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	<title>OpenMindJournal &#187; Beziehungen</title>
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	<description>Das Online-Journal für Bewusstsein, Lebenspraxis und Change</description>
	<lastBuildDate>Thu, 17 May 2012 11:01:36 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Eros, Sex, Lust und Liebe</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/06/eros-sex-lust-und-liebe/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 May 2012 18:22:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Suche nach dem „Motor“ der Evolution hat eine lange philosophische und in der jüngeren Geschichte auch wissenschaftliche Tradition. Beide versuchen, die letztere von zwei Grundfragen zu beantworten: - Warum ist überhaupt irgendetwas? und - Warum entwickelt sich dieses Irgendetwas (und bleibt nicht einfach so, wie es ist)? Warum bleiben die ersten Wasserstoffatome und Gaswolken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4848" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/4650_original_R_by_Henning-Hraban-Ramm_pixelio.png" rel="lightbox[4834]"><img class=" wp-image-4848 " title="Talk about Sex" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/4650_original_R_by_Henning-Hraban-Ramm_pixelio-300x217.png" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Henning Hraban Ramm / pixelio.de</p></div>
<p>Die Suche nach dem „Motor“ der Evolution hat eine lange philosophische und in der jüngeren Geschichte auch wissenschaftliche Tradition. Beide versuchen, die letztere von zwei Grundfragen zu beantworten:</p>
<p>- Warum ist überhaupt irgendetwas? und</p>
<p>- Warum entwickelt sich dieses Irgendetwas (und bleibt nicht einfach so, wie es ist)?</p>
<p>Warum bleiben die ersten Wasserstoffatome und Gaswolken im Universum nicht einfach Atome und Gaswolken, sondern formen sich zu Sonnen, die nach ihrem Sterben in gewaltigen Explosionen neue Elemente hervorbringen? Warum formen sich aus dem Sternenstaub dieser frühen Explosionen Sonnensysteme mit Planeten, auf denen dann immer komplexere Formen von Leben (und Bewusstsein) entstehen? Warum kommt dieses Leben nicht irgendwann einmal an den Punkt, an dem es „genug ist“, sondern schreitet in aufeinanderfolgenden Stufen von Komplexität und Bewusstheit immer weiter fort? Warum kann dieser Augenblick und der nächste und der darauffolgende nicht einfach so bleiben, wie er ist, sondern präsentiert sich in einer unablässigen Folge von Veränderungen, die, auf längere Sicht betrachtet und unter Berücksichtigung vieler Schlingen und Schlaufen, wieder in eine Richtung von zunehmender Komplexität und Bewusstheit zeigen? Wer oder was steckt hinter dieser Dynamik, die sich wie ein roter Faden und kosmischer Strang durch die gesamte Geschichte der Manifestation zieht und heute so quicklebendig ist wie am ersten Schöpfungstag?</p>
<blockquote><p>Eros ist ein liebender, schöpferischer Impuls, der in einer unbändigen Freude und Kreativität unsere Entwicklung, vorantreibt.</p></blockquote>
<h4>LIEBE als Prinzip der Entwicklung</h4>
<p>Eine frühe philosophische Antwort auf diese Frage, oder, genauer, eine Bezeichnung dieser geheimnisvollen Kraft, ist Eros, der als ein liebender, schöpferischer Impuls in einer unbändigen Freude und Kreativität die Entwicklung, unsere Entwicklung, vorantreibt. Dieser Eros ist die Kraft und Liebe, welche die Sterne ebenso bewegt wie unsere Gefühle, Gedanken und Taten. In diesem Sinne ist alles, wirklich <em>alles</em>, was sich im Universum ereignet, ein Ausdruck von LIEBE. Ausgedrückt in der wissenschaftlichen Sprache der Systemtheorie wird in diesem Zusammenhang von Autopoiesis oder der Kraft der Selbstorganisation gesprochen. Das klingt „vernünftiger“ als Liebe oder Eros, bezeichnet aber letztendlich auch nur etwas, was sich zwar ständig erfahren, beobachten und in seiner Wirkung beschreiben, aber im Hinblick auf seine Herkunft nicht erklären lässt, und so landen wir wieder beim Fragenpaar</p>
<p>- Warum ist überhaupt irgendetwas? und</p>
<p>- Warum entwickelt sich dieses Irgendetwas (und bleibt nicht einfach so, wie es ist)?</p>
<p>Die Beschreibung und das Philosophieren aus einer kosmischen-universellen Perspektive heraus ist das eine, doch so richtig interessant wird es, wenn wir die irdisch menschliche Dimension in ihrem Eingebettet-Sein in diese evolutionäre Strömung eines die Entwicklung immer weiter vorantreibenden Geschehens betrachten. Die Aussage „alles ist letztendlich ein Ausdruck von LIEBE“ wird buchstäblich relativiert, wenn wir unseren Umgang mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen und –wesen und unseren Umgang mit der Natur betrachten. Im Rahmen der allumfassenden LIEBE gibt es hier ein breites  Erlebensspektrum von totaler Lieblosigkeit bis zu einer übermenschlich erscheinenden Liebesfähigkeit. Die LIEBE bringt offensichtlich in einer unerschöpflichen Kreativität immer neue, höhere und weitere Möglichkeiten und Formen von Liebe hervor, die wir Menschen in uns, zwischen uns und auch gegenüber der Natur zum Ausdruck bringen können. Die Entwicklung schreitet offenbar voran, auch die Entwicklung von Liebe, und wir mit ihr, mehr oder weniger.</p>
<h4>Entwicklungsstufen auf dem Weg zur LIEBE</h4>
<p>Können wir in einer kosmischen Dimension von einem allumfassenden Eros und einer alles durchdringenden und absoluten LIEBE sprechen, müssen wir in einem sich entwickelnden Universum, wenn wir die durch die LIEBE hervorgebrachte Formen– und Erscheinungswelt wirklich würdigen wollen, von Ebenen des Eros, der Liebe, der Lust und der Sexualität sprechen. Auf jeder Entwicklungsstufe, so einer der wichtigen Hinweise einer integralen Theorie und Praxis, wird der begrenzte Liebeshorizont erweitert und umfasst immer mehr Perspektiven, Wesen und Sein – von egozentrisch zu ethnozentrisch zu weltzentrisch zu kosmozentrisch, von narzisstisch zu absolutistisch zu aufgeklärt/modern zu multiperspektivisch/postmodern zu integral und noch weiter. Doch was bedeutet das konkret, wie wird Liebe auf den unterschiedlichen Entwicklungsstufen gelebt und drückt sie sich aus, welche Formen von Beziehung sind weiter entwickelt als andere, und was bedeutet „Sexualität  auf einer höheren Stufe“ konkret?</p>
<blockquote><p>Auf jeder Entwicklungsstufe wird der Liebeshorizont erweitert und umfasst immer mehr Perspektiven – von egozentrisch zu ethnozentrisch zu weltzentrisch zu kosmozentrisch.</p></blockquote>
<p>Eine Personengruppe die diesbezüglich unter besonderer Beobachtung steht, ist die der spirituellen Lehrer. Deren Lehren betonen immer wieder die Dimensionen von Absolutheit, Liebe und Eros, und viele sprechen auch konkret über Sexualität (oder „erleuchtete Sexualität“ und „tranzendente Beziehungen“). Da liegt es nahe zu schauen, wie diese Lehrer diesen Ansprüchen in ihrem öffentlichen und privaten  Leben genügen, und inwieweit „talk“ und „walk“ übereinstimmen. Ein aktueller „Fall“ diesbezüglich ist Marc Gafni, ein Lehrer, mit dem auch das Integrale Forum (IF) im Austausch steht und der bereits an IF-Tagungen beteiligt war. Ohne auf die aktuelle Diskussion einzugehen (Stellungnahmen des IF finden sich auf <a href="http://www.integralesforum.org/" rel="external nofollow">www.integralesforum.org</a>), sollen hier einige allgemeine Hinweise gegeben werden, abgeleitet aus Elementen der integralen Theorie und Praxis, als Möglichkeiten der Orientierung bei der schwierigen Diskussion der Beurteilung der Integrität von Menschen in Liebesbeziehungen (einschließlich der eigenen Person).</p>
<h4>Ebenen von Beziehungen</h4>
<p>Die Bedeutung der Berücksichtigung einer Entwicklungsperspektive für das Thema Beziehungen wurde schon erwähnt und soll hier noch einmal unterstrichen werden. Auf jeder der Entwicklungsstufen, z. B. traditionell zu modern zu postmodern und darüber hinaus wird Beziehung neu definiert, im Sinne eines „transzendiere und bewahre“. Bewährtes wird übernommen, als eine notwendige Voraussetzung für weiteres Wachstum, und neue Elemente und Perspektiven kommen hinzu. Die gesunde Weiterentwicklung von Beziehungen braucht daher neben einem progressiven Element immer auch etwas Konservatives. Die Frage, was sich in Beziehungen bewährt hat und „treu und verlässlich“ beibehalten werden sollte und was nicht, ist bereits eine erste große Herausforderung. Was hat sich wirklich überlebt und gilt es loszulassen, mit den dazugehörigen (Verlust)Ängsten, und wo läuft man einfach nur vor einer Verantwortung oder Schwierigkeiten davon?</p>
<h4>Ebenen von Beziehungsaspekten</h4>
<p>Durch eine Ebenenbetrachtung bekommen auch Diskussionen um Begriffe und Grundaspekte von Beziehungen eine Tiefe, die ohne die Berücksichtigung einer Entwicklungsdimension verschlossen bleibt. Treue, Zuverlässigkeit, Freiheit, Integrität, Selbstverwirklichung, Transparenz und vieles mehr haben jeweils eine unterschiedliche Bedeutung, je nach dem, auf welcher Entwicklungsstufe sie betrachtet werden. Manche Merkmale wie Egozentrik sind typisch für eine Entwicklungsstufe, andere hingegen wie Treue werden auf jeder Stufe neu definiert und verhandelt.</p>
<h4>Form und Inhalt</h4>
<p>Kann man einer Beziehung von außen (an ihrer Form) ansehen, auf welcher Entwicklungsstufe sie gelebt wird? Die Antwort darauf ist „Nein“, jedenfalls für die meisten Formen von Beziehungen. Monogamie gibt es traditionell, modern, postmodern und sicher auch auf Ebenen darüber hinaus, wenn auch im Innenverhältnis ganz unterschiedlich gelebt, von strikten Rollenfestlegungen (traditionell, „bis dass der Tod euch scheidet“) zu modernen Ehen (mit Scheidungsrecht) über gleichberechtigte monogame Partnerschaften (postmodern) bis hin zu „conscious monogami“, einer bewussten, post-postmodernen Monogamie (ein Begriff des Psychotherapeuten und Lehrers Robert Augustus Masters).</p>
<p>Ähnliches gilt für polygame Beziehungen, von denen es traditionelle Formen wie den Harem und die „Vielehe“ gibt, moderne Formen wie die „offene Ehe“, postmoderne Weiterentwicklungen wie in der Bewegung der Polyarmorie, und sicher auch Formen, die darüber hinaus weisen. Entscheidend für die Bestimmung der Entwicklungshöhe sind einmal mehr das innere Gelebte dieser Formen und die Anzahl der Perspektiven, Gesichtspunkte, Gefühle und Gedanken der die Beziehungen Lebenden, die dabei berücksichtigt und integriert werden. Und die Frage, wie kann die „größte Tiefe für die größte Anzahl“ gefördert werden, d. h. was trägt zur Weiterentwicklung aller Beteiligten und der Welt als Ganzes am besten bei?</p>
<h4>Spanne und Tiefe</h4>
<p>Die Spannweite und Tiefe einer Beziehung hängt nicht nur von der Entwicklungsstufe ab, auf der sich Beziehungspartner befinden, sondern auch von deren Fähigkeit, die ihrem gegenwärtigen Entwicklungsschwerpunkt vorangehenden Stufen auf gesunde Weise zu integrieren. Diese Fähigkeit zur Integration verwirklicht sich nicht von selbst, sondern ist Ergebnis bewusster Reflexionsprozesse und der konstruktiven, auch praktischen Auseinandersetzung mit Beziehungsmodellen verschiedener Stufen.</p>
<p>Die Spannweite und Tiefe einer Beziehung hängt nicht nur von der Entwicklungsstufe ab, auf der sich Beziehungspartner befinden, sondern auch von deren Fähigkeit, die ihrem Entwicklungsschwerpunkt vorangehenden Stufen auf gesunde Weise zu integrieren.</p>
<p>Entscheide ich mich für eine monogame Beziehung, weil ich mich bereits in postmodern-polygamen Beziehungen ausgetobt habe und nun ganz bewusst mit einer Partnerin/einem Partner eine Eins-zu-Eins-Beziehung des Wachstums eingehen möchte (=integrales Verständnis) oder ist das Verteidigen eines monogamen Standpunkts meinen Verlustängsten geschuldet (=egozentrische Perspektive mit ungeheilten Anteilen früherer Entwicklungsstufen)?</p>
<p>Kreisen meine Werte, mein Denken, Fühlen und Handeln auf gleicher Entwicklungshöhe oder ist meine Entwicklung in einzelnen Bereichen noch ausbaufähig? Lässt beispielsweise mein postmodernes oder vielleicht schon integrales Denken mich nach einer polyarmoren Beziehung streben, die dann von Eifersucht oder meiner mangelnden Fähigkeit, mich auf alle meine Partner/innen in gleichem Maße einzulassen, überschattet ist? Und: Auf welcher Flughöhe vollzieht sich die Interaktion zwischen den Beziehungspartnern? Ist sie symmetrisch oder asymmetrisch? Ist ein/e Partner/in „weiter“ als der/die andere – und kann er/sie ihn/sie auf dem Weg „mitnehmen“?</p>
<h4>Wahrheit, Täuschung und Lüge</h4>
<p>Die „Wahrheit“ einer Beziehung entsteht in der Wechselseitigkeit zwischen den Partnern. So werden „polyarmore“ Beziehungen zum schlichten „Fremdgehen“, wenn ein Beziehungspartner sich auf die Monogamie des/der anderen verlässt und in dieser Haltung ent-täuscht wird. Oder ein bewusst gegebenes Einverständnis mit diesem Beziehungsmodell basiert auf einer Selbsttäuschung, wenn ich mir meiner Besitzansprüche nicht bewusst bin und dann darunter leide, dass sie nicht erfüllt werden.</p>
<blockquote><p>Immer stellt sich die Frage, ob Beziehungspartner dem jeweiligen Entwicklungsschwerpunkt der eigenen und der anderen Person gerecht werden.</p></blockquote>
<p>Wo der Raum der Wahrheit verlassen wird und der Grenzbereich der Täuschung sich öffnet, ist dabei ein sehr subtiles Feld, denn immer stellt sich die Frage, ob die Beteiligten in ihrer Selbsteinschätzung und dem Erkennen des Beziehungspartners dem jeweiligen Entwicklungsschwerpunkt der eigenen und der anderen Person gerecht werden. So können sich zwei Partner zu einer „offenen“ Beziehung bekennen, aber ganz unterschiedliche Motivationen haben, z.B. egozentrische Triebhaftigkeit oder ein pluralistisches Denken, das aus der Vielfalt der Beziehungspotentiale schöpfen möchte. Solche Asymmetrien werden ob kurz oder lang zu Problemen führen, wenn die Divergenzen von den Partnern schließlich wahrgenommen werden.</p>
<p>Schwierig wird es auch, wenn einer der Partner bereits ein integrales Beziehungsverständnis entwickelt hat und sein Gegenüber sich in der eigenen Zustimmung zu einem solchen Modell überschätzt, denn nicht geheilte Beziehungsperspektiven früherer Entwicklungsstufen werden sich dann zeigen. Nimmt der höher entwickelte Partner dies wider besseres Wissen einfach hin, wird die Beziehung schnell zur Lüge, an der mindestens der weniger entwickelte Partner leidet.<strong> </strong></p>
<h4>Schatten und Projektion</h4>
<p>Womit wir bei der Frage der Schatten und Projektionen sind, denn asymmetrische Beziehungen sind nicht zwingend einer klar erkennbaren Lüge geschuldet, sondern können ebenso durch das Unerkannte, nicht Bewusste entstehen. Ist meine kognitive Entwicklung stärker vorangeschritten als meine emotionale, werde ich mir vielleicht ein Partnerschaftsmodell aussuchen, dem ich gefühlsmäßig noch gar nicht gewachsen bin. Die spürbare Unerfülltheit meiner Beziehung werde ich dann unbewusst auf meinen Partner projizieren. Umgekehrt kann es mir immer wieder passieren, dass ich an Partner oder Partnerinnen gerate, die mir emotional „noch nicht gewachsen“ sind. Die Vorwürfe, mit denen ich dann im Zweifel konfrontiert werde, sind jedoch nicht nur Indiz für die tatsächliche Asymmetrie, sondern konfrontieren mich mit dem eigenen Schatten, den/die Partner/in nicht auf seinem/ihrem Beziehungsschwerpunkt angemessen berühren zu können.</p>
<blockquote><p>Überall da, wo heftige Abwehrreaktionen auftreten, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass eigene Aspekte und Selbstanteile auf dem Entwicklungsweg verdrängt und projiziert werden.</p></blockquote>
<p>Die heutige Pluralität und Vielfalt gelebter Beziehungsformen ist auch eine Möglichkeit, eigenen Schattenanteilen nachzuspüren. Überall da, wo heftige Abwehrreaktionen auftreten, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass eigene Aspekte und Selbstanteile auf dem Entwicklungsweg verdrängt und projiziert wurden und im Außen bekämpft werden, anstatt sie innerlich zu integrieren. Wer Monogamie aufwertet unter gleichzeitiger Ablehnung, Abwehr oder gar Verteufelung von Polyarmorie, der oder die hat dort wahrscheinlich einen Schatten, und würde selbst gerne mehr polyarmor leben. Andersherum kann sich eine uneingestandene Sehnsucht nach monogamer Verlässlichkeit und Konvention in einer heftigen Gegenreaktion auf alles „Traditionelle“ zeigen. Beziehungen, in welcher Form auch immer, sind ein sehr direkter Weg zur Schattenintegration, vorausgesetzt wir sehen unsere Irritationen darin auch als eine eigene Lernaufgabe und nicht nur als Fehler oder Probleme der anderen. <strong></strong></p>
<h4>Schüler-Lehrer-Beziehungen</h4>
<p>Das angesprochene Dilemma von Asymmetrie und die Schattendynamik ganz allgemein zeigen sich immer wieder auch in Schüler-Lehrer-Beziehungen, im schlimmsten Fall als Missbrauch. Ob Schüler-Lehrer-Beziehungen platonisch oder sexuell sind – immer bildet ihren Rahmen eine institutionalisierte Asymmetrie, die darauf basiert, dass der Lehrer/die Lehrerin höher entwickelt ist als diejenigen, die ihm/ihr folgen. Der wunde Punkt: Kaum ein Mensch erreicht in allen Lebensbereichen die gleiche Entwicklungshöhe. Sexuelle Verfehlungen spiritueller Lehrer sind dann ein Indiz dafür, dass sie die eigene Kompetenz überschritten und/oder die Fähigkeiten der Betroffenen überschätzt haben.</p>
<blockquote><p>In der Schüler-Lehrer-Beziehung wird das Thema Verantwortlichkeit zum heißen Eisen.</p></blockquote>
<p>Die Frage der Verantwortlichkeit wird hier zum heißen Eisen. Traditionell argumentierend trägt der Lehrer die Verantwortung für seine Schüler, so dass ihm die „Schuld“ an Grenzüberschreitungen zugemessen wird. Ein moderner Blickwinkel wird auch die Eigenverantwortlichkeit der Schüler ins Spiel bringen, die Notwendigkeit, die eigenen Grenzen zu erkennen und ihnen gemäß zu handeln. Entwickelt sich dann eine vermeintlich transzendente Liebesbeziehung zum amourösen Desaster, kann die damit verbundene Ent-Täuschung im günstigen Fall zu einem konstruktiven Lernprozess werden (der, das scheint unvermeidlich, auch mit schmerzhafter Selbsterkenntnis verbunden ist).</p>
<p>Eine solche Einsicht führt nicht zwangsläufig zu postmoderner Beliebigkeit, die Lehrer von ihrer Verantwortung freispricht. Sie könnte es bestenfalls sogar ermöglichen, dass Lehrer, die von einem mündigen Gegenüber mit den eigenen Schwächen konfrontiert werden, Einblicke in die eigenen Schatten gewinnen. Das tatsächliche Gefälle zwischen Lehrer und Schüler wird im postmodernen Pluralismus gerne unterschätzt. Wo der Lehrer zum Geliebten wird, gewinnt auf Schülerseite nur allzu leicht (nicht zuletzt aus hormonellen Gründen) eine emotionale Komponente die Oberhand, die sich nach integraler Flughöhe sehnt, diese aber noch nicht halten kann. Erkennt der Lehrer das nicht, sind die Konsequenzen tragisch; erkennt er es und setzt sich über diese Einsicht wissend hinweg, verletzt er bewusst die Integrität seines Gegenübers.</p>
<h4>Öffentlichkeit und Privatsphäre (Transparenz und Diskretion)</h4>
<p>Da diese Schattenaspekte für die Betroffenen nicht erkennbar sind, kommt der Frage der Transparenz im Kontext von Schüler-Lehrer-Beziehungen eine besondere Bedeutung zu. Die Dramatik vieler Missbrauchsfälle ist nämlich der Heimlichkeit geschuldet, dem Fehlen einer konstruktiven Außenperspektive auf die Beziehungsrealität, die manche Verwerfung bereits im Keim hätte sichtbar machen können. Während in Beziehungen auf Augenhöhe die Frage, welche Aspekte der Beziehung öffentlich gelebt werden wollen und welche sich in diskreter Privatheit abspielen, eine bewusste Entscheidung unter Gleichen abbildet, kann davon in per se nicht symmetrischen Beziehungen nicht ausgegangen werden. Transparenz wird dann zur Chance, das eigene Verhalten in weiteren Kontexten zu spiegeln und einer kritischen Supervision zu unterziehen, während Heimlichkeiten eher ein Indiz für unbewusste Verschleierungstaktiken sind.</p>
<blockquote><p>Transparenz ist eine Chance, das eigene Verhalten in weiteren Kontexten zu spiegeln und einer kritischen Supervision zu unterziehen.</p></blockquote>
<h4>Zeitgeist und skilful means</h4>
<p>Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass Spiritualität und Eros ein Wachstumsfeld der besonderen Art markieren, das – schlicht weil die Menschheit als Ganzes noch weit von einer integralen Perspektive entfernt ist – allzu leicht zum Minenfeld wird. Gerade wenn es um die Betrachtung von Verfehlungen anderer geht, schwingt nur allzu leicht auch die Kompensation des eigenen – oft unbewussten – Schmerzes mit. Der Standpunkt unserer Urteile und Erklärungen ist immer relativ, und gerade dann, wenn es uns gelingt, diesen Standpunkt zu erkennen, können wir die Reibungen, die in unseren Beziehungen entstehen, konstruktiv als Wachstumsimpulse nutzen. Deshalb möchten wir Sie an dieser Stelle einladen, Ihre eigene Perspektive zum Thema tiefer zu erkunden. Im Kasten „Das spirituelle Urteilsvermögen schärfen“ finden Sie verschiedene Fragen, die Ihnen dabei helfen können. „Junge Menschen, die Anfänger in allem sind, können die Liebe noch nicht: Sie müssen sie lernen. Mit dem ganzen Wesen, mit allen Kräften, versammelt um ihr einsames, banges, aufwärts schlagendes Herz, müssen sie lieben lernen. Lernzeit aber ist immer eine lange, abgeschlossene Zeit, und so ist Lieben für lange hinaus und weit ins Leben hinein“, sagte der große Dichter Rainer Maria Rilke. In diesem Sinne wächst unsere Liebesfähigkeit mit den Fragen, denen wir uns stellen.</p>
<blockquote>
<h4>Eros und Ethik: Das spirituelle Urteilsvermögen schärfen</h4>
<p><em>Möge ein jeder von euch seine oder ihre größte Tiefe und Fähigkeit für Weisheit und Beurteilung dabei finden, und diese nicht nur auf die Gafni-Situation anwenden, sondern auch auf das eigene Leben, von Augenblick zu Augenblick. Lasst uns diesen Fall als eine weitere Gelegenheit betrachten, bei der wir unser spirituelles Urteilsvermögen schärfen, um es dann weise anzuwenden.</em> (Ken Wilber in einem aktuellen Kommentar zu Marc Gafni)</p>
<ul>
<li>Was informiert mich in Diskussionen (wie der über das Verhalten von Marc Gafni) über das Thema Eros und Ethik, und was affektiert mich (regt mich auf, ärgert mich, lässt mich nicht los …)?</li>
<li>Tauchen dabei Gefühle von Hass, Wut, Unversöhnlichkeit, Selbstgerechtigkeit, Schadenfreude, Rache in mir auf – und wie gehe ich damit um?</li>
<li>Welche Themen stehen für mich im Vordergrund (Macht, Ohnmacht, Sex, Abhängigkeit, Wahrhaftigkeit, Täuschung, Gerechtigkeit, Missbrauch, …)</li>
<li>Warum sind es gerade diese Themen, und wie ist mein biografischer Hintergrund dazu (wie habe ich diese Themen auf meinem Lebensweg erfahren)?</li>
<li>Um welche anderen Themen könnte es dabei noch gehen (die ich bisher ausgeblendet habe)?</li>
<li>Informiere ich mich offen oder selektiv?</li>
<li>Ist mir bewusst, dass sich eine Informationslage entwickelt und dass niemand jemals eine „totale Informiertheit“ haben wird?</li>
<li>In welcher Art von hierarchischer Abfolge sehe und werte ich das ethische Verhalten von Beziehungs-Beteiligten (z.B. egozentrisch, traditionell-soziozentrisch, modern-weltzentrisch, integral)?</li>
<li>Wie verhält es sich meiner Meinung nach mit Vorsatz (Absicht) und Fahrlässigkeit (z. B. Leichtgläubigkeit) in einer gegebenen Situation?</li>
<li>Welche meiner Mindsets und Glaubenssätze werden durch die Thematik aufgerufen (welche „Voices“ höre ich in mir – und kann sie mir damit bewusst machen)?</li>
<li>Übernehme ich für meine Wahrnehmung die volle Verantwortung?</li>
<li>Habe ich eine klare Meinung zum Thema Eros und Ethik und wie würde ich diese in ein paar Sätzen formulieren?</li>
<li>Welche Perspektiven sind für mich völlig inakzeptabel und warum?</li>
<li>Wie erlebe ich in dieser Situation die „Täter/Opfer“-Dynamik?</li>
<li>Bin ich bereit, meine Meinung auch zu ändern, oder habe ich mich festgelegt?</li>
<li>Wie wäge ich in diesem Kontext die Balance von Gnade und Recht ab?</li>
<li>Inwieweit kann ich (will ich) die Perspektiven von verschiedenen Beteiligten einnehmen (soweit ich Kenntnis davon habe)?</li>
<li>Wie ist die Ausgewogenheit von a) subjektiver eigener Reflektion, b) intersubjektivem Austausch und c) objektiver Faktensuche bei mir?</li>
</ul>
</blockquote>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Integrale Perspektiven, <a href="http://integralesleben.org/home/if-integrales-forum/zeitschrift-integrale-perspektiven/ip-aktuelle-ausgabe/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 21</a></em></p>
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		</item>
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		<title>Erotische Ökologie</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/03/18/erotische-okologie/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Mar 2012 00:46:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
		<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
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		<description><![CDATA[Das hartnäckige Streben nach persönlicher Erfüllung in der Liebe ist, bei Licht betrachtet, ein ökologisches Drama. Es folgt dem Prinzip des Nehmens von begehrenswerten Ressourcen statt dem der Gabe, des ­Teilens und des Loslassens. In den ersten Februartagen, als es eisig war und in weniger als einer Woche die Gewässer um Berlin erstarrten, überzogen mit einer unwirklich weißen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4651" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/image_wide.jpg" rel="lightbox[4649]"><img class=" wp-image-4651 " title="Erotische Ökologie" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/03/image_wide-300x168.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: www.natalietoczek.de</p></div>
<p><em>Das hartnäckige Streben nach persönlicher Erfüllung in der Liebe ist, bei Licht betrachtet, ein ökologisches Drama. Es folgt dem Prinzip </em><em>des Nehmens von begehrenswerten Ressourcen statt dem der Gabe, </em><em>des ­Teilens und des Loslassens.</em></p>
<p>In den ersten Februartagen, als es eisig war und in weniger als einer Woche die Gewässer um Berlin erstarrten, überzogen mit einer unwirklich weißen Decke, ging ich mit Esther und den Kindern zum Eislaufen auf den Glienicker See. Eine gelbe Sonne verlieh den Figuren lange Schatten und legte einen Hauch von Wärme in die gefrorene Luft.</p>
<p>Halbwüchsige hatten Flächen vom Schnee befreit und zu Eishockey-Feldern verwandelt, auf denen sie einander jagten, mit fliegenden Schals und roten Gesichtern. Eltern zogen ihre Kleinen auf Schlitten über die Ebene. Alles schien in Bewegung. Und doch war der See so groß, dass weite Flächen unberührt dalagen und erst unsere sirrenden Kufen Spuren hineinschnitten.</p>
<p>Esther hatte sich von mir gelöst und glitt über das leere Weiß. Sie war eine große Sportlerin, der es heute oft fehlt, ihren Körper in der Lust seiner Bewegung zu spüren. Sie zog Kreise über das Eis, drehte sich im Schwung, fuhr ein Stück rückwärts, beschrieb Pirouetten, kehrte zurück und flog an mir vorbei. Sie saugte die Ferne, die ihr zu Füßen lag, geradezu auf. Es war kalt auf meinen Wangen, und ich konnte die Kälte auf ihren sehen, den Glanz ihrer Augen, die mich nicht wahrnahmen, während sie mich passierte.<br />
Sie war hingegeben an den rasenden Schwung, den fliegenden Puls, die bebende Lust der Glieder. Sie hatte für einen Zeitbruchteil in der Bewegung ihr Gleichgewicht gefunden. Ich aber war nicht Teil dieser Harmonie. Es sah aus wie ein Tanz. Ja, es war ein Tanz, im singenden Eis, und sie tanzte ihn mit einem Schemen, der aus einer Sinnlichkeit gemacht war, die ich nicht zu teilen vermochte, nicht beim besten Willen.</p>
<p>Es versetzte mir einen Stich, Esther so verloren zu sehen, auf diesem frischesten Weiß, das sich langsam mit der Röte des Abends vollsog. Es versetzte mir einen Stich, und doch erfüllte es mich mit Leichtigkeit und Freude, den Tanz dieser Sehnsucht zu sehen, die sich schon in der Grazie der Bewegungen erfüllte, ohne dass sie mich in irgendeiner Weise enthielt. Ich liebte ihre Eleganz plötzlich mit derselben Intensität wie diese ganze gefrorene Welt in ihrer Strahlkraft, die nicht wärmte. Durch das Eis liefen Schauer, sein Panzer klagte gequält unter dem Druck. Der See stieß langgezogene Seufzer aus, als wären unter seiner Decke Wale gefangen. Eine unheimliche Welt, durch die ich glitt, und doch konnte ich nicht anders, als sie für ihre Schönheit zu verehren.</p>
<h4>Von mir fort lieben</h4>
<p>Auch Esther, so wusste ich auf einmal, konnte ich nur lieben. Ich musste sie geradezu von mir fort lieben und hin zu ihr selbst, in jene Welt der Grazie und der wortlosen motorischen Lust, die mir nicht im Geringsten angehörte. Wirkliche Empathie für sie hieß, eine Freiheit zuzulassen, die mir gefährlich schien. Aber es ging nicht um mich. Es ging um diesen kristallscharfen Splitter Schönheit, der aus ihren Augen funkelte und der in meiner Seele steckte.</p>
<p>Ich dachte zurück an die langen Nachmittage meiner Kindheit auf den kleinen, eisbedeckten Teichen, als ich meinem Schwarm Mara auf Kufen hinterhergehastet war, einfältig und atemlos, begierig nach einem Splitter Aufmerksamkeit, und als ich doch immer nur Stürze produzierte, die ihr ein verächtliches Naserümpfen und ein abschätziges Schütteln des blonden Pagenkopfs abnötigten.</p>
<p>Ich sah Esther nach, und plötzlich schien mir: Nicht das warme Lächeln, das aufmunternde Nicken im Vorbeigleiten war die wahre Übung der Liebe, sondern die Ferne zwischen uns. Diese Ferne auszuhalten, sogar zu erweitern und sie sich ganz mit der Persönlichkeit des anderen füllen zu lassen. Ich kam auf dem Eis unbeholfen zum Stehen und staunte.<br />
Konnte es sein, dass wir uns alle in der Liebe täuschten? Dass wir übersahen, dass Bindung nicht im Gegensatz zur eigenen Freiheit und der des anderen steht, sondern mit ihr eine fruchtbare Polarität bildet? Wenn wir über Liebe sprechen, denken wir vor allem an Paare, an Zweisamkeit und Einklang. Wir denken an die Liebe zu uns selbst, nicht an die Liebe zur Welt. Aber Eros, der griechische Gott, galt schon in der Antike als tragische Gestalt. Er war nicht der Gott der genussvollen Erfüllung, sondern jener der emotionalen Intensität, die auch oder gerade in der Abwesenheit brennt.</p>
<p>Wenn lieben hieße, den Geliebten von mir fort zu lieben statt ihn zu meinem Besitz zu machen, waren wir dann nicht alle in einem gewaltigen Irrtum befangen? Hatten wir womöglich kollektiv vergessen, was als entscheidendes Moment Liebe erst gebar? Dass sie nicht ein beglückender Flirt war, sondern Maßstab des Gelingens jeder Beziehung? Hatten wir uns im Streben nach einer möglichst angenehmen Existenz, Anerkennung und allabendlichem Vergessen in ein Bild des Liebens verrannt, das uns von der Lebendigkeit fortführte und immer tiefer in eine Spirale der Bedürfnisse hineinsaugte, in deren Mitte nur das optimierte eigene Ich stand? Wir leben heute zwar in einer Zeit, in der das Gefühl für den anderen beständig im Zentrum unserer Aufmerksamkeit steht. Menschen wandern als permanente Liebessucher durch die Welt. Doch es scheint gegenwärtig, in der Zeit ubiquitärer Erotik und immerfort winkenden Verliebtheitsglücks geradezu eine Seltenheit, wenn jemand, der die Liebe gefunden hat, sie nicht wieder verliert.</p>
<h4>Festhalten und loslassen</h4>
<p>Wir wissen zum Beispiel, dass ein Drittel aller Ehen geschieden wird, auf dem Eis der Herzen mit in die Ferne gerichtetem Blick gescheitert. Wir wissen, dass in Großstädten wie Berlin ein Drittel aller Kinder in getrennten Haushalten aufwächst, weil ihre Eltern nicht aufhören, nach dem für sie Richtigeren zu fahnden. Es gibt ein neues Waisentum, das nicht Seuchen und Kriege zur Ursache hat, sondern die Glückssuche ihrer bis zum Lebensende jung bleibenden Eltern. Die Lebenssicherheit der Kinder müsse daran nicht in Scherben gehen, glauben Psychologen und Pädagogen – etwa der Schweizer Kinderarzt Remo Largo in seinem Buch »Glückliche Scheidungskinder«. Eine amerikanische Langzeitstudie, die seit den 1980er Jahren Trennungskinder bis in ihr Erwachsenenleben begleitet, zeichnet ein anderes Bild. Es ist ein tiefes Trauma, plötzlich keine Eltern mehr zu haben, die beschirmen wie eine tröstende Macht, sondern einen separaten Vater und eine vereinzelte Mutter auf der Suche nach dem je eigenen Glück. Ich erinnere mich an das flatternde kleine Herz meiner Tochter, als sie einmal in einer schlimmen Streitsituation ihrer Eltern tonlos in mein Ohr flüsterte: »Wenn ihr euch trennt, will ich nicht mehr leben …«</p>
<p>Die Lektion, die verlassene Kinder für die Gesellschaft der Zukunft mitnehmen, könnte somit einzig darin bestehen, dass man auf dieser Welt alles an sich reißen muss, weil niemand einem etwas schenkt. Dies erst ist der Tod Gottes. Das Ende jeglicher Gnade. Auch die Kinder hieße es also von sich fort zu lieben, in ihr eigenes Leben mit seiner Neugier, seinem Glück, seiner Stabilität hinein zu leiten, ohne selbst beständig zu schauen, in welchem Maß das eigene Glück anschwillt oder abflaut.<br />
Der See unter seinem frostglitzernden Eis, welches das sonst Unerreichbare magisch zugänglich machte, sandte auch Echos dieser kindlichen Stimmen zurück. Denn es war ja eine Kinderlandschaft, die sich auf ihm gebildet hatte. Kinder mit Schlitten erkundeten die runden Eilande, die sie sonst nur in der Ferne auf dem Seespiegel hatten schwimmen sehen. Kinder karriolten durcheinander, schlitterten auf den Hinterteilen weiter, nachdem sie gestürzt waren, wälzten sich als bunte Knäuel aus frost– und wasserdichten Thermoanzügen im Schnee.</p>
<p>All diese Kinder hatten Eltern nötig, die ihnen die Welt aufschlossen – aber nicht dadurch, dass sie ihre Sprösslinge auf die besten Schulplätze drängten, sie mit Spielzeug überschütteten und schon in der Vorschule zum Englischkurs anmeldeten. All diese Kinder hatten Eltern nötig, die sie als Menschen mit dem Bedürfnis nach innerer Freiheit und schöpferischer Produktivität begriffen. Eltern, die im richtigen Moment, auch gegen ihre eigenen Bedürfnisse, festhalten konnten. Eltern, die in einem anderen Moment, wider die eigene Sehnsucht, loszulassen vermochten.</p>
<p>Das Licht wurde röter, als rührte den Himmel eine Art zärtliches Mitleid über soviel Frost auf der Erde. Ich fragte mich: Wieviel hatte ich in meinem Leben von der Liebe erfahren? Gewiss, ich hatte ihren Glutkern auf der Wange gespürt und schlagenden Herzens im Leib, ich war von dem Ergriffensein emporgetragen worden, der rauschhaften Leichtigkeit, dass mich die Gegenwart eines anderen Menschen derjenige sein ließ, der ich in der Tiefe zu sein ahnte, plötzlich, unerwartet und in blendender Klarheit. Ich hatte die Liebe immer in jener Aufwärtsbewegung gesucht. Aber gefunden hatte ich sie in Nächten, in denen ich wieder und wieder erwachte, weil unser Sohn oder unsere Tochter fieberten, an Abenden, wenn ich entkräftet ins Bett fiel nach einem Tag voll getippter Zeilen, verbesserter Hausaufgaben, kleiner Rügen, nächtlich aufgehängter Wäsche; an Tagen, als mein Sohn, nachdem er das Aquarium gereinigt hatte, plötzlich sagte: »Wenn ich die Fische sehe, wie sie leben, bin ich so glücklich.« Ich habe die Liebe in der Aufwärtsbewegung gesucht, aber gefunden habe ich sie öfter mit gekrümmtem Rücken, als Licht inmitten unspektakulärer Mühen.</p>
<p>Auf dem harten, weißen Eis, zwischen all den Menschen, fragte ich mich, ob nicht auch mein eigener Irrtum darin bestanden hatte, Liebe als etwas Privates zu verstehen. Als einen Zustand des Ichs, den ich mit Hilfe eines anderen Ichs erreichen wollte. Vielleicht war die Liebe in Wahrheit kein Gut, das sich erwerben ließ, sondern eher eine Resultierende meiner Verbundenheit inklusive aller ihrer guten – und mühseligen – Verpflichtungen? Also in Wahrheit geradezu ein ökologisches Phänomen?</p>
<h4>Leben als Gabe</h4>
<p>Wenn in der Liebeserfahrung mein Gegenüber in seinem höchsten Glück gerade mein tiefstes Begehren ist, dann enthüllt sich hier etwas Allgemeineres als ein privates Gefühl. Dann wird Liebe zu einem grundsätzlichen Aspekt des Lebendigseins. Sie ist das Erfolgserlebnis belebter Systeme, in denen es ja immer dar­um geht, die Freiheit des Individuums mit der des Ganzen in Einklang zu bringen. Unser hartnäckiges Beharren auf der erfüllenden Beziehung und ihrem privaten Genuss ist in der Tiefe ein ökologisches Drama. Es ist symbolisch für unsere ökologische Krise. Denn zur Idee der Liebe als einer Ressource, für die ich einen anderen Menschen brauche, passt spiegelbildlich die Auffassung, die ganze belebte Welt sei ein Ort des Kampfs um begrenzte Güter und die Evolution eine Geschichte der Sieger im Optimierungswettbewerb. Zu dieser Idee gehört, dass nichts geschenkt ist – weshalb man, um liebenswert zu sein, vor allem seinen Marktwert durch Attraktivität steigern müsse. Eine ökologische Auffassung der Liebe hingegen geht nicht davon aus, dass Glück nur errungen werden kann und davon schlauerweise nichts abgegeben werden darf. Sie glaubt im Gegenteil, dass alles Wesentliche immer schon geschenkt ist – aber nur, indem es von allen geteilt wird.</p>
<p>Eine Sicht der Liebe als ökologisches Phänomen orientiert sich an den Lebensbeziehungen der Biosphäre. Dort stellt ja auch die Konkurrenz nur eine Seite der Wirklichkeit dar. Um die Kaskaden der Stoffe und Existenzen überhaupt auszulösen, ist zunächst einmal eine Gabe ohne jede Gegengabe nötig: das vom Himmel geschenkte Sonnenlicht. Die Stabilität eines Lebensraums wird nicht dadurch gewährleistet, dass Arten und Individuen versuchen, andere zu überflügeln. Die Logik des Lebendigen besteht vielmehr dar­in, dass jede Art von irgendeiner anderen abhängig ist, dass ­jedes Nehmen durch ein Geben aufgewogen wird. Wie tief dieses Prinzip des Schenkens die Welt der Organismen prägt, haben wir wohl noch nicht in Ansätzen verstanden.</p>
<p>So wiegelt etwa das, was Biologen gern als evolutionären »Rüstungswettlauf« bezeichnen, Räuber und Beute nicht nur gegeneinander auf, sondern fesselt sie auch unablöslich aneinander. Winzige im Wasser schwebende Algen etwa, wie sie ähnlich auch unter dem schwarzen Eis im Glienicker See vorkamen, haben im Lauf ihrer Generationen immer kompliziertere Körperpanzer entwickelt, um Krebse, die sich von ihnen ernähren, abzuwehren. Diese brachten im Gegenzug weiter und weiter spezialisierte Mundwerkzeuge hervor. Schließlich hingen die Räuber vollkommen von einer Beuteart ab, weil sie nichts anderes mehr fressen konnten. Sie verschonen alle anderen potenziellen Beutetiere, für die sich andere Formen von Dominanz und Abhängigkeiten eröffnen. Das Resultat ist nicht ein »Besser«, sondern ein »Tiefer«: ein größeres Maß an inniger Verwobenheit, ein intensiverer Grad an realisierter Liebe in einem Biotop, die ein Beobachter vielleicht als dessen Schönheit erfährt.</p>
<p>Jeder Tod eines Organismus bereichert ein Ökosystem an Nahrung und Energie. So müssen etwa Wiesengebiete und Savannen regelmäßig abgefressen werden, um Graslandschaften zu bleiben und sich nicht in Wälder zu verwandeln. In den Worten einer Ökologie der Beziehung heißt das: Die Graspflanzen müssen ihren eigenen Leib hergeben, um weiter die sein zu können, die sie sind.</p>
<p>Vielleicht müsste man, um der Liebe als durchgängigem Lebensprinzip auf die Spur zu kommen, so etwas wie eine »erotische Ökologie« formulieren. Eine erotische Ökologie würde die schöpferischen Begegnungen der Lebewesen nachzeichnen. Sie würde in ihnen nicht nur Ursache-Wirkungs-Ketten sehen, sondern auch Sinnbilder des Existierens, Anleitungen, wie sich die Gleichgewichte der Lebendigkeit in all ihrer Poesie verstehen und nachschöpfen ließen. Eine erotische Ökologie würde die Empfindung von Freude als integralen Bestandteil eines gedeihenden Ökosystems erfassen. Eine erotische Ökologie könnte erkennen, dass jede Beziehung im Lebensnetz Sinn hervorbringt, weil es für die beteiligten Wesen um ihr ganzes Leben geht, also um das existenzielle Begehren, ein Selbst in einem Körper zu sein. Das Erotische daran ist, dass wir uns in dieser Erfahrung alle in jedem anderen widerspiegeln, weil wir alle einen sensiblen, verletzlichen, auf Bindungen wie auf die Luft zum Atmen angewiesenen Körper haben und seine Lust und sein Leid kennen. Eine erotische Ökologie folgt dem, was der südafrikanische Schriftsteller J. M. Coetzee einmal so beschrieb: Sich als lebendig zu fühlen heißt, sein eigenes Sein als Freude zu fühlen. Die Zärtlichkeit des Körpers ist das Erbarmen, nicht die Gier.</p>
<p>Es ist diese Lebenszärtlichkeit, die wir nicht von den anderen als Leistung für uns erwarten dürfen. Im Gegenteil: Wir selbst sind den anderen, mit denen wir das Leben teilen, diese Gabe schuldig. Die Liebe in der Sichtweise einer erotischen Ökologie heißt emphatisch, den anderen fort zu sich selbst lieben zu können und ihn dadurch lebendiger zu machen. Sie heißt, das Ganze aufleben zu lassen, auch unter Inkaufnahme der Versagungen, die das mit sich führen muss – ja, sogar diese Versagungen als eine besondere Übung zu betrachten. Die ökologische Liebeskunst besteht dann darin, einem Menschen über den eines Tages immer notwendigen Abschied hin zu sich selbst zu verhelfen und ihn nicht als einen Besitz zur Optimierung der eigenen Lebenskraft zu behandeln.</p>
<p>Die erotische Ökologie folgt in ihrer Auffassung der Liebe dem Bild der Familie, nicht dem des romantischen Paars. Unser Verhältnis zu den Kindern fädelt das Ökologische und das Emotionale zusammen und gibt uns klare Handlungsanweisungen. Denn hier wissen wir, was gut ist: Wir haben unseren Kindern das Leben geschenkt und wollen ihnen mehr davon schenken, wir wollen sie lebendiger machen mit jeder Faser unseres Herzens. Unsere Kinder sind der erste Ernstfall der Liebe – und unser ökologischer Nullmeridian. Mit ihnen bilden wir das kleinste Kontinuum unseres Lebensnetzes. Wir führen die Sippe fort, als deren Teil wir geboren wurden, das Rudel, das sich in einem Ausschnitt der belebten Welt aus Meeren, Wäldern, Weideland und zugefrorenen Seen behaupten muss – oder besser: dem daran gelegen ist, diesen Ausschnitt erblühen zu lassen, indem es sich klug von den von ihm hervorgebrachten Wesen ernährt – und am Ende selbst von ihnen verspeist wird.</p>
<p>Glückt die Beziehung zu unseren Kindern, haben wir es – vorerst – geschafft, unser Wohl als Teil eines insgesamt intensivierten Lebens zu realisieren. Nicht auf der Jagd nach Erfüllung. Sondern in einem Ausgleich zwischen Schenken und Beschenktwerden. Die Liebe zu den Kindern ist ein Modell der Liebe als Loslassen. Darin ist sie vielleicht das Modell der Liebe zur Welt überhaupt.</p>
<p>Wir zogen uns die hartgefrorenen Eislaufschuhe an der Heckklappe des Wagens aus. Der Hund war schon hineingesprungen, er war zuletzt im Frost von einem Fuß auf den anderen getreten. Meine Tochter maulte, weil ihre Zehen taub waren. Meine Frau sah versonnen vor sich hin, unansprechbar. Ich drehte mich noch einmal zum See. Die Sonne wälzte sich langsam über die Eisfläche und ging dann unmerklich hinter der Ebene unter. Ein rosiger Glanz blieb in der Luft. Es schimmerte wie Perlmutt, ein Licht wie im Inneren einer Muschel, die sich langsam um uns schloss.</p>
<p><em><strong>Liebeslebendigkeit, in Worte gegossen:<br />
</strong>Die Bücher »Alles fühlt« und »Biokapital« von Andreas Weber sind im Berlin Verlag erschienen. Sein letztes Buch »Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur« kam bei Ullstein heraus.</em></p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/624-Erotische_Oekologie.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 13/2012</a></em></p>
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		<title>Frau und Mann: Zu 90 Prozent verschieden</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 16:50:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Studien-Neuauswertung zeigt zwei völlig andere Persönlichkeiten Turin/Wien (pte) — Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit deutlich stärker als bisher angenommen wurde. Das zeigen Forscher der Universitäten Turin und Manchester in der Zeitschrift »Plos One«. Sie unterzogen frühere Studien, die eine hohe Übereinstimmung der Geschlechter ergeben hatten, einer genaueren Überprüfung und konnten sie wiederlegen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Studien-Neuauswertung zeigt zwei völlig andere Persönlichkeiten</h2>
<div id="attachment_4292" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/dreamstime_xs_8612225.jpg" rel="lightbox[4288]"><img class=" wp-image-4292 " title="Mann und Frau: Komplett andere Persönlichkeiten" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/dreamstime_xs_8612225-300x200.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">© Konstantin Sutyagin | Dreamstime.com</p></div>
<p>Turin/Wien (pte) — Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit deutlich stärker als bisher angenommen wurde. Das zeigen Forscher der Universitäten Turin und Manchester in der Zeitschrift »Plos One«. Sie unterzogen frühere Studien, die eine hohe Übereinstimmung der Geschlechter ergeben hatten, einer genaueren Überprüfung und konnten sie wiederlegen. »Mars und Venus« teilen in ihrer gesamten Persönlichkeit bloß zehn Prozent, so ihre Erkenntnis, die in der Genderdebatte wohl noch einigen Staub aufwirbeln wird.</p>
<h4>Genauere Analyse zeigt Unterschiede</h4>
<p>Konkret nahmen die Forscher um Marco Del Giudice Daten aus dem Jahr 1993 erneut unter die Lupe, bei denen 10.000 Probanden auf ihre Selbsteinschätzung befragt worden waren. Eine Auswertung von 2005 hatte daraus die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeitspsychologie untersucht: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Die Übereinstimmung der Geschlechter betrug damals 78 Prozent — was die damalige Studienautorin Janet Hyde zur Grundlage ihrer »Gender similarities hypothesis« machte, die später oft zitiert wurde.</p>
<p>Der Nachteil dieser früheren Auswertung: In den bloß fünf Persönlichkeitsgruppen sind sehr unterschiedliche Eigenschaften vereint, die sich rechnerisch teils gegenseitig aufheben und somit das Persönlichkeitsrelief verwischen. Nun analysierte Del Giudice die Daten von 1993 in 15 statt fünf Kategorien — und lieferte ein komplett anderes Bild: Frauen besitzen signifikant mehr Wärme und Zuneigung, bauen eher Vertrauen auf, reagieren emotionaler und sind sensibler und fürsorglicher als Männer, die ihrerseits emotional stabiler, dominanter, reservierter und wachsamer sind und dabei mehr auf Nützlichkeit und Regeln achten.</p>
<h4>Tabubruch für Genderdebatte</h4>
<p>90 Prozent der Eigenschaften sind geschlechtstypisch, während sich die verbleibenden zehn Prozent der Gemeinsamkeiten etwa auf Perfektionismus oder Lebendigkeit beziehen. Ein Ergebnis, das Fachexperten nicht überrascht. »Besonders in den 70er– und 80er-Jahren führte die Wissenschaft alle Geschlechtsunterschiede auf Erziehung und Gesellschaft zurück. Seit zehn Jahren gibt es jedoch eine Trendwende weg von dieser ideologischen Prägung«, berichtet der Psychiater Raphael Bonelli von der <a href="http://sfu.ac.at" target="_blank" rel="external nofollow">Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien</a> im pressetext-Interview.</p>
<p>Den ersten Tabubruch hat im Jahr 2000 Simon Baron-Cohen von der Universität Cambridge geliefert. In Experimenten mit Neugeborenen zeigte er, dass Frauen von Geburt an eindeutig empathischer, Männer hingegen systematischer veranlagt sind. In kognitiven Leistungstests sind Frauen verbal klar überlegen, während Männer bei der räumlichen Vorstellung die Nase vorne haben. »Dass sich Unterschiede auch in Merkmalen der Persönlichkeit zeigen, überrascht nicht. Sehr wahrscheinlich liefern auch zahlreiche andere Studien bei kritischer Durchleuchtung dasselbe Ergebnis«, vermutet Bonelli.</p>
<h4>Evolution spielt mit</h4>
<p>Aus Sicht der Anthropologie und Evolution sind die aktuellen Resultate laut dem Wiener Psychiater keine Überraschung. »Die Persönlichkeit der Frau hilft ihr dabei, Familie und Partnerschaft aufzubauen und Kinder zu erziehen, während Männer die evolutionsbiologisch besseren Voraussetzungen für Nesterrichtung, Schutz vor Feinden und Essensbeschaffung mitbringen.« Nicht nur der Geist, sondern auch der Körper bestimmt das psychische Erleben mit, betont der Experte.</p>
<p>Artikel unter: <a href="http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0029265" rel="external nofollow" target="_blank">http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0029265</a></p>
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		<title>Vom Wert der Abschottung auf dem Markt der Möglichkeiten</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:58:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Für die meisten Menschen ist Treue heute zunächst vor allem das Verbot von sexuellen Seitensprüngen während einer als exklusiv verstandenen Zweierbeziehung. Unser Bedürfnis nach Treue hat jedoch eine Tiefendimension. Und sogar ein Blick in die Ökonomie lohnt: Was ist der Wert einer Abschottung vom Markt der Möglichkeiten – und worauf verzichte ich dabei? Treue – was für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3886" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4c4aadcf576a1_s.jpg" rel="lightbox[3884]"><img class="size-medium wp-image-3886 " title="Vom Wert der Abschottung auf dem Markt der Möglichkeiten" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4c4aadcf576a1_s-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / bunte Mischung © jadon</p></div>
<p>Für die meisten Menschen ist Treue heute zunächst vor allem das Verbot von sexuellen Seitensprüngen während einer als exklusiv verstandenen Zweierbeziehung. Unser Bedürfnis nach Treue hat jedoch eine Tiefendimension. Und sogar ein Blick in die Ökonomie lohnt: Was ist der Wert einer Abschottung vom Markt der Möglichkeiten – und worauf verzichte ich dabei?</p>
<p>Treue – was für eine schöne Tugend! Wie schade, dass die meisten Menschen darunter nur die sexuelle Treue innerhalb einer Zweierbeziehung verstehen. Die Treue eines Verbots: Du darfst nicht mit anderen! Dabei vergessen sie die Treue des <em>Ge</em>bots: Du sollst mit mir!</p>
<p>Dies sind die zwei betrüblichsten Einengungen des Begriffs: Die erste ist, dass es nur um Sex geht. Du darfst reden, handeln, Geschäfte machen, verreisen oder Sport treiben mit anderen, vielleicht sogar bussi-bussi, tanzen, flirten – nur das eine darfst du nicht: Sex.</p>
<p>Die zweite – wahrscheinlich noch leidwirkendere – ist: Du darfst nicht mit anderen Freude haben oder gar Lust, egal wie freudlos und lustlos es zwischen uns inzwischen geworden ist. Wichtiger als dass du mich liebst ist mir, dass du keine anderen liebst. Der Zaun um unseren Garten ist wichtiger als das, was sich darin befindet. Mach ihn lieber noch einen Meter höher und mit Stacheldraht, auch wenn unterdessen die Pflanzen im Garten verkümmern.</p>
<h4>Von der Liebesheirat zum Efafi-Modell</h4>
<p>Dabei ist Treue, verstanden als Beständigkeit in unseren menschlichen Beziehungen, eine seit Jahrtausenden – oft zu recht – hoch geschätzte Tugend. In kriegerischen Zeiten war es vor allem die Loyalität, die Beständigkeit des Verbleibs in der kämpfenden Partei, mit der »wir« uns jeweils identifizierten – so wird die Treue in den Nibelungensagen gefeiert und in vielen anderen Mythen der patriarchalen Zeit. Bleib bei uns! Sei kein Überläufer! Ein Überlaufen zu den anderen wäre Verrat. Abtrünnige und Verräter wurden seit je hart bestraft, durch Missachtung, Verbannung oder Auslöschung (physische, oder aus den Geschichtsbüchern). Deserteure und Fraternisierer wurden mit dem Tod bestraft. Oft richtete sich die Grausamkeit gegenüber den Treulosen nicht nur auf die kämpfenden Männer, sondern ebenso auf die Frauen, die aus der Ehe »desertierten«.</p>
<p>Dass Untreue vor allem den sexuellen Seitensprung meint, ist erst ein Ergebnis des romantischen Zeitalters, in dem die Liebesheirat zum Modell wurde. Hieraus entwickelt sich auch das Ideal des Traum– und Lebenspartners und das des Seelenpartners der Esoteriker, und schließlich das Efafi-Modell (so nennt es der Paartherapeut Michael Mary):<strong>e</strong>iner <strong>f</strong>ür <strong>a</strong>lles <strong>f</strong>ür<strong> i</strong>mmer – der Partner als bester Freund, einziger Lover, Mitbewohner, Co-Elter für die eigenen oder zugewachsenen Kinder und Compagnon im eigenen Haushaltsbetrieb (in der Beziehung ohne Gütertrennung).</p>
<h4>Konservativ versus progressiv</h4>
<p>Ich schätze Beständigkeit. Auch wenn ich mich politisch nicht zu den Konservativen zähle, finde ich, dass es so viel zu bewahren gibt. Was gut ist, dass sollten wir bewahren – und es gibt sehr viel Gutes in der Welt. Andererseits gibt es auch Schlechtes, das sollten wir verändern, da bin ich dann »progressiv«, reformistisch oder gar revolutionär. Und da das Private das Politische zusammenhängen, sage ich das jetzt mal über das Private: Jede Beziehung, die ein Mensch bei passabel wachem Bewusstsein eingeht, hat etwas, das es wert ist, erhalten zu werden. Diesem zu Erhaltenden sollten wir treu bleiben. Und was nicht gut ist, dem sollten wir untreu sein, sollten es ändern oder verlassen. Und auch hier wieder ähnelt das Politische dem Privaten: Als die DDR von der BRD kassiert wurde, warum hat man da nicht das Bildungs– und Gesundheitssystem (nicht ganz so, aber doch in sehr vielem) übernommen? Weg mit der Stasi, der Diktatur der SED, der Idiotie dieses verkrusteten Pseudo-Sozialismus, aber mit dem Guten an der DDR hätte man nicht »Schluss machen« müssen, so wie man heutzutage oft mit einem Partner Schluss macht, der das Efafi-Ideal nicht erfüllt.</p>
<h4>Sei flexibel!</h4>
<p>Unsere Wirtschaft schätzt die Flexibilität. Vor allem die Arbeitnehmer sollen flexibel sein und mit immer neuen Marktbedingungen umgehen können, so wie die Produzenten mit immer neuen Situationen auf den sich ständig bewegenden Märkten. Die Arbeitnehmer sollen bereit sein zur Untreue gegenüber ihrer Heimat, ihrer Muttersprache, dem erlernten Beruf, ihrer Lebens(abschnitts)partnerschaft und Familie, wenn es woanders einen besseren Job gibt, sodass die Gestalter unserer politisch-wirtschaftlichen Ordnung nicht flexibel sein müssen, sondern dem System treu bleiben dürfen. Wer darf hier beim Alten bleiben, wer muss sich ändern? Das Verhältnis der beiden Seiten ist ungleich. Damit die Global Players und Inhaber größer Vermögen dem wirtschaftlichen System, das ihnen nützt, treu sein können, müssen die Arbeitnehmer flexibel sein. Das Ergebnis ist die Verarmung großer Anteile der Bevölkerung, Millionen von Migranten, die geduldete Skrupellosigkeit ihrer Schlepper (über das Mittelmeer und über die mexikanisch-amerikanische Grenze), die Heimatlosigkeit der im Exil Arbeitenden, die Fremdenfeindlichkeit bei den dort Ansässigen gegenüber den Zugewanderten.</p>
<p>Die in der der Eso-Szene so beliebte Devise »lerne loszulassen« passt insofern sehr gut zu unserem Wirtschaftssystem, das gewachsene Bindungen missachtet, wie Karl Marx das schon in seinem kommunistischen Manifest so eindrucksvoll beschrieben hat: »Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen, und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen, als das nackte Interesse, als die gefühllose ›baare Zahlung‹. Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt.«</p>
<h4>Freiheit</h4>
<p>Und auch der Aufbruch der spirituell Bewegten, der aus ihren alten Heimaten Aufbrechenden passt hierzu: Binde dich an nichts, sei frei! Frei für den Markt? Der wirklich Aufbrechende, Freie (indisch: <em>mukti</em>) lässt sich von der Konsumgesellschaft nicht verführen, er ist durch Geld, Macht und Ruhm nicht zu bestechen – aber wer ist das schon? So führt das naive Verständnis des spirituellen Aufbruchs in die grenzenlose Freiheit ebenso wie die esoterische Devise des »Lerne loszulassen« zu einer Befreiung, die Menschen in gewachsenen Bindungen dem globalen Markt zur Verfügung stellt. Sie sind nun dazu verdammt teilzunehmen an einem grenzüberschreitenden Rattenrennen, das an einem Ende sehr wenige sehr reich werden lässt, am anderen aber die Mehrheit zu Verlierern macht, mit einem systembedingt immer schmächtiger werdenden Mittelstand.</p>
<h4>Markentreue</h4>
<p>Wem bin ich treu? Vielleicht passt es diesem Wirtschaftssystem auch recht gut, wenn wir das Thema Heimat vergessen und Treue vor allem als sexuelle Treue in der Zweierbeziehung verstanden wird, allenfalls noch als Treue eines Konsumenten zu seiner bevorzugten Marke. Viele Menschen sind heutzutage ihrer Auto-, Kleidungs– oder Computermarke treuer als ihrem jeweiligen Lebensabschnittsgefährten – an irgendwas muss man sich ja festhalten. Von Windows Vista zu Mac OS 10 zu wechseln ist um einiges aufwändiger als das Schlussmachen mit einem Lebensabschnittsgefährten – so viele der alten Programme passen da nicht mehr, vom Zugang zu den gesammelten Daten der letzten zehn Jahre auf meiner Festplatte mal ganz zu schweigen. Da bleib ich dann doch lieber in der Windowswelt – oder entsprechend bei Mac.</p>
<h4>Polarität</h4>
<p>Wie so oft, hilft es auch hier nicht weiter, sich auf die eine Seite dieser Polarität zu schlagen und zu versuchen, etwa nur flexibel sein zu wollen, aber nicht treu, oder nur treu und beständig, aber ohne Bereitschaft zur Veränderung. Der harte Kern der Flexibilitätsverfechter unserer Wirtschaftsordnung preist die Arbeitnehmer– und Produktflexibilität ohne Abstriche, hält aber dafür daran fest, dass Banken von Regierungen gerettet werden müssen, Firmen sich ihren Sitz in Steueroasen suchen dürfen, Finanztransaktionen unbesteuert bleiben, die Weltmeere ausgebeutet werden dürfen, und so weiter, an irgendwas muss man sich ja festhalten.</p>
<p>Andererseits halten sich diejenigen, die »progressiv« sind und einen schnellen Wandel des Systems wollen, oft an Denkweisen fest, die dann zu Ideologien erstarren. Je stürmischer die Veränderungen im Diesseits, umso fester der Glaube an meine historisch-kritische Dialektik oder an ein Jenseits – an Religionen und apokalyptische Szenarien. Freies, flexibles Denken über andere und über »das System« gedeiht am besten in Systemen sozialer, politischer Sicherheit. Es sei denn, dieses freie Denken ist auch ein Denken über sich selbst und das eigene Leben mit der impliziten Forderung, dann konsequent auch sich selbst verändern zu müssen, dann halten wir eisern fest. Vor allem in vier Bereichen: Ernährung, Beziehung, Religion und Geldordnung.</p>
<h4>Ernährung, Beziehung, Religion</h4>
<p>Enorm, wie sehr Menschen der Art der Ernährung ihrer Kindheit treu bleiben. So wie bei uns zuhause gekocht und gegessen wurde, so lieben wir es ein Leben lang. Oder hassen es ein Leben lang – auch die Anti-Bindung ist eine Bindung. So wie wir als Kinder und Jugendliche die übliche Beziehungsform erlebt haben, so halten wir es unser Leben lang für richtig (oder falsch). An den in der Kindheit geprägten Formen halten wir fest wie an einer Sucht (oder umgekehrt, an der Scheu vor einer Sucht; dann mit Gefahr zum Kippen). Selbst harsche medizinische Kontraindikationen können einen Menschen kaum vom Nudelessen, Fleischessen, hohem Zuckerkonsum oder Rauchen abbringen. Ebenso die Beziehungssüchtigen und Beziehungsphobiker, das sitzt tief. »Das ist bei uns eben so, das gehört sich so, so macht man das bei uns«. Nur selten sind wir diesen Überzeugungen und Verhaltensweisen willentlich treu, dennoch haften sie an uns und wir an ihnen.</p>
<p>Auch in den Bereichen der Religion und der Geldordnung geht diese Anhaftung tief und hat Suchtcharakter. Menschen, die nicht mehr in die Kirche gehen, nicht mehr an Gott glauben und im Finanziellen höchst geizig sind, bei der Kirchenzugehörigkeit setzt dies alles aus, da bleiben sie unbeweglich. Treu. Manchmal mit einem leichten Gefühl der Beschämung über diese Art der Treue. Vielleicht sind die Menschen außerhalb der Kirchen im Durchschnitt sogar religiöser als die innerhalb, aber die drinnen halten fest. Eisern. Es könnte ja was passieren, wenn ich nicht mehr dazu gehöre. Vielleicht gibt es wider alle Raison Gott und den Teufel doch? Wer weiß. Besser ich bleibe drin.</p>
<h4>Glaubensüberzeugungen</h4>
<p>Und auch das Festhalten am Geldsystem geht tief. Es hat irrationale, religionsähnliche Züge und ist dem Verhalten eines Süchtigen vergleichbar, der von seinem Stoff nicht los kommt. Wer in unserem System BWL oder VWL studiert hat, denkt den Rest seines Lebens wie der Zögling einer Kaderschmiede, so wie die einst in den Kaderschmieden der den kommunistischen Länder Geschulten. Abtrünnige werden bekämpft und verfemt, in den glücklicheren Fällen nur ignoriert. Man kann eben nicht raus aus seiner Haut. Oder wie Thomas Kuhn es von den Revolutionen in der Wissenschaft sagt: Die alten Weltbilder verschwinden erst, wenn ihre Vertreter aussterben. Wissenschaftler und Wirtschaftler sind eben auch nur Menschen, sie halten an den Glaubensüberzeugungen fest, mit denen sie groß geworden sind.</p>
<p>So konnte »das Wunder von Wörgl« sich nicht ausbreiten, und auch heute noch haben die freiwirtschaftlichen Modelle nach Silvio Gesell kaum eine Chance. Auch der Sozialismus, der siebzig Jahre lang weltweit so viel bewegte (auch unendlich viel Schreckliches), wird mit dem Ende von Nordkorea und Cuba tot sein. Es sei denn, aus dem jetzt herrschenden kapitalistischen System heraus wächst eine Generation heran, die das nicht mehr glaubt, was die Alten sagen. Die bereit ist zum Aufstand, zur Untreue. In diesem Falle hoffentlich ein Aufstand gegen den Kapitalismus, der auch dem alten sozialistischen Denken untreu ist.</p>
<h4>Fremdgehen</h4>
<p>Jetzt noch einmal zurück zur Zweierbeziehung, wo die Worte »Treue« und »Untreue« am häufigsten verwendet werden. Der Konflikt zwischen Festhalten und Loslassen, Beständigkeit und Flexibilität wühlt uns hier anscheinend noch mehr auf als im Politischen und in Bezug zur Warenwelt. Wenn mein Partner sich in eine andere verliebt beziehungsweise meine Freundin fremdgeht, tut mir das anscheinend noch mehr weh, als wenn sie oder er eine andere Partei wählt, aus der Kirche austritt, den Euro abschaffen will oder plötzlich anfängt, sich vegan zu ernähren. Warum das? Weil unsere Beziehungen noch tiefer gehende Beheimatungen sind als die Währung, die politische oder religiöse Partei und die Ernährungsweise. Und weil wir dort, als Tiere, die wir sind, Konkurrenz befürchten: Wird sie sich von einem anderen befruchten lassen? Wird er dann aufhören, mich beim Großziehen unserer Kinder zu unterstützen? Deshalb ist die Angst vor der Untreue in der Zweierbeziehung so groß (bei Männern signifikant prioritär vor ihrer emotionalen Untreue, bei Frauen vor ihrer sexuellen Untreue).</p>
<h4>Neue Modelle</h4>
<p>Würden wir uns diesen Ängsten stellen, könnten wir Lösungen finden. Aber wir stellen uns ihnen nicht. Doch, ein paar wenige Pioniere stellen sich ihr, ein paar mutige Avantgardisten, Vorreiter der Beziehungsmodelle von morgen, aber sie haben es schwer, weil die Mehrheiten anders denken, anders verängstigt sind und entsprechend anders ängstigen. Würden wir uns stellen, dann würden wir erfahren, dass Männer, die sich neu verlieben in eine andere Frau als die Mutter ihrer Kinder dennoch der Sorge um ihre Kinder treu bleiben und oft auch ihrer alten Liebe, auch der körperlichen. Die Mutter aber hat Angst, nun ungünstig verglichen zu werden: Was hat <em>sie</em> denn, das <em>ich </em>nicht habe? Und wehrt diese Angst ab und flüchtet sich ins Moralische: Das darfst du nicht, das tut man nicht. Worauf der Mann zu heucheln beginnt, sich zügelt, an Lebenslust und Elan verliert, oder heimlich fremdgeht, mit all dem Stress der Heimlichkeit, der Energien bindet, und damit die alte Beziehung belastet.</p>
<p>Ähnlich ist es auch für ihn, wenn sie sich verliebt und entweder dem nachgibt oder ihe Wünsche unterdrückt. Weil der Mann nicht den Mut hat, sich der Tatsache zu stellen, dass auch andere Männer für seine Frau, seine Geliebte, die Mutter seiner Kinder attraktiv sein könnten. In einigen Kulturen haben die Männer einst sogar die genitale Beschneidung der Frauen durchgesetzt, so groß war diese Angst, und müssen nun mit Frauen leben, die keine Lust am Sex haben. Der Kult um diese grausame Praxis ist so tief ins Unterbewusste gesunken, dass nun auch die Frauen (oft mehrheitlich) für ihre Fortsetzung eintreten, so sehr sind sie abgeschnitten von ihren wirklichen Bedürfnissen, ihren Wünschen, ihrer Lust.</p>
<h4>Der Beziehungsmarkt</h4>
<p>Nur für den Zweck einer Erkenntnis: Schauen wir uns diese Situation einmal marktwirtschaftlich an. Die exklusive Zweierbeziehung ist die Verabredung von zwei Menschen zur Abschottung von dem Markt, dem großen Markt der Möglichkeiten – es könnte ja noch einen anderen Menschen geben, der für meine Lust, meine Wünsche und Bedürfnisse ein besserer Garant auf Erfüllung ist. Versprich mir, dass du dich abschottest, dann schotte auch ich mich ab! Der Vorteil bei diesem Deal, wenn er denn glückt: Die beiden ersparen sich die Beschäftigung mit den Angeboten anderer, deren Beurteilung ja auch immer anstrengend und herausfordernd ist, und sie sparen sich den erneuten Aufwand der Anbahnung einer Beziehung, die ja oft erst mit der Zeit wirklich gut wird. Der Nachteil: Es könnte der Verzicht auf was Besseres sein. Jedenfalls stirbt bei diesem Deal in der Regel die Hoffnung, dass »noch alles möglich ist«, der Flirt mit dem Unbekannten, die Erotik des Gefühls sich als freier Mensch in einem Markt der unbegrenzten Möglichkeiten zu bewegen.</p>
<h4>Der Wert der Abschottung</h4>
<p>Ist es gut, einen Markt abzuschotten, um die einheimischen Industrien zu schützen? Wie wirkt es sich auf die Produktqualität aus, wenn ein regionaler Markt durch Zölle oder Gesetze künstlich vom Weltmarkt abgeschnitten ist? Haben wir dann Trabbis statt Mercedes und BMW? Wie geht es den Arbeitnehmern dabei? Wir brauchen doch keine Weltklasseautos, jedenfalls nicht unter diesen Opfern … und so weiter. Ich finde diesen Vergleich reizvoll, aber auch nur das. Menschen sind keine Autos, der Vergleich mit der Wirtschaft / dem Markt ist bloß ein Vergleich. Die Ruhe, in der sich eine verbindliche Beziehung unter stabilen Bedingungen entfalten kann, schätze ich sehr hoch ein. Dennoch: Auch Herausforderungen können einen stärken. Möglicherweise gilt das, was wir aus dieser Überlegung für unsere Beziehungen schließen, in mancher Hinsicht auch für die zu unseren Waren: Es hat was für sich, wenn die Beziehung zu einem Produkt sich in Ruhe entfalten kann. Dass die zweijährliche (vielleicht bald jährliche) Erneuerung des Handys jetzt im Rahmen einer monatlichen Flat angeboten wird, beunruhigt mich schon etwas. Nicht nur wegen der Ökobilanz, sondern auch, weil das Handy ein Gegenstand ist, den man täglich benutzt und dabei auch lieb gewinnt.</p>
<h4>Nachhaltigkeit</h4>
<p>Wäre ich ein Vermarkter, der mit der Zeit gehen möchte, so würde ich mein Beziehungskonzept jetzt das der »nachhaltigen Beziehung« nennen. Nicht gleich auf den Müll damit, wenn etwas mit dem Objekt meiner Begierde nicht stimmt, sondern sich etwas anschaffen, das lange hält – das eben nachhaltig ist. Und was ist mit dem Zweitauto, dem Zweithandy oder Zweitcomputer? Die meisten Menschen haben ja auch mehr als ein paar Schuhe. Es ist ja nicht jedes Schuhwerk für alle Wetter gut, und die alten, ausgelatschten … aber ich wollte doch nicht wieder beim Thema Beziehung landen. Nein, ich bleibe meinen alten Tretern treu. Sie sind eingelaufen, sie haben sich meinem Füßen angepasst und ich mich an sie, ich mag sie einfach. Erst wenn sie ganz auseinanderfallen, brauche ich neue. Schuster, die sie reparieren, die gibt es ja heute nicht mehr, das lohnt sich nicht, neue Schuhe sind viel zu billig.</p>
<h4>Treue ohne Abschottung</h4>
<p>Aber das möchte ich doch noch erwähnen: die Lösung, die die Vertreter der Polyamorie anbieten, die ist nämlich gar nicht so dumm. Sie versuchen die Offenheit mit der Verbindlichkeit zu vereinbaren. Verbindlichkeit insofern, als der Wert einer gewachsenen Beziehung bei ihnen sehr hoch angesetzt wird als etwas, das man nicht mal so eben schnell entsorgt, wenn die Möglichkeit von was Besserem einem zuwinkt. Dabei aber gehen sie mit der Abschottung anders um: Beziehung bedeutet für sie keine so strenge Abschottung. Wenn eine Frau oder ein Mann in einer festen Beziehung sich neu verliebt, gilt das nicht als pfui (wie im vorromantischen, stark moralisierenden Beziehungsmodell) und auch nicht als Ende der bestehenden Beziehung (wie im aktuellen Modell der seriellen Monopartnerschaften), sondern die alte Beziehung wird erhalten und der neuen eine Chance gegeben.</p>
<h4>Mitfreude</h4>
<p>Im Idealfall freut sich der feste Partner in einer polyamoren Beziehung, dass seine Liebste oder sein Liebster sich frisch verliebt hat und freut sich mit ihr oder mit ihm über dieses schöne Ereignis – Mitgefühl als Mitfreude, nicht nur als Mitleid. Ja, das gibt’s! Ist selten, kommt aber vor: bei stark Liebenden, die ohne Scheu und ohne Selbstwertverlust der Tatsache ins Auge schauen können, dass es für meinen Partner außer mir auch noch andere gibt auf dem Markt der Möglichkeiten. Die Wahrscheinlichkeit ist ja hoch, dass diese frische Verliebtheit nur von kurzer Dauer ist, dass mein Partner auch in der Zeit den Kontakt zu mir wird halten wollen und dass nach der euphorischen Phase dieser neuen Verliebtheit ich wieder der wichtigste Mensch in seinem/ihrem Leben bin. Oder dass mein Partner auf diese Weise einen Menschen findet, der etwas hat, was ich nicht bieten konnte, und dass sich so etwas ergänzt, was auch mir zugute kommt: Mein Partner ist nun glücklicher und versucht nicht dauernd etwas von mir zu bekommen, was ich nicht habe oder nicht bieten will.</p>
<h4>Polyamorie</h4>
<p>Ich halte dies für einen sehr intelligenten Umgang mit unserem Bedürfnis nach Beständigkeit und Abwechslung, Sicherheit und Abenteuer, Bewahren und Erneuern.  Denn wir alle haben diese beiden Seiten in uns, auch wenn viele von uns nur eine dieser beiden Seiten expressiv ausleben, die andere vernachlässigen, verstecken oder verdrängen sie. Ich weiß aber auch, wie sehr diejenigen, die den Mut haben, diese Art von Beziehung zu leben, damit anecken. »Polyamorie ist sicherlich die beste Art der Beziehung, aber sie verlangt viel von einem – und der Widerstand der Umgebung war schließlich so stark, dass ich es aufgegeben habe«. Aufgegeben so zu leben oder ohne Heimlichkeit so zu leben, beides höre ich des öfteren. Und auch das: »In zehn oder zwanzig Jahren wird das anders sein. Unsere Kinder werden es leichter haben.«</p>
<p>Einer starken Liebe zu folgen war in der Zeit bis zur Romantik und auch noch danach ein Wagnis, in vielen Fällen ein Skandal. An starken Widerständen der Umgebung scheiteren die beiden Verliebten, so wie Romeo und Julia in Shakespeares Drama. Gegenwärtig wird Indien vom Ideal der romantischen Liebesbeziehung erfasst, in der Oberschicht und im städtischen Mittelstand schon länger, per Bollywood allmählich auch im ganzen Land. Nicht mehr die Eltern sollen den Lebenspartner für dich bestimmen, sondern du selbst: Folge deinem Herzen!</p>
<p>Auch das Modell der Aneinanderreihung von Beziehungen, das die Celebrities der westlichen Welt uns vorgelebt haben und noch vorleben (sie haben auf dem Markt der Möglichkeiten den höchsten Wert, entsprechend schnell wird gewechselt), wird irgendwann durch ein anderes abgelöst – durch eine andere Art, mit Treue umzugehen. Was bleiben wird ist die Sehnsucht nach Beständigkeit, Kontinuität, Verlässlichkeit, Sicherheit, Treue. Aber auch die nach Abenteuer.</p>
<h4>Die ›polyspirituelle Treue‹</h4>
<p>Wer spirituell unterwegs ist, hat noch auf einem anderen Terrain das Bedürfnis, die Balance zwischen Standbein und Spielbein auszutarieren. Hier geht es um die Treue zur ausgeübten spirituellen Praxis, manchmal auch die zu einem spirituellen Lehrer und zu einer spirituellen Gemeinschaft. Auch hier wieder würde ein moderner Vermarkter nun  »Nachhaltigkeit auf dem spirituellen Weg« fordern. Also kein Guru Hopping und kein Method Hopping, sondern schön dabei bleiben, treu und diszipliniert. Was aber, wenn doch Qi Gong besser wäre für mich als Yoga, obwohl ich schon seit fünf Jahren Yoga übe? Wo mir doch jetzt der Rücken so wehtut! Zeit für einen Wechsel der Methode? Oder soll ich mich lieber abschotten von solchen Angeboten, um leichter meinem Guru und meiner Methode treu bleiben zu können? Oder ist vielleicht auch hier der polyamore (vielliebende) Ansatz der intelligenteste – das Alte nicht aufgeben, während man das Neue zulässt? Die verschiedenen Charaktere werden auch mit dieser Situation sehr unterschiedlich umgehen. Also erst ein Charaktertest? Und neben dem Heilpraktiker für Psychotherapie auch noch den für Treueberatung abschließen?</p>
<p>Vielleicht können wir wenigstens das so stehen lassen: Das Leben braucht Erneuerung und Beständigkeit, beides. Kinder brauchen die Treue und Verlässlichkeit ihrer Eltern, aber auch viel, viel Abwechslung. Uns großen Kindern geht es da nicht viel anders. Wir wollen die Welt erforschen, Abenteuer erleben, aber das, was gut ist, das soll so bleiben wie es ist.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin Connection, <a href="http://www.connection.de/magazintexte/spirit/connection-spirit-1111.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11/11</a>.</p>
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		<title>Auf der Suche nach dem Ewigen</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:31:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>connection</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Je mehr sich in der Außenwelt bewegt, umso wichtiger wird innere Stärke. Und auch das: Treue. Aber was ist Treue? Wem oder was dürfen, wem müssen wir da treu sein? Mit dem platten Verbot eines ehelichen oder sonstwelchen Seitensprungs ist die Tiefe unseres Bedürfnisses nach Beständigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit – nach einer Geborgenheit im Strom der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3879" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4d8301842fc0a_s.jpg" rel="lightbox[3877]"><img class="size-medium wp-image-3879 " title="Auf der Suche nach dem Ewigen" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4d8301842fc0a_s-300x300.jpg" alt="" width="200" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / zu © Lucian Binder</p></div>
<p>Je mehr sich in der Außenwelt bewegt, umso wichtiger wird innere Stärke. Und auch das: Treue.</p>
<p>Aber was ist Treue? Wem oder was dürfen, wem müssen wir da treu sein? Mit dem platten Verbot eines ehelichen oder sonstwelchen Seitensprungs ist die Tiefe unseres Bedürfnisses nach Beständigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit – nach einer Geborgenheit im Strom der Ereignisse – ja noch nicht gestillt. Zeit für eine Neubestimmung.</p>
<h4>»Alles fließt«</h4>
<p>Eine Freundin von mir erzählte, wie sie schon als Kind bei dem Wort »Ewigkeit« ein heiliger Schauer überlief. Weil alles vergeht. Wirklich alles? Das können wir nicht akzeptieren. An irgendetwas muss sich der Mensch doch halten können! Deshalb suchen wir nach dem Ewigen, dem Zeitlosen und wenden uns der Philosophie zu, den Religionen, dem Religiösen und der Spiritualität. »Alles fließt« (<em>pantha rei</em>), das war das Fazit des weisen Heraklit. »Alles ändert sich« (<em>anicca</em>), so nannte es Buddha. Hat unsere Suche nach dem Ewigen angesichts solch gewichtiger Aussagen der Weisen überhaupt eine Chance mehr als nur tröstend zu sein?</p>
<h4>Bindungen – im Fluss</h4>
<p>Wir Menschen brauchen Bindungen. Sie können Gewächshäuser sein, Inseln im Strom der Zeit, Schutzräume vor dem Zuviel auf dem Markt der Möglichkeiten. Für Kinder sind sie unentbehrlich, für Erwachsene fast ebenso und sogar auch für Suchende nach Ungebundenheit sind Bindungen unendlich wertvoll. Wem oder was wir dabei treu sein wollen, sollen und überhaupt können, diese Frage lässt sich nicht in einem Gelübde versiegeln. Nicht bloß weil Gelübde brüchig sind, sondern auch deshalb, weil eine solche Fixierung der Form unserer Suche nach dem Ewigen vom Standpunkt des Absoluten aus widernatürlich ist. Deshalb sollten wir unsere weltlichen Versprechen halten so gut es geht und so lange es sinnvoll ist, sie aber immer wieder überprüfen vor dem, was noch viel größer ist.</p>
<h4>Treue versus Flexibilität</h4>
<p>Und das Große spielt wieder hinein ins Kleine: die Loyalität zu Freunden; die Disziplin, mit der eine Diät oder eine spirituelle Praxis durchgezogen wird; die Standfestigkeit, mit der wir bei einer einmal getroffenen Entscheidung bleiben. Alles das hat mit Treue zu tun. Und mit unserer Fähigkeit, den Wert ihres Gegenteils richtig einzuschätzen: Flexibilität. Wann soll ich standfest sein, wann flexibel? Im Alltag, und auch in der Politik: Konservative können nicht immer nur bewahren, sonst versteift alles; Progressive können nicht mit allem »fortschreiten«, sonst werden sie ihren Prinzipien untreu. Zu welchem weltanschaulichen Lager du dich auch gerade zählst: Für die einzelnen Entscheidungen braucht es Weisheit.</p>
<h4>Das vermeintlich Andere</h4>
<p>Die Lemniskate, die liegende Acht, die wir hier auf dem Titel abgebildet haben, symbolisiert das Schwingen zwischen den Polaritäten. Treue und Flexibilität ist ein solches Paar polar einander gegenüber stehender Gegensätze. Ebenso Stille und Bewegung. Bindung und Ungebundenheit. Wenn wir nur den einen Pol dieser Gegensätze für wahr, tief oder überhaupt beachtenswert halten, schwingen wir dort hinüber, und jemand anders (und meist parallel dazu unser Unbewusstes) stellt den Gegenpart dar. Oder wir selbst schwingen irgendwann von hier nach dort hinüber: von der Festigkeit zur Flexibilität, von der Bewegung wieder zum Stillstand, von der Treue zum Abenteuer, von der Erregung zur Entspannung, und so weiter. Ein tieferes Ruhen in uns selbst erreichen wir nur, wenn wir dieses Schwingen akzeptieren – oder, dass wir beides in uns haben.</p>
<p>Dann staunen wir auch nicht mehr so, wenn sich um uns Fronten bilden, von Menschen oder Konstellationen, die »ganz anders sind«. Sie sind nicht ganz anders. Sie bilden nur etwas ab, was wir in uns noch nicht erkannt haben. Sobald wir das vermeintlich Andere erkannt haben, schwingt es auch in uns.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmals als Editorial des Magazins Connection, <a href="http://www.connection.de/magazintexte/spirit/editorial-11-11.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 11/11</a></p>
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		<title>Mono-Poly-Beziehungen</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/11/29/mono-poly-beziehungen/</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 08:53:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>

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		<description><![CDATA[Wunschvorstellungen und Lebenswirklichkeit _ Die Kultivierung der exklusiven Liebesbeziehung steht im Spannungsfeld zwischen romantisch motivierter Leidenschaft und Besitzansprüchen. Ein kritischer Blick auf die Mechanismen, die uns monogame Verhaltensweisen beibringen, wirft komplexe Fragen auf. «Jede Ehe ist ein blind date, bei dem man sich nach den Alternativen zu einem blind date fragt.» Dies schreibt Adam Phillips [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wunschvorstellungen und Lebenswirklichkeit _ Die Kultivierung der exklusiven Liebesbeziehung steht im Spannungsfeld zwischen romantisch motivierter Leidenschaft und Besitzansprüchen. Ein kritischer Blick auf die Mechanismen, die uns monogame Verhaltensweisen beibringen, wirft komplexe Fragen auf.</em></p>
<div id="attachment_3865" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/The_Monolith_Vigeland_Olso.jpg" rel="lightbox[3859]"><img class="size-medium wp-image-3865" title="The Monolith im Vigeland Skulpturpark, Olso" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/The_Monolith_Vigeland_Olso-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Polyamorie auf dem Denkmal — Bildquelle: Douglas Stebila (cc) BY-NC</p></div>
<p>«Jede Ehe ist ein blind date, bei dem man sich nach den Alternativen zu einem blind date fragt.» Dies schreibt Adam Phillips in seinem Büchlein «Monogamie … aber drei sind ein Paar». Es gibt folglich nicht nur alternative Banken, sondern auch  die phantasierten – und selten gelebten – Alternativen zur konventionell angelegten Beziehung. Provokativ möchte ich ergänzen: Monogamie ist eine Utopie. Und: Monogamie ist eine historisch gewachsene Beziehungsform und nicht naturgegebenen, wie oft behauptet wird.</p>
<p>Bilder des romantischen Beziehungsglücks oder –unglücks, Variationen von Romeo und Julia, begegnen wir täglich, in Filmen und Liedtexten, im Theater und im Werbespot. Allerdings ist die Kluft zwischen dem, was sich im Alltagsleben tatsächlich ereignet und dem, was wir uns vorstellen, meist ziemlich gross und ernüchternd. Egal ob wir in einer Beziehung oder als Single leben. Die Frustrationen, die aus dieser Differenz zum gewünschten Idealbild entstehen, sind riesig. Eine kritische Begutachtung des angestrebten Glücks ist deshalb notwendig.</p>
<p>Die Vorstellung, dass wir «eine zweite Hälfte» brauchen, damit wir selber ein Ganzes werden, findet sich als Bild schon in der griechischen Mythologie. Die verrückte Idee, dass diese «andere Hälfte» ein Leben lang die gleiche Person sein muss, ist allerdings ein Phänomen aus der Neuzeit, das sich ursprünglich nur der Adel leisten konnte.</p>
<p>Heute gehen wir davon aus, dass Menschen in serieller Monogamie leben, der Begriff des «Lebensabschnittspartners» hat sich eingebürgert. Auch die Idee der heterosexuellen Norm wird nur noch als eine von verschiedenen Möglichkeiten reflektiert. Und doch hält sich in unseren Breitengraden die Fixierung auf das monogame Glücks erstaunlich hartnäckig. Die Idee der einen grossen «love for ever» hat eine unglaubliche Kraft und lässt uns hoffen, dass selbst der Tod ihr nichts anhaben kann: «auf ewig dein und nur dein …».</p>
<p>Wenn die Leidenschaft im Sinne von Hingabe für eine Person entflammt, ist das durchaus ein wunderbares Erlebnis, insbesondere, wenn die Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhen. Das Problem aber entsteht, wenn wir erwarten, dass sich diese Intensität nun einfach für immer fortsetzt und von nichts beeinflusst wird, nicht von individuellen Veränderungen und auch nicht von neuen Begegnungen, welche das Leben mit sich bringt. «Ein Teil dieses Mythos besteht im Glauben, dass man, wenn man wirklich verliebt ist, automatisch jegliches Interesse an anderen verlieren wird und folglich nicht wirklich verliebt sei, wenn man sexuelle oder romantische Gefühle jemand anderem ausser dem Partner gegenüber hat.» Dieses Zitat – hier ins Deutsche übersetzt – stammt aus dem Buch «The Ethical Slut. A Practical Guide to Polyamory, Open Relationsships &amp; Other Adventures».</p>
<p>Sofern wir von Exklusivität ausgehen – und Exklusivität ist ja genau das Kennzeichen von Monogamie – gibt es immer die Möglichkeit zu Verrat und Untreue. Das «wir», welches sich in einer Paarbeziehung bildet, lässt wenig Spielraum offen. Peter Schellenbaum schreibt in «Das Nein in der Liebe»: «Der heutige Romeo und die heutige Julia scheitern nicht mehr am Widerstand ihrer verfeindeten Familien, sondern – nach einer Phase innigster Verschmelzung – am eigenen Widerstand, dem Du im konkreten Alltag ein Lebensrecht einzuräumen. Nach dem grossen Ja zur Verschmelzung scheitern sie am grossen Nein gegen die gemeinsame Wandlung.»</p>
<p>Die Frage ist, ob Leidenschaft möglich ist und wie, wenn wir diese Abgrenzung und das Trennende nicht verdrängen. Ist der Gedanke vergleichbar mit unserer Mühe, die Sterblichkeit im Leben mitzudenken, und nicht so zu tun, als ob wir unsterblich wären? Führt das zu einem intensiveren Leben oder zu einer ständigen Melancholie? Vielleicht ist es ja beides: Wenn wir uns an der Realität orientieren, sind wir dem Leben näher verbunden. Illusionen führen früher oder später zu buchstäblichen Ent-täuschungen.</p>
<p>Die Idee der konventionellen Ehe, in der mit Gottes Segen ewige Treue geschworen und eingehalten wird, kann schnell zur Lebenslüge werden. Das beweisen die hohen Scheidungsraten und unzählige heimlich geführte Liebesaffären. Die Erlaubnis zum Sex innerhalb der Ehe führt schnell auch zum Sex-Zwang — die Vergewaltigung in der Ehe ist in der Schweiz erst seit 1992 strafbar. Trotz solcher Einwände wird weiterhin die Idee eines monogamen Lebens zelebriert, die Mehrheit bezweifelt, dass eine Alternative erprobenswert wäre.</p>
<p>Und doch geniesst das Thema Polyamorie – wie man die Liebe zu mehr als einem Menschen auch nennen kann – immer mehr öffentliche Aufmerksamkeit und andeutungsweise auch Akzeptanz. Schaut man sich unter den entsprechenden Publikationen um, kann man sogar von einer Polyamorie-Bewegung sprechen. Das Thema löst gleichzeitig Ängste und Interesse aus: Viele Menschen wollen zumindest darüber nachdenken und reden. Oft wird Polyamorie mit promiskem Sex verwechselt, oder mit Polygamie. Doch es geht nicht zwingend um mehrere sexuelle Beziehungen, sondern um die Kultivierung mehrerer Liebesbeziehungen. Ein Hauptanliegen der Bewegung ist die «Beziehungsethik», die Verhaltensweisen zur Vermeidung unnötiger Verletzungen thematisiert. Für ein liebevolles polyamores Verhalten ist ein solides Verantwortungsbewusstsein unumgänglich. Achtung vor sich und den Anderen und Respekt vor den Grenzen des individuell möglichen, sind unerlässlich. Sonst geraten wir in die Nähe von bereits verstaubten Beziehungsideen der 1968-er-Generation, welche unter dem Schlagwort «freie Liebe» das zum Teil wahllose Vögeln einiger selbstverliebter Männer mit leidenschaftsbereiten Frauen ermöglichte, die hierfür brav ihre Antibabypille schluckten, um die Folgenlosigkeit des Vergnügens zu gewährleisten.</p>
<p>Schliesslich ist zu beachten, was Adam Philips in seinem Buch «Monogamie» sagt: «Über Monogamie zu schreiben ist dasselbe wie über sexuelle Perversionen zu schreiben. Eine Frage des Tons. Der Inhalt ist oft Vernebelung. Wir sollten, beispielsweise, nicht fragen: Hat der Autor recht? Sondern: Ist er verbittert? Und wenn ja, worüber eigentlich? Nicht: woran glaubt sie, sondern: Wovor hat sie Angst?»</p>
<p>Das Thema wirft viele Fragen auf, die noch zu beantworten sind. Denn letztlich gibt es nicht entweder Monogamie oder Polyamorie – das ist zu einseitig gedacht. Jede Beziehungssituation ist anders und trägt beide Elemente in sich. Es geht auch nicht um das Ansammeln möglichst vieler Beziehungen, sondern um eine spielerische Leichtigkeit, im sonst unerträglichen Ernst des Seins. In diesem Sinne: Willkommen in Mono-Poly-Beziehungen!</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien erstmals im Magazin MONETA, Ausgabe <a href="http://www.abs.ch/fileadmin/absch/Downloads/DE/Zeitung%20moneta/moneta_Archiv/moneta_4_2011.pdf" target="_blank" rel="external nofollow">Nr. 4/2011</a>. MONETA ist das Magazin der <a href="https://www.abs.ch/" rel="external nofollow">Alternativen Bank Schweiz</a></em></p>
<p><em>Literaturhinweise:</em></p>
<p><em>Ein wichtiges Standardwerk für Interessierte ist: «Eine Schlampe mit Verantwortung». Original: «The Ethical Slut. A Practical Guide to Polyamory, Open Relationships &amp; Other Adventures». Berkeley California 2009. Dieses Buch wird auch als «Poly-Bibel» bezeichnet.</em></p>
<p><em>Lebenspraktische Hinweise finden sich in: «Ein Frühstück zu Dritt. Leben und lieben in Mehrfachbeziehungen», Hrsg. Von Erhard Söhner und Bärbel Schlender, Wien München 2006.</em></p>
<p><em>Peter Schellenbaum: «Das Nein in der Liebe. Abgrenzung und Hingabe in der erotischen Beziehung», Stuttgart 1986.</em></p>
<p><em>Adam Phillips: «Monogamie… aber drei sind ein Paar». London 1996.</em></p>
<p><em>Holger Lendt, Lisa Fischbach: Treue ist auch keine Lösung. Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe, München 2011.</em></p>
<p><em>Thomas Schroedter, Christina Vetter: Polyamory. Eine Erinnerung, Stuttgart 2010.</em></p>
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		<title>Partnerschaft als spiritueller Weg</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 13:46:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Gespräch mit den Voice-Dialogue-Pionieren Wen heirate ich und wenn ja wie viele? In Abwandlung eines populären Buchtitels unserer Tage zeigt die Voice-Dialogue-Methode (siehe auch Info3 Ausgabe April 2009), wie in jedem von uns eine Vielzahl unterschiedlicher und teils widerstreitender „Stimmen“ ein Eigenleben führen. Gerade in Partnerschaften tragen diese Stimmen oder „Teilselbste“ fast immer ihre Konflikte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Im Gespräch mit den Voice-Dialogue-Pionieren</h2>
<div id="attachment_3837" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4e7ef6224456f_s.jpg" rel="lightbox[3833]"><img class="size-medium wp-image-3837 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4e7ef6224456f_s-292x300.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / Brautschuhe © Bernd Boscolo</p></div>
<p><em>Wen heirate ich und wenn ja wie viele? In Abwandlung eines populären Buchtitels unserer Tage zeigt die Voice-Dialogue-Methode (siehe auch <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2009/april/der-dialog-der-seele/" target="_blank" rel="external nofollow">Info3 Ausgabe April 2009</a>), wie in jedem von uns eine Vielzahl unterschiedlicher und teils widerstreitender „Stimmen“ ein Eigenleben führen. Gerade in Partnerschaften tragen diese Stimmen oder „Teilselbste“ fast immer ihre Konflikte aus – kein Ausweg aus zermürbenden Beziehungen?</em></p>
<p><em>Kern der Arbeit von Hal und Sidra Stone, Pioniere der Bewusstseinserforschung und Begründer der Voice Dialogue-Methode („Psychologie der Selbste“) ist die Entwicklung von echten Partnerschaften als Möglichkeit für umfassendes spirituelles Wachstum. Ihre jahrzehntelange und weltweite Tätigkeit als spirituelle Lehrer und klinische Psychologen begründet ihre Erfahrung, wonach sich in der herkömmlichen, von Gewohntheiten geprägten Beziehungsform viele innere Wesensanteile nicht frei entwickeln können, was zu Einseitigkeit und Unausgefülltheit führen kann. In ihrem Buch </em>Liebe bleibt solange sie tanzt<em> zeigen sie einen neuen Weg der Beziehung, die sich dem Prozess zwischen zwei Menschen bedingungslos hinzugeben sucht, ohne sich jedoch in der anderen Person zu verlieren. Dazu braucht es den Mut, innere Glaubensmuster kennenzulernen und zu überprüfen und die Erfahrungswelt des Partners als Katalysator für den eigenen Bewusstwerdungsprozesses einzuladen. Hal und Sidra Stone sind heute 71 und 81 Jahre alt und leben in Kalifornien, wo sie das von ihnen gegründete Delos-Institut leiten. Mit der langjährigen Voice-Dialogue-Lehrerin Cordula Mears-Frei, die diesen Ansatz in ihrer Arbeit mit der Anthroposophie verbindet, führten sie das folgende Gespräch.</em></p>
<h4>Interview</h4>
<p><strong><em>Cordula: Hal and Sidra, eure Arbeit ist primär aus eurem Partnerschaftsweg entstanden. In dem Buch</em> Liebe bleibt solange sie tanzt <em>beschreibt ihr, wie sich in einer Partnerschaft nicht zwei Menschen, sondern viele innere, oft widersprüchliche Wesensanteile gegenüberstehen. Wie können sich Mann und Frau heute begegnen, wenn das, was in ihnen gerade spricht, eine Vielzahl von Teilselbsten*(1) zu sein scheint? Sidra, du hast dich dabei ganz besonders mit dem Teilselbst des „Inneren Patriarchen“ beschäftigt…</em></strong></p>
<p>Sidra: In meinem Buch <em>The shadow king (Es ist Zeit, dass du gehst) </em>habe ich versucht zu beschreiben, wie der Innere Patriarch sich auf die Psyche der Frau auswirken kann. Solange eine Frau, egal wie sehr sie mit einem „emanzipierten Teilselbst“ identifiziert ist, kein Bewusstsein für diese in ihr wirksame Kraft hat, wird sie sich noch so anstrengen können, aber nie frei sein. Der Innere Patriarch tritt paradoxerweise primär in Sorge um die Sicherheit der Frau innerhalb einer Partnerschaft in Erscheinung, aber diese Sorge entspringt einer jahrhundertealten, kollektiven Wunde des unausgeglichenen Machtverhältnisses zwischen Mann und Frau und hat wenig Bezug zur Gegenwärtigkeit. Sein Anliegen ist es, die Frau nett, fügsam und angepasst zu halten, als Bewahrerin des Haushalts und der Kindererziehung. Er möchte damit den Fortbestand von Familie sichern. Er hat dagegen wenig Verständnis für schöpferisch-instinktive Anteile der weiblichen Psyche, welche ihre „Fügsamkeit“ und Zuständigkeit für den Familienerhalt in Frage stellen würde. Tragisch ist, dass sich die Frau in keinerlei Weise darüber bewusst ist, wie stark sie vom Inneren Patriarchen geprägt ist.</p>
<p><strong><em>Cordula: Was sind typische Botschaften, die der Patriarch im Innern der Frau zum Ausdruck bringt?</em></strong></p>
<p>Sidra: Zum Beispiel: „Was du tust, ist niemals gut genug. Du musst eine bessere Mutter sein, mehr Fürsorge entwickeln, den Haushalt besser unter Kontrolle haben, dich in das soziale Netz einfügen, du sollst keine Ansprüche für dich selbst haben, streng dich mehr an, damit es dem Mann gut geht, sonst wird er dich verlassen.“ Über alle Ambitionen der Frau außerhalb der Erhaltung der Familie macht er sich lustig, wobei er der Frau durchaus auch eine berufliche Karriere zugesteht – dann „muss sie eben doppelt so hart arbeiten“ – und darf auf Seiten der Familie keine Abstriche machen. Das Verrückte ist, dass dieses Teilselbst im Innern der Frau selbst spricht, ihr aber auch vom Partner oder ehemals von ihren Eltern gespiegelt wird; sie ist also doppelt gefangen. Eine Transformation kann gelingen, wenn sie beginnt, der Sorge des Patriarchen in ihrem Innern Gehör zu schenken. Ansonsten wird sie irgendwann in der Not dieser doppelten Unterminierung die Koffer packen und den längst verdrängten Anteilen gewaltsam Raum schaffen, oder sie resigniert als depressive, lustlose, launische und unermesslich müde Mutter und Ehefrau. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass dies dann auch das Ende einer kreativen, lebendigen Sexualität bedeutet.</p>
<p><strong><em>Cordula: Wenn ich dich so höre, taucht in mir das Bild von Camille Claudel auf, welche ihre schöpferisch-weibliche Seite dem Patriarchen Rodin zur Verfügung stellte…</em></strong></p>
<p>Sidra: … und der ihr dies zugestand, bis zu dem Augenblick, wo ihre weibliche Kraft seinen Genius überflügelte. Dann schlägt er zu, indem er sinngemäß sagt: „Siehst du, meine Liebe, ich habe es dir doch gesagt, jetzt kehrst du schön brav wieder in deinen netten kleinen Käfig zurück, wo ich dich dann beschütze und wo dir nichts passieren kann, denn du weißt ja, dass du sonst…“</p>
<p><strong><em>Cordula: „…psychotisch, hysterisch, verrückt wirst und in der Irrenanstalt endest, denn das Weibliche ist zu unberechenbar, zu intuitiv und zu instinktiv, als dass es salonfähig wäre in einer Welt, die vom Patriarchen bestimmt wird.“</em></strong></p>
<p>Hal: Als Reaktion darauf gibt es für den Mann zwar viele Möglichkeiten, seine Männlichkeit zu entdecken, seine „Wildheit“ und Echtheit zurückzuerobern, wie es z. B. in vielen lobenswerten Männerprojekten geschieht. Letztendlich aber wird er nicht frei sein, wenn er seine „Innere Matriarchin“ nicht bewusst begreift, denn sie wird jede Bestrebung seinerseits nach Freiheit unterminieren. Dieses Teilselbst spiegelt im Großen die Beeinflussung der eigenen Mutter wieder und wird sich weiterhin kontrollierend und manipulierend auf die innere Psyche des Mannes auswirken. Er muss dann, wenn dieses Teilselbst in ihm spricht – „Du solltest, du musst, tue dies nicht“ – erkennen, dass „es“ spricht. Bei den meisten Männern ist es diese verdeckte Stimme, die ihr ganzes Selbstbild bestimmt! Deshalb nützt es nichts, wenn ein Mann sich äußerlich als „rebellischer Sohn“ von vermeintlichen Forderungen seiner Lebenspartnerin abwendet, um seine Urkraft zu entdecken; dieses Teilselbst wird danach, als Innere Frau, nur noch stärker die Kontrolle aufrechterhalten. Dies kann man übrigens sehr eindrücklich in den Träumen von Männern beobachten.</p>
<p><strong><em>Cordula: Was sind die klassischen Botschaften der Matriarchin im Innern des Mannes?</em></strong></p>
<p>Hal: „Alles dreht sich bei dir immer nur um Sex. Du bist zu agressiv, zu ungezähmt für diese Welt, benimm dich, mach dich nicht dreckig, sei nicht so laut. Frauen wissen besser, wie die Dinge laufen. Männer wissen nicht, wie man fühlt.“ – Es ist eine Botschaft der totalen Entwürdigung des ursprünglich Männlichen. Das Männliche wird reduziert auf Geldverdienen und die Versorgung der Familie, auch hier geht es darum, den Fortbestand des Familienlebens zu sichern.</p>
<p><strong><em>Cordula: Als Mutter von zwei heranwachsenden Söhnen und einer Tochter kann ich diese Stimme in mir gut wiedererkennen, wenn sie meinem pubertierendem Sohn ihre weiblichen Wertsysteme aufdrängt: „Sei nicht immer so unordentlich, immer hast du nur Fußball im Kopf, putz deine Zähne, wo warst du denn schon wieder so lange, wo treibst du dich rum, mach doch mal was Sinnvolles…!“ Also überall dort, wo ich als Mutter und Frau die Kontrolle verliere in Bereichen, wo ich als Frau eigentlich nichts zu suchen habe und mich vor der Ungezähmtheit des heranwachsenden Männlichen im Grunde fürchte.</em></strong></p>
<p>Hal: Ja, überall dort, wo es eine „Mens-World“ gibt – im Sport, bei der Arbeit. Deswegen ja auch die Männergruppen, die ganz bewusst die weibliche Manipulation aus ihrem Kreis bannen, was aber nicht funktioniert, solange sie diese Stimme nicht im Innern erkennen. Zu rebellieren ist der Übergangsritus der Pubertät, und wenn er nicht vollzogen wurde, bleibt ein Mann womöglich sein ganzes Leben in der unbewussten Abwehr zur Frau stecken, was sich natürlich solange nicht zeigt, wie er brav seine Rolle als „fügsamer Sohn“ weiterspielt. Aber irgendwann holt ihn seine verdrängte Wut, seine Aggression, seine Autonomie, die ganze wundervolle männliche Lebendigkeit ein und nimmt sich gewaltsam ihren Platz, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Und sofort bricht die ganze Wertung der Matriarchin wieder über ihn hinein…</p>
<p><strong><em>Cordula: Was verändert sich, wenn Frauen mit diesem Patriarchen gearbeitet haben und seine Wirkensweise durch das Bewusste Ich separieren können?</em></strong></p>
<p>Sidra: Nun, im Wesentlichen werden Frauen dadurch beziehungsfähig als Mensch, um von Person zu Person in einer Partnerschaft zu stehen. Sie gewinnen die Freiheit, weder rebellisch-emanzipiert noch töchterlich-untergeordnet oder mütterlich-kontrollierend in einer Partnerschaft zu stehen.<br />
Hal: Und für den Mann könnte dies bedeuten, einer Frau freiwillig zu dienen, ohne den guten Sohn oder den Vater zu spielen, der es nur deswegen tut, weil er eine alte Verlustangst in sich trägt. Um dies zu tun, muss er dann „Nein“ sagen können, wenn er seiner männlichen Autonomie bedarf.</p>
<p><strong><em>Cordula: Wenn man diese Interaktionen von Teilselbsten versteht, wie können dann Frau und Mann überhaupt eine Beziehung führen, ohne von den Prägungen und Mustern des Unterbewusstseins in ständiger Projektion und Abwehr gefangen zu sein?</em></strong></p>
<p>Hal: Das ist für mich tatsächlich schwer vorstellbar, wenn man nicht zumindest ansatzweise ein Verständnis über die Wirkungsweise der Teilselbste gewinnt. Wenn du nicht weißt, dass es hundert Leute sind, die in deiner Ehe in einem Verhältnis zueinander stehen und nicht nur zwei, wie willst du dann wissen, wohin du gehen kannst, um den Boden unter den Füßen zu bewahren?</p>
<p>Es hilft einer Partnerschaft immens, wenn beide Beteiligten wissen, dass zum Beispiel alles, was ich im anderen verurteile, ein verdrängtes Teilselbst*(2) von mir selber ist. Bezieht man sich gemeinsam verbindlich auf diese „Regel“, dann beginnt eine enorme Selbstverantwortlichkeit den Prozess zu beflügeln. Das heißt nicht, dass ich keine negativen Gefühle mehr haben werde, aber ich werde soweit verantwortlich für mich selbst sein, dass ich nach innen den Ursprung dieser Emotion in mir verfolge, anstatt den anderen dafür verantwortlich zu machen.<br />
Sidra: Ein wirklicher Schlüssel dazu liegt darin, meine Aufmerksamkeit in den gegenwärtigen Augenblick zu bringen und die Qualität der Verbindung zwischen mir und meinem Partner wahrzunehmen. Dies umfasst immer die Bereitschaft, dass ich meine eigene Verwundbarkeit und meinen Schmerz in mir fühlen muss, statt ihn auf den anderen abzuschieben.</p>
<p><strong><em>Cordula: Das würde bedeuten, dass ich meine Aufmerksamkeit gleichzeitig für mein eigenes Inneres, wie auch für das, was mir vom anderen entgegenkommt, aufrechterhalte?</em></strong></p>
<p>Sidra: Ja, absolut.</p>
<p><strong><em>Cordula: Und es bedeutet weiter, dass ich neben dem Gefühl für meine eigene Verwundbarkeit auch bereit wäre, die Verletzbarkeit und den Schmerz meines Partners in meinem Bewusstsein zu bewahren?</em></strong></p>
<p>Hal: Ja, Partnerschaften jeder Art sind wirkliche Lehrer. Es gibt immer einen Grund, weshalb ich in einer bestimmten Beziehung bin; mein Gegenüber wird mir immer genau die Anteile spiegeln, die ich noch nicht integriert habe. Wenn die Flitterwochen vorbei sind, wird uns der Partner in all jene verborgensten Winkel, die ich so sicher versteckt hatte, hineinführen. Jetzt hast du die Chance, deine ganze emotionale Verdrehtheit und Verwundbarkeit an die Oberfläche kommen zu lassen und gründlich aufzuräumen. Partnerschaft wird so zum spirituellen Lehrmeister. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir den Mut entwickeln müssen, genau das im anderen anzuschauen, was uns am meisten bedroht. Denn genau an dieser Stelle erhalten wir ein riesiges Geschenk.</p>
<p>Weil diese Erfahrung so fundamental erschütternd ist, sehe ich überhaupt keine Möglichkeit eine Partnerschaft zu führen, wenn nicht beide Partner bereit sind, sich hier einer dritten Kraft, nämlich <em>dem Prozess</em> zwischen ihnen, anzuvertrauen. Diese Kraft benenne ich gerne auch als kosmische Intelligenz, etwas, was außerhalb unserer verstandesgemäßen Kontrolle liegt und uns überraschend und unerwartet an ganz neue Impulse führen kann.<br />
Sidra: Was bedeutet, dass ich mich nicht meinem Partner hingebe, sondern dem Prozess zwischen uns. Der Prozess selbst wird zu einer eigenständigen Kraft, der mich auf wunderbare und oft erschreckende Weise aus Identifikationen und Projektionen hinausführt in das Abenteuer Liebe.</p>
<p><strong><em>Cordula: Oft wollen wir wohl etwas zu schnell eine Lösung und vergessen womöglich dabei, dass sich diese transpersonale Kraft nur dann zeigen wird, wenn ich einen Moment innehalte und bereit bin zu lauschen, wenn ich darauf verzichte, alles zu wissen, zu kontrollieren, festzuhalten.</em></strong></p>
<p>Sidra: Da stimme ich dir aus ganzem Herzen zu. Ausatmen und auf eine Lösung warten, die wir selbst nicht aus unseren Teilselbsten heraus hätten finden können.<br />
Hal: Ja, das ist wirklich essentiell, denn wir können eine Lösung nicht „machen“. Aus dem Bewussten Ich* (3) heraus entwickeln wir vielmehr die Kraft es zuzulassen, sich dem Unbekannten hinzugeben und nicht zu wissen, wohin es mich als nächstes führen wird.<br />
Sidra: Dabei ist es wichtig, mit dem anderen in Fühlung zu bleiben. Teilselbste tendieren dazu, sich abzuschotten und eine solche Erfahrung ohne Kontakt zu meinem Partner zu machen. Du kennst bestimmt auch diesen Typ Frau, die dann für sechs Monate Kind und Mann verlässt, um in Indien zu meditieren. Ich glaube, das Wichtigste, was es in einer Partnerschaft gibt, ist sich verbunden zu fühlen – damit meinen wir nicht Abhängigkeit –, wenn ich mich in einem Teilselbst befinde, kann ich jedoch keine echte Verbindung herstellen.<br />
Hal: Es fühlt sich einfach nicht gut an, mit einem Menschen Zeit zu verbringen, der in einem Teilselbst feststeckt. Die Energie vibriert nicht mehr, wir werden müde, nervös, unaufmerksam.<br />
Sidra: In Verbindung zu sein mit meinem Gegenüber kann auch bedeuten, Wut und Schmerz auszudrücken. Aber diese Qualität der Verbindung ist dann belebend, weil ich in Kontakt bleibe. Dazu muss ich natürlich erst einmal diese Gefühle in mir selbst fühlen können, ein Weg, der immer den Kontakt zu meinem Inneren Kind *(4) voraussetzt.</p>
<p><strong><em>Cordula: Ist das nicht eine Frage, die uns auch außerhalb von Partnerschaften beschäftigt: Wie kann ich mit dieser Welt und meiner Umgebung in einen echten, unmittelbaren Kontakt kommen?</em></strong></p>
<p>Hal: Ich glaube, dass wir anstelle der Frage „Ist dies gut oder schlecht?“ überlegen müssen: „Tut es mir gut, wenn ich mich mit diesem Ort, mit diesem Menschen, mit dieser Sache verbinde? Stehe ich dazu in einem natürlichen, unverfälschten Bezug?“ Je mehr meiner inneren Stimmen ich in mir integriert habe, desto größer wird meine Möglichkeit, mit der Vielheit der Welt mitzuklingen.<br />
Sidra: In unserem Alter haben wir immer mehr die Empfindung, dass sich die Kanten unserer Persönlichkeit auflösen. Es gleicht einer Verschmelzung mit dem gesamten Universum. Und dennoch bleibt diese ganz persönliche Essenz, die mit dem zunehmenden Bewusstseinsprozess immer stärker offenbar wird, durch die wir uns durchaus individuell und persönlich entscheiden, mit was wir uns in Beziehung setzen.<br />
Hal: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in den nächsten 300 Jahren eine feinstoffliche Revolution erfahren werden, teilweise ist dies ja in der Physik oder in der Medizin schon geschehen. Ich gehe also davon aus, dass unsere Wahrnehmung und Entwicklung des feinstofflichen Menschen immer schneller vorangehen wird. Wir werden uns dabei aber nicht im Universum auflösen, sondern durch die Kraft des Bewussten Ich selbstschöpferisch in die Kreation unserer menschlichen Daseinsform hineinwirken.</p>
<blockquote>
<h4>Voice Dialogue in Stichworten</h4>
<p><strong>Teilselbst</strong>: Teilselbste sind, nach Hal und Sidra Stone, etwa der Verstand, die Kontrolle, das Innere Kind, der ewige Vater, die gute Mutter, der Rationalist und viele andere. Diese Teilaspekte handeln und denken eigenständig innerhalb der menschlichen Psyche und können im Voice Dialogue-Prozess unmittelbar und quasi-physisch wahrgenommen werden. Im Verständnis ihrer Funktion und der dahinter verborgenen Verletzbarkeit entsteht Raum, neue Wesensanteile kennenzulernen und verdrängte Aspekte neu zu integrieren.</p>
<p><strong>Verdrängte Teilselbste</strong>: jene Schattenaspekte, die in unserem Wertsystem, in Familie und Kultur keine Entfaltungsmöglichkeit gefunden haben. Viele dieser Teilselbste finden wir in Märchen wieder, wie z. B. den „wilden Mann“ im Eisenhans oder das  „Aschenputtel“, das vom dienenden Mädchen die Transformation zur Frau erlebt, welche ihr spirituell-visionäres Potential eigenständig in die Hand nimmt, oder die „naive Tochter“, welche in der Verwandlung zur ebenbürtigen Königsfrau in Wald und in Wildnis, z. B. bei der Hexe Baba Jaga, ihre instinktiven Anteile entwickeln und reintegrieren muss.</p>
<p><strong>Das Bewusste Ich</strong> beschreiben Hal und Sidra Stone als die Kraft in unserer Mitte, welche innere und äußere Gegensätze vereinen kann. Während wir in unserem Ego unbewusst immer von einem zum anderen Teilselbst wechseln, erfahren wir in der Erkenntnis über die Stimmen, die uns prägen, einen inneren Erfahrungsraum, der seine Handlungsfähigkeit im gegenwärtigen Augenblick neu schöpfen kann, statt vergangenheitsbezogenen Reaktionsmechanismen unterlegen zu sein. Gurdieff beschreibt dieses Phänomen als „Aufwachen aus dem mechanisch-funktionierenden Grundzustand des Menschseins“.</p>
<p><strong>Das Innere Kind</strong> ist der oftmals verschüttete Anteil in unserem Inneren, um den sich die Teilselbste entwickelt haben, um den Schmerz in einem Zustand der Hilflosigkeit nicht mehr zu fühlen. Oft steht dieses Innere Kind jedoch nicht in Bezug zu dem erwachsenen Menschen, der inzwischen handlungsfähig geworden ist. Die inneren Hauptselbste versuchen automatisch jede Situation abzuspalten, welche diesen verborgenen Schmerz wieder erwecken könnte. Neben dem verletzten Inneren Kind gibt es aber auch das verspielte, magische oder künstlerische Kind, das auch die Fähigkeit zur Nähe und Intimität in sich birgt.</p></blockquote>
<p><em>Literatur</em><br />
Sidra Stone: Es ist Zeit dass Du gehst, Kösel Verlag 1997<br />
Hal und Sidra Stone: Liebe bleibt solange sie tanzt, Constans Verlag 2005, € 19,50.</p>
<p><em>Weitere Information zur Arbeit</em><br />
<a href="http://www.delos-inc.com/" rel="external nofollow">Internationale Voice Dialogue homepage</a><br />
<a href="http://www.praxis-integrationsarbeit.de/" rel="external nofollow">Voice Dialogue Deutschland</a><br />
<a href="http://www.voicedialogue.ch/" rel="external nofollow">Voice Dialogue Schweiz</a></p>
<p>Dieses Interview erschien erstmals im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2009/juni/partnerschaft-als-spiritueller-weg/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Juni 2009</a></p>
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		<title>Durch Beziehung zur Erleuchtung</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2011/11/21/durch-beziehung-zur-erleuchtung/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 12:48:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Plädoyer für die Wiedergewinnung der Spiritualität des Weiblichen Miranda Shaw erforschte in ihrem rund 300 Seiten umfassenden Werk Erleuchtung durch Ekstase detailliert die geschichtlichen Traditionen der Frau. Sie plädiert dabei für eine bewusste Integration der wohl grundlegendsten spirituellen Urformen des Weiblichen in das moderne Leben. Ihre Arbeit ist aus dem tibetischen Buddhismus abgeleitet. Wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Ein Plädoyer für die Wiedergewinnung der Spiritualität des Weiblichen</h2>
<p><em>Miranda Shaw erforschte in ihrem rund 300 Seiten umfassenden Werk Erleuchtung durch Ekstase detailliert die geschichtlichen Traditionen der Frau. Sie plädiert dabei für eine bewusste Integration der wohl grundlegendsten spirituellen Urformen des Weiblichen in das moderne Leben. Ihre Arbeit ist aus dem tibetischen Buddhismus abgeleitet. Wir beschreiben ihre wichtigsten Thesen.</em></p>
<div id="attachment_3732" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4c75881e99fb9_s.jpg" rel="lightbox[3728]"><img class="size-medium wp-image-3732 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4c75881e99fb9_s-300x199.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / love © Petra Bork</p></div>
<p>Als Professorin für Buddhistische Studien unterrichtet Shaw am Department für Religion der Universität von Richmond/Virginia. Sie steht für eine integrative und organische Umwandlung des westlich geprägten Frauenbildes – durch Hilfe von spirituellen Urbildern, welche sie als Wissenschaftlerin intensiv erforschte. Grundlegend für die Arbeit von Shaw ist die dem tibetischen Tantrismus innewohnende Synthese von Spiritualität und Sexualität. Shaw beschreibt sie aus weiblicher Sicht. Dabei stellt sie die Frau in überraschender Weise in eine neue Verantwortlichkeit, indem sie ihr die Rolle der geistigen Hüterin und Verwandlerin einer maskulinen und triebgeführten Sexualität zuweist. Shaw verleiht der Frau eine erstaunliche Autorität: „Die Identifikation mit göttlichen weiblichen Rollenmodellen gab Frauen ein unerschütterliches Selbstbewusstsein, den ‚göttlichen Stolz‘, der durch das Erwecken der eigenen, ursprünglichen Göttlichkeit entsteht. Das Vorhandensein göttlicher Vorbilder, die sich ihrer Weiblichkeit furchtlos und frei von Hemmungen erfreuten, scheint Frauen zu körperlicher und geistiger Abenteuerlust inspiriert zu haben. Sie sprachen furchtlos die Wahrheit, und wenn ihnen der Sinn danach stand, waren sie streitbar und forsch. In den tantrischen Biographien weisen Frauen einen Mann offen und ohne Entschuldigung zurecht, um ihn an die direkte Sicht der Realität zu erinnern. Dazu fordern sie seine Vorurteile heraus, zerstören lieb gewordene Illusionen oder lassen ein aufgeblasenes Selbstbild zerplatzen.“</p>
<h4>Gemeinsame Hingabe an religiösen Ziele und Ideale</h4>
<p>In Feldstudien und Recherchen zu ursprünglichen Lehrtexten des tibetischen Buddhismus zeigt sie kritisch auf, wie gerade die Quelle der weiblichen Autorität durch die männliche Machtposition auch in veränderten Auslegungen der tantrischen Lehre vertuscht wurde. Dort nämlich und ebenso in vielen verkürzten Auslegungen der modernen westlichen Welt, geht es oft nur um die Frau (und die Sexualität als solche) in einer reduzierten physisch-sinnlichen Form, ohne den Freiheitsaspekt der geistigen Entwicklung der Frau zu berücksichtigen.</p>
<p>„Dieser Furchtlosigkeit, die frei war von Unterwürfigkeit, entsprachen auch die tantrischen Partnerschaften. Die Frauen mussten keine Beziehungen zu Männern eingehen, um sich selbst zu bestätigen, ihr soziales Ansehen oder die moralische Ordnung aufrechtzuhalten. Dies gab der Frau die Freiheit, Beziehungen nur zum Zweck ihrer eigenen Erleuchtung einzugehen. Die Basis der tantrischen Beziehungen war die leidenschaftliche Hingabe an dieselben religiösen Ziele und Ideale.“</p>
<p>Der tiefe und genaue Einweihungsweg der weiblichen Daikini (einer weiblichen Lehrerin im tantrisch-tibetischen Sinne) umfasste jedoch ursprünglich weitaus komplexere Aufgabenstellungen: „Die Übung, Frauen als weibliche Buddhas zu sehen, gab den Männern die Möglichkeit, unerleuchtete Gedankenmuster abzubauen, vor allem männliche Überlegenheitsgefühle und Vorurteile. Die Ehrerbietung des Mannes gegenüber der Frau zeigt, dass er eine Beziehung einzugehen bereit ist, in der nicht sein Ego oder seine Bedürfnisse im Vordergrund stehen, sondern die Erleuchtung beider Partner.“</p>
<p>Es wird uns im anthroposophischen Zusammenhang nicht erstaunen, dass es dabei gerade durch die Verwandlung der triebhaft gesteuerten Sexualität zu einer Vereinigung im Geiste kommen soll. Miranda Shaw plädiert dabei nicht für eine Rückkehr zu prämodernen magisch-mythisch anmutenden Ritualen, sondern fordert unmissverständlich die Rückkehr der weiblichen Würde: Durch eine klare und schöpferische Kontaktaufnahme der Frau zu ihren inneren Wesensquellen. Gleichzeitig fordert sie vom Mann die unabdingbare Bereitschaft, der weiblichen Kraft zu dienen und durch sie die reiche und schöpfende kosmozentrische wie auch persönliche Göttin wieder in das Zentrum der Erde zu stellen. Dabei verbindet sie eloquent eine bewusste weibliche Spiritualität mit tiefem Respekt und Demut vor dem geistigen Entwicklungsweg innerhalb einer verbindlichen und treuen Partnerschaft.</p>
<p><em>Zum Weiterlesen:<br />
</em>Miranda Shaw: <em>Erleuchtung durch Ekstase</em>. Frauen im tantrischen Buddhismus. Krüger in Fischerverlage, Frankfurt.</p>
<p>Dieser Artikel erschien erstmalig im Magazin Info3, <a href="http://www.info3.de/c5-style/index.php/magazin/info3/archiv/2011/juli/durch-beziehung-zur-erleuchtung/" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe Juli 2011</a></p>
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		<title>Facebook und Co prägen moderne Beziehungen</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 09:03:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Gemeinsam]]></category>

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		<description><![CDATA[US-Studie enthüllt Einfluss neuer Kommunikationswege auf Romantik Washington (pte) — In den USA hat sich eine Studie des Marktforschungsinstituts Lab 42 mit dem Einfluss von neuen Kommunikationsmitteln wie Facebook auf die romantischen Beziehungen zwischen Menschen beschäftigt. Die Online-Befragung unter 550 Social-Media-Nutzern kommt zum Ergebnis, dass auch die Liebe nicht vor dem Einfluss der Technik gefeit ist. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>US-Studie enthüllt Einfluss neuer Kommunikationswege auf Romantik</h2>
<div id="attachment_3639" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4ad524ac2477a_s.jpg" rel="lightbox[3637]"><img class="size-medium wp-image-3639 " src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/11/ap4ad524ac2477a_s-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: aboutpixel.de / Morgens auf der Tastatur © Robert Marggraff</p></div>
<p>Washington (pte) — In den USA hat sich eine Studie des Marktforschungsinstituts <a href="http://www.lab42.com" target="_blank" rel="external nofollow">Lab 42</a> mit dem Einfluss von neuen Kommunikationsmitteln wie Facebook auf die romantischen Beziehungen zwischen Menschen beschäftigt. Die Online-Befragung unter 550 Social-Media-Nutzern kommt zum Ergebnis, dass auch die Liebe nicht vor dem Einfluss der Technik gefeit ist. »Das verwundert mich nicht. Aus meiner Erfahrung in der Paartherapie weiß ich, dass Facebook und Co heute beim Kennenlernen und für die Kommunikation von Paaren eine zunehmend wichtige Rolle spielen«, sagt Psychologe Michael Thiel im Gespräch mit pressetext.</p>
<h4>Anfang und Ende digital</h4>
<p>Moderne Beziehungen finden heutzutage meist zwischen zwei digital vernetzten Partnern statt. Vom Flirten bis zum Schlussmachen wird deshalb vieles auf elektronischem Weg erledigt. Ein Drittel der Befragten gab an, schon einmal via Facebook, E-Mail oder Textnachricht eine Beziehung beendet zu haben. Ganze 40 Prozent sagten, sie könnten sich vorstellen das in Zukunft zu tun. »Das ist psychologisch gesehen eine feige Form der Beendung einer Beziehung. Jeder hat bei einer Trennung das Recht auf ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Nur so kann man eine Beziehung rund beenden und dann aus vergangenen Bindungen lernen«, sagt Thiel.</p>
<p>Die US-Studie ergab auch, dass viele Menschen Nachforschungen über potenzielle Partner im Internet anstellen. 29 Prozent der Befragten gaben an, eine interessante Person in sozialen Netzwerken zu überprüfen, bevor sie romantische Schritte unternehmen. Auch in Beziehungen werden Social Media oft für Überwachungszwecke missbraucht. »Das ist eine besorgniserregende Tendenz. Eifersüchtige Menschen nutzen soziale Netzwerke, um ihre Partner zu kontrollieren. Dadurch wird der Partner immer gläserner. Die eigene Persönlichkeit und der eigene Freundeskreis inklusive eigener Netzwerke sind aber wichtig in einer Beziehung, um das notwendige Eigenleben zu erhalten, damit nicht zu viel Nähe entsteht«, erklärt Thiel.</p>
<h4>Elektronische Kommunikation</h4>
<p>Auch in funktionierenden Beziehungen kommen neue Kommunikationsformen zum Einsatz. 38 Prozent der Befragten gaben an, ihrem Partner täglich mehr als elf Textnachrichten zu schicken. Nur 19 Prozent senden überhaupt keine SMS hin und her. Selbst für die erste Kontaktaufnahme ist das Telefon nicht mehr erste Wahl. Nur noch in 16 Prozent der Fälle kommt es zum Einsatz. Facebook wird von 24 Prozent zum Anbandeln genützt.</p>
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		<title>Integrale Beziehungen</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Aug 2011 12:31:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2500" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4b7af1c9430c7_medium.png" rel="lightbox[2488]"><img class="size-full wp-image-2500" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/ap4b7af1c9430c7_medium.png" alt="" width="200" height="113" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: aboutpixel.de / BOOOAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHH © Christian Wöller</p></div>
<p>Der Blick auf den Zustand unserer Liebesbeziehungen durch eine Integrale Brille erlaubt uns zu verstehen, warum fast die Hälfte der erwachsenen US-Bevölkerung heutzutage alleine lebt (in der EU nur etwa 30%, Anm. d. Red.). Es erklärt auch, warum viele Paare Schwierigkeiten in ihren Beziehungen haben, warum zwei Drittel der Scheidungen/Trennungen von Frauen initiiert werden, die lieber Single sein wollen als mit einem Beziehungsdeppen, warum viele Singles keinen neuen Partner finden, und – die guten Nachrichten – welche Entwicklungsebene und Beziehungsvision notwendig ist, damit Männer und Fauen<sup class='footnote'><a href="#fn-2488-1" id='fnref-2488-1'>1</a></sup> in verbindlichen »Integralen« Beziehungen/Ehen eine nachhaltige und friedvolle Zukunft für die Menschheit ko-kreieren können.</p>
<p>Hier ein breiter Überblick über das Modell der Integralen Beziehungen, welches uns es erlauben soll, zukünftige Konversationen in einen grösseren Kontext zu stellen.</p>
<p>Wir beginnen unsere Erkundungen in der Unterscheidung zwischen biologischem Geschlecht, angelernten Geschlechterrollen und femininen/maskulinen Polaritäten von Männern und Frauen. Dies erlaubt uns Ihre grundlegende sexuelle Fantasie zu verstehen, erfolgreiche männliche Schützer und Versorger mit Status und Wohlstand anzulocken, Seine primäre Fantasie, der Anziehung einer physisch attraktiven und gesunden Frau, die ihn in seiner Berufung unterstützt (oder diese mit ihm teilt), sowie das Verständnis Ihrer primären emotionalen Reaktion auf Beziehungskonflikte mit Angst und seiner mit Scham. Diese Differenzierung bietet auch einen Hinweis auf die sozialen Erwartungen und Kompatibilität eines Paares, und wie sie die entgegengesetzte feminine und maskuline Polung von Agenz, Kommunion, aufsteigend (Eros) und absteigend (Agape) in ihrer gesunden Form balancieren und harmonisieren können, um sexuelle Anziehung und Synergie generieren zu können.</p>
<p>Als nächstes berücksichtigt das Modell der Integralen Beziehungen mehrere Intelligenzen, Kompetenzen, Werte, Interessen, Leidenschaften und emotionale Bedürfnisse (Entwicklungslinien) die zwischen Paaren kompatibel sein müssen um eine tiefere Herzens– und Seelenverbindung zu entwickeln, und ihre Beziehung gedeihen zu lassen.</p>
<p>Für ein integrales Verständnis von Beziehungsdynamiken zwischen Männern und Frauen sind ihre individuelle Entwicklung in vier Linien entscheidend:</p>
<ol>
<li>Bewusstsein (acht Ebenen von archaisch bis transpersonal),</li>
<li>Spirituell (fünf Ebenen von grobstofflich bis non-dual),</li>
<li>Sexuell (fünf Ebenen von unterdrückt bis transzendent),</li>
<li>Sein Anima-Komplex (fünf Ebenen von der Frau als Mutter zu gleichwertige Partner) und ihr Animus-Komplex (fünf Ebenen von Männer als fremde Aussenstehende zu gleichwertige Partner).</li>
</ol>
<p>Das Verständnis der Entwicklungsebene jedes Partners in diesen vier Linien ist vorrangig für deren Fähigkeit sich als Gegenüber und gleichwertig zu begegnen.</p>
<p>Weiters müssen wir uns den verschiedenen Zuständen/Phasen bewusst sein, die romantische partnerschaftliche Beziehungen typischerweise durchlaufen (Lust, Verliebtheit, Romanze, Konflikt, Unsicherheit, Vereinbarung, Verbindlichkeit und Wiederverpflichtung). Dies zu wissen erlaubt uns cool zu bleiben, wenn die diversen Liebeshormone, die unsere Fähigkeit zur rationalen Partnerwahl beeinträchtigen, einschiessen und uns die Arbeit in schwierigen Zeiten noch schwieriger machen. Wir beachten auch Persönlichkeitstypen, die uns einerseits helfen Verhaltensmuster zu verstehen und andererseits unsere primäre und sekundäre Art und Weise wie wir Liebe geben und nehmen – entweder durch Wörter, Zeit, Geschenke, Service oder Berührung.</p>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/integralrelationships_quadrants.png" target="_blank" rel="lightbox[2488]"><img class="alignright size-full wp-image-2489" style="margin-left: 10px;" title="Quadranten der Integralen Beziehung" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/integralrelationships_quadrants.png" alt="" width="200" /></a>Sind wir uns einmal dieser Bausteine des Integralen Beziehungsmodells gewahr, können wir diese integrieren, indem wir Ken Wilber’s Einsicht verwenden, dass jeder Mensch einen inneren Verstand (1) und einen äusseren Körper (2) hat, und gleichzeitig ganz als ein Individuum ist (3) als auch ein Teil eines grösseren Kollektives (4). Diese vier Dimensionen können als vier Quadranten gezeigt werden, als das individuelle »Ich« oben links, dem individuellen »Es« oben rechts, und deren kollektive Erweiterung/Verbindung in den betreffenden unteren Quadranten.</p>
<p><img class="size-full wp-image-2490 alignright" style="margin-left: 10px;" title="8 Formen von Liebe" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2011/08/integralrelationships_8forms_of_love.png" alt="" width="300" /></p>
<p>Wenn wir realisieren, dass Beziehungen immer durch die unteren kollektiven Quadranten geformt werden, erlaubt uns das acht Formen von Liebe zu identifizieren (Nicht-Liebe, Freundschaft, Verliebtheit, Hingabe, romantische Liebe, vernarrte Liebe, kameradschaftliche Liebe, und Integrale Liebe) die Liebende fühlen können und in Art und Grad ko-kreieren, wenn eine Resonanz in ihrem (UL) kollektiv Inneren (was Intimität hervorbringt), (UR) kollektiv Äusseren (was Leidenschaft erzeugt) und/oder unbewussten Dimensionen (die verschiedene Formen von Abhängigkeit generieren, von Ko-Abhängigkeit zur wechselseitigen Verbundenheit allen Seins) erfahren wird.</p>
<p>Da die Landkarte nie das eigentliche Territorium ist – was wir speziell in Erinnerung halten sollten, wenn es zur romantischen Liebe kommt – empfiehlt das Integrale Beziehungsmodell rücksichtsvolle und mitfühlende Beobachtungen, Dialoge und Erfahrungen um die Entwicklungsebene des Bewusstseins, der Spiritualität, Sexualität und des Anima/Animus-Komplex jedes Partners zu bestimmen, wenn man sich dieser innigsten und verletzbaren Form von menschlicher Verbindung verpflichtet. Die Kombination dieser Einsichten und Erfahrungen mit der Anzahl der Perspektiven (1., 2., 3. 4. Person usw.) die jeder Partner einnehmen kann, erlaubt uns dies ihre individuelle kosmische Adresse zu definieren, welche Hinweise bietet auf Typ, Qualität und Nachhaltigkeit der Liebesbeziehung, die wir höchstwahrscheinlich entwickeln können. Die Liebenden können dann entscheiden ihre derzeitige Beziehung zu verbessern (wenn beide Partner willens und fähig dazu sind) oder sie mit Mitgefühl zu beenden, um einen integralen Ansatz zu entwickeln einen kompatibleren Partner zu finden/anzuziehen.</p>
<p><em>Übersetzung von <a href="http://www.openmindjournal.com/redaktion/">Heinz Robert</a>.</em></p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-2488-1'>Diese Aussage beabsichtigt nicht die Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Deren Welt ist dem Autor nur nicht bekannt. Die meisten Prinzipien, die hier aufgezeigt werden können für deren Beziehungen genauso zutreffen. <span class='footnotereverse'><a href="#fnref-2488-1">↩</a></span></li>
</ol>
</div>
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