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	<title>OpenMindJournal &#187; Synergie</title>
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	<description>Das Online-Journal für den Wandel in Bewusstsein, Kultur und Technologie</description>
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		<title>Funktioniert Stadt?</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Sep 2012 14:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Change]]></category>
		<category><![CDATA[Synergie]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf die Frage nach der Stadt der Zukunft werden als ­Antwort oft futuristische Technikvisonen an die Wand gemalt – die nicht zu einem endlichen ­Planeten passen. Wird die Stadt der Zukunft stattdessen eine genügsame Gartenstadt sein? Die Stadt ist eine ziemlich neue Erscheinung. Mehrere 100 000 Jahre lebten die Menschen als nomadische Jäger-und-Sammlerinnen-Gemeinschaften. Erst mit der [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Auf die Frage nach der Stadt der Zukunft werden als ­Antwort oft futuristische Technikvisonen an die Wand gemalt – die nicht zu einem endlichen ­Planeten passen. Wird die Stadt der Zukunft stattdessen eine genügsame Gartenstadt sein?</strong></em></p>
<div id="attachment_5301" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/image_wide_hires.jpg" rel="lightbox[5296]"><img class=" wp-image-5301 " title="Funktioniert Stadt?" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/09/image_wide_hires-300x116.jpg" alt="" width="250" /></a><p class="wp-caption-text">Bildquelle: <a href="http://www.oya-online.de/article/read/764-funktioniert_stadt.html" target="_blank" rel="external nofollow">OYA anders denken. anders leben</a></p></div>
<p>Die Stadt ist eine ziemlich neue Erscheinung. Mehrere 100 000 Jahre lebten die Menschen als nomadische Jäger-und-Sammlerinnen-Gemeinschaften. Erst mit der Erfindung der Landwirtschaft vor etwa 10 000 Jahren kam die Sesshaftigkeit auf. Die ersten größeren Siedlungen waren lange Zeit Ackerbauernstädte und versorgten sich selbst. Die frühe anatolische Stadt Çatalhöyük erlebte zwischen 6000 und 5000 v.  Chr. eine friedliche Blütezeit; bis zu 10 000 Einwohner wohnten in dieser eng bebauten, organischen Ansiedlung, die kein zentrales Heiligtum, kein Herrscherhaus und keine Verteidigungsanlagen aufwies. Die zahlreichen aussagekräftigen Funde aus der ­wohldokumentierten archäologischen Grabungsstätte geben Hinweise darauf, dass die Einwohnerschaft von Çatalhöyük sich höchstwahrscheinlich nach matriarchalen Prinzipien egalitär, das heißt herrschaftsfrei, organisierte. Als dann vor etwa 6000 Jahren – vermutlich in Folge eines raschen, großräumigen Klimawandels – hierarchische Sozial­formen, Ressourcenanhäufung und der Kampf um diese Dinge aufkamen, wandelten sich die weltweit noch sehr wenigen Städte zu befestigten Herrschersitzen, die von dem zum jeweiligen Herrschaftsterritorium gehörigen ländlichen Umkreis mit Lebensmitteln, Bau– und Energiestoffen, Arbeitskraft und (später) Geld versorgt werden wollten. Mit dem Aufkommen des Welthandels und des transkontinentalen Kolonialismus wurde dieser Anspruch auch auf weit entfernt liegende Gegenden ausgedehnt.</p>
<p>Während die Städte Europas lange Zeit relativ klein blieben, gab es in den Hochkulturen anderer Kontinente zum Teil bereits sehr viel früher Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern; man denke etwa an das kambodschanische Angkor Wat oder das mittelamerikanische Tikal. Diese Großstädte hatten ingenieursmäßig ausgeklügelte Versorgungssysteme und waren klug in die Ökologie ihres Umlands eingewoben, was ihnen erlaubte, über viele Jahrhunderte zu blühen.</p>
<p>Auch wenn andere frühere – und zwar nicht nur städtische – Kulturen bereits vielerorts durch unsachgemäßen Ackerbau und gedankenlose Abholzung ihren Lebensraum verwüsteten, hat solche Misswirtschaft einige Jahrtausende lang nicht die Gesamt-Biosphäre des Planeten bedroht. Erst mit der Explosion der Weltbevölkerung seit Beginn der Neuzeit, seit der »Verbesserung« des technologischen Zerstörungspotenzials des Menschen in der industriellen Revolution und dem weltweiten Trend zu einem energieintensiven, urbanen Lebensstil gehen die natürlichen Systeme in die Knie. Wird also aus dem Siegeszug der Städte ein Todesmarsch der Menschheit?</p>
<p>Für den Architekturkritiker und Wissenschaftler Lewis Mumford (1895–1990) war die Stadt in sozialer Hinsicht bereits seit ihrer Ausprägung als Militärlager zu einer »sozialtechnologischen Maschine« geworden, die mittels Gewalt und Raub die Versorgung der dort versammelten Soldaten organisierte – eine Ausbeutungsfunktion, die sich im Kern bis heute gehalten hat. Wer es sehen möchte, kann leicht erkennen: Die heutige urbane Lebensweise beruht auf systemimmanenter offener und struktureller Gewalt, indem sie in ihrer Logik der Fremdversorgung und des exponentiellen Wachstums weit mehr Ressourcen verschlingt, als sie zurückgibt. Und seit Beginn der »großen Ölparty« (Automobilisierung, Kunststoffe und­ –dünger etc.) hat sich dieser urbane Lebenstil nach dem Zweiten Weltkrieg weitestgehend auch in den ländlichen Gebieten der Industrieländer westlicher Prägung etabliert. Als gültige Gegenmodelle zur modernen Stadt können heute, bei Licht betrachtet, lediglich noch die Dörfer des Südens gelten. Der dörflich-urbane Lebensstil im Einfamilienhaus ist hierzulande nicht selten noch ressourcenaufwendiger als das Leben in den Großstädten mit ihren kurzen Wegen und ihrer dichten Bebauung.<br />
<strong></strong></p>
<h4>Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse …</h4>
<p>… aber nicht für jedermanns Gier! So lautet ein bekanntes Wort aus ­Gandhis Mund. Vieles deutet darauf hin, dass eben das, woran wir uns alle gewöhnt haben, auf die Dauer schlicht nicht aufrechtzuerhalten ist. Die ökologischen und sozialen Kosten für unsere urbanisierte Kultur sind zu hoch. Wir Erdenbürger verbrauchen derzeit in einem Jahr die erneuerbaren Ressourcen von anderthalb Erden, bereits 2050 werden es drei Erden sein. Wie lange kann das gutgehen? Schaffen wir es damit überhaupt bis 2050? Es geht uns ja nicht nur demnächst das Öl aus. Auch auf die verbliebenen Bestände von Phosphor (Kunstdünger), Ackerland, Metalle (seltene Erden), Holz, Kohle, Uran und nicht zuletzt Wasser hat längst ein großer Ansturm begonnen. Für die nachhaltige Versorgung eines Menschen braucht es etwa 1,8 Hektar Land, und auf der Erde gibt es heute 7 Milliarden Menschen. Wissenschaftlichen Berechnungen zufolge wäre es lediglich eine logistische Herausforderung, sogar eine noch größere Zahl von Menschen mit ausreichend Nahrung für ein würdevolles Leben zu versorgen. Allerdings wäre dies ein deutlich einfacheres Leben als dasjenige der urbanisierten Welt.</p>
<p>Millionen Menschen mussten bereits notgedrungen in Städte ziehen, weil eine Variante des Landgrabbings sie ihrer Lebensgrundlage beraubte oder sie als Kleinbauern aufgrund von Dürren oder wirtschaftlichem Druck im industriellen Agrargeschäft ihre Familien nicht mehr ernähren können. Andere gehen freiwillig: Das Glitzerbild vom Traum eines hippen Konsumentenlebens in der Stadt lässt gerade in Ländern mit »aufstrebender Wirtschaftsentwicklung« wie zum Beispiel China eine ländliche Lebensweise als rückständig erscheinen. Wer sich der Völkerwanderung in die Metropolen anschließt, landet aber oft nur im Slum – und damit in noch ärmeren Verhältnissen als zuvor. Ein Zurück aufs Land ist dann vielerorts nicht mehr möglich, weil dieses Land geraubt, verkauft, vergiftet, verwüstet, geflutet ist und auch, weil sich ein funktionierendes Dorfleben, eine ländliche Kultur, nicht einfach so installieren oder wiederherstellen lässt.</p>
<h4>Peak everything</h4>
<p>Gemäß Prognosen der UNO werden 2030 – also in 18 Jahren – über 60 Prozent der Bevölkerung in Städten wohnen – das sind dann 4,3 Milliarden Menschen. Zwar bringt dieser Trend wegen der Knappheit des Wohnraums, einer allgemein höheren Bildung der Frauen in Städten sowie aufgrund der gänzlich anderen urbanen Arbeitswelt eine gewisse Verlangsamung des Bevölkerungswachstums mit sich. Doch ändert das wenig am Fakt des exorbitanten Ressourcenverbrauchs. Wer glaubt denn angesichts der eineinhalbfachen jährlichen Übernutzung des Planeten und sich abzeichnender Klimawandel-Verwerfungen, dass Städte eine reelle Chance haben, ihren derzeitigen Standard auch in 30 Jahren noch aufrechtzuerhalten – oder gar noch zu steigern? Wer glaubt wirklich daran, dass für all die derzeit knapp werdenden Ressourcen plötzlich wundersame Ersatzstoffe gefunden werden, dass die Wissenschaft – deren Machbarkeitsfantasien wir einen guten Teil der Bredouille zu verdanken haben – uns mit noch ausgeklügelterer Technik oder die Ökonomie uns mit einer grün angestrichenen Variante des Alten aus dieser Schieflage heraushelfen wird?</p>
<p>Hinzu kommt: Unsere Städte sind hochgradig kollapsanfällig. Fällt der Strom aus, ist eine Stadt wie Berlin – das hat eine Untersuchung ergeben – binnen weniger Tage nicht mehr regierbar und kaum mehr lebensfähig (www.tanknotstrom.de). Großsiedlungen werden zu tödlichen Fallen, wenn aufgrund von Naturkatastrophen (die USA leidet seit Monaten an einer verheerenden Dürre), politisch-militärischen Krisen, Verwerfungen in der globalisierten Wirtschaft, sozialen Unruhen, Finanzkrisen, Epidemien, Energieverknappung etc. auch nur ein oder zwei Versorgungssysteme wie Lebensmittel, Strom, Wasser, Abwasser, Gas/Öl/Benzin oder Informationsmedien zusammenbrechen. Die meisten Städte sind heute von einer auf Wachstum programmierten Wirtschaft abhängig. Stagniert oder schrumpft diese, droht bereits mittelfristig der Zusammenbruch. Allein diese Punkte sollten für Städte eigentlich Anlass genug sein, alle notwendigen Schritte in Richtung Stärkung der Resilienz zu unternehmen, also hin zur Autarkie in Bezug auf die grundlegenden Lebensressourcen.</p>
<h4>Du hast keine Chance, also nutze sie!</h4>
<p>»Wovon wollen wir in wenigen Jahrzehnten eigentlich leben?« Diese zentrale Zukunftsfrage verlangt vor allem, Städte neu zu denken. Niko Paech, Vertreter einer konsequenten Postwachstums­ökonomie, zeigt sich zuversichtlich, dass im »sozialen Nahraum« der Stadt noch große Potenziale für urbane Selbstversorgungs-Lebensstile (Subsistenz) liegen. In Verbindung mit einer lebensfreudigen Beschränkung auf das Wesentliche (Suffizienz) könnte das einen Weg aus der fatalen Abhängigkeit der Städte weisen. Menschen zeigen immer wieder eine unglaubliche Kreativität, gerade in Notzeiten. Wäre es nicht schön, wenn diese Veranlagung bald in kollektiver Anstrengung auf die Gestaltung lebensfähiger, enkeltauglicher Städte konzentriert würde?</p>
<p>Das Beispiel ist noch nicht regenerativ, aber immerhin versucht man nun unter der Überschrift des »Urban mining«, die in Ruinen und Müllhalden vergangener Verschwendungsjahrzehnte steckenden Wertstoffe zu bergen. »Urban farming«, städtische Landwirtschaft, hat Hochkonjunktur, ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vielleicht kann die notwendige Umgestaltung mit einer täglichen Gedankenübung während der S-Bahnfahrt beginnen: Was für ein Stadtraum, welche Möglichkeiten entstehen, wenn man sich alle Gebäude wegdenkt, die nur dem Wirtschaftswachstumswahnsinn dienen und dem Herstellen von Überflüssigem gewidmet sind? Was ist tatsächlich überflüssig, was erhaltenswert, was veränder-, was recycelbar? Wofür wird künftig unbedingt mehr Platz gebraucht?</p>
<h4>Eine »rurbane« Zukunft</h4>
<p>Werden aber die Milliarden urban geprägter Menschen in Stadt und Land freiwillig von ihren Konsumansprüchen ablassen? Reichen etwa die derzeit vorgeschlagenen Veränderungen des städtischen Lebensstils – bewussterer, »grüner« Konsum, eine auf »grünes Wachstum« setzende Wirtschaft, leicht verändertes Mobilitätsverhalten, spielerische Wiederentdeckung des Gärtnerns, Zuwächse beim Bürgerengagement, hochtechnologische Lösungen für die Notwendigkeit urbaner Landwirtschaft – aus, um die Welt vom Rand des Ökokollaps wegzubewegen? Müssten die Städte sich nicht noch viel radikaler wandeln, um enkeltauglich zu werden? Lässt sich eine moderne Großstadt mit ihrer starren Infrastruktur aus Beton, Stahl, Glas und Hochtechnologie tatsächlich in eine zukunftsfähige, den planetaren Naturgesetzen angepasste Siedlung für Hunderttausende oder gar Millionen umbauen? Ist so ein Umbau nicht wieder mit unvorstellbaren ökologischen Kosten verbunden? Es wäre eine spannende Forschungsarbeit, sich die Realisierung solch einer infrastrukturellen Unternehmung vorzustellen, ohne dass dabei Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien oder sonst etwas im Lebenskreislauf dieses Planeten ausgebeutet werden. Wie müsste eine Gesellschaft beschaffen sein, der diese Herausforderung gelingt? Städte fallen nicht vom Himmel, sondern sind letztlich umgeformtes Land. Lässt sich eine liebevoll-pflegende Haltung gegenüber dem Land als Selbstverständlichkeit in einer reifen, vernünftigen Kultur leben?</p>
<p>Wenn, aus ethischer Einsicht heraus, eine Kultur der Fremdversorgung künftig nicht mehr gewünscht oder schlichtweg nicht mehr möglich sein wird, und wenn sich auch aus anderen Gründen die Notwendigkeit eines radikal energieärmeren Lebensstils abzeichnet – wie müssen wir uns dann die Zukunft der Städte vorstellen? Ich wage zu behaupten: Die Stadt der Zukunft wird sehr ländlich sein, und sie dürfte kaum mehr an heutige Städte erinnern. Vielleicht werden noch einmal – nach dem Vorbild der Lebensreformbewegung der vorletzten Jahrhundertwende – Gartenstädte entworfen, »rurban«, rural und urban zugleich.</p>
<p>Auch für die urbanisierten ländlichen Gebiete industrialisierter Länder wird der Wandel alles andere als leicht, doch haben sie auf dem Weg zur Wieder-Selbstversorgung den Vorteil, nicht mit einer ganz so monströsen Infrastruktur kämpfen zu müssen wie Großstädte. Für die Subsistenz größerer Regionen werden sich wohl vor allem der weitgehende Verlust bäuerlicher Kultur sowie der Verlust fruchtbaren Bodens durch die jahrzehntelange agrarindustrielle Praxis als Schwierigkeit erweisen.<br />
<strong></strong></p>
<h4>Städte wieder erden und verwurzeln</h4>
<p><strong></strong>Für bedürfnisorientierte menschliche Gesellschaften der Zukunft dürfte es wieder wichtig werden, in eine lebendige, bewusste Beziehung zum jeweils bewohnten und genutzten Land zu treten – zur »mehr-als-menschlichen Welt«, wie der Philosoph ­David Abram die Natur bezeichnet. Die Illusion einer ausschließlich menschengemachten Welt, die sich von den Naturgegebenheiten unabhängig machen kann, ist die gefährliche Verführung der Stadt. Ein Bewusstsein für das Land, welches die Menschen ernährt, ist wohl der größte Unterschied zwischen der traditionell-land-basierten Lebensweise ruraler Gesellschaften und dem Selbstverständnis urban geprägter Menschen. Eine ökologisch-geistige und emotionale Verwurzelung der Stadt in ihrem Umland könnte in einer von Subsistenz geprägten Zukunftskultur durch das Erlebnis, tatsächlich von diesem Land zu leben, vielleicht selbst in der westlichen Welt wieder wachsen. Subsistenz bedeutet, wohlgemerkt, nicht das Ende von arbeitsteiligem Wirtschaften, wie es vielfach missverstanden wird, sondern ein kluges Haushalten und Wirtschaften in möglichst regionalen Kreisläufen.</p>
<p>Die Subsistenzkultur-Forscherin Veronika Bennholdt-Thomsen hält die Stadt wegen deren Abkehr von der Subsistenzorientierung zwar für einen »Webfehler unserer Zivilisation«, doch die Entwicklung urbaner Selbstversorgung stimmt sie zuversichtlich. Bereits anhand des momentanen Booms der städtischen Gemeinschaftsgärten lasse sich erkennen, dass aus derartigen Projekten neue Gemeinschaftlichkeit und eine Stärkung des Bewusstseins für Gemeingüter erwachse. »Wer sich der Eigenarbeit widmet und wieder vermehrt seine Hände benutzt, dem erschließt sich die Welt des Subsistenzdenkens wie von selbst«, so ihre Erfahrung. »Das Experimentieren mit urbanem Gärtnern, Stadtküchen oder offenen Werkstätten öffnet ein Fenster in der Erfahrung, im Bewusstsein des Nicht-getrennt-Seins von der Subsistenz. Und: Die Selbstversorgungspraxis hat ein neues Naturverständnis zur Folge. Gerade die Gartenarbeit verwurzelt dich tiefgreifend mit deinem Lebensort.« Für Veronika Bennholdt-Thomsen stellt die Subsistenzperspektive die Wurzel von echter Kultur dar. »Wenn diese Wurzeln entwickelt sind, kann der Baum wachsen«, ist sie sicher. Würden Städte nun ernsthaft beginnen, eine neue Form von gewaltfrei-subsistenter Kultur zu erfinden, erhielten wir als Menschheit sogar die unglaubliche Chance, an frühgeschichtliche Blütephasen wie die des neolithischen Çatalhöyük anzuknüpfen.</p>
<h4>Es ist deine Stadt: Grab sie um!</h4>
<p>Vieles spricht dafür, dass die Einübung genügsamer Lebensstile in Verbindung mit Projekten zur Stärkung unserer Subsistenz in die richtige Richtung weist. Zugleich müssen wir beobachten, dass die Gesamtgesellschaft das Ziel der Enkeltauglichkeit – wenn überhaupt – noch viel zu zaghaft anvisiert und im großen und ganzen nach wie vor im Vertrauen auf das Paradigma von Machbarkeit und Naturbeherrschung auf den Abgrund zusteuert. Werden Versuchsprojekte, wie wir sie in dieser Ausgabe von Oya zeigen, einen Gegentrend einläuten können? Anders als zentralistischere Staaten wie Frankreich verfügen Städte und Gemeinden im deutschsprachigen Raum über vergleichsweise große politische Spielräume zur kommunalen Selbstbestimmung.</p>
<p>Vielleicht sollten wir es uns vermehrt zur Aufgabe machen, den Verwaltungen zu helfen, indem wir ihnen notorisch unbequeme Fragen stellen, wie: »Wovon soll unsere Stadt in zwanzig Jahren leben?« Auch der Ansatz der Transition-Town-Bewegung umfasst ja die intensive Kooperation mit der Administration sowie bürgerschaftliches Engagement in Bezirks– und Stadträten. Dort, in den lokalen Verwaltungen, braucht es eine Revolution des Denkens, um die Herausforderungen der Zukunft überhaupt erst angehen zu können. Es sind kreative Leute gefragt, die darauf insistieren, dass die Stadt ernsthaft versucht, aus ihrem fatalen Ressourcenverbrauch herauszukommen.</p>
<p><em><strong>Wie kann es überhaupt mit uns weitergehen?</strong><br />
Johannes Heimrath: Die Post-Kollaps-Gesellschaft. Scorpio, 2012 • Zeitschrift »politische Ökologie« Nr. 124, März 2011: Post-Oil City – Die Stadt von morgen, oekom • zur Stadtkritik z.B.: Derrick Jensen: Endgame. Pendo, 2008 • zu ­Çatalhöyük: Horst Stowasser: Anarchie! Nautilus 2006</em></p>
<p> </p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/764-funktioniert_stadt.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 16/2012</a></em></p>
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		<title>Politisch aktives Weltbürgertum</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 08:45:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Editors Choice]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine Möglichkeit und Bedingung menschlicher Ganz-Werdung? Überblick Der Artikel möchte aufzeigen und erlebbar machen, dass wir auch auf der globalen Ebene einen Weg vom persönlichen Empfinden zum gezielten Handeln entwickeln müssen, wenn von dieser Ebene nicht dauerhaft bewusst oder unbewusst innerer Schmerz ausgehen soll. Es wird eine konkrete Strategie beschrieben, wie auch einzelne Menschen hocheffektiv [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Eine Möglichkeit und Bedingung menschlicher Ganz-Werdung?</h2>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/mgvALLayIqp8p7rsRWLDOH2bo1_500-300x225.jpg" rel="lightbox[4264]"><img class="alignright  wp-image-4268" style="margin-left: 10px;" title="Simultan-Politik" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/mgvALLayIqp8p7rsRWLDOH2bo1_500-300x225.jpg" alt="" width="200" height="150" /></a></p>
<h4>Überblick</h4>
<p><em>Der Artikel möchte aufzeigen und erlebbar machen, dass wir auch auf der globalen Ebene einen Weg vom persönlichen Empfinden zum gezielten Handeln entwickeln müssen, wenn von dieser Ebene nicht dauerhaft bewusst oder unbewusst innerer Schmerz ausgehen soll. Es wird eine konkrete Strategie beschrieben, wie auch einzelne Menschen hocheffektiv an einer ›globalen Vereinigung im Handeln‹ zur Lösung drängender globaler Probleme mitwirken und dadurch ihre persönliche globale Lähmung überwinden können. Die aktive Kultivierung einer möglichst fundierten Zuversicht, dass ein solcher Weg beschritten werden kann, wird am Beispiel der Simultan-Politik-Kampagne (<a href="http://www.simpol.org/" rel="external nofollow">www.simpol.org</a>) als innere und äußere Arbeit an der Beziehung zwischen Mensch, Menschheit und Erde beschrieben, die zugleich eine kostbare Art von Freude freisetzen kann. </em></p>
<h4>Intro – eine Einstimmung</h4>
<p>Das Leben in seiner Gesamtheit scheint sich zu bewegen zwischen Gedeihen, Freude, Liebe, Enthusiasmus – und Verderben, Angst, Trauer, Schmerz.</p>
<p>Im Menschen und durch den Menschen hat die Schöpfung, die permanent-ewige Selbstschöpfung des Universums, besondere Fähigkeiten entfaltet, sich besonders tief und intensiv an sich selbst, an ihrem Gedeihen und Erblühen zu freuen und diese Freude bewusst zu erleben. Im Menschen kann die Schöpfung sich selbst bewusst lieben, eine pulsierend-warme Zuwendung zu sich selbst spüren.</p>
<p>Seit einigen Jahrzehnten entwickelt die Schöpfung im Menschen sogar die Fähigkeit, sich bewusst nicht nur an sich selbst und an ihrem Sein zu freuen, sondern sich auch an ihrem Werden, an ihren unerwarteten Wendungen und zunehmenden Verfeinerungen, an ihren Entwicklungsschritten, zu freuen.</p>
<p>Geradezu euphorisch entdeckt die Schöpfung im Menschen in den letzten Jahren sogar die Möglichkeit, dieses Mehr– und Anders-Werden nicht nur bewusst zu erkennen und anzuschauen, sondern es sogar zu einem bewussten Tun werden zu lassen – sich selbst als Schöpfung bewusst weiter auszugestalten, in Neuland zu begeben, auf neue Höhen und in neue Tiefen aufzuschwingen.</p>
<p>Die Schöpfung kommt im Menschen jedoch auch zu neuen Dimensionen des Leidens – wenn Sein und Leben zerstört wird, wenn Entwicklung Opfer kostet, wenn Werden und Entwicklung misslingen. Dann kann die Schöpfung in uns auch Enge, Zerrissenheit, Verzweiflung spüren.</p>
<p>Viele von uns können sich wahrscheinlich jetzt beim Lesen dieses Textes die Freude am Sein und Werden vergegenwärtigen. Sie können an den inneren Ort gehen, wo wir spüren, wie sich das Leben selbst feiert, in mir, in uns  -  auf unserem Planeten. Indem wir zum Beispiel an schöne Erfahrungen mit Natur und Kultur denken, wird uns diese Seite spürbar.</p>
<p>Umgekehrt sind die meisten wahrscheinlich auch leicht in der Lage, sich die leidvolle Seite der Schöpfung zu vergegenwärtigen. Jeder Mensch ist auch einzigartige Antenne für den Schmerz der Welt, jeder hat seinen eigenen Punkt intensivster negativer Spannung – hinsichtlich seines eigenen persönlichen Lebens, hinsichtlich seiner Bezugsgruppen – hinsichtlich des Planeten.</p>
<p>Ein lebendiges, aktives Leben zu führen hat viel damit zu tun, sein Handeln darauf auszurichten, Freude zu mehren und Schmerz zu überwinden.</p>
<p>Für unser persönliches Dasein entwickeln wir im Laufe des Lebens viele Möglichkeiten, wie wir uns darauf ausrichten können, freudvolle Aspekte erlebbar zu machen und schmerzhafte Aspekte zu kontrollieren, zu vermeiden, zu mindern. Auch im Miteinander in unseren Gruppen entwickelt sich ein Spektrum an gemeinsamen Kompetenzen, mit denen die Schöpfung versucht, sich gut mit sich selbst einzurichten. (Natürlich geht das Leben immer wieder auch Wege, in denen der ursprüngliche Impuls des Lebens zu mehr Freude an sich selbst nur noch sehr schwierig wiederzuerkennen ist.)</p>
<p>Seit vielen Jahren macht sich der Planet Erde im Menschen ein immer präziseres Bild von sich selbst. Von der mythologischen Erde auf der Schildkröte zur beobachteten Scheibe zur erkannten Kugel  -  von der Physiosphäre und Atmosphäre zur Biosphäre zur Noosphäre und  Infosphäre  -  das könnte man auch als Phasen planetarer Selbsterkenntnis interpretieren, die sich im Menschen zunehmend verdichtet.</p>
<p>In unserer Zeit empfinden immer mehr Menschen eine immer intensivere Beziehung zu Freud und Leid auf dieser planetaren Ebene. Viele der globalen Entwicklungen, die wir heute wissenschaftlich und teilweise sogar mit den eigenen Sinnen beobachten können, lösen in uns spontan Gefühle von Angst, Wut oder Schmerz aus. Zugleich entdecken immer mehr Menschen die Möglichkeit ‚planetarer Freude‘ – eine ergriffene Bewunderung der Vielfalt dieser Welt, Fortschritte in der Minderung globaler Spannungen, aber auch erahnte Möglichkeiten der Entfaltung des Seins und Werdens von Natur und Kultur, die noch kommen können.</p>
<h4>Handeln zwischen Leiden und Freude auf allen Ebenen</h4>
<p>Wahrscheinlich könnte sich unsere Beziehung zu planetarem Freud und Leid noch sehr viel rasanter entfalten, wenn wir nicht sehr gute Gründe hätten, sie im Zaum zu halten. Was tun wir, wenn wir leiden? Wenn mich persönliche Symptome plagen – gehe ich zum Arzt oder zum Therapeuten oder Berater usw.. Wenn in meiner Familie Spannungen auftauchen – suche ich Gespräche, bemühe mich um Lösungen oder ziehe ggf. Konsequenzen. Wenn in meiner Stadt etwas gegen meinen Willen und wider  meine Freude geschieht – gründe ich eine Bürgerinitiative, wende mich an die lokale Presse, oder ich ziehe sogar in eine andere Stadt. Wenn in meinem Land herumgemurkst wird – dann wähle ich eine andere Partei, finde eine öffentliche Form des Protests oder wandere sogar aus. Aber – wenn ich das Empfinden habe, dass auf meinem Planeten Dinge fürchterlich schief laufen – was mache ich dann? Die Antwort auf diese Frage ist so viel und grundlegend schwieriger als die vorherigen, dass es emotional normalerweise ein großes Verlustgeschäft ist, zu tief in das hineinzuspüren, was ich den „inneren Planeten“ oder die eigene „weltzentrische Ebene“ nennen würde. Genau das mag ein wichtiger Grund dafür sein, dass die meisten gerade derjenigen Menschen, die eigentlich gute Fähigkeiten zu planetarer Sensibilität verwirklichen könnten, lieber davon ausgehen, dass die Harmonisierung der Innenwelt des Einzelnen oder die Veränderung des direkten eigenen Umfeldes ohnehin viel wichtiger seien. So erspart man sich akuten Schmerz und nagende Hilflosigkeits– und Versagensgefühle. Doch der Preis dafür ist hoch – eine  subtile, kollektive Bedrücktheit und effektive globale Passivität.</p>
<h4>Globale Bewegungen – Vielfalt auf der Suche nach Einheit</h4>
<p>Im  Sommer 2011 bin ich aufgebrochen, um meine langjährige Vision zu verwirklichen: Unter dem Titel ‚Globologom‘ eine Plattform entstehen zu lassen, und mit dieser Plattform alle globalen Initiativen und Bewegungen zu entdecken und in einen Überblick zu bringen, ihre Entwicklungen zu monitoren und ihre Ambitionen und Wirkungen gleichsam aus einer Perspektive der Schöpfung selbst und aus einer Perspektive des Planeten zu kontextualisieren. Seien es Bewegungen, die im Kleinen wirken und sich als Modell verstehen für ein neues planetares Sein und Werden mit mehr Freude und weniger Leid, oder seien es Bewegungen, die tatsächlich ein direktes Mit– und Einwirken auf das Ganze des Planeten im Sinn haben. Die Gesamtheit all dieser Bewegungen, und es werden immer schneller immer mehr, stelle ich mir vor als genau den Entwicklungsschritt des Planeten Erde, eine noch weiter vertiefte Selbsterkenntnis und erstmalig eine bewusste Selbstkompetenz zu entwickeln. Wenn wir Menschen so etwas wie die Nervenzellen und als Menschheit damit vielleicht etwas wie ‚das Hirn‘ der Erde verkörpern, so sind für mich diese von Klugheit und Liebe getragenen Bewegungen wie eine neue Art von Gehirnwellen, sich ausbreitende Aktionspotenziale, die zunehmend durch die Menschheit hindurchblitzen.</p>
<p>Ich bin mit dieser Vision ‚Globologom‘ noch gar nicht weit gekommen, weil ich mich unterwegs bzw. noch in der Aufbruchsphase hoffnungslos in einzelne dieser Initiativen und Bewegungen verliebt habe, so dass es mir ein viel stärkeres Bedürfnis wurde, mitzuwirken, als gemäß der ursprünglichen Absicht auf der Meta-Ebene zu bleiben.</p>
<h4>Simpol – eine neue Perspektive und Strategie</h4>
<p><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/Simpol-Logo-D.jpg" rel="lightbox[4264]"><img class="alignright  wp-image-4269" title="Simpol Logo D" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/Simpol-Logo-D-300x298.jpg" alt="" width="200" /></a>Seit Herbst 2011 ist meine große Liebe die <em>International Simultaneous Policy Organization</em>, kurz ISPO, mit ihrer Kampagne ‚Simultaneous Policy‘, kurz ‚SIMPOL‘. Das Erkennen der Durchdachtheit, Weisheit und Verheißung in dieser Kampagne hat meinen persönlichen ‚planetaren Schmerz‘ auf einen Schlag zu einem sehr großen Teil in handlung</p>
<p>sfähige Begeisterung umgewandelt. Aus meiner jetzigen Sicht ist Simpol ein Blick auf ein Licht am Ende eines Tunnels, der bereits jetzt unendlich wohltuend ist, obwohl der Weg bis zum Ende des Tunnels noch gegangen werden muss und es natürlich gut möglich ist, dass sich bis zum Tunnelende noch neue und andere Perspektiven ergeben. Aber: <em>Das Licht und ein plausibler Weg</em> <em>dahin</em> sind JETZT erkennbar, und das heilt JETZT meine persönliche ‚globale Lähmung‘. Eine zuvor bestehende Spaltung zwischen Empfinden und Handeln ist aufgelöst.</p>
<p>SIMPOL verbindet jeden einzelnen (Welt-)Bürger auf neue Weise mit seinen Politikern und mit drängenden globalen Problemen. Wie diese neue Beziehung zwischen Ich und Welt entstehen kann soll im Folgenden zusammengefasst werden.</p>
<p>„Divide et impera“, „teile und herrsche“, haben bereits die Altvorderen gewusst, und wenn wir es frei übersetzen mit ‚Was geteilt ist, wird überwältigt‘, fangen wir an zu verstehen, warum die Bürger dieser Welt, die sich bisher (im wesentlichen) in Nationen verfasst haben, zu Wohl und Wehe von einer Wirtschaft beherrscht werden können, die längst und in jeder Sekunde global und in diesem Sinne ungeteilt ‚handelt‘. Als „destruktiven internationalen Wettbewerb“ bezeichnet John Bunzl, ISPO-Initiator, dieses Muster. Es entspricht aus spieltheoretischer Sicht dem Gefangenendilemma und läuft darauf hinaus, dass keine Nation, nicht einmal unvollständige Gruppen von Nationen, mit Maßnahmen zur Nachhaltigkeit und zum Wohl des größeren Ganzen voranschreiten können, weil eine global agierende Wirtschaft dieses Land dann einfach meiden würde. Die Globalisierung bringt es mit sich, dass das Kapital heute nicht mehr innerhalb nationaler Grenzen ‚gefangen‘ ist, sondern sich frei bewegen kann. Und so würde ein solches Land als Schrittmacher sofort ‚kaltgestellt‘ bzw. über den Umweg der Bürger würden die dortigen Regierenden durch Abwahl oder Revolution deaktiviert  (kaum einer ist gerne arbeitslos und sieht gelassen zu, wenn die Jobs in andere Länder abwandern) und das Land würde sich mit einer neuen Regierung den ‚Gesetzen der globalen Wirtschaft‘, den ‚Sachzwängen‘ und ‚alternativlosen Schritten‘ etc. wieder beugen.</p>
<div id="attachment_4270" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/090.jpg" rel="lightbox[4264]"><img class=" wp-image-4270" style="margin-left: 10px;" title="John Bunzl" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/01/090-270x300.jpg" alt="" width="150" /></a><p class="wp-caption-text">Simpol-Gründer John Bunzel</p></div>
<p>Simpol ist nun so etwas wie eine Stück für Stück zu erarbeitende globale Verabredung. Man kommt darin überein, Handlungen, die global vital erforderlich sind, die aber bis dahin am Gefangenendilemma scheitern, zeitgleich in allen (oder fast allen) Ländern durchzuführen – so dass kein Land von der Wirtschaft dafür durch Ausweichen ‚abgestraft‘ werden kann. (In dieser Sicht der Dinge ist auch die Wirtschaft nicht ‚böse‘ oder ‚zu gierig‘, sondern einfach in Form ihrer Unternehmen strukturell auf Gewinn und nicht auf ein Gemeinwohl ausgerichtet. Die Wirtschaft alleine (und insbesondere die Finanzwirtschaft) ‚kann nicht anders‘ und darunter leidet sie längst selbst. Genau deshalb fordern selbst immer mehr Wirtschafts-Analysten dringend den Aufbau einer funktionierenden, schützenden Gegen-Kraft oder allgemeinen Regulierung der Branche).</p>
<p>Diese weltweite Verabredung zu global synchronisiertem Handeln wird erarbeitet, indem wir Wähler von unseren Politikern verlangen, bei dieser Verabredung mitzumachen. Als Politiker bei dieser Verabredung mitzumachen heißt, sich schriftlich darauf zu verpflichten, am Umsetzen der Simpol-Maßnahmen aktiv und mit höchster Priorität mitzuwirken, sobald alle (oder die für eine Maßnahme notwendigen) Länder „mit im Boot“ sind. Ein Land kommt mit ins Boot, indem es von Politikern regiert wird, die ebenfalls im Boot sind. Die Botschaft aller Simpol-Unterzeichner an alle Politiker ist: bei der nächsten Wahl wähle ich, im Rahmen des vernünftig Zumutbaren, nur noch solche Politiker oder Parteien, von denen ich weiß, dass sie Simpol unterzeichnet haben.</p>
<p>Wahlen werden oft sehr knapp entschieden. Das hat auch mit dem oben beschriebenen relativen Bedeutungsverlust nationaler Politik zu tun. Somit kann schon ein sehr geringes Simpol-Wechselwähler-Potenzial den Ausschlag für den Wahlausgang geben und das Zünglein an der Waage spielen. Das wiederum wissen die Politiker.</p>
<p>Die Erfahrungen in Großbritannien (<a href="http://www.simpol.org.uk/" rel="external nofollow">http://www.simpol.org.uk/</a>) haben gezeigt, dass Politiker und Parlamentsmitglieder erstaunlich schnell bereit sind, sich auf Simpol zu verpflichten, unter anderem, weil sie hierbei nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen haben. Umgekehrt haben sie einiges zu verlieren, wenn ihre Wähler zu den anderen Parteien wechseln, die Simpol unterstützen.</p>
<p>So kommen wir zunehmend zu etwas, was an Goethes dialektische Variation über ‚Divide et impera‘ erinnert: „Entzwei und gebiete! Tüchtig Wort. – Verein und leite! Besserer Hort“.</p>
<p>Inhaltlich werden Vorschläge zu Simpol-Maßnahmen in einem sukzessiven und Länder-internen Prozess erarbeitet, der parallel läuft zum strukturellen Prozess des Aufbaus der globalen ‚Verabredung‘. Erst zum Zeitpunkt der Simpol-Bereitschaft von allen (oder allen für eine Frage relevanten) Ländern kommt es zur Umsetzung, so dass die Inhalte dann ohnehin auf diesen Tag hin aktualisiert werden müssen. Wichtig ist, dass nur solche Inhalte überhaupt ‚Simpol-fähig‘ sind, die <em>nicht ohne Wettbewerbsnachteil national ges</em><em>taltbar</em> sind, weil sie eben im globalen Gefangenendilemma ‚klemmen‘. Alles, was einzelne oder wenige Länder ohne kritische wirtschaftliche Nachteile lösen und gestalten können, bleibt sinnvollerweise auf der Länderebene.</p>
<p>Um als globaler Aktionsplan in Frage zu kommen, muss Simpol auch für Nicht-demokratische Länder anschlussfähig sein. In diesen Ländern sind es dann nicht die Bürger, sondern die Regierungen oder Regime, die am Ende lieber kooperieren als in einer globalen Krise mit unterzugehen, und denen aufzuzeigen ist, dass Simpol nur solche Maßnahmen umsetzt, die als allparteiliche win-win-win-Lösungen darstellbar sind. Simpol-Lösungen müssen immer zeigen können, dass die Vorteile der Kooperation auf transnationaler Ebene jene Vorteile eigennützigen Agierens auf der nationalstaatlichen Ebene überwiegen.</p>
<p>Zur Gewährleistung dieses allparteilichen win-win-win-Charakters von Maßnahmen können zusätzliche politische Techniken erforderlich sein wie beispielsweise die Bündelung von Maßnahmen zu Paketen aus zwei oder mehr Einzelmaßnahmen. Diese sind dann so zu designen, dass Asymmetrien in Maßnahme x (mögliches Beispiel: Anfangskosten einer CO2-Reduktion in manchen Ländern höher als in anderen) spiegelbildlich kompensiert werden können durch Asymmetrien in Maßnahme y (mögliches Beispiel: angepasste Ausschüttung eines globalen Finanztranskations-Steuer-Ertrags). So ist erstens die Attraktivität für alle herstellbar und können zweitens mehrere Probleme zugleich angegangen werden.</p>
<p>Die parallelen Simpol-Kampagnen in immer mehr Ländern tragen dazu bei, nach und nach immer mehr „Perlen der Unterstützung auf die globale Perlenkette aufzureihen. Der Teufelskreislauf des destruktiven internationalen Wettbewerbs wird nach und nach ersetzt durch den Tugendkreislauf der Bekundung transnationaler Kooperationsbereitschaft. Mit der wachsenden globalen Unterstützung ist die Frage dann nicht mehr, warum eine Nation mitmacht, sondern, warum nicht – nicht mehr die Frage, ob, sondern nur noch, wann die simultanpolitische Regulierung in Kraft tritt“ (Dennis Wittrock auf <a href="http://www.integralesforum.org" rel="external nofollow">www.integralesforum.org</a>).</p>
<p>Sicherlich ist Simpol aus Sicht vieler politischer Aktivisten und vieler Menschen, deren wunderbares und wichtiges Engagement man einem ‚Global Justice Movement‘ zuordnen könnte, ungewohnt. „Moment mal, gegen wen seid ihr denn nun eigentlich?“ Auf diese Frage gibt es keine gute Antwort – Simpol ist im Grundansatz sozusagen „dafür“ bzw. „dafür+“. Man könnte vielleicht sagen: FÜR eine größte derzeit vorstellbare menschliche Vereinigung – eine Vereinigung in aller Vielfalt, eine Vereinigung im weltbürgerlichen Handeln.</p>
<h4>Die faszinierende Herausforderung</h4>
<p>Bei all dem muss man sicherlich schon sehr, sehr tief in das eigene Vorstellungsvermögen eintauchen, um sich den gesamten hier skizzierten Weg von einem inspirierten JETZT bis zum Ende dieses Tunnels lebendig als real-werdend vorzustellen. Aber vielleicht ist ja genau das – der hartnäckige Versuch, sich so etwas in vielen, vielen lebendigen Details vorzustellen – eine wunderbare Übung, um die Wahrscheinlichkeit ebendieses Real-Werdens wieder ein kleines Stück zu erhöhen. Hier können wir vielleicht von Angela Merkel lernen, die von ihrer Angewohnheit berichtete, Dinge „vom Ende her“ zu denken. Immerhin ist sie auf diese Weise Kanzlerin geworden. Ein Aspekt von Simpol ist durchaus, eine aufregende Geschichte vom Ende her (allerdings zugleich auch vom Anfang und den Zwischenschritten her) zu denken und – genauso wichtig – zu fühlen, und so einen Geschmack von der darin enthaltenen Freude zu bekommen: „Can you smell the coffee?“  (Wer keinen Kaffee trinkt hat sicherlich ein eigenes Bild für das Gemeinte).</p>
<p>Wissend, dass auch ein solches Ende nur wieder ein neuer Anfang ist…</p>
<p>Ein nächster (kostenloser und schneller) Schritt auf diesem Weg ist das (unverbindliche) Unterzeichnen der Kampagne!<br />
Den Link dazu finden Sie hier:</p>
<p><a href="http://www.simpol.org/en/adopt/Adopt_FS.html" rel="external nofollow">http://www.simpol.org/en/adopt/Adopt_FS.html</a></p>
<p><em>Weitere Unterstützung der deutschsprachigen Simpol-Kampagne:</em></p>
<p><em><a href="http://www.betterplace.org/de/projects/8544-simultanpolitik-kampagne-fur-deutschland" target="_blank" rel="external nofollow">http://www.betterplace.org/de/projects/8544-simultanpolitik-kampagne-fur-deutschland</a></em></p>
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