Das Drehbuch des Glücks
a_Editors Choice, a_Neuigkeiten, Integral Hero, Kolumnen, Spirit, Weltspiritualität Dienstag, November 29th, 2011
Heute Morgen wachte ich alleine in meinem Bett auf, eingebettet in ein Gefühl des Gehaltenwerdens und erfüllt mit Liebe. Ich hatte das Bedürfnis an den See zu gehen um dort zu meditieren. Als ich gut eingepackt auf meinem umgedrehten Fahrradkorb am Ufer in Versenkung sass, kam plötzlich Ärger in mir hoch. Ärger auf meinen Schöpfer. Nicht meine Eltern, nein den allmächtigen Schöpfer.
Als ich da so sass, war ich so verärgert über ihn, dass er mir dieses Leben gab und mir nicht auch gleich den Wohlstand und das ständige Glück in die Wiege legte. Ich soll ein Teil von ihm sein und hier für ihn auf der Welt die Drecksarbeit machen und habe nicht die Mittel dazu, diesen Job auszuführen? Was soll denn das?
Ich öffnete die Augen und fing an Wünsche auszusprechen, als ich plötzlich realisierte, dass ich überhaupt nicht in der Position bin meine Wünsche auszusprechen. Vor vielen Jahren, ich war damals etwa 18 oder 19 Jahre jung, habe ich nach einem Zeichen gefragt um Gewissheit zu haben, dass es Gott gibt. Ich fuhr damals mit dem Auto und wartete bei Wolken verhangenem Himmel auf einen Sonnenstrahl – ich schrieb ihm sogar noch vor welches Zeichen er mir geben sollte. Dieser Sonnenstrahl kam nicht. Ich verleugnete Gott und hörte auf zu beten. Kirche war für mich ein rotes Tuch und ich fing an mich materiellen Götzen und Göttern zuzuwenden.
Irgendwann mit 30 begann ich mit buddhistischer Meditation und verleugnete immer noch, dass es einen Gott gibt. Der Buddhismus kennt keine Götter, obwohl es so viele Statuen und verschiedene Bilder von Buddha gibt, sind dies alles Aspekte der wahren Buddhanatur, die wir alle in uns haben. Wir sind Buddhas, nur wissen wir es meist nicht. Wir haben es vergessen.
Nun beschäftige ich mich schon länger mit unterschiedlichen spirituellen Traditionen und erkenne immer mehr, wie sich die Bilder doch in der Kernaussage gleichen, und dass der Urgrund, die Essenz und das Ziel in allen das gleiche ist, wir dem nur andere Etiketten und Namen geben. Gott ist für mich schon seit einiger Zeit kein abstrakter Begriff mehr und ich habe auch begonnen mit Spirit in der zweiten Person zu sprechen – das höchste Prinzip mit Du anzusprechen und ins Zwiegespräch zu gehen.
Nun als ich heute da so am See sass, erkannte ich, dass ich dieses Du nicht wirklich ernst nehme, immer nur spreche und gar nicht zuhöre, was mir dieses Du sagt. Ich entschuldigte mich für die vielen Jahre in denen ich Gott verleugnet habe und ihm nicht zugehört habe. Er, der doch immer bei mir ist, der mein Schöpfer, die Schöpfung und das Erschaffene ist, das Eine, das nie geboren wurde und niemals sterben wird. Welchen Namen wir diesem Prinzip auch geben, die meisten Menschen auf der Welt kennen es als Gott. Es ist der Autor unseres Drehbuchs für die Rolle, die wir in diesem Leben erfüllen.
Dieses Bild des Drehbuchs kam eben bei einem Skypeonat mit einem guten Freund in Deutschland. Stell dir mal bildlich folgende Situation vor:
Ein Autor schreibt in ein leeres Buch eine Geschichte. Dieses dient als Drehbuch für die Rolle eines Schauspielers, der sich immer wieder auch gegen diese Rolle wehrt und sich oft unwohl darin fühlt. Durch jedes Widerstreben gegen, oder Hingabe zu dieser Rolle, wird die Geschichte in jedem Moment neu geschrieben.
Ich hatte das Bild des Schauspielers als getrenntes Selbst, als Ego; die Rolle als das einzigartige Selbst, dem, was uns beauftragt wurde in dieser Welt zu verkörpern; die Worte auf den Leeren Seiten sind der Auftrag, der jeweils immer kurz vor dem Moment geschrieben wird, bevor wir in erhalten; die leeren Seiten sind unsere Seele, oder wir können es auch Karma nennen, worauf alles niedergeschrieben wird, was wir zu erfüllen haben; und dann gibt es natürlich noch den Autor, der sich überlegt was für den Schauspieler gerade das richtige wäre. Wir können auch noch die Feder, mit der alles geschrieben wird, als Wahres Selbst in dieses Bild mit hinein nehmen.
Je mehr mein getrenntes Selbst sich mit Händen und Füssen gegen die erhaltene Rolle sträubt, werde ich meinen Auftrag nicht im Sinne des Autors ausführen. Gebe ich mich dem Auftrag hin, vertraue ich der Weisheit des Autors oder Schöpfers meiner Rolle, erkenne ich diese wie auf mich massgeschneidert und bin glücklich in dem was ich tue. Durch die Hingabe an die höchste Wahrheit und Weisheit des Autors, und dem Vertrauen zu diesem, wird jedes niedergeschriebene Wort im Sinne der Geschichte und zum Wohle aller anderen Rollen sein.
In Meditation kann ich mich mit der Feder, dem Wahren Selbst, dem reinen Beobachter, verbinden und möglicherweise in jedem Moment, den Fluss der Tinte mitbestimmen. Vielleicht kann ich nicht direkt die Führung der Feder beeinflussen, doch mit dem Vertrauen kommt die Bewusstheit, dass der Autor mir eine Rolle zuschreibt, in der ich glücklich und erfüllt bin. So werde ich mit der Zeit der Regisseur für meine eigene Rolle und kann bereits bei der Entstehung der Wörter auf dem leeren Papier dabei sein.
Wer oder was unsere Geschichte in das leere Buch schreibt muss jeder für sich selbst erkennen. Wollen wir dem einen Namen geben, oder ist es etwas Unbenennbares? Plotin nannte es das Eine, manche nennen es Gott, wieder andere Deva oder Manitu. Egal welchen Namen wir dafür verwenden, wichtig ist, dass wir uns bewusst werden was es für uns bedeutet, und dass wir uns in der Gemeinschaft darüber austauschen, um ein gemeinsames Verständnis dafür zu bekommen, damit wir wissen wovon die Rede ist, wenn die Begriffe fallen.
Je mehr Schauspieler sich dem Autor hingeben und die zugeschrieben Rolle annehmen, kann so aus dem Melodram ein Abenteuer– oder ein Liebesfilm werden. Durch die ausgeglichene Zusammenarbeit der einzelnen Rollen, oder einzigartigen Selbste, wird der Film des Lebens ein Erfolg und wird so in das Filmarchiv des Universums als Meisterstück eingehen.
Heinz Robert ist Mastermind und Mitbegründer von OpenMindJournal.com, einer der Hosts von Mann-Sein.ch, bietet als IntegralHero seine Dienste als Transformationsbegleiter an, und setzt sich stark für den Bewussten Kapitalismus und eine Globale und Weltspiritualität ein. Zudem ist er auch noch als Freelance Grafiker tätig. Geboren 1970 im niederösterreichischen Blumau-Neurisshof, südlich von Wien, lebt und arbeitet er nun seit Ende 2007 in Zürich. In den Jahren davor brachte ihn seine Heldenreise für je zwei Jahre nach Andalusien und Baden-Württemberg. Im Jahr 2000 begann er nach einem Moment des Erwachens mit buddhistischer Meditation und zwei Jahre später mit dem Studium der Integralen Philosophie und Praxis nach Ken Wilber. Er ist begeisterter 5-Rhythmen Tänzer, Yogi und hat immer wieder neue Ideen, wie die Welt ein besser Ort zum Leben wird. Lebenslanges Lernen, unaufhörliches Wachsen, sich entfalten und entwickeln, achtsame Kommunikation mit Anderen, sowie bewusstes Erleben der Umwelt und der Vorgänge in ihr, sieht er als seine Lebenspraxis.















