<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	xmlns:series="http://organizeseries.com/"
	>

<channel>
	<title>OpenMindJournal &#187; Beziehungen</title>
	<atom:link href="http://www.openmindjournal.com/category/gemeinsam/beziehungen/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.openmindjournal.com</link>
	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Kultur und Change</description>
	<lastBuildDate>Wed, 01 May 2013 15:29:45 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.5.1</generator>
		<item>
		<title>Umgang mit der Sexualität als Lebenskunst</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/11/12/umgang-mit-der-sexualitaet-als-lebenskunst/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/11/12/umgang-mit-der-sexualitaet-als-lebenskunst/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Nov 2012 13:14:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ELias</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Body]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Mann-Sein]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Tantra]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstheit]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstsein]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenskunst]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualberatung]]></category>
		<category><![CDATA[Spirituelle Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Überbevölkerung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=5478</guid>
		<description><![CDATA[Warum braucht es eine Sexualberatung »[…]Das Kalkül beim bewussten Gebrauch der Lüste zielt darauf ab, sie im Maß zu halten und nicht auf einmal aufzuzehren. Die vorsätzliche Begrenzung der Lüste hält die Sehnsucht nach ihrem Genuss wach, denn Sehnsucht gilt nur einem Gut, das nicht beliebig verfügbar ist. Das richtige Maß ist dabei nicht von [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Warum braucht es eine Sexualberatung</h2>
<p><img class=" wp-image-5479 alignright" style="margin-left: 10px;" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/photodune-1132054-beautiful-men-metal-hands-with-long-fingers-s-300x200.jpg" alt="" width="200" />»[…]<em>Das Kalkül beim bewussten Gebrauch der Lüste zielt darauf ab, sie im Maß zu halten und nicht auf einmal aufzuzehren. Die vorsätzliche Begrenzung der Lüste hält die Sehnsucht nach ihrem Genuss wach, denn Sehnsucht gilt nur einem Gut, das nicht beliebig verfügbar ist. Das richtige Maß ist dabei nicht von vornherein festgelegt, es kann gelegentlich auch der Exzess damit gemeint sein, etwa um sich allzu starr gewordener Gewohnheiten wieder zu entledigen; der Genuss gibt dem Leben neuen Antrieb. Vieles liegt an der wählerischen Haltung im Umgang mit den Lüsten, um selbst darüber zu befinden, welche Lust wann, wie lange, mit wem, in welcher Situation, in welchem Maße und bis zu welchem Punkt zu gebrauchen ist. Die Lebenskunst kann auch in einer Vervielfältigung der Lüste bestehen, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. </em>[…]“</p>
<p>(Wilhelm Schmid: aus der „Philosophie der Lebenskunst“ <a href="http://www.kultur-punkt.ch/" rel="external nofollow">www.kultur-punkt.ch</a>)</p>
<p>Je mehr Jahre ich auf dieser Erde verbringe und je genauer, gewissenhafter und tiefgründiger ich die Sexualität erforsche, desto mehr entfaltet sich für mich die Tatsache, dass (fast) alle Probleme, die ein Mensch als Person und soziales Wesen haben kann, direkt oder indirekt damit zusammenhängen, dass dieser Mensch keinen adäquaten, rationalen und zugleich glücklichen Umgang mit der Sexualität bis dato gefunden hat. Daraus ergibt sich für mich unmittelbar die große Wichtigkeit des Themas Sexualität im persönlichen und sozialen Leben. Aus dieser Sicht erscheint es ganz erstaunlich, dass so wenige Menschen sich mit den Themengebieten Sexualität, Lust und Begehren lebenslang, wissenschaftlich und ganzheitlich, auch vielleicht interdisziplinär beschäftigt haben, obwohl das Problem eigentlich offensichtlich ist. Denn: überall in der Welt beobachten wir, welche allgemeinen Sorgen oder globalen Fragen aus dem falschen Umgang mit der Lust resultieren. Wir beobachten, wie wir Menschen immer wieder versuchen, die Sexualität zu normieren oder sie einer bestimmten Religion, Philosophie, Tendenz oder Tradition unterzuordnen. Anderseits führt ein beharrlicher Versuch oder das Streben, die Lust um jeden Preis von einer Ideologie, Politik oder einfach von einem Konzept zu „befreien“, in der Regel zu noch viel „schlimmeren“ Ergebnissen. Vielleicht liegt es daran, dass die Freiheit als allgemein anerkannter Wert, ein s.g. intrinsischer (innerer) Wert durch keinen Willensakt, auch nicht durch den äußeren Kampf gegen herrschende Prinzipien als extrinsischer (äußerer) Wert verwirklicht werden kann. Die von vielen bewussten Individuen, Kulturen und Gesellschaften angestrebte (sexuelle) Freiheit kann natürlich auch nicht einfach aus sich selbst heraus, ich meine damit, aus der puren Lust heraus erlangt werden.</p>
<p>Wie dem auch sei, die Überbevölkerung der Erde und daraus sich ergebenen Probleme, wie Hunger, Not, Elend, Krankheiten sind in vielen Ländern der Welt wenn nicht ein direktes, dann mehr oder weniger indirektes Ergebnis einer ziemlich unbewussten, unkontrollierten Lust. Und das zu Zeiten, in denen Kontrazeptiva eigentlich problemlos für alle Menschen zugänglich gemacht werden könnten, wenn die wirtschaftlich privilegierten und religiös manipulierten Personen und Schichten es wirklich wollten. In den s.g. Industrieländern dagegen werden den meisten Menschen von außen Arbeit und Wohlstand suggeriert als asketischer Weg der Sublimierung oder der Transformation der Lust. Oft führt dies zu einem Automatismus in Lebensentfaltung und Lebensgestaltung, indem das „Mensch Sein“ auf „ Funktionieren“ reduziert wird. Radikal darf man aus dieser Sicht manche „prä-industrielle“ Gesellschaften und Kulturen als –„Roboter-Gesellschaften“ bezeichnen. Und, tatsächlich, eine konsequente Vermeidung der Lust führt zu einer sehr starken Konditionierung, zum Mangel an Bewusstsein, zu einem Roboter-Dasein, in dem der ganze Lebensentwurf und anspruchsvolle, sakrale Kunst, die Lebenskunst, auf Erfüllung kurz– und langfristigen materiellen Zielen ausgerichtet wird. Darum ist auch die Gier, ob nach Geld, nach Reichtum oder nach politischer Macht, auch ein indirekt sexuelles Problem, denn auch sie resultiert aus der Vermeidung und Unterdrückung der Lust, meistens durch Religion, Moral und teilweise durch Kultur, die auch Religion und Moral in sich trägt. Aus dieser (vielleicht etwas freudschen) Sicht erscheinen Arbeit und Beruf als Werkzeuge, mit denen man einen Wohlstand erreichen kann, bloß als negativ gefärbte Kompensationen der Lust. Anderseits führt ein permanenter Kampf gegen die sexuelle Unterdrückung im Sinn von sexuellem Hedonismus und erotischer Ausschweifung konsequent zur sexuellen Abhängigkeit, wie wir sie heute aus der Welt der neuen Medien (Internet-Pornografie, Boom des Prostitutionsgeschäfts, des Cyber-Sex und Ähnliches) kennen. Einige konkrete Statistik-Zahlen kann man inzwischen vorweisen:</p>
<blockquote><p>30 Millionen Menschen haben in Deutschland Internetzugang, die Zahl der Süchtigen wird auf 1 Million geschätzt. 40 Prozent aller Internetangebote enthalten pornografische Inhalte. 74 Prozent aller Einnahmen im Internet werden mit Sex-Angeboten gemacht. Der Umsatz wird auf über eine Milliarde Dollar pro Jahr geschätzt.</p>
<p>Im Mai 2004 veröffentlichte Businessweek die Ergebnisse einer ComScore Netzwerkuntersuchung, worin 44 % der Beschäftigen von US-Firmen mit Internetzugang zugaben, im Monat März 2004 während der Arbeit auf Websites mit Sexinhalt zugegriffen zu haben, im Vergleich dazu taten das Heimbenutzer zu 40 % und 59 % an Universitäten. <sup class='footnote'><a href="#fn-5478-1" id='fnref-5478-1'>1</a></sup></p>
<p>»Sex«, so die Marktforscher von Alexa Research, wird bei Google häufiger eingetippt als die Begriffe Games, Reise, Musik, Auto, Wetter, Gesundheit und Jobs zusammen. Zählt man die erotische Offline-Welt mit Pay-TV, Hotlines, Nacht-Clubs, Zeitschriften– und DVD-Verkäufen hinzu, setzte die Sex-Branche 2006 weltweit knapp 100 Milliarden US-Dollar um. Das ist mehr als die Technologie– und Internet-Konzerne Microsoft, Google, Yahoo, Apple, Ebay und Amazon zusammen.<sup class='footnote'><a href="#fn-5478-2" id='fnref-5478-2'>2</a></sup></p>
<p>Eine Untersuchung fand heraus, dass 80 % der Besucher von Sexwebsites so viel Zeit mit dem Herunterladen von Erotika verwendeten, dass sie die Beziehungen des realen Lebens und ihre Jobs gefährdeten. »Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie Cybersex entdeckten, hatten die meisten dieser Leute keine Probleme mit Sexabhängigkeit«, gab der Autor der Untersuchung, Al Cooper an, ein Sexualtherapeut der San José Eheberatung und am Zentrum für Sexualtherapie in San José, Kalifornien, tätig.<sup class='footnote'><a href="#fn-5478-3" id='fnref-5478-3'>3</a></sup></p>
<p>9 von 10 Kindern im Alter von 8 bis 16 Jahren haben online bereits Pornofilme gesehen — meist aus Versehen während sie ihre Hausaufgaben machten.<sup class='footnote'><a href="#fn-5478-4" id='fnref-5478-4'>4</a></sup><sup class='footnote'><a href="#fn-5478-5" id='fnref-5478-5'>5</a></sup></p></blockquote>
<p>Auch solche Erscheinungen wie psychische Krankheiten, Depression, Alkoholismus, Drogenkonsum, Suizid etc. sind indirekte Folgen eines unerfüllten Liebes– und Sexuallebens. Persönliche Beziehungsprobleme von Singles und Paaren basieren in der Regel auf unerfüllter, nicht, zu stark oder einfach falsch gelebter Sexualität. So sehen wir, dass wir Menschen nicht nur im Kollektiven, sondern auch im persönlichen Sein bis heute keinen adäquaten, für uns selbst stimmigen Umgang mit der Lust gefunden haben. Eine völlig freie, spontane, natürliche, unbewusste und unkontrollierte Sexualität führt uns zurück zur Natur, zu den Tieren und zur Überbevölkerung bzw. zum Darwinismus (nur der Stärkste überlebt), — das Modell, das wir aus den s.g. Dritten-Welt-Ländern kennen. Eine zu stark kontrollierte, normierte, konditionierte, „programmierte“ Sexualität dagegen, wie wir sie aus der christlichen Religion kennen (monogame Ehe als strenger Rahmen fürs Sexualleben) führt dagegen zur Verdrängung und zur Unterdrückung der Lust; es ist ja lange kein Geheimnis mehr, dass die Sexualität in so einer monogamen Ehe ziemlich bald ausstirbt und dass dieser Rahmen für beide Partner eine zu große, kaum zu schaffende Herausforderung darstellt. Wenn man aber gegen diese Unterdrückung sofort zu kämpfen versucht, indem man einfach aus Protest heraus sehr offen lebt und unzählige Sexualpartner hat, dann endet man vielleicht in Wollust, Libertinage, Ausschweifung, vielleicht auch in Arbeitsvermeidung, Krankheit, Abhängigkeit, Untergang, Tod. Dies waren die weit verbreiteten Ängste von Menschen, die Sexual– und Arbeitsmoral erfunden haben.</p>
<p>Viele reife, erwachsene Menschen meinen heute, für sich einen Kompromiss zu finden, indem sie ihrer Lust insgeheim mit anderen Personen oder im käuflichen Sex nachgehen, jedoch nach außen um jeden Preis den heiligen „monogamen“ Schein zu behalten versuchen. Es ist natürlich keine ehrliche und transparente Strategie, sondern eine ziemlich „schmutzige“, gemeine und betrügerische Haltung, die zu Scheinheiligkeit, Heuchelei und Doppelmoral führt. Und zwar in ihrer schlimmsten Existenz, wie wir Scheinheiligkeit, Heuchelei und Doppelmoral in den eigentlich „fortschrittlichen“ Ländern der Welt kennen. Auf Dauer führt diese Strategie zu Niedergang und Zerstörung, da sie nicht nur einfach unfair ist, sondern auch auf dem Missbrauch von denen basiert, die ihre Lust, ob asketisch oder hedonistisch, aber dennoch ehrlich, offen und transparent leben. Diese Strategie der Entwicklung eines „Doppelgesichts“ erweist sich als ungerecht, und schon deshalb ausweglos, nicht nachhaltig, dem unvermeidlichen Untergang geweiht. Und das nicht nur privat innerhalb einer Beziehung oder Partnerschaft, sondern auch kollektiv, z.B. in der Wirtschaftswelt, in der der ganze „erotischer Sektor“ immer noch wie in der „Halbwelt“ existiert. Dies hat zur Folge, dass durch versteckte, am besten geheim gehaltene Geschäfte, riesige Summen an Bar– und Steuergelder überall hinterzogen werden und spurlos verschwinden. Auf Dauer erscheint es nicht standhaft, das „Geschwür“ wird platzen.</p>
<p>Die fortgeschrittenen, „am meisten bewussten“ Individuen schweigen deshalb am besten völlig über ihr Sexualleben, denn ein offenes Bekenntnis zum Nichtfunktionieren der christlichen Monogamie wird sie vielleicht outen, sie zu Sündenböcken und „Ressentiments“ machen. Die Schattenseite davon ist , dass man so tut, als ob bei ihm, oder bei ihr, oder bei ihnen, mit der Sexualität alles in der besten Ordnung wäre. Und das entspricht ja auch nicht der eigentlichen Wahrheit. Auch stilles Schweigen kann nicht die richtige Haltung sein.</p>
<p>Was kann dann die Lösung sein? Es gibt offenbar keinen Weg zurück zur Natur, die Gesellschaft hat sich eben weiterentwickelt. Es macht auch keinen Sinn, dass wir alle wieder zu Tieren werden. Jedoch ist die Situation so wie sie eben ist (durch die christliche Religion immer noch stark dominierte und konditionierte Sexualität) auch nicht akzeptabel: man kann die Lust weder normieren, noch verdrängen oder unterdrücken, noch sie ständig geheim leben, noch sie vollständig positiv in Arbeit (sprich Geld) sublimieren oder transformieren. Alle diese Strategien erweisen sich auf Dauer als ungeeignet. Auch ein ideologischer, politischer Kampf oder ein überzeugter Protest gegen sexuelle Normen hilft nicht, denn in diesem Fall endet man im Kampf, der inzwischen dem Kampf von Don Quijotes gegen Windmühlen gleicht. Man kämpft dann als Einzelkämpfer oder als kleine Gruppe gegen ein schon lange etabliertes Normen-System; man kämpft dagegen, aber man weiß eigentlich selbst nicht wirklich gegen wen und wofür.</p>
<h4>Was kann dann die Lösung sein?</h4>
<p>Erstens, glaube ich, dass es nutzlos ist in unserer heute sehr stark individualisierten Gesellschaft nach kollektiven für alle gültige Ansätzen zu suchen. So ein Versuch wäre nicht nur zu anspruchsvoll, sondern auch zu schwerwiegend, zu pathetisch, zu politisch, in jedem Fall zu ideologisch betont. Jeder muss zuerst selbst den für ihn oder für sie richtigen persönlichen Umgang mit der Sexualität finden, in dem er oder sie diese Kraft glücklich auslebt und sich als Persönlichkeit dadurch entfalten und verwirklichen kann. Diese Entfaltung und Selbstverwirklichung in der Sexualität kann innerhalb einer Partnerschaft, einer monogamen Ehe, einer offenen Beziehung, einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten etc. gelebt werden. Sie kann heterosexuell, homosexuell oder bisexuell gefärbt sein: in Bezug auf sexuelle Orientierung und bezüglich von „Modellen“ oder „Konzepten“ betreffend Sexualität muss sich jeder Mensch völlig frei fühlen und „Modelle“ und „Konzepte“ von anderen Menschen respektieren und tolerieren, auch was das Geschäft mit der Lust angeht. Die Sexualität kann für den einen oder anderen auch die Arbeit, der Beruf oder sogar die Berufung darstellen; es lässt sich damit Geld verdienen und Geld ausgeben, wenn es sich wirklich um eine Berufung handelt. Wichtig ist dann, dass die Ausübung der Sexualität als Beruf in einem ethischen Rahmen bleibt und inneren, menschlichen Regeln folgt (Im Unterschied zu den äußeren, religiösen, moralischen Regeln), damit meine ich Ehrlichkeit und Transparenz des Geschäfts.</p>
<p>Die Sexualität kann auch ein geistiger Weg sein oder „Spiritualität“ bedeuten, wie es z.B. die neo-tantrische Philosophie zu behaupten versucht. Jedoch muss auch in diesem Fall die Normierung und die Konditionierung der Lust möglichst vermieden werden, was im Fall der Neo-Tantra-Szene natürlich noch lange nicht der Fall ist. Und, übrigens, auch in diesem Fall muss die Beziehung zwischen finanziellen und spirituellen Gesichtspunkten klar und transparent sein. Denn es ist immer zu beachten: jeder Weg ist hier nur ein persönlicher und bloß ein Erforschungsweg, eine Suche.</p>
<p>Als Nächstes glaube ich, dass es wichtig ist über Sexualität zu sprechen, — ein Vorgang, der in der christlichen Kultur leider nie etabliert war und trotz zahlreicher sexueller Revolutionen leider immer noch nicht ist. Der Mensch ist aber auch ein soziales Wesen, und vor allem das Thema Lust sollte in einer Beziehung zum Anderen angesprochen und behandelt werden. Eine Lösung der anspruchsvollen Aufgabe „Sexualität“, die jede und jeder in diesem Leben jeweils für sich selbst lösen muss, kann nur in einer offenen, ehrlichen und transparenten Kommunikation gefunden werden. Vielmehr noch: die Offenheit, die Ehrlichkeit und die Transparenz, — Werte, an denen es im heutigen Sexualleben, ob privat oder im Erotik-Geschäft, sehr stark mangelt, — können nur in der zwischenmenschlichen Kommunikation sich entfalten bzw. sich erst herausbilden. Deshalb halte ich die integrale, ganzheitliche Sexualberatung, ob im Rahmen einer Sexualtherapie, eines Sexualcoachings oder auch einer Unternehmungsberatung für Sex-Worker und Menschen, die im Erotik-Geschäft tätig sind oder sein wollen, für besonders wichtig, nützlich und fördernd.</p>
<p>Eine glückliche Sexualität an sich, genauso wie Entfaltung und Selbstverwirklichung der Person oder des Paars im Sexualleben werden erst möglich, wenn sie durch erfahrene Sexualberater geführt und begleitet werden. Es gilt dann nur zu unterscheiden zwischen wirklich neutralen, professionellen, seriösen und unabhängigen Beratern und Therapeuten auf der einen Seite und allesamt Scharlatanen, Kompensatoren, Frömmlern und Heuchlern auf der anderen Seite, von denen es in der breiten Erotik-Landschaft mehr als genug gibt.</p>
<p><em>Weitere Infos:</em></p>
<p><em><a href="http://sexualberatung-zuerich.com" target="_blank" rel="external nofollow">www.sexualberatung-zuerich.com</a></em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-5478-1'>Aus einer Studie von ComScore Networks on U.S. internet habits, zitiert aus Businessweek, 17.052004, gefunden im Disciple Journal, Ausgabe September / Oktober 2004 <a href="http://www.navpress.com/EPubs/DisplayArticle/1/1.143.14.html" rel="external nofollow">http://www.navpress.com/EPubs/DisplayArticle/1/1.143.14.html</a> <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-1">↩</a></span></li>
<li id='fn-5478-2'>Computermagazin CHIP, Andreas Hentschel, Oktober 2007 <a href="http://www.focus.de/digital/computer/chip-exklusiv/tid-7342/neue-technologien_aid_131830.html" target="_blank" rel="external nofollow">http://www.focus.de/digital/computer/chip-exklusiv/tid-7342/neue-technologien_aid_131830.html</a> <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-2">↩</a></span></li>
<li id='fn-5478-3'>www.msnbc.com, Linda Carroll, 27.07.2002 <a href="www.msnbc.msn.com/id/3078769/" target="_blank">www.msnbc.msn.com/id/3078769/</a> <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-3">↩</a></span></li>
<li id='fn-5478-4'>UK News Telegraph, NOP Research Group, 01.07.02 www.pureonline.com <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-4">↩</a></span></li>
<li id='fn-5478-5'>Wer sich für ausführliche Statistik zur Pornographie interessiert, kann sie hier nachlesen: http://www.nacktetatsachen.at/home/statistiken.html <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-5478-5">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/11/12/umgang-mit-der-sexualitaet-als-lebenskunst/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Konfliktbereitschaft fördert Beziehung</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/11/02/konfliktbereitschaft-fordert-beziehung/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/11/02/konfliktbereitschaft-fordert-beziehung/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 02 Nov 2012 14:26:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=5464</guid>
		<description><![CDATA[Expertin rät: Keine Angst vor Veränderungen Wien (pte) — Konfliktbereitschaft ist in einer zwischenmenschlichen Beziehung durchaus förderlich. Zu diesem Schluss kommt die Paartherapeutin Sabine Fischer im pressetext-Interview. »Gerade in Beziehungen, die bereits länger bestehen, ist es sehr wichtig, seine eigenen Vorstellungen zu äußern und sich auf keine faulen Kompromisse einzulassen«, so die Psychotherapeutin. Respektvoller Umgang bedeute [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Expertin rät: Keine Angst vor Veränderungen</h2>
<div id="attachment_5466" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/323085_web_R_by_Helmut-J.-Salzer_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5464]"><img class=" wp-image-5466 " title="Streiten: will wie anderes auch gelernt sein" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/11/323085_web_R_by_Helmut-J.-Salzer_pixelio.de_-243x300.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Helmut J. Salzer / pixelio.de</p></div>
<p>Wien (pte) — Konfliktbereitschaft ist in einer zwischenmenschlichen Beziehung durchaus förderlich. Zu diesem Schluss kommt die Paartherapeutin <a href="http://www.fischer-psychotherapie.at" target="_blank" rel="external nofollow">Sabine Fischer</a> im pressetext-Interview. »Gerade in Beziehungen, die bereits länger bestehen, ist es sehr wichtig, seine eigenen Vorstellungen zu äußern und sich auf keine faulen Kompromisse einzulassen«, so die Psychotherapeutin. Respektvoller Umgang bedeute nämlich auch Respekt vor den eigenen Wünschen und Vorstellungen.</p>
<p>»Doch richtig Streiten erfordert eine hohe Streitkultur«, warnt Fischer. Jegliche Form der physischen, aber auch psychischen Gewalt, ist dabei absolut tabu. »Auch Killeragumente, die dem Gegenüber keinen Platz geben, sich zu artikulieren, sondern lediglich dazu dienen, den Anderen herunterzumachen, sind ein absolutes No-Go.«</p>
<h4>Wer verändern will, muss sich äußern</h4>
<p>»Der Irrglaube, dass die Zeit alles heilt, ist immer noch weit verbreitet«, weiß die Expertin. »Wer nicht bereit ist, aktiv zu verändern, wird verändert.« Vielfach haben Partner Angst davor, ihre Bedürfnisse zu äußern, weil sie einen Bruch in der Beziehung fürchten. »Diese Angst ist nicht unberechtigt, doch stellt sich dabei die Frage, ob man seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse nur aus Bequemlichkeit vernachlässigt.«</p>
<p>»Eine Beziehung erfolgreich zu führen, erfordert Mut und den Willen auf Veränderungen so zu reagieren, dass die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht komplett verloren gehen«, so Fischer. Rettungsversuche von Beziehungen, in denen der Alltag eine Lieblosigkeit und Ignoranz zutage gefördert hat, sind jedenfalls eine ernstzunehmende Option.</p>
<p>Ein gutes Beispiel dafür ist der Film »Wie beim ersten Mal« mit Meryl Streep und Tommy Lee Jones. Das seit 30 Jahren verheiratete Paar lebt mehr oder weniger »zufrieden« nebeneinander her — bis die Ehefrau einen Schritt unternimmt, um der Beziehung neues Leben zu verleihen. Ihr Gatte folgt ihr anfangs mit großer Skepsis und Argwohn zum Therapeuten. »Dabei zeigt sich die Angst des Mannes wohl ganz offensichtlich«, bemerkt Fischer.</p>
<h4>Problemlösen schweißt oft zusammen</h4>
<p>»Paare, deren Liebe auch schwere Zeiten überstanden hat, wachsen an den gemeinsam gemeisterten Krisen«, weiß Fischer. »Große Liebe und tiefe Vertrautheit sind ein guter Start einer neuen Beziehung. Doch die verklärte Sicht der Frischverliebten weicht nach einiger Zeit und führt dann zur Ernüchterung. Dann stellt sich die Frage, ob man an der Beziehung arbeitet oder erneut einen Liebesrausch mit einem anderen Partner sucht.«</p>
<p>»Der Irrglaube, dass die große Liebe ein quasi unendlicher Selbstläufer ist, der mit dem Finden des richtigen Partner endet, ist weit verbreitet. Um jedoch eine funktionierende und erfüllte Partnerschaft zu schaffen, ist sehr viel an Beziehungsarbeit zu leisten. Haben sich zwei Liebende gefunden, beginnt die eigentliche Aufgabe erst. Was nach der ersten Phase der Verliebtheit verloren geht, ist höchstens die Illusion.«</p>
<p>»Mit dem Verschwinden der Illusion haben zwei Menschen die Gelegenheit in die Tiefe zu gehen, sich gegenseitig besser zu erkennen, schneller zu heilen, ernsthafter zu kommunizieren, aufrichtiger zu sein und wahrhaftiger zu lieben«, schreibt die US-Buchautorin <a href="http://marianne.com" target="_blank" rel="external nofollow">Marianne Williamson</a> in ihrem Buch »Verzauberte Liebe« ziemlich treffend.</p>
<h4>Trennung bleibt immer eine Option</h4>
<p>»Wenn Partner allerdings nach einiger Zeit merken, dass sie nicht zueinanderpassen, weil ihre Wertvorstellungen und Interessen weit auseinanderklaffen, ihre Auffassungen einer Beziehung völlig diametral sind oder sie sich vollends auseinandergelebt haben und Rettungsversuche keine Früchte getragen haben, ist eine Trennung eine Option«, so Fischer.</p>
<p>»Es gibt keinen Grund, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, die nicht beiden irgendeine Art eines gegenseitigen Wachstums ermöglicht. Wenn Partner einander in unendlichen und fruchtlosen Diskussionen Dinge vorwerfen, untergriffig, bösartig oder sogar gewalttätig sind, sollte man eine Trennung in Erwägung ziehen. In schwierigen Zeiten und zur Erleichterung einer Entscheidung kann eine Psychotherapie oder Beratung helfen«, erklärt Fischer abschließend.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/11/02/konfliktbereitschaft-fordert-beziehung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gemeinsam im Fluss</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/10/11/gemeinsam-im-fluss/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/10/11/gemeinsam-im-fluss/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Oct 2012 16:01:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Integral Hero]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Tantra]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=5363</guid>
		<description><![CDATA[Vom ruhigen Flussbett geführt fliesst das wilde Wasser zum Ozean zurück Sehen wir uns die Dynamik zwischen dem weiblichen und dem männlichen Prinzip an, und in der oberflächlich grobstofflichen Manifestation dieser beiden das Zusammenspiel zwischen Mann und Frau, dann sehen wir immer wieder recht ähnliche Strukturen und Begrifflichkeiten, auf die auch verschiedenste kulturelle und spirituelle [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Vom ruhigen Flussbett geführt fliesst das wilde Wasser zum Ozean zurück</h2>
<div id="attachment_5365" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/610426_web_R_K_by_Andreas-Senftleben_pixelio.png" rel="lightbox[5363]"><img class=" wp-image-5365 " title="Gemeinsam im Fluss" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/10/610426_web_R_K_by_Andreas-Senftleben_pixelio-300x199.png" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Andreas Senftleben / pixelio.de</p></div>
<p>Sehen wir uns die Dynamik zwischen dem weiblichen und dem männlichen Prinzip an, und in der oberflächlich grobstofflichen Manifestation dieser beiden das Zusammenspiel zwischen Mann und Frau, dann sehen wir immer wieder recht ähnliche Strukturen und Begrifflichkeiten, auf die auch verschiedenste kulturelle und spirituelle Traditionen hinweisen.</p>
<h4>Die Geschichte von Feminin und Maskulin</h4>
<p>In der <em>westlichen Welt</em>, mit dem Ursprung in der christlich-jüdischen und griechischen Kultur, wird das maskuline Prinzip oft bezeichnet als aktiv und initiativ, formgebend und erschaffend, konstruktiv und aufbauend, differenzierend und analytisch, objektiv, nach Fakten fragend, nach aussen gerichtet. Im Gegensatz sei die reine feminine Energie eher rezeptiv und reaktiv, entfaltend, Inhalt stiftend und Bedeutung gebend, integrativ, vernetzend und kommunikativ, intuitiv und subjektiv, sensibel und bewahrend, nach innen gerichtet.</p>
<p>Im <em>tantrischen Buddhismus</em> wird die maskuline Energie <em>Upaya</em> als aktiv, aufsteigend und Zielgerichtet bezeichnet, wogegen das feminine Prinzip <em>Prajna</em> als umfassende Weisheit bezeichnet wird, die alle Dinge und Phänomene im Universum durchdringt. Beide werden oft im <em>Yab-Yum</em>, als weibliche und männliche Buddhaform in Vereinigung, also als grundlegende Einheit des Femininen und Maskulinen, dargestellt.</p>
<p>Der <em>Daoismus</em> kennt diese vereinte Darstellung als <em>Yin-Yang</em>, mit Yin und Yang als einander gegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Prinzipien. Erst der westliche analytische Verstand hat hier mit der Zeit das Yin als weibliches und Yang als männliches Prinzip herausgefiltert, wobei die Chinesen diese Differenzierung und Separation selten verstehen. Yin wird beschrieben mit Leere, Innen und Kälte, Yang dagegen mit Fülle, Aussen und Hitze. Wo man wieder den Bezug zur Beschreibung weiter oben findet.</p>
<p>Wichtig ist hier noch einmal zu betonen, dass mit diesen Prinzipien nicht Mann und Frau gemeint sind, sondern tatsächlich essenzielle Energien, die jeweils in Frau oder Mann in unterschiedlicher Qualität und Verteilung erscheinen können. Wir alle kennen äusserlich weiblich wirkende Männer und männlich erscheinende Frauen, wobei dies oft auch durch Erziehung und die Kultur geprägt sein kann, und nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Essenz dieser Menschen dem äusserlichen Bild entspricht.</p>
<h4>Form und Leerheit, Leerheit und Form</h4>
<p>Als bildliche Darstellung des Zusammenspiels von Männlich und Weiblich nehme ich gerne das Bild des Flusses, mit dem Wasser als feminines Prinzip und dem Flussbett als maskulines Prinzip. Beide können nur miteinander als Fluss bestehen und nur gemeinsam zum Ozean gehen.</p>
<p>Ohne das Flussbett als Gefäss würde sich das Wasser in alle Himmelsrichtungen ausbreiten und die ganze Kraft würde immer schwächer werden, fast nutzlos verpuffen. Wobei das Flussbett ohne das Wasser an Tiefe verliert, komplett austrocknet und irgendwann vollkommen verflacht und verwüstet. Beide können nicht ohne dem anderen sein.</p>
<p>Das Flussbett gibt dem Wasser Halt, wogegen das Wasser dem Flussbett die Form gibt. Die Richtung wird zwar vom Flussbett vorbereitet, die eigentliche Bewegung wird allerdings vom Wasser geführt und die Kraft des Wassers kann das Flussbett in jeder Flussbiegung in eine andere Richtung umleiten. An manchen Stellen gibt das Flussbett nach, gibt dem Wasser mehr Raum, und breitet sich aus, an anderen Stellen hält das Flussbett rigide an der Richtung fest und wird durch die Kraft des Wassers noch tiefer.</p>
<p><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/17/Yin_yang.svg/200px-Yin_yang.svg.png" rel="external nofollow" rel="lightbox[5363]"><img class="alignright" style="margin-left: 10px;" title="Yin Yang" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/17/Yin_yang.svg/200px-Yin_yang.svg.png" alt="" width="100" height="100" /></a>In Erinnerung bringen möchte ich hier die Darstellung des Yin-Yang mit den jeweils andersfarbigen Punkten im Schwarz und Weiss. Auch in meinem Bild des Flusses besteht das Flussbett aus Erde, der Mutter allen Lebens, also einem femininen Aspekt, hingegen ist der Richtung gebende Aspekt im Wasser – aktiv und penetrierend –, eher dem maskulinen Prinzip zuzuordnen. So vereinen sich auch hier wieder Maskulin und Feminin auf unterschiedlichsten Ebenen.</p>
<h4>Wohin es geht</h4>
<p>Durch das Zusammenspiel zwischen Flussbett und Wasser gelangen beide irgendwann zum Flussdelta, wo sich das Wasser in der Weite des Ozeans ausbreiten und seiner wahren Natur hingeben kann, und das Flussbett entspannt sich als Meeresboden in der Tiefe und Stille des Ozeans. Beide finden nur gemeinsam zum Ziel und können sich so ihrer Bestimmung hingeben.</p>
<p>Wie wir wissen ist dies allerdings kein endgültiges Ziel, sondern nur ein kurzer Moment in einem unendlichen Kreislauf. Durch Wind und Wärme – zwei andere Element – wird das Wasser aus dem Ozean hoch in die Luft gehoben, wirbelt dabei den Meeresgrund auf, nimmt ein wenig davon mit, und wird hinweggetragen, um als Wassertropfen und Sandkörner den Weg von Neuem zu beginnen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/10/11/gemeinsam-im-fluss/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Höhen und Tiefen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/06/29/hohen-und-tiefen/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/06/29/hohen-und-tiefen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2012 06:04:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=5072</guid>
		<description><![CDATA[Warum wir unsere Beziehungen nicht überfrachten und die Unterschiede nicht platt machen sollten Wir sind so gern »auf Augenhöhe« und wollen gurufrei und selbstermächtigt unser Leben führen, natürlich zusammen mit dem geliebtem Partner in einer gleichrangigen Beziehung. Die Folge davon ist, dass wir mit den Ansprüchen an Heilung, Ergänzung und Lerngewinn in einer Beziehung, die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Warum wir unsere Beziehungen nicht überfrachten und die Unterschiede nicht platt machen sollten</h2>
<div id="attachment_5074" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/351767_web_R_B_by_Oliver-Haja_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[5072]"><img class=" wp-image-5074 " title="Auf Augenhöhe" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/06/351767_web_R_B_by_Oliver-Haja_pixelio.de_.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Oliver Haja / pixelio.de</p></div>
<p>Wir sind so gern »auf Augenhöhe« und wollen gurufrei und selbstermächtigt unser Leben führen, natürlich zusammen mit dem geliebtem Partner in einer gleichrangigen Beziehung. Die Folge davon ist, dass wir mit den Ansprüchen an Heilung, Ergänzung und Lerngewinn in einer Beziehung, die auch noch Glück bringen und lustvoll sein soll, meistens viel zu viel voneinander verlangen.</p>
<p>Gleichheit ist ein schönes Ideal. Auf der Suche nach seiner Verwirklichung aber machen wir so manches platt. Dieses schöne Ideal liegt ja schon an der Wurzel unserer demokratischen Gesellschaften: liberté, égalité, fraternité. Wir wollen Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit. Im Namen dieser Ideale haben wir die Sklaverei und den Kolonialismus abgeschafft und versucht, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu reduzieren (mit bislang noch geringem Erfolg) und sind ein paar Schritte vorangekommen auf dem Weg zur Gleichberechtigung der Frauen. Und nun wollen wir dieses Ideal auch bis tief in die Beziehungen einführen: in die Paarbeziehungen, Lernbeziehungen und heilenden Beziehungen. Alles auf Augenhöhe, denn wir sind ja alle gleich.</p>
<p>Nein, gleich sind wir nicht. Aber doch gleichrangig, das ist damit gemeint! Wir sind zwar sehr verschieden, aber vor Gott und den Gewalten der Natur doch letztlich gleich, wir Menschlein, die wir da nackt zur Welt kommen und mit leeren Händen aus ihr wieder abtreten. Nun ist es aber auch mit der Gleichrangigkeit so eine Sache: Auf der Suche nach diesem nun etwas weniger naiv formulierten Ideal machen wir immer noch sehr viel Erhobenes und Erhebendes platt.</p>
<h4>Auch gleichrangig sind wir nicht</h4>
<p>Es ist, als könnte unsere demokratische, nach Gleichbehandlung und Einheit lechzende Seele keine Erhebungen ertragen, keine Schräg– oder Hanglagen, geschweige denn Gipfel. Dabei ist es doch so, dass wir einerseits alle gleich sind — vor Gott oder einem fiktiven idealen Gericht mit einer starken Exekutive, das endlich dafür sorgen würde, dass die Menschenrechte auch eingehalten werden. Andererseits sind wir aber sehr verschieden – nicht nur was unsere Haarfarbe, die Nasenlänge und die Herkunftsfamilie anbelangt, sondern auch von unseren geistigen und seelischen Eigenschaften und den Talenten her und – ja, auch im Rang, den wir einander geben. Oder hast du auf Facebook 850 Millionen Freunde? Nein, nur eine kleine Auswahl davon, und einige davon sind dir besonders wichtig. Für die meisten von uns gibt es unter den Menschen, die uns wichtig sind, eine Nummer eins, eine Nummer zwei und eine Nummer drei, so ähnlich wie auf dem Siegertreppchen bei der Olympiade, auch wenn wir für diese Entscheidung vielleicht ein bisschen zögern, eh wir sagen: So ist es. Prioritäten zu setzen jedenfalls ist wichtig, fürs Berufsleben ebenso wie fürs Privatleben, für die Gesundheit und Ernährung und auch auf dem spirituellen Weg – überall müssen wir Prioritäten setzen uns uns entscheiden, und damit erschaffen wir eine Rangfolge.</p>
<p>Außerdem mag ich persönlich mag bergige Landschaften lieber als die, wo alles platt ist. Rangunterschiede sind Höhenunterschiede. Es ist eben nicht alles gleich und auch nicht alles gleich wichtig.</p>
<h4>Du, du, du …</h4>
<p>Kommen wir zu unseren Beziehungen. Umfragen gemäß sind die uns im Leben das wichtigste, mehr als Geld und Reichtum, vielleicht sogar mehr als die Gesundheit. Die klügeren unter den spirituellen Lehrern sagen deshalb so Sachen wie: Allein sein können ist gut, aber die Beziehungen sind die Erfüllung. Wenn du wissen willst, wie weit du bist auf dem Weg zu dir selbst und der zeitlosen Weisheit, schau dir deine Beziehungen an, sie sind der Spiegel. Die Beziehungen zu deinen Lebensgefährten, deinen Eltern und Kindern, deinen Freunden und deiner Arbeit (Chefs, Mitarbeiter, Kollegen, Kunden), zu den Nachbarn und den spirituellen Weggefährten.</p>
<p>Den modernen Beziehungsberatern (Chuck Spezzano, Eva-Maria Zurhorst und viele andere) zufolge geht es – so sagt es auch das Ideal der romantischen Liebe – besonders um die Beziehung zu einem Menschen: In diesem Menschen erkennst du dich, spiegelst dich und findest du Erfüllung. Wenn du mit diesem geliebten Menschen verschmilzt, wirst du heil und ganz. Und wenn du aus den Konflikten, die in der Beziehung mit diesem Menschen entstehen, lernen kannst, dann brauchst du keinen Guru mehr und keine spirituelle Praxis, dann ist dieser Weg der Liebe dein Weg des Lernens, Wachsens und der mystischen Vertiefung in deine Göttlichkeit oder Buddhanatur.</p>
<h4>Die Ergänzung</h4>
<p>Zunächst zum ersten Teil dieser These: Dein Partner kann dich er<em>gänz</em>en. Mit ihm wirst du ganz, der du erst doch nur ein Teil bist. Die Szene, die sich der »Ganzheitlichkeit« verschrieben hat, fährt auf sowas natürlich ab: nicht mehr allein sein, nicht mehr nur ein Teil sein. Nicht mehr nur ein isoliertes Ego (das »kleine Ich«), sondern ein Wir, ein größeres Ganzes. Statt ich nun wir: Wir beide, oder sogar die Gemeinschaft, die mich und uns er<em>gänzt</em>. Damit das klappt, muss ich den Teil, der du bist, in mir finden. So sagt das ja auch schon C.G. Jungs Theorie von Animus und Anima, oder weiter zurück in der Geschichte die These von Hermes Trismegistos, die oft die Essenz von Esoterik überhaupt genannt wurde: wie innen, so außen; wie außen, so innen.</p>
<p>In der Praxis ist es aber dann so, dass es nie ganz passt. Man hat ja Ansprüche, und die Auswahl an vermeintlich ergänzenden Partnern ist groß. Auch mit Hilfe ausführlicher Tests, von Partnerhoroskopen, Tarotkarten, Geburtsdatums-numerologie und anderem finde ich so nie die ideale Ergänzung. Jedenfalls sind die in Indien von den Eltern einander zugewiesenen Paare laut Umfragen nicht unglücklicher oder weniger einander ergänzend als die Paare hierzulande, die einander auf romantische Weise gefunden haben oder mit Hilfe von Tests. Dazu passt auch, dass in Beziehungen, in denen sich beide glücklich nennen, ein hoher Prozentsatz glaubt, es gäbe vermutlich noch jemand »da draußen«, der eine bessere Ergänzung wäre für mich.</p>
<h4>Der Partner als Guru</h4>
<p>Und nun zum zweiten Teil: Durch deinen Partner lernst du deine Stärken und Schwächen kennen. Jeder Konflikt, in dem du siehst, dass du dich im anderen »nur spiegelst«, bringt dich einen Schritt weiter auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Da kann kein Rat eines Gurus mithalten, und kein Meditations-Retreat kann dir so tiefe Einsichten vermitteln wie der Alltag mit deinem Lebenspartner: »Das ist jetzt aber dein Ding!« – »Nein deins!« – »Du projizierst das auf mich!« – »Nein, du auf mich!«</p>
<p>Ist es wirklich so, dass es keinen besseren Ratgeber gibt, um sich selbst zu erkennen, als einen nörgelnden Partner? Byron Katie, diese großartigen Erfinderin von <em>The Work</em>, erzählte Workshop für Workshop immer wieder, wie sehr ihr Mann ihr das Leben schwer machte und sie sich dafür bedankte – denn das alles hatte ja mit ihr zu tun; für sie war es der ihr zugedachte, individuell spezifische, kostenlose Unterricht im Alltag. Kein »Das will ich nie wieder erleben«, nachdem er sie wieder mal gedemütigt hatte, sondern: »Danke, dass du mir das gibst, danke für diese Lektion – und wann darf ich weiterlernen auf diese Art?«. Als sie sich dann aber von ihm getrennt hatte, war sie viel, viel glücklicher. Und hörte doch nicht auf zu lernen.</p>
<h4>Überfrachtung</h4>
<p>Inzwischen meine ich, dass die Befrachtung der Liebesbeziehung durch den Anspruch, der andere möge <em>die</em>Ergänzung sein für mich unvollständigen Teil des Universums eine Belastung ist, ebenso wie der Anspruch, der Partner möge mein Lehrer sein. Ja, wir können uns ergänzen – wie schön, wenn das der Fall ist. Das Elend liegt aber eher in der Sichtweise, als einzelner unvollständig zu sein als im fehlenden Verständnis davon, den anderen als »die bessere Hälfte« von sich selbst zu erkennen. Und auch was das einander Guru-Sein anbelangt: Wir können zweifellos voneinander lernen, aber es gibt auch sehr viele andere Quellen spirituellen Lernens, die nicht zu verachten sind. Eine Beziehung, die Harmonie im Alltag bringen soll, zueinander passende Weltanschauungen und Ernährungsweisen, erfüllenden Sex, gleiche Gefühle und Ansichten gegenüber Kindern, der Natur, der Politik und im Kunstgenuss – wenn diese Beziehung auch noch den Therapeuten ersetzen soll (Du bist für mich Heilung!) und den Guru (Durch dich erfahre ich das Göttliche!), dann ist das ein Rezept fürs sichere Scheitern. Oder für Heuchelei und Schattenverdrängung.</p>
<h4>Splitting versus Amefi</h4>
<p>Damit meine ich nicht, dass ich das Splitting bevorzuge. So wie einem bei Geldanlagen geraten wird, einen Teil hier zu investieren und einen Teil dort, so dass im Falle eines Crashs von einem Unternehmen oder einem ganzen Markt nicht gleich alles weg ist. Einen Menschen brauche ich für guten Sex, einen anderen für gute Gespräche, einen dritten für spirituelle Impulse für mein Wachstum, und so weiter, so meine ich das nicht. Sondern eher so: Wir dürfen dankbar sein, wenn wir das Glück haben, dass mehrere dieser Ansprüche von<em>einem</em> Menschen erfüllt werden. Für eine Zeitlang, nicht für immer. Und möge diese Zeit lange währen! Es ist ja nichts für immer: Das Amefi-Konzept (<strong>A</strong>lles <strong>m</strong>it <strong>e</strong>inem <strong>f</strong>ür <strong>i</strong>mmer) als Basis unserer Partnerschaftsphilosophie dürfen wir getrost als gescheitert betrachten.</p>
<h4>Die Gegenteile ausbalancieren</h4>
<p>Unsere Gesellschaft wandelt sich in hohem Tempo und in vieler Hinsicht, auch in der, wie Paare miteinander umgehen und was sie voneinander erwarten. Zum Beispiel werden heute die Polaritäten unserer Bedürfnisse nach Beständigkeit und Abenteuer anders ausbalanciert als früher, und ebenso die Gegensätze von Nähe und Distanz, und auch das einander Beanspruchen und einander Raum lassen. Überhaupt keine Ansprüche aneinander zu haben (»Ich will nichts von dir und lasse dich so, wie du bist«) ist spirituell korrekt geheuchelt oder aber ein Zeichen von Gleichgültigkeit. Zu viele Ansprüche aneinander zu haben ist andererseits auch nicht glückbringend, sie können eine Beziehung ersticken.</p>
<h4>Tiefe Gründe und lichte Höhen</h4>
<p>Vom sich Ducken und Einknicken vor Autoritären (ich unterwerfe mich) zum Antiautoritären (ich akzeptiere niemand und nichts Größeres als mich selbst) hinüber zu wechseln ist noch keine befriedigende Lösung, denn diese Pendelbewegung erfüllt unsere tiefe Sehnsucht noch nicht, über uns selbst hinauszuwachsen. Erst wenn wir uns »im Grunde« (das war eines der Lieblingsworte von Meister Eckhart; daher stammt auch die Redeweise »zugrunde gehen«) gleich fühlen und berechtigt, können wir den anderen auch wieder Respekt erweisen. Dann sind Schräglagen und Asymetrien keine Bedrohungen für unser Gleichberechtigung erheischendes Ego mehr, sondern diese Höhenunterschiede machen die Landschaft erst interessant. Als normaler Radfahrer sieht man das natürlich anders; vielleicht sind wir spirituellen Pilger, Höhenflieger und Tiefenstreber in dieser Hinsicht eher wie Mountainbiker, die die Anstrengungen eines Weges in die Höhe mit sportlicher Ambition in Kauf nehmen und es mögen, wenn es danach wieder steil in die Tiefe geht.</p>
<h4>Wider die Flachland-Esoterik</h4>
<p>So verstehe ich Ken Wilbers Kritik an der Flachland-Esoterik: Sie ignoriert die Unterschiede, die es gibt. Flachland-Esoterik ist wie die platten Monokulturen im Mittleren Westen der USA: Meilen über Meilen immer nur dasselbe, bewirtschaftet von Maschinen, kaum mehr von Menschen. Demgegenüber schätze ich eher die spirituellen Kulturen von Tibet, Bhutan oder den Andenvölkern. Und gleich noch ein weiterer Blick in die Biologie: Der Sinn von Sex ist die Erzeugung von Vielfalt. Mann und Frau müssen verschieden sein, um weitere Vielfalt erzeugen zu können. Deshalb mögen wir in der Erotik die <em>petites différences</em>, sie sind die Voraussetzung dafür, dass es zwischen uns knistert und funkt.</p>
<p>Die Beziehungsberater sagen zwar, je gleicher (vor allem, was den sozialen Hintergrund anbelangt) die beiden Liierten sind, desto stabiler und glückbringender ist die Beziehung. Aber ohne Unterschiede wär‹ das alles nichts, sonst könnte man sich ja gleich mit sich selbst begnügen. Manche Menschen können eben große Unterschiede verkraften und sogar schätzen, andere nur kleine. Ich liebe zwar auch das Meer – immer nur Wasser und ohne Höhenunterschiede, wie langweilig; im Falle des Meeres aber empfinde ich das nicht so. Erregend reizvoll sind für mich jedoch eher Landschaften mit tiefen Schluchten und hohen Bergen — und so auch Menschen aus ganz anderen Kulturen, Genies und Verrückte, Begnadete, Gotttrunkene, Weise und Erleuchtete.</p>
<h4>Fehlerhaft sein</h4>
<p>Auch der Umgang mit Fehlern und vermeintlichen Fehlern spielt da eine Rolle. Wenn wir das Fremde und Andere betrachten, kommt es uns ja oft so vor, als sei es falsch, wie »die« da machen. So auch im Umgang mit dem Partner: Grad haben wir uns eine Küche zusammen eingerichtet, und … waaaaaaaas, du trennst den Bio-Müll nicht??? Was bist denn du für eine? Und die Schuhe von draußen, die werden vor der Tür abgestellt, damit kommt mir keiner ins Wohnzimmer. Aber wenn du keine Fehler hast, dann ist es noch schlimmer: Dann fühle ich mich schlecht. Wie soll ich als fehlerhafter Mensch neben jemand wie dir leben können?</p>
<h4>Die Produktion der Traumfabriken…</h4>
<p>Das Ideal der romantischen Liebe und umfassenden Seelenpartnerschaft ist vor 200 Jahren am stärksten von der deutschen Romantik geprägt worden. Im 20. Jahrhundert hat die amerikanischen Traumfabrik Hollywood dieses Ideal dann ausgiebig promoted, vielleicht noch wirkungsvoller als alle Romane und Vorabendserien zusammen genommen. Neuerdings ist die Traumfabrik Bollywood im indischen Mumbai in der Hinsicht wohl ebenso aktiv (in Indien wird in einem historischen Paradigmenwechsel die arrangierte Ehe gerade abgelöst durch die Liebesehe) – und schauen wir mal, was Nollywood, die boomende nigerianische Filmindustrie, im Lauf der kommenden Jahre noch so produziert, dort werden immerhin schon mehr Filme pro Jahr veröffentlicht als in Hollywood, aber noch nicht so viele wie in Bollywood.</p>
<h4>… und die Selbstverantwortung</h4>
<p>Die spirituellen Erwartungen an die Paarbeziehung sind ein Weltphänomen geworden. Die Traumfabriken Hollywood, Bolllywood und Nollywood werden diesen Trend nicht ignorieren können, sondern ihn bald schüren, unterstützen und ihm eigene Prägungen geben. Dann wird die Frage, ob wir unsere Paarbeziehungen mit zu vielen Ansprüchen nicht überlasten, noch größere gesellschaftliche Relevanz bekommen. Dass es die »Berufe« des Therapeuten, Coaches, Lehrers, auch des spirituellen Lehrers gibt, das hat ja auch sein Gutes. Die Frage rührt an das Grundproblem des Expertentums: Wir brauchen sie, diese Spezialisten, weil unser Leben inzwischen so kompliziert geworden ist. Aber wir sollten dabei die Verantwortung für uns selbst und unser Leben nicht an sie abgeben.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/06/29/hohen-und-tiefen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eros, Sex, Lust und Liebe</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/06/eros-sex-lust-und-liebe/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/05/06/eros-sex-lust-und-liebe/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 May 2012 18:22:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4834</guid>
		<description><![CDATA[Die Suche nach dem „Motor“ der Evolution hat eine lange philosophische und in der jüngeren Geschichte auch wissenschaftliche Tradition. Beide versuchen, die letztere von zwei Grundfragen zu beantworten: - Warum ist überhaupt irgendetwas? und - Warum entwickelt sich dieses Irgendetwas (und bleibt nicht einfach so, wie es ist)? Warum bleiben die ersten Wasserstoffatome und Gaswolken [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4848" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/4650_original_R_by_Henning-Hraban-Ramm_pixelio.png" rel="lightbox[4834]"><img class=" wp-image-4848 " title="Talk about Sex" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/4650_original_R_by_Henning-Hraban-Ramm_pixelio-300x217.png" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Henning Hraban Ramm / pixelio.de</p></div>
<p>Die Suche nach dem „Motor“ der Evolution hat eine lange philosophische und in der jüngeren Geschichte auch wissenschaftliche Tradition. Beide versuchen, die letztere von zwei Grundfragen zu beantworten:</p>
<p>- Warum ist überhaupt irgendetwas? und</p>
<p>- Warum entwickelt sich dieses Irgendetwas (und bleibt nicht einfach so, wie es ist)?</p>
<p>Warum bleiben die ersten Wasserstoffatome und Gaswolken im Universum nicht einfach Atome und Gaswolken, sondern formen sich zu Sonnen, die nach ihrem Sterben in gewaltigen Explosionen neue Elemente hervorbringen? Warum formen sich aus dem Sternenstaub dieser frühen Explosionen Sonnensysteme mit Planeten, auf denen dann immer komplexere Formen von Leben (und Bewusstsein) entstehen? Warum kommt dieses Leben nicht irgendwann einmal an den Punkt, an dem es „genug ist“, sondern schreitet in aufeinanderfolgenden Stufen von Komplexität und Bewusstheit immer weiter fort? Warum kann dieser Augenblick und der nächste und der darauffolgende nicht einfach so bleiben, wie er ist, sondern präsentiert sich in einer unablässigen Folge von Veränderungen, die, auf längere Sicht betrachtet und unter Berücksichtigung vieler Schlingen und Schlaufen, wieder in eine Richtung von zunehmender Komplexität und Bewusstheit zeigen? Wer oder was steckt hinter dieser Dynamik, die sich wie ein roter Faden und kosmischer Strang durch die gesamte Geschichte der Manifestation zieht und heute so quicklebendig ist wie am ersten Schöpfungstag?</p>
<blockquote><p>Eros ist ein liebender, schöpferischer Impuls, der in einer unbändigen Freude und Kreativität unsere Entwicklung, vorantreibt.</p></blockquote>
<h4>LIEBE als Prinzip der Entwicklung</h4>
<p>Eine frühe philosophische Antwort auf diese Frage, oder, genauer, eine Bezeichnung dieser geheimnisvollen Kraft, ist Eros, der als ein liebender, schöpferischer Impuls in einer unbändigen Freude und Kreativität die Entwicklung, unsere Entwicklung, vorantreibt. Dieser Eros ist die Kraft und Liebe, welche die Sterne ebenso bewegt wie unsere Gefühle, Gedanken und Taten. In diesem Sinne ist alles, wirklich <em>alles</em>, was sich im Universum ereignet, ein Ausdruck von LIEBE. Ausgedrückt in der wissenschaftlichen Sprache der Systemtheorie wird in diesem Zusammenhang von Autopoiesis oder der Kraft der Selbstorganisation gesprochen. Das klingt „vernünftiger“ als Liebe oder Eros, bezeichnet aber letztendlich auch nur etwas, was sich zwar ständig erfahren, beobachten und in seiner Wirkung beschreiben, aber im Hinblick auf seine Herkunft nicht erklären lässt, und so landen wir wieder beim Fragenpaar</p>
<p>- Warum ist überhaupt irgendetwas? und</p>
<p>- Warum entwickelt sich dieses Irgendetwas (und bleibt nicht einfach so, wie es ist)?</p>
<p>Die Beschreibung und das Philosophieren aus einer kosmischen-universellen Perspektive heraus ist das eine, doch so richtig interessant wird es, wenn wir die irdisch menschliche Dimension in ihrem Eingebettet-Sein in diese evolutionäre Strömung eines die Entwicklung immer weiter vorantreibenden Geschehens betrachten. Die Aussage „alles ist letztendlich ein Ausdruck von LIEBE“ wird buchstäblich relativiert, wenn wir unseren Umgang mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen und –wesen und unseren Umgang mit der Natur betrachten. Im Rahmen der allumfassenden LIEBE gibt es hier ein breites  Erlebensspektrum von totaler Lieblosigkeit bis zu einer übermenschlich erscheinenden Liebesfähigkeit. Die LIEBE bringt offensichtlich in einer unerschöpflichen Kreativität immer neue, höhere und weitere Möglichkeiten und Formen von Liebe hervor, die wir Menschen in uns, zwischen uns und auch gegenüber der Natur zum Ausdruck bringen können. Die Entwicklung schreitet offenbar voran, auch die Entwicklung von Liebe, und wir mit ihr, mehr oder weniger.</p>
<h4>Entwicklungsstufen auf dem Weg zur LIEBE</h4>
<p>Können wir in einer kosmischen Dimension von einem allumfassenden Eros und einer alles durchdringenden und absoluten LIEBE sprechen, müssen wir in einem sich entwickelnden Universum, wenn wir die durch die LIEBE hervorgebrachte Formen– und Erscheinungswelt wirklich würdigen wollen, von Ebenen des Eros, der Liebe, der Lust und der Sexualität sprechen. Auf jeder Entwicklungsstufe, so einer der wichtigen Hinweise einer integralen Theorie und Praxis, wird der begrenzte Liebeshorizont erweitert und umfasst immer mehr Perspektiven, Wesen und Sein – von egozentrisch zu ethnozentrisch zu weltzentrisch zu kosmozentrisch, von narzisstisch zu absolutistisch zu aufgeklärt/modern zu multiperspektivisch/postmodern zu integral und noch weiter. Doch was bedeutet das konkret, wie wird Liebe auf den unterschiedlichen Entwicklungsstufen gelebt und drückt sie sich aus, welche Formen von Beziehung sind weiter entwickelt als andere, und was bedeutet „Sexualität  auf einer höheren Stufe“ konkret?</p>
<blockquote><p>Auf jeder Entwicklungsstufe wird der Liebeshorizont erweitert und umfasst immer mehr Perspektiven – von egozentrisch zu ethnozentrisch zu weltzentrisch zu kosmozentrisch.</p></blockquote>
<p>Eine Personengruppe die diesbezüglich unter besonderer Beobachtung steht, ist die der spirituellen Lehrer. Deren Lehren betonen immer wieder die Dimensionen von Absolutheit, Liebe und Eros, und viele sprechen auch konkret über Sexualität (oder „erleuchtete Sexualität“ und „tranzendente Beziehungen“). Da liegt es nahe zu schauen, wie diese Lehrer diesen Ansprüchen in ihrem öffentlichen und privaten  Leben genügen, und inwieweit „talk“ und „walk“ übereinstimmen. Ein aktueller „Fall“ diesbezüglich ist Marc Gafni, ein Lehrer, mit dem auch das Integrale Forum (IF) im Austausch steht und der bereits an IF-Tagungen beteiligt war. Ohne auf die aktuelle Diskussion einzugehen (Stellungnahmen des IF finden sich auf <a href="http://www.integralesforum.org/" rel="external nofollow">www.integralesforum.org</a>), sollen hier einige allgemeine Hinweise gegeben werden, abgeleitet aus Elementen der integralen Theorie und Praxis, als Möglichkeiten der Orientierung bei der schwierigen Diskussion der Beurteilung der Integrität von Menschen in Liebesbeziehungen (einschließlich der eigenen Person).</p>
<h4>Ebenen von Beziehungen</h4>
<p>Die Bedeutung der Berücksichtigung einer Entwicklungsperspektive für das Thema Beziehungen wurde schon erwähnt und soll hier noch einmal unterstrichen werden. Auf jeder der Entwicklungsstufen, z. B. traditionell zu modern zu postmodern und darüber hinaus wird Beziehung neu definiert, im Sinne eines „transzendiere und bewahre“. Bewährtes wird übernommen, als eine notwendige Voraussetzung für weiteres Wachstum, und neue Elemente und Perspektiven kommen hinzu. Die gesunde Weiterentwicklung von Beziehungen braucht daher neben einem progressiven Element immer auch etwas Konservatives. Die Frage, was sich in Beziehungen bewährt hat und „treu und verlässlich“ beibehalten werden sollte und was nicht, ist bereits eine erste große Herausforderung. Was hat sich wirklich überlebt und gilt es loszulassen, mit den dazugehörigen (Verlust)Ängsten, und wo läuft man einfach nur vor einer Verantwortung oder Schwierigkeiten davon?</p>
<h4>Ebenen von Beziehungsaspekten</h4>
<p>Durch eine Ebenenbetrachtung bekommen auch Diskussionen um Begriffe und Grundaspekte von Beziehungen eine Tiefe, die ohne die Berücksichtigung einer Entwicklungsdimension verschlossen bleibt. Treue, Zuverlässigkeit, Freiheit, Integrität, Selbstverwirklichung, Transparenz und vieles mehr haben jeweils eine unterschiedliche Bedeutung, je nach dem, auf welcher Entwicklungsstufe sie betrachtet werden. Manche Merkmale wie Egozentrik sind typisch für eine Entwicklungsstufe, andere hingegen wie Treue werden auf jeder Stufe neu definiert und verhandelt.</p>
<h4>Form und Inhalt</h4>
<p>Kann man einer Beziehung von außen (an ihrer Form) ansehen, auf welcher Entwicklungsstufe sie gelebt wird? Die Antwort darauf ist „Nein“, jedenfalls für die meisten Formen von Beziehungen. Monogamie gibt es traditionell, modern, postmodern und sicher auch auf Ebenen darüber hinaus, wenn auch im Innenverhältnis ganz unterschiedlich gelebt, von strikten Rollenfestlegungen (traditionell, „bis dass der Tod euch scheidet“) zu modernen Ehen (mit Scheidungsrecht) über gleichberechtigte monogame Partnerschaften (postmodern) bis hin zu „conscious monogami“, einer bewussten, post-postmodernen Monogamie (ein Begriff des Psychotherapeuten und Lehrers Robert Augustus Masters).</p>
<p>Ähnliches gilt für polygame Beziehungen, von denen es traditionelle Formen wie den Harem und die „Vielehe“ gibt, moderne Formen wie die „offene Ehe“, postmoderne Weiterentwicklungen wie in der Bewegung der Polyarmorie, und sicher auch Formen, die darüber hinaus weisen. Entscheidend für die Bestimmung der Entwicklungshöhe sind einmal mehr das innere Gelebte dieser Formen und die Anzahl der Perspektiven, Gesichtspunkte, Gefühle und Gedanken der die Beziehungen Lebenden, die dabei berücksichtigt und integriert werden. Und die Frage, wie kann die „größte Tiefe für die größte Anzahl“ gefördert werden, d. h. was trägt zur Weiterentwicklung aller Beteiligten und der Welt als Ganzes am besten bei?</p>
<h4>Spanne und Tiefe</h4>
<p>Die Spannweite und Tiefe einer Beziehung hängt nicht nur von der Entwicklungsstufe ab, auf der sich Beziehungspartner befinden, sondern auch von deren Fähigkeit, die ihrem gegenwärtigen Entwicklungsschwerpunkt vorangehenden Stufen auf gesunde Weise zu integrieren. Diese Fähigkeit zur Integration verwirklicht sich nicht von selbst, sondern ist Ergebnis bewusster Reflexionsprozesse und der konstruktiven, auch praktischen Auseinandersetzung mit Beziehungsmodellen verschiedener Stufen.</p>
<p>Die Spannweite und Tiefe einer Beziehung hängt nicht nur von der Entwicklungsstufe ab, auf der sich Beziehungspartner befinden, sondern auch von deren Fähigkeit, die ihrem Entwicklungsschwerpunkt vorangehenden Stufen auf gesunde Weise zu integrieren.</p>
<p>Entscheide ich mich für eine monogame Beziehung, weil ich mich bereits in postmodern-polygamen Beziehungen ausgetobt habe und nun ganz bewusst mit einer Partnerin/einem Partner eine Eins-zu-Eins-Beziehung des Wachstums eingehen möchte (=integrales Verständnis) oder ist das Verteidigen eines monogamen Standpunkts meinen Verlustängsten geschuldet (=egozentrische Perspektive mit ungeheilten Anteilen früherer Entwicklungsstufen)?</p>
<p>Kreisen meine Werte, mein Denken, Fühlen und Handeln auf gleicher Entwicklungshöhe oder ist meine Entwicklung in einzelnen Bereichen noch ausbaufähig? Lässt beispielsweise mein postmodernes oder vielleicht schon integrales Denken mich nach einer polyarmoren Beziehung streben, die dann von Eifersucht oder meiner mangelnden Fähigkeit, mich auf alle meine Partner/innen in gleichem Maße einzulassen, überschattet ist? Und: Auf welcher Flughöhe vollzieht sich die Interaktion zwischen den Beziehungspartnern? Ist sie symmetrisch oder asymmetrisch? Ist ein/e Partner/in „weiter“ als der/die andere – und kann er/sie ihn/sie auf dem Weg „mitnehmen“?</p>
<h4>Wahrheit, Täuschung und Lüge</h4>
<p>Die „Wahrheit“ einer Beziehung entsteht in der Wechselseitigkeit zwischen den Partnern. So werden „polyarmore“ Beziehungen zum schlichten „Fremdgehen“, wenn ein Beziehungspartner sich auf die Monogamie des/der anderen verlässt und in dieser Haltung ent-täuscht wird. Oder ein bewusst gegebenes Einverständnis mit diesem Beziehungsmodell basiert auf einer Selbsttäuschung, wenn ich mir meiner Besitzansprüche nicht bewusst bin und dann darunter leide, dass sie nicht erfüllt werden.</p>
<blockquote><p>Immer stellt sich die Frage, ob Beziehungspartner dem jeweiligen Entwicklungsschwerpunkt der eigenen und der anderen Person gerecht werden.</p></blockquote>
<p>Wo der Raum der Wahrheit verlassen wird und der Grenzbereich der Täuschung sich öffnet, ist dabei ein sehr subtiles Feld, denn immer stellt sich die Frage, ob die Beteiligten in ihrer Selbsteinschätzung und dem Erkennen des Beziehungspartners dem jeweiligen Entwicklungsschwerpunkt der eigenen und der anderen Person gerecht werden. So können sich zwei Partner zu einer „offenen“ Beziehung bekennen, aber ganz unterschiedliche Motivationen haben, z.B. egozentrische Triebhaftigkeit oder ein pluralistisches Denken, das aus der Vielfalt der Beziehungspotentiale schöpfen möchte. Solche Asymmetrien werden ob kurz oder lang zu Problemen führen, wenn die Divergenzen von den Partnern schließlich wahrgenommen werden.</p>
<p>Schwierig wird es auch, wenn einer der Partner bereits ein integrales Beziehungsverständnis entwickelt hat und sein Gegenüber sich in der eigenen Zustimmung zu einem solchen Modell überschätzt, denn nicht geheilte Beziehungsperspektiven früherer Entwicklungsstufen werden sich dann zeigen. Nimmt der höher entwickelte Partner dies wider besseres Wissen einfach hin, wird die Beziehung schnell zur Lüge, an der mindestens der weniger entwickelte Partner leidet.<strong> </strong></p>
<h4>Schatten und Projektion</h4>
<p>Womit wir bei der Frage der Schatten und Projektionen sind, denn asymmetrische Beziehungen sind nicht zwingend einer klar erkennbaren Lüge geschuldet, sondern können ebenso durch das Unerkannte, nicht Bewusste entstehen. Ist meine kognitive Entwicklung stärker vorangeschritten als meine emotionale, werde ich mir vielleicht ein Partnerschaftsmodell aussuchen, dem ich gefühlsmäßig noch gar nicht gewachsen bin. Die spürbare Unerfülltheit meiner Beziehung werde ich dann unbewusst auf meinen Partner projizieren. Umgekehrt kann es mir immer wieder passieren, dass ich an Partner oder Partnerinnen gerate, die mir emotional „noch nicht gewachsen“ sind. Die Vorwürfe, mit denen ich dann im Zweifel konfrontiert werde, sind jedoch nicht nur Indiz für die tatsächliche Asymmetrie, sondern konfrontieren mich mit dem eigenen Schatten, den/die Partner/in nicht auf seinem/ihrem Beziehungsschwerpunkt angemessen berühren zu können.</p>
<blockquote><p>Überall da, wo heftige Abwehrreaktionen auftreten, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass eigene Aspekte und Selbstanteile auf dem Entwicklungsweg verdrängt und projiziert werden.</p></blockquote>
<p>Die heutige Pluralität und Vielfalt gelebter Beziehungsformen ist auch eine Möglichkeit, eigenen Schattenanteilen nachzuspüren. Überall da, wo heftige Abwehrreaktionen auftreten, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass eigene Aspekte und Selbstanteile auf dem Entwicklungsweg verdrängt und projiziert wurden und im Außen bekämpft werden, anstatt sie innerlich zu integrieren. Wer Monogamie aufwertet unter gleichzeitiger Ablehnung, Abwehr oder gar Verteufelung von Polyarmorie, der oder die hat dort wahrscheinlich einen Schatten, und würde selbst gerne mehr polyarmor leben. Andersherum kann sich eine uneingestandene Sehnsucht nach monogamer Verlässlichkeit und Konvention in einer heftigen Gegenreaktion auf alles „Traditionelle“ zeigen. Beziehungen, in welcher Form auch immer, sind ein sehr direkter Weg zur Schattenintegration, vorausgesetzt wir sehen unsere Irritationen darin auch als eine eigene Lernaufgabe und nicht nur als Fehler oder Probleme der anderen. <strong></strong></p>
<h4>Schüler-Lehrer-Beziehungen</h4>
<p>Das angesprochene Dilemma von Asymmetrie und die Schattendynamik ganz allgemein zeigen sich immer wieder auch in Schüler-Lehrer-Beziehungen, im schlimmsten Fall als Missbrauch. Ob Schüler-Lehrer-Beziehungen platonisch oder sexuell sind – immer bildet ihren Rahmen eine institutionalisierte Asymmetrie, die darauf basiert, dass der Lehrer/die Lehrerin höher entwickelt ist als diejenigen, die ihm/ihr folgen. Der wunde Punkt: Kaum ein Mensch erreicht in allen Lebensbereichen die gleiche Entwicklungshöhe. Sexuelle Verfehlungen spiritueller Lehrer sind dann ein Indiz dafür, dass sie die eigene Kompetenz überschritten und/oder die Fähigkeiten der Betroffenen überschätzt haben.</p>
<blockquote><p>In der Schüler-Lehrer-Beziehung wird das Thema Verantwortlichkeit zum heißen Eisen.</p></blockquote>
<p>Die Frage der Verantwortlichkeit wird hier zum heißen Eisen. Traditionell argumentierend trägt der Lehrer die Verantwortung für seine Schüler, so dass ihm die „Schuld“ an Grenzüberschreitungen zugemessen wird. Ein moderner Blickwinkel wird auch die Eigenverantwortlichkeit der Schüler ins Spiel bringen, die Notwendigkeit, die eigenen Grenzen zu erkennen und ihnen gemäß zu handeln. Entwickelt sich dann eine vermeintlich transzendente Liebesbeziehung zum amourösen Desaster, kann die damit verbundene Ent-Täuschung im günstigen Fall zu einem konstruktiven Lernprozess werden (der, das scheint unvermeidlich, auch mit schmerzhafter Selbsterkenntnis verbunden ist).</p>
<p>Eine solche Einsicht führt nicht zwangsläufig zu postmoderner Beliebigkeit, die Lehrer von ihrer Verantwortung freispricht. Sie könnte es bestenfalls sogar ermöglichen, dass Lehrer, die von einem mündigen Gegenüber mit den eigenen Schwächen konfrontiert werden, Einblicke in die eigenen Schatten gewinnen. Das tatsächliche Gefälle zwischen Lehrer und Schüler wird im postmodernen Pluralismus gerne unterschätzt. Wo der Lehrer zum Geliebten wird, gewinnt auf Schülerseite nur allzu leicht (nicht zuletzt aus hormonellen Gründen) eine emotionale Komponente die Oberhand, die sich nach integraler Flughöhe sehnt, diese aber noch nicht halten kann. Erkennt der Lehrer das nicht, sind die Konsequenzen tragisch; erkennt er es und setzt sich über diese Einsicht wissend hinweg, verletzt er bewusst die Integrität seines Gegenübers.</p>
<h4>Öffentlichkeit und Privatsphäre (Transparenz und Diskretion)</h4>
<p>Da diese Schattenaspekte für die Betroffenen nicht erkennbar sind, kommt der Frage der Transparenz im Kontext von Schüler-Lehrer-Beziehungen eine besondere Bedeutung zu. Die Dramatik vieler Missbrauchsfälle ist nämlich der Heimlichkeit geschuldet, dem Fehlen einer konstruktiven Außenperspektive auf die Beziehungsrealität, die manche Verwerfung bereits im Keim hätte sichtbar machen können. Während in Beziehungen auf Augenhöhe die Frage, welche Aspekte der Beziehung öffentlich gelebt werden wollen und welche sich in diskreter Privatheit abspielen, eine bewusste Entscheidung unter Gleichen abbildet, kann davon in per se nicht symmetrischen Beziehungen nicht ausgegangen werden. Transparenz wird dann zur Chance, das eigene Verhalten in weiteren Kontexten zu spiegeln und einer kritischen Supervision zu unterziehen, während Heimlichkeiten eher ein Indiz für unbewusste Verschleierungstaktiken sind.</p>
<blockquote><p>Transparenz ist eine Chance, das eigene Verhalten in weiteren Kontexten zu spiegeln und einer kritischen Supervision zu unterziehen.</p></blockquote>
<h4>Zeitgeist und skilful means</h4>
<p>Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass Spiritualität und Eros ein Wachstumsfeld der besonderen Art markieren, das – schlicht weil die Menschheit als Ganzes noch weit von einer integralen Perspektive entfernt ist – allzu leicht zum Minenfeld wird. Gerade wenn es um die Betrachtung von Verfehlungen anderer geht, schwingt nur allzu leicht auch die Kompensation des eigenen – oft unbewussten – Schmerzes mit. Der Standpunkt unserer Urteile und Erklärungen ist immer relativ, und gerade dann, wenn es uns gelingt, diesen Standpunkt zu erkennen, können wir die Reibungen, die in unseren Beziehungen entstehen, konstruktiv als Wachstumsimpulse nutzen. Deshalb möchten wir Sie an dieser Stelle einladen, Ihre eigene Perspektive zum Thema tiefer zu erkunden. Im Kasten „Das spirituelle Urteilsvermögen schärfen“ finden Sie verschiedene Fragen, die Ihnen dabei helfen können. „Junge Menschen, die Anfänger in allem sind, können die Liebe noch nicht: Sie müssen sie lernen. Mit dem ganzen Wesen, mit allen Kräften, versammelt um ihr einsames, banges, aufwärts schlagendes Herz, müssen sie lieben lernen. Lernzeit aber ist immer eine lange, abgeschlossene Zeit, und so ist Lieben für lange hinaus und weit ins Leben hinein“, sagte der große Dichter Rainer Maria Rilke. In diesem Sinne wächst unsere Liebesfähigkeit mit den Fragen, denen wir uns stellen.</p>
<blockquote>
<h4>Eros und Ethik: Das spirituelle Urteilsvermögen schärfen</h4>
<p><em>Möge ein jeder von euch seine oder ihre größte Tiefe und Fähigkeit für Weisheit und Beurteilung dabei finden, und diese nicht nur auf die Gafni-Situation anwenden, sondern auch auf das eigene Leben, von Augenblick zu Augenblick. Lasst uns diesen Fall als eine weitere Gelegenheit betrachten, bei der wir unser spirituelles Urteilsvermögen schärfen, um es dann weise anzuwenden.</em> (Ken Wilber in einem aktuellen Kommentar zu Marc Gafni)</p>
<ul>
<li>Was informiert mich in Diskussionen (wie der über das Verhalten von Marc Gafni) über das Thema Eros und Ethik, und was affektiert mich (regt mich auf, ärgert mich, lässt mich nicht los …)?</li>
<li>Tauchen dabei Gefühle von Hass, Wut, Unversöhnlichkeit, Selbstgerechtigkeit, Schadenfreude, Rache in mir auf – und wie gehe ich damit um?</li>
<li>Welche Themen stehen für mich im Vordergrund (Macht, Ohnmacht, Sex, Abhängigkeit, Wahrhaftigkeit, Täuschung, Gerechtigkeit, Missbrauch, …)</li>
<li>Warum sind es gerade diese Themen, und wie ist mein biografischer Hintergrund dazu (wie habe ich diese Themen auf meinem Lebensweg erfahren)?</li>
<li>Um welche anderen Themen könnte es dabei noch gehen (die ich bisher ausgeblendet habe)?</li>
<li>Informiere ich mich offen oder selektiv?</li>
<li>Ist mir bewusst, dass sich eine Informationslage entwickelt und dass niemand jemals eine „totale Informiertheit“ haben wird?</li>
<li>In welcher Art von hierarchischer Abfolge sehe und werte ich das ethische Verhalten von Beziehungs-Beteiligten (z.B. egozentrisch, traditionell-soziozentrisch, modern-weltzentrisch, integral)?</li>
<li>Wie verhält es sich meiner Meinung nach mit Vorsatz (Absicht) und Fahrlässigkeit (z. B. Leichtgläubigkeit) in einer gegebenen Situation?</li>
<li>Welche meiner Mindsets und Glaubenssätze werden durch die Thematik aufgerufen (welche „Voices“ höre ich in mir – und kann sie mir damit bewusst machen)?</li>
<li>Übernehme ich für meine Wahrnehmung die volle Verantwortung?</li>
<li>Habe ich eine klare Meinung zum Thema Eros und Ethik und wie würde ich diese in ein paar Sätzen formulieren?</li>
<li>Welche Perspektiven sind für mich völlig inakzeptabel und warum?</li>
<li>Wie erlebe ich in dieser Situation die „Täter/Opfer“-Dynamik?</li>
<li>Bin ich bereit, meine Meinung auch zu ändern, oder habe ich mich festgelegt?</li>
<li>Wie wäge ich in diesem Kontext die Balance von Gnade und Recht ab?</li>
<li>Inwieweit kann ich (will ich) die Perspektiven von verschiedenen Beteiligten einnehmen (soweit ich Kenntnis davon habe)?</li>
<li>Wie ist die Ausgewogenheit von a) subjektiver eigener Reflektion, b) intersubjektivem Austausch und c) objektiver Faktensuche bei mir?</li>
</ul>
</blockquote>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Integrale Perspektiven, <a href="http://integralesleben.org/home/if-integrales-forum/zeitschrift-integrale-perspektiven/ip-aktuelle-ausgabe/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 21</a></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/05/06/eros-sex-lust-und-liebe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Erotische Ökologie</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/18/erotische-okologie/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/03/18/erotische-okologie/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 Mar 2012 00:46:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4649</guid>
		<description><![CDATA[Das hartnäckige Streben nach persönlicher Erfüllung in der Liebe ist, bei Licht betrachtet, ein ökologisches Drama. Es folgt dem Prinzip des Nehmens von begehrenswerten Ressourcen statt dem der Gabe, des ­Teilens und des Loslassens. In den ersten Februartagen, als es eisig war und in weniger als einer Woche die Gewässer um Berlin erstarrten, überzogen mit einer unwirklich weißen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4651" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/image_wide.jpg" rel="lightbox[4649]"><img class=" wp-image-4651 " title="Erotische Ökologie" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/image_wide-300x168.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: www.natalietoczek.de</p></div>
<p><em>Das hartnäckige Streben nach persönlicher Erfüllung in der Liebe ist, bei Licht betrachtet, ein ökologisches Drama. Es folgt dem Prinzip </em><em>des Nehmens von begehrenswerten Ressourcen statt dem der Gabe, </em><em>des ­Teilens und des Loslassens.</em></p>
<p>In den ersten Februartagen, als es eisig war und in weniger als einer Woche die Gewässer um Berlin erstarrten, überzogen mit einer unwirklich weißen Decke, ging ich mit Esther und den Kindern zum Eislaufen auf den Glienicker See. Eine gelbe Sonne verlieh den Figuren lange Schatten und legte einen Hauch von Wärme in die gefrorene Luft.</p>
<p>Halbwüchsige hatten Flächen vom Schnee befreit und zu Eishockey-Feldern verwandelt, auf denen sie einander jagten, mit fliegenden Schals und roten Gesichtern. Eltern zogen ihre Kleinen auf Schlitten über die Ebene. Alles schien in Bewegung. Und doch war der See so groß, dass weite Flächen unberührt dalagen und erst unsere sirrenden Kufen Spuren hineinschnitten.</p>
<p>Esther hatte sich von mir gelöst und glitt über das leere Weiß. Sie war eine große Sportlerin, der es heute oft fehlt, ihren Körper in der Lust seiner Bewegung zu spüren. Sie zog Kreise über das Eis, drehte sich im Schwung, fuhr ein Stück rückwärts, beschrieb Pirouetten, kehrte zurück und flog an mir vorbei. Sie saugte die Ferne, die ihr zu Füßen lag, geradezu auf. Es war kalt auf meinen Wangen, und ich konnte die Kälte auf ihren sehen, den Glanz ihrer Augen, die mich nicht wahrnahmen, während sie mich passierte.<br />
Sie war hingegeben an den rasenden Schwung, den fliegenden Puls, die bebende Lust der Glieder. Sie hatte für einen Zeitbruchteil in der Bewegung ihr Gleichgewicht gefunden. Ich aber war nicht Teil dieser Harmonie. Es sah aus wie ein Tanz. Ja, es war ein Tanz, im singenden Eis, und sie tanzte ihn mit einem Schemen, der aus einer Sinnlichkeit gemacht war, die ich nicht zu teilen vermochte, nicht beim besten Willen.</p>
<p>Es versetzte mir einen Stich, Esther so verloren zu sehen, auf diesem frischesten Weiß, das sich langsam mit der Röte des Abends vollsog. Es versetzte mir einen Stich, und doch erfüllte es mich mit Leichtigkeit und Freude, den Tanz dieser Sehnsucht zu sehen, die sich schon in der Grazie der Bewegungen erfüllte, ohne dass sie mich in irgendeiner Weise enthielt. Ich liebte ihre Eleganz plötzlich mit derselben Intensität wie diese ganze gefrorene Welt in ihrer Strahlkraft, die nicht wärmte. Durch das Eis liefen Schauer, sein Panzer klagte gequält unter dem Druck. Der See stieß langgezogene Seufzer aus, als wären unter seiner Decke Wale gefangen. Eine unheimliche Welt, durch die ich glitt, und doch konnte ich nicht anders, als sie für ihre Schönheit zu verehren.</p>
<h4>Von mir fort lieben</h4>
<p>Auch Esther, so wusste ich auf einmal, konnte ich nur lieben. Ich musste sie geradezu von mir fort lieben und hin zu ihr selbst, in jene Welt der Grazie und der wortlosen motorischen Lust, die mir nicht im Geringsten angehörte. Wirkliche Empathie für sie hieß, eine Freiheit zuzulassen, die mir gefährlich schien. Aber es ging nicht um mich. Es ging um diesen kristallscharfen Splitter Schönheit, der aus ihren Augen funkelte und der in meiner Seele steckte.</p>
<p>Ich dachte zurück an die langen Nachmittage meiner Kindheit auf den kleinen, eisbedeckten Teichen, als ich meinem Schwarm Mara auf Kufen hinterhergehastet war, einfältig und atemlos, begierig nach einem Splitter Aufmerksamkeit, und als ich doch immer nur Stürze produzierte, die ihr ein verächtliches Naserümpfen und ein abschätziges Schütteln des blonden Pagenkopfs abnötigten.</p>
<p>Ich sah Esther nach, und plötzlich schien mir: Nicht das warme Lächeln, das aufmunternde Nicken im Vorbeigleiten war die wahre Übung der Liebe, sondern die Ferne zwischen uns. Diese Ferne auszuhalten, sogar zu erweitern und sie sich ganz mit der Persönlichkeit des anderen füllen zu lassen. Ich kam auf dem Eis unbeholfen zum Stehen und staunte.<br />
Konnte es sein, dass wir uns alle in der Liebe täuschten? Dass wir übersahen, dass Bindung nicht im Gegensatz zur eigenen Freiheit und der des anderen steht, sondern mit ihr eine fruchtbare Polarität bildet? Wenn wir über Liebe sprechen, denken wir vor allem an Paare, an Zweisamkeit und Einklang. Wir denken an die Liebe zu uns selbst, nicht an die Liebe zur Welt. Aber Eros, der griechische Gott, galt schon in der Antike als tragische Gestalt. Er war nicht der Gott der genussvollen Erfüllung, sondern jener der emotionalen Intensität, die auch oder gerade in der Abwesenheit brennt.</p>
<p>Wenn lieben hieße, den Geliebten von mir fort zu lieben statt ihn zu meinem Besitz zu machen, waren wir dann nicht alle in einem gewaltigen Irrtum befangen? Hatten wir womöglich kollektiv vergessen, was als entscheidendes Moment Liebe erst gebar? Dass sie nicht ein beglückender Flirt war, sondern Maßstab des Gelingens jeder Beziehung? Hatten wir uns im Streben nach einer möglichst angenehmen Existenz, Anerkennung und allabendlichem Vergessen in ein Bild des Liebens verrannt, das uns von der Lebendigkeit fortführte und immer tiefer in eine Spirale der Bedürfnisse hineinsaugte, in deren Mitte nur das optimierte eigene Ich stand? Wir leben heute zwar in einer Zeit, in der das Gefühl für den anderen beständig im Zentrum unserer Aufmerksamkeit steht. Menschen wandern als permanente Liebessucher durch die Welt. Doch es scheint gegenwärtig, in der Zeit ubiquitärer Erotik und immerfort winkenden Verliebtheitsglücks geradezu eine Seltenheit, wenn jemand, der die Liebe gefunden hat, sie nicht wieder verliert.</p>
<h4>Festhalten und loslassen</h4>
<p>Wir wissen zum Beispiel, dass ein Drittel aller Ehen geschieden wird, auf dem Eis der Herzen mit in die Ferne gerichtetem Blick gescheitert. Wir wissen, dass in Großstädten wie Berlin ein Drittel aller Kinder in getrennten Haushalten aufwächst, weil ihre Eltern nicht aufhören, nach dem für sie Richtigeren zu fahnden. Es gibt ein neues Waisentum, das nicht Seuchen und Kriege zur Ursache hat, sondern die Glückssuche ihrer bis zum Lebensende jung bleibenden Eltern. Die Lebenssicherheit der Kinder müsse daran nicht in Scherben gehen, glauben Psychologen und Pädagogen – etwa der Schweizer Kinderarzt Remo Largo in seinem Buch »Glückliche Scheidungskinder«. Eine amerikanische Langzeitstudie, die seit den 1980er Jahren Trennungskinder bis in ihr Erwachsenenleben begleitet, zeichnet ein anderes Bild. Es ist ein tiefes Trauma, plötzlich keine Eltern mehr zu haben, die beschirmen wie eine tröstende Macht, sondern einen separaten Vater und eine vereinzelte Mutter auf der Suche nach dem je eigenen Glück. Ich erinnere mich an das flatternde kleine Herz meiner Tochter, als sie einmal in einer schlimmen Streitsituation ihrer Eltern tonlos in mein Ohr flüsterte: »Wenn ihr euch trennt, will ich nicht mehr leben …«</p>
<p>Die Lektion, die verlassene Kinder für die Gesellschaft der Zukunft mitnehmen, könnte somit einzig darin bestehen, dass man auf dieser Welt alles an sich reißen muss, weil niemand einem etwas schenkt. Dies erst ist der Tod Gottes. Das Ende jeglicher Gnade. Auch die Kinder hieße es also von sich fort zu lieben, in ihr eigenes Leben mit seiner Neugier, seinem Glück, seiner Stabilität hinein zu leiten, ohne selbst beständig zu schauen, in welchem Maß das eigene Glück anschwillt oder abflaut.<br />
Der See unter seinem frostglitzernden Eis, welches das sonst Unerreichbare magisch zugänglich machte, sandte auch Echos dieser kindlichen Stimmen zurück. Denn es war ja eine Kinderlandschaft, die sich auf ihm gebildet hatte. Kinder mit Schlitten erkundeten die runden Eilande, die sie sonst nur in der Ferne auf dem Seespiegel hatten schwimmen sehen. Kinder karriolten durcheinander, schlitterten auf den Hinterteilen weiter, nachdem sie gestürzt waren, wälzten sich als bunte Knäuel aus frost– und wasserdichten Thermoanzügen im Schnee.</p>
<p>All diese Kinder hatten Eltern nötig, die ihnen die Welt aufschlossen – aber nicht dadurch, dass sie ihre Sprösslinge auf die besten Schulplätze drängten, sie mit Spielzeug überschütteten und schon in der Vorschule zum Englischkurs anmeldeten. All diese Kinder hatten Eltern nötig, die sie als Menschen mit dem Bedürfnis nach innerer Freiheit und schöpferischer Produktivität begriffen. Eltern, die im richtigen Moment, auch gegen ihre eigenen Bedürfnisse, festhalten konnten. Eltern, die in einem anderen Moment, wider die eigene Sehnsucht, loszulassen vermochten.</p>
<p>Das Licht wurde röter, als rührte den Himmel eine Art zärtliches Mitleid über soviel Frost auf der Erde. Ich fragte mich: Wieviel hatte ich in meinem Leben von der Liebe erfahren? Gewiss, ich hatte ihren Glutkern auf der Wange gespürt und schlagenden Herzens im Leib, ich war von dem Ergriffensein emporgetragen worden, der rauschhaften Leichtigkeit, dass mich die Gegenwart eines anderen Menschen derjenige sein ließ, der ich in der Tiefe zu sein ahnte, plötzlich, unerwartet und in blendender Klarheit. Ich hatte die Liebe immer in jener Aufwärtsbewegung gesucht. Aber gefunden hatte ich sie in Nächten, in denen ich wieder und wieder erwachte, weil unser Sohn oder unsere Tochter fieberten, an Abenden, wenn ich entkräftet ins Bett fiel nach einem Tag voll getippter Zeilen, verbesserter Hausaufgaben, kleiner Rügen, nächtlich aufgehängter Wäsche; an Tagen, als mein Sohn, nachdem er das Aquarium gereinigt hatte, plötzlich sagte: »Wenn ich die Fische sehe, wie sie leben, bin ich so glücklich.« Ich habe die Liebe in der Aufwärtsbewegung gesucht, aber gefunden habe ich sie öfter mit gekrümmtem Rücken, als Licht inmitten unspektakulärer Mühen.</p>
<p>Auf dem harten, weißen Eis, zwischen all den Menschen, fragte ich mich, ob nicht auch mein eigener Irrtum darin bestanden hatte, Liebe als etwas Privates zu verstehen. Als einen Zustand des Ichs, den ich mit Hilfe eines anderen Ichs erreichen wollte. Vielleicht war die Liebe in Wahrheit kein Gut, das sich erwerben ließ, sondern eher eine Resultierende meiner Verbundenheit inklusive aller ihrer guten – und mühseligen – Verpflichtungen? Also in Wahrheit geradezu ein ökologisches Phänomen?</p>
<h4>Leben als Gabe</h4>
<p>Wenn in der Liebeserfahrung mein Gegenüber in seinem höchsten Glück gerade mein tiefstes Begehren ist, dann enthüllt sich hier etwas Allgemeineres als ein privates Gefühl. Dann wird Liebe zu einem grundsätzlichen Aspekt des Lebendigseins. Sie ist das Erfolgserlebnis belebter Systeme, in denen es ja immer dar­um geht, die Freiheit des Individuums mit der des Ganzen in Einklang zu bringen. Unser hartnäckiges Beharren auf der erfüllenden Beziehung und ihrem privaten Genuss ist in der Tiefe ein ökologisches Drama. Es ist symbolisch für unsere ökologische Krise. Denn zur Idee der Liebe als einer Ressource, für die ich einen anderen Menschen brauche, passt spiegelbildlich die Auffassung, die ganze belebte Welt sei ein Ort des Kampfs um begrenzte Güter und die Evolution eine Geschichte der Sieger im Optimierungswettbewerb. Zu dieser Idee gehört, dass nichts geschenkt ist – weshalb man, um liebenswert zu sein, vor allem seinen Marktwert durch Attraktivität steigern müsse. Eine ökologische Auffassung der Liebe hingegen geht nicht davon aus, dass Glück nur errungen werden kann und davon schlauerweise nichts abgegeben werden darf. Sie glaubt im Gegenteil, dass alles Wesentliche immer schon geschenkt ist – aber nur, indem es von allen geteilt wird.</p>
<p>Eine Sicht der Liebe als ökologisches Phänomen orientiert sich an den Lebensbeziehungen der Biosphäre. Dort stellt ja auch die Konkurrenz nur eine Seite der Wirklichkeit dar. Um die Kaskaden der Stoffe und Existenzen überhaupt auszulösen, ist zunächst einmal eine Gabe ohne jede Gegengabe nötig: das vom Himmel geschenkte Sonnenlicht. Die Stabilität eines Lebensraums wird nicht dadurch gewährleistet, dass Arten und Individuen versuchen, andere zu überflügeln. Die Logik des Lebendigen besteht vielmehr dar­in, dass jede Art von irgendeiner anderen abhängig ist, dass ­jedes Nehmen durch ein Geben aufgewogen wird. Wie tief dieses Prinzip des Schenkens die Welt der Organismen prägt, haben wir wohl noch nicht in Ansätzen verstanden.</p>
<p>So wiegelt etwa das, was Biologen gern als evolutionären »Rüstungswettlauf« bezeichnen, Räuber und Beute nicht nur gegeneinander auf, sondern fesselt sie auch unablöslich aneinander. Winzige im Wasser schwebende Algen etwa, wie sie ähnlich auch unter dem schwarzen Eis im Glienicker See vorkamen, haben im Lauf ihrer Generationen immer kompliziertere Körperpanzer entwickelt, um Krebse, die sich von ihnen ernähren, abzuwehren. Diese brachten im Gegenzug weiter und weiter spezialisierte Mundwerkzeuge hervor. Schließlich hingen die Räuber vollkommen von einer Beuteart ab, weil sie nichts anderes mehr fressen konnten. Sie verschonen alle anderen potenziellen Beutetiere, für die sich andere Formen von Dominanz und Abhängigkeiten eröffnen. Das Resultat ist nicht ein »Besser«, sondern ein »Tiefer«: ein größeres Maß an inniger Verwobenheit, ein intensiverer Grad an realisierter Liebe in einem Biotop, die ein Beobachter vielleicht als dessen Schönheit erfährt.</p>
<p>Jeder Tod eines Organismus bereichert ein Ökosystem an Nahrung und Energie. So müssen etwa Wiesengebiete und Savannen regelmäßig abgefressen werden, um Graslandschaften zu bleiben und sich nicht in Wälder zu verwandeln. In den Worten einer Ökologie der Beziehung heißt das: Die Graspflanzen müssen ihren eigenen Leib hergeben, um weiter die sein zu können, die sie sind.</p>
<p>Vielleicht müsste man, um der Liebe als durchgängigem Lebensprinzip auf die Spur zu kommen, so etwas wie eine »erotische Ökologie« formulieren. Eine erotische Ökologie würde die schöpferischen Begegnungen der Lebewesen nachzeichnen. Sie würde in ihnen nicht nur Ursache-Wirkungs-Ketten sehen, sondern auch Sinnbilder des Existierens, Anleitungen, wie sich die Gleichgewichte der Lebendigkeit in all ihrer Poesie verstehen und nachschöpfen ließen. Eine erotische Ökologie würde die Empfindung von Freude als integralen Bestandteil eines gedeihenden Ökosystems erfassen. Eine erotische Ökologie könnte erkennen, dass jede Beziehung im Lebensnetz Sinn hervorbringt, weil es für die beteiligten Wesen um ihr ganzes Leben geht, also um das existenzielle Begehren, ein Selbst in einem Körper zu sein. Das Erotische daran ist, dass wir uns in dieser Erfahrung alle in jedem anderen widerspiegeln, weil wir alle einen sensiblen, verletzlichen, auf Bindungen wie auf die Luft zum Atmen angewiesenen Körper haben und seine Lust und sein Leid kennen. Eine erotische Ökologie folgt dem, was der südafrikanische Schriftsteller J. M. Coetzee einmal so beschrieb: Sich als lebendig zu fühlen heißt, sein eigenes Sein als Freude zu fühlen. Die Zärtlichkeit des Körpers ist das Erbarmen, nicht die Gier.</p>
<p>Es ist diese Lebenszärtlichkeit, die wir nicht von den anderen als Leistung für uns erwarten dürfen. Im Gegenteil: Wir selbst sind den anderen, mit denen wir das Leben teilen, diese Gabe schuldig. Die Liebe in der Sichtweise einer erotischen Ökologie heißt emphatisch, den anderen fort zu sich selbst lieben zu können und ihn dadurch lebendiger zu machen. Sie heißt, das Ganze aufleben zu lassen, auch unter Inkaufnahme der Versagungen, die das mit sich führen muss – ja, sogar diese Versagungen als eine besondere Übung zu betrachten. Die ökologische Liebeskunst besteht dann darin, einem Menschen über den eines Tages immer notwendigen Abschied hin zu sich selbst zu verhelfen und ihn nicht als einen Besitz zur Optimierung der eigenen Lebenskraft zu behandeln.</p>
<p>Die erotische Ökologie folgt in ihrer Auffassung der Liebe dem Bild der Familie, nicht dem des romantischen Paars. Unser Verhältnis zu den Kindern fädelt das Ökologische und das Emotionale zusammen und gibt uns klare Handlungsanweisungen. Denn hier wissen wir, was gut ist: Wir haben unseren Kindern das Leben geschenkt und wollen ihnen mehr davon schenken, wir wollen sie lebendiger machen mit jeder Faser unseres Herzens. Unsere Kinder sind der erste Ernstfall der Liebe – und unser ökologischer Nullmeridian. Mit ihnen bilden wir das kleinste Kontinuum unseres Lebensnetzes. Wir führen die Sippe fort, als deren Teil wir geboren wurden, das Rudel, das sich in einem Ausschnitt der belebten Welt aus Meeren, Wäldern, Weideland und zugefrorenen Seen behaupten muss – oder besser: dem daran gelegen ist, diesen Ausschnitt erblühen zu lassen, indem es sich klug von den von ihm hervorgebrachten Wesen ernährt – und am Ende selbst von ihnen verspeist wird.</p>
<p>Glückt die Beziehung zu unseren Kindern, haben wir es – vorerst – geschafft, unser Wohl als Teil eines insgesamt intensivierten Lebens zu realisieren. Nicht auf der Jagd nach Erfüllung. Sondern in einem Ausgleich zwischen Schenken und Beschenktwerden. Die Liebe zu den Kindern ist ein Modell der Liebe als Loslassen. Darin ist sie vielleicht das Modell der Liebe zur Welt überhaupt.</p>
<p>Wir zogen uns die hartgefrorenen Eislaufschuhe an der Heckklappe des Wagens aus. Der Hund war schon hineingesprungen, er war zuletzt im Frost von einem Fuß auf den anderen getreten. Meine Tochter maulte, weil ihre Zehen taub waren. Meine Frau sah versonnen vor sich hin, unansprechbar. Ich drehte mich noch einmal zum See. Die Sonne wälzte sich langsam über die Eisfläche und ging dann unmerklich hinter der Ebene unter. Ein rosiger Glanz blieb in der Luft. Es schimmerte wie Perlmutt, ein Licht wie im Inneren einer Muschel, die sich langsam um uns schloss.</p>
<p><em><strong>Liebeslebendigkeit, in Worte gegossen:<br />
</strong>Die Bücher »Alles fühlt« und »Biokapital« von Andreas Weber sind im Berlin Verlag erschienen. Sein letztes Buch »Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur« kam bei Ullstein heraus.</em></p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/624-Erotische_Oekologie.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 13/2012</a></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/03/18/erotische-okologie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Frau und Mann: Zu 90 Prozent verschieden</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/01/12/frau-und-mann-zu-90-prozent-verschieden/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2012/01/12/frau-und-mann-zu-90-prozent-verschieden/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 16:50:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Frau-Sein]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Mann-Sein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=4288</guid>
		<description><![CDATA[Studien-Neuauswertung zeigt zwei völlig andere Persönlichkeiten Turin/Wien (pte) — Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit deutlich stärker als bisher angenommen wurde. Das zeigen Forscher der Universitäten Turin und Manchester in der Zeitschrift »Plos One«. Sie unterzogen frühere Studien, die eine hohe Übereinstimmung der Geschlechter ergeben hatten, einer genaueren Überprüfung und konnten sie wiederlegen. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Studien-Neuauswertung zeigt zwei völlig andere Persönlichkeiten</h2>
<div id="attachment_4292" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/dreamstime_xs_8612225.jpg" rel="lightbox[4288]"><img class=" wp-image-4292 " title="Mann und Frau: Komplett andere Persönlichkeiten" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/dreamstime_xs_8612225-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">© Konstantin Sutyagin | Dreamstime.com</p></div>
<p>Turin/Wien (pte) — Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit deutlich stärker als bisher angenommen wurde. Das zeigen Forscher der Universitäten Turin und Manchester in der Zeitschrift »Plos One«. Sie unterzogen frühere Studien, die eine hohe Übereinstimmung der Geschlechter ergeben hatten, einer genaueren Überprüfung und konnten sie wiederlegen. »Mars und Venus« teilen in ihrer gesamten Persönlichkeit bloß zehn Prozent, so ihre Erkenntnis, die in der Genderdebatte wohl noch einigen Staub aufwirbeln wird.</p>
<h4>Genauere Analyse zeigt Unterschiede</h4>
<p>Konkret nahmen die Forscher um Marco Del Giudice Daten aus dem Jahr 1993 erneut unter die Lupe, bei denen 10.000 Probanden auf ihre Selbsteinschätzung befragt worden waren. Eine Auswertung von 2005 hatte daraus die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeitspsychologie untersucht: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Die Übereinstimmung der Geschlechter betrug damals 78 Prozent — was die damalige Studienautorin Janet Hyde zur Grundlage ihrer »Gender similarities hypothesis« machte, die später oft zitiert wurde.</p>
<p>Der Nachteil dieser früheren Auswertung: In den bloß fünf Persönlichkeitsgruppen sind sehr unterschiedliche Eigenschaften vereint, die sich rechnerisch teils gegenseitig aufheben und somit das Persönlichkeitsrelief verwischen. Nun analysierte Del Giudice die Daten von 1993 in 15 statt fünf Kategorien — und lieferte ein komplett anderes Bild: Frauen besitzen signifikant mehr Wärme und Zuneigung, bauen eher Vertrauen auf, reagieren emotionaler und sind sensibler und fürsorglicher als Männer, die ihrerseits emotional stabiler, dominanter, reservierter und wachsamer sind und dabei mehr auf Nützlichkeit und Regeln achten.</p>
<h4>Tabubruch für Genderdebatte</h4>
<p>90 Prozent der Eigenschaften sind geschlechtstypisch, während sich die verbleibenden zehn Prozent der Gemeinsamkeiten etwa auf Perfektionismus oder Lebendigkeit beziehen. Ein Ergebnis, das Fachexperten nicht überrascht. »Besonders in den 70er– und 80er-Jahren führte die Wissenschaft alle Geschlechtsunterschiede auf Erziehung und Gesellschaft zurück. Seit zehn Jahren gibt es jedoch eine Trendwende weg von dieser ideologischen Prägung«, berichtet der Psychiater Raphael Bonelli von der <a href="http://sfu.ac.at" target="_blank" rel="external nofollow">Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien</a> im pressetext-Interview.</p>
<p>Den ersten Tabubruch hat im Jahr 2000 Simon Baron-Cohen von der Universität Cambridge geliefert. In Experimenten mit Neugeborenen zeigte er, dass Frauen von Geburt an eindeutig empathischer, Männer hingegen systematischer veranlagt sind. In kognitiven Leistungstests sind Frauen verbal klar überlegen, während Männer bei der räumlichen Vorstellung die Nase vorne haben. »Dass sich Unterschiede auch in Merkmalen der Persönlichkeit zeigen, überrascht nicht. Sehr wahrscheinlich liefern auch zahlreiche andere Studien bei kritischer Durchleuchtung dasselbe Ergebnis«, vermutet Bonelli.</p>
<h4>Evolution spielt mit</h4>
<p>Aus Sicht der Anthropologie und Evolution sind die aktuellen Resultate laut dem Wiener Psychiater keine Überraschung. »Die Persönlichkeit der Frau hilft ihr dabei, Familie und Partnerschaft aufzubauen und Kinder zu erziehen, während Männer die evolutionsbiologisch besseren Voraussetzungen für Nesterrichtung, Schutz vor Feinden und Essensbeschaffung mitbringen.« Nicht nur der Geist, sondern auch der Körper bestimmt das psychische Erleben mit, betont der Experte.</p>
<p>Artikel unter: <a href="http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0029265" rel="external nofollow" target="_blank">http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0029265</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2012/01/12/frau-und-mann-zu-90-prozent-verschieden/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vom Wert der Abschottung auf dem Markt der Möglichkeiten</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/11/30/vom-wert-der-abschottung-auf-dem-markt-der-moglichkeiten/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2011/11/30/vom-wert-der-abschottung-auf-dem-markt-der-moglichkeiten/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:58:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Wolf Schneider]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=3884</guid>
		<description><![CDATA[Für die meisten Menschen ist Treue heute zunächst vor allem das Verbot von sexuellen Seitensprüngen während einer als exklusiv verstandenen Zweierbeziehung. Unser Bedürfnis nach Treue hat jedoch eine Tiefendimension. Und sogar ein Blick in die Ökonomie lohnt: Was ist der Wert einer Abschottung vom Markt der Möglichkeiten – und worauf verzichte ich dabei? Treue – was für [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3886" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4c4aadcf576a1_s.jpg" rel="lightbox[3884]"><img class="size-medium wp-image-3886 " title="Vom Wert der Abschottung auf dem Markt der Möglichkeiten" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4c4aadcf576a1_s-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / bunte Mischung © jadon</p></div>
<p>Für die meisten Menschen ist Treue heute zunächst vor allem das Verbot von sexuellen Seitensprüngen während einer als exklusiv verstandenen Zweierbeziehung. Unser Bedürfnis nach Treue hat jedoch eine Tiefendimension. Und sogar ein Blick in die Ökonomie lohnt: Was ist der Wert einer Abschottung vom Markt der Möglichkeiten – und worauf verzichte ich dabei?</p>
<p>Treue – was für eine schöne Tugend! Wie schade, dass die meisten Menschen darunter nur die sexuelle Treue innerhalb einer Zweierbeziehung verstehen. Die Treue eines Verbots: Du darfst nicht mit anderen! Dabei vergessen sie die Treue des <em>Ge</em>bots: Du sollst mit mir!</p>
<p>Dies sind die zwei betrüblichsten Einengungen des Begriffs: Die erste ist, dass es nur um Sex geht. Du darfst reden, handeln, Geschäfte machen, verreisen oder Sport treiben mit anderen, vielleicht sogar bussi-bussi, tanzen, flirten – nur das eine darfst du nicht: Sex.</p>
<p>Die zweite – wahrscheinlich noch leidwirkendere – ist: Du darfst nicht mit anderen Freude haben oder gar Lust, egal wie freudlos und lustlos es zwischen uns inzwischen geworden ist. Wichtiger als dass du mich liebst ist mir, dass du keine anderen liebst. Der Zaun um unseren Garten ist wichtiger als das, was sich darin befindet. Mach ihn lieber noch einen Meter höher und mit Stacheldraht, auch wenn unterdessen die Pflanzen im Garten verkümmern.</p>
<h4>Von der Liebesheirat zum Efafi-Modell</h4>
<p>Dabei ist Treue, verstanden als Beständigkeit in unseren menschlichen Beziehungen, eine seit Jahrtausenden – oft zu recht – hoch geschätzte Tugend. In kriegerischen Zeiten war es vor allem die Loyalität, die Beständigkeit des Verbleibs in der kämpfenden Partei, mit der »wir« uns jeweils identifizierten – so wird die Treue in den Nibelungensagen gefeiert und in vielen anderen Mythen der patriarchalen Zeit. Bleib bei uns! Sei kein Überläufer! Ein Überlaufen zu den anderen wäre Verrat. Abtrünnige und Verräter wurden seit je hart bestraft, durch Missachtung, Verbannung oder Auslöschung (physische, oder aus den Geschichtsbüchern). Deserteure und Fraternisierer wurden mit dem Tod bestraft. Oft richtete sich die Grausamkeit gegenüber den Treulosen nicht nur auf die kämpfenden Männer, sondern ebenso auf die Frauen, die aus der Ehe »desertierten«.</p>
<p>Dass Untreue vor allem den sexuellen Seitensprung meint, ist erst ein Ergebnis des romantischen Zeitalters, in dem die Liebesheirat zum Modell wurde. Hieraus entwickelt sich auch das Ideal des Traum– und Lebenspartners und das des Seelenpartners der Esoteriker, und schließlich das Efafi-Modell (so nennt es der Paartherapeut Michael Mary):<strong>e</strong>iner <strong>f</strong>ür <strong>a</strong>lles <strong>f</strong>ür<strong> i</strong>mmer – der Partner als bester Freund, einziger Lover, Mitbewohner, Co-Elter für die eigenen oder zugewachsenen Kinder und Compagnon im eigenen Haushaltsbetrieb (in der Beziehung ohne Gütertrennung).</p>
<h4>Konservativ versus progressiv</h4>
<p>Ich schätze Beständigkeit. Auch wenn ich mich politisch nicht zu den Konservativen zähle, finde ich, dass es so viel zu bewahren gibt. Was gut ist, dass sollten wir bewahren – und es gibt sehr viel Gutes in der Welt. Andererseits gibt es auch Schlechtes, das sollten wir verändern, da bin ich dann »progressiv«, reformistisch oder gar revolutionär. Und da das Private das Politische zusammenhängen, sage ich das jetzt mal über das Private: Jede Beziehung, die ein Mensch bei passabel wachem Bewusstsein eingeht, hat etwas, das es wert ist, erhalten zu werden. Diesem zu Erhaltenden sollten wir treu bleiben. Und was nicht gut ist, dem sollten wir untreu sein, sollten es ändern oder verlassen. Und auch hier wieder ähnelt das Politische dem Privaten: Als die DDR von der BRD kassiert wurde, warum hat man da nicht das Bildungs– und Gesundheitssystem (nicht ganz so, aber doch in sehr vielem) übernommen? Weg mit der Stasi, der Diktatur der SED, der Idiotie dieses verkrusteten Pseudo-Sozialismus, aber mit dem Guten an der DDR hätte man nicht »Schluss machen« müssen, so wie man heutzutage oft mit einem Partner Schluss macht, der das Efafi-Ideal nicht erfüllt.</p>
<h4>Sei flexibel!</h4>
<p>Unsere Wirtschaft schätzt die Flexibilität. Vor allem die Arbeitnehmer sollen flexibel sein und mit immer neuen Marktbedingungen umgehen können, so wie die Produzenten mit immer neuen Situationen auf den sich ständig bewegenden Märkten. Die Arbeitnehmer sollen bereit sein zur Untreue gegenüber ihrer Heimat, ihrer Muttersprache, dem erlernten Beruf, ihrer Lebens(abschnitts)partnerschaft und Familie, wenn es woanders einen besseren Job gibt, sodass die Gestalter unserer politisch-wirtschaftlichen Ordnung nicht flexibel sein müssen, sondern dem System treu bleiben dürfen. Wer darf hier beim Alten bleiben, wer muss sich ändern? Das Verhältnis der beiden Seiten ist ungleich. Damit die Global Players und Inhaber größer Vermögen dem wirtschaftlichen System, das ihnen nützt, treu sein können, müssen die Arbeitnehmer flexibel sein. Das Ergebnis ist die Verarmung großer Anteile der Bevölkerung, Millionen von Migranten, die geduldete Skrupellosigkeit ihrer Schlepper (über das Mittelmeer und über die mexikanisch-amerikanische Grenze), die Heimatlosigkeit der im Exil Arbeitenden, die Fremdenfeindlichkeit bei den dort Ansässigen gegenüber den Zugewanderten.</p>
<p>Die in der der Eso-Szene so beliebte Devise »lerne loszulassen« passt insofern sehr gut zu unserem Wirtschaftssystem, das gewachsene Bindungen missachtet, wie Karl Marx das schon in seinem kommunistischen Manifest so eindrucksvoll beschrieben hat: »Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen, und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose ›baare Zahlung‹. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt.«</p>
<h4>Freiheit</h4>
<p>Und auch der Aufbruch der spirituell Bewegten, der aus ihren alten Heimaten Aufbrechenden passt hierzu: Binde dich an nichts, sei frei! Frei für den Markt? Der wirklich Aufbrechende, Freie (indisch: <em>mukti</em>) lässt sich von der Konsumgesellschaft nicht verführen, er ist durch Geld, Macht und Ruhm nicht zu bestechen – aber wer ist das schon? So führt das naive Verständnis des spirituellen Aufbruchs in die grenzenlose Freiheit ebenso wie die esoterische Devise des »Lerne loszulassen« zu einer Befreiung, die Menschen in gewachsenen Bindungen dem globalen Markt zur Verfügung stellt. Sie sind nun dazu verdammt teilzunehmen an einem grenzüberschreitenden Rattenrennen, das an einem Ende sehr wenige sehr reich werden lässt, am anderen aber die Mehrheit zu Verlierern macht, mit einem systembedingt immer schmächtiger werdenden Mittelstand.</p>
<h4>Markentreue</h4>
<p>Wem bin ich treu? Vielleicht passt es diesem Wirtschaftssystem auch recht gut, wenn wir das Thema Heimat vergessen und Treue vor allem als sexuelle Treue in der Zweierbeziehung verstanden wird, allenfalls noch als Treue eines Konsumenten zu seiner bevorzugten Marke. Viele Menschen sind heutzutage ihrer Auto-, Kleidungs– oder Computermarke treuer als ihrem jeweiligen Lebensabschnittsgefährten – an irgendwas muss man sich ja festhalten. Von Windows Vista zu Mac OS 10 zu wechseln ist um einiges aufwändiger als das Schlussmachen mit einem Lebensabschnittsgefährten – so viele der alten Programme passen da nicht mehr, vom Zugang zu den gesammelten Daten der letzten zehn Jahre auf meiner Festplatte mal ganz zu schweigen. Da bleib ich dann doch lieber in der Windowswelt – oder entsprechend bei Mac.</p>
<h4>Polarität</h4>
<p>Wie so oft, hilft es auch hier nicht weiter, sich auf die eine Seite dieser Polarität zu schlagen und zu versuchen, etwa nur flexibel sein zu wollen, aber nicht treu, oder nur treu und beständig, aber ohne Bereitschaft zur Veränderung. Der harte Kern der Flexibilitätsverfechter unserer Wirtschaftsordnung preist die Arbeitnehmer– und Produktflexibilität ohne Abstriche, hält aber dafür daran fest, dass Banken von Regierungen gerettet werden müssen, Firmen sich ihren Sitz in Steueroasen suchen dürfen, Finanztransaktionen unbesteuert bleiben, die Weltmeere ausgebeutet werden dürfen, und so weiter, an irgendwas muss man sich ja festhalten.</p>
<p>Andererseits halten sich diejenigen, die »progressiv« sind und einen schnellen Wandel des Systems wollen, oft an Denkweisen fest, die dann zu Ideologien erstarren. Je stürmischer die Veränderungen im Diesseits, umso fester der Glaube an meine historisch-kritische Dialektik oder an ein Jenseits – an Religionen und apokalyptische Szenarien. Freies, flexibles Denken über andere und über »das System« gedeiht am besten in Systemen sozialer, politischer Sicherheit. Es sei denn, dieses freie Denken ist auch ein Denken über sich selbst und das eigene Leben mit der impliziten Forderung, dann konsequent auch sich selbst verändern zu müssen, dann halten wir eisern fest. Vor allem in vier Bereichen: Ernährung, Beziehung, Religion und Geldordnung.</p>
<h4>Ernährung, Beziehung, Religion</h4>
<p>Enorm, wie sehr Menschen der Art der Ernährung ihrer Kindheit treu bleiben. So wie bei uns zuhause gekocht und gegessen wurde, so lieben wir es ein Leben lang. Oder hassen es ein Leben lang – auch die Anti-Bindung ist eine Bindung. So wie wir als Kinder und Jugendliche die übliche Beziehungsform erlebt haben, so halten wir es unser Leben lang für richtig (oder falsch). An den in der Kindheit geprägten Formen halten wir fest wie an einer Sucht (oder umgekehrt, an der Scheu vor einer Sucht; dann mit Gefahr zum Kippen). Selbst harsche medizinische Kontraindikationen können einen Menschen kaum vom Nudelessen, Fleischessen, hohem Zuckerkonsum oder Rauchen abbringen. Ebenso die Beziehungssüchtigen und Beziehungsphobiker, das sitzt tief. »Das ist bei uns eben so, das gehört sich so, so macht man das bei uns«. Nur selten sind wir diesen Überzeugungen und Verhaltensweisen willentlich treu, dennoch haften sie an uns und wir an ihnen.</p>
<p>Auch in den Bereichen der Religion und der Geldordnung geht diese Anhaftung tief und hat Suchtcharakter. Menschen, die nicht mehr in die Kirche gehen, nicht mehr an Gott glauben und im Finanziellen höchst geizig sind, bei der Kirchenzugehörigkeit setzt dies alles aus, da bleiben sie unbeweglich. Treu. Manchmal mit einem leichten Gefühl der Beschämung über diese Art der Treue. Vielleicht sind die Menschen außerhalb der Kirchen im Durchschnitt sogar religiöser als die innerhalb, aber die drinnen halten fest. Eisern. Es könnte ja was passieren, wenn ich nicht mehr dazu gehöre. Vielleicht gibt es wider alle Raison Gott und den Teufel doch? Wer weiß. Besser ich bleibe drin.</p>
<h4>Glaubensüberzeugungen</h4>
<p>Und auch das Festhalten am Geldsystem geht tief. Es hat irrationale, religionsähnliche Züge und ist dem Verhalten eines Süchtigen vergleichbar, der von seinem Stoff nicht los kommt. Wer in unserem System BWL oder VWL studiert hat, denkt den Rest seines Lebens wie der Zögling einer Kaderschmiede, so wie die einst in den Kaderschmieden der den kommunistischen Länder Geschulten. Abtrünnige werden bekämpft und verfemt, in den glücklicheren Fällen nur ignoriert. Man kann eben nicht raus aus seiner Haut. Oder wie Thomas Kuhn es von den Revolutionen in der Wissenschaft sagt: Die alten Weltbilder verschwinden erst, wenn ihre Vertreter aussterben. Wissenschaftler und Wirtschaftler sind eben auch nur Menschen, sie halten an den Glaubensüberzeugungen fest, mit denen sie groß geworden sind.</p>
<p>So konnte »das Wunder von Wörgl« sich nicht ausbreiten, und auch heute noch haben die freiwirtschaftlichen Modelle nach Silvio Gesell kaum eine Chance. Auch der Sozialismus, der siebzig Jahre lang weltweit so viel bewegte (auch unendlich viel Schreckliches), wird mit dem Ende von Nordkorea und Cuba tot sein. Es sei denn, aus dem jetzt herrschenden kapitalistischen System heraus wächst eine Generation heran, die das nicht mehr glaubt, was die Alten sagen. Die bereit ist zum Aufstand, zur Untreue. In diesem Falle hoffentlich ein Aufstand gegen den Kapitalismus, der auch dem alten sozialistischen Denken untreu ist.</p>
<h4>Fremdgehen</h4>
<p>Jetzt noch einmal zurück zur Zweierbeziehung, wo die Worte »Treue« und »Untreue« am häufigsten verwendet werden. Der Konflikt zwischen Festhalten und Loslassen, Beständigkeit und Flexibilität wühlt uns hier anscheinend noch mehr auf als im Politischen und in Bezug zur Warenwelt. Wenn mein Partner sich in eine andere verliebt beziehungsweise meine Freundin fremdgeht, tut mir das anscheinend noch mehr weh, als wenn sie oder er eine andere Partei wählt, aus der Kirche austritt, den Euro abschaffen will oder plötzlich anfängt, sich vegan zu ernähren. Warum das? Weil unsere Beziehungen noch tiefer gehende Beheimatungen sind als die Währung, die politische oder religiöse Partei und die Ernährungsweise. Und weil wir dort, als Tiere, die wir sind, Konkurrenz befürchten: Wird sie sich von einem anderen befruchten lassen? Wird er dann aufhören, mich beim Großziehen unserer Kinder zu unterstützen? Deshalb ist die Angst vor der Untreue in der Zweierbeziehung so groß (bei Männern signifikant prioritär vor ihrer emotionalen Untreue, bei Frauen vor ihrer sexuellen Untreue).</p>
<h4>Neue Modelle</h4>
<p>Würden wir uns diesen Ängsten stellen, könnten wir Lösungen finden. Aber wir stellen uns ihnen nicht. Doch, ein paar wenige Pioniere stellen sich ihr, ein paar mutige Avantgardisten, Vorreiter der Beziehungsmodelle von morgen, aber sie haben es schwer, weil die Mehrheiten anders denken, anders verängstigt sind und entsprechend anders ängstigen. Würden wir uns stellen, dann würden wir erfahren, dass Männer, die sich neu verlieben in eine andere Frau als die Mutter ihrer Kinder dennoch der Sorge um ihre Kinder treu bleiben und oft auch ihrer alten Liebe, auch der körperlichen. Die Mutter aber hat Angst, nun ungünstig verglichen zu werden: Was hat <em>sie</em> denn, das <em>ich </em>nicht habe? Und wehrt diese Angst ab und flüchtet sich ins Moralische: Das darfst du nicht, das tut man nicht. Worauf der Mann zu heucheln beginnt, sich zügelt, an Lebenslust und Elan verliert, oder heimlich fremdgeht, mit all dem Stress der Heimlichkeit, der Energien bindet, und damit die alte Beziehung belastet.</p>
<p>Ähnlich ist es auch für ihn, wenn sie sich verliebt und entweder dem nachgibt oder ihe Wünsche unterdrückt. Weil der Mann nicht den Mut hat, sich der Tatsache zu stellen, dass auch andere Männer für seine Frau, seine Geliebte, die Mutter seiner Kinder attraktiv sein könnten. In einigen Kulturen haben die Männer einst sogar die genitale Beschneidung der Frauen durchgesetzt, so groß war diese Angst, und müssen nun mit Frauen leben, die keine Lust am Sex haben. Der Kult um diese grausame Praxis ist so tief ins Unterbewusste gesunken, dass nun auch die Frauen (oft mehrheitlich) für ihre Fortsetzung eintreten, so sehr sind sie abgeschnitten von ihren wirklichen Bedürfnissen, ihren Wünschen, ihrer Lust.</p>
<h4>Der Beziehungsmarkt</h4>
<p>Nur für den Zweck einer Erkenntnis: Schauen wir uns diese Situation einmal marktwirtschaftlich an. Die exklusive Zweierbeziehung ist die Verabredung von zwei Menschen zur Abschottung von dem Markt, dem großen Markt der Möglichkeiten – es könnte ja noch einen anderen Menschen geben, der für meine Lust, meine Wünsche und Bedürfnisse ein besserer Garant auf Erfüllung ist. Versprich mir, dass du dich abschottest, dann schotte auch ich mich ab! Der Vorteil bei diesem Deal, wenn er denn glückt: Die beiden ersparen sich die Beschäftigung mit den Angeboten anderer, deren Beurteilung ja auch immer anstrengend und herausfordernd ist, und sie sparen sich den erneuten Aufwand der Anbahnung einer Beziehung, die ja oft erst mit der Zeit wirklich gut wird. Der Nachteil: Es könnte der Verzicht auf was Besseres sein. Jedenfalls stirbt bei diesem Deal in der Regel die Hoffnung, dass »noch alles möglich ist«, der Flirt mit dem Unbekannten, die Erotik des Gefühls sich als freier Mensch in einem Markt der unbegrenzten Möglichkeiten zu bewegen.</p>
<h4>Der Wert der Abschottung</h4>
<p>Ist es gut, einen Markt abzuschotten, um die einheimischen Industrien zu schützen? Wie wirkt es sich auf die Produktqualität aus, wenn ein regionaler Markt durch Zölle oder Gesetze künstlich vom Weltmarkt abgeschnitten ist? Haben wir dann Trabbis statt Mercedes und BMW? Wie geht es den Arbeitnehmern dabei? Wir brauchen doch keine Weltklasseautos, jedenfalls nicht unter diesen Opfern … und so weiter. Ich finde diesen Vergleich reizvoll, aber auch nur das. Menschen sind keine Autos, der Vergleich mit der Wirtschaft / dem Markt ist bloß ein Vergleich. Die Ruhe, in der sich eine verbindliche Beziehung unter stabilen Bedingungen entfalten kann, schätze ich sehr hoch ein. Dennoch: Auch Herausforderungen können einen stärken. Möglicherweise gilt das, was wir aus dieser Überlegung für unsere Beziehungen schließen, in mancher Hinsicht auch für die zu unseren Waren: Es hat was für sich, wenn die Beziehung zu einem Produkt sich in Ruhe entfalten kann. Dass die zweijährliche (vielleicht bald jährliche) Erneuerung des Handys jetzt im Rahmen einer monatlichen Flat angeboten wird, beunruhigt mich schon etwas. Nicht nur wegen der Ökobilanz, sondern auch, weil das Handy ein Gegenstand ist, den man täglich benutzt und dabei auch lieb gewinnt.</p>
<h4>Nachhaltigkeit</h4>
<p>Wäre ich ein Vermarkter, der mit der Zeit gehen möchte, so würde ich mein Beziehungskonzept jetzt das der »nachhaltigen Beziehung« nennen. Nicht gleich auf den Müll damit, wenn etwas mit dem Objekt meiner Begierde nicht stimmt, sondern sich etwas anschaffen, das lange hält – das eben nachhaltig ist. Und was ist mit dem Zweitauto, dem Zweithandy oder Zweitcomputer? Die meisten Menschen haben ja auch mehr als ein paar Schuhe. Es ist ja nicht jedes Schuhwerk für alle Wetter gut, und die alten, ausgelatschten … aber ich wollte doch nicht wieder beim Thema Beziehung landen. Nein, ich bleibe meinen alten Tretern treu. Sie sind eingelaufen, sie haben sich meinem Füßen angepasst und ich mich an sie, ich mag sie einfach. Erst wenn sie ganz auseinanderfallen, brauche ich neue. Schuster, die sie reparieren, die gibt es ja heute nicht mehr, das lohnt sich nicht, neue Schuhe sind viel zu billig.</p>
<h4>Treue ohne Abschottung</h4>
<p>Aber das möchte ich doch noch erwähnen: die Lösung, die die Vertreter der Polyamorie anbieten, die ist nämlich gar nicht so dumm. Sie versuchen die Offenheit mit der Verbindlichkeit zu vereinbaren. Verbindlichkeit insofern, als der Wert einer gewachsenen Beziehung bei ihnen sehr hoch angesetzt wird als etwas, das man nicht mal so eben schnell entsorgt, wenn die Möglichkeit von was Besserem einem zuwinkt. Dabei aber gehen sie mit der Abschottung anders um: Beziehung bedeutet für sie keine so strenge Abschottung. Wenn eine Frau oder ein Mann in einer festen Beziehung sich neu verliebt, gilt das nicht als pfui (wie im vorromantischen, stark moralisierenden Beziehungsmodell) und auch nicht als Ende der bestehenden Beziehung (wie im aktuellen Modell der seriellen Monopartnerschaften), sondern die alte Beziehung wird erhalten und der neuen eine Chance gegeben.</p>
<h4>Mitfreude</h4>
<p>Im Idealfall freut sich der feste Partner in einer polyamoren Beziehung, dass seine Liebste oder sein Liebster sich frisch verliebt hat und freut sich mit ihr oder mit ihm über dieses schöne Ereignis – Mitgefühl als Mitfreude, nicht nur als Mitleid. Ja, das gibt’s! Ist selten, kommt aber vor: bei stark Liebenden, die ohne Scheu und ohne Selbstwertverlust der Tatsache ins Auge schauen können, dass es für meinen Partner außer mir auch noch andere gibt auf dem Markt der Möglichkeiten. Die Wahrscheinlichkeit ist ja hoch, dass diese frische Verliebtheit nur von kurzer Dauer ist, dass mein Partner auch in der Zeit den Kontakt zu mir wird halten wollen und dass nach der euphorischen Phase dieser neuen Verliebtheit ich wieder der wichtigste Mensch in seinem/ihrem Leben bin. Oder dass mein Partner auf diese Weise einen Menschen findet, der etwas hat, was ich nicht bieten konnte, und dass sich so etwas ergänzt, was auch mir zugute kommt: Mein Partner ist nun glücklicher und versucht nicht dauernd etwas von mir zu bekommen, was ich nicht habe oder nicht bieten will.</p>
<h4>Polyamorie</h4>
<p>Ich halte dies für einen sehr intelligenten Umgang mit unserem Bedürfnis nach Beständigkeit und Abwechslung, Sicherheit und Abenteuer, Bewahren und Erneuern.  Denn wir alle haben diese beiden Seiten in uns, auch wenn viele von uns nur eine dieser beiden Seiten expressiv ausleben, die andere vernachlässigen, verstecken oder verdrängen sie. Ich weiß aber auch, wie sehr diejenigen, die den Mut haben, diese Art von Beziehung zu leben, damit anecken. »Polyamorie ist sicherlich die beste Art der Beziehung, aber sie verlangt viel von einem – und der Widerstand der Umgebung war schließlich so stark, dass ich es aufgegeben habe«. Aufgegeben so zu leben oder ohne Heimlichkeit so zu leben, beides höre ich des öfteren. Und auch das: »In zehn oder zwanzig Jahren wird das anders sein. Unsere Kinder werden es leichter haben.«</p>
<p>Einer starken Liebe zu folgen war in der Zeit bis zur Romantik und auch noch danach ein Wagnis, in vielen Fällen ein Skandal. An starken Widerständen der Umgebung scheiteren die beiden Verliebten, so wie Romeo und Julia in Shakespeares Drama. Gegenwärtig wird Indien vom Ideal der romantischen Liebesbeziehung erfasst, in der Oberschicht und im städtischen Mittelstand schon länger, per Bollywood allmählich auch im ganzen Land. Nicht mehr die Eltern sollen den Lebenspartner für dich bestimmen, sondern du selbst: Folge deinem Herzen!</p>
<p>Auch das Modell der Aneinanderreihung von Beziehungen, das die Celebrities der westlichen Welt uns vorgelebt haben und noch vorleben (sie haben auf dem Markt der Möglichkeiten den höchsten Wert, entsprechend schnell wird gewechselt), wird irgendwann durch ein anderes abgelöst – durch eine andere Art, mit Treue umzugehen. Was bleiben wird ist die Sehnsucht nach Beständigkeit, Kontinuität, Verlässlichkeit, Sicherheit, Treue. Aber auch die nach Abenteuer.</p>
<h4>Die ›polyspirituelle Treue‹</h4>
<p>Wer spirituell unterwegs ist, hat noch auf einem anderen Terrain das Bedürfnis, die Balance zwischen Standbein und Spielbein auszutarieren. Hier geht es um die Treue zur ausgeübten spirituellen Praxis, manchmal auch die zu einem spirituellen Lehrer und zu einer spirituellen Gemeinschaft. Auch hier wieder würde ein moderner Vermarkter nun  »Nachhaltigkeit auf dem spirituellen Weg« fordern. Also kein Guru Hopping und kein Method Hopping, sondern schön dabei bleiben, treu und diszipliniert. Was aber, wenn doch Qi Gong besser wäre für mich als Yoga, obwohl ich schon seit fünf Jahren Yoga übe? Wo mir doch jetzt der Rücken so wehtut! Zeit für einen Wechsel der Methode? Oder soll ich mich lieber abschotten von solchen Angeboten, um leichter meinem Guru und meiner Methode treu bleiben zu können? Oder ist vielleicht auch hier der polyamore (vielliebende) Ansatz der intelligenteste – das Alte nicht aufgeben, während man das Neue zulässt? Die verschiedenen Charaktere werden auch mit dieser Situation sehr unterschiedlich umgehen. Also erst ein Charaktertest? Und neben dem Heilpraktiker für Psychotherapie auch noch den für Treueberatung abschließen?</p>
<p>Vielleicht können wir wenigstens das so stehen lassen: Das Leben braucht Erneuerung und Beständigkeit, beides. Kinder brauchen die Treue und Verlässlichkeit ihrer Eltern, aber auch viel, viel Abwechslung. Uns großen Kindern geht es da nicht viel anders. Wir wollen die Welt erforschen, Abenteuer erleben, aber das, was gut ist, das soll so bleiben wie es ist.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Connection, <a href="http://www.connection.de/magazintexte/spirit/connection-spirit-1111.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11/11</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2011/11/30/vom-wert-der-abschottung-auf-dem-markt-der-moglichkeiten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auf der Suche nach dem Ewigen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/11/30/auf-der-suche-nach-dem-ewigen/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2011/11/30/auf-der-suche-nach-dem-ewigen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:31:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Wolf Schneider]]></category>
		<category><![CDATA[Ewigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Treue]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=3877</guid>
		<description><![CDATA[Je mehr sich in der Außenwelt bewegt, umso wichtiger wird innere Stärke. Und auch das: Treue. Aber was ist Treue? Wem oder was dürfen, wem müssen wir da treu sein? Mit dem platten Verbot eines ehelichen oder sonstwelchen Seitensprungs ist die Tiefe unseres Bedürfnisses nach Beständigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit – nach einer Geborgenheit im Strom der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3879" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4d8301842fc0a_s.jpg" rel="lightbox[3877]"><img class="size-medium wp-image-3879 " title="Auf der Suche nach dem Ewigen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4d8301842fc0a_s-300x300.jpg" alt="" width="200" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / zu © Lucian Binder</p></div>
<p>Je mehr sich in der Außenwelt bewegt, umso wichtiger wird innere Stärke. Und auch das: Treue.</p>
<p>Aber was ist Treue? Wem oder was dürfen, wem müssen wir da treu sein? Mit dem platten Verbot eines ehelichen oder sonstwelchen Seitensprungs ist die Tiefe unseres Bedürfnisses nach Beständigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit – nach einer Geborgenheit im Strom der Ereignisse – ja noch nicht gestillt. Zeit für eine Neubestimmung.</p>
<h4>»Alles fließt«</h4>
<p>Eine Freundin von mir erzählte, wie sie schon als Kind bei dem Wort »Ewigkeit« ein heiliger Schauer überlief. Weil alles vergeht. Wirklich alles? Das können wir nicht akzeptieren. An irgendetwas muss sich der Mensch doch halten können! Deshalb suchen wir nach dem Ewigen, dem Zeitlosen und wenden uns der Philosophie zu, den Religionen, dem Religiösen und der Spiritualität. »Alles fließt« (<em>pantha rei</em>), das war das Fazit des weisen Heraklit. »Alles ändert sich« (<em>anicca</em>), so nannte es Buddha. Hat unsere Suche nach dem Ewigen angesichts solch gewichtiger Aussagen der Weisen überhaupt eine Chance mehr als nur tröstend zu sein?</p>
<h4>Bindungen – im Fluss</h4>
<p>Wir Menschen brauchen Bindungen. Sie können Gewächshäuser sein, Inseln im Strom der Zeit, Schutzräume vor dem Zuviel auf dem Markt der Möglichkeiten. Für Kinder sind sie unentbehrlich, für Erwachsene fast ebenso und sogar auch für Suchende nach Ungebundenheit sind Bindungen unendlich wertvoll. Wem oder was wir dabei treu sein wollen, sollen und überhaupt können, diese Frage lässt sich nicht in einem Gelübde versiegeln. Nicht bloß weil Gelübde brüchig sind, sondern auch deshalb, weil eine solche Fixierung der Form unserer Suche nach dem Ewigen vom Standpunkt des Absoluten aus widernatürlich ist. Deshalb sollten wir unsere weltlichen Versprechen halten so gut es geht und so lange es sinnvoll ist, sie aber immer wieder überprüfen vor dem, was noch viel größer ist.</p>
<h4>Treue versus Flexibilität</h4>
<p>Und das Große spielt wieder hinein ins Kleine: die Loyalität zu Freunden; die Disziplin, mit der eine Diät oder eine spirituelle Praxis durchgezogen wird; die Standfestigkeit, mit der wir bei einer einmal getroffenen Entscheidung bleiben. Alles das hat mit Treue zu tun. Und mit unserer Fähigkeit, den Wert ihres Gegenteils richtig einzuschätzen: Flexibilität. Wann soll ich standfest sein, wann flexibel? Im Alltag, und auch in der Politik: Konservative können nicht immer nur bewahren, sonst versteift alles; Progressive können nicht mit allem »fortschreiten«, sonst werden sie ihren Prinzipien untreu. Zu welchem weltanschaulichen Lager du dich auch gerade zählst: Für die einzelnen Entscheidungen braucht es Weisheit.</p>
<h4>Das vermeintlich Andere</h4>
<p>Die Lemniskate, die liegende Acht, die wir hier auf dem Titel abgebildet haben, symbolisiert das Schwingen zwischen den Polaritäten. Treue und Flexibilität ist ein solches Paar polar einander gegenüber stehender Gegensätze. Ebenso Stille und Bewegung. Bindung und Ungebundenheit. Wenn wir nur den einen Pol dieser Gegensätze für wahr, tief oder überhaupt beachtenswert halten, schwingen wir dort hinüber, und jemand anders (und meist parallel dazu unser Unbewusstes) stellt den Gegenpart dar. Oder wir selbst schwingen irgendwann von hier nach dort hinüber: von der Festigkeit zur Flexibilität, von der Bewegung wieder zum Stillstand, von der Treue zum Abenteuer, von der Erregung zur Entspannung, und so weiter. Ein tieferes Ruhen in uns selbst erreichen wir nur, wenn wir dieses Schwingen akzeptieren – oder, dass wir beides in uns haben.</p>
<p>Dann staunen wir auch nicht mehr so, wenn sich um uns Fronten bilden, von Menschen oder Konstellationen, die »ganz anders sind«. Sie sind nicht ganz anders. Sie bilden nur etwas ab, was wir in uns noch nicht erkannt haben. Sobald wir das vermeintlich Andere erkannt haben, schwingt es auch in uns.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmals als Editorial des Magazins Connection, <a href="http://www.connection.de/magazintexte/spirit/editorial-11-11.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11/11</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2011/11/30/auf-der-suche-nach-dem-ewigen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mono-Poly-Beziehungen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/11/29/mono-poly-beziehungen/</link>
		<comments>http://www.openmindjournal.com/2011/11/29/mono-poly-beziehungen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 08:53:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Monogamie]]></category>
		<category><![CDATA[Polyamorie]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.openmindjournal.com/?p=3859</guid>
		<description><![CDATA[Wunschvorstellungen und Lebenswirklichkeit _ Die Kultivierung der exklusiven Liebesbeziehung steht im Spannungsfeld zwischen romantisch motivierter Leidenschaft und Besitzansprüchen. Ein kritischer Blick auf die Mechanismen, die uns monogame Verhaltensweisen beibringen, wirft komplexe Fragen auf. «Jede Ehe ist ein blind date, bei dem man sich nach den Alternativen zu einem blind date fragt.» Dies schreibt Adam Phillips [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wunschvorstellungen und Lebenswirklichkeit _ Die Kultivierung der exklusiven Liebesbeziehung steht im Spannungsfeld zwischen romantisch motivierter Leidenschaft und Besitzansprüchen. Ein kritischer Blick auf die Mechanismen, die uns monogame Verhaltensweisen beibringen, wirft komplexe Fragen auf.</em></p>
<div id="attachment_3865" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/The_Monolith_Vigeland_Olso.jpg" rel="lightbox[3859]"><img class="size-medium wp-image-3865" title="The Monolith im Vigeland Skulpturpark, Olso" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/The_Monolith_Vigeland_Olso-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Polyamorie auf dem Denkmal — Bildquelle: Douglas Stebila (cc) BY-NC</p></div>
<p>«Jede Ehe ist ein blind date, bei dem man sich nach den Alternativen zu einem blind date fragt.» Dies schreibt Adam Phillips in seinem Büchlein «Monogamie … aber drei sind ein Paar». Es gibt folglich nicht nur alternative Banken, sondern auch  die phantasierten – und selten gelebten – Alternativen zur konventionell angelegten Beziehung. Provokativ möchte ich ergänzen: Monogamie ist eine Utopie. Und: Monogamie ist eine historisch gewachsene Beziehungsform und nicht naturgegebenen, wie oft behauptet wird.</p>
<p>Bilder des romantischen Beziehungsglücks oder –unglücks, Variationen von Romeo und Julia, begegnen wir täglich, in Filmen und Liedtexten, im Theater und im Werbespot. Allerdings ist die Kluft zwischen dem, was sich im Alltagsleben tatsächlich ereignet und dem, was wir uns vorstellen, meist ziemlich gross und ernüchternd. Egal ob wir in einer Beziehung oder als Single leben. Die Frustrationen, die aus dieser Differenz zum gewünschten Idealbild entstehen, sind riesig. Eine kritische Begutachtung des angestrebten Glücks ist deshalb notwendig.</p>
<p>Die Vorstellung, dass wir «eine zweite Hälfte» brauchen, damit wir selber ein Ganzes werden, findet sich als Bild schon in der griechischen Mythologie. Die verrückte Idee, dass diese «andere Hälfte» ein Leben lang die gleiche Person sein muss, ist allerdings ein Phänomen aus der Neuzeit, das sich ursprünglich nur der Adel leisten konnte.</p>
<p>Heute gehen wir davon aus, dass Menschen in serieller Monogamie leben, der Begriff des «Lebensabschnittspartners» hat sich eingebürgert. Auch die Idee der heterosexuellen Norm wird nur noch als eine von verschiedenen Möglichkeiten reflektiert. Und doch hält sich in unseren Breitengraden die Fixierung auf das monogame Glücks erstaunlich hartnäckig. Die Idee der einen grossen «love for ever» hat eine unglaubliche Kraft und lässt uns hoffen, dass selbst der Tod ihr nichts anhaben kann: «auf ewig dein und nur dein …».</p>
<p>Wenn die Leidenschaft im Sinne von Hingabe für eine Person entflammt, ist das durchaus ein wunderbares Erlebnis, insbesondere, wenn die Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhen. Das Problem aber entsteht, wenn wir erwarten, dass sich diese Intensität nun einfach für immer fortsetzt und von nichts beeinflusst wird, nicht von individuellen Veränderungen und auch nicht von neuen Begegnungen, welche das Leben mit sich bringt. «Ein Teil dieses Mythos besteht im Glauben, dass man, wenn man wirklich verliebt ist, automatisch jegliches Interesse an anderen verlieren wird und folglich nicht wirklich verliebt sei, wenn man sexuelle oder romantische Gefühle jemand anderem ausser dem Partner gegenüber hat.» Dieses Zitat – hier ins Deutsche übersetzt – stammt aus dem Buch «The Ethical Slut. A Practical Guide to Polyamory, Open Relationsships &amp; Other Adventures».</p>
<p>Sofern wir von Exklusivität ausgehen – und Exklusivität ist ja genau das Kennzeichen von Monogamie – gibt es immer die Möglichkeit zu Verrat und Untreue. Das «wir», welches sich in einer Paarbeziehung bildet, lässt wenig Spielraum offen. Peter Schellenbaum schreibt in «Das Nein in der Liebe»: «Der heutige Romeo und die heutige Julia scheitern nicht mehr am Widerstand ihrer verfeindeten Familien, sondern – nach einer Phase innigster Verschmelzung – am eigenen Widerstand, dem Du im konkreten Alltag ein Lebensrecht einzuräumen. Nach dem grossen Ja zur Verschmelzung scheitern sie am grossen Nein gegen die gemeinsame Wandlung.»</p>
<p>Die Frage ist, ob Leidenschaft möglich ist und wie, wenn wir diese Abgrenzung und das Trennende nicht verdrängen. Ist der Gedanke vergleichbar mit unserer Mühe, die Sterblichkeit im Leben mitzudenken, und nicht so zu tun, als ob wir unsterblich wären? Führt das zu einem intensiveren Leben oder zu einer ständigen Melancholie? Vielleicht ist es ja beides: Wenn wir uns an der Realität orientieren, sind wir dem Leben näher verbunden. Illusionen führen früher oder später zu buchstäblichen Ent-täuschungen.</p>
<p>Die Idee der konventionellen Ehe, in der mit Gottes Segen ewige Treue geschworen und eingehalten wird, kann schnell zur Lebenslüge werden. Das beweisen die hohen Scheidungsraten und unzählige heimlich geführte Liebesaffären. Die Erlaubnis zum Sex innerhalb der Ehe führt schnell auch zum Sex-Zwang — die Vergewaltigung in der Ehe ist in der Schweiz erst seit 1992 strafbar. Trotz solcher Einwände wird weiterhin die Idee eines monogamen Lebens zelebriert, die Mehrheit bezweifelt, dass eine Alternative erprobenswert wäre.</p>
<p>Und doch geniesst das Thema Polyamorie – wie man die Liebe zu mehr als einem Menschen auch nennen kann – immer mehr öffentliche Aufmerksamkeit und andeutungsweise auch Akzeptanz. Schaut man sich unter den entsprechenden Publikationen um, kann man sogar von einer Polyamorie-Bewegung sprechen. Das Thema löst gleichzeitig Ängste und Interesse aus: Viele Menschen wollen zumindest darüber nachdenken und reden. Oft wird Polyamorie mit promiskem Sex verwechselt, oder mit Polygamie. Doch es geht nicht zwingend um mehrere sexuelle Beziehungen, sondern um die Kultivierung mehrerer Liebesbeziehungen. Ein Hauptanliegen der Bewegung ist die «Beziehungsethik», die Verhaltensweisen zur Vermeidung unnötiger Verletzungen thematisiert. Für ein liebevolles polyamores Verhalten ist ein solides Verantwortungsbewusstsein unumgänglich. Achtung vor sich und den Anderen und Respekt vor den Grenzen des individuell möglichen, sind unerlässlich. Sonst geraten wir in die Nähe von bereits verstaubten Beziehungsideen der 1968-er-Generation, welche unter dem Schlagwort «freie Liebe» das zum Teil wahllose Vögeln einiger selbstverliebter Männer mit leidenschaftsbereiten Frauen ermöglichte, die hierfür brav ihre Antibabypille schluckten, um die Folgenlosigkeit des Vergnügens zu gewährleisten.</p>
<p>Schliesslich ist zu beachten, was Adam Philips in seinem Buch «Monogamie» sagt: «Über Monogamie zu schreiben ist dasselbe wie über sexuelle Perversionen zu schreiben. Eine Frage des Tons. Der Inhalt ist oft Vernebelung. Wir sollten, beispielsweise, nicht fragen: Hat der Autor recht? Sondern: Ist er verbittert? Und wenn ja, worüber eigentlich? Nicht: woran glaubt sie, sondern: Wovor hat sie Angst?»</p>
<p>Das Thema wirft viele Fragen auf, die noch zu beantworten sind. Denn letztlich gibt es nicht entweder Monogamie oder Polyamorie – das ist zu einseitig gedacht. Jede Beziehungssituation ist anders und trägt beide Elemente in sich. Es geht auch nicht um das Ansammeln möglichst vieler Beziehungen, sondern um eine spielerische Leichtigkeit, im sonst unerträglichen Ernst des Seins. In diesem Sinne: Willkommen in Mono-Poly-Beziehungen!</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin MONETA, Ausgabe <a href="http://www.abs.ch/fileadmin/absch/Downloads/DE/Zeitung%20moneta/moneta_Archiv/moneta_4_2011.pdf" target="_blank" rel="external nofollow">Nr. 4/2011</a>. MONETA ist das Magazin der <a href="https://www.abs.ch/" rel="external nofollow">Alternativen Bank Schweiz</a></em></p>
<p><em>Literaturhinweise:</em></p>
<p><em>Ein wichtiges Standardwerk für Interessierte ist: «Eine Schlampe mit Verantwortung». Original: «The Ethical Slut. A Practical Guide to Polyamory, Open Relationships &amp; Other Adventures». Berkeley California 2009. Dieses Buch wird auch als «Poly-Bibel» bezeichnet.</em></p>
<p><em>Lebenspraktische Hinweise finden sich in: «Ein Frühstück zu Dritt. Leben und lieben in Mehrfachbeziehungen», Hrsg. Von Erhard Söhner und Bärbel Schlender, Wien München 2006.</em></p>
<p><em>Peter Schellenbaum: «Das Nein in der Liebe. Abgrenzung und Hingabe in der erotischen Beziehung», Stuttgart 1986.</em></p>
<p><em>Adam Phillips: «Monogamie… aber drei sind ein Paar». London 1996.</em></p>
<p><em>Holger Lendt, Lisa Fischbach: Treue ist auch keine Lösung. Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe, München 2011.</em></p>
<p><em>Thomas Schroedter, Christina Vetter: Polyamory. Eine Erinnerung, Stuttgart 2010.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.openmindjournal.com/2011/11/29/mono-poly-beziehungen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	
	<div style="display: none;" id="wikipopFrame"><iframe id="theFrame" style="border: none;" name="theFrame" width="340" height="400" src=""></iframe></div>

</channel>
</rss>
