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	<title>OpenMindJournal &#187; Weiterbildung</title>
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	<description>Das Online-Journal für den Wandel in Bewusstsein, Kultur und Technologie</description>
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		<title>Gastgeber im Neuland sein</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Apr 2013 08:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<description><![CDATA[Von Wandlungspionieren, Wissensnomaden, Visionauten und Sinnsuchern. Den Wunsch, Menschen zu begleiten und Projekte für den Wandel umzusetzen, teilen Bildungsorganisationen aus ganz Europa, die sich in einer Lernpartnerschaft austauschen und gegenseitig ermutigen. »Willkommen in einer alternativen Bildungslandschaft«, klingt es in mir, als ich abends das kleine Souterrainlokal in Berlin verlasse. Glücklich steige ich auf mein Fahrrad [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Von Wandlungspionieren, Wissensnomaden, Visionauten und Sinnsuchern.</h2>
<p><em>Den Wunsch, Menschen zu begleiten und Projekte für den Wandel umzusetzen, teilen Bildungsorganisationen aus ganz Europa, die sich in einer Lernpartnerschaft austauschen und gegenseitig ermutigen.</em></p>
<div id="attachment_5702" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/image1_hires.jpg" rel="lightbox[5698]"><img class=" wp-image-5702  " style="margin-left: 10px;" alt="© Foto: hostingtransformation.eu" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/04/image1_hires-300x224.jpg" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: hostingtransformation.eu</p></div>
<p>»Willkommen in einer alternativen Bildungslandschaft«, klingt es in mir, als ich abends das kleine Souterrainlokal in Berlin verlasse. Glücklich steige ich auf mein Fahrrad und radle durch die fremde Stadt. Ich komme vom ersten Treffen unserer Lernpartnerschaft »Hosting Transformation« und bin beflügelt von den spannenden Projekten, in denen Bildung ganz anders gelebt wird, als ich es in  Schule und Uni erlebt habe. Es ist der Beginn einer Reise, die uns quer durch Europa führen wird.</p>
<p>Jahrelang stand ich vor einer inneren Zerreißprobe: Der Wunsch, zu einer zukunftsfähigen Welt beizutragen und die Sehnsucht, ein selbsterkennender Mensch zu werden, wollten nicht zusammenfinden. Die Auflösung dieser Spannung begann vor drei Jahren. Ich war Teilnehmer beim »Lerngang« der »Pioneers of Change« und lernte in dem Jahr nicht nur Handwerkszeug für den Aufbau sozia­ler Projekte, sondern ebenso innere Klarheit und Ausrichtung für meinen persönlichen Weg. Damit war nicht mehr getrennt, was vorher zweierlei schien: Meine eigene Entfaltung und mein Beitrag für die Welt. Seitdem begleitet mich der Satz: »Wo sich meine Gaben mit den Bedürfnissen der Welt treffen, dort liegt meine Berufung.«</p>
<p>Seit dieser Zeit staunte ich umso mehr, wie wenig Stellenwert die Frage nach den eigenen Gaben und nach den Wegen, sie in die Welt zu bringen, in der Schule und in der Uni hat. So begann ich im Winter 2010 bei den Pioneers of Change mitzuarbeiten, und mein Wunsch wuchs, weitere ähnlich gelagerte Bildungsprojekte in Europa kennenzulernen. Wie es der Zufall wollte, riefen kurz darauf Boris und Jutta Goldammer von der Berliner »Akademie für Visionautik« bei uns an und luden uns ein, Teil einer EU-Lernpartnerschaft zu werden. Eine Einladung, der wir mit Freude folgten. Ein halbes Jahr später saßen wir im Zug von Wien nach Berlin. Es war das erste von sieben Treffen, an dem sich Vertreterinnen und Vertreter von sieben Bildungsprojekten beteiligten – von den Pioneers of Change aus Wien, der Akademie für Visionautik aus Berlin, vom »Youth Initiative Program« aus Schweden, dem Lernort Embercombe aus Südengland, den »Knowmads« aus Amsterdam, dem Kunstzentrum »Art Monastery« aus Italien sowie der »Society of Organisational Learning« (SOL) aus Ungarn.</p>
<h4><strong>Im geschützten Freiraum</strong></h4>
<p>Als wir gut zwei Dutzend Menschen aus den verschiedenen Organisationen uns beim ersten Treffen über unsere Projekte, ihren Arbeitsalltag und die Herausforderungen austauschen, bleibt uns regelrecht die Spucke weg angesichts der starken Parallelen, die sich überall zeigen. Wir merken, dass wir uns gerne intensiver kennenlernen möchten und dafür mehr Zeit brauchen, als von den Gastgebern geplant. Spontan ändern wir den Ablauf des Treffens. Schon darin spiegelt sich ein gemeinsamer Arbeitsstil aller Beteiligten – das »Mitgehen im Fluss«. Statt ein fixes Programm durchzuboxen, lieben wir es, zu spüren, was gerade wirklich ansteht, und dies auch umzusetzen. Wenn wir uns gegenseitig von der Methodenvielfalt in unseren Bildungsprozessen erzählen, werden weitere Gemeinsamkeiten deutlich. Da begegnen sich tiefe Gespräche mit knackigen Präsentationsformen, Arbeit in der Natur mit klarem Projektdesign, Kommunikation im Team mit dem Layout einer Homepage, Feuerlauf mit Finanzierungskonzepten und Tiefenökologie mit Theorieimpulsen. Lernräume sind offenbar so vielfältig wie die Innenräume der Menschen.</p>
<p>»Hosting Transformation« ist der englische Titel unserer Lernpartnerschaft, was soviel bedeutet wie »Gastgeber des Wandels sein«. Gemeint ist damit vor allem die Kunst, Freiräume zu schaffen, in denen das entstehen kann, was da sein will: Der Raum der Visionauten in Berlin ist sauber und schlicht, die Wände dürfen Leinwand für den gemeinschaftlichen Prozess werden und füllen sich bald mit Post-its und bunten Blättern. Wir wechseln zwischen lockeren Übungen, Gesprächen in Kleingruppen und intensiven Diskussionen im großen Kreis. So fühlen wir uns pudelwohl und geborgen. Es ist eine besondere Qualität, eine möglichst sichere und klare Atmosphäre zu schaffen, in der über wesentliche Dinge offen gesprochen werden kann – wie das gelingt, wird eines unserer gemeinsamen Themen.</p>
<p>Unseren Lernansatz bezeichnen wir im Lauf der Gespräche zunächst intuitiv als »transformatives Lernen«. Der Erziehungswissenschaftler Edmund O’Sullivan beschreibt diese Qualität als die »Erfahrung einer tiefen, strukturellen Veränderung in den grundlegenden Bereichen des Denkens, Fühlens und Handelns. Es bedeutet einen Wandel des Bewusstseins, der die Art und Weise, auf die wir uns selbst innerhalb der Welt empfinden, tiefgehend und unwiederbringlich verändert«.</p>
<p>Wie lässt sich freie Bildung finanzieren?<br />
Aber wo Licht scheint, gibt es auch Schatten. In unserem Kreis gibt es auch Gemeinsamkeiten bei schwierigen Themen: Dass wir finanziell nicht genährt sind und über unsere natürlichen Grenzen hinaus arbeiten. Dass wir selbst noch junge Pflanzen mit zarten Trieben sind, die versuchen, in diesem System zu überleben, dass auch unser Einsatz für den Wandel oftmals an und über die eigenen Kräfte geht, und dass wir unserem Anspruch, als »gute Beispiele« für die Teilnehmenden voranzugehen, leider nicht immer gerecht werden. Es tut gut, dies unter Gleichgesinnten ansprechen zu können. Wir nehmen uns das Permakulturprinzip »Das Problem ist die Lösung« zu Herzen und wählen diese Herausforderungen als Themenschwerpunkte für die nächsten beiden Treffen.</p>
<p>So steht unsere gemeinsame Arbeit in Amsterdam unter der Frage: Wie können wir unsere Bildungsangebote auf finanziell gute Beine stellen? Die einzelnen Projekte finanzieren sich sehr unterschiedlich: Während manche Beiträge erheben und andere sich rein über öffentliche Förderungen finanzieren, übernehmen die Knowmads Aufträge für Firmen, die von den Studierenden umgesetzt werden. YIP in Schweden hat mittlerweile ein weites Netzwerk von Partnerinnen und Partnern aufgebaut und kann neben den Geldbeiträgen auf Schenk– und Tauschwirtschaft zurückgreifen. Mein Möglichkeitshorizont weitet sich. Wir haben für die Pioneers of Change leider noch kein Geheimrezept für die ultimative Finanzierungsmethode entdeckt, doch dafür kehren wir mit viel Inspiration zurück.</p>
<p>Wie könnte Bildung als Gemeingut so organisiert werden, dass sie Menschen offen zugänglich ist und dass diejenigen, die den Bildungsraum halten, dabei genährt sind? Vor allem, wenn wir uns nicht in eine Uni-Struktur begeben oder von öffentlichen Förderungen abhängig machen wollen. Können sich die Teilnehmer gegenseitig unterstützen? Selbst entscheiden, was sie bezahlen – in einem gewissen Rahmen? Damit experimentieren wir gerade. Welche anderen Formen von Ausgleich gibt es noch außer Geld? Können Bildungsangebote in alternative ökonomische Strukturen wie Tauschringe verwoben werden? An dieser Stelle gibt es noch viel Entwicklungspotenzial. Bei den Pioneers of Change nähern wir uns dem Thema derzeit mit Übungen zur Schenkökonomie an.</p>
<h4><strong>Ein Lernort zum Arbeiten und Träumen</strong></h4>
<p>Die Frage nach der persönlichen Balance ist Thema des nächsten Treffens, das im Süden Englands stattfindet. Inmitten von Wald, Jurten, einem riesigen Gemüsegarten und zahlreichen Bildungsprojekten lernen wir in Embercombe von Ort und Menschen, was es heißt, Kultur und Natur sowohl zu verbinden als auch zu unterscheiden. Was in uns lassen wir wild – und was kultivieren wir?</p>
<p>Ich habe das Gefühl, nach Hause zu kommen. Wir sind eingebunden in die tägliche gemeinsame körperliche Arbeit im Garten und im Wald, wir lernen von der Erde. In Embercombe leben zehn Menschen und freiwillige Helferinnen und Helfer; wöchentlich kommen neue Gruppen, um mit und in der Natur zu lernen. Innerhalb der großen Gemeinschaft, die sich jeden Tag trifft, im Kreis sitzt, den Tag bespricht und eine klare, einfache Organisationsform hat, wirkt das Leben in Embercombe wie von selbst katalysierend für persönliche Prozesse. Ich schlafe alleine im Wald, springe in der Früh in den See, und nachmittags sitzen wir in einem umgebauten Flugzeughangar um Flipcharts. Es ist ein erdiger, aber sehr feiner Ort; hier gibt es Matsch (sehr viel Matsch), Einfachheit, liebevolle Blicke, feine Details am Wegesrand und wunderbares Essen. Jeden Morgen geht eine Person für eine Stunde als »Träumer« hinaus in den Wald und hört, spürt, fühlt, was der Ort zu sagen hat und braucht.</p>
<p>In den folgenden Monaten besuche ich das »Schumacher College« in England, entdecke viele Gemeinsamkeiten der Pioneers of Change mit dem Bildungsjahr »Project Peace«, erfahre von der »Bee School« in Leipzig, vom »Peace Lab« in Steyerberg und dem »One Year in Transition Training«. Ich treffe Menschen aus den Netzwerken des Ökodorf-Trainings »Gaia Education« und der »Kaospiloten« und lese von der »Team Academy«. Auch hier spüre ich wieder diese Kultur des Lernens, eine ähnliche Qualität des Herzens und die gleichen Intentionen. In mir wird es wohlig warm: All das sind Imagozellen wie bei der Verwandlung der Raupe in einen Schmetterling. Während sich die vollgefressene Raupe verpuppt und innerlich auflöst – nur das Herz schlägt weiter – bilden diese Zellen Strukturen, die das Bild des verwandelten Wesens schon in sich tragen. Der Bildungs-Schmetterling wächst.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmal im Magazin OYA anders denken. anders leben, <a href="http://www.oya-online.de/article/read/953-gastgeber_im_neuland_sein.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 19/2013</a></em></p>
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		<title>Wie werden wir in Zukunft lernen?</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2013/03/20/wie-werden-wir-in-zukunft-lernen/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 Mar 2013 14:30:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
				<category><![CDATA[a_Neuigkeiten]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Ausflug in die Bildungsmöglichkeiten der virtuellen Welt. Weltweit webt die Spinne der informativen Entgrenzung ihr Netz. Sie bahnt Wege in eine neue Bildungslandschaft, in der Wissen Gemeingut wird. Die Vision eines selbstorganisierten, freien, offenen und partizipativen Lernens – ob in oder jenseits von Universitäten – wird nicht zuletzt durch das Internet angetrieben. Das Zeugnismonopol [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Ein Ausflug in die Bildungsmöglichkeiten der virtuellen Welt.</h2>
<p><em>Weltweit webt die Spinne der informativen Entgrenzung ihr Netz. Sie bahnt Wege in eine neue Bildungslandschaft, in der Wissen Gemeingut wird.</em></p>
<div id="attachment_5649" class="wp-caption alignright" style="width: 213px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/lernen_in_der_zukunft.jpg" rel="lightbox[5647]"><img class="size-medium wp-image-5649" alt="© Foto: www.pheist.net" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2013/03/lernen_in_der_zukunft-203x300.jpg" width="203" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">© Foto: www.pheist.net</p></div>
<p>Die Vision eines selbstorganisierten, freien, offenen und partizipativen Lernens – ob in oder jenseits von Universitäten – wird nicht zuletzt durch das Internet angetrieben. Das Zeugnismonopol der Universität, teure Lernmaterialien, ideologiedurchtränkte Lernstoffe, frontale Rednerkanzel, Massenabfertigung mit Konservenlehrbüchern, lineare Stoffanordnung, unmotivierte Lernende und Lehrende, fixe Zeiten, Orte und Lerngeschwindigkeiten – all das verlangt nach neuen Formen.</p>
<p>Ich selbst kam mit Online-Lernen in Berührung, als sich in der Oberstufe mein Verhältnis zu Schule und Lernen in zweierlei Hinsicht radikal änderte: Plötzlich entwickelte ich ein hohes Interesse für die Inhalte, die wir in der Schule lernten, doch gleichzeitig begann ich, unter der Herzlosigkeit und fehlenden Ganzheitlichkeit des Schulbetriebs sehr zu leiden. Ich konnte nicht verstehen, warum eine so spannende Welt in diese unmenschliche Form gepresst wurde. Immer gab es einzelne Lehrer, die eine Aura der Begeisterung umgab, in die sie unsere Geister einzufangen verstanden, um sie zugleich zu bewegen und zu besänftigen. Doch diese Ausnahmen konnten meine Entfremdung von der Schule kaum aufhalten. An ihrer statt besuchte ich nun immer häufiger Lehrende und Lerner in weiter Netzwelt: Neben dem Buch und dem persönlichen Gespräch fand ich in Video– und Audiovorlesungen und der multimedialen Internetrecherche weitere Wege, die für meine persönliche Lernreise geeignet schienen. So habe ich mich am ungastlichen Schulbesuch nicht zu sehr erkältet.<br />
Dieser Ausschnitt aus meinem persönlichen Lernweg ist einer von unendlich vielen. Jeder Mensch lernt auf seine ganz eigene Weise, aber für diese mögliche Vielfalt ist in den herkömmlichen Strukturen kein Platz. Deshalb sind neugierige Menschen herausgefordert, die sonnigen und abenteuerlichen Pfade des Selbstlernens auf eigene Faust zu erkunden. Im Internet sprießen Selbst– und Zusammenlernprojekte aus allen Ecken! Sie eint der Wille, dem Lernen jene kindliche Begeisterung wieder einzuhauchen, die in lebensfeindlicher Lernkultur verlorengegangen war.</p>
<p><strong>Wer hält den besten Vortrag zum Thema?</strong><br />
Seit vielen Jahren stellen einige Universitäten und Konferenzveranstalter in den USA, in Deutschland und anderswo Videoaufnahmen mancher Vorlesungen der Öffentlichkeit zur Verfügung. Beispiele sind die »Yale Open Courses«, der »TIMMS-Server« der Uni Tübingen und die »OpenLearnWare« der TU Darmstadt. Vor allem durch die Software »iTunes U«, mit der sich Online-Kurse selbst herstellen lassen, sind einige dieser Materialien mittlerweile weit verbreitet. Besonders inspirierend finde ich die (Konferenz-)Vorträge auf fora.tv und ted.com.</p>
<p>Unter den YouTube-Lehrern hat sich vor allem die »Khan Academy« einen Namen gemacht. Sie beruht auf dem Gedanken, das Verhältnis von Unterricht und Hausaufgaben in der Schule teilweise umzukehren. Ich erinnere mich noch gut an die Erleichterung, die oberprima.com 2010 für einige Schüler und Lehrer meines Abiturjahrgangs bedeutete. Plötzlich gab es für jeden Schüler einen zweiten Mathelehrer, den man zu Rate ziehen konnte, wenn man die Erklärungen des ersten nicht verstand. Schule ließe sich doch auch so gestalten: Die Schüler lernen zu Hause mit Büchern, ­Videos, Audios, Quizaufgaben etc. in realen und digitalen Lerngruppen, während der Unterricht dazu genutzt wird, Stoffe zu vertiefen, Fragen zu stellen und Übungsaufgaben unter der Betreuung von Lehrern zu lösen. Ihren favorisierten (Video-)Erklärer können sich die Lerner dann selbst aussuchen oder sich auch mehrere Erklärungen des gleichen Stoffs anschauen – geleitet vom eigenen Interesse. Das Video kann jederzeit angehalten oder das Lesen unterbrochen werden: Jeder arbeitet nach seinem eigenen Tempo. In wievielen Unterrichtsstunden, wievielen Vorlesungen habe ich gesessen, in denen die Schüler einer nach dem anderen abschalten mussten, weil niemand mehr mitgekommen ist? Solche Versagens­erfahrungen können Angstzustände und Lernblockaden auslösen. Wer aber nach dem eigenen Tempo lernt, kommt immer mit!</p>
<p><strong>Bildungstrampelpfade zur Emanzipation des Lernens</strong><br />
Eine große Frage des zukünftigen Lernens betrifft die veränderte Rolle der Universitäten, deren Machtmonopol wankt. Ein Meilenstein für die Emanzipation des Lernens von der Universität war die Gründung von »Udacity.« Der Stanford-Professor für Informatik Sebastian Thrun beschloss 2011, sein Kursprogramm nicht mehr nur einer Elite von wenigen Hundert, sondern interessierten Hunderttausenden nahezubringen – eine Wohltat für viele Menschen weltweit, die zwar mit Begeisterung, aber nicht mit Geld gesegnet sind. Mittlerweile sind 20 Kurse (bisher vor allem Informatik) im Internet veröffentlicht, und mehrere Hunderttausend Teilnehmer haben bereits vom Programm profitiert. Nach dem Semester gibt es ein kostenloses Teilnahmezertifikat. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, gegen eine Aufwandsgebühr eine Prüfung abzulegen. Auf manch einen Udacity-Kurs erteilen deutsche Universitäten wie Freiburg, München oder Berlin bereits Punkte. Zudem verschickt Udacity, wenn man zustimmt, von sich aus Bewerbungen an Unternehmen, die womöglich direkt mit einem Jobangebot aufwarten. Diese Entwicklungen veranschaulichen, wie in der Zukunft einerseits die Universitäten häufiger mit parauniversitären Einrichtungen zusammenarbeiten werden und wie andererseits jene Bildungstrampelpfade, die ganz um die Unis herumführen, zu vielbeschrittenen Straßen werden könnten.<br />
Ich denke, es wird noch dauern, bis sich ein dezentrales und vielfältig normiertes Netz von Zertifizierungsstellen für formelles und informelles Lernen etabliert und das Vertrauen der Arbeitgeber erspielt haben wird. Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich solche Lösungen als Alternative zum Zeugnismonopol der Unis entwickeln. Darüber hinaus sollten selbstverständlich Räume entstehen, in denen ein Lernen jenseits von Bewertungen möglich ist, ohne dass man glaubt, Motivation künstlich erzeugen und den Lern­erfolg in Zahlen und Zeugnissen ausdrücken zu müssen.</p>
<p>Eine radikale Selbstbildnerin kann sich frei nach Interesse ihren Lern– sowie womöglich bald auch ihren Zeugnisplan erstellen. Doch Autodidakt zu sein, bedeutet keinesfalls, alleine lernen zu müssen. Lerngruppen können die verschiedensten Formen annehmen. Zentral ist der Gedanke, die Trennung zwischen Lehrer und Lerner aufzuheben: Jeder lernt von und mit jedem. Das Netz kann hierbei eine enorme Hilfe für die Organisation einer Gruppe sein. Bekannt sind die Plattformen »Moodle« und »Ilias«, die als Inhaltsspeicher und Organisationssoftware dienen und vor allem von Universitäten genutzt werden. Das Berliner Startup »iversity« bietet Gruppen zudem die Möglichkeit, online gemeinsam Texte zu lesen, sie zu markieren und zu kommentieren. Iversity und ähnliche Plattformen sind für den Austausch in Lerngruppen bis hin zur Unterstützung von Online-Gruppentreffen – etwa über Video– oder Audiokonferenzen – sehr nützlich. Wieviel Zeit die Gruppe in fleischlichem Beisammensein verbringen mag, ist natürlich ihr überlassen. Dabei unterstützen Plattformen wie »knowded« oder »The Public School«. Hier finden sich Menschen mit ähnlich gelagerten Lerninteressen und koordinieren Termine, um sich dann lebendig zu treffen.</p>
<p><strong>Treffen in der analogen Welt</strong><br />
The Public School unterstützt in bisher elf großen Städten der Welt Menschen dabei, sich in Lerngruppen zusammenzufinden. Jeder kann ein Thema vorschlagen, und wenn genug Interessierte sich melden, werden ein Zusammentreffen und eine Leseliste vereinbart. In Berlin finden seit 2010 solche Kurse statt, bisher zum Beispiel unter dem Motto »The City and the Political« oder »The Problem of Berlin«.</p>
<p>Hinter der Initiative knowded steht der Gedanke, dass jeder Mensch ein guter Lehrer für bestimmte Inhalte ist – Yoga, chinesisch Kochen, Statistik, Jonglieren oder Flötespielen. So werden Lehrangebote und Lernnachfragen in Abhängigkeit vom Wohnort auf eine virtuelle Pinwand geheftet, die Kontaktaufnahme gestaltet sich unkompliziert, und – schwupps – ist eine Fähigkeit, ein Wissen weitergereicht.</p>
<p>Ähnlich wie bei Gastfreundschaftsnetzwerken trägt das Web hier dazu bei, dass Menschen in Reziprozität – in das Prinzip der Gegenseitigkeit – vertrauen. Das bedeutet, dass jedes Geben schon selbst ein Nehmen ist und dass keine direkte Gegenleistung erbracht werden muss, um einen Tausch zu vollziehen: Ich gebe dir und vertraue darauf, dass ein anderer mir geben wird. Ein Netzwerk, das so funktioniert, ist potenziell viel leistungsfähiger als unsere kapitalistische Tauschgeldwirtschaft, weil diese stets darauf warten muss, dass der Tauschpartner über Geld verfügt, das letztlich immer über eine Kreditkaskade besorgt werden muss. Die verbindende Kraft des Netzes hilft also, der Schuldenspirale eine Geschenkspirale gegenüberzustellen!<br />
Das Verhältnis aus internetbasierten und körpernahen Lernelementen wird ein spannendes bleiben. Es bietet jedenfalls genug Raum für zahlreiche und vielfältige Lernpfade – allein, in Gruppen oder für ganze Gesellschaften. •</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin OYA — anders denken. anders handeln. <a href="http://www.oya-online.de/article/read/928-wie_werden_wir_in_zukunft_lernen.html" target="_blank" rel="external nofollow">Ausgabe 19/2013</a></em></p>
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		<title>Elite-Unis bieten Online-Vorlesungen zum Nulltarif</title>
		<link>http://www.openmindjournal.com/2012/05/04/elite-unis-bieten-online-vorlesungen-zum-nulltarif/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 09:07:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Robert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Weiterbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Harvard und M.I.T. investieren Millionen in gemeinsame Plattform Stanford (pte) — Harvard und das M.I.T. wollen auf der gemeinsamen Online-Plattform edX künftig kostenlos Vorlesungen beider Universitäten ins Netz stellen. Das Non-Profit-Projekt wird von beiden Bildungsinstitutionen mit jeweils 30 Mio. Dollar gefördert, wie die New York Times berichtet. Absolventen von Kursen erhalten eine Beurteilung sowie eine Erfolgsbescheinigung, [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2>Harvard und M.I.T. investieren Millionen in gemeinsame Plattform</h2>
<div id="attachment_4812" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/400835_web_R_K_B_by_René-Golembewski_pixelio.de_.jpg" rel="lightbox[4810]"><img class=" wp-image-4812 " title="Formeln: vom Hörsaal ins Netz" src="http://www.openmindjournal.com/wp-content/uploads/2012/05/400835_web_R_K_B_by_René-Golembewski_pixelio.de_-300x225.jpg" alt="" width="200" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: René Golembewski / pixelio.de</p></div>
<p>Stanford (pte) — Harvard und das M.I.T. wollen auf der gemeinsamen Online-Plattform <a href="http://www.edxonline.org" target="_blank" rel="external nofollow">edX</a> künftig kostenlos Vorlesungen beider Universitäten ins Netz stellen. Das Non-Profit-Projekt wird von beiden Bildungsinstitutionen mit jeweils 30 Mio. Dollar gefördert, wie die New York Times berichtet.</p>
<p>Absolventen von Kursen erhalten eine Beurteilung sowie eine Erfolgsbescheinigung, offiziell angerechnet werden die akademischen Leistungen im Internet aber nicht. Die ersten fünf Kurse sollen ab Herbst 2012 angeboten werden. Auch andere renommierte US-Unis bieten offene Online-Vorlesungen an. Die Firma <a href="https://www.coursera.org" target="_blank" rel="external nofollow">Coursera</a> hat soeben eine Kooperation mit mehreren Institutionen vereinbart.</p>
<h4>Gebündelte Ressourcen</h4>
<p>»Die Tatsache, dass gleich mehrere angesehene Universitäten Angebote im Programm haben und Geld investieren, zeigt, dass das Thema Online-Studium an Relevanz gewinnt. Im deutschsprachigen Raum sehe ich das momentan noch nicht«, sagt Josef Weißenböck von der <a href="http://www.fhstp.ac.at" target="_blank" rel="external nofollow">Fachhochschule St. Pölten</a> gegenüber pressetext.</p>
<p>Das M.I.T. bietet schon seit einiger Zeit gratis Online-Vorlesungen an. Die Plattform MITx wird jetzt zur Basis für die Kooperation mit Harvard. Zuletzt hat eine Elektronik-Vorlesung im März 120.000 Anmeldungen verzeichnet, rund 10.000 Netz-Studenten haben die Halbjahresprüfung bestanden. Die freie höhere Bildung im Internet verzeichnet allgemein einen Boom. »Der technische Fortschritt unterstützt diese Entwicklung, deshalb sind die Erfolgsaussichten besser als beim ersten E-Learning-Boom vor 15 Jahren«, so Weißenböck.</p>
<h4>Neue Möglichkeiten</h4>
<p>Stanford, Princeton, die University of Pennsylvania und die University of Michigan haben gerade verkündet, mit Coursera zusammenarbeiten zu wollen. Der kommerzielle Anbieter hat bereits 14 Mio. Dollar an Venture-Kapital gesammelt. Auch Udacity, das Unternehmen von Ex-Stanford-Professor Sebastian Thrun, liefert spektakuläre Zahlen. Thrun, dessen erste Online-Vorlesung über künstliche Intelligenz über 160.000 Hörer verzeichnete, bietet auf seiner Plattform mittlerweile sechs Kurse an. Mehr als 200.000 Studenten haben sich gemeldet.</p>
<p>Die Vorlesungen orientieren sich derzeit noch stark an traditionellem Unterricht. Die zusätzlichen Möglichkeiten, die das Netz bietet, werden aber zunehmend integriert. Videos, Online-Abstimmungen und sofortiges Studentenfeedback sollen die Art des Unterrichts im Internet künftig noch stärker beeinflussen. Harvard und das M.I.T. wollen längerfristig auch Kooperationen mit anderen Universitäten eingehen, um edX weiterzuentwickeln. Die Plattform soll Wissenschaftlern auch die Möglichkeit geben, Unterrichtsmethoden und –techniken zu erforschen.</p>
<h4>Konkurrenz wird härter</h4>
<p>Neben technischen Vorlesungen, deren Benotung online recht einfach ist, soll es bei edX längerfristig auch geisteswissenschaftliche Angebote geben. Eine Bewertung von Abhandlungen könnte dort durch die Community erfolgen. Coursera bietet schon ein ähnliches System an. Geisteswissenschaftliche Übungen werden hier von Mitstudenten bewertet.</p>
<p>Das Potenzial von kostenloser Online-Bildung auf Spitzenniveau ist groß. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt können von solchen Angeboten profitieren. Allerdings gibt es auch Verlierer bei dieser Entwicklung. »Wäre ich Rektor einer mittelmäßigen Uni, würde ich nervös über meine Schulter sehen. Wenn eine Spitzenuniversität gratis ein Elektronik-Programm anbietet, stellt sich die Frage, ob es für eine Durchschnittseinrichtung überhaupt noch lohnt, ein Konkurrenzprodukt im Programm zu haben«, sagt Georg Siemens von der kanadischen Athabasca Universität.</p>
<p>»Auch die deutschsprachigen Universitäten werden sich durch den globalisierten Markt für Bildungsabschlüsse mittelfristig auf Konkurrenz durch renommierte auswärtige Angebote einstellen müssen, auch wenn das die Führungen vieler Hochschulen noch nicht wahrhaben wollen. Für kleinere Unis wird es schwierig, gegen reiche Institutionen zu bestehen, sie werden auf Differenzierung setzen müssen. Bis dahin dauert es aber noch einige Jahre. Um attraktive Angebote bieten zu können, müssen die US-Elite-Unis Online-Abschlüsse den Präsenzleistungen gleichstellen. Dann werden die Online-Angebote sehr wahrscheinlich kostenpflichtig werden«, sagt Weißenböck.</p>
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