Home » a_Editors Choice, a_Neuigkeiten, Brainwave Entrainment, Mind, Neurowissenschaften, Psychologie » Spirituelles Wachstum durch bidirektionale Kausalität

Spirituelles Wachstum durch bidirektionale Kausalität

Seit dem ersten Auftreten des Behaviorismus gab es einen ständig und schnell ansteigenden Trend, die materielle Welt als übergeordnet und die Welt des Bewusstseins als nebensächlich (und dadurch ohne die Fähigkeit von Kausalzusammenhängen) zu interpretieren. Andererseits haben die Weisheitstraditionen üblicherweise daran festgehalten, dass die immaterielle Welt des Geistes elementar ist. Einige der grössten Intellektuellen und spirituelle Persönlichkeiten haben um das Verständnis gerungen, wie die mentalen und materiellen Welten zusammenhängen. In der Philosophie wird dies allgemein das Geist-Körper-Problem bezeichnet.

Als die Wissenschaft über die Zeitalter fortgeschritten ist und wiederholt die Ungenauigkeit vieler Glaubenssysteme, die von den weltweiten Weisheitstraditionen gehalten wurden, demonstrierte, war es nur natürlich zu vermuten, dass die Vorstellung, die Welt würde aus so etwas unfassbarem wie reinem Bewusstsein bestehen, genauso unrichtig ist. Die Gemeinschaft der neurowissenschaftlichen Verhaltensforscher reduzieren meist alle mentalen Phänomene und Bewusstsein selbst zu neurologischen Funktionen. Sie geben dem Gehirn wörtlich die ganze Autorität und bestreiten den Einfluss des Bewusstseins, das dem Gehirn innewohnt. Durch das erbitterte Festsaugen an solch einer Interpretation machte ich die Erfahrung, dass die inhärente Fähigkeit unser Gehirn zur entwickeln unterernährt bleibt und zahllose Menschen hoffnungslos und frustriert hinterlässt. Dies ist insbesondere der Fall, wenn diese Menschen entweder keinen Zugang zu geeigneter psychiatrischer Behandlung haben, oder nicht gut auf Medikamente reagieren, die typischerweise in deren Umständen verabreicht werden.

Über die letzten 20 Jahre hat die Wissenschaft herausgefunden wie tief das menschliche Gehirn von Erfahrungen und der Umwelt beeinflusst wird, und nicht nur im frühen Leben sondern über die ganze Lebenspanne. Dieses neue Verständnis der Fähigkeit des Hirn sich zu verändern und zu entwickeln, oft als Neuroplastizität bezeichnet, bietet neue Erkenntnisse zu persönlicher Entwicklung, die einst unmöglich erschienen. Laut Sharon Begley (2007) ist bei der bestmöglichen Nutzung der Gehirnplastizität durch vorsätzliches Bewusstseinstraining, »nicht lediglich die Absenz von psychischen Erkrankungen das Ziel, worauf anscheinend alle psychiatrischen und psychologischen Therapien heutzutage abzielen, sondern die dauerhafte Präsenz von robuster mentaler und emotionaler Gesundheit« (S. 221). Die Erforschung der Neuroplastizität zeigt klar, dass bestimmte Arten des Mentaltrainings einen Einfluss darauf haben wie unser Gehirns operiert, was stark impliziert, dass unser emotionales und mentales Wohlbefinden tatsächlich durch mentale Disziplin kultiviert werden kann; etwa durch die Entwicklung von Gewahrsein und die Evolution von Bewusstsein.

Belege zeigen klar: Unsere individuellen emotionalen Sollwerte können auf höhere Levels des Wohlbefindens verlagert werden. Andererseits behandelt konventionelle Psychiatrie typischerweise Symptome von mentalem und emotionalem Beschwerden durch Psychopharmakologie, ohne notwendigerweise die tieferen, kausalen Probleme hinter diesen Beschwerden zu adressieren.

Der herkömmliche Schwerpunkt liegt also scheinbar auf der Manipulation der Neurotransmitter um Symptome zu mildern, und verbannt die Menschen, die an solchen Beschwerden leiden, in die Rolle des Opfers der Hirnchemie und Psychologie, und verurteilen sie für den Rest ihres Leben zur Abhängigkeit von Psychopharmaka ohne Hoffnung auf zukünftige Befreiung. Mehr noch, manche Medikamente bedürfen oft noch zusätzliche Medikamente um ungewünschten Nebeneffekten entgegenzuwirken.

Bevor ich weiter gehe erlauben Sie mir ganz klar zu sein: Ich bin nicht gegen Psychopharmaka, Psychiatrie oder die Verwendung von Medikamenten. Die Entwicklung und der Nutzen solcher Medikamente hat stark zur Welt beigetragen in der wir leben, und hatte mehr als einmal einen positiven Einfluss auf mein eigenes Wohlbefinden. Während der Einsatz von Psychopharmaka ist oft notwendig in der kurzzeitigen Behandlung von Symptomen (und in einigen Fällen wird es auch in Langzeitbehandlungen notwendig sein), bietet es an sich recht limitiertes Potenzial darin, in Langzeitbehandlungen dem Gehirn neue und gesunde neurologische Gewohnheiten anzutrainieren. Andererseits ist die Kultivierung von bewusster Wahrnehmung durch Meditation und Achtsamkeit für solche Langzeitbehandlungen ein geeignetes Mittel.

Bidirektionale Kausalität

Eine spirituelle Interpretation von kontemplativer Neurowissenschaft stimmt mit der grundsätzlichen Sichtweise überein, dass Biologie eine Rolle in kausalen Zusammenhängen spielt. Viele der Gedanken und Gefühle, die wir in unserem Alltag erfahren, sind tatsächlich das Resultat von gewohnten neuralen Prozessen. Wie auch immer, die spirituelle Sicht auf kontemplative Neurowissenschaft sieht Kausalitäten zwischen dem Gehirn und dem Verstand nicht nur als unidirektional, sondern bidirektional. Somit anerkennt diese Ansicht die Kapazität des Bewusstseins, das Gehirn zu beeinflussen und zu verändern, besonders wenn es systematisch und konsistent über längere Zeit trainiert wird.

In dem wir der Welt des Bewusstseins seine eigene Realität einräumen, bietet die spirituelle Sicht der kontemplativen Neurowissenschaft eine wissenschaftliche Weltschau, mit der Fähigkeit radikaler Veränderung desses, was wir glauben, dass es für unser Leben und die Leben von zukünftigen Generation möglich ist.

Referenzen

Austin, James H. (2006). Zen-Brain Reflections. Cambridge, MA: MIT Press.

Baer, R. A., Smith, G. T., Allen, K. B. (2004). Assessments of mindfulness by self-report: TheKentucky inventory of mindfulness skills. Assessment, 11(3), 191–206.

Barnhofer, T., Duggan, D., Crane, C., Hepburn, S., Fennell, M., & Williams, J. (2007, May 7). Effects of meditation on frontal alpha-asymmetry in previously suicidal individuals. Neuroreport, 18(7), 709–712.

Begley, Sharon. (2007). Train Your Mind Change Your Brain: How a New Science Reveals Our Extraordinary Potential to Transform Ourselves. New York: Mind and Life.

Davidson, R. J., Kabat-Zinn, J., et al. (2003). Alterations in brain and immune function produced by mindfulness meditation. Psychosomatic Medicine, 65, 564–570.

Goleman, Daniel. (2003). Destructive Emotions: How Can We Overcome Them? New York: Bantam Dell.

Lazar, S., Bush, G., Gollub, R., Fricchione, G., Khalsa, G., & Benson, H. (2000, May 15). Functional brain mapping of the relaxation response and meditation. Neuroreport, 11(7), 1581–1585.

Lazar, Sara W., Kerr, Catherine E., Wasserman, Rachel H., Gray, Jeremy R., Greve, Douglas N., Treadway, Michael T., McGarvey, M., Quinn, Brian T., Dusek, Jeffery A.,

Benson, H., Rauch, Scott L., Moore, Christopher I., Fischl, B. (2005, November 28). Meditation experience is associated with increased cortical thickness. Neuroreport, 16 (17), 1893–1897.

Lutz, A., Greischar, L., Rawlings, N. B., Ricard, M., Davidson, R. J. (2004). Long-term meditators self-induce high-amplitude synchrony during mental practice. Proceedings of the National Academy of Sciences, 101, 16369–16373.

Siegel, Daniel J. (2007). The Mindful Brain: Reflection and Attunement in the Cultivation of Well-Being. New York: W. W. Norton.

Erschien im Original auf www.iawakeblog.com. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Übersetzt von Heinz Robert.


Eric Thompson ist Mitglied des All-USA Academic Teams 2009, er reiht sich in die Top 20 der Community-College Studenten in den USA und USA Today brachte einen Beitrag über ihn. Er schreibt und spricht über die Zusammenhänge zwischen Neurowissenschaft, Psychologie und Spiritualität.
www.iawakeblog.com

Ihre Meinung dazu

Werbung

Europäische Bürgerinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen
Mann-Sein Podcast - Für erwachte Männer in einer komplexen Welt
Profound Meditation Program
Hier könnte Ihre Werbung stehen
Phänomen Verlag

Nächste Termine

  • Sonntag, 16. Juni 2013Achtsame Arbeitstage
  • Sonntag, 23. Juni 2013Spiritualität ohne Religion?
  • Freitag, 28. Juni 2013Woman Waking Up: Individuation beyond Archetypes. Seminar in englischer Sprache ohne Übersetzung
  • Freitag, 28. Juni 2013Stufen der Wandlung. Die Alchimische Hochzeit des Christian Rosenkreuz
  • Samstag, 29. Juni 20133. BEWUSST SEIN KONGRESS
AEC v1.0.4

Freunde

© 2013 OpenMindJournal. All Rights Reserved. Anmelden Stop CISPA - Theme designed by Gabfire Themes & heavily modified by openmindjournal.com