht nach einiger Zeit und führt dann zur Ernüchterung. Dann stellt sich die Frage, ob man an der Beziehung arbeitet oder erneut einen Liebesrausch mit einem anderen Partner sucht.«</p>
<p>»Der Irrglaube, dass die große Liebe ein quasi unendlicher Selbstläufer ist, der mit dem Finden des richtigen Partner endet, ist weit verbreitet. Um jedoch eine funktionierende und erfüllte Partnerschaft zu schaffen, ist sehr viel an Beziehungsarbeit zu leisten. Haben sich zwei Liebende gefunden, beginnt die eigentliche Aufgabe erst. Was nach der ersten Phase der Verliebtheit verloren geht, ist höchstens die Illusion.«</p>
<p>»Mit dem Verschwinden der Illusion haben zwei Menschen die Gelegenheit in die Tiefe zu gehen, sich gegenseitig besser zu erkennen, schneller zu heilen, ernsthafter zu kommunizieren, aufrichtiger zu sein und wahrhaftiger zu lieben«, schreibt die US-Buchautorin <a href="http://marianne.com" target="_blank" rel="external nofollow">Marianne Williamson</a> in ihrem Buch »Verzauberte Liebe« ziemlich treffend.</p>
<h4>Trennung bleibt immer eine Option</h4>
<p>»Wenn Partner allerdings nach einiger Zeit merken, dass sie nicht zueinanderpassen, weil ihre Wertvorstellungen und Interessen weit auseinanderklaffen, ihre Auffassungen einer Beziehung völlig diametral sind oder sie sich vollends auseinandergelebt haben und Rettungsversuche keine Früchte getragen haben, ist eine Trennung eine Option«, so Fischer.</p>
<p>»Es gibt keinen Grund, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, die nicht beiden irgendeine Art eines gegenseitigen Wachstums ermöglicht. Wenn Partner einander in unendlichen und fruchtlosen Diskussionen Dinge vorwerfen, untergriffig, bösartig oder sogar gewalttätig sind, sollte man eine Trennung in Erwägung ziehen. In schwierigen Zeiten und zur Erleichterung einer Entscheidung kann eine Psychotherapie oder Beratung helfen«, erklärt Fischer abschließend.</p>
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		<title>Gemeinsam im Fluss</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/10/11/gemeinsam-im-fluss/</link>
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		<pubDate>Thu, 11 Oct 2012 16:01:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Integral Hero]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Tantra]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom ruhigen Flussbett geführt fliesst das wilde Wasser zum Ozean zurück Sehen wir uns die Dynamik zwischen dem weiblichen und dem männlichen Prinzip an, und in der oberflächlich grobstofflichen Manifestation dieser beiden das Zusammenspiel zwischen Mann und Frau, dann sehen wir immer wieder recht ähnliche Strukturen und Begrifflichkeiten, auf die auch verschiedenste kulturelle und spirituelle [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Vom ruhigen Flussbett geführt fliesst das wilde Wasser zum Ozean zurück</h2>
<div id="attachment_5365" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/610426_web_R_K_by_Andreas-Senftleben_pixelio.png" rel="lightbox[5363]"><img class=" wp-image-5365 " title="Gemeinsam im Fluss" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/610426_web_R_K_by_Andreas-Senftleben_pixelio-300x199.png" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Andreas Senftleben / pixelio.de</p></div>
<p>Sehen wir uns die Dynamik zwischen dem weiblichen und dem männlichen Prinzip an, und in der oberflächlich grobstofflichen Manifestation dieser beiden das Zusammenspiel zwischen Mann und Frau, dann sehen wir immer wieder recht ähnliche Strukturen und Begrifflichkeiten, auf die auch verschiedenste kulturelle und spirituelle Traditionen hinweisen.</p>
<h4>Die Geschichte von Feminin und Maskulin</h4>
<p>In der <em>westlichen Welt</em>, mit dem Ursprung in der christlich-jüdischen und griechischen Kultur, wird das maskuline Prinzip oft bezeichnet als aktiv und initiativ, formgebend und erschaffend, konstruktiv und aufbauend, differenzierend und analytisch, objektiv, nach Fakten fragend, nach aussen gerichtet. Im Gegensatz sei die reine feminine Energie eher rezeptiv und reaktiv, entfaltend, Inhalt stiftend und Bedeutung gebend, integrativ, vernetzend und kommunikativ, intuitiv und subjektiv, sensibel und bewahrend, nach innen gerichtet.</p>
<p>Im <em>tantrischen Buddhismus</em> wird die maskuline Energie <em>Upaya</em> als aktiv, aufsteigend und Zielgerichtet bezeichnet, wogegen das feminine Prinzip <em>Prajna</em> als umfassende Weisheit bezeichnet wird, die alle Dinge und Phänomene im Universum durchdringt. Beide werden oft im <em>Yab-Yum</em>, als weibliche und männliche Buddhaform in Vereinigung, also als grundlegende Einheit des Femininen und Maskulinen, dargestellt.</p>
<p>Der <em>Daoismus</em> kennt diese vereinte Darstellung als <em>Yin-Yang</em>, mit Yin und Yang als einander gegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Prinzipien. Erst der westliche analytische Verstand hat hier mit der Zeit das Yin als weibliches und Yang als männliches Prinzip herausgefiltert, wobei die Chinesen diese Differenzierung und Separation selten verstehen. Yin wird beschrieben mit Leere, Innen und Kälte, Yang dagegen mit Fülle, Aussen und Hitze. Wo man wieder den Bezug zur Beschreibung weiter oben findet.</p>
<p>Wichtig ist hier noch einmal zu betonen, dass mit diesen Prinzipien nicht Mann und Frau gemeint sind, sondern tatsächlich essenzielle Energien, die jeweils in Frau oder Mann in unterschiedlicher Qualität und Verteilung erscheinen können. Wir alle kennen äusserlich weiblich wirkende Männer und männlich erscheinende Frauen, wobei dies oft auch durch Erziehung und die Kultur geprägt sein kann, und nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Essenz dieser Menschen dem äusserlichen Bild entspricht.</p>
<h4>Form und Leerheit, Leerheit und Form</h4>
<p>Als bildliche Darstellung des Zusammenspiels von Männlich und Weiblich nehme ich gerne das Bild des Flusses, mit dem Wasser als feminines Prinzip und dem Flussbett als maskulines Prinzip. Beide können nur miteinander als Fluss bestehen und nur gemeinsam zum Ozean gehen.</p>
<p>Ohne das Flussbett als Gefäss würde sich das Wasser in alle Himmelsrichtungen ausbreiten und die ganze Kraft würde immer schwächer werden, fast nutzlos verpuffen. Wobei das Flussbett ohne das Wasser an Tiefe verliert, komplett austrocknet und irgendwann vollkommen verflacht und verwüstet. Beide können nicht ohne dem anderen sein.</p>
<p>Das Flussbett gibt dem Wasser Halt, wogegen das Wasser dem Flussbett die Form gibt. Die Richtung wird zwar vom Flussbett vorbereitet, die eigentliche Bewegung wird allerdings vom Wasser geführt und die Kraft des Wassers kann das Flussbett in jeder Flussbiegung in eine andere Richtung umleiten. An manchen Stellen gibt das Flussbett nach, gibt dem Wasser mehr Raum, und breitet sich aus, an anderen Stellen hält das Flussbett rigide an der Richtung fest und wird durch die Kraft des Wassers noch tiefer.</p>
<p><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/17/Yin_yang.svg/200px-Yin_yang.svg.png" rel="external nofollow" rel="lightbox[5363]"><img class="alignright" style="margin-left: 10px;" title="Yin Yang" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/17/Yin_yang.svg/200px-Yin_yang.svg.png" alt="" width="100" height="100" /></a>In Erinnerung bringen möchte ich hier die Darstellung des Yin-Yang mit den jeweils andersfarbigen Punkten im Schwarz und Weiss. Auch in meinem Bild des Flusses besteht das Flussbett aus Erde, der Mutter allen Lebens, also einem femininen Aspekt, hingegen ist der Richtung gebende Aspekt im Wasser – aktiv und penetrierend –, eher dem maskulinen Prinzip zuzuordnen. So vereinen sich auch hier wieder Maskulin und Feminin auf unterschiedlichsten Ebenen.</p>
<h4>Wohin es geht</h4>
<p>Durch das Zusammenspiel zwischen Flussbett und Wasser gelangen beide irgendwann zum Flussdelta, wo sich das Wasser in der Weite des Ozeans ausbreiten und seiner wahren Natur hingeben kann, und das Flussbett entspannt sich als Meeresboden in der Tiefe und Stille des Ozeans. Beide finden nur gemeinsam zum Ziel und können sich so ihrer Bestimmung hingeben.</p>
<p>Wie wir wissen ist dies allerdings kein endgültiges Ziel, sondern nur ein kurzer Moment in einem unendlichen Kreislauf. Durch Wind und Wärme – zwei andere Element – wird das Wasser aus dem Ozean hoch in die Luft gehoben, wirbelt dabei den Meeresgrund auf, nimmt ein wenig davon mit, und wird hinweggetragen, um als Wassertropfen und Sandkörner den Weg von Neuem zu beginnen.</p>
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		<title>Liebe in Aktion: Einzigartiges Selbst – Einzigartige Projekte</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/10/08/liebe-in-aktion-einzigartiges-selbst-einzigartige-projekte/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Oct 2012 17:40:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kerstin Tuschik</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Co-Kreation]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>

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		<description><![CDATA[Integrale Projektentwicklung — als Weg bewusst und aktiv an der Evolution der Liebe teilzunehmen Also gut: Lasst uns über Liebe reden! Für mich war Liebe immer die Eine Kraft, die das gesamte Universum bewegt: der mysteriöse Antrieb hinter dem Urknall, der kosmische Klebstoff, der Elementarteilchen zu Atomen, Atome zu Molekülen, Moleküle zu Zellen, Zellen zu [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2><strong>Integrale Projektentwicklung — als Weg bewusst und aktiv an der Evolution der Liebe teilzunehmen</strong></h2>
<p>Also gut: Lasst uns über Liebe reden!</p>
<div id="attachment_5360" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/600993_web_R_by_Helene-Souza_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5356]"><img class=" wp-image-5360 " title="Integrale Projektentwicklung" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/600993_web_R_by_Helene-Souza_pixelio.de_-282x300.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Helene Souza / pixelio.d</p></div>
<p>Für mich war Liebe immer die Eine Kraft, die das gesamte Universum bewegt: der mysteriöse Antrieb hinter dem Urknall, der kosmische Klebstoff, der Elementarteilchen zu Atomen, Atome zu Molekülen, Moleküle zu Zellen, Zellen zu Organismen hat werden lassen, immer weiter die evolutionäre Spirale hinauf, bis wir zum Menschen kommen. Und natürlich hört sie auch hier nicht auf, sondern fährt fort, unser Bewusstsein zu erweitern und unsere soziale und kulturelle Entwicklung anzutreiben, sowohl als Spezies wie in einem ganz persönlichen Maßstab.</p>
<p>Liebe ist für mich ein anderer Name für Gott.</p>
<p>Doch wenn all das so ist, warum gibt es dann soviel Leid auf der Welt? Warum töten Menschen einander in Kriegen über ihre jeweilige Weltsicht? Warum leiden mehr als 900 Millionen Menschen weltweit an Hunger, während wir Essen wegwerfen und technisch die Möglichkeit hätten alle mit genügend Nahrung zu versorgen? Warum…? (Was ist Ihr oder Dein Lieblings-Warum?)</p>
<p>Die Evolution der Liebe hängt von uns ab! Gott hängt von uns ab!</p>
<h4>Erwachsen werden – Verantwortung für den Schöpfungsprozess</h4>
<p>Die Kindheit der Menschheit ist vorbei, kollektiv haben wir das Jugendalter erreicht, mit all dem Chaos, das dies mit sich bringt, und zumindest einige von uns beginnen, in das Erwachsenenalter hineinzuwachsen. Aufwachsen heißt hier, dass wir bewusste Mitschöpfer werden, Partner Gottes, der Liebe, der Evolution, und natürlich bringt dies auch eine erhöhte Verantwortung mit sich. Unsere Handlungen und Nicht-Handlungen haben einen Einfluss auf <em>alles, was ist</em>. Lassen wir uns nicht davon nicht lähmen, sondern unsere Hausaufgaben machen, um zu lernen, den Schöpfungsprozess zu meistern …</p>
<p>Ich habe schon viele bewusste und talentierte Menschen (mich selbst eingeschlossen) gesehen, die daran gescheitert sind, ihre wunderschönen Visionen in die Welt zu bringen: Visionen von neuen Erziehungsansätzen, Wirtschaftssystemen oder gemeinschaftlichem Leben sowie neue Arten des miteinander Arbeitens. Andere waren erfolgreich in der Realisierung ihrer Projekte, haben aber das Gefühl, dass ihre ursprüngliche Vision im Laufe des Prozesses verzerrt wurde durch all die Kompromisse, denen sie zustimmen mussten.</p>
<p>Aus meiner Sicht resultieren die meisten dieser Probleme aus partiellen Ansätzen, die bei der Entwicklung dieser Projekte angewendet wurden.</p>
<p>Und so habe ich mich – nach vielen Erfahrungen und dem Studium des klassischen Projektmanagements, des Integralen Ansatzes und vielem mehr – angefangen zu fragen, wie eine wahrhaft Integrale Projektentwicklung aussehen könnte. Hier ist mein Entwurf.</p>
<h4>Am Anfang steht die Vision</h4>
<p>Jedes Projekt beginnt mit einer Vision von jemandem, der oder die eine Idee hat, etwas zu kreieren oder zu verändern. Und wenn wir von Projekten sprechen, die Teil des riesigen ko-kreativen Schöpfungsprozesses der Evolution der Liebe sein wollen, so beginnen sie mit dem, was Marc Gafni unser <em>Einzigartiges Selbst</em> nennt, das heißt, mit „Wake up! Grow up! Lighten up! Open up!“ (Aufwachen, Aufwachsen, Aufleuchten, Aufmachen), mit der Klärung unserer Intention, indem wir lernen, dieser sanften Stimme in uns zuzuhören, die uns zu größerem Dienst beruft, mit der Identifikation unserer einzigartigen Gaben, die die Welt so dringend benötigt.</p>
<p>Heißt das, dass wir warten sollen, bis wir diesen Kern in uns selbst geklärt haben, bevor wir anfangen können, uns in der Welt zu zeigen? Die Antwort ist natürlich: Nein! Im Gegenteil sind wir immer aufgefordert dort anzufangen, wo wir gerade sind. Durch das Feedback, das wir von der Welt für unsere Handlungen bekommen, wird unser weiteres Wachstum genauso gefördert wie durch unsere bewusste Arbeit an unserer persönlichen und spirituellen Entwicklung, WENN wir dafür offen sind, dieses Feedback zu empfangen und darauf zu hören.</p>
<h4>Ideen teilen und wachsen lassen</h4>
<p>Der zweite Schritt unserer Integralen Projektentwicklung ist also, uns zu zeigen, (zu lernen,) über unsere Vision zu sprechen, sie (zunächst) ausgesuchten Menschen, denen wir vertrauen, zu erzählen, um ihr Feedback zu bekommen und mindestens ein bis zwei andere zu finden, die unsere Vision teilen und anfangen, dazu etwas beizutragen.</p>
<p>Hier müssen wir vielleicht auch neue Fertigkeiten erwerben, die notwendig sind, und wir beginnen, über die Strukturen nachzudenken, die unser Projekt braucht. Dafür sind viele der Planungswerkzeuge des klassischen Projektmanagements sehr hilfreich, genau wie einige der Strukturen (Rollendefinitionen, Entscheidungsfindungsprozesse und holakratische Organisationsstrukturen), die ich kennengelernt habe, als ich ein Projekt für eine holakratisch organisierte Firma geplant habe. Zudem schauen wir auf die existierenden Strukturen: Was unterstützt unser Projekt? Was könnte es gefährden? Welche Stakeholder gibt es?</p>
<h4>Den Wir-Raum für den evolutionären Impuls öffnen</h4>
<p>Zusätzlich müssen wir Zeit in den Aufbau der Gemeinschaft investieren, den evolutionären Wir-Raum. Hier sind verschiedene Formen der Kreisarbeit hilfreich, durch die wir lernen, auf unser eigenes Inneres zu lauschen, auf die anderen, auf das Wesen des Kreises selbst sowie auf den evolutionären Impuls, Eros oder die Liebe selbst – um gemeinschaftlich den höchsten Zweck zur Geburt zu bringen, der für diese spezifische Gruppe innerhalb der Evolution der Liebe gerade erreichbar ist, und um diesem Zweck zu erlauben, sich im Laufe der Zeit weiterzuentwickeln.</p>
<p>Dieser Zweck wird unserem Projekt die Richtung geben, die es braucht. Die Vision, die Strategien, Ziele, konkreten Handlungspläne und experimentellen Prototypen entstehen daraus und entwickeln sich weiter, während wir selbst vorwärtsschreiten. Der Zweck ist der wesentliche Maßstab, an dem sich unsere alltäglichen Entscheidungen ausrichten müssen.</p>
<p>An diesem Punkt sind wir wieder am Ausgangspunkt angekommen und betreten den Zyklus ein zweites Mal. Unsere Handlungen und unsere Freunde in der Gemeinschaft bieten uns Feedback, das wir nicht nur dazu nutzen können, das Projekt oder die Gemeinschaft weiterzuentwickeln, sondern auch uns selbst auf individueller Ebene. Dieser Prozess unterstützt uns wiederum darin, aufzuwachsen, aufzuwachen, aufzumachen und lichter zu werden und immer mehr das zu verkörpern, was und wer wir wirklich sind: unser wunderschönes <em>Einzigartiges Selbst</em>. Und weil die Gruppe immer nur so klar sein kann, wie ihre Mitglieder es sind, wird nun unsere Arbeit an uns selbst zu einem Dienst am Ganzen auf einer ganz neuen Ebene.</p>
<h4>Lernzyklus von der Selbst-Verantwortung zum non-dualistischen Prozessdenken</h4>
<p>Zugleich durchläuft die Gruppe ihren eigenen Lernzyklus – sie lernt sich der Bedürfnisse ihrer Mitglieder bewusst zu werden, die im Laufe der Bewusstseinsevolution aufgetaucht sind: das Bedürfnis nach individuellem Überleben und Sicherheit; das Bedürfnis, zu seinem „Stamm“ zu gehören, sich damit zu identifizieren und stolz darauf zu sein; das Bedürfnis, den Geistern oder Göttern zu Diensten zu sein, welche dann zu dem Einen Gott werden, der sich Selbst in einer kosmischen Ordnung ausdrückt, die uns alle in angemessener Weise hält; das Bedürfnis nach Fairness und Gerechtigkeit; das Bedürfnis nach kreativem Ausdruck, Selbst-Verantwortung und der Fähigkeit, uns um unsere eigenen Bedürfnisse zu kümmern; das Bedürfnis nach Selbstachtung, Wertschätzung und Selbstverwirklichung; das Bedürfnis nach empathischem Zuhören und sensibler, gewaltloser Kommunikation, nach der Integration und dem Schutz von Minderheiten, nach dem Halten von Paradoxien und nach Selbst-Transzendenz und non-dualistischem Prozessdenken.</p>
<p>Es muss innerhalb der Gruppe einen Raum geben, in dem all diese Bedürfnisse in Liebe gehalten sind, und der eine angemessene und fließende Balance zwischen Agenz und Kommunion, zwischen individueller Selbstverantwortung und angemessener kollektiver Fürsorge erlaubt.</p>
<p>Andererseits muss der Fokus so oft wie möglich von der Erfüllung der Bedürfnisse zur gemeinsamen Ausrichtung auf den höheren Zweck wechseln, der unsere kollektive Arbeit und Anstrengung braucht. Um beides berücksichtigen zu können, braucht die Gruppe verschiedene Formate: Kreispraktiken, die sich auf die Entwicklung der Gruppe und ihrer individuellen Mitglieder konzentrieren und die Entfaltung ihrer kollektiven, kreativen Potenziale unterstützen, sowie Organisationsstrukturen mit klaren Rollen und Verantwortlichkeiten und effektiven Entscheidungsfindungsprozessen, die darauf abgestellt sind, das Projekt in Richtung seines höheren Zwecks zu bewegen. Dafür ist auch eine gute Balance zwischen strategischer Planung und dynamischer Steuerung wichtig.</p>
<h4>Die Liebe dehnt sich aus</h4>
<p>Die Evolution der Liebe beginnt also mit uns – mit dem Üben der Praktiken der Liebe, indem wir lernen, die Person vor uns zu lieben, indem wir sie durch Gottes Augen anschauen, indem wir lernen, Gott durch unsere Augen schauen zu lassen, was der Verwirklichung unseres <em>Einzigartigen Selbst</em> entspricht, indem wir lernen, uns von der Liebe selbst halten zu lassen und einander als Liebe zu halten. Daraus resultieren dann Handlungen der Liebe: Liebe als radikales Geben.</p>
<p>Wir lernen, über unsere Vision zu sprechen, wir bauen neue Strukturen auf, kommunizieren über Grenzen hinweg und lassen unsere Gemeinschaft organisch wachsen. Wir bauen zunächst ein starkes Zentrum auf mit einigen wenigen Menschen, die in der Lage sind, den Zweck und die Energie der Gruppe stabil zu halten. Dieses Zentrum dehnt sich nach außen aus, sobald neue Fertigkeiten und damit neue Menschen, die diese Fertigkeiten haben, benötigt werden und die dann Teil der Organisation und der Gemeinschaft werden.</p>
<p>Wir erweitern unseren Kreis der Sorge, Fürsorge und des Interesses bis wir wahrhaftig welt– und sogar kosmozentrisch werden. Wir lernen, einer wachsenden Anzahl von Menschen zu dienen, ebenso wie der natürlichen, sozialen und kulturellen Umgebung und letztendlich der Evolution der Liebe selbst, während wir wahrlich Eins mit diesem sich stets weiter entfaltenden Prozess werden, der wir immer schon gewesen sind.</p>
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		<title>Spielend die Welt verwandeln</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/07/18/spielend-die-welt-verwandeln/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/07/18/spielend-die-welt-verwandeln/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 18 Jul 2012 13:34:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Co-Kreation]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinschaftsbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das in Brasilien entstandene Gruppenspiel »Oasis« erobert auch Europa und den Görlitzer Park in Berlin. Wenn ich Menschen nach ihrem Traum frage, wie sie am liebsten leben würden, gibt es stets die gleiche Reaktion: Alle nehmen zuerst einen tiefen Atemzug – um genug Luft zu haben für die großen Worte. Die Augen blicken kurz nach [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Das in Brasilien entstandene Gruppenspiel »Oasis« erobert auch Europa und den Görlitzer Park in Berlin.</em></p>
<div id="attachment_5146" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/image1_hires1.jpg" rel="lightbox[5145]"><img class=" wp-image-5146 " title="Oasis erobert die Welt" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/image1_hires1.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: elos Institute</p></div>
<p>Wenn ich Menschen nach ihrem Traum frage, wie sie am liebsten leben würden, gibt es stets die gleiche Reaktion: Alle nehmen zuerst einen tiefen Atemzug – um genug Luft zu haben für die großen Worte. Die Augen blicken kurz nach oben und haben beim Sprechen einen besonderen Fokus, ein Strahlen. Ich frage viele nach ­ihren Träumen, weil ich diese Reaktion wunderschön finde. Die Menschen werden für einen Moment im Antworten größer, wachsen über sich selbst hinaus.</p>
<p>Die Frage nach dem Traum ist Teil des Gruppenspiels »Oasis Game«, das seine Wurzeln in Brasilien hat. Das Spiel ist eine zwei– bis fünftägige Veranstaltung, in der es darum geht, den Traum eines Orts und seiner Menschen zu entdecken und zu verwirklichen. Es möchte Verbindungen in der örtlichen Gemeinschaft stärken und das Gefühl vermitteln, dass unendlich viele Möglichkeiten der Veränderung offenstehen, die wir nur zu ergreifen brauchen.</p>
<h4>Ursprünge in Brasilien</h4>
<p>Auf die Methode bin ich gestoßen, als ich Edgard Gouveia Júnior kennenlernte. Der laut lachende, schwarze Mann mit seinen über zwei Metern Basketballspielergröße wirkte auf mich wie jemand aus einem verwunschenen Wald, aber er reparierte Häuser in brasilianischen Armenvierteln. Für Edgard haben die Slums São Paulos jede Menge Zauber und Schönheit in sich – sie seien der perfekte Spielplatz. Mit einer Gruppe Studenten wollte er 1999 ein Training für Architekten aufbauen, das von den tatsächlichen Wohnbedürfnissen der Menschen ausgeht. Über die Zeit entstand daraus die einmonatige Ausbildung »Warriors ­without weapons«, die indigenes Wissen, neue Methoden für Nachbarschaftsbeteiligung, transformative Gruppenprozesse und konkrete Bauarbeit zusammenbringt. Heute richtet sich die Ausbildung nicht mehr an Architekten, sondern an junge Menschen mit Unternehmergeist aus aller Welt, die etwas in ihren eigenen Nachbarschaften verändern wollen. Sie werden zu »Kriegern ohne Waffen«, die das Oasis-Spiel in der Welt verbreiten.</p>
<p>Unsere heutige Welt ist voller Wüsten, voller Orte und Regionen, in denen das ökologische, soziale oder kulturelle Gleichgewicht auseinandergefallen ist. In all diesen Steppen gibt es jedoch Oasen und Lichtpunkte, Schönheit und Ressourcen, die entdeckt, sichtbar gemacht und dann vergrößert werden können. Jede lebendige Nachbarschaft ist bereits ein Lichtpunkt. Ein Nachbarschafts-Netzwerk ist eine Gemeinschaft, die innerhalb kurzer Zeit ihre Träume vom Miteinander-Leben verwirklichen und ihre eigene Oase entstehen lassen kann.</p>
<h4>In einem amerikanischen Vorort</h4>
<p><strong></strong>In Sacramento, Kalifornien, gehen wir in einer kleinen Gruppe durch die Nachbarschaft, den Blick auf die Schönheit und Schätze gerichtet, die auch in heruntergekommenen amerikanischen Vororten zu finden sind. Kinder an der Straßenecke sind in ein Spiel vertieft und sprechen miteinander eine Mischung aus Spanisch und Englisch. Ein Haufen ungenutztes Holz lehnt an einer Hauswand. Durch die Fenster des Drive-In-Restaurants zählen wir über zehn Clowns. Es ist wie ein Zirkus dekoriert. Davor erzählt uns ein alter Obdachloser mit strahlenden Augen und rauher Stimme die Geschichte des Viertels und vom Goldrausch, als wäre er dabei gewesen.</p>
<p>Ein junges Graffiti-Künstler-Kollektiv hat uns in die Nachbarschaft eingeladen und seine Räume zur Verfügung gestellt. In diesen bunten vier Wänden treffen wir uns im Kreis und teilen Erfahrungen, wie schnell ein offener, wertschätzender Blick Verbindungen aufbauen kann. Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Vertrauen entsteht unter uns, während wir miteinander tanzen und lachend kooperative Spiele spielen, bei denen jeder ein Gewinner ist. Während wir durch das Viertel streifen, nimmt die Nachbarschaft auch uns wahr. Manche wundern sich bestimmt, wer denn diese seltsamen Fremden sind, die alles mit einem Lächeln im Gesicht anstarren. Es entstehen Gespräche – an Hausecken, über Zäune hinweg, manchmal an Küchentischen. Verbindungen wachsen, wenn wir die versteckte Schönheit bewundern, und so beginnen wir, nach den Träumen zu fragen: »Was ist das Potenzial dieser Nachbarschaft?«. Und »Wie willst du leben?« Große Träume kommen zum Vorschein. Weit größer als das Traumauto und das Traumhaus sind kollektive Träume, die gemeinsam mit anderen ersonnen sind.</p>
<p>Begonnen haben wir mit fünfzehn Spielern, aber bald ist der Raum des Jugendkollektivs mit an die 50 Menschen gefüllt, die mit Zahnstochern, Kieselsteinen, Knete und Papier den Miniaturplan eines Gemeinschaftsgartens entwerfen. Andere wollen endlich anpacken und beginnen, erneut durch die Nachbarschaft zu streifen und Ressourcen und Material zu identifizieren – frei nach dem Motto: »Wir wollen nicht dein Geld, sondern dein Bestes«. Wenn spürbar ist, dass Träume verwirklicht werden, will jeder mithelfen. Anwohner graben ihre eigenen Blumen aus und grasen ab, was an Fülle in ihren Vorgärten wächst. Alles Material wird kostenlos gespendet. Es hat einen Zauber, einfach anzufangen und den ersten Pinselstrich an die Wand zu setzen oder den ersten Busch einzupflanzen. Spielen ist ansteckend: Sobald begonnen wird, kommen immer mehr Menschen herbei. Wir erinnern uns gegenseitig dar­an, stets in Begegnung zu treten, denn jeder Fremde kommt mit einem besonderen Talent hinzu, einer neuen Rolle, die für das Spiel dringend gebraucht wird.<br />
Ein Tag bleibt uns noch für unser Spiel: Wir malen, pflanzen, bauen Bänke. Umwerfend schön, umsonst und unglaublich schnell soll die Veränderung in Sacramento sein.</p>
<p>Selbstverständlich stoßen wir auch auf Herausforderungen – viel Licht zieht auch Dunkles an. Veränderungsprozesse können furchteinflößend sein, gerade wenn sie schnell vor sich gehen. Der Besitzer des Grundststücks, auf dem der Garten ursprünglich entstehen sollte, scheucht uns weg. Zu chaotisch und unüberblickbar ist es ihm geworden. Denn wenn er fragt, wer hier verantwortlich ist, schnellen gleich dreißig Finger in die Luft. Ein wichtiger Lernschritt: Wir müssen besser kommunizieren und Verbindungen sorgsam pflegen, gerade im Rausch des kreativen Entstehenlassens.</p>
<p>Dennoch, nun heißt es weitermachen und in die eigene innere Flamme blasen. Während ein Teil der Gruppe Versöhnungsgespräche führt, schlagen andere Nachbarn neue Grundstücke vor. Die Fröhlichkeit und Leichtigkeit, die für dieses ernste Spiel so wichtig ist, kommt zurück. Für den Garten mit vielen Blumen und Gemüse, der jetzt innerhalb weniger Stunden hinter einer Garage entsteht, gibt es immer noch keinen festen Plan. Es gibt auch keinen Vorarbeiter, alles ist im Entstehen begriffen, und Fehler gehören dazu. ­Jemand baut eine Mauer halb auf, ein anderer baut sie wieder ab, um sie woanders aufzubauen. Ja, es gibt Architekten in der Gruppe und Permakultur-Profis, sogar eine Landschaftsgärtnerin, die um die Ecke wohnt. Aber anstatt auf Expertentum zu vertrauen, gibt jeder, was er kann. Wir sind alle Müllsammler, Maler, Schaufler und Mauerleger. Manche Momente erinnern mich daran, was mir manchmal passiert, wenn ich mein Zimmer aufräume: Plötzlich ist mehr Chaos als zuvor. Doch genau daraus entsteht neue Schönheit.</p>
<p>Abends brennen Kerzen und Laternen zwischen den Beeten, eine lokale Band taucht plötzlich aus dem Nichts auf, und Essen wird aus den Häusern herbeigetragen. Veränderung zu feiern, ist einer der wichtigsten Schritte des Spiels. Ebenso zentral ist die Reflexion: »Wie ähnlich unsere Träume doch sind! Was wäre, wenn wir spielerisch leicht die ganze Welt verändern könnten? Und was, wenn alles, was wir dafür brauchen, schon da ist?«</p>
<h4>Das Oasis Game kommt nach Europa</h4>
<p>Das Oasis Game kann auf ganz unterschiedliche Weisen gespielt werden. Die Erfahrungen aus verschiedenen Spielen, an denen ich teilgenommen habe, lassen sich meistens auf zwei grundlegende Träume zurückleiten: Sehnsucht nach Schönheit und Sehnsucht nach Gemeinschaft.<br />
In einem Vorort des mexikanischen Oaxaca de Juárez bauen anarchistische Aktivisten gemeinsam mit älteren Hausfrauen einen Altar aus Palmblättern für die Jungfrau von Guadalupe, die als »indigene Maria Mexikos« für die nationale Identität steht. In Shivaji Nagar, Indien, singt eine bunt gemischte Gruppe von Kindern und Jugendlichen, während sie auf dem Dorfplatz Müll aufsammeln. Sie schaffen Raum für eine Sitzbank aus Lehm, die sie bauen wollen. In Portland, Oregon, trifft sich das Viertel, um eine Straßenkreuzung in ein riesiges Gemälde zu verwandeln und so einen Dorfplatz zwischen den Hausblöcken zu erschaffen. Studenten in Brasilien senden Twitter-Nachrichten durch das Land, um Baumaterial für Santa Caterina zu organisieren, eine Gegend, die kürzlich überflutet wurde. In Schweden rennen Teilnehmer einer Konferenz durch den Raum und umarmen um die Wette möglichst viele Menschen.<br />
An der Oberfläche sind diese Szenen sehr verschieden und in unterschiedliche kulturelle Kontexte eingebunden. Dennoch verbindet sie etwas: Überall übernehmen Menschen selbst Verantwortung für ihren Lebensraum.</p>
<p>Oasis Games haben sich rund um die Welt verbreitet. Doch wie kommt ein Spiel, das in Brasilien mit seiner bunten Wildheit und Chaosliebe leicht von der Hand geht, im rationalen Nordeuropa an? Es braucht Zeit, um sich an die Sprache des Spiels, das so stark aufs Fühlen ausgerichtet ist, zu gewöhnen.<br />
Gesellschaftlich sind wir in Deutschland überstrukturiert und »unterspielt«. Regeln und Gesetze, wem die Straßenecke gehört und wer über sie entscheidet, behindern das Spiel. »Die Gemeindeverwaltung wird sich darum kümmern, schließlich zahle ich Steuern«, denken wir oft. Die Bedeutung der Kommunal– und Stadtverwaltung hierzulande hat aber auch Vorteile: Durch Freundschaften und Verbindungen, die zu den »verantwortlichen« Behörden in der Spielvorbereitung geknüpft werden, ist es möglich, die Begeisterung über spielerische Wege des Wandels selbst in die Welt der Verwaltung zu tragen. Spielerische Prozesse haben so das Potenzial für eine gesellschaftsgestaltende Langzeitwirkung auf neuen Ebenen.</p>
<p>An zwei Sommerwochenenden im August und September 2012 wird das Oasis Game auch in Berlin stattfinden. Der Traum des Görlitzer Parks will entdeckt und umgesetzt werden. Das derzeitige fünfköpfige Vorbereitungsteam des Spiels bringt unterschiedliche Aspekte ein: Rahel Schweikert und Andreas Teuchert wohnen in der Nähe des Parks und sind bei den Kiezwandlern, der Transition-Town-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg, engagiert. Die beiden haben im März für knapp zwei Jahre die Koordination der Bürgerbeteiligung im Görlitzer Park übernommen. Eva Ressel, die sich seit langem mit Ansätzen gemeinsamen Gestaltens und Dialogprozessen auseinandersetzt, hält den Kontakt zu Menschen in Deutschland, die mit dem Spielablauf vertraut sind und das Spiel begleiten werden. Unterstützt wird die Gruppe außerdem von Mitarbeitern des Landschaftsplanungsbüros gruppeF, die in der Umsetzung notwendige Absprachen mit der Verwaltung treffen werden. Das Oasis-Spiel im Görlitzer Park ist nur einer der ersten Schritte einer spannenden Reise zu bürgerschaftlicher Beteiligung an Planungsprozessen und Engagement für den Park. Es ist auch eine Reise ins Unbekannte: »Nur mit ungewöhnlichen Mitteln kann man auch zu ungewöhnlichen Lösungen kommen, die der Park unserer Meinung nach braucht«, meint Eva Ressel. »Unsere Motivation ist, etwas für den Ort zu tun, an dem wir leben, und auszuprobieren, wozu uns das Spiel hier in Berlin verhelfen kann.«</p>
<p>Das Spiel setzt bei der Schönheit des Parks an, statt die Problemlage und vorhandenen Konflikte des »Görli« zu fokussieren. Das befremdet gelegentlich ältere und vor allem politisierte Menschen, die fehlende Ernsthaftigkeit befürchten: »Ist das alles ›nur‹ ein Spiel?«. So wird an der Sprache gefeilt, denn es ist wichtig, dass die brasilianische Euphorie in der Sprachlichkeit der Spielanleitung nicht vorrangig zu trennenden Gedankengängen bei den Spielern führt, sondern hilft, Gemeinsamkeiten zu identifizieren.<br />
<strong></strong></p>
<h4>Eine Bewegung der Spielenden</h4>
<p><strong></strong>Anstelle des negativen Begriffs »Spaß-Generation« macht der Begriff »Gamification« seit einigen Jahren die Runde. Das Wort beschreibt eine Bewegung hin zum Spielerischen und das Anwenden typischen »Spiel-Denkens« auf alltägliche Situationen. Wenn die Dinge lustig sind, werden sie vermehrt genutzt. Ein Mülleimer in einem schwedischen Park wurde an einem Tag mit fast doppelt so viel Unrat gefüllt als alle anderen Abfallkübel in unmittelbarer Umgebung: Ein eingebauter Bewegungsmelder mit einem kleinen Wiedergabegerät sorgte dafür, dass der Mülleimer bei jedem Stück, das man hineinwarf, ein Geräusch von sich gab, das so klang, als ob der Müll mindestens 30 Meter tief fallen und dann laut aufprallen würde. Faszinierte Spaziergänger suchten begeistert nach weiterem Müll, um die Erfahrung zu wiederholen, und säuberten so den Park.</p>
<p>Mir persönlich ist die Entscheidung für verspielte Erfahrungen in meinem eigenen Leben wichtig. So wird aus dem Alltag ein Jahrmarkt der Möglichkeiten. Das Setzen von herausfordernden, aber dennoch klar definierten persönlichen Zielen und das Feiern meiner Erfolge lösen ungeahnte Kräfte in mir aus.<br />
Gerade in der komplexen Arbeit, die positiven Wandel in die Welt bringen will, verfällt man leicht ins Abhaken von To-Do-Listen, in kompetitive Gruppenprozesse oder in Diskussionen, wer Recht hat. Dagegen wirkt das Spiel wie Medizin. »Wie im Leben, so im Spiel«, hörte ich oft während des Oasis Games. Schon Plato wusste: »Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr.«</p>
<p>Wir können viele weitere Spiele gemeinsam erfinden, um sowohl die Welt um uns herum als auch die eigene innere Welt zu verwandeln. Gemeinschaft und Vision sind überall vorhanden. Wir müssen nicht aufs Land ziehen, um Gemeinschaften zu gründen, denn auch in der Stadt, im Viertel und im Häuserblock haben wir schon eine Gemeinschaft, die neu entdeckt werden kann. Alles, was es dafür braucht, ist ein wenig spielerische Leichtigkeit, ein offenes Ohr und eine Frage – und neue Möglichkeiten werden wahr.</p>
<p><em>Lust darauf, Oasis-Spieler zu werden?<br />
</em><em><a href="http://Wenn ich Menschen nach ihrem Traum frage, wie sie am liebsten leben würden, gibt es stets die gleiche Reaktion: Alle nehmen zuerst einen tiefen Atemzug – um genug Luft zu haben für die großen Worte. Die Augen blicken kurz nach oben und haben beim Sprechen einen besonderen Fokus, ein Strahlen. Ich frage viele nach ­ihren Träumen, weil ich diese Reaktion wunderschön finde. Die Menschen werden für einen Moment im Antworten größer, wachsen über sich selbst hinaus. Die Frage nach dem Traum ist Teil des Gruppenspiels »Oasis Game«, das seine Wurzeln in Brasilien hat. Das Spiel ist eine zwei- bis fünftägige Veranstaltung, in der es darum geht, den Traum eines Orts und seiner Menschen zu entdecken und zu verwirklichen. Es möchte Verbindungen in der örtlichen Gemeinschaft stärken und das Gefühl vermitteln, dass unendlich viele Möglichkeiten der Veränderung offenstehen, die wir nur zu ergreifen brauchen.  Ursprünge in Brasilien 	Auf die Methode bin ich gestoßen, als ich Edgard Gouveia Júnior kennenlernte. Der laut lachende, schwarze Mann mit seinen über zwei Metern Basketballspielergröße wirkte auf mich wie jemand aus einem verwunschenen Wald, aber er reparierte Häuser in brasilianischen Armenvierteln. Für Edgard haben die Slums S˜ao Paulos jede Menge Zauber und Schönheit in sich – sie seien der perfekte Spielplatz. Mit einer Gruppe Studenten wollte er 1999 ein Training für Architekten aufbauen, das von den tatsächlichen Wohnbedürfnissen der Menschen ausgeht. Über die Zeit entstand daraus die einmonatige Ausbildung »Warriors ­without weapons«, die indigenes Wissen, neue Methoden für Nachbarschaftsbeteiligung, transformative Gruppenprozesse und konkrete Bauarbeit zusammenbringt. Heute richtet sich die Ausbildung nicht mehr an Architekten, sondern an junge Menschen mit Unternehmergeist aus aller Welt, die etwas in ihren eigenen Nachbarschaften verändern wollen. Sie werden zu »Kriegern ohne Waffen«, die das Oasis-Spiel in der Welt verbreiten.  Unsere heutige Welt ist voller Wüsten, voller Orte und Regionen, in denen das ökologische, soziale oder kulturelle Gleichgewicht auseinandergefallen ist. In all diesen Steppen gibt es jedoch Oasen und Lichtpunkte, Schönheit und Ressourcen, die entdeckt, sichtbar gemacht und dann vergrößert werden können. Jede lebendige Nachbarschaft ist bereits ein Lichtpunkt. Ein Nachbarschafts-Netzwerk ist eine Gemeinschaft, die innerhalb kurzer Zeit ihre Träume vom Miteinander-Leben verwirklichen und ihre eigene Oase entstehen lassen kann.  In einem amerikanischen Vorort 	In Sacramento, Kalifornien, gehen wir in einer kleinen Gruppe durch die Nachbarschaft, den Blick auf die Schönheit und Schätze gerichtet, die auch in heruntergekommenen amerikanischen Vororten zu finden sind. Kinder an der Straßenecke sind in ein Spiel vertieft und sprechen miteinander eine Mischung aus Spanisch und Englisch. Ein Haufen ungenutztes Holz lehnt an einer Hauswand. Durch die Fenster des Drive-In-Restaurants zählen wir über zehn Clowns. Es ist wie ein Zirkus dekoriert. Davor erzählt uns ein alter Obdachloser mit strahlenden Augen und rauher Stimme die Geschichte des Viertels und vom Goldrausch, als wäre er dabeigewesen.  Ein junges Graffiti-Künstler-Kollektiv hat uns in die Nachbarschaft eingeladen und seine Räume zur Verfügung gestellt. In diesen bunten vier Wänden treffen wir uns im Kreis und teilen Erfahrungen, wie schnell ein offener, wertschätzender Blick Verbindungen aufbauen kann. Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Vertrauen entsteht unter uns, während wir miteinander tanzen und lachend kooperative Spiele spielen, bei denen jeder ein Gewinner ist. Während wir durch das Viertel streifen, nimmt die Nachbarschaft auch uns wahr. Manche wundern sich bestimmt, wer denn diese seltsamen Fremden sind, die alles mit einem Lächeln im Gesicht anstarren. Es entstehen Gespräche – an Hausecken, über Zäune hinweg, manchmal an Küchentischen. Verbindungen wachsen, wenn wir die versteckte Schönheit bewundern, und so beginnen wir, nach den Träumen zu fragen: »Was ist das Potenzial dieser Nachbarschaft?«. Und »Wie willst du leben?« Große Träume kommen zum Vorschein. Weit größer als das Traumauto und das Traumhaus sind kollektive Träume, die gemeinsam mit anderen ersonnen sind.  Begonnen haben wir mit fünfzehn Spielern, aber bald ist der Raum des Jugendkollektivs mit an die 50 Menschen gefüllt, die mit Zahnstochern, Kieselsteinen, Knete und Papier den Miniaturplan eines Gemeinschaftsgartens entwerfen. Andere wollen endlich anpacken und beginnen, erneut durch die Nachbarschaft zu streifen und Ressourcen und Material zu identifizieren – frei nach dem Motto: »Wir wollen nicht dein Geld, sondern dein Bestes«. Wenn spürbar ist, dass Träume verwirklicht werden, will jeder mithelfen. Anwohner graben ihre eigenen Blumen aus und grasen ab, was an Fülle in ihren Vorgärten wächst. Alles Material wird kostenlos gespendet. Es hat einen Zauber, einfach anzufangen und den ersten Pinselstrich an die Wand zu setzen oder den ersten Busch einzupflanzen. Spielen ist ansteckend: Sobald begonnen wird, kommen immer mehr Menschen herbei. Wir erinnern uns gegenseitig dar­an, stets in Begegnung zu treten, denn jeder Fremde kommt mit einem besonderen Talent hinzu, einer neuen Rolle, die für das Spiel dringend gebraucht wird.  Ein Tag bleibt uns noch für unser Spiel: Wir malen, pflanzen, bauen Bänke. Umwerfend schön, umsonst und unglaublich schnell soll die Veränderung in Sacramento sein.  Selbstverständlich stoßen wir auch auf Herausforderungen – viel Licht zieht auch Dunkles an. Veränderungsprozesse können furchteinflößend sein, gerade wenn sie schnell vor sich gehen. Der Besitzer des Grundststücks, auf dem der Garten ursprünglich entstehen sollte, scheucht uns weg. Zu chaotisch und unüberblickbar ist es ihm geworden. Denn wenn er fragt, wer hier verantwortlich ist, schnellen gleich dreißig Finger in die Luft. Ein wichtiger Lernschritt: Wir müssen besser kommunizieren und Verbindungen sorgsam pflegen, gerade im Rausch des kreativen Entstehenlassens.  Dennoch, nun heißt es weitermachen und in die eigene innere Flamme blasen. Während ein Teil der Gruppe Versöhnungsgespräche führt, schlagen andere Nachbarn neue Grundstücke vor. Die Fröhlichkeit und Leichtigkeit, die für dieses ernste Spiel so wichtig ist, kommt zurück. Für den Garten mit vielen Blumen und Gemüse, der jetzt innerhalb weniger Stunden hinter einer Garage entsteht, gibt es immer noch keinen festen Plan. Es gibt auch keinen Vorarbeiter, alles ist im Entstehen begriffen, und Fehler gehören dazu. ­Jemand baut eine Mauer halb auf, ein anderer baut sie wieder ab, um sie woanders aufzubauen. Ja, es gibt Architekten in der Gruppe und Permakultur-Profis, sogar eine Landschaftsgärtnerin, die um die Ecke wohnt. Aber anstatt auf Expertentum zu vertrauen, gibt jeder, was er kann. Wir sind alle Müllsammler, Maler, Schaufler und Mauerleger. Manche Momente erinnern mich daran, was mir manchmal passiert, wenn ich mein Zimmer aufräume: Plötzlich ist mehr Chaos als zuvor. Doch genau daraus entsteht neue Schönheit.  Abends brennen Kerzen und Laternen zwischen den Beeten, eine lokale Band taucht plötzlich aus dem Nichts auf, und Essen wird aus den Häusern herbeigetragen. Veränderung zu feiern, ist einer der wichtigsten Schritte des Spiels. Ebenso zentral ist die Reflexion: »Wie ähnlich unsere Träume doch sind! Was wäre, wenn wir spielerisch leicht die ganze Welt verändern könnten? Und was, wenn alles, was wir dafür brauchen, schon da ist?« Das Oasis Game kommt nach Europa 	Das Oasis Game kann auf ganz unterschiedliche Weisen gespielt werden. Die Erfahrungen aus verschiedenen Spielen, an denen ich teilgenommen habe, lassen sich meistens auf zwei grundlegende Träume zurückleiten: Sehnsucht nach Schönheit und Sehnsucht nach Gemeinschaft.  In einem Vorort des mexikanischen Oaxaca de Juárez bauen anarchistische Aktivisten gemeinsam mit älteren Hausfrauen einen Altar aus Palmblättern für die Jungfrau von Guadalupe, die als »indigene Maria Mexikos« für die nationale Identität steht. In Shivaji Nagar, Indien, singt eine bunt gemischte Gruppe von Kindern und Jugendlichen, während sie auf dem Dorfplatz Müll aufsammeln. Sie schaffen Raum für eine Sitzbank aus Lehm, die sie bauen wollen. In Portland, Oregon, trifft sich das Viertel, um eine Straßenkreuzung in ein riesiges Gemälde zu verwandeln und so einen Dorfplatz zwischen den Hausblöcken zu erschaffen. Studenten in Brasilien senden Twitter-Nachrichten durch das Land, um Baumaterial für Santa Caterina zu organisieren, eine Gegend, die kürzlich überflutet wurde. In Schweden rennen Teilnehmer einer Konferenz durch den Raum und umarmen um die Wette möglichst viele Menschen. An der Oberfläche sind diese Szenen sehr verschieden und in unterschiedliche kulturelle Kontexte eingebunden. Dennoch verbindet sie etwas: Überall übernehmen Menschen selbst Verantwortung für ihren Lebensraum.  Oasis Games haben sich rund um die Welt verbreitet. Doch wie kommt ein Spiel, das in Brasilien mit seiner bunten Wildheit und Chaosliebe leicht von der Hand geht, im rationalen Nordeuropa an? Es braucht Zeit, um sich an die Sprache des Spiels, das so stark aufs Fühlen ausgerichtet ist, zu gewöhnen. Gesellschaftlich sind wir in Deutschland überstrukturiert und »unterspielt«. Regeln und Gesetze, wem die Straßenecke gehört und wer über sie entscheidet, behindern das Spiel. »Die Gemeindeverwaltung wird sich darum kümmern, schließlich zahle ich Steuern«, denken wir oft. Die Bedeutung der Kommunal- und Stadtverwaltung hierzulande hat aber auch Vorteile: Durch Freundschaften und Verbindungen, die zu den »verantwortlichen« Behörden in der Spielvorbereitung geknüpft werden, ist es möglich, die Begeisterung über spielerische Wege des Wandels selbst in die Welt der Verwaltung zu tragen. Spielerische Prozesse haben so das Potenzial für eine gesellschaftsgestaltende Langzeitwirkung auf neuen Ebenen.  An zwei Sommerwochenenden im August und September 2012 wird das Oasis Game auch in Berlin stattfinden. Der Traum des Görlitzer Parks will entdeckt und umgesetzt werden. Das derzeitige fünfköpfige Vorbereitungsteam des Spiels bringt unterschiedliche Aspekte ein: Rahel Schweikert und Andreas Teuchert wohnen in der Nähe des Parks und sind bei den Kiezwandlern, der Transition-Town-Initiative Friedrichshain-Kreuzberg, engagiert. Die beiden haben im März für knapp zwei Jahre die Koordination der Bürgerbeteiligung im Görlitzer Park übernommen. Eva Ressel, die sich seit langem mit Ansätzen gemeinsamen Gestaltens und Dialogprozessen auseinandersetzt, hält den Kontakt zu Menschen in Deutschland, die mit dem Spielablauf vertraut sind und das Spiel begleiten werden. Unterstützt wird die Gruppe außerdem von Mitarbeitern des Landschaftsplanungsbüros gruppeF, die in der Umsetzung notwendige Absprachen mit der Verwaltung treffen werden. Das Oasis-Spiel im Görlitzer Park ist nur einer der ersten Schritte einer spannenden Reise zu bürgerschaftlicher Beteiligung an Planungsprozessen und Engagement für den Park. Es ist auch eine Reise ins Unbekannte: »Nur mit ungewöhnlichen Mitteln kann man auch zu ungewöhnlichen Lösungen kommen, die der Park unserer Meinung nach braucht«, meint Eva Ressel. »Unsere Motivation ist, etwas für den Ort zu tun, an dem wir leben, und auszuprobieren, wozu uns das Spiel hier in Berlin verhelfen kann.«  Das Spiel setzt bei der Schönheit des Parks an, statt die Problemlage und vorhandenen Konflikte des »Görli« zu fokussieren. Das befremdet gelegentlich ältere und vor allem politisierte Menschen, die fehlende Ernsthaftigkeit befürchten: »Ist das alles ›nur‹ ein Spiel?«. So wird an der Sprache gefeilt, denn es ist wichtig, dass die brasilianische Euphorie in der Sprachlichkeit der Spielanleitung nicht vorrangig zu trennenden Gedankengängen bei den Spielern führt, sondern hilft, Gemeinsamkeiten zu identifizieren. Eine Bewegung der Spielenden 	Anstelle des negativen Begriffs »Spaß-Generation« macht der Begriff »Gamification« seit einigen Jahren die Runde. Das Wort beschreibt eine Bewegung hin zum Spielerischen und das Anwenden typischen »Spiel-Denkens« auf alltägliche Situationen. Wenn die Dinge lustig sind, werden sie vermehrt genutzt. Ein Mülleimer in einem schwedischen Park wurde an einem Tag mit fast doppelt so viel Unrat gefüllt als alle anderen Abfallkübel in unmittelbarer Umgebung: Ein eingebauter Bewegungsmelder mit einem kleinen Wiedergabegerät sorgte dafür, dass der Mülleimer bei jedem Stück, das man hineinwarf, ein Geräusch von sich gab, das so klang, als ob der Müll mindestens 30 Meter tief fallen und dann laut aufprallen würde. Faszinierte Spaziergänger suchten begeistert nach weiterem Müll, um die Erfahrung zu wiederholen, und säuberten so den Park.  Mir persönlich ist die Entscheidung für verspielte Erfahrungen in meinem eigenen Leben wichtig. So wird aus dem Alltag ein Jahrmarkt der Möglichkeiten. Das Setzen von herausfordernden, aber dennoch klar definierten persönlichen Zielen und das Feiern meiner Erfolge lösen ungeahnte Kräfte in mir aus.  Gerade in der komplexen Arbeit, die positiven Wandel in die Welt bringen will, verfällt man leicht ins Abhaken von To-Do-Listen, in kompetitive Gruppenprozesse oder in Diskussionen, wer Recht hat. Dagegen wirkt das Spiel wie Medizin. »Wie im Leben, so im Spiel«, hörte ich oft während des Oasis Games. Schon Plato wusste: »Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr.« Wir können viele weitere Spiele gemeinsam erfinden, um sowohl die Welt um uns herum als auch die eigene innere Welt zu verwandeln. Gemeinschaft und Vision sind überall vorhanden. Wir müssen nicht aufs Land ziehen, um Gemeinschaften zu gründen, denn auch in der Stadt, im Viertel und im Häuserblock haben wir schon eine Gemeinschaft, die neu entdeckt werden kann. Alles, was es dafür braucht, ist ein wenig spielerische Leichtigkeit, ein offenes Ohr und eine Frage – und neue Möglichkeiten werden wahr.   Jara von Lüpke (22) studiert soziales Unternehmertum und Prozess-­Design bei den Kaospiloten in Dänemark. Sie schreibt gerne Geschichten, die Mut machen.  Lust darauf, Oasis-Spieler zu werden? www.oasis-in-berlin.posterous.com, www.warriorswithoutweapons.net Kontakt: eva.ressel@gmx.de">www.oasis-in-berlin.posterous.com<br />
</a></em><em><a href="http://www.warriorswithoutweapons.net/">www.warriorswithoutweapons.net<br />
</a></em><em>Kontakt: eva.ressel@gmx.de</em></p>
<p> </p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/723-spielend_die_welt_verwandeln.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 15/2012</a></em></p>
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		<title>Spiel des Lebens</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jul 2012 17:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinschaftsbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gemeinschaft Damanhur spielt, um zu überleben. Die Gemeinschaft von Damanhur in Norditalien verbindet eine Ausrichtung auf das innere Wachstum des einzelnen Menschen mit der kollektiven Erneuerung im Spiel. Im »Spiel des Lebens« werden aktuelle Themen und Strukturen der Gemeinschaft aufgegriffen und gestaltet. Auch Konflikte werden hautnah erfahren und ausgelebt. Wir haben monatelang vorbereitet, wie [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Die Gemeinschaft Damanhur spielt, um zu überleben.</h2>
<p><em>Die Gemeinschaft von Damanhur in Norditalien verbindet eine Ausrichtung auf das innere Wachstum des einzelnen Menschen mit der kollektiven Erneuerung im Spiel. Im »Spiel des Lebens« werden aktuelle Themen und Strukturen der Gemeinschaft aufgegriffen und gestaltet. Auch Konflikte werden hautnah erfahren und ausgelebt.</em></p>
<div id="attachment_5090" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/image1_hires.jpg" rel="lightbox[5088]"><img class="wp-image-5090 " title="Damanhur" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/07/image1_hires.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: www.damanhur.org</p></div>
<p>Wir haben monatelang vorbereitet, wie wir die Schlacht im Wald angehen werden: Gespräche bei Kerzenschein bis in die Nacht, ­Orientierungsspaziergänge im Dunkeln. Spielen wie früher, wunderbar! Wir legen Rollen fest, wer was übernimmt. Alle interpretieren das anstehende Ereignis auf ihre Weise, und so sind wir längst mitten im Sog des Spiels. Auch unsere Gruppendynamik verstärkt sich. Ob man den gewählten Funktionsträgern vertrauen kann? Einige von uns hegen Zweifel. Dann gibt es Gespräche mit den Schiedsrichtern über die Regeln. In den Wald darf nur mitgenommen werden, was vorher auf einer Liste aufgeführt und eingereicht wurde. Keine Handys sind erlaubt. Mehrere Unparteiische werden im Wald mit Trillerpfeifen unterwegs sein; ihr Signal bedeutet Stopp für alle. Ziel ist es, die Fahne der Gegenseite zu erobern.</p>
<p>Und dann die erste große Panne: Irgendjemand lässt den wichtigsten Zettel mit unseren geheimen Strategien liegen. Prompt wird er von der anderen Seite gefunden. Wir »Milchbubis« – so der Name unserer Gruppe – geben in dieserersten Phase kein besonders überzeugendes Bild ab. Und doch bauscht sich die Stimmung auf: »Denen werden wir beweisen, wozu wir fähig sind!« Wem wollen wir es zeigen? Den »Tattergreisen«! Denn in dieser Schlacht treten die neuen Mitglieder der letzten acht Jahre gegen das Establishment der Gemeinschaft an. Und so trägt diese Schlacht den Titel »Milchbubis gegen Tattergreise«.</p>
<h4>Milchbubis gegen Tattergreise</h4>
<p>Es ist in der Geschichte Damanhurs nicht die erste Schlacht zwischen den Generationen, die mit Spritzpistolen im Wald ausgetragen wird. Da kommen die Neuen mit ihrem Gestaltungswillen und wollen alles Mögliche anders machen, und die Alten sind gefordert, sich in Frage stellen zu lassen. Die Schlacht mobilisiert schlummernde Energien und konzentriert sie an einem Wochenende. Sämtliche Emotionen werden in einer starken gemeinsamen Erfahrung katalysiert. Die Teilnahme an einer Schlacht lehrt in zwei Tagen mehr, als in jahrelangem Gemeinschaftsleben vermittelt werden kann. Die Charaktere der Menschen werden sichtbar, die Kräfteverhältnisse, was funktioniert und was nicht …</p>
<p>Dieses Mal kommen wir schon am Freitagabend zu unserem Camp, doch es ist nicht fertig. Der, der es vorbereiten sollte, hat es nicht geschafft, hat aber auch nicht um Hilfe gebeten. Es fängt an zu regnen, die Stimmung sinkt. Die Tattergreise schicken großzügig ein paar Paletten, damit die Milchbubis nicht im Matsch stehen müssen. Manche fangen an zu stänkern, andere lachen oder versuchen, die Situation zu verbessern, manche sind zerknirscht und würden am liebsten abbrechen.</p>
<p>Die Tattergreise sind besser organisiert: Sie haben eines der Holzforts im Wald gewählt. Es gibt dort heiße Suppe, einen Traktor mit Generator. So zeigt sich deutlich, wie die geistigen (und materiellen) Ressourcen verteilt sind. Während wir Milchbubis uns über die Frage zerstritten haben, wer bestimmen darf, hatten die Tattergreise keinen Zweifel, wer von ihnen am besten wofür geeignet ist.</p>
<p>Wer jetzt noch denkt, hier ginge es um ein Geländespielchen im Wald, hat nicht die Abordnung von Tattergreisen gesehen, die sich bei Morgengrauen im Nebel mit konzentriertem Ingrimm auf den Gesichtern an das feindliche Lager heranpirscht. Wir sprechen von Mittfünfzigern, die mit einer Ernsthaftigkeit und Intensität spielen, bei der viele von uns Jungen nicht mithalten können. Die »Schlacht« ist kein Labor und kein Planspiel. Wer nass ist, friert wirklich, wer sich im Wald verlaufen hat, weiß wirklich nicht, wo er ist, wer aus Trotz lieber ausgestiegen ist, statt einer Regel zu folgen, hat viel über sich gelernt.<br />
Wir Milchbubis gehen am ersten Tag unter und fordern Revanche. Auch die verlieren wir. In den nächsten Wochen sprechen alle von den vielen Ereignissen eines denkwürdigen Wochenendes.</p>
<p>In der Geschichte Damanhurs ist die Schlacht im Wald nur eine Variante des sogenannten Spiels des Lebens. In fast 40 Jahren gab es nicht eine Spieldynamik, die der anderen glich. Auch das ist Teil des Spiels: dass es sich selbst immer wieder neu erfindet. Das Spiel ist eine kollektive Strategie der Veränderung und somit eine tragende Säule Damanhurs. Die für die Gemeinschaft überlebenswichtige innere Dynamik wird zur spielerischen »Institution«, um Bewegung und Erneuerung gegen Verhärtungen, Gewohnheiten und Verkrustungen zu setzen. Das »Spiel des Lebens« ist der ­Motor, der die Erneuerung der Gemeinschaft aus sich selbst heraus antreibt. Dafür braucht es starke gemeinsame Erlebnisse, in denen sich die Gemeinschaft wieder neu gründet, die eigenen Werte neu erringt oder ganz neue Werte integriert.</p>
<p>So haben die Dynamiken des Spiels schon mehrfach grund­legende Öffnungen bewirkt. 1983 war die Gemeinschaft erst wenige Jahre alt. In einem »Krieg der Künste« haben damals verschiedene Gruppen eine starke Identität über Kostüme, Namen und Mythen gebildet und sind gegeneinander über gemeinsame Kunstwerke angetreten. Sie haben das Gelände gestaltet und sind so bis heute sichtbar. In der jungen Gemeinschaft Damanhur gab es vor jener Zeit kaum Kunst. Der »Krieg der Künste« hat den wesentlichen Anstoß für den bis heute großen Stellenwert von Kunst gegeben.</p>
<h4>Zerstörerische Dynamiken spielend transformieren</h4>
<p>Eine andere tiefgreifende Erfahrung ist als »Heißes Öl« in die Geschichte eingegangen. Eine kleine Gruppe lebt ein Jahr lang ausschließlich von Lebensmitteln und Produkten, die selbst hergestellt wurden. Im Anschluss steigen andere Mitglieder abwechselnd für ein paar Tage in dieses Experiment von totaler Autarkie ein. Es entstehen bleibende Impulse für die Landwirtschaft, Werkstätten für Kleider und Schuhe, eine damanhurianische Mode und eine tiefe Orientierung am Ziel einer umfassenden Selbstversorgung.</p>
<p>»Schlacht« oder »Krieg« sind starke Begriffe, die Aggression, Gewalt und Zerstörung suggerieren. Die zerstörerische Energie von Konflikten existiert überall in der Welt. Auch in Damanhur gibt es Konkurrenz, Konflikte zwischen Generationen, Tendenzen einer Hackordnung. Die Herausforderung für eine Gemeinschaft liegt darin, diese Aspekte zu verwandeln und die in ihnen enthaltene Energie in konstruktive Wege zu kanalisieren. Es gilt, dieser oft unbewussten Eigendynamik Strategien der bewussten Veränderung und des Wandels entgegenzustellen, die auf individueller und kollektiver Ebene greifen.<br />
Die Orientierung an individuellen und kollektiven Entwicklungsprozessen basiert in Damanhur nicht nur auf Spiel, sondern auch auf drei weiteren Säulen.</p>
<p>Historisch gesehen, begann Damanhur 1975 als spiritueller Weg mit einer starken Motivation zur individuellen Entwicklung. Diese erste Säule ermöglicht es bis heute, im Konfliktfall zugunsten eines geteilten Ideals zu entscheiden, auch wenn der eigene Stolz getroffen ist. Die zweite Säule ist die Gemeinschaft. Ihre Aufgabe ist es, effiziente Strukturen für Entscheidungsprozesse, Arbeitsteilung und Zusammenleben zu finden. Das »Spiel des Lebens« entstand als dritte Säule einige Jahre nach der Gemeinschaftsgründung, als sich die ersten Verkrustungen und Gewohnheiten verdichteten. Die vierte Säule besteht in einem individuellen, selbstbestimmten Transformations­prozess, der persönliche Veränderungen im Bewusstsein um die eigenen Grenzen und Talente realisiert. Im Alltag spielen alle vier Säulen zusammen. Wir wählen ein bis zwei Personen, die jeweils eine von ihnen verkörpern. So gibt es zwei Menschen, die das Spiel als Institution vertreten und Dynamiken oder Interventionen auf verschiedenen Ebenen vorschlagen. Vertrauen zu schenken an Personen, die für einen gewissen Zeitraum die Führung in einem Bereich übernehmen, und sie aus Prinzip in ihrer Rolle anzuerkennen, gehört für uns zu den Spielregeln, die Gemeinschaft gelingen lassen. Es bedeutet, dass ich in meinem Gemeinschaftsleben unterschiedliche Rollen spiele. Manchmal führe ich, manchmal vertraue ich anderen – sogar wenn ich anderer Meinung bin.</p>
<p>Es ist eine persönliche Entscheidung, am »Spiel des Lebens« teilzunehmen. Dabei geht es nicht nur um die Entscheidung, an übergreifenden Aktivitäten mitzuwirken, sondern auch um ein Selbstverständnis, dass ich auf dem Spielbrett meines Lebens mein Steinchen selbst setze, wie ich es möchte – und nicht, wie andere es für mich vorgesehen haben. So ist das »Spiel des Lebens« viel mehr als eine Säule: Es ist der Geist, nichts für selbstverständlich zu nehmen und aus Prinzip zu experimentieren. Auch in diesem Sinn ist das Spiel ein zentraler Teil der damanhurianischen Kultur.<br />
»Und das Schönste am Milchbubi-Sein«, fasste eine neue Damanhurianerin ihre Erfahrung zusammen »ist, dass du in der nächsten Schlacht ein Tattergreis bist«.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/753-spiel_des_lebens.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 15/2012</a></em></p>
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		<title>Höhen und Tiefen</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jun 2012 06:04:07 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Warum wir unsere Beziehungen nicht überfrachten und die Unterschiede nicht platt machen sollten Wir sind so gern »auf Augenhöhe« und wollen gurufrei und selbstermächtigt unser Leben führen, natürlich zusammen mit dem geliebtem Partner in einer gleichrangigen Beziehung. Die Folge davon ist, dass wir mit den Ansprüchen an Heilung, Ergänzung und Lerngewinn in einer Beziehung, die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Warum wir unsere Beziehungen nicht überfrachten und die Unterschiede nicht platt machen sollten</h2>
<div id="attachment_5074" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/351767_web_R_B_by_Oliver-Haja_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5072]"><img class=" wp-image-5074 " title="Auf Augenhöhe" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/351767_web_R_B_by_Oliver-Haja_pixelio.de_.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Oliver Haja / pixelio.de</p></div>
<p>Wir sind so gern »auf Augenhöhe« und wollen gurufrei und selbstermächtigt unser Leben führen, natürlich zusammen mit dem geliebtem Partner in einer gleichrangigen Beziehung. Die Folge davon ist, dass wir mit den Ansprüchen an Heilung, Ergänzung und Lerngewinn in einer Beziehung, die auch noch Glück bringen und lustvoll sein soll, meistens viel zu viel voneinander verlangen.</p>
<p>Gleichheit ist ein schönes Ideal. Auf der Suche nach seiner Verwirklichung aber machen wir so manches platt. Dieses schöne Ideal liegt ja schon an der Wurzel unserer demokratischen Gesellschaften: liberté, égalité, fraternité. Wir wollen Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit. Im Namen dieser Ideale haben wir die Sklaverei und den Kolonialismus abgeschafft und versucht, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu reduzieren (mit bislang noch geringem Erfolg) und sind ein paar Schritte vorangekommen auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Frauen. Und nun wollen wir dieses Ideal auch bis tief in die Beziehungen einführen: in die Paarbeziehungen, Lernbeziehungen und heilenden Beziehungen. Alles auf Augenhöhe, denn wir sind ja alle gleich.</p>
<p>Nein, gleich sind wir nicht. Aber doch gleichrangig, das ist damit gemeint! Wir sind zwar sehr verschieden, aber vor Gott und den Gewalten der Natur doch letztlich gleich, wir Menschlein, die wir da nackt zur Welt kommen und mit leeren Händen aus ihr wieder abtreten. Nun ist es aber auch mit der Gleichrangigkeit so eine Sache: Auf der Suche nach diesem nun etwas weniger naiv formulierten Ideal machen wir immer noch sehr viel Erhobenes und Erhebendes platt.</p>
<h4>Auch gleichrangig sind wir nicht</h4>
<p>Es ist, als könnte unsere demokratische, nach Gleichbehandlung und Einheit lechzende Seele keine Erhebungen ertragen, keine Schräg– oder Hanglagen, geschweige denn Gipfel. Dabei ist es doch so, dass wir einerseits alle gleich sind — vor Gott oder einem fiktiven idealen Gericht mit einer starken Exekutive, das endlich dafür sorgen würde, dass die Menschenrechte auch eingehalten werden. Andererseits sind wir aber sehr verschieden – nicht nur was unsere Haarfarbe, die Nasenlänge und die Herkunftsfamilie anbelangt, sondern auch von unseren geistigen und seelischen Eigenschaften und den Talenten her und – ja, auch im Rang, den wir einander geben. Oder hast du auf Facebook 850 Millionen Freunde? Nein, nur eine kleine Auswahl davon, und einige davon sind dir besonders wichtig. Für die meisten von uns gibt es unter den Menschen, die uns wichtig sind, eine Nummer eins, eine Nummer zwei und eine Nummer drei, so ähnlich wie auf dem Siegertreppchen bei der Olympiade, auch wenn wir für diese Entscheidung vielleicht ein bisschen zögern, eh wir sagen: So ist es. Prioritäten zu setzen jedenfalls ist wichtig, fürs Berufsleben ebenso wie fürs Privatleben, für die Gesundheit und Ernährung und auch auf dem spirituellen Weg – überall müssen wir Prioritäten setzen uns uns entscheiden, und damit erschaffen wir eine Rangfolge.</p>
<p>Außerdem mag ich persönlich mag bergige Landschaften lieber als die, wo alles platt ist. Rangunterschiede sind Höhenunterschiede. Es ist eben nicht alles gleich und auch nicht alles gleich wichtig.</p>
<h4>Du, du, du …</h4>
<p>Kommen wir zu unseren Beziehungen. Umfragen gemäß sind die uns im Leben das wichtigste, mehr als Geld und Reichtum, vielleicht sogar mehr als die Gesundheit. Die klügeren unter den spirituellen Lehrern sagen deshalb so Sachen wie: Allein sein können ist gut, aber die Beziehungen sind die Erfüllung. Wenn du wissen willst, wie weit du bist auf dem Weg zu dir selbst und der zeitlosen Weisheit, schau dir deine Beziehungen an, sie sind der Spiegel. Die Beziehungen zu deinen Lebensgefährten, deinen Eltern und Kindern, deinen Freunden und deiner Arbeit (Chefs, Mitarbeiter, Kollegen, Kunden), zu den Nachbarn und den spirituellen Weggefährten.</p>
<p>Den modernen Beziehungsberatern (Chuck Spezzano, Eva-Maria Zurhorst und viele andere) zufolge geht es – so sagt es auch das Ideal der romantischen Liebe – besonders um die Beziehung zu einem Menschen: In diesem Menschen erkennst du dich, spiegelst dich und findest du Erfüllung. Wenn du mit diesem geliebten Menschen verschmilzt, wirst du heil und ganz. Und wenn du aus den Konflikten, die in der Beziehung mit diesem Menschen entstehen, lernen kannst, dann brauchst du keinen Guru mehr und keine spirituelle Praxis, dann ist dieser Weg der Liebe dein Weg des Lernens, Wachsens und der mystischen Vertiefung in deine Göttlichkeit oder Buddhanatur.</p>
<h4>Die Ergänzung</h4>
<p>Zunächst zum ersten Teil dieser These: Dein Partner kann dich er<em>gänz</em>en. Mit ihm wirst du ganz, der du erst doch nur ein Teil bist. Die Szene, die sich der »Ganzheitlichkeit« verschrieben hat, fährt auf sowas natürlich ab: nicht mehr allein sein, nicht mehr nur ein Teil sein. Nicht mehr nur ein isoliertes Ego (das »kleine Ich«), sondern ein Wir, ein größeres Ganzes. Statt ich nun wir: Wir beide, oder sogar die Gemeinschaft, die mich und uns er<em>gänzt</em>. Damit das klappt, muss ich den Teil, der du bist, in mir finden. So sagt das ja auch schon C.G. Jungs Theorie von Animus und Anima, oder weiter zurück in der Geschichte die These von Hermes Trismegistos, die oft die Essenz von Esoterik überhaupt genannt wurde: wie innen, so außen; wie außen, so innen.</p>
<p>In der Praxis ist es aber dann so, dass es nie ganz passt. Man hat ja Ansprüche, und die Auswahl an vermeintlich ergänzenden Partnern ist groß. Auch mit Hilfe ausführlicher Tests, von Partnerhoroskopen, Tarotkarten, Geburtsdatums-numerologie und anderem finde ich so nie die ideale Ergänzung. Jedenfalls sind die in Indien von den Eltern einander zugewiesenen Paare laut Umfragen nicht unglücklicher oder weniger einander ergänzend als die Paare hierzulande, die einander auf romantische Weise gefunden haben oder mit Hilfe von Tests. Dazu passt auch, dass in Beziehungen, in denen sich beide glücklich nennen, ein hoher Prozentsatz glaubt, es gäbe vermutlich noch jemand »da draußen«, der eine bessere Ergänzung wäre für mich.</p>
<h4>Der Partner als Guru</h4>
<p>Und nun zum zweiten Teil: Durch deinen Partner lernst du deine Stärken und Schwächen kennen. Jeder Konflikt, in dem du siehst, dass du dich im anderen »nur spiegelst«, bringt dich einen Schritt weiter auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Da kann kein Rat eines Gurus mithalten, und kein Meditations-Retreat kann dir so tiefe Einsichten vermitteln wie der Alltag mit deinem Lebenspartner: »Das ist jetzt aber dein Ding!« – »Nein deins!« – »Du projizierst das auf mich!« – »Nein, du auf mich!«</p>
<p>Ist es wirklich so, dass es keinen besseren Ratgeber gibt, um sich selbst zu erkennen, als einen nörgelnden Partner? Byron Katie, diese großartigen Erfinderin von <em>The Work</em>, erzählte Workshop für Workshop immer wieder, wie sehr ihr Mann ihr das Leben schwer machte und sie sich dafür bedankte – denn das alles hatte ja mit ihr zu tun; für sie war es der ihr zugedachte, individuell spezifische, kostenlose Unterricht im Alltag. Kein »Das will ich nie wieder erleben«, nachdem er sie wieder mal gedemütigt hatte, sondern: »Danke, dass du mir das gibst, danke für diese Lektion – und wann darf ich weiterlernen auf diese Art?«. Als sie sich dann aber von ihm getrennt hatte, war sie viel, viel glücklicher. Und hörte doch nicht auf zu lernen.</p>
<h4>Überfrachtung</h4>
<p>Inzwischen meine ich, dass die Befrachtung der Liebesbeziehung durch den Anspruch, der andere möge <em>die</em>Ergänzung sein für mich unvollständigen Teil des Universums eine Belastung ist, ebenso wie der Anspruch, der Partner möge mein Lehrer sein. Ja, wir können uns ergänzen – wie schön, wenn das der Fall ist. Das Elend liegt aber eher in der Sichtweise, als einzelner unvollständig zu sein als im fehlenden Verständnis davon, den anderen als »die bessere Hälfte« von sich selbst zu erkennen. Und auch was das einander Guru-Sein anbelangt: Wir können zweifellos voneinander lernen, aber es gibt auch sehr viele andere Quellen spirituellen Lernens, die nicht zu verachten sind. Eine Beziehung, die Harmonie im Alltag bringen soll, zueinander passende Weltanschauungen und Ernährungsweisen, erfüllenden Sex, gleiche Gefühle und Ansichten gegenüber Kindern, der Natur, der Politik und im Kunstgenuss – wenn diese Beziehung auch noch den Therapeuten ersetzen soll (Du bist für mich Heilung!) und den Guru (Durch dich erfahre ich das Göttliche!), dann ist das ein Rezept fürs sichere Scheitern. Oder für Heuchelei und Schattenverdrängung.</p>
<h4>Splitting versus Amefi</h4>
<p>Damit meine ich nicht, dass ich das Splitting bevorzuge. So wie einem bei Geldanlagen geraten wird, einen Teil hier zu investieren und einen Teil dort, so dass im Falle eines Crashs von einem Unternehmen oder einem ganzen Markt nicht gleich alles weg ist. Einen Menschen brauche ich für guten Sex, einen anderen für gute Gespräche, einen dritten für spirituelle Impulse für mein Wachstum, und so weiter, so meine ich das nicht. Sondern eher so: Wir dürfen dankbar sein, wenn wir das Glück haben, dass mehrere dieser Ansprüche von<em>einem</em> Menschen erfüllt werden. Für eine Zeitlang, nicht für immer. Und möge diese Zeit lange währen! Es ist ja nichts für immer: Das Amefi-Konzept (<strong>A</strong>lles <strong>m</strong>it <strong>e</strong>inem <strong>f</strong>ür <strong>i</strong>mmer) als Basis unserer Partnerschaftsphilosophie dürfen wir getrost als gescheitert betrachten.</p>
<h4>Die Gegenteile ausbalancieren</h4>
<p>Unsere Gesellschaft wandelt sich in hohem Tempo und in vieler Hinsicht, auch in der, wie Paare miteinander umgehen und was sie voneinander erwarten. Zum Beispiel werden heute die Polaritäten unserer Bedürfnisse nach Beständigkeit und Abenteuer anders ausbalanciert als früher, und ebenso die Gegensätze von Nähe und Distanz, und auch das einander Beanspruchen und einander Raum lassen. Überhaupt keine Ansprüche aneinander zu haben (»Ich will nichts von dir und lasse dich so, wie du bist«) ist spirituell korrekt geheuchelt oder aber ein Zeichen von Gleichgültigkeit. Zu viele Ansprüche aneinander zu haben ist andererseits auch nicht glückbringend, sie können eine Beziehung ersticken.</p>
<h4>Tiefe Gründe und lichte Höhen</h4>
<p>Vom sich Ducken und Einknicken vor Autoritären (ich unterwerfe mich) zum Antiautoritären (ich akzeptiere niemand und nichts Größeres als mich selbst) hinüber zu wechseln ist noch keine befriedigende Lösung, denn diese Pendelbewegung erfüllt unsere tiefe Sehnsucht noch nicht, über uns selbst hinauszuwachsen. Erst wenn wir uns »im Grunde« (das war eines der Lieblingsworte von Meister Eckhart; daher stammt auch die Redeweise »zugrunde gehen«) gleich fühlen und berechtigt, können wir den anderen auch wieder Respekt erweisen. Dann sind Schräglagen und Asymetrien keine Bedrohungen für unser Gleichberechtigung erheischendes Ego mehr, sondern diese Höhenunterschiede machen die Landschaft erst interessant. Als normaler Radfahrer sieht man das natürlich anders; vielleicht sind wir spirituellen Pilger, Höhenflieger und Tiefenstreber in dieser Hinsicht eher wie Mountainbiker, die die Anstrengungen eines Weges in die Höhe mit sportlicher Ambition in Kauf nehmen und es mögen, wenn es danach wieder steil in die Tiefe geht.</p>
<h4>Wider die Flachland-Esoterik</h4>
<p>So verstehe ich Ken Wilbers Kritik an der Flachland-Esoterik: Sie ignoriert die Unterschiede, die es gibt. Flachland-Esoterik ist wie die platten Monokulturen im Mittleren Westen der USA: Meilen über Meilen immer nur dasselbe, bewirtschaftet von Maschinen, kaum mehr von Menschen. Demgegenüber schätze ich eher die spirituellen Kulturen von Tibet, Bhutan oder den Andenvölkern. Und gleich noch ein weiterer Blick in die Biologie: Der Sinn von Sex ist die Erzeugung von Vielfalt. Mann und Frau müssen verschieden sein, um weitere Vielfalt erzeugen zu können. Deshalb mögen wir in der Erotik die <em>petites différences</em>, sie sind die Voraussetzung dafür, dass es zwischen uns knistert und funkt.</p>
<p>Die Beziehungsberater sagen zwar, je gleicher (vor allem, was den sozialen Hintergrund anbelangt) die beiden Liierten sind, desto stabiler und glückbringender ist die Beziehung. Aber ohne Unterschiede wär‹ das alles nichts, sonst könnte man sich ja gleich mit sich selbst begnügen. Manche Menschen können eben große Unterschiede verkraften und sogar schätzen, andere nur kleine. Ich liebe zwar auch das Meer – immer nur Wasser und ohne Höhenunterschiede, wie langweilig; im Falle des Meeres aber empfinde ich das nicht so. Erregend reizvoll sind für mich jedoch eher Landschaften mit tiefen Schluchten und hohen Bergen — und so auch Menschen aus ganz anderen Kulturen, Genies und Verrückte, Begnadete, Gotttrunkene, Weise und Erleuchtete.</p>
<h4>Fehlerhaft sein</h4>
<p>Auch der Umgang mit Fehlern und vermeintlichen Fehlern spielt da eine Rolle. Wenn wir das Fremde und Andere betrachten, kommt es uns ja oft so vor, als sei es falsch, wie »die« da machen. So auch im Umgang mit dem Partner: Grad haben wir uns eine Küche zusammen eingerichtet, und … waaaaaaaas, du trennst den Bio-Müll nicht??? Was bist denn du für eine? Und die Schuhe von draußen, die werden vor der Tür abgestellt, damit kommt mir keiner ins Wohnzimmer. Aber wenn du keine Fehler hast, dann ist es noch schlimmer: Dann fühle ich mich schlecht. Wie soll ich als fehlerhafter Mensch neben jemand wie dir leben können?</p>
<h4>Die Produktion der Traumfabriken…</h4>
<p>Das Ideal der romantischen Liebe und umfassenden Seelenpartnerschaft ist vor 200 Jahren am stärksten von der deutschen Romantik geprägt worden. Im 20. Jahrhundert hat die amerikanischen Traumfabrik Hollywood dieses Ideal dann ausgiebig promoted, vielleicht noch wirkungsvoller als alle Romane und Vorabendserien zusammen genommen. Neuerdings ist die Traumfabrik Bollywood im indischen Mumbai in der Hinsicht wohl ebenso aktiv (in Indien wird in einem historischen Paradigmenwechsel die arrangierte Ehe gerade abgelöst durch die Liebesehe) – und schauen wir mal, was Nollywood, die boomende nigerianische Filmindustrie, im Lauf der kommenden Jahre noch so produziert, dort werden immerhin schon mehr Filme pro Jahr veröffentlicht als in Hollywood, aber noch nicht so viele wie in Bollywood.</p>
<h4>… und die Selbstverantwortung</h4>
<p>Die spirituellen Erwartungen an die Paarbeziehung sind ein Weltphänomen geworden. Die Traumfabriken Hollywood, Bolllywood und Nollywood werden diesen Trend nicht ignorieren können, sondern ihn bald schüren, unterstützen und ihm eigene Prägungen geben. Dann wird die Frage, ob wir unsere Paarbeziehungen mit zu vielen Ansprüchen nicht überlasten, noch größere gesellschaftliche Relevanz bekommen. Dass es die »Berufe« des Therapeuten, Coaches, Lehrers, auch des spirituellen Lehrers gibt, das hat ja auch sein Gutes. Die Frage rührt an das Grundproblem des Expertentums: Wir brauchen sie, diese Spezialisten, weil unser Leben inzwischen so kompliziert geworden ist. Aber wir sollten dabei die Verantwortung für uns selbst und unser Leben nicht an sie abgeben.</p>
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		<title>Frauen, Entschlossenheit und Wandel</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jun 2012 11:35:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Leadership mit neuem Bewusstsein „Leider wird meine Generation die Verhältnisse in den Führungsetagen nicht verändern. Da bewegt sich einfach nichts. Die Hälfte der Bevölkerung sind Frauen und in meiner Generation werden nicht 50 Prozent der Frauen in Führungspositionen beschäftigt sein“, sagte Facebook COO Sheryl Sandberg bei TEDWomen Als ich das hörte, erschrak ich zunächst. Sandberg ist [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Leadership mit neuem Bewusstsein</h2>
<p>„Leider wird meine Generation die Verhältnisse in den Führungsetagen nicht verändern. Da bewegt sich einfach nichts. Die Hälfte der Bevölkerung sind Frauen und in meiner Generation werden nicht 50 Prozent der Frauen in Führungspositionen beschäftigt sein“, sagte Facebook COO Sheryl Sandberg bei TEDWomen</p>
<div id="attachment_5051" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/dreamstime_xs_8585689.jpg" rel="lightbox[5050]"><img class=" wp-image-5051 " title="Angela Merkel" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/dreamstime_xs_8585689.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: © Markwaters | Dreamstime.com</p></div>
<p>Als ich das hörte, erschrak ich zunächst. Sandberg ist Anfang Vierzig – die Generation, die in dem Glauben aufwuchs, dass die Welt für Frauen weit offen stehen würde, und sie nichts aufhalten könnte. Wie sie bemerkt, ist es heute ziemlich offensichtlich, dass wir noch weit davon entfernt sind, Gleichberechtigung an der Spitze von Business, Politik, Recht oder Wissenschaft zu erreichen. Schätzungen sagen, dass es mindestens noch einmal 100 Jahre dauern wird, bevor der amerikanische Kongress zur Hälfte mit Frauen besetzt sein wird. Zudem, so Sandberg, gibt es in Bezug auf Gleichberechtigung im häuslichen Bereich sogar noch weniger Fortschritt. Frauen erledigen im Gegensatz zu den Männern immer noch doppelt so viel Hausarbeit und leisten ungefähr dreimal so viel in der Kindererziehung. Für jemanden wie mich, die während des Babybooms der 70er aufwuchs, ist es schon ein Schock, das zu erkennen: Während sich einerseits so viel für uns Frauen verändert hat, ist doch andererseits so wenig in Bewegung. Wie Diana L. Taylor kürzlich in einem Artikel im Wall Street Journal mit dem Titel „Wo sind all die Frauen?“ bemerkte: „Der Anteil von Frauen am Arbeitsplatz sinkt entsprechend der Höhe der Karriereleiter, und diese Situation hat sich im Laufe der letzten Jahre nicht verändert.“</p>
<p>Diejenigen von uns, die nicht an hochrangigen Positionen in der Wirtschaft oder an einer Führungsaufgabe in Recht, Politik, Wissenschaft – oder in welchem Bereich auch immer – interessiert sind, mögen denken, dass sie das nichts angeht. In bestimmten Bereichen der progressiven Kultur und Spiritualität wird diese Art der Führung als alte, etablierte und ausbeutende Machtstruktur abgetan. Es ist eine weit verbreitete Ansicht, dass Frauen einen natürlichen Zugang zu einer Art der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens haben, die eher auf Beziehungen beruht, im Allgemeinen weniger ausbeutend ist und stärker von Fürsorge motiviert wird. Mit anderen Worten werden Frauen einfach durch den Ausdruck der Werte, die aus unserer Verantwortung als Mütter und Erziehende kommen, die Welt verändern. Aber wird das möglich sein, ohne dass wir uns der Herausforderung wirklicher Führungskraft stellen?</p>
<p>Und hier liegt das Problem: In fast allen Bereichen sind zu wenige Frauen bereit, die Führung zu übernehmen. Was verwundert, denn viele Frauen scheinen sich wirklich darum zu bemühen, dass die Welt sich verändert und die Kultur sich aus den destruktiven Mustern der Vergangenheit hinaus entwickelt. Eine solche Transformation muss offensichtlich von jemandem angeführt werden. Das passiert nicht von allein. Jemand wird die neuen Werte und Möglichkeiten in uns Menschen erschaffen müssen, die solch eine Kultur unterstützen werden. Jemand wird den Weg zu diesem neuen Menschen erkunden müssen, motiviert durch etwas Höheres als Überlebensängste und persönliche Wünsche. Das ist keine gewöhnliche Führungsqualität – das ist heroisch. Es ruft nach einer Art und Weise Risiken einzugehen und dem Unbekannten zu begegnen, die jene bemerkenswerten Individuen demonstrierten, die kulturelle Geschichte geschrieben haben. Diese Menschen lebten mit Mut, Verpflichtung, Vision, Leidenschaft, Ausrichtung und Entschlossenheit – sie waren bereit, Gefangenschaft, Bedrohungen oder sogar ihr Leben zu riskieren. Man denke nur an Galileo, Descartes, Van Gogh, Martin Luther King, Gandhi … Tatsächlich gab es auch einige Frauen, die solche Risiken auf sich genommen haben – Aung San Suu Kyi in Burma ist ein leuchtendes Beispiel dafür. Aber die Wahrheit ist, dass Frauen solche Schlüsselrollen in der Kultur nur selten eingenommen haben, da unsere Energie und Intelligenz gebraucht wurde, um neues Leben hervorzubringen (was auch schon ein Risiko in sich selbst darstellt) und Kinder zu gebären und zu erziehen. Unser biologisches Mandat, Leben zu produzieren und zu beschützen, hat uns nicht von Natur aus damit ausgestattet, an anderer Stelle Risiken einzugehen, die jetzt vielleicht viel größeren und bedeutenderen kulturellen Einfluss haben könnten.</p>
<p>Deshalb bin ich der Ansicht, dass wir viel von den Frauen lernen können, die konventionelle Führungspositionen erreicht haben. Die Tatsache, dass Frauen so darum kämpfen, innerhalb der konventionellen Machtstrukturen im Spiel bleiben zu können, legt nahe, dass wir sogar noch härter arbeiten müssen, um eine Führungskraft zu entwickeln, welche die Kultur und uns selbst auf der tiefsten Ebene unserer Werte verändern wird. Die Schwierigkeiten, die Frauen in Führungspositionen an den gegenwärtigen Schalthebeln der Macht haben, offenbaren Muster in uns allen und in unserem Bewusstsein, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, wenn wir zu Katalysatoren von etwas Neuem werden wollen.<br />
Sheryl Sandberg nennt drei spezifische Dinge, die Frauen in Führungspositionen tun sollten:</p>
<p>1. Setzen Sie sich an den Tisch,</p>
<p>2. Machen Sie Ihren Partner zum Partner und</p>
<p>3. Gehen Sie nicht, bevor Sie gehen.</p>
<p>Da diese Leitlinien etwas verschlüsselt erscheinen, möchte ich sie hier kurz erklären. In Bezug auf den ersten Punkt bemerkt Sandberg, dass Frauen in Situationen, in denen ihnen Autorität garantiert wäre und sie als Leader anerkannt würden, oft dazu neigen, sich zurückzuziehen – selbst wenn sie in dieser Situation als Frauen willkommen sind. Frauen sind eher zurückhaltend und ziehen es vor, nicht so im Mittelpunkt zu stehen. Man könnte nun sagen, dass das etwas mit Demut zu tun hat, aber wenn einem etwas am Herzen liegt, dann muss man dafür Sorge tragen, dass die eigenen Argumente im Entscheidungsprozess gehört werden. Das ist also keine Demut, das ist ineffektiv. Der zweite Punkt bezieht sich auf die Ungleichheit im häuslichen Bereich – Frauen arbeiten mehr im Haushalt und in der Kindererziehung. Sandberg vermutet, dass dies nicht einfach mit der Faulheit der Männer zu tun hat, sondern dass Frauen an diesen traditionell femininen Rollen festhalten. Wir haben nicht viel Sympathie für Hausmänner. Obwohl sich so viele Frauen über die Ungleichheit im häuslichen Bereich beschweren, könnte es sogar sein, dass wir subtil (oder nicht so subtil) sicherstellen, dass wir in diesem Bereich die Hauptrolle spielen. Und schließlich bezieht sich Sandberg in ihrem letzten Punkt auf die Art und Weise, in der Frauen unbewusst Entscheidungen über Kariere und Kinder treffen, die sie schlussendlich wieder in den häuslichen Bereich zurückbringen. Mit anderen Worten, bei der Planung von Kindern und Kariere schrecken Frauen davor zurück, größere Verantwortung, Herausforderungen und letztendlich Leadership zu übernehmen.</p>
<p>Ich bewundere Sandberg dafür, die Dinge so deutlich in ihrer Sicht zu schildern. Die Reaktion der Boomer auf diesen Mangel an Führungsqualität geht oft auf die feministischen Erkenntnisse der 60er bis 70er Jahre über die Diskriminierung von Frauen zurück. Während das natürlich immer noch ein Thema ist, deutet doch die Beständigkeit dieses Problems in der ganzen Welt – inklusive der Länder mit guter Kinderfürsorge und Elternrechten – darauf hin, dass hier mehr im Spiel ist, als nur die gesellschaftliche Feindseligkeit gegenüber Frauen. Sandberg traut sich, auf etwas in uns Frauen hinzuweisen, das uns unbewusst zurückhält. In dieser Zeit, wo die historischen Überreste der Unterordnung von Frauen schwer über der sozialen Landschaft lasten, wird diese Botschaft in progressiven Kreisen nicht gern gehört. Wir können nicht bestreiten, dass uns die Türen offen stehen, aber es muss auch anerkannt werden, dass sich die Mehrzahl der intelligenten und talentierten Frauen aus dem Berufsleben und dem gesellschaftlichen Engagement zurückziehen, bevor sie Autorität und Leadership entwickelt haben. Aber so werden wir niemals die Fähigkeiten entwickeln, um die Führungspersönlichkeiten zu werden, die wir sein müssen, um den Wandel zu gestalten, den wir zutiefst wollen.</p>
<p>Tatsächlich herrscht momentan eine Schizophrenie um das Thema Frauen-Leadership, die jeden Fortschritt unmöglich oder zumindest unwahrscheinlich macht. Eine Kollegin von mir besuchte 2010 die Massachusetts Conference for Women, eine Konferenz, auf der Gloria Steinem, Elizabeth Lesser und Victoria Reggie-Kennedy einige der eindrucksvollen Sprecherinnen waren. Die Konferenzsprecherinnen bestätigten zwar den Mangel an Frauenführung in Business und Politik. Diejenigen Frauen jedoch, die sich auf Frauen-Leadership konzentrierten, hielten zwei gegensätzliche Positionen in Relation zu dieser Tatsache: 1. Frauen müssten bestimmte Grundfähigkeiten entwickeln, die entscheidend für Führungsqualität sind (komplexe Entscheidungen treffen können, selbstbestimmt sein, Perspektive auch unter emotionalem Druck bewahren). UND 2. Frauen besitzen die Qualitäten und Fähigkeiten bereits, haben sie aber noch nicht erkannt oder verwirklicht. Bedenkt man den sehr realen geschichtlichen Hintergrund der Unterdrückung von Frauen, ist es riskant, offen zu sagen, dass wir Lücken in unserer eigenen Entwicklung haben, die bei vielen von uns dazu führen, dass wir nicht an erster Stelle nach Leadership streben – und es auch für jene schwierig machen, die authentische Führung und Autorität demonstrieren. Als Feministin machen mich solche Aussagen nervös! Wenn wir die Chancengleichheit anerkennen, aber gleichzeitig sagen, dass Frauen in den Fähigkeiten, die innovative Führung ermöglichen, nicht gleichermaßen entwickelt sind, landen wir dann am Ende wieder am Herd?</p>
<p>Ehrlich gesagt, und trotz meiner Nervosität, zweifele ich daran – wir sind alle schon zu weit gekommen. Schauen wir auf unsere Vergangenheit und die Rolle der Unterstützung, die wir gespielt haben, damit die menschliche Gesellschaft stabil wachsen konnte, ist es verständlich, dass wir keine Vorliebe dafür entwickelt haben, uns nach vorne zu drängen und die Grenzen dessen, was möglich ist, zu erweitern. Das ist nur etwas für seltene Individuen, seien diese nun männlich oder weiblich, und auf dem Hintergrund der Geschichte der Frauen sind diese Menschen allerdings viel seltener weiblich. Wenn wir das klar erkennen, kann uns das wachrütteln und sogar inspirieren. Weil sich solange nichts ändern wird, wie wir gewohnheitsmäßig, zwanghaft und unbewusst die Entscheidungen treffen, die sich am Status quo orientieren. Und es ist dieser Status quo, in dem sich die Frau um das Feuer im Herd kümmerte und die Haushalte führte (und sogar Organisationen) und den Kompass nach dem ausrichtete, was andere wollten.</p>
<p>Das Geschenk unserer postmodernen Kultur (nach 1960) ist die Kraft der Entscheidung. Aber wenn wir auf die Zahlen der Frauen schauen, die vor Leadership zurückschrecken, frage ich mich, ob wir wirklich freie Entscheidungen treffen. Ja, Frauen entscheiden – treffen Entscheidungen die sie, eine nach der anderen, aus Führungspositionen herausführen nach Hause, von dem die Konservativen behaupten, dass wir da sowieso hingehören. (Unglaublich, dass wir uns dagegen gesträubt haben und es scheinbar nun selbst ausleben – sogar als intelligente, progressive Frauen!) Treffen wir wirklich freie Entscheidungen? Ich glaube, es wäre richtiger zu sagen, dass wir auf zwanghafte Art und Weise in unser gewohnheitsmäßigstes, bekanntestes und bequemstes psychologisches Muster zurückfallen – als unterstützende Fürsorger, die am Rand sitzen und verantwortlich sind für unser eigenes Überleben und das Überleben unserer Kinder. Nicht als die wagemutigen, unerschrockenen Veränderer, die von einer Vision des Möglichen begeistert sind. Frauen werden nicht wirklich frei sein, um eigene Entscheidungen zu fällen, solange wir uns die Kräfte des Status quo in uns nicht bewusst machen. Gerade jetzt, nach nur 50 Jahren Zugang zu kulturellen Führungsmöglichkeiten, werden die meisten von uns unbewusst von dem Gewicht von Hunderttausenden von Jahren der Sicherung des Überlebens unserer Spezies zurückgehalten.</p>
<p>Für uns Frauen ist das kostbare und kreative Geschenk der Autonomie – die Fähigkeit, unsere eigene Richtung zu wählen – in jahrhundertealten Gewohnheiten verborgen, die uns den Zugang zu dem Mut erschweren, der immer notwendig ist, um die Kultur auf der tiefsten Ebene zu verändern. Weniger wird nicht genügen. Wir brauchen keine oberflächliche Veränderung, sondern eine tief greifende Wandlung auf der Ebene unserer grundlegendsten Motivationen. Das ist keine Schönheitsoperation, sondern eine spirituelle Auseinandersetzung, deren Ergebnis die Evolution der Frauen sein wird.</p>
<p>Bei EnlightenNext arbeiten meine spirituellen Schwestern und ich mit unserem spirituellen Lehrer Andrew Cohen an diesem Wandel. Seit mehr als fünfzehn Jahren beschäftigen wir uns mit der Bewusstmachung dessen, was und wer wir als Frauen sind. Und wir haben erkannt, dass wir nur dann eine tiefe und authentische Freiheit der Entscheidung zum Ausdruck bringen können, wenn wir unsere Identifikation mit den Gewohnheiten, Impulsen, instinkthaften Trieben und Mustern des Denkens und Fühlens, die wir für selbstverständlich halten, auflösen. Dadurch schaffen wir mehr Raum und ein größeres Maß an Freiheit in uns selbst, aus dem mehr Klarheit, Richtung und Sinn entspringen. Es ist spannend und zutiefst herausfordernd alles, was wir als Frauen jemals als selbstverständlich angesehen haben, auf den Prüfstein zu legen. Nun, nach all den Jahren der Arbeit, möchten wir unsere Erkenntnisse und Erfahrungen mit anderen Frauen teilen – mit Frauen, die sich auch dazu verpflichtet haben, eine neue Zukunft zu kreieren. Wir haben einen Kurs mit dem Namen <a href="http://www.evolvewomen.com/ten_agreements/" rel="external nofollow">The Ten Agreements for Evolving Women</a> gestaltet, der uns lehrt, wie wir uns vom Alten befreien können, um die Stärke und Solidarität zu entwickeln, die uns zum Neuen bringen wird. Wir haben gelernt, dass wir das nicht allein können. Ich hoffe, dass Sie sich angesprochen fühlen, und mit uns eine neue Art der Führung entdecken, die den Status quo unserer bisherigen Identifikationen erschüttert, damit wir gemeinsam die Zukunft gestalten können, die wir in der Tiefe unserer Herzen erahnen können.</p>
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		<title>Harte Kerle: Machos sind sozialer als gedacht</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jun 2012 08:57:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
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		<description><![CDATA[Besonders maskuline Männer opfern sich als erstes für die Gruppe St. Andrews (pte) — Machos gelten oft als unkooperativ, gefühlskalt, aggressiv oder sogar unehrlich. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung der University St. Andrews in Schottland beweist nun genau das Gegenteil. Demnach haben Männer mit ausgesprochen maskulinem Erscheinungsbild wie einem breiten Kinn eine weitaus sozialere Ader als bislang [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Besonders maskuline Männer opfern sich als erstes für die Gruppe</h2>
<div id="attachment_5011" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/20120611004.jpeg" rel="lightbox[5009]"><img class=" wp-image-5011 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/20120611004.jpeg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Machos: Auch harte Kerle haben eine soziale Seite (Foto: flickr.com/derekskey)</p></div>
<p>St. Andrews (pte) — Machos gelten oft als unkooperativ, gefühlskalt, aggressiv oder sogar unehrlich. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung der <a href="http://www.st-andrews.ac.uk" target="_blank" rel="external nofollow">University St. Andrews</a> in Schottland beweist nun genau das Gegenteil. Demnach haben Männer mit ausgesprochen maskulinem Erscheinungsbild wie einem breiten Kinn eine weitaus sozialere Ader als bislang angenommen und sind in Gefahrensituation die Ersten, wenn es darum geht, sich selbst zum Wohle der Gruppe zu opfern. Dies gilt allerdings nur, wenn sie sich im Wettstreit mit anderen befinden.</p>
<h4>Gute Beschützer</h4>
<p>»Dominant aussehende Männer — typischerweise charakterisiert durch breite Gesichter — werden oft als knochenharte Kerle dargestellt. Wir haben uns aber gefragt, ob sich das Verhältnis zwischen Gesichtsbreite und Persönlichkeit wirklich derart einfach beschreiben lässt«, erklären die beiden Studienleiter Michael Stirrat und David Perrett. Das Ergebnis ihrer Forschung: »Besonders maskulin wirkende Männer können zwar in manchen Situationen ein eher anti-soziales Verhalten wie physische Aggression an den Tag legen. Wenn es darum geht, die eigene Gruppe zu schützen, sind sie aber als erstes bereit, sich zu opfern«, so die Autoren.</p>
<h4>Testosteron als Faktor</h4>
<p>»Diese Studienresultate passen doch sehr gut ins Bild«, meint der Sexualmediziner <a href="http://www.sexualmedizin-linz.at" target="_blank" rel="external nofollow">Georg Pfau</a> im Interview. Ausschlaggebender Faktor in diesem Zusammenhang sei der Testosteronwert. »Je höher der Testosteronspiegel eines Mannes ist, desto deutlicher ausgeprägt sind maskuline Verhaltensmuster, zu denen auch physische Aggressivität oder eine besondere Extrovertiertheit zählen. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Betroffene aktiv auf Probleme zugeht und dabei auch nicht vor eine Auseinandersetzung zurückscheut. Hierzu gehört auch die Verteidigung der eigenen Gruppe«, führt Pfau aus.</p>
<p>Dem Experten zufolge ist es in diesem Kontext allerdings notwendig, genauer auf den Aspekt der Gewaltbereitschaft einzugehen. »Man kann zwar allgemein sagen, dass Testosteron die Gewaltbereitschaft fördert. Es gibt hier aber starke Abstufungen. Die Gewaltbereitschaft, die zum Schutz der eigenen Gruppe notwendig ist, ist nicht mit unmotivierter physischer Aggressivität zu verwechseln. Letztere ist ein klar psychologisches Problem«, erläutert der Sexualmediziner.</p>
<h4>Rivalität entscheidet</h4>
<p>Um zu ihren Ergebnissen zu kommen, haben die britischen Wissenschaftler im Rahmen eines Gruppenspiels Geld an Studenten verteilt. Diese konnten dann in verschiedenen Testsituationen entscheiden, ob sie das erhaltene Guthaben für das eigene oder das Wohl der Gruppe riskieren wollten. Der Hälfte wurde gesagt, dass die Resultate des Spiels mit denen einer anderen rivalisierenden Universität verglichen werden würden. »Sobald wir die Rivalität ins Spiel gebracht haben, waren jene Teilnehmer mit breiteren Gesichtern deutlich kooperativer als die anderen Männer«, berichten die Studienleiter in der Zeitschrift »Psychological Science«.</p>
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