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Achtsamkeit und die iPhone-Generation

Foto: Stefan Ddorf / pixelio.de

In meinem letzten Newsletter musste ich mir echt auf die Zunge beißen, um nicht mit den Worten „Alles neu macht der Mai“ zu beginnen – vor allem, nachdem ich mich hinterfragte, ob er wirklich alles neu macht. Klar, die Natur zeigt Tendenzen der Wiederauferstehung aus der Winterstarre, es grünt so grün, dass selbst Spanien neidisch wird — doch wie steht es mit uns selbst? Sind wir — im Vergleich zum Mai letzten Jahres — neue Menschen? Haben wir unsere Zellen regeneriert, unsere alteingesessenen Meinungen revidiert, unsere Vorurteile eliminiert — und uns insgesamt neu erfunden? Und noch eine Etage tiefer: nehmen wir uns überhaupt die Zeit, über solche Dinge nachzudenken, oder schreit gerade das nächste App danach, heruntergeladen zu werden?

In unserem Leben läuft vieles, oh so vieles, nach ganz bestimmten Mustern ab. Wir leben einen Grossteil unseres Menschenlebens auf Autopilot. Ich denke oft an das unvergessliche Bild von Gary Larson, wo die Amöben-Frau den Amöben-Mann ankeift: „Reiz und Reaktion, Reiz und Reaktion — denkst du eigentlich jemals?!“

Herrlich lustig — aber eine gute Frage. Denken wir überhaupt? Oder andersrum, warum schaffen es die meisten von uns nicht, mit dem Denken jemals aufzuhören, wenn wir doch diejenigen sind, die unser Gehirn — als Eigentümer! — kontrollieren sollen könnten? Ich verweise auf das geflügelte Zitat weiter unten: „Der Verstand ist ein ausgezeichneter Diener, aber ein miserabler Meister.“

Denken Sie einmal für 17 Sekunden darüber nach. (Hallo? Ich sagte nicht, Sie sollen darüber nachgrübeln, warum ausgerechnet 17 Sekunden, sondern darüber, ob Sie der Meister Ihres Lebens und Denkens sind — oder ist’s gar ihr Ego?)

Lassen Sie sich inspirieren und zum Nachdenken animieren – von Menschen, Büchern, dem Leben und dem Universum. Wir sitzen alle im gleichen Zug, doch wir entscheiden, wohin wir blicken und in welchem Abteil wir sitzen. Metaphysisch, aber wahr.

Gib acht!

Gib acht!“ hat nicht immer mit dem zu tun, was Mutti uns als Kind unzählige Male zugerufen hat. Achtsamkeit ist — in unserer westlichen Welt fast vergessen — ein Heilmittel erster Klasse. Einst ein östliches, für viele von uns abstraktes Zen-Prinzip, schleicht sich diese unglaublich starke Lebenshaltung allmählich sogar in die westliche Psychotherapie ein. Wie das geht? Vereinfacht gesagt:

Wenn ich Spaghetti esse, esse ich Spaghetti.“

Wenn ich vom Badezimmer in die Stube gehe, gehe ich vom Badezimmer in die Stube.“

Will heißen: ich tue immer gerade das — und NUR das! — was ich gerade tue und richte meine Aufmerksamkeit darauf. Schluss mit Multi-Tasking und unseren verheerenden Ideen von „alles gleichzeitig“, um Zeit zu sparen, die wir dann blödsinnig mit Smartphone, Facebook, TV und Klatschblättern vergeuden.

Kürzlich sah ich ein Teenager-Mädchen an der Bushaltestelle stehen, ein echter Prototyp: Zigarette im Mundwinkel, Kopfhörer über den Ohren, Mütze tief über die Augen gezogen, iPhone in der linken, Red Bull in der rechten Hand, Zeitung unter den Arm geklemmt. Das, liebe Menschen der westlichen Kultur, ist das absolute Gegenteil von Achtsamkeit! Dieses Mädchen ist das (inzwischen überall wuchernde) Beispiel des Vor-sich-selbst-Davonlaufens.

Achtsamkeit (auf Neudeutsch auch „Mindfulness“ genannt) hat die magische Eigenschaft, unsere gesamte Wahrnehmung des Lebens — und damit das Leben schlechthin — zu verändern. Wenn Sie also die Gelegenheit ergreifen möchten, zu leben, und zwar im JETZT, von Moment zu Moment, statt zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her zu hetzen — suchen Sie sich einen Achtsamkeitslehrer, einen Guru, einen achtsamen Freund, einen Hypnosetherapeuten oder einen Meditations-Profi, und tauchen Sie ein in die wunderbare Welt der Achtsamkeit.

Übrigens: wenn Sie diesen Artikel in knapp 15 Sekunden überflogen haben und gleich zum nächsten hetzen, wissen Sie zumindest bereits, was Achtsamkeit nicht ist… :)


Yves Patak Dr. Yves Etienne Patak, geb. 1968 in Zürich, ist Arzt für Ganzheitliche Lebensberatung, Hypnosetherapie und Akupunktur mit eigener Praxis. Das Schreiben ist seine Passion: drei seiner Bücher sind veröffentlicht, andere literarische Arbeiten mit Preisen ausgezeichnet, weitere Projekte in Arbeit.  Mit zehn Jahren schon entstanden erste Gedichte, mit sechzehn schrieb Yves Patak Kurzgeschichten mit mystischem Unterton. Im Rahmen seines Medizinstudiums verbrachte er drei Monate auf Jamaica. Dort erfuhr er neben medizinisch und kulturell Interessantem manches Unheimliche, das er zum Teil in seinen ersten Roman The Healer (Vantage Press, New York 2005) und in seinen neusten Thriller (Der Screener) einfliessen liess. Diverse Aufenthalte im Fernen Osten, in Indien, Sri Lanka und der Karibik, der Kontakt mit verschiedenen Völkern, Kulturen, Heilmethoden, Riten und Aberglauben haben Yves Patak als Arzt und Autor  inspiriert. So vielfältig seine Interessen in der ärztlichen Tätigkeit sind, so weit gefächert sind sie auch im Schreiben. Schwerpunkt seiner literarischen Arbeit ist derzeit das Genre Mystery Roman / Thriller.

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